SietzenerZamilielibliitter Unterhaltungsbeilage zum Gießener Anzeiger INI ....... ’ —-----------------------;............ ......................... Jahrgang M0 Freitag, den lb.Mai Nummer 38 e >. te L »n ter len igt, die :ka. irte nter 3U> licht e sie moto ging . Der ; die derer seine Bant. 14 000 n sich Alles Whist t. Die iener- übri- e das i b(eiä H) ein le und IXiejeä Ivame, |e aus. «Pique« I weg- Ine die ■djrcctte lat wie weiter. Leinten» |rt und | Stet, I jungen I, oijtt» Igjräsin. Rauling leben- Gäste. Von Hans Franck. Die Gäste sind im Morgengrau gegangen. Das Haus verbirgt mir hinter grellem Wachen sein müdes Antlitz. Der Garten schläft. Ein Lachen, das — taumeltoll — im Birnbaum sich verfangen, schlägt wimmernd seine Falterflügel wund. War es mein Fuß, der hier im Tanz gesprungen? Und der am lautsten Lied auf Lied gesungen, indessen wir uns drehten, warst du's, Mund? Hab ich soweit aus mir mich fortgespielt, daß ich als Märchen heute mir erzähle, was gestern ich in heißen Händen hielt? Droht, Herz, noch immer dir das „Wäg und Wähle!"? Nein, nein! Schon betet unverwirrt mein Will«, inbrünstiger denn je: „Kehr wieder, Stille!" Oie schwarze Spinne. Erzählung von Jeremias G o t t h e l f. Ueber die Berge hob sich die Sonne, leuchtete in klarer Majestät in ein freundliches, aber enges Tal und weckte zu fröhlichem Leben die Geschöpfe, die geschaffen sind, an der Sonne ihres Lebens sich zu freuen. Aus vergoldetem Waldessaume schmetterte die Amsel ihr Morgenlied, zwischen funkelnden Blumen in perlendem Grase tönte der sehnsüchtigen Wachtel eintönend Minnelied, über dunklen Tannen tanzten brünstige Krähen ihren Hochzeitreigen oder krächzten zärtliche Wiegenlieder über die dorndichten Bettchen ihrer ungefiederten Jungen. In der Mitte der sonnenreichen Halde hatte die Natur einen fruchtbaren, beschirmten Boden eingegraben; mitten drin stand stattlich und blank ein schönes Haus, eingefaßt von einem prächtigen Baumgarten, in welchem noch einige Hochäpfelbäume prangten in ihrem späten Blumenkleide; halb stund das vom Hausbrunnen bewässerte üppige Gras noch, halb war es bereits dem Futtergange zugewandert. Um das Haus lag ein sanntäglicher Glanz, den man mit einigen Besenstrichen, angebracht Samstag abends zwischen Tag und Nacht, nicht zu erzeugen vermag, der ein Zeugnis ist des köstlichen Erbgutes angestammter Reinlichkeit, die alle Tage gepflegt werden muß, der Familienehre gleich, welcher eine einzige unbewachte Stunde Flecken bringen kann, die, Blutflecken gleich, unauslöschlich bleiben von Geschlecht zu Geschlecht, jeder Tünche spottend. Nicht umsonst glänzte die durch Gottes Hand erbaute Erde und das von Menschenhänden erbaute Haus im reinsten Schmucke; über beide erglänzte heute ein Stern am blauen Himmel, ein hoher Feiertag. Es war der Tag, an welchem der Sohn wieder zum Vater gegangen war, Mm Zeugnis, daß die Leiter noch am Himmel stehe, auf welcher Engel aus- und niedersteigen und die Seele des Menschen, wenn sie dem Leibe sich entwindet und ihr Heil und Augenmerk beim Vater droben war und nicht hier auf Erden; es war der Tag, an welchem die ganze Pflanzenwelt dem Himmel entgegenwächst und blüht in voller Ueppigkeit, dem -Nenschen ein alle Jahre neu werdendes Sinnbild feiner eigenen Bestimmung. Wunderbar klang es über die Hügel her, man wußte nicht, woher das Klingen kam, es tönte wie von allen Seiten; es kam von den Kirchen her draußen in den weiten Tälern; von dort her kündeten die Glocken, daß die Tempel Gottes sich öffnen allen, deren Herzen offen feien der dimmte ihres Gottes. Ein reges Leben bewegte sich um das schöne Haus. In des Brun- nens Nähe wurden mit besonderer Sorgfalt Pferde gestriegelt, stattliche {"Utter, umgaukelt von lustigen Füllen; im breiten Brunnentroge stillten vchaglich blickende Kühe ihren Durst, und zweimal mußte der Bube Besen und schaufel nehmen, weil er die Spuren ihrer Behaglichkeit nicht sauber N weggeräumt. Herzhaft wuschen am Brunnen mit einem handlichen bUlchsetzen stämmige Mägde ihre rotbrächten Gesichter, die Haare in (fmt- über den Ohren zusammengedreht, trugen mit eilfertiger fidt i $®affer durch die geöffnete Tür, und in mächtigen Stößen hob hm,«r™ Unö hoch in die blaue Lust empor aus kurzem Schornsteine die °unkle Rauchsäule. ba« un& gebeugt ging an einem Hakenstock der Großvater um ftroirf!