o Haltti, ■ettet. Nu« Aber bei ch ruhiger, >, was ich Aber bei heu Kunde erschlage« an begann ihlen. dem Dach 7 Abbasiy! len werbe; in Zeichen l und wen man mich ad Schweiz er seine« i> es kaum m Bad z« en ich noch t? War es , um mich •inen «rho> will!' und El Soga« empfangen Tamarish breifen; in Nachfolger Land ohne freunde in raten. Der glück. Abe, > zauderten mte ich die Gewalt in hn erreicht :te, was ich •n Schatten d auf iw rt war es w, das i» : verstehe«, i Hafen zi att weiten unter eine ir ihn und n, und als er die Lagt i, erbat sich •r Richtung undzwanzig te er, M dem Ule,» fendis und inge Seine staatskuijch! üb ertorat eine Falle! len Reite,« • Bahn ins er gewußt, ern nichts wn dachte nach . Sted^ fuhr Halit» ürft hatten, war, einen i[qe koinntl »der AM- $airo durch )ter ManNl e mich »ob n, wenn er Jdegt M ; dem vM daß Sein« gestörtZ" u errelchtR Si5 nen Augr» ns sollte Siefjener^amilienblätter Kummer 79 ________Unterhaltungsbeilage zum Eichener Anzeiger Jahrgang 1930 Montag, den rz. Oktober ------- I tust an^Prlzenten?" dnen hechten Eindruck. Und welch ein Wer. 2Beto?eiMamOtI Bewunderung auf den kindlichen Mund, aus dem soviel „Prozente bekommen Sie auch schon?" I , , "2ch bin doch keine Debütantin mehr, die der Verkäuferin hilft aber I selbst noch keine Verantwortung hat." ■^u.uitTin yujc, aver „Na, ist's denn schon so lange her .. ?" „Schon über ein halbes Jahr bin ich aus der Hausschule " I „Da war es gewiß lustig?" 1 ' banklst imnmerinÄ"Iänber' in Wis ist alles luftig. Schul- „Aber so Jungen und Mädchen durcheinander .. I I,n£ n.'cht durcheinander. Es gibt eine Klasse für die jungen I eine kur die jungen Männer und noch eine besondere für I Ult \DluDiT15. „JDOT--braUt^n allerdings eine besondere. Aber die jungen Mädchen | und Manner, lernen tue nicht ungefähr dasselbe?" ’ I ^auZ- Ein Mann, das ist doch was andres. (Das sagte dies I stolZe Kmd mit dem durch nichts zu erschütternden Respekt der Französin I ;’ot starken Geschlecht.) Da ist der Außendienst, die Verkaufsstände \3prt',nm Dazu gehört Sicherheit und Geschicklichkeit und auch Kraft I bind em Mann verdient mehr als ein Mädchen." »Wird man sehr streng beaufsichtigt?" '£?' «5 gibt Kontrollbeamte und Aufseher. Die notieren, wie oft man 311 spat kommt und wie man arbeitet und ob eine sich zu sehr schminkt oder zu dem dunklen Kleid, das wir im Dienst tragen, einen zu au - I chllenden Kragen oder Ausschnitt hat. Sie sagen es ihr ober nicht direkt. I Sie machen die Seeonde darauf aufmerksam." „Ich zittere vor der Seeonde!" T®05 war meine erste Bemerkung, über die sie ein bißchen lachte. Sann zupfte und naschie sie eine Weile stumm an ihrer Artischocke und I • ^ ei ^u Zeit nach dem Eingang. Die Freundin kam noch immer I mcyl. ' ^.,ost hier oder auch manchmal in der netten Cremerie- $0^™ ein Stückchen weiter die Straße hinauf, wo man an Stein- tsichchen sitzt und einen sogenannten Lunch bekommt, niedliche Portionen auf winzigen Desserttellern ..." v „Haben Sie die gern?" „Ja, ich finde sie reizend. War auch heute erst da, bekam aber keinen Platz unter all den verbannten Prinzessinnen, die von Zwergentellern essen. Nun heute war es mein Glück, denn ich bin hierhergekommen und habe eine so liebenswürdige und belehrende Bekanntschaft gemacht Aber sonst sitze ich da gern in der Quetschecke als geduldetes männliches Wesen und höre der Musik der Gäbelchen, Löffelchen und Sümmchen zu." Meine Schilderung scheint wenig Eindruck zu machen. Das kleine Wesen neben mir sieht hinüber zu der lebhaften Brünetten in der Männergruppe am Nebentisch, die zu allem, was sie ißt, immer wieder Essig und Del nimmt und ihren Nachbarn mutwillig Salz und Pfeffer auf ihre Teller schüttet. Bisweilen wandern die Blicke auch hinaus zu der Ballustrade mit den Blattpflanzen in Henkelvasen. Die Musik da oben spielt einen Walzer. Aus Gedanken auffahrend, sagte sie bann: „Ich gehe nur selten ins Restaurant. Meistens esse ich in unserer Kantine. Da wird man sehr gut ernährt und hat noch Zeit, ein wenig vor die Tur zu gehen und an einer Bar einen Kaffee zu nehmen." Darauf erging ich mich, wie es dem Fremden ziemt, in längerer Lobrede über den Reiz der Pariser Mittagspause, der Midinettenstunde. Ja , gab sie zu, „die ist ganz schön, aber lustiger ist doch der große Kehraus am Abend. Um 6 Uhr sind manchmal noch Kunden da, die man nicht los wird. Aber um 6.25 Uhr klingelt es. Dann werden die Tische eingehullt und zugedeckt. Jeder macht sein Päckchen. Es muß allerdings von jedem Rayon immer eine für die Nachzügler bleiben ..." „Und bann", falle ich ein, „flaniert man durch die Straßen an den Schaufenstern entlang." Damit habe ich wieder kein Glück. „Flanieren? Nein, ich muß mich eilen, an der Gare Saint-Lazare den frühen Zug zu erwischen. Meine Familie wohnt in Suresnes. In der Stadt sind die Wohnungen so teuer. Und da draußen habe ich's immer noch besser als die armen Mädchen, die in Paris in Familienpensionen unterkommen, wo sie um neun zu Hause sein müssen." „Alle?" „Nun ja, wer nicht gerade ein kleines Extraleben führt ..." „Was für Dessert?" fragt das Mädchen im weißen Häubchen, das uns mit dem Kellner abwechselnd bedient. Meine Nachbarin wählt Schokoladeneis. Als sie das einlöffelt, bekommt sie Flimmer in die Augen. Die Musik spielt einen flotten Walzer. Unvermittelt frage ich: „Finden Sie das Leben schön?" Einer Schönen. (3m Spiegel zu lesen) Don Eduard Mörike. Ein artig Lob, du wirst es nicht verwehren, Obwohl gewohnt, es jeden Tag zu hören, Gern möcht ich denn das platte „®u bist schön" 3n lauter feinen Wendungen gestehn: Doch wenn es mir an Worten nun gebricht. Verschmäh' ich auch ein listig Mittel nicht: 3ch weiß mit wundersamer Schrift zu necken And meine Meinung zierlich zu verstecken. Damit ich aber gleich die Angeduld versöhne, Führ' ich