3* en $app. ■ aus b» lick Wfc ück. Äinb, den fpatte ?eit. Da« 1905 3» ■ in ein« ag sie bet Unterhaltungsbeilage zum Gießener Anzeiger MgangMO Freitag, den 8. August Nummer 61 avdurch« )t klaW als er sch zu TW, mit Srops ? Es ms alles n«. ;m zweiki :e er auch dach M «eihe H«» : ein gute it> es em Tragmi bgeschlch» Hochsommernacht. Von Wilhelm Weigand. Hochsommernacht, Hvchsvmmernachtl Sv plötzlich bin ich aufgewacht... Was hat mich leise angeweht? Ein Atem kommt, ein Atem geht. Wie flüssig Gold der Springbrunn fällt, in tiefstem Frieden liegt die Welt und breit erqutllt des Mondes Licht... Was webt um mich wie ein Gesicht? Was schwindet dort? Was kommt und geht? Don fremdem Hauch bin ich umweht, gebannt von unnennbarer Macht-- Hochsvmmernacht, Hochsommernacht! Alte sagte jttert ja |i ie Tüte mit ben, ThM it doch, bas is Klügste/ eine 31ui» >e hinunter Haffen, ml n siehe uni erftimmung, ; die Frage vertilflboKt res Mieiea irlich feine« ein. da sie bei ie Alte, ad , ich buch» > ausbrest ennt wHi Ehrenb k übe Treff e aufgi* wollen Mann, w» ein! Ne, bj einer « r, unb ba«< Ditflid) P* iele schi^' nnneisier^ erstickt h-i ■ drüben d denke.' je. M" in ®* Mit dem Feuer spielen... Aovelle von Georg Hirschfeld. Die beiden Jungen des Klein-Bauern waren mit der Lehrerstochter allein. In Groh-Damerow wurde die neue Kirche geweiht — da waren die Ktein-Damerower alle hinausgezogen, um bas gute Bier und das Festessen nicht zu versäumen. Aur die Alten und ein paar Gleichgültige vom Gesinde, die sich einmal ausschlasen wollten, waren zurückgeblieben. 2n dem Häuschen des Kleinbauern aber saßen nur die drei Kinder. Lotka, die neunjährige Lehrerstochter, hatte eine seltsame Art, die beiden Jungen anzusehen. Sie glich ihrem Vater, ihre braunen polnischen Augen brannten sich ein, und sie lachte plötzlich ohne Ursache mit ihren kleinen Zähnen. Fritz und Jost, die schmalen Blondköpfe fahen ihr dann verblüfft und etwas mißtrauisch ins Gesicht — da lachte Lotka nur noch stärker. „Warum seid ihr eigentlich nicht mitgefahren nach Groh-Damerow? Weil ihr mit mir zusammen sein wollt?" »Und warum bist du nicht mitgefahren?" fragte Fritz. »Weil ich lieber mit euch allein bin!" Die Jungen schwiegen und sahen sich nicht an. Lotka hatte sich einen Apfel geholt, obwohl es verboten war. Aun sah sie vor ihren Freunden und lieh den roten Ball immer aus einer Hand in die andere gleiten. Die blauen Augen der Klein-Bauern-Söhne folgten dem flinken Spiel. »Ich möchte eigentlich wiffen, wer klüger von euch ist; oder seid ihr beide dumm?" „Das können wir dir nicht sagen", meinte Jost mit schwerfälligem Lächeln. »Du hältst dich wohl für sehr klug?" fragte Fritz gereizt. »Ich glaube Jost ist viel gescheiter!" Jetzt warf Fritz seinem jüngeren Bruder einen schnellen Blick zu. Das gute Kindergesicht Josts wurde dunkelrot, aber es hatte einen Ausdruck, als ob er Fritz um Verzeihung bäte. Immerhin, er gab das Lob von Lotka nicht um seine Abendsuppe her. „Jost hat auch mehr Mut als du! Weiht du das, Fritz?" Mit diesen Worten warf Lotka den Apfel in die Höhe und sing ihn geschickt wieder auf. Beide Brüder waren zusammengefahren und starrten sich an, als ob sie sich zum erstenmal fähen. »Unsinn", flüsterte Jost, „Fritz ist viel stärker als ich." »Darauf kommt es nicht an." »Aätz kann fchon melken." »Eure eine Kuh!" »Mir haben zwei." «Ar seid armselige Leute!" »Aist du etwa eine reiche Bauerntochter? Dein Vater säuft und man pr nicht mehr lange Lehrer fein kann." ... »Mein Vater! Der ist euch allen über! Der spielt Geige - das tst kinri®ll8t^eimann5 Der hat Bücher - davon versteht euer Vater funkelte in Fritzens sonst so stillen Augen! „Du bist eine Polnische!" . „Und du kannst betteln! Du wirst an untere Tür klopfen, wenn ihr Mausgeworfen werdet! Es heiht ja, euer Haus ist so verschuldet, daß euch kein Stein mehr gehört!" » -Und deine Mutter?" schrie Fritz. „Die sitzt in einem ganz anderen Es! Die hat ja gestohlen in der Stadt!" Sn» ? 'prang auf. Schon wollte sie den Apfel Fritz ins Gesicht schleudern- b“™ aber besann sie sich, lachte und steckte plötzlich dem verblüfften Jost 6 Aucht in die Hand. "äu gefällst mir. Fritz ist häßlich!" Wieder sahen die Brüder sich an. „Gib den Apfel her", tagte Fritz, „der gehört mir. Ich kriege einen zur Abendsuppe." Josts Augen wurden groß und starr: „Lotka hat ihn mir gegeben." „Die hat ihn genommen. Die stiehlt wie ihre Mutter." „Pfui! Das tollst du nicht sagen." „Soll ich nicht?" Jetzt waren sie aneinander. Doch Lotka warf sich dazwischen. Kratzend und beißend trennte sie die Brüder. Wit glühender Miene rief sie: „Laßt das! Wenn ihr euch prügelt, lauf ich davon! Dann seid ihr ganz allein!" Das wirkte. Zerzaust und mit blutigen Schrammen standen Fritz und Jost sich gegenüber. Es war ihr erster Kampf gewesen. Scham und Wut standen auf ihren bleichen Zügen. So blickten sie auf das kleine Mädchen, das ihren Bruderbund gesprengt hatte. „Setzt euch!" befahl Lotka. Sie gehorchten. Ihr Jungenstvlz war zum ersten Male gebrochen. Die Augen des Mädchens irrten schimmernd von einem zum anderen: „Wir wollen etwas spielen! Liebel Kennt ihr das?" Als Fritz und Jost gleichzeitig .Nein' antworteten, lachte Lotka ganz toll auf. „Das glaube ich! Ihr seid ja beide so dumm!" Sie saßen wie gelähmt und starrten Lotka an. Sah sie nicht plötzlich wie ihre Mutter aus? „Also ihr leid langweilig. Wir muffen etwas spielen, sonst laufe ich euch