Montag, den 14-Juli zchrgangM« dort, wo wir die ©mibe der Liebe Giese" Und Ein wanderte man manche Straße und waren die Menschen wie Gespenster, aneinander vorüber — es war wie Bis Und Mit vor dir selbst ein Graun dich überschleicht das Geheimnis deiner Einzigkeit deinem dumpfen Frieden dich entzweit. wieder: siehst du einen Daum, ein Laub, Sandkorn, einen luftgen Sonnenstaub, war keine Heimat. Heimat ist nur erfahren. Vielleicht ließ es sich suchen. So kehrte in manche Stadt ein. Aber da glitten wie Tote mit starrer Maske in dem Haus. Ergreift dich's plötzlich wie ein brennend Weh, Daß rings das All dich ewig fremd umsteh, Daß niemals du der Lösung näher bist Der alten Frage: was das ist, was ist; Und vor des Daseins rätselvollem Schmerz Krampft sich zusammen dein verschüchtert Herz. !h« raun (en. (ätl rrtietum en K« in St« les ten NO nen 'Jli Wetträtsel. Von Paul H e y s e. Manchmal, wenn jäh dein eigen Angesicht Aus klarer Spiegelfläche zu dir spricht, Dünkt dir's, du sähst, was dir so wohlbekannt. In dunkle Hieroglyphen umgewandt. Du fragst dich, wem dies fremde Bildnis gleicht, Nummer 5$ -che-Z iur, daß I; .elmanner. >te rittem oll zuH UM» o 'ffürmiü mitgebtch d. Jetzt e ertrage trt h wieder b tschlagen. e geftanber; für [ein» Garnts» SietzenerMmilienblimer Unterhaltungsbeilage zum Gießener Anzeiger ebrcre 6? )ein BrB )n besnG ücht M leg um “ jer melto mbern * Auf den Landstraßen war es wohl das gleiche. Gott zum Gruß, brummten sie, dann waren sie vorbei. Manchmal tippelte man mit einem ein paar Tage zusammen, aber dann war man einander überdrüssig: Fahr wohl, Kamerad! So ging es. Frühling, Sommer, Herbst, Winter. Man besaß ja nichts. Eine Flasche Schnaps vielleicht — ja. War sie leer: fort damit — in den Straßengraben! Vielleicht winkte eine Magd am Gartenzaun. Dann gab es Brot und Schinken und am nächsten Morgen: Abschied. Fort — in den Straßengraben. Allmählich wanderte alles, was der alte Landstreicher besaß, in den Straßengraben. Die Straßengräber aller Herren Länder waren voll von Erinnerungen an ihn und hätten ihm manches plaudern können, wäre er wieder vorbeigekommen. Aber er kam nicht wieder vorbei. Er ging in die Ferne, immer weiter, und konnte sein Herz an nichts hängen. Das mochte verdorrt fein in dem düsteren Haus. Einmal geschah ihm etwas Wunderbares. Als er auf einer Wiese aus dem Schlaf erwachte und die Augen ausschlug, sah er über seinem Antlitz groß den Kelch einer Glockenblume in blauer Demut schweben. Vielleicht, dachte er, daß diese mich lieben, Blumen, Tiere, Wald, Gräser? Und er weinte. Als aber das Wasser in den offnen Seen seiner Augen aus der Tiefe des Herzens emporstieg — zum erstenmal vielleicht in feinem zerbrochenen Leben, da tarn ein Wind und ergriff die Blüte, daß sie sich abwandte von ihm. Da sprang er auf und ging. Ja, wir sind Fremdlinge auf Erden! Nirgendwoher war seine Heimat und nirgendwohin fein Ziel. Die Menschen waren wider ihn und die Natur war wider ihn. Die Tiere flohen, betrat er ihr Bereich, und der Wald sah ihn aus unsichtbaren Augen an. Und sein einziger Besitz war die Sehnsucht in die ungeheure Weite der Horizonte, wo es vielleicht doch einmal ein Ziel geben mochte. Darüber ist er alt geworden, der Landstreicher — und die Weit« muß doch wohl einmal ein Ende haben! Wo soll man denn sonst hin? Aber sie hatte kein Ende. Ach, Wandern —. Ja, wandern! Zurück aus versunkener Ferne kehren die Augen des Alien, sammeln langsam sich wieder auf die Nähe der Sträucher, Gräser, Bäume. Er hebt den zottigen Schädel, stößt wieder sein trockenes Bellen aus, steht mühsam, gestützt auf feinen Knüppel, auf. Vorwärts, nirgendwohin! Linken Fuß voran, rechten Fuß voran! Marsch! In die Welt! Aber da überfällt ihn ein leises Zittern, übrigens ist auch di« offne Sohle umgeklappt und bleibt im Gestrüpp hängen, so daß er den Fuß nicht heben kann, so schwach fühlt er sich mit einemmal und der Wald beginnt nun, um ihn zu kreisen, sein ganzer Körper dreht sich in wildem dem Winter, als er sich während einer in offener Feldscheune verbrachten Nacht diesen Husten geholt hatte. Aber das war nicht schlimm — eine kleine Erkältung wohl. Manchmal wurde das Brennen so stark, dann ging es ganz nach innen, ganz tief. Am