olz zu Fran- nieder- ;e. Die gwuchs Frauen Schwatz r seiner )olt sich GießenerzaMenbMer Unterhaltungsbeilage zum Gießener Anzeiger I)vssenen icr Klos nnt den jpeUert. j rechten p stecken amm im en. Und ins Feld • hat sich er Ijätt’s hlen und Zuchthaus iwak und den Leut l. Und da maß und s gefallen n, daß es i) net vom Nein Heu- ub aus die st!'" m." daß wir müssen sie ihn keiner Lasten und inst versah, inflatmigcn on machte, en Gusses che, einem ingsum i" inner und nlung such' te von der t im Krieg kehrte die ns ist aus ) an seine» so wenig an Gotte- ehrzahl der serrgott stvccke, um jen nieder' g's ander» chter Trost, ab. Mittagbr-t chen außer wußte vB . über de» »en und M ken unb$« Mn ihre @i' Jahrgang <930 Johann Kepler. Von Eduard M ö r i k e. Gestern, als ich vom nächtlichen Lager den Stern mir in Osten Lang' betrachtete, den dort mit dem rötlichen Licht, Und des Mannes gedachte, der seine Bahnen zu messen, Von dem Gotte gereizt, himmlischer Pflicht sich ergab, Durch beharrlichen Fleiß der Armut grimmigen Stachel Zu versöhnen, umsonst, und zu verachten bemüht: Mir entbrannte mein Herz von Wehmut bitter; ach! dacht' ich, Wußten die Himmlischen dir, Meister, kein besseres Los? Wie ein Dichter den Helden sich wählt, wie Homer, von Achilles' Göttlichem Adel gerührt, schön im Gesang ihn erhob. Also wandtest du ganz nach jenem Gestirne die Kräfte, Sein gewaltiger Gang war dir ein ewiges Lied. Doch, so bewegt sich kein Gott von seinem goldenen Sitze, Holdem Gesänge geneigt, den zu erretten, herab, Dem die höhere Macht die dunklen Tage bestimmt hat, Und euch Sterne berührt nimmer ein Menschengeschick; Ihr geht über dem Haupte des Weisen oder des Toren Euren seligen Weg ewig gelassen dahin! Harmonie der Wetten. Zum 300. Todestage Johann Keplers. Von Dr. Paul Landau. Der englische Astronom James Jeans hat soeben in einer Vorlesung, die er unter dem Titel „Das geheimnisvolle Universum" veröffentlicht, eine Theorie über Entstehung und Bau des Weltalls aufgestellt, in der er an Plato anknüpft und den „großen Baumeister des Alls" als einen „reinen Mathematiker" feiert. So hält die moderne Wissenschaft, wenn sie auch mit Atomen und Elektronen, mit Wellenbewegungen der Materie arbeitet, doch an dem erhabenen Gedanken einer gesetzmäßigen Schöpfung des Kosmos fest, dessen unergründliche Wunder sie nur tiefer begreift als alle Vorgänger, und sie beugt sich in Ehrfurcht vor dem dunklen Drange der Menschheit, Ordnung und Schönheit in diesem ungeheuren Gefüge zu erkennen, von dem unsere Erde nur ein winziges Sandkorn ist. Keiner aber hat dieser ewigen Sehnsucht nach Klarheit, Gleichmaß und Zusam- inenklang der Himmelswelten ergreifenderen und überzeugenderen Ausdruck verliehen als Johann Kepler. Darum feiern wir in ihm, mögen die zeitbedingten Grenzen feiner Erkenntnis, die Unzulänglichkeiten seiner Forschungsmittel noch so groß sein, einen der genialsten Befreier und Entdecker, der den Blick in schwindelnde Fernen und dabei die sichere Festigkeit des Erkennens behielt, den „Komponisten der Weltharmonie, der einer uralten Grundidee alles Denkens in urdeutscher Form die tiefste und großartigste Prägung verlieh. Ein wundersames Traumbild, das seinen Zauber für die suchende Seele nie verloren hat, war der schon aus dem Orient überlieferte, von Pythagoras formulierte Gedanke von der „Harmonie der Sphären, der die Wahrnehmung der dem musikalifchen Wohlklang zu Grunde liegenden einfachen Zahlenoerhältniffe kühn auf den Weltbau übertrug und in dieser mystischen Symmetrie den Schlüssel aller kosmischen Rätsel gesunden zu haben glaubte. In Platas Weltbild lebt diese Vorstellung von der Weltharmonie, innig verbunden mit der Lehre von der Welt- feele fort, und die spätere alexandrinische, römische und arabische Astronomie halten den Gedanken bei aller Verfeinerung der Messungen und Beobachtungen fest. Einen neuen Anstoß aber erfuhr der Glaube an die rhythmischen Bewegungen des Weltalls, an den musikalisch beseelten Reigentanz der Sterne, erst durch die Großtat des Kopernikus, der, zwar unabhängig von der antiken Denkweise, aber doch durch sie angeregt, nachwies, daß die Erde sich drehe, und damit die pythagoräische Annahme bestätigte, daß unser Stern wegen der wirren Mannigfaltigkeit feiner Erscheinungen, verglichen mit der verhältnismäßigen Einfachheit und Wohl- vrdnung der Himmelsgestaltungen, nicht würdig fei, die Mittelstellung im Kosmos einzunehmen. Dieser umstürzende Gedankenbau, der eine neue Epoche der Weltgeschichte einleitete, mußte erst durch weitere Beobachtungen und Berechnungen genügend begründet werden, und diese riesige Arbeit unternahm Tycho Brahe, mußte aber die Durchführung und Vollendung einem Größeren überlassen: Kepler, Nummer 88 Wie sich in dem jugendlichen Geist dieses Genies das Vermächtnis antiken Schönheits- und Ebenmahglaubens mit dem stolzen Erkenntnisdrang und mystischen Grübeln der deutschen Renaissance vereinte, das ist ein wundersames Symbol, dem gleich, das Goethe in der Vermählung von Faust mit Helena gestaltet. Das naturwissenschaftliche Denken jener Zeit befand sich nach einem Wort Diltheys „noch ganz unter der Vorherrschaft des Phantasie, die in den Jahrhunderten großer Kunst und Dichtung bestanden hatte". So schuf Kepler aus derselben Fülle der sinnlichen Anschauung und übersinnlichen Schau der tiefen Verbundenheit mit Natur und Weltall, wie sein Vorfahr Paracelsus, sein Zeitgenosse Jakob Böhme; er ist der größte Vertreter dieses faustischen Ringens und Strebens nach Wahrheit und Schönheit, und der höchste Ausdruck ist seine Lehre von der kosmischen