Jahrgang (950 Hreitag, den l4-§ebruar Nummer 13 SiehenerZamilienblAter Unterhaltungsbeilage zum Lietzener Anzeiger Das Märchen. Von Leo Sternberg. Während wir schliefen, schmolz von Dächern und Baum der flockige Schnee ... Und da wir erwachten, war der weiße Traum zerronnen ... Gluckernde Schmelzwasser flössen und erdige. Weinbergsbäche durchspülten die Gossen. Warum zerrann uns dos Märchen, während wir schliefen? Warum, da wir morgens erwachten, zerliefen zu Seen die gefiederten Berge, und Nebel lag mit seinem feuchten Schleier auf schweigsamem Tag? Abenteuer bei Nacht. Bon Frank F. Braun. Assessor Hecht kam gegen 11 Uhr nachts nach Hause und stieg die Treppe in das Hochparterre, das er mit einer Wirtschafterin bewohnte. Er befand sich heute abend an sich in gereizter Stimmung; jetzt vor der Tür ward er rot vor Aerger, denn seine Wirtschafterin, die um diese Zeit ihren Schlaf hielt, aus dem erwiesenermaßen ein stundenlanges Klingeln sie nicht erwecken tonnte, diese Wirtschafterin hatte innen die Schlüssel steckenlasfen. So mußte es doch sein? Oder weshalb bekam er die Tür nicht auf? Er war einen Augenblick unschlüssig. Lärm schlagen? Die Frau war schwerhörig und schlief. Im Hotel kampieren? Ohne Nochtanzug, ohne Zahnbürste? — lächerliche Situation! Da siel ihm ein: seine Schlafzimmertür, die aus den kleinen Balkon führte, würde wie stets offenstehen. Das Zimmer lag nach hinten heraus; es war vom Hof her mit einer Leiter unschwer zu erreichen. Und Borrmanns im Erdgeschoß besaßen solche Leiter! Er entschloß sich, ging wieder hinunter und klingelte Herrn Borrmann heraus; der hatte noch nicht geschlafen, war vertraglich und wandte sich mit dem Assessor auf den Hof. Sie legten die Leiter an und Hecht stieg in seine Wohnung ein. Als er sein Schlafzimmer betrat, erstaunte er. Das war doch nicht möglich? In dem Nebenzimmer, seinem Herrenzimmer, brannte Licht? Er schlich sich näher; vielleicht warnte ihn eine Ahnung; er trat sehr leise auf. Einbrecher? Jener unverständliche Anruf vor einer Viertelstunde: wie lange kann ich Sie noch im Justizgebäude erreichen, Herr Assessor? Eine Stunde etwa werde ich noch hier zu tun haben, hatte er geantworwt; wer spricht denn dort? Da hatte der Anrufende rasch gesagt: märten toie auf mich, ich komme; und hatte abgehängt. — Aber Hecht hatte nicht gewartet. Seine Gedanken jagten sich, wie er da im Schlafzimmer stand. Mochte ein Zusammenhang zwischen jenem Anruf und diesein Licht dort nebenan bestehen? Hatte Frau Ziebusch vielleicht nur vergessen, es abzudrehen? Er beugte sich zu dem Schlüsselloch der zweiteiligen Schiebetür hinunter. War dort nebenan etwas zu erkennen? ... Da fuhr er zusammen. Er hatte nie bisher erfahren, daß in diesem Zimemr Dielen knarrten. Die Stille machte es wohl, daß dieser Ton so hart in den Raum sprang. Nebenan erlosch in der gleichen Sekunde das Licht. Hecht spürte, wie sein Herz aussetzte; es gab das also wirklich, es war nicht nur eine Redewendung der Schriftsteller; der Schreck, als sich erwies, daß dort im Nebengemach ein Mensch sein mußte, durchfuhr ihn wie eine Lähmung. Aber zum Glück nicht lange. Das Blut schoß rauschend wieder in den Kreislauf, und der Instinkt sprang auf: Flucht! Aber er verwies sich. Kein Feigling sein! Feststcllen, was dort geschieht! Rasch die Waffe aus dem 'Nachttisch holen, dann vorwärts! Kam er bis zu diesem Gedanken, war das nicht doch eine Konstruktion des Nachher? Die Schiebetür glitt auseinander, wie von Geisterhand geschoben. Niemand ward sichtbar. Aber er, Hecht stand ja mitten im Zimmer nun, stand vorgeneigt noch, als machte er dem Unbekannten, das ihn erwartete, eine Verbeugung. „Rühren Sie sich nicht!" sagte eine Männerstimme, „ich erkenne jede Ihrer Bewegungen!" Hecht fühlte, das seine Zähne aufeinanders'chlugen. Er sah den Sprecher nicht, hörte nur aus dem Dunkel die Worte. „Kommen Sie vollends herein," forderte der Fremde, „ziehen Sie die Tür hinter sich zu. So. — Schalten Sie das Licht ein!" - Das Zimmer war dunkel. Der Mann muhte sich zur Rechten hinter dem Schreibtisch befinden. Hecht sah ihn nicht, wie vermochte jener ihn zu erkennen? Wenn er jetzt die