liebsten sah er dann niemand, Traurigkeit überfiel ihn, er wußte nicht recht worüber, und mied die Dörfer. Heute war es eben besonders schlimm — er mochte niemand begegnen, darum zog er sich zurück in die Einöde. Da störte ihn keiner. Tiere tun so, wenn sie sterben wollen, ein angeschossenes oder krankes Reh flieht so ins Dickicht, wo niemand «s findet. Tiere und alte Landfahrer. Vielleicht will der alte Landstreicher sterben. Aber davon weiß er nichts. Er ist nur ein wenig traurig und zum Träumen aufgelegt. Vielleicht ist es gut, einmal so zu träumen. Nicht von dem, was kommen mag — man glaubt wohl nicht mehr recht daran, daß noch etwas kommt. Man trabt so weiter, jeder seine Straße: linken Fuß voran, rechten Fuß voran, ein alter Veteran des Lebens. Aber eines Tages möchte man wohl wissen, wie man gerade an diese Stelle gekommen ist. Diesen Traum noch einmal träumen — ist alles Leben nicht nur Traum? Der alte Landstreicher hat seine Erinnerungen, in denen er zuweilen kramt. Was tun, wenn man einen langen Weg getan hat und kein Ziel vor sich? Ja — kein Ziel vor sich. Und man kommt auch nirgendwo her. O doch. Aus einem düsteren alten Haus, strengen und fremden Zimmern, in deren kühler Dämmerung braune Schränke steif an den Wänden stehen, alter Hausrat erstorben schweigt. Von einem Vater, von dem man nur eben wußte, daß er der Vater war, sonst nichts. Und eine Mutter war da nicht. Vielleicht wäre alles anders geworden, wenn eine Mutter da gewesen wäre, denkt der alte Landstreicher, ober ein Bruder, «ine Schwester, aber es war eben nichts da. Nur ein Bild, von dem man ihm sagte, es stelle seine Mutter dar; aber sie war doch nicht da. Tot vielleicht, vielleicht verschollen — er erfuhr es nie. Nirgendwo kommt man her! !Denn dieses Haus, das man bald lieh, annes, M b im M m batftil efer M eger M artette U us, als il iber Musik Z n! Unbill s noch «g :en .reidH glaubte :jl ieiche ni- nten im« 'anbtentw anders. :S soll J Siege, 4 >er Sieg iit ert tnetw e Weit tz| Friedens i nach Gtfjiil nicht, tat| imisch fün Sonapartil rate dM mufitalijM n Noten. I doch niPl Arbeit. L en Meick« lcher ich fti lernte. M mit wech shören! 1 ito. Aber s schrieb e ich !i° « aube, mtiil ndige Mris! >ie Gebäck r Friederi je immeifii rden her« Bildnis eines alten Landstreichers. Von Siemar Moering. Mittag. In strahlenden Bündeln stürzt der Sommersonne Glanz durch rauschendes Laubgewirr, rieselt in goldenen Bächen an grauen Buchen- flämmen herab, tanzt in flammenden Flecken über der Moose bräunliches Grün, gläsern läutet das Gras in der dämmernden Hitze, eine Wachse erscheint gleitend auf überwachsenem Stein, hebt den zierlichen Scpf ins quellende Licht und verschwindet huschend in verworrenem Brombeergestrüpp. Gelb und rot wiegen sich langstielige Blumen, deren Kelche, sehnsüchtig geöffnete Lippen, summend Bienen berühren, pelz- beftaubt wieder lassen, irgendwo singt ein kleiner Vogel im Rankenwerk steigender Säulen, Farren rollt sich zu zauberischem Ornament, blau- schwarz stehen ein paar Tannen in schweigender Schwermut. Einöde nennen sie den Wald. Gebüsch rauscht auf, unter stampfendem Schritt bricht dürres Geäst, in den auseinanbergebogenen Zweigen der Haselsträucher am Rande der winzigen Lichtung erscheint ein Gesicht, menfdjenfern in seiner zerzausten Wildheit, tiergleich fast, von Strähnen grauen Haares die Stirn überwuchert, ein schmutzig-zottiger Bart umrahmt das Sinn, aufmerksam spähen die kleinen Äugen umher. Pan, der den heimlichen Winkel besucht? Da teilt sich auch das untere Gebüsch, dem Erdboden näher, und nun sicht man: ein Mensch, ein Landstreicher, alter Mann in zerrissenem Rock, zerfransten Hosen, zu weit für die mageren Hüften, der eine Stiefel an Spitze klaffend offen wie ein hungriges zahnlofes Maul. Ein schlosser Beutel hängt an der linken Seite der Gestalt, mit der rechten Hand stützt ff sich auf einen knotigen Knüppel, einen trockenen Ast, aufgelesen im Forst. Nicht Pan — nicht Tier: Mensch! Und summend zerstieben Bienen, erschrocken taumelt ein Falter duft betäubt über schwankenden Blüten w>on, nicht ruft der kleine Vogel mehr — er flatterte wohl zu fernerem «um — nur leis« noch läutet das Gras, blauschwarz ragen di« Tannen 'n schweigender