(ft. Cz r H i Män. t Scha- , wen» ng auf herein ■ nichts :rn der ", tagte Sietzener ZMilieÄMer Unterhaltungsbeilage zum Gießener Anzeiger längst verachten gelernt hatte, an den rechten Platz gestellt. Er bildete in dem einsamen Städtchen Johannisburg, nach dem er versetzt wurde, mit unermüdlichem Eifer, unbeugsamer Strenge und stärkster Anspannung aller Kräfte sein Bataillon zu einer vorbildlichen Mustertruppe aus. Und bald durfte er diese Kunst des Lehrens an einem höheren und wichtigeren Platz bewähren. Sein Ruf war so weit bekannt geworden, daß er 1799 zum Kommandanten des Fußjäger-Regiments ernannt wurde. Er führte hier eine vollständige Reform durch, schuf einen geschmeidigen, überall verwendbaren Truppenteil, der, die von Napoleon ausgebildet« Taktik des Schwärmens und Plänkelns, der selbständigen Ausbildung des einzelnen und der einheitlichen Wirkung aller in die preußische Armee brachte. Wenn er auf Offiziere und Mannschaften eine ganz rätselhafte anspor- nende und bezwingende Macht auszuüben vermochte, so lag das in der dämonischen Wucht seines Charakters, in jener gebietenden Kraft des Willens, die ohne Lob und Lächeln doch alle Energien zur höchsten Leistungsfähigkeit spannt und steigert. Dorcks Jäger hatten in der trüben Seit von 1806 sich fast allein bewährt; bei der Reorganisation des preußischen Heeres wurde daher Yorck zum Inspekteur der leichten Truppen ernannt und entfaltete hier eine höchst einflußreiche, für die ganze Entwicklung des Heeres bedeutsame Tätigkeit. Sein Einfluß im Heere war gewaltig geworden; seine in engsten Formen begonnenen Reuerungen hatten sich allgemein Geltung erobert. Wie hoch der König damals schon seinen Charakter und sein pädagogisches Genie einschätzte, beweist die Tatsache, daß er ihn 1807 zum Erzieher des Kronprinzen ausersehen hatte. In der ausführlich begründeten Ablehnung Yorcks, in der er fein Ideal eines Fürstenerziehers zeichnet, tritt uns zum ersten Mal seine ganze Persönlichkeit in einem ungewollten Selbstbekenntnis entgegen. Die harmonische Charakterausbildung, die weltmännische Lebensführung sprach er sich ab. Er wußte, daß die Wunden und Brüche eines stürmereichen Lebens nicht nur seinen Körper, sondern auch seine Seele zerfurcht hatten, daß er wohl den Willen vieler Tausende sich gefügig machen, als alter Kriegsmann eine Armee zu seinem Instrumente zwingen und bändigen, aber nicht eine einzelne Menschenpslanze mit der Behutsamkeit des guten Gärtners pflegen könnte. Die Bedrückung feines Volkes, der Uebermut der Eroberer hatten das Chaotische seines Wesens aufgewühlt: er lechzte nach Rache. Deshalb verließ er nicht wie andere hohe Offiziere das Heer feines Königs, als es mit Napoleon in dm Krieg gegen Rußland ziehen mußte. Nach hartem Gewissenskampf erfüllte er auch den schwersten Befehl seines Herrn, der ihn an die Spitze des preußischen Hilfskorps bei der großen Armee stellte. Nun tritt Yorck aus der Enge des Drills heraus in das Licht der Weltgeschichte. Das Wohl des Höchsten und Größten, was er kennt, seines Volkes scheint in seine Hand gegeben, und seine selbständige, eigenwillige und doch tief demütige Natur findet die erlösende Tat; er verläßt die Fahnen des Erbfeindes und tritt zu den Russen über, die Preußen befreien zu wollen. In furchtbaren Seelenkämpfen hat Yorck geschwankt, bevor er an dem grauen Dezembermorgen 1812 in der Posche- runschen Mühle die Konvention von Tauroggen unterzeichnete. Auch nachher noch, als ihm die Nachricht zukam, er sei abgesetzt und werde vor ein Kriegsgericht gestellt werden, mnschwirrten ihn nächtig« Gespenster des inneren Zwiespalts. Aber die Zukunft gab ihm Recht: seine Tat hatte das erste Feuerzeichen auflohen lassen zur Befreiung, sein Weckruf tausendfachen Wiederhall gefunden. Statt des Sandhaufens, auf dem er als standrechtlich Erschossener zu enden gefürchtet, ward ihm Ruhm und An» ertennung. Er nahm das eine so ruhig hin, wie er das andere erwartet: vor seinem Gewissen fühlte er sich schuldlos, vor feinem höchsten Richter. Es ist viel darüber gestritten worden, ob Yorck nicht doch einer geheimen Direktive folgte, als er fein Korps von den Franzosen trennte. Daß die Politik Hardenbergs auf diplomatischen Schleichwegen dem gleichen Ziel zustrebte, ist gewiß. Jedenfalls fehlten in dem unendlich verwickelten Gang der Verhältnisse deutliche Anweisungen und Yorck trug am Ende doch die voll« Verantwortung, für die er mit feinem Kopf «instehen mußte. Dann kamen die Tag« der Erhebung Ostpreußens, die Gründung der Landwehr. Auch da hat Yorck feinen gewichtigen Anteil an allem genommen, nachher in den Kriegen auf den Schlachtfeldern von Wartenburg und Möckern, von Montmirail und Laon. Auch als Feldherr war er der Mann der genauen Vorbereitung, der langsamen lieber« legung, der sorgfältigen Berechnung aller Möglichkeiten, der Vermeidung aller Wagnifse, aber wenn er einmal seinen Plan fertig hatte, ging er mit eiserner Konsequenz vor, wie Blücher von ihm sagte: „Der Yorck ist «in giftiger Kerl, aber wenn er einmal angebissen hak, läßt er nicht locker." Neben den „Draufgängern" und „Phantasten", wie er Blücher und Gneisenau sarkastisch nannte, stand er als der besonnen« Praktiker. Und in Zeiten der Gefahr ist der zuverlässige Realist nicht minder wichtig als der Mann des genialen Wurfs. Ms ein getreuer Helfer hat Yorck das Werk der Befreiung vollenden helfen, das er als erster begonnen. Auf feinen fleckenlosen Schild konnte er Huttens stolzen Wahlspruch schreiben: „Ich hab's gewagt mit Sinnen." ,Es finb nd auch ich mutz el guter brauche» :r Prinz ‘opftiffen während ■inis, die d Wider alte heute >n Hunde Jahrgang (930 Sreitag, den 3. Oktober Nummer 76 Herbst. Von Theodor Fontane. Schon mischt sich Rot in der Blätter Grün, Reseden und Astern sind im Verblühn, Die Trauben geschnitten, der Hafer gemäht Der Herbst ist da, das