davon!" „Aur nicht weglaufen!" Jost faltete die Hände bei dieser Bitte- Fritz runzelte die Stirn und blickte wie gebannt auf Lotka. „Feuer spielen! Das ist schön." Singend klang es von Lotkas Lippen. Es glänzte schon wie ein feuriger Widerschein in ihren Augen. „Das dürfen wir nicht. Das ist streng verboten." „Warum?" „Weil es gefährlich ist. Das ganze Haus kann abbrennen." „Ihr feid doch versichert." „Davon weih ich nichts. Aber nebenan sind Reimanns Scheunen. Da liegt das Stroh bis ins Dach gepackt." „Wenn das mal brennte! Denkt doch wie schön!" „Das Schulhaus ist weit weg. Euch schadet es nichts." „Wir müffen Feuer spielen. Wenn ihr das nicht tut, seid ihr beide feige." „Vater und Mutter haben extra noch einmal vom Wagen heruntergerufen, als sie abfuhren — —“ „Unsinn! wir nehmen uns ja in Acht!" „Oben fchläft Großmutter!" „Die hat nichts anderes mehr zu tun! Jetzt nehmen wir die alte Kiste - da ist Papier und Lumpen drin - hier ist der Eimer und die Gießkanne, damit wir gleich löschen können - und wer holt Feuerzeug? Will doch mal sehen wer Wut hat! Der erste, der Feuerzeug holt, kriegt einen Kuß von mir." Sie lachte gellend, als Fritz und Jost zugleich liefen und sich um die Zündholzschachtel balgten. Aun kam ein wilder, rätselhafter Eifer über die drei. Mit Jauchzen wurde alles überstürzt. Plötzlich flieg eine lange rote Flamme aus der Kiste empor. „Bravo! Bravo! schrie Lotka. „Was tust du? Dein Zopf brennt!" „Macht nichts!" Sie wühlte in dem feurigen Kram. Schon flatterten brennende Fetzen in der Stube umher. „Aun löschen, löschen!" rief Lotka jubelnd und doch ängstlich. Sie schleppten Waffer, sie goffen, doch die Stube war von beißendem Qualm erfüllt, und als sie vom Brunnen zurückkamen brannten die Gardinen. „Jesus, das Muttergottesbild!" Wie grauenhaft! Das brannte zuerst. Ein großer Zorn schien aus den Augen der Maria zu leuchten. Die Kinder verloren den Kopf. Fritz riß an den brennenden Gardinen, Jost warf sich, wie er war, auf die furcht- bare Kiste. Lotka aber stieß ein Fenster auf und schrie, halb lachend noch, tote sie im Spiel geschrien: „LöschenI Löschen!" Aus dem Dachfenster zeterte und wimmerte die Großmutter. Sie war gelähmt und fah sich verloren. Wer holte sie? Trotzdem fchrie sie: „Dta Kuh die Kuh!" Doch auch die Kuh holte niemand. Erst als das Dach in Flammen stand und die Funken in Reimanns Scheune flogen, regte es sich im Dors. Heiser bellte die Kirchturmglocke. Verstörte Gestalten mit Wasserlübeln und Leitern liefen - sinnlofe Rettungsversuche. Die Knechte, die nicht in Groh-Darnerow waren, bemühten sich um die Feuerspritze. Aber man wußte es seit dem Sommer - sie ging nicht mehr. Dazu der Herbststurm, der von den Stoppelfeldern herüberfegte! Schauerliche Lust am Zerstören, ein Strafgericht- Man betete, man läutete, und der weithin gerötete Himmel ritz die Zecher in Groß-Damerow von der Wirts- täfel fort. Sie stolperten zu ihrem Wagen, sie peitschten die Gaule heimwärts, das Unglück mutzte unübersehbar sein! Als man endlich naher kam, sah man, dah das ganze Dorf brannte — das ganze blühende ^^Was^nützten die Spritzen aus dem Bezirk? Das Getreide schwirrte glühend durch die Luft, bas Vieh lief in wahnsinniger Angst über die Felder. Da sahen die Bauern, dah nichts mehr zu retten war, und berechneten sich in stoischer Verfassung die Versicherungssummen. Doch der Kleinbauer und sein Weib taten das nicht. Er und sein Weib drangen in die furchtbare Brandstätte ihres Hauses. Da fanden sie auf der Treppe die tote Grohmutter, die sich so weit geschleppt hatte. Die Kinder sanden sie nicht. „ , . _ „ ,. Fritz, Jost!" brüllte der Vater durch das Fenster hinaus. Vie hörten ihn nicht die beiden Jungen. Sie tobten über das Feld hin, hinter der verängstigten Kuh her. Da sahen sie plötzlich, daß auch Lotka vor ihnen war. Floh sie vor ihrem Zorn oder wollte sie das Vieh retten? Lotka strauchelte. Sie fiel und konnte sich nicht sofort erheben. Die Brüder stutzten. Doch Fritz warf sich in plötzlicher Wut auf die Lehrers, tochter und griff nach ihrem Kopf und zog sie an ihren Zöpfen hoch, wahrend Jost mit taumelnden Gliedern der Kuh nachlief.---- Gesegnete Not. Don Gustav Schüler. Wenn du vor Vot kaum schreiten Und kaum noch sehen kannst: Dann find die großen Zeiten. Zeig' in den Dunkelheiten, Was du an Licht gewannst. Wenn alles dir genommen, Was leis bas Leben schmückt. Bist du zu mir gekommen, Und tief in dir entglommen Ist, was dich weit entrückt. Außerirdische Stationen. Von Dr. Walter Lipps. Schon für die nächste Zeit ist der Ausstieg der ersten Rakete geplant. Soll diese auch nur Höhenmessungen und der Erprobung neuer Fallschirme dienen, so ist damit doch der erste Schritt in einem technischen Gebiet getan, das uns wie vorher kein anderes die ungeheuersten Möglichkeiten und Umwälzungen für unsere Zukunft ahnen läßt. Gleichgültig, ob die Landung auf fremden Planeten jemals gelingt und die aufgewendete Mühe und die großen Kosten lohnt: es würde sich schon allein dann dieses Problem hundertfach bezahlt machen, wenn es möglich würde, mit einem bemannten Raumschiff die irdische Atmosphäre zu verlassen und nach beliebiger Zeit wieder glücklich auf der Erde zu landen. Prof. O b e r t h gehört zu den Erfindern, die immer die wirtschaftliche Seite ihrer Erfindung streng im Auge haben; und so hält er nicht damit zurück, uns die Möglichkeiten anzudeuten, die sich nach Verwirklichung seines