«?»**'. fab schweigend dem Treiben der Knechte und Mägde zu, toillpn 6 ^l,cr Pserd, wehrte dort einer Kuh ihren schwerfälligen Mut- dort r m’t dem Stecken dem unachtsamen Buben noch hier und "gessene Strohhalme und nahm dazu fleißig aus der langen Weste tiefer Taschen das Feuerzeug, um seine Pfeife, an der er des Morgens trotz ihres schweren Atems so wohl lebte, wieder anzuzünden. Auf reingefegter Vank vor dem Hause neben der Tür saß die Großmutter, schönes Brot schneidend in eine mächtige Kachel, dünn und in eben rechter Gröhe jeden Bissen, nicht unachtsam wie Köchinnen oder Stubenmägde, die manchmal Stücke machen, an denen ein Walfisch ersticken müßte. Wohlgenährte, stolze Hühner und schöne Tauben stritten sich um die Brosamen zu ihren Füßen, und wenn ein schüchternes Täubchen zu kurz kam, fo warf ihm die Großmutter ein Stücklein eigens zu, es , tröstend mit freundlichen Worten über den Unverstand und den Ungestüm der anderen. Drinnen in der weiten, reinen Küche knisterte ein mächtiges Feuer von Tannenholz, in weiter Pfanne knallten Kaffeebohnen, die eine stattliche Frau mit hölzerner Kelle durcheinander rührte, nebenbei knarrte die Kaffeemühle zwischen den Knien einer frischgewaschenen Magd; unter der offenen Stubentür aber stund, den offenen Kasseesack noch in der Hand, eine schöne, etwas blasse Frau und sagte: „Du, Hebamme, röste mir den Kaffee heute nicht so schwarz, sie könnten sonst meinen, ich hätte das Pulver sparen mögen. Des Göttis (Paten) Frau ist gar grausam miß- treu und legt einem alles zuungunsten aus. Es kömmt heute auf ein halb Pfund mehr oder weniger nicht an. Vergiß auch ja nicht, das Weinwarm zu rechter Zeit bereit zu halten! Der Großvater würde meinen, es wäre nicht Kindstaufe, wenn man den Gevatterleuten nicht ein Wein- warrn auffteüen würde, ehe sie zur Kirche gehen. Spare nichts daran, hörst du! Dort in der Schüssel auf der Kachelbank ist Safran und Zimt, der Zucker ist hier auf dem Tische, und nimm Wein, daß es dich dünkt, es sei wenigstens halb zu viel; an einer Kindstaufe braucht man nie Kummer zu haben, daß sich die Sache nicht brauche." Man hört, es soll heute die Kindtaufe gehalten werden im Hause, und die Hebamme versieht das Amt der Köchin ebenso geschickt als früher das Amt der Wehmutter; aber sputen muß sie sich, wenn sie zu rechter Zeit fertig werden und am einfachen Herde alles kochen soll, was die Sitte erfordert. Aus dem Keller kam mit einem mächtigen Stück Käse in der Hand ein stämmiger Mann, nahm von der blanken Kachelbank den ersten besten Teller, legte den Käse darauf und wollte ihn in die Stube auf den Tisch tragen von braunem Nußbaumholz. „Aber Benz, aber Benz", rief die schöne, blasse Frau, „wie würden sie lachen, wenn wir keinen besseren Teller hätten an der Kindstaufe!" Und zum glänzenden Schrank aus Kirschbaumholz, Buffert genannt, ging sie, wo hinter Glasfenstern des Hauses Zierden prangten. Dort nahm sie einen schönen Teller, blau gerändert, in der Mitte einen großen Blumenstrauß, der umgeben war von finnigen Sprüchen, zum Beispiel: O Mensch, faß in Gedanken: Drei Batzen gilt das Pfund Anken. * Gott gibt dem Menschen Gnad, Ich aber wohn' im Maad. * In der Hölle, da ist es heiß. Und der Hasner schafft mit Fleiß. * Die Kuh, die frißt das Gras; Der Mensch, der muß ins Grab. * Neben den Käse stellte sie die mächtigen Züpse, das eigentümliche Berner Backwerk, geflochten wie die Zöpfe der Weiber, schön braun und gelb, aus dem feinsten Mehl, Eiern und Butter gebacken, groß wie ein Jähriges und fast ebenso schwer; und oben und unten pflanzte sie noch zwei Teller. Hochaufgetürmt lagen auf denselben die appetitlichen Küchlein, Halbküchlein auf dem einen, Eierküchlein auf dem anderen. Heiße, dicke Nidel stund in schön geblümten Hafen zugedeckt auf dem Ofen, und in der breibeinigen glänzenden Kanne mit gelbem Deckel kochte der Kaffee. So harrte auf die erwarteten Gevatterleute ein Frühstück, wie es Fürsten selten haben und keine Bauern auf der Welt als die Berner. Tausende von Engländern rennen durch die Schweiz, aber weder einem der abgejagten Lords noch einer der fteifbeinigten Ladies ist je ein solches Frühstück geworden. „Wenn sie nur bald kämen, es wäre alles bereit", seufzte die Hebamme. „Es geht jedenfalls eine gute Zeit, bis alles fertig ist und ein jedes feine Sache gehabt hat, und der Pfarrer ist grausam pünktlich und gibt scharfe Verweise, wenn man nicht da ist zu rechter Zeit." „Der Großvater erlaubt auch nie, das Wägeli zu nehmen", sagte die junge Frau. „Er hat den Glauben, daß ein Kind, welches man nicht zur Taufe trage, sondern führe, träge werde und sein Lebtag seine Beine nie recht brauchen Alt und jung war mit Spott und Ernst hinter ihm, bis es zum Löffel griff, Silber aus Oberammergau. Von Dr. Johannes Günther. empfinden. Aber sie sind stolz auf ihr Haar und Bärte, sie trage.