Deckenbeleuchtung einschaltete — der schwarze Knopf war gleich neben der Türe — muhte er in vollem Licht stehen. War der Fremde ein Einbrecher, und das galt es anzunehmen, bot er ihm dann ein Ziel für Schuß oder Fausthieb wie nie zuvor. Hecht zögerte; er ahnte nicht, daß diese Sekunden seine Rettung waren. Der Fremde sagte: „Sie wissen nicht, wo der Schalter ist — ich konnte mir das denken Links bei der Tür. Strecken Sie den Arm aus. Sie werden ihn erfühlen." Hecht tastete zur Wand. Das Licht ergoß sich von der Decke herab. Hinter dem Schreibtisch stand ein Mann im grauen Regenmantel; er hatte einen gleichfarbenen Hut auf, der das Gesicht beschattete. In der Hand hielt er einen Revolver. Die beiden Menschen sahen sich an; sie hatten sich nie vorher gesehen. „Was wollen Sie hier?" fragte der Fremde. Hecht war verblüfft. Wie denn, jener fragte ihn dies? Der Mann im Regenmantel nickte spöttisch. „Ein bißchen einbrechen, wie?" Das offene Fenster war zu verlockend. Sie haben sich gedacht, es schlafe alles, oder ich fei noch nicht da? Pech, mein Freund!" Hecht antwortete nicht. Er war zu verdutzt. Der Fremde nahm dies Schweigen als Eingeständnis. „Wissen Sie auch, daß ich berechtigt bin. Sie über den Haufen zu schießen?" Er hielt den Revolver, betrachtete ihn überlegend und da, als der Assessor diesem Blick unwillkürlich folgte, erfuhr er die neue Ueber- raschung wie einen Schreck. Jener Mann im Filzhut hielt seinen, Hecht? Revolver in der Hand, der dort auf dem Schreibtisch zu ligeit pflegte, Und dieser Revolver war nicht geladen! Er lag da sonst, Briefbeschwerer ober Zierstück; Hecht besaß nicht einmal Patronen dazu. Sein eleganter kleiner Browning befand sich geladen und gesichert in der Nachttischschublade nebenan im Schlafzimmer- Der Mann im Regenmantel schien unschlüssig. Die Situation war wohl auch nicht ganz einfach. „Was soll geschehen?" sagte er. „Soll ich Sie einfach davonjagen, oen Weg zurück, den toie hereingekommen sind?" Das war das Stichwort für Assesior Hecht. Den Weg zurück, den er gekommen war! Durch das Schlafzimmer am Nachttisch vorbei. Die Rettung! Hecht nickte, er hatte noch kein Wort herausgebracht; jetzt angesichts der Waffe in der Hand des anderen, die nutzlos fein würde, fand er öle Sprache wieder. „Ja," bat er, „taffen Sie inich entkommen; Sie wissen nicht, wie ich in diese Lage gekommen bin." Er tat ein Kopfnicken und schritt zur Türe in das Nebenzimmer. Was hinter seinem Rücken geschah, war ohne Belang für ihn. Er trat an den Nachttisch, zog den Kasten auf. Da lag die Waffe. Er riß sie heraus, drehte sich um und stand da, bereit, die letzten fünf Minuten seiner Niederlage zu rächen. „Hände hoch!" „Der Mann im Regenmantel senkte den Kopf. Er legte den Revolver aus den Tisch. Die Hände hab er nicht auf, er stützte sie gefaustet auf die Schreibtifchplatte. „Also doch", sagte er leise, mehr zu sich selber. Dann hob er Den Kops. „Im Anfang hatte ich das Gefühl, daß Sie der Wohnungsinhaber feien, aber als Sie so unsicher blieben, den Lichtschalter scheinbar nicht fanden und sich von mir einschüchtern ließen, glaubte ich, mein Spiel gegen einen Zuspätgekommenen meiner Art durchführen zu können." Er ließ den .Kopf wieder sinken. „Sie haben gewonnen", sagte er tonlos. „Was soll jetzt geschehen?" Assesior Hecht lächelte. Diese Waffe in der Hand verlieh Sicherheit und Ueberlegenheit. „Was suchen Sie hier?" fragte er. Der fremde Mensch zuckte die Achseln. „Ich kam durch die ®arten, gelangte in den Hof, sah die Leiter, das offene dunkle Zimmer — und stieg ein. Ich suchte, was zur Hand fein würde." „Sie leugnen wenigstens nicht." Er sah den Mann an. Das fremde Gesicht blieb im Schatten des Hutes. Gut dachte er, ich will ihn nicht kennen. Er holte tief Atem. Die« war immerhin ein Entschluß. „Sie wollten mich, als Sie Sieger waren, entwischen lassen," sagte Hecht dann, „ich will Gleiches mit Gleichem vergelten. Gehen Sie, wie Sie gekommen sind!" — „Danke!" sagte der Mann. Er legte die Hand an den Hut und schritt zur Türe. Hecht trat zur toeitc, aber das war überflüssige Vorsicht, der Einbrecher dachte nicht an einen Angriff. Er durchschritt das