Jahr wird spät. Und doch (ob Herbst auch) die Sonne glüht — Weg drum mit der Schwermut aus deinem Gemüt! Banne di« Sorge, genieße, was frommt. Eh' Stille, Schnee und Winter kommt. ief)«11 iß alles.' )«r beult Lust der kmn gehl im Buche > blättern iben, nach ach Kaire n mußte, rftig, und neben sich nden. Bit i er hallt m Pasch« .s fürchtet ) fast ver>1 iber Früh 5 bleiben. lerlen und icht. Denn e sich bas as Mutter chakals $n eit zurüch Idie Nacht In Mantel Ibiger hal- Ize'Bemm »ednehmen len ich auf jite. Seine lamer und Ras machte Rr wie bas Ballung. ■gelte! Sie Rrfchnitien, Iber; es Ist Beben. Das Boni Pa"' ■er deine« B wenn du Mir lieben Hch Türken Her grasten Hes wiffen> Hauten dich Hute deines Maliw säst Menes Mr Wes Ps°'; WeprM Mi aus der Hr Stirne. Walles. Er W das sfst Wjchied ein. Vorck. Zu seinem 100. Todestage. Von Dr. Georg Kuhn. Yorck von Wartenberg lebt in der preußischen Geschichte fort als das Symbol des ehernen Willens, des stolzen Pflichtbewusstseins, das Kant m feinem „kategorischen Imperativ" gefordert hat. Er war der harte Zuchtmeister des Heeres, der erste Verkünder der Morgenröte, die nach langer Nacht dem Pveußenvolke wieder leuchten sollte Ein eiserner e.^nen Zeit! Kein heller glücklicher Feuerkopf wie der Efirschall Vorwärts, dem dir Gemüter freudig zujubelten, kein vom Schlachtentod verklärter Heros rote Scharnhorst und kein genialer Refor- mator wie Gneisenau. Düster und hart rote die traurige Zeit der Unter« brurfung ein Sohn der Not und des Zornes, der alle milderen Seiten eines Wesens gewaltsam ertötet zu haben schien, um nur seiner Pflicht, einer Rache, feinem Schicksal zu leben. So wuchs er über sein Mensch- uches hinaus zu einem geschlossenen Ausdruck brr Bitterkeit, die sich in bem geknechteten Volke aufgehäuft, der drängenden Sehnsucht nach Be- freiung. Wer ein Sinnbild gestalten wollte, in dem die Seele des preußi- schen Volkes lebte vor seiner Befreiung, bei seiner Erhebung, der müßte em Monument Yorcks errichten, eine riefenhaste Rolandsfigur, starr, eckig wehrhaft gegürtet, in den festen Zügen den Ausdruck finsterer Entschlossenheit, die Hand den Schwertgriff umklammernd, den Kopf emporgehoben in wachsamer Selbstzucht, aber in den Augen das Funkeln einer heißen Kampfbegier. Eine Dämmerungsgestalt, umwittert von Kälte und Dunkel von Sturm und Wetter, der auch der Glanz des Sieges und Glücks keinen Strahlenkranz flechten kann, nur eine fchmerzensvolle stolz« Dornenkrone. Arndt hat in feinen „Wanderungen und Wandelungen" die Erscheinung Yorcks am besten geschildert: „Ein Mann hohen Wuchses auf Jl'Jtammi9en Deinen, die fest und grab rote in einem ehernen Standbilde standen, der Leib stark, doch mehr mager, ein Kopf mit Icbarfen ausblitzenden Augen, die Stirn gerunzelt rote gehacktes Eisen, m eiserner Mann, rauh rote die rauhen Küsten seines hinterpommerschen Strandes. Das rastlos wechselnde Mienenspiel seines in stark markierten unten gemeißelten Gesichts verriet die innere Erregung, die beständige warung, so daß die schroffe Gemessenheit seines Benehmens unheimlich tl « n ">ie eine Ruhe vor dem Sturm. Aus seinen kalten grauen Augen Wfen stechende Blitze, die jeden, der mit einem bösen Gewissen vor ihm stand, erzittern ließen. Die tiefe senkrechte Doppelfalte auf der hohen otirn über der Adlernase zeigte gleichsam in einem deutlichen Mal die Malen und Konflikte, die in diesem Kopfe getobt. Außen eisige Zurückhaltung, innen ein glühender Strom der Empfindung. Es hat lange Siebtiuert, ehe dieser Vulkan vergletscherte, ehe aus dem jungen, heiß- wutgen Abenteurer der „eiserne Yorck" wurde, seines Königs getreuster Untertan, der Knecht seines Dienstes und seiner Pflicht. Dem glücklosen Manne ist nach feinem Tode das Glück beschieden ^wesen, einen Biographen zu finden, wie ihn kein anderer Held der agreiungsfriege besitzt. In Droysens Meisterwerk, das ein Volksbuch geworben ist, lebt Yorcks reine durch keinen weicheren Zug gemilderte :. unlichkeit fort. Aus den bunten Wirren eines Abenteurerromans führt «in Wille in steiler felsiger Bahn empor zur Höh«. Sein aufbrausend U«s, in seiner Soldatenehre leicht verletztes Naturell hatte ihn schon mit u Jahren aus der normalen Karriere des preußischen Offiziers geschleu- ?*■"’ war ;n bie Dienste der holländisch-ostindischen Kompanie getreten, ^item meuternden Gesindel mit der Pistole in der Hand Mannes- «W beigebracht, in zwei Seeschlachten mitgekämpft, am Kap und auf j sich als Mann und Soldat bewiesen. Aber den angesehenen und Haag beliebten Kapitän zog eine tief wurzelnde Heimatsliebe wieder u»fln.’n ^cn Dienst des Vaterlandes. Mit rührender Zähigkeit bat er nahm« jn5 preußische Heer; erst unter Friedrich Wilhelm II. ,. "E er sein Patent als Kapitän bei einem der neu ausgebildeten Füse- «toataiHone, die als „leichte Infanterie" dem schwerfälligen Körper der !. rr«n Linienregimenter gegenübergestellt wurden. Der Zufall hatte den weguchen Soldaten, der die alte Parademarsch-Taktik im Kolonialkrieg zu seiner fremden MaseM, daß ich es nW lassen werde, es segne niidj jKnu. Bruder", sagte ich leise zu ihm: „so ist es, nun ' J 1 tw____irh »rfrhrnP nfwr P<> Die U müssen, si Mtograx loerten 9 timten he teil, daß । Jlellung, in ganz i Aslans ■ M'St' Die U mcht der mir könne mii) seine morde en genaueste sesilegen, MN wir Die sie Plverein tMakteris Hand aufz »eise zu kr vor e Sicherheit lei einem Mchweisei Einschi Kdurch u jerissene I kirchbohrt kr Pulve Gelege «schüssi tag vergi stark verw xsördert 1 Me war menen Kl tinfprengu mären, na Innung ei nachher di Aehnlic geleistet, k ikiressende ftdtung fi falls durch Eitölete d «schossen Hier in G chattete. ' «folgte, g kn Ekele: |u entdecke chemischer iiird) das Atochten zeschildert iestötigt, s Bei <5< ks Getöte Wne Müh wndfrei ; Slutgrupp; töteten ode »enn bei bi ludjung de "nierscheidi kirasproze