Montag, den 7. Juli Nummer 52 Jahrgang 1950 -sell« > rüder ib, t t im ien m- wz lles oas an das ihm chcr Ion«. >srte, Arbeit itere, ueres ) ans zogen heim, k aus l auch » aber wurde > hatte hönste, d h ch le er en cte >, des ihren Der reiche Sommer. Don Theodor Kramer. Sie lagen zu zweit über Mittag im Sand vor der staubigen Jutefabrik; lose sah um die Hüften ihr Leinengewand und die Sonne beschien ihr Genick. Längst schon hatte der Staub, der aus Faser und Sack stieg, die Lungen zur Gänze durchsetzt und sie fühlten sich oft schon vom süßen Geschmack ihres eigenen Blutes benetzt. Und sie tunkten ihr Brot in den Milchtopf, den Stich in den Rippen verhielten sie gern; denn sie wuhten: sie hatten den Sommer vor sich und der rasielnde Herbst war noch fern. Dein und blau war die Zeit und die Lust roch nach Seim, nicht allein ihre Haut schien geschält; sie erzählten sich Dinge von einst, von daheim, die sie bisher noch keinem erzählt. Und es dünkte zu Mittag ihr eigenes Wort Tag für Tag sie erstaunlich und weich; noch war keine der roten Begonien verdorrt, und bemalt war das Leben und reich. Deich war alles: der Sand und das Gras und das Wehn und die strahlende Glut im Genick; und sie hörten verschüttet die Spindeln sich drehn in der staubigen Jutefabrik. Auf der Prärie. Erzählung von Knut Hamsun. Copyright 1930 by I. L. 2t., Wien. Einen ganzen Sommer arbeitete ich auf einer Sektion von Dal- nimples unendlicher Farm in dem Tal des roten Flusses in Amerika. Außer mir waren dort zwei andere Dorweger, ein Schwede, zehn, zwölf Irländer und einige Amerikaner. „ Grüngelb und unermeßlich wie ein Meer lag die Prärie da. Kein Haus war zu sehen außer unseren eigenen Ställen und Schlafschuppen mitten auf der Prärie. Kein Daum, kein Dusch wuchs dort, nur Weizen und Gras, soweit das Auge reichte. Kein Bogel flog, kein anderes Leben sah man als das Wogen des Weizens im Winde und der einzige Laut, den wir hörten, war das ewige Zirpen der Millionen Heuschrecken, — der einzige Gesang der Prärie. Die Sonne war oft glühend heiß. Wir gingen in Hut, Hemd, Drinkleid und Schuhen, das war alles, und weniger konnte es nicht sein, denn sonst wären wir verbrannt. Diß man sich zum Beispiel während der Arbeit ein Loch in das Hemd, so brannte die Sonne durch und hinterließ eine Blase auf der Haut. Während der Weizenernte arbeiteten wir bis zu sechzehn Stunden am Arbeitstage. Zehn Mähmaschinen fuhren auf dein gleichen Acker tagaug, tagein hintereinander. Wenn das eine Viereck abgemäht war, fuhren wir auf ein anderes Diereck und mähten auch das nieder, ünd so weiter, immer weiter, während zehn Mann hinter uns her tarnen und die Garben in die Hocken setzten. iTitb hoch zu Dvß, den «volver in der Tasche, ein Auge an jedem Finger, saß der Aufseher da und beobachtete uns. Wir hielten nie Feiertag. Der Sonntag war wie der Montag. Aber bei Regenwetter konnten wir nichts tun, und dann lagen wir 'm Schuppen. Wir spielten „Kasino" und plauderten miteinander Md schliefen. Unter uns befand sich ein Irländer, über den ich am Anfang sehr «staunt war; Gott mag wissen, was er im Grunde gewesen ist. Bei Aegenwetter lag er immer da und las Romane, die er sich mitgebracht Mtte. Er war ein großer, schöner Dursche von etwa fechsunddreihig "Men und sprach eine sehr gewählte Sprache. Er sprach auch deutsch. Dieser Mann kam in einem seidenen Hemd auf die Farm und ; myr auch ganze Zeit hindurch fort, in seinem seidenen Hemd zu tbeiten. Wenn das eine abgetragen war, zog er ein neues an. Er 'ein tüchtiger Arbeiter, er hatte keinen „Griff" für die Arbeit, war ein sonderbarer Mann. Evans hieß er. w x n Meschen suchten wir alle einen Platz so weit wie möglich | Dampfmaschine entfernt zu ergattern; Staub, Spreu und kJ10 stoben nämlich wie Schneeflocken aus allen Oeffnungen und I Een Schaufeln der Maschine. Ein paar Tage befand ich mich gekehr- nit de« isheisew e seiber. t SD mdcW ■n Md Wdetstew ■ffiutnit Man * ■te eine" [len de« mrädche« Lob der unsW mitten im Feuer, dann bat ich den Aufseher, mir einen anderen Platz anzuweisen, was er auch tat Er gab mir einen ausgezeichneten Platz draußen auf dem Felde, wo ich bei dem Beladen der Wagen tätig sein sollte. Aus den Tagen, in denen ich beim Weizenaufladen angestellt war, entsinne ich mich einer Episode: Der Schwede kam, um das Fuder abzuholen. Gr hatte große Stiefel an, in deren Schäften die Hosen steckten. Wir gehen ans Ausladen. Er arbeitete mit Riesenkräften und ich hatte meine liebe Rot, ihn im Zaum zu halten. Gr trieb immer mehr zur Eile an, und da dies schließlich anfing, mich ein wenig zu ärgern, begann auch ich, aus Leibeskräften drauflos zu arbeiten. Jede Hocke bestand aus acht Garben, und in der Regel nahmen wir nur eine Weizengarbe auf die Gabel und reichten sie auf das Fuder hinaus, — jetzt nahm ich vier. Ich überschwemmte den Schweden mit Garben, überschüttete ihn förmlich damit. Da stellte es sich heraus, daß in einer der schweren Ladungen, die ich dem Schweden hinaufsandte, eine Schlange gewesen war. Sie glitt in feine Stiefelschäfte. Ich ahnte nichts davon, bis ich einen entsetzlichen Schrei höre und sehe, wie der Schwede von der Fuder herabstürzt, während ihm die dunkelgefleckte Schlange aus dem einen Stiefelschaft heraus» hängt. Sie biß jedoch nicht und bei dem Fall auf die Erde fuhr sie aus dem Stiefel und verschwand blitzschnell über den Acker. Wir verfolgten sie beide mit unseren Heugabeln, konnten sie