Schlafzimmer und trat auf den Balkon. Die Leiter war nicht mehr angelehnt, aber der Mann ließ sich im Klimmzug am Gitter herunter; da war das letzte Stück, das er sich sollen lassen mußte, nicht mehr bedeutend. Er verschwand im Dunkel des Hofes und der Gärten. Assessor Hecht schloß seine Balkontüre und zog die Gardinen zu. Dieses Nachtstück war zu Ende. Vorhang. Applaudierte niemand? Er war großzügig gewesen; er hätte sich Zuschauer gewünscht. Lang- fam schritt er in das Herrenzimmer zurück, trat hinter den Schreibtisch. Hier hatte der Einbrecher gestanden. Auf dem Tisch lag der Abschnitt iegner des Schah im ^milchen dem grauen Alltag westeuropäischer Sachlichkeit und der Lltmoivdare indisch^/ Mystik liegen Welten. Dann und wann aber gelangt «TÄ,Wnb.r<2 rin ei.nbto« St" Mit dem blutroten Hintergrund IN unsere Welt. Und mit Ihm au oa& Dtärckenhaste und Düstere dieses Zauberreichs. Dann werden alle die I Steines schien bereits am Werke zu fern. Nach dem ©tauben ber Inder nimmt der Stein seinen Zoll nur vom männlichen Geschlecht. So_ zahllose Menschenleben er auch forderte, nie tastete er bas ßeben einer tfrau an. grauen schienen immun gegen seine unhemmcye Kraft. — | ■Am Jahre 1305 besiegte Ala eb Din, ber Herrscher von Delhi, den Rafah von Molwa, in dessen Familie der Stein seit Jahrhunderten em altes Grbftürf war. In den Augen Ala eb Dms war ber Gewinn des Steines ein wichtigeres Ereignis als der Gewinn der Schlacht. 1526 wurde die große Schlacht bei Pariput geschlagen und die Dynastie der Mogul in Delhi errichtet. Dadurch gelangte der Stein tn ben Besch des Schah Jehan, dessen Tochter ihn bet seinem Tode in einer goldenen mit erlesenen Juwelen besetzten Schale dem Aurung-Zeb überreichte. Lie ganze Politik dieser Epoche ist durch Verschwörungen, Intrigen und Kämpfe, in deren Mittelpunkt jebesmal der „Berg des tilCMurunga3eb fttzte^hn^ch^das Auge eines der goldenen Pfauen, die feinen Thron verzierten, ein. Dort wurde er von dem peuchen Eroberer Nadir Schah gefehen. Seine Gier war entflammt. Mit Gewalt brach er in den Palast ein und ließ den Thron rauben. Aber Nadir Schah hatte nicht damit gerechnet, daß Aurung-Zebs erster Gedanke, ihn Nadir Schah bei feinem Antrittsbesuch verlassen hatte, dem SÄ?o2S «uSSÄebitte in Befürchtung des Kommenden den sisLo^^'wüüschteleinen ^"tUche^Geivaltatt g^e^Aurung-Zeb gräß7en Teiles Delhifchatzes^in f^em Besitz hatte, konnte er burch bw « »st LZZÄ« des Berges Ms Lichtes" gefilmt werden, um darzutun, MB Die -oe, a nun deckt ihn der Rasen. „Ein Zufall" sagen wir. „Der Fluch des Sternes , raunen die Inder. Er'pla^nte'einen großen Staatsakt, dessen Höhepunkt die Zeremonie der Wiedereinsetzung Aurung-Zeds auf den Thron seiner tatarischen Vor- 1Ä BÄ. -I» KrhlfWltUrb in Mit List war das Werk endlich gelungen. Bereits kurze B fe M »SÄ ÄäS »Ä U fist Sk befahl er feinen Soldaten, dem Gefangenen die Augen auszustechen. Verstecke der wertvollsten Steine an, aber es war seine fixe I , » ÄStS'ffm’ä»*« dieser in den Besitz des Steines gelangt, so erlag auch er einem gciouu ffinfei Schah Zeman erbte den Stein und mit ihm das Schicksal smH-WWSLM WMM.LMUM I Gier nach dem Diamanten, beraubte und blendete ihn. WWWW» I ® <, . ' 1s1o a;nn Runjit Singh nach Shadera, wo ihn sein Maschinen als Handarbeiter. Von Dr. Franz Mittler. Eigenartig berührt es, daß unsere Technik, der doch so viel gelingt „nd die die größten Schwierigkeiten überwindet, vor manchen sehr einsach erscheinenden Aufgaben vollkommen versagt. Bei Arbeiten, hei denen eine bestimmte Feinfühligkeit, Wie sie nur der menschlichen chand zu eigen ist, unerlätzlich erscheint, bringt sie Maschinen zur Anwendung, die in bezug auf Feinheit des Gefühls unseren Verven nicht nachzustehen scheinen. Es sei an die Mähmaschine, die Stick- und Strickmaschine, es sei an maschinelle Einrichtungen erinnert, hie z. B. selbsttätig merken, ob die Temperatur um einen Grad steigt und die dann irgendein Gerät ehv oder ausschalten. Wie wenig Hände mag es geben, die einen Temperaturunterschied von nur einem Grad empfinden. Aber der Technik, die dies und die vieles andere Wunder- bare schuf, wollte es nicht