nupftuch, HD trocknen, (t. feine Lippe, )or ihm: nii nmen Anil« so still un| ihr aufblickd , sorget Eut sollet sehe« da vermocht inem Schl«! getan hat!, icht so? Ä 'ten, ging ß »ie ein Hilft ir; statt ihn, und mit ihn • und halse, ibzuschließen beginnt von rüberliegend, rstraße fori ■ und Anm es an bei a hatte dam zu nötigen, umgänglich, lebracht, fon> seinen & -chleuse neitf Zußweg hin zu einer bo nte. Aber « > er oftmals oberen Seit! land hinaus ober 2Bintet 'intnenb uni n Stock uni boch Ann« us ber Eck i erreicht, [i Steige sch« am sie nich! ;en unb dei bas mütten Kindes W n hatte , trotz ihm irg gebracht tau mit beu ben beide« irüfjenb mit i waren, |ö sehr an bem Carsten uni lügen waren bie sich zwi' intlitj cinjjw üiereifer bas s bnbei ven ig. Zu meh- hsprechenbet Heinrich und in England o Kaps voll ichs lebhafte tnglanb, bet ewesen war. t unter bem hen Natives chtern Kvn< chmen fchül g man oor= ' decken und eiben lassen. ) im Hause: irHtube. in . Hier beim man dem-, nn ba.ru der wo Einsatz e, Giehem GiehenerZamilieMMer ________Unterhaltmgzbeilage zum Giehener Anzeiger Jahrgang 1930 Montag, den Z.Srbruar Nummn^o Im Flockenfall. Von Leo Sternberg. Decke nur alles zu. Bette nur alles zur Ruh, leiser Schnee, leiser Schnee! Auf meine Seele fällt bald kein Auge ber Welt, nicht auf Lust, nicht auf Weh.. Löschest die Spur meines Schuhs. Nirgenbs folgt mir ein Fuß — Ganz allein, ganz allein! Ob über Gut oder Schlecht, über Falsch ober Echt — nur schnein, nur schnein! Siehe, schon wagt aus bem Haus sich meine Seele heraus — wieder Flaum unter Flaum. Alles ist weiß unb leer. Fliegt über Lanb unb Meer — wieder Traum, wieder Traum. Oer Mukkerpukker und die junge Frau. Märchen von Hans Friedrich B l u n ck. Es war einmal ein junges Ehepaar, bas hatte keine Kinder. Aber Mann unb Frau hatten viel Verlangen danach unb waren traurig, wenn sie barüber sprachen. Nun hatten bie zwei einen eigenen Wagen, mit dem sie jeden Sonntag ins Land hinaus fuhren, um alte Kirchen unb Schlösser zu besehen, denn ber Mann war ein gelehrter Herr unb schrieb viel über dergleichen. Eines Tages kamen sie nun wieder in einen kleinen Ort, in dessen Giebeln viele Rotmützen wohnten unb ihnen entgegenwinkten. Der Mann hatte ba von einem berühmten alten Gehöft gehört unb ging cs ab. Wie die Frau nun währenddessen beim Wagen wartete, ba wurde sie auf einmal des Mukkerpukkers gewahr, das ist ja der kleine Wicht, der unter ben Achsen des Wagens wohnt. Er verschnaufte vom langen Fahren, lehnte blasend neben dem Wagen am Trittbrett unb bie Frau war ck erstaunt, sie zeigte ihm, daß sie ihn sah. Sie geriet sogar mit ihm ins Gespräch unb weil sie ein rechtes Vertrauen gewann zu ihm, der sie doch immer sicher unb gut gefahren hatte, unb weil sie wußte, daß er ihrer beiber Unterhaltung immer angehört hatte, kam sie auf allerhanb Dinge zu sprechen, bie sie sonst mit fremden ßeuttti nicht beredet hätte. „Ach," scherzte sie deshalb, „du bist mir ein wenig zu klein, Mukkerpukker, aber wenn ich jemand fände, doppelt so groß wie du bist, so ein richtiges kleines Menschenkind, wie froh würde ich ba fein!" Des anbern Sonntags, als sie wieder hinausfuhren unb der Mann eine alte Kirche aufsuchte, sah bie Frau ben kleinen Wicht wieder und redete ähnlich mit ihm: unb noch einmal, als sie einen brüten Sonntag unterwegs waren. „Ach, Mukkerpukker, fahr uns doch einmal, wo ein Findelkinb am Weg liegt, ich hob so gern eins aus!" Aber ber Knirps antwortete niemals darauf: vielleicht war es einer, der nur mit feiner Maschine Bescheid