ost genug E decken, l«nn Pull kt(un, da leijung aus , Eine $ ™ Herzen 'ft es gelu "«chzuweis^ schließen, «'handlun »»ronalytis ««uer 5ßci Mburt gel « 5'" wi Märuno i« cntschei «I und (< ftit etwa z sicher if, Lngezog ™n8 weit« feien Fä„ , „Ueberhc '«»scher W ««ilostend mar nur meine Zeit, die vor deiner Ewigkeit erschrak. Ich kannte meine Stirn aber ich kannte sie nur im Schimmer des Frohsinns, m den Falten bes Unmuts, in den Schatten der Traurigkeit. Ich kannte Nicht meme entkleidete Stirn, das Schweigende ihrer Wölbung, das Ausgelofchte ihrer kleinen Empfänglichkeiten, die Verklärung ihrer Bestimmung. Ich kannte meine Augen, wenn ich den Spiegel vor sie hob oder emes anderen Menschen Antlitz unter ihrem Leben ausleuchtete oder erlosch. Aber ich muhte nichts von dem Ewigen dieser Augen, von dem abweisenden Schlaf ihrer Lider, der schmerzlichen Schrist unter ihren Wimpern, wo die trocknende Feuchte aller Tränen zu den leisen Schatten gefroren ist wie die gefrorene Erde unter dem Tau eines Baumes. Ich wußte nichts von der Bitterkeit dieses Mundes, dem du seine ewige Form entrissen hast, als er noch zu lächeln meinte unter dem ersten leisen Druck des kühlenden 21 Ich liege ganz still, mit geschlossenen Augen, und empfange die kühle Fremdheit der weißen Umhüllung. Langsam entfernt sich das Dasein d-s Bisherigen, geht fort, weiter und weiter, und laßt mich allem. Die Hände arbeiten nicht mehr an meinem Gesicht, die Füße sind nicht mehr da sind hinter der Tür, in einem anderen Raum. „Die gehen wie von einem Begräbnis", denke ich zum ersten Male und lächle über den Gedanken Aber hier geschieht es zum erstenmal, das Seltsame und mich leise Durchrieselnde: das Lächeln gehorcht mir nicht mehr.. Die Seele versucht es, aber die Sippen gehorchen nicht. Sie sind gefroren, ein« geschlossen, erstarrt. Etwas ist über mir, das es verhindert ein fremdes Dasein, eine wachsende Last, die ruhen will, die nicht will, daß unter ihr gelächelt werde, die die Versteinerung will, den Gehorsam, das ( Ich nehme dich in meine Hand und wende dich leist zur Seite bis der ganze Gram der brüderlichen Form sich mir erschließt. Nun ist es, als wäre ein Leben lang der Schmerz von deiner Stirn herabgetropft auf das wehrlos Schweigende des Gesichts. Nun erst sieht es mich wissend an: der Schläfe umschattetes Tal, der Wange stolze Bitterkeit, der herbe Verzicht gleich einer schweigenden Schwelle unter des Lides geschloßener Tür und jener schmcile Weg von der Ngsenwurzel zum Mund^wie em- gegraben von den Füßen hofsnungsloser Gedanken, die hier ms schweigen gingen, verhüllt und stumm. . ... . , Ja, mein Bruder, es ist die Wahrheit, die du schwelgst. Es ist nur ots Hütte ich bei Johannes auf Patmos gesessen, entsiegelt m meinem Luck. Was siehst du? Ich sehe ..." Die dünne Schale zerbrach, und ich erschrak. Wer hinter dem Erschrecken stand schon die Demut der Erkenntnis und die Tapferkeit des Niedersteigenden, der zu den „Muttern niederstieg. Ich habe meinen Tod gesehen, und über die Feigheit der Kreatur hinüber gab ich ihm die Hand. Es ist nicht der Tod der Welt, als ein Gegenpol des Lebendigen, es ist mein eigener Tod, vor mir geformt, in meines Lebens dunklem Schockst, ist mein ewiger Bruder, m Mer Kammer verschlossen bewahrt wie ein häßlicher Kranker, aber nun erhöht von meiner eigenen Hand, ohne Angst vor der Welt, ausgenommen an meinem Tisch, zu meiner Rechten, wie unsere Ehre es befielt. Unböa ift noch eine zweite Wahrheit, die du enthüllst, eine höhere gleichsam, die über alle anderen gebreitet ist: das ist der Friede: der Friede, von dem geschrieben steht, daß er höher sei denn alle Vernunft. Er loscht nicht aus, er setzt nicht ins Unrecht, nicht den Gram, nicht die Bitterkeit, nicht den Verzicht. Er läßt dies alles ruhen in sich als einen verdienten Lohn aber er strahlt die leise Verklärung darüber hm, die nicht mehr mißt' nicht mehr wägt, nicht mehr rechnet, sondern die aus der schlafenden Tiefe auffteigt, wie der Duft der Verheißung über einem gefurchten Lande, gleich dem tröstenden Sinn des Wortes: „Denn ihre Werke folgen ‘t)n'mar ein Sprung in meinem Bild, und er ist nicht mehr im. Es war ein Grab in meiner Brust, und nun ist eine Auferstehung tn ihr Meine Totenmaske. Ich b,. .„..m.n»,,’6»™»®* rni* m f.m.m M, S in Gips, in Marmor und Bronze ein schweigendes und verzaubertes Dasein in dem großen Raume führen. Der Hauch einer fremden Werkstatt mnfängt mich, unähnlich meinem Schreibtisch, weil das innerlich Geschaiite sichtbar dasteht, der göttlichen Schöpfung gleichsam naher Raum verlangend und behauptend, an einen fremden Tempel erinnernd oder -ine frcioefecite (Srabfcnntncr. „ . t Und dann beginnt es damit, daß ich ein Stuck ungesalzene Butter in die Hand bekomme und mein Gesicht einreiben soll Es sche nt nnr daß die hellen Augen des Professors mich prüfend zu betrachte beginnen wie ein Objekt, und auch der Gehilfe, der die Gebärden eines chirurgischen Assistenten hat, kühler, sachlicher, gleichgültiger noch als der Professor, sieht sich im Raume um, ob auch alles da sei. __ Und dann ziehe ich einen weißen Mantel an und liege auf dem Ruhesosa. Ton wird auf meine Augenbrauen und den Haaransatz gelegt, Seidenpapier auf meine Wimpern. Eine unangenehme Erinnerung beginnt ganz langsam aufzusteigen, von bedrückender Aehnlichkelt an einen Stabsarzt, der Sporen an den Stieseln tragt, an blitzenden Stahl und einen süßlich betäubenden Duft, der sich würgend über das wehrlos sich bäumende Leben stürzt. Aber das ist natürlich Unsinn. Es ist alles harmlos, immer noch. Die beiden dünnen Röhren, die man mir in die Nase fuhrt, sind nicht angenehm, aber der Gips ist kühl, wohltuend und gleichsam eme tröstende Isolierung' gegen alles Fremdartige des Raumes, der Hantierungen, der $ So9 ist es also", denke ich, „der Mund ist versiegelt der Blick ist