SiehenerZaMenbMer Unterhaltungsbeilage zum Gießener Anzeiger Jahrgang {930 Montag, den 12. Mai Nummer 57 rden wir des Ver« • wie ife er daß wegs viel- ), das 1 *** ingen, kehrte, a. Sie a war fo ein :(e der eicfjnct ich den dungs- chmuck- if, uni lüstern. t. > ihres -den in iuf der leiden- irrbare le seine machen. Helserin weinte n; auch n, nicht Jung' !N Tod lust de- Pistole e Kerze Augen Händen an ein anownn iisawetn liege zn - sürchte ;ch * e einen Weisung- risawet« liehen. An die Geliebte. Bon Eduard M ö r i k e. Wenn ich, von deinem Anschaun tief gestillt, Mich stumm an deinem heil'gen Wert vergnüge, Dann hör ich recht die leisen Atemzüge Des Engels, welcher sich in dir verhüllt, Und ein erstaunt, ein fragend Lächeln quillt Auf meinem Mund, ob mich kein Traum betrüge, Daß nun in dir, zu ewiger Genüge, Mein kühnster Wunsch, mein einz'ger, sich erfüllt? Von Tiefe dann zu Tiefen stürzt mein Sinn, Ich höre aus der Gottheit nächtiger Ferne Die Quellen des Geschicks melodisch rauschen. Betäubt kehr ich den Blick nach oben hin, Zum Himmel auf — da lächeln alle Sterne; Ich knie, ihrem Lichtgesang zu lauschen. Tagebuchblatt. Fragment aus einem unvollendeten Roman. Von Hermann Hesse. Vorgestern war der wichtigste Tag meines Lebens. Da habe ich zum ersten Mal etwas erlebt und zu spüren bekommen, was ich vorher gar nicht kannte und wovon mir doch jetzt scheint, ich habe es immer und immer gesucht und geahnt, mein Leben lang. Es hängt mit den Träumen zusammen. Diese hatten mich ja schon immer beschäftigt, und oft war ich erstaunt und traurig darüber, wie flüchtig Träume sind, wie schnell sie am Morgen vergehen, wie schüchtern sie vor der leisesten Berührung mit der Vernunft davonlaufen. Wie oft, wie unendlich ost in meinem Leben bin ich in meinem Bett erwacht und hakte ein neues Gefühl in mir, etwas Schones, Anderes, unbeschreiblich Neues, Zartes, Liebes, Seltsames, Witziges! Zwischen mir und der ganzen Welt schien eine neue Beziehung aufgegangen zu sein, ein neuer Sinn schien mir geworden, der die Wahrnehmungen meiner alten, gewöhnlichen Sinne ganz neu verband, bestätigte und auch veränderte. Ein Blinder, der an einer Rose riecht und sie betastet, und dem nun plötzlich die Augen aufgehen und zum erstenmal zum Getasteten und Gerochenen auch noch das sichtbare Bild der Blume zu eigen wird, der müßte Aehn- liches empsinden. Ich hatte zum Gesicht, zum Tastsinn, zum Gehör, Geruch und Geschmack noch einen weiteren Sinn, ein weiteres Fühl- und Wahrnehmungsvermögen empfunden, oder erfunden! Wenn ich mich dann besann, so fiel mir ost ein Traum ein, den ich in der Nacht gehabt. Ich hatte fliegen können. Ich hatte eine Geliebte gehabt, die ich zu mir her ziehen und rufen konnte, ohne einen Ton oder Wink, nur durch meine Wunschkraft: zart und gefügig folgte sie jeder Regung meiner Seele. Oder ich hatte Luft trinken.können wie Wein, oder in Wasser atmen wie in Lust. Mit dem Gedächtnis an den Traum leuchtete dann immer die neue Empfindung nochmals innig und verlockend auf, schon mit dem wehmütigen Glanz des Abschiednehmenden und Unwiederbringlichen. Dann kamen die Gedanken hinterher, das völlige Erwachen und Bewußtwerden, und der Traum und fein Glück wurde ferner und unwirklicher, und wenn ich aus dem Bette stieg, war beinahe alles schon wieder weg und verloren, und nichts blieb mir zurück als ein leises und banges Gefühl von Verlust und Bestohlensein, gemischt mit einem Gesühl, das ähnlich schmeckte wie schlechtes Gewissen — so als hätte ich etwas Dummes getan, als hätte ich mich selber geschädigt und betrogen. Manchmal dachte ich dann, eben das Träumen sei es, das man als Selbstbetrug anklagcn und abtun müsse. Es war aber umgekehrt: das Traumen war das Wertvolle, und das Abtun, Richten und Verwerfen il5 Traumes war der Unsinn, war die Schädigung. Einige Male war ich Ichon ganz, ganz nahe bei dieser Erkenntnis, sühlte sie schon wie einen Wangenen Vogel mir in der Hand flattern, und verlor sie wieder, und , w" traurig und verarmt zurück. — Jetzt aber halte ich sie in Händen, neme neue Erkenntnis, oder Erfahrung, oder wie man es nennen mag. * ...Was ich für mich allein dachte und spann, ist wohl nicht des Er- sJ,,Hns wert. Aber je älter ich wurde, und je schaler die kleinen Befrie- m?,Un«cn m'r schmeckten, die ich in meinem Leben sand, desto mehr wurde x Aar, wo ich die Quelle der Freuden und des Lebens suchen müsse. Ich erfuhr, daß Geliebtwerden nichts ist, Lieben aber alles, und mehr und mehr meinte ich zu sehen, daß das, was unser Dasein wertvoll und lustvoll macht, nichts andres ist als unser Fühlen und Empfinden. Wo irgend ich etwas auf Erden sah, das man „Glück" nennen konnte, da bestand es aus Empfindungen. Geld war nichts, Macht war nichts. Man sah viele, die beides hatten und elend waren. Auch die Gesundheit wog nicht so schwer; jeder war so gesund, als er sich fühlte, mancher Kranke blühte bis kurz vor dem Ende vor Lebenslust, und mancher Gesunde welkte angstvoll in Furcht vor Leiden hin. Glück aber war überall da, wo ein Mensch starke Gefühle hatte und ihnen lebte, sie nicht vertrieb und vergewaltigte, sondern pflegte und genoß. Schönheit beglückte nicht