Schwermut. Ser Alte seufzt — Verstummen, Erschrecken, und nun sieht ihn die dblle an, aus unsichtbaren Augen voll tiefer Feindschaft: der Mensch ^nat ihren Kreis — fremd! Sr hustet vor sich hin. Es ist ein kurzer, trockener Husten wie das Were Bellen eines alten Hundes. Dabei fällt ein wenig Speichel rot ins «Ws: Blut. Dann humpelt er zu dem Stein, auf den er schweigend sich wuen lätzt, stützt beide Hände ineinandergefaltet auf den Knüppel, das «nn darauf, und starrt so in die reglose Dunkelheit der Tannen wie in m dusteres Tor, hinter dem eine ferne Landschaft des Gebens sich offen- «-w ihm sichtbar und uns unbekannt, weit hinter allem, das uns J) >st und Gestalt hat — schweigt, murmelt manchmal nur einen Fetzen die struppige Wildnis seines Barts. Qn VUn kann man ihn genau betrachten. Aber es ist nichts Besonderes zu sehen: ein Landstreicher, Wegeläufer wie viele zwischen Nord und dj."i'"''d West, Staub und Siemen. Er hat so eingefallene Wangen und _ jX" fenn«n zuweilen sehr groß auf aus ihrer gewohnten Winzigkeit Nur t» W cr krank. Aber davon will der Alte nichts wissen. Er spürt 10 ein trockenes Brennen in der Brust — o seit Monaten schon, seit rau sich te ) wenigster' nein innere' m ©aalte alte aus, aus Mond läßt sich herab an goldner Kette badet sich im dampfenden Asphalt. Häuser drängen dichter an den Zug, ein Theater zeigt die hellen Gänge. Der und Die und Der Dann donnert eine Brücke übern Fluß und wirft uns in den Schoß der Bahnhofshalle. Und eher, als man will, versinken alle Erregungen schon im Willkommenkuß. Elefantenspaziergang in Eppelingen Von Georg Hirschfeld. Oie Ankunst. Von Max Herrmann-Neisse. Die Ankunft ist das Schönste überall, von jeder Fahrt die letzten zehn Minuten; die Räder scheinen sich beschwingt zu sputen wie Pferde witternd einen warmen Stall. In Flammen naht die Stadt, und es zerstiebt die dunkle Aengstigung der Abendweiten. Schon fühlst du den Empfang sich vorbereiten und weißt dich von den Wartenden geliebt. Ein Vorort sagt sein überhörtes „Halt!" Laternen rennen mit uns um die Wette. Flackern empor — da rutscht auch schon der Knüppel fort unter wankender Hand, der Oberkörper, seiner Stütze beraubt, sinkt nach vorn und der Alte schlägt kopfüber in Gras und Moos. Dort bleibt er liegen. Er rührt sich nicht mehr, ganz blaß sieht er und feine Augen sind verdreht, daß nur noch das Weiße schimmert gebrochenem Lid. Der alte Landstreicher ist tot. Blauschwarz ragen die Tannen in schweigender Schwermut. Der Landstreicher liegt da im Gras, das in dämmernder Hitze über seinem Leibe läutet. Das Licht der Sommersonne rieselt in goldenen Bächen an grauen Buchenstämmen herab und tanzt in flammenden Flecken auf seinem zerrissenen Rock, ein grüner Käfer läuft in einer Furche seiner Wange entlang wie in einem Rinnsal des Weges, Bienen summen und tauchen hold in die wiegenden Kelche der Blumen, duftbetäubt schwankt ein Falter auf wehendem Halm — im Rankenwerk steigender Säulen sitzt der kleine Vogel und singt ein Lied über dem Toten. Die Nacht wird kommen mit rieselnden Sternen und ein neuer Tag — viele Nächte und viele Tage, Wochen, Monde, Jahre. Aber der alte Landstreicher wird nicht mehr wandern, lieber seinem verwesenden Leichnam werden Fliegen in glitzernden Schwärmen tanzen, er wird zerfallen und zu Staub sich wandeln wie alle Dinge dieses Sterns, und die Erde wird ihn aufnehmen in ihren Schoß, gütig, voller Erbarmen und feine Armut segnend. Der alte Landstreicher ist tot. So sagen wir. Aber ist Tod nicht — Heimat? ein 2(u golbeten es mir ich auch Den Gasse 31 nach bei mit ihre warum, bestürzt Den Een mir nun Scho soll. Es Soll ich in Eppe! oorstellu Direktor Schaden, Doch meiner c wäris tr Die Neg zu, und iortrvähr Aber sie nicht. Es Mit der wartet, b heran, g meine K< sagte er. Nun 1 geht furrf mittag du Von i fangener Durch Dort treff erbleicht. , „Erst miij Bin i beitreiben Willi, gra Meebold, Munde fl 0 weh Ich gehe i noch nie Foxtrott, ich wenigs Gestell un stellung, d ' Ich in der der in Neubau wuchs zu märchenhafter Länge, als unser Blitz in seine Stuben schlug. Leider blieb er nicht harmlos — deshalb bcdaure ich ihn. Es nQt schließlich Verluste aus beiden Seiten. Armer Willi! Wir wollten ja nut in Eppelingen