nisch - Dussel!' i, wußte 'Wipfeln n Son- blauen jawohl, itmenbig lorallen- die hei- Müller Buchung er zwar, ad beim nbildun- lnd doch icn, und Sinnes- hmungs- ime Zeit i leidlich -horchen. Südsee-1* and sehr i, saßen nnüdlich n Rede- Bumeilen engurren >e Laute, eter Lori uf einer ühstückie, >u singen in einem es dem inwirbliz ter Piep- ch — der vue beim e in den »aren...| auf, suhl das Lied tte, reckte ;!“ Dam prungene der Pol- rller!" >as Hirn, ien unter e, wie er ene Onlel eim beim! ien? W ischeu dir ndes von gant 0»l er Mann -. ihn eines verschon-1 die geleh- hatte dm ) daß W 3 und N alle Fallr^ rum oh« stlos lö|rt- ihm nut nen Atol- »gar, ob« ieren, M mitnah"! d so nett Muse« rächt, vn« i sand. ® r!" sag«»- ch, daß « prechend« nitbring« (in ihr« matra v« tiefcrnft« t GlavB -rllcksichÄ Gieße"- SietzenerKnnjlienbMer Unterhaltungsbeilage zum Sietzener Anzeiger Jahrgang 1950 Montag, den §7. Marz Summer 22 x 1,1 uujecii uno fiumren, wen m^rh^e»re 1111 5ra$finS über Eisland neu erstrahlt, zurück. Mit wPenden Augen. Sie haben dem weißen Tod ins Antlitz gesehen. So Ruf. Bon Leo Sternberg. Ich denke meine Gedanken in die Nacht, wie Wolken unterm Mond ins Weite fliegen Gedanken der Liebe, habt ihr keine Macht, über die kalte Welt zu siegen? Ich höre, wie Ströme durchs dunkle Erdenrund feindlich herwirbelnd eurem Flug begegnen, Wälder zersplittern. Berge bis zum Grund erzittern und Sterne niederregnen. Bis blutend auch der letzte Stern uns fällt und Flammen des Abgrunds aus der Erde schlagen — Dennoch, du Herz am andern Ende der Welt, hilf mir die leeren Himmel tragen! Eisland. Roman einer Expedition. in Ä eichen das Ziel 'W Sehnsucht, den Pol. Sie legen sie ^Hulle eine Abschrift ihrer Erlebnine nieder und vergraben Wi- non» smd stolz aus ihre Kraft, ihre Ausdauer und ihr Glück. Trinrn k 611 ' ®le haben den Pol „besiegt-. Und als Zeichen des emAten sie einen Fahnenmast. Ein buntes, farbiges Tuch Nn aan^^'v^-Llagge ihres Vaterlandes Norwegen oder An,erika. »I ganzes Bolk erhalt Anteil au ihrem Ruhm. feit nnhJ?-0^ unendlichen Stille schläft mit offenen Augen die Ewiq- au=t«hn m™Tfert Ör-1 ?feinen Menschen hinüber, die pekzvermumnit toemanhTfnnh'r0, L° umhertummeln, als hätten sie das kur alle Zecken IN Besitz genommen, die ihm heimatliche U^°'lechnund in die weiße Fläche der Karte eintragen. weben' hsirfJ a" verschwinden wieder und kommen nicht zurück. Schnee- schlüat fie m t $lI9c um die knarrende Fahnenstange oder der Sturm grnt unh @em cul3'ge^ Pran keusch lag nieder, zerbricht ihr Riick- a ^fetzt Kreuz oder Sterne auf dem leuchtenden Tuche. stille wieder. Und die Ewigkeit schläft weiter. Nüa-'ln ernes Tages ein seltsamer Bogel mit metallenen ohne Ende^»k-«a^"- ^°r ' ®eirn Schrei ist ein tiefer, brummender Ton ^urBurirhr'n*^ 'pkogelr sich silbern im Metall seines Rumpfes, lieber die Tiefe hinweg zieht er feine Bahn. Kälte der Eis- mit. Wii> ein iugt sein geflügelter Schatten unter ihm aber er ckük-i ^-^>er ferner geduckten Beute umkreist er den Pol, Weil bur*tLÄ hernieder. Auch ihn belauert der Tod. Ein stählerner unb*”b «”* Wie die^Mb^»-^V«chten das Ziel! Wir, fliegende Menschen. nach Süden' -Hundeschlitten muß auch der stählerne Bogel wird er ftiiaefmiih^' Me»-er Grönland oder Alaska auf dem Heimfluge i zu begreifen Läftmos vor ihren Hütten starren ihm nach, ohne steuert und e'in^ fliegendes Schiff, das hinüber- lchen. Zurück i>feih? ’^n9 versucht. Die Flaggen wechseln und die Men- -buruck bleibt ferner, solange fein Herz noch schlägt. Es ist schon S de"r sna <.VOn taU! n™ ^breichern eines unsichtbaren Orchesters aeivielt Polfahrer und Walfischfanger, die im Packeis eÄ^niFen fiXn'r' b's(f5hm°5' die Eingeborenen von Etah, kennen dftsen unheim^ nh»ns~m' dergroßen Stille. Sie können ihn euch nicht beschreiben nein aber sie verges en ihn nie. Es ist Musik die wie einai vvr den Augen tauft, ttaumhaft undunbegrriftich Kffinaä —<—----- "«u«cn o-unvesllmrlen uoer verharschten I FlüaeFn Bersteck, flattert auf mit rauschenden ^,nee nordwärts, immer nordwärts, geraten in Stürme erfrieren' od->r fret[ “ber der weißen -scheibe der Tiefe, die ihre überwintern in Schneelöchern und Mchtwenn tte C inner . Lbaf7^ M» |teU-ert S*rf Süden. Ein dunkles Soiwensck.-,k>» „„ M«.. ■ U,K,U1 we v.rmnern, triebhaft, an Moosgrün und braune Erde, treibt sie unter dem niederen Himmel dahin. Fern, südwärts liegt Grönland mit seinen --chlupswinkeln zwischen unersteigbaren Felsen, wo die Eiderenten über- ! F ’Ji.1'-r? ra2 vnd Eulen nisten. Der Salzruch des offenen Meeres lockt^uber Hunderte von Meilen. Und der Geruch von Fischen Sie schwimmt aus dem schellenden Ton der Stille dahin mit reatofen iftugclu und vorgestrecktem scharfen Schnabel. Am Saum der weiten übe^ffchen" Wchk^.