den, der sie besah, sondern den, der sie lieben und anbeten konnte. Es gab vielerlei Gfühle, scheinbar, aber im Grunde waren sie alle eins. Man kann alles Gefühl Willen nennen, oder wie immer man es bezeichnen mag. Ich nenne es Liebe. Glück ist Liebe, nichts anderes. Wer lieben kann, ist glücklich. Jede Bewegung unserer Seele, in der sie sich selber empfindet und ihr Leben spürt, ist Liebe. Glücklich ist also der, der viel zu lieben vermag. Lieben aber und Begehren ist nicht ganz dasselbe. Liebe ist: weise gewordene Begierde. Liebe will nicht besitzen; sie will nur lieben. Darum war auch der Philosoph glücklich, der seine Liebe zur Welt in einem Netz von Gedanken wiegte, der immer und immer neu die Welt mit seinem Liebesnetz umspann. Aber ich war kein Philosoph. Auf den Wegen der Moral und Tugend war für mich kein Glück zu holen. Da ich wußte: glücklich machen kann nur die Tugend, die ich in mir selbst empfinde, in mir selbst erfinde und hege — wie konnte ich da irgendeine fremde Tugend mir aneignen wollen?! Aber das sah ich: das Gebot der Liebe, einerlei, ob es von Jesus oder von Goethe gelehrt wurde, dies Gebot wurde von der Welt völlig mißverstandenl Es war überhaupt kein „Gebot". Es gibt überhaupt keine Gebote. Gebote sind Wahrheiten, wie der Erkennende sie dem Nichterkennenden mitteilt, wie der Nichterkennende sie auffaßt und empfindet. Gebote sind irrtümlich aufgefaßte Wahrheiten. Der Grund aller Weisheit ist: Glück kommt nur durch Liebe. Sage ich nun „Liebe deinen Nächsten!", so ist das schon eine verfälschte Lehre. Es wäre vielleicht richtiger zu sagen: „Liebe dich selbst so wie deinen Nächsten!" Und es war vielleicht der Urfehler, daß man immer beim „Nächsten" anfangen wollte. Jedenfalls: Das Innerste in uns begehrt Glück, begehrt einen, wohltuenden Zusammenklang mit dem, was außer uns ist. Dieser Klang wird gestört, sobald unser Verhältnis zu irgendeinem Ding ein andres ist als Liebe. Es gibt keine Pflicht des Liebens, es gibt nur eine Pflicht des Glücklichseins. Dazu allein find wir auf der Welt. Und mit aller Pflicht und aller Moral und allen Geboten macht man einander selten glücklich, weil man sich selbst damit nicht glücklich macht. Wenn der Mensch „gut" fein kann, jo kann er es nur, wenn er glücklich ist, wenn er Harmonie in sich hat. Also wenn er liebt. Und das Unglück in der Welt, und das Unglück bei mir selbst tarn also daher, daß das Lieben gestört war. Von hier aus wurden mir die Sprüche im Neuen Testament plötzlich wahr und tief: „So ihr nicht werdet wie die Kinder" oder „Das Himmelreich ist inwendig in euch." Dies war die Lehre, die einzige Lehre in der Welt. Dies sagte des Menschen eigenstes Inneres: feine Seele, feine Liebesfähigkeit. Ist die in Ordnung, fo mag man Hirse oder Kuchen essen, Lumpen oder Juwelen tragen, dann klang die Welt mit der Seele rein zusammen, war gut, war in Ordnung. Nichts vermag der Mensch so zu lieben wie sich selbst. Nichts vermag der Mensch so zu fürchten wie sich selbst. So entstand zugleich mit den anderen Mythologien, Geboten und Religionen des primitiven Menschen auch jenes seltsame Uebertragung- und Scheinsystem, nach welchem die Liebe des einzelnen zu sich selber dem Menschen für verboten galt und verheimlicht, verborgen, maskiert werden mußte. Einen andern zu lieben, galt für besser, für sittlicher, für edler, als sich selbst zu lieben. Und da die Eigenliebe nun doch einmal der Urtrieb war und die Nächstenliebe neben ihr niemals fo recht gedeihen konnte, erfand man sich eine maskierte, erhöhte, stilisierte Selbstliebe, in Form einer Art von Nächstenliebe auf Gegenseitigkeit. So wurde die Familie, der Stamm, das Dorf, die Religionsgemeinschaft, das Volk, die Nation zum Heiligtum. Der Mensch der sich selbst zuliebe nicht das kleinste Sittengebot übertreten darf — für die Gemeinschaft, für Volk und Vaterland darf er alles tun, auch das Furchtbarste, und jeder sonst verpönte Trieb wird hier zu Pflicht und Heldentum. Solche Erkenntnisse kommen langsam, man windet sich zu ihnen in Spiralen hinan. Und wenn sie da sind, so ist es, als habe man sie im Sprung, im Nu erreicht. Mer Erkenntnisse sind noch nicht Leben. Sie sind nur ein Weg dazu, und mancher bleibt ewig auf dem Wege. Auch ich ahnte den Weg, glaubte ihn bestimmt zu wissen, und kam doch nie so recht vorwärts auf ihm. nie vergessen. . Für sein Orchester sorgte Hermann Levi wie ein Vater für seine Kinder. Alte und junge Mitglieder erkannten das dankbar an und waren ihm aufs innigste zugetan. Mit Sängern und Sängerinnen stand er auf dem freundlichsten Fuh. Jedermann rühmte feine Unparteilichkeit. Vor allem aber genoß er das volle Vertrauen feines Chefs, des Generalintendanten v. Perfall. 