ge- öie ier= rm ten. ett. lag uen den chen 'gen [ton« nein Srüh itzen. : an. ganz > Tor. eldürr t Tag hr der n und ", sagt heim- md etz ^or fiel Zeführt ein' Uz er, die I hatten in der >ut sich, gefaßt, ichbars- gab die 'n." n ihren naschine. ! in die die ge- ■ Wicge- Jn der leimigen, . Neben e hieben e Binde, agte, an i richtete bett'." wie der ubt wor- tieh nicht raten in as dafür Vas wir SietzenerZamilieOMer Unterhaltungsbeilage znm Gießener Anzeiger Jahrgang 1930 Sreitag, den r. November Nummer 86 Nordmännerlied. Von I. V. von Scheffel. Der Abend kommt, und die Herbstlust weht, Reifkälte spinnt um die Tannen, O Kreuz und Buch und Mönchsgebet — Wir muffen alle von dannen. Die Heimat wird dämmernd und dunkel und alt. Trüb rinnen die heiligen Quellen: Du götterumschwebter, du grünender Wald, Schon blitzt die Axt, dich zu fällen! Und wir ziehen stumm, ein geschlagen Heer, Erloschen sind unsere Sterne — O Island, du eisiger Fels im Meer, Steig auf aus nächtiger Ferne. Steig auf und empfang unser reisig Geschlecht — Aus geschnäbelten Schissen kommen Die alten Götter, das alte Recht, Die alten Nordmänner geschwommen. Wo der Feuerberg loht, Glutasche fällt, Sturmwogen die Ufer umschäumen, Auf dir, du trotziges Ende der Welt, Die Winternacht wolln wir verträumen! Plaudereien im Tabakskollegium. Zum 200. Todestage Hans Hermann Katies. Von Hans Heßler. Die tragisch mißglückte Flucht, als deren Opfer der Leutnant im Berliner Regiment der Gardegendarmen Hans Hermann von Satte am ö. November 1730 auf den Wällen Küstrins wie ein Ehrloser enthauptet wurde, hatte im letzten Grunde zwei Arten von Motiven. Die persönlichen kennt man; die robuste Strenge des Königs Friedrich Wilhelms I., der seinen ältesten Sohn, der durch den Tod zweier Prinzen zum Thronfolger bestimmt war, durchaus nach seiner vierschrötigen Methode erziehen wollte; der Widerstand des Kronprinzen, der von der Mutter her eine gewisse Pracht und bescheidenen Luxus liebte, der Flötenunterricht nahm und die knappe preußische Uniform, das Zeichen der Tyrannei, gerne mit dem seidenen Hausrock vertauschte — das ist alles so bekannt, daß man 65 nicht mehr zu erzählen braucht. Neben diesen persönlichen Auseinandersetzungen, die wieder ein ausgearbeiteies System von Lügen und Heimlichkeiten zur Folge haben mußten, gingen diplomatische Berechnungen und Pläne einher: die europäische Politik schlug ihre Fäden nach dem Berliner Hof. Der Kronprinz, der spätere König Friedrich II. und seine Schwester Wilhelmine, die nachher den Markgrafen von Bayreuth heiratete, standen hier vor allem im Spiel. Die Lage war diese: am Berliner Hof führten zwei Parteien einen intriganten Krieg gegeneinander, die von England-Hannover und die kaiserliche, die durch den Wiener Gesandten in Berlin vertreten wurde — es gab ja damals noch einen deutschen Kaiser in der Wiener Hofburg. Die Engländer, die ihre Stütze in der Königin Sophie Dorothea fanden — sie war eine geborene Hannoveranerin — wünschten, daß die Prinzessin Wilhelmine den Prinzen von Wales heirate, wogegen sich der Kronprinz mit der Prinzessin Amalie von Hannover verbinden sollte; so käme der jetzige Thronfolger als englischer Statthalter nach Hannover und wäre hierdurch mit einem Schlage von aller Preußisch-Berliner Misere befreit. Kein Zweifel, diese Heirat war für Friedrich die einzige Erlösung aus den Mißhandlungen und Beschimpfungen des,Baiers, der selbst einmal über das „effeminierte Wesen" des Sohnes äußerst aufgebracht, ausrief: wenn ihm fein Baier solches geboten hätte, würde er och erschossen haben... Gelang diese „englische Heiraih" nicht, so blieb "ur die letzte Möglichkeit: ins Ausland „auf Reifen" zu gehen, das hieß, zu fliehen. Daß die Flucht nicht gelang, besorgte die kaiserliche Partei, we sehr geschickt und umsichtig arbeitete," und der Ort ihrer Bemühungen, "le Walstatt ihrer Diplomatie war das berühmte Tabakskollegium vriedrich Wilhelms I. c. Hier erhebt sich nun ein ganz verräuchertes Kulturgemälde. Schon »nedrich I., der in Königsberg gekrönte erste Preuhenkönig, hielt diese Institution in Ehren, aber er gestaltete sie zu großen hochoffiziellen Empfängen aus, bei denen die Königin im Hermelin und Schleppkleid assistierte, während er selbst im Seidenrock und im Glanz sämtlicher Orden den Vorsitz führte. Bei seinem Sohn — dem Soldatenkönig — ging alles viel einfacher und spartanischer zu: nicht der Empfang, das Rauchen war die Hauptsache, vor jedem Teilnehmer standen ein Krug Bier und eine gewöhnliche holländische Pfeife, Butterbrot, Käse und kaltes Fleisch. Es ward tüchtig gequalmt und ebenso wacker gezecht und geschmaust; wer nicht rauchen mochte, hatte wenigstens die Tonröhre im Mund zu halten und so zu tun, als ob er an ihr sauge. Bisweilen rührte der König höchsteigenhändig einen Salat an ober er bereitete ein Gericht Fische. Es gibt cin^Gedicht des Kronprinzen Friedrich, in dem er feinen Abscheu vor diesem Treiben schildert, bei dem „immer nur vom Bataillieren" gesprochen würde ... Doch zurück zur Diplomatie. Die Wiener, die aus begreiflichen Gründen die nahe Verbindung Preußens mit England zu durchschneiden wünschte, schickten den geschmeidigen und höflichen Grafen Seckendorf nach Berlin, mit allen Vollmachten versehen und mit Geld hinreichend ausgeftattet. Dieser geschickte Gesandte hatte es nach einigen Monaten erreicht; er wurde, eine besondere Ehre, ZU dem Kollegium der Krüge und Pfeifen geladen. Auch gewann er den General von Grumbkow zur Mitwirkung an der „englischen Heirath", indem er ihm eine kaiserliche Rente bestimmte, und