^^ blC PW,!J ""den, loht ein schmale^ Streifen 'k>rer Fah7t schreit sie auf, wie ein Mensch lacht, als sie tief unter sich einen Eisbären erspäht, der auf einer spiegelblanken Scholle dahintreibt. Er trottet auf seinem Eisfloß von einer Seite zur andern @nnVhm*fi ble selbschmutzigen Pranken und nickt mit dem massigen &S"“ W »"“W- ->« »-» Äi quittt und in der schneidenden Kälte erstarrt wie alles Lebendige hier oben, wenn die endlose Nacht beginnt. ^.eoenolge hier Es ist noch Herbst. Morgen vielleicht schon, ohne neue Sturmwarnung und ohne Heber- Einfmnkeck 65 ®'nter fem- 11 nö das große Dunkel stürzt sich über die „„.'luch das Eisland hat seine Jahreszeiten. Ja. Einen kurzen Frühlina und einen kargen Sommer, unterdes die Sonne nicht untergeht Das ist sn ®ef^ent. an.1ble Landschaft und wie ein schmales Entgelt. Jetzt sink, die kleinen demütigen Blumen, die violetten Kelche des Steinbrechs die silberweißen Glöckchen des Rosmarin, die gelben Hungerblumen un& fetten Eisranunkeln langst verblüht. Feuchtes Moos und braune Flechten am Boden wieder unter Neuschnee vergraben. Alle Tiere haben Flug und Wanderung nach dem Süden angetreten. Möven, Cisenten Schnee- ammern, Srfmeeeufen und Raubzeug. In Herden trotten die Mchchus- ochsen nach besieren Futterplatzen. Weiß- und Blaufuchs schnüren in ihren Spuren. Der Polarwolf, der gestern mit langen Sätzen den Schneehasen sagte hat Hung^augen bekommen und wittert vergeblich nach frilchen Fahrten. Jedes Wild wäre ihm heute recht. Seehunde und Walrosse die Bon Hellmuch Unger. Copyright by Earl Schünemann, Bremen. Herbst über Eisland, Herbst ohne das Kupferflammen gilbender fil °^ne Un$ of)ne das große Sftahlen der Landschaft die ich restlos verschenkte und müde die Stille des Winters erwartet Herbst “r b^msero"‘9ern ?"Hsel der Jahreszeiten. Wenn ihr es auf der nnprinrtAt ba,ra [eU(^t,etr.C5 euch makellos und unberührt entgegen K brtL®»e'Äen^‘9^eit feiner weihen Schneewüsten. Es ist Memandsland Ewigkecksland. Doch gleich der blauen Spitze der Kom- S^aeri^ri °n^erliche Sehnsucht der Menschen polwärt» nach wst Erde^heißen bem Sref,punft unseres winzigen Gestirns, das Manchmal und immer wieder im Ablam der Jahrzehnte kommen Men chen von Süden, durchstoßen auf kleinen Schiffen den nÄchtiaen "^. Treibeis ziehen mit niederen Hundeschlitten über nerharichte vchnes norhmartc; immer ---. ; f aue 'Menschensehnsucht wendet sich vom Pol wieder nach Süden KWWWUZ undundzwanzig Männer, Amerikaner und zwei E-ftmos au" Etab d-»n Marsch nach Luden hier unterbrochen wurde. Abenteurer ober |e& Tage und drei Rächte brandet schon der Sturm über Eis- fe!n, Schrei ist metallen wie der Ton von Trompeten Seine fiif. überrinl^^^' .^berge brechen auseinander und Blocke quadern ich uveremander. Staubschnee rreselt vor ihm her wie Scharen flückten. der Hermeline, die furchtbang in klaffende Eisspalten jagm um llck eruecken Fernhin wandelt sich das große Brausen zum "Orgelton $ Cm halbverhungerter Polarfuchs duckt sich mit erKifbenhen Airhtw» Fährte Tm .fei"eF ®o(oppnöe und erstickt schneeuberwehk Seine ftühn, ve^vifcht.^^' 3™l,^en ber Bluttropfen wie scheue rote9 Blumen Ohne Widerstand zu finden, rast der Sturm weiter. Ein taumrinh,r ünkt"?m° Mris 'a(VH+ feruner raä-te getroffen, fällt wie ein Stein und w samm'm Sft b?5 @nbe. ,rtn b beT Or?a" ^emkurz zu- * auf Eisland den kurzen Sommer hindurch zu schlafen gewohnt waren, sind verschwunden und fischen südwärts weiter, wo sie das dünne ^ungeis noch leicht mit den Schädeln zersplittern können, wenn sie, um Lust zu holen, auftauchen. Und die Bären, die das heiße Blut und den Speck des jungen Seals brauchen, folgen ihnen. Alle, alle Spuren führen nach Süden. _ Aber ist es nicht noch zu früh? Seht, noch glimmt der Sonnenball nm Himmel, wenn auch niedrig am Horizont. Wind zerreißt die Rebehchleier. Es ist ein Tag, blau und kristallklar, der sich kuppelhast über der weihen Einöde wölbt. Die Sonne flammt purpurrot wie eine Ampel und das Eisland verwandelt sich wie durch ein Lichtwunder. Die durchsichtigen Blöcke von Eis saugen das Strahlen auf und scheinen zu brennen. Eine blankgeschliffene Schale von Eis leuchtet. Zinnoberne Flammchen schlangeln sich in ihr empor. Ihr Sockel ist grün wie das Meer tn der sud- [ee. In allen Schrunden züngelt es violett und blau. Die Tiefe unter dem Eise leuchtet bis zum Herzen der Erde hinab. Es wird ganz still. Und die Ewigkeit schläft. Zwei Männer in dicken zottigen Pelzen kommen über das ^is. In die Riemen eines Hundeschlittens eingeschirrt stampfen sie nebeneinander her wie zwei ermüdete Bären auf den Hinterpranken. Mit Schultern und Brustkorb ziehen sie die Lasten hinter sich her. Der lange schmale Polarschlitten gleitet auf niederen Kufen über die rauhe glasharte Kristallwüste, die sich inmitten der Unendlichkeit verliert. Durch die Kraft der Anstrengung sind die steifen Riemen aus «ee- hundfell bis zum Zerreißen gespannt und schneiden tief in das Pelzwerk ein. Unter den Kappen dampft der Atem in mächtigen Stößen hervor und schlägt sich reifgrau auf die vereisten Bärte. In der unermeßlichen Weite haben die Gestalten der beiden Männer etwas Zwerghaftes. Mit Eisstöcken in den Fäusten arbeiten sie sich vorwärts. Sergeant Rice ist viel größer als der Eskimo Jens Edvard, aber jetzt geht er vor Mattigkeit tief gebeugt. Erschöpfung lastet ihm im Racken, als trüge er Steinlasten. Seine Augen sind von der Grellheit des Lichtes stumpf geworden und haften nicht mehr am Blaugrün der weglosen Fläche. Es ist schwere, ungewohnte Arbeit, einen Schlitten Hunderte von Meilen hinter sich herzuziehn, nur weil man in den Raststunden Fleischkonserven, Schiffszwieback, Seehundsspeck, den Kochapparat und den Schlafsack nicht entbehren kann. Auch die Waffen nicht, Ersatzriemen und ? Leutnant dreelg, der Kommandeur von Fort Conger, wollte ihnen sogar noch das kleine Sommerzelt mitgeben. Nein. Dann wäre der Schlitten wohl bald zusammengebrochen. Wenn sie keinen Sturm bekamen, ließ es sich wohl einige Nächte im Freien aushalten. Der Marsch der beiden Männer führt nach