»erde : deren | , und ir ein Selbes e ein führen ll an, quollen - Teil. Virbel- zte. t vom en die ch Um te dem MehenerzamilieMNer Unterhaltungsbeilage zum Gießener Anzeiger MgangMv greitag, den 6. Juni Nummer^ ich ihm Hölle, Spinne nes rot | euch des ne rasch t> wohl, icr fuhr Sigristen iur Zeit rd emp- iltigt. mpf g«. e hinein an das rrn war äste ver- iquol er« Uenschen- Stricken, Wies pfingstlied. Volksweise. Nun haben wir Ehr erwiesen Gott Vater und Sohn zumeist. Desgleichen sei gepriesen Gott Schöpfer Heiliger Geist. Er fährt daher im Windgebraus, Sein Wehn erfüllt das ganze Haus, Er kommt mit feurigen Zungen, Lob fei ihm gesungen. Die Jüngerschar zwar glaubte, Doch zag war ihr Gemüt. Sieh da, ob jedem Haupte Ein kleines Flämmlein glüht. Nun ziehen sie an jeden Ort Grünen aber tag in ihrem Wöchnerin ner höher Und finden rechte Sprach und Wort, Auf daß die ganze Erde Ein Hirt und Herde werde. Laßt sprechen uns: Willkommen Sollst, Heiliger Geist, du sein. Was unferm Herz mag frommen, Das gieße du hineinl Schenk uns den Trost in schwerer Zeit, Gib Lieb uns und Beständigkeit, Laß uns die Leuchte brennen, Daß Wahrheit wir erkennen! In dieser Welt Gewirre Sei Weiser deiner Gnad, Gehn wir im Finstern irre, Zeig uns den rechten Pfad! Führ uns zum Vater und dem Sohn, Daß wir dereinst am Himmelsthron Mit Engeln uns vereinen Zuin Ruhme der Dreieinen! Kyrie eleison. je, als ob irden, ihr ; ob alles nzen Leib giftig, um us in int »ar, andere ad im Ge- nfichtbam t nach, die re mit fich Ewige Pfingsten. Eine Betrachtung von Ernst L i f f a u e r. heißt in der Apostelgeschichte: „Und es geschah schnell ein Brausen "M Himmel als eines gewaltigen Windes und erfüllte das ganze Haus, ”JIC rnßen. Und es erschienen ihnen Zungen, zerteilt, wie von Feuer, er setzte sich auf einen jeglichen unter ihnen, und sie wurden alle voll Eiligen Geistes und singen an, zu predigen mit anderen Zungen, * dem der Geist ihnen gab, auszusprechen." j ®ro&e Legende war gestaltet in jener ungeheuren Vision. Abbild und einmaligen Geschehnisses: die urchristliche Gemeinde erblickte sich gewaltige geschichtliche Vorgang, das Werden der christlichen k yWeit, ihr unaufhaltsames Wachstum, ihre Ausbreitung unter «Ikern ward zufammengefchaut in dem mächtigen Gesicht. ton ff» am Schluss« von Goethes Gesprächen mit Eckermann, weislich »i, 5,e™ann an dieses Ende gestellt, stehen jene gewaltigen Sätze über kianm ■ Offenbarung und ihr Fortwirken": „Gott hat sich nach den Wen • *ma9inierten sechs Schöpfungstagen keineswegs zur Ruhe Wumn/sm r.me*^r $ er uoch fortwährend wirksam wie am ersten. Diese hteins a“5 einfachen Elementen zusammenzusetzen und sie jahraus, bpch Strahlen der Sonne rollen zu lassen, hätte ihm sicher wenig Wn Unt t nK"n er "Echt den Plan gehabt hätte, sich auf dieser mate- 60 in "rla9e eine Pflanzschule für eine Welt von Geistern zu gründen, ttn Ijeran’e^o^^hrend in höheren Naturen wirksam, um die geringe« jArihur »Gu6er in den bei weitem zu wenig gekannten Werken von ifittoorben sn»8' ^.ibher fast noch nirgends mit zeugender Kraft fruchtbar ' 't)On pfingstlicher Ausgießung und pfingstlicher Aussendung use; wn , die SU |n Glieder [r; wen er I sich uni l[e. Endlich Itamen die »önste M Desehen. Rierstumnile [über Berz luchte man 1 der Dz Wie Ud dort z« ■ oebrochell» I Angst, I sie tjeim, I das SJicf), fcäler, uni Untsetzli-H-» ■ Menf^ Mnunle von H das Md Mar, begon« Inen konck Ms | noch M Wandel ■ie Weiden, ■e Kuh ” Mnerden o® Mche Alpem ■jrei ersch" ■ sahen de Butter, u" ÄunflJ* BUehr® kündet diese Lehre, ohne das Wort „Pfingsten" anzuwenden. Pfingsten steckt in ihr inwendig. Die alte Schauung kehrt wieder in neuer Gestalt. Man hat diese Lehre Goethes „die Geheimreligion der Gebildeten" genannt. Warum aber soll si« die geheime Religion der Gebildeten bleiben? Warum gehen wir nicht hinaus auf die Straßen und hinein in die Häuser, um diese Religion öffentlich und vernehmlich zu machen? Jen« „höheren Naturen" nennen wir mit anderem Worte die „schöpserifchen" Menschen: Gott ist in ihnen wirksam, der Schöpfer. Nichts anderes aber kann letztlich und im tiefsten der schöpferische Mensch den alltäglichen, den durchschnittlichen Menschen lehren, als dies eine: sich selbst schöpferisch zu machen. Jedem Menschen ist von Ursprung an ein Sinn und Ziel seines Lebens gesetzt: daß er die in ihn gelegten Kräfte entfalte. Und dieses Wachsen und bildende Treiben ist, in einem weitesten Sinne, Schöpfertum. Angelus Silesius hat das Wort in die Menschheit geworfen: „Mensch, werde wesentlich!" Es ist nichts anderes als das Wort: „Mensch, werde schöpferisch!" Beides ist ein und dasselbe. Der Mensch, der wesentlich geworden ist, und fei es in welchem Grade immer, ist bereits schöpferisch. Denn schöpferisch an sich selbst sein heißt nichts anderes, als bildend an das eigene Wesen Vordringen, es herauszuarbeiten, das Wesenhaft« scheiden vom Unwesentlichen; was auch die Aufgabe aller künstlerischen, aller „schaffenden" Gestaltung ist. Auch jeder einzelne Mensch ist an sich, in wie bescheidenem Maße auch immer, ein Künstler; feine eigene innere Substanz ist der Stoss, an dem er arbeitet, und genau wie der Künstler hat er die Fähigkeit, aus sich herauszutreten und sich selbst anzuschauen. Diese anschauende Kraft heißt man mit einem ethischen Wort das „Ge-Wissen": dies Wissen — ein bereits distanziertes Wissen um sich selbst — ist ein Anschauen des eigenen Ich. Rückert sagt: „Vor jedem steht ein Bild des, das er werden soll; So lang er das nicht ist, ist nicht sein Friede voll". An diesem Vers des Dichters wird es völlig deutlich, daß jenes Wissen ein Schauen ist: denn jene Unruhe, die im Künstler wirkt und ihn zu