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Wer in tiefen Gassen gebaut, Hütt' an Hiittlein lehnt sich traut, Glocken haben ihn nie erschüttert, Wetterstrahl ihn nie umzittert, Aber spät sein Morgen graut. Höh' und Tiefe hat Lust und Leid. Sag ihm ab, dem tätigen Neid: Andrer Gram birgt andre Wonne. Dulde, gedulde dich fein! lieber ein Stündlein Ist deine Kammer voll Sonne. „der Streichholz.^ Eine Erinnerung von Max Marschall. Fünszig Jahre find vergangen und noch steht in meiner Erinnerung unverblaßt die Gestalt meines Mathematiklehrers, genannt „Streichholz". Der einzige Mensch, den ich je gehaßt habe in meinem ganzen Leben, gehaßt mit dem glühenden Haß eines dreizehnjährigen Tertianerherzens. Nicht der Mathematik wegen, die ich allerdings in höchstem Maße verabscheute und mißachtete, und die uns dieser Lehrer noch dazu in einer fürchterlichen Art beizubringen suchte, nein, nicht deswegen haßte ich ihn; dieser Mann hatte mir in einer kalten Unbarmherzigkeit mein Commerserienglück vernichtet. Vor fünfzig Jahren hatten wir Gymnasiasten es noch erheblich schwerer als die heutige Jugend. Spiel und Sport, Wandern und son- siige Unterbrechung des Unterrichts waren unbekannte Dinge. Eintönig und formelhaft der Lehrplan, viermal in der Woche auch Nachmitlags- unterridjt bis vier oder gar fünf Uhr, viermal täglich den langen Schulweg und bann noch für den Rest des Tages einen Packen Hausaufgaben. Kein Wunder, daß wir Jungens mit allergrößter Sehnsucht den Sommerserien entgegensahen. Vier Wochen Freiheit, zwar auch vergällt durch die damals noch für notwendig gehaltenen Ferienaufgaben, die uns aber erst gegen Ende der Ferien zu drücken begannen. Vier Wochen ohne Aule! Welche Lust und Wonne auch für die unter uns, die nicht mit Men Ettern an die See, ins Gebirge oder in eine der umliegenden Sommerfrischen gingen und zu denen auch ich gehörte. Es waren ein ober zwei Tage vor Beginn der großen Ferien, unsere lchte Mathematikstunde, die uns „Streichholz" erteilte. Wir hatten ihm diesen Spitznamen gegeben seiner unendlich langen dürren Gestalt wegen. Streichholz erfreute sich einer, nebenbei gesagt, durchaus verdienten iln- behebttjeit, auch bei seinen Kollegen, wie wir Jungens mit sicherem Ge- Nbl merlten. Er war bas Prototyp eines Lehrers, wie er nicht sein soll; ganz bestimmt hätte er aber nicht obendrein noch Mathematik und Algebra lehren dürfen. Niemals habe ich diesen Mann lächeln sehen, non Lachen ganz zu schweigen, niemals ein Scherzwort von ihm gehört; M'. ewig gleichem, steinern unbeweglichen Gesicht und in eintönigster i~c,1c versuchte er uns die den meisten von uns ohnehin am wenigsten mm?"v'sehe Wissenschaft beizubringen. Am allermeisten ärgerte uns teil ■ *'aner*)or‘3e seine geradezu unfaßliche Korrektheit und Sauber- ein >t,in langer bis oben hin zugeknöpfter schwarzer Gehrock war von cin»r Fleckenlosigkeit, die uns Jungens direkt empörte und die das Ziel es Streiches wurde, den wir nun, in der letzten Stunde, zur 2(us= suhrung brachten. 9a ini,9c Don. UNS, darunter auch ich, waren glückliche Besitzer eines (g.,o.P"ltes, mit dem wir winzige Stückchen Kreide auf ben glänzenden n otr unseres „Streichholz" zu schießen uns bemühten. Köstlich amii- U'ir uns über die Gebärden unseres Lehrers, wenn er, ein weißes r bemerkend, mit größter Sorgfalt sich anstrengte, auch die win- denon ^-ptzr wieder zu entfernen, uno über die erstaunten Blicke, mit "°n er immer neue Fleckchen entdeckte. Katanm/r^lie mich das Verhängnis. Ich zielte gerade mit meinem puu auf den linken Aerme! unseres „Streichholz", als mich ein scharfer Blick aus feinen funkelnden Brillengläsern traf. Ich zuckte, schoß aber noch los und traf mit meinem Kreidestückchen die Brille unseres Lehrers; ich war ertappt und Sündenbock für die ganze Klaffe. Streichholz sah mich nur eisig an, sagte: „Du meldet dich nach Schulschluh bei mir!" und beendete ruhig, ohne ein Wort über den Vorfall zu äußern, seine Unterrichtsstunde. Als ich bei ihm antrat, kam er auch da nicht auf meine Missetat zu sprechen. Ihm war meine Abneigung gegen die Mathematik und meine i Ignoranz in diesem Fache natürlich bekannt, und seine Rache für mein ! 'Attentat auf feinen Gehrock bestand darin, daß ich, da ich ja ohnehin ! nicht verreiste und auch er in Berlin blieb, während der Ferien an jedem ! Morgen achteinhalb Uhr in feiner' Wohnung antreten sollte zu einer 'Mathematik-Nachhilfestunde und Beaufsichtigung meiner Ferienaufgaben. Eine teuflische Rache und eine ungeheuerliche Strafe für mich armen Missetäter. Ich konnte natürlich, da er mit keinem Wort der Ursache dieser Maßregel gedachte, auch meinen Eltern nichts davon berichten und Streichholz galt diesen noch als Wohltäter. Mein Martyrium begann, auch nicht eine Karenzzeit schenkte Streichholz mir, vom ersten Ferientage an mußte ich, statt wie meine in Berlin gebliebenen Kameraden wenigstens den Reiz des „Nichtaufstehenmüssens" zu genießen, früh aus dem Bett, in Sommerhitze den weiten Weg vom Schönhauser Tor bis zum Neuen Tor wandern, dort ein bis zwei Stunden, während mein „Streichholz" behaglich frühstückte, über mathematischen Problemen schwitzen und meine Arbeiten unter seiner Aufsicht machen, um bann, noch