aber nicht entdecken. Die beiden Maultiere, die vor das Fuder gespannt waren, zitterten am ganzen Leibe. Ich höre noch den Schrei des Schweden und sehe ihn in der klaren Luft, während er sich von dem Fuder herabstürzt. Dann einigten wir uns dahin, daß er in Zukunft mit etwas mehr Vernunft arbeiten solle und daß ich ihm nur eine Garbe auf einmal hinaufreichen wollte... And dann hatten wir gepflügt und gesät, Heu gemäht und ein» gefahren, Weizen gemäht und gedroschen, — und nun waren wir fertig und sollten Abrechnung haben. Frohen Herzens und Geld in der Tasche wanderten wir zwanzig Mann stark nach der nächsten Präriestadt, um einen Zug zu finden, der uns nach dem Osten hinabführen sollte. Der Aufseher begleitete uns, er wollte ein Abschieds» glas mit uns trinken. Wer nie einem solchen Abschied zwischen einer Schicht Prärie- arbeiter beigewohnt hat, kann sich kaum einen Begriff davon machen, wie mannhaft dabei getrunken wird. Jeder spendiert gleich eine Runde, das macht zwanzig Glas auf den Mann. Glaubt man aber, daß es hiermit zu Ende ist, so irrt man sehr, denn unter uns sind, weih Gott, Gent lernen, die ihrerseits gleich fünf Runden auf einmal stiften wollen. And Gott gnade dem Wirt, der den Versuch machen wollte, Einspruch gegen eine solche Anvernunft zu erheben. Er würde sofort von seinem eigenen Schenktisch vertrieben werden. Eine solche Bande von Sommerarbeitern schlägt alles nieder, was ihr in den Weg kommt. Sie reißt schon beim fünften Glas die Herrschaft über die Stadt an sich und von dem Augenblick an regiert sie ohne den geringsten Einspruch. Die Ortspolizei ist machtlos, sie macht gemeinsame Sache mit der Bande, sie trinkt mit ihr. And es wird mindestens zwei Tage getrunken, zwei Dächte gespielt und geprügelt und gejnchheit. Wir pflegten zueinander zu sagen: Was willst du jetzt trinken? Hier ist nichts, was gut genug für dich wäre! And dann gingen wir selber hinter den Schenktisch, um das Köstliche herauszufinden. Wir holten sonderbare Flaschen hoch oben von den Borden herunter, Flaschen mit prachtvollen Etiketten, die hauptsächlich zum Staat dort standen, deren Inhalt wir guten Freunde einander einschenkten und austranken und mit lächerlich hohem Preis bezahlten. Evans war wohl am erpichtesten darauf, Runden zu bestellen; Sein letztes seidenes Hemd sah jetzt traurig aus, die leuchtenden Farben hatten Sonne und Degen vernichtet und die Aermel waren arg mitgenommen. Evans selber aber stand groß und stolz da und bestellte mit großer Aeberlegenheit eine Runde nach der anderen. Ihm gehörte die Kneipe, ihm gehörte die Welt. In seiner überströmenden Liebenswürdigkeit nahm Evans mich beiseite und suchte mich zu überreden, für den Winter mit ihm in die Wälder der Wisconsins zu kommen und Holz zu hauen. Sobald er sich mit einigen neuen Hemden, ein paar Hosen und einigen neuen Romanen ausgerüstet habe, zöge er seinerseits wieder in die Wälder, sagte er, und bliebe bis zum Frühling dort. And wenn es Frühling würde, zöge er wieder irgendwo in die Prärie hinaus. Das sei ein Leben. Zwölf Jahre habe er sein Leben zwischen Prärie und Wald geteilt, und er habe sich so daran gewöhnt, daß dies jetzt etwas ganz Selbstverständliches sei. Ms ich ihn aber fragte, was ihn eigentlich zu Anfang auf diese Dahn getrieben habe, antwortete er nicht — wie Betrunkene es in SiehenerZamilienblimer Unterhaltungsbeilage zum Giehener Anzeiger dessen nander madige ■ Gras. immer wird). >e gute ch tuet« wacher, >rt und ! Geige rhalien. nt noch t, st f eben s« e altere en, mir ürjeren cht Mi feer Regel hm — mit einem langen und trübseligen Bericht, tote das Ganze sich zugetragen habe, sondern nur mit den Worten: Die Bterhältnisfe. Wieso? fragte ich. Die Verhältnisse, wiederholte er. Lind mehr wollte er mcht heraus rücken. Ich sah ihn später am Abend in einem Nebenzimmer der Kneipe, wo man mit Würfeln spielte. Evans hatte verloren. Er war ziemlich betrunken und machte sich nichts aus Geld. Als ich hereinkam, zeigte er mir noch einige Scheine und sagte: Ich habe noch Geld! Sieh nur! Einige rieten ihm, das Spiel zu beenden; einer seiner Landsleute, ein Irländer namens O'Drien, meinte, er müsse seine Scheine für Die Eisenbahnkarte brauchen. Das beleidigte Evans. Nein, Reisegeld mußt du mir leihen, sagte er. O'Drien schlug es ihm kurz ab und verlieh das Zimmer. Das reizte Evans. Er setzte all sein Geld auf einmal ein und verlor. Er nahm es ruhig hin. Er zündete eine Zigarre an und sagte lächelnd zu mir: Willst du mir das Reisegeld leihen? _ Ich war ein wenig benebelt von dem letzten Gesöff, ich knöpfte meine Jacke auf und reichte Evans meine Geldtasche mit allem, was Darin war. Ich tat es, um ihm zu zeigen, wie bereitwillig ich ihm das Reisegeld leihen wollte, und überließ es ihm, zu nehmen, was er gebrauche. Er sah mich an und die Tasche. Eine sonderbare Bewegung zuckte über sein Gesicht, er öffnete die Tasche und sah, daß sie all mein Geld enthielt. Als er mir wieder den Kops zuwandte, nickte ich nur. Dies Nicken mißverstand er. Er glaubte, daß ich ijjan das Ganze Überließe. Ich danke dir! sagte er. Lind zu meinem großen Schrecken setzte er von meinem Geld ein und begann das Spiel von neuem. Zuerst wollte ich ihn zurückhalten, besann mich aber. Laß ihn erst sein Reisegeld verbrauchen wie er will, dachte ich bei mir. Wenn er aber eine anständige Summe verspielt hat, nehme ich den Rest zurück. Evans aber verlor nicht mehr. Er war mit einem