alsbald machte sich eine Wendung des Soldatenkönigs bemerkbar, er näherte sich den Wienern und schien entschlossen, England-Hannover zu verlassen. Aber alle diese Vorgänge brauchten längere Zeit, und es war nun das Tabakskollegium, in dem diese diplomatischen Fäden gesponnen wurden. Der König wollte in dieser Gesellschaft ganz als Privatmann erscheinen, die Gaste durften sich bei seinem Eintritt nicht erheben — in dieser unoffiziellen Rauchatmosphäre schienen sich die Unterhaltungen über das delikate Gebiet leichter führen zu lassen. Indessen war es für den Wiener Gesandten noch schwer genug. Immerhin hatte er sich Grumbkows versichert, der ihm an den Tagen, an denen Seckendorf nicht selbst anwesend sein konnte, genauen Bericht über die Vorgänge im Kolleg erstattete. Seckendorf seinerseits berichtete über die hochwichtige Affäre nach Wien weiter, und Egon Cefar (Tonte (Torti hat in seinem Raucherbuch „Die trockene Trunkenheit" (früher im „Gießener Anzeiger" besprochen) jene historischen Dokumente aus dem Wiener Staatsarchiv ausgegraben. Seckendorf meldet am 19. Januar 1727: „Aus allen Relationen ist zu ersehen, daß ich die beständige Resolution Seiner kgl. Majestät von Preußen sich mit Seiner kaiser- und königlichen Majestät in genaue alliance und freundschafft einzulassen, nach denen mir mündlich und schriftlich gegebenen Versicherungen und bisherigen Bezeugungen stets verfolgt habe: Es ist aber dieser König von einem solchen verborgenen, falschen und variablen Gernüthe, daß es unmöglich ist, seine veritablen Absichten nur entfernt zu errafften, folglich bloß auf Mutmaßung bauen muß ... bei der Tabaksgesellschaft wird noch nachdrücklicher gesprochen und da noch jüngst der General-Major von Marwitz und Obrist Tokkum in faveur der Hannoveraner etwas freyer bey ein wenig zu viel eingenommenem Wein sprachen, so deklarierte der König denjenigen von Preußen vor einen (Toujon der gut Hannoverisch märe..." Diese Aeußerungen hörte der auf allerhöchsten Befehl im Kolleg anwesende Kronprinz, er gab sie feiner hannöverschen Mutter weiter, und die „englische Heirath" endete mit dem gewaltsamen Ausbruch in die Freiheit; mit jener unglücklichen Flucht, Kriegsgericht, Todesurteil und Hinrichtung des Leutnants Katie, der bei allen Fluchtplänen der Vertraute des Kronprinzen gewesen war... Zehn Jahre später, im Jahre 1740, einige Wochen vor dem Tode des Königs. Wieder ist das Tabakskollegium im Saale des Schlosses versammelt, und man bemerkt es allgemein als ein ungünstiges Zeichen, daß der leidenschaftliche königliche Raucher keine Pfeife berührt. Die Tage von Küstrin, wo Kronprinz Friedrich in strenger Haft und Einkehr verbracht hatte, sind vergesien — oder sind sie es nicht? Der Kronprinz tritt ein, er entschuldigt seine Verspätung damit, daß er eben erst von der Besichtigung einiger Regimenter zurückkehre, er hatte ja in den letzten zehn Jahren gelernt, sich dem väterlichen Willen zu fügen und Dienst zu tun — könnte der Vater nicht mit der Wandlung des Sohnes zufrieden fein? Er ist es, aber an diesem Abend ereignet sich ein krasser Zwischenfall. Sämtliche Gäste stehen vor Friedrich auf — eine empörende Zuchtlosigkeit, ein Verstoß wider die heiligen Gesetze der Tabagie! Ob man schon die ausgehende Sonne anbete, ruft Friedrich Wilhelm seinen Gästen zu, er werde aber zeigen, daß er noch lebe und immer noch der Herr sei! In Grimm und Ungnade wird die Gesellschaft enttaffen, um lange nicht mehr geladen zu werden. — Am 31. Mai starb der Herr der „langen Kerle", und der Kronprinz bestieg den Thron, um Friedrich der Große zu werden. Oie erste Nacht. Von Isolde Kurz. Jetzt kommt die Nacht, die erste Nacht im Grab. Oh, wo ist aller Glanz, der dich umgab? In kalter Erde ist dein Bett gemacht. Wie wirst du schlummern diese Nacht? Vom letzten Regen ist dein Kissen feucht. Nachtvögel schrein, vom Wind emporgescheucht. Kein Lämpchen brennt dir mehr, nur kalt und sah! spielt auf der Schlummerstatt der Mondenstrahl. Die Stunden schleichen. Schlässt du bis zum Tag? Horchst du wie ich auf jeden Glockenschlag? Wie kann ich ruhn und schlummern kurze Frist, wenn du, mein Lieb, so schlecht gebettet bist? Teilchen ist. t ..... ... , . Solche Bestrebungen aber sind nicht nur die müßigen Ausgeburten eines einzigen. Wenn an einer Kunstform etwas nicht stimmt, pflegt sich | überall allgemeines Unbehagen einzustellen. Während James Joyce noch an seinem „Ulysses" arbeitete, erschien ein deutscher Roman, der ,Mallen st ein" von Alfred Döblin, der an Seitenzahl den Roman von James Joyce beinahe erreicht: zwei Bände mit insgesamt neunhundert Seiten. Ein „historischer" Roman gewiß, und Doblin hat einmal erzählt, er sei zu ihm durch jene Vision „angeregt" worden, wie Gustav Adolf mit seiner Flotte übers Meer zum Ostseestrand stoßt — aber etwas anderes ist jene erste intuitive Empfängnis und die letzte Bedeutung, die diesem Werk zukommt: es ist ein Roman der Massen, der Burger in den Städten, der flutenden Landsknechtsscharen, der davonziehenden Auswanderer. Dahinter verschwindet das individuelle „Schicksal". Damals — „Wallenstein" erschien 1920 — konnte Döblin die Bekanntschaft mit James Joyce noch nicht gemacht haben, um fo besser. Beweist doch diese Unabhängigkeit voneinander, daß an verschiedenen Stellen das gleiche versucht wurde, wenn auch mit anderen Mitteln: den Roman der Masse zu schreiben. , ....... . , Aus der Bekanntschaft mit James Joyce aber wurde — Doblin hat sich selbst dazu bekannt — ein anderes Werk: „Berlin Alexa n der- platz, die Geschichte vom Franz Biberkopf". Hier