Harmonie, die er am vollständigsten in seinem Werk „Harmonices mundi", den „Zusammenklängen der Welten" 1619 niedergelegt hat. Dieser Schlüssel zur Welterkenntnis ist eine letzten Endes dichterische und visionäre Schöpfung, in der mathematisches Denken mit musikalischem Gefühl und ästhetischer Stimmung zu einer tief religiösen Schau des Universums von großartiger Einfachheit und Einheit sich verbindet. Solche Leistung war nur Kepler möglich, von dem Sigmund Günther gesagt hat, „daß wohl niemals vor- und nachher kühnster Flug der Phantasie und höchste Virtuosität im Zahlenrechnen in einem Menschen zu so inniger Durchdringung gediehen sei". Aus der wüsten Zerrissenheit einer von Krieg und Aberglauben zerrütteten Zeit erwuchs sein Geistesbau der lichten Klarheit und der reinen Form, wie fein Schöpfer aus trübem Dunkel der Not sich emporschwang zu feinem heiteren Sternenglauben. Ein Schwabe war er, mit der liebenswürdigen Aufgeschlossenheit dieses Stammes, feinem begeisterten Feuer, feiner starken Einbildungskraft und Ahnung ausgestattet. Das süddeutsche Element, das sich in der großartigen Barockkunst damals offenbarte, bringt auch das Warme und Heitere in fein sonst so schweres Leben und Werk. Goethe betont in dem Kepler-Abschnitt seiner „Farbenlehre" das „frohe Erstaunen" darüber, „daß der wahre Genius alle Hindernisse überwindet", daß „sein glückliches Naturell durchdringt": „Die ernstesten Gegenstände behandelt er mit Heiterkeit und ein verwickeltes mühsames Geschäft mit Bequemlichkeit." Ein neuerer Herausgeber feiner „Kosmischen Harmonie" fühlt sich durch ihn an den ftammesverwandten Mozart erinnert, und vielleicht ist kein Vergleich glücklicher als der dieses Komponisten einer himmlischen Sphärenmusik mit dem genialsten Tonschöpfer irdischer Harmonien. Aus seiner so allseitigen, zugleich mathematischen wie philosophischen und dichterischen Begabung erwuchs das Gefühl für die Harmonik des Weltalls, und es tritt bereits in dem Jugendwerk hervor, mit dem sich der 24jährige Grazer Schulmeister die astronomischen Sporen verdiente. In diesen „Schöpfungsgeheimnissen in Welttiefen" versucht er das ganze Reich der Wandelsterne unter einem Baugesetz zu begreifen und die kopernikanische Lehre zu beweisen. Aber dies'ist nur die erste Stufe in seinem ungestümen Drang der Welterklärung. An den Hof des der Astrologie ergebenen Kaiser Rudolf II. nach Prag berufen, bearbeitet er unter Tychos Leitung die Beobachtungen des Planeten Mars und, nach feinem Tode in den Besitz des ganzen Materials gelangt, vollendet er die nach Rudolf genannten astronomischen Tafeln, baut zugleich den Begriff der Weltharmonie immer weiter aus. In seinem astronomischen Hauptwerk, der wie alle seine Werke lateinisch geschriebenen „Neuen H i m m e 1 s k u n d e" (1609), die vielleicht die größte Leistung der deutschen Naturforschung ist und uns jetzt auch in einer deutschen Uebertra- gung durch Max Caspar geschenkt worden ist, stellte er die beiden ersten Keplerschen Gesetze auf und krönte fein Werk durch das dritte Gesetz in seiner „Kosmischen Harmonie", das nun ein tief bedeutsames Zahlenverhältnis zwischen den Dimensionen der Planetenbahnen und ihren Umlaufzeiten entdeckte. Kepler hat die Wissenschaft auf vielen Gebieten bereichert: Er machte die Logarithmen der Rechnungspraxis dienstbar, trat energisch für die Kalenderreform des Papstes Gregor XIII. ein; er verbesserte das damals eben erfundene Fernrohr und fetzte das Werk Galileis fort; in feinem „Trau rn vorn Monde" vereinigte er in einer künstlerisch verklärten Form das ganze damalige Wissen von dem magischen Nachtgeftirn und schuf in seinem „Lehrbuch der H i m m e l s t u n b e" ein noch heute nicht veraltetes Kompendium; er hat die Lehre vom Sehen gefordert, und gehört zu den Begründern der physiologischen Optik. Aber feine größte Leistung bleibt doch die enthusiastische Offenbarung der Welten- Harmonie. Für den genialen Astronomen und tiefsinnigen Mathematiker, den strengen Rechner und mystischen Seher war das Planetensystem erfüllt von musischen Klängen, harmonischen Zahlen und Formverhält- niffen, und so wurde er der Schöpfer jenes Harmonie-Gedankens, den von ihm Leibniz übernommen hat, um ihn an unsere Klassiker weiterzugeben. So wirkt seine stolze und beglückende Ansicht des Weltenbaus in der Geistesgeschichte fort, und sie hat heute, vom Größten ins Kleinste gewendet, noch eine besondere Bedeutung erhalten, indem man in dem Mikro- Hreitag, den ^.November Giehe"' (Schluß folgt.) „Für mein letztes Kupfergeld hab' ich mir 'nen Schnaps bestellt .. endgültig verklungen war, standen wir schon längst allein auf dem Bahn- f‘e'äßir sahen uns nach der Kleinbahn um, die uns nach Sauste, unserem Reiseziel, bringen sollte — und veksielen bei ihrem Anblick in einen Lachkrampf: Solch eine Kreuzung zwischen einem modernen Schnellzug und einer Kindereisenbahn hätten wir nun doch nicht erwartet. Unser Lachen verging uns jedoch sofort, als wir einen Wagen bestiegen und im selben Augenblick mit dem Kopf wider die Decke rannten. Für dreißig Kilometer brauchten wir drei Stunden! Da wir also etwa doppelt so schnell fuhren, als es ein Fußgänger auf Schusters Rappen zu schaffen pflegt, entschlossen wir uns, zeitweise nebenher zu traben, viel weniger aus Spaß als aus dem dringenden Bedürfnis heraus, die Atmosphäre des Wageninnern mit der frischen Winterlust draußen zu vertauschen. Wenn der Zug einen Bach passierte, machte er halt, und die Passagiere versammelten sich bei der Lokomotive, um dem Wassereinholen zuzusehen. * Likör mit Zitrone und Zucker. Die