' s chM, Das ijf je stehe», Reib uni Hs durch stambul, rs @lau: itigen er Vater, ehe feit te er uns jami, bet >ie Naim i Panther den Afrit » bewacht >e, wo ich stummen er gewon :te in btt bten uns, er unfern , was btt , Militär leitet. Sh ! umgaben rute (einen in groß« Wüste bei rt er plan. Her Palch Herde non ix einsam« n Kralltn, te verM Jascha. Bit rdient, unb zu unftrs ed Bey ji ippelt, uni ruhigt. AI- chrte, brch nicht, ms ils wir. 6s die Fenster rchen offen iib Wachen ersten Iaht . Said, btt oße btonde Nähe um >er Tochter ünben. eie ;. Es mir das Land, auch getan ten unb 3« frauen, für )ami her« rn unb der ren Falte» irnte Said. > war gub er (einen inch Paris, sie fing« rt, Woche« Oer Oberste sollte, und nister uxu, te. Da, ist mpsen des en Harims, Gläubigen erschlagen. Pascha de« auch (ein- o daß chatte m«l en Ma"ta jmnieb jeder mw Moschee " 'ne Mull-- , betete 59 Gieh-lU sietzenerZamilienbMer Unterhaltungsbeilage zum Gießener Anzeiger Jahrgang MV Hreitag, den 10. Oktober Nummer 78 Oktoberlied. Von Theodor Storm. Der Nebel steigt, es fällt das Laub; Schenk ein den Wein, den holden! Wir wollen uns den grauen Tag Vergolden, ja vergolden! Und geht es draußen noch (o toll, Unchristlich oder christlich, Ist doch die Welt, die schöne Welt, So gänzlich unverwüstlich! Und wimmert auch einmal das Herz, — Stoß an unb laß es klingen! Wir wiffen's doch, ein rechtes Herz Ist gar nicht umzubringen. Der Nebel steigt, es fällt das Laub; Schenk ein den Wein, den holden! Wir wollen uns den grauen Tag Vergolden, ja vergolden! Wohl ist es Herbst; doch warte nur, Doch warte nur ein Weilchen! Der Frühling kommt, der Himmel lacht, Es steht die Welt in Veilchen. Die blauen Tage brechen an. Und ehe sie verfließen, Wir wollen sie, mein wackrer Freund, Genießen, ja genießen! Oie Sache mit dem Propeller. Don Per Schwenzen. Immer trage ich mich mit dem Gedanken, es bis zum Pilotenzeugnis zu bringen. Man ist eigentlich kein Kerl, wenn man seine Zeit nicht in ihren typischen Errungenschaften beherrscht. Aber, da fällt mir die Geschichte vom alten Dotzauer ein. Privatgelehrter, Kassel, Wilhelmshöher Allee 6a. Ihm war es vorbehalten, mich auf das Abitur vorzubereiten. Gleichzeitig war er der erste, der mir das Flugproblem aus den olympischen Höhen in den Radius ernster Erwägung riß. Denn was der alte Dotzauer konnte, das mußte man doch schließlich — ja, natürlich nicht die Wurzel aus X —- £ Unendlich oder das türkische Einmaleins, das bekanntlich von rückwärts geht, und xvas er in seiner Junggesellenbude noch alles verzapfte. Da war er einem über. Aber sportlich konnte er doch keine sonderliche Kanone sein, sollt« man denken, wenn man ihn da so sitzen sah auf feinem wurmstichigen Sitzkissen, sechzigjährig, qultten- gelb und leberleidend, mit dem pagodenhast über der Logarithmentafel wackelnden Brillengesicht, mit der welken Stoppelhaut über kraftlosen Kiefern, die in Abständen von je 7t Minuten die Ausbuchtung der ewigen Schmalzstulle vertieften. , „ , ... Unsere durch wissenschastliche Anstrengungen nur Jetten getrübten Plauderstunden wußte er mit loyalem Charme zu gestalten. Der Tabak- vauch schwamm um Tafel, Krokodil und Globus, die Reguisiben der Weisheit, gleichsam der ornamentale Hintergrund für zahlende Vater, und durch den alles Unwesentliche ausradierenden Hecht schimmerte der hohe, polierte Propeller, der in der Zimmerecke aufmontiert war. Nach diesem Propeller des öfteren zu fragen, geboten Takt und Klugheit, denn die bereitwillige Erzählung schloß in ihrer Ausdehrmng jede Gefahr aus, heute noch an den Busen der Wissenschaft zurückzufinden. Die Sache mit dem Propeller aber war folgende: Schon im Jahre 1912 hatten die Flieger Abelmann und Schmigulski sich in Kassel niedergelassen. Sie veranstalteten auf der Leisterschen Wiese ein Schaufliegen, bei dem Schmigulski den Hals brach. Daraufhin war das Vertrauen der Kaffelaner zu der Fliegerschule erschüttert und Abel- Manns Fliegerschule erfreute sich keines großen Zulaufs. Die Kaffelaner fahen zwar mit Genugtuung, wenn sie auf der „Neuen Muhle oder im „Aue-Cafe" ihren Kaffee „schlabberten", was ihr Pilot da „vor Dinger in der Lust machte", aber Abelmanns finanzielle Position war so ungewiß wie seine physische in der Schaukelmatte des fliegenden Rohrgestells, und mehr als einmal klebte der Kuckuck auf feinem „Habicht. Da aber kam der Krieg, und der feldgraue Pinsel des Ausgleichs ging über Abelmann, über die „Badewanne" und einige Akzepte und Rechnungen hinweg. Abelmann flog in flandrischer Luft und ertrubelte und erschoß sich höchste Auszeichnungen. 1917 kehrte er mit längerem Urlaub tn feinen Schuppen in Waldau zurück. Er hatte ich acht Wochen nach Gallipoli als Führer einer türkischen Kampsstaffel zu starten und hatte jetzt Zeit, sich innerlich und äußerlich vorzubereiten. Fliegerleutnant Abelmann war aber ein luftiger und ein gründlicher Bursche zugleich, und ohne sich darüber im Unklaren zu sein, daß es in Gallipoli hernach keine Kasseler „Mäderchen" und keinen Rheinwein mehr gäbe, nahm er einen täglichen Unterricht beim alten Dotzauer in Türkisch denn nur mit flandrischem Kasernenjargon durfte er nicht hoffen, feine Muselmanen über die Wolken zu locken. Ich hatte den Vorzug, einer dieser Unterrichtsstunden beizuwohnen, die mit türkischem Mokka und türkischer Wasserpfeife sehr stilgerecht inszeniert war. Als sechs Wochen herum waren und der Fliegerleutnant Abelmann täglich beim Privatgelehrten Dr. Dotzauer gebüffelt hatte, leckt« der Mann der Weisheit am Zeigefinger, schlug das Kontobuch auf und summierte 30 türkische Stunden ä 3 Mark, gleich 90 „Eier", ein Betrag, vor dem normalerweise ein preußischer Leutnant nicht strammzustehen brauchte. Wie das aber so mit Abelmanns Vorliebe für Kasseler Mäderchen und Herrenheimer Riesling, beides in Extra-Auslese, beschaffen war — jedenfalls war wieder mal sämtlicher Mammon anderweitig ver- disponiert, und er schlug Herrn Dotzauer vor, ein