« ihr Symbol mit sich herum. Es ist auch nicht bloß Stolz, es ist auch viel Dank dabei, dreihundertjähriger Dank. Und es sind auch nicht bloß Haar und Bärte, es ist auch ihre ganze Erscheinung, ihr Gang vor allem. Sie sind Rollen„träger", sie dienen ihren Personen, sie „tragen Wesen und Worte, wie die alten Mysterienspieler sie getragen haben mögen. Das gibt den Männern ein edles, aufrechtes Selbstbewußtsein, den Frauen eine magdliche Demut. Seinen Leib als begnadetes Kunstwerk anzusehen — ein Geschenk, eine Verpflichtung! So sehe ich mir die auch im Alltag „maskierten" Leute mit ganz besonderen Gedanken an: es ist ein dummes Gerede, das ihnen nachsagt, sie „lebten" vom Fremdenverkehr — es sind fleißige, ordentliche, freung- liche, lebhafte Kleinbauern, Handwerker, Kunstgewerbler, die still und eifrig ihren Hantierungen nachgehen. Kinder, die mir den Weg geigen, die Straße fegen, ihre Spiele fröhlich und derb treiben sind em selb sames Gemisch von Possierlichkeit und Weihe: es ist der Spieltrieb, der Komödiengeist, und andererseits auch das Bewußtsein: ich werde — vielleicht einmal — Johannes, ich Christus, ich Maria ... haben. Da kam die Gotte hinein wie eine junge Morgensonne und wurde von den Mitgevattern Gottwilchen geheißen und zum Tische gezogen und ein da kam schon wieder die Hebamme mit dem schon emgerouteUen Kinde zog ihm das gestickte Käppchen an mit dem rosenroten Seidenbande, legte dasselbe in das schöne Deckbettlein, steckte ihm das fuße Lull, ms Mäulchen und sagte: Sie begehre niemand zu versäumen und hatte gedacht, sie wolle alles mrechtmachen, man könne dann immer gehen, wann man wolle. Man w ° . y /=>.<. ...< __l- raffte unX ) ihrer Mitwirkung fragte, spielen nicht mit. „Ich bin zu alt , ij j eine, — „ich bin nicht aus Oberammergau", sagt die andere, ( bin verheiratet", sagt die dritte. Denn nur Mädchen, "Uv S Oberammergauerinnen, nur Mädchen unter 35 Jahren dürfen y Und man bleibt streng bet dieser Vorschrift. Den Männern ist lerne Wenn nur die Gotte (Patin) da wäre, die versäumt am längsten, ui/Köttene machen es kürzer und könnten immerhin nachlaufen. Die „ Angst nach den Gevatterleuten verbreitete sich durchs ganze Haus. „Korn- i i'wEgnne"nicht'm'ehr''schn'ausen. Aber da hals alles nichts, men iie noch nicht»" hörte man allenthalben; in allen Ecken des Hauses manchen x°g, e» Ut hinter ihm. bis es mm Löffel mist, schauten ^Gesichter nach ihnen aus, und der Türk bellte «us Le'bes ra e'll 's-ttsam'''-7n" LöfselU dernUren fand noch sein^Plätzchen. Doch als ob er sie herbeirufen wollte. Die Großmutter aber sagte: Ehemals | uno, m;t hem Unn eivaewickelten Kinde, wa ttt das nicht so gewesen, da wußte man, daß man an solchen Tagen zu rechter Zeit aufzustehen habe und der Herr niemanden warte. Endlich ftürrte der Bub in die Küche mit der Nachricht, die Gotte komme. Sie kam, schweißbedeckt und beladen wie das NeU)ahrskmdleiN. In der einen hatte, sie die schwarzen schnüre emes großen, blum n- . nd^j^mü billchH war auch ein wunder- reichen Wartfäckleins, in welchem, >n .s>n fem .welhes Handtuch gewi , 1 Bübchen Die Mutter freute sich des Lobes und sagte: Ich wäre eine große Züpfe stach, ein Geschenk für d,e auch so gefne mit zur Kirche gekommen und hätte es Gott empfehlen Hand trug sie ein zweites Säcklern, und in demselben war eine Meldung ck) 1 , o dabei ist, wenn das Kind getauft wird, so für das Kind, nebst etwelchen Stücken zu °'g°n°m Gebrauch namen ttch helfen, und wenn m°n^-w|r roa5','nan versprochen hat. Zudem ist es schöne weiße Strümpfe; und unter dem einen Arm hatte sie nod) ein 1 unheauem wenn ich noch eine ganze Woche lang nicht vor das Drucke mit dem Kränzchen und der Spitzenkappe mit den prächtigen jetzt wo man alle Hände voll zu tun hat mit dem Ai>- schwarzseidenen Haarschnuren. Freudig tonten xtycb i e „G o t tro l ch« ( 12(ber bie ©rofjmutter sagte, so weit sei es doch noch nicht, daß Gott willkommen) entgegen von °Uen Seiten und kaum ha te fu Je , ganzen 2iver me B ' « .