zu brin Als berichte vermut! erzählte ein an geschleu sogar g gebrach Als ich übe: erstaun! In d Safar e Löwen, ousweic Gegner. Geruch überlege Wildnis jedes ih derartig übersteh leise aus merkwü Es i weil mc oder in dem Jä Falle hi den Ohr das Na damit S) surchtba Am sie sich r aber au Losung häufig i daß dies Meisten- auch mel wie etw rempeln schastlich Wir von wo Blick in selten T Mittags! Nur Als ich 3 ich sehr i Lehm de acht Stiii stellen, i Viele sich aufr einen w kurz nac Langsam es einen weichen schmerzh, , Das : wir tonn falls hat mußte di unter dei ohne aud beunruhi war uni „ Jetzt Aufgabe, konnte se in dem d mit Netz Schwarze hatte das ihm in d das ungi S»sehen;' galoppier wenige 21 Stelle, d< Wenn ich heute in einen Brief sehe, den ich unter dem ganz frischen Eindruck dieser Tage geschrieben habe! Bauske ist der gastfreleste Ort des alten Kurland. Vor zehn Uhr aufzustehen, 'st hier verpönt. Um wölf Uhr kommt man im Gewerbeverein zum Morgenschnaps zusam- s ermatteten eonnenjajeins ,roö[f Uhr kommt man im Gewerbeverein zum wiorgen,a)naps zuiam- kalter Ostwind dicke^ Flocken ms Gesichts trieb. Auf | 3™“ l „^Nachmittag um sechse zum Bürgermeister. Ich dachte am ersten Tag'tatsächlich, wir seien zum Bürgermeister eingeladen und wurde erst im letzten Augenblick darüber aufgeklärt, daß der Bürgermeister eben auch — Schnaps sei. Ein reichsdeutsches Ohr wird es sicher versöhnlicher stimmen, wenn ich sage, daß jeder Schnaps von einem kleinen Imbiß, Sakuska genannt, gefolgt ist, der aus Neunaugen, Dunalachs kaltem Gänsebraten, Rippchen und dergleichen mehr besteht. Zum Schluß kommt dann Bier ... 2lm Freitagabend wurde uns zu Ehren em kleiner Ball arrangiert ... Für den letzten Tag war uns dann noch eine ganz groll- Ueberraschung vorbehalten. Der Arzt des Kreiskrankenhauses hat von unserer Anwesenheit gehört und bittet uns zu sich. Es stellt sich sterau, daß er Jenenser Teutone ist und in seiner Studienzeit mit einemi Sun desbruder von mir, der jetzt in Windhuk weilt, enge Freundschaft geschlossen hatte. „Ja, Mütze und Band hat er mir geschenkt. Aber btt Bolschewiken haben sie mitgenommen. Vielleicht wird die Gießener Alemannenmütze jetzt bei den großen Demonstrationen gegen ixe wlt europäische Zivilisation von irgendeiner Moskowiterin getragen. er uns dann durch seine Räume sllhrte und wir das leerstehende Hau chen betraten, das jetzt seine geburtshilfliche „Klinik darstellt, sagte er. „Sehen Sie, jeder Ort in der Welt kann doch wenigstens einen berühmten Mann sein eigen nennen. Hier ist unser »Prinz Domela, , Sie doch auch dem Namen nach kennen, geboren und groß geworden... Zum zweitenmal nahm uns die Kleinbahn auf. Nur sahen wir si- jetzt mit anderen Augen an. Das lettische Wappen an den kleinen Wage" reizte zwar auch jetzt noch zum Lachen. Aber an dessen Stelle gehörtes auch eigentlich das Eiserne Kreuz. Denn „der sanfte Heinrich , wi Volksmund heißt, ist wie „der rasende Kurlander oben im Norden wie all die anderen Kleinbahnen bis zum Peipussee und bis aus Insel Oesel nichts anderes als eine deutsche Feldeisenbahn, die ei i manchen braven Soldaten vor den Feind und manchen auch tu das Grab gebracht hat. . m..-lm Makrokosmos I Bei heftigem Schneetreiben kommen wir dann in Sauste an. Ja, aber kosmos des Atoms dieselben Gketze erkanve dle er im Ma rorosmos I y^n der Ort? Außer dem hölzernen Stationshäuschen ist weit - s ä Ö-Ät SÄ» 4r Ml* aÄJiÄÄ erschaut. I tIotte Studentenweisen trotz Morast und nassem Schnee unsere Schritte. ~ “ _ ,. k I Mit der „Brauerei" ist es zwar nichts, denn unser Wegweiser stellt sich, Als Student auf deutschem Schmfaisvoden. I aU5 der Nähe besehen, als ein mächtiges, verfallenes Gemäuer heraus „ ., _ , ... ra. r, I das links von unserem Wege liegen bleibt, doch sehen wir nun auch Von Albert Erich Schmidt, Eietzen. I bQ5 Städtchen unmittelbar vor uns. — Freilich, eine Schwierigkeit hatte I I es doch noch: Wir mußten unseren ganzen hierher gehörigen lettischen JtÄÄÄre"SÄÄ«L«Ä l'XwÄ 1 Pin uaar Dan'kesworte" für uns reichsdeutsche Gäste I Name, wenn irgend möglich, mit einem Schluß-S verziert werden muß, kaaen zu mMen^'Was ichauchühkk.hatte etwa diesen Sinn: Wir drei- um einem lettischen Ohr verständlich werden zu können, ferner, daß em zehn" Studenten und Studentinnen aus dem Reich fragen uns manch- I nachgestelltes „kungs „Herr bedeutet. mal was unsere fünfhundert Kommilitonen, die sich in diesem Jahre an I $atte unsere Reise bis dahin trotz aller Wechselsälle ihren ursprung- französischen Hochschulen aufhalten, dort eigentlich wollen. Sollten sie die I nd)en heiteren Charakter bewahrt, so wurden wir gleich auf dem ersten Absicht haben, Kulturgut nach Deutschland zu importieren, weil sie viel- i ^eq den wir im Schutze eines Regenschirmes eingehängt in Sauste leicht glauben, daß es uns daran mangelt? Uns Deutschen m aller Welt I unternahmen, zu dem Ernst zurückgeführt, den es sich immer gebührt, mangelt es nicht an Kultur; wohl aber fehlt es uns an Brot. Und I bierem Sani)e entgegenzubringen. An dem schäumenden Ufer der Memmel dieses fehlende Brot finden wir hier im Osten! Dabei müssen wir nicht I tanöen Wir den deutschen Heldenfriedhof. Das erste Grab, dessen Ausgleich an „Eroberungspolitik" denken, denn dieses Ostland ist weithin fd)ri» roir Iaten barg einen 1902 (!) geborenen Fahneniunker. Wie deutsch. Wir versprechen, nicht müde zu werden, in Deutschland zu ver- I auf ben meisten baltischen Friedhöfen waren auch hier Gefallene des künden, daß dieses teure Land in sieben Jahrhunderten deutsches Blut Weltkrieges, Angehörige der (reichsdeutschen) Eisernen Division und der getrunken hat, das immer wieder vergossen wurde für freieren Lebens- I Baltischen Landeswehr aus den Bolschewikenkämpsen m stetem Wechsel raum, für deutsche Kultur und für eine Zukunft, die uns allen bis heute I nebeneinander gebettet — Volksgemeinschaft in einem höheren Sinn, noch vorenthalten ist.