weiß, vielleicht wollte er bedeuten, es sei eine weite Kluft von ben Menschen bis zu seinesgleichen. Als sie aber am vierten Sonntag Halt gemacht hatten unb ber @e= lehrte ausgestiegen unb schon eine Weile von Haus zu Haus gegangen mar, um Türen unb Truhen zu besehen, ba staub der Kleine auf einmal neben dem jungen Weib. Er machte ein sehr listiges Gesicht, sie merkte gleich, er wollte ihr etwas erzählen. Gerade da'kam aber ber ?. nn zurück, er war ein wenig verdrossen von seiner Arbeit unb meinte, ijmr gäbe es boch nicht viel zu sehen, sie wollten lieber gleich weiter- sahren. tnae aber ,e‘n verwunschenes kleines Stöbt djen, in bem sie Halt gemacht hatten, eins von denen, die allerlei Wunderlichkeiten erwarten lassen, wenn man hinburchfährt. Die Frau war deshalb enttäuscht, als ber Mann gleich weiterbrängte, aber sie wußte ja nicht zu begründen, warum sie bleiben wollte. Von bem Mukkerpukker wagte sie nicht zu zrigen 'C f“rd)kte vielleicht, er würbe sich ihr sonst nicht wieder ,Qber haben bie beiben Reisenden bas Städtchen hinter sich bei- s e rn.ocf? am letzten Hans —, auf einmal springt r Wagen em Stückchen seitab; es ist, als sei er in ein anderes Gleis gefahren, ober auf eine andere Straße, die eine Schicht über ober unter ihnen entlang führt. Mann und Frau sehen sich dabei verdutzt an, es ist, als wären sie auf einmal kleiner als vorher. Sie können es ja kaum glauben und erstaunen nur über ben Wagen, der doch genau derselbe wie eben ist, hätte er nicht plötzlich die Größe eines Kinderspielzeugs. Unb auch alle Aepfel am Weg sind verändert, viel goldgelber und blutroter, als vorher im Menschenland. Dafür sind sie auch nur winzig unb alle Höfe sind klein, bie am Weg stehen unb statt über eine Heide zu fahren, die bie ßanbtarte weist, fahren sie auf einmal wieder in eine Ortschaft hmein, in der sind die Härser noch sechs Schuh hoch unb die Fenster daumengroß unb bie Hühner wie Spatzen unb die Ochsen wie kleine geriet mit Hornern daran. Es ist überhaupt alles so verwunschen und abenteuerlich, ber Mann will rasch ben Wagen anhalten, er glaubt, er hätte eine falsche Brille aufgesetzt, ober sei zwischen den Augenlidern verhext. Aber der Wagen fährt noch rasch so weit, baß sie vor ein wunderschönes Schloß kommen, viele Zimmer unb Flügel hat es und Türme unb Zinnen unb sogar einen Graben runbum. Wie der Mann sich nun noch verwahren will und bie Frau festhält, fto solle nicht ausfteigen, unb vor dem Spuk Gas geben und davon- brausen will, ba hält der Wagen plötzlich stocksteif. Aus dem Schloß tritt mit großem Gefolge ein alter Unterirdischer, es ist, als hätte er bie bei den Menschen schon erwartet. Neben ihm aber geht jemanb, viel großer als er. Und bie beiben Verfahrenen sehen gleich, es ist ein Mäbchen von oben, dieser Wichtelkönig hat eine Frau von ben Menschen, unb in allem Schreck freuen sie sich, daß sie jemand haben, mit bem sie ein Wort wechseln mit den sie nach bem Weg fragen können. Sie recken deshalb beide bie Hände nach der Königin unb rufen, sie möchte ihnen doch helfen unb Bescheid geben, wie sie aus diesem Spuk wieder in bie wirkliche Welt zurückkommen könnten. Da haben bie zwei Lakaien aber schon feierlich bie Tür bes Wagens geöffnet; ber kleine Mukkerpukker steht mitten unter ihnen, er grinst bie Frau bes Gekehrten an unb zieht höflich die Mütze, unb bie fremde Kö- ntgin winkt auch, auszusteigen. Da können sie ja nickst so unhöflich sein, sitzen zu bleiben. Sie geben ber Königin bie Hand, hoppelt so groß wie bie Zwerge sind sie immer noch, obwohl sie