immer reiferer und sorgfältigerer Durchbildung antreibt, nennt man fein künstlerisches, sein ästhetisches, sein musifches Gewisieu, und ähnlich, gleichsam rückvertauschend, nennt Rückert das Gewissen eine selbsterzieherische, eine ethische Bildnerkraft. Und fo sagt ja auch die Sprache aus, daß der Mensch „sich bildet". Allerdings, wie alle Wortfrüchte, die aus jenem Wortstamm erwachsen sind, ist auch diese verkümmert. Wenn wir von Bildung und verwandten Worten sprechen, so meinen wir, verstandesmäßig verbildet, die Anhäufung intellektueller Wissensstoffe, wir denken Vollständigkeit, an „Lücken", die „auszufüllen" sind. Das Wort „Bildung" aber meint di« organisch gewachsene der Natur, wie sie das Kristall am reinsten sichtbar macht, und die der Natur verwandte, die überbietende und veredelndende Bildung, die der Künstler hervorbringt. Das Wesen jeglicher Bildung, der aus sich wirkenden wie der in sich beschlossenen, der künstlerischen wie der naturhaften, beruht auf Zusammenhalt, Zusammenfassung. Jegliche Bildung ist unzerstreut, und so ist der völlige Gegensatz echter Bildung die Zerstreuung. Wie die Natur, wie der Künstler nicht das geringste Werk in der Zerstreuung hervorbringen kann, fo kann sich der Mensch nicht schöpferisch bilden, wenn er „sich zerstreut". Und so tief die Unterschiede zwischen den schöpferischen Naturen und den anderen reichen, so verschieden sich durch sie die Führung des Lebens gestaltet, dennoch vermag, gerade in dieser Hinsicht und gerade heute, der bildnerische Mensch den andern Vorbild zu fein. Denn noch niemals hat es eine Epoche gegeben, die, mit tausend Mitteln, Reizen, Lockungen, die durch ihre gesamte Struktur den einzelnen Menschen in solchem Maße zersplittert und zerstreut, wie die unsere. Immer seltener werden die Menschen, die im Stande sind, sich zu sammeln, zu den verhältnismäßig Wenigen aber, die es vermögen, gehören die schöpferischen Naturen, denn di« Kraft sich zu sammeln ist ein begründendes Element des Schöpfertums. Wenn aber der Mensch den Inbegriff des Schöpferischen nicht mehr als eine fremde, ferne Gabe fühlt, die einer geringen Zahl Auserwählter Vorbehalten ist, sondern als eine ihm wie jedem eigentümliche Kraft, deren Entfaltung mehr oder minder nur von seinem eigenen Willen abhängt: so ist er sofort nicht mehr ein vereinzeltes Crden-Jch, sondern spürt sich im Einklang mit der Grundkraft des Weltalls. Denn schöpferisch fein, das heißt ja nichts anderes als: das schöpferische Prinzip, das die Welt durchwaltet, und ohne das sie längst auseinandergefallen wäre, zu verfichtbaren, zu verleiblichen, zu verwirklichen in sich selbst. Schleiermacher hat das Wort ausgesprochen: „Die Reformation geht noch fort"; und so: Pfingsten geht noch fort. Die pfingstlichen Feuer können stehen über jedem, er fei, wer er fei. Es sind wahrhaftig ewig« Pfingsten. pfingstliche Begegnung. Von Alfred M. Balte. strahe in der Ferne ein zerzauster älterer Vagabund erschien, mit lang- । samen, sicheren und gewohnten Schritten dahintippelnd, konnte Altrogg ] einfach nicht anders, es muhte irgend etwas geschehen, er muht« mit einem Menschen sprechen, um nicht zu ersticken vor Freiheit und Glücksgefühl. Er bremste scharf, kurz vor dem Vagabunden. Mitfahren? Jener nickte. Altrogg öffnete die Tür, ließ ihn einsteigen und fuhr wieder los. Und erzählte dem Vagabunden, wie herrlich dieser Tag sei, und jener nickte sachverständig und berichtete von dem Waldlager, wo er geschtasen hatte, ein bißchen feucht ist ja der Boden noch, aber das legt sich bald, dasür riecht es gut und frisch; und so plauderten die beiden, jeder sprach von sich, der Vagabund erzählte von Kunden und Tippelschicksen und daß man die Landstraße sein Leben lang nicht los werd«, wenn man sie erst so richtig geschmeckt hab«; — ach, dachte Altrogg, der Mann hat recht, was nützt uns alles, Ersolg und Freundschaft, frei sollte man sein, Vagabund; und wußte doch genau, daß man das nicht sein konnte und niemals werden könnte, einsach weil man es von innen heraus nicht konnte; das find so Gesetze, di« wir noch nicht ganz kennen, einer fühlt sie oft stärker als der andere, und nun gewahrte Altrogg auch, daß er, auf der Flucht vor den Menschen, plötzlich solch ein Bedürfnis nach Aussprache gehabt hatte, daß ihm der Vagabund als Partner gerade recht kam, schüttelte den Kopf, fand sich närrisch und widerspruchsvoll, gab das Denken wieder auf — wo kein Ziel ist, da hat auch die Logik nichts zu suchen, dachte er vergnügt, schenkte dem Vagabunden, der nun einen Fußweg seitlich einzuschlagen beabsichtigte, gute Wünsche und einen Taler auf den Weg, und landete nach langem fröhlichen Fahren gegen Abend in einem Wirtshaus an der Straße, einem kleinen anheimelnden Häuschen. Die Haut im Gesicht prickelte von W'm8 un8 Sonne, Ser Kopf war matt vom lieber, mut der ganze Mensch merkte wohlige süße Müdigkeit wie «ine gute Sattheit in sich aufsteigen. Altrogg trank zwei Glas kuhwarmer Milch zu drei dick mit Butter bestrichenen Schwarzbrotschmtten, ertappte sich bei der letzten Schnitte, wie er müde und verträumt den Halbkreis, von seinen Zähnen in das Brot gebissen, minutenlang anstierte, gab sich als» einen Ruck, fuhr seinen Wagen schnell in den Hof, stieg in das angewiesene Zimmer hinauf, entkleidete sich langsam, schaute aus dem Fenster in die raunende dunkle Nacht hinaus, legte sich im Bett zurecht und war sofort tief eingeschlafen. Und dann ging alles sozusagen traulhaft weiter. Sie schritten lang M durch den Wald, Altrogg hielt den Fremden unter dem Arm zart > steuernd, als führe er einen Blinden, und fragte nicht, und dann trop ten plötzlich aus dem Munde des anderen Worte, sie kamen aus