--Ja, und dann tarnen alle „Philister heran und tränten mit uns auf unser gemeinsames Schicksal, erzählten von ihrer Not und schwärmten mit uns noch lange von stolzer Vergangenheit und mehr noch von des Deutschtums erhoffter Zutunft. — Der deutsche Pastor zeigte uns die Sehenswürdigkeiten Bauskes: einen Findling, von dem aus Peter der Große die Eroberung des Ordensschlosses geleitet hatte, die Lachs- und Neunaugenftscherei m Mem- * । mel und Muhs und schließlich die auf einem von den beiden Flüssen Zwei Monate war ich schon in Riga, da entschloß ichmich.mit I 'ftärtfk'Sren^feftf beVlRifterorbens gegen Litauen einem Freund, den Waldfriedhof mit den deutschen SÄdatengrabern I molen Von dem noch halbwegs erhaltenen Bergfried aus sieht man aufzusuchen. Wir irrten lange umher. Da sahen wir plötzlich Zwei andere I . , t . öcn wctten litauischen Wald hinüber, aus dem früher Kommilitonen auf einer Düne stehen und photographieren. Als wir sie ! heidnische Feind hervorbrach und die Burg bestürmte. Wir treten tn erreichten, lag der Soldatenfriedhof vor uns: mitten im Tannenwald, I ~ nJeJ.' bur(b ba5 sich die Burgherrin einst in die in grausiger immer drei Gräber zusammen, mit drei gleichen steinernen Lenzen und I Wefe"vorüb'ersprudelnde Mernrnel gestürzt hat, als ihr Gemahl, em mit Efeu bewachsen. Landsturmmann, Kanonier einer Kustenschutzbatterle, l( DQr Ior qetnüen roar. Wir sehen hoch oben im Gemäuer Gefreiter einer Bäckereikolonne, Armierungssoldat und so immer weiter. I schwarzen Kreuze, hinter denen triegsgefangene Litauer eingemauert Dann: „Fünf unbekannte Deutsche"; und schließlich, auf zwei Quadrat- I Allem So zeugt hier alles von einer männlichen Zeit. Aber Wind Meter Fläche: „Sechsundsünszig deutsche Soldaten — em Massengrab. I 1 ,$Betkr rciL„ bie Wände ein. Und auch die Kriegsgeschichte der Da fällt der Blick auf ein abseits liegendes Leutnantsgrab und aus Vergangenheit hat ihren Anteil an dem Zerstörungswerk: Hier zusammengepreßtem Innern ringt es sich los: Nein, umsonst seid ihr | noch Holz von einem Beobachtungsstand erhalten, dort ist em nicht gefallen! In diesem Augenblick erzählt einer der neu hlnzugekom- I r((.mercr Steinpfeiler von einem Volltreffer umgelegt worden. Vor der menen Kommilitonen, daß unser Freund K. beim Photographieren des | Westseite sieht man die Gräben, in denen die Russen die Deutschen Grabes seines Onkels drunten bei Dünaburg von der polnischen Grenz- I i erwarteten, als diese schon längst auf Umwegen in Hauste ein« wache festgenommen worden ist, weil solche „Spionage nicht gestattet I geb^ungen waren. Das sind die Spuren des Weltkrieges! ^Inzwischen Check' man auf jenem verschwiegenen Fleckchen Erde ein Der Pastor bückt sich, hebt eine Sperberfeder aus. und^ steckt sie an Denkmal für die Baltische Landeswehr errichtet. Nach em paar Tagen I feinen Hut. lieber uns kreisen die Dohlen. — 2lls wir schon auf Dem Jtu« war es gesprengt Man überlegte, ob man es nicht in zerstörtem Zustand weg sind, bleibt der Pastor noch einmal stehen und Jagt. zwischen SÄÄÄfÄÄ’lÄ £ teÄ« Ä&TÄfe S&S*,6r4"" 1,t- roe'B ia) J * waren, nahm sie auf und erinnere mich, sie noch lange tn der Mantel- Wenige Tage später — es war im Oktober 1928 — unternahmen I tasche aufbewahrt zu haben. wir unkren ersten größeren Ausflug aufs Land. Die lange Negenzeit - ‘ ‘ schien endlich einmal von ein paar schönen Tagen unterbrochen zu werden. Um so größer war unsere Ueberraschung, als wir am Morgen der Abreise statt des erwarteten Sonnenscheins eine erste Schneedecke vorfanden und ein kalter Ostwind dicke Flocken ins Gesickst trieb. Aus dem Bahnhof gewannen wir an einem Curonen, der mit demselben Zug nach Deutschland wollte, noch einen Reisegenossen für den erften Teil der Fahrt. Sei es nun die Freude, wieder einmal in einem deutschen O-Zug- roeigen zu sitzen, oder die durch unseren baltischen Kommilitonen erworbene Bekanntschaft mit dem hoch gelobten Äikolaschka Slttolar einschließlich des dazu gehörigen Liedes, das schier achtzehnmal durch Den Speisewagen dröhnte, oder sei es schließlich die uns tief befriedigende Einsicht, daß es auch heute noch v-Zugschafsner gibt, die für eine Fahrkarte 3. Klasse die Benutzung der 2. Klasse erlauben (warum wohl?), es war uns jedenfalls wie ein Schnitt durchs Herz, als wir uns an der lettischen Grenzstation von unserem Kommilitonen und den Herren der deutschen Gesandtschaft in Helsingfors, die wir inzwischen kennengelernt hatten, trennen mußten. Als unser begeisterndes Äbschiedslied , aber weit etwas uerei« sichtet inigen hritte. lt sich, eraus, auch hatte tischen Kom- eutsche muß, atz ein prüng- ersten kauske ebührt, lemmel 1 Aus- Wie ne des nd der Wechsel inn. auskes: rtg des Mem- Flüssen ist. Sie Litauen ht man früher ' reten in rausiger chl, ein iemäuer emauert r Wind chte der rk: Hier ist ein Lor der »eutschen ske ein« t sie an m Rück- zwischen gcr und den. Ich ler beut« itgangen Mantelfrischen iftfreiefte önt. Um > zusam- m ersten arbe erst ter eben öhnlicher i Imbiß, kaltem 5 kommt ner Ball nz große hat von > heraus, em Bun- chast ge= Aber die Gießener die westen." Als de Häus- fagte er: (inen be- eta", den rden .. i wir ste n Wagen gehörte jo Die er inj rden und - auf hie die einst das kühle