mit einer Hausaufgabe für den nächsten Tag belastet, wieder nach Haus zu marschieren, mit dem entsetzlichen Gefühl, auch noch einen großen Teil des Nachmittags zu verlieren und bei der Arbeit fitzen zu müssen, anstatt mit meinen Freunden umherzustrolchen und die Freiheit zu genießen. Ein Haß gegen diesen Verderber meiner Ferienfreuden begann in meinem Herzen zu glimmen, ein Haß, der mit jedem Tag und schließlich zur hell lodernden Flamme wuchs. Die Hälfte der Ferien war herum; Tag für Tag mußte ich meinen Leidensweg antreten. Tag für Tag diesem Mann gegenüber sitzen, der, ohne jemals ein ermahnendes ober persönliches Wort an mich zu richten, starr und steinern feine „Rache", wie ich es nannte, an mir vollzog. Mordgedanken begannen in meinem Knabenhirn auszusteigen. Ich verglich meinen Peiniger mit (Segler und mich mit Wilhelm Teil. Warum konnte ich mich unb bie Tertia nicht von „Streichholz" befreien, ihn töten, wie Tell ben (Segler, warum würbe uns Tell als Held und Retter, nicht als Meuchelmörder bargestellt, konnte nicht auch ich ein Wilhelm Teil fein unb biefen Tyrannen beseitigen?! Ich verbrachte viel Zeit, bie große Klinge meines Taschenmessers an einer Bordschwelle scharf unb spitz zu schleifen; an jebem Tag, ber meine Qual verlängerte unb meinen Haß wachsen ließ, nannte ich mich selbst einen Feigling, ber nicht ben Mut zu einer Tat aufbringen konnte. Ieben Tag klappte ich mein geschliffenes Messer auf, ehe ich ben ßeibensroeg antrat unb klappte es doch wieder zu, ehe ich an ber Wohnung meines Bedrückers klingelte und von ber Wirtin, bei ber er als Junggeselle wohnte, teilnahmsvoll in bas Zimmer geführt würbe. Endlich loderte ber Haß zur Flamme auf. Ich schwor mir zu: heut geschieht es, heute mach ich ein Ende. Ich ließ mein Messer geöffnet in der Tasche, als ich eintrat, fühlte es auch in ber ganzen Zeit des Unterrichts. Mein Herz klopfte zum Zerspringen, aber zur 'Ausführung meiner Mord- und Rachepläne war ich wohl doch nicht „Tell" genug ... Da klopfte es an die Tür. Die Wirtin kam herein mit einem Tablett, auf dem eine dampfende Kanne, ein Teller mit Kuchen unb zwei Taffen standen Ich bemerkte erst jetzt, baß ber Frühstückstisch besser als sonst gedeckt und mit einem Blumenstrauß geschmückt war. Die Wirtin, eine freundlich unb gütig blirfenbe alte Dame, stellte bas Tablett auf den Tisch und sagte! „Nun, Herr Doktor, heut an Ihrem Geburtstag kann der Junge wohl auch «ine Tasse Schokolade unb ein Stück Kuchen bekommen, eine kleine Freude wollen wir ihm in ben Ferien auch mal machen, nicht wahr, Herr Doktor?" Sie reichte mir eine Tasse voll beimpfender Schokolade zu. Ich sah aus ben Lehrer, der. ohne zu antworten, mit seinem unbeweglichen Gesicht dabeistand. Der Schweiß trat auf meine Stirn. Ich faßte in bie Tasche, um mein Taschentuch herauszuholen; babei zog ich das Taschenmesser mit heraus, welches auf den Teppich fiel, ohne baß ich cs in meiner Verwirrung bemerkte. Da sank der Blick ber alten Dame auf das an ber Erde liegende geöffnete, spitz unb scharf aussehende Messer. Sie hob es auf, sah es an, blickte auf „Streichholz" und bann auf mich mit einem eigenartigen Ausdruck, floppte das Messer zu und steckte es mir wortlos in bie Tasche. Ich wurde glühend rot, zitterte an allen Gliedern unb brach plötzlich mit haltlosem Schluchzen zusammen. Die Tasse entfiel meinen Händen unb zerbrach, die Schokolade floß über den Teppich unb ich stand an den Tisch gelehnt, die Hände vor dem Gesicht in fassungslosem Weinen. ' Die alte Sarne nahm mich mütterlich in ihre Arms, wischte mir die Tränen ab und strich über mein wirres Haar, dann wandte sie sich mit einer energischen Gebärde an den immer noch stumm dastehenden „Streichholz^: „Also, Herr Doktor, nun ist es genug mit dieser Schinderei, das sage ich Ihnen. Der Junge ist heute zum letztenmal hier gewesen, sonst sind wir geschiedene Leute und Sie verlassen mein Haus, so wahr ich hier vor Ihnen stehe! Sie packte meine Hefte und Bücher zusammen, steckte sie nur unter den Arm, gab mir ein großes Stück Kuchen in die Hand und schob mich aus der Tür. Draußen sagte sie: „So, mein Junge, jetzt geh nach Haus und genieße deine Ferien, das Messer aber wirfst du weg, das ist zu scharf, damit kannst du leicht Schaden anrichten." Erst auf der Straße kam ich langsam zum Begreifen. Nur das eine ging mir ganz auf: frei, frei, noch beinahe zwei lange, lange köstliche Ferienwochen vor mir, erlöst von dieser Pein! Ich lief in einem einzigen langen Trab den Weg nach Haus, warf die Bücher fort und stürzte, ohne meiner Mutter eine Erklärung zu geben, aus die Straße, um das Gefühl der Freiheit auszukoften. Als nach den Ferien auch die Maihematikstunden wieder begannen, war Streichholz unverändert, aber mich übersah er vollkommen, ich war für ihn nicht vorhanden. Bis zum Semefterschluß richtete er nie eine Frage an mich, erwähnte nie meinen Namen. Ich war ganz zufrieden damit, denn meine Abneigung gegen die Mathematik war nicht geringer geworden. Bei Beginn des neuen Semesters war Streichholz verschwunden; es hieß, daß er an eine andere Schule versetzt sei. Fünfzig Jahre sind vergangen, viel habe ich erlebt, alle Gefühle, die ein Menschenherz ergreifen können, habe ich kennen