mit meinem Blatt vors Spiegelglas die Schöne, And was kein Schmeichler ungestraft gewagt- Ihr eigen Bild hat es ihr nun gesagt. Frühstück mit einer Verkäuferin. Von Franz H e s s e l, z. Zt. Paris. „r[M l^eim I'sch' °ls diese anmutige kleine Person im Restaurant erschien. Der .Kapellmeister an der Ballustrade des oberen Saales dirigierte gcrabe mit runden Dpernberoegungen das alte ,Ah, sieh mich vor Wonne beben. Dazu ruckten und wiegten viele der Mittagsmädchen, die in dem wetten Vogelbauer vor grüngestrichenem Gitterwerk an ihren papiergedeckten Tischen nisteten und von den Tellern pickten. In den Spiegel» wanden schimmerten, von Glühbirnen bestrahlt, die Goldblätter der Be- w'ichtungskorper. Es war bei dem trüben Wetter in dem dunklen unteren «aal schon Licht gemacht worden. Da stand sie in ihrem Regenmantel und sah sich suchend um „Mademoiselle ist allein?" fragte der Kellner/ „Ein Tisch mit zwei Plätzen", verlangte sie. r.1,™ nebeiL^ir wird vorgerückt, sie schlüpft auf die Bank. Wir Hen Ellbogen an Ellbogen. Ich habe eine Nachbarin. Sie zerrt an ihren AfEln, schwingt den Mantel nach hinten auf den krippenähnlichen Mer. Zum Vorschein kommt em schwarzes Kleid mit weißem Kragen öer Dorn mit einer Brosche zugesteckt ist. Unter der enganliegenden Kappe Mt eine einzelne Locke bis in die Nähe der blaßblauen, etwas (trennen Augen. 0 ,,12ß^roir jns Gespräch gekommen sind, weiß ich nicht mehr; wahr- Heinlich ergaki es sich, als ich ihr die Karte, und sie mir die Salatmenaqe Kickte. Sie hatte Eile, zu bestellen. „Schrecklich, wenn man mit unpünft» yn Leuten verabredet ist", sagte sie, „ich muß um ein Uhr wieder im Magazin sein. • । „Viel Besorgungen?" „Sie der andern. Ich bin Verkäuferin." Au» konnte ich sachliches Interesse zeigen, mit unterrichten lassen. „üer Ladentisch", sagte ich, „ist mir immer wie die Rampe einer ^utjne vorgekommen. Was hinter den Kulissen geschieht, bleibt unfer» Mein em Geheimnis." SOva^Angestellte Organisation", erwiderte sie stolz. „Wir sind fast „Und viele hübsche Mädchen darunter." "wi^3 Hsibschsein kommt es nicht an, sondern auf die Karriere." »Aue weit kann man es denn bringen?" . ."Ws zur Seeonde, die gleich unter dem Rayonchef steht. Sie wissen ch, der Herr mit der weißen Krawatte, an den Sie sich wenden, wenn I ° Ml-frieden sind." I "Weil Sie mich so schlecht behandelt haben ..." iibiii?05t/°l™nt "icht vor. Man hat doch seine Lehrzeit in der Haus- I schabt. Und da lernt man nicht nur das Zettel- und Nummern- I das schnelle Kopfrechnen, wenn zum Beispiel eine Dame zwei ter 15 von einem Stoff zu 3,45 verlangt ..." sondern auch?" ... ; die wahre Höflichkeit und die Kunst, die Wünsche des Käufers JJ^en und ihn nicht das Falsche wählen zu lassen." j 6n ich. Dienst am Kunden! Ganz wie bei uns. Laut sage ich: I L »Alen Sie ihn doch ruhig das Falsche wegtragen. Dann sind Sie I ^ ‘?nb bie Ware schneller los." «ltr ,3 da werde ich belehrt: „Ich bitte Sie, mein Herr, das wäre dach den „rette Zeit. Bedenken Sie: bei uns kann alles umgetauscht wer- I hau'm ^nommen natürlich Zahnbürsten und hygienische Artikel über- I • -wenn nun auf dem Konto der Verkäuferin häufig der Vermerk I „Ach, wissen Sie*, ist di« Antwort, „wir Pariserinnen, wir überlegen. Das ist man von der Familie her gewohnt. Man tut, was man kann. Und wenn man Chance hat, wird man glücklich. Manche sind es gleich von Natur, aber die riskieren zuviel. Vor dem Kriege soll das anders gewesen sein. Wer jetzt, wo man mit fünfzehn Jahren ansängt, sich selbst zu ernähren ..." Mir fällt der schöne Berliner Schlager ein: „Oh, wie praktisch, oh, wie praktisch ist die Berlinerin. Heut ist schon jeder Backfisch eine Verdienerin." „Denken Sie manchmal ans Heiraten?" frage ich weiter. Und sie: „Ich lasse mir noch Zeit, bis ich Cathcrinette geworden bin. Sie wissen doch, was das ist?" „Gewiß. Ich habe sie am Tag der Heiligen Katharina gesehen, die munteren Fünfundzwanzigjährigen, auf ihrem Wettmarsch von Mont- parnasse nach dem Montmartre mit Radlern und Autos und Filmopernteuren hinterdrein!" „Meine älteste Schwester war dabei, sie trug ein entzückendes Häubchen und hat ein großes Champagnerfrühstück im Atelier und abends das Fest im Lunapark mitgemacht. Drei Tage später hat sie sich verlobt." „Und so lange wollen Sie warten, nur um im Catherinettenhäubchen bewundert zu werden?" „Ich habe es noch so gut zu Hause. Manche Mädchen bei uns heiraten junge Männer aus dem Magazin, bisweilen sogar aus dem eigenen Rayon. Es gibt Phantastinnen, die wollen in die große Welt heiraten, wie die Mannequins der Modehäuser. Aber das scheint mir auch so ein Vorkriegsgeschmack zu (ein." Mit einmal dreht sie das Köpfchen schräg zu mir herauf: „Und Sie? Was sind Sie eigentlich von Beruf?" „Raten Sie!" „Nicht schwer. Journalist." „Bravo. Woran haben Sie das gemerkt?" „Daran, daß Sie mich interviewt haben." „Habe ich das getan? Da kann ich ja ganz stolz fein." „Na, die Auskünfte hätten Sie noch viel genauer in unserer Presseabteilung kriegen können." „Aber nicht aus so jungem, hübschem Munde!" „Doch! Neulich war ein Amerikaner da, der wollte über das Leben der Pariser Verkäuferin Bescheid wissen. Da haben sie ihm meine Freundin Claire zur Verfügung gestellt, die in der ,Interpretation' arbeitet. Sie wissen, das ist die Abteilung, die ausländischen Besuchern sprachkundige Mädchen mitgibt, die sie durch die verschiedenen Rayons führen und den Dolmetsch machen. Claire war lange in England, sie ist ..." „... wohl kaum so hübsch wie Sie." „Schmeichler! Sie ist viel hübscher, sie ist blond." „Hat ihr nachher der Amerikaner seinen Artikel geschickt?" „Nein, aber einen entzückenden Strauß Chrysanthemen." „Und dann hat er sie gewiß zum Souper eingeladen." „Da hätte Claire ihn schön abfahren lassen." „Seid ihr so streng? Schade. Ich