1877 hatte Franz Wüllner feine Entlassung als Hofkapellmeister in München gefordert. Es liegt mir ein Brief Hermann Levis an meinen Vater vor, datiert vom 4. September 1877 aus Alexandersbad. Darin spricht er sich über sein Verhältnis zu Wüllner aus wie folgt: „Alles in allem tut es mir sehr leid, daß ich Wüllner verliere. Daß er sich in seinem Verhältnis zu mir nicht wohl fühlen konnte, da er vor meinem Eintritt erster und alleiniger, nach demselben zweiter Kapellmeister am Theater war, begreife ich sehr wohl. Ich aber hatte niemals Grund, eine Aende- rung zu wünschen. Unser.persönliches Verhältnis war auch immer das beste. Hätte der Intendant mir gefolgt, so wäre Wüllner gehalten worden — es bedurfte dazu nur einer äußeren Anerkennung feiner wirklich großen Verdienste um die Kapelle und die Musikschule. Daß man ihm, wie ich heute in der Allgemeinen Zeitung lese, als einzigen Lohn das Recht gegeben hat, den Titel eines königlichen Professors weiter zu führen, finde ich sehr unrecht. Einen so eminenten Musiker und so durchaus anständigen Menschen werde ich schwerlich zum Kollegen jemals wiederfinden." — Wenn die Freunde Levis sein feines Empfinden, feine unbedingte Gewissenhaftigkeit fchätzten, so bewunderten sie nicht minder seine hohe Geistesbildung und seine kluge, temperamentvolle Art, sich mit allem, was seinen Jnteressenkreis berührte, auseinanderzusetzen. Die Schrist- ... ... „ . ffifer und Mikmut Glauben und i steiler teilte er wie Schopenhauer in Sternschnuppen, Planeten und Fix, Es . gab Fortschritte und Rückschritte, Eifer und Mißmui, Lrne 2tls girftern, der sein eigenes Licht spendet und von einer Zeit Enttäuschung. Und,vermutlich wwd es 'mmer geben^ mir '^r anderen wirkt, galt ihm Goethe. Durch Goethe gelangte er zu Jetzt bin ich einen Schritt we'kr eit vorgestern, 1t e ^ner inneren Freiheit, die der Meister feinen Lungern verheißt. Seine zum erstenmal gegluckt, etaras festzuhalten, was | I T I Goethe-Bibliothek war eine Sehenswürdigkeit, insbesondere befaß er Flucht war etwas eine Wecke zu eigen zu haben, was ich sonst nur ^°eche^wiw^ye^war^ ^^Erächtliche Summen opferte. Kant wie einen fernen Goldvogel sliegen,sah. erstenmal den hatte er mit heißem Bemühen studiert, Schopenhauer war sein StfÄL.. L «£.” Vag“ Ä Zähigkeiten die man onst im Wachen nicht da. G(bi mir jch über Lebensdauer oder Werke vergangener Zeiten etwas erfahren . 2ch ^rde mich hüten das zu ergteaSi« e^e m mre a) mir in bcr Literatur G ° e d e k e s Grundriß vollständig. WÄ Ä Ge- Auch mit Emerson (über den wir unsere Gedanken ausgetauscht S unh Tink* au befdimuhen 9 3 ' hatten) vermag ich nichts anzusangen. Seitdem ich Schopenhauer kenne, sanken, Worten und TmteM jch tz • g - wünsche, I den ich als meinen größten Wohltäter verehre, und Kant, kommen mir Aber das Crlebnw M w geftern uno oeutc. mun^^ j Philosophen dieses Jahrhunderts wie Schwätzer vor. Nur -°ch «... 6-, -6» Mch, »-6 werden soll mir gehören und zur Selbstverständlichkeit werden. In 1 als Philosoph ist. “*• '3I"»1 ä.Ä»TetiS ßrinnerungen an «Senerelmufitoirettor Hermann Levi. '»<’Ä Von Alfred Bock. I werke ihn mit wachsender Bewunderung erfüllten. In der mustergültigen Am 13 Mai sind 30 Jahre verflossen, feit Hermann Levi aus dem Vorführung der Musikdramen Wagners erkannte er fortan seine Lebens- LL»»ÄS’«ÄäSVS t 'Ä ÄM In die^ Tagen war es daß ich wieder einmal die Briefe zur Hand er sich nicht sehr geneigt; den Allerneusten stand er, wie fast alle alten nahm tüe Hermann Levi an meinen Vater und an mich gerichtet hat. Wagnerianer, ohne Verständnis gegenüber. Wenn man ihm vorhie t. Sie sind um ein Goethesches Wort zu gebrauchen, „der getreue Abdruck I warum er keine neuen Erscheinungen ins Repertoire der Münchener seines Innern" höchst wertvolle Dokumente zur Kenntnis seiner mensch- Hosoper einstellte, sagte er, man solle ihm nur gute nennen, er tenne liehen und künstlerischen Erscheinung. Das Bild des berühmten Diri- I leine. Für Corneliu s dagegen setzte er {eine Kraft ein, auch sur a^ten in all seinen großen und kleinen Zügen sestzuhalten, bleibe I Bruckner, „weil er große schone Themen erfinden könne . Mit Bulow seinem künftigen Biographen überlassen, lediglich als Material zur I teilte er die Vorliebe für das Französische Daher dirigierte er bei dm Lebensbeschreibung wolle man die nachsolgenden Mitteilungen betrachten. I Festspielen in Gotha Boieldieu und führte Gwendollne von £ Sl, snnnnuns »» fltrmam toi 6««ldlet mich 61s in m-in- ,-üh-Ii- $».«»-r «uL®e!”Ä“e,„^^8 SoÄS'"'SlflnrS'Äle? Su&dt ->» nLii.-mVi.-nh-»- m-,<- ein -ft gft* Ä® Ä Ä W ÄÄ "''ÄÄS«» Sk - ••»<’ - - IS.Tmil'“ Si"ÄSS.2M-" toS’lS' SdU l» ««..rg-.Wi*»ll. "ung^ seine musikalische Ausbildung zu vollenden. Im Gewandhaus diri- Frage, warum m Bayreuth einjunger^nochmcht dm gieren alerte er in Gegenwart des Königs von Sachsen die beiden ersten Satze könne, antwortete er, dem „fehle die Brust für ^en großen eippar ÄrSnMSt»“ Ä SÄ? S LLiI^ünkL ^ßal^M ^"Klharmonie nach Rotterdam und Karlsruhe sind genugsam bekannt. Bei seinem Abschieds- I Bülow der größte Erfolg als Dirigent beschießen. konzert in der badischen Hauptstadt wirkten Klara S ch u m a n n und Die Zahl seiner Kompositionen ist gering, indessen offenbaren |M Stockhausen mit. In Gegenwart des Komponisten führte er I Klavierkonzert, fein Streichguartett, eine Kantate und mele ftimmung^ Brahms .Halleluja" auf. Devrient tat damals den Ausspruch, I »olle Lieder entschiedenes Talent. „Zu Kapellmeisterkompofitionen , psleg« erst Hermann Levi habe den Karlsruhern den wahren Geist unserer | er jn feiner Bescheidenheit zu sagen, „habe ich weder Zeit noch Neigung, musikalischen Meisterwerke erschlossen. I Wenige Jahre vor seinem Tode beschäftigte Levi die Herausgab! 