ist die Joyce-Technik — also die ehemals vom konsequenten Naturalismus überkommene, durch neueste Seelenforschung unendlich verfeinerte und komplizierte — sozusagen volkstümlich gemacht und ins Populäre gewandelt worden. Joyce ist keine Lektüre für das „Lesepublikum": ihn zu bewältigen, leinen analysierten Gedankenassoziationen und interpunktionslosen Phantaste- Ein grämlicher Morgen nach einer schlechten Nacht. Der Himmel über der Kuppel des institut optique ist grau, verwaschen hat tne alte, erfroren/Farbe der Winterfrühen. Keine Spannung ""hr sim s"kostbare teuer- B°n der Freude, die hochstiea, als sich an der Kasse^das kostbare blaue Billett näherschob, mit der Zauber-Inschrift: „Paris—Marseille, W’WÄ' in'S ersten Stunden der Schlaflosigkeit war die Spannung noch da. Warf das Herz in Alarm und gab dem Gehirn die Klarhe t vergleichender Erinnerung: diese Frage, dw elementarste, größte viel- aleiche Unruhe der gleiche Alarm, als der Kinderfuh zum ersten LV"»-. >><-. 5 $ Pferdckib anvertraute, als zum ersten Male die Schiffs,>rene, zxdw es Heldentum bedeutet. Sport, der sich kommerzialisiert hat. Der: F,h plane, Prospekte, Tickets kennt. Wozu also das Angespanntsem der 9 v-n das Herz hämmert, wozu, wozu der Alarml Am Morgen nichts von alldem mehr. Die übliche Abiahrtsnervosiat die nicht besser wird mit den Kilometertausenden, die Erfahrung friß > Gabelfrühstück das gekauft, Thermosflasche, dre gefüllt werden mutz. Telesonanrufe' Im letzten Augenblick die Post. Dann itn Taxi durch grämlichen, kühlen, feuchten Vormittag, durch die sonntagsleeren «traß b’5 (F[lfr Uhr Der^Enr jagt durch verlassene Häuserschluchten LeBourgct m Schluckt da" gigantische Band der rue Lafayette, rattert über mj- aerissenes Pflaster am Gare du Nord vorbei. Unter dem trüben Jm- mel entfächert sich das trostlose Bild Quai de Jemappes, rußig, duster, qeduckt Baggerfchisfe, Fabrikschlote, blinde Fensterscheiben. Neber all Kälte, 'der Schwärze, den schorfigen Mauer,y de» schmutzigen Sch b K 5SXÄÄ ttÄ» Ä* und Oelreklamen. Die Häuser haben sich geduckt, verschwinden, P> Bretterschuppen, Hangars wachsen empor. fagden nachzuspüren, ist eher eine Arbeit (aber eine ergreifende und hm- reifcenbe) — den „Alexanderplatz" kann jebermann nach anfänglichem Befremden lesen: James Joyce ist burch Döblin salonfähig geworben. Nebenher sei angemerkt, daß sich dieses Werk auch an Umfang in gewissen Grenzen hält: fünfeinhalbfyunbert Seiten. . Aber biefe Umfange müssen jeweils registriert werben; Romane, die nicht einige inbivibuelle „Schicksale", sondern Komplexe von Massen, Städten, Landschaften behandeln, schwellen naturgemäß an. Der Roman wird zum Epos der Menge. Der „Ulysses" hat, zunächst nur unter den „Literaten, in der ganzen Welt aufrührend gewirkt, auch in Amerika. Hier ist sein Vertreter John Dos Passos mit seinen Buchern Manhattan Transfer" und „Der 42. Breite ngrad . Handelte es sich im ersten Buch um das Schicksal der Gemeinschaft Neuyork, so erweitert sich das andere zu einem Kaleidoskop des ganzen amerikam- , dien Kontinents. Aus einer großartigen Beobachtungsgabe und unmittelbaren Lebensnähe entwirft er einzelne Lebensbilder, keine „heldischen , sondern solche, die für die Mafse, den Durchschnitt des amerikanischen Lebens charakteristisch sind. Diese eindringlich gegebenen Dasemsabrisse hören plötzlich auf, um anderen zu weichen, sie heben uueder an, verschlingen sich, gehen auseinander, versinken: sie sind uur die Reprasen Revolution des Romans. kanten mannigfaltiger Gesellschaftsschichten der amerikanischen »mhfa .on, juwimwn VVV Wogen sie emporgetragen und hlnabrelßen. John Dos Passos jchil- Von Felix Panten. I kritische Zeit: der Weltkrieg droht Amerika. Wahrend er bas Revolution bes Romans. . s 6f, _. innere Leben des neuen Kontinents an Beispielen auszelgt, dienen ihm Auch die politischen Umwälzungen beginnen nut den kleinen Sturm- regelmäßig eingestreute „Weltwochenschauen „dazu, d'eEregnmeber zeichen, denen endlich der Ausbruch folgt. Es .ft nut den literarischen Welt in Stichworten aufzuzählen, eine literarische Montage °u- SchIag- nicht anders bestellt. Wir stehen heute vor der vollendeten Tatsache des j( Zeitungsnachrichten, jeweils geläufigen S'W.e.rn. revolutionierten Romans. Wer begann die Revolte, wohin soll sie fuhren? I bie tönenbe Wochenschau bes Films auf das Buck) ubertragen. Damit fing sie an, daß ein Mann mit Namen James Joyce m den biefer nur scheinbar unromantische Amerikaner braucht em Ven il für Jahren 1914 bis 1921 — bedeutungsvolle Jahre für dieses Thema! — ^,ine Romantik, dazu dient ihm das „Kamera-Auge .lyrische, persoiüche feinen Roman „Ulysses" schrieb. In diesem Werk das m zwei Banden ^innerungen an die Zeitumstände unter denen die Ha blung iewe s im Format und Umfang kleiner Bibeln, auf nahezu brelzehnhundert Sei- f ieIt _ unb in diesen eigensten Erlebnissen fmben fid) Seiten non sarter ten, einen einzigen Tag in ber Stabt Dublin schilbert ist die Roman- !LUifd)er unb ergreifender Schönheit, denn auch aus d'estr Chromk revolution zugleich angekündigt und beschlossen. Daß mit der Form des Amerikas läßt sich das Menschliche, Innere, Gefühlvolle nicht ganz ver alten" Romans etwas nicht stimmte, daß verändernde Bestrebungen I bannen , ällenthalben im Gange waren, konnte auch vorher schon nicht übersehen 2(ber an dieser Art ber stofflichen Glieberung — den willkürlich ab- werben. Als einen solchen Versuch, dessen Tragweite w,r erst heute er- gebrochenen unb plötzlich einsetzenden Lebensbildern, den E.M)iebseln oer kennen, möchte man Thomas