Schlage wieder nüchtern geworden und spielte bestimmt und schnell. Das Vertrauen, das ihm in Gegenwart so vieler Kameraden erzeigt worden war, hatte ihn umgewandelt. Groh und schweigend sah er auf dem Whiskyanker, der ihm als Stuhl diente, und setzte ein und nahm feine Gewinne an sich. Verlor er einmal, so verdoppelte er das nächstem al Len Einsatz; er verlor dreimal hintereinander und verdoppelte jedesmal, schließlich gewann er das Ganze wieder. Da setzte er einen ganzen Fünfdollarschein auf und sagte, wenn er jetzt gewinne, wolle er aufhalten. Er verlor. And er fuhr fort zu spielen. Nach Verlauf einer Stunde gab er mir meine Brieftasche mit Dem Geld darin zurück; er hatte im Lauf des Spiels genau Rechnung geführt. Er selber hatte jetzt wieder einen Haufen Scheine. Er spielte weiter. Da setzte er plötzlich alles ein, was er besah. Gin Murmeln Der Zuschauer ging durchs Zimmer. Evans sagte: Mag ich nun verlieren oder gewinnen, auf halten werde ich jetzt! Er gewann. / Evans erhob sich. Habt die Gute, mich zu bezahlen! sagte er. Morgen, antwortete der Bankier, heute habe ich nicht so viel, Ich werde morgen schon einen Ausweg finden! Evans sagte: Gut, also morgen! Als wir hinausgehen wollten, kamen einige Männer schwerfällig trampelnd in das Zimmer. Sie trugen eine verstümmelte Leiche. Es war O'Drien, der Irländer, derselbe, der sich geweigert hatte, Evans das Reisegeld zu leihen. Er war eben von einem Weizenzug Überfahren worden, beide Deine waren abgetrennt, das eine hoch oben an der Hüfte. Er war schon tot. Er war aus dem Zimmer hinausgegangen und in der Dunkelheit direkt unter die Eisenbahnräber getaumelt. Man legte die Leiche auf die Erde und deckte sie zu. And dann suchten wir uns eine Liegestatt, wo wir sie finden konnten, einige legten sich in der Kneipe auf den Fußboden. Der Daldresmann und ich fanden ein Lager in der Scheune. Am Morgen kam Evans in die Stadt hinab. Hast du dein Geld von dem Bankier bekommen? fragte der Daldresmann. Noch nicht! antwortete Evans. Ich bin draußen auf dem Felde gewesen und habe ein Loch für unseren Kameraden gegraben. Wir bestatteten O'Drien ein wenig abseits von der Stadt in einer Kiste, die wir vor einem Hause Wegnahmen. Da die Leiche so kurz abgeschnitten war, reichte die Länge der Kiste Gottlob aus. Wir fangen nicht und sprachen auch kein Gebet, aber wir waren alle versammelt und standen einen Augenblick mit unteren Hüten in der Hand da. And dann war die Zeremonie beendet... Als aber Evans fein gewonnenes Geld haben sollte, zeigte es sich, dah der gerissene Bankier verschwunden war. Auch dies nahm Evans mit derselben Gemütsruhe hin wie alles andere, es schien ihm ganz gleichgültig zu fein. Er hatte in» Dessen noch viel Geld, er konnte feine Fahrkarte lösen und seine Hemden, seine Hose und seine Romane laufen. And da war Evans für den Winter ausgerüstet. Wir blieben noch bis zum Abend des nächsten Tages in der Stadt. Wir führten dasselbe Leben und tranken die Kneipe leer. Mehrere von den Arbeitern hatten keinen roten Heller mehr, als sie den Ort verließen, und da sie keine Fahrkarte lösen konnten, schmuggelten sie sich in Die Lastwagen ein, wo sie sich in den Weizen Meine Gräber. Von Theodor Fontane. Kein Erbbegräbnis mich stolz erfreut, Meine Gräber liegen weit zerstreut. Weit zerstreut Über Stadt und Land, Aber all in märkischem Sand. Verfallene Hügel, die Schwalben ziehn. Vorüber schlängelt sich der Rhin, Aber weiße Steine, zerbröckelt all. Blickt der alte Ruppiner Wall, Die Buchen stehn, die Eichen rauschen, Die Gräberbüsche Zwiesprach tauschen. And Haferfelder weit auf und ab — Da ist meiner Mutter Grab. And ein andrer Platz, dem verbunden ich bin: Berglehnen, die Oder stießt dran hin, Zieht vorüber in trägem Lauf, Gelbe Mummeln schwimmen darauf; Am Ufer Werft und Schilf und Rohr, And am Abhange schimmern Kreuze hervor, Auf eines fällt heller Sonnenschein — Da hat mein Vater seinen Stein. Der Dritte, seines Todes froh, Liegt auf dem weiten Teltow-Plateau, Dächer von Ziegel, Dächer von Schiefer, Dann und wann ein Krüppelkiefer, Ein stiller Graben die Wasserscheide, Birken hier und da eine Weide, Zuletzt eine Pappel am Horizont, 3m Abendstrahle sie sich sonnt. Auf den Gräbern Blumen und Aschenkrüge. Vorüber in Ferne raffeln die Züge, Still bleibt das Grab und der Schläfer drin — Der Wind, der Wind geht drüber hin. Oer Tod des Jeidhauptmanns Giovanni de Medici. Don Pietro Aretino*). 3m Jahre 1526 befand sich der italienische Dichter Pietn Aretino in Der Begleitung des berühmten Condottiere Giovanni de Medici, der damals als Generalissimus des Papstes gegen die kaiserlichen Truppen in Ober-Italien kämpfte. Es heißt, dah Giovanni de Medici — als einer der ersten Männer seiner Zeit — die Idee eines geeinigten Italiens zu verwirklichen hoffte. Diese Schilderung M Aretino, verdeutscht von Hans I. R e h f i s H, verdient es, als ein Muster klassischer Reportage, auch heute w gelesen zu werden. Als die Stunde heranrückte, die das Schicksal mit Gottes I stirnmung für das Ende Des Generals Giovanni de Medici bestimm hatte, befand er sich im Kampf um die Stadt Governolo, wo die kaiserlichen Truppen befestigt hatten. Wir waren gerade ■ der Aufstellung der Artillerie beschäftigt, als ihm eine WuskeM' kugel den Schenkel durchbohrte — dasselbe Dein, das schon durch einen Arkebusenschutz verwundet worden war. And kaum M er selbst seine Verwundung gefühlt, als sogleich Furcht