ein® heißen, aufgewühlten Innern, und sie erstarrten, ausgesprochen, m Wachs, das von einer heißen Kerze auf kalten Steinboden träufelt D - mal die herbe Klarheit dieses Gleichnisses. Ein Kuckucksruf ließ ihn ausblicken. Er suchte den Vogel zwischen den Bäumen. Er konnte ihn nicht finden, aber er sah, an einen Baum gstehns in sich zusammengesunken einen Menschen. Lange muhte dieser Mensch so gestanden haben, unbeweglich, man sah es seiner Haltung an. Altrogg den der Gang durch den Wald innerlich gelöst, naturmh und damit hellhörig gemacht hatte, spurte ein Schicksal Er^ wurde sich auch später nie klar darüber, warum er letzt so handelte. War es Jnstmst „ arnt,„ mumt -ns mene. . Intuition oder wirklich das Walten schicksalhafter Machte, — Altrogg, damcsts eine^grohe Flucht und sie mißglückte; man faßte I der stets auf konziliante Formen haltende Mensch der Gesellschaft g^ 0 :r1 J hin I nur eben Mann zu, faßte dessen leblos herabhangende Hand, druckte st, schaute, als jener langsam den Kopf Ijob in ein paar Augen, d,e schund doch nicht sahen, und so blieben diese beiden Menschen, fremd w Augenblicken zusammengekommen, stehen und sahen sich an. Augendiit! nur; o Mönch, dachte Altrogg. Und fühlte das Leben dieses anderen M® scheu langsam und bildhaft an sich vorüberziehen, erkannte mit auf blendender Klarheit, daß hier Lebendes bereit war, sich zu beenden. Das war ...... v—. r. den kleinen Ausbrecher und brachte ihn zuruck, ,ns Elternhaus, aus die Schulbank Dies jetzt war eine kleine Flucht, ein Fluchtchen sozusagen, eine Ausflucht ehrlich gesprochen, aber sie konnte dafür auch nicht mißglücken, denn die Rückkehr war in der Flucht schon beschlossen. Man dachte nur nicht daran, aus Stilgefühl, aus Genußsucht. Man spielte zunächst einmal Abenteuer, man möchte sich herrlich etwas vor, man war miteins unglaublich jung, frei, ungebunden, frech und köstlich gedankenlos. Dann muckte der Motor, man muhte für einen Augenblick wieder die Gedanken zusammennehmen, anhalten, eine verruhte Zündkerze reinigen, — aber das konnte man ja Gott fei Dank alles ganz automatisch tun, das besorgte irgendein zweiter Mensch in einem, der gleich wieder bescheiden zurücktrat, um nicht sehen zu müssen, wie der dumme Junge mit dem leicht angegrauten Scheitel (köstlich, daß die Chaussee hier so durch einen . ,^15aa)9e Mw von euici »aidc“ ««q* —'"2—xtr-'m« amraut frischen Wald führt) eine kleine Birke um einige Zweige plünderte, sie bann formten sich di« Worte zu Sätzen, blieben weich und flüssig, mn am Wagen anbrachte, sich ein paar Blättchen an die Mutze steckte, eines I »„stärkte ein wenig den Druck seiner Hand, und nun stürzten, bitter in den Mund nahm (wie würzigherb, solch ein Birkenblatt), und dann I Bekenntnisse hervor, wie sie ein Mensch nur einmal im ixaen, mit Vollgas weiter jagte. Klar klopfte der Motor, wie ein fröhlich pul- I ber Schwelle zwischen hier und dort, sagen kann. , sendes Herz. Run brach auch die Sonne aus den morgendlichen Schleiern, I Unb dann die Geschichte eines jungen Menschenlebens, tcm« die Luft wurde warm und zärtlich, und als nun auf der stillen Land- I ungewöhnlichen ach nein, denn es leiden heute so viele junge »I u.-At>A m hör etsmo »in «rimtftpr älterer Vaaabund erfüllen. mit lang- I . „her äsinlicber Art aber die meisten wissen es Nicht » glaub«?Lhalle Jugend heute'so krästig, sachlich, gefühllos und mA keitsbewuht sei. Kurz, es war die Geschichte des begabten simgen scheu unserer Zeit, bas in Einsamkeit versunkenen, träumenden, Anschluß an die lärmende Gemeinsamkeit nicht stnden kann. ihi «tz und doch meidet, und der zart behandelt und kräftig geführt wer« muß, um aufzublühen und schön reifen zu können. Altrogg brauchte nicht zuzuhören. Er lauschte wohl dem Kl«^ Stimme, nicht den Worten. Er wußte alles. Ini dieser Süinde w° mit tiefster Hellhörigkeit begnadet. Er war vor den Menschen gefw er Altrogg, der das Leben, und war es auch schrmtr, immer wj ’ meistern verstand; hier stand nun ein Mensch, der zu den WB slüchken wollte, aber den rechten Weg nicht sand, und aus der o die Ausflucht geraten war. Und nun sprach Altrogg. Nicht viele Worte hin Man muh nur den Menschen hören, der sie spn^. Der ande diesen Menschen. Fühlte, daß ihm hier ein Mensch entgegenkam, ° sah und Kraft l-atte. An dieser Kmft wuchs feine eigene @r an auf. Er hatte eine dunkle Linie überschritten, lene Linie, die Mr dende Mensch einmal überschreiten muh, um sich die Kraft für zu gewinnen. Er glaubte nun wieder an die Menschen, wei . Menschen getroffen hatte, der ohne Worte verstand und au Gemeinschaftsgefühl von seiner klaren menschlichen Kraft «m etwas gab, damit er die dunkle Linie überschreiten konnte. Lin gelöst, Lebenswille neu geweckt, der Weg zu den Menschen Jürgen Altrogg saß mißmutig an seinem Schreibtisch und spielte zerstreut mit einer Reihe von Briefen. Viele, darunter gute Freunde, manche liebenswerte Menschen, mit denen er gerne zusammen war, gleichgültige Bekannte, luden ihn zu Psingsttouren ein: Picknick Kanu- und Segelfahrten, Jagd, — er konnte wählen. Aber er wollte nicht wählen. Ler Winter bis weit in das Frühjahr hinein war von Geselligkeit.erfüllt gewesen, jede Stunde außerhalb der Arbeit hatte die Gesellschaft m Anspruch genommen; gewiß, er war gern unter Menschen, aber nun, i Erwachen am nächsten Morgen war schön. So bin ich lange nicht dem Gedanken, eine der Einladungen anzunehmen fahte ihn «me Angst [Qnqe Das ist eigentlich so, wie als eine richtige Slngst, wie er sie. bisher noch.nie gespurt ha e. eine Sch« M »w Morgen nach dem Weihnachtsfest. Wo bin ich? Was war doch vor Menschen. Ein großes Elnamkeltsbedurfnis wurde unversehens I schönes? Wo sind die