- crf{'n arf)t Tagen ihren Kirch- KSSÄSTAANLS nach ihr7n Lasten, und unter der Tür stand die junge Frau und da ging ein neues Grüßen an, bis die Hebamme in die Stube mahnte, sie konnten ja drinnen einander sagen, was der Brauch sei. , h„ Und mit handlichen Manieren setzte die Hebamme die Gotte hinter den Tisch, und die junge Frau kam mit dem Kaffee, wie sehr auch die Gotte sich weigerte und vorgab, sie hätte schon gehabt. Des -Baiers Schwester täte es nicht, daß sie ungegessen aus dem Hause ginge das schade lungen Mädchen gar übel sage sie. Aber sie sei schon alt, und die Jungfrauen (Magde) möchten auch'nicht zu rechter Zeit.auf ..deswegen sei sie so spat- wenn es an ihr allein gelegen hätte, sie wäre längstens da In den Kaffee wurde die dicke Nidel gegossen, und wie sehr die Gotte sich wehrte und sagte, sie liebe es gar nicht, warf ihr doch die Frau em Stuck Zucker in denselben. Lange wollte es die Gotte nicht zulasten, haß'hretewegen die Zupfe ang - . - offenbaren hauen würde, indessen mußte sie sich ein tüchtiges Stuck liegen lassen . < . ö ' und essen. Käse wollte sie lange nicht, es hätte dessen gar mcht notig, sagte > eim ü ~ sie Sie werde meinen, es sei nur halbmagern, und deshalb schätze sie ihn nicht, sagte die Frau, und die Gotte mußte sich ergeben. Aber Kuchtt wollte sie durchaus nicht, die wüßte sie gar nicht wohin tun, sagte sie. Sie glaube nur, sie seien nicht sauber, und werde an bessere gewohnt fern, erhielt sie endlich zur Antwort. Was sollte sie anders machen als Kuchtt essen? Während dem Nötigen aller Art hatte sie angemessen in kleinen Schlucken bas erste Kachel! ausgetrunten, und nun erhob sich ein eigentlicher Streit. Die Gotte kehrte das Kachelt um, wollte gar keinen Platz mehr haben für I $ie Oberammergauer sind belebt und geheiligt von ihrem stos- ernere Guttaten und sagte: Man solle sie doch in Ruhe lassen, sonst muhte I ffonsspiel. Ein „sachlicher" Beobachter, ein Kritiker mag iljre langen ie sich noch verschwören. Da sagte die Frau, es sei ihr doch so leid daß sie I $aare jhre Bärte, mit denen sie sich zeigen, als kitschig, als aufdringlich hn so schlecht finde, sie hätte doch der Hebamme dringlichst empfohlen, ihn f ”"h %1rh’ f,p irnM" ,hr o gut als möglich zu machen, sie vermöchte sich dessen wahrhaftig nichts, laß er so schlecht sei, daß ihn niemand trinken möge, und an der Nidel sollte es doch auch nicht fehlen, sie hätte dieselbe abgenommen, wie sie es sonst nicht alle Tage im. Brauch hätte. Was sollte die arme Gotte anders machen, als noch ein Kachelt sich einschenken lassen? Ungeduldig war schon lange die Hebamme herumgetrippelt, und endlich bändigte sie das Wort nicht länger, sondern sagte: „Wenn ich dir etwas Helsen kann, so sage es nur, ich habe wohl Zeit dazu!" „He, pressiere doch nicht'" sagte die Frau. Die arme Gotte aber, die rauchte wie ein Dampfkessel, verstand den Wink, versorgte den heißen Kaffee fo schnell als möglich und sagte zwischen den Absätzen, zu denen der glühende Trank sie zwang: „Ich wäre schon lange zuweg, wenn ich nicht mehr hatte nehmen müssen, als ich hinunterbringen kann, aber ich komme letzt. Sie stund auf, packte die Säcklein aus, übergab Züpfe, Kleidung, Ein- bund — ein blanker Neutaler, eingewickett in den schön gemalten Sauf» iprud) — und machte manche Entschuldigung, daß alles nicht bester sei. Darein aber redete die Hausmutter mit manchem Ausruf, wie das keine Art und Gattung hätte, sich so zu verköstigen, wie man es fast nicht nehmen dürfte, und wenn man das gewußt hätte, so hatte man sie gar nicht ansprechen dürfen. . , . Nun ging auch das Mädchen an fein Werk, verbe,standet von der Hebamme und der Hausfrau, und wendete das Möglichste an, eine schone Gotte zu sein von Schuh und Strümpfen an bis hinaus zum Kränzchen aus der kostbaren Spitzenkappe. Die Sache ging umständlich zu, trotz der Ungeduld der Hebamme, und immer war der Gotte die Sache nicht gut genug und bald dies, bald das nicht am rechten Ort. Da kam die Großmutter herein