1870 folgte Levi als Sanitätsmann dem deutschen Heer aus den ber Ggetheschen Novellen. Wir wechselten darüber eine Reihe von w Kriegsschauplatz. In Nancy half er das große Lazarett errichten, das . ßeDf nahm es sehr genau mit seiner Arbeit, dabei war er fein» deutsche und französische Verwundete aufnehmen sollte. Nach einer viel- I ' •€iaenfmniq, sondern wohlgemeinten Ratschlägen zugänglich. « wöchigen aufopfernden Tätigkeit kehrte er nach Deutschland zuruck. | schrieb ihm er möge eine Volksausgabe veranstalten, worauf er ew 1871 erging an Hermann Levi die Aufforderung, in München „Rhein- I eine Volksausgabe möchte ich erst dann bringen, wenn sich «» gold" und „Walküre" einzustudieren und zu dirigieren. Da bte ge- Vedürsnis hierzu herausgestellt hat. Einmal sind die Sachen Kaviar saf planten Aufführungen Richard Wagners Absichten zuwiderllesen, gab I . $'o(f unb bann baffe ich schlechtes Papier und engen Druck. Ich W Levi einen ablehnenden Bescheid. Der Meister hat ihm diese Delikatesse | ben Verleger im Gegenteil um eine sehr gute Ausgabe, etwa m M Form der neuen Weimarer, ersucht und Thoma gebeten, mir ein Dl- bild zu zeichnen. Mit der Arbeit bilde ich mir ein, einem allgemein Bedürfnis entgegenzukommen, denn selbst gewiegte Goethe-Kenner wi oft nicht anzugeben, wo diese und jene Novelle steht, und» die Geschichten sind nicht nach Gebühr gekannt und geschätzt. Natürlich u»« auch einige kleine Aenderungen und Zusammenziehungen notig, id) aber selbst vor den Augen der Auguren des Goethe-Archivs mit Ehren bestehen." Das Buch ist 1900 unter dem Titel „Gesammelte Erzählung-» und Märchen von Goethe" bei Cotta erschienen. An einem milden Herbstabend roars, daß Hermann Levi zumi leijW mal bei mir Einkehr hielt. Jch wußte, daß ein schweres Herzleiden Sehen bedrohte, und fand ihn sehr gealtert. Wir nahmen au uns Veranda Platz, den Blick dem Garten zugewandt, in dem noch Astern" Levkoien blühten. Schon begann das Laub sich rot zu färben, uno Wege waren mit welken Blättern bestreut. Ueber der Natur tag « schwermutvolle Stille. Mich befiel ein seltsames Bangen. Lem aber heiter und wohlgemut, es währte nicht lange, so hatte seine gute o meine trüben Gedanken verscheucht. Er dachte nicht an sein nahes und sprach von der Zukunft wie ein Mann, der in der glücklichen js ist, sich fein Geben nach seiner Neigung und seinem vollen -vey.^ gestalten zu können. Er hatte ein spätes Eheglück gefunden, hatte k » Partenkirchen ein Tuskukum gebaut. Wahrlich, ihm war's zu gvmien, - ihm die Parze noch einen langen Lebensfaden spann. Die die in ewigen Händen halten, hatten es anders beschlossen. Ms er 1V abschiedet hatte, blinkte mir etwas vom Boden entgegen. Ich »umi° nieder und sand einen Knopf, auf dem der Name eines bekannten chenek Kleiderkünstlers eingraviert war. Kein Zweifel, Herman gegrüßt, Herr Rat! Swedenborg. hatte den Kopf verloren. Den übersandte ich ihm am selben Abend mit folgendem Gedicht: An Hermann Levi (als er einen Knopf bei mir verlor). Tief hatte sich ins Gemüt gesenkt Die Stunde, die du mir huldreich geschenkt. Und da du mich — nur zu schnell — verlassen, Schien rings der Tag mir zu verblassen. Da glänzt's im farbenprächtigen Spiele Entgegen mir von der blanken Diele, O Himmel! ein Strahl deiner Wesenheit! Ach nein, nur ein Knopf von deinem Kleid. Traun, wie das boshafte Lumpen-Objekt Die Großen und die Kleinen neckt. Ehrfürchtig schau ich das Knöpflein an: Behalt' ich's wohl als Talisman, Soll ich's in künftigen Lebenslagen Als Amulett verborgen tragen? Die Gabe scheint mir wunderbegehrlich, Und doch, ich bin im Grunde zu ehrlich. Schon faßt mich das Gewissen beim Schopf: Du stiehlst dem Meister den vierten Knopf, Bei so bedenklicher Hosenschwankung Droht ihm Verstimmung, vielleicht Erkrankung! Ich lege daher mit feuchtem Blick Das Kleinod in.deine Hände zurück. Eins weiß ich nun zu jeglicher Frist — Der Knopf verriet's, wer dein Schneider ist! Hermann Levi dankte sogleich mit einem scherzhaften Briefchen. Am anderen Morgen reiste er ab. Ich hab' ihn nicht mehr wieder gesehen. Drei Tage nach der verhängnisvollen Nacht um neun Uhr morgens nahm Hermann die Richtung zum Kloster von ***, wo das Totenamt für die verstorbene Gräfin stattsinden sollte. Wenn er auch keine Reue fühlte, so konnte er doch nicht ganz die Stimme des Gewissens ersticken, die ihm immer dasselbe wiederholte: Du bist der Mörder der Greisin. Er hatte nicht den wahren Glauben, war dafür abergläubisch. So glaubte er, daß die tote Gräfin einen schädlichen Einfluß auf sein Leben haben könnte, und darum entschloß er sich , bei ihrem Begräbnis zu erscheinen, um damit von ihr Verzeihung zu erlangen. Die Kirche war voll. Hermann hatte Mühe, sich durch die Menge Volkes zu drücken. Der Sarg stand auf reichgeschmücktem Katafalk unter einem Baldachin aus Samt. Die Tote lag darin, die Hände über der Brust gekreuzt, im Spitzenhäubchen und weißen Atlaskleid. Um den Sarg standen zunächst: die Diener in schwarzen Fräcken, mit den Wappenbändern auf den Schultern und mit Kerzen in