Nashornfang. Von Heck-Proskauer. Auch in diesem Jahre läßt der Verlag Ullstein in der bekannten Ausstattung drei Weihnachtsbücher zu 5 Mark erscheinen: Fuhlber-Horst „Auto, Schiff und Flugzeug", E. A. Hoppe „Deutsche Arbeit" und Heck-Proskauer „Von der Wildnis in den Zoo". Mit Erlaubnis des Verlages bringen wir diesen Beitrag des bekannten Berliner Zoologen L. Heck. Die Absicht unserer Expedition, ein lebendes Nashorn mit nach Hause zu bringen, war unsre größte und schwierigste Ausgabe. Als meine Absicht, ein Nashorn lebend zu fangen, bekannt wurde, berichtete man mir zunächst unzählige Geschichten von Jagdunfällen — vermutlich, um mir Freude und Mut zu machen. So wurde wie man mir erzählte, einem Massai mit einem Hieb des Harnes der Leib aufgeschlitzt, ein andres Mal ein Reiter mit feinem Maultier hoch in die Luft geschleudert. Beim Bau der Ugandabahn im Jahre 1905 sind Nashörner sogar gegen die Güterwagen angerannt und haben sie zur Entgleisung gebracht — um danach unverletzt wieder im Busch zu verschwinden. Als ich zum erstenmal Nashörner durch die Steppe laufen sah war ich über ihre federnde und gleichmäßige, gewissermaßen flotte Gangart erstaunt. In den Gebieten, wo die Nashörner zahlreich sind, bilden sie für die Casar eine größere Gefahr als Raubtiere; denn während diese, besonders Löwen, dagsüber dem Menschen und gar einer marschierenden Karawane ausweichen, wird das Nashorn durch seine Angriffslust ein unangenehmer Gegner. Es stürmt, wenn ihm der Wind aus der Nähe einen „feindlichen" Geruch zuträgt, darauf los, ganz gleich, ob ihm dieser Feind etwa an Kraft überlegen ist oder nicht. Dazu kommt noch, daß das Nashorn in der Wildnis kaum einen Feind in der Tierwelt hat und deshalb ohne weiteres jedes ihm lästig erscheinende Lebewesen annimmt. Dabei nähert es sich derartig schnell, daß der Jäger, der zum erstenmal einem Nashorn gegen« übersteht, sehr Überrascht ist. Mit feinen weichen Sohlen tritt es ziemlich leise auf, und nur das Krachen der Aeste auf seinem Weg und bann fein merkwürdiges Wutschnaufeu verraten bie Richtung. Es ist sehr schwer, einem solchen annehmenben Nashorn auszuweichen, weil man meistens in dichtem Busch steckt; man gerät in die Dornbüsche ober in bas Sansivierengestrüpp, besten säbelartig harte unb spitze Blätter dem Jäger ernsthafte Verletzungen beibringen können. In einem solchen Falle hilft nur ein gutgezielter Schuß, mitten auf bie Stirn ober unter den Ohransatz, der das wütende Tier sofort erlegt. Im Angriff schwingt das Nashorn den Kopf mit den gewaltigen Hörnern hin und her, um damit Hiebe auszuteilen, und wehe dem Jäger, den ein Schlag mit dieser furchtbaren Waffe trifft! Am häufigsten begegnet man den Nashörnern in der Buschsteppe, wo sie sich von Zweigen und Blättern der verschiedenen Weichhölzer Nähren, aber auch erstaunlich harte Dornenäste vertilgen. Zur Ablagerung ihrer Losung scheinen sie gern an dieselbe Stelle zurückzukehren, so daß man häufig die großen, sägespänartigen Haufen sieht. Man kann annehmen, daß diese Stellen eine Art Nachrichtenplatz für bie Artgenoffen bitten. Meistens burchstreisen bie Tiere einzeln die Steppe, mitunter sieht man auch mehrere Stücke beieinander, niemals jedoch in großer Zahl zusammen, wie etwa Flußpferde. Wenn sie nicht gerade äsen, dösen oder schlafen, rempeln sie sich häufig untereinander, wobei sie sich spielerisch-freundschaftlich mit den Hörnern stoßen. Wir hatten unser Lager am Rande eines Hochplateaus aufgeschlagen, von wo aus wir bei der besonders klaren afrikanischen Luft einen weiten Blick in das malerische Bergland hatten. In der Mittagszeit waren nur Sten Tiere zu sehen; die hier lebenden Nashörner taten sich in der ittagshitze unter irgendeinem Busch nieder und schliefen. Nur in den Morgen- und Abendstunden waren sie im Busch unterwegs. Als ich zum erstenmal die Nashörner im Hellen Morgenlicht erblickte, war ich sehr überrascht, denn sie sahen knallrot aus — sie hatten sich im roten Lehm der dortigen Gegend gesuhlt. Jeden Tag beobachteten wir sechs bis acht Stück und konnten am Standplatz und an der Länge der Hörner feststellen, daß es stets dieselben Tiere waren. Viele Stunden hockten wir, vergeblich wartend, daß die Nashornkuh sich aufrichten sollte. Denn wenn wir sie aufscheuchten, würden wir nur einen wütenden Angriff Hervorrufen, an dem uns nichts lag. Endlich, kurz nach der Mittagsstunde, erhob sich das Tier, um weiterzuziehen. Langsam schob es sich durch den Busch; wie sich später herausstellte, hatte es einen ganz vereiterten Vorderfuß, vermutlich durch eine Infektion des weichen Sohlenpolsters, in dem schon bei geringfügigen Verletzungen schmerzhafte Eiterungen entstehen können. Das Junge, auf das wir es abgesehen hatten, marschierte hinterher, wir konnten es in dem dichten Busch aber nur undeutlich erkennen. Jedenfalls hatten wir den Eindruck, daß es von paffender Größe war. Nun muhte die Kuh den Todesschuß erhalten. Haarscharf gezielt traf die Kugel unter dem Ohransatz genau ins Gehirn. Das Tier fiel auf der Stelle um, ohne auch nur einmal zu zucken. Das Junge wurde durch den Schuß nicht beunruhigt, hatte auch gar nicht gemerkt, was mit feiner Mutter geschehen war und fraß ruhig weiter an den Büschen. Jetzt mußten wir in den Busch hinein — eine ziemlich unheimliche Ausgabe, denn wenn das Junge größer war, als wir vermutet hatten, konnte fein Angriff sehr unangenehme Folgen haben. Ich ließ das Gebüsch, in dem das Junge steckte, von der einen Seite auf hundert Meter Länge mit Netzen umstellen. Von der anderen Seite drang ich mit mehreren Schwarzen in das dichte