und W®" mut das Heer Befielen und Feuer und Freude in allen ®ers erstarben. Jeder dachte nur noch an sich selbst. Als die Leute griffen hatten, was geschehen war, da wehklagten sie und W dem Geschick, das ohne ersichtlichen Vorsatz ihren edlen und vercileichlichen Feldherm im Beginn großartiger Taten und in größten Not Italiens sterben ließ. Die Hauptleute, die ihn < und verehrten, gedachten unter Tränen, wie er trotz fernes kaum zur Reife gelangten Alters bisher aus allen Anternehmung siegreich hervorgegangen war und sich jeder Schwierigkeit « wachsen gezeigt hatte. Sie trauerten um die Größe feiner iw verwirklichten Gedanken und um seine persönliche Tapferkeit, sie konnten ihre Stimme nicht mehr meistern, als sie davon spr l mit welcher anspruchslosen Herzlichkeit er in allen Dingen un , in Essen und Kleidung nichts als ihr Kamerad hatte sein ® *) Aus einem Brief an Francesco del Albizi vom 10. Dezc>»^ I 1526 aus Mantua. verkrochen. Aber Dem alten, bucklichen Koch, Dem Norweger aus Iowa, erging es schlecht dabei. Glücklich und ungesehen war er in den Weizen hineingekommen, da drinnen aber konnte er sich nM ruhig halten, in seiner Betrunkenheit fing er an, mit feiner Weiber- ftimme abscheuliche Lieder zu fingen. Da wurde er gefunden und hinausgeworfen. And als das Männlein durchsucht wurde, hatte er so viel Geld, daß er mit Leichtigkeit eine Karte für uns alle hätte lösen können, der Schurke! Wir zerstreuten uns nach allen Himmelsrichtungen. Der eine Norweger kaufte sich eine kleine Schießbahn in einer Stadt in Minnesota und der Koch zog gegen Westen an die Küste des Stillen Ozeans. Evans aber geht sicher noch in seinen seidenen Hemden umher und streut Geld mit vollen Händen aus. Leden Sommer iß er in der Prärie und erntet Weizen, und jeden Winter liegt er in Den Wäldern von Wisconsin und schlägt Holz. Das ist nun einmal fein Leben. Ein Leben, das vielleicht eben so gut ist tote jedes andere. ®egentoa begangen mich, schl Böhnchen ollen spü schäft stri bolle Zu Bett und geliebten jeder Zw vergleiche, von Arbi chu glaul 'M vom und tvürk bei Kräfte obends r tt mich, j mnzuschläf ms er eri Eer bin Me Des, aß lehre weiß!" Düsternis vsm Einpf J Men zurech sein Geist Dies v ^Md an h An der Wc ihn sah, Art hab erhc Beu mein Pun zu ! Hau. aber läßt, Sans mein- zeigt' rm 2 wiedc spracl müßt' maler Höfer ihm! zu hr in ach zur $ wird niemal maßen gleich,' starken gaben vorzub erbrech ich mus Aach l Als zr sagten würden mich ni Gesicht zu teud hörte, t »Ich bi und tat mit den einmal i erlitten die Me anbruch wand kl zu ihm. Gedanke sein Am die schon anbrach, sein Te er viele bestimmt« Arbino und sagt war, Hal edm. Wteä 3“‘ bestimm I wo B habe » \ Muskel«' bn frühe! Eum stntte k Schw««' k W (heute 6f k fluW Ich in M In fe«? lines * lehmuE" Ifeit V In»-''" Ifeit, «s I sprE Iund«°Z L votte" Und so machten sie mit der Wärme ihrer Klagen den Schnee schmelzen, der ohne Matz niederfiel, während sie ihn in einer Sänfte nach Mantua ins Haus des Herrn Luigi Gonzaga trugen. Dort besuchte ihn am selben Albend noch der Herzog von Urbino. Sobald er ihn sah, zeigte er sich getröstet, und der Herzog sagte auf seine schlichte Art: „Es darf Euch nicht genügen, soldatischen Ruhm geerntet zu haben, wenn Öhr Euren Ramen jetzt nicht mit Hilfe der Religion erheben wollt!" Er aber verstand, datz diese Worte ihn auf d:e Deichte Hinweisen wollten, und sagte: „Ich habe in allen Dingen meine Pflicht getan und werde sie, wenn es not tut, auch in diesem Punkte tun!" Als der Herzog gegangen war, begann er mit mir zu sprechen und verlangte inbrünstig nach seinem Liebling, dem Hauptmann Lucantonio. „Wir werden nach ihm schicken", sagte ich, aber er erwiderte: „Willst Du, daß so ein Mann die Schlacht verläßt, um Kranke zu besuchen?" Dann gedachte er des Grafen von Hansecvndo und sprach: „Wäre er doch wenigstens hier, um an meine Stelle zu treten!" Ein paarmal kratzte er sich den Kopf: dann zeigte fein Gesicht den Ausdruck der Ratlosigkeit, er hielt die Finger nn Munde und sagte vor sich hin: „Was wird nun?" And oft wiederholte er: „Ich habe nie jemanden traurig gemacht!" — Ich sprach mit den Aerzten. Dann ging ich zu ihm und sagte: „Ich mühte Euren starken Geist unterschätzen, wenn ich Euch jetzt mit malerischen Worten davon überzeugen wollte, daß der Tod der Er- loser vom Schmerz sei und leichter zu bestehen als unsere Angst vor ihm! Aber weil es das höchste Glück ist, alles aus freiem Willen zu tun, so laßt Euch jetzt das zerschmetterte Bein amputieren, und in acht Tagen könnt Öhr Italien, das heute noch eine Sklavin ist, zur Königin machen! ilnb die Lahmheit, die Euch bleiben wird, wird Euch höher auszeichnen, als alle königlichen Orden, die Öhr niemals anlegen wolltet, weil nur Wunden und verstümmelte Gliedmaßen Schmuck und Ehrenzeichen wirklicher Soldaten sind!" „ Macht's gleich," antwortete er. Da traten die Aerzte ein und lobten seinen starken Entschluß und fetzten die Operation auf den Abend an, dann gaben sie ihm eine Medizin ein und begannen ihre Instruments vorzubereiten, ihn die Stunde des Abendessens mutzte er sich heftig erbrechen, dann sagte er zu mir: „Der Kaiser hat wahrhaftig Glück: ich muh jetzt auf anderes bedacht sein als auf die Dinge des Lebens 1“ Nach diesem Wort faltete er die Hände und gelobte zu beichten. Ws zur festgesetzten Stunde die Aerzte in Bereitschaft eintraten, sagten sie, daß ihn während der Operation acht bis