t. Aber ub hat hab ich herum, i rnerk- ch geht md für tönnt’ft oär den hält ihr Schlunz ich kein' >n alten können." Schlapp >g unter- selb. Die chte Kar- emunkelt, . Und da per, hätt n ich net >en Alten 'in Advo- artin auf zerfchand- hst, fchlag Da nahm los. Der nd streckte im Dorf en. Das t mein nges und I Punkten I m Nutzen I )l sie sich | Der Gen- 1 zu. Ein- I icm feiner I Neumuhle I iittler den Die Neueifernen hatte ihr I )ie sollten Her Kerl, abgesehen, ; ollte hohe n zumeist Sie hatten ingen mit t imstand, Hreibe an )es Som- )er Agent ann, flat- fünf und für andre zu Woche >ne Knar- ippen, die ifaunerte: wär! 2ch was du h. Kannst >n Brest? eckt hätte, lewachsen. )ie Milch. Dieben- SietzenerKmiilienbMer Unterhaltungsbeilage zum Gießener Anzeiger Jahrgang 1930 Montag, den 1V. November Nummer 87 Novembertage. Von Herma Stubeny. Es (legt ein Zauber auch in jenen Tagen, Da Winde ängstlich um das Haus uns jagen, Der Ofen knistert und das Feuer brennt, Und eine Stelle, die kein Draußen kennt, Spinnt uns mit ihres fahlen Lichtes Schein Wie einer Raupe Seidenfaden ein. Vom grauen Himmel aber lautlos fallen Wie Schleier, die um blaffe Wangen wallen, Herbstnebel nieder, die das Tal verhängen, Die kahlen Bäume an die Mauern drängen. Als juchten sie, nun starre kahle Besen, Des Menschen Nähe, um, was einst gewesen, Da sie noch grünten und die Vögel fangen, Als Mitleidsgabe wieder zu empfangen. Daß sich in diesem Nehmen und Genießen Des Daseins Ringe ineinanderfchließen. Mathilde. Von Hans Leip. Sie hieß Mathilde. Jeden Morgen ging sie aus dem Haus, fröstelnd in der kalten Dämmerung. Unscheinbar trippelte ihr Schritt tief am Grunde der Vorstandsschluchten. Aber riesengroß bis an die Dachsimse schlichen die zerschnittenen Gestalten ihres Nachttraumes. Sie stellten sich auf ihre Fuße und tupften mit grauen Fingern auf ihre Augenlider. Bis sie zerrannen in den dumpfhastigen Strömen, die alle Tage früh in die Turbinen der Großstadt schießen. Auch Mathilde mußte irgendwo ihren Druck gegen unsichtbare Schaufeln tun. Davon war sie blaß und müde. In ihrem Inneren war immer etwas, was wartete Sechs Tage lang stand es vor einer verschlossenen Tür, an der war in schönen Buchstaben „Sonntag" geschrieben. Alles, was für sie ein Glück bedeutete, von den handgreiflichen Wünschen wie Ausschlafen und in Ruhe Kaffeetrinken bis zu den unnennbaren und ganz hauchartigen Sehnsüchten lag hinter dieser Tür. Wenn sie dann am siebenten Tag aufsprang, so schien wohl der Herrlichkeiten eine Fülle zu sein, aber keine ließ sich recht fassen, sie glitten durch die Hände wie Schlangen, und ehe man sich dreimal umgesehen, lauerte schon das Eulengesicht des Montagmorgens durch die Freude. Sie weinte manchmal vor Enttäuschung, doch kurz vorm Einschlafen zündete sich immer noch eine tröstende Kerze in ihr an. „Vielleicht nächsten Sonntag!" sprach es in ihr, und nach einer Pause — zögernder „ober wenn Frieden ist oder wenn" — Und beim Nachdenken über das dritte „wenn" schlief sie immer ein. Letzten Sonntag war sie an der Elbe. Es war ihr, als müßte sie einmal da das Besondere und Große erleben, das unfaßbar Selige, von dem sie weder Namen noch äußere Beschreibung wußte. Auf dem Oevelgönner Mühlenweg, der so behaglich zwischen Strandgärten und Seemanns- Häusern läuft, war sie zuerst an einem Regenabend im Sommer gegangen. Die Laternen — alle hundert Schritt stand eine — legten lange gelbe Lauser auf die nassen Klintsteine. Klaviertöne tanzten aus einem offenen Fenster, und vor einer Gartentür hatte sie ein paar halbwelke Veilchen gefunden. Ja, das war alles gewesen, aber ihr war es viel. Nun roar nur noch der Efeu grün an braunen, niedrigen Mauern. Zertretener Schnee deckte den Weg und machte die Schritte klanglos. Hinter schwärzlichen Zäunen schliefen die weißen Gärten mit den Lauben, in die Stühle und Gartengerät gestopft waren, und mit den hochgezogenen, vermummten Booten. Dann kam der verschneite Strand, grau- gelb trat der gefrorene Sand zutage, und ein Gewirr von Eisblöcken war wie eine gewaltige Brandung erstarrt. Darüber war der Winternachmittag in braunem Gold gemalt, der von treibenden Schollen gefleckte Strom, das andere Ufer mit der Baumreihe, mit den Oeltanks, mit dem Spielzeugdorf und den dünnen Hügelzügen. Mathilde sah weit weg in die braundunstige Lichtheit des Himmels, ihre matten Gedanken stoffen über und breiteten sich ohne Sdjranfen über die Ferne. Es war ihr undeutlich, als flöge sie wie ein großer, brauner Schleier immer geradeaus, würde größer und größer und durchsichtiger, bis sie zerginge in der hellen, kühlen Luft. Dann wieder war es ihr, als erhöbe sich die Stille wie ein Glas um sie herum, aber jemand scharrte daran. Das war das Eis, das vom atmenden Wasser knirrschte, ihr Ohr dachte jedoch sofort an Federkasten uud an das Schnarren, das die Schreibmaschine nach jeder Zeile tut. ®me mißmutige Empfindung setzte ihr Füße in Bewegung. Nein, nicht daran wollte sie denken, heute war Sonntag! Und da war ja die Pforte! Wie gemütlich war das Haus, dahinter batte sich zehn Schritt Gartenviereck wie eine feierliche Schürze vorge- bunden. Da möchte sie schon wohnen. Sie stellte ihren dritten Stock Hinterhaus dagegen und die dunkle Stube, in der sie mit ihrer Schwester schlief. Sie hatte es wohl besser noch als andere. Aber dieses war schön. Dies als eigenes, so etwas Helles, freundliches, hier spielen als Kind und hier Zeit haben, und nicht nur Sonntags. Im Geiste trug sie das Kleid, das ihr letzthin auf dem Neuenwall Jo gefallen hatte, sie stand an einem blitzblanken Herde, saß an einem feinen, weihen Tisch, saß am Fenster hinter Blumen, zog kleine plappernde Kinder an, und einen Mann hatte sie auch. Schemenhaft flutete eine