dem Kompaß südwärts. Das Ziel heißt Cap Sabine. Sergeant Rice vermag seine Ermattung nicht länger zu verheimlichen. Die frostwunden Hände in den Fausthandschuhen brennen. Die Arme sind längst erstarrt, und die Füße lösen sich kaum noch vom Eise. Langsam richtet er sich auf und sieht den Eskimos seitwärts an. Jens bleibt straff im Geschirr und beachtet es nicht, daß er den Schlitten jetzt fast allein zieht. Er will es nicht inerten. Welch ein prachtvoller Kamerad ist doch Jens Edvard! Der Amerikaner ist hilflos. Er möchte etwas sagen und seine geschwollenen Lippen bewegen sich wohl, doch die Worte bleiben unhörbar. Die Kälte zerbricht sie. , rj „Wenn wir doch unsere Hunde noch hätten!" sagt er. „Was meinst du, Jens? Dann wären wir längst am Cap." Der Eskimo trottet stumm mit vorgeneigtem Kopfe. ,Die Hunde! Die Hunde!' denkt Rice. In feiner verwirrten Phantasie sieht er sie vor sich herjagen wie damals, als es ihnen und den Kameraden besser erging. Damals ... damals, als sie von Fort Conger aus noch Entdeckungsreisen nach dem Norden unternahmen. Kein Mensch war dem Pol näher gewesen als sie. Keiner. Im letzten Winter hatten sie die Tiere zurücklassen müssen, als die Flucht nach Süden begann. Die Hunde sind jetzt wohl längst verhungert. (Sreeh) hatte für Futter gesorgt und verbot, sie zu erschießen. Aus Mitleid? In dem Kutter, der die Mannschaft nach Camp Clay brachte, war kein Platz mehr für Tiere. .Die Hunde! Die Hunde!' denkt Sergeant Rice und flucht. Jens Edvard marschiert. Er ist wie eine Maschine. Nein, er hat nichts gehört. Auch er ift taub vor Ermattung. Seine weichen, hellblauen Augen ächten nur auf drohende Gefahren im Eis. Jeder Spalt kann ihre letzten Hoffnungen zerstören, zwingt zu neuen entmutigenden Umwegen. Ein Glück, daß der Sturm der letzten Tage das Eis so blankgeschliffen hat, sonst kämen sie gar nicht mehr vorwärts. Richt der Ermüdung nachgeben! Weiter, nur weiter. Die beiden Männer sind feit dem frühesten Morgen unterwegs und bereits den zweiten Tag. Bis zum Cap sind es mindestens noch zwei Tagesmärsche. Der Rückweg erfordert nochmals vier oder fünf Tage. Und oben im Norden warten die Kameraden auf sie. Born Erfolg dieses Marsches hängt das Schicksal aller ab. Das Schicksal? Rettung oder Tod im Eisland. Begreift ihr, was das bedeutet? Zwei endlose Winter am Pol in zermürbender Kälte und Dunkelheit waren auch schon ein langsames Sterben gewesen. Aber keiner hatte es wohl recht erfühlt. Ein dritter Winter mußte das sichere Ende bringen. Doch sterben? Nein und nicht so! Sergeant Rice war einet der wenigen, die noch keinen Augenblick Hoffnung und Mut verloren hatten. Er hatte sich auch mit Edvard zusammen freiwillig zu dieser Erkundungsexpedition gemeldet. Er glaubte fest daran, daß sie bei Cap Sabine erwartete Nachrichten vorfinden würden, aus welchen Gründen das Schiff, das die Mannschaft schon vor einem Jahre hätte ablösen sollen, nicht wiederaekommen war. Hatte man sie in der Heimat denn vergessen? Cap Sabine erreichen, bas bedeutete Botschaft und Nahrungsmittel , inden, Grüße von denen daheim, fern im großen herrlichen Lande unterm Sternenbanner. * Hunger brennt in den Eingeweiden. Ungestillter Durst macht den Gaumen wund und rissig. Man könnte sich ja nach einem Eissplitter bücken und ihn langsam auf der geschwollenen Zunge zerschmelzen lassen. Aber stehen bleiben mühte man. Einen kurzen Augenblick rasten müßte man. „He, Jens!" Stellt der Eskimo sich etwa taub? Jens könnte seinen Kameraden vor Wut niederschlagen, der arglos neben ihm dahintrottet. Der Eskimo deutet mit der Hand voraus. Soll das eine Antwort auf die Frage fein? Der Saum des Horizontes bleibt doch immer unerreichbar. Und fern ragt der fahle Schattenriß eines tumpfen Bergkegels. (Fortsetzung folgt) März. Bon Eugen Roth. Die Wolken kommen so leise geschwommen im Frühlingsfeuchten mit stillem Leuchten hoch über die Stadt. Durch Lächeln und Lieder meinen hernieder verschollene Tage mit trauriger Frage, für die mein Herz keine Antwort mehr hat. Die Vögel kommen wieder. Das Geheimnis des Fernzugs. Bon Peter Bauer. In diesen Tagen begann die Rückkehr der Zugvögel in bie Heimat, in dieselben Wälder, Fluren und Städte, die sie im Herbst verlassen haben. Immer noch ist der. in jedem Jahr sich zweimal wieder- bolenbe Fernflug eines großen Teils unserer heimischen Bogelweli ein Problem, das noch nicht gelöst wurde, wenn auch einige interessante« Theorien dem Geheimnis nahe zu sein scheinen und zahlreiche wissenschaftliche Erfahrungen und Beobachtungen mit alten Ansichten aufgeräumt haben. v Man weiß heute, daß nicht nur Nahrungsmangel oder Temperatureinflüsse den Wegzug der Vögel veranlassen. Denn gerade in den Herbst- monaten, wo viele Insektenfresser und Körnerliebhaber ihre Wanderungen schon beginnen, ist der Tisch der Natur noch reichlich gedeckt. Sich« "gibt es oft mehr zu picken, als in manchem Frühjahr, wo sie schon zurm sind Nicht anders ist es mit den Wärmeverhältnissen. Wie selten komm ein Frühling den schönen Herbsttagen gleich, wo die Erde noch somm«- liche Wärme auszustrahlen hat. Noch überzeugender ist die festges« Tatsache, daß Vögel in der Gefangenschaft während des Zuges ihrer U Freiheit lebenden Artgenossen von einer auffallenden Unruhe erfaßt werden. Sie flattern gegen das Gitter des Käfigs oder bergen den W unter die Flügel und zittern. Wer sagt nun den Gefiederten, daß ihnen trotzdem der Wegzug zw Heile ist? Daß hinter den Tagen der herbstlichen Fülle doch ein Win!