Manns „Zaüberberg ebenso wie §8Atwochenschau und des Kamera-Auges sieht man, daß auch?JAn Dos Ralph H. M o t t r a m s „Spanischen Pachthof bezeichnen, die- | Passos an der Form des Romans rätselt. Daß auch hier Joyces Schatten fern, einem englischen Kriegsroman, bescheinigt Galsworthy in einer A 9 überschwebt, ist unverkennbar: bte mtc,rP“n“‘°n.51^erh“2.gnb®9SnuL Vorrede ausdrücklich, dem Verfasser sei hier eine neue Kunstform ge- Rechtschreibung verrät den Urheber. Man Ucst bieses versucchnbe B ) lungen ... aber James Joyce, was hat er getan? mit anhaltender, mit steigender Spannung. Auch ^ diesem Roman Er geht, wollend ober nicht, auf bte Anfänge von Arno Holz und ^ährt sich bie Kraft bes Dichters tne schon in '-Manhatt n Transer Johannes S cf) l a f zurück. Man nannte bas bamals „konsequenten Natu- 'obt' roJar auf weiterer und weitester Flache. Der Anstoß, den James ralismus"; Rezept: man begleite das Dasein eines Menschen von e.netn ^„ qZben hat, wirkt fort. Bald werden auch die Kleinereil und Augenblick zum nächsten, zeige seine Umgebung, seine augenblicklich wech- linsten leine Art versuchen. Eine gefährliche Wirkung wie lebe J1“ selnden Launen, Empfindungen, Eindrücke, man treibe „Sekunden- af;m ' c-ner äußeren Form, die der Epigone nicht mit dem Leben und Malerei". Nach vierzig Jahren ist aus dieser Vorschrift der „Ulysses von I P„iönlichkeit eines Riesen zu erfüllen vermag. James Joyce entstanden. Der Held heißt Leopold Bloom, aber er ist keine I ------------- heldische Gestalt, sondern ein Mensch wie du und ich; er erlebt ulysseisch einen Tag durch die Stabt Dublin streifenb, bas Leben bieser Stabt unb FlUg — ^«aNeU»e. seiner Bekannten mit; er erlebt? — er wird erlebt! Seme Erlebnisse sind eiijabe«) Janstein. nicht romantisch-romanhaft, sondern platt, alltäglich, gemein. Er ist kein I .... Heros er wird vom Getriebe der Stadt und ihrer Bedingungen gestoßen, er geht mit den Menschen mit, Mensch wie sie alle; er ist ein winziger Bestandteil ber Masse. Die Masse, ber Menschenstrom beherrscht ben neuen Roman, in ihr versinkt ber einzelne wie ein Wassertropfen im Fluß. Dieser Roman wäre unbentbar ohne bie moberne Seelenforschung — aus ©ieqmunb Freub unb seine Schule kann hier nur hingewiesen werben. Einer sieht im Schaufenster Bananen ober bas Plakat eines Fleischertraktes: seine Gebauten irren aus ber Gegenwart zu den tropischen Wälbern ber Früchte, zu ber Heimat ber Rinber. Solche Phantasien können über ben Phantasten mehr aussagen als ein Roman. Wenn bie Gebankenjagben ber Joyce-Menschen roilb unb ganz ausschweifenb werden, überwältigen sie alle Hemmungen (auch Interpunktion und Orthographie) und der „Ulysses" endet mit einer schriftstellerischen Hochleistung: Frau L. Bloom läßt in der einsamen schlaflosen Nacht ihre ganze Vergangenheit erstehen, so unverhüllt und nackt, wie man sich vor sich selbst preisgibt; Umfang dieser Erinnerung nahezu hundert Seiten ... Halten wir fest: der neue Roman gehört der Masse, von ber ber einzelne nur ein Halb andere j Hafenstö hingen, gigantisl "eille, n onderbc chmettei wolkenn der grü die gleic Elf royal, 9. kleiner, man den wartet, Wirklich vermag sich Fäh als mär Röhr per unb wildeste ist! Alle böser wi enbgüttn ganze K zehnfach Alles beim Fc fort, we Komrnar (Bewegv jährt, pl iisches 8 ganz sai von der Hangars neuen H Das also ist b Farbenfl furche fii Farben, bunftübe mehr. 9 Arbeiter! durcheinc hinein B Ein Frie Tiagfläd reinstes, stünde bi Sanftes, Gegei chen sinb rauchen bie Wolk Silber t geronnen heißen, f hineinfäh Vor 1 band de Spielzeui fer, der - zeug. Wi los, sinkt suhlen K züge, die sinken, | Hangars, wieder [ ' Höhe, sei niebersch! scharfe K , Zehn blauen L suhl von heit sind mehr fr> gefd)üttet, Jetzt ! Pilotenrv Uhren zu dabei Uel gier, der zuschwebt verrückt । lieber, oh der Feld niemals , Die < ?"gzüge । fc drei Uhr hin- id)em rden. i ge- fänge melle 1 be- s der it der ichern Han- 4t)orf, ikani- nittel- chen", lischen abrisse i, ver- iräfen« saiion, 5 schil- »r das n ihm se der -chlag- rtagen: Aber tit für önliche jeweils zarter khronik nz ver- lich adeln der Ijn Dos -chatten 'egellose e Buch inn be- ansser" James en und e Nachten und nel über e kalte, iS Aden- kostbare arseille", pannung Klarheit ßie Dieb ag, diese t, ob sie ist. Mehr war die en Male riesigen Absahrt >r wieder ne sagten der Lust streichend richt, daß er Fahr- der Ner- rervosität. >ng frißt' >en muß. durch den Straßen . Bourget über auf- den Him- a, diisted er all der Scheide" speit die versunken nstationen Planken, Halb zwölf. Tee und Toast in einem seltsamen Restaurant, das an andere seltsame Restaurants erinnert, durch die man passierte. Solche in Hafenstädten, an deren Wänden Rettungsgürtel gestrandeter Schisse hingen. An das Matrosengasthaus in Brest, das als Zimmerschmuck gigantische Hummerscheren trägt. An die Bouillabaisse-Kneipe in Mar- eille, nahe dem alten Hasen, in der an verschmutzten Holztischen das änderbarste Publikum der Welt vereinigt sitzt. Hier schweben, wie Riesen- chmetterlinge, winzige Flugzeugmodelle, Fokker, Formans, silberne, blaue, wolkenweihe von der Balkendecke. Die Fenster gehen aufs Flugfeld. Auf der grünen Rasenfläche stehen, geduldig, sanft, noch ohne Flügelzittern die gleichen sonderbaren fühlerlosen Falter, in Blau, in Silber, in Weiß. Elf Uhr sünfundvierzig. Der große Falter, der blaue Bogel, bleu royal, Mittelmeerblau, ist der Farman, der in den Süden führt. Er ist kleiner, als man dachte, schmäler als man dachte, anders, anders als man dachte. Steht