den Händen, dann die nächsten Verwandten in tiefer Trauer: die Kinder, Enkel und Urenkel. Niemand weinte: Tränen wären affektiert gewesen. Die Gräfin war so alt geworden, daß ihr Tod niemanden mehr zu erschüttern vermochte und daß ihre Verwandten schon seit langem auf sie sahen wie auf jemanden, der nicht mehr unter den Lebenden weilt. Ein junger Bischof hielt die Grabrede. In einfachen und ergreifenden Worten schilderte er das friedliche Hinscheiden der Seligen, deren lange Lebensjahre nur eine stille, demütige Vorbereitung zu einem christlichen Ende waren. „Der Todesengel faßte sie, da sie wachte in Gedanken an das Heil und in Erwartung des mitternächtlichen Bräutigams." Die Leichenfeier wurde mit dem nötigen Ernst und der nötigen Trauer zu Ende geführt. Zuerst traten die Verwandten an den Sarg heran, um von der Verstorbenen Abschied zu Pique-Dame. Novelle von Alexander S. Puschkin. . (Schluß.) Er ging die Wendeltreppe hinunter und trat ins Schlafzimmer der Gräfin. Die tote Greisin saß da, wie aus Stein; ihr Gesicht drückte tiefe Ruhe aus. Hermann blieb vor ihr stehen, sah sie lange an, als wollte er noch immer die schauerliche Wahrheit nicht glauben; endlich ging er ins Kabinett, tastete hinter der Tapetenwand nach der Tür und begann die dunkle Treppe hinunterzusteigen, von merkwürdigen Gefühlen beunruhigt. lieber diese selbe Treppe — dachte er — stahl sich vielleicht vor sechzig Jahren in dasselbe Schlafzimmer, um dieselbe Stunde, im gestickten Rock, ä l’oiseau royal frisiert, an die Brust den Dreispitz gedrückt, ein junger Glückspilz, dessen Gebeine jetzt schon seit langem im Grabe modern; das Herz seiner Geliebten aber hat erst heute aufgehört zu schlagen ..." Am Fuße der Treppe stieß Hermann auf bie Tür, die er mit demselben Schlüssel öffnete, und befand sich in einem langen Korridor, der ihn nach der Straße hinausließ. V. In dieser Nacht erschien mir die verstorbene Baronesfe von ®**. Sie war ganz in Weiß und sagte mir: „Seid gen. Aus der ganzen Welt werden die besten Männer zusammenströmen und ihre Erfahrungen austauschen. Mr. Dunlop wird über die Beziehungen zwischen Energiewirtschaft und Zivilisation sprechen; der berühmte englische Forscher Professor Alfred (Ebbington hat einen Vortrag über einen besonders zukunftsreichen Zweig der Elektrotechnik, die Hochfrequenztechnik, in Aussicht gestellt. Thomas Alva Edison wird auf der Tagung seinen berühmten Glühlampenversuch vorführen und erläutern. Da er jedoch durch sein ehrwürdiges Alter an der Reife nach Deutschland verhindert ist, ist fein Vortrag mit den Vorführungen in Amerika als Sprechfilm ausgenommen worden, der auf der Tagung - abrollen wird. Deutschland wird selbstverständlich an Bedeutung der Vorträge nicht hinter den Ausländern zurückstehen. Professor Dr. Albert Einstein wird über bie physikalisch« Raum- und Aetherfrage sprechen, Generaldirektor Dr. Oskar Oliven den Gedanken eines europäischen Groh- kraftnetzes behandeln. Schon jetzt schieben wir ja Energie in elektrischen Hochspannungsleitungen unter 220 000 Volt Spannung — in einiger Zeit wird man sie auf 380 000 Volt steigern — zwischen der Schweiz und dem Rheinisch-Westfälischen Industriegebiet hin und her und beziehen demnächst elektrische Energie unter derselben Spannung aus Oesterreich. Das sind nur Anfänge. Bei der großen Schwierigkeit, Energie, insbeson- bere Elektrizität, zu speichern — bie Speicherfrage ist auch einer ber wichtigsten Derhanblungsgegenstänbe der Tagung — wird man vielleicht einmal dahin kommen, Energie um die halbe Erbe herum zu verschieben, wobei die Länder, die Nacht und damit einen geringen Energiebedarf haben, ihre - überschüfsige Energie an die Länder abgeben, die gerade Tag haben. Gerade diese Frage der Erdteile umspannenden Ener- gieverteilungs- und -Verschiebungsnetze zeigt mehr als alles andere die völkerverbindenden Aufgaben der Weltenergiefragen und wird bei ber großen Abhängigkeit, in bie bie Staaten daburch zwangsläufig voneinander geraten, Kriege vielleicht unmöglicher machen als Kriegsächtungs- unb ähnliche Verträge. Es wird dafür gesorgt werden, baß ben ausländischen Gästen entsprechend ihrer Bedeutung ber Aufenthalt in Deutschland so angenehm wie möglich gestaltet wird, freilich mit ber durch unsere wirtschaftliche Lage gebotenen Bescheidenheit. Außer ben Anregungen durch die Vorträge wird ihnen Gelegenheit geboten werden, die wichtigsten deutschen Industrieanlagen in Ost und West, Nord und Süd zu sehen und auch die Schönheiten des deutschen Landes kennenzulernen. So wird bie Weltkrafttagung nicht nur bebeutenbe Fortschritte für bas Wohlergehen ber gesamten Menschheit anbahnen, sondern sie wirb auch ben Ruhm deutschen Könnens und deutscher Arbeit durch die Stimmen ber bedeutendsten Wissenschaftler und Techniker in die Welt hinaustragen zur Erhöhung des Ansehens unseres Vaterlandes. Oie Vervielfachung unserer Kraft. Was bringt uns bie Wellkrafttagung? Von Max Fischer. (Nachdruck verboten!) Der Mensch ist im Sinne ber Technik eine Kraftmaschine, aber leider eine sehr unwirtschaftlich arbeitende; ist doch die menschliche Nahrung ein sehr teuerer Brennstoff, dessen Energie in unserem