zehn Männer würden festhalten müssen! Er sagte lächelnd: „Auch zwanzig würden mich nicht halten können —I" Dann streckte er sich mit ruhigem Gesicht aus und nahm die Kerze in die Hand, um über sich selber zu leuchten. Öch rannte davon und hielt mir die Ohren zu. Ich hörte, wie er zweimal aufschrie. Dann wurde ich zu ihm gerufen. „Ich bin geheilt," sagte er, wandte sich Nach rechts und nach links und tat sehr heiter. Dann ließ er sich den abgenommenen Schenkel mit dem Fuß heranbringen und lachte uns aus, die wir nicht einmal den Anblick von dem ertragen konnten, was er selber soeben erlitten hatte. Schließlich aber kehrte der Schmerz, der ihm durch die Medizin verringert worden war, zwei Stunden vor Tagesanbruch mit aller Wucht zurück; ich hörte ihn eilig an die Zimmerwand klopfen, fühlte mein Herz durchbohrt und eilte halb bekleidet zu ihm. Da sagte er, daß der Schmerz ihn weniger ärgere als der Gedanke an die Faulenzer — und so schwatzte er mit mir, um an sein Anglück nicht zu denken und um seine Lebensgeister zu stärken, die schon vom Hinterhalt des Todes umgeben waren. Als der Morgen anbrach, hatte sein Zustand sich so sehr verschlimmert, daß er nun fein Testament machte. Für Menschen, die ihm gedient hatten, setzte er viele tausend Dukaten in bar und in Gegenständen aus und bestimmte nur vier Goldstücke für sein Begräbnis! Den Herzog von Urbino ernannte er zum Testamentsvollstrecker. Dann beichtete er und sagte beim Anblick des Priesters: „Vater, da ich Berufssoldat ioar, habe ich ■ auf soldatische Art gelebt — ebenso, wie ich auf geistliche Art gelebt haben würde, wenn ich Euer Kleid getragen hätte, And wenn es nicht unzulässig wäre, so wollte ich jetzt in Gegenwart von aller Welt beichten, denn ich habe niemals etwas begangen, das meiner unwürdig gewesen wäre!" — Später bat er mich, schleunigst zu veranlassen, daß seine Gattin Maria ihm sein Söhnchen Cosimo schicke. Ön diesem Augenblick verdoppelte die «ulen spürbare Rähe des Todes die Traurigkeit: seine ganze Dienerschaft strömte herbei und setzte alle Bescheidenheit und alle respekt- Eie Zurückhaltung beiseite und drängte die Offiziere von seinem ^oett und klagte im Schatten ihrer frischen Trauer, daß sie mit dem geliebten Herrn Brot und Dienst und alle Hoffnung verlören! And Mer Zwang den andern seine Augen mit denen der andern zu vergleichen, um seinen tieferen Gram zu beweisen! — Der Herzog ?on Urbino aber heuchelte ein fröhliches Gesicht, indem er versuchte, wn glauben zu machen, daß er genesen würde, und er redete zu >ym vom Erfolge des Krieges: die Dinge ständen erstaunlich gut würden noch besser stehen, wenn Giovanni de Medici wieder rasten sein würde. So blieb er im Gespräch bis gegen neun Ahr Ends, zur Stunde der Rachtwache des heiligen Andreas. Da bat l? vnch weil seine Schmerzen maßlos wurden, ihn durch Borlesen wzuschläfern. Er mochte eine Viertelstunde geschlummert haben, ^erwachte und sagte: „Ich habe mein Testament gern ach t, nun s-bin ich geheilt und fühle keine Schmerzen mehr! And wenn Ws r~?lierung anhält, werde ich die Truppen des Kaisers sehr i'> bsie man sich schlägt — und wie ich mich zu rächen . Rach diesen Worten entwich sein Geist schon in die ewige bcm re '.er hatte noch nach der letzten Oelung verlangt und nach all des Sakramentes gesagt: „Öch will aber nicht unter beit Rinden und Pflastern sterben!" Da wurde ihm ein Feld- iein und er wurde darauf niedergelegt. And während U^ummert<> wurde er vom Tobe in Besitz genommen. — Sinh nt der Ausgang des großen Giovanni de Medici. Bon n batte er immer Edelmut und höchste Lebendigkeit des Geistes gezeigt. Seine Freigebigkeit war größer als sein Vermögen. Alke Mühsal ertrug er mit geduldiger Anmut, seinen Zorn wußte er zu beherrschen und seine Worte in Taten umzuwechseln. Er verlangte nach Reichtum — aber nur um ihn zu verachten. Tapfere Menschen schätzte er über alles. Wer mit ihm nicht vertraut war, für den war er schwer kennen zu lernen. Während der Schlacht und im Quartier war er immer mitten unter Mannschaften und Osfizieren; in Friedenszeiten machte er zwischen sich und allen andern gar keinen Anter- schied. Rach Lob und Ruhm war er sehr begierig, obgleich er so tat, als verachte er dies. „Kommt mir nach und lauft nicht vor mir her!" Diese seine Worte im Augenblicke der Gefahr verbündete ihm das Herz feinet Leute. Alle seine Vorzüge kamen aus seiner Ratur — seine Fehler aus feiner Jugendlichkeit. Ach, wäre es doch Gotteis Wille gewesen, datz er die ihm geschuldeten Tage noch erlebt Hätte, damit jeder feine Herzensgüte so kennengelernt hätte wie ich! Zwistigkeiten unter feinen Mannschaften schlichtete er schnell, denn er führte sie immer durch Liebe! And niemals waffnete er sein Herz mit erlogener Furchtbarkeit! Jeder kann ihn beneiden, niemand ihn nachahmen. Florenz und Rom (Gott wolle, datz ich hier eine Lüge ausspreche!) werden bald empfinden, was sein Derlust für sie bedeutet. Das Quartett. Novelle von Wilhelm Heinrich Riehl. (Fortsetzung.) Hierüber war es dunkel geworden, und ma nbegab sich ins Musikzimmer zum Quartett. Zu Ehren des Gastes war eines feiner schönsten Werke aufgelegt. Das Allegro gelang über Erwarten; der Freiherr warf nur dreimal um, weil ihn der Gedanke verfolgte, dah Gräfin Helene heute viel liebenswürdiger fei als jemals in ihrem Leben. Haydn hörte mit bewundernswürdiger Geduld; er zählte nicht zu jenen Tonsetzern, welche gleich Krämpfe kriegen, wenn