glaubten, auf Kindergröße geschrumpft zu sein. Nun, die Zwergkönigin sagt, sie freue sich sehr über ben Besuch, aber sie scheint gar nickst so verwundert wie ber gelehrte Herr unb seine Frau. Dann müssen sie mit bem Wichtelkönig und seiner Frau drei silberne Treppen steigen; durch viele Gemächer geht es in einen großen Saal, Da ist alles gedeckt, fast als hätte man die Gäste feierlich erwartet. Die Königin schickt sogar nach ihren Kindern, um sie zu zeigen, ein kleiner Zwerg, zwei kleine Zwerge, drei, vier, fünf sechs kleine Zwerge, alle genau wie der Vater. Aber das siebente und jüngste ist schon zweimal so groß wie bie Zwergkinder, es ist ein Menschenmägblein geworden und nach der Mutter geschlagen! Es sieht nur recht blaß und hager aus, — solche Kinblein können da unten nicht leben noch sterben, cs ist nicht bas richtige Land für sie. Der Frau bes gelehrten tut bas Herz weh, wie sie es anschaut. Sie denkt: „Daß diese Frau so viel Kinder haben darf und ich kein einziges! Sie läßt sich natürlich nichts merken; man begrüßt sie sehr höflich zwanzig kleine Herren unb Frauen werben vorgestellt, die Gäste müssen aus sehr zierlichen Stühlen an der Tafel Platz nehmen, alle sieben Kinblein setzen sich ihnen gegenüber, ber Zwergkönig links von der Frau und die Zwergkonigin rechts neben bem Gelehrten. Unb viele Diener trauen auf, lauter winzige Schüsseln und Teller, aber eins nach dem andern," so viele kleine Gerichte, daß sie schließlich boch satt werden. „Jetzt müssen wir aber heim," sagt ber Mann enblich; ihm ist ja noch immer recht wirr unb irr zu Mut, er glaubt, er hat einen bösen Traum, ben er nicht loswerben kann. Solch gelehrte Herren finb siebenfach klug unb wenn alte Leute von den Unterirdischen erzählen, lächeln sie nur in ben Bart hinein. Aber die Frau möchte noch bableiben, sie sinnt immer über bas siebente Kindlein unb fragt dies und bas unb wie es denn hieße. Ja, sagt der Zwergkönig lauernd, sechs hätten rote Backen, aber mit bem siebenten wäre es recht schlimm bestellt. Und es werde wohl sterben müssen, wenn nicht ein Wunder geschehe. Die Königin hebt rasch ein Taschentuch vor bie Augen, alle Leute blicken bas kranke Kinblein an. Sie möchten es schon eine Weile mit- nehmen, seufzt bie Frau, sie wolle schon dafür sorgen, daß es rote Backen bekäme. Kaum hat sie bas gesagt, ba ist es ja, als wäre alles längst vorbereitet unb man hätte nur auf ihren Wunsch gewartet. Der Zwergalte steht auf, brückt allen bie Hanb und entläßt bie Gäste mit einigen altertümlichen Worten, die Diner bringen sie treppab, treppunter, bis in ben Hof unb halten die Wagentür auf. Unb ber Mann, ber blitzschnell hinein- fpringt und kaum rasch genug ben Wagen in Gang bekommt, fährt davon, als konnte er die ganze Hexerei hinter sich lassen. Die Zeit im Jahre, die uns die reichste Entfaltung der Gesellschaften und Feste bringt, ist jetzt wieder da. Langsam baut sich unsere Geselligkeit nach dem Zusammenbruch der Kriegsjahre neu auf. Da können wir kein höheres Vorbild finden als das unserer Klassiker, die auch auf diesem Gebiet eine Höhe deutschen Lebensstils heraufführten. Damals waren zum erstenmal in unserer Kulturentwicklung die Vorbedingungen für die Pflege einer edlen Geselligkeit gegeben: Freiheit des Denkens, Fülle de- Gefühls Feinheit und Schmiegsamkeit der Sprache, Entwicklung der Per- sönlichke'it, Erhebung über das rein Materielle. Wie stets aus einer be- deutenden Literaturepoche eine gesellschaftliche Kultur hervorwachst so auch bei uns. Die Frau, deren soziale Stellung ein