gelingen, Einrichtungen herzustrllen, die Blumen, Obst oder Baumwolle pflücken, oder wenigstens so pflücken, dah das Ergebnis der Handarbeit gleichkommt, daß also nichts verdorben, nichts zerstört, nichts zerrissen wird. Deshalb werden die Vosen zur Bereitung des Vosenols und wird hie Baumwolle immer noch von fleißigen Händen gepflückt. Das geht langsam. An Versuchen, den Vorgang zu beschleunigen, hat es nicht gefehlt. Auf die merkwürdigsten Ldeen ist man dabei gekommen, soqar Affen hat man abgerichtet, die schneller als der Mensch, die mit geradezu affenartiger Geschwindigkeit arbeiteten. Sie arbeiteten aber nur, wenn sie eben Lust hatten. Die Erfahrungen mit ahnen sollen deshalb keine allzu glänzenden gewesen sein. Auf einzelnen Daumwollpflanzungen sollen sie immerhin noch gehalten werden. Das Pflücken der Baumwolle ist nun durchaus keine so einfache Sache, wie man sich das vielleicht vorstellt. Die Fasern dürfen nacht zerrissen werden, sie müssen möglichst lang sein, es dürfen keine Hülsen Darin bleiben. Dagegen werden die Samenkörner mitgepfluckt, die man später mit Hilfe einer eigenen Maschine entfernt. Wird dae nötige Sorgfalt aufgewendet, so pflückt auch ein geübter Arbeiter kaum mehr als 75 Kilogramm am Tag. Das war schon vor hundert Jahren so und ist heute immer noch so. Die Technik hat hier eben vollkommen versagt. Letzt endlich ist es gelungen, einen Baumwoll- Pflücker zu bauen, bei dem man unwillkürlich an das Ei des Kolumbus erinnert wird. In der Hauptsache ist er nämlich weiter nichts als ein Staubsauger von sehr großen Abmessungen und mit langen Saugarmen. Auf einem Vädergestell wird ein Benzinmotor auf das Baumwollfeld gefahren, der die Saugeinrichtung in Bewegung setzt. Beim gewöhnlichen Staubsauger befindet sich am Ventilator, der die Luft ansaugt, nur ein einziger Schlauch. Hier sind es deren eine ganze Anzahl und jeder ist sehr lang. Die Schläuche endigen oben in ein trommelförmiges Mundstück, das an der Seite aufgeschnitten, also mit einem viereckigen Ausschnitt versehen ist. Dieses Mundstück wird mit Hilfe einer Schlaufe an Der Hand des Pflückers befestigt. Er kann in jede Hand ein Mundstuck nehmen, so daß er also mit beiden Händen gleichzeitig zu halten vermag, älnter dem Saugschlauch ist noch ein zweiter dunneveu Schlauch befestigt, durch den Luft hindurchgeblasen wird. Auch bmm Staubsauger ist bekanntlich eine Oeffnung vorhanden, aus der die angefaugte Luft wieder herausbläst, nachdem sie durch em 'Autor gegangen ist. Vähert der Arbeiter seine Hand einer Daumwolislocke, die nur auf der Staude sitzt, so kommt zunächst die aus dem dünneren Schlauch austretende Druckluft zur Wirkung, sie bläst die Flocke aus und reinigt sie von Staub und anderen Verunreinigungen. Eme geringe Drehung der Hand, und der Luftstrom bläst nunmehr an der gereinigten Flocke vorbei. Gleichzeitig kommt die Saugtrommel zur Wirkung. Diese Wirkung ist so stark, daß sie die Flocke gegen die Oeffnung zieht. Die Fasern werden mit ihren Spitzen hineingesaugt. Hier werden sie von zwei im Innern der Trommel sitzenden Walzen ergriffen, die sich gegenläufig drehen. Die Drehung wird ebenfalls durch die vom Ventilator bewegte Luft hervorgebracht. Die beiden Walzen packeir die Enden der Fasern,, ziehen sie zwischen sich hinein und reißen so die ganze Baumwollflocke los. Lst sie zwischen oen Walzen hindurchgegangen, so wird sie durch den Luftstrom und den weiten Schlauch hindurch nach dem Sammelsack geführt. Das alles geht natürlich schneller vor sich, als es sich beschreiben läßt. Die Baumwolle wird dabei in keiner Weise verletzt. Sie kommt bereits vorgermnigt im Sack an und kann vor allem auch bei nassem Wetter gepflückt werden, weil ja der starke zuerst angeblasene Luftstrom trocknmrd tomt. Bisher war ein Pflücken bei nassem Wetter nicht möglich. Leder Schlauch leistet ungefähr das Doppelte wie ein Arbeiter. Da dieser «aber zwei Schläuche handhaben kann, so steigt die Leistung des einzelnen auf das Vierfache. Die neuzeitlichen Rationalisierungsbestrebungen machen es nötig, die Zeiten möglichst abzukürzen, während deren die Lokomotiven nicht benutzt werden können. Le