neuen Spielsachen? Mein Schaukelpferd, ihm wach. Waren es die Nerven? Nun ja, die Vorarbeiten für «.m großen l jn Schaukelpferd! Er war aus dem Bett gesprungen, trat zum Bau, der im Sommer in Angriff genommen werden sollte, hatten ch. I genfter braufjen siel Helles Licht vom Himmel und kräftiger Duft stieg reichlich zugesetzt. Aber deshalb Nerven? War es Nicht eher em Zeichen, I auf. Altrogg machte Kniebeuge und Gymnastik, er muhte daß die Jahre verrannen und mit der nahenden letzten Reife sich der I P '^er an das Schaukelpferd denken und fang also, nach eigener Melodie, Wunsch nach Einsamkeit und Stille paarte? Einerlei! er.fegt ta Briefe ^mer^an o. ) ächtend, von Jodlern unterbrochen; mein Schauke,- mit unmutiger Bewegung vom Schreibtisch, hob sie »arauf roteoer & mir ?0 lieb unb wert, ich reite drauf verkehrt, was mich nicht mit einem nachsichtigen Lächeln aus,, denn er war ein ordentlicher? Mensch I I Toilette machen, rasieren, ankleiden, wie schnell geht bas und schaffte auch seinen Affekten gleich Ordnung; — einerlei ssagte er sich, I man fröbtich jst. Minuten nur, und er war unten im kleine» woher das Verlangen kommen mag; ich gebe dem nach. Ich fluchte. Ich I ten, tränt einen bünnen Kaffee, der köstlich schmeckte, zu Sauer», fahre ins Blaue. I brot wit Butter und Honig, ließ sich mit dem Wirt in eine behagliche Als der Feiertag mit einer sanft verschleierten Sonne erschien, packle Wetterbetrachtung ein und lief bann, mit mächtigen Sprüngen, hopp bet er ein Köfferchen, ließ feinen fixen kleinen Wagen anlaufen und fuhr lo-.. I @rab bopp be’r nächste, in den nahen Wald. Der Motor summte fröhlich, die feiertäglich menschenleere Straße^ rollte I ber Herrlich ist seine Zeitlosigkeit. Man sieht einem unter den Rädern ab, es tarnen Chausseen, und erst da wurde es Jürgen P l nach' der von Zweig zu Zweig hüpst, und inzwischen tann sich bi« bewußt, daß er kein Ziel hatte. Ein Uebermut packte ihn. Er begann I ^est zweimal um ihre Achse drehen, man merkt es nicht. Der Mönch me laut mit sich zu schelten. „Em anständiger Mensch hat ein Ziel S" haben, I , J U,^gg und konnte es nicht verhindern, daß ei» Herr Oberingenieur", mahnte er sich mit t'ef«r besorgt^Stimme^,.Warum burchrann. Und ging versonnen weiter, dacht« denn eigentlich? fragte er jungenhaft hell zuruck. „Weil , antworCt« I ßegenbe nach, wie jener Mönch, nicht begreifen könnend, btijj er sich tief, — „weil, mein lieber Dberingemeur nur burche>n,zielstrebig me ^Sekunde so viel sein könnte wie eine Ewigkeit, eines Tages geführtes Dasein das Geben zu einem höheren Zweck geabelt: wrb. Unb ^alb spazieren ging, unb als er zurückkam, zum Mittagsgebet, da war verfiel plötzlich in die krähende bruchige Stunrne seines einstigen Klassen- I sttofte^ mehr da, nur spärliche Überwachsene Ruinen, fremde Mc». lehrers, fuhr sich entrüstet an: „Uech fohe schon Su worden das Zul dor ^ Sten in fremden Dörfern, und sie wußten nichts von einem Klaffe wüder nücht erreichen, Altrogg , — lachte (aut, brüllte vor Lachen, I - r »nd erst ein hochbetagter Greis besann sich dunkel, in seiner gab Gas, daß der Wagen mit einem Ruck vorwartsschoß, die Chaussee I l I H 9 ba§ dort vor vielen hundert Jahren em Kloster entlang, Tempo, Tempo, und am Steuer saß Jürgen Altrogg, ließ sich ^'geno g Y 3 9 Legende, dachte Altrogg, und schmeckte noch ein- die Haare vom Frühlingswind zausen, fang laut und grohlend lustig« I gemejen sei. , Lieder nickte mit dem Kopfe, taktierte bald mit der rechten, bald mit der linken'Hand abwechselnd dazu, und fuhr ins Blaue, einfach den Straßen nach die ihn dazu einluden. Weit hinten lag die Stadt, weit hinten all das was man Amt und Würde nennt, weit hinten die Geselligkeit mit ihren Verpflichtungen; ein kleiner dummer Junge saß am Steuer eines kleinen Autos, lachte und tobte, war wie berauscht, und fühlte sich genau so wie damals, vor vielen Jahren der kleine Jürgen, als er heimlich nach Hamburg entflohen war, um zur See zu gehen, nach 2(merita, nach Afrika, auf die große Flucht ins Weite. n Uebeti •ine gute er Milch Ppte sich reis, von sich alfo angewiesenster in und nur Der Wald war zu Ende, die Straße tat sich auf. Zwei Menschen sahen sich in die Augen, und diese Augen leuchteten von Dank und Zuversicht, von Lebenswillen und von tiefer Erkenntnis. Dann trennten sie sich mit einem starken Druck der Hände. Aus dem Wald, den er mit langen Sprüngen gestürmt hatte, ging Jürgen Altrogg langsam zurück. Nachdenklich beglich er seine Rechnung, ließ seinen Wagen an und fuhr langsam den Weg zurück, in die Stadt, zu den Menschen. Und war eigentlich doch derselbe Mensch wie gestern, und doch ein anderer; fühlte das ganz stark, lächelte schmerzlich und zart und war davon beglückt. mge nicht wie als war doch mkelpserd, trat zum Duft stieg er mußte : Melodie, Schaukel- rnich nicht • geht bas im kleinen i Bauern- behagliche , hopp der ieht einem nn sich die Nönch von n, daß «in iter, dachte tuend, baS ines Tages let, da war mde Men- von einem , in seiner ein Kloster e noch einwischen den um gelehnt, fer Mensch in. t, naturiuch wurde sich es Instinit, I- Altrogg, lschaft, ging drückte sie, i, die sahen fremd mr Augenblick! deren Men- e mit auf eenben. ten langsm n, zart ml ann trijpfd' aus einem rochen, ®t äufelt. Doch ssig, Altrogg l, bitter uni i Leben, t> bens, £einen, der da ihn eW ihrt werde« , Klang i*' nde war " n gesM; r wieder? n Mensch«' er FluH" nicht ns andere s am, d-r Z - atmete ® eder empf111' r das L-d° er ei««’ aus ,m Iüngl" iilterfeif* vieder off1* Fest der Pfingsten. Bon A. H. Hoffmann von Fallersleben. Wieder ist das Fest der Pfingsten, Wieder naht der Liebe Geist, Der dem Aermsten, dem Geringsten, Allen