und sagte: „Ich muß doch auch kommen und sehen, wie schon unsere Gotte sei." Nebenbei ließ sie fallen, daß es schon das zweite Zeichen geläutet habe und beide Götten! draußen in der äußeren Stube seien. Draußen saßen allerdings die zwei männlichen Paten, ein alter und ein junger, den neumodischen Kaffee, den sie alle Tage haben konnten, verschmähend, hinter dem dampfenden Weinwarm, dieser altertümlichen, aber guten Bernersuppe, bestehend aus Wein, geröstetem Brot, Eiern, Zucker, Zimt und Safran, diesem ebenso altertümlichen Gewürze, das an einem Kindstaufeschmaus in der Suppe, im Voresten, im süßen Tee Vorkommen muß. Sie ließen es sich wohlschmecken, und der alte Götti, den man Vetter nannte, hatte allerlei Späße mit dem Kindbettimann und sagte ihm, daß sie ihm heute nicht schonen wollten, und dem Weinwarm an gönne er es ihnen, daran sei nichts gespart, man merke, daß er seinen zwölsmäßigen Sack letzten Dienstag dem Boten mit nach Bern gegeben, um ihm Safran zu bringen. Als sie nicht wußten, was der Vetter damit meine, Ker: Letzthin habe sein Nachbar Ktzidbetti haben müssen; da habe er Boten einen großen Sack mitgegeben und sechs Kreuzer mit dem Auftrage, er solle ihm doch in diesem Sacke für sechs Kreuzer von dem gelben Pulver bringen, ein Mäh oder anderthalbes, von dem man an den Kindstaufen in allem haben müsse, seine Weiber wollten es einmal so 5tarn= rschei- Wirk- chchter rt weit in ihr Et; als m und harte, rd das ;ebückt, [en, •me für i)ts. tiff, loch zog laschen »alle Nan der- nnre hlen 5, fo ft es das An- daß iirch- ,erne, nmer An- lamit ik geigt.) keine Grenze gefetzt. Der berühmte Anton Lang hat in drei Jahrzehnten den Christus gespielt. * ' Das Oberammergauer Spiel ist weltberühmt. 1922 besuchten 320 000 Menschen die Aufführungen. Auch in diesem Jahre werden wenigstens 300 000 Gäste erwartet. Die Reihe der Aufführungen sollte feierlich ein- oeleitet werden. Eine „Generalprobe" veranstaltete man sogar vor , Geladenen" und sie kamen alle: die Minister des bayerischen Staates, der Präsident des Landtags und die Landtagsmitglieder, die Gesandten und Generalkonsuln der auherdeutschen Länder, der päpstliche Nuntius, das Domkapitel Münchens, der Präsident der evangelischen Landeskirche, der Landeskoinmandeur der Reichswehr, über 1000 Vertreter deutscher und ausländischer Zeitungen. So wurde aus der „Generalprobe" eigentlich das, was wir eine „Premiere" nennen. Man folgte so, leider auch hier, dem Hetztempo und eröffnete vor der Eröffnung. * In der schlicht-vornehmen Studierstube des Pfarrherrn von Oberammergau steht eine große Büste: ein eckiger, willenskrästiger Kopf auf breitem Oberkörper: Joseph Alois Daisenberger — gestorben 1883: er hat den schon auf das 15. Jahrhundert zurückgehenden Oberammergauer Spieltext von viel überflüssigem Beiwerk, besonders aus dem 18. Jahrhundert, gereinigt, und in dieser Fassung wird heute die Passion gespielt. Aber es ist m. E. hohe Zeit für eine Reformation des Spieltextes. Die guten Leute in Oberammergau, diese wackeren Laienspieler, die in ihrem Alltag Handwerker, Händler und Bauern sind, haben nach dem Text, wie er jetzt angewandt wird, zu viel und zu umständlich zu reden. Kürzung und wesentliche und sprachliche Vereinfachung wäre nötig. Dann könnte auch die Handlung geschlossener und somit dramatischer werden. Dann hätten auch die Zuschauer einen einheitlicheren Eindruck und würden starker von einer natürlichen Gewalt gepackt. Denn jetzt müssen sie vormittags von 8 bis 12 Uhr und nachmittags von 2 bis 6 Uhr — insgesamt also acht Stunden folgen. Auch dafür müßte ein Reformator des Passionsspiels sorgen, daß Christus als Prediger, als Lehrer, als Heiland sich zeigte und die großen christ lichen Grundlehren, vor allem das ewige Gebot der Liebe, des Brudertums, eindringlich aussprüche, so daß alle spürten, wofür eigentlich diese sittlichste und gläubigste Heldenpersönlichkeit aller Zeiten gestorben ist. Das könnte die Tausende, die nach Oberammergau reisen, wirksam aufrütteln. — Bis jetzt aber beginnt das Oberammergauer Passionsspiel mit dem Einzug in Jerusalem, der Leidensweg Jesu wird gezeigt, aber nicht, wofür er litt. i Pas- langen ringüd) ;en ihr ich viel )t bloß : allem. Wesen mögen, in, den mftroert lit ganz mchsagi, freund- tiU und I zeigen, ein