Raumschiff- fahrtsprofekts eröffnen. Eine Rakete, die von der Erde aufgestiegen und nach Verlassen der Atmosphäre in einer Höhe von vielleicht 1000 Kilometern in ihrer Fahrtrichtung parallel zur Erdoberfläche gestellt ist, wird, nachdem sie eine Geschwindigkeit von 8000 Metern pro Sekunde erreicht hat, keines weiteren Kraftaufwandes zur gleich schnellen Weiterbewegung mehr bedürfen. Sie wird, dem Gravitationsgesetz entsprechend, wie ein kleiner Mond ständig um die Erde kreisen, ohne daß ihr irgendwelche Energie zugeführt werden muß. Damit stellt sie also eine kleine außerirdische Station dar, die infolge ihrer Lage und der dort herrschenden gänzlich anderen physikalischen und chemischen Bedingungen bestimmt weitgehende Schutzmaßnahmen für die Besatzung erfordert, anderseits aber in denkbar bester Weise nicht nur für die Beobachtung, sondern auch für die Regulierung der irdischen Vorgänge geeignet ist. . Mit einem „Taucheranzug", der die zum Atmen nötige Luft unter entsprechendem Druck enthält, kann der Mensch aus dem Schiff in das Weltall treten und wird trotz der ungeheuren Geschwindigkeit, mit der das Fahrzeug dahingleitet, sich nicht von ihm entfernen, da auch er mit der gleichen Schnelle um die Erde gravitiert und keine Atmosphäre ihm hierbei Widerstand bietet oder auch nur das Gefühl einer Bewegung aufkommen läßt. Er wird, mit einer kleinen Rückstoßpistol« bewaffnet, Ausflüge unternehmen und wieder zum Schiff zurückkehren können und nach Belieben auch kleine Nebenstationen in gewünschter, sich dann immer gleichbleibender Entfernung vom Mutterschiff erreichen können. Bei all diesen Baulichkeiten bzw. Apparaten, di« aufgestellt werden, gilt kein Gesetz irdischer Stabilität; sie sind dem Gesetz der Schwere nicht unterworfen und können deshalb in den ungeheuersten Dimensionen und den beliebigsten Formen ausgeführt werden. Eines der einschneidendsten Projekte dieser Art ist die Errichtung eines riesigen Spiegels mit einem Durchmesser von vielleicht 100 Kilometern, der mit der Beobachtungsstation um die Erde kreist. Um nicht für immer an eine bestimmte Bahn gebunden zu sein, kann dieser mit der Station fest verbunden werden, wodurch die Möglichkeit besteht, mit der Bahn des Schiffes auch die des Spiegels zu verlegen, indem man durch Abbrennen entsprechend schwacher Raketen eine relative Bewegung nach der gewünschten Stelle aussührt. Die für den Bau des Spiegels notwendigen Stoffe müssen mit Der- bindungsschifsen von der Erd« zur Station gebracht werden, und auch die Ablösung der Mannschaften könnte auf diesem Wege erfolgen. Für die Herstellung eines solchen Spiegels schlägt Professor Oberth Natrium als das geeignetste Material vor. Dieses Leichtmetall ist unter irdischen Verhältnissen weich und muß wegen seiner starken Oxydierbarkeit unter Luftabschluß aufbewahrt werden. Bei der außerhalb der Atmosphäre herrschenden Temperatur ist es aber stahlhart, und infolge Fehlens des Sauerstoffes kann auch keine Oxydierung mehr erfolgen. Die Fläche des Spiegels kann natürlich nicht aus einem Stück gemacht werden. Am einfachsten wird ein riesiges Netz, ebenfalls aus Natriumdrähten, hergestellt und dann nach Fertigstellung durch Rotation um [eine Achse, also mit Hilfe der Zentrifugalkraft, im Aether ausgespannt. In jedes der Felder kann dann ein Spiegel aus dünngewalztem Blech eingesetzt werden; und dieses Einsetzen wird so bewerkstelligt, daß jeder der Teilspiegel beweglich bleibt und durch eine Zentral« in der Beobachtungsstation in seiner Stellung verändert werden kann. Die Kosten eines solchen Spiegels mit einem Durchmesser von 100 Kilometern sind auf 3 Milliarden Mark geschätzt, die Bauzeit bei «in- wöchentlichem Verbindungsverkehr mit der Erde aus zirka 15 Jahre. Sind das auch selbst für unsere heutigen Begriffe enorme Summen, so ist der Wert der Leistungen eines solchen Spiegels doch noch viel gewaltiger. Wir sind damit in die Lage gesetzt. Taten zu vollbringen, deren Ausmaß so gigantisch ist, daß menschliche Phantasie kaum ausreicht, sie zu begreifen. Ein solcher Spiegel, im Winkel von 45 Grad zur Sonne gestellt, der in einer Ebene senkrecht zur Erdbahn und vielleicht gerade an der Grenze von Tages- und Nachtseite um die Erde gravitiert, würde für die Erdbewohner eine zweite kleine Sonne bedeuten. Dies« würde nicht nur za anderen Zeiten durch den Himmelsraum schweben und ihre von der Muttersonne empfangenen Strahlen auf die Erd« reflektieren, sondern auch die Intensität der Strahlung könnte um ein Vielfaches der Sonnenstrahlen dadurch gesteigert werden, daß sie durch entsprechende Stellung der Teilspi«g«l auf ein relativ kleines Feld konzentriert wird, lieber Gegenden, die sonst nur kümmerlich mit Licht und Leben spendender Wärme bedacht werden, kann diese Sonne in senkrechter Bahn kreisen und so eine vollständige Veränderung der irdischen Lebensbedingungen schaffen. Ihre Bahn ist nicht für alle Zeiten festgelegt, sondern kann durch vorübergehende Inbetriebsetzung der „Motoren" der Beobachtungsstation verlegt werden, und ihre Strahlung kann schließlich ganz abgestell! werden, indem man sie durch Drehung der Spiegel in das Weltall ablenkt. Die Wirkungen eines solchen Spiegelapparates auf den Ablauf des irdischen Lebens wären von entscheidender Bedeutung. Da ist an erster Stelle an die Aufschließung unendlichen neuen Landes für die menschliche Besiedlung zu denken. Haben wir doch mit so einem Spiegel