ihr Noten nicht genau so vorgetragen werden, wie sie sich dieselben im Geiste gesungen haben, und lobte den Eifer der Spieler, sagte ihnen aber auch deutsch heraus, wo gefehlt oder der Sinn vergriffen worden war. Dadurch wuchs ihnen Lust und Mut, und das Adagio gelang noch viel besser; der Freiherr kam nur einmal aus dem Takte und versuchte dann an vier verkehrten Stellen wieder einzusetzen, schreckte aber nach den ersten falschen Noten immer wieder zurück, wodurch eine etwas befremdend dramatische Bewegung in den Gang der Harmonie kam. Doch das tat nichts; das Adagio war nicht umzubringen, und alle wurden gepackt von der tiefen und reinen Empsindung der wie in überirdischen Klängen dahinschwebenden Weisen. Die Gräfin fragte den Meister, ob er sich nicht etwas ganz Besonderes gedacht habe bei der hohen und doch so süßen Lyrik dieses Satzes. Haydn erwiderte, er denke sich freilich etwas Besonderes bei jedem seiner Tonstücke, mute aber keinem Menschen zu, das Gleiche wieder zu denken, sondern sei zufrieden, wenn die Hörer nur empfänden, was er empfunden habe. Und so vergesse er denn auch oft wieder, welche besondere Gedankenkette ihn zu einem Musiksatze geführt. Vorhin freilich sei es ihm fast gewesen, als klänge das in Liebe beseligende Walten einer edeln Frauengestalt aus den Tönen jenes Adagios, das er vor zwanzig Jahren gedichtet, heute wieder an sein altes Herz. Irre er sich dabei, so sei die holde Gegenwart der Gräfin wohl gar schuld, daß er nun meine, er müsse durch dieses besondere Gedankenbild damals zu dem Adagio gekommen sein. Der Freiherr staunte bei diesen Worten, der Graf war befriedigt, die Gräfin entzückt. Und so wuchs die Freude er glücklichen Menschen, un man geigte ein Quartett ums andere und trank ein Glas edeln Weines ums andere, und obgleich sich Haydn anfangs geweigert hatte, auch einmal zur Geige zu greifen, so konnte er doch nicht widerstehen, als ihm die Gräfin selbst das Instrument gar anmutig darreichte, und spielte in einem Menuett die zweite Stimme, und der Freiherr wußte gar nicht, wie er's der schönen Helene danken solle. Zum Schlüsse aber brachten die beiden Männer noch eine Streitfrage in Quartettsachen vor den Richterstuhl des Vaters des deutschen Quartetts. Der Freiherr hatte, wann an den gewöhnlichen Montagen auf Schloß Strüth gespielt wurde, allezeit nur einen firnen Rheinwein auftragen lassen, denn er behauptete, die Kunst sei Erbauung; der Graf dagegen, welcher nicht bloß in seinen Geigen ein Feinschmecker war, bewirtete Donnerstags auf Neuhaus mit Champagner; denn er behauptete, die Kunst sei Genuß. Haydn sollte nun bestimmen, welcher Wein für ein rechtes Musterquartett passe. Er sprach nach kurzem Besinnen, man müsse Hier scharf unterscheiden. Beim Quartett tauge der Champagner nicht, sondern der firne Rheinwein; denn die Kunst sei Erbauung: — nach dem Quartett aber habe auch ein Glas Champagner sein Recht; kenn in der Kunst werde die Er- baung selber zum Genuß. Und nachdem dieser menschenfreundliche Schiedsrichterspruch für Strüth und Neuhaus feierlich und mit allgemeinem Beifall angenommen worden war, geleitete der glückselige Wirt seine Gäste zur wohlverdienten Ruhe. Am folgenden Morgen schrieb Gräfin Helene unter anderem in ihr Tagebuch: Haydn auch in der Konversation ein Meister der Kunst, zwei scheinbar fremdartige Themen kontrapunktisch zu verbinden: Erschaffung der Welt und singende Bauernmädchen; Unsterblichkeit und alte Geigen, Rheinwein und Erbauung, Champagner und Genuß; Adagio in A=Sur und---" hier folgten drei verschämte Gedankenstriche. Der Freiherr fand im Laufe des Tages zufällig dieses Blatt, und die Gedankenstriche machten ihm viele Gedanken. Er fühlte sich getroffen von der Wahrheit des Satzes: Haydn ein Meister der Kunst, zwei scheinbar fremdartige Themen kontrapunktisch zu verbinden, — freilich in ganz besonderem Sinne; denn es kam ihm vor, als seien er und Helene diese beiden fremdartigen Themen, welche der alte Hexenmeister ganz unter Ankunft. Viertes Kapitel. 8er Hand gleichfalls kontrapunktifch verbinde; so völlig verändert und so unvergleichlich liebenswürdiger erschien ihm Helene seit Haydns Nur zu rasch verschwanden die Festtage, welche durch Haydns Besuch wie mit goldenen Lettern in die Chronik des musikalischen Schlosses eingezeichnet wurden. Der Freiherr und die Gräfin fanden sich aber auch nachher je in besonderer Weise angeregt von dem freundlichen Wesen des schlichten Mannes. Helene hatte viel gelernt, nicht für die Musik, sondern fürs Leben. Sie hatte sich einen großen Künstler ganz anders gedacht: hoch hinaus, siegesbewußt, voll der eigenen Weisheit, lobbedurstig und schwer zu befriedigen, so etwa ein männliches Seitenstück ihrer eigenen Art. Statt dessen fand sie einen gemütlichen Alten, der sich nicht besser dünkte als andere Leute, ja, der sich's gar niemals merken ließ, daß er eigentlich ein berühmter Mann sei. Mit echt weiblichem Scharfblick erkannte sie sofort das Reizende dieses anspruchslosen Wesens, und mit echt weiblicher Geschmeidigkeit ging sie nachahmend alsbald selber darauf ein. S»e sah, wie sehr dies Haydn und dem Freiherrn gefiel, und so gefiel auch sie sich denn in der natürlichen Rolle und spielte sie so fein, daß Kunst und Na.ur dem schärfsten Auge nicht mehr zu unterscheiden waren. Der Freiherr hatte diesmal von Haydn nichts gelernt, weder als Mensch noch als Bratschist, und so innig er sich an ihm erfreute, war