feit» rieb, der icröe — es Jahr Schweren -der ein- lern vorn gen end mschaM- ieben ge- 27 Meier mehr nie e ist t ist ein« ! en. städtische" Passiv n müssen otels ft» in fre"* blitzs°ub" ;n. eine pielen * e ich n°* ■,«. • • 'gebäre«' mitwick«' tim M Am amerikanischen Nil. Von Josef Ponten. .. Der Nil ist die große Oase Nordafrikas, eine Flußoase. Er wird genährt von den abessinischeü Gebirgen. Ihm entspricht in Amerika der mto Grande del Norte, gespeist von dem südlichen Felsengebirge. -Seide Stöme find in ihrem Unterlauf ohne Nebenflüsse. Sie unterschei- °en sich dadurch, daß die Fruchtbarkeit der Niloase nicht nur aus dem schwellenden Wasser der Schneeschmelze, sondern auch auf dem mitgeführ- ren und im überschwemmten Lande niedergeschlagenen Schlamm beruht, nrahrend die der Rio-Grande-Landschaft nur dem ziemlich stetigen, durch °Ste, er s, den Leisten des Tales und netzte durch wohlregulierte Auslässe den Talgrund. Das Land war rot. Und Grün stand darauf. Grün oon einer Farb- krast, wie man sie nicht denken kann. Und Pfirsichbäume und Pappeln. Und wir kamen nach El Paso. „Der Paß" nach Mexiko. Ein« eintönig«, ordentliche, amerikanische Stadt, ihre Ordentlichkeit hat sogar auf das über dem Rio liegende mexikanische Juarez abgefärbt. Eisenbahnzüge einer nur zu gut bekannten Art rollen hinein: der erste Teil der Züge bestand aus Personenwagen mit Männern in Khaki an den Fenstern, der zweite aus offenen Loren mit Kanonen darauf, der dritte aus geschlossenen Loren, aus den Schiebetüren steckten durstig« Pferde die Köpf«. Denn drüben in Mexiko ist Bürgerkrieg, und die Union schützt ihre Grenzen. Am anderen Tag fahren mir im Riotal nach Norden. Ja, das ist ein Nil! Eine langgestreckte rote Oase mit dem intensivsten Grün der Pflanzungen und so' breit und schmal, wie das Wasser zugeführt werden kann. Darüber hinaus Wüste, beschlossen von schönen kahlen Bergen mit spanischen Heiligennamen. Die Dörfer gesund und stattlich, die kubischen Häuser wie in Aegypten aus Lehm, der an der Sonne steinhart wird, erbaut, die Männer in riesigen Sombreros, die Frauen in bunten Seidenschals, denn «s ist Sonntag. Auch die Kirche aus Lehm, die Mauern geböscht wie die der ägyptischen Steintempel, denn diese für den Steinbau unnötige Böschungsform ist in Aegypten Ueberlieferung aus dem Lehmbau. Die Pfirfichbäume blühen zartrot, die Pappeln, cottonwood, Baum- wollbaum, geheißen wegen der flockigen Blüten, führen mit zartem Grün den Blick weit hinauf, wo man den Rio nicht mehr sieht, als Begleiter des Flusses. Der graue Baum mit der riesigen Rinde ist der Charakterbaum dieser Wüsten; er steht immer dort, wo offenes Wasser ist. Es ist ohne Frage derselbe Baum, den Hebin aus den Wüsten in Turkestan und den Tarim entlang abgebildet hat. Die Straße, dem Wohlstand und dem Verkehr der dichtbesiedelten Gegend entsprechend, ist in gutem, ja in bestem Stand. Auf der Zementdecke dahingleitend, die Morgensonne im blauen Gezelt über uns und Sonntagsftimmung und die Genugtuung über die Oase nach der Wüstenfahrt in uns — es war eine herrliche FahrtI Die Maschine hatte ihre Anstrengung von gestern und vorgestern vergessen wie wir. Aber es kam wieder der Mittag und sein ödes Licht, die Landschaft wurde van Bewohnern leer, die Menschen gingen in die Kühle ihrer fast fensterlosen Häuser, Sandhosen standen wieder am Rande der Wüste auf und wagten sich auch in die Fruchtgelände, wo sie, ungenährt, bald zu- sammenbrachen; di« schönen, farbenfrohen Vögel Amerikas, „Redwinged blackbirds" — schwarz mit roten Streifen auf den Flügeln, gleich Ehrenlegionsbändern auf Fräcken —, „Bluebirds", Vögel vom herrlichsten schimmernden Blau, suchten den Baumschatten; aber wir Reisenden muhten fahren. Der Abend ist das Herrlichste in der Wüste. Es ist, als ob die Natur durch Kühle der Luft und Entfaltung von Farben um Vergebung bitten wollt« für das, was sie am Tage dem Auge und Gemüt der Reisenden auszuftehen gegeben hat. Den Fluß mit den zarten Farben seiner Vegetation mußten wir verlassen, denn Terrassen, die er in diesen stofflichen Niederschlägen eines tertiären, einst zwischen den Randbergen stehenden Binnenmeeres ausmodelliert hat, schoben sich heran, und es ging hinaus und hinab durch die trockenen Täler der Zuflüsse der Regenzeit auf nicht