nichts Geringeres in die Hand bekommen, als die Möglichkeit, für ein bestimmtes Gebiet das Klima selbst zu bestimmen, die Durchschnittstemperatur um ein bedeutendes zu steigern, durch wechselnde Bestrahlungen die Richtung des Windes zu ändern oder beliebige Luftströmungen zu erzeugen, Gewitterbildungen zu verhindern oder Regen in Wüstengegenden, so ost wir wollen, bervorzurfen und sie dadurch in fruchtbares Land zu verwandeln. Mit anderen Worten: es erfüllt sich endlich der Traum, der schon lange die Gedanken der Menschen beschäftigt: wir sind Herr über das Wetter geworden Und nicht nur über das Wetter, sondern in gewissem Sinne auch über Tag und Nacht. Wir haben da noch eine kleine Reserve-Sonne, die wir aufgehen lassen können, wenn die große Sonne am Horizont verschwindet. Und warum sollen wir uns das nicht für die Beleuchtung einer großen Stadt nutzbar machen, wenigstens zur Verlängerung der kurzen Wintertage oder in den ersten Stunden der Nacht. Es genügt ein optisches oder elektrisches Signal zur Beobachtungsstation im Weltenraum, um di« Abdrehung der Spiegel zu veranlassen, die die Stadt wieder in das Dunkel der Nacht versinken läßt. Wir haben in Aegypten Sonnenkraftmaschinen stehen, in denen die Wärme der Sonnenstrahlen durch Spiegel auf kleine Flächen konzentriert und dort zur Heizung von Dampfkesseln verwendet wird. Welch ungeheures Energiewerk sind wir zu errichten in der Lage, wo wir nur immer wollen, wenn wir durch ein paar unserer Teilspiegel die Kraft der Sonne nach dort konzentrieren. . .. Und wer will schließlich noch Krieg führen gegen eine Macht, W imstande ist, die Wärmestrahlen der Sonne aufs Hundertfache zu m stärken und die mit diesem gewaltigen Brennspiegel die Erde bedrG Da sind im Zeitraum von Minuten Städte in Brand gelegt, Munitionsfabriken gesprengt, marschierende Heere vernichtet, und es gibt ton« Schutz gegen diese Waffe, die in 1000 Kilometer Höhe über der W schwebt. Die Nation, die als erste einen solchen Spiegel zur AusstelM bringt, ist Herr der Erde; und niemand wird es wagen, ihr diese v“ schäft streitig zu machen. Es kommt noch dazu, daß eine solche Station nicht nur wegen ihre Lage, sondern gerade auch wegen der dort herrschenden phym°ui°t Bedingungen zu einer Beobachtung der Erde und aller anderen ) melskörper besonders geeignet ist. Ist man doch dort, wo keine " tätsschwierigkeiten bestehen, zur Aufstellung beliebig großer Fern", in der Lag«. Und während man bei irdischen Fernrohren eine W « fache Vergrößerung nicht überschreiten kann, weil durch die LiW streuung der Atmosphäre und die als Flimmern bekannte Erschein s das Bild sonst unscharf wird, sind außerhalb der Atmosphäre keine M zen gesetzt. Man kann dort ohne weiteres ein Spiegelteleskop nermei das eine vielleicht 1000 000fache Vergrößerung zeigt und das Dienste der irdischen Luft- und Wasserschiffahrt, bet der Leitung von ditionen, mit denen die Station in drahtloser Verbindung steht, vielem anderen von großem Nutzen sein wird. der Die letzten Jahrzehnte haben vor allem auf technischem ® 1 Menschheit ungeheure Fortschritt« gebracht; und wir haben sau ™ {j|I, druck, als ob die nächsten Jahre hierin ein noch rascheres ^en n schlagen wollten. Aber vielleicht kommt auch einmal di« Zeu, w» .„. Interessen des menschlichen Daseins im Mittelpunkt der Gedanken! und wir wollen hoffen, daß es auch dann ein Siegeszug jem wi , mit gleichem Schwung von Erfolg zu Erfolg führt. um aiz n Der. r Luft- rrlchen- Sauer- gemacht atrium- m feine in jedes ingefeljt er Teil- chtungs- )on 100 bei ein- re. Sind > ist der valtiger. Ausmaß egreifen. t, der in Grenze die Erd- t nur zu von der sondern Sonnen- Stellung d. lieber ^endender n treifen ingungen MN durch igsftation abgesteüt ll ablenit. Klaus des an erfter menschlich« zel nichts eftimmtes ratur um Richtung ugen, Ge- fo oft wir rwandeln. jon lange is Wetter em Sinne oe-Sonne, Horizont eleuchtung erung der [eniigt ein Itenraum, wieder in denen die m zentriert ngeheures ir immer ►er Sonne stacht, die e zu M > bedroht. Hunitions' cht feinen der Erde (ufftellung tefe irrigen ihlil isikalifch!» rcn i)i®! c Stabil'1 Fernrohk! t taufend1 Lichtz-r1 rfcbeinung ine Kren1 errve irden, auch i® non , und b11 ebiete der den Bf1*1 ‘tupf cin: ,0 ander« en st-W >, der uns Tenms durch die Jahrhunderte. Von Dr. Bernd Bab. In diesen Tagen finden in Hamburg die deutschen Tennismeisterschaften statt. Deutsche, Engländer, Franzosen, Japaner, Australier und Vertreter vieler anderer Nationen werden um die höchsten Würden des deutschen Tennissportes miteinander kämpfen, Tausende von Zuschauern acht Tage lang die Meisterschastsplätze umsäumen, und in den Zeitungen werden seitenlange Aussätze über die Spiele berichten. Als 1892 auf denselben Plätzen zum erstenmal. eine deutsche Tennismeisterschaft aus- gekämpft wurde, da war das eine Angelegenheit reicher Leute, kaum daß in Sportzeitungen davon Notiz genommen wurde. Jetzt befindet sich der weiße Sport auf dem Wege zum Volkssport, einem Wege, den schon die Vorfahren unseres Sportes beschritten haben, der aber immer wieder von „höchster Stelle" abgeschnitten wurde. Denn das Tennisspiel ist viel älter als unser modernes Tennis, das in den 70er Jahren des vorigen Jahrhunderts in England entstand. Von Fußball und ähnlichen Spielen abgesehen, beruht noch heute die Mehrzahl unserer Ballspiele auf dem einfachen Prinzip, durch geschicktes Treiben des Balles