hätte Sie nämlich auch gern eingeladen, um Sie über etwas anderes als das Magazin zu interviewen." „lieber was denn?" „lieber Ihr Herz." „Das müssen wir wohl auf später verschieben", sagt sie mit hoch- gezogenen Brauen, „jetzt muß ich Sie bitten, mich zu entschuldigen. Denn da kommt der schlechte Mensch, auf den ich die ganze Zeit gewartet habe, — noch gerade zum Kaffee zurecht!" So habe ich die hübsche Nachbarin nicht einmal zu der Midinettenmahlzeit einladen können, die sie in meiner Gesellschaft genossen hat. Ich brachte es nicht fertig, mit dem jungen'Mann, der sich zu ihr setzte, Bekanntschaft zu machen. Er hatte ein Menjourbärichen. Ich glaube nicht, daß er aus ihrem Rayon war. Vergil und der deutsche Geist. Zum 2000. ©eburfstage des Dichters. Von Dr. Paul L a n d a u. Es gibt Dichter, deren weltgeschichtliche Bedeutung erst durch die Einwirkung auf die Geistesgeschichte klar hervortritt. Was ein Homer, Dante, Cervantes, Goethe nach ihrem irdischen Tode der Menschheit geleistet haben, schafft für ihr Werk den unendlichen Hintergrund. Bei keinem aber ist dieses welthistorische Relief stärker als bei Vergil, denn-als Künstler zweiten Ranges-hat er in den beiden Jahrtausenden seit seiner Geburt eine Rolle gespielt, die ganz ersten Ranges ist und von der keines andern Poeten erreicht wird. Deshalb danken wir Deutschen an diesem Festtag der Erinnerung weniger dem Poeten, der der Mehrzahl unter uns kaum noch etwas bedeutet, als dem Befruchter unsres geistigen Schaffens, das er als Vorbild und auch als Gegenbild unsres künstlerischen Ideals unendlich gefördert. Rirgends zeigt sich der Unterschied des germanischen und romanischen ästhetischen Kanons so deutlich wie in dem Verhältnis zu dem lateinischen Rationalbichter. Die Italiener verehren in ihm den Verherrlicher der Weltmacht Roms, die heute unter ihnen wieder als lebendiges Ziel erwacht, aber auch die Franzosen, deren größter Kritiker Sainte-Deuve die fein berechnete Harmonie seines Sttls vielleicht am tiefsten erfaßt hat, haben eigentlich nie aufgehört, in ihm den maßgebenden Klassiker zu sehen. Die Germanen jedoch, die über Rom hinaus stets das Land der Griechen mit der Seele suchten, haben mit der Entdeckung Homers sich von Vergil abgewandt, sich ihm überhaupt nie so völlig hingegeben. Bei dieser berechtigten Höherwertung des originalen und ewigen Genies ist man bei uns gegen den „Klassizisten", der vom Thron des Klassikers herabgestohen wurde, ungerecht gewesen. Erst in neuerer Zeit haben unsere Altphilologen die vollendete Technik und sprachliche Reinheit seiner Kunstmeisterschaft aufgezeigt, so daß R. M. Meyer in seiner »Weltliteratur'' eine Bergil-Renaiffance vorausfagie. Sie scheint sich jetzt anzu. bahnen, in den Äbersetzungen R.A.Schröders, die zum erstenmal bi« Form des Römers wirklich in unsrer Sprache wiedergeben, und in dem zu dem Jubiläum erschienenen Werk von Walter Wili, das die Eiger, art seines Schaffens als Ausdruck altrömischer Kultur und seine über, nationale und überzeitliche Weltgeltung mit stärkster Einfühlung bat. gestellt Hai. Als Vergil starb, seine letzte Dichtung, die „Aeneis" unvollendet hinterlaffend, wurde sie sofort als Rationalepos anerkannt, in den Schuler gelesen, und seine Verse begleiteten den Römer durchs Leben, wie u. a. die Vergil-Zitate zeigen, die man an den Wänden pompejanischer Häulet findet. Der Chor der Lobredner schwoll immer höher: man feierte ihr als den »Plato unter den Dichtern", als »unfehlbar" und »unerreicht', und selbst Augustin, der das Griechische verabscheute und Homer alj Lügner verdammte, lobt diesen Meister lateinischer Beredsamkeit. Je mehr im Laufe des Mittelalters die Kenntnis des Griechischen verloren ging, die ganze hellenische Kultur verschüttet wurde, je mehr das lateinische als Sprache und Kern der Kirche die Herrschaft behauptete, desto hellet strahlte der Stern Vergils als des ersten aller Gichter, und alle Poesie klammerte sich an sein Vorbild; man flickte in den sog. »Vergil-Centonen' ganze Gedichte aus den »Lappen" seiner Verse zusammen. Die erste nähere deutsche Berührung mit dem Altertum, die »Renaiffance" unter Karl bem Großen, steht ganz im Zeichen Vergils, der Einhards Lieblingsdichtet war, dessen „Eklogen" sogar im volkstümlichen Mimus fortlebten uni der dem Mönch Ekkehard von St. Gallen die Hand führte, als er bai altdeutsche Heldenlied von Walther und Hildegund in lateinischen Hexa, meiern gestaltete. So wird der Römer zum Erzieher, an besten Hand die deutsche Dichtung ihre ersten Gehversuche unternimmt: im Annolied, bei Otfried, in den Ribelungen hat man vergilsche Züge aufgespürt; sie sind vorherrschend in dem ersten Heldengedicht, das die Blüte unsrer rittet« lichen epischen Poesie einleitet, in der den Stoff der Aeneis behandeln, den »Eneit" des Heinrich von Veldeke, und klingen noch nach auf bet Höhe dieser Kunst, bei Wolfram von Eschenbach und Gottfried von Stich bürg. Vergil war unterdesten zu den höchsten Ehren der Christenheit auf. gestiegen. Während man in der Karolingischen Zeit Sigulf zum Vorwmf gemacht, daß er einen Heiden den Klösterschülern in die Hand gegeben, verlangte der Mönch Probus, daß Vergil nebst Cicero unter die Heilige» versetzt werde. Maßgebend war dafür die Stelle in seiner 4. Ekloge, in der er die Geburt eines welterlösenden Knaben in nahe Aussicht stellte und die als Vorhersage Christi gedeutet wurde. So ward er zum Pt«, pheten des Heilandes, und als solchen erkor ihn sich Dante zum Führer durch Hölle und Fegefeuer in seiner „Göttlichen Komödie". Aber biet Erhöhung des Heiden, seine fast unbegrenzte Verehrung, die unhem« liche Dämonie der höllischen Umgebung, die geschäftige Phantasie bet Volksaberglaubens wirkten zusammen, um im späteren Mittelalter, als die Bekämpfung aller Ungläubigen wieder stärker