Welt durch ihre Sinne. Bruchstücke von illustrierten Blättern, Romanen, Palmen, ein bis ins Unendliche abge* schattetes Heer von Erinnerungen verschmolzen mit der geheimen, natürlichen Glut ihrer achtzehn Mädchenjahre; bis eine verschobene Gardine und ein spähender Gesichtsfleck störend in die Harmonie trat. Sie schrak zusammen und ging weiter. Ihr Blick strich befremdet über die große Weite des Stromes, sie fror plötzlich tief in sich hinein. Ihr fiel ein, sie (ei früher selbstbewußter, frecher gewesen. Sie wurde wohl schon alt? Eine alte Jungfer, furchtsam und zitterig. Menschen, auf deren Vorhandensein sie bis dahin nicht bewußt geachtet, kamen ihr nun bedeutungsvoll und voll erhabener Großmächtigkeit entgegen. Sie hatte das Gefühl, jemand am Arm packen zu müssen und zu sagen: Nehmen Sie mich mit, nehmen Sie mich um Gottes willen mit! Ader sie ging an allen vorbei, ohne den Blick zu heben. Nur ihre Hände preßten sich einander in dem bescheidenen Pelz der Mantelärmel. Winzige Schneeflocken fielen zerstreut und unschlüssig, einige setzten sich auf den grauen Kanin, ein feiner, kleiner Filigranstem war dabei. Sie empfand eine rasche Dankbarkeit und hütete ihn zärtlich, und als er nicht wegging, wurde sie wie über ein gutes Zeichen nachdenklich fröhlich. Plötzlich fühlte sie, wie jemand hinter ihr sie anfah. Ihr Herz begann unerklärlich zu stoßen, ihre Pupillen glitten zaghaft in die Augenwinkel. Da war der Schritt an ihrer Seite, ein Marineoffizier; ihre Schuhe froren an den Boden, wie eine Flamme fuhr es über ihre gesenkten Lider, ein zitternder Taumel durchschauerte sie. Nach einer Zeit wuchs jedoch eine dünne, kalte Spottstimme in ihr und hob langsam das Kinn. Der blaue Rock war schon ein ziemliches Stück entfernt, entfernte sich immer mehr und schien seine Beziehungen durchaus nur vor sich zu haben. Mathilde hielt einen Atemzug auf halbem Wege an, sah sich dann ängstlich um, und da Leute kamen, setzte sie sich unauffällig wieder in Bewegung. Der Seemann trat in ein Haus, ohne sich umzusehen. Als die Türe klingend zuschlug, zuckte sie zusammen. Sie ging so schnell, als es ihr bei der Scheu vor den Leuten gelingen wollte. Sie versuchte, ihrem Gesicht einen gleichgültigen Ausdruck zu geben und sah nicht rechts noch links. Bei der schmalen Holztreppe, wo die Promenade endet, bog sie in den kleinen Gang, nach dem Wasser zu. Sie ließ sich willenlos von der Schräge des Steigs treiben, und der Schwung jagte sie bis in das auf« knirschende Strandeis. Sie versank bis über die Knöchel zwischen den zackigen Blöcken, blieb dann aber unbeweglich stehen und ließ die Kälte starr durch ihre Strümpfe schneiden. Es war ihr, als versänke sie tiefer und tiefer. Seltsam scharf jah sie den Strom und die mannigfachen Formen des Treibeises, sah den kleinen schwarzen Dampfer, der sich dazwischen mühte, und sie mühte sich mit Ihm von Scholle zu Scholle, so langsam vorwärts, wieder zurück, auf der Stelle nun, allein auf der weiten Fläche, verzweifelt und müde, gestern und morgen, drei Jahre wohl schon und Tag für Tag bis in die Ewigkeit. Sie schloß die Augen: nun war es ihr, als triebe sie tiefer unter den Schollen, nein, es waren lauter Briefe. Sie sah durch die Umschläge hindurch. Einige fingen an: Liebes Fräulein! andere: Mein süßes Herz, dann kam ein langer Gedankenstrich. Nun waren es lauter Gesichter, schöne und häßliche, und dann war es ihr Vater, griesgrämig sah er aus, und da ihre Mutter, die hatte gemeint, und eine Nachbarsfrau sagte — ja, sie hörte es ganz deutlich: „Schade, war doch ein klein nette Beern!" „Ach, Quatsch!" antwortete ihre Schwester. Das kränkte sie ein wenig; die war doch immerhin bloß Schneiderin, und sie ging aufs Kontor. Wieder hörte sie die Federn und das Tippgeräusch und das Rascheln von Papier; und ihr Chef stand vor ihrem teeren Stuhl und kratzte sich hörbar auf der Wange. Aus einmal sprang ihr ein Schreck durch die Seele: Sie wollte Montag eine halbe Stunde früher da fein! Nun hätte sie wohl die Zelt verschlafen. Sie riß die Augen auf und sah sich zwischen den Eisblöcken. Erstaunen, Unwillen und Trauer quollen in ihr hoch. „Ach, Quatsch!" warf sie laut heraus und stapfte auf den festen Strand. Eine Weile blickte sie sich ratlos um. Der Himmel stand grau und hart wie eine Eisenwand, Menschen verloren sich am Ufer längs, alle trugen schwarze Kleider. Ein Backenlicht blinzelte in Pausen auf, plierte ihr so recht falsch und tückisch zu. Der kleine schwarze Dampfer war ein gutes Stück nach der Stabt zu weitergekommen. Der war bald zu Haus. Nun fingen ihr die Füße an zu schmerzen, und wie sie nach unten sah, und ihren grauen Pelz streifte, fiel ihr der kleine Stern ein. Er war aber verschwunden, sie hatte ihn wohl zerdrückt. Da lief sie schnell zu, dem Dampfer nach, nach Hause. Sie tag noch lange wach — mit großen Augen. Sie wünschte nichts, sie beklagte nichts. Aber in der allerfernsten Seelenecke sprach es,immer noch: Nächsten Sonntag vielleicht — oder wenn alles zu Ende ist ober --wenn--- Puppentheater. Don Dr. Hedwig Fischmann. Theater! Wie des Rattenfängers von Hameln Schalmei unwidersteh- lich die Kinderschar in ihren Bann gelockt hat, so gräbt sich dieses Wortes geheimnisvolle Zauberformel, gräbt sich ein früher Blick in seine Wunderwelt in die. bildsame Kinderseele. Tief senkt sich die Saat in das weiche, von einer unbewußt schöpferischen Phantasie aufgelockerte Erdreich und treibt im Kinderspiel krause und grellfarbige Blüten, die doch schon des künftigen Mannes Lebensernte im Keime vorgebildet zeigen. Es ist kein blindes Ohngefähr, wenn in so vielen Dichtererinnerungen an die Jugendzeit mit innigster Liebe der Theaterspiele — sei es in Gestalt eines Marionettentheaters, sei es in eigener