« der Not und Entbehrung, der Kälte und des Frostes kommt'. Wehs wissen die Wanderer, daß im Süden ein gelobtes Land ftir sie liegt.- Und wie erfahren sie die Zeit zur Rückkehr? Wer sayt ihnen daß » Heimat jetzt schnee- und eisfrei ift? Alle diese Fragen sind bis heute nie ungenügend beantwortet. Das Geheimnisvolle wird noch dunkler, wem man bedenkt, daß es außer den familienweise fortziehenden Vögeln w ' Störchen, Kranichen, Wildgänsen, wo also die Alten den Jungen. Weg weisen können, viele Einzelflieger gibt, die sich trotzdem .WW finden. Der junge Kuckuck etwa, der im Nest einer überwinternden » stelze aufwuchs, findet allein die Flugrichtung und sein Ziel. Und |ewj wenn ihn ein Rohrsängerpärchen, das ebenfalls nach Süden zieht, « zog, schließt er sich nicht seinen Pflegeeltern an, sondern verweilt « eine Zeitlang bei uns, bis ihm dieser rätselhafte -trieb eingibt, doch » Stunde seines Ausbruchs gekommen ist. Eine etwas seltsam anmutenbe Theorie stellte der ostpreußijche » ter Alfred Brust auf, der bas Problem kosmisch anfaßte und »«, kosmische Gleichgewicht, ein den Vögeln eingeborenes » gleichsbedürfnis, die Ursache des Vogelzugs nennt. Sein Gedanken« ist ungefähr folgender: Hätten mir eine senkrechte Erdachse, so wm°, sich das Gleichgewicht auf deq, Erdbahnellipse keineswegs verlagern, w ja der Zustand der Sonne auf allen Punkten der Erde dauernd sw wäre. Da nun aber die Erdachse schräg zum Sonnensystem steht, h-" erbene Gleichgewicht veränderlich, und zwar liegt ein Ter! der c, außerhalb der Erdbahnellipse. Brust stellt nun das Bestreben terw- fest, immer nur innerhalb der Erdbahnellipse zu stehen. DiellE' meint er, aus dem Grunde, weil vor vielen Jahrtausenden die im feit bestanden haben konnte, daß der Stand der Erdachse zum «0 system ein senkrechter war, das kosmische Gleichgewicht al|o bei hat. „Tatsache ist", folgert Brust, „daß den Vögeln auch heute noa) kosmische Gleichgewicht eingeboren ist. Und genau in dem f^ge in dem ein Teil unserer Erde außerhalb dieses kosmischen Gleiiyg ■ gerät, ergreift die Vogelwelt Unrast im wahrsten Sinne des Wories, , sie ist bestrebt, sich dem Urgleichgewicht anzunähern, soiveit es nm »-» So gibt es Schwalben, ine dieses Gleichgewicht bis zur Vollkommenheit auspendeln — und zwar fliegen sie alljährlich zwischen Nord- und Südpol hin. Und es gibt unbeholfene Flieger, wie zum Beispiel die Krähenvölker, die es bei einem Flug von hundert bis zweihundert Meilen bewenden lassen. Gang ohne Eindruck jedoch läßt das kosmische Gleichgewicht keinen Vogel." So dunkel auch noch die Ursache des Vogelzugs ist, so viel Interessantes weih man heute doch über den Flug selbst. Wie schon oben angedeutet, gibt es Scharen- und Einzelslieger. Außer dem Kuckuck ziehen viele Raubvögel und einige Insektenfresser einzeln. Sing- und Strandvögel fliegen in lockeren Gefügen, während Kraniche und Wild- gänfo die bekannt« Keilsonn bilden. Die Scharen der Stare zählen oft viele Hunderte von Vögeln, ja Tausende. Merkwürdig ist die besonders bei vielen Singvögeln beobachtete Trennung nach Alter und Geschlecht. Die Jungen fliegen zuerst. Später folgen von den alten Vögeln die Weibchen und schließlich die Männchen. Bei den Buchsinken überwintern bekanntlich säst nur Männchen bei uns, während die Weibchen nach dem Süden ziehen. Deshalb hat der wissenschaftliche Name „coelebs", den der schwedische Systematiker Linnö dem Buchfink gab, eine gewisse Be- ' rechtigung. Der männliche Vogel lebt tatsächlich monatelang im Zölibat. Ganz verschieden ist der Ausbruch zum Südenflug bei den einzelnen Vogelarten. Während die Schwalben mit ziemlicher Regelmäßigkeit um Mariä Geburt (8. September) ihre Reise antreten, fliegen die Turmschwalben oder Mauersegler fast zwei Monate früher weg und viel später erst, im Oktober, die Feldlerchen. Sehr vielen Gefahren sind besonders die Singvögel ausgesetzt, die auch nachts fliegen. Tausende gehen durch Anfliegen an Telegraphendrähte zugrunde, mehr noch zerschellen an Leuchttürmen, deren Lichtkegel sie wie täppische Nachtschmetterlinge onziehen. Gang verschieden sind Höhe und Geschwindigkeit des Vogelzugs. Die phantastischen Zahlen, die man ost der Flughöhe der Vögel andichtete, sind heute auf Wirklichkeit und Tatsache zurllckgeschraubt. Wir wissen, daß die Gefiederten nur selten über 400 Meter emporsteigen. In vereinzelten Fällen hat man Schwalben in 450, Krähen in 500 und Bussarde in 900 Meter Höhe angetroffen. Die Frühjahrs- und Herbst- *— züge pflegen sich durchschnittlich in einer Höhe von wenigen hundert Metern zu bewegen. Die Vögel haben vor allem das Bestreben, die Erde nicht aus dem Blick zu verlieren, da sie ihnen wesentliches Orientierungsmittei ist. Die größte Flugschnelligkeit besitzt der Star, der in der Sekunde 20,6 Meter, also 74 Kilometer in der Stunde zurücklegt und die schnellste Brieftaube übertrifft, die nur eine Stundenleistung von 62 bis 69 Kilometer erreicht. Es folgen, um einige Vogelarten zu nennen, Kreuzschnabel mit 60, Wanderfalke mit 59,2, Fink mit 52,5, Krähe mit 50, Möoe mit 49,5 unk^ Sperber mit 41,5 Kilometer 'stun dengeschwindigketi. Der sehr schnelle Flug der Schwalbe läßt sich ihres Zickzackzuges wegen schwer abschätzen. Auffallend und in ihren Erklärungen noch widerspruchsvoll ist di« Tatsache, daß viele klein« Sänger größere Zugvögel