wurde, Vergil unter die bösen Geister zu versehen, ihn als Zauberer und Schwarzkünstler bat. zustellen. In Märchen und Romanen erscheint er als der mächtige Ae« kromant, der einen Automaten auf kupfernem Roh Roms Straßen toi Schädlingen säubern läßt, der mit seiner Ritterschar ein Zauberbuch vm Magnetberg holt und in seinem magischen Spiegel alle Welteretgniff! schaut. Im deutschen Volksbuch von »Zaubrer Virgilius" wird er zun Vorläufer Fausts, und seine Hirtengedichte werden jetzt als das „8* lieb des Satan", verdammt. Roch Paracelsus hat ihn als einen Schum des Teufels bezeichnet und davor gewarnt, seiner »Aigromantia" z> folgen, die keine »natürliche Magie" sei. Als Petrarca sich in seiner Jugend mit antiken Schriften beschäftigst warf lein Vater alle die .Ketzer" ins Feuer, holte ihm aber dann bei Vergil und Eicero wieder heraus. Damit ist gleichsam symbolisch «« Auferstehung des Dichters aus der Hölle des Mittelalters bezeichn! Petrarca setzt ihn in seine Stellung als größten Dichter wieder ein, uw der Humanismus hat an dieser Herrscherstellung nicht gerüttelt, totem preisenden Lobreden und Aachahmungen von Celles und Eoban Hisst bis Aikodemas Frischlin beweisen. Aber in der Renaiffance, die g» chffche Sprache und Kultur aus langer Erstarrung erweckte, tritt z« aeben Vergil sein großer Rebenbuhler Homer, und der Streit um bei Vorrang dieser beiden wird nun durch mehr als zwei Jahrhunderte« Mittelpunkt literarischer Wertung und ästhetischer Bildung. Vergil Ms im 16. und 17. Jahrhundert durch die Äbersetzungen Murners, Spreng-, Schirmers, Valentins in die deutsche Sprache eingekleidet, freilich in bew naiver und galant-barocker Weise, aber auch Homer muh sich solche AM kerade gefallen lasten, und fein Bild wird ganz nach dem Vergils S' modelt als das eines kunstgerechten, mit der epischen Maschinerie to- trauten Heldendichters. Das Sentimentale, Galante und Romantische w Aeneis machte sich dem Barock schmackhaster als Ilias und Odyssee, u die gezierten Hirtengedichte des Römers boten die beste Grundlage die Schäfer-Mode, die bis ins Rokoko sich mehr von den fein getuW» Bildchen Vergils als den derb-natürlichen Szenen des Thevkrit W™ Vor allem aber war es die maßgebende Poetik des Julius Caesar o liger, die die »Göttlichkeit des Vergil" hoch über Homer stellte. M Justi hat einmal das lange Sündenregister, das der berühmte PWM den beiden griechischen Epen ankreidet, einen der größten Rarrensir w der Weltgeschichte genannt, aber sein Ansehen wirkte unerfdjuttert bis t 18. Jahrhundert. Ebenso wie der deutsche Jakob B a ld e in seinem W Wettstreit Vergil die Krone reicht, zieht der Franzose Aaprn mP™, Vergleich zwischen Vergil und Homer den ersteren unbedingt Dor. faire folgt in seiner »Henriade" hauptsächlich der Aeneis,und alsu' ■ sched gegen die »unnatürliche" Poesie Klopstocks seine Schllbknapl Schönaich aufruft, bietet dieser in seinem Epos »Hermann" eine st Nachahmung Vergils. «16« Als Friedrich der Große 1790 sich mit Gellert unterhielt, W?., «, die damals noch brennende Frage vor: „Welcher ist schöner m ß J / pöe, Homer oder Vergil?", und als der Leipziger Dichter Hom■ Vorzug geben wollte, »weil er das Original ist", entschied 1 A(| I »Aber Vergil ist viel polierter." Der König huldigte dem franz I eht anzu. rnmal di« ■ö in dem die Eigen- :ine über, lang dar. nvollendei m Schulen , wie u. a. »er Häuser feierte ihn nerreichf, jomer als t. Je mehr oren ging, lateinische )efto Heller ille Poesie Centonen' rste nähe« f Karl dem ngsdichter lebten und rls er bai chen Hexa- Hand die nolied, bei nt; sie sind frer ritten behandeln, ich auf bei oon Strah. enheit auf. in Borwmf d gegeben, ie Heilig«, . Ekloge, in S ficht stelÜ! zum Pu- um Zühm Aber bieie ie unhei» antasie bei elalter, oli ergil unltt ünstler bat- ächtige trahen ton erbuch ton eltereignD ärd er zm das „öobc tten Schulet inantia" zi beschästiglt c dann den nbolisch die bezeichnet der ein, uni teil, wie die doban $ejl< e, die gtit' tritt zuet? teil um den junberte ein Vergil Biti s, Sprengt lich in detb solche Vergils fl» hinerie tot' lantilche dll Jdysfee.uni undlage st< n getuscht >krit nährte Laefar S!«' stellte. Ci>» e PhilolG irrenftrw ttert bis t» ,em Säng^ n in M' ’t DDt’» t hildknapp'« eine N legte etji* in der» Homer i bSrieW franzäßl^ 1 Geschmack Gellert war schon beeinflußt von der neuen Auffassung der Kunst und des Genies, die sich damals anbahnte. Wie die Entdeckung der griechischen Kunst, so verdanken wir auch die Offenbarung der Schön- hert Homerischer Dichtung Winckelmann, der neben der goldnen Wärme des Griechen die feine Form des Römers frostig und nüchtern fand und durch einen Vergleich der Rausikaa mit Dido die Überlegenheit des Griechischen über das Römische veranschaulichte. Ihm folgten Lessing und Herder, die gegen Klotz die Ursprünglichkeit und Größe Homers Bertei» öigten, und mit der jubelnden Verehrung Les „Vaters der Dichtung", ch, bie der „Sturm und Drang" einstimmte, schnellt die Waagschale Vere Sil/ hoch empor. Rur seine „Georgika", der Gesang vom Landleben, entzückt mit seinem Erdgeruch die Idylliker, die sie immer wieder über- fetjen. G oe th e, der schon als Kind die Aeneis eifrig gelesen hatte und die lateinischen Vergilzitate stets bei der Hand hat, nahm zwar den „himmelreinen und schönen Vergil" gegen die Vergröberung in Vossens Übersetzung in Schutz hat aber sonst kein Verhältnis zu feiner Kunst. ®ie r?.?nnc §umers hat ihn völlig in den Schatten gerückt. Dagegen ist der Romer Schillers Lieblingsdichter gewesen, und seine Übersetzung von Teilen der Aeneis in Stanzen, die den romantischen Charakter der Dichtung gut trifft, war „das letzte, starke und dauernde Bekenntnis eines großen Deutschen zu Vergil", wie Will sagt, während die Gestalten der Aeneis damals m der witzigen Travestie Blumauers zu komischen Karikaturen verzerrt wurden. Die Ästhetiker, ein F. A. Wolf, Hegel u a rechneten streng ab mit der „inneren Leere" und „profaischen Enge" seiner Dichtung. Er galt als ein bloßer Nachahmer der Griechen, und erst heut da man Eigenart und Eigenwert römischer Kunst stärker erkennt, wird man ihm wieder mehr gerecht. Freilich, die höchste Freiheit der Raturgestaltung und die organische Rotwendigkeit der Form, die er in Homer gefunden, wird der deutsche Geist Vergil nie zugestehen. (Steinerne Maschinen. Von Dipl.