Gradmesser für die Geselligkeit ist, hatte im Rokoko die Herrschaft an sich genssen. Ohne sie war kein Verkehr, keine Gemeinschaft m -glich. So konnte ,enes erregende und beseelende Spiel der männlichen und weiblichen Kräfte anheben, aus dem die zarte Schönheit einer harmonischen Haltung, die Grazie der eleganten Gespräche, der Rausch in einer geistigen Einheit vieler Menschen entstehen. Auch innerhalb der gesellschaftlichen Gliederung begannen die Schranken zu fallen, t» schroffsten Gegensätze stA auszugleichen. Der Aufstieg des Bürgertums hatte die Bedeutung des Adels zuruckgedrangt. Eine gewisse Eleickheit bildete sich, wenn auch nicht offiziell so doch im Tatsächlichen. Ein Beweis dafür ist, daß die W l e l a n d und Herder die Schiller und Goethe in der Weimarer Hofgesellschaft ausgenommen wurden, daß der Adel des Geistes über die Konvention siegte obwohl sonst in dem kleinen Staat Karl Augusts die Aristokratie sich noch immer deutlich von dem „Pöbel" schied. ~ Sie Weimarer Geselligkeit, die wie in einem Brennpunkt die Tendenzen der Gesamtkultur vereinigt, entwickelt sich aus dem Rokoko, um dann in Berührung mit dem Romantiker-Kreise in Jena in diese Sphäre uber- zugehen. Die Herzogin Anna Amalia zeigt in ihren Festen und Assembleen als Regentin noch ganz die Formen höfischer Repräsentation Freund Wieland gibt auf ihrem S-----11 *’ hov' 1 nn nn ,,nh dieser bewegliche, anmutige Geist, von dem Sommersitz Tiefurt den Ton_ an, und dieser bewegliche, anmuiige weiji, von dem Goethe rühmt, er sei für die größere Gesellschaft geboren gewesen, weil er nie obenan stehen wollte, aber an allem teilnohm, war so recht der Typus jener ge.s voller> Leichtigkeit, die das späte Rokoko der deutschen Kultur verlieh. Auch als Goeche dann als „maitre de plaisir" in Weimar einzieht herrscht noch zunächst das Leichtlebig-Galante, wie es sich in den „fetes champetres , den Maskeraden und Bällen zeigt. Eine derbere, gröbere Lustigieit, ein »aotfdxs Ueberschäumen im Stil des Sturm und Dmngs eine zartere Empfindsamkeit in den Naturfesten mischen sich ein. Man spielt Theater, man erfreut sich an bunten Gelagen und Ausflügen, aber allmählich schwingt ein neuer Geist, ein besonderer Rhythmus und Ton des Verkehrs m,t und erfüllt von dem Wittumspalais der Herzogin Anna Amalm amgehend, in der Stube der Frau von Stein geläutert, von Herder und Goethe aufgenommen, von der Herzogin Luise am Hose verkörpert, alle Kreise Weimars: es ist die klassizistische Haltung und Beseelung des Daseins Als Wielands alte Freundin Sophie La Roche, die zu Ehrenbreitstein einen echt deutschen Rokoko-Salon geschaffen hatte, zu Besuch nach Weimar kam, da wurde sie von einem als Amor verkleideten Knaben mit einem Gedicht begrüßt und im Römischen Haus, dieser Statte feinsten Klassizismus, ausgenommen. „Du dachtest in Weimar em Gotter- mahl nur von der Türschwelle eines Tempels zu sehen, rief sie begeistert aus „und bekommst nun selbst einen Anteil von Ambrosia Das Roko o war hier gleichsam bei der deutschen Klassik zu Gaste. Die Geselligkeit war für die Erneuerer antiken Wesens kein Zeitvertreib müßiger Stunden, andern ein Lebensideal. Wie sich Wilhelm v Humboldt die ganze in einem Staat lebende Nation unter dem Bilde einer edlen Gesellschaft darstellte so glaubte man in der Weimarer Gemeinschaft diese Harmome verwirklichen zu können durch jene ästhetische Erziehung, d,e Schrller predigte durch die Gemeinsamkeit der Weltanschauung, durch das Aiif- qehen der einzelnen Persönlichkeit in dem allgemeinen Gesetz. Ein Wilhelm