gehorsam, still, geduldig, zauberisches Fabelwesen, und wartet, daß man sich ihm anvertraut. Jetzt, mein Gott, ja, ist alles Wirklichkeit, herrliche, unverwischbare, nichts Traum mehr, und man vermag den blauen Leib, der durch die Lüfte fährt und sanft genug ist, sich Fahrplan und Ankunftszeit unterzuordnen, zu betasten, zu streicheln, als wäre er ein Boot, ein Pferd, ein Mensch. Röhrend, rauschend, knatternd steigt Propellerlärm in die Luft. Körper und Hirn sind in Alarm geworfen. Das Herz hämmert wildeste, wildeste Freude. Wie bewußt alles Leben ist! Wie herrlich das Leben ist! Alles Müde, Resignierte, dieses Gift, das immer höher steigt und böser wird und das man in diesem Stadtdasein, beengten und verfluchten, endgültig glaubte, — nichts ist davon mehr da, kein Tropfen, — die ganze Kraft, das Gespanntsein der besten Jahre ist zurückgekehrt, verzehnfacht noch durch das Bewußtsein der unendlichen Kostbarkeit. Alles geht rasch, rasch wie im Traum. Untergebracht in dem Fauteuil beim Fenster, in Decken eingewickelt, sonderbarer und rührender Komfort, wenn man ausfährt, eine neue Welt zu entdecken, Ledergestalten, Kommandorufe, der Motor, der anspringt, der Stahlleib, der zittert (Bewegung, die bis in die Adern, bis ins Gehirn weitergeht), der los- sährt, plötzlich und donnernd, stößt, schwankt, als begänne er ein gigantisches Flügelschlagen und der sich mit einem Male vom Erdboden löst, ganz sanft, ganz ruhig, ganz beherrscht, sich in die Höhe schraubt, fort von der räderzerpflügten, kotigen Rasenfläche, fort von den tanzenden Hangars in einen opalenen, fremden und wunderbar vertrauten, neuen, neuen Himmel hinein. Das Gesicht an die Fensterscheibe angepreßt. Schauen, schauen: das also ist die Erde; Wald Gesträuch, ineinandergeschoben, zusammengekauert, Farbenflecken, Felder, seltsame ordentliche Quadrate, durch die die Pflug- snrche fährt, wie von einem Riesenkamm gezogen. Sanft, verdeckt sind die Farben, Braun, Biolett, Bistre und stumpfes Grün. Die Stadt, rauchend, dunstüberschleiert, gigantisch, unheimlich, herrlich, verschwindet immer mehr. Wie verloren in der Unermeßlichkeit winzige Häusergruppen, Arbeiterkolonien, Hangars, Fabrikschlote. Wieder Felder, Felder. Farben- durcheinander, als hatte man eine Musterkarte aufgefächert. Mitten hinein Buchenwälder in brennendem, triumphierenden Feuergelb. Gehöfte. Ein Friedhof, winzig, geordnet, wie eine Mineraliensammlung, lieber den Tragflächen Wolkenbänke in Silber, Braun und Gelb. Dann wieder reinstes, unwahrscheinlich klares Himmelblau. Für Augenblicke ist es, als stünde der Motor still, — kein Schwanken, kein Zittern, keine Sprünge. Sanftes, unfaßbares Ueber-die-Erde-hinweg, Jn-die-Wolken-gleiten. Gegen Mittag zu steigt die Maschine höher und höher. Häuser, Kirchen sind nur winzigstes Spielzeug mehr. Unter dem rasenden Propeller rauchen Wolkenfetzen. Der Höhenmesser weist auf zwölfhundert. Durch die Wolken hindurch das Fabel-Spiel der Farben. Erdbraun. Aufzuckendes Silber der Flüsse. Brennende Buchen. Ein Steinbruch, Karmin, wie geronnenes Blut. Wolkenstaffeln, die höher steigen, sich ineinander verheißen, solche, die gleiten, die ruhen und solche, in die man triumphierend hineinsährt. Bor Lyon steigen blaue Hügelzüge auf. Das meergrüne, kalte Glitzerband des Rhone windet sich durch die Landschaft. Spielzeugbrücken, Spielzeughäuser, Spielzeugstadt. Schon angesichts der Dächer, der Häuser, der Türme löst sich opalweißer, zäher Nebel los. Uebersällt das Flugzeug. Wie in Watte gehüllt saust die Maschine dahin. Schwankt, springt los, sinkt, steigt aufs neue. In diesem Augenblicke, in dem Schlingern suhlen Kopf und Herz eine seltsame Leere. Zurückneigen und tiefe Atemzüge, die die scharfe, eisige Luft durch Kehle und Lungen treiben. Wir sinken, sinken. Der Rebel zerreißt. Eine Stadt ist da, Rasenflächen, Hangars. Die Dimensionen ändern sich. Haus wird wieder Haus, Feld wieder Feld. Plötzlich schwankt das Flugzeug, die Erde schießt in die höhe, senkrecht fast, als wollte Haus und Feld und Schuppen auf uns Niederschlagen, — dann das Schütteln und Werfen der Räder, eine scharfe Kurve, — (Erbe, Land, Lyon. Zehn Minuten Erde. Mittagsläuten. Auf- und Abgehen vor dem blauen Bogel in sanfter und doch glühender Herbstsonne. Das böse Gefühl von vorhin ist verschwunden und Vertrauen, Freude und Gespanntheit sind wieder da. Alles was sich weiter vollzieht, sind Riten, die nicht wehr fremd sind. Gepäckseinwaggonierung, Motoranwerfen, Rädergeschüttel, Aufstieg. Jetzt bin ich der einzige Passagier. Versuche auf- und abzugehen, die Pilotenrllcken zu betrachten, nach den geheimnisvollen Hebeln, Tastern, Uhren zu sehen. Herrliches, herrlichstes Gefühl. Vertrauen, Sicherheit und dabei Ueberschwang, der Tränen in die Augen treibt. Der einzige Passagier, der zwischen Lyon und Marseille einer wundervollen Destination zuschwebt, fünfzehnhundert Meter hoch, ist glücklich genug, wild genug, »errücft genug, um aus vollen Lungen zu pfeifen, zu fingen, Rigger- lieber, old mans river, — das aufrollende Band der Ströme, der Berge, der Felder im Blick. Verliebt, verliebt in das Leben, wie vielleicht Niemals zuvor. Die Landschaft: Aspekt, Farbe, Atmosphäre haben sich verändert, vergzüge steigen auf. Felsen leuchten zwischen dem Olivgrün der Wälder. । '«•toter satter, immer tiefer wird das Braun, das Rot, das Violett. Gegen drei Uhr springen Ockerfelsen empor. Welliges, nacktes Gehügel, wie eine Mondkraterlandschaft. Schluchten, Ströme. Zackiges, zerrissenes Gestein. Spärlich eingestreute Ortschaften mit flachen Dächern, dem satten Sonnen- gelb der Mauern. Dann wieder Einsamkeit. Das Silbergrün der Oliven, Pinien. Schneeige Bergketten in der Ferne. Langsam wächst wildeste, melancholischeste Landschaft empor, über die eine rote, finster glühende Sonne hinläuft. Der Süden. In den Farben, in den Formen, in der Lust. Gegen vier Uhr springt aus der Tiefe ein zweiter Feuerball. Eine ferne, ferne leuchtende Fläche tut sich auf, in der das Sonnengolb verrinnt. Das Meer, — bie Mediterramiee! Unbegreiflich weit bas schaumige Zickzackbanb der Branbung.