ein wenig spazierengehen. Die Einwohner dieser freundlichen Stadt standen gedrängt und gafften Rach dem Löwenwagen kamen wir. Der fatale Geruch, den ich einatmen muhte, reizte mich noch mehr. Vor einem verwitterten Tor sollten wir nach links abschwenken. Ich hob den Rüssel und gab ein leises Signal, „Komm, Selika", rief der Wärter. Doch Selika kam ausnahmsweise nicht Plötzlich trat ich mit dem rechten Vorderfuß auf die Kette — der überraschte Selim purzelte — und ich durcheilte in scharfem Trabe das Tor. Sofort wußte ich, daß drei zu mir hielten — auch Fred, Leila und Willi schleuderten ihre Führer zur Seite und rannten mir nach. Leider ließen sie sich alsbald von dem mörderischen Geschrei der Eppelinger verwirren. Diese neugierigen Menschen hatten wohl einen Elefanten bisher nut hinter Gitterstäben gesehen — vier befreite, urplötzlich in der Hauptstraße ihrer Stadt, äußerst geschwinde, mit erhobenen Rüsseln — das war für sie zuviel. Sie stoben auseinander, warfen die Nachbarn zu Boden, stiegen über Frauen weg, als ob Wahnwitz sie ergriffen hätte. Der törichte Aufruhr raubte meinen Geschwistern leider die Besinnung. Nach links und rechts hinter dem Stadttor stürzten sie sich durch Gärten und Gassen — ich hörte nur das Getöse — ich sah sie nicht mehr. Ich wollte Eppelingen kennenlernen und lief allein durch die Hauptstraße weiter, dem Marktplatz zu. Hinter mir hörte ich alsbald Selim rufen. Er machte es sehr dumm, denn er hätte als Afrikaner wissen müssen daß es unmöglich ist, einen freien Elefanten einzuholen. Die Wucht unseres Laufes ist viel zu groß — man muß uns umzingeln, und darauf war ich natürlich gefaßt. Auch auf Hindernisse, über die ich stürzen sollte. Nun, so weit war es noch nicht. Eine ungeheure Verwirrung herrscht Ich muß gestehen, daß mich der Tumult mehr von meinem guten Vorsatz abbrachte, als der Kampf mit meinen Verfolgern. Menschenleer war plötzlich der Markt, kindische Angst lauerte hinter Türen und Fenstern, sie sahen mir zu, sie überlegten, wie sie sich vor mir retten sollten. Nur im Tor des Rathauses wurden einige Polizeibeamte sichtbar, zu denen sich Soldaten gesellten. „Nicht schießen, meine Herren! Um alles in der Welt — nur nicht schießen!" Wer rief das? Direktor Gasparn war schon da. Er beobachtete mich. „Selika!" rief er bittend. Nein, mein Lieber — nicht schießen, darin hast du recht, aber mein Spaziergang in Eppelingen soll erst anfangen. Dieser Marktplatz ist recht hübsch. Die alten, sauberen Häuser gefallen mir. Es ist so interessant, was da alles in den Auslagen liegt. Aber mein Blut ist in Wallung, wie noch nie. Zum ersten Mal reizt mich, was ben Menschen offenbar am wichtigsten ist: ihre kleine, nette Ordnung. Plötzlich verliere ich meine angeborene Höflichkeit. Plötzlich wird es mir ganz gleichgültig, was dem Menschen lieb und wertvoll ist. Nachdem ich vom nächsten Balkan einige Blumenstöcke heruntergeholt, ergreift mich einen böse Lust, all den wichtigtuenden Kram durcheinander zu wirbeln. „Jesus Maria, er geht zum Bäcker Busch!" Was kreischen sie da? Aber beim Bäcker Busch riecht es gut. Ein leichter Tritt beseitigt das Schaufenster — alsbald zieht mein Rüffel ben Kord mit frisch gebackenen Semmeln heraus. Weinen sie hinter mir? Nein — sie lachen. Ein meckerndes, angstvolles Gelächter zittert in allen Häu em. Ich sehe einen Schutzmann auf einem Bein tanzen — ein Soldat chlägt sich auf beide Knie. „Guten App'titt!" schreit eine dicke Frau. „Wenn's weiter nichts ist!" — Das war Direktor Gasparri. Nur Geduld, mein strenger Gebieter. Nachdem ich ein Dutzend Semmeln verzehrt habe, wende ich mich den bunten Torten zu, jongliere mit braunen Broten und schleudere den Kübel mit Schlagsahne in den benachbarten Laden für Herrengarderabe. Von einem kleinem Imbiß angenehm erfrischt, wende ich mich zum Gemüse und Obst, nasche aber nur, was obenauf liegt. In einen großen Eierkorb zu treten, kann ist mir nicht versagen. Es klatscht und knirscht ganz erbärmlich. Im Nu ist alles gelb, was vorher noch weiß und trocken war. Wie es in einem Herrengarderobegeschäft aussieht, interessiert mich - aber im nächsten Augenblick huscht ein Männchen daraus hervor, mit direkt unter dem Rüssel fort. Es ist trotz feiner