durch 90 Mark Ehrenschulden festgewobenes Band der Freundschaft nach Gallipoli zu spinnen. Da aber vergaß der gute Dotzauer sich selbst, seine durch alle Mathematiken und sprachen der Erde bestens fundierte Würde und fing an, mordsmäßig zu schimpfen, er verlangte 90 „Eier" oder grausige Genugtuung. Glatt schrieb er seinem Freunde, dem alten Mehmed Ali Beb Hassan, er wollte dafür sorgen, daß er, Abelmann, in der Türkei „lein Bein an die Erde kriege", was ja für einen Flieger auf die Dauer sehr anstrengend sein muh! Und jetzt muhte der erfolgreiche Kampfflieger, der sich mit den schneidigen Fliegern Frankreichs und Englands nie anders als mit knatternden Rohren unterhalten hatte, sich auf das ungewohnte Gebiet der Verhandlungen begeben. Er bot dem Dozenten eine Standuhr an, von der er sich erinnern konnte, sie auf dem Boden feines Vaters in Erfurt gesehen zu haben, er wollte ihm Briefmarken in der Türkei sammeln, und schließlich, in einem Anfall von Galgenhumor, schlug er vor, Lehrkraft gegen Lehrkraft zu tauschen und ihm für sein Türkisch das Fliegen beizubringen. Begeistert schlug Dotzauer ein. Die Angst, um sein Geld zu kommen, machte ihn zum Heros. Besitzwut peitscht aus 63 Schreibtischjahren den flammenden Jüngling hervor, und mit zitternder Hand unterschrieb der alte Privatgelehrte den sofort formulierten Vertrag. Es ist nicht einmal zu mutmaßen, welche Fähigkeiten und Möglichkeiten in einem Menschen schlummern können — in tiefem Schlafe — nie erweckt durch das Tor des Todes getragen werden, ohne sich zuvor zur Blüte entfaltet zu haben. Ein Held muß kein Friseur, aber ein Friseur kann sehr wohl ein Held fein, nicht wahr? Wenn eine zittrige alte Gelehrtenhand die Steuerung einer Flugmaschine, Modell 1913, meistert, so kann man wohl sagen, daß die theoretische Mathematik hier eine späte Verklärung ins Reale erfuhr! Wenn nackter Ingrimm über neunzig nicht erhaltene Mark den alten leberleidenden Doktor wie einen zornigen gelben Drachen über die Kartoffeläcker flirren ließ, vielleicht hätten eine höhere Tugend und obwaltende Umstände aus dem Zwanzigjährigen einen Ozeanflieger gemacht ... Wer weih? Wir alle nicht. Leutnant Abelmann versicherte mir, daß noch nie ein Schüler soviel theoretische Kenntnisse mit ins Geschäft gebracht, die Handgriff« so spielend erfaßt und so sicher und furchtlos ausgeführt habe wie der Privatgelehrte Dotzauer. Täglich fast klettert« das alte Lexikon in den Habicht und beschrieb — ein Protest gegen alles bisher in Kassel Dagewesene — über der staunenden Fulda seine Hyperbeln und Parabeln. Leutnant Abelmann nahm zwei Stunden inklusive Mokka pro Tag, und der jüngere Bruder seiner Freundin Elli ■ paukte bei Dotzauer lateinische Nachhilfe auf Verrechnungskosten. Im Zusammenhang mit diesen Umständen allein erscheint es begreiflich, daß ein so intelligenter Mensch wie ich nicht die Matura erreichte und von einer akademischen Lausbahn Abstand nehmen mußte ... Eines Tages aber setzte die Vorsehung hinter diese sensationelle Affäre einen deutlichen Schlußpunkt, mit der entschiedenen Bruchlandung des Wissenschaftlers. Heber ein Heufeld dem Landungsplatz zusteuernd, mürbe er durch eine Böe zu früh hinabgedrückt. Die Maschine stand Kopf. Der Schriftgelehrte flog aus Leinen und Gestänge wie ein Blitz aus der Wolke und schlug in einen bereitstehenden Heuhaufen ein, wobei er die Brille unb zwei Bleististe brach. Abelmann stürzte herbei. Als sich herausstellte, daß Dotzauer unverletzt mar, vollführte der toll« Leutnant einen Freudentanz um den ramponierten „Habicht" und erklärte, ein Guthaben von 800 Mark bei feinem Lehrer und Schüler zu haben und schwor hoch und heilig, mit seinem ganzen Anhang sämtliche Kurse auf Monat« hinaus zu belegen. Da aber die Türken in Gallipoli auf ihn warteten, gab er bem gelehrten Haus ohne Furcht unb Tadel ein Souper mit Herren- Heimer Riesling, ertra Auslese, unb verehrte ihm zum ewigen Andenken den zerbrochenen Propeller. Das ist jetzt über 11 Jahre her. Leutnant Abelmann starb über Gallipoli den Fliegertod. Ich habe nicht mehr vor, dos Abitur zu machen. Aber jedesmal, wenn ich nach Kassel komme, besuche ich den sehr alten Privatgelehrten Dr. Dotzauer. Wehmütig lächelnd, pagodenhaft schwankt das gute, kluge Vrillengesicht über einem Blatt Papier. „Lehrvertrag" ist es überschrieben. Es ist das Dokument einer letzten Tollheit. Aber oben links in die Ecke hat die zittrige Gelehrtenhand in einer kleinmütigen Stunde mit roter Tinte den superklugen lateinischen Satz geschrieben: Quidquid agis, prudenter agas et respice finem! Was du auch tust, sei klug und bedenke das Ende! Und dann erhebt sich der alte Mann und schwankt zur Zimmerccke. Seine gebeugte Silhouette steht gegen das Abendlicht. Liebevoll wischt er mit dem Taschentuch den Staub von dem polierten Holze des Propellers. Man sicht an der wunderlichen Haltung seines Hauptes, daß er eines Toten gedenkt... Oer Spion Napoleons. Von Alfons von Czibulka. Liest inan die phantastisck) klingenden Berichte und Enthüllungen über die Spionage im Weltkrieg, so könnte nian glauben, daß es Aehnliches in früheren Kriegen unmöglich gegeben haben könne. Und doch ist es nicht so. Bei aller Verwegenheit und Schlauheit, ja Genialität, mit der die Geheimagenten aller Staaten, sei es aus ethisch reinen Motiven, sei es — wie zumeist — aus Geldgier handelten, hat die Spionage im Weltkriege die Kriegsentscheidung doch nicht gebracht. Aber zumindest e i n Spion früherer Zeiten konnte sich dieses erreichten Zieles rühmen: der Geheimagent Napoleons I. Uebrigcns nicht erstaunlich bei einem Mann, der es, wenn man seinem sranzösischen Biographen glauben darf, zuwege brachte, als österreichifcher Generalintendant verkleidet, einem Kriegsrat unter dem Vorsitze des Kaisers Franz beizuwohnen. Dieser Carl Ludwig S ch u l m e i st e r — ein Deutscher — ist vielleicht der gerissenste Geheimagent aller Zeiten geivesen. Sein Name und seine für Deutschland so