als Reittiere benützen. Man hat beobachtet, daß von den Rücken der Kraniche, auf die man einen Schuß abknallte, kleinere Vögel hochflogen und wieder zurück- kehrten. Der italienische Gelehrte Professor Spalagi'o hat, wie er in einem seiner Werke mitteilt, vom Leuchtturm in Neapel aus seine Beobachtungen wiederholt mit einem guten Fernglas gemacht und festgestellt, daß hauptsächlich Rotkehlchen, Zeisige und Meisen die Kraniche als Reittiere benutzen, während von Lerchen, Finken und Bachstelzen die Störche bevorzugt werden. Ueber die Ursache dieser seltsamen Gemeinschaftsflüge äußert sich der Gelehrte folgendermaßen: „Wenn man bedenkt, daß den größeren Vögeln durch das Gewicht des kleineren die Arbeit des Fliegens nicht unbeträchtlich erschwert wird, so muh die Annahme, daß es sich hier lediglich um einen Akt der Barmherzigkeit gegenüber den kleineren Vögeln handel!, wohl ohne weiteres verworfen werden. Der Selbsterhaltungstrieb ist bei jedem Vogel gerade zur Zeit der Wanderflüge aufs höchste entwickelt, und weder Störche noch Kraniche würden diese lebende Last, die ihren Kräfteverbrauch nur steigert, auf ihrem Rücken dulden, wenn sie eben nicht von den kleinen Passagieren auch gewisse Vorteile hätten. Meines Erachtens besteht zwischen „Roß und Reiter" in der Welt der Wandervögel ein richtiges Gegenseitigkeitsverhältnis: während der große Vogel den kleineren mitträgt und ihm so die Arbeit des Fliegens abnimmt, leiht der Passagier seinem Reittier, dessen Sinne di« Anstrengung der Reise abgeschwächt haben, Gesicht und Gehör zwecks leichterer und besserer Orientierung." Die gesamte Flugstrecke wird von den Wanderern in mehreren Tagen etappenweise zurückgelegt. Nur von einem einzigen Vogel, dem amerikanischen Goldregenpfeifer weih man, dah er feine Wanderung in einem ununterbrochenen Flug bewältigt. Er überquert den Atlantischen Ozean zwischen Neuschottland und Venezuela in einer Ausdehnung von 3600 Kilometer ohne Zwischenlandung. Wie lange er zu dieser Flugleistung braucht, steht noch nicht sest. Um die Zug st raßen seststellen zu können, die die einzelnen Dogel- arten einschlagen, hat man sich mit Markierungen geholfen. Es gibt sogenannte Beringungsstationen, wo Nestjungen und eingefangenen Alt- oögeln leichte Fußringe aus Aluminium angelegt werden. Die Ringe tragen Nummern, und zwar fortlaufende, so daß keine zweimal vorkommt. Anhand dieser Nummern weih man also ganz .genau, aus welchem Gebiet der Vogel aufgebrochen ist. Wird nun ein solcher beringter Vogel unterwegs tot aufgefunden, so kennt man den Weg, den er bis dahin genom- men hat. Auf diese Weis« hat man erfahre», dah ein Vogel immer wieder m das Gebiet zurückkehrt, in dem er geboren wurde. Die besten Resultate der Vogelzugbeobachtung hat man bis jetzt bei Störchen erzielt. Merkwürdig ist, daß die bei uns beheimateten Vögel auf zwei verschiedenen Wanderstraßen ihr Winterquartier, nämlich das afrikanische Äap= lanb, misslichen. Die östlich der Weser nistenden Vögel ziehen nach Süd- osteir über Ungarn, den Balkan, die Dardanellen, Kleinasien, Syrien, nach dem Niltal und von da über die ostafrikanische Seenplatte nach dem naplaud. Di« rund 10 000 Kilometer große Strecke legen die Störche in 4.«flesleiftunflen von durchschnittlich 200 Kilometer zurück. Die westlich oer Weser ansässigen Vögel ziehen durch das östliche Frankreich und Spanen nach Gibraltar, über das Meer und von da — was noch nicht klar ist — wahrscheinlich über den Atlas, durch die Wüste, um in Höhe des Viktoriasees auf die Flugstrahe der östlich gereiften Wanderer zu treffen, und dann gemeinsam mit ihnen dem Kapland zuzustreben. Der schnellere Rückflug der Zugvögel im Frühjahr gegenüber dem langsamen Zug im Herbst wird mit dem stärkeren Drang zur Fortpflanzung begründet. In umgekehrter Zeitfolge, wie sie uns verließen, kehren st« zurück. Die letzten sind die ersten geworden. Bis zur ersten März- Hälfte treffen Storch, Lerche, Bachstelze, Rotkehlchen und Singdrossel ein. Ihnen folgen in der zweiten Hälfte des gleichen Monats Kranich, Laub, länger und Rotschwänzchen. Anfang April kommen die Schwalben und am Ende des Monats Grasmücke, Nachtigall und Kuckuck. Sehr empfind liche Vögel kehren erst im Mai zurück, wenn die Märzankömmlinge schön gebrütet haben. Der bekannteste Spätling ist der Pirol, di« GoldamsÄ, die uns bereits End« Juli wieder verläßt. Chikago. Bekenntnis zu der unheimlichen Stabt Von Sherwood Anderson. Am Anfang ist die Nacht. Das ist etwas Ungeheures — etwas Unbe- greifbares. Wie kann ich über Chikago schreiben, ohne mich selbst damit zu vermengen? Wie kann ich überhaupt über irgend etwas schreiben, ohne mich selbst hineinzubringen? Meine Ichsucht ist meine Schwäche und meine Kraft. Ich war kaum der Knabenzeit entwachsen, als ich zum erstenmal nach Chikago kam. Da gibt es Straßen, die dreißig Mellen lang sind — und gänzlich eben. Bauwerke und Häuser, von denen du träumst — fratzenhaft verzerrte Träume. Du mußt den Hintergrund sehen. Er ist da, wo die lange Zunge der „Great Lakes", der Großen Seen, am weitesten ins Land reicht. Ein tiefgelegenes schwarzes Sumpsland, über das die Winde dahinfegen. Im Osten, dicht heranreichend, Michigan. Im Westen Wisconsin. 