tröstend sich erweist. Blumen blühen allerorten. Und den holden Blumen gleich Kündet mit der Liebe Worten Er das neue Himmelreich. Laßt uns Mai'n und Sträuße pflücken Nach der Väter schönem Brauch! Laßt uns Haus und Türen schmücken, Aber unsere Herzen auch! Denn der Geist der Liebe kehret Nur in reine Herzen ein, Da nur weilet er und lehret, Gottes Kinder hier zu sein. Goethes Gondel. Eine Pfingstgeschichte von Munkepunke. Glocken läuten von allen Kirchen und Klöstern Venedigs das Pfingstfest ein. Die Muse Klio schreibt in die Chronik der Weltgeschichte den 5. Juni 1740. Der stattliche Dreißiger, der da mit gewichtigem Stock, in Puder- periicke, im braunen Damastrock gemächlich die Mereeria herabschritt, versuchte vergeblich seine schnuppernden Nasenflügel wider den Parfümgeruch zu bändigen, der ihn aus jedem zweiten Laden ansprang. Sein Magen, der noch krank war von Palmolano, wo wegen der Pest eine achtundzwanzigtägige Quarantäne innegehalten werden mußte, schien wieder revoltieren zu wollen — ihm, dem Doktor der beiden Rechte Johann Kaspar Goethe, Sohn eines Damenschneiders und Mitbesitzers des Gast- hoses „Zum Weidenhof an der Zeil" zu Frankfurt a. M. Es würde feine erste und einzige italienische Reise bleiben. Wie hatte er doch heute Morgen dem hochedelgeborenen, gelahrten, insonders hochgeehrten Secre- iarius des Feldmarschalls Grafen Friedrich Heinrich von Seckendorf nach Graz geschrieben: „Und ich wundere mich, da es doch allen Reisenden gleich wie mir ergangen und noch ergehet, daß man denen Italienern ihre alten Mauern, worauf sie sich jo viel einbilden, nicht lässet, und davor Frankreich, England, Holland und Niedersachsen alleine besuchet. Die Tmtschen sowohl, Engländer als Franzosen, sind in dieses Land recht bezaubert. Man bringt nichts mehr mit nach Hause als einen Kopf voller Curiosideten, vor welche man insgesamt, wenn man sie in seiner Satter« stadt auf den Markt tragen sollte, nicht zwey baare Heller bekäme" — Erkenntnis aus Rom, Erkenntnis aus Venedig mitgenommen. Das Menschengewimmel um ihn verwirrte ihn. Eben mochte man ihm beinahe den Huk unter dem Arm weggestohen haben. Schreiende Farben aus allen Läden fuhren giftig auf ihn los. Was wußten die von dem schönen Feste der Pfingsten, das eigentlich nur in Deutschland zu feiern war — zwischen aller fleißigen Erlernung des Reichsgerichtsverfahrens 9»r bei dem Reichskammergericht zu Wetzlar, dem Reichstage zu Regensburg und dem Reichshofrat in Wien waren diese festlichen Tage gewesen, hier in der Mereeria tollte sich der Pöbel, begnügte sich mit kindischem Staunen; Pfingsten und die Bedeutung dieses Tages war ihm verweht wie ein paar Stunden vorher der Weihrauch im üppigsten Orientstil von Son Marco. Verlangen abzureisen packte ihn. Er würde sich in der Beamtenaristokratie Frankfurts ein Ehrenamt ohne Besoldung und ohne die Imst übliche Kugelwahl zu erwerben wissen oder, wenn sich dem Widerstände entgegenstellen sollten, mußte ein Brief genügen, ihn zu „Jhro Römisch Kaiserlichen Majestät Würcklichem Rache" zu ernennen. Dennoch tonnte er jetzt nicht der Versuchung widerstehen, wieder an ein buntes Schaufenster zu treten und davor einer der vielen Gaffer zu sein. „Welch herrliches Gondelmodell! O und da und dort noch eines, immer Mächtiger! Die Schiffsschnäbel aus Eisen, starr und kühn in siegreicher Form — die Ferri! Dann auf den Gondeln die Kabinen, die Felzi, mit irüner oder roter Seide ausgeschlagen, mit Spitzen und Stickereien ner» Art Und bann erst die Laternen, Meisterwerke barocker Holzschneide- tonst oder auch solche der Eisenschmiede! Des alten Dogentums krieghafte Jtob eroderische Vergangenheit wahrte hier ihre Tradition durch alle uainiüen der Nobili. Gestern hatte er so die Galeeren-Fanale des Fran- "^ro Morosini il Peloponnesiaco bewundert — aber schon vor fünf» •e9n Jahren war der Peloponnes wieder an die Türken verloren ge= r’’9'n und dann kam der Frieden von Passarowitz, vielleicht Venedigs J*®* aIIen Ruhmes — wer macht das wissen! Doch dieses herrliche ondelmodell — es würde nicht billig sein und vielleicht gehörte es für jn schon nach ein paar Jahren zu den „Curiosideten", auf dem * "er Heimatstadt kaum für einen Heller an den Mann zu bringen, ,.. * .. J-in Knabe würde einmal damit spielen, ein Sproß der wohl bald x!,,®™wnben Familie. Abends gab es dann viel des Erzählens von i m curiofen Venedig, von seinen verfallenden Palästen, von dem abendlichen Leben auf der Piazza und im „Triumphterenden Venedigs wie Floriano Francesconi fein Cafe benannte, das dennoch allgemein nur das „Florian" hieß, wo es den besten Sorbet der Welt zu schlürfen gab, von den Lichtern des farbigsten Sonnenunterganges auf der Lagune, von der Gondelfahrt auf dem großen Kanal und durch die engen Calli, unter deren Brückenwölbung der Gondoliere sich sehr zll bücken hatte, seinen Kopf heil durchzubringen, von Gesang und Feuerwerk und Karneval und Maskeraden und Theaterspielen. Die Plautus-Lustspielimitation des Ludooico Ariosto freilich, „La Cassaria", die der Marquis Scipion Maffei im Theatro San Giovanni Grisostomo nächster Tage inszenieren würde, konnte man sich wohl schenken. Literarisches Phantom schön klingender Verse, dank der Gnade des Herzogs Alfons von Ferrara! Dieses Gondelmodell dagegen — Herr Johann Kaspar Goethe konnte sich nicht mehr der Versuchung erwehren, in den Laden eintreten zu müssen. Gerade als er es gekauft hatte, kam die Post mit den neuesten Zei- tungen aus Deutschland. Der König Friedrich Wilhelm von Preußen am 31. Mai gestorben? Ein Mann von fünf Fuß und sechs Zoll, zweihundertsiebzig Pfund schwer, der Schöpfer des preußischen Heeres. Sein Sohn, der junge Fritz, fein