schauspielerischer Tätigkeit — gedacht wird. Und gerade aus den Lebensrückblicken unserer Dramatiker oder jener, die doch wie Gottfried Keller und Andersen mit heißem Sehnen nach dem Lorbeer des Bühnenerfolges gestrebt haben, leuchtet die Erinnerung an diese Kindheitseindrücke so hell, daß eines Menschenlebens reiche Leidens- und Glllcksfülle sie nicht zu verlöschen vermochte. In doppelter dichterischer Brechung, in der schlichten Widerspiegelung in „Wahrheit und Dichtung" und als Teil der buntschimmernden Theaterwelt des „Wilhelm Meister", hat G o e t h e dem Puppentheater, dem Entzücken seiner Kinderjahre, aus dankerfülltem Herzen ein Denkmal gesetzt. Diese letzte Weihnachtsgabe der gütigen Großmutter, die Krone all ihrer Wohltaten, machte auf den Knaben einen überwältigend starken und nachhaltigen Eindruck, besonders als ihm das stumme Personal, das man ihm anfangs nur oorgezeigt, zu eigener dramatischer Uebung und Belebung übergeben wurde. Aber bald strebte der vorwärtsstürmende Betätigungsdrang aus den engen Grenzen des kleinen Puppentheaters hinaus, auf dem das ursprüngliche Hauptstück durch weitausgreifende direktoriale Pläne, durch selbstgeschasfene neue Requisiten und Kulissen gar schnell zugunsten kühnerer Unternehmungen verdrängt worden war, zu eigenen schauspielerischen Leistungen im Kreise der Gefährten. Aber noch der reife Mann auf des Lebens Höhe gedachte jenes lieben alten Puppenspiels als einer kindlichen Unterhaltung, die „auf sehr mannigfache Weise das Er- findungs- und Darstellungsvermögen, die Einbildungskraft und eine gewisse Technik geübt und befördert, wie es auf keinem andern Wege in so kurzer Zeit, mit so wenig Aufwand hätte geschehen können". In dem gleichen Sinn wie beim jungen Goethe nahm auch Gottfried Kellers kindliche Laufbahn als Bühnenleiter, Schauspieler, Theatermaler und Dichter — alles in einer Person — ihren Ausgangspunkt von einem Puppentheater. Rur ließ es der kleine Gottfried nicht auf eine gewagte Improvisation ankommen, mit der Goethes Wilhelm Meister bei einer Dramatisierung des Tancred so kläglich scheiterte, sondern er arbeitete die Stücke sorgfältig schriftlich aus, die sich ebenso wie manche der Dekorationen von seiner Hand erhalten haben. Einen Glanzpunkt dieses Repertoires — im wahren Wortsinn — bildete der „Fridolin oder der Gang nach dem Eisenhammer", mit einem rotglühenden Feuermeer hinter dem schwarzen Ofenloch, bereit, den Bösewicht zu verschlingen. Dieser Effekt wurde, einmal gesunden, nach Art zugkräftiger Regiekünste für eine Teufels- und Höllenkomödie „Der Hexenbund" weiter ausgebaut, bei der die grausig-schöne Dekoration ganz aus feurigen Wänden, bekleidet mit Totengerippen, bestehen sollte. Wohl auch auf ein eigenes Erlebnis Gottfried Kellers aus dem zweiten Stadium seiner Bühnenwirksamkeit, da die Knaben selbst als Schauspieler auftraten, geht die tragikomische Theaterszene im „Grünen Heinrich" zurück. Die Kinder wählten in Ermangelung eines andern Schauspielhauses das Innere eines großen Fasses als Bühnenraum. Doch als sich einmal bei allzu naturalistischer Spielweise aus dem Kamps zwischen Goliath und David eine regelrechte Balgerei der beiden Hauptdarsteller entwickelte, geriet infolge des wilden Umherschlagens das rollende Haus ins Schwanken, und Gottfried, der auf der Außenwand hoch oben thronte und gleich einem Jupiter tonans Kolo- phanium-Blitze durch das Spundloch schleuderte, wurde plötzlich auf unsanfte Weise von seinem Himmelssitz auf die Erde befördert. Auf das Geschrei der Knaben eilte der Besitzer des Fasses herzu und vertrieb die Kunstjünger für immer aus ihrem Musentempel. Stiller und friedlicher mag es wohl bei den Puppentheateraufführungen des kleinen Hans Christian Andersen zugegangen sein, die des einsamen Kindes liebsten Zeitvertreib bildeten. Da saß er, während die Mutter ihrem kärglichen Erwerb als Waschfrau nachging, nähte Kleider für die Puppen und ersann zu dem Titel und den Personen eines wirklichen Theaterzettels, den ihm sein Freund, der Zettelausträger der kleinstädtischen Bühne, geschenkt, eine Komödie für seine Schauspielertruppe. Sehr lange, weit über die ersten Knabenjahre hinaus, hielt das Puppentheater auch die kindhafte, versonnene Natur M ö r i k e s in seinem Bann, der, aus dem Tübinger Stift zu den Ferien heimkehrend, sich noch mit einer Aufführung von Tiecks „Zerbino und Rotkäppchen" auf der kleinen Bühne eifrigst beschäftigt«, die einst seiner Kindertage Lieblingsspiel gebildet und nun schon langst in den Besitz des jüngeren Bruders übergegangen war. Richt die gleiche Treue wie Mörike hat Ludwig T i e ck dem Puppen- piel seiner Kinderjahre gewahrt, für das fein Bruder Friedrich, der pätere Bildhauer, die Dekorationen, er selbst die aufzuführenden Stücke chuf. Sehr bald gingen die Geschwister unter ferner Führung zur eigenen chauspielerischen Verkörperung aller Dramen über, die sie gelesen oder gesehen hatten. Dabei bevorzugten sie die dunkelsten und entlegensten Winkel als Schauplatz ihrer künstlerischen Taten. Da geschah es nun, daß Ludwig, als er eines Sonntags dem Gottesdienst in der Berliner Petri- kirche beiwohnen mußte, auf einem von der Langeweile veranlaßten Streifzug einen düstern, ganz menschenleeren Winkel im Chor entdeckte, zu dem Predigt und Orgelklang kaum herüberdrangen. War dieser Raum nicht wie geschaffen zum Komödienspiel? Und schon während des nächsten Sonntagsgottesdienstes wurde hier unter einem großen Familienregen- schirm, dem einzigen Dekorationsstück, von den Geschwistern die Bühne für Schillers „Räuber" aufgeschlagen, und in vollem Pathos ließ Ludwig sogleich seine Glanzstelle: „Menschen, Menschen, falsche heuchlerische Krokodilbrut!" ertönen. Aber, o Entsetzen! Wie