Gestrüpp. Dabei knackten einige Zweige. Sofort hatte das Junge uns gehört, griff uns an und rannte einen Maffai, der 'hm in den Weg lief, einfach über den Haufen. Jetzt hatte ich das Tier, has ungefähr die Größe eines kräftigen Landschweins hatte, deutlich S'sehen; voller Freude versperrte ich ihm den Weg. Es machte kehrt und galoppierte auf die Netze zu. Schon war es darin verstrickt, aber nur ®«nige Augenblicke. Es machte sich gleich wieder frei. Da war Dlefen zur to«He, der sich als erster auf das Tier warf und ihm feine muskulösen Arme um den Hals legte. Das Kleine quietschte gellend auf, und nun kam alles, was Hände hatte, herbeigestürzt, um es sestzuhalten. Ei» breites unb dickes Lederhalsband, das wir zu diesem Zweck mitgebracht hatten, war schon bereit unb im Augenblick um [einen Hals geschnallt. Daran banden wir lange Taue, die in verschiedenen Richtungen an Bäumen befestigt wurden. Auch um die Hinterbeine wurden Stricke gelegt. So stand nun unser kleiner „Pflegling wider Willen" an der Stelle, wo wir ihn erwischt hatten. Das kleine Tier war voll tapferer Wut und Bosheit. Ab unb zu versuchte jemand, sich mit ihm anzubiedern, aber sobald er freundliche Schnalzlaute ausstohend näher kam, machte das Kleine, den Kopf mit dem kurzen Horn gesenkt, den Versuch, auf ihn loszugehen. Es war ein junger Bulle, etwa sechs Monate alt und achtzig Zentimeter hoch, an der Schulter gemessen. Das Vorderhorn war zwölf Zentimeter lang, das Hinterhorn erst drei Zentimeter unb nur wie eine runbe Beule hoch- stehenb. Die Haut des Jungen schwitzte stark, unb überall an den weichen Hautstellen hatten sich unzählige Zecken angesaugt. Wenn ich heute vor dem Gehege des Nashorns in unserem Garten stehe und das prächtig gewachsene, gesund und sauber aussehende Tier ansehe, das fünfmal so schwer ist wie damals, als wir es als Säugling im Dornbusch fingen, so habe ich immer wieder das freudige Gefühl des Jägers und Forschers, dem eine schwierige Ausgabe gelungen ist, und ich bin überzeugt, daß das Nashorn, an dem längst keine Zecken mehr saugen, das bei uns nie von Vereiterungen geplagt wird, sich im Berliner Zoo recht wohlfühlt. Oer Schlund. Roman von Alfred Bock. (Fortsetzung.) Seitdem der Hannwilm aus dem Feld zurückgekehrt war, erhielt sie über sein Befinden nur durch den Meister Möckel Bericht. Den Leidenden zu pflegen, war ihr verwehrt. Wer den Neumüller früher in seiner Kräftigkeit gesehen hatte, sagte der' Schmied, würde ihn jetzt nicht mehr wiedererkennen. Jüngst hatte sie einen fürchterlichen Traum gehabt. Die Neumüllerin war zu ihr gekommen. Sie trug über einem dunklen Kleid ein braunes Umschlagtuch. Ihr Gesicht war quittengelb. Und sie sprach: „Mein Mann macht ein Gesupp unb Geächz, er will von dir Abschied nehmen. Ich wollt's ihm net verweigern. Tummel dich!" Da hatte sie so laut geschrien, daß ihr Bub, der Karl, in seiner Kammer wach geworden war. An allen Gliedern zitternd erwartete sie das Morgengraun. Wie mochte es mit dem Hannwilm werden? Es war eine quälende Unruhe in ihr. Einmal ohne den Druck auf der Brust schlafen können, was würde sie darum geben! Wenn sie zurückschaute: sie hatte nie ein übermütig Leben geführt. Der heitre Sinn lag ihr im Geblüt. Sie konnte sich über einen Sonnen« blick freuen. Zwischen Freude und Freude war freilich ein Unterschied. Was tiefe, herzhafte Freude war, das spürte sie erst, als in ihrem Garten das Blümlein Brennende Liebe blühte. Der Hannwilm war ihr ein unb ihr alles. Man durfte ihn nicht nach jedermanns Schuhen messen. Er war halt besonderlich. „Du bist ein Fackler", hatte sie ihn oft geneckt, „bei dir weiß man nie, was die Ell' kost'!" Manchmal redete er, daß man meinte, es ärgerte ihn, wenn einem das Essen schmeckte. Das Rappelköpfige hielt nur von elf bis Mittag bei ihm an unb wollte nichts heißen, wo so viel Gutheit in ihm steckte. Ihre Liebe beckte seine Wunder- lichkeiten zu. Sie kannte viele Lieder, war immer darauf aus, neue zu lernen. Brachte sie den Hannwilm so weit, daß er mitfang, roar’s ein Festtag für sie. War er muffig und wetschte mit ihr, sagte sie zu ihm: „'s muß von der Mühle kommen, daß du Staub auf dem Herzen hast. Ich wisch ihn dir ab!" Zu allen Schublädchen in ihm hatte sie den Schlüssel, wußte, was darim verborgen war. Vor seinen Eltern verschloß er sich. Aber ihnen entgegenzutreten, als sie ihm die Ruttershäuserin kuppelten, dazu fehlte ihm der Mut. Sie räumte bas Fett. Es war einmal so in der Welt, daß man nicht alles haben konnte, was man sich wünschte. Was blieb ihr? Sich in ihr Schicksal zu fügen, fleißig zu sein unb mit guten Menschen Freundschaft zu halten. Daß des Hcinnwilms Cheschaft durch ewigen Streit vergiftet, daß die Ruttershäuserin eine Eiterbissern war, trugen ihr die Leute zu. Ms er unvermutet bleich und bekümmert in ihre Stube trat, war sie zuerst wie versteinert. Er war bis in die Seele krank, brauchte warme Liebe. Depeschenträger, die den Skandal vornhinspannten, verlästerten sie. Sie ließ es ruhig über sich ergehen. Daß sie dem Hannwilm aus seiner Not half, daß sie sich vor ihm auf« genesselt hatte, bereute sie nicht. Darüber war sie sich selbst nur Rechenschaft schuldig. Als die Kindfrau ihr nach schwerer Nacht das Bübchen mit den blauen Aeugelchen reichte, war sie mutterselig. Wie ein Kreppei ging der kleine Schnuckes auf, wurde- kugelrund. Merkwürdig, daß er mehr ihrem Vater als dem Hannwilm glich. Auch in seinem Eigenwillen. Deshalb ließ sie ihn, als er größer warb, abends beten: „Siebes Gottche, brech mein Köpfche, Sonst geb ich emal ein armes Tröpfche!" Die Tage, an denen