9m Nordwesten Minnesota. Im Süden ein Land, flach wie ein Billardtisch — fetter Boden. Nirgendwo sonst in der Welt gibt es solchen Maisboden. Zahllose Herden fetter, praller Schweine, die Mais schlemmen. Hornvieh aus den dürren westlichen Bezirken: mager und knochig kommt es hierher — der Mais macht es fett und prall. Hier waren Karl Sandburg, Edgar Lee Masters, Clarence Darrow. Eisenbahnen kamen — ein ganzes Netz von Eisenbahnen — Mühlen- werken, Fabriken. Menschen, Menschen, Menschen! Als ich in meinen jungen Jahren zuerst nach Chikago kam, wußte ich nichts mit mir anzufangen, als mich zu betrinken, jo oft ich es konnte. Das alles war zu gewaltig für mich — zu furchtbar. Konnten denn in solchen Straßen, in solchen Häusern Menschen leben? Sie konnten es, und sie taten es. Ich konnte es auch — und tat es. Zuerst war ich Arbeiter. Dann kam die gerissenere Seite meines Lebens an die Oberfläche. Di« Menschen sind mir von jeher zugetan gewesen, sobald sie mich kennenlernten. Vielleicht deshalb, weil ich den Menschen zugetan bin. Ich fing an, meine Ware an die Menschen abzusetzen. — Werbetexte zu schreiben. Tinte zu verschmieren. Es gibt Taufende, ungezählte Tausende, die das tun. Einige verdienen einen Hausen Geld damit, andre kriegen nicht viel dafür. Ich habe nie viel dafür gekriegt. Hoffnung — Hoffnungslosigkeit. Wenn du nur den berühmten Michigan Boulevard, North Shore, Lincoln Park, Jackson Park gesehen hast, so kennst du Chikago nicht. Aber wozu reden? Da ist der ins Riesenhafte sich dehnende Nordwesten, der Westen, der Süden. Millionen von Menschen aus aller Herren Länder, dicht gedrängt hineingepfropft zwischen Schlachthäusern, Mühlen, Fabriken. Weit« Strecken Oedland. Fünf-, sechs- und achtstöckige Mietskasernen inmitten von Morgen schwarzen Unkrautbodeus, umheult von den Winden — in Mengen findest du solch« Häuser. Rohe Mordtaten geschehen jeden Tag. 'Alles ist unvollendet. In andern Städten bläht man sich ordentlich auf im erhebenden Gefühl seiner Bürgertugend, wenn man an Chikago denkt oder wenn von Chikago die Rede ist. In meiner Erinnerung sind Nächte, da ich durch di« Straßen Chika- gos pilgerte, halb betrunken, hoffnungslos — dahintreibend in einem Meer von Häßlichkeit. Und dann, plötzlich aufleuchtend wie eine flüchtige Erscheinung, der Chikagoer River, das große Siel. Ein Siel, das^st freilich nichts. Aber wartet nur: eines Tages wird der Chikagoer River zu den schönen Flußbildern in der Welt der Großstädte gehören. Er ist zuweilen unglaubhaft schön, wenn du ihn von den Brücken betrachtest: das Schweben und Kreisen der Möwen über dem Gewässer, der seltsame, liebenswert rätselhafte, chryfopasfarbene Fluß — der Lärm von Schreien und Flüchen. Lebenskraft steckt in dieser Stadt. Da sind so viele Menschen auf einem großen, ebenen Platz zusammengedrängt, den feine Lage zur richtigen Großstadt bestimmt hat. Ein riesenhafter Bezirk, noch ungeformt. Er ist nicht im minbeften mit Neuyork, Boston, Philadelphia, Baltimore zu vergleichen. Sieben ihm sind Cleveland und Detroit Dörfer, di« plötzlich groß geworden sind und nun wie Großstädte aussehen. UeberaU Eisenbahnen, Schiffsgedräng« im engen Flußbett, Rauch, Schmutz — ein Klima, so furchtbar in feinem äußersten Gegensatz von Hitze und Kält«, daß nur starke Menschen es aushalten und hier wirklich leben können. Chikago war von Anbeginn eine echte Großstadt und wird es immer fein, solange das Land lebt. Es ist eine echte Großstadt, ebenso wie Neuyork, London, Paris. Eine solche Stadt kümmert sich nicht groß darum, wie du, ein ganz gewöhnlicher Einzelmensch, über sie denkst. „Hier bin ich. Scher dich zum Teufel!" Los Angeles, Cleveland, Seattle, alle Städte dieser Art zeigen sich sogar zu offen her. Sie gleichen einem Menschen, der im Dunkeln pfeift. Eine Großstadt muß etwas im Rücken haben. Land, eine Menge Land. Reiches Land — Mais, Weizen, Eifen, Flüsse, Berge, Schweine, Milch- ykh Chikago hat den Mittlern Westen im Rücken, das Reich, das wir Mtitelamerika nennen, Mars, «chweine, Weizen, (Streit, Kohle, Industrie- bezirk — ein neues Zeitalter fährt auf Öen Rädern der Eisenbahnen über einen Kontinent dahin, schafft eine unglaubliche Menge von Gutem auf Eisenbahrlen durch ein unermeßliches Gebiet, in dessen Mittelpunkt Chicago steht. ... Und durch Chikago hindurch. Auch du wirst in diesen Strom hinein- geriffen, ganz gleich, auf welchem Wege und zu welchem Ziel du fährst. Chikago ist, was es fein will, was es wurde. Chikago ist noch ungeformt Wer kann sagen, was es werden wird? , Es liegt etwas Furchtbares im Formungsvorgang jeder großen Stadt; und Chikago ist noch in der Formung begriffen. Wenn es geworden ist, wird es kein zweites Neuyork, London, Paris sein. Es wird Chikago fein, „Hier bin ich. Scher dich zum Teufel!" Es war die Stadt meiner jungen Mannesjahre — der Zeit, da ich zuerst, undeutlich noch zu begreifen begann, was die Großstadt von der großgewordenen Kleinstadt unterscheidet. Großstädte haben ein fast ebenso deutlich ausgeprägtes Cigen- weien wie Völker, Bäume, Hügel, Menschen. Chikago ist furchtbar — und es ist in manchen Augenblicken schon aus eine Art, die du erst dann begreifst, wenn du lange Zeit darin gewohnt hast. Wenn du in ihm betrauter. und ohne Hoffnung warst, wenn du durch das Leden in ifrni elend warst bis ins Mark deiner Knochen, n>enn du Chikago hingenommen hast wie ein Schicksal, wenn öu dann hoffnungslos durch endlose Straßen gewandert bist — dann beginnst du feine fast rvilde Schönheit zu erkennen. Dann hat die Stadt, die dich so ängstigte und bedriickke, schließlich doch noch einen Sinn für