verhüllt. Und wenn deine Lippen schreien, deine Augen flehen wollten, sie würden es nicht können. Abgeschieden bist du vom Leben der Cr- barmung fremder Erweckung hingegeben. Zwar deine Hande sind beweglich, öffnen und schließen sich, wie du es willst, aber sie sind gleichsam taub, fremde Wesen, die sich an dir bewegen, wie Aeste sich an schweigenden Bäumen bewegen." . . . , , . ... Und langsam, zuerst geleugnet, aber immer wiederkehrend, sich । aetoe{)en behauptend, stießt eine eisige Kühle von der Stirn zu den Schla en über » unkr bem „Schweigen im Walde" an meiner Wand, die Wangen, über den Mund. Und in dieser Kuhle wachst die Last über I „ . . n[5 Gängen die Hufe des Einhorns dumpf auf der Erde dem verhüllten Antlitz, als häufe man kalte Eisenplatten über meine tomeigenben Stirn, wie die Füße der Lebenden dumpf hineln- Wehrlosigkeit, die sich zu Bändern biegen und mich umklammern unent- in' unseren Schlaf, nicht als ein Erschrecken, nicht als ein Leid, rinnbar, wie kalte Erde einen Toten umklammert. Der Atem geht schwer I ronbern a[5 Bürgschaft der Ewigkeit, die da ist, auch wenn wir und die Hände heben sich, um das Gesicht aus feinem Gefängnis aus- j mehr sind. zubrechen, aber sie weichen zurück vor der weißen Maske, ohne sie zu I * ------------- SÄ’SÄ* d°m -« üb«, mich „Wi- mach« d-r Man» da« «igeatlich?- gefallen ist, und meine Gedanken gehen ernste und schwere Wege wie I r Tinrenfurtb Gerichtsarzt in Berlin, angerührt, und in dem Schweigen über meiner Stirn erfüllt es mich, I Von Med.-Rat vr. F. Dyrensuriy, wericyisarzr m wie unter einem Felsen die dunklen Quellen sich erfüllen mögen, wenn I Lesen wir es nicht fast täglich?: irgendwo wurde die Mord- über ferner, fremder Welt der Regen nächtlich rauscht. ' I ' kommisston alarmiert, der Gerichtsarzt begab sich an den Tat- Und bann ist das Gesicht des Professors wieder da, der Raum, die I ort und stellte fest, daß Mord durch Erschießen aus nächster Straße, das Dasein, und nur eine schwere, ganz ferne Erinnerung geht I Nähe — Selbstmord — Tod durch Erwürgen, Erschlagen — hinter mir her durch di« Tage, wie an eine Schuld, an einen Krieg, I auf diese und jene Weife vorliegt. Meistens werden di« Fest- ober an einen Tod. ... , ™ . . I Rettungen sogar gleich durch nähere Details ergänzt. „tLie Und dann, eine Woche später, halte ich die dunkel getonte Maske in I macht der Mann das eigentlich?" — das ist die Frage, die der Hand. Der Professor spricht zu mir, aber ich antworte nicht. Ich I sich wohl jeder von uns schon einmal vorgelegt hat, erftaunt »resse die Finger an die fremde Kühle dieses fremden Gesichts, damit es I pOn ber Schnelligkeit und Sicherheit dieser Arbeit, von deren nicht zu Boden stürze und zerbreche. „Nein", will ich sagen, „nein ... em I Schwierigkeiten wir freilich nichts ahnen. Ja, „wie er es Irrtum ist hier geschehen, nicht wahr, ... ein törichter, etwas grausamer 1 macht", und welche Erfolge die medizinische Wissenschaft bei Irrtum ...das bin nicht ich, das ist ein anderer, ein Fremder, em Toter, I Stifter Aufklärung von Verbrechen für sich buchen konnte, den ich nicht kannte ... nicht wahr, Herr Profesior? Ein Fremder ist das I davon erzählt in folgenden Zeilen einer der bedeutendsten doch, den wir beide nicht kennen? Ein Verschütteter aus bem Kriege viel- I beutschen Gerichtsärzte, dessen Name mit den großen Leistun- leicht, ein verlorener Sohn der Erde, der nicht heimfand zu feinem Vater- 1 gen ber Kriminalwissenschaft für immer verknüpft ist. " Man tolägt das fremde Gesicht in ein Papier, und ich trage es nach I Sicherheit der Allgemeinheit auf bas fdjärffte Krähen. Jn'wcr £ Unö8 3u%aufe erst, an meinem Schreibtisch, stellt bas erschütterte I geschossen worben sei, ober baß bie Verletzung durch eigene Hand GMeicbQ’Ctöicht ficb lonofotn toieber bt?t. Sie 3Kusfc Iel)nt cn btr Bücher- I Dpfet erfolgt fei. . ... r., Animtnnfciaben reihe vo? mir Die stille Lampe brennt, bie Straße schweigt, aus einer Unter biefen Umstanden gehört es natürlich zu den Hauptauf^ave^ fernen Wohnung kommt ber leise Klang einer traurigen Melobie. Unb I des Obduzenten, in «'Nem solchen Falle, wenn es sich E«' fiierburrfl Lbei^ sind allein der Tote unb ich Es ist nicht das erstemch daß schuß handelt das G«B°ßburchd.eObuktiOn ick mit einem Toten allein bin. Aber es ist das erstemal, daß ich mit gelingt es sehr oft tn überraschender Weise, die Frage der -va ■ l meinem eigenen Tode allein bin. Das dunkel Verborgene, das in uns aufzuklaren, ba befonbers durch Untersuchu^n m ^r neueren schläft, unb wacht, und wartet, mit ber Geduld eines Tieres wartet, hat I sich herausgestellt hat bah gewlssermaßen iede Wasfe ihre Ji v d _ man aus mir herausgenommen und vor mich hingestellt.. Man>t den besstst und gewiss« Merkmals- an den G^Uießmrii ch mit der ver- Sckleier von bem Allerheiligsten gehoben, man hat mein Ewiges aus I sind, zurucklaßt. Es kann bann also durch Schletzverfucys n i meinerZeitlichkeü gelöft Unb ich fühle, bah es mehr ist als ich, baß ich bächtigen Waffe aufgeklärt werben, ob em Geschoß aus einer best.mm.