stärker eine Lokomotive ausgenutzt wird, desto größer wird die Wirtschaftlichkeit des Eisenbahnbetriebs. Die Zeiten, für deren Abkürzung gesorgt werden muh, sind die der Reinigung sowie die der Ausnahme von Wasser und von Kohlen. Eine eigenartige neue Kohlungsvorrichtung, die elektrisch betrieben wird, ermöglicht es nunmehr, den Vorgang der Kohlenausnahme ganz erheblich zu beschleunigen. Beben dem Gleise, auf dem die zu bedienende Lokomotive steht, läuft ein zweites Kohlungsgleis entlang. Auf ihm werden kleine offene Karren angefahren oder bereitgestellt, Die mit Kohlen gefüllt sind. Dort, wo sich der Tender der Lokomotive befindet, ist ein eisernes Gerüst errichtet, das mit einer elektrischen Hebe- und Kippvorrichtung versehen ist. Wird der Strom eingeschaltet, so wird der erste Karren gepackt und am Gerüst emporgezogen. Dabei legt sich über ihn eine breite Rinne mit schiefeni Boden. Sind Rinne und Karren über dem Tender angelangl so werden beide gekippt. Der Inhalt des Karrens ergießt sich in di^ Rinne, auf deren schiefem Boden er in den Tender hineinrutscht. Aus diese Weise wird Karre« um Karren mit großer Geschwindigkeit entleert. Hans Amstein. Erzählung von Hermann Hesse. (Schluß.» Schon früh erwachte ich wieder, noch vor fünf Uhr, zog mich an und ging vor Hansens Fenster. Er lag im zerwühlten Bett und schlief einen tiefen, schweren Schlaf, er hatte Schweiß auf der Stirn und sah elend aus. Ich lief ins Feld hinaus, sah still und abseits die kleine schmucke Forstei liegen und Wiesen, Obstgärten, Acker und Wald wie sonst. Mein Kopf war wüster als je nach einer Kneiperei, und eine kleine Weile kam mir im Hinschlendern das Geschehene ganz abhanden wie ein Alp, der beim Erwachen fort ist, als wäre nichts gewesen. Llls ich wieder in den Garten kam, stand mein Freund an fernem Fenster im Erdgeschoß, wandte sich aber, als er mich sah, sogleich ins Zimmer zurück. Diese kleine, feige Gebärde des bösen Gewissens tat mir unsäglich weh. Doch half das Bedauern nichts. Ich stieg zu ihm hinein. Als er sich nun mir zuwandte, erschrak ich stark, denn er sah grau und zerfurcht aus im Gesicht und hielt sich so mühsam auf den Beinen wie ein überjagter Gaul. Was hast du, Hans? fragte ich. Ach nichts. Ich hab' nicht geschlafen. Aber er wich meinen Augen aus und ich fühlte noch einmal denselben bösen Schmerz, wie vorher, als er vor mir vom Fenster floh. Ich setzte mich aufs Gesimse und sah ihn an. Hans, sagte ich, ich weih, wer bei dir gewesen ist. Was hat die Salome mit dir angefangen? . . . Da sah er mich an, hilflos und schmerzlich wie em Wild beim Schuss — Laß gut sein, sagte er, laß nur gut fein. Es hilft ja nichts. Nein, mußte ich sagen, du bist mir Antwort schuldig. Ich will Nichts von der Berta sagen und von ihres Vvters Haus, wo wir zu Gast sind. Das ist nicht die Hauptsache. Aber was soll aus uns werden, aus dir und ans mir und aus dieser Salome? Wirst du nächste Nacht wieder mit ihr da hinausgehen, Hans? m „ Er stöhnte. Ich weiß nicht. Ich kann letzt kein Wort sagen. Nachher, nachher. * Da war einstweilen nichts zu wollen. Ich ging zum Kaffee hinauf und sagte droben, Hans schlafe noch. Dann nahm ich eine Stute und wollte in die kühle Schlucht zum Angeln gehen. Es trieb mich aber wider Willen vor die Forstei. Dort legte ich mich am Weg in die Haselbüsche und wartete und spürte kaum, wie gottlos heiß und schwul der Morgen war. Darüber schlief ich ein wenig ein und als ich aufwachte, war's von Hufschlag und Stimmen. Die schone Salome fuhr mit einem Forstgehilfen in ihrem kleinen Wagen zu Wald, hatte Angelzeug und Fischkorb mit und lachte wie eine Lerche in den Morgen hinein. Der junge Forstmann hielt einen Sonnenschirm über sie ausgespannt, während sie kutschierte, und lachte ein bißchen verlegen mit. Sie war hell und leicht gekleidet, mit einem riesengroßen dünnen Strohhut und sah so frisch und froh und glücklich aus wie ein Kind am ersten Ferientag. Ich dachte an meinen Hans und an fein graues Armsündergesicht, war erstaunt und hätte sie viel lieber traurig gesehen. Der Wagen fuhr im munteren Trab talabwärts und war bald verschwunden. Vielleicht wäre es nun gut