krummen Beine so flint, daß ich ihm nur erstaunt nachsehen kann. „Herr Lustig! Mit der Kasse!' so jubelt es rings am Markt. Der Laden enttäuscht mich. Es herrscht dort eine häßliche Lust. Ich stülpe mir nur ein Kleidungsstück, das mir gefällt, über den Kopf. So betrete ich, während ich das Kreischen der Mensche" ignoriere, wieder den Markt. Eilig, als ob ich mir noch vor Geschäftsschluß etwas kaufen wallte, stürme ich in das Lampengeschäft, dessen Glitzern mich schon lange anlollt Mein Eindringen ist aber mit einem derartigen Getöse verbunden, dah ich alsbald umkehre. Es klirrt und kracht und schreit und poltert. Ich Ein von Glasscherben überschüttet, mein Rüssel blutet. Das erregt mich noch w.ehr. Ich kann mein Blut nicht sehen. Weniger zerbrechlich erscheint mit das benachbarte Musikaliengeschäft. Da ist ja nur Papier, taufend hefte und Bucher und Blätter, mit winzigen schwarzen Zeichen. Ich hole dem Rüssel eine weihe Büste vorn Postament und betrachte sie — Beethoven steht darauf — der Mensch gefällt mir — der sieht nicht so aus, ® ob er sich vor mir verkriechen würde. Ich stelle ihn behutsam auf dos Postament zurück. Aber fangen lasse ich mich nicht. Ich ahne schon, daß man hinter mit her ist und mich in diesem Musikaliengeschäft umzingeln will. PW'» mache ich kehrt, wirble den ganzen Papierkram durcheinander und ftutme wieder auf den Markt hinaus. Sie stieben davon. , , Thomas Mutzenbecher? Optiker? „Lieber Gott, erbarm’ dich meinet! Mit diesem Aufschrei werde ich im nächsten Laden empfangen. Watm fürchtet sich die arme Frau, die in einem Lehnstuhl hockt und oifej":. nicht aufstehen kann? Es liegt mir ja vollständig fern, ihr ein re anzutun. Es interessiert mich nur, mir einen Optikerladen anzusty«' Ach sehe da Röhrchen und Scheibchen, alles sehr niedlich und ' Ach ergreife es mit dem Rüssel, um es genau betrachten zu können, » es aber wieder an seine Stelle. Immerhin möchte ich mir ein Anow - aus dem hübschen Optikerladen mitnehmen. Draußen entdecke ich en heiße Selika und bin die Größte im Zirkus Gasparri. Ich bin Gefangenschaft aufgewachsen — was meine Schwestern und Brü- Afrika fühlen, kenne ich nur vom Hörenblasen. Meine ältesten Erinnerungen leben in Hamburg, bei Herrn Hagenbeck, den ich einmal mit dem Rüssel ergriff und mir auf den Kopf fetzte. Ihn zu verletzen war nicht meine Absicht — es fiel mir nur so ein. Um den Zirkusdirektor und feine Herrschaft über mich steht es so: Er sieht nur immer meinen und meiner Geschwister duldsamen Ernst — bas täuscht ihn und er schreibt unfern frommen Gehorsam seiner Kunst zu. Es erheitert mich oft, wenn ich sehe, wie stolz der Herr Direktor auf uns ist. Er führt uns immer persönlich vor, wir sind die große Nummer des Programms — feine zwölf afrikanischen Riesenelefanten. Ich, Selika, die größte, knie zuletzt vor ihm, und er schwingt sich auf meinen Hals, vnd ich trage ihn unter dem Jubel der Menge aus der Manege. Meine elf Geschwister folgen mit erhobenem Rüssel. ®ir ziehen durch die Städte Deutschlands. Es scheint dort unendlich viele Städte zu geben. Plötzlich, als wir nach Eppelingen kamen, riß mir bte Geduld. Es hätte nicht unbedingt Eppelingen zu sein brauchen Ich bebaure letzt auch den ganzen Borfall, den ich verschuldete. Als Größte und Aelteste, besonders aber als Weibchen, hätte ich Sanftmut bewahren fallen. Aber sie haben an mir einen großen Fehler begangen. Ich hatte em Kmd. Der braune Jack war fein Vater. Er ist nun auch schon tot wie mein Baby Ach, mein süßes kleines Baby. Es war zu zart, wie die meisten unserer Kinder in der Gefangenschaft. Es hätte noch lange bei mir ruhen müssen, aber ich mußte wieder die Pauke schlagen . ®ul^ern ,!'e sich wirklich, daß mein Dasein nun keinen Sinn mehr hatte? Ader sie sollen sich noch mehr wundern — ich will sie doch mal alle in Bewegung setzen, den ganzen, hochmütigen Menschenkram. äch war wohl schon in der Eisenbahn unruhig, denn Selim, mein schwarzer Wärter, sah mich mißtrauisch an. Er ist mein Landsmann und weiß mehr von uns als der Herr Direktor. Ich wußte, wie mein Beispiel wirken würde, aber ich bildete mir nicht ein, daß ich alle elf in das Abenteuer mitreißen würde. Ich rechnete bestimmt nur mit dreien: Fred, Leila und Willi. So kam es. Unsere Ver- ftandigung besteht nicht aus Lauten, sondern aus einer sanften Berührung öer Ruffel und einem besonderen Heben der Ohren. Selim kennt das — bas Signal mußte deshalb gegeben werden, als er nicht aufpaßte. Wir ttos^ftn!