er nicht widerbörstig war, strich sie in ihrem Kalender mit einem Kreuzchen an. Waren ihrer hintereinander sieben beisammen, kaufte sie ihm eine Brezel. Ihre Erziehung hielt zwischen Mitte und Strenge die Mitte. Als sie ihn einmal knuffte, kam der Hannwilm dazu unb nahm ihn in Schutz. Das verbat sie sich. Sie gehörte nicht zu den schwachen Müttern, die einem Kind alles hingehen ließen. Nach einer harten Arbeitswoche roar’s, daß sie an Gesichtsrose erkrankte und in Fieberglut lag. Da wich der Karl nicht von ihrem Bett und tat ihr alles Liebe und Gute an. Durch die Schule rutschte er, es war ein Pläsier. Der Lehrer Uhl sagte: „Der kann's wie Wasser und Fett!" Bei der Entlassung machte er sich einen Jux und schrieb an die Tafel: „Hier in diesem Saat Bin ich heut zum letztenmal. Danke für den Unterricht, Aber für die Prügel nicht!" Der Lehrer lachte, und der Schulinspektor lachte auch. Als Lehrling betrug er sich musterhaft. Darum wunderte sie sich bah, daß ihr der Meister Möckel letzt einen Floh ins Ohr setzen wollte. „Der Neumüllern ihr Stadtmädchen, die Kampmann", brunkelte er, „scharmutziert mit deinem Karl. Mir schwant, das gibt ein Gejuck!" „Spar dir den Odem", entgegnete sie, „der Karl hat eine stracke Natur, dem kommt keine Bube- lutsch bei!" Brummelnd war der Meister abgezogen. Sie hatte den Karl vorgenommen, hatte ihn fest ins Auge gefaßt. An der Sache mit der Kampmann war nicht so viel, als man vom Nagel schabte. Der Karl war offen, verschwieg ihr nichts. Dafür legte sie die Hand ins Feuer! * Auf dem Römerhang, der gegen das Dorf hin von heckendichtem Gesträuch besäumt war, lag der warme Glanz der Nachmittagssonne. Aus dem Gras lugten die gelben Blüten des Habichtskrauts und purpurroter Thymian hervor, lieber den Placken strich der Atem des nahen Waldes. Unter dem Gezweig einer Eschs hatte sich die Helene Kampmann lang hingestreckt und blinzelte den Wecklerskarl, der vor ihr stand, an. Um ihr rotblondes Haar hatte sie ein blaues Band geschlungen. In Anbetracht ihrer vierzehn Jahrs war sie schon mächtig ins Breite gewachsen. Sie hatte ein rundes Gesicht und volle Lippen. „Was ist das für ein Vogel, der da singt?" fragte sie. Der Wecklerskarl, ein hagerer Junge mit lebhaften braunen Augen, antwortete: „Das weißt du doch!" „Woher soll ich das wissen?" „Da kannst du mir leid tun. Ein Buchfink ist's!" „So was gibt's bei uns in der kladderigen Herner Straße nich. Schmutzfinken, die laufen da genug herum!" „Meine Mutter ist als Kind auch in Bochum gewesen!" „Sei froh, daß du hier bist. Ich wollte mich zu Hause schon mal vergiften!" „Warum?" „Weil ich's nich mehr aushalten konnte." „Wer hat dich dann so geextert?" „Wenn ich dir alles sagen wollte, müßte ich bis morgen früh erzählen." „War's dann so schlimm?" „Das soll wohl sein. Denk dir, mein lütter Bruder, der Leonhard, geht an Krücken. Den hat noch niemand lachen sehen." „Ach, Herrje!" „Meine Eltern leben wie Hund und Katze." „Gibt's dann Klopffisch?" „Das kommt auch vor." „Meine Mutter sagt zu mir: ,Du bist faul und unfolgsam!' Es war mal kein Geld da. Und da hat sie mich gezwungen, daß ich betteln ging. Wie's mein Vater erfuhr, hat er mich gehörig geplüstert. Ich wäre auch nie wieder betteln gegangen. Die Frau ©Untermann über uns hat mir manchmal fünfzig Pfennige geschenkt. Und da habe ich mir beim Gärtner Seringhaus Nelken geholt. Die habe ich auf der Straße verkauft. Und brachte oft zwei, auch drei Mark nach Hause. Du hast keine Ahnung, wie das ist, wenn man hungern muß. Mein Äruder Leonhard und ich, wir haben oft gehungert. Meine Mutter hat ober fast jeden Tag eine teure Ansichtspostkarte an ihren Freund Schmitz in Wattenscheid geschrieben. Dafür hatte sie Geld. Wie meine Großmutter noch lebte, hatten wir Kinder es besser. Sonntags bin ich zu Hause immer auf den Friedhof gegangen, habe mir vom Gärtner eine Gießkanne geliehen und habe das Grab der Großmutter begossen. Kein Brot im Hause haben und nich flauen, das ist nich so einfach, Karl. Du weist gar nich, wie gut du's hast. Hier bin ich wie im Himmel! Heute mittag hatten wir eine dicke Erbsensuppe, Schweinefleisch mit Sauerkraut und Kartoffelbrei. War das sein!" Der Wecklerskarl nahm den Kopf zurück. „Wir haben kein Fleisch gehabt, und ich bin doch satt worden!" Die Kampmann setzte sich auf. „Denk dir, die Minna Nolte aus Hattingen wird hier bei Bürgermeisters schrecklich verwöhnt. Und stiehlt Eier und Butter. Und schickt die gestohlenen Sachen nach Hause. So was täte ich nie!" Der Karl zog die Brauen zusammen. „Hat die Spriez dann net das siebente Gebot gelernt?" Die Kampmann lachte. „Was heißt siebentes Gebot? Daß ich nich stehle, dazu brauche ich vom lieben Gott kein Gebot. So viel Pli muß man von selber haben. Mein Vater hat mal ein Flugblatt mitgsbracht. Da stand: „Es gibt keinen Gott. Es ist alles Natur." Der Wecklerskarl spuckte aus. „Pfui Deubel! Das muß ein schlechter Kerl fein, der so was geschrieben hat!" Die Kampmann legte sich wieder lang hin. „Ach, Karl! Was wollen wir uns da streiten! Du denkst, was du willst, und ich denke, was ich will. Ich will mein Leben genießen. Bist du klug, machst du's just so!" Der Karl trat einen Schritt zurück. „Wann ich meinem Meister mit so Geschwätzer tarn, trag ich hinter die Ohren geschlagen, daß ich den Himmel für eine Baßgeig angucken tüt’." „Was ist denn ein Schmied?" spöttelte die Kampmann. „Der muß sich sein lebelang schinden. So ein gescheiter Kerl wie du! Elektriker solltest du werden. Da kannst du Möpkes verbienenl" „Wie man fein Brot verdient", versetzte der Karl, „ist ganz gleich. Wann man's