-Jng. Dr. A. Hamm. Wir sind von der Steinzeit noch gar nicht so iveit entfernt, wie wir metit denken. Zwar ist für uns der Stein längst nicht mehr das einzige Material tote für jene primitiven Urmenschen, die uns die ersten techni- scheu Erzeugnisse und Geräte, Beile, Hammer, Meißel u. a. m. aus Feuerstein, oft sehr sauber geschnitten, hinterlassen haben. Im Gegenteil, wir glauben oft in einem reinen Metallzeitalter zu leben, Aber bas ist eine Selbsttäuschung. Steine und Erden, die ja im wesentlichen eines sind spielen für die Technik noch eine gewaltige und sogar sich erweiternde Rolle. Das ist ja schließlich auch ganz natürlich. Die uns zugängliche feste Erdrinde besteht ganz überwiegend aus solchen Stoffen, während die Schwermetalle, die unserer Zeit das Gepräge zu geben scheinen nur seltene Einsprengsel sind. Bei der Entstehung der Erde haben sie sich in das jetzt noch feurig flüssige Erdinnere zurückgezogen, dessen Hauptbestandteil sie bilden. Uns dagegen hat die Ratur die leichteren Stoffe zuge° wiesen und uns damit kein schlechtes Geschenk gemacht. Denn aus dem Ton, der weite Gebiete der Erdrinde bildet, gewinnen wir das wertvollste Leichtmetall, das Aluminium, dessen Bedeutung für die Technik kaum zu überschätzen ist. Wäre doch ohne es die ganze Fliegerei undenkbar. Aber auch der Ton selbst findet vielfache Anwendung in der Technik und erobert sich sogar neue Anwendungsgebiete, selbst solche, von denen man glaubte, daß sie dem Metall ausschließlich Vorbehalten seien. Er dringt sogar erfolgreich in den Maschinenbau ein, und steinerne Maschinen gibt es bereits in größerer Anzahl. Von solchen Anwendungen soll hier ein wenig die Rede sein. In zweierlei Formen werden-Erbmassen technisch genützt als Steingut und Stein zeug. Jenes hat vor allem kunstgewerbliche Bedeutung Geschirre und ähnliches werden daraus hergestellt. Für technische Verwendung eignet es sich wenig, es ist sehr porös, die Glasur ist weich und bedeckt sich leicht über und über mit Haarrissen, chemisch ist es gar nicht widerstandsfähig. Dagegen ist das Steinzeug ganz ausgezeichnet verwendbar, eS hat eine Festigkeit, die der des Gußeisens ziemlich gleichkommt, die Glasur ist hart und widerstandsfähig, und chemisch ist eS fast unangreifbar. Gegen die stärksten Säuren ist eS unempfindlich, nur der Flußsäure vermag eS nicht zu widerstehen. DaS ist diejenige Säure, die man auch zum Glasätzen gebraucht, und ebenso wie das chemisch sonst völlig unverletzliche Glas greift sie auch den Ton an, weil sie die in ihm erhaltenen Siliziumbestandteile herauSlöst. Das ist aber auch der einzige schwache Punkt, den baS Steinzeug aufzuweisen hat. Diese Eigenschaften bedingen nun auch die Anwendung. Vor allem erweist sich Steinzeug für die chemische Industrie als nützlich. Säuren, Laugen und andere aggressive Stoffe lassen sich in eisernen Behältern «mm ausbewahreck. Die Rohrleitungen, durch die sie befördert werden, die Pumpen, die sie befördern, würden in kürzester Zeit unbrauchbar fein, ganj abgesehen davon, daß das aufgelöste Elfen oder Kupfer die Flüssigkeiten ja selbst betunreinigen würde. So muh beispielsweise die Schwefelsäure, die zur Füllung von Akkumulatoren dient, bis auf die letzte Spur frei von Eisen sein, weil sonst der Akkumulator schnell zu Grunde gehen wurde — eine Warnung für alle Besitzer von Radio-Akkumulatoren, beim Rachfüllen nie gewöhnliche Schwefelsäure zu verwenden, sondern immer nur Akkumulatorensäure! Man wird daher die Schwefelsäure bei wrer Herstellung noch nicht einmal in Rohrleitungen aus rostfreiem Stahl fordern, der heute wegen feiner hohen chemischen Widerstandsfähigkeit tchon häufig in der chemischen Industrie verwendet wird, sondern nur em vollständig eisenfreies und unangreifbares Material verwenden. Das ist eben das Steinzeug. Aber es greift auch auf andern Gebieten um sich, so z. B. in der e-testrotechnik. Hier dient es ost als Isolierkörper und verdrängt da fei« nen alteren und vornehmeren Bruder, das Porzellan. Natürlich nicht bei kleinen Stücken, etwa bei den Jsoliereiern bei Rundsunkantennen, Der um so mehr bei ganz großen Stücken- Die stark zunehmende Aus- eynung der 100000-Volt°Leitungen in Deutschland hat zur Folge, daß nit- Transformatoren und Schalter aufg:stellt werden, die Isolatoren ergroßten Formates erhalten. BiS vor einigen Jahren kam dafür ausschließlich Porzellan in Frage, obwohl man sich feinet Menge bewußt toar. Neuerdings ist eS den Verfechtern des Steinzeugs gelungen, ihr Material durch ausgiebiges Brennen und gutes Glasieren so zu vervoll- kommnen, daß es an Isolierfähigkeit den Wettbewerb mit dem Porzellan aushalten konnte. Da die großen Isolatoren sich aber auS Steinzeua schneller, besser und billiger Herstellen lassen, bevorzugt man sie heute. 