ungefährlichen Wegen. Die Hupe tönte unaufhörlich vor den kiesigen Nasen der Krümmungen. Aber die am wolkenlosen Himmel in Gelb und Gold untergehende Sonne zauberte ein Blau und dann ein Violett über die Berge, wie wir es wahrlich niemals gesehen haben. Beete von Veilchen waren die Berge. Bald aber stieg im Osten über dem tiefen Berg- btau das kalte, leere, bleiche Blau des Schattens herauf, den der Ball der Erde wirft, der kosmische, flachrunde Schatten stieg in dem Maß, in dem im Westen die Sonne unter den Horizont tiefer und tiefer versank, tm Osten hoch und höher, und die Stern« der erlösenden Nacht blinkten herein und immer stärker herein. 90 000 Kilometer ausgenommen, und nach 145 000 Kilometer muk i»k.. Mitglied in das Heim, ob es will oder nicht. B ,e6ti Da es sich ja bei dem Heim um kein Krankenhaus handelt so nnh die Besucher verpflichtet, sich zu Fuß, daß heißt mit eigener Kraft bah“ ZU begeben, wenn sie einberufen werden. Dann geht es ihnen zunäckli so wie auch den Menschen, die in ein Krankenhaus oder ein Erholunas Heun aufgenommen werden: Sie werden zuerst gebadet und gescheut Senkrecht herunterhängende, in der Wagenrichtung fortroanbernbe Siöbren bespritzen fie von oben bis unten mit Wasser, unb es stürzen sich ißnbe- meifter auf fie, bie an langen Stangen umtoufenbe Bürsten — etwa wie Parkettbohner — haben unb sie grünblich abbürsten. Weiter braucke» sie sich nicht selbst zu bemühen. Ein elektrisches Pferd Zieht fie nun in bie Wagenhalle, unb nun beginnt bie eigentliche Kur, bie etwas grunblicher ist als bei Menschen. Eine Gruppe Heilgehilfen trennen Zunächst bie Nerven unb Sehnen — wie elektrische Leitungen, Breinsae- stange usw. —, die ihr Untergestell mit dem Körper, dem Wagenkasten verbinden. Dann kommt ein großer Kran unb hebt ben Wagenkasten bis an die Decke, so daß nur noch die Drehgestelle — die elektrischen Wagen haben je zwei Drehgestelle mit je zwei Achsen — auf den Schienen stehenbleiben. Der Kran saust nun mit dem Wagenkasten im rechten Winkel zur Einfahrtsrichtung des Wagens über die schon in der Halle befindlichen Wagenkasten hinweg und setzt ihn an einem freien Plak auf bereitstehende Bücke, wo feine Nerven, die elektrischen Einrichtungen seine Lunge, die Druckluftanlage, unb seine Eingeweide, bie ganze Inneneinrichtung, weiter verarztet werben. Das elektrische Pferd hat inzwischen die Drehgestelle etwas weiter in der Einfahrtsrichtung vorgezogen Nun werden auch bie Motoren herausgehoben, unb nach unb nach machen alle Einzelteile rechtsum und bewegen sich in gleichlaufenber Richtung wie die Wagenkasten auf einem befonberen Streifen durch bie 185 Meter lange Halle. Auf dieser Wanderung, die fie zum Teil auf bem laufenben Band zurucklegen, werden sie auf Herz und Nieren geprüft. Die Räder werden genau nachgemessen, und es wird dabei feftgeftellt, ob bie Radreifen durch Abdrehen für weitere 100 000 Kilometer instandgefetzt, oder ob die Radreifen erneuert werden müssen. Die ganzen Drehgestelle werden ausgekocht. Kurz, wenn alle diese schönen Sachen auf ihrer weiteren Wanderung wieder zusammengesetzt und so auf dem Ausfahrtgleis angelangt sind, bann sind sie wieder wie neu und kerngesund. Inzwischen hat sich dann auch der Wagenkasten vollkommen erhall. Gewisse Teile, namentlich die druckluftelektrische Steuerung, sind inzwischen noch durch bie Hände von Fachärzten gegangen, die auf sich durch die ganze Halle längs erstreckenden Bühnen ihres Amtes walten. Sott wird ihre Genesung durch einen unabhängigen Untersuchungsausschuß festgestellt. Erst wenn sie von diesem als gesund erklärt sind, werden sie ihrem Wagenkasten wieder einverleibt, wo bann nochmals eine eingehende Nervenprobe ftattfinbet. Fällt diese zur Zufriedenheit aus, so kommt wieder der Kran und hebt den ganzen Wagenkasten auf feine Zwei Drehgestelle. Schnell werden di« Verbindungen zu diesen hergestellt, das elektrische Pferd zieht den Wagen hinaus, und er nimmt feine Arbeit wieder auf. Nur sechs Tage dauert der Aufenthalt im Erholungsheim, Ist jedoch der Wagen hautkrank, muß er also in Gestalt eines neuen Anstriches eine neue Haut bekommen, fo behält man ihn zwölf läge. Diese neue Haut wird ihm nach Abkratzen der alten mit Spritzpistolen aufgespritzt, und zwar ist sie unterhalb der Fenster für alle Wagen weinrot