- Nicht Frieben finden werde, bevor ich mich-nicht-apfgerichtet haben werde l Waffe abgeschossen worben ist. Die Untersuchungen, Ne ln einem solchen Falle vorgenommen werden Aiissen, sind äußerst mühevoll und erfordern komplizierte chemische und »Holographische Methoden, führen aber dann sehr häufig zu bemerkenswerten Resultaten. Ueberraschenderweise hat sich bei manchen Obduk- liclien herausgestellt, daß die Geschosse aus verschiedenen Massen stamm- B daß also mehrere Täter oder Schützen beteiligt waren, — eine Fest- Icliung, durch die die polizeilichen Untersuchungen und Ermittelungen ii ganz neue Bahnen gelenkt werden. Daß besonders bei Aufruhr und zuslauf solche überraschende Ergebnisse der gerichtlichen Obduktionen »ezeitigt wurden, sei nebenbei erwähnt. " Die Unterscheidung von Selbstmord und Tötung durch fremde Hand iMt dem geübten Obduzenten im allgemeinen wenig Schwierigkeiten; wir können recht genau sagen, ob ein Schuß aufgesetzt ist, ob seine Lage n„d seine Beschaffenheit den gewöhnlichen Erfahrungen bei einem Selbst- Mrde entsprechen. Wir können weiter Ein- und Ausschuß auf das »aueste unterscheiden und können endlich durch unsere Untersuchungen wiegen, aus welcher Entfernung nicht aufgesetzte Schüsse gefallen sind, genn wir Tatwaffe und Tatmunition zur Verfügung haben. Die sternenförmige Beschaffenheit der Schläfenschußwunde und gewisse Piilvereinsprengungen im Schuhkanal sind bei aufgesetzter Waffe sehr charakteristisch. Sie sind aber auch zuweilen bei Tötung durch fremde Hand aufzufinden, wenn der Täter in der Lage war, den Schuß in dieser Seife zu placieren. So konnten wir in einem bekannten Kriminalfall, kr vor etwa einem halben Jahr die Oeffentlichkeit beschäftigt hat, mit Sicherheit einen der Schüsse auf die beschriebene Weise festlegen und tei einem andern Schuß, der dasselbe Opfer getroffen hatte, mittels Nachweises der Pulvereinsprengungen die Entfernung abschätzen. Einschuß und Ausschuß können wir in den meisten Fällen leicht Nidurch unterscheiden, daß wir in der Nähe der Einschußwunde mit« geriffene Kleiderfasern dann finden, wenn dos Geschoß Kleidungsstücke tzrchbohrt hatte. Bei unbekleideter Haut gibt wiederum der Radius Jet Pulvereinsprengungen sichere Anhaltspunkte für die Entfernung. Gelegentlich leistet das Röntgenverfahren bei der Auffindung von Steckschüssen Hervorragendes. Bei der Obduktion einer drei Monate tag vergrabenen Leiche konnten durch die Röntgenuntersuchung in den (tat verwesten Leichenteilen des Rumpfes Geschosse gesichtet und zutage Mdert werden, die sonst nicht gefunden worden wären. Auch in diesem Me war es sogar an den durch Witterungseinflüsse stark mitgenom- «nen Kleidungsstücken noch möglich, durch den Nachweis der Pulver- msprengungen, die im größeren Umfange um die Einschußstelle gelagert raren, nachzuweisen, daß der Betreffende von hinten aus größerer Ent- jernung erschossen worden war. Diese gerichtsärztliche Feststellung wurde nachher durch die Verhandlung bestätigt. Aehnlich Wichtiges hat die Röntgenuntersuchung in einem Falle Miet, der nach siebenjähriger Grabesruhe zur Obduktion kam. Die ckresiende Person war seinerzeit nach ärztlicher Besichtigung zur Be- tottung freigegeben worden, weil angeblich der Tod infolge Unglücksills durch Sturz von der Leiter eingetreten war. In Wahrheit war der Wütete durch den Stiefsohn und dessen Freund anscheinend im Affekt «schossen worden, als er auf der Leiter stand. Später geriet einer der Jäter in Streitigkeiten mit seiner Ehefrau, die in ihrem Merger Anzeige «stattete. Als nun die gerichtliche Ausgrabung und später die Obduktion «folgte, gelang es bei Anwendung besonderer Technik, das Geschoß in kn Skelettrümmern aufzufinden und außerdem eine Schädelverletzung zu entdecken, die einen ganz leicht blaugrauen Saum hatte. Bei näherer chemischer Untersuchung erwies sich dieser Saum als bleihaltig: er war iiurd) das Anstreifen des Geschosses entstanden. In dem gerichtsärztlichen Wachten konnte der mutmaßliche Hergang nunmehr ziemlich genau Mildert werden. Er wurde durch die Gerichtsverhandlung vollkommen kjtätigt, so daß Verurteilung beider Täter erfolgen mußte. Bei Schuhverletzungen spielen mitunter Blutflecke auf den Kleidern bes Getöteten oder des Täters eine erhebliche Rolle. Daß es heutzutage leine Mühe mehr macht, Menschenblut von Tierblut im allgemeinen ein« nxmdfrei zu unterscheiden, ist ja bekannt. Wichtiger ist, daß durch die Alitgruppenuntersuchung auch oft zu klären ist, ob Blutflecke vom Gelöteten oder von einer verdächtigen Person herrühren, natürlich nur dann, Win beide Personen verschiedenen Blutgruppen angehören. Diese Untersuchung der Blutgruppen, von denen man bekanntlich vier Hauptgruppen unterscheidet, hat vor etwa einem Jahr in einem Aufsehen erregenden klrasprozeß Wesentliches zur Aufklärung des Sachverhalts beigetragen. Ofi genug ist es möglich, in der geballten Faust der Leiche Haare zu «decken, die zur Aufklärung der Täterschaft führen können. Manchmal Imin Pulverschmauch an den Fingern der rechten Hand überzeugend chüun, daß Selbstmord vorliegt, wenn andere Zeichen der Selbstver- Ichung ausnahmsweise fehlen. Eine Besonderheit der Obduktion ist die Aufdeckung der Luftembolie ™ herzen, die sehr häusig zu plötzlichem Tode führt. In neuerer Zeit W es gelungen, in frischen Fällen den Sauerstoff der Luft als solchen «chzuweisen und Fäulnisgase, die mitunter täuschen können, aus= iWießen. Ich habe über dieses Thema eine Reihe wissenschaftlicher ^Handlungen veröffentlicht und außerdem ein Verfahren angegeben, Analytisch den Sauerstoff in der Lunge nachzuweisen, wodurch ein fltf Weg eröffnet wurde zur Entscheidung, ob ein Kind nach der Mburj gelebt hat oder nicht. Ein wichtiges Feld gerichtsärztlicher Betätigung bildet nämlich die Wiärung der Kindesmorde. Bei diesen kommt es vor allem darauf an, ^ entscheiden, ob das Kind gelebt hat oder nicht, ob es neugeboren, e'i und lebensfähig war. Da gelegentlich die Lungenschwimmprobe, die !'