gelernt. G e - haßt habe ich nur einmal in meinem Leben, als dreizehnjähriger Tertianer, und noch heute, nach fünfzig Jahren, kann ich das Wort Haß nicht lesen ober hören, ohne daß vor meinem Auge sofort erscheint die hagere, düstere, in fleckenlosen schwarzen Gehrock gekleidete Gestalt meines ehemaligen Mathematiklehrers, genannt „Streichholz". Constantin Meunier. Iu seinem 2S. Todestage. Von Dr. Olga B l o ch. „Und unter feinen Füßen tönten die tiefen und harten Schläge der Aexte fort. Die Kameraden waren alle da... Mitten am Himmel erstrahlte die Aprilsonne in ihrem Glanze, die zeugende Erde mit ihrer Wanne fällend Aus dem nährenden Schoße der Erde sproßte das Leben... Menschen wuchsen heran, ein schwarzes Heer von Rächern, das langsam in den Furchen keimte, und zu den Ernten des kommenden Jahrhunderts heranwuchs und dessen Auskeimen bald die Erde zersprengen sollte." Diese grandiosen Schlutzgedanken von Z o l a s „Germinall kommen einem in den Sinn, versenkt man sich tiefer in das umfangreiche Werk, das Constantin Meunier der Nachwelt hinterlassen hat. Aber je weiter man eindringt in die Gestaltenwelt des größten aller belgischen Plastiker des Jahrhunderts, um so deutlicher tut sich der Abstand kund, der innerlich Zola und Meunier von einander trennt. Treten auch in des Künstlers Schilderungen des belgischen Bergmannslebens Typen auf, die dem gleichen Milieu wie Zolas Romanfiguren entstammen, so muß man doch seststellen, daß der Dichter die Dinge ausmalt und übertreibt, während Meunier seine Vorgänge stilisiert und vereinfacht — im Sinne der bildenden Kunst, deren höchste Aufgabe es ist, in eine schönere Welt der Menschheit den Weg zu weisen. Man weiß nicht, ob in der Familie Meunier eine positive Einstellung zur Kunst vorhanden war. Sein Bruder Jean-Baptiste war es jedenfalls, der Constantin Meunier zu Studienzwecken in die Brüsseler Akademie mitnahm, in das Atelier Fraikins, der heute als der Hauptvertreter der älteren belgischen Bildhauerschule gilt. Sein Streben ging dahin, mit Hilfe der französischen Meister des 18. Jahrhunderts zu einer vollkommenen Darstellung der menschlichen Gestalt zu gelangen. Zunächst konnte Fraikin den jungen Meunier an sich fesseln, der in jugendlicher Begeisterung sich allen Dingen der Kunst mit dem Feuer seiner jungen Jahve zuwandte. Aber sehr bald trat der geschäftsmäßige Zug zutage, der sich in Fraikins Atelier eingenistet I)atte und der bewirkte, daß Constantin Meu- uier seine eigenen Wege ging. In einigen Räumen, die er sich gemeinsam mit Brüsseler Künstlern mietete, damit sich dadurch die Kosten verbilligten, ging er jetzt daran, sich der Malerei zuzuwenden, in der Erkenntnis, daß alle Plastik der Zeit nur eine Nachahmung der Antike bedeute. In diesen Jahren war es Charles de Groux, der, durch feine ergreifenden Schilderungen mensch- lichen Elends bekannt geworden, den jungen Meister thematisch anregte und beeinflußte. Er kam Meuniers Willen, nicht nur etwas rein Zweckmäßiges zu bilden, entgegen, unterstützte sein Streben, eine Schönheit inmitten aller Armut zu schaffen. Hier entstehen Meuniers erste größere Werke: das leider verschollene Bild, das Meuniers Biograph G e n s e l erwähnt, aus dem Jahre 1857, die Schilderung eines Krankenhauszimmers, in dem eine Pflegerin die Füße einer verstorbenen armen Frau wäscht, ein Bild, das der Meister auch öffentlich ausgestellt hatte. Und dann das zweite Werk „Begräbnis eines Trappisten", hervorgegangen ans persönlichsten Studien, das den großen Beifall der Kritik auf einer Ausstellung des Jahres 1860 erregte. Um Meunier herum schufen jene belgischen Maler, Alfred Stevens, Florent Willems, Gustave de Jonghe, deren Geistesheimat das elegante und leichte Paris war. Wie anders, wie feinneroig dagegen Constantin Meuniers Kunst, die, einem Michelangelo folgend, überall in Tiefen vorzustoßen versuchte. Aus den sechziger Jahren des Jahrhunderts stammt dann das Gemälde des Meisters, das gewissermaßen den Uebergang bildet zu den Schilderungen der Jndustriearbeit, die uns aus der Altersperiode Meuniers erhalten sind. Es ist das „Tabakssabrik in Sevilla" betitelte Bild, das heute im Brüsseler Modernen Museum hängt und auf einer Spanien- reife entstanden ist. Es gibt einen lebendig wirkenden Ausschnitt aus einem Arbeiisfaal; reicher malerischer Reiz liegt in der Buntheit J Gewänder, der noch durch das Helldunkel, das den weiten Sauf erW erhöht wird. Bald nach der Rückkehr aus dem Süden, von wo es den etnfe Künstler fast immer nach dem Rebel der nordischen Heimat zog, ein {al, das ihn mit allen ernsten Künstlernaturen verbindet, durchzog nier mit ßemonnier, dem Freunde und Biographen, das bcW Kohlenrevier, besuchte die Hochöfen, die Steinkohlengruben, die Walzwijf Die Früchte dieser Wanderungen in einem Meunier bisher unbefannte Gebiet, das für ihn der „Anstoß für eine neue Ausdrucksart der McH heit" werden sollte, sind zunächst wieder Bilder, die man als Vorstufen, den Plastiken der Spätzeit ansehen kann, die Meunier in erster L« beliebt und berühmt gemacht haben. Diese Erlebnisse buchten Meunier schließlich zu dem großen ü- schwung in seinem Schaffen: sah er in jungen Jahren die plastische Sy einzig und allein als Nachahmung