** md>t 0CtoeUt' Qber ber streich sollte möglichst Schon bcnen Zn Immer w werden bis Technik u fördernd a ist. Auf di beiden Se jüngfter Z wie auf p sthr mann nicht erme «ft jetzt i bewußt ge Das sch Art und 2 Brennstoff Weit bei Siijornfteir bildet aber bei felbfttä es bereits ihre Zusan Jen lassen. M den Vc Berlauf de Nahmen de Allerdir Mieht. 2 wtnera he bpielfilrner !n bestimm 'egen der Meint, se stch durch ^irische fiQntera jst Nach der (J Cs gab n ja nur > gafften, einatmen Uten wir 1 Sign< nfe nicht, >er über« bas Tax. mb Wich er ließen erwirren. -her nur uptstrahe war für n, stiegen ie Bejin- sich durch cht mehr, uptstraße m rufen, t muffen, Jtfjt unfe= rauf war en füllte, herrschte, n Vorsatz uar plöh- lstern, fit htbar, zu Um alles ©afparri ein, mein mgang in r gefallen Iber mein was den rb es mir chdem ich reift mich wirbeln. gut. Ein tüffel den nir? Nein in allen ein 6ol‘ ;nb Seni= gliere mit n benach- angenehm nur, was mir nicht illes gelb. t mich - roor, mir » so fünf, ;r Kasse!' -rscht dort lir gefällt, Menschen >n wollte, ge anloch, iben, ixi6 t. Ich » mich noch cheint mir end hesi! hole mit - Beeth«- aus, 11I5 auf bos linier mir Plötzlich ab stürme meiner!" Warum offenbar ein Lech mzusehe»' glitzer» men, W Anden-» ch enW ein Augenglas bas einigermaßen für mich pafft. Cs hängt mit ver- aolbetem Gestell unb blauen Gläsern über der Tür bes Labens Ich hole es mir mit einem Griff herunter unb schiebe es über die Stirn, hun habe ich auch eine Brille — soll mir ein liebes Andenken an Eppelingen fein. Den Markt habe ich nun gesehen — ich roenbe mich her nächsten Gaffe zu, aber da haben sie schon alles verbarrikabiert. Ich wende mich nach ber anberen Seite — die afrikanischen Zirkuswärter empfangen mich mit ihrem Gesang. Da sind Leute, die mich einschüchtern, ich weist nickt warum, sie lahmen meinen Willen mehr als jede Gewalt Ich laufe bestürzt zur dritten Seite — hier zeigt mir Selim seinen roten Spiest Sen kenne ich, der ist mir fatal. Ich mache abermals kehrt, und sie folaen mir nun ermutigt bis in die Mitte des Marktes. y Schon überlege ich ob ich es doch auf einen Kampf ankommen lassen soll. Es wäre eine Abrechnung, deren Folgen ich kaum vermeiden kann. Soll ich wirklich meine ganze Kraft anwenden? Um einen Svazieraana in Eppelmgen? Lohnt es sich? Was ist denn schon versäumt? Die Abendvorstellung beginnt erst in zwei Stunden. Gefressen habe ich auch schon Direktor Gasparn ist so reich — der kann ruhig einmal das bißchen Schaden, das ich angerichtet habe, ersetzen. Umgebung sehen, war man bisher viel- i iL?« $auf Vermutungen angewiesen. Das Auge gleicht in mi» etn7t photographischen Kamera. Will man daher wissen, mnrnnhifA bem,. XlCK darstellt, so braucht man nur eine photographische Kamera zu bauen, die m allen Einzelheiten dem Auge des betreffenden -iteres nachgebildet ist. Freilich hat man bereits verschiedent- Itd) den Augapfel von Tieren präpariert, indem man hinten ein kleines «en ter hmeinschnckt, auf bas man ein Glasstückchen legte. Auf diese Weise konnte man bas Netzhautbilb beobachten. Aber die in dieser Wei e präparierten Augen sind tot. Ihrer Linse fehlt die Fähigkeit, sich auf kürzere ober weitere (Entfernungen einzustellen. In manchen Fällen machen die Untersuchungen auch Schwierigkeiten, vor allem, wenn es sich um Die Augen von Fischen hanbelt, die sich in verschiedenen Tiefen dem herrschenden Druck und außerdem noch ber Entfernung des beobachteten Gegenstandes anpaffen. Deshalb hat man neuerdings photographische Hameras angefertigt, deren Linse in bezug auf ihre Wirkung der Linse des Fischauges entspricht. Die Optik dieser Kamera läßt sich auf nähere und weitere Entfernungen einstellen. Die Kameras sind wasserdicht und die Filme sind durch besondere Einrichtungen nochmals eigens gegen das Wosstr geschützt. Auf diese Weise gelingt es, Bilder zu erzeugen, die einen Begriff davon geben, wie ber Fisch bie Welt sieht. * ... Derartige Kameras dienen aber noch einem anderen