-Inseln, Klippen. Rach einer jähen Schwenkung Lanb, Baum- gruppen unb in rafenbem Wachstum Schuppen, Häuser, Hangardächer, — das Aerodrom von Marignane. Wieder Land, wieder Erde. Der Salzatem des Meeres fährt darüber hinweg. Eine Stunde Autofahrt bis Marseille. Lichtketten, Lärm, Huzen- dröhnen. Das wilde Durcheinander des Bahnhofes. Dann Eisenbahngerüttel, klirrende Abteile, Gänge, voll mit weißmänteligen Spahis, Siegern aus Frejus, Alpenjägern aus Peira Cava. Hinter den Fenstern Nacht. Mittelmeernacht mit Piniensilhouetten. Aus dem Licht der Stationslampen geistern Palmen und Rosenhecken hervor. Für Augenblicke tritt der Mond aus den Wolken, und die feurige Silbermasse des Meeres leuchtet auf. Um Mitternacht wieder Licht, Gelärm, Getöse: Nizza. Eine halbe Stunde später die kühle Bergluft von Cimiez. Und dann Sdjlaf, Traum, mit Palmen vor dem Fenster, Meer in der Ferne, Traum, in dem sich die Erde aufrollt wie ein rasendes Band, tausendfältig, schwindet, auf- taucht, näher kommt, in glühendem Rot, sattem Gelb, in Silber und Blau, geliebte, getiebtefte Erde. Oer GchlunS. Roman von Alfred Bock. (Sortierung.) Enttäuscht zogen die Buben ab. Die Gasse hinunter linkerseits wohnte die Eulerskett. Die hatte ihren einzigen Sohn in Frankreich verloren, bestellte selbst ihr Gütchen und hielt sich tapfer und hochgemut. Die Stadt- jungen kehrten bei ihr ein und trugen ihre Bitte um - Butter vor. Die Eulerskett bewirtete sie mit Quellkartoffeln und Milch. Dann legte sie ein Pfund Butter bereit, holte auch ein Dutzend Eier herbei und nahm nicht mehr, als von der Behörde vorgefchrieben war. — Zur selben Stunde, da jung und alt sich regte, die Ernte dem Ende entgegenzuführen, sah der Neumüller in seinem Lehnstuhl nahe der Bettstatt und grübelte vor sich hin. Sein Körper zeigte die Merkmale der Erschlassung. Sein Gesicht war blaß und welk. Zuweilen warf er beklemmt die Blicke empor, um sie gleich wieder zu Boden zu senken. Der Doktor hielt für gewiß, daß der Granatsplitter fick) verkapselte. Danach würden die Beschwerden verschwinden. Der Neumüller glaubte es nicht. Husten und Atemnot ließen nicht nach. Dazu die grausigen Bilder aus dem Feld, die ihn unablässig verfolgten. Das Leben in menschlicher Behausung war ihm draußen unwahrscheinlich geworden. In Unterständen und Schützengräben schlichen die Tage öd und einförmig hin. Unaufhaltsam strömte das Wasser von den Wänden, sammelte sich zu schwarzen Lachen. Die Menschen drunten bis oben herauf mit Lehmkrusten bedeckt, hungrig, von brennendem Durst gepeinigt. Und nun ihre Reden. „Die da oben sollen keinen Krieg führen, wenn sie uns nicht satt zu fressen geben können." „Sie verdienen's nicht, daß man fein Leben für sie läßt." „Hinten mästen sie sich und hängen sich Orden an. Mit uns Dummen können fie’s ja machen!" „Wenn die im Reichstag mal richtig im Dreck bei uns wären, täten sie anders sprechen. Wie's hier aussieht, davon haben sie keinen blassen Dunst." „Wer glaubt denn an das Getratsch von Haß und Neid? Die da drüben haben die Nase gerad so voll wie wir." „Ich hab keine Angst vorm Tod, ich möcht aber wenigstens mit einem vollen Magen sterben." „Man ist so verdreckt und verlumpt. Wenn man mal wieder in einem anständigen Bett liegt, ist's einem schamerig, drin zu schlafen." „Ich trau den öffentlichen Spenden nicht. In meiner Familie ist soviel Elend. Wenn ich Geld übrig hab, kann ich's da anbringen." „Lumpen und Betrüger haben ihr Schäfchen im Trocknen!" „Was hat der Krieg für einen Zweck? Wenn ich meine Ruh hab und mein Brot, bin ich zufrieden." „Das Geschieße ist doch der reine Wahnsinn! Mit dem Geld, das sie in der Luft verplempern, täten sie besser den Armen helfen." „Wie's ausgeht, ist ganz Wurst. Die Hauptsache ist, daß Schluß gemacht wird!" Selten, daß derlei bitteren Worten widersprochen wurde. Einer war da, der stellte sich dagegen, der Feldgeistliche: „Wir hatten die Kraft und den Geist, bas Ungeheure zu leisten. Kein Opfer, mein ich, ist groß genug, bie Heimat zu schützen. Ihr murrt. Ich aber sage euch: wir werben siegen. Der Sieg kommt von Gott!" Einmal hatte der lange Müller aus Langsdorf einen Brief von daheim bekommen und erging sich in Schmähungen auf feinen Vater. Der Feldgeistliche hörte es und sprach: „Wer seinen Vater verlästert, beschimpft fid) selbst!" Ein andermal roar’s, baß ber geistliche Herr dem Neumüller bas Bilb ber Pfarrerin zeigte. Die dunkle Zeit, sagte er, erfülle seine Frau mit tiefem Ernst, ihr Gottvertrauen aber sei unerschütterlich. Er wünschte zu wissen, ob ber Kamerab Schüttler gute Nachrichten aus ber Heimat habe und wie sich seine Familie ohne ihn behelfe. Der Neumüller zögerte mit der Antwort. Er war keiner von denen, bie bas Herz auf ber Zunge tragen. Doch trieb’s ihn, in der Bedrängung des Kriegs und in der Ungewißheit, den nächsten Tag zu erleben, bei einem Mann, den er hochhielt, sich auszuschütten. Und er erzählte von seinem häuslichen Unglück, von seinem Nachgang zur Weck- lersanna 'und von der Frucht des Verhältnisses, dem Karl. Die Neumüllerin versorgte