der Antike an, so erkannte et ® als alternder Mann diesen Zweig der bildenden Kunst als den eiitj möglichen Weg, um Dinge in der psychischen Wirkung, wie er sie erlebt zum Ausdruck zu bringen. Es entstehen in den letzten zwanzig Ich Meunierschen Schassens Werke, die den Stempel des AllgemenuMtz und Ewigen trugen, Zeugen eines ganz reifen, ganz klaren Altersft Haftete der Meister einst an einzelnen Begebenheiten, an persönlich- Momenten — jetzt wird die allgemeine Not das Thema feiner W«i Dieses Thema variiert er unzählig oft; wer kennt nicht das endlose h, der Figuren, die kurz nacheinander entstehen. Da ist ber „Hamnmi meister" von 1886, mit seinen einfachen Linien, ber „Puddlch den kein Geringerer als Robin aus tiefstem Herzen bewunderie. i> Bild des ^Bergmanns, der an der Mühseligkeit der Arbeit zu Grunde $ Da sind sie alle, die bronzenen „Mäher", die Gipsstatuen der „Sim | labe r", die vielen Bronzereliefs und Vronzestatuetten, die BronzebH ; in großer Zahl. Alle Lebensalter werden dargestellt, das Landvolk, |<■ Bergarbeiter, die Industriearbeiter. Es wird das Charakteristische t ihren Körpern herausmodelliert, ein Realismus erstrebt, der im Gegeis steht zu ber Kunstweise, wie sie einst Fraikin gelehrt. Das Eckige 1 Körper, nervige rauhe Arbeitshände tragen den Schein ber Wirklich!, in diese Werke eines alten Künstlers. Und in diesen Jahren ber inneren Umstellung wird Meunier re!i$ii Noch kurz vor seinem Tode schasst er jene hoheitsvollen und doch so lidff big ausgefaßten Dinge wie das „E c c e H o m o", das so ergreifend >m die „Dreieinigkeit" und nicht zuletzt die P i e i ü, die j« Renaissancecharakter trägt. Und gleichsam als Ausklang die Grupp: i „Verlorenen Sohne s", die uns in zwei Fassungen erhalten: wo ber Ausdruck der Köpfe, die Silhouette des Ganzen unbeschM tiefe Eindrücke dem Beschauer hinterläßt. . I Am Schluß dieses Künstlerlebens steht dann noch einmal, gleich als ewige Variation des Themas „Arbeit", jenes Werk, das in di» Tagen feiner Aufstellung in Brüssel entgegensieht. Es ist das „Lei mal ber Ardeit", jene drei Reliefs, die nicht nur inhaltlich dieh Meumericher Kunst bedeuten, sondern auch formal, da der eigen® Reliefstil hier zu seiner höchsten Vollendung gelangt ist. Eine GchM ftellung der Arbeit, das Heroische, das Gemeinsame, das, was Msliji miteinander verbindet und verbinden muß, die gewohnt sind, im kB Kampf sich in täglichem Schassen ihr Leben Immer wieder neu gu ernm — es scheint in unserem Jahrhundert nirgends eindrucksvoller bofi® tiert als hier. _ . , War es das Streben Rodins, die sestumrißenen Formen der PiM Körper im Sinne des Impressionismus aufzulockern, jo glaubte M« daß die Erneuerung der Kunst nicht nur formal fein dürfe, sondern i als eine Reugeburt des Denkens erweisen müsse, und er selbst P Leidenschaft feiner Seele für solchen Glauben eingesetzt. Die merkwürdige Turbine. Von Dipl.-Jng. Dr. Arthur H a m m. Auf ber diesjährigen Weltkraftkonferenz, die in W stattfinden wird und auf ber vornehmlich die Frage der W erzeugung und Energieverteilung behandelt werden soll, wird tu« Rede fein von einer Maschine, die ganz einzigartig auf der ganzen » besteht, nämlich ber Quecksilberbampfturbine im EM tätsmert zu Hartford in ben Vereinigten Staaten. Quedfuben® wirb erstaunt ber befangene Leser fragen, unb vielleicht kommen Erinnerungen an grünlich-blau leuchtenbe Lampen, deren Schein hell, deren Lichtfarbe jedoch äußerst unangenehm war, an große rate, mit denen Drehstrom in Gleichstrom umgeformt wirb, bei der neuen Berliner Stadtbahn und anderes mehr. Tatsächlich IJ Quecksilber in der Elektrotechnik eine ausgedehnte Verwendung, , das hat hiermit nichts zu tun. Vielmehr wird hier bas Quecksilber " verdampft unb durch den Dampf wirb eine Turbine angetriW- fie ähnlich zu vielen Tausenben in allen Elektrizitätswerken de: - stehen. Darüber wird natürlich noch mehr Erstauneit sein, dem für einen Sinn soll es haben, an Stelle des überall bequem erhältlichen Wassers das vielmals schwerere unb teuere Queckim verbampsen? Unb was für ein Feuer muß man bann onweno , dieses sltissige Metall zum Verbampsen zu bringen? Das fw» naheliegende Fragen, unb bis Antwort kann nur suEsarha) bah die Verwendung des Quecksilbers eine so große ®artnew das heißt Kohlenersparnis, bringt, daß alle Unbequemlichkeiten » reichlich ausgewogen werben. Das zu erläutern, soll einmal en auf bie Vorgänge in unseren Elektrizitätswerken eingegangen Bekanntlich wirb in großen Kesseln bas Wasser verdaMM,,^.,, in ber Turbine, bie heute durchgängig an Stelle ber früher Dampfmaschine getreten ist, seine Arbeit zu leisten. Der Dump! , ben Kessel mit einem gewissen Druck, dessen Höhe man in ■“’Wi ausbrückt, feine Temperatur beträgt gewöhnlich 300 bis ‘ ., Celsius. Je mehr Arbeit er nun geleistet hat, b. h. je "-'eiter ,. ? in bie Turbine eingebrungen ist, um so niedriger werben !