gewesen, nach Hause zu gehen und nach Hans zu schauen. Mir graute davor und ich ging statt dessen dem Wagen nach zur Schlucht hinunter. Ich glaubte, ich tue es aus Mitleid mit meinem Freund und aus Verlangen nach Kühle und Waldstille, aber wahrscheinlich ist es mehr das schöne, sonderbare Mädchen gewesen, das mich gezogen hat. Wirklich begegnete mir weiter unten ihr umkehrender Wagen, vom Forstgehilfen langsam kutschiert, und ich wußte nun, daß ich sie am Forellenbach finden würde. Da spürte ich, obwohl ich längst im Waldschatten war, auf einmal die große Schwüle, ich ging langsamer und begann mir den Schweiß aus dem Gesicht zu wischen. Als ich an den Bach kam, sah ich das Mädchen noch nicht, und ich machte eine Rast und steckte den Kopf ins kalke, schnelle Wasser, bis mich fror. Dann ging ich behutsam über die Felsen bachabwärts. Das Wasser schäumte und lärmte und ich glitt jeden Augenblick auf den nassen Steinen aus, weil ich fortwährend spionierte, wo Salome wohl fei. Da stand sie denn auch plötzlich erschreckend nah hinter einem moosigen Block, mit aufgerafften Kleidern und barfuß bis an die Knie. Ich blieb stehen und verlor ganz den Atem darüber, sie so schön und frisch und allein vor mir zu sehen. Einer ihrer Füße stand im Wasser und verschwand im Schaum, der andere trat ins Moos und war weih und schön geformt. Guten Morgen, Fräulein. Sie nickte mir zu und ich stellte mich in nächster Nähe auf, rollte die Schnur vom Stock und fing zu angeln an. Sprechen mochte ich nicht, aber auch die Fischerei war mir nicht wichtig, ich war zu müde und zu dumm im Kopf. Darum ließ ich die Angel hängen und fing keinen Schwanz, und als ich zu merken glaubte, daß Salome sich darüber amüsierte, und Grimassen schnitt, legte ich die Rute weg und setzte mich ein wenig beiseite in die moosigen Felsen. Da saß ich nun faul in der Kühle und schaute ihr zu, wie sie hantierte und watete. Es ging nicht sehr lang, da hörte sie auch auf, sich anzustrengen, sie spritzte eine Hand voll Wasser zu mir herüber und fragte: Soll ich auch kommen? Nun fing sie an, ihre Strümpfe und Schuhe anzulegen und als sie einen anhatte, fragte sie. Warum helfen Sie mir nicht? Ich hatte es für unschicklich, antwortete ich. Sie fragte naiv: Warum? worauf ich keine Antwort wußte. Es war für mich eine sonderbare Stunde und keineswegs angenehm. Je schöner das Mädchen mir erschien und je vertraulicher sie nun mit mir tat, desto mehr mußte ich an meinen Freund Hans Amstein und an die Berta denken und fühlte einen Zorn gegen Salome in mir anwachsen, die mit uns allen spielte und zu ihrem Zeitvertreib uns drei unglücklich gemacht hatte. Es schien mir jetzt Zeit, gl gen mein leidiges Verliebtscin zu kämpfen und der Spielerei womöglich ein Ende zu machen. Ich fragte: Darf ich Sie nach Hause begleiten? Ich bleibe noch hier, sagte sie. Sie nicht? Nein, ich gehe. O, Sie wollen mich ganz allein lassen? Es wäre so hübsch, noch ein bisschen dazusitzen und zu schwatzen. Sie plaudern ost so lustig. Ich stand auf. Fräulein Salome, sagte ich. Sie sind gar zu liebenswürdig. Ich muh jetzt gehen. Sie haben ja Männer genug, mit denen Sie spielen können. Sie lachte hell auf. Dann adieu! rief sie lustig und ich ging davon wie geschlagen. * Als ich nach Hause kam, hatte Hans auf mich gewartet und zog mich gleich in sein Stüblein. Was er mir sagte, war alles ziemlich klar und verständlich, verwirrte mich aber trotzdem. Er war so von Salome besessen, das; von der armen Berta kaum mehr die Rede war. Immerhin sah er ein, daß er nicht länger Gast im Hause sein dürfe, und kündigte auf Nachmittag seine Abreise an. Das war deutlich und begreiflich, und ich konnte nichts dagegen sagen; nur nahm ich ihm das Versprechen ab, ehrlich mit Berta zu reden, ehe er ausreiße. Nun kam aber die Hauptsache. Da Hans vor unklaren und zweideutigen Verhältnissen seiner ganzen Natur nach einen, Abscheu hatte, wollte er sogleich die Salome sich sichern und ihr Wort oder das ihres Pflegevaters mitnehmen, da er ohnehin sonst kaum eine Erlaubnis haben werde, unser Nest wieder aufzusuchen. Vergeblich riet ich ihm, abzuwarten. Er war heillos aufgeregt, und erst