verhängnisvolle Tätigkeit ist heute so gänzlich vergessen, daß ihn, mit Ausnahme der französischen, nicht einmal die großen Nachschlagewerke mehr nennen. Und doch erklärt seine Arbeit manches, was bei aller dämonischen Kraft Bonapartes uns an dessen Erfolgen noch rätselhaft erfcheint. Er war, wenn auch kein angesehener, so doch einer der wichtigsten Mitarbeiter Napoleons; was schon daraus Hervorgeht, daß ihn dieser mit Gold überschüttete. Für Napoleon war aber Schulmeister auch mit Gold nicht auszuwiegen. Denn er war es eigentlich, der jenen ersten Krieg entschied, den Bonaparte als Kaiser führte und von dem fürs erste für sein Kaisertum alles nbhängen mußte. Weil kaum jemals ein Diktator über einen verlorenen Feldzug hinweg Diktator blieb. Als Napoleon im Jahre 1805 sich anschickte, jene von Pitt geschaffene große Koalition — Oesterreich, England, Rußland und Schweden — niederzuwerfen, da betrat Schulmeister ans dem Schatten seines bisherigen Daseins die Bühne der Welt. In einer Szene, die, ist sie vielleicht auch nur Anekdote, doch die Fähigkeiten dieses Mannes erhellend umreißt. Eines Tages erschien ein Deutscher, ein etwa dreißigjähriger, untersetzter Mann, bei Napoleon in Audienz und bat um Anstellung im kaiserlichen Geheimdienst. Er nannte sich Schulmeister. Er gefiel dem Kaiser nicht. Napoleon nahm Anstoß an den roten Haaren dieses Menschen. Denn dieser brandrote Schopf, der dock) bald als Erkennungszeichen in allen österreichischen Steckbriefen erscheinen würde, machte dieses Individuum nicht eben für den Posten eines Geheimagenten geeignet. Der Kaiser entlieh den Bewerber. Ungnädig, wie es scheint. Napoleon liebte es nicht, sich seine Zeit mit Zwecklosem stehlen zu lassen. Aergerlich wandte er sich seinem Schreibtische zu. Da hörte er Geräusch hinter sich, sah sich um und erblickte einen gebückten Greis. Der Kaiser herrschte ihn an, wie er es denn wagen könne, unangemeldet einzutreten. Mit zitternder Stimm« gab der Alts Antwort: „Ick) habe das Zimmer noch gar nicht verlassen, Sire — es ist immer noch Schulmeister, den Sie vor sich sehen." Da nahm ihn Napoleon in seine Dienste, denn er hatte Schulmeisters Begabung erkannt: seine Züge, seinen Blick, seine Stimme so virtuos zu verändern, daß er in wenigen Sekunden einen völlig anderen Menschen aus sich zu machen verstand. Nur eine silberweiße Perücke hatte er über seine Haarflamme gezogen. Was er gewesen war, ehe er so bedeutsam in die Geschichte eingriff, weih man nicht recht. Er wurde als Sohn eines deutfchen Pastors im Jahr« 1770 auf dem rechten Rheinufer unfern Straßburgs geboren. Welche Herkunft ihm aber nicht genügte, denn er verbreitete später das Märchen, sein Großvater wäre ein ungarischer Edelmann gewesen, der aus Not Schulmeister geworden und fortan die Bezeichnung seines Berufes als Namen geführt hätte. Schulmeister selbst wollte Reiteroberst in den Revolutionsarmeen gewesen sein. Was noch gründlicher erlogen ist. Denn in einer Zeit, in der man wieder einmal sein Glück im Sattel machen konnte, hätte ein Mann, der so verwegen war wie Schulmeister, sicherlich nicht als kaum dreißigjähriger Oberst den Dienst quittiert, um Schmuggler am Rhein zu werden. Das war er nämlich wirklich; nachdem er sich als Krämer in Straßburg und später als Marketender in einer sranzösischen Armee fein Brot verdient hatte. In diesen Berufen scheint «r in Berührung mit der napoleonischen Geheimpolizei gekommen zu sein, di« seine Begabung erkannte. Als Spitzel hotte er seine Finger wohl auch in jener Justizkomödie, in deren Verlauf der Herzog von Enghien erschossen oder besser gesagt ermordet wurde. Nachdem Napoleon ihn in seine Dienst« genommen hatte, ging Schulmeister im August 1805 als Spion zum österreichischen Heer« nach Ulm. Dor! bot er dem Kommandierenden dieser Armee, dem unfähigen Feld- marschalleutnant Baron Mack, seine Hilfe an. Er hat dann diesen erbärmlichen Feldherrn so gründlich über bi« Ohr«n gehauen, daß es, obwohl die Truppe sich Heldenhaft schlug, eben zu jener Katastrophe von Ulm kam, zur Wasfenstreckung eines Heeres von fast 40 000 Mann. Der General von Mack glaubte „seinem" Spion, wie er Schulmeister nannte, auch di« dicksten Lügen. Es waren die abenteuerlichsten Nachrichten, die Schulmeister ihm brachte. Ausbruch der Revolution in Frankreich, Landung der Engländer in französischen Kanalhäfen, fluchtartiger Rückzug Napoleons über den Rhein. Diese letzte Meldung glaubte Mack noch, als der feindliche Ring um Ulm sich immer enger schloß, als von allen Seiten schon die Staubwolken der napoleonischen Heersäulen gegen die Festung sich wälzten und man bereits in den Vorstädten' kämpft«. Noch knapp vor der Kapi- tnlation gab er Schulmeister einen Passierschein und hundert Golddukaten Belohnung. Dann schickte er ihn „zwecks genauerer Nachrichten über den Feind" nach Stuttgart, „von wo Schulmeister ober nicht zurückkehrte", wie der begabte General während seiner Untersuchungshaft entrüstet bemerkte. Mit der Kapitulation von Ulm war der Eröffnungsfeldzug entschieden. Vermutlich aber mehr. Ohne diese Katastrophe von Ulm wäre es wohl kaum zu jener von Austerlitz gekommen. Daß Schulmeisters Tätigkeit in Ulm nicht nur eine Legende ist, geht daraus hervor, daß Napoleon den Spion kurz nach der Wafsenstreckung der Oesterreicher mit einem Vermögen belohnte und ihn bei der nun folgenden Besetzung von Wien zum Polizeipräfekten der Kaiserstadt ernannte. Was Schulmeister freilich beinahe nicht erlebt hätte. Denn als er jetzt als Edelsteinhändler verkleidet, ins Oesterreichifche ging, wurde er entlarvt und verhaftet. Doch entkam er. Im kommenden Jahre, es war das Jahr von Jena und Auerstedt, als dann die preußischen Generale sich ebenso unfähig erwiesen wie der verblendete Mack, auch im Norden die Festungen kapitulierten und selbst Blücher sich mit seinem Korps ergab, wurde Schulmeister Polizeipräfekt von Königsberg. Kurz zuvor hatte er an der Spitze von 14 (!) Husaren das