..eiwa 400 Jahren bekannt ist, wegen der Bildung von Fäulnisgasen "sicher ist, muß häufig die mikroskopische Untersuchung der Lungen mangezogen werden, die meistens nach der einen oder anderen Rich- J1,9 weiter hilft. Die gasanalytische Lungenuntersuchung ist dann in wen Fällen ine willkommene Ergänzung. tau l!pt ist es ja Aufgabe des Gerichtsarztes, in durchaus unpar- i tlll Weife den Sachverhalt zu klären, gleichgültig, ob feine Tätigkeit I "stend ober belastend wirkt. Es kommt z. B. häusig vor, daß irgendein vager Verdacht auf Vergiftung durch die gerichtliche Obduktion beseitigt wird, indem ein Schlaganfall, ein schweres Herzleiden oder ähnlich schwere Erkrankungen so überzeugend nachgewiesen werden können, daß jeder andere Verdacht entfällt. Eine Reihe bekannter Vergiftungen haben so charakteristische Merkmale, daß negative Obduktionsergebnisfe in dieser Richtung von größtem Werte sind. Von den gasförmigen Vergiftungen z. B. bewirken die Kohlenoxyd- bzw. Leuchtgasvergiftungen sehr charakteristische Befunde im Üeichenblut, die durch spektroskopische und chemische Untersuchungen sehr schnell weiter feftgelegt werden können. In anderen Fällen erkennt der Geübte an den Organen einen charakteristischen Geruch, so etwa bei Vergiftungen mit Zyankali; auch der Alkoholgenuß und Chloroform- und Aethervergiftungen bewirken charakteristische Gerüche, die dann meist auf die richtige Spur führen. Im Falle der Minna L., die Anfang 1929 zur gerichtlichen Obduktion kam, konnte schon bei der Leichenöffnung der vorangegangene Alkoholgenuß festgestellt werden. Grade dieser Fall war ganz besonders dazu angetan, die Wichtigkeit gerichtsärztlicher Untersuchungen und Leichenöffnungen ins rechte Licht zu setzen. Denn an der Toten, die eines Tages im Grünewald gefunden wurde, war äußerlich nichts zu bemerken, was auf eine gewaltsame Tötung hätte Hinweisen können. Erst die genaue Untersuchung der inneren Halsorgane ließ den Verdacht auf Erwürgen auffteigen, der dann zur Ermittlung des Täters und zu seinem Geständnis führte. Und so möchte ich mit diesem Fall, in dem ausschließlich Ne gerichtsärztliche Wissenschaft den Anstoß zur polizeilichen Ermittlung geben konnte, als entsprechendstem Beispiel schließen. Dunkle Blätter. Aus dem Taschenbuch eines deutschen Ingenieurs. Von Max Eyth. (Fortsetzung.) „Wenn ihr heute etwas für mich tun wollt", sagte dazwischen Halim, „so reitet über Maraska. Es liegt fast auf euerm Wege. Dort findet ihr ein krankes Pferd: El Dogan, meinen Liebling. Du kennst ihn, o Ibrahim, und wirst wissen, ob Gott seine Krankheit geschickt hat oder ein Asrit ihn verfolgt. Seht nach dem Tier und schickt es mir gesund zurück." „Gott sei gepriesen," sagte der Alte, „daß er deine Gedanken lenkte und wir dir dienen können. Wenn die Kunst, die die Wüste lehrt, das Tier erretten kann, so siehst du es morgen gesund und munter vor deinem Zelt. Lebe wohl." Sie hatten zum zehntenmal schon Lebewohl gesagt und schienen aufs neue beginnen zu wollen, als Halim Pascha feinem Adjutanten Rarnes Bey, mit dem ich im Schatten der Zelte stand, winkte und drei Finger in die Höhe hob. Rarnes ging rasch in das Zelt des Paschas, kam mit drei gewichtigen Beuteln-heraus, die er zu den Pferden der Beduinen trug und, soweit ich im Lichte der elenden Laternen sehen konnte, in die Satteltasche der größeren Stute steckte. Jetzt erst wurde es wirklich ernst mit dem Abschied. Die zwei Sohne der Wüste rissen ihre Lanzen aus dem Boden, schwangen sich in ihre Sättel, vermummten sich in ihre Kops- und Gesichtstücher noch etwas sorgfältiger als zuvor und trabten in die finstere Nacht hinaus. Halim Pascha sah ihnen eine Minute lang nachdenklich nach, warf feinen Burnus von den Schultern, drehte sich auf dem Absatz um, lachte ein eigentümliches, halb verlegenes Lachen und rief, in Ne Hände klatschend: „Mangeons!" Im Küchenzelt wurde es lebendig. Die sechs Leibmamelucken eilten herbei, jeder mit einem Teil des erforderlichen Tischgerätes bewaffnet. Die Vorbereitungen zur Mahlzeit nahmen nicht mehr als drei Minuten in Anspruch. Ein achteckiges, zierlich eingelegtes, kaum einen halben Meter hohes Tischchen wurde in die Mitte des Teppichs gestellt, ein rundes Breit aus Messingblech darauf gelegt, auf dieses drei flache, tellergrotze Brote und neben dieselben ein hölzerner Löffel und eine kleine goldgestickte Serviette. Einer der Mamelucken reichte uns feierlich ein großes Kupferbecken und goß Wasser über unsre Hände. Es sollte, wie aus all dem hervorging, korrekt arabisch gespeist werden; schon der bedenkliche Mangel an Weingläsern ließ darüber keinen Zweifel. Wir ließen uns vor dem Tischchen nieder. Ich hatte nicht zum erstenmal die Ehre, mit Halim Pascha in dieser für uns Europäer etwas unbehaglichen Weise die Freuden der Tafel zu genießen. In Schubra wurde nach den Regeln des Westens gesessen und gegessen, wenigstens außerhalb des Harims. Auf der Jagd oder bei feinen Rundreisen im Lande wurde die in mancher Beziehung bequemere Landessitte beobachtet. Halim war hierbei gewöhnlich ein Meister heiterer Liebenswürdigkeit und freute sich an der Ungeschicklichkeit und dem Mangel arabischer Gesittung seiner Gäste aus dem Abendlande. Heute war er ausnahmsweise in sich gekehrt und schien Minuten lang auf das lärmende Zirpen der Grillen, das Quoten der Frösche und das ferne Gebell der Dorfhunde zu hören, welche die Nachtstille unter sich verteilt hatten. Rarnes Bey ahmte feinem Herrn getreulich nach, und so kamen wir an Ne den Schluß des Mahles bezeichnende unvermeidliche Reisfchüffel, ohne daß der Eindruck des nächtlichen Wanderbildes durch Gespräche über französische Kunst, englische Erfindungen ober deutsche und arabische Philosophie gestört wurde, wie dies sonst wohl der Fall war. Tischchen und Geschirr — die aus Brot bestehenden Teller waren oer= -ehrt — verschwanden ebenso rasch, als sie gekommen wären. Die Mamelucken brachten noch ein halbes Dutzend Kissen und Polster aus Halims Zelt, so daß es sich jeder so bequem als möglich machen konnte. Halims Tschibuk wurde frisch angezündet und glimmte wie ein Glühwürmchen im Dunkel. Karnes Bey steckte sich auf des Paschas Wink eine Zigarre an, und ich als Nichtraucher sah zu> wie die volle Mondscheibe riesengroß am fernen Horizont aufstieg. Der etwas erhöhte Standort des Lagers gestattete einen freien Blick über die nächste Umgebung. Es war ein Bild prachtvoller Einsamkeit. Fast taghell lag die gewaltige Fläche vor uns, über deren nördlicher Hälfte ein