Meister, ein Faust fügen sich als dienendes Glied dem großen Ganzen ein; Tafso scheitert, weil seine unbändige Dämonie die strengen For- Nrobium, Tantal, Beryllium. Von Dr. Hellmut Thomasius. Ein kennzeichnendes Merkmal dafür wie sich unsere geistige Einstellung gegenüber den früheren Zeiten geändert hat, stellen die Bestrebungen dar, die gegenwärtig in Bezug auf die Verwendung gewisser Metalle>m « sind Lange Zeit boten diese Metalle lediglich wissenschaftliches 3ntmfie. Sie waren meist verhältnismäßig selten. Vielfach war es em Kunst. . , ihr Dasein überhaupt zu bemerken und sie in einem Zustande dcirz stellen. War ein derartiger großer Wurf gelungen so begann das Sch en in die Tiefe. Ihre Eigenschaften wurden ermittelt und aufs genaue! erforscht. Wenn diese Arbeiten zu einem Meissen Abschluß gelangt waren, wendete man sich neuen Aufgaben zu. Die TOetaHe selbst wurden' kleinen Proben den Sammlungen der Hochschulen und wlssenschafttig) Institute einverleibt. Hier führten sie eine Art von Museumsdasein. men des gesellschaftlichen Kunstwerks sprengt. Die ehernen Schranken dieser Gesellschaft fordern ein Zurückdrängen der individuellen Strebungen und Neigungen, ein Glätten aller hochgehenden Wogen der Leidenschaft, eine Ueberwindung des persönlichen Triebes. Nur so gelangt der Mensch auf die Höhe des 'klassischen Glücks, in dem Neigung und Pflicht sich die Waage halten, „die Liebe ohne Kampf mit dem Gesetz zusammenklingt (Schiller), die „schöne Seele" sich entfaltet. Goethe kennzeichnet einmal diese Haltung der Welt gegenüber in dem Sinnbild der Kugel: „Ruhig vor Augen stehend, zeigt die Kugel sich dem Betrachtenden als em Befriedigendes, vollkommenes, in sich abgeschlossenes Wesen. Wenn solche Menschen zusammenkommen, dann „obwaltet eine heitere Ehrerbietung der Glieder gegeneinander. Es gibt kein äußeres Zeichen, der Höflichkeit, das nicht einen tiefen sittlichen Grund hätte." Es entsteht jene „Feinheit , die W. v. Humboldt als „ruhige, sichere Eleganz, das Gedampste, Abgewogene Maßvolle" bezeichnet. Dahin führt die entscheidende Entwicklung, die den tollen, funkensprühenden „Hexenmeister" Goethe aus der Zelt des Sturm und Drangs zu dem äußerlich steif und kalt erscheinenden, fest in sich ruhenden, majestätisch-gebietenden Olympier nach der italienischen Reise umwandelt. Seine Führerin auf diesem Wege zur Harmome, zur Ausgeglichenheit, war Frau von Stein, wie überhaupt die Frauen vielfach den Ton des Verkehrs bestimmten. Sie verkörpert am reinsten den Typus der klassizistischen Gesellschaftsdame, den mir sonst noch bei der Herzogin Luise oder bei^ Caroline vonHumboldt finden. Sie vermag bis in ihr spates Alter die Häuslichkeit zum idealen Lebenskreis zu gestalten; l° wenn sieim Hose ihres Hauses die Weimarer Gesellschaft bei ihren Teegesellschasten versammelte. Am plätschernden Brunnen, den zwei antike Iungllngsstatuen bewachten, unter den blühenden Orangebäumen empfing sie die Gaste, die aus der Weite des Parks zu ihr heraufstiegen, und ebenso wußte sie in ihren schönen Räumen jede Geselligkeit auf einen vollen und doch zarten, edlen und gedämpften Ton abzustimmen. Wieviel Goethe diesem Milieu verdankte, ist nicht zu ermessen; es beseelt die schönsten Dichtungen seiner Mannesjahre, die schwebende und verhaltene Innigkeit der „Iphigenie und die beherrschte Tragik der „Natürlichen Tochter, ebenso wie die gemütvolle Idyllik von „Hermann und Dorothea. Die Geselligkeit, die bei der Herzogin Anna Amalie gepflegt wurde, wendet sich von der intimen und leichten Unterhaltung, wie