Zweck. Der Fisch uberb ickt von unter bem Wasser her einen großen Teil des Horizonts. Sem Auge umfaßt 92 Grad ber Himmelswölbung. Er erkennt auf weite ^1/ernung, was nach allen Seiten hin auf ber Wasseroberfläche vor sich geh». Aus biejem Grunde läßt sich bie seinem Auge hochgebildete Kamera auch für andere Zwecke ausnützen. Ein schwieriges Kunststück ist es, einen B 1 > tz z u photographieren. Die Kamera muß nach ber Jiicßtung eingestellt werben, in der man hofft, baß es" blitzen werbe. Hat man Gluck, so blitzt es. Hat man keines, so kann man sich monate- und ahrelang bemühen, ehe man einen Blitz auf die Platte bekommt. Ueberall ähren Blitze nieder, nur gerade da nicht, worauf man eingestellt hat Mit „Dischaugenkamera" kommt ein großer Teil bes Himmels auf bie glatte Db es hier ober dort blitzt, ist gleichgültig. In jedem Falle wird der Blitz eingefangen. Das ist für wissenschaftliche Zwecke von großer »cbeutung, kann aber auch für bie Technik von hohem Nutzen sein, läßt stck doch auf diese Weise z. B. ermitteln, in welchen Gegenden die Fernleitungen von Kraftwerken besonders durch Blitze gefährdet sind und ähnliches mehr. * .Will man allerdings derartige technische oder wissenschaftliche Beobachtungen mit Hilfe der Photographie auf weitere (Entfernungen anstellen )o muß die Kamera eine große Tiefenschärfe haben. Sie muß also auaj sehr entfernte Gegenstände deutlich und ohne Verzerrung wiedergeben. Um dieses Ziel zu erreichen, hat man neuerdings Kameras gebaut, bie bis zu seeyzehn Linsen enthalten unb infolgebessen eine ganz außer- ordentliche Tiefenschärfe aufweisen. Dadurch wird es vor allem auch der Technik möglich, aus erheblicher (Entfernung Aufnahmen von (Segern ftanben 311 machen, bie sich rasch bewegen oder in deren Nähe ber Aufenthalt gefährlich ist. Das ist z. B. bei manchen Maschinen ber Fall, die zum Zwecke der Prüfung ihrer Leistungen mit großer Geschwindigkeit laufen, so baß leicht Teile abgeschleubert werben können. * Slu^ bie IBermenbung ber Kamera in Flugzeugen läßt eine große wünschenswert erscheinen. Sie stellt aber noch weitere zlnforberungen. Je höher man aufsteigt, desto kälter wirb es. Das Fluq- jeug bebeckt sich mit Eis. Die Kamera wird gleichfalls von einer Eiskruste umhullt, die das Objektiv trübt und bas Arbeiten erschwert. Deshalb hat man letzt Flugzeugkameras mit elektrischer Heizung versehen. Der Strom wirb durch eine kleine Hilfsdynamo geliefert, die an einer Strebe des Flugzeuges angeschraubt und durch einen vom Gegenwind bewegten kleinen Propeller in Umdrehungen versetzt wird. Serartiae Kameras haben auch seist tätigen P l a 11 e n w e ch s e l, so daß ber Rieger einfache Arbeit hat. Drückt er auf einen Knopf, so erfolgt eine Aufnahme, an die sich sofort ber Wechsel der Platte anschließt. photographische Neberwachung arbeitete. Aus der mehr <*er minder Rar- n^^^3""9 des F,lms lassen sich wichtige Rückschlüsse zicheu, die sich ach mancherlei Richtungen hin technisch und hygienisch auswerten lassen. ♦ m r-inr£n^-re «,»?% „Als Haydn", so schloß der Freiherr, „mich in jenen herrlichen Maitagen I Bratsche spielen hörte, rühmte er gar nichts an meinem Spiel, außer mein rechtes Handgelenk. Er meinte, die linke Hand, in welcher die Fertigkeit des Geigers sitzt, wolle mir noch nicht recht gehorchen, aber das rechte Handgelenk, welches den Bogen führt, das rechte Handgelenk, in welchem die Seele des Vortrags ruht, das — meinte Haydn — fei vortrefflich entwickelt. Doch mir ziemt es nicht, zu klagen über mein gelähmtes rechtes Handgelenk, wenn an demselben Tage die rechte Hand des Vaterlandes gelahmt und fein tapferes Heer vernichtet wurde." Im folgenden Monat brachte der Friede von Luneville dem gefangenen Freiherrn die Freiheit. Auf der Heimreise traf er in Wien mit seinem Schwager zusammen. Der Graf hatte sich bei Hohenlinden aufs tapferste hervorgetan; man weissagte ihm eine glänzende Soldatenlaufbahn. Er ließ den Freiherrn sein neues Geschick und Glück etwas fühlen, gerade io, wie er ihm weiland feine größere Virtuosität recht deutlich unter die Nase S geigt hatte, und pries den ersten Konsul als den wahren Helden dieser eit, ja als einen Erlöser der Staaten und Völker. Geblendet von der gewaltigen Person und