zarter weißer Dunst wie ein Schleier langsam hin und her wogte. Das Minarett von Kassr-Schech schimmerte grünlich aus den dunkeln Sykomoren heraus. Von dort her tonte leises, fernes Händeklatschen. Vermutlich veranstalteten einig« Derwische der Gegend mit den Fellahs einen Sikr — einen Gebetstanz — zu Ehren der heiligen Nacht. In langen, sanften, bald heißen, bald kühlen Stößen zog die Nachtluft durch das Lager, als ob abwechslungsweise die Wüste und das nahe Meer über uns hinatmete. Es war doch ganz anders hier als in Kairo und Schubra: der unverfälschte, träumerische Orient mit seinem halbschlummernden Leben, seinen geheimnisvollen Kräften, die wir im Westen nur ahnen und nie verstehen werden und die unser Seelenleben trotzdem heute noch beherrschen, meist ohne daß wir es wissen. Eine orientalische Familiengeschichte. „Ob er wiederkommen wird?" fragte plötzlich Halim nach einem langen, behaglichen Schweigen. „Jnschallah!" erwiderte Rames Dey, und wieder waren beide still und fuhren fort, an den Sternenhimmel Hinaufzurauchen. Nach einiger Zeit begann Halim aufs neu«: „Wenn der alte Ibrahim ben Chursi ihn noch lebend trifft, wird er wiederkommen." Ich merkt« jetzt, daß sie von dem unglückseligen Pferde sprachen, und wagte zu behaupten, daß es bei meinem Wegreiten von Maraska sichtlich auf dem besten Weg« gewesen sei, sich zu erholen. „Das verstehen Sie nicht, mein Freund!" sagte Halim auffallend mild. „Dahinter steckt mehr als Ihr Reiten. Es ist die Macht des Verhängnisses, und ich und El Dogan wissen es." Ich war sprachlos. War das Ernst? War das derselbe Mann, mit dem ich seit zwei Jahren unzählig« Mal« über Pumpwerke und Eisenbahnlinien, über Politik und Volkswirtschaft, über Materialismus und Pantheismus gesprochen und selbst gestritten hatte? Wieder trat eine lange Pause ein. Aber es war eine jener Nächte, in denen man spürt, ohne zu sprechen, was der Nachbar denkt. Ich wußte, daß Halim Pascha fühlt«, wie ich mich verwunderte, und empfand, daß ihn ein plötzliches Bedürfnis anwandelte, mir mehr zu sagen, als uns orientalische Herren gewöhnlich mitteilen, sonderlich wenn sie Prinzen sind. Es mochte ein Körnlein Wahrheit in dem sein, was der Tscherkesse gesagt hatte. Es war di« Nacht des Schaaban, und der Mond war aufgegangen. Kamen nicht uns kühleren Nordländern in der Christnacht Gedanken und Gefühle, di« dreihundertundvierundsechzig Tage lang geschlummert haben? „Erinnerst du dich, Rames", sagte der Prinz, ohne sich an mich zu wenden, aber ich war sicher, daß es mir galt: „vor zehn Jahren, um dieselbe Nacht, als El Dogan zu mir kam?" „Vergißt man, wenn unser Leben begann?" antwortete Rames Bey. „Plaudern wir davon! Die Nacht ist lang, und vor der fünften Stunde gehen wir heute nicht schlafen. Herr Eyth erzählt mir Wunder von seinen Maschinen, manchmal kaum Glaubliches —" „Und doch sind sie wahr!" unterbrach ich ihn, lachend in sein Lächeln einstimmend. „Oder werden es, ohne Zweifel, mein Lieber: wenn nicht heute, so doch morgen. Sie sind ein Mann, der gerne mit der Zukunft spielt, und ich liebe dies kaum weniger als Sie. Aber ich möchte Ihnen heute mit ähnlicher Münze heimzahlen. Auch wir haben unsere Geschichten und unsre Wunder." „Manchmal kaum Glaubliches?" fragte ich; denn ich wußte, Halim verstand einen Scherz. „Manchmal kaum Glaubliches", wiederholte er mit ungewohntem Ernst. „Heute nacht sind alle Geschichtenerzähler Kairos an der Arbeit. Sei unser Schaer, Rames Bey. Erzähle uns von El Dogan. Ich höre selbst gerne wieder, wie du's erzählst." „Laß mich erzählen, wie du mich fandest", bat Rames plötzlich auflebend. „Manchmal ist ein kleiner Mameluck fast so viel wert wie ein großes Pferd." „Er bildet sich viel ein, seitdem er Bey geworden ist", lachte Halim. „Wie man Bey wird durch Nilwasserschlucken, das ist auch etwas für eine Vollmondnacht des Schaaban, do chnicht für heute. Erzähle, Rames! Aber langsam! Sonst begreift der Baschmahandi kein Wort, und ich will, daß er verstehe." Rames Bey begann in seinem stockenden Französisch, manchmal von Halim unterbrochen, wenn ihm dieser halblachend mit einem Wort aushalf oder ein völlig unverständliches Satzgefüge zurechtrllckte. Die wunderliche Sprache mit ihren arabischen Ausrufen stimmte nicht schlecht zur wunderlichen Geschichte, die nicht in jedem Geschichtenbuche zu finden ist. „Ich war ein kleiner Junge, vielleicht von drei Jahren, und hatte einen Bruder, der mochte sieben sein. Da wurden wir samt unsrer Mutter von Kurden gefangen und nach Stambul verkauft. Auf dem Wege starb die Mutter. Dies erzählte mein Bruder, der sich der Berge erinnerte, auf denen wir geboren wurden. So mußte er auf der Reise meiner Mutter sein. Ein kleines Mütterchen; aber wir kamen glücklich in Stambul an. Allah wollte es so. Dort kaufte uns ein Händler aus Alexandrien und brachte uns nach Aegypten. Hier in Kairo kaufte uns ein Eunuchenoberst Mohammed Alis, des Bizekönigs, um fünfzehn Beutel, zehn für meinen Bruder, fünf für mich, denn mein Bruder war schon ein anstelliger, flinker Junge und ich ein hübsches Spielzeug. Der große Vizekönig lachte und schenkte uns seinem Lieblingsenkel Abbas, deinem Neffen, o Effendini. — Meine Mutter schwimmt mit den Fischen im Schwarzen Meer, mein Vater liegt erschossen in den Schluchten des Kaukasus. Niemand weiß, wer sie waren. Das ist mein Stammbaum und mein Geschlecht." „Verstehen Sie ihn?" fragte Halim. „Er wird immer poetisch, wenn er auf sein Tscherkessentum zu sprechen kommt. Dabei läßt er sich nicht dreinreden. — Weiter, Ramesl" „Wir hatten es nicht gut bei Abbas, Allah weiß es. Niemand hatte es gut bei dem Lieblingsenkel deines Vaters, o Effendini. Er war gleich einer bitteren Mandel, schon als Junge. Den einen Tag spielte er mit uns wie «in junger Panther mit Kätzchen, an andern, als wären wir die Söhne von Hunden, und der andern