°ra ' | wie Temperatur, schließlich tritt der Dampf aus der Turbine aus und hat dann einen Druck von weniger als einer Atmosphäre und eine entsprechend geringe Temperatur. In diesem Zustande leitet man ihn in einen Kondensator, einen aus zahlreichen Röhren bestehenden Apparat, die von kühlem Wasser umflossen sind und in denen sich der Dampf wieder zu Wasser niederschlägt. Dabei gibt er eine Menge Wärme ab, denn von der zur Verdampfung des Wassers aufgewandten Wärme ist noch der größte Teil in ihm enthalten. Diese Wärmemenge nimmt das Kühl- wasfer auf, und so erwärmt flicht es in den Fluß zurück, aus dem man es vorher entnommen hat. Man kann den Dampf auch ins Freie austreten lassen, so wie es die Lokomotiven tun, aber dann arbeitet er viel ungünstiger, und man gewinnt nicht im kondensierten Dampf das sehr reine, weil destillierte Wasser, das sich io vorzüglich zur Kesfelspeisung eignet. Aus diesen Gründen wird bei ortsfesten Maschinen der Kondensator allgemein verwendet, nur bei Lokomotiven nicht, weil er zu groß und zu schwer ist. Aber trotzdem ist diesem Verfahren eine ungeheure Verschwendung eigen, denn eine riesige Wärmemenge geht mit dem Kühlwasscr in den Fluß. Sie zu gewinnen, sind verschiedene Mittel versucht worden, man hat das warme Wasser zur Heizung, zur Voden- erwärmung und ähnlichen Zwecken zu verwenden gesucht, aber dafür ist nicht immer dann Bedarf, wenn man gerade viel warmes Kühlwasser zur Verfügung hat. Im großen ganzen hat sich die Technik damit abgefunden. Was es aber bedeutet, zeigt die Zahl, die die Ausnutzung der in der Kohle enthaltenen Wärme angibt, die man den thermischen Wirkungsgrad nennt. Bis vor kurzem konnten in einer Dampfkraftanlage nur 12 bis 15 v. H. der Kohlenwärme ausgenutzt werden, d. h. 85 bis 88 v. H. gingen verloren. Durch allerhand Verbesserungen, die uns namentlich die letzten Jahre gebracht haben, ist diese Verlustziffer gedrückt worden, aber mehr als 25 bis höchstens 30 v. H. der Kohlenwärme nützt auch die beste moderne Anlage nicht aus. Daß das Verhältnisse sind, die nach Abhilfe schreien, leuchtet ein, nur fehlten die Mittel dazu. Hier setzt nun die Leistung des Amerikaners C m m c t ein, der die Quecksilberdampsturbine erfand. Das Metall Quecksilber braucht natürlich eine viel höhere Temperatur zum Verdampfen als Wasser, das bei 100 Grad Celsius siedet, wie wir ja schon daran sehen, daß es Quecksilberthermometer bis zu weit mehr als 100 Grad gibt, wobei doch die Queck- silberfüllung noch nicht verdampfen darf. Der Siedepunkt des Quecksilbers liegt bei 357 Grad Celsius, also fast viermal so hoch wie der des Wassers. Wenn man also Quecksilber verdampft, den Dampf genau so wie Wasferdampf in einer Turbine seine Arbeit verrichten läßt und zuletzt in einen Kondensator leitet, so wird er zwar mit ebenso niedrigem Druck wie Wasferdampf, aber mit einer viel höheren Temperatur in den Kon- denfator eintreten. Denn seine Temperatur kann in der Turbine nicht unter 357 Grad Celsius sinken, weil er beim Erreichen dieses Wertes sich zu Flüssigkeit niederschlagen muß, genau so wie Wasferdampf, der unter 100 Grad Celsius abgekühlt wird. Die Queckfllberflüfsigkeit würde in der Turbine natürlich arg stören, es muß also unbedingt vermieden werden, daß eine solche Kondensation schon dort stattfindet. Wenn man aber den so heißen Quecksilberdampf in einen gewöhnlichen Kondensator leitet, dessen Röhren von Wasser umflossen sind, was geschieht harnt? Dieses Wasser muh ja die ganze Wärme, die der kondensierende Oueck- silberdamvf abgibt, aufnehmcn; dabei erwärmt es sich um ein paar hundert Grad, und das verträgt bekanntlich Wasser nicht ohne zu verdampfen, d. h. im Kondensator entsteht Dampf, der Quecksüberkoydensator ist nichts als ein Kessel. Der dort erzeugte Wasserdampf kann aber natürlich nun noch einmal in einer Turbine Arbeit leisten, in dem Falle wird also die Kühlwassererwärmung nicht nutzlos in den Fluß gejagt, sondern wird vollständig nutzbar gemacht. Da im kondensierenden Dampfe noch der größte Teil der zu seiner Erzeugung ausgewandten Wärme enthalten ist, ist die erzielte Ersparnis tatsächlich ungeheuer. Sie soll bei deut Elektrizitätswerk Hartford bei einer einzigen Maschine von 10 OOO-LVt'-Leistung mehrere tausend Dollar täglich ausmachen. Ein solches Elektrizitätswerk besteht demnach aus zwei Teilern von denen einer mit Quecksilberdampf arbeitet und letzten Endes Wasserdampf erzeugt, und einem zweiten, der diefen Wafserdampf weiter arbeiten läßt. Das bringt natürlich eine gewisse Komplikation des Baues mit sich, die aber bedeutungslos ist angesichts der erzielten Vorteile. Cs muß auch darauf Rücksicht genommen werden, daß Quecksilber eine außerordentlich schwere Flüssigkeit ist, die zu heben, große Maschinen erfordert. In Dampfkraftwerken wird gewöhnlich das Speisewaffer, wie es aus dem Kondensator kommt, in' die Kessel hinausgepumpt, der Arbeitsauswand spielt keine große Rolle. Anders, wenn cs sich um Quecksilber handelt; hier würde das Hinauspumpen sehr kostspielig sein. Man muh deshalb die Anordnung umgekehrt wie gewöhnlich treffen, so dah das Quecksilber, nachdem es" im Kondensator wieder zur Flüssigkeit geworden ist, in den Kessel hinab fällt. Auch darf natürlich nichts von der kostbaren Flüssigkeit verloren gehen, — woraus es bei Wasserdampf keineswegs sonderlich ankommt. Auf besondere Dichtigkeit aller Rohrleitungen usw. muß deshalb sehr geachtet werden, auch aus dem Grunde, weil Quecksilber bekanntermaßen sehr giftig ist. Endlich muh man daran denken, dah Quecksilber manche Metalle