rollender Donner hallten dumpf grollende Töne aus allen Winkeln der Kirche zurück, die andächtige Gemeinde, die ein Borzeichen drohender Heimsuchungen zu vernehmen glaubte, mit wildem Schrecken erfüllend. Als Kirchendiener herbeistürzten, hatten die Urheber des Unheils bereits den Schauplatz in schleunigster Flucht verlassen. Niemals wohl hat das Theaterspiel jugendlicher Schau- pieler einen so tiefen, wenn auch unbeabsichtigten Eindruck erzielt! Auf ein höheres künstlerisches Niveau, über das Kindlich-Dilettantische hinaus, wurden die jugendlichen Bühnenversuche im Grillparzer- ch e n Elternhaus durch die hier herrschende musikfreudige Atmosphäre lehoben. Die improvisierten Ritterstücke der Kinder, bei denen von vornherein nichts festgelegt war als der Ausgang der Kämpfe, da sonst keiner der Streiter hätte unterliegen wollen und die Recken bis an den jüngsten Tag gestritten hätten, erhielten durch das bereitwillige Mitwirken des bekannten Klavierlehrers Gallus, durch seine in freier Phantasie geschaffnen Ouvertüren und melodramatischen Begleitungen eine Art Berühmt- ;eit im damaligen Wien. Mancher Musikfreund sand sich bei diesen Auf- ührungen ein, ohne sich freilich viel um das „Theater" der Kinder zu kümmern. Auch der künftige Reformator des Wiener Burgtheaters, Heinrich Laube, war schon frühzeitig mit der dramatischen Kunst in Berührung gekommen. Nicht nur hat er als Regisseur seinen Kameraden, die in der Schule vorzutragenden Dialoge des öfteren erfolgreich einstudiert, sondern er verstand es auch, als in seinem weltabgeschiedenen Heimatsort Sprottau eine Theatergesellschaft gastierte, sich durch die Beschaffung der notwendigen Requisiten — vom Handspiegel für den zweiten Liebhaber bis zu einem lebendigen Pferd — so nützlich zu machen, daß ihm freier Eintritt vor und hinter den Kulissen gewährt wurde. Und hier auf dem bescheidenen Boden der Schmiere, erwarb sich der künftige Direktor der ersten deutschen Bühne in unmittelbarer Anschauung die Grundbegrisfe seines Lebensberufes. So schlingen sich von frühem Spiel, von ersten Jugendtagen die Faden unlöslich um die Erfüllung einer dramatischen und theatralischen Sendung ausstrahlend, von dem schimmernden Zauberwort „Theater", dessen magische Macht Sudermann in seinem „Bilderbuch" aus der Seele des seine künftige Berufung dunkel vorausahnenden Kindes so lebendig geschildert hat. „Was das war: Theater? Meine Mutter mochte es mir noch so oft erklären, ich wurde daraus nicht klug. Nur, daß es etwas unfaßbar Schönes und Herrliches fein mußte, begriff ich bald. Die Geschichten, die sich irgend einmal zugetragen hatten, die Märchen, die ich mir heimlich weiterspann, zu Gegenwart, zu Wirklichkeit geworden, erfüllte Sehnsucht, sichtbar gewordene Gottheit, berghohe Marzipantorten und ewige Weihnacht — das war Theater." Vogelbeobachtung. Vom Rotkehlchen ober Rotbrüsichen. Bon Anton Schnack. Ich sehe es im ungenauen und vielstimmigen Abend als einen Schatten im regungslosen und alten Gehölz. Der Bogel ist ein lautloser Flieger, lautlos wie die Fledermaus, die ihren fahlen, schnellen und unberechenbaren Flug um die Hausgiebel hält. Beiden, der geflügelten Maus und dem huschenden und flüchtigen Bogel ist eine Liebe zum Zwielicht, zum unausgeprägten Niederfall der Dämmerung gemeinsam. Der Arm des Abends fällt immer tiefer auf die üppige Pflanzenerde. Das ganze glühende Fliedergebüsch ist in die blaue Dämmerung zurückgesunken. Der Bogel aber, mit den übergroßen und wie angenahten schwär- gen Perlenaugen, huscht noch hin und her wie ein Kobold, der Flügel bekommen hat. Er liebt den Abend. Er liebt die Morgendämmerung. In der Blumenwelt findet sich vielfach die Neigung von Pflanzen zur Dunkelheit und zum fahlen Licht. Auch er wiegt sich in den Uebergangen und Brechungen des Lichtes am liebsten. ... Seine rote, verockerte Brust, rund wie ein ausgedruckter Pinselsleck, leuchtet schön im Duft der bleiernen Dämmerung. Der Vogel ist so eigentümlich, weil er so lautlos ist. Er gibt kein Flügelschlagen von sich. Sem ganzes Gefieder gehört zur Farbe des Zwielichtes; es ist verblichen, aschgrau, dunkel, zwittersarben, am Unterleib fahlweiß, nur mitten auf feiner kleinen, gewölbten Brust liegt das gebrochene Rot der untergehende» Sonne mit eigentümlichem Glanz. # In der Dunkelheit eines unbetretenen Schuppens hat er fein Genift, das er mit scheuen Kreisen umfliegt. Wenn ich hinzutrete, Schritt für Schritt, steigt der Rotbrüstige vor mir auf und {liegt von Zaunlatte M Zaunlatte, wobei er tief in die zwirnsdünnen Beinchen einknickt. £>« kleine, graue, etwas auseinanderfächernde Schwanz geht so viel m die Höhe, als der Vogel einfinkt. Er kobolzt mit einer entzückenden Annm. Er hat etwas von einem Hofzeremoniell an sich, das tief in die Kme H^Sefn^efang ist ein Flüstern, dünn wie Glas und zart wie der Hauch der Dämmerung. Es ist keine Kraft in ihm. Die Strophe fallt unaussaii und mit versplittertem Ton aus den Zweigen. Er wispert vor sich hin u»" bringt in seinen wetzenden, geschliffenen Pfiff etwas von Trauer un Müdigkeit. , , Einmal sah ich das schöne Männchen und das grauere, einfache chen am Zaun, den bald ein Sturm stürzen wird, entlangfpielen. w Tummelplatz des Vogels ist nicht groß. Er überfliegt, eigentümlichen besetzen folgend, nie den Raum des Gartens, wo der Schuppen nut seine» Neste steht. Der Garten, eine Verwilderung von vielen Bäumen un" Büschen, schattenvoll und dunkel selbst an den strahlendsten Sonnentagen, kommt seiner Neigung für das Lichtgebrochene entgegen. Die «on fällt selten auf diesen Zaun, an den sich an der anderen Seite Schupp und für den Winter bestimmtes Holz lehnen. Hier hat, was aus °e Boden liegt, den grünen Schein des Zerfalls: Schutt zerbröckelte