Körper in Bewegungsenergie und in Warme umgewandelt wird. Nur 1ho Pferdestärke kann der Mensch auf die Dauer leisten. Diese Energie ist viel zu gering, als baß mit ihr unser heutiger Kulturzustand hätte erreicht werden können; er gestattet nur eine Lebensführung, wie sie die alten Deutschen hatten, und wie sie heute noch kennzeichnend für bie freien Negerstämme in Afrika ist. Seitdem der Mensch gelernt hat, bie Energievorräte ber Erde in seinen Dienst zu stellen, hat er die jedem Einzelnen zur Verfügung stehende (Energiemenge dauernd erhöht und ist heute für jeden Deutschen auf eine zusätzliche, ihm dauernd zur Verfügung stehende Energie von l1/3 Pferdestärken, also etwa 1 Kilowatt, angelangt. Er hat somit feine Energie, wenn man feine eigene mit hinzurechnet, auf das Vierzehnfache gesteigert. Nur dieser Umstand gestattet die Ernährung und Erhaltung einer so großen Zahl von Menschen, wie sie heute in den Kulturstaaten auf engem Raume zusammenwohnen. Die dauernde Vermehrung der Menschen und das Streben, das Leben für jeden einzelnen angenehmer zu gestalten, erfordert daher dringend die Bereitstellung und Verteilung immer größerer Energiemengen, und zwar natürlich nicht nur in Deutschland, sondern auf der ganzen Erde. So ist denn auch diese Frage eine Frag« von überstaatlicher Bedeutung, eine der wenigen Fragen, die, wie Oskar v. Miller kürzlich bei einem Presseempfang ausführte, alle Völker dadurch verbindet, daß er sie zu gemeinsamem Handeln zwingt. Der Engländer Mr. D. N. D u n l o p hat aus diesem Gedanken heraus einen Völkerbund ber Energiewirtschaft gegründet, der für das Wohlergehen der Menschheit eine erheblich größere Bedeutung hat als ber politische Völkerbund. Dieser Völkerbund hat seine erste Tagung im Jahre 1924 in London abgehalten. Seitdem haben nur Teiltagungen stattgefunden, so 1926 in Basel über Wasserkraftnutzung und Binnenschiffahrt, 1928 in London über Brenn st offr agen, ferner im Mai 1929 in Barcelona über Wasferkrafterschließung und im Oktober desselben Jahres in Tokio über die Entwicklung der (Energiequellen. Vom 16. bis 25. Juni 1930 wird nun in Berlin die zweite Volltagung stattsinden. Sie wird sich hauptsächlich mit den Fragen der (Energie« Verteilung und -Verwendung befassen. Eine Verbesserung kann hierin grundsätzlich durch neue Energieverwendungsarten, zweckmäßige Ausnutzung der Energieerzeugungsanlagen und der Verteilungsnetze, durch Energiespeicherung, durch vorteilhaftes Zusammenwirken verschiedener Erzeugungsanlagen, durch Großanlagen und Großverteilungsnetze, durch Verringerung der Baukosten, durch Aufklärung und zweckmäßige Tarife mw. erreicht werden. 300 der bedeutendsten deutschen Fachmänner haben v:e Vorbereitungsarbeit für die Tagung geleistet. Von den 400 angemel- beten Beiträgen aus aller Welt werden auf der Tagung selbst lediglich die wichtigsten Ergebnisse durch Generalberichterftatter vorgetragen und vllden bie Grundlage für die Erörterung. Damit jeder Teilnehmer ben Vortragen bequem folgen kann, wird jeder Vortrag gleichzeitig durch befonbere Sprachenübertragungsanlage deutsch, englisch und sran- zostsch gehalten. Ehrenprotektor der zweiten Weltkrafttagung ist Reichspräsident "’n"enburg, Ehrenpräsident Exzellenz Geheimer Baurat Dr. Jng. ^renholber Oskar v. Miller, der Schöpfer des Deutschen Museums . °er ersten elektrischen Energieübertragung von Lauffen am Neckar frfvn ffi>Q,nEÖtü a. M., die damals seinen Namen in der ganzen techni- (C,™11 und darüber hinaus bekanntgemacht hat. Vorsitzender ist der wldirektor des Siemenskonzerns Dr.-Jng. ehrenhalber C. K ö 11 - Je ei sein Gesicht nieder. VI. Verantwortlich: Dr. HanS Thyriot. — Druck'und Verlag: Vrühl'sche UniversitätS-Buch. und Steindruckerei, JL Lange, Diebe"- In baren, blank < Ueb ein frei schöpfe, Aus Dl Wischer Wachtel Krähen die dorr Zwei fixe Ideen können nicht ein und dieselbe Natur beherrschen, ebensowenig wie in der psychischen Welt zwei Körper den selben Ort einnehmen können. Die Drei, die Sieben und das Aß verdrängten bald in Hermanns Einbildungskraft das Bild der toten Greisin. Drei, Sieben und das Aß gingen nicht mehr aus seinem Kopf und waren ständig auf seinen Lippen. Sah er ein junges Mädchen, so sagte er: Wie gut sie gebaut ist! Eine richtige Coeur-Drei. Wenn ihn jemand nach der Uhr ftagte, so antwortete er: In fünf Minuten Sieben. Jeder Mensch mit einem dicken Bauche erinnerte ihn an das Aß. Drei, Sieben und Aß verfolgten ihn bis in den Schlaf und nahmen darin die verschiedensten Gestalten an: die Drei erschien ihm in Gestalt einer wundervollen, üppigen Blume, die Sieben als gotisches Tor, das Aß als riesige Spinne. Alle seine Gedanken liefen in dem einzigen zusammen: das Geheimnis, das ihm so teuer zu stehen kam, auszunützen. Er dachte an den Abschied und eine Reise. Er wollte in verborgenen Spielhöhlen von Paris den Schatz von der Zauberin Fortuna erzwingen. Ein Zufall nahm ihm diese Mühe. In Moskau hatte sich ein Klub reicher Spieler gegründet unter dem Borsitz des berüchtigten Tschekalinsky, der sein ganzes Leben am Kartentisch verbracht, einige Millionen erworben, Wechsel gewonnen und bares Geld verloren hatte. Seine vieljährige