Nachfolger — fein Wort an die Generäle der Berliner Garnison: „Ich hoffe, Sie werden mir beistehen, die starke Armee zu erhalten, die Sie meinem Vater haben bilden helfen." Starke Armeen — sie bedeuteten immer Krieg. Heimat! Du mein Frankfurt am Main! Zärtlich, wie wenn er ein Symbol in Händen hielte, brachte der Doktor Goethe sein Gondelmodell in den Gasthof; er wußte nicht zu sagen, wieso er es jetzt und all die Jahre hernach wie ein Symbol betrachtete. Erst als ihm neun Jahre später in der Ehe mit Katharina Elisabeth, des Schultheißen Textor siebenzehnjähriger Tochter, der Sohn Johann Wolfgang geboren wurde, da es dem erwachsenden Knaben hoch angerechnet war, wenn er einmal mit diesem schönen Gondelmodell spielen durfte, als er dann gar fein erstes Märchen „Der neue Paris" schrieb, enthüllten sich nebelhaft auch für den von Natur lehrhaften, lakonischen, Bilder und Bücher sammelnden Vater die verschiedensten Symbole, von denen das Gondelmodell vielleicht das unwichtigste war, Spielzeug an jenem Abend, da der junge Dichter fein erstes Märchen also begann: „Mir träumte neulich, in der Nacht vor Pfingstsonntag, als stünde ich vor einem Spiegel ..." Zum erstenmal schloß sich hier psingst- lich ein Kreis, der sich dann noch einmal öffnete, als der Sohn, 1790, acht Jahre nach dem Tode des Paters, auf feiner zweiten italienischen Reise nach Venedig kam, hier aus Sehnsucht nach feiner Christiane und feinem häuslichen Liebesglück feine venetianifchen Epigramme schrieb, darunter jenes: „Diese Gondel vergleich ich der sanft einschaukelnden Wiege, Und das Kästchen darauf scheint ein geräumiger Sarg. Recht so! Zwischen Sarg und Wiege — wir schwanken und schweben Auf dem großen Kanal träumend ins Leben dahin." Das war also die Jnselstadt, die er zum erstenmal, aus der Brenta in die Lagunen einfahrend, am 28. September 1786 betreten und besucht hatte, um dann schon wenig später dieses Bekenntnis feinem Herzog brieflich von Venedig aus zu geben: „Uebrigens muh ich im Vertrauen gestehn, daß meiner Liebe für Italien durch diese Reise ein tätlicher Stotz versetzt wird. Nicht daß mirs in irgendeinem Sinne übel gegangen wäre — wie wollte es auch? — aber die erste Blüte der Neigung und Neugierde ist abgefallen ..." Pfingst war inzwischen einem neuen Ostern gewichen. Eine andere Blüte brach auf: Christiane... Oie schwarze Spinne. Erzählung von Jeremias G o 11 h e l f. (Fortsetzung.) Das Geschrei der armen Tiere war auch zum Schlosse gedrungen, und bald tarnen ihm auch Hirten nach, verkündend, daß ihr Vieh gefalle» von den giftigen Tieren, und in immer höherem Zorne vernahm der von Stoffeln, wie Herde um Herde verloren gegangen, vernahm, welchen Pacht man mit dem Grünen gehabt, wie man ihn zum zweiten Male betrogen, und wie die Spinnen ähnlich seien, wie Kinder der Mutter, der Spinne in der Lindauerin Gesicht, die mit dem Grünen den Bund gemacht, alleine, und nie rechten Bericht darüber gegeben. Da ritt der von Stoffeln in grimmem Zorn den Berg hinauf und donnerte die Armen an, daß er nicht um ihretwillen Herde und Herde verlieren wolle; was er geschädigt worden, müßten sie ersetzen, und was sie versprochen, das mühten sie halten, was sie freiwillig getan, das müßten sie tragen. Schaden leiden ihretwegen wolle er nicht, oder leide er, so müßten sie ihn büßen tausendfältig. Sie könnten sich vorsehen. So redete er zu ihnen, unbekümmert um das, was er ihnen zumutete, und daß er sie dazu getrieben, fiel ihm nicht bei, nur was sie getan, rechnete er ihnen zu. Den meisten schon war es aufgedämmert, daß die Spinnen ehte Plage des Bösen seien, eine Mahnung, den Pacht zu halten, und daß Christine Näheres darum wissen müßte, ihnen nicht alles gejagt hätte, was sie mit dem Grünen verhandelt. Nun zitterten sie wieder vor dem Grünen, lachten feiner nicht mehr, zitterten vor ihrem weltlichen Herrn; wenn sie diese befriebigten, was sagte der geistliche Herr dazu, erlaubte er es, und hätte dann der keine Buße für sie? So in der Angst versammelten sich die Angesehensten in einsamer Scheuer, und Christtne muhte kommen und klaren Bescheid geben, was sie eigentlich verhandelt. Christine kam, verwildert, rachedurstig, aufs neue von der wachsenden Spinne gefoltert. Ms sie das Zagen der Männer sah und keine Weiber, da erzählte sie punktum, was ihr begegnet: wie der Grüne sie schnell beim Worte genommen und ihr zum Pfände einen Kuh gegeben, den sie nicht mti>r geachtet als andere. Wie ihr jetzt auf selbigem Fleck die Spinne gewachsen sei unter Höllenpein vom Augenblick an, als man das erste Kind getauft. Wie die Spinne, eben als man das zweite Kind getauft und den Grünen genarrt, unter Höllenwehen die Spinnen geboren tn unaemessener Zahl; denn narren lasse er sich nicht ungestraft, wie sie es fühle in tausendfachen Todesschmerzen. Jetzt wachse die Spinne wieder, die Pein mehre sich, und wenn das nächste Kind nicht des Grünen werde, so wisse niemand, wie gräßlich die einbrechende Plage sei, wie gräßlich des Ritters Rache. So erzählte Christine, und die Herzen der Männer bebten, und lange wollte keiner reden. Rach und nach kamen aus den angstgepreßten Kehlen abgebrochene Laute hervor, und wenn man sie zusammensetzte, so meinten sie gerade, was Christine meinte, aber kein einzelner hatte eine Einwilligung gegeben in ihren Rat. Rur einer stund auf und redete kurz und deutlich: das beste schiene ihm, Christine totzuschlagen, sei einmal die tot, so könnte der Grüne an der Toten sich halten, hätte keine Handhabe mehr an den Lebendigen. Da lachte Christine wild auf, trat ihm unter das Gesicht und sagte: er solle zuschlagen ihr sei es recht, aber der Grüne wolle nicht sie, sondern ein ungetauft