3n ihrer roilich-braunen Farbe sind sie vom Porzellan leicht zu unter- scheiden, das meist weiß oder auch braun und grün gefärbt ist. <■ ?ei der Herstellung aller solchen Stücke nutzt man natürlich weidlich 6te Wertvolle Eigenschaft auS, die der Ton hat, seine Plastizität, die Ei- genschast, sich im rohen Zustande durch Zug, Druck ober Drehung in jede beliebige Form bringen zu lassen und sie auch beizubehalten. Uralte Handwerkskunst lebt von neuem auf, das Töpferhandwerk ist ja, wie die Gräberfunde zeigen, das älteste aller Handwerke, und fo wie vor Jahrtausen- den in Ton gearbeitet wurde, geschieht eS auch noch heute. Die Dreh- lwelbeist noch immer daS Haupiwerkzeug, und wenn der Töpfer in Ur, ^02 Jähre vor Christi Geburt, sie noch mit der Hand an treiben mußte unb keinen Elektromotor zur Verfügung hacke, so machte daS schließlich keinen wesentlichen Unterschied. Aber der Ton wird nicht nur geformt ober gebreht, sondern auch gegossen, unb bas hat man zu Ur in Mesopotamien sicherlich noch nicht gemacht. Dazu muß er mit soviel Wasser angemacht werben, baß er sahnig-flüssig wird. Auch sind dazu noch besondere VerflufsigungSmittel notwenbig, wie Soba, Wasserglas, Humus- faure afto jSo kann man z. B. Säureflaschen und Krüge Herstellen. Die Art uno Weise ist ganz originell. Die Gußform besteht aus Gips. In diese Form wird der verflüssigte Ton, Schlicker genannt, eingegoffen, solange bis ber Gips eine genugenb große Menge davon angezogen bat. Dann toirb ber Ueberschuß durch Umstülpen ber Form entleert, die Masse getrocknet unb nach Entfernen beS Gipses weiter dehanbelt. Natürlich geht das nur bei dünnwandigen Stücken. Braucht man aber eine Wand, die em paar Zentimeter stark ist, so muß man anders vorgehen. Dann setzt man in die äußere Gipsform eine innere ein, einen sog. Kern, unb zwischen beide wird dann der Schlicker gegossen. Dann dauert es freilich ziemlich lange, bis die Masse getrocknet ist und zuerst der Kern, später auch die äußere Form entfernt werden kann. Tat man. nun auf irgendeine Weise einen Tonkörper hergestellt, so muß er zunächst getrocknet werden, denn auch ber festeste Ton enthält noch ziemlich viel Wasser. Dabei zieht er sich zusammen, er „schwindet" unb wirb hornartig fest, kann aber jederzeit in Wasser wieder zu seiner vorigen Beschaffenheit gebracht werben. Dieser Trocknungsschwund ist nicht von allzu großer Bedeutung. Der getrocknete Tonkörper muß aber alsdann, um seine volle Festigkeit und chemische Beständigkeit zu erhalten, gebrannt werden, grabe wie bie weiche Porzellanmasse erst im Brennofen ihre Harte unb ihren beinahe metallischen Klang erhält. Beim Brennen sinbet nun ber eigentliche stärkste Schwunb statt, und das muß vorher sorgfältig berücksichtigt werden. Denn wenn man z. B. eine Säure- pumpe aus mehreren einzelnen Stücken zufammenfetzt, so würden sie ja fertig georannt, gar nicht zusammen passen, hätte man bei der Formung den spater auftretenden Schwund nicht sorgfältig in Rechnung gestellt. ®aS ist der große Nachteil gegenüber Metall, baS Beim Gießen nicht schwinbet und nach dem Guß sich durch Drehen, Hobeln und Fräsen leicht bearbeiten laßt. Das ist bei Steinzeug nun keineswegs der Fall. Indessen hat man, nachdem bie Technik in neuerer Zeit äußerst harte Schleif- mittel entwickelt hat, gelernt, bas Steinzeug durch Schleifen fertig zu bearbeiten. Man kann dadurch sogar Präzistonsherstellung bis auf Bruchteile eines Millimeters erzielen und so mit dem eigentlichen Maschinenbau in Wettbewerb treten. Im Brennofen hat bas Steinzeug auch eine Glasur erhalten, bie ihm ein/ schönes rötlich-braunes Aussehen verleiht: im Fertigstellungsprozeß wirb sie bann noch auf Hochglanz poliert. ileberbentt man sich bas geschilderte Herstellungsverfahren noch einmal, so ist nichts darunter, was nicht schon bei Herstellung urzeitlicher Töpfereien angetoenbet worben wäre, vom Schleifen auf genaue Paßform allenfalls abgesehen. So vollkommen war biefe Technik schon vor 5000 Jahren Wer heute in einer großen chemischen Fabrik ganze Batterien rotlich-brauner Säurepumpen aufgefahren sieht, der ahnt schwerlich, daß 5ieu CBeift>tete einer Technik sieht, die sich durch die ganze uns bekannte Menschheitsgeschichte unverändert gehalten hat. Heraklits beS Dunklen Wort: „Alles fließt" wirb hier zuschanben. Dunkle Blätter. Aus dem Taschenbuch eines deutschen Ingenieurs. Von Max E y t h. lFortjetzung.) Gegen Mitternacht des folgenden Tages tarn Said, mein Bruder, mit seinen dreißig Reitern ebenfalls aus Benha. Ich versteckte sie, fo gut es ging, in den Ställen und Schuppen des Landguts. Wir wußten, daß wir um unsre Köpfe spielten, denn es war sicher, daß der Vizekönig durch Kairo gefahren war. Ich hatte ein paar zuverlässige Fellachin dorthin geschickt. Sie berichteten, daß er mit großem Gefolge über die Esbekieh nach dem Bab et Nasir gezogen und gegen neun Uhr fränkischer Zeit in der Abbasiye angekommen sei. Zweifelnd berieten wir uns die ganze Nacht; die Fürstin, meine Mutter, wachte mit uns. Sie allein war ruhig. .Weshalkst, sprach sie, ,hat der Mameluck Rames die Augen geschlossen? Er ist tot.' Aber Hunderte hatten ihn durch Kairo fahren sehen; und er habe ihnen herablassender als gewöhnlich zugenickt, versicherten die Fellachin." Halim schwieg, und nun begann Raines wieder, tonlos in sich hinein- prechend, wie wenn er einen Traum erzählte: „Bei Gott, dem Allbarmherzigen, es war eine Fahrt! Ich war um zehn Uhr morgens wieder in Benha eingetroffen. Nur e i n Pferd in der ganzen Wett konnte dies tun: El Dogan! Niemand hatte nach den Ställen gesehen: so konnte ich unbeachtet wieder hineinschlüpfen. Aber es war die höchste Zeit. Zehn Minuten später suchte man nach mir: man rief die zwölf Leibmamelucken des Paschas zufammen. Zwei waren spurlos ver» schwanden: Hassan und Hussein. Nach ihnen wurde nicht gejucht; niemand schien sich über ihre Abwesenheit zu wundern. Auch zwei Pferde fehlten, aber auch nach den Tieren fragte niemand. Neber dem ganzen Hause lag es wie eine Betäubung. Die Mamelucken fanden sich in der Vorhalle vor dem Badezimmer zusammen. Wir warteten, ohne zu sprechen. Als die zehne vollzählig waren, traten Elfy Bey und der Ulema zu uns. Sie befahlen uns, das Glaubensbekenntnis dreimal zu wiederholen. Dann mußten wir beim gerecht strafenden, allwissenden