Erfahrung hatte ihm das Vertrauen seiner Kameraden und Spielgenossen, sein offenes Haus, ein berühmter Koch, seine ausgesuchte Höflichkeit und gut« Laune ihm die Achtung des Publikums erworben. Er siedelte nach Petersburg über. Die jungen Leute strömten zu ihm herbei, vergaßen über den Karten die Bälle und zogen die Verführungen des Pharao den Verzückungen des Kurschneidens vor. Narumow führte Hermann bei ihm ein. Sie durchschritten eine Reihe prachtvoller Säle. Ueberall die aufmerksamste Dienerschaft. Die Säle waren mit Menschen gefüllt. Ein paar Generäle und Geheimräte spielten Whist; junge Leute lagen auf weichen Divans herum und rauchten Pfeifen. Im Salon am langen Tisch, um den sich ungefähr zwanzig Spieler drängten, sah der Gastgeber und hielt die Bank. Er war ein Mann von sechzig Jahren, von höchst ehrwürdigem Aussehen; sein Haupt war mit einer Silbermähne bedeckt; das volle und frische Gesicht spiegelte Gleichmut wider; die Augen leuchteten und waren nehmen. Dann setzten sich die zahlreichen Gäste in Bewegung und kamen heran, um sich vor der zu verbeugen, die so lange mit ihnen an allen ihren'vergänglichen Freuden teilgenommen hatte. Nach ihnen kam die Dienerschaft. Zuletzt trat an den Sarg eine alte Dame, Altersgenossin der Verstorbenen. Zwei junge Mädchen führten sie an der Hand. Sie hatte nicht mehr die Kräfte, sich zur Erde zu verneigen — aber sie allein vergoß ein paar Tränen, indem sie die kalte Hand ihrer Herrin küßte. Nach lyr entschloß sich Hermann, an den Sarg heranzutreten. Er warf sich ganz auf die Erde und lag so einige Minuten auf dem mit Tannenreisig bestreuten kalten Boden; endlich erhob er sich, bleich wie die Tote selber, ging die Stufen des Katafalkes hinan und verneigte sich ... In diesem Augenblick schien es ihm, als ob die Tote ihn höhnend ansähe, mit einem Auge blinzelnd. Hermann wich schnell zurück, trat dabei fehl und lag mit dem Rücken auf der Erde. Man hob ihn auf. Zur selben Zeit wurde Lisaweta Iwanowna ohnmächtig in die Vorhalle hinausgetragen. Dieser Zwischenfall beeinträchtigte für einige Minuten die festliche Stimmung der Trauerfeier. Unter den Besuchern erhob sich ein Gemurmel, und ein magerer Kammerherr, ein naher Verwandter der Verstorbenen, flüsterte einem neben ihm stehenden Engländer ins Ohr, dieser junge Offizier sei ein unehelicher Sohn der Verstorbenen, worauf der Engländer kühl erwiderte: „Oh?" . . Den ganzen Tag über war Hermann wie verstört. Er aß m einem verlassenen Gasthaus und trank ganz gegen seine Gewohnheit sehr viel, in der Hoffnung, damit seine innere Unruhe zu ersticken. Doch der Wein erhitzte seine Einbildungskraft noch mehr. Stach Hause zurückgekehrt, warf er sich, ohne sich auszuziehen, aufs Bett und schlief fest ein. In der Nacht wacht« er auf. Der Mond erleuchtete sein Zimmer. Er sah auf die Uhr. Es war drei Viertel auf drei Uhr. Der Schlaf war weg. Er setzte sich auf und dachte an das Begräbnis der alten Gräfin. Um diese Zeit sah jemand von der Straße zu ihm hinein und verschwand sogleich. Hermann schenkte dem keine Aufmerksamkeit. Nach einer Minute hörte er, daß die Tür nebenan im Vorzimmer geöffnet wurde. Hermann dachte, es sei sein Bursche, der, wie immer, betrunken nach nächtlichem Vergnügen nach Hause gekommen. Doch er hörte einen ihm unbekannten Schritt: jemand ging leise, mit Pantoffeln den Boden wischend. Die Tür ging auf: eintrat «ine Frau im weihen Gewände. Hermann hielt sie für seine alte Haushälterin und wunderte sich, was sie ihm um diese Zeit zu bringen hätte. Doch die weiße Frau hielt, über den Boden gleitend, plötzlich vor ihm — und Hermann erkannt« die alte Gräfin. „Ich bin zu dir gegen meinen Willen gekommen", sagte sie mit harter Stimme; „doch mir wurde befohlen, deine Bitte zu erfüllen. Die Drei, die Sieben und das Aß werden dir gewinnen, doch unter der einen Bedingung, daß du in vierundzwanzig Stunden nur auf eine von den drei Karten setzest und daß du dein ganzes Leben keine Karte darnach mehr anrührst. Ich vergebe dir meinen Tod dann noch mit der Bedingung, daß du mein Gesellschaftsfräulein Lisaweta Iwanowna heiratest.. Mit diesen Worten drehte sie sich leise um, ging zur Tür und verschwand darin, mit den Pantoffeln den Boden wischend. Hermann hörte, wie sie die Tür an die Wand schlug, und sah, daß jemand wiederum zu ihm durchs Fenster blickte. Hermann konnte sich lange nicht fassen. Er ging ins andere Zimmer. Der Bursche schlief am Boden; Hermann weckte ihn mit Mühe auf. Der Bursche war betrunken wie gewöhnlich; mit ihm sich in ein Gespräch einzulassen war nicht möglich. Die Tür im Hausflur war geschlossen. Hermann ging zurück in jein Zimmer, zündete die Kerze an und schrieb von einem Lächeln dauernd belebt. Narumow stellte Hermann vor. Tschekalinsky schüttelte ihm freundlich die Hand, bat ihn Platz zu nehmen und fuhr fort, die Bank zu halten. Das Spiel zog sich diesmal hin. Auf dem Tische lagen mehr als dreißig Karten. Tschekalinsky machte nach jeder Runde eine Paus«, um den Spielern Zeit zu lassen, sich zu sammeln, den Verlust zu notieren, er hörte aufmerksam auf ihre Bitten und Forderungen, bog mit so viel Gefälligkeit wie nur möglich eine Ecke