una haltsam unter den Regengüssen des Frühlings; zerschlitzte Dachpappe st der Wind heruntergerissen, Holzspäne haben Feuchtigkeit eingefaugt sind aufgedunsen. Kastanien sind, wie sie niederfielen, kreuz und g aufgegangen und bilden ein breitblätteriges Bodendschungel. Da IP1 Mächtige rnehmen istürzten, eunigster r Schau- ielt! ttantische arger» nosphäre on vornist keiner jüngsten t des be- geschaf- Serühmt- ■fen Auf- inder zu Heinrich erührung ie in der , sondern Sprottau notwen- ?r bis zu r Eintritt n beschei- ier ersten ffe seines >ie Fäden Ejen Sen» r", dessen 3er Seele lebendig ie es mir es etwas Die Geir, die ich irben, er» panierten en Schai- t Flieger, nberechen- Jlaus und licht, zum angenerbe. i zurückge- en schwär- Flügel berg. In der Dunkelheit ngen und Pinselflech t so eigen» sich. Sein chen, asch- auf seiner ergehenden ein Genist, Schritt für unlatte zn knickt. Ser riel in die >n Anmut i die Kni« der Hauch unauffällig ich hin und rauer und ache Weib- rielen. 2er rlichen ®e: mit feinem umen und nnenfagen, )ie Sonne Schuppen 5 auf dein eite urninr i)pappe f efaugt und i und guer | Da spiele" d!? Bogel, hm- und herflregend, sich haschend und mit den Schnäbeln be» lange Zert, rn ununterbrochenem Jagen, von Busch zu Busch nicht sehr hoch aufstergend, am liebsten in Menschenhöhe, wobei sie hum derlmal die gleichen Wendungen und Spiralen machen. ♦ Der Vogel liebt einen schmalen Graben, der sich zwischen einer dickten Langsreihe lunger Fichten und einer Graswiese gebildet hat. Hier wo ?^^u^,Eag Halbschatten herrscht, schießt er hinein wie ein Schwimmer fnuf^h raJ^' schnell, nicht verfolgbar und spukhaft: laufend sticht er auf feine Beute em, die aus Raupen, Larven Käsern und anderem Klemgeiier auf Blatt und Gras besteht. ' * Der Vogel scheint mich zu lieben oder er scheint von einer unaebemm- ten Dteugterbe besessen zu sein. Sein Wesen und seine Art machen ihn zu einer scheuen und verangsteten Erscheinung, aber eigentümlicherweise ®efta(t wenig Furcht. Einmal hörte ich sein monotones klagendes Tonchen, immer wieder ausgestoßen, im Blättersckein des (ftnr- ten-.Jch fand den Vogel, das Köpfchen scharf nach ttn?s ge8n aukder Spitze einer Zaunlatte stehen, vollkommen leblos, einen erstarrten Feder- horinon,ni a-A geschehen? Aus dem unbeweglichen Schnabel pfiff der Laut, gleich in Tonstärke und Art. Schritt für Schritt schob ick mich »or, regungslos faß der gebrechliche und dekadente Vogel auf der grauen 8?,^uspltze und hatte im Schnabel ein sich ringelndes Tier, eine Raupe ober em Gewürm vom Umfang eines kleinen Kinberfingers Einen Sckriit ^''d ich.noch von dem Vogel entfernt, aber er rührte sich nicht. Ununterbrochen floß aus seinem Schnabel der dünne, klagende — mid ick batte bcn Andruck — fast gequälte Ton. Es war ein seltsames Gefühl und ein Augenblck tiefster Spannung: werde ich das Vertrauen der Kreatur irfXhVs suhlen, daß ich ihr Freund bin, denn immer noch glaubte $'„baXber ®°9eI werner Hilfe bedürfe und daß ihn vielleicht die arotze Raupe die grün und fett feinen Schnabel spaltete, mit Ersten bedrohte Aber da schnellte er drei Zaunspitzen weiter, seine Scheu vor mir war Minutenlang saß er mit Sem Riesending im Schnabel da leidend I ™*en[’P;fj9egualt von etwas wie ich glaubte, denn ich war bereit, I menschliche Stimmung m fern Verhalten zu legen. Einige Meter entfernt roar das Rest mit seinen Jungen. Warum flog er mit der Beute die sich abzappelte und ihm fast den Schnabel zu sprengen drohte, nicht fün? Perlenauge hatte er streng und furchtlos auf mich go- Jl^tet. Plötzlich ließ er die große Schwärmerraupe fallen, wartete eine nnhUlfr)A f,ur3e "eich, packte sie kräftig mit den Schnabelklammern unb f[°g etwas naher zum Nest auf ben dürren Ast eines Holunder- J'fß der Vogel die Raupe zum zweitenmal auf den Gartenboden mederfallen, holte sie, mederstoßend, und ver chwand ohne Uebergang unter dem kleinen Holzdach des Schuppens. Aufgefallen war erflra^ (beT ersten Niederfallen der Raupe nicht mehr so er- I ftarrt sitzen blieb, sondern beweglicher wurde und auch den Ton änderte I x "'cht mehr langgezogen und gequält, sondern, je näher er dem Neste kam, kurz, auffordernd und lockend. Dabei ging er öfter in feine eigentümliche Knickstellung hinunter, wieder hinauf, wieder hinunter und wieder hinauf. ' I Ich brachte das eigentümliche Verhalten des Vogels mit der Fütterung I der Jungen zusammen: die große Raupe schien ihm noch zu lebendig, zu hart zu aggressiv für die Goldränder seiner Jungen. Er hat sie mit ihr °uf dem Zaune sitzend, erst für die Atzung vorbereitet. Er ermüdete sie und betäubte die Raupe, indem er sie aus der Höhe niederfallen ließ und fie langsam in seinen hornigen Schnabelklammern zerweichte. ♦ An einem schwülen und regenfeuchten Juniabend sah ich zum erstenmal seine Brut. Zuerst hatte ich den Eindruck, als ob der ganze Garten voll wäre, aber zum Schluß schienen es allerhöchstens fünf junge Vögel N lem- »je waren komisch zum,Lachen; runde, wollige und aufgeplusterte iiobolde, die vom Fliegen noch keine Ahnung hatten und viel zu früh aus dem Neste gekommen waren. Sie rollten auf der Erde herum, duckten sich riemen Ungeheuern gleich, mit großen Augen unter die Kastanienstaudem purselten unter den jungen Fichten herum unb verstrickten sich in bas jpMicht ber Grashalme. Sie hatten noch nicht bie ausgeprägten Farben I oer Rogeleltern; sie waren zerzauste, graue Knäuel, mit gelbgeränberten Schnäbeln unb angstvollen Augen. Ihre Schwänze waren noch nichts, I btupfe waren sie, Kiele, bie ihnen kein Gleichgewicht gaben unb sie K r?l "der bie großen Köpfe vornüberkippen ließen. Ihre Köpfe ver- I oifften sich burch die gesträubten, borstigen Federspriese zu übernormaler ®to6^ Es war kein Abbruch zwischen Kopf unb Körper. Es waren kleine -ronnchen von bitterem und erschrecktem Aussehen. Martyrium war ihnen emgepragt, Angst unb Furcht. Auf ihrer Hilflosigkeit lag ein Albbruck, ein verstörter und grausamer Traum, alles Unheil, das die Natur für fie bereitet zu haben schien. hnt- bfm Halbdunkel des Abends, ber sich graublau um bie Blätter | “W™ ihre schmächtigen, tlirrenben Hungerschreie, denen besonders I ms Männchen mit Eifer nachkam. Was hatte die Vogelschar aus dem vertrieben? Sie waren zehn Tage ober noch mehr zu früh ans I unn».