dich bekommen, der sie, wo immer du auch lebst, zu deiner Stadt macht. Ich war in Chikago ein junger Mann, fast noch ein Knabe. Hier sah ich öie erste Frau, die mich abwies, und ich empfand, was ein Mann empfindet, wenn er auf solche Art zurückgestohen wird. Hier bracht« ich zuerst Tinte zum Fliehen, hier sang ich mein erstes Lied. Hier schrieb ich nach vielem Bemühen' den ersten Satz, der meTTtem Urteil standhielt, als ich ihn am Tage darauf wieder las. Hier vernahm ich zum erstenmal Wenschenftimmen in lebendiger Beziehung zu Straßen, Häusern, Städten, sah ich zum erstenmal einen wirklichen Schauspieler über die Buhne gehen, erlebte zum erstenmal Musik- und Malkunst. Wenn ich in irgendeine andre Großstadt der Welt komme, so bin ich Gast. In Chikago bin ich daheim. In Chikago- Wesen lebt etwas Gelockertes, Ungestaltetes, Wildgewachsenes, das auch ich in mir habe. Chikago ist ein wenig so, wie ichbin. Ich bin mehr als ein wenig so, wie Chikago ist. Kein Mensch kann seiner Stadt entlaufen. Ich bin nicht stolz öarauf. Und Chikago wird auch wohl nicht stolz sein. Es ist eine echte Großstadt — m e t n e Stadt. Nimm es hin, wie es ist— oder mach, daß du hinauskommst. Da ist es. Und hier, Gott helfe mir, bin ich. (Aus dem Amerikanischen übertragen von Karl L e r b s.) Tempefairrrgrenze» des Lebens. Von Prof. Dr. phil. et med. A. Pütter. Wenn wir Nahrungsmittel vor dem Verderben schützen wollen, so erhitzen wir sie auf 90 oder 100 Grad und lassen sie dann, geschützt vor dem Zutritt von Luft, erkalten. Die Fäulnis wie die Gärung, denen sonst Fleisch oder Früchte leicht anheimfallen, sind dadurch verhindert, denn durch die Erhitzung haben wir die obere Temperaturgrenze des Lebens der Bakterien, Hefepilze und Schimmelpilze überschritten, haben sie getötet; und wenn durch guten Verschluß der Maser dafür gesorgt ist, daß nicht von neuem Lebenskeime mit der Luft in sie hineingelangen, so kann sich der Inhalt lange Jahre in vorzüglichem Zustand erhalten. Daß die Siedehitze alles Leben tötet, scheinen auch die Beobachtungen an den natürlichen heißen Quellen zu lehren, denn weder in den heißesten Teilen der mächtigen Geiser von Neuseeland, Island oder Jellostonpark, in den Temperaturen bis 1'20 Grad Vorkommen, noch in den Karlsbader Thermen, die 73,8 Grad messen, findet sich Leben. Diese Quellen, die sich an der Lust bald abkühlen, gestatten auch die Beantwortung der Frage, welches die höchste Temperatur (im Wasser) ist, bei der in der Ratttr lebende Wesen dauernd vorkommen, d. h. sich nicht nur erhallen, sondern auch vermehren können. Aeltere Angaben, nach denen in Siede quellen lebende Pflanzen aus der großen Gruppe der Algen schon an Stelle gefunden würden, di^Mus 93 Grad Celsius messen, haben sich nicht bestätigt, vielmehr zeigt da^chennometer an den Stellen, an denen ein feiner spanngrüner lieber« zag der Steine das erste Auftreten der eigentümlich selbstbeweglichen Fäden, der Mau grünen Algen oder Spaltalgen (Oseillarien) zeigt, stets 49 bis 50 Grad Celsius. Wollten wir diese Temperatur aber • für die obere Grenze alles Leben betrachten, so würden wir uns täuschen. Die heißesten Orte, an denen Beben wuchert, sind das Innere von feuchten Heuhaufen oder Misthaufen. Da finden sich eigenartige Bakterien, die noch bei 60, ja bei 70 Grad zu wachsen vermögen. Durch ihre Tätigkeit erhitzen sich feuchte Heuhaufen bis zu Meier Temperatur, ja über sie hinaus, so daß selbst die wärme- holden Spaltpilze schließlich den Wärmetod erleiden. Wenn es kein Wesen gibt, die wesentlich oberhalb 70 Grad leben können, dann muß es doch genügen, wenn wir den Wecktopf auf 80 ober höchstens 90 Brad bringen. Es müßte dann alles Leben vernichtet fein. Eine unangenehme Erfahrung bei dem Versuch, Champignons im Wecktopf zu sterilisieren, hat vielleicht schon mandje Hausfrau stutzig gemacht. Das Glas war auf 90 Grad erhitzt, gut verschlossen, alles schien tadels- stei, und trotzdem waren nach kurzer Zeit die Pilze verdorben. Das ist das Werk des Heubazillus, der in dem Pferdemist nie fehlt, auf dem der Champignon am besten gedeiht. Zwar stirbt er in seiner gewöhnlichen Wuchsform schon imterhalb 80 Grad ab, aber er hat — gleich vielen andern Spaltpilzen — die Fähigkeit, eigenartige kleine Sporen zu bilden, m denen das Leben erstarrt erscheint, aber die Fähigkeit erhalten bleibt, zu neuer Lebenstätigkeit zu erwachen. Diese Sporen sind wohl die gegen Hitze widerstandsfähigsten Gebilde, die es gibt. Erhitzung auf 70 bis 80 Grad können sie drei bis vier Tage lang ertragen, einfaches Auskochen, das heißt Erhitzen auf 100 Grad für einige Minuten, tötet sie nicht, selbst Hitzegrade von 110 bis 130 Grad vermögen sie eine halbe bis eine ganze Stunde lang zu überleben. Trotzdem kann man dieses lästigen Verderbens Herr werden, indem man die Champignons dreimal im Wecktspf erhitzh mit Abständen von zwei bis drei Tagen. In dieser Zeit sind die Sporen aus ihrem Ruhestände zu neuem Leben mit lebhafter Vermehrung erwacht, und in diesem Zustande verfallen sie bei 90 Grad rasch dem SBärmetob. Die Lebensfähigkeit wird also Nicht ganz allgemein durch Siedehitze vernichtet. Wie zu hohe Temperaturen das Leben vernichten, so sind auch zn tiefe mit seinem Fortbestände unvereinbar. Die höchste Empfindlichkeit gegen Temperaturschwankung können wir am Menschen beobachten. 