nod) von preußischen Bataillonen besetzte Wesel erobert, indem er nachts in die Stadt sprengte und die auf dem Hauptplatz lagernden Truppen zur Waffenstreckung brachte. Auch Anno Neun war er in Wien und Oesterreich. Teils als Generalkommissär der sranzösischen Geheimpolizei, teils als Spion. In der Schlackst von Wagram erkannten ihn österreichische Feldgendarmen. Sie stürmten hinter ihm die Holzstiege eines Bauernhauses hinauf. Da kam ihnen ein österreichischer Feldwundarzt entgegen. Sie fragten ihn, ob er den Spion nicht gesehen hätte. Die Antwort lautete, daß, wenn sie den Mann oben in der Dachstube meinten, Eile nicht mehr not täte, denn der habe sich eben eine Kugel durchs Hirn gejagt. Natürlich sanden die Gendarmen die Dachkammer leer. Wieder einmal hatte sich Schulmeister durch seine Verwandlungskünste gerettet. Ein anderes Mal nahm er, als irgendein deutscher Duodezfürst maskiert, eine Truppenparade ab. Als dann Serenissimus wirklich erschien, muhte er zu seiner Verwunderung hören, daß er eigentlich schon da- gewesen wäre. Selbst seinen Mops verkleidete Schulmeister als Zwergpudel. Zwischen dem falschen Pudelfell und der echten Mvpshaut schmuggelte der Spion wichtige Aufzeichnungen durch die Linien. Kein Wunder, daß er sich bald ein Schloß bei Paris erwerben und ein zweites, noch großartigeres auf dem Gute Meinau bei Jllkirch nahe von Straßburg bauen konnte. Nach diesem Schloße nannte er sich, als er sich von seinem gesährlichen Handwerk zurückzog, Herr von Meinau. Den Namen Schulmeister unterschlug er allmählich. Sein durch Schmuggel und Spionage erworbenes Vermögen muß ungeheuer gewesen sein. Er verlor es aber bald durch verfehlte Spekulationen. Da er erst im Jahre 1853 starb, so hat er auch noch Jahrzehnte eines kärglichen Daseins gekonnt. An sein dunkles Gewerbe ließ er sich nicht gerne erinnern. Als ter berühmte Joseph von Görres einen Artikel über Schulmeisters Vergangenheit veröffentlichte, rannte der alte Spion wütend in die Wohnung des Gelehrten und ohrfeigte ihn. Aber allmählich vergaß man doch feinen einstigen Beruf. Freilich |o sehr, daß auch Frankreich sich nun, da er in Armut geraten war, feiner Verdienste nicht mehr erinnerte. Nur eine letzte Ehrung erlebte er noch, als Napoleon III. im Jahre 1850 — damals Prinzpräsident — den einstigen Agenten seines Oheims in seiner ärmlichen Dachwohnung besuchte. Durch diese Geste den Ehrendank nachholend, den Napoleon I. trotz aller fürstlichen Geschenke seinem Spion zu zollen nicht übers Herz gebracht hatte. Er schätzte Schulmeister, den er „Charles" zu nennen pflegte, aber er verachtete ihn zugleich; obwohl sein Agent von tfriw land her eine Narbe an der Stirne trug und Wesel als Soldat erobert hatte. Darum bekam auch Schulmeister, als er für einen geleisteten Dienst um das Kreuz der Ehrenlegion bat, di« ihn und den Kaiser charakten- fierenbe Antwort: „Nein, Charles! Verlange eine „Million ober mehr, ich werbe sie dir geben, aber bas Kreuz — niemals!" Im Grunde befrachtete ihn Napoleon eben doch nur als eine Kanaille, die dieser merkwürdige Monn schließlich auch war. Das wiedererstandene Smyrna. Von Dr. Leonore K Ü h n. Wenn man in den riesenhasten Golf van Smyrna, fern umgrenzt vom eigentlichen Festland Kleinasiens und einer langen gebirgigen 5)albtn|et, einläuft, so staunt man über dessen Dimensionen; sicherlich ist er auf off Landkarte zu klein eingezeichnet, möchte man meinen. Man ftaunt aua; über die Gewaltigkeit der Stürme, die in ihm toben können, giganmm wie von entfesselten Urgewalten des rätselvollen Asien hergesandt, heulen und schreiend, in den Stunden und Stunden der Einfahrt. Und riesenU hingestreckt und geruyig umziehen imposante Bergketten die weit |U dahinlagernde Ebene, in der Smyrna sich ausbreitet, noch mit eine ziemlich entfernten Villenteil, Kordelio, am gegenüberliegenden Ufer o hier endenden Bucht. Regsame Lokaldampfer, recht stattlich, überkreuz häufig das Gewässer; eine weniger regsame Pferdebahn mit tru.oje» dahintrottendem Gaul bildet das einzige öffentliche Verkehrsmittel Ml des ganzen sehr ausgedehnten Kais. Nach dem mächtigen Sturm war viel zu niedrig angelegte Kai fast völlig überflutet, und die „Pstrdev ' platschte durch Wasser; man kann übrigens bequem im Fahren emim«- Der Wandergewohnte muß sich an das unebene Sinyrnioier wla|ter __ die oft mitten in neuen Straßen stehengebliebenen Niveauunterscy>e durch irgendwelche Märchen ober Schuttlager — erst gewöhnen. kanmlle, ' den Ring taub« ilzten Kapi- Gold- ichten urück- Zshast reden, wohl , geht eckung c nun erstodt in als rde er [t mas- nschien, :on da- Zwerg- opshaut en und ch nahe , als er w. Den dt, als ir ver- ■ selbst präfett usaren ►cm er ernden eneral- in der n. Sie >a kam ob er sie den denn den die rneister Droschken aber sind meist stattlich und zweispännig, mit schöngeschmückten feurigen Rossen — jedes Tier, vor allem die Lastkarrenpferde, trägt hier himmelblaue Perlenketten um Hals oder auch Stirn — zum „Schutz", was mit den vielen rosenroten Wolltroddeln, Schellen und blanken Metallzieraten der Lastpferde, Maultiere und Esel einen recht lustigen Anblick gibt. Ueberhaupt wirkt Smyrna, trotz der grauenhaften Trümmerstrecken, die mitten in der Stadt noch von der Einäscherung des gesamten Griechenviertels (1922) herrühren und nicht beseitigt wurden, und trotz des unleugbar stark zurückgegangenen Gesamtverkehrs, ebenso ergötzlich wie unheimlich, durch das wilde buntfarbige Straßenleben, wo sich alle Nationen des Ostens — jetzt aber kaum noch die griechischen — mischen und in schier unglaublich verlumptem Aufzuge sich besonders noch um das bißchen Erwerb streiten, das der Fremdenverkehr mit sich bringt. Da man keinen Schritt dort tun kann, ohne in den primitiven Verhältnissen und bei Unkenntnis der türkischen Landessprache aus Hilfe, Kundschafter und Dragomane, Träger und Kutscher angewiesen zu sein, so bildet jeder Fremde in der Tat eine mannigfaltige Erwerbsquelle. Im