später fiel mir ein, daß wahrscheinlich sein empfindliches Ehrgefühl darauf bestand, aus der für ihn nicht eben ehrenvollen Verwicklung irgendwie als Sieger hervorzugehen und seine bis jetzt doch nicht schuldlose Leidenschaft durch eine entscheidende Haltung vor sich selber und vor den Leuten zu rechtfertigen. Ich gab mir alle Mühe, ihn umzustimmen. Ich machte sogar die von mir selber geliebte Salome schlecht, indem ich andeutete, ihre Leidenschaft für ihn sei wohl nicht echt und nur eine kleine Eitelkeit gewesen, über die sie vielleicht schon wieder lache. Es war umsonst, er hörte kaum zu. Und dann bat er mich flehentlich, mit ihm in die Oberförsterei zu gehen. Er selber war schon im Gehrock. Mir war sonderbar genug dabei zumute. Ich sollte ihm nun das Mädchen freien helfen, in die ich selber seit so und so viel Semestern, wenn schon hoffnungslos, verliebt war. Es gab keinen kleinen Kampf. Aber schließlich gab ich nach, denn Hans war von einem so ungewohnten, leidenschaftlichen Geist beseelt, als regierte ihn irgendein Dämon, dem nicht zu widerstehen war. Also zog auch ich den schwarzen Rock an und ging mit Hans Amstein ins Haus des Oberförsters. Der Gang war für uns beide eine Dual, dabei war es höllisch heiß, es ging gegen Mittag, und ich konnte im zugeknöpften Staatsrock kaum mehr Luft bekommen. Meine Aufgabe war, vor allem den Oberförster festzuhalten und Hans eine Unterredung mit Salome zu ermöglichen. Die Magd führte uns in die schöne Besuchsstube, der Oberförster und seine Tochter kamen gleichzeitig herein, und bald ging ich mit dem Alten ins Nebenzimmer, um mir ein paar Jagdflinten zeigen zu lasien. Die beiden anderen blieben allein im Besuchszimmer zurück. Der Oberförster war auf seine feine, ruhige Art freundlich gegen mich, und ich besah jede Flinte so umständlich als möglich. Doch wär mir gar nicht wohl dabei, denn ich hatte beständig ein Ohr auf das Nebenzimmer gespitzt, und was ich dort vernahm, war nicht geeignet, mich zu beruhigen. Die anfänglich halblaute Unterhaltung der beiden war bald zu einem Flüstern geworden, das eine gute Weile dauerte, dann wurden einzelne Ausrufe hörbar, und plötzlich, nachdem ich minutenlang in peinlicher Bangigkeit gehorcht und Komödie gespielt hatte, vernahm ich, und leider auch der Oberförster, Hans Arnsteins Stimme aufgeregt und mit einem überlauten, fast schreienden Ton. Was gibt's denn? rief der Oberförster und riß die Tür auf. Salome mar aufgestanden und sagte ruhig: Herr Amstein hat mich mit einem Antrag beehrt, Papa. Ich glaube ihn ablehnen zu müssen. — Hans war außer sich. Daß du dich nicht schämst! rief er heftig. Erst hast du mich fast mit Gewalt von der anderen weggezogen und jetzt — Der Oberförster unterbrach ihn. Sehr kühl und ein wenig hochmütig bat er um Erklärung der Szene. Da nun Hans nach längerem Schweigen mit mühsam gedämpfter, vor Zorn und Aufregung keuchender Stimme zu berichten anfing, sich verwirrte und ins Stocken geriet, glaubte ich eingreifen zu müssen und habe damit wahrscheinlich die ganze Sache vollends verdorben. Ich bat den Oberförster um eine kurze Unterredung und erzählte ihm alles, was ich wußte. Ich verschwieg keine von den kleinen Künsten, mit denen Salome meinen Freund an sich gezogen hatte. Ich verschwieg auch nicht, was ich in der Nacht gesehen hatte. Der alte Herr erwiderte keinen Ton, er hörte aufmerksam zu, schloß die Augen und machte ein leidendes Gesicht. Nach fünf Minuten waren wir schon wieder im Besuchszimmer, wo wir Hans allein wartend fanden. Ich höre da merkwürdige Sachen, sagte der Oberförster mit künstlich fester Stimme, immerhin scheint meine Tochter Ihnen einige Avancen gemacht zu haben. Nur vergessen Sie, daß Salome noch ein Kind ist. Ein Kind, sagte er, ein Kind! Ich werde das Mädchen zur Rede stellen und erwarte Sie morgen um diese Zeit zu einer weiteren Aussprache. Mit einer steifen Gebärde entließ er uns, und wir schlichen still und demütig aus dem Hause. Plötzlich mußten wir aber eilen, denn über unserem Städtchen brach ein tolles Gewitter aus, und trotz aller Sorge tnt Herzen liefen wir doch wie die Windhunde, um unsere Staotsröcke zu retten. Beim