den Gegner mattzusetzen. Das sehen wir z. B. beim Tamburinspiel, beim baskischen Pelots und vor allem beim Faustball. Fußball ist das erste dieser Spiele, die eigentliche Urform des Tennis, denn es ist leicht zu spielen und erfordert keine kunstvollen Geräte. So sinken wir schon die alten Römer eifrig mit ihrem Ballonspiel beschäftigt, und im mittelalterlichen Italien war Giueeo di Palone (aber noch ohne Leine zwischen den Parteien gespielt) der Sport der vornehmen Welt, besonders die Medici glänzten darin — das Volk durfte nur zusehen. Noch Goethe berichtet in der „Italienischen Reise" aus Verona: „Als ich heute wieder von der Arena wegging, kam ich einige tausend Schritte davon zu einem modernen öffentlichen Schauspiel. Vier edle Veroneser schlugen Ball gegen vier Vicentiner. Sie treiben dies sonst unter sich das ganze Jahr, etwa zwei Stunden vor Nacht; diesmal wegen der fremden Gegner lief das Volk unglaublich zu. Es können immer vier- bis fünftausend Zuschauer gewesen sein." — Das war also, wie man heute sagen würde, ein Repräsentativkampf zweier Städtemannschaften. Auch im heutigen Italien ist dieses Spiel noch sehr beliebt, aber jetzt braucht das Volk sich nicht mehr mit dem Zusehen zu begnügen — es ist zum Volksspiel geworden. In Deutschland fand es ebenfalls viel Anklang und der Ballon- xlatz in Darmstadt z. B. weist noch darauf zurück. Aber nicht nur in Europa, sondern auch in einem Lande, in dem man es kaum erwartet hätte, begegnen wir diesem Spiel. Als die Spanier unter Cortez nach Mexiko kamen, waren sie verwundert, dort ein Spiel zu finden, ganz ähnlich dem, das sie in ihrer Heimat zu sehen gewohnt waren. T l a ch t l i nannten es die Mexikaner und spielten es in großen, prunkvollen Bauten unter feierlichen religiösen Zeremonien. So eng war dort das Ballspiel mit dem Kultus verflochten, daß die Sage sogar den Nationalgott Vitzliputzli hat aus einem Ball entstehen lassen. Das hinderte aber nicht, daß die Spieler aus ihrer Betätigung ein Geschäft machten. Sie spielten um Riesensummen, die Könige oft um ganze Städte. Ein Zeichen dafür, wie verbreitet gerade zur Zeit Montezumas das Tlachtli mar, ist die Tatsache, daß viele unterworfene Provinzen ihren jährlichen Tribut in Bällen abzuzahlen hatten. In Europa hatte sich schon Ende des 13. Jahrhunderts ein neuer Sport entwickelt, der eine Abart und Umbildung des alten Ballspiels in der Richtung zum modernen Tennis und dessen eigentliche Urform war — das Jeu de Paume. Nur zwei kleine, aber wesentliche Neuerungen waren nötig, um diese Umwandlung zu schaffen: Statt des großen nahm man kleine Bälle und spannte zwischen die beiden Parteien ein Seil. Schließlich kam auch noch der Schläger dazu. Das Spiel hieß, wenn es im Freien gespielt wurde, Longue Paume, wurde es in einem der in ganz Europa sehr zahlreichen Ballspielhäuser gespielt, Courte Paume. Die Regeln waren ziemlich kompliziert und erinnern insofern etwas an das heutige Pelota, als auch die Wände der Halle mit ins Spiel einbezogen wurden. Das „Spiel der Könige" war besonders in Frankreich verbreitet. Die französischen Könige spielten nicht nur selbst hervorragend — Heinrich II. war der beste Spieler seiner Generation, und Heinrich IV. war so leidenschaftlich bei der Sache, daß er selbst am Tage nach der Bartholomäusnacht, also geradezu unter Lebensgefahr, fein Ballhaus besuchte — fie griffen auch gesetzgeberisch in den Spielbetrieb ein. Paume zu spielen, war ein aristokratisches Vorrecht, aber auch das Volk hatte Freude an dem Spiel, und so entstanden in Paris zahlreiche Ballspielhäuser für die "äderen Schichten. Um die gesellschaftliche Schichtung aufrechtzuerhalten, wurden dann von Zeit zu Zeit Edikte erlassen, durch die derartigen Unternehmungen „die Konzession entzogen wurde". Auch die Herstellung der Bälle und andere Kleinigkeiten wurden von den Königen überwacht. In Deutschland gab es auch zahlreiche „Ballenhäuser", besonders in dm großen Handelsstädten, wo die Patriziersöhne und die Söhne des Adels sich betätigten. Augsburg, Stuttgart, Regensburg, Straßburg, Tübingen waren die wichtigsten. In Wien am Ballhausplatz steht heute "och ein ehemaliges Ballenhaus und dient als Kanzlei. Da sich über« Haupt der Paumesport in Deutschland nicht so lange hielt wie in Frankreich und England, mußte man mit den großen und kostspieligen Bauten etwas anderes anfangen, und so wurden aus ihnen Theater, Museen, Gasthäuser und selbst'Kirchen. Bon Frankreich aus gelangte das Paume nach England und hier erhielt es den Namen, den es bis heute behalten hat: Tennis, den man » n "gemein zurückführt auf das französische „Tenez" = haltet den IiA '■x Entwicklung hier war der in Frankreich außerordentlich ähn- ri*\mS $*nnis war auch hier ausgesprochen „königliches Spiel". Hein- ßw 65 eifrig auf dem Spielhof in Windsor. Der venezianische nrita wJl Elustiniani berichtet von ihm: „Er liebt das Tennis außer- «miich, unb es ist das reizendste Bild von der Welt, ihn spielen zu Llrf ®enn seine zarte Haut durch ein Hemd von feinstem Gewebe her- $nin>U • 1" taub es in England ebenso wie in Frankreich beim Kerb 1° viel Anklang, daß durch Verbote dagegen angegangen Wn mußte, unb unter Cromwell wurde es vorübergehend sogar gänzlich verboten. So bekannt war Tennis in England, daß wir ihm 8d Shakespeare öfters begegnen rönnen, z. B. in „Heinrich V.", wo der französische Dauphin dem englischen König Tennisbälle schickt mit