sie Wieland geführt hatte, zu den ernsten und mehr sachlichen Zustmmenkunften im Stile des reifen Goethe. Wir besitzen em fernes Bildchen des Malers l G M Kraus, das diesen Kreis bei der Beschäftigung festgehalten hat. Da drängten sie sich eng um einen Tisch herum, die Herzogin und ine Göchhausen eifrig handarbeitend, Goethe zeichnend; nur der etwas abseits sitzende Herder scheint zu träumen. Dazwischen mögen die Worte bedächtig hin- und hergeflogen sein. Wenn sich die Gemüter erhitzten, konnte es auch anders kommen. „Vermöge der zwanglosen Freimutig e't, I womit jeder in Gegenwart der Herzogin Amalie seine individuellen An- I sichten aussprechen und verteidigen durfte," berichtet Henriette von E g- loffstein, „knüpfen sich zwischen den hochbegabten Besuchern die gest- reicMten Unterhaltungen an; doch gingen diese wir allzu ost in heftige I Diskussionen über, bei welchen Wielands launenhafte Krittelei, Herders persiflierender beißender Witz sowie Knebels unbezähmbare Leiden- sthoftlichkeit, vor ollem aber Goethes diktatorisches Genie traftig hervor- truten und den Streitenden nicht selten scharf ver etzende Worte auf tne I Sünne legten die den stets vorhandenen Brennstoff in den Gemütern so gewaltsam anfachten, daß selbst Amaliens Gegenwart und ihre versoh- nende Milde nicht hinreichten, die hoch auflodernden Leidenschaften zu I dämpfen In der Mitte so vielfach bewegter heterogener Elemente stand Schiller voll Ruhe und Klarheit wie der sanft leuchiende Mond uber I welchen die Wetterwolken spurlos hinwegziehen. Um solche „Sturme I im Wasserglase" zu vermeiden, suchte Goethe bie Geselligkeit immer I wieder an die „großen Gegenstände" anzuknupfen. Nach ferner Rückkehr I nn« Italien stiftete er die „Freitagsgesellschaft', die im Wittumspalais tcgte.^Es war eine Art Akademie mit wissenschaftlichem Anstrich. Daßsie eine ganze Reihe von Jahren zusammenhielt, ,st em Beweis für die hohe Geistigkeit dieses Kreises, in dem manchmal drei bis fünf Vortrage au- den verschiedensten Gebieten die Teilnehmer drei bis fünf Stunden zu fammenhielten Goethe hat spater diese „geistigen Symphonien seit 1804 in Anem Hause in ben regelmäßigen „Mittwochs-Vortragen aufgeiwm- I men bei denen er in einem kleinen vertrauten Kreise, der hauptsächlich aus 'Dornen bestand, den ganzen Zauber seiner Berebsamkeit unb° Sop stellungskunst entfaltete. Wenn er hier aus einem schaffen unb Forschen I seine schönsten Dichtungen, feine tiefsten Beobachtungen der Naturgesetze I rnitteitte so war es boch mehr eine Offenbarung des einzelnen als ein Austausch gemeinsamer Eindrücke. Goethe e.npfand diese Vortrage. M denen er feine Umgebung „im Geiste Zusammenhalten wollte, als per- ' sönliches Bedürfnis.' „Beider grasten Mannigfaltigkeit äußerer Emdriuke ■ und innerer Erfahrungen', sagt der Kanzler Muller, „fand er in ! Sicherheit dieses schönen reinen Verhältnisses gleich sehr em h-'teres Z c ' als einen wohltätigen Ruhepunkt, von welchem aus er sich wieder feinen stillen Weltbetrachtungen um so vielseitiger hmgeben konnte. Mer zwischen den beiden, was meint ihr, sitzt wohl verwahrt und Mit einem goldenen Ranzen auf dem Rucken das siebente Kind, das die Menschenfrau geboren Hot. Und je rascher dl« Leute fahren imd je eiliger sie es hoben, wieder in ihre Schicht zu kommen, desto fröhlicher wird o er merkt vielleicht, daß es in seine richtige Heimat kommt. Und auf einmal sind sie da, wo bei der Hinfahrt der Wagen Über die Welle gesprungen war es gibt einen Krach, daß b:e Federn !