um, die von zerstreuter Hand auf- gebogen war. Endlich war ein Spiel zu Ende. Tschekalinsky mischte die Karten und war bereit, weiter die Bank zu halten. „Erlauben Sie, daß ich setze", sagte Hermann, indem er seine Hand hinter einem dicken Herrn hervorstreckte, der eben pointierte. Tschekalinsky lächelte und verbeugte sich schweigend zum Zeichen seines Einverständnisses. Narumow gratulierte Hermann lachend zu, daß er endlich sein langjähriges Fasten-gebrochen habe, und wünschte ihm einen guten Anfang. „Ich bin fertig", sagte Hermann, indem er mit Kreide eine Zahl auf seine Karte schrieb. „Wieviel?" fragte mit zusammengezogenen Brauen der Bankhalter, „Verzeihen Sie, ich kann nämlich nicht bis dahin sehen." „47 000", antwortete Hermann. Bei dieser Ziffer wendeten sich im Augenblick alle Köpfe, und alle Augen sahen auf Hermann. „Er ist verrückt geworden", dachte Narumow. „Erlauben Sie mir, Sie darauf aufmerksam zu machen", antwortete Tschekalinsky mit seinem unveränderten Lächeln, „daß Ihr Einsatz hoch ist. Niemand hat hier noch mehr als 275 gesetzt." „Ich frage", antwortet« Hermann, „ob Sie meine Karte annehmen oder nicht?" Tschekalinsky verneigte sich zum Zeichen seiner Einwilligung. „Ich wollte Sie nur wissen lassen, daß, da ich des Vertrauens meiner Freunde hier gewürdigt bin, ich die Bank nur gegen bares Geld halten darf. Ich persönlich bin natürlich davon überzeugt, daß Ihr Wort genügt, aber um der Ordnung willen möchte ich Sie doch bitten, das Geld auf die Karte zu legen." Hermann zog aus der Tasche eine Banknote und reichte sie Tschekalinsky, der nach einem flüchtigen Blick darauf sie auf Hermanns Karte legte. Er begann die Bank. Rechts lag die Neun, links die Drei. „Gewonnen!" sagt« Hermann, indem er seine Karte vorwies. Unter den Spielern erhob sich ein Gemurmel. Tschekalinsky zog die Stirn zu- sammen; doch das gewohnte Lächeln kehrte sofort wieder ins Gesicht zurück. „Wollen Sie gleich den Gewinst?" fragte er Hermann. „Ich bitte dämm!" Tschekalinsky nahm aus der Tasche einige Banknoten und zählte sie ihm vor. Hermann nahm sein Geld und verließ den Tisch. Narumow konnte es nicht bemerken. Hermann trank ein Glas Limonade und ging nach Hause. Am nächsten Tag erschien er abends wiederum bei Tschekalinsky. Der Hausherr hielt wieder die Bank. Hermann ging gleich zum Tisch; die Spieler machten ihm Platz. Tschekalinsky grüßte ihn mit besonderer Freundlichkeit. Hermann wartete auf das nächste Spiel, setzte auf seine Karte 47 000 und den gestrigen Gewinn. Tschekalinsky begann die Bank. Der Bube kam rechts heraus, die Sieben links. Hermann schlug die Sieben auf. Alle schrien auf. Tschekalinsky war sichtlich betroffen. Er zählte 94 000 vor und übergab sie Hermann. Dieser nahm sie ganz kaltblütig an sich und verschwand in derselben Minute. Am folgenden Abend erschien Hermann wieder beim Tisch. Alles wartete schon auf ihn; die Generäle und Geheimräte hatten ihr Whist stehen gelassen, um dem ganz ungewöhnlichen Spiel mit zuzusehen. Die jungen Offiziere waren von den Sofas aufgesprungen, die ganze Dienerschaft war im Salon versammelt. Man machte Hermann Platz. Die übrigen Spieler setzten diesmal nicht, ungeduldig darauf wartend, wie das enden werde. Hermann trat an den Tisch, bereit, allein gegen den bleichen, aber immer lächelnden Tschekalinsky zu spielen. Jeder brach ein Paket Karten auf. Tschekalinsky mischte, Hermann zog eine Karte und legte auf sie einen Haufen Banknoten. Es sah wie ein Duell aus. Tiefes Schweigen herrschte ringsum. Tschekalinsky begann, seine Hände zitterten. Rechts lag die Dame, links das Aß. „Das Aß hat gewonnen!" sagte Hermann und deckte seine Karte auf. „Ihre Dame ist geschlagen", sagte sehr freundlich Tschekalinsky. Hermann erschrak; in der Tat, statt des Asses lag vor ihm die Pique- Dame. Er traute seinen Augen nicht, ohne zu wissen, wie er sie wegreißen könnte. In diesem Augenblick schien es ihm, als kniff die Pique-Dame die Augen zusammen und lächelte. Die ausfallende Aehnlichkeit erschreckte ihn ... „Die Greisin", schrie er. . ’ Tschekalinsky zog die gewonnenen Banknoten an sich. Hermann war wie erstarrt. Als er den Tisch verließ, erhob sich ein Stimmengewirr. „Er hat nobel gespielt", sagten die Spieler. Tschekalinsky mischte von neuem die Karten; das Spiel ging weiter. * Hermann verlor den Verstand. Er sitzt im Obuchofskischen Krankenhaus, im Zimmer Nr. 17, gibt auf keinerlei Fragen eine Antwort uns spricht immerfort ganz schnell vor sich hin: Drei, Sieben, Ah! Drei, Sieben, Aß ... , < 1 Lisaweta Iwanowna hat sich mit einem sehr liebenswerten Mgcn Mann verheiratet; er hat eine Anstellung und ist auch nicht ganz oM Vermögen: er ist der Sohn eines früheren Verwalters der alten Grap ■ Bei Lisaweta Iwanowna wird ein« arme Verwandte erhalten. Tomski ist zum Rittmeister befördert und heiratet die Fürstin Paulus welche,,, kleide; h halb rva sonntägl lag aber Zeugnis Tage gej unbewae !öschlich Nicht "an Mei erglänzte war der ZUM Zeu aus- und stch entwi uicht hier "eit dem -Nenschen Mung. W °as Kling her draus d?h die l Stimme j ffiin rt fe Nah Mutter, u behaglich 1 und Schm heuug mec awilchsege ,f"ei Knäi Unsigkeit 6», b0rt Berge