dem märchenhaften Lebensgang Bonapartes, begannen ihn viele Deutsche selbst damals schon als einen Halbgott zu bewundern, und wen er von anderen gepriesen sah, den pries auch der Graf. Den Freiherrn schmerzte diese Umwandlung tiefer, als das gelähmte Handgelenk. Zwar mied er allen Streit, allein er beschloß auch, niemals mehr mit seinem Schwager Quartett zu geigen (wobei er vergaß, daß er ja selber gar nicht mehr geigen konnte) und den Grasen aus dem Musikzimmer auf Schloß Strüth zu verbannen wie den Ignaz Pleyel. Hätte er geahnt, daß Beethoven in Bälde gar eine Symphonie „Bonaparte" komponieren werde, er hätte auch ihn zu den beiden anderen gleich im voraus in den großen Bann getan! Allein wenn ihn der Graf in der Politik jetzt ebensowenig mehr verstand als in der Musik, so verstand ihn des Grafen Schwester, seine Frau, doch immer besser in beiden Stücken. Als er ihr nach dem schmerzlich glückseligen Wiedersehen bald genug erzählte, daß ihr Bruder als reiner Soldat und Bewunderer alles Bewunderten nun gar ein ganzer Bonapartist geworden, da brach sie in helle Tränen aus, und als er sie trösten wollte, sagte sie: „Du hast bei Hohenlinden nur den Bogenstrich verloren, ich aber habe dort meinen Bruder verloren. Wäre er dort gleichfalls gefangen worden, so würde er sich jetzt nicht von Bonaparte haben fangen lassen, und er hätte nicht so gut gegen die Franzosen gefochten, so würde er jetzt nicht schwärmen für die Franzosen." Dieser Ausspruch gewann Helenen vollends ihres Mannes Herz, und er schalt sich im stillen einen Toren, daß er so lange noch nebenbei an Erato gedacht und es jemals bedauern konnte, daß er den Bericht von der Schlacht bei Novi so musikalisch gelesen habe. Und da er nun also doch wieder auf [einen alten Satz zurückkam, daß uns eine gute Musik immer und überall gut führe, so faßte er sich denn auch rechten Mut und fragte nach der Notenmappe. Mit verklärtem Gesichte brachte sie Helene herbei, setzte sich ans Klavier und spielte ihm den Gaßmann samt seinen vergessenen Kameraden mit einer Wärme und Wahrheit des Vortrags, wie er es selber gar nie für möglich gehalten. Sie trug mehr hinein, als darin lag, und doch nichts Fremdes, und das ist das höchste Geheimnis alles künstlerischen Spielens. Die Melodien mochten manchmal etwas hausbacken fein, sie wurden aber feelenvoll unter ihrer Hand; denn der Geist der Liebe, der geprüften, bekümmerten, getrösteten Liebe sprach jetzt aus ihnen, und den hatte Helene hinemgehaucht und war doch im rechten Ton und Tempo des Andantes als an dem Tage, wo Haydn auf dem Schlosse erschien, und damit ist die höchste Stufe irdischen Glückes bezeichnet. — „Gleich morgen", rief er, „muß der Riß zum Saalbau entworfen werden!" — Helene aber beschwer ihn, nie mehr eine Silbe vom Saalbau zu reden. Sie besaß jetzt das vollste Verständnis fürs Andante. Und so lebten und musizierten beide dann noch lange recht einträchtig miteinander. Auch ward bald wieder regelmäßig jeden Montag Quartett auf Schloß Strüth gespielt, natürlich ohne den Grasen, und da der Freiherr bloß zuhörte und inwendig Musik mitmachte, so soll es weit besser gegangen sein als je zuvor. In der Tendenzmusik des Andantes hatte Helene ihre frühere Tendenzmusik der Koketterie überwunden und gesühnt, und der Freiherr erkannte nun gar wohl, daß ihre Liebe für ihn zuletzt auch feine Liebe geweckt, und daß Helene in dieser Liebe die Unnatur ihres Wesens begraben, ihn selber aber erst recht hellsehend gemacht habe für ihre versteckten und verkannten Vorzüge. Andererseits aber meinte er, neben der Liebe dürfe man dabei der Musik doch auch ihr Verdienst nicht schmälern. Die echte Musik sei Selbst- und Wellvergessenheit. „Wir vergessen unser schlechtes Selbst in der Musi!, um unseres besseres Selbst erst recht in uns zu finden. — So hat auch Helene ihr gutes Selbst doch erst durch die Musik gefunden. Oder habe ich vielleicht über der guten Musik ihre Schwächen vergessen? Gleichviel! Und es mag unentschieden bleiben, ob sie den Geist des Andantes fürs Leben gewonnen hat, indem sie Gaßmann und Stamitz so liebevoll gehorsam studierte, oder ob durch den Geist des Andantes, der in den Prüfungen des Lebens über sie kam, umgekehrt erst das Verständnis für