dem Rat lieber Tennis zu spielen als Provinzen zu erobern, was diesen (in Schlegels nicht sachverständiger Uedersetzung zu der Erwiderung veranlaßt: „Wir freun uns, daß der Dauphin mit uns scherzt. Habt Dank für Eure Müh' und sein Gefchenkl Wenn wir zu diesen Bällen die Raketten Erst ausgesucht, so wollen wir in Frankreich Mit Gottes Gnad' in einer Spielpartie Des Vaters Kron' ihm in die Schanze schlagen; Sagt ihm, er ließ sich ein mit solchem Streiter, Daß alle Hose Frankreichs ängstigen wird Der Bälle Sprung." Bis zum französischen Revolutionsschwur im Ballspielhaus war in England wie in Frankreich dieses Tennis ziemlich gleichmäßig entwickelt. Aber im 19. Jahrhundert verschwand es in Frankreich, trotz des Interesses, das noch Napoleon III. dafür bezeugte, fast ganz, während es in England verwilderte. Jeder spielte nach eigenen Regeln und zahlreiche Spiele bildete sich heraus, die nur noch eine sehr ungefähre Aehnlichkeit mit dem alten Tennis hatten. Die Entwicklung des modernen Tennis begann, als 1874 der Major Wingfield für fein Gesellschaftsspiel „Sphairistike" ein Patent beantragte. Das war noch nicht unser weißer Sport — der Platz war kein Rechteck, sondern hatte die Form einer Sanduhr und die Netzhöhe konnte beim Aufschlag nach freier Vereinbarung verändert werden — aber die Grundlage, auf der er sich weiter entwickelte. Eine Kommission schuf weitere Regeln, der All-England Croquet-Club nahm sich des Spiels mit Eifer an, und schon 1877 fand das erste Meisterschaftsturnier in Wimbledon statt. Von England aus und durch Engländer verbreitete sich nun der neue Sport mit erstaunlicher Geschwindigkeit durch die gange. Welt. In Deutschland wirkten Robert von Fichard und Freiherr von Sieben als Vorkämpfer. Schon 1885 gab der deutsche Sprachverein ein von Fichard bearbeitetes Merkblatt heraus mit deutschen Uebersetzungen der englischen Ausdrücke, die fast alle noch heute Anwendung finden. Freiherr von Sieben wirkte in Hamburg. Dort entstand unter feiner Führung 1885 der Sislaufoerein vor dem Dammtor, der 1892 die ersten deutschen Tennismeisterschaften veranstaltete. Seit diesem Jahre ist es Privileg Hamburgs, daß dort die deutschen Meisterschaften stattfinden. Man hat zwar schüchterne Versuche gemacht, den Hamburgern dies Privileg zu nehmen unb etwa nach Berlin zu legen, aber noch waren sie nicht von Ersolg gekrönt, und ob sie es je sein werden, ist sehr fraglich. Wenn aber--dann hat mit dem Jahre, in dem Hamburg die Meisterschaftsaustragung verlier^ bestimmt ein neues Kapitel deutscher Tennisgefchichte begonnen. Mathilde Möhring. Roman von Theodor Fontane. (Fortsetzung.) Die Mohrings hatten bis Mitternacht gewartet unb ben Tee schon zweimal wieber ausgegossen. Als aber ber Mieter noch immer nicht da war, sagte die Alte: „Thilbe, was sollen wir so viel Petroleum verbrennen, nu kommt er doch nicht mehr. Und wenn er kommt, wird er wohl auch nich wollen, daß wir ihn so in seinem Zustand sehen. Er wird wohl in Töpfers Hotel fitzen, im Keller unten, da sitzen sie immer." Und danach waren sie zu Bett gegangen und lagen auch still unb sprachen nicht. Aber von Schlafen war keine Rede. Thilbe beschäftigte sich mit seiner Haltung während des ganzen Abends und dieser nächtlichen Kneiperei, die ganz jenseit ihrer Berechnungen lag, und die Alte war noch immer bei dem Stück. Es schlug schon eins, als sie sich ausrichtete und leise sagte: „Thilbe, schläfst du schon?" „Nein, Slutter." „Das is gut, Kind, mir is so angst. Ob es von dem Tee is? Aber ich habe solch Herzschlagen und sehe immer den alten Mann.. „Ach, laß doch den alten Mann, Slutter, der schläft nu schon zwei lange Stunden, und du mußt auch schlafen." „Und bas einzige is, daß der Rotkopf.. „Ja, ja, ber hat nu seinen Denkzettel." „Unb was wohl aus dem armen Wurm, dem Fräulein, geworden is — wie hieß sie doch?" „Amalia." „Richtig, Amalia... Ja, die is nu so gut wie eine Waise. Denn wenn sie den Alten auch wieder herausgeholt haben, lange kann er’s doch nich mehr machen." „Sein, das kann er nicht, Mutter. Ader jetzt werde ich dir ein ©las Wasser holen, und bann legst bu dich auf die andere Seite." „Na, ich werde mal bis hundert zählen." * Es war darauf gerechnet worden, daß Hugo spät aufstehen würde, aber bas Gegenteil geschah: er klingelte früher als gewöhnlich unb mußte wohl zehn Minuten auf sein Frühstück warten. Thilbe wollte diese Verspätung entschulbigen. Er meinte aber, es hätte nichts zu sagen, er müsse sich entschuldigen. Um vier nach Haus kommen und um sieben Frühstück, das sei beinah unnatürlich. Ob es denn hübsch gewesen fei, bas heißt, ob sie sich amüsiert hätten, unb wie ihnen Rybinski gefallen habe? Er wolle aus- gehen unb gleich in den Zeitungen nachsehen, ob er gelobt fei. Daß sie nicht geklatscht hatten, sei sehr gut gewesen. Es falle auf und schade bloß und heiße dann in den Zeitungen, es sei alles Claque gewesen. Uebrigens hätte Rybinski ihm gesagt, er werde wieder Billette schicken, wenn er in einer neuen Rolle aufträte. Das sei in ber nächsten Woche: Dunois, Bastarb von Frankreich. „Sie kennen die Rolle, Fräulein Thilbe?" „Ja. Den Dunois kenne ich", sagte sie mit Betonung des Samens ohne weiteren Zusatz, um ihn auf diese Weise das Unpaffende des Bastard" fühlen zu 'lassen. Zu dem Plan, den sie sich ausgedacht hatte, gehörte durchaus Tugend. Sie hielt es deshalb, um ihrer Reprimande noch mehr Nachdruck zu geben, auch für angezeigt, das