ihn, seit er im Feld stand, reichlich mit Lebensmitteln, hie und da schwang sie sich zu einer Postkarte auf. Die Briefe der Wecklersannä waren so wunderschön, daß er sich wahrhaft daran erquickte. Der Geistliche erwiderte: „Die Umstände mögen viel verschuldet haben, daß Sie in die mißliche Lage geraten sind. Was Ihre Frau Ihnen auch angetan haben mag, Sie haben das Eheband zerrissen, und Ihre Frau hat alle Ursache, gekränkt zu sein. Manch einer hat im Krieg den alten Adam ausgezogen, hat sein Leben umgeschmolzen. Wenn Sie heimkehren, müssen Sie Ordnung schaffen, müssen Sie einen Weg finden, daß Sie wieder zu Ruhe und Frieden kommen!" Tags darauf begann eine furchtbare Schlacht. Kanonen, Mörser und Haubitzen öffneten ihre Schlünde. Er stand mitten in der Hölle. Es war ein Sausen, ein Heulen und Schnauben. Sein Herz ging im Galopp. Hageldicht schlugen die Geschosse ein, daß die Erde erzitterte. Vor ihm zerriß ein Krach die Luft. Ein Granatsplitter traf ihn. Er sank um. Lag ein paar Stunden in seinem Blut. Sanitäter trugen ihn aus dem Getümmel. An toten Kameraden vorbei Hart am Wege hatte eine Kugel seinen Kompanieführer hingestreckt. Bei der Leiche winselte des Hauptmanns Schäferhund. Ferner klang das Rollen und Grollen. Er kam ins Feldlazarett. Blieb dort sieben Tage. Wurde dann nach Münster am Stein abtransportiert. Von Schwestern mit wahrer Treuheit gepflegt empfand er, was es heißt, Barmherzigkeit üben. Nachts konnte er kein Auge zutun. Schwarze Gedanken bestürmten ihn. Was wartete seiner zu Haus? „Wenn Sie heimkehren, müssen Sie Ordnung schaffen!" hatte der Feldgeistliche gesprochen. Er hatte gefehlt, wollte es nicht bemänteln. Er hatte den festen Willen, inskllnftige sich rein zu halten. Und wenn er drum mit der Wecklersanna brach. Als er von seinen Pflegerinnen Abschied nahm, weinte er wie ein Kind. Ein Tag Eisenbahnfahri und er war wieder daheim. Auf dem Hausgang stand ein Sack Mehl. Den hob er, wie er's tausendmal vor dem Krieg getan. Gleich mußte er husten und spuckte Blut. Seine Frau tischte auf, daß es blinkte, aber es kam kein freundliches Wort über ihre Lippen. Das halbe Dorf besuchte ihn. Vor all den Menschen ward ihm ganz durmelig. Lauter wie das Gebabbel rief eine Stimme in ihm: „Du mußt in deiner Eheschaft Ordnung schaffen!" Ein paarmal machte er den Versuch, sich mit seiner Frau auszusprechen. Immer wich sie ihm aus. Es schien ihm, als habe sie eine Scheu, mit ihm allein zu sein. Meist brachte sie das Stadtmädchen, die Helene Kampmann, mit in die Stube. Er hatte einen Widermut gegen das altkluge Ding. Die Zeit hatte lange Beine. Sechs Wochen schon war er zu Haus. Das Eis, das zwischen ihm und der Neumüllerin sich türmte, wollte nicht brechen. Der Lehrer war bei ihm gewesen, ein aufrechter Mann, der kein Blatt vor den Mund nahm. Er sprach von dem sträflichen Treiben, das, während der Neumüller abwesend war, der Krieg im Dorf herbeigeführt hatte. Wenige Häuser ausgenommen, darin noch Treue und Redlichkeit wohnten, guckte der Eigennutz aus den Fenstern heraus. Die Selbstsucht erwürgte den Rechtlichkeitssinn. Gerade die Wohlhabenden waren groß im Beschummeln. Das Gesetz zu umgehen, entwickelten sie eine Geriebenheit, vor der die Nullmacher und Advokaten einpacken konnten. Unter den geringen Leuten, die von der Hand in den Mund leben mußten, war die Erbitterung grenzenlos. Noch war nicht aller Tage Abend. Das End' trug die Last. Auf dem Mammonsgut ruhte kein Segen. Der Neumüller hatte in seinem Geschäft nie anders als ehrlich gehandelt. Daher vor dem Krieg die Zwistigkeiten mit feiner Frau, die nahe daran war, seinen guten Namen aufs Spiel zu setzen. Etliche aus der Gefreundschaft hatten geäußert, seine Frau könne ihn versollerieren, sie schaffe nicht für die Gänse, sei mit ihren Preisen auf der hohen Schule. Wenn in einem Menschen das Hachige steckte, kratzte es kein Fummelholz heraus. Der Argwohn ließ ihn nicht los, daß' seine Frau ihrem Hang nachgegeben, sich unrechtmäßig bereichert hatte. Er bestand darauf, daß sie ihm die Geschäftsbücher zeigte. Das tat sie. Ob sie alles ordnungsgemäß eingetragen hatte, vermochte er nicht nachzuprüfen. Doch fiel ihm auf, daß sie, obwohl sie weit mehr als im Frieden vereinnahmt, nur wenig ins Geschäft gesteckt hatte. Wo war das Gell geblieben? Als er darüber Auskunft begehrte, verwickelte sie sich in Widersprüche. Er redete gütlich auf_ sie ein, sie solle ihm reinen Wern einschenken. Sie machte übergescheite Sätze, ließ sich Hintertürchen offen. Da wurde er grob. Sie vergalt Grobes mit Grobem. Andre ins Vertrauen zu ziehen, seine Frau bloßzustellen, hieß das eigene Nest beschmutzen. Daß er mit Zucken und Klopfen hier saß, zur Untätigkeit verurteilt war, wollte ihn schier tiefsinnig machen. — Vor der Tür knarrte die Diele. Es klopfte. „Herein!" Möckel, der Schmied war's. ,,Gu' Morse, Hannwilm!" „Großen Dank!" „No, wie tut's?" „Ich damer so hin." „Das wird sich schon ecken." „2)u in deiner guten Haut hast gut schwätzen." Der Schmied schlug mit der Hand gegen die Stirn. „Bald hält ich's vergessen. Diese Nacht hat mir's von dir geträumt." Der Neumüller horchte auf. „Von mir?" „Jawohl, von dir. Du hielst Ihit deinem Fuhrwerk norm scheppen Bender seinem Haus und tatst mit der Peitsch knallen. He kam ans Fenster und sagt': ,Du kannst's mitnehmen.' Wupp! sprangst du herunter, bolzestrack. Es war der Staat all. Weißt du, was das bedeut'?" „No?" „Du schaffst dich wieder in die Reih!" Der Neumüller suhr mit der Hand über die Stirn. „Ich wollt, 's wär wahr!" Der Schmied ließ sich auf der Ofenbank