-- rochen:., ihre Flügel waren unausgeprägt, schmächtig, ungelenk hnm Ä"?' "Umöglich war es ihnen, sich bamit ein paar Zentimeter über I in^^den zu erheben. Ihr Fortbewegen war ein Flattern unb Lausen 5 fje schnell ermübete. Balb schliefen fie, auf ben Bobenästchen I n," -chchen sisienb, ein unb wurden regungslose, fruchtartige Kugeln mit weggestecktem Kopf. ®ie Nacht stürzte sich auf bie Schläfenbein Ich wußte sie ba unb bort I L9 , unö ich hätte sie mit ben Hänben greifen können. Aber um bas I fie h aUe m"er mitten nicht zu verlieren, ließ ich sie im Freien unb empfahl I DlnfnrM.-J;0!1 ^er Tiere. Ich überließ bie ungelenken Burschen ihrem Und tr i9cm Ernst m’.sT Perlenpunkt ihrer Augen ein wildes unb schreck- a 1 ®llb ber ungeheueren unb grausamen Katze, betn Jaguar bei Hausgarten. Sie war gemästet von kleinen, zerbrechlichen Voqel- bereu Flügel noch nicht bie Kraft und bie Gewandtheit bes Aus- H hatten. Zwei funtelnbe, grüne Steinaugen spähten hinter dem h Ijeroor, unsagbar entzückt von bem zaghaften, hüpfenden Vogel- I schritt, der ihr nicht entrinnen konnte. Sie streckte ihren grauen Leib bis I er s61!16 einzige Sprungfeber war. lieber ihr flatterten bie alten Vöael 'im'” Warnungspfiff metallisch unb eindringlich zu ber J“.1}9?" ^rut b'" Nber bie unerbittliche Sprungfeber sauste vor und traf wit der ausgebreiteten Tatze ben kleinen Wollkopf, ber zwei- unb drei- @nLenn-H3er6re^nbe5 drepsen hinausschrie. Der lange Fangzahn der trp&o 9m f 3,U' mit einem Satze war sie auf dem Zaun und hinüber. Der kleine Vogel war weg; ich war nicht erbittert. Ich war nicht traurig 2-nn.m Äugenschlitz der springenden Katze war so viel glühende Wollust nÄ>?pbi^9'er, daß Mitleid und Abscheu dieser Jagd in meinem Gefühl wurden. So springen die Herrlichen, die Starken, die Schönen I und die Brutalen und zerreißen. w Der Schlund. Roman von Alfred Bock. (Fortletzung.) Kamen Leute zu Besuch aus ber Stabt, erlebten sie ihr blaues Wunber im Bauernhaus. Die Raume im ersten unb zweiten Stock waren aufs befyaQlufyte eingerichtet. Da sah man reich verzierte Schränke aus Eicken- schone Sessel, Rohrstühle, Spiegel und Kornrnoben in ber Zten Stube hmg gar ein Regulator. Alles "atmete Wohlhabenheit. „Der Stebelsernft , 8>ng bie Rede „hat Glück und Geschick!" Das Nestquackel- chen wurde arg verhätschelt. Kaurn entwöhnt, litt die Christine an Krämp- | Dott°r lies sich bie Beine ab und konnte i wcht helfen. Run holte der Bauer die weise Frau aus Treis Die er- tannte die Krankheit und sprach: Das Kind ist behext!" Uni Gottes- Än hn6 der Großknocht, gestand unter Zittern und to 9rln' daß er das Christlnchen über den Hof getragen hatte. Da war die Wolbersuttel, ein gefürchtetes, ubelberütfjtigtes Weibsbild gekommen und hatte has Lutscherchen mit ihrem bösen Blick beglotzt. Jetzt war bas Natsel gelost. Die weise Frau hieß bie Mutter Siebet zweierlei Strümpfe 011,3161)011, warf drei Haube voll Salz ins Feuer unb legte bem kleinen Wesen einen Spruch, ben sie niebergeschrieben unb in einen Briefumschlag verschlossen hatte, unter bas Kopfkissen. Von Stund an wurde bas Kmb ruhiger unb war in wenigen Tagen geheilt. Bei guter Nahruna gedieh es prächtig, entwickelte sich zur wilden Hummel. Dicht am Ufer der Lahn besaß ber Bauer eine Wiese. Das war ber Christine Lieb- Imgsplatz Gewanbt und geschmeidig jagte sie ben Schmetterlingen nach. Sie horchte auf bas Summen unb Schwirren ber Insekten, auf den Ge- fang her Serdjen und bas Geläute ber Glocken. Im Schlehengesträuch sah bie Grasmücken unb Golbammern nisten. Flogen die schwarzen Raben, die Spitzbuben, mit häßlichem Gekrächz über ben Fluß klatschte fie jauzend in bie Hände Der Großknecht warnte vor ber Lahn Die war schrecklich tief. Stach man mit bem längsten Wiesbaum hinein' kam man nickt auf ben Grund Auf dem Bergkegel gegenüber lag die Ruine Staufenberg. Sa war's nicht geheuer. Gegen Abend, wenn die Nebel wallten, schritten die alten Ritterfrauen im Burghof auf unb ab Sie waren weiß gekleidet, und ihre Haare flatterten im Wind. Ein leiben» jchaftlicher Spielratz, machte bie Christine unter den Kameradinnen die Anführerin unb zwang ihnen ihren Willen auf. Jebes Jahr am Christtag schenkte ihr die Gote zwei blanke Taler. Die hob sie sorgfältig in einem Kästchen auf. Nach und nach fand sich darin eine Menge glänzender Silberstücke zusammen. Die zählte bie Christine, roenbete sie hin unb her unb war vor Freude ganz närrisch. Als sie mannbar geworben war würbe sie viel umworben. Sie hatte ben Kritzlershermann in ihr Herz geschlossen. Das war ein frischer, kluger Bursch. Das Bauerieren besagte ihm nicht. Er machte das Gymnasium in Gießen durch und studierte bort Tiorheilkunbe. Sein Fleiß unb fein Streben mürben von ben Professoren anerkannt. Kam er am Sonntag nach Ruttershausen, fragte man ihn M Verantwortlich: Dr. Hans Thhriot. — Druck und Verlag: Brühl'sche UniversitätS-Vuch-. und Steindruckerei. Lange, Gießen. Der die er eine T er an „reinen sie auch arbeitet des Ko. alle Vo der M< zu erfei aber he mentlar druck v mögen I seiner { und En Festigte der eine und grt Ein Seele n Pychagc der die liegende! und in i gesunder von der feele for nomie h Beobacht rhythmis