Gott schwören, keinem sterblichen Menschen, keinem Tier, keinem toten Dinge, auch nicht einer dem andern zu sagen, was wir sehen werden. Der Ulema sprach die Worte vor. Jeder mußte sie nachsprechen. ,Und wer von euch eine Silbe verrät', sagte Elfy Bey zum Schluß, ,dem werde ich mit eigner Hand die Zunge ausreißen, und sein Leib soll vor der Moschee Sultan Hassans lebendig gepfählt werden. Das schwöre ich, Elfy Bey, beim einigen Gott.' Dann sagte er den andern, was ich wußte. Sechs von uns mußten ihn aus dem Bad heben — er war in Stücken — und die Stücke kleiden. Ich und die drei übrigen hatten die Staatskutsche Mohammed Alis aus dem Schuppen zu holen, säubern zu lassen und mit vier weißen Hengsten zu bespannen. Dann wurde das ganze Gefolge benachrichtigt, daß der Pascha um die siebente Stunde aufbrechen werde, um nach der Abbasiye zu fahren. Ich hatte die Kutsche an das Harimstor zu bringen. Während ich sodann meine eignen Sachen zusammenraffte und sechs Pferde satteln ließ — El Dogan für mich —, hatten sie ihn hineingesetzt, aufrecht, in prächtigem Staatskleid, den Turban mit einem Schleier bedeckt, einen reichgestickten Sitarn* nach Beduinenart über den unteren Teil des Gesichts gebunden, als wollte er sich vor dem Staub schützen. Neben ihm saß der Ulema und stützte ihn, auf dem Vordersitze Elfy Bey und sein getreuer Freund, der oberste der Eunuchen, der ihn hielt, wenn er bei einem Stoß des Wagens noch vorn fallen wollte. Zwei von uns faßen auf dem Kutschbock, zwei standen hinten, nach französischer Art, auf dem Brett für die Diener. Die sechs Berittenen umgaben den Wagen. So zogen wir aus. In den Dörfern, durch die wir kamen, standen die Fellachin, segneten den Propheten und begrüßten den Herrn, dessen Wink für sie Leben uni) Tod war--gewesen war. Und so ging es um di« erste Stunde der Nacht durch Kairo. Auch hier grüßte uns die hundertköpfige Menge lautlos, wie es Sitte ist, und sah ihren Herrscher schwankend zwischen seinen Begleitern, todbleich trotz des roten Scheins der Fackeln, die wir, wie gewöhnlich bei seinen Nachtfahrten, neben dem Wagen hertrugen. Die Stille war ehrfurchtsvoller, schwüler als sonst. Es war, als ob sie ahnten, was sie sahen. Doch ging alles gut. Er ist krank, sagten sie sich; keiner merkte die Wahrheit. Als wir das Bab el Nasir hinter uns hatten und in der Wüste wieder langsam durch den tiefen Sand fuhren, pries der Ulema Gott und ließ den Pascha fallen. Elfy wurde grob, nach Soldatenart, schimpfte den alten Herrn kräftig und richtete die Leiche wieder auf. Ich habe das selbst gesehen. Das geschah aber alles, um Zeit zu gewinnen. Il Hami, den der Ulema ,mein Söhnchen' nannte, obgleich er schon ein großer Junge war, befand sich in Damiette. Man hatte ihn wegen seiner schwachen Gesundheit nach Syrien schicken wollen. Er sollte nun so rasch wie möglich nach Kairo zurückgebracht werden, um dort auf der Zitadelle den Truppen und sodann in der Stadt dem Volke als ihr neuer Vizekönig gezeigt zu werden. Alles übrige wollte Elfy besorgen, der schon als Knabe geholfen hatte, die Mameluckensürsten des großen Paschas abzuschlachten. Er hätte sich jetzt ebensowenig gescheut, die Hand an seine Söhne zu legen, wenn es Gott zugelassen hatte. Gelang der Plan, so waren er und seine Freunde Herren von Aegypten, solange es ihnen beliebte und sie das Kind in Händen hatten. In Kairo verliefen die folgenden zwei Tage wie jeder andre. Man war es gewohnt und zufrieden, wenn sich der Vizekönig, wie er es häufig tat, Wochen lang in der Abbasiye begrub. So kamen friedliche Tage für jedermann, und die Händler und Gewerbsleute, die Soldaten und die Ulemas taten, was ihnen gut dünkte. Niemand ahnte diesmal, daß kein Herr im Lande war." „Gegen Abend des zweiten Tages verlieh mich die Geduld", fiel Halim Pascha ein, wie wenn ihm Rames Bey zu langsam erzählte. „Auch war es unmöglich, Said und seine Reiter länger zu verstecken. Der Astrologe Soliman den Aschraf war halb tot und fast verhungert von meinen Leuten am Nilufer gefunden worden. Er war, wie alles andre, auf dem Wege von Benha nach Kairo, um sich zu verbergen. Denn der alte Spitzbube hatte manches auf dem Gewissen, das er nur tragen konnte, solange sein Herr lebte. Ich ließ ihm zu essen und zu trinken geben, und als er wieder sprechen konnte, wollte er mir etliches aus den Sternen weissagen. Ich nahm ihn aber bei den Ohren und wußte bald mehr, als mir die Sterne sagen konnten. Meine Mutter hatte recht gehabt. Rames hatte nicht gelogen. Ich schickte im Namen des Vizekönigs einen Befehl an den Gouverneur der Zitadelle: um Mitternacht das Tor El Affab für den Herrn Aegyptens zu öffnen. In jener Nacht ritt sodann mein Bruder Said als Vizekönig in die alte Burg ein und ließ am frühen Morgen die Geschütze gegen die Abbasiye und gegen die Kasernen in der Stadt richten. Es war eine unnötige Vorsicht. In derselben Nacht war Prinz II Hami aus Damiette zurückgekommen, und schon am frühen Morgen stand der Ulema vor dem Tor der Zitadelle und begehrte Einlaß im Namen des Vizekönigs. Man holte Said, und Said empfing den frommen Mann. Der Pascha, mein Bruder, erzählte mir nachher oft, wie er ihn ehrerbietig begrüßt und selbst in den Audienzsaal hineinkomplimentiert habe. Mit entsetztem Erstaunen habe sich der unglückliche Schriftgelehrte niedergelassen und die niedlichste Kaffeefchale auf dem Boden zerbrochen, so habe er gezittert. Doch Said, der zu jener Zeit ein freundliches und fröhliches Herz hatte, das nichts verstimmen konnte, lachte ihn aus und schickte ihn mit abgeschnittenem * Litam heißt das Tuch, mit dem die Beduinen sich den unteren Teil des Gesichtes verhüllen, um es vor der Sonne zu schützen. Verantwortlich: Dr. Hans Thyrivt. — Druck und Verlag: Brühl Bark zu Elfy Bey zuruck, dem er sagen ließ: er möge sich beruhigen- das