doch seine Schwärmerei zu unmittelbar, als daß er gerade letzt besonders scharf über des merkwürdigen Mannes Worte und Wesen nachgedacht ^Sie Gäste reisten ab; es ward leer und still im Schlosse. Der Schloh- herr empfand diese Stille zum erstenmal in seinem Leben unbehaglich. Aber seltsamerweise vermißte er den alten Haydn weniger als die Gräfin. Sie mußte doch nicht so gar unausstehlich sein, denn sie hatte ja Haydn, dem gewiegten Kenner, schier besser gefallen als die ganze übrige Gesellschaft; sie allein hatte ihn vermocht, das Menuett mitzugeigen, ja, beim Adagio in A sprach er gar von einem Vorschauen ihres Bildes — Helene und ein Haydnsches Adagio! — es muß doch Poesie auf diesem Bilde ruhen. Und während der Freiherr solchen Gedanken nachhing, wurde es ihm bald kalt, bald warm, als schleiche ein leises Fieber durch seine Seele. Einen Augenblick sprach er recht kühl und vernünftig: „Helene dünkt mir fetzt so schön, weil sie mich an so schöne Tage erinnert. Ich bin verliebt in den Traum dieser Tage, soll ich mich darum in Helene verlieben? Sie gefällt mir, weil sie Haydn gefallen hat: liebt man jeweils ein Mädchen, weil sie einem anderen gefällt? Sie ist mir ein Sinnbild der verklungenen Musikherrlichkeit: soll ich wohl gar ein Sinnbild heiraten?" Dann aber besann er sich, es ward ihm heiß, und er meinte, die Sache habe doch ein anderes Gesicht: Helenens treue Neigung hatte sich seit Jahren ausgesprochen in ihrer Quartetttreue; sie hatte ihren Geschmack dem (einigen geopfert; sie hatte sich veredelt durch seine Musik, sie war in die Quartettschule gegangen. Er hatte ihre Koketterie hinweggegeigt, und dies war allerdings in jenen schönen Tagen zum erstenmal klargeworden, wo Haydn ihr die Meisterschaft wahrer Anmut bezeugte, indem er ihr Spiegelbild aus dem Adagio in A-Dur hervorstrahlen sah. Und dann blickte der Freiherr weiter in die Zukunft. Sollte er für alle Zeit so einsam, familienlos auf feinem alten Schlosse sitzen bleiben? Sollte er sich nicht auch einen Stammhalter wünschen, nicht sowohl seines Hauses und Wappens — die Kunst hatte ihn über Standesvorurteile erhoben — als einen Stammhalter seines Quartetts? Sollten feine Notenschätze nach seinem Tode zerstreut, sollte auf Schloß Strüth nicht mehr gegeigt werden, wann einmal der Fiedelbogen seiner Hand entsunken war? Er stand im besten Mannesalter — vierzig Jahre — und bei der Gemütsruhe, welche ein regelmäßiges Hausquartett verleiht, hoffte er wohl über siebzig alt zu werden. Und in dreißig Jahren konnte er es nicht bloß zu einem quartettspielenden Sohne bringen, sondern zu einem ganzen Quartett von Söhnen. Dann mochte er seine letzten Tage in Frieden genießen und ruhig zuhören, wie die Kinder geigten. Er drehte sich solchergestalt im fortlaufenden Zirkel zwischen Quartett und Helene, so daß er zuletzt beides gar nicht mehr voneinander trennen konnte, und obgleich es ihm von dieser steten Kreisbewegung fast schwindelte, ließ er sich doch gegen niemand etwas merken. Nur fiel es den Quartettgenoffen auf, daß das Bild Eratos nicht mehr während des Spielens verhängt war, und daß der Freiherr auch nicht mehr zwanzig Takte statt zehn zählte, wenn er etwa beim Pausieren unversehens auf das Bild geblickt. Plötzlich gab ein großes Ereignis den Ausschlag für Gräfin Helene, das war die Schlacht von Novi, in welcher Suwarow als Qberfeldherr des österreichisch-russischen Heeres die Franzosen niederwarf, am 15. August 1799. Schon im Juni und Juli waren kleinere Siegesbotschaften aus Italien gekommen und hatten das patriotische Herz des Freiherrn höher schlagen lassen. Während er's bei der Kunde des Rastatter Gesandtenmordes fast für fündlich hielt, in so greuelvoll schwerer Zeit einem heiteren Künstlerstilleben sich hinzugeben, ward es ihm jetzt so frei und hoch zumute, daß er niemals reiner sein Quartett genoß, als in diesem Lenz und Sommer, welche Kunst, Liebe, Natur und Politik im gleichen goldenen Sonnenschein erglänzen ließen. Wären die Oesterreicher geschlagen worden, so hätte er sich als ehemaliger Offizier wieder zum Heere gemeldet; da aber das revolutionäre Frankreich gebrochen war und die gute, alte Zeit wiederzukommen schien, war es denn doch besser, Quartett zu spielen und sich zu verlieben nach gutem, altem Brauche. Der entscheidende Sieg in Italien hatte den Freiherrn in diesem Sinne bereits seit mehreren Tagen still und tief bewegt, als am 1. September der Brief eines Freundes eintraf, welcher bei Novi mitgekämpft und Genaueres über die Schlacht meldete. Der Freiherr geriet in hellen Jubel der Begeisterung, fang und pfiff Quartetthemen und wurde von solch einem patriotisch-musikalischen Feuer ergriffen, daß er den Schluß des langen Briefes mit schwimmendem Auge und nur so obenhin aufs Ganze las, wie man am Klavier eine zwanzigstimmige Partitur zu lesen pflegt. Dann ließ er satteln und sprengte zum Grafen nach Neuhaus; der Bediente mit einem schweren Pack Noten auf dem Mantelfack hinterdrein. Dem Grafen eröffnete er sofort feine Kriegsneuigkeiten und gab ihm den langen Brief; der Gräfin hingegen überreichte er ein Notenheft aus dem großen Paket zum Geschenke und sprach: „Dies sind drei Klaviersonaten von einem jungen Manne namens Beethoven: — eine tiefbewegte, seltsam aufregende Musik, hier und da etwas geschwollen und geschraubt, etwas eigensinnig und für den Spieler schwer zu behandeln, und dennoch voll bezaubernder Schönheit. Wenn der