Grunde aber geht es, trotz beängstigendem lärmendem Drängen und Feilschen, ganz gemütlich zu, wenn man den Auswüchsen der Erwerbsphantasie mit Hilfe von kundigen eingesessenen Europäern energisch zu steuern weiß; die „Vertrauensmänner" aller möglichen Zungen und Berufe sind, einmal angeworben, von größtem Eifer und hartnäckiger Verteidigung ihres Schutzbefohlenen gegen andere Reißer, bei Einkäufen oder sonstiger (Ueber-) Forderung. Kurz, das persönliche Element macht sich auch dem Fremden im Guten wie im Bösen sofort bemerkbar, und verbreitet, trotz der völlig unberechenbaren schwierigen Und unübersehbaren Gesamtreiseverhältnisse irgendeine menschliche Wärme — vielleicht aber die Wärme eines Vulkans, der im nächsten Moment verheerend losbrechen kann. Die Gegensätze von feiner Höflichkeit und Anstand und grenzenloser Verkommenheit, Wildheit und Grausamkeit liegen im türkischen Volkscharakter erstaunlich nahe beieinander, wie schon die einfache Beobachtung zeigt, ganz abgesehen von den begründeten Schauererzählungen aus der' Zeit der Verbrennung und Niederrnetzelung der früheren griechischen: Einwohner in Smyrna, die von allen Kundigen bestätigt werden. Ganz Kreta ^iind auch das sonstige griechische Gebiet kennt daher die Scharen von „Flüchtlingen aus Smyrna", die nur das nackte Leben retteten und meist traurig hinwegvegetieren. Auch die griechischen Ortsbezeichnungen um Smyrna herum sind sorgsältig ausgemerzt und durch türkische ersetzt. So ist man denn recht sroh, wenn man in dem einzigen deutsch ge- siihrten größeren Hotel, Smyrna-Palace, hoch am Kai inmitten eines Tnimmermeldes emporragend, ein Stückchen sicheren Boden mit europäischer Zivilisation unter den Füßen hat, mit Warmwasser und sogar abendlicher Jazzmusik, wo sich auch die Smymioter, türkische, jüdische und sonstige sehr elegante „Gesellschaft" gern in den europäischen „Luxus" hineinrettet bei festlichen oder anderen Veranstaltungen; die zerlumpten Gassenkinder drücken sich draußen die Nasen platt an den Scheiben, um etwas von dieser Licht- und Klangherrlichkeit zu erwischen. Jedes bißchen rationelle Sauberkeit und Bequemlichkeit wird hier zur erfreulichen Insel im Meer des Unberechenbaren und Unzivilisierten. Wunderschön steigt Smyrna im Drittelkreise an den bergumkränzten, zum Teil auch schon hügeligen Ufern auf. Das alte türkische Kastell auf dem Pagos-Berge, die Zypressen der türkischen, jüdischen und auch noch der griechischen Friedhöfe, die spitzen zierlichen Minaretts und die breiten, behäbigen oder kunstvoll geschmückten Moscheen, — der halb ländlich wirkende Konak mit schönem Schmuckplatz, aber gemächlicher Verwahrlosung der palastähnlichen Kunsträume geben ein fesselndes Bild. Am interessantesten sind das einheimische Basarviertel und die schmutzigen holprigen Straßen der äußeren Vorstädte nach dem Hauptbahnhof zu — einer besseren Scheune — wo die verschiedensten Hantierungen und unzähligen Bäckereien, Eßstätten und volkstümlichen Kaffeehäuser das Ltraßenbild beleben. Dazu an bestimmten Ecken aufgereihte Galerien von Schuhputzern mit geradezu königlicher Pracht ihrer metallbeschlagenen blitzenden Kasten. Aller Reinleichkeitssinn scheint sich in dies einzige Jn- titut konzentriert zu* haben. Doch kann man neben schauerlichen Gast- tütten und Coses auch höchst appetitliche Bäckereien und Konditoreien ehen, mit seltsamen Honig- und Marzipangebäcken und viel Milch- und Msespeisen. Die Leidenschaft des Ostens — neben der Schuhputzerei und der vorzüglichen Zigarette — find Süßigkeiten von erstaunlicher Fülle. An Bevölkerung ist vom Neger bis zum Levantiner so ziemlich alles Ost- Eüdliche im Straßenbild vertreten. Der Fez ist aber für den Neu-Türken selbst verboten (wie auch der Bau neuer Minaretts!), was den Anblick Mm Teil ins Europäische dreht, neben vielen Volkstrachten — wenigstens ■für dis städtischen männlichen Türken. Von Frauen sieht man aber eigentlich auf der Straße fast nichts anderes als die monotonen schwarzen oder lehmfarbenen, seltener farbigen Gewänder, strenge und nonnenhafte Trachten; glattes Unterkleid mit gleichfarbiger pelerinenartiger Kopfum- dülluvg, die auch außerhalb der. Stadt bet jeder Begegnung ganz vors Gesicht gezogen wird. Man glaubt sich bisweilen in einer Klosterstadt zu befinden! Dazwischen aber aanz kecke und hübsche „moderne" Türken- niabcl. Smyrna hat aber auch seine „gute Stube", so etwa den Kai der Europäer, der sich bis zur sogenannten „Punta" (nebst einem zweiten «ahnhos) am grünblauen Wasser erstreckt, wo auch die Konsulate un!< weis liegen; ober einige kahle, enbloje neue Straßen, bie sich vom Hasen „ b fast zum ärmsten Eingeborenenviertel erstrecken, wo an der Peripherie "Us der an sich unscheinbaren „Karawanenbrücke" bie großen bunte(= pingen Kamele, wie roanbelnbe Gebirge, dazu noch beloben mit Bergen °n unförmlichen Lasten, in die Stadt ziehen. Weiterhin, an steilem, noch « Tempelspuren bedecktem Abhang sich heraufziehend, sind im Süden * f^abt geräumige Terrassenlagen als öffentlicher Park mit üppigen • (L- cn ganzen geschaffen. Der Blick von dort, über Stadt, Golf und i B.?..lr9slQnb, besonders aber ein Sonnenuntergang von dort aus gesehen, 1 Li, $cn Unvergeßlichkeiten des Lebens. Das Wahrzeichen Smyrnas, 1 rn ',be'6en Brüder", malerische Doppelberge der nahen Gebirgshalbinsel 1 8«n bann tiesschwarz mit bläulichem Hauch — wirklich am besten mit n muh Spcku- >rzehnte Als der gangen« ing des eilich |o •, feiner >r noch, — den lohnung oleon I. rs Herz nennen Friederoberi t Diensi rrakteri- r mehr, rzt vom rlbinsel, aus der nt auch gantisch heulend esenhaft >eit sich einem fer der kreuze" rübselig I läng" oar der lebah" steige"- ter u"d jede "7 n. ®ie Heidelbeerfarbe zu vergleichen; die Sattheit der Himmelsfärben, saftroter wie goldgelber, die messerscharfe Klarheit der großzügigen Berglinien, das Schimmern der weißen Häusermassen und die dunkel ragenden Zypressen machen dieses Bild zu etwas