oie,genta unabhän nachwies bestätigte Meinung ordnung Kosmos Epoche de und Veri unternah einem (S, um Rat. Ein Kalb, das von Dasselfliegen arg zerstochen war, eine Kuh, die den Wampes hatte, behandelte er mit Erfolg. Ein Hauptspaß für die Dorfjugend war, als er des Bürgermeisters Dobermannpinscher, der auf den Hinterbeinen lahmte, in warmem Salzwasser baden ließ, wogegen der Patient sich aufs heftigste sträubte. Die Krankheitserscheinungen verschwanden, der Pinscher sprang wieder fröhlich umher. Der Ruf des jungen Viehdoktors verbreitete sich über das Dorf hinaus. Eines Tages sprach er zur Christine: „Der Tierarzt Hofmann in Mendorf möchte sich zur Ruhe setzen. Wenn ich fertig bin, gedenk ich seine Praxis zu übernehmen. Die Sache ist sicher. Du und ich, wir zwei sind von Leut. Ich bild mir ein, du bist die rechte Frau für mich. Willst du?" „Ja", antwortete sie mit pochender Brust, „ich will!" Sie betrachtete sich mit Fug als verlobt. Der Kritzlershermann ging, fein Studium zu beenden, nach München. Ein Jahr verstrich, bis er die Heimat wiedersah. Er hatte sich völlig verändert. Den Gedanken an die Landpraxis hatte er aufgegeben. Die große Stadt, behauptete er, bot ihm für seine Tätigkeit ein lohnenderes Feld. Er gedachte sich in München niederzulassen. Er war steif gegen die Christine wie ein Brett. Von Verspruch und Heirat war keine Rede mehr. Sie warf ihm seinen Wankelmut vor. Er sagte gelassen: „Ich will mich nicht besser machen, als ich bin. Ich tu, was ich tun muh! Er nahm seinen Wohnsitz in der bayrischen Hauptstadt und ließ nichts mehr von sich hören. Vergrämt und verbittert lebte sie hin. Sie mußte das Gespött der Kameradinnen ertragen. Immer hatte sie Funken im Hals, stritt sich mit Knechten und Mägden herum, auch mit dem Bauer. Der war nicht von Sanftheim und schrie: „Zanketsen, 's ist die höchste Zeit, daß du ein' Mann kriegst, der dir die Leber schleimt!" Weil sie partu aus dem Haus wollte, griff sie mit beiden Händen zu, als der Hannwilm Schüttler um sie freite, zumal sie in eine Familie heiratete, wo der Kessel über dem Herd hing. Der junge Neumüller — das merkte sie bald — war ein Hannebambel, der Gottes Wasser über Gottes Land laufen ließ. Begehrte er wirklich einmal auf, spürte man, es war kein Schrot dahinter. Die Schwiegereltern saßen im Auszugshäuschen und kümmerten sich um alles. Das reizte die Sohnsfrau auf. Sie fuhr wie der Sturmwind dazwischen und verstand es, sich in Respekt zu setzen. Der Bankrott des Vaters gab ihr eine heilsame Lehre, sie überwachte in der Mühle den Geschäftsbetrieb. Die Einnahmen dünkten sie zu gering, die Ausgaben zu groß. Wie war's beim Handel? Wer nicht zu rupfen verstand, der wurde gerupft. Was man kriegen konnte, muhte man nehmen. Sie machte sich ihren Plan und führte ihn durch. Sparsamkeit galt ihr als oberste Satzung. Wo Sparsamkeit waltete, wuchs der Speck an den Balken. Was eine wirtschaftliche Frau für ihn bedeutete, ging dem Neumnller nicht ein Er tat, wie wenn er beiseiiegeschoben fei, muckte und fing das Gerenn zur Wecklersanna an. Die Geburt des Bankerts jagte der Neumüllerm Schrecken ein. Der Hannwilm, ganz unter dem Einfluß feiner Fuppel, würde dem Bub ein Kapital verschreiben. Der Neumüllerin Sache war s, sich gegen den drohenden Verlust zu schützen. Der Krieg brach aus Von der Arbeit fort wurden die Männer zu den Waffen gerufen. Die Weibs- teute meinten sich die Augen rot. Nie Neumüllerin machte dem Hannwilm den Abschied nicht schwer. Aus dem Himmelsbrief, den ihm der alte Boller schenkte, stand: „Im Namen Gottes, des Vaters, des Sohnes und des heiligen Geistes! Wer diesen Bries bei sich führt, wird nicht gefangen, noch durch des Feindes Geschah verletzt. So wahr als Christus gestorben und gen Himmel gefahren ist!" Der Neumüller mußte wohl an die geheimnisvoll wirkende Kraft des Schutzbriefs glauben, denn er trug ihn beständig im Feld auf der Brust. Mit dem Steckschuß war er heimgekehrt. Daß bei seiner Pflege nichts verabsäumt wurde, darauf achtete die Neumüllerin gewissenhaft. Der Sanitätsrat drückte sich ihr gegenüber nicht klar aus. Das war des Doktors Art. Seinen Worten nach konnte es mit dem Neumüller rasch zu Ende gehen, er konnte auch noch zehn Jahre leben. Der Hannwilm wollte mit seiner Frau Friede machen. Es war keine Heimduckserei von ihm, davon war sie überzeugt, doch wäre die Verföhnung, wie sie gesinnt war, Komödie gewesen. Wenn alle Stricke brachen, Komödie spielte sie nicht. Er hatte als Ehemann seine Scham und seine Ehre fortgeworfen, das verzieh sie ihm nimmermehr. Den Fall gesetzt, der Neumüller starb, behielt sie das Geschäft. Arbeiten mußte sie. Der Müßiggang würde sie aufzehren wie Rost das Eisen. Kinder waren ihr versagt. Man setzte sie in die Welt, meinte der Ohrlitz, und sie nssen einem die Knöpfe von den Kleidern. Man schaffte für sie, damit sie faulenzen konnten. Eltern, die auf den Dank der Kinder rechneten, waren geuzt. Der Ohrlitz sprach aus eigner Erfahrung. Er lag mit seinen Söhnen in Prozeß. Und doch machte die Kinderlosigkeit eine Frau auf die Lange leidmütig. Die Neumüllerin hatte das schmerzhaft erfahren. Nun hatte der Krieg die Helene Kampmann aus Bochum ins Haus geschneit. Ein herzengütden Mädchen. Und gar anhänglich. So was um sich zu haben tat wohl. Seit vielen Jahren gefchah's, daß sie ein geruhlich Stündchen mit der Helene Kampmann verlebte. Die war aus einem schrecklichen Elend ins Dorf gekommen. Der Vater hatte die Auszehrung, ging aber noch in die Fabrik. Die Mutier saß mit ihren Kindern in einem sticksigen Gekriech, wohin kein Sonnenstrahl fiel. Schrieb man an die Kampmanns ein Wort, gaben sie ihre Tochter her. Und die Helene blieb gern auf dem Land. Das sagte sie oft. Die Neumüllerin, der