Spiel fei ausaespielt. Eine Stunde später erschoß sich der Kriegsminister. Er war kein Moslim, der sich beugt, wenn Gottes Hand ihn niederdrückt. Und auch der Ulema starb aus Gram. Er konnte den ab geschnittenen Bart nicht verschmerzen, obgleich ihn Said zu trösten suchte und ihn bei jeder Begegnung auf den Willen Gottes hinwies, der die Bärte abschneidet, wem er will. »Und El Dogan hast du vergessen?" fragte Rames Bey in vorwurss- vollem Ton, als Halim schwieg und sich behaglich in seine Kissen zurück- lchnte. „Und dich, o Mamelmk der Mamelucken!" lachte der Prinz. „Du hast recht. Die Geschichte ist noch nicht zu Ende. Sobald die Pistole Elfys aus- geraucht hatte, saß der Unglücksrabe wieder auf seinem Liebling und jagte nach Schubra. Ich nahm sie auf, wie sie es verdienten, Pferd und Reiter, und solange sie leben, sollen sie unter meinem Dache wohnen, was auch kommen mag. Rames Bey hat mir dieses Versprechen bezahlt, als er mich vor sechs Jahren bei Kassr-Seyat mitten aus meinen ertrinkenden Vettern und Brüdern heraussischle. El Dogan — ja, Herr Eyth, das ist eine kuriose Geschichte — bezahlt es täglich, heute noch." „Wie habe ich das zu verstehen, Hoheit?" fragte ich. „Sie werden lachen; manchmal lache ich selbst. — Ich ritt das Pferd in jener unruhigen Woche zum erstenmal. Wahrhaftig, es ist die Perle der Koschlanis! Ich ritt mit meinem ganzen Hofe zur Zitadelle, um Said als meinen Herrn zu begrüßen. Er war wie ein großes Kind, voll guter Wünsche für uns alle, voll schöner Vorsätze für das Land, und wir freuten uns mit ihm. Man konnte wieder aufatmen. Als ich abends zurückkehrte und an der Moschee von Sultan Hassan vorüberritt, saß dort ein Bettler, ein verlumpter Derwisch. Er lief herbei und küßte meinen Steigbügel. Ich warf ihm ein Geldstück zu; er segnete El Dogan und sprach: ,Du reitest auf dem Pferde deines Glücks, o Pascha, Sohn des großen Paschas! mein Herr! Und du, o Dogan, trägst das Glück des Volks und den Segen der Zukunft.' ,Woher weißt du feinen Namen, o Derwisch?' fragte ich verwundert. Ich liebe das Derwischgeschwätz nicht allzusehr. ,Weißt du nicht, daß die Sterne sprechen?' antwortete er. Da erkannte ich Abbas Paschas Astrologen und wollte ihm einen Tritt geben. Der Spitzbube hätte ihn reichlich verdient. .Trete den Wurm nicht, o Fürst, der im Staube liegt', sagte er, nach dem er sich mit großer Behendigkeit durch einen Sprung aus dem Bereich meines Steigbügels gestellt hatte. ,Und pflege El Dogan, hüte El Dogan! er trägt dein Glück und dein Leben!' Es war der Unsinn eines Narren. Allein — que voulez-vous? — ich ritt nachdenklicher, als ich gekommen war, nach Schubra zurück." „Und du weißt jetzt, o Bafchmahandi, was du getan hast", sagte Rames Bey. Wären wir zu Berlin gesessen Unter den Linden, oder zu Paris auf dem Boulevard des Italiens, fast denselben Sternenhiminel über uns, so hätte ich gedacht: ,Jch weiß, daß ihr alle arme, abergläubische Narren seid, die sich von Bettlern regieren lassen!' Hier aber fühlte ich den Gedanken nur wie aus weiter Ferne und wie einen unangenehmen Mihton. Halims Augen, die, während er erzählte, meist halb geschlossen und wie verschleiert gewesen waren, sahen wieder klar und munter in den vollen Mond hinauf, auf dem man Berge und Täler unterscheiden konnte, wie auf einer guten Landkarte. Ein feines Lächeln spielte um seinen Mund, die Ironie des Mannes, der seine eignen Schwächen liebt und verspottet. Dann sah er auf die Uhr. „Jetzt ist es geschehen, Herr Eyth, wenn unsre Schriftgelehrten die Wahrheit sagen. Jetzt hat Allah mit eigner Hand den Baum des Lebens geschüttelt, und mein Blatt, oder das Ihre, oder Rames Beys oder alle drei sind zur Erde geflattert. Dann war dies unsre letzte Nacht des Nuß min Schaabcm. Möchten Sie nicht unter dem Baume suchen? Jetzt zählt er die Blätter. Allah ist rasch im Zusammenrechnen. Sie lachen?" „Ich lache nicht, Hoheit", sagte ich. „Die Poesie des Todes ist nicht zum Lachen, welche Form sie auch annimmt." „Und die Wirklichkeit des Lebens auch nicht, die stündlich so nah am Tode vorbeistreift", sagt« er. „In solchen Nächten packt uns der Kinderglaube. Sie haben auch den Ihren, denke ich mir. Uebrigens — es ist Zeit! — gehen wir schlafen!" Wir standen auf. Die Mamelucken stürzten herbei, um Rauchzeug und Kissen wegzutragen. Ein kurzes „Gute Nacht", eine Verbeugung orientalischen Stils, bei der ich mir diesmal besondere Mühe gab, — dann ging ich zu meinem Zelt. • Unter der aufgeschlagenen Zelttüre blieb ich noch kurze Zeit stehen und sah mich um. Das Bild der einsamen, mondstrahlenden Nacht wollte mich nicht loslassen. Ich sah Rames Bey, der zwölf Schritte von Hakims Zelt einen kleinen Teppich sorgfältig auf den Boden breitete und dann verschwand. Nach einigen Minuten trat Halim aus seinem Zett auf den Teppich zu. Er ging in Strümpfen und hatte den Stambulrock abgelegt. So betrat er den Teppich und stand feierlich, die Daumen der offenen Hände an die Ohren haltend, gegen Osten gewendet. Es war kein Zweifel: Halim Pascha tat, was ich ihn in Schubra nie hatte tun sehen: er betete. Scheinbar allein in der Welt ging er durch die eigentümlichen Zeremonien des Esche (des Nachtgebets), sich verbeugend, auf den Knien liegend, den Teppich mit der Stirn berührend, dann wieder aufstehend und zum zweitenmal den Kopf bis zur Erde beugend, alles mit der ruhigen, sanften Feierlichkeit, die aus dem betenden Araber ein Bild des Friedens und der Ergebung macht. Die halbeuropäische Tracht trug allerdings nicht dazu bei, diesen Eindruck zu verstärken. Aber sie störte kaum. w war, als ob die ganze Natur mit der betenden Gestalt verschmelzen wollte und sie heiligte. ________________________________(Fortsetzung folgt.)________________ _ -j sch« Univerf iläts--Buch- und Steindruckeref, S. Lang«, ®ie6en-