nieder. „Ebbes anders. Ich tüt dir gern den Wecklerskarl emal schicken. Aber deine Frau steht Schildwacht. Die läßt ihn net herein Der Bub hat Martini ausgelernt. Er kann was und hat ein gut Gemüt. Nun hab ich belutt, euer Stadtmädchen, die Kampmann, schwänzelt um ihn herum. Ich kenn den Jung durch und durch. He ist die ganz' Zeit schon merkwürdig zerfahren und bei der Arbeit latsch. Meinem Bedunk nach geht da was vor. Ich hab's auch seiner Mutter gesagt. Die ist blind für ihr Fleisch und Blut. Ihr habt die Kampmann im Haus. Du könnt'st da ein Machtwort sprechen." Um den Mund des Müllers legte sich ein bitterer Zug. „Ich ein Machtwort sprechen? In meiner Hilflosigkeit? Das wär den spitzen Mäusen gepfiffen?" Der Schmied runzelte die Stirn. „Hannwilm, 's ist dein Jung!" Eine Röte flog über des Neumüllers Gesicht. „Die Bochumern kann machen, was sie will, meine Frau hält ihr dieStang. Geh zum Lehrer, geh zum Burgemeifter. Schaff die Schlunz Der Schmied spreizte die Finger. „Daß sie den Karl verschammeriert hat, dadefür hab ich noch kein' Bewei-- Wann ich sie tapp, fliegt sie!" Er schwieg eine Weile, dann redete er weiter. „Was etz all passiert, ist untcrm Aff. Du kennst doch den alten Schlapp in Seibertenrod?" Der Neumüller nickte. „Ich kenn ihn." „Er hat kürzlich sechs Monat gekriegt." „Ich hab was läuten hören, hab mir's aber net zurechtlegen können." „Ich will dir verzählen, wie das zusammenhängt. Der alte Schlapp hat sein Werk schon lang abgeben. Dadefür mußt ihn fein Jung unterhalten. Das war schriftlich gemacht. Der Martin ging ins Feld. Die Sohnsfrau gab ihrem Schwiegervater schimmelig Brot und schlechte Kartoffel. Dadrauf tat he sie auf sein' Auszug verklagen, 's wird gemunkelt, sie hat's mit einem Franzos. Da paßt ihr der Alte net im Haus. Und da ging sie u. Gericht und zeigt ihn an, he wär Wildpretsknapper, hüll unterm Rock Rehfleisch heimgetragen. Ob da was dran is, kann ich net sagen. Sie nannt sechs oder sieben Zeugen. Die haben gegen den Alten ausgesagt. He wurd verknurrt, ist aber noch auf freiem Fuß. Sein Advokat hat ein Gnadengesuch für ihn eingereicht. Nu ist sein Martin aus Urlaub kommen. Meine Frau', spricht er wider sein Vater, .verschand- lappt sich mit keinem Franzos. Wann du sie nochemal verkreischst, schlag ich dir alle ^"ochen kaputt!' Der Schlapp wurd auch kollerig. Da nahm der Martin cm Lattenstück und flatscht auf den alten Mann los. Der stürzt zusammen, und das Blut schoß —" „'s ist genug!" fiel der Neumüller dem Schmied ins Wort und streckte wie abwehrend die Hände aus. „Ich will nix mehr hören!" Möckel stand auf. „Die Welt ist alleweil von Grund aus verdorben. Hier im Dorf ist's doch schon so weit, daß sie die Religion fortschmeißen wollen. Das rächt sich. Wann alles wackelt, uns' Herrgott steht fest.' Das ist mein Glaube. Und den schwätzt mir keins ab!" 4. Die Neumüllerin begann ihr Tagewerk damit, daß sie geringes und besseres Mehl durcheinandermengte. Das körnige, mit blauen Punkten durchsetzte Gemisch wog sie als „besseres" Mehl mit unerhörtem Nutzen Leuten zu, die der Mangel in die Mühle trieb, die, obwohl sie sich betrogen wußten, froh waren, etwas heimbringen zu können. Der Gendarm, der die Mühle zu überwachen hatte, drückte ein Auge zu. Einmal brauchte er selber Mehl, dann wollte er sich diesem und jenem seiner Vorgesetzten gefällig erweisen, wozu die Verbindung mit der Neumuhle die beste Gelegenheit bot. Die Zeiten, da der Aeltervater Schüttler den Zentner für drei Irumpeln vermahlen hatte, waren vorbei. Die Neu- mülf-rin saß bis über die Ohren im Geld. Sie hielt einen eisernen Bestand, der im Weißzeugschrank wohl geborgen war. Daneben hatte ihr der Agent Leopold Falk galizische Petroleumaktien verschafft. Die sollten einen großartigen Gewinn abwerfen. Der Falk war ein gescheiter Kerl, man tonnte sich auf ihn verlassen. Von dieser Kapitalsanlage abgesehen, lieh die Neumüllerin Geld aus. Nicht aus Freundschaft. Sie wollte hohe Zinsen haben und bekam sie auch. Ihre Schuldnerinnen waren zumeist Kri-gcrstauen, auf deren Schultern schwere Lasten ruhten. Sie hatten nicht nur den Haushalt, sondern auch den Pflug zu führen, gingen mit Sorten zu Bet', und standen mit Sorgen auf. Waren sie nicht imstand, bi# jrrtfen zu bezahlen, erklärte sich die Neumüllern bereit, Getreide an Zicht-ntzsst-rtt zu nehmen, und zwar nach dem Preisansatz des Kom- aMnoiorrbc^bes. Dabei machte sie wiederum ihren Schnitt. Der Agent Leopold Falk, der in ihre Geschäftshandhabung Einblick gewann, flattierte ihr: „Frau Schüttler, Sie haben Nachdruck, wissen, was fünf und drei ist. Ihr Mann", setzte er mit saurer Miene hinzu, „hat für and« Leute den Weizen getragen, für sich keine Spreu!" Von Woche zu Woche nahm die Vermahlung zu. Das Rad war geschmiert und lief ohne Knarren. Dennoch ging die Neumüllerin mit zusammengepreßten Lippen, die Stirn in Falten gezogen, umher. Ihr Helfer, der alte Ohrlitz, rasaunertck „Du machst ein Gesicht, als wann dir das Korn verhagelt wär! Ich möcht wissen, warum dich die Grillen stechen. Du hast alles, was du begehrst. Ich schätz, du denkst zuviel. Viel Denken macht Kopfweh. Kannst mir's glauben!" Sie ließ den Alten schwätzen. Kannte der ihren Brost: Er wäre der letzte gewesen, vor dem sie das Töpfchen aufgedeckt HW- Als Tochter eines dicken Bauern war sie in Ruttershausen ausgewachsen- Vier Pferde standen in ihres Vaters Stall, zehn Kühe lieferten die Much- (Fortsetzung folgt.) Verantwortlich: Dr. HanS Thtzrivt. — Druck und Verlag: Drühl'sche Llniverf itätS-Buch- und Steindruckerei. Jt. Lange, ®iefi«n.