Mittagessen war mein Onkel von einer gewaltsamen heiteren ' Laune, wir drei jungen Leute hatten aber weder zum Essen, noch zuni s Reden viel Lust. Berta hatte einstweilen nur gefühlt, daß Hans ihr! irgendwie entfremdet sei, und blickte nun traurig und angstvoll bald; mich, bald den Amstein an, daß es einem bis in die Knochen ging. Nach dem Essen legten wir uns mit Zigarren auf den Holzbalkon und j hörten dem Donnern zu. Auf dem glühenden Erdboden verdampfte der Regen in Schwaden und füllte alle Wiesen und Gärten mit Nebel an, die Lust mar voll von Wasserdunst und starkem Grasgeruch. Ich mochte nicht mit Hans sprechen, ein Gefühl von Aerger und Bitterkeit befiel mich gegen ihn, und so oft ich ihn ansah, fiel der Anblick von gestern mir wieder ein, wie er und das Mädchen stumm mit Gewalt aneinander- gepreßt den Garten verließen. Ich machte mir bittere Vorwürfe darüber, - daß ich das Nachtabenteuer dem Oberförster verraten hatte. Plötzlich ging die Balkontür auf, und es trat eine große, dunkle Ge- stakt herein, von Regen triefend. Erst als sie den langen Mantel aus-1 einanderschlug, erkannte ich die schone Salome, und ehe noch ein Wort gesprochen war, drückte ich mich an ihr vorbei durch die Tür, die sie! sogleich schloß. In der Wohnstube saß Berta bei einer Handarbeit und sah bekümmert aus. Einen Augenblick überwog in.mir das Mitleid mit dem verlassenen . Mädchen alles andere. Berta, aus dem Balkon ist die Salome beim Hans Amstein, sagte ich zu ihr. Da stand sie auf, legte ihre Arbeit weg und wurde weiß im Gesicht, j Ich sah, wie sie zitterte, und ich dachte, sie würde nun sogleich in Tränen ! ausbrechen. Aber sie biß sich auf die Lippen und blieb stumm. Ich muß hinübergehen, sagte sie plötzlich und ging. Ich schaute zu, wie! sie sich fteif aufrecht hielt, wie sie die Balkontür ausmachte und hinter sich wieder schloß. Eine Weile sah ich die Tür an und versuchte mir vorzustellen, was jetzt da draußen geschehe. Aber ich hatte nichts dabei zu tun.; Ich ging in meine Stube hinunter, legte mich auf zwei Stühle, rauchte! und hörte dem Regen zu. Ich versuchte mir vorzustellen, was nun droben zwischen den dreien vorgehe, und diesmal war mir’s am meisten um die Berta leid. Der Regen hatte längst aufgehört, und der warme Boden war schon: fast überall wieder trocken. Ich ging in die Wohnstube hinaus, wo Berte, den Tisch deckte. Ist die Salome fort? fragte ich. Schon lange. Wo warst du denn? Ich habe geschlafen. Wo ist Hans? Ausgegangen. Was habt ihr miteinander gehabt? Ach laß mich! Nein, ich ließ sie nicht; sie mußte erzählen. Sie tat es leise, und ruhig und sah mich ans einem blassen Gesichtchen heraus mit stiller Festigkeit an. Das sanfte Mädchen war tapferer, als ich geglaubt hatte, und viel-j leicht tapferer als wie beiden Männer. Als Berta den Balkon betreten hatte, war Hans vor der hochmütig aufgerichteten Salome gekniet. Die Berta nahm sich mit Gewalt zusammen. Sie Zwang den Amstein, aufzustehen und ihr Rechenschaft zu geben. Da berichtete er ihr alles, die Salome aber stand daneben, hörte zu und lachte zuweilen. Als er zu Ende war, entstand ein Schweigen uni) dauerte so lange bis die Salome ihren Mantel wieder umnahm nnb ■ gehen wollte. Da sagte Berta: Du bleibst da! und zu Hans: Sie hat dich- eingefangen, jetzt muß sie dich auch haben; zwischen mir und dir ist es je ! doch vorbei! Was die Salome nun antwortete, erfuhr ich nicht genau. Aber es muh' bös gewesen sein — sie hat kein Herz im Leibe, sagte Berta — und ab' sie dann zur Tür ging, wurde sie von niemand mehr zurückgehalten und! ging unbegleitet die Treppe hinunter. Hans aber bat mein armes Kusin- l - chen um Verzeihung. Er werde noch heute fortgehen, sie möge ihn vcr-j geffen, er fei ihrer nicht wert gewesen und dergleichen. Und er war ge schwer, aber es tarn auch für sie eine Zeit, wo sie das Leben ernst nehmen mußte. Sie hat keinen leichten Weg gehabt. Sie ist auch nicht alt geworden. Es wäre noch eine Geschichte! Aber nicht für heute. Wollen wir noch eine Boutcille anbrechen? Verantwortlich: Dr. Hans Thyriot. — Druck und Verlag: Bruhl'sche UniversitätS-Duch- und Steindruckerei, R. Lange, Gieße«-