sehr stark angreist, solche Metalle dürfen daher in der ganzen, vom Quecksilber berührten Anlage nicht vorkommen. Daß alle diese Gesichtspunkte erfolgreich beachtet worden sind, beweist der gute Erfolg der bestehenden Quecksilberdampfanlage. Schon vor Jahren hatte die Hartford Electric Co. in einem ihrer Werke eine Heine Quecksilberdampfturbine von 2000 Kilowatt Leistung ausgestellt, die sich so gut bewährte, dah nach jahrelanger Erprobung eine größere von 10 000 Kilowatt bestellt wurde. Auch diese läuft jetzt schon hinreichend mnge, um Klarheit darüber zu geben, dah das System vorzüglich ist. sw. Ausführungsmängel haben nichts zu sagen, bei einer so neuartigen ^wage sind sie kaum zu vermeiden. Keine technische Schöpfung ist dem Haupte des Erfinders vollendet entsprungen wie Pallas Athene dem des ->eus, immer hat erst die Erprobung in der Praxis zur Vervollkomm- nmtg und endgültigen Form geführt. Auf dem Wege zur rationellen -wnrmcwirtschaft, zur weitestgehenden Schonung und Ausnutzung unserer kostbaren Kohlenvorräte bedeutet die Quecksilberdampfturbine einen bedeutenden Schritt vorwärts und. die Hartford Electric Co. hat sich ein großes Verdienst erworben, daß sie den Mut hatte, diesen Versuch zu wagen. Sicher wird ihr Mut und die Genialität des Konstrukteurs auf der Weltkraftkonferenz die verdiente Anerkennung finden; man kann aber daraus auch ganz allgemein die Lehre ziehen, dah vollkommen neuartige und vom Herkömmlichen abweichende Ideen nicht verlacht werden sollen, wie es leider so ost geschieht, sondern daß nur sorgfältigste Untersuchung das Recht gibt, ihnen das Urteil zu sprechen. Eislsmd. Roman einer Expedition. Bon Hellmuth Unger. Copyright by Carl Schünemann, Bremen. lFortjegung.! Fünfundzwanzig Männer in Eisland. Männer, ohne Namen, die ihr? Leben opferten für eine herrliche Idee, für eine große Sache. Nur fünfundzwanzig! In der Sundastraße hat vor Wochen der Krakatau Feuer gespien, die Hälfte einer Insel versank im Meer und 36 000 Menschen ertranken, und die Eistwolken des Mont Pelee auf Martinique vernichteten 40 000 in Augenblicken. Denkt an die großen Kriege, die irgendwo immer wieder die Welt erschüttern, an tausend unbekannte Soldaten, die auf fremden Schlachtfeldern verbluteten. Denkt an Orkane in der Südsee, an Hungerepidemien in China und Indien, an Pest- und Cholerazeiten. Der Mensch im Kampf mit den Elementen ist hilflos, er kommt und vergeht. Fünfundzwanzig Männer in Eisland. Das ist auch ein Krieg. Nicht wahr? Faltet die Hände und betet, daß ihr vor ähnlichem Schicksal b» wahrt bleibt. $ Wenn Not und Unheil über die Menschen kommen, gelten Vorteil« und Rangunterschiede nicht mehr. Jeder einzelne hat um sein armseliges Leben zu kämpfen. Die Stärksten bleiben, indem sie die anderen vernichten, aber sie zögern i h r eigenes Ende nur länger hinaus. Das ist alles. Ihr werdet sagen: ein Soldat bleibt Soldat und hat bis zum letzten Augenblick zu gehorchen! Nein. In der Not wird der Selbsterhaltungs« trieb stärker als alles und beherrscht die Gefühle. Es ist die einzige Moral, die In der Natur gllt. Alle Tiere handeln danach. Niemand hat es sie gelehrt. Der dritte Winter in Eisland machte aus der Mannschaft vom Fort Congcr eine Rotte armer verrohter Menschen. Heimliche Feinschaft flackerte auf, im Augenblick, als jeder weiß, daß er dem Tod nicht mehr entgehen kann. Gebt den Menschen Hoffnung und sie werden sich besinnen, sie werden das letzte versuchen, ein Unglück zu überwinden, ja sie werden sich opfern für andere, aber Mutlosigkeit macht sie feig und erbärmlich. Eine Niederung auf der Pim-Insel bot Greely und feinen Leuten Schutz vor dem nahenden Winter. Im Windschutz einer Hügelkette wurde, dicht an einem Süßwassertümpel aus Steinen eine Hütte errichtet. In der alle zusammen Unterkunft fanden. Greely wollte sie ständig unter Kontrolle haben, denn er mußte neue Revolten befürchten. Der niedere Raum bot nur unwirtlichen Aufenthalt, aber er hielt die Wärme gut, die vom Lagerfeuer und den Körpern ausstrahlte. Vor Sturm und Kälte war die Mannschaft einigermaßen geschützt, nicht aber vor Hunger, der sie schon seit Monaten geschwächt hatte. Durch einen Schneekorridor war das Lebensmitteldepot von der Hütte aus zu erreichen. Sergeant Brainard hatte es zu verwalten. Aber die Vorräte reichten bei größter Sparsamkeit höchstens einige Monate und der Frühling war noch weit, ehe Greely versuchen konnte, mit den lieberlebenden Grönland zu erreichen. Mutlosigkeit machte die meisten unfähig zu jeder Arbeit im Dienst der Gemeinschaft. Und Elison, der arme Teufel, war längst nicht mehr der einzige, der krank darniederlag. Da hockten sie, kauerten oder lagen in ihren Schlafsäcken aus Pelz, stumpf geworden, gleichgültig. Ließen sich von Dr. Pavy behandeln, von den gesunden Kameraden pflegen und füttern. Wenn Greely ihnen Mut machte, lächelten sie mit verzerrten Gesichtern und wußten, dah sie belogen wurden. Wozu arbeiten, wozu schaffen? Es änderte sich doch nichts mehr. Wie Tiere dösten sie dahin und wurden nur rege, wenn die Zeit der Mahlzeiten herankam. Dann krochen sie näher ans Feuer, dicht aneinandergedrängt, daß die übrigen Gefährten kaum noch Platz finden konnten. Und die waren es doch, die