Gespräch abzubrechen, so schwer es ihr wurde. _ „ , Als sie wieder drüben in ihrem Zimmer war, fand sie die alte Nurtt- schen vor, die nicht durch das Entree, sondern durch die Küche gekommen war. Sie sah aus wie gewöhnlich: schmuddelig, Kiepenhut und eine schwarze Klappe über dem linken Auge. , „Guten Tag, Frau Runtschen. Nun, das is gut, daß sie da sind. Hat Ihnen Mutter schon gesagt?.. " . „Ja, Thildechen, Mutter hat mir schon gesagt, daß wieder em Herr da is und daß ich reinmachen und einholen soll. Aber wann muß es denn sind? Bon sieben bis acht bin ich drüben bei der Leutnant Peter- mann und von acht bis neun bei Kulickes unten." „Das paßt sehr gut. Neun bis zehn ist die beste Zett oder lieber noch ein bißchen später. Um die Zeit is er immer weg, und Sie können sich s daun einrichten, wie Sie wollen, und Sie w.ssen ja auch Bescheid, wo alles steht! Aber mitunter is er auch noch da und sieht aus dem Fenster — ja, Frau Runtschen, dann müssen Sie sich schon ein bißchen zurechtmachen." „Zurechtmachen?" , Ja Frau Runtschen. Ich meine natürlich nur ein bißchen. Sie können nicht kommen wie ne Prinzessin, so viel wirst es nicht ab. Aber doch so das Nötigste eine weihe Schürze und dann, daß Sie den Kiepenhut abnehmen. Wenn'er nicht da is, dann is der Kiepenhut ganz gut, unb man sieht nicht alles; aber wenn er da is, dann is doch ne Haube besser." „Ja, Fräuleinchen, was heißt Haube?" „ „Natürlich sollen Sie sich keine mitbringen. Aber an unserem Stander, da finden Sie allemal eine." „ „Na, wenn's erlaubt is, dann nehme ich sie mir so lange. „Ja, Frau Runtschen. Und denn noch eins. Die schwarze Klappe da dürfen Sie nicht länger als acht Tage tragen. Ich werde Ihnen Samstagabend eine neue geben. Ihr Schade soll es nicht sein." * „Die „Jungfrau" kam zur Aufführung mit Rybinski als Dunois. Aber weder Möhrings noch ihr Mieter Hugo Großmann wohnten der Aufführung bei, da dieser letztere krank geworden war. Er fieberte ziemlich stark und bat, nach einem Arzt zu schicken. Dieser kam und war mehrere Tage lang im unsichern, was es war, bis es sich eines Morgens heraus- stellte, daß es die Masern seien. Er ging zu Möhrings hinüber, und sagte: „Es sind die Masern, nichts Besonderes und nichts Gefährliches. Aber Vorsicht, liebe Frau Möhring. Sonst haben wir einen Toten, wir wissen nicht wie." , „Ach Jott, Herr Doktor, er is ja erst sechs Wochen bei uns. Und denn so was! Und wenn die Leute das hören, da will ja denn keiner mehr einziehen, und vertuscheln geht auch nid). Es sind immer so viele schlechte Menschen. Und Schultzes wird es auch nich recht sein." „Wohl möglich. Aber nur nicht ängstlich, liebe Frau. Noch lebt er und wird wohl auch weiter leben. Ich habe Sie nur warnen wollen, daß Sie aufpassen und immer nasse Lappen über den Bettschirm hängen. Mit dem Bazillus ist nicht zu spaßen. Und vor allen Dingen keinen Zug, Zug ist das Schlimmste. Da tritt alles zurück und wirft sich aus die edleren Teile." „Jott, is es möglich!" „Und dann haben wir Casus mortis." Mathilde war dabei nicht zugegen. Als sie von einem Gang in die Stadt nach Haus kam und hörte, was der Arzt gesagt hatte, meinte sie: „Mutter, du kannst doch auch gar nichts vertragen. Masern! Das is so gut wie gar nichts. Jedes kleine Wurm hat sie. Sie sollen sogar gesund [ein, es kommt alles raus, und das is immer die Hauptsache. Natürlich müssen wir aufpassen und auch sorgen, daß er die Runtschen nicht zu sehen kriegt. Er is so empfindlich in manchem und hat mir mal gesagt, er graule sich ordentlich vor der Aufwartefrau." „Ach, das hat er bloß so gesagt!" „Nein, ganz im Ernst, Mutter. Solche, die immer Stücke lesen und ins Theater gehen, die sind so. Na, und das schwarze Pflaster — es is ja auch zum Graulen." „Ach, Thilde, was unsereiner auch alles erleben muß, und das nennen sie bann Fügung, und man soll auch noch dankbar dafür sein." „Red nicht so, Mutter, das bringt Unglück, denk an Hioben. Und Fügungen! Die Leute haben auch ganz recht, wenn sie von Dankbarsein reden — wenigstens wir. Denn das kann ich dir sagen, für uns is es eine sehr gute Fügung. Und wenn ich mir was hätte denken sollen, auf so was Gutes wie die Masern wäre ich nie gekommen." „Meinst du wirklich?" „Ja, das meine ich." „Aber wie denn, Thilde?" „Das erzähl' ich dir ein andermal, wenn es erst da is. Wenn man drüber red't, dann beruft man’s." „Ach, Thilde, du rechnest immer alles, aber du kannst auch falsch rechnen." „Kann ich. Aber du sollst sehen, ich rechne richtig." Hugo Großmann überstand seine Masern und war im Abschülberungs- zustand, als der Doktor sagte: „Ja, liebe Frau Möhring, den haben wir nun mal wieder raus, das heißt, aus dem gröbsten. An gesund ist noch nicht zu denken, und die Vorsicht muß verdoppelt werden. Der kleinste Fehler, und es wirft sich auf die Ohren, ober, wenn er zu früh Licht kriegt, auf die Augen, und dann ist er blind. Anderseits hätte ich gern, er könnte hier raus. Die nassen Lappen sind gut, aber immer nasse Lappen geht auch nicht. Könnten Sie ihn nicht 'umbetten? Ich meine umlogieren? Vielleicht etwa in das Entreezimmer? Sie müssen bann freilich zusperren und allen Verkehr mit ber Welt abschneiben, unb wer zu Ihnen sie nicht. (Fortsetzung folgt.) will, muß durch die Küche. Aber Krankheit entfd)ü(bigt alles. Ueberlaffen Sie's man Fräulein Mathilde, die ist findig, die wird schon Rat wissen." Und damit ging er. Mathilde rechtfertigte wirklich das