Tage wurden «s immer mehr. Cs kam schlimmer, als ihm fein Großvater das erste Haus gab und sein Harim und einen Garten auf der Insel Roda. Er war noch nicht fünfzehn Jahre alt. Damals besuchte er im Uebermut den Markt, den die Gespenster der Wüste in der dritten Nacht des Aschr* * zu Kairo in der Straße Es-Salibeh abhalten. Wallah, dies ist wahr, o Baschmahandi! Gleich vorn, an der Ecke der Straße, saß ein altes Weib, das Orangen verkaufte, Geisterorangen. @r kaufte drei Stück. Wie sie ihm aber in der Hand zergingen als wären sie Luft, schlug er das alte Weib mit seinem Kurbatsch über den Kopf. Da sei ein zorniger Afrit in ihn gefahren und nicht mehr von ihm gewichen. Du glaubst es nicht, o Baschmahandi? Ich kann dir jetzt noch die Straßenecke zeigen, wo es geschah." Halim lachte, aber nicht wie er in Kairo gelacht hätte. Ein unerklärliches Gefühl kam auch über mich. War es die Sumpfluft aus dem Burlossee oder der Zauber des Orients, der aus den Torheiten aufftieg, die Rames Bey mit ernsthafter Miene vorbrachte? Das „Allahu!"* des Sikrs, den drüben im Dorfe die Fellachin abhielten, rpar deutlich hörbar. Wir alle lauschten, bis der Schrei einer Hyäne einen Sturm von Hundegebell entfesselte und Rames Bey aus seiner Träumerei ausweckt«. „In den Gärten auf Roda geschah es", fuhr er fort. „Dort verlor ich meinen Bruder, die einzige Seele, die mir von unsern Bergen erzählen konnte. Der junge Pascha hatte zwei Kisten mit Jagdgewehren erhalten, die eine aus London, die andre aus Paris, und ein französischer Händler suchte ihm zu erklären, daß die Büchsen aus Frankreich besser seien als die aus England. Der Afrit war in ihm an jenem Morgen und verzerrte fein junges Gesicht, daß es uns bang« wurde, als er aus dem Harim trat. Wir waren unsrer sechs und noch allzu jung für den Prinzen, wenn sich der Teufel in ihm regte. Er hörte dem Fragzosen zu, ohne ein Wort za sagen, und dieser, nach der Art seiner Landsleute, sand kein Ende. ,Genügt rief er endlich, ,Die suchen , mir das beste Gewehr zu verkaufen. Das werden mir alsbald herausfinden!' Er befahl meinem Bruder, nach dem Nil zu laufen und fein englisches Ruderboot von der Keile zu lösen. Mein Bruder ging. Abbas, unser Herr, nahm dem Franzosen das Gewehr aus der Hand, zielte und schoß dem Knaben durch den Kopf. ,Nicht übel', sagte er, denn mein Bruder lag still und tot, auf halbem Wege nach dem Ufer. ,Jetzt läufst du, klein« Kröte', sagte er zu mir. Ich lies schon. .Mein Bruder! mein Bruder!' Und Abbas griff nach dem englischen Gewehr, während die andern alle zitternd umherstanden. Jeden Augenblick hoffte ich den Knall zu hören. Ich war noch klein, nicht elf Jahre. Aber ich suchte nichts mehr auf der Welt als meinen Bruder." „Es war «ine häßliche Szene", sagt« Halim, finster dreinblickend, zu mir. „Der Franzose wurde krank davon und hat nie mehr versucht, meinem Neffen Gewehre aufzuschwatzen." „In diesem Augenblick tratest du in den Garten, o Halim", fuhr Raines Bey, lebhafter und Arabisch sprechend, fort. „Du sahst meinen erschossenen Bruder, du sahst mich laufen, du sahst den Pascha mit dem Gewehr im Anschlag, und du sahst den Afrit in seinem Gesicht. Gelobt fei Gott, der dir alles zeigt«, als habe es ein Blitz erhellt. Du schlugst Abbas das Gewehr aus der Hand, und als er es, rot vor Zorn, wieder aufhob, gingst du zu meinem Bruder, hobst mich auf, denn ich lag schon über ihm und drückte die Hand auf das Loch in feinen Kopf, decktest mich mit deinen Armen und riefst: »Schieße jetzt, wenn du willst!" Da warf Abbas Pascha die Flinte weg, ging, ohne ein Wort zu sagen, zurück in das Harim und kam nicht wieder zum Vorschein drei Tage lang. Das, o Baschmahandi, hat unser Herr, Halim Pascha, für einen kleinen Mamelucken getan." „Allah hat es gewollt, o Rames!" sagte Halim mit erzwungener Leichtigkeit. „Er brauchte dich. Auch er braucht sein« Mamelucken." „Und wie ging es weiter?" fragte ich; „was fing man mit dir an?' „Aber sprich Französisch", ermahnt« Halim, „es amüsiert mich." „Wir begruben meinen Bruder in einem Winkel der Gärten von Roda, am Wasser. Niemand kennt heute fein Grab außer mir. Mich hielten sie versteckt. Ich wurde dem Obergärtner zugewiesen und mußte in den entlegensten Teilen des Parks den andern Gärtnerburschen helfen. Wenn Abbas Pascha sich zeigte, sollte ich mich verstecken. Sie glauben wohl, daß ich gehorchte? Nach drei Wochen begegnete er mir jedoch, ganz unerwartet. »Zeigst du dich wieder, kleine Kröte?' sagte er, ohne zornig zu sein. »Gebt ihm die Bastonade, weil er sich versteckt hat. Dann kannst du meine Pfeifen verwalten, Spitzbube!' Der Afrit war von ihm gewichen auf kurze Jeit. Sie gaben mir fünfundzwanzig auf die Fußsohlen; nicht zu schlimm, denn sie gedachten meines Bruders. Dann wurde ich sein Pfeifenverwalter: eine hohe Ehre für meine Jahve, aber gefährlich bei einem solchen Herrn. Niemand beneidet mich." Wieder schwiegen wir. Halim rauchte still vor sich hin. Rames winkte den Leibmameluckn, uns Kaffee zu bringen. Ich lauschte aufs neue dein Hu! hu! hu! aus dem Dorf und sah mir den Sternenhimmel an, an dem der wunderklar« Mond, auf dem man die Berge wie auf einer Landkarte sehen konnte, langsam emporstieg. (Fortsetzung folgt.) * Di« ersten zehn Nächte des Jahres heißen „das Aschr" und werde" als Feste angesehen. In diesen Nächten sind die Geister besonders reg«, besuchen die Menschen in verschiedenen Gestalten und halten unter r Zusammenkünfte ab. * Bei den Gebetsreigen (den Sikrs) werden, wie um den Takt der Bewegungen festzuhalten, Ausrufe, wie: Allah! Hu! Allahu!, und anoe nach bestimmten Rhythmen hundertfach wiederholt und scheinen mefeniiu zu der religiösen und nervösen Bewegung beizutragen, die der Iwe der Sikrs ist. Verantwortlich: Dr. Hans Thyriot. — Druck und Verlag: Drühl'sche Universitäts-Buch, und Steindruckerei. R. Lange, Gieb-"-