3m Innern unseres Körpers herrscht eine Temperatur, die bei gesunden Menschen im Laufe eines Tages nur zwischen 38,8 und 37 H Grad schwankt. Die höchsten Temperaturen, die bei einem lebenden Kranken, der wieder gesund wurde, zur Beobachtung gekommen ist, beträgt 49,9 Grad Celsius. Bei Menschen, die dem Tode des „Erfrierens" nahe find, ist schon nicht mehr mit Sicherheit auf Erhaltung des Lebens zu rechnen, wenn die Körperwärme auf 24 bis 25 Grad gesunken ist, eine Temperatur von 23 Grad scheint etwa die Grenze der Lebensfähigkeit zu bedeuten. Die Mehrzahl der Tiere und Pflanzen verträgt allerdings viel größere Temperaturfchwaukungen und vor allem viel tiefere Temperatur, ja für viele ist die Wärme, die in unserem Körper herrscht, schon eine schädigende Hitze und erst da, wo die untere Temperaturgrenze für unser Leben liegt, können sie in ganzer Fülle ihr Leben entfalten. Am Kältepol der Erde, in Nord-Ostsibirien, wo die Wintertemperatur auf minus 64 Grad Celsius fällt,'bilden Lärchen und Birken ausgedehnte Waldungen, vermögen alfo diesen enormen Kältegraden zu widerstehen. Freilich befinden ste sich zur Winterszeit im Stadium der Ruhe, d. h. in einem starreähnlichen Zustand, der wohl mit dem der Sporen von Bakterien verglichen werden kann. Die äußerlich erkennbaren Lebenserfchei- nungen stehen bei Pflanzen wie bei Tieren schon bei viel höheren Temperaturen still, nur die Fähigkeit, unter günstigen Bedingungen zu neuem Leben zu erwachen, bleibt bestehen. Bei welcher Temperatur, die äußerlich erkennbaren Lebenserfcheinungen aufhören, ist deshalb schwer zu entscheiden, weil die Kälte alle Lebenserscheinungen verlangsamt, so daß es eine Frage der Feinheit der Methode ist, ob man sie noch erkennen kann. Es liegt nahe daran, zu denken, daß die Temperatur, bei der das Waffer gefriert, eine besondere Bedeutung für die Begrenzung des Lebens haben möchte, aber das ist in dieser Form jedensalls nicht der Fall, denn mir wissen z. B., daß Bakterien, die in einem Eisblock eingefroren sind, noch leudften können, eine Beobachtung, die uns zeigt, daß unter diesen Bedingungen der Stoffwechfel, 'in dem die Leuchtstoffe gebildet und oxidiert werden, noch nicht zum Stillstände gekommen ist. Beschränken wir uns auf die Beantwortung der Frage, bis zu welchen Kältegraden hin die Lebensfähigkeit erhalten werden kann, so gelangen mir zu Temperaturen, die auf der Erde nur mit Hilfe der modernen Methoden, der Ber- ffiiffigung der Gase erreicht rnerden können. Die flüssige Lust, die heute leicht' zu erhalten ist, da sie zu technischen Zwecken im Großen hergestellt wird, hat eine Temperatur von minus 192 Grad Celsius, der flüssige Wasferstoff eine solche von minus 252,7 Grad Celsius und gar das flüssige Helium mit seinen minus 268,5 Grad bleibt mir 4,5 Grad vorn sog. „absoluten Nullpunkt" entfernt, an dem alle Bewegungen der Moleküle mifhören. Solche Hefe Temperaturen hat man mehrfach auf lebende Wesen ein» wirken lassen Besonders die Bakterien, die wegen ihrer hohen Widerstandsfähigkeit gegen allerlei Schädigungen bekannt sind, haben zu diesen Versuchen' herhalten muffen. Temperaturen von minus 200 Grad bis minus 252 Grad vermochten ihre Lebensfähigkeit nicht zu zerstören, ähnlich tiefe Temperaturen vertragen auch die sparen der Schimmelpilze, und feine Kieselalgen überlebten eine Abkühlung auf minus 200 Grad. Besonders erstaunlich war es, daß auch Tiere von verhältnismäßig hoher Organisation, die schon ein besonderes Nervensystem und Sinnesorgan besitzen, sich als sehr widerstandsfähig gegen Abkühlung heransstelltsn. Es find' vor allem die Bewohner der Moosraffen, kleine Fademviirmer, Rädertierchen und die feltfamen Bärentierchen, die die Temperatur des flüssigen Helium minus 268,5 Grad Celsius mehrere Stunden lang ohne Schaden ertrugen. Auch die Gier der genannten Tiere werden nicht geschädigt. Die hohe Widerstandsfähigkeit wurde nicht nur an Tieren festgeftellt, die vorher eingettocknet waren, es gelang vielmehr auf feuchten Moosproben mit ihren lebenstätigen Bewohnern auf minus 253 Grad Celsius abzukühlen und 24 Stunden lang bei dieser Temperatur zu halten, ohne daß die Mehrzahl von ihnen Schaden genommen hätte. Allerdings ist es nötig, die Proben langsam abzukühlen. Bei rascher Abkühlung gehen die metften Tiere zu Grunde, nur einige Rädertierchen und die Gier eines Bärentieres überlebten auch das rasche Gefrieren. Müssen wir nach diesen Erfahrungen sagen, daß es keinen. Kältegrad gibt, bei dem unbedingt alles Leben vernichtet ivird, so ist doch der Hin- roets am Platze, das solche ungeheure Widerstandsfähigkeit bisher nur bei Tieren beobachtet worden ist, die auch das Eintrocknen gut ertragen, das für die Mehrzahl aller Tiere und Pflanzen ein tödlicher Eingriff ist. Wenn das Waffer gefriert, in dem die Tiere leben, fo tritt deshalb noch nicht in ihren Leben selbst Eisbildung ein, die das Gefüge des lebenden Systems zerstören würde, wohl aber wird ihnen das Wasser entzogen, sie trocknen ein. Ist aber ein gewiffer Grad der Eintrocknung erreicht, dann werden die letzten, unentbehrlichen Reste des Waffers von dem lebenden Zelleninhalt so fest gehalten, daß sie ihm überhaupt nicht entzogen werden können, und daß dieses Wasser auch nicht niehr in Eis übergehen kann. In einem solchen Zustand dürsten die Tiere bann gegen jede noch so tiefe Abkühlung gefeit sein. Berantioortlich: Dr. HanS Thhriot. — Druck und Verlag: Brühl 'f che Aniverf itätS-Buch- und Vt ein druck er ei, D. Lange, Gießen.