nur ehrlich verdient. Ich mach jetzt bald mein Gesellenstück. Dann geh ich fort und schaff in der Stadt." „O weh!" seufzte die Kampmann, „dann werde ich dich nich mehr sehen!" Der Karl zuckte die Achseln. „Das kann schon fein." „Weißt du noch, Karl? Erst hast du mich so von oben herunter angekuckt. Das hat mich furchtbar geärgert. Jetzt sind wir befreundet. Das ist doch nett. Ich muß dir was sagen. Ich träume am helltcyien Tag. Und immer von dir!" „Schwätz doch so kein dumm Zeug!" „Ich will auf dem Platz sterben, wenn's nich wahr ist! Ich hab mal einen Roman gelesen. Da wollte ein Junge von einem Mädchen nichts wissen. Und sie war so treu. Und ist ihm nachgelaufen. Und sie war in Verzweiflung. Er war steinhart. Und da hat sie sich die langen, blonden Zöpfe abgeschnitten. Und dann hat sie sich das Gesicht mit Vitriol begossen. Wenn du so eklig gegen mich bist, Eiskückel, tue ich das auch!" „Wie soll ich dann gegen dich sein?" fragte der Karl unsicher. „Lieb sollst du sein, nur ein bißchen lieb!" rief sie mit erwachender Leidenschaft. Dem Jungen stieg das Blut ins Gesicht. „Wenn du mir gut bist", bisperte sie, „lache ich die ganze Welt aus. Kuck mal, man hat doch ein Herz. Ich bin so unglücklich, Karl! Ich habe keine Heimat. Ich habe nur die blasse Not gesehen und habe meine Mutter fluchen hören. Du bist mein Freund. Ich will dir was anver- trauen. Das würde ich keinem Menschen sonst sagen. Dir sage ich's. Einmal war die Mutier abends um zehn Uhr noch nich zu Hause. Der Vater lag krank zu Bett. Und da hat er mich weggeschickt. Ich sollte die Mutter suchen. Und da bin ich in der Nacht Ijerumgelaufen. Straßauf, straßab. Endlich traf ich sie. In der Brückstraße. Und sie war knüll. Und war ein Auflauf von Menschen. Und da wollte ich sie mitnehmen. Und da hat sie geschrien, als ob ihr ein Messer an der Kehle steckte. Und da ist ein Schutzmann gekommen und hat uns beide ins Polizeigefängnis gebracht. Und da hat meine Mutter ihren Rausch ausgeschlafen. Und ich saß dabei. Und habe die ganze Nacht gemeint. Und habe mir den Tod gewünscht. Kuck, Karl, so war mein Leben!" „Daß man da ftorrig wird, das kann ich verstehn!" sagte der Karl mitleidvoll. Sie wischte sich die Tränen aus den Augen. „Du bist ein guter Mensch! Daß ich aus dem grauen Dunst heraus bin, das ist für mich ein großes Glück. Meine Mutter will mich los [ein. Zu mir ist noch niemand gut gewesen. Du bist jetzt mein Freund. Kuck mal, meine Mitschülerin, die Luise Strunk, hak schon ein Verhältnis. Und macht sich gar nichts aus ihrem Verehrer. Das ist schlecht von ihr. Ick könnte so was nich. Du lieber Gott, wieviel Jungen sind mir schon nachgestiegen! Ich wollte keinen. Ich muß einen lieb haben. Dich habe ich lieb!" Der Wecklerskarl in scheuer Blödigkeit brachte kein Wort heraus. „Hilf mir auf", bat sie, „ich bin so matt!" Er machte eine linkische Gebärde, rührte sich nicht vom Fleck. „Püschen, püschen, peck, peck, peck", rief sie verliebt, „gib die Händchen, streck, streck, streck!" Zaghaft tat er ein paar Schritte vorwärts. Beugte sich zu ihr nieder. Schon hatte sie seine Hände ergriffen und zog ihn zu sich herab. „Du bist min beste Jung!" Sie bedeckte seinen Mund mit Küssen. „Laß mich los, laß mich los!" wehrte er sich. Sie aber als die Stärkere hielt ihn mit kräftigen Armen umschlungen. 6. Wenn der Speckmichel in Friedenszeiten ein Schwein geschlachtet hatte, lud er Verwandte und Bekannte zum Schmaus. Obwohl er am Pfennig hing, wie der Teufel an einer armen Seele, gab er, dem Brauch folgend, Bedürftigen und Kindern, die mit Schüsseln und Töpfen kamen, von Metzelsuppe und Wurst ihr Teil. Der Krieg hatte den Schlachtfesten ein Ende bereitet. Ward jetzt ein Schweinchen vom Geben zum Tod gebracht, handelte es sich vor allem darum, den Wiegemeister hinters Licht zu führen, dergestalt, daß ein leichteres Tier gewogen und ein schwereres geschlachtet wurde. Das Wiegeschweinchen, in seiner Tätigkeit wohlgeübt, lief, sobald man es aus dem Stall gelassen, schier von selbst zur Gemeindewaage und drollerte vergnüglich grunzend wieder nach Haus. Neben diesen von Amts wegen erlaubten Schlachtungen hatte sich der Speckmichel auf Gcheimschlachtungen verlegt. Die nahm er nächtens in seiner Scheune vor. Der Metzger steckte mit ihm unter einer Decke und erhielt seinen Gewinnanteil. Aus der Kreisstadt stellte sich gegen Mitternacht Herr Friemel, der Oberkellner des Gasthofs zum schwarzen Adler, ein, um dann mit Fleisch beloben in der Dunkelheit wieder zu verschwinden. Was der Speckmichel bei solchen Gelegenheiten dem Adlerwirt abknöpsie, holle der aus seinen Gästen doppelt heraus. Heut war der Oberkellner, ein Mann in mittleren Jahren, lang wie eine Hopfenstange, in der Nacht schon vor elf erschienen und schaute, eine Zigarre anzündend, dem Metzger zu, der vom Rücken eines geschlachteten Schweins den Speck ablöste. „Na, Meister", näselte er, „da schneiden Sie mehr heraus wie aus meinem Bein!" „ , „Ich schätz, Sie gabeln net schlecht, Herr Friemel", sagte der Metzger, „'s gibt so Leut, die werden net fett und wann man sie in Butter brät." „Was glauben Sie denn? Ich habe dreißig Pfund abgenommen! „Babberlababb!" „Auf Ehr' und Gewissen! Aber ich will von mir gar nicht reden. Gestern haben sie den Steuerrat Rudolph begraben. Der Mann ift tat’ sächlich an schlechter Ernährung gestorben. Ihr Bauern schimpft auf cu Herrn Beamten. Ob mit Recht oder Unrecht, will ich dahingestellt [em lassen. (Fortsetzung folgt) Verantwortlich: Dr. HanS Thtzrivt. — Druck und Verlag: Brühl'sche UniversitätS-Duch- und Steindruckerei. R. Lange, Diebe"'