Kind, und wie er sie gezeichnet, ebensogut könne er die Hand zeichnen, die an ihr sich vergreise. Da zuckte es in des Mannes Hand, der allein geredet, er setzte sich und hörte schweigend dem Rate der anderen. Und abgebrochen, wo keiner alles sagte, sondern jeder nur etwas, das wenig bedeuten sollte, kam man überein, das nächste Kind zu opfern, aber keiner wollte seine Hand bieten dazu, niemand das Kind an den Kirchstalden tragen, wo man die Buchen hingelegt hatte. Zum allgemeinen Besten, wie sie meinten, den Teufel zu brauchen, hatte keiner sich gescheut, aber persönliche Bekanntschaft mit ihm zu machen, begehrte keiner. Da erbot sich Christine willig dazu, denn hatte man einmal mit dem Teufel zu tun gehabt, so konnte es das zweitemal wenig mehr schaden. Man wußte wohl, wer das nächste Kind gebären sollte, aber man redete nichts davon, und der Vater desselben war nicht zugegen. Verständigt, mit und ohne Worte, ging man auseinander. Das junge Weib, welches in jener grauenvollen Nacht, wo Christine Bericht vom Grünen brachte, gezaget uni) gemeinst hatte, es wußte damals nicht warum, erwartete nun das nächste Kind. Die früheren Vorgänge machten es nicht getrost und zuversichtlich, eine unnennbare Angst lag auf seinem Herzen, es konnte sie weder mit Beten noch Beichten wegbringen. Niemand sprach von der Spinne mehr, verdächtig schienen ihm alle Augen, die auf ihm ruhten, schienen ihm zu berechnen die Stunde, in welcher sie seines Kindes habhaft werden, den Teufel versöhnen könnten. So einsam und verlassen fühlte es sich gegen die unheimliche Macht um sich; keinen Beistand hatte es als seine Schwiegermutter, eine fromme Frau, die zu ihm stund, aber was vermag eine alte Frau gegen eine wilde Menge? Es hatte seinen Mann, der hatte alles Gute wohl versprochen; aber wie jammerte der um sein Vieh und gedachte so wenig des armen Weibes Angst! Es hatte der Priester verheißen, zu kommen, so schnell und so früh zu kommen, als man ihn verlange, aber was konnte begegnen vom Augenblicke an, da man gesandt, bis daß er kam, und das arme Weib hatte keinen zuverlässigen Boten als den eigenen Mann, der ihm Schutz und Wache sein sollte, und das arme AZeibchen wohnte noch dazu mit Christine in einem Hause, und ihre Männer waren Brüder, und keine eigenen Verwandte hatte es; als Waise war es ins Haus gekommen! Man kämm sich des armen Weibes Herzensangst denken, nur im Beten mit der frommen Mutter fand es einiges Vertrauen, das alsobald wieder schwand, sobald es in die bösen Augen sah. Unterdessen war die Krankheit noch immer da, sie unterhielt den Schrecken. Freilich, nur hie und da fiel ein Stück, zeigten die Spinnen sich. Aber sobald bei jemand der Schreck nachließ, sobald irgendeiner dachte oder sagte: das Uebel lasse von selbsten nach, und man sollte sich wohl bedenken, ehe man an einem Kinde sich versündige, so flammte auf Christines Höllenpein, die Spinne blähte sich hoch auf, und dem, der so gedacht oder geredet, kehrte mit neuer Wut der Tod in seine Herde ein. Ja, je näher die erwartete Stunde kam, um so mehr schien die Not wieder zuzunehmen, und sie erkannten, daß sie bestimmte Abrede treffen müßten, wie sie des Kindes sicher und sonder Fehl sich bemächtigten könnten. Den Mann fürchteten sie am meisten, und Gewalt gegen ihn zu brauchen, war ihnen zuwider. Da übernahm Christine, ihn zu gewinnen, und sie gewann ihn. Er wollte um die Sache nicht wissen, wollte seinem Weibe zu Willen sein, den Priester holen, aber nicht eilen, und was tu seiner Abwesenheit vorgehe, danach wolle er nicht fragen; so fand er sich mit seinem Gewissen ab; mit Gott wollte er sich durch Messen abfinden, und für des armen Kindes Seele sei vielleicht auch noch etwas zu tun, dachte er, vielleicht gewinne der fromme Priester es dem Teufel wieder ab, dann seien sie aus dem Handel, hätten das Ihre getan und den Bösen doch geprellt. So dachte der Mann, und jedenfalls, es möge nun gehen, wie es wolle, so hätte er an der ganzen Sache keine Schuld, sobald er nicht mit selbsteigenen Händen dabei tätig sei. So war das arme Weibchen verkauft und wußte es nicht, hoffte mit Bangen nach Rettung; und beschlossen im Rate der Menschen war der Stoß in sein Herz — aber was der droben beschlossen hatte, das deckten noch die Wolken, die vor der Zukunft liegen. Cs war ein gewitterhaftes Jahr und die Ernte gekommen; alle Kräfte wurden angespannt, um in den heiteren Stunden das Korn unter das sichere Dach zu bringen. Es war ein heißer Nachmittag gekommen, schwarze Häupter streckten die Wolken über die dunklen Berge empor, ängstlich ums Dach flatterten die Schwalben, und dem armen Weibchen ward so eng und bang allein im Hause, denn selbst die Großmutter war draußen auf dem Acker, zu helfen mit dem Willen mehr als mit der Tat. Da zuckte zweifchneidend der Schmerz ihm durch Mark und Bein, es dunkelte vor seinen Augen, es fühlte das Nahen feiner Stunde und war allein. Die Angst trieb es aus dem Hause, schwerfällig schritt es dem Acker zu, aber bald mußte es sich niedersetzen; es wollte in die Ferne die Stimme schicken, aber diese wollte nicht aus der beklemmten Brust. Bei ihm war ein klein Bübchen, das erst seine Beinchen brauchen lernte, das nie noch auf eigenen Beinen auf dem Acker gewesen war, sondern nur auf der Mutter Arm. Dieses Bübchen mußte das arme Weib als seinen Boten brauchen, wußte nicht, ob es den Acker finden, ob seine Beinchen dahin es kragen würden. Aber das treue Bübchen sah, in welcher Angst die Mutter war, und lief und fiel und stand wieder auf, und die Katze jagte sein Kaninchen, Tauben und Hühner liefen ihm um die Füße, stoßend und spielend sprang sein Lamm ihm nach, aber das Bübchen sah alles nicht, ließ sich nicht säumen und richtete treulich seine Botschaft aus. Atemlos erschien die Großmutter, aber der Mann säumte, nur das Fuder solle er noch ausladen, hieß es. Eine Ewigkeit verstrich, endlich kam er, und wiederum verstrich eine Ewigkeit, endlich ging er langsam auf den langen Weg, und in Todesangst fühlte das arme Weib, wie seine Stunde schneller und schneller nahte. Frohlockend hatte Christine draußen auf dem Acker allem zugesehen. Heiß brannte wohl die Sonne zu der schweren Arbeit, aber die Spinne brannte fast gar nicht mehr, und leicht schien ihr der Gang in den nächsten Stunden. Sie trieb fröhlich die Arbeit und eilte mit dem Heimgehen nicht, wußte sie doch, wie langsam der Bote war. Erst als die letzte Garbe geladen war, und Windstöße das nahende Gewitter verkündeten, eilte Christine ihrer Beuie zu, die ihr gesichert war; so meinte sie. Und als sie heimging, da winkte sie bedeutungsvoll manchem Begegnenden; sie nickten ihr zu, trugen rasch die Botschaft heim; da schlotterte manches Knie, und manche Seele wollte beten in unwillkürlicher Angst, aber sie konnte nicht. Drinnen im Stübchen wimmerte das arme Weib, und zu Ewigkeiten wurden die Minuten, und die Großmutter vermochte den Jammer nicht zu stillen mit Beten und Trösten. Sie hatte das Stübchen wohl verschlossen und schweres Geräte vor die Türe gestellt. Solange sie alleine im Hause waren, war es noch dabei zu sein, aber als sie Christine heimkommen sahen, als sie ihren schleichenden Tritt an der Tür hörten und heimliches Flüstern, kein Priester sich zeigte, kein anderer treuer Mensch, und näher und näher der sonst so ersehnte Augenblick trat, da kann man sich denken, in welcher Angst die armen Weiber schwammen, wie in siedendem Oele, ohne Hilfe und ohne Hoffnung. Sie hörten, wie Christine nicht von der Tür wich; es fühlte das arme Weib seiner wilden Schwägerin feurige Augen durch die Tür hindurch, und sie brannten es durch Leib und Seele. Da wimmerte das erste Lebenszeichen eines Kindes durch die Tür, unterdrückt so schnell als möglich, aber zu spät. Die Tür flog auf von wütendem, vorbereitetem Stoße, und wie auf seinen Raub der Tiger stürzt, stürzt Christine auf die arme Wöchnerin. Die alte Frau, die dem Sturm sich entgegenwirft, fällt nieder, in heiliger Mutterangst rafft die Wöchnerin sich auf, aber der schwache Leib bricht zusammen, in Christines Händen ist das Kind; ein gräßlicher Schrei bricht aus dem Herzen der Mutter, bann hüllt sie in schwarzen Schatten die Ohnmacht. Zagen und Grauen ergriff die Männer, als Christine mit dem geraubtem Kinde herauskam. Das Ahnen einer grausen Zukunft ging ihnen auf, aber keiner hatte Mut, die Tat zu hemmen, und die Furcht vor des Teufels Plagen war stärker als die Furcht vor Gott. Nur Christine zagte nicht, glühend leuchtete ihr Gesicht, wie es dem Sieger leuchtet nach überstandenem Kampfe, es war ihr, als ob die Spinne in sanftem Jucken ihr liebkose; die Blitze, die auf ihrem Wegen zum Kirchstalden sie umzüngelten, schienen ihr fröhliche Lichter, der Donner ein zärtlich Grollen, ein lieblich Säuseln der racheschnaubende Sturm. Hans, des armen Weibes Mann, hatte sein Versprechen nur zu gut gehalten. Langsam war er seines Weges gegangen, hatte bedächtig jeden Acker beschauet, jedem Vogel nachgesehen, den Fischen im Bache abgewartet, wie sie sprangen und Mücken fingen vor dem einbrechenden Gewitter. Dann juckte er vorwärts, rasche Schritte tat er, einen Ansatz zum Springen nahm er; es war etwas in ihm, das ihn trieb, das ihm die Haare auf dem Kopfe emportrieb; es war das Gewissen, das ihm sagte, was ein Vater verdiene, der Weib und Kind verrate, es war die Liebe, die er doch noch hatte zu seinem Weibe und seiner Leibesfrucht. Aber bann hielt ihn roieber ein anderes, und bas war stärker als das erste, es war die Furcht vor den Menschen, die Furcht vor dem Teufel und die Liebe zu dem, was dieser ihm nehmen konnte. Dann ging er wieder langsamer, langsam, wie ein Mensch, der seinen letzten Gang tut, der zu seiner Richtstätte geht. Vielleicht war es auch so, weiß doch gar mancher Mensch nicht, daß er den letzten Gang tut, wenn er es wüßte, er täte ihn nicht ober anbers. So war es spät geworben, ehe er auf Sumiswalb kam. Schwarze Wolken jagten über den Münneberg her, schwere Tropfen fielen, versengten im Stäube, und dumpf begann bas Glöcklein im Turme bie Menschen zu mahnen, daß sie denken möchten an Gott und ihn bitten, daß er fein Gewitter nicht zum Gerichte werden lasse über sie. Vor seinem Hause stand der Priester, zu jeglichem Gange gerüstet, damit er bereit sei, wenn sein Herr, der über seinem Haupte baherfuhr, zu einem Sterbenden ober einem brennenben Hause ober sonst wohin ihn rufe. Als er Hans kommen sah, erkannte er den Ruf zum schweren Gang, schürzte sein Gewand und sandte Botschaft seinem läutenden Sigrist, daß er sich ablösen lasse am Glockenstrang und sich einfinbe zu seinem Begleit. Unterdessen stellte er Hans einen Labetrunk vor, so wohltätig nach raschem Lause in schwüler Lust, dessen Hans nicht bedürftig war, aber der Priester ahnte die Tücke des Menschen nicht. Bedächtig labte sich Hans. Zögernd fand der Sigrist sich ein und nahm gern teil an dem Tranke, den Hans ihm bot. Gerüstet stand vor ihnen der Priester, verschmähend jeden Trank, den er zu solchem Gang und Kamps nicht bedurfte. Er hieß ungern von der Kanne weggehen, die er aufgestellt, ungern verletzte er die Rechte des Gastes, aber er kannte ein Recht, bas höher war als bas Gastrecht, das säumige Trinken fuhr ihm zornig burch bie ©lieber. (Fortsetzung folgt.) Verantwortlich: Dr. Hans Thyrivt. — Druck und Verlag: Drühl'sche UniverlitätS-Duch- und Steindruckerei. X. Lange, Sieben