Einzigartigem. Ueberroältigenb wie das zornige Antlitz der Natur ist hier auch ihr schönes und friedliches, — von majestätischer Ruhe und üppiger Fülle. So bietet denn auch schon im Vorfrühling die Umgebung von Smyrna und die weiten, grünen Tolslächen bisweilen durch sehr ansehnliche Gebirgspässe geschieden, ein herrliches Bild mit den fruchtbaren Olivenhainen, riesigen alten Zypressen und türkischen Brunnen, den blüten- durchwucherten Weinfeldern und vor allem den Scharen von herrlichen glutroten und luftigblauen großen Anemonen neben viel Mohn. Sämtliche Schattierungen von Tiefpurpur bis Blaßrosa, von Violett und Stahlblau bis Zartbläulich sind auf Halden und am Rande der Bergwege vertreten, ein Anblick von überwältigender Fröhlichkeit; dazu die mannigfache Obstblüte und das zarte Grau der Oliven. Die Feigenbäume treten um diese Jahreszeit noch nicht so stark hervor, trotz der berühmten „Smyrna- Feigen", die meist aus anderen Orten stammen. Alt-Smyrna, einst auf stattlicher Höhe im 11. Jahrhundert v. Ehr. gegründet und weiter zurück im Bergland gelegen, zeigt nur noch spärliche Reste von Befestigungen und zyklopischen Mauern zwischen einem Gewirr von Felsblöcken, sowie das sagenhafte Grab des Tantalus — heute eine wüste, großartige Felstrüinmerstütte. Auch ein gut erhaltenes Felsenbildnis am Gebirgspaß von Karabele in der weiteren Umgebung Smyrnas, das einst für das Bild von Ramses II. gehalten wurde (so von Herodot), aber jetzt als Bild eines Hettiterkönigs von zirka 1500 v. Ehr. erkannt ist, bezeugt die einstige Bedeutung dieses vielfach von der Geschichte getränkten Bodens — erstreckte sich doch auch das Reich des Lyderkönigs Krösus und später des Cyrus auf dieser Halbinsel Asiens. Smyrna wird auch als eine der möglichen Geburtsstätten Homers ausgezählt, und man wird verstehen, daß hier die epische, langatmige Breite heldenhafter Gesänge gedeihen konnte. Von hier gelangt man zu den Ruinen von Sardes, der Krösusstadt, der einst so prunkvollen, herrlich gelegenen Königsburg, überfrönt von Schneebergen, nach den Stätten von Pergamon und Troja im Norden, von Ephesus und Milet im Süden; neben anderen einst regsamen Zentren von Kultur- und Geschichts- ereignissen. Heute herrscht der Türke — der übrigens seiner Sympathie für Deutschland oft herzlichsten Ausdruck gibt; dickbehoste Türkinnen und kopftuchumwickelte Türken arbeiten fleißig in den Lehmdürfern und auf den Feldern. Hier sehen die Frauen wie Männer und die Männer von fern oft wie Frauen aus. Die Kamelkarren rasen, Esel und flinke Pferde durchschreiten ruhig unzählige brückenlose Flüsse und Bäche und bewältigen die oft grundlosen Lehmwege, auch da, wo Auto und selbst leichte Wagen hilflos versagen. Aber von Angora, der neuen Hauptstadt im Innern des Landes, kommen modernere Ideen und Impulse und rütteln an dem asiatischen Gesicht dieser Landschaft und dieser Menschen. Doch es blieb noch, wie Smyrna selbst, unbeweglich, umspielt vom geheimnisvollen Licht des Ostens. Dunkle Blätter. Aus dem Taschenbuch eines deutschen Ingenieurs. Von Max C y t h. (Fortsetzung.! Man bat den Sultan um Schutz für die Familien. Abbas, der davon gehört hatte, schickte königliche Geschenke nach Stambul; der Kalif schwieg. Als er durch die Frauen aufs neue gedrängt wurde, fragte er: ,Wo sind eure Beweise?' Wir hatten keine. Da meinte der Kalis: Mas betrübt ihr diesen Abbas, wenn er für euern Glauben eifert? Kann er etwas tun, was Gott nicht will? Laßt ihn in Frieden!' Und auch Zohra Pascha, die meiner Mutter von Zeit zu Zeit Nachricht gegeben hatte, obgleich sich die Frauen nicht liebten, schwieg seit einem Jahre wie ein Grab. Bei Gott, Baschmahandi, es waren schwüle Tage, wie ihr sie in Europa schon lange nicht mehr kennt. So wurde es Juli, und unser Schaaban kam heran. Nur Said in Alexandrien war sorglos wie immer und im Begrisf, nach Marseille abzüreisen, um in Frankreich eine Fregatte zu bestellen. Das Geld für das Schiff hatte er in der Tasche, und von Marseille nach Monako war es nur ein Sprung. Er freute sich schon auf das zweite Schiff, denn er war entschlossen, es spielend zu erobern. — Aber, Ranies, wahrhaftig, du schläfst! Erzähle weiter, damit du wach bleibst!" „Ich schlafe so wenig, als ich vor zehn Jahren in der Nacht des Verhängnisses geschlafen habe", sagte Romes ernst. „Willst du, daß ich vor den Ohren des Bafchmahandis, des Fremdlings, erzähle?" „Er ist kein Fremdling für uns", sprach Halim mit ungewohnter Wärme, „und er weih, was alle Welt weiß. Erzähle!" „Ich war unter mancherlei Not und Gefahr im Dienst Abbas Paschas ein großer Junge geworden", hob Romes Bey ohne weitere Umstände an, „und verwaltete noch meine Pfeifen, als der Pascha schon drei Jabre lang Mzekönig gewesen war. Da wurde ich plötzlich abgesetzt und kam zu den Pferden in den Marstall. Ich dankte dem Allgütigen, denn ich liebte die Pferde weit mehr als die Pfeifen und konnte reiten, ohne cs gelernt zu haben, wie ein Beduine. Meine Kameraden hatten nicht nötig, mich zu bedauern. Der Grund aber meiner Absetzung war dieser: Der Pascha hatte zwei neue Mamelucken aus Stambul erhalten, zwei Brüder, Tscherkessen, die noch die Sprache der Berge kannten und frisch waren wie' zwei junge Adler. Sie hießen wie die heiligen Märtyrer: Hussein und Hassan. Wie diese waren sie Zwillinge und prachtvolle Leute; dabei gewandt und anstellig, obgleich sie noch kein Wort Arabisch verstanden. Das alles mar, was Abbas liebte. Wenn er genug hatte an seinen Papageien und Assen, wollte er schöne Frauen um sich haben und schöne Männer. Gott wird den Sünder verdammen!" Jahr (Fortsetzung folgt.) S» errate Ah«! j6o lass «n Kerl Aber "ur verb «n, aus Haupt. $ Deranttvortlich: Dr. HanS Thhriot. — Druck und Der lag: Drühl'sche UniverfitätS-Buch- und Steindruckerei. X Lange, ®ie*e Ich erschien gerade beben', weiten gedeckte wänden leuchtur Saal sc Da | „Mc „Eir Der Otten E Aermeli Halter, der öori fällt ein Augen. Wie scheinlick reichte, lichen