das Geschäft mit seinen Schlichen und Kniffen den krummen Weg bezeichnete, der das Geld an die Rippen gewachsen war, empfand, von einem neuen Gefühl bewegt, die Nähe des Stadtmädchens wie Mutterglück. * Gen Norden, ein halbes Stündchen vom Dorf entfernt, lag als Gemeindebesitz der Nonnenwald, ein gemischter Bestand von Buchen und Fichten, hie und da waren Birken eingesprengt. Um die braunen und silbergrauen Stämme spielte in zitternden Lichtern das Sonnengold. In dem weiten Gehölz wehte trotz aller Frühe kein erfrischender Hauch. Aus dem Grund, auf dem Steinklee und Weiderich sproßten, stieg ein herber Geruch empor. Arme Frauen mit ^erarbeiteten Händen waren dabei, Lesholz zu ] sammeln. Das ging jetzt schneller oonstatten wie vor dem Krieg. Fran- | zösische Gefangene, die im Wald das Gestrüpp aushieben, Bäume niederlegten und Schwellen fetzten, warfen manchen Knüppel beiseite. Die ; Sammlerinnen kamen nun nicht in Versuchung, Aeste und Jungwuchs zu brechen. Nachdem sie ihr Holz gelesen und gebunden hatten, traten die Frauen zusammen, eh sie sich auf den Heimweg begaben, noch einen Schwatz zu halten. „Mein Jung ist feit drei Jahren im Feld. Dem fcheppen Bender seiner ist reklamiert. Dadefür kommt der Feldwebel alle Sonntag und holt sich Butter und Eier." „No und mein Mann? Den hab ich dasitzen mit seinem zerschossenen Bein. Sie geben ihm den Monat dreißig Mark. Und neben uns der Klos Selzer ist mit einem Streisschuß durchgewitscht. He spricht, he könnt den Arm net mehr recht bewegen. Und tut seine Arbeit, daß es nur so spellert. Und kriegt den Monat neunzig Mark. Das geht doch net mit rechten Dingen zu!" „Wer gut schmiert, der gut fährt! Wann ich Geld in die Kipp stecken könnt, ich wollt schon desür sorgen, daß mein Mann heimkäm." „’s gibt aber auch noch brave Menschen. Da ist der Hammelamm im Engelsgäßchen. Dem haben sie die Frucht beschlagnahmen wollen. Und da hat er gesagt: ,Jch schenk sie euch!' Und hat sich freiwillig ins Feld gemeld't!" „Gest' hat mir mein Christian geschrieben, sein Wachtmeister hat sich umgebracht. Und er hat ein’ Bries hinterlassen. Da steht drin, er häit's net mehr mit ansehen können, wie von oben bis herunter gestohlen und betrogen wird." „Wo ist dann etz einer, der net mit dem Aermel am Zuchthaus streift?" „Ei du liebes Gottche, was soll das geben! „Mein Christian hat noch mehr geschrieben. Sie lagen im Biwak und ’s tat vom Himmel trätschen. Und da nahm der Hauptmann den Leut die Zeltbahnen ab und baut babemit für seine Pferb' ein’ Stall. Unb da lagen bie armen Menschen bie ganz Nacht unb waren fabennaß und schlapperten vor Kält." „Daß bie Soldaten kein' Schambitter haben unb sich so was gefallen lassen!" „'s ist fürchterlich, aber man muß boch den Glauben haben, baß es roieber emal besser wirb." „Und mer’s net glaubt, läßt's bleiben!" „Wann man das all hört, wundert man sich, daß man noch net vom Verstand kommen ist." m . r , Bei der Trommershäusern am Bach ist s schon so weit. Mein Heu- hipperche', spricht sie, ,ist net totgeschossen. Der ist schon als Bub auf die Bäum gestiegen. Der ist gewiß brauß von einem Baurn gestürzt! „Uni’ Herrgott hat ben Krieg geschickt, etz soll er uns helfen." „Der Krepanski, ber Schießbubenrnann, spricht: ,'s batt nix, baß um wider Sonn' und Himmel reden. Wir liegen an Ketten und müssen sie Zerreißend" „Ich sag', ber Karren ist in ben Dreck gefahren und zieht ihn keiner mehr heraus!" . „Wir müssen's ausfressen, was die andern eingebrockt haben. „Man wird so lang kuranzt, bis einem die Gall überläuft!" Im Dorf läutete es sieben. Die Frauen nahmen ihre Holzlasten und trugen sie auf dem Kopf mit gestrafftem Rücken heim. 5. Sonntagmorgen. Der Heichemersjakob, ber ben Glöcknersdienst versah, hatte jetzt leichte Arbeit. Die alte, große Glocke mit ber langatmigen lateinischen Inschrift war, ohne bah man viel Aushebens bauon machte, zum Einschmelzen sortgeschasst worben. Die kleinere jüngeren Gusses war verblieben. Ihr hartes, bünnes Stimmchen rief zur Kirche, einem nüchternen Bau, ber zu ben heimeligen Fachwerkhäusern ringsum in schreienbem Gegensatz stand. Nur vierzig ober fünfzig Manner uns Frauen waren's, bie im Gotteshaus eine Stunbe stiller Sammlung luv ten. Der Pfarrer amtierte achtzehn Jahre im Dorf. Er führte von der Kanzel herunter eine beutliche Sprache gegen bie Gewinnsucht tm Krieg unb gegen ben Tanz ums golbene Kalb. In seinen Prebigten kehrte die Wenbungen roieber: „Der Krieg hat einen höheren Sinn. Uns ist auf erlegt, bürd) viele Demütigungen zu gehn. So wenig ein Kinb an sein« Eltern irre werben darf, wenn es von ihnen gezüchtigt wird, so wenig bürfen wir, bie wir von ber Kriegsfurie gegeißelt werben, an Gotte unendlicher Güte zweifeln!" Solche Worte fanben bei ber Mehrzahl ° Dörfler keinen Wiberhall. Was hatten sie getan, baß ber Herrgott V mit Zwangsgesetzen verfolgte? Sie gaben Geld für fromme Zwecke, uns ber Herrgott ließ es geschehen, baß ihre Angehörigen braunen tueoer gemetzelt würben. Sah man über bie Gemarkung hinaus, ging s anoei« nicht besser. Das war ein kleiner Trost. Aber boch ein schlechter W Derlei Lebensarten liefen um. Der Kirchenbefuch nahm sichtlich ab. , Von Feiertagsstille war wenig zu merken. Bis zum Miiiagbm herrschte auf ben Höfen und Felbern geschäftiges Treiben. | Auch bie Wecklersanna, ber bie (Eulersfett in ihrem Häuschen oum Stube unb Kammer noch einen Waschraum überlassen hatte, wußte um Behagen des Sonntags nichts mehr. Die Arbeit begann ihr über ■o Kopf zu wachsen. Nicht nur, baß sie für bie Leute zu waschen uno s bügeln hatte, ihr lag noch ob, bie eingelieferten Stücke zu flicken. uns» stopfen. Jnbes ihre Nabel bem Faben ben Weg bahnte, flogen ihre vo banken in bie Mühle. (Fortsetzung folgt.) ____