überhaupt noch für sie sorgten. Sie sammelten Moos und Flechten, die in der Suppe mit verkocht wurden, holten Wasser und sammelten Treibholz. Jens Edvard, Sergeant Rice und Christiansen, manchmal auch Lockwood gingen täglich auf Jagd. Manchmal kamen sie mit Beute heim, einem Schneehuhn, einem halbverhungerten Fuchs. Doch was bedeutete das auf so viele verteilt! Einmal gab es ein aufregendes Erlebnis. Jens hatte auf einem Marsch ein Walroß entdeckt und harpuniert. Keuchend kam er zum Lager und suchte Helfer, das kostbare Wild zu bergen. Eine herrliche Uebcrraschung für alle. Warmes, frisches, fettes Fleisch! Das bedeutete Vorrat für Wachen. „Holt cs! Ja, holt es!" Leutnant Kislingbury lchric den Jägern nach, ohne feinen Schlafsack zu verlassen und lachte wie ein Irrer. Gell und pausenlos. „Speck in der Suppe! Ja." Das harpunierte Tier war unterdes versackt und hatte Eisen und Fangleine mit in die Tiefe gerissen. So ging es verloren. Aber die Freßgier war erweckt und keiner wollte sich an diesem Tag mit der ichalcn Suppe begnügen. Korporal Elison heulte wie ein Wolf und schrie wirre Wortfctzen durcheinander, die niemand verstand. 'Aus seinen Bclnstümpen kroch er die Portionen nur einen ein- Recht war. Er er verteilte. , Das war nun wieder ein Unglück, wenn es auch Koch ihn nicht niederschlägt. Greely springt auf und trennt die Gegner. „Schämt ihr euch denn nicht. Daß ihr euch nicht schämt." Frederick ist noch beim Essen und beruhigt sich wieder. Mit Gardiner wird er ein anderes Mal abrechnen. Das nimmt er sich vor. Alles wäre gut gegangen, wenn Henry Ruhe gehalten hätte, aber ist futterneidisch, obwohl er doch nicht zu kurz gekommen ist. „Dann will ich auch noch eine Portion." bis zum Hütteneingang Er glaubte es wohl nicht, daß die Jäger das Walroß nicht mitgebracht hatten. Vielleicht wollten sie das fette Fleisch Sergeant"Gardiner war so erregt, daß ihm die gefüllte Suppenschale aus den zitternden Händen siel. Die Flüssigkeit zischte und verdampfte in den Flammen. leinen betraf. Roderik stieß ihn beiseite. „Gierschlung! Es reicht so schon nicht aus. Der arme Gardiner! Er wußte, daß Schneider im Recht war. Er hatte keinen Anspruch auf eine zweite Portion. Er kauerte sich wieder hin und blickte reihum. , . Alle Gesichter starrten ihm feindselig entgegen. Jeder kannte des Sergeanten Gedanken. Es war eine stumme Bitte: gebt mir doch von eurer Mahlzeit ab! Charles Henry, der Gardiner nie hatte leiden ■ mögen, fletschte die Zähne und soff mit wenigen Zugen die heiße Suppe aus, daß er sich den Gaumen verbrühte. . , Trotzdem gut o! Jetzt brauchte er dem andern nichts abzugeben. . Brainard und Lynn aßen stumm und sahen an Gardiner vorbei. ■ Nein, sie verstanden ihn nicht. Greely schüttete von seiner Portion die Hälfte in Gardiners Schale und Israel teilte auch. Da waren die andern froh, daß sie nichts abgeben mußten, von diesem Spülwasser, das Schneider für ein sättigendes Mittagsmahl erklärt hatte. Henry sah zu, wie Gardiner gierig in der Schale löffelte. Lockwood hatte von ihm einmal behauptet, daß er schmutzige Augen hatte. Man verstand nicht recht, was er damit meinte. Schmutzige Augen! Jedenfalls hatte Henry wenig Freunde, denn er war mißgünstig und hinterhältig. ’ Er spottete gern über andere und tat es ohne Gefahr, denn ferne be- : drohliche Kraft fürchteten alle. „Es war unnötig, daß ihr ihm etwas abgabt", sagte Henry. „Er hat mehr als ihr alle! Meinst du, ich weiß nicht, wo du deine Vorräte V versteckt hältst, Gardiner?" Henry triumphierte. Was sollte der Streit! Selbstverständlich hatte sich Gardiner ge- - legentlich ein paar Bissen vom Munde abgespart, Brocken alten Zwiebacks und Brot. Das taten alle. Und bei keinem geschah es aus Gier, i Jeder sammelte ein wenig für den Geburtstag, um die Kameraden einzuladen. Und diese Brocken über die täglich geringer werdende Ration bedeuteten dann ein Festmahl, weil der Magen stundenlang weniger „Warte bis zum Abend", sagt Schneider. „Ihr habt alle gesehn, daß Gardiner zwei Mahlzeiten bekam." „Es war der Komandeur, Henry ..." „Der Kommandeurl Der Kommandeur!" höhnte Henry. „Wenn Greely satt ist, kann er leicht abgeben." „Schweig, Henry!" Greely steht mit geballten Fäusten vor Henry und seine Schläfen sind slammendrot. „Scher' dich hinaus! Hörst du!" Henry wartet lauernd. Keiner der Gefährten steht ihm bei. Da duckt er sich und geht. Langsam. Und lacht. „Du brauchst dich nicht zu wundern, Greely, wenn die Leute aufsässig werden", sagt der Arzt. „Es ist ein Unsinn, uns alle langsam verhungern zu lassen. Gib das Depot frei und teile jedem seinen Anteil zu. Lieber noch vierzehn Tage mit vollem Magen leben und bann verrecken, als dies langsame Verhungern." Einige knurren zu Dr. Pavys Worten Beifall. „Gib wenigstens jedem einen Becher Rum, daß sie diesen elenden Tag verschlafen können." „Wir werden den Rum noch nötig brauchen." „Wer etwas will, soll sich melden", sagt Greely und steht da mit entsichertem Revolver. Da schweigen sie alle. Selbstverständlich war auch Gardiner ein Hamster und sein Versteck - war leicht zu erraten. Kisten und Kasten gab es ja nicht. Gardiner lachte verächtlich. „Hast du etwa nichts beiseite gebracht, Henry? Wie?" Henry hatte erwartet, daß