L Magazi, „Vie „Die Nun „Der Bühne einem ei „Es 6000 An „Und „Auf „Wie . „Vis doch, der Sie unzi «Wei „Das Ichule g< Wem u Meier 1; sicher genüg auf dem Weg« nach Kairo. Ich dachte an dich, o Hali«« Du hattest mich als kleinen Jungen vor dem toten Mann gerettet. Nu« wollte ich au chetwas retten, ich wußte kaum was und wie. Aber bei Gott ist keine gute Tat verloren. Der Morgenwind machte mich ruhiger, und als ich nach zwei Stunden Schubra erreichte, wußte ich, was ich wollte ich auch etwas retten, ich wußte kaum was und wie. Aber bei Ich war wie ein Reiter des Allmächtigen, der mit der heimlichen Kunde durch das Land fliegt, daß die Hand des Allgerechten den König erschlage,, hatte." Rames schwieg wie erschöpft. Halim rauchte lebhafter. Dann begn,,,, der Prinz, wie unwillkürlich, mit blitzenden Augen weiterzuerzählen. „Man rief mich in der Morgendämmerung. Ich hatte auf dem Dach des Hauses geschlafen und sah die Sonne aufgehen über der Abbasiyr und der nahen Wüste. Ich dachte, wie lange ich sie noch sehen werbt, denn die Nacht des Verhängnisses war in Schubra ohne ein Zeiche« vorübergegangen. Wir wußten nicht, wann das Schwert fallen und tuen es treffen sollte. Der Tag lag vor mir in blutroter Stille, als man mich rief. Ein Mann war im Garten. Ich fand Rames, von Staub und Schweif bedeckt, so daß ich ihn kaum erkannte. Er grüßte mich, wie er seine« Herrn zu grüßen gezwungen war, und sagte so leise, daß ich es kaum hören konnte: ,Gott ist gerecht! Dein Neffe liegt tot in seinem Bad zu Benha.' Glauben Sie, daß es meiner Seele einen Stoß gab, den ich noch nach Wochen spürte? Aber konnte ich dem Mamelucken trauen? War es eine List Abbas Paschas — er war schlau wie ein Asse —, um mich zu einem Wort, zu einem Schritt zu verleiten, der mich in seinen ertp* denen Dolch stürzen muhte? Ich sprach: ,Gott tut, was er will!' unb hieß Rames nach Benha zurückreiten, so schnell, als ihn El Doga« tragen könne. Man dürfe nicht wissen, daß ich die Kunde empfange« habe. Dann ging ich nach der Gabeleia, setzte mich unter eine Tamarish und überlegte. Said Pascha sollte an diesem Morgen von Alexandrien abreisen, i« einer Stunde konnte er an Bord sein. Er war der rechtmäßige Nachfolge; Abbas Paschas. Hatte Rames nicht gelogen, so war bas Land ohne Herrn, wenn Said es verließ. Was Elfy Bey und seine Freunde in diesem Falle zu tun gewillt waren, war nicht schwer zu erraten. Dee kleine Jl Hanri ben Abbas war in Damiette, das war ein Glück. Ab» Elfy und der Ulema waren entschlossene, ehrgeizige Leute und zauderte« nicht, wenn die Gefahr ihnen an die Kehle griff. So weit kannte ich bk Herren, die mein Neffe um sich hatte. Said muhte um jeden Preis aufgehalten werden und die Gewalt in die Hand nehmen, ehe es andre taten. Ein Telegramm hätte ihn erreich! Aber wie konnte ich es wagen, zu telegraphieren, was ich hoffte, was ich aber selbst nur halb glaubte? Doch es mußte [ein. Ehe ich den Schack« der Tamariske verließ, war meine Depesche geschrieben und auf b« Wege nach dem englischen Telegrapenbureau in Kairo. Dort war e- wenigstens sicher, abgesandt zu werden. ,Das Haus in Kairo, das t» suchst, ist leer. Die Tür steht offen. Tritt ein!' Das mußte er verstehe!« wenn er der Sohn seines Vaters war. Er verstand es. Später erzählte er mir, daß er, eben im Begriff nach dem Hafen zi reiten, die Depesche noch am Tor des Palastes erhielt. Statt weilen zugehen, setzte er sich, wie ich, im Garten des Ras el Tin unter eint Tamariske und ließ den französischen Dampfer, auf dem für ihn und sein Gefolge Plätze gesichert waren, zum Hafen hinausfahren, und als der Rauch des Schiffes am Horizont verschwunden war, hatte er die Lagt der Dinge begriffen, schickte zum Gouverneur von Alexandrien, erbat sich dreißig Reiter und ritt noch am Abend über Damanur in der Richtung nach Kairo davon. Als er aber nach einem Ritt von hundertundzwanzig Kilometern in früher Morgenstunde durch Benha kam, hörte er, baß Abbas, der Vizekönig, am Abend zuvor mit Elfy Bey und dem Uletim abgereift sei, um nach der Abbasiye zurückzukehren. Die Effendis und Katibs der Stadt waren voll Rühmens, mit welchem Gepränge <5eint Hoheit diesmal gereift fei; er habe sogar die vergoldete ^Staatskuischt benutzt, die seit Mohammed Alis Zeiten hier gestanden habe. Said erschrck Wie konnte er sich das zusammenreimen? War das Telegramm eine Fallt? Hatte er es vielleicht doch mißverstanden? Er blieb mit feinen Reitern den Tag über in Benha, nachdem er den Telegraphisten der Bahn ins Schloß geladen und ohne Federlesens eingesperrt hatte. Hätte er gern» daß Sukki Bey, der Leibarzt, im gleichen Keller, in einem andern MA gefangen lag! Der eine sollte nichts von Abbas, der andre nichts w Said verraten können. So wartete er, bis es Nacht war, und dachte w Dann erst ritt er mit seinen Leuten weiter. „Auch in Schubra gab mir der Tag genug zu denken", fuhr Hall" fort, nachdem wir schweigend wieder ein Täßchen Kaffee geschlürft Ham" „Nachmittags sandte der Schech von Kalinb, der mir ergeben war, ew> Läufer mit der Nachricht, der Vizekönig mit großen, Gefolge I* soeben von Benha und sei, wie man höre, auf dem Wege nach der W“ siye. Um fünf Uhr etwa muhte er auf der Straße nach Kairo du " Schubra kommen. So hatte mich also Rames belogen! Ein echter MU luck! .Schlangen sind sie alle', dachte ich bei mir und bereitete mich 03' den Vizekönig, wie es Sitte war, am Palasttor zu begrüßen, »enn nicht eintreten wollte. Ehe ich jedoch meine Staatskleidung angelegt W ' wurden mir zwei Mamelucken Abbas Paschas gemeldet, die dem M vorausgeritten waren. Sie hatten den Auftrag, mir zu sagen, daß « Hoheit, mein Nesse, mich grüßen lasse, aber nicht wünsche, g|W.. ausrichtete, stand dieser mit gesenktem Kopf und geschlossenen a » hinter ihm. Dies war nicht natürlich. War es ein Zeichen? Was |o« bedeuten? „Fluche nicht, o Rames", mahnte Halim. „Gott verdammt, tuen er will. Erzähle!" „Und schöne Pferde", fuhr der Tscherkesse fort. „Nach wenigen Wochen wurden Hassan und Hussein Pfeifenträger und erste Kammerdiener. Es waren wortarme Leute, finster und still, wenn sie mit uns zusammensaßen, still und geschäftig um den Pascha. Wir andern haßten sie. Sie schienen sich nicht darum zu kümmern. Es hieß, des Paschas Agent habe nach einem Probemonat für jeden hundert Börsen verlangt und erhalten und habe das Paar selbst geschenkt bekommen. — Soll ich erzählen?" „Erzähle, was du gesehen hast", sagte Halim, „nicht was man dir vorschwatzte!" „Nach kurzer Zeit waren die zwei in höchster Gunst. Es hieß, der Astrologe, der alte Soliman el Habeschi, habe für sie in den Sternen gelesen und dem Pascha seine Weisheit mitgeteilt. Seitdem wachten sie in feinen Vorzimmern bei Nacht und versuchten seine Speisen, ehe er ah. Er schenkte ihnen Pferde und goldgestickte Gewänder und Geld wie keinem von uns. Bei unfern fortwährenden Wanderungen von der Abbasiye nach Benha, von Benha nach dem Bahr el Beda und wieder zurück nach der Abbasiye hatten sie für alles zu sorgen, was er brauchte, und ihn bei guter Laune zu erhalten, wenn er nicht im Harim war. Das war keine kleine Aufgabe, aber es gelang ihnen, wie es noch niemand gelungen war. — Wie wir andern schimpften! Bis zum Feste en Nutz min Schaaban hatte man gewöhnlich in der Abbasiye gewohnt. Aber es wurde zu heih in der Wüste, und zu Benha, in dem neuen Schloß am Nil, waren herrliche Bäder eingerichtet. Der Pascha befahl, zwei Tage vor dem Fest, dorthin zu übersiedeln. Das Gefolge war nicht groß: der Kriegsminister Elfy Bey, der, seit man an den heimlichen Plänen arbeitete, ihn stets begleitete, der Ulema, welcher feine Gebete leitete, der Astrologe Soliman el Habeschi und ein Dutzend Mamelucken, das war alles. Wir hatten uns rasch in Benha eingerichtet, aber einen schlechten Tag gehabt. Der Chamsin wehte und trieb und blies die Sandwolken über den Nil, daß es im Palast nicht auszuhalten war. Abbas war wie ein gereiztes Tier, wenn der Chamsin wehte. Er war fett geworden, und die heiße Luft nahm ihm den Atem. Wir wagten kaum, ihm nahe zu kommen. Selbst nach Hassan hatte er mit einer ungeladenen Pistole geworfen und dabei einer marmornen Astarte aus Neapel den Kopf abgeschlagen. Der Mameluck mußte die Pistole aufheben und sie laden. Er war nicht weit von seinem letzten Augenblick, als er sie dem Vizekönig überreichte, der schweigend fortfuhr, damit zu spielen; doch Abbas war dem seinen näher. Der Astrolog hing den Kopf und sah traurig drein, wie ich ihn noch nie gesehen hatte. Sein langer Bart berührte fast den Boden, und auf feiner Stirn stand der Angstschweiß. Ich glaube, er wußte, was kommen mußte, obgleich man in jener Nacht keine Sterne sehen konnte. Die Lust war voll Staub. Vierzehn Tage später sollte ein Rennen in Alexandrien abgehalten werden. Man sagte nachher, der Schluß dieses Festes wäre das Signal des großen Mordens geworden. Sechs Pferde aus dem Gestüt von Benha sollten mitlaufen, und in aller Morgenfrühe, nach der Nacht des Verhängnisses, solange es noch kühl war, sollten sie dem Pascha vorgeführt werden. So kams, daß ich schon zwei Stunden vor Sonnenaufgang im Marstall war, um nach den Tieren zu sehen, sie striegeln und abreiben zu lassen. Damals war El Dogan sieben Jahre alt und die Freude meiner Seele. Ich hatte ihn seit zwei Monaten nicht gesehen, so daß er vor Lust wieherte, als ich ihn begrüßte, ,9a, mein Dogan', sagte ich zu ihm, ,dn sollst mitlaufen und alle andern hinter dir lassen. So will ich dich ans Ziel bringen oder den Hals brechen.' Und wie er nickte, sehe ich über seinen Kopf weg nach der Stalltür. Da stand der Astrolog, ohne Turban, den Bari über der Schulter, und keuchte: ,Der Pascha! Der Pascha! Allah ist gerecht. Der Pascha liegt im Bad — keinen Laut, Rames! — der Pascha schwimmt in seinem Blut!' Gott ist der Allverzeihende! Ein freudiger Schreck fuhr mir durch alle Glieder. Wie der Wind flog ich die Treppen hinauf — ich kannte den Bau in allen Winkeln — auf den Zehen. Es war noch tiefe Nacht; kaum dämmerte der Morgen in den Gängen. Im Vorsaal des Badezimmers brannte eine hängende Lampe, mit rotem Flor verhüllt. Die Purpurteppiche vor der Tür hingen lose herab. Ich schlug sie auf. Wenn es mein Tod gewesen wäre, ich konnte es nicht lassen. Ein roter Lichtstreif fiel auf das Marmorbecken. Das Wasser war schwarzrot gestreift. Ein nackter Arm hing über den vorderen Rand der steinernen Schale; auf dem hinteren lag der Kopf: ein Auge auf der rechten Wange, der Mund bis an das linke Ohr geschlitzt, ein Stich im Hals. Das Gesicht war einer Teufelsmaske ähnlicher als einem Menschenantlitz, aber voller Leben. Der Schnitt machte, daß es zu lachen schien: eine fette, blutige Fratze. Alles ringsumher war todesstill. Ich sehe noch, wenn ich die Augen schließe, die bleiche Larve, die mich aus der Badewanne anstarrte, das Dunkel der reichgeschmückten Kammer mit ihrem Stalaktitendom, den roten Streifen Licht, der von außen in die schwüle Stille fiel. Er war tot, Allah sei gepriesen, fteintot; aber der Afrit wollte seine Wohnung noch nicht verlassen; der regte sich noch in ihm. Da hörte ich ein Geräusch im Borsaal, leise Stimmen, die sich riefen. Ich wandte mich und flog die Treppen hinunter in meinen Statt. Ich wußte kaum, was ich tat, aber während ich El Dogan sattelte, kam mir die Ruhe wieder. Ich führte das Pferd durch die Hintertür des Marstalls ins Freie und am Zügel den Fußpfad am Nil entlang. Dort, am Ufer, faß ein kleines Männchen ohne Turban. Es war der Astrologe, zitternd wie Espenlaub. Mas machst du hier, Soliman ben Aschraf?' fragte ich ihn. ,Weißt du es nicht?' fragte er. ,Sie haben Sukki Bey, den Leibarzt, eingesperrt und werden mich ermorden. Sie suchen mich, um mich zu töten. Alle, die wissen, daß er tot ist, müssen sterben. Es ist aus mit uns.' ,Mit mir noch lange nicht!' rief ich, schwang mich auf den Falken und ließ ihn laufen, laufen, wie er noch nie zuvor gelaufen war. Ich war