und darüber bet der dritten Klasse hellgelb, bei der zweiten hellblau. So behandelte Wagen blicken natürlich mit großem Stolz auf ihre weniger glücklichen Genossen herab. Bei einem Bestand van 1350 Pfleglingen hat bas Heim zur Zeit 80 Aerzte unb 1015 Heilgehilfen, durch deren Hände jährlich 2400 Pfleglinge laufen. Wie gut fie dort behandelt werden, geht schon daraus hervor, daß für den sechstägigen Aufenthalt für jeden Besucher des Heims durchschnittlich 4500 Mark aufgewendet werden. Damit fick) die Wagen wahrend ihres Aufenthaltes nicht langweilen, ist natürlich für ihre Bequemlichkeit in jeder Weife gesorgt. Es steht ihnen eine Rohrpost, eine selbsttätige Fernsprechanlage und eine an die Zeitvermittlunq am Schlesischen Bahnhof angeschlofsene, also ganz genau arbeitende Uhrenanlage Zur Verfügung. Ihre Pfleger überwachen fie durch Arbeitszeit- und Wächterkontrolluhren; eine Feuermeldeeinrichtung sorgt für ihre Sicherheit. So wäre noch manches zu erzählen. Eine kleine technische Einzelheit mochte ich noch erwähnen, weil ich sie sonst noch nirgends gesehen habe: Ganz früher machte man bie Inschriften wie „Raucher" unb „Nichtraucher" usw. mit Schablonen, bann ging man zu Abziehbilbem über, weil bie Schablonen nie fest auflagen unb bie Schrift dadurch unscharf wurde. Jetzt macht man sie wieder mit Schablonen, und zwar mit eisernen, die durch Magnete von unten her fest auf bas zu bemalende Stück gezogen werden. Dann wird die Inschrift in fabelhaft kurzer Zeit einfach mit der Spritzpistole gespritzt. Ich habe vor 4Q Jahren in einer Eisendahnwerkstätte praktisch gearbeitet; damals mußte man um jede Feile, die man brauchte, anstehen, und es war gewissermaßen eine Gnade, wenn man sie bekam. Wie anders ist dies heute geworden! Jedem Arbeiter macht man es so bequem wie möglich und erreicht dadurch nicht nur menschenwürdigere Arbeitsbedingungen, sondern auch den fabelhaften Erfolg, daß man einen bodj recht verwickelten elektrischen Eisenbahnwagen in sechs Tagen von Grund aus erneuern und damit die Betriebssicherheit-auf die Höhe bringen kann, die die Deutsche Reichsbahn auszeichnet, lieber ben wirtschaftlichen Erfolg, den eine fo kurze Jnstanbfetzungszeit zur Folge hat, braucht man eigentlich kein Wort zu verlieren, beim es ist ohne weiteres klar, daß man sehr viel mehr Wagen haben müßte, wenn sie länger wäre. Man hatte bei der Besichtigung den Eindruck, daß das Ausbesserungswerk keiner neuzeitlichen Fabrik nachsteht, sondern daß noch recht viele Werke allerhand von ihm lernen können; auch bie Wagen selbst, die ich befragte, faßten ihr Urteil über ihr Erholungsheim in die anerkennenden Worte zusammen: „Es ist die höchste Eisenbahn!" Eisenbahnwagen auf Erholungsurlaub. Von Max Fischer. (Nachdruck verboten.) Eisenbahnwagen sind eigentlich viel vernünftigere Wesen als Menschen: Sie warten nicht erst ab, bis fie krank sind, sondern fie gehen immer beizeiten auf Erholungsurlaub und fühlen sich dann wieder kräftig genug zu neuen Taten. Ganz besonders trifft dies natürlich für die geistig am höchsten stehenden unter ihnen zu, nämlich für die eteh duschen Wagen der Berliner Stadtschnellbahn der Deutschen Reichsbahn, also der Stadtbahn, der Ringbahn unb der Vorortbahn. Diese Bahnen sind ja im Laufe der letzten zwei Jahre verstromt worden. Wie sich nun allerlei Verbände zusammengetan unb sich Erholungs- geschaffen haben, fo haben es auch bie Wagen ber elektrischen Stadtschnellbahn getan. In ber ©rünbungsverfammlung haben fie beschlossen, nicht nur bie eine gewisse Oberschicht bilbenben Triebwagen, ionbern auch bie zwischen ihnen lausenden motorlosen Beiwagen bei Bedarf in bas Erholungsheim aufzunehmen. Mit den Entwürfen und der Oberleitung des Baues des Heims haben fie den Direktor bei der Reichsbahn, M e f ferfchmidt, unb mit ber baukünftlerifchen Ausgestaltung den Reichsbahnrat Hane beauftragt. Zum Hausvater haben ?p'chbbahnrat Danges ernannt, der sich bei ihnen besonderer Beliebtheit erfreut und in ihrem Auftrage kürzlich bie Berliner Presse empfing. " 3n den Satzungen dieses Heimes steht, daß man einen Anspruch auf Aufnahme tn das Heim hat, wenn man zweieinhalbmal um den Aequator gefahren ist ober auf den Berliner verstromten Strecken 100 000 Kilometer zurückgelegt hat. Ganz artige Wagen werden schon nach