junge Mann erst einmal reif geworden ist für den Quartettsatz und feine Saunen im strengen Anschluß an Mozarts und Haydns Schreibart abgeschliffen hat, bann kann etwas Ausgezeichnetes aus ihm werden." Der Freiherr dachte aber bei diesen Worten zugleich und fast mehr noch an die Gräfin, welche auch für den Spieler so schwer zu behandeln war, jedoch Hoffnung gab, daß sie in der strengen Mozart-Haydnschen Quartettschule ihre Launen immer mehr abschleifen werde. Und indem er über die leidenschaftliche Empfindung der drei Sonaten sprach, kam er unvermerkt auf feine und der Gräfin leidenschaftliche Empfindung, und als er die Kritik der Sonaten (Opus 2) zu Ende gebracht, hatte er zugleich der Gräfin feine Hand angetragen. Gräfin Helene aber hatte diese Hand schon so lange erwartet, daß sie, nicht aus Ueberraschung, sondern vielmehr wegen völligen Mangels an Ueberraschung gar nicht wußte, wie sie antworten solle. Allein als sie so verlegen in wirklich bezaubernder Schönheit dastand, gab ihr der Freiherr die Hand und umarmte und küßte sie, und wie sie dies alles geschehen ließ und erwiderte, das war auch eine Antwort. Der Graf hatte in einer Fensternische den Brief gelesen. Er trat im selben Augenblicke hervor, als jene beiden die zärtliche Gruppe bildeten, und las laut: „Unter den Gefallenen beklagen wir leider auch den Rittmeister von--; der Name ist so undeutlich geschrieben, wie liesest du ihn? — Gnetenheim oder Grebenheim?" „Gretenstein?" rief der Freiherr, ließ Helenens Hand fahren und griff nach dem Briefe. — „Gretenstein! — den Satz habe ich ganz übersehen; — Gretenstein, das ist der Gemahl Babettens!" „Allein was habt denn ihr beide miteinander?" fragte der Graf, welcher nun erst ahnte, was vorgegangen. Sein Freund aber war so betroffen von jenem Satz im Briefe, daß er nicht zu antworten vermochte, und Helene, welche vorhin die Sprache nicht gefunden hatte. Ja zu sagen, mußte jetzt erzählen, daß sie Ja gesagt, weil der Freund nun hiefür die Sprache nicht fand. Doch kam er nach wenigen Minuten wieder zu sich selbst und zu Helenen zurück, und sie konnten sich alle drei erklären und aussprechen, sich freuen und beraten, hoffen und Pläne spinnen, und was man sonst bei Verlobungen zu tun pflegt. Als der Bräutigam spät abends wieder nach Hause ritt, wußte er kaum, wohin er sein Pferd lenkte. Er fürchtete sich entsetzlich vor feinen eigenen Gedanken, die ihm grundschlecht vorkamen, vor denen er sich hätte ins Grab verstecken mögen, und die ihn doch nicht verließen. Der Rittmeister, welcher vordem zur rechten Zeit niemals hatte fallen wollen, muhte jetzt gerade zur unrechtesten Zeit gefallen sein. Die Schlacht von Novi hatte ihn — den Freiherrn — zum Bräutigam gemacht, und in dem Augenblick, da er eben Bräutigam geworden, erfährt er, daß durch dieselbe Schlacht von Novi seine frühere, nie ganz vergessene Braut Witwe geworden war. Im Jubel über den Brief aus Novi war er nach Neuhaus geritten, und doch wäre er vielleicht zu Hause geblieben, wenn er den Brief nicht gar zu musikalisch begeistert gelesen hätte, sondern Wort für Wort, wie man Briefe lesen soll, und nicht bloß ins Ganze, wie man eine zwanzigstimmige Partitur am Klaviere lieft. Zum erstenmal in seinem Leben räsonierte er über die Musik, tat aber sogleich wieder bei sich selber Abbitte, denn er wußte kaum, was freventlicher [ei, daß er jetzt noch und wieder an Erato denke, oder daß er die Musik anklage, als habe sie ihm Helene für Erato untergeschoben. Fünftes Kapitel. Im Spätherbst war die Hochzeit auf Neuhaus — natürlich reich mit Musik geschmückt. In der Kirche sang der Schulmeister: „0 Isis und Dfiris, schenket der Weisheit Geist dem neuen Paar", mit Drgelbegkitung und etwas verchristlichtem Texte. Bor den Fenstern des Schlosses ftimnv ten Bauernmädchen das Lied an, welches Haydn so wohl gefallen. Außerdem aber hatte der Graf ein kleines Orchester zusammengebracht, das während der Tafel jene überaus frische und heitere V-Dur-Symphoni! Mozarts spielte, die derselbe 1778 für das Fronleichnamskonzert in Pans geschrieben, obgleich sie eher an Figaros Hochzeit als an den gronw nam erinnert. Das Allegro begann bei den „Backhändeln", uni) das Finale schloß beim Pudding, und ungeachtet die Tischgesellschaft wahrem des so überaus zarten Adagios gerade einen überaus zarten Aehbrme» verarbeitete, genoß sie doch die Musik nicht minder als den Braten. M bot damals die höchsten Gaben der Tonkunst noch anspruchslos dar u« nahm sie harmlos hin, wo und wie man sie fand, und glaubte noch m b daß eine gute Musik besser und eine schlechte gut werde, wenn man 'M viel Umstände damit mache. Zum Schlüsse Hütte der Freiherr noch SJ« ein kleines Quartett gespielt; der Graf aber widerriet das dringend u behauptete, für ihn fei heute der vierstimmige Satz durchaus ungeetg und nur der zweistimmige zulässig. Nach der Hochzeit kam gar vieles anders, als es der Freiherr erroa hatte. Dem sonnigen Sommer folgte ein kalter, stürmischer Winter. (Fortsetzung folgt.) ___- Verantwortlich: Dr. HanS Thyriot. — Druck und Berlag: Brühl'sche Univerfitäts--Duch- und Steindruckerei. A. Lange, Gieße"- 5 In i Mit Sie Blüt War Oder Oder Und | Wenn Fühle Ich hl Und i Die P Diese Du bis ' Du Has Du Has Es kau Dann k Und n< 2ch hab Sind di Aber dr Und bes In dir Mit Gol An deine Du bist, Einer Mg h^ genau d-r Nam »Ich : Amte un xchreibtifl 7 ander °h"e sich N arger "Lle 2ämr Ach sai Mm er &n' 0 Philen g