die anderen ihm beistimmten. Ihr stumpfes Schweigen beleidigte ihn. Oh, so leicht wollte er sich nicht zufrieden geben. Er wurde aufsässig. „Weshalb gießt du denn deine Suppe ins Feuer?" „Ich weiß nicht, wie es geschah." „Hast vielleicht Rum gesoffen." „Du!" „Rum hast du auch. Du mußt besoffen sein, wenn du den Eßnaps nicht halten kannst." „Laßt doch das Streiten!" „Frederick hat mich angestoßen. Da geschah es." Der Koch Frederick fauchte empor. „Weshalb lügst du?" Gardiner hat einen neuen Feind und muß sich wehren, daß der Gardiner riß den Behälter aus der Glut und hielt ihn Roderik Schneider nochmals hin, der heute gekocht hatte und d'7 . ,nn‘‘n Sie roiffen es ja, daß der Alte recht hat. Und Dr. Pavy lächelt vor sich hin. « In der nächsten Nacht wurde im Provianthaus eingebrochen. Raubtiere konnten es nicht gewesen fein, denn ein Faß mit Schiffszwieback war kunstgerecht geöffnet und nachlässig wieder geschlossen worden. Es ehlten auch einige Speckstreifen und Alkohol. Brainard entdeckte den Diebstahl und meldete es. * Das war etwas Neues, Unerhörtes. Ein Dieb befand sich unter ihnen. Ein Sieb! Sie Hütten ihn getötet, wenn sie gewußt hätten, wer es war. Greely hatte zuerst Brainard in Verdacht, denn er war der em- zige, der zum Proviantlager Zugang hatte. Die Versuchung, sich heimlich Lebensmittel anzueignen, war groß und eine strenge Kontrolle unmöglich. Es hätten Wochen vergehen können, ehe der Betrug entdeckt werden konnte. Nein. Brainard war bestimmt unschuldig. Der Einbruch war während der letzten Nacht geschehen. Und Brainard brauchte sich nicht heimlich davonzuschleichen, während die anderen schliefen. Er hatte die Möglichkeit zu jeder Stunde. Auch, daß er den Diebstahl sofort anzeigte, sprach für seine Unschuld. Die Aussichten, den Täter zu entdecken, waren nur gering, trotzdem mußte Greely alles versuchen, ihn zu stellen, denn die ganze Mannschaft befand sich in einem Zustand der Raserei. „Haltet ihr das für möglich, Kameraden? Ist wirklich solch ein Hundsfott unter uns, der sich den Bauch vollschlägi, während wir hungern?" „Wer hat denn Wache gehabt. He?" Gardiner fragte und blickte Henry lauernd an. „Keiner hat Wache gehabt. Selbstverständlich. Das Soldatenspielen ist vorbei. Und uns wird hier keiner stehlen. Uns nicht." Henry rauchte ruhig feine Pfeife und lächelte. „Meinst du mich etwa, wie?" „Dich? Hab' ich was gesagt?" „Möcht' ich dir auch nicht geraten haben, mein Junge." „Denkt euch das! Während wir uns hier in den Schlafsäcken vergraben, schleicht sich solch ein Lump davon und plündert das Magazin. Sicher hat er noch viel mehr gestohlen, wie ich ihn kenne ..." „Wen kennst du denn?" „Man hat seine Gedanken." „Dann rede doch! Vielleicht weißt du genau, wer es war." Gardiner ballte die Fäuste. „Frag doch Lockwood, ob ich mich auch nur geregt habe. Wir schlafen ja zusammen." „Lockwood. Vielleicht hast du ihm abgegeben. Da schweigt er auch." Lockwood konnte sich im Augenblick nicht verteidigen. Er war mit dem Kommandeur, dem Arzte und Kislingbury draußen. Sie hielten Kriegsrat ab, was geschehen sollte. Jens Edvard war mit Schneider und Lynn bei den Eislöchern, um Wasserflöhe zu fangen, d.ie man Krabben getauft hatte, nur um den Ekel beim Essen zu überwinden, sie mit der Suppe hinunterzuschlucken. „Wenn der Bursche hier unter uns fitzt," sagte Henry bösartig, „und man könnte es erfahren, der kann die Hände nicht mehr zum Beten falten. Das sage ich euch, Leute." „Wen? Wen?" „Jeder kann es gewesen fein. Jeder." „Meinst du vielleicht auch der Alte?" „Ich habe nichts gesagt." „Der ober der Doktor. Hunger haben wir alle." „Habt ihr denn keinen in Verdacht?" „Was meinst du, Israel? Bist ja so schweigsam!" „Ich glaube es überhaupt nicht, daß etwas gestohlen worden ist." „Hört euch den an. Traust es wohl niemand zu?" „Nein." Oh, wie sie alle miteinander spielten und sich gegenseitig belauerten, ob sich denn niemand eine Blöße gab und sich durch Zufall verriet. Elison saß jetzt auch aufgerichtet, trotz seiner furchtbaren Schmerzen und hielt seine rechte Hand, die nur noch Stumpf war, empor. Dr. Pavy hatte sie amputieren müssen. So war er nur noch das armselige Wrack eines Menschen. Er starrte mit gläsernen Augen reihum. „Erschießen müßten wir ihn. Erschießen. Das sage ich." „Wenn ... wenn ..." . , „Wenn ich's mir recht überlege, möchte ich jetzt sagen, daß ich heute nacht etwas gehört habe." „Was denn?" „Ich lag und konnte nicht schlafen. Wie immer. Ja, irgendwer hat sich heute hinausgeschlichen." „Hast du ihn nicht gesehn?" „Nein. Aber ich will es beschwören." „Auch nicht als er zurückkam?" „Zurückgekommen ist er nicht." . „Hört euch den Unsinn an!" „Es fehlt doch keiner von uns." „Sag's dem Alten!" . „Der Kommandeur sollte jeden einzeln fragen, und wer mcht an. warten kann, der ist's gewesen." „Oder wer heute mittag am wenigsten ißt." Gelächter. (Fortsetzung folgt.) ___ Drrantwortlich: Dr. Hans Thyrivt. — Druck und Derlag: Brühl'fche UniverfitätS-Buch- und E«ei ndruckerei. R. Lange, ©•tßcn* Zllhrgc Als ich späten Re verändert. Sorgfalt, , halb diesei Seit, so m Entscheide, Mädchenze längst dur auf die L bist du au vor zehn £ Noch viel leichtfertig« trauteste ’( deinem Le hin, und r Haltung,