gute Vertrauen, das bet Doktor zu ihr hatte, und sagte: „Doktor Birnbaum Hai ganz recht. Er muß raus, ich kann die Lappen schon gar nicht mehr riechen. Aber das mit dem Entree, bas geht nicht. Entree! Das sieht so weggesetzt aus, so nickst hü unb nicht hott. Er is doch ein studierter Mann unb ein Bürgermeistersohn, und seine Masern hat er bei uns gekriegt. Er muß in unsere Stube. ." „Aber, Thildchen, bas geht doch nich! Wir haben ja doch bloß die eine. Und denn ein Bett und ein fremder Mann drin, es geht doch nich." „Es geht alles, aber bas mit dem Bett is gar nicht nötig. Das Beit bleibt stehen, roo’s steht, unb abends bringen wir ihn rüber und packen ihn ein unb feine Neifedecke brüber, daß er sich nicht bloßwirft." „Und bei Tage..." „Bei Tage is er bei uns hier drüben. Er wird nichts tun, was uns genieren kann, unb ich kann immer rausgehen. Du freilich, na, bu bis! eine alte Frau, und er könnte dein Sohn sein, unb an dich muß er sich wenden Aber er wird nicht, er is viel zu anständig, er schadet sich lieber. Und da haben wir ihn denn, solange die Rekonvaleszenz bauert, immer brüben und müssen die Rouleaus halb runterlassen, daß er kein Licht kriegt, und müssen ihm was erzählen ober was vorlesen. Aber erzähl nicht so viel von Vatern, du gehst immer so ins einzelne, unb so was Interessantes war Vater nicht." „Aber er war ein sehr guter Mann." „Ja doch. Das 'war er." , .. ein sehr guter Mann. Und dann, Thilde, was ich sagen wollte: wie"denkst du dir das eigentlich mit ihm? Sein Bett bleibt drüben, unb auf einen Stuhl können wir ihn doch nicht setzen. So lange kann er sich doch nicht geradehalten, er is ja doch noch krank und schwach.' „Nein, bas kann er nicht. Und da siehst du nu wieder, wie gut es is, baß wir die Chaiselongue haben. Ich wußte, bah sich das verlohnen Ja meinst bu, daß das geht? Es is doch sozusagen unser Prachtstück. Der Stehspiegel hat den Riß unb sieht nicht recht nach was aus. Aber die Chaiselongue — du darfst doch nicht vergessen, vierzehn Tage ober vier Wochen dauert es, unb dann is sie hin. Er wird Kuten einliegen unb alles eindrücken, denn Kranke sind unruhig unb liegen mal hier unb mal da." Das is ja gerade das Gute, da verteilt es sich aufs Ganze, und von Kuteneinliegen ist keine Rede. Und wenn auch, Mutter, wer was will, der muß auch was einfetzen. Er sieht bann, bah wir ihm unser Bestes geben unb wie ich ihn kenne, wird es ihn rühren, beim er hat was Edles, bas heißt so auf feine Art. Zu viel darf man von ihm nicht verlangen." * Gleich an dem Tage, an dem dies Gespräch geführt wurde, mürbe Hugo Großmann in die Möhringsche gute Stube herübergenommen unb, auf der Chaiselongue installiert. Er nahm sich da ganz gut aus. Gin kleines Tischchen stand neben ihm mit einem Heliotrop darauf, es roch aber zu stark und wurde durch weiße Astern ersetzt. Auf einem grünen Weinblatteller lagen zwei Apfelsinen, daneben stand eine Klingel, aber bloß als Putzstück, denn Mutter unb Tochter waren immer ba unb bramh ten nicht erst zittert zu werben. Der Arzt war mit dieser Umlogierung sehr zufrieden unb sagte, als er mit Hugo allein war, allerlei Verbinb- liches über so „gute Menschen", in deren ganzem Verhalten sich die einzig wahre Bildung ausspräche: die Herzensbildung. Fräulein Maihstbe sei übrigens überhaupt gebildet, und, wenn man ihren Kopf öfter anseh- und sich so mehr hineingelebt habe, beinah eine Schönheit. Draußen im Entree standen Mutter und Tochter und stellten allerlei Fragen, was für den Kranken erlaubt sei und was nicht. „Immer >m Dämmer", sagte der Doktor, „am besten ist es, wenn er auch in einem geistigen Dämmer bleibt." „Aber wir dürfen doch mit ihm reden?" „Gewiß, liebe Frau Möhring, alles was Sie wollen, nur nichts Aufregendes." „D du mein Gott, wie werd' ich denn was Aufregendes... „Und vorlesen ist vielleicht auch erlaubt?" unterbrach Thilde, die sch daß sich die Mutter noch weiter über das „Aufregende" verbreiten wollte. Ja, vorlesen geht, aber nicht viel unb nichts Schweres. Als sie wieder bei Hugo eintraten, erzählte ihm Thilde, was der Dol- tor alles erlaubt habe: nur immer abends ein grüner Lichtschirm, em grüne Lampenglocke sei nicht genug, und wenn er Lust hätte, so durfi ihm auch was vorgelesen werden. Drei-, viermal des Tags, aber n länger als eine halbe Stunde. ... Hugo lächelte erfreut, denn seine Krankheit fing an, ihm tangwei.! zu werden, und als Thilde fragte, was er denn wohl wünsche, .oW seien ja da die Hülle und Fülle, ba sagte er: ja, die Geschichte von , wo das Paradies drin vorkomme, die möchte er wohl hören, er I gerade bis dahin gekommen, wo das Paradies beschrieben wurde, v sich, es käme noch so manches darin vor, und er wisse nicht, ob er Fräulein Thilde bas Ansinnen stellen dürfe... , Thilde merkte gleich, daß er dies in Erinnerung an das kurze GesprM über den „Bastard" von Orleans sagte, und wenn sie damals gegi hatte, sich den sittlichen Standpunkt sichern zu müssen, so hatte pe . das Gefühl, daß sie den Bogen der Sittlichkeit nicht überspannen nicht den Eindruck des Engen und Spießbürgerlichen wecken durs. sagte denn also, während sie sich an bas Fußenbe ber Chaiselongue i • in der Schilderung des Paradieses, wenn auch ein Sündenfall oari käme, sehe sie kein Hindernis. Aus einem so niedrigen Standpum i Schriftleitung: i. V. Dr. Fr. W. Lange, Gießen. — Druck unb Verlag: Brühl'sche Aniversitäts-Buch- und Steinbruckerei, N. Lange in ®'e 91