^'?r brechen. Dann ist wieder alles echt und wirklich. Das Städtchen ist da, von dem- sie ausgefahren waren, da steht auch fdum ein Schutzmann und wmkt mit >e mNotizbuch, die Menschen aus den Haustüren sind ganz Hchtige Meuchen unb der Wagen ist genau derselbe wie früher, ^«r zwischen Mann unb Frau sitzt wahrhaftig das Kmdlein und hat rote Backen und kräh vor Vergnügen. Und vor ihnen auf dem Motor grinft einen atiigenblicf lang noch bet Mukkerpukker, der da die ganze Zeit gehockt hat. Er lacht die Frau wie ein Schelm an, nickt ihr zu, nickt dem Kindchen zu dem^Mann will er nicht viel wissen —, unb ist dann mit «wem Satz vorn unter den Rädern verschwunden, daß der gelehrte Herr vor Schreck mit dem Wagen über den Kantstein fährt . Was soll ich noch erzählen? Nie wieder haben die zwei ^ute den Weg zu den Unterirdischen zurückgefunden. Es ,st dabei geblieben, daß wie aus dem leeren Raum heraus, sagt der Mann, auf einmal em Fm- delkindcken zwischen den beiden im Wagen gesessen hat, mit einem Ranzel voll Goldstücken auf dem Rücken und in Tücher emgehullt, so fein gewirkt, wie Mondlicht im Nebel schwebt Mitunter wenn die Leute weg- blicken guckt wohl auch noch einmal der Mukkerpukker mit halbem Gesicht über den Kühler, oder hinten unter der Wagennummer hervor, um zu sehen, wie es allen ergeht. Aber er will sich nicht viel zeigen, er will wohl nicht'gefragt werden, woher das Kindchen stammt. Klassische Geselligkeit. Goeihe unb Schiller im Salon. Von Dr. Paul Landau. ifert gen >ast, nsch die igt", irnnt uhig Be- olche tuns Mit, M", lbge- lung, t des , fest ischeu zur oiet» Hafts» line Häus- ihres ;rfam- en bete, die sie in zarten, Milieu seiner igenie" »ie die wurde, Lieland ftcn im Malers len hat. und die : etwas e Warte erhitzten, mtigkeit, len Anon Eg» )ie geist- r heftige Herders Leiden- I hervor- ! aus die lütern so > versöh- ;asten zu nie stand md, über „Stürme it immer Rückkehr ^mspalais ). Daß sie r die hohe -träge aus unben zu- ' seit 1804 aufgenom- ruptjächiich und Dar- d Forschen Naturgesetze en als ein orträge, in :e, als psr- r Eindrücke d er in dec eiteres Ziel jeder seinen > Einstellung bungen dar, le im Gange ses Interesse» n Kunststück, ande darzu- it das Schur- uss genaueste -langt waren, t wurden >n nsdasern. Vollständigkeit der Sammlung war gewahrt. Wer sie sehen wollte, für den standen sie bereit. Die Wissenschaft hatte das ihrige getan. Die Angelegenheit war beendet. Dieses rein ideale Streben paßt nicht mehr in unsere Zeit. In unseren Tagen der Sachlichkeit muß alles einen Zweck haben. Deshalb erleben wir gegenwärtig die merkwürdige Tatsache, daß die Technik ihre Aufmerksamkeit einer Anzahl derartiger längst bekannter und zum Teil ziemlich seltener Metalle zuwendet. Es gilt zu ermitteln, wozu man sie brauchen könnte. Gleichzeitig aber sind ihr die Verwendungsarten anderer, häufig benutzter Metalle und Metallegierungen nicht vielseitig genug. Auch hier strebt man danach, immer neue Gebiete zu finden, auf denen eine Verwertung möglich ist. Ging die Beschäftigung mit vielen Metallen früher mehr in die Tiefe, so geht sie jetzt bei fast allen mehr in die Breite. Der Nützlichkeitsgedanke ist in den Vordergrund getreten und wirkt sich aus. Unter den bislang vernachlässigten Metallen ist zunächst das Niobium zu erwähnen, das bereits im Jahre 1844 von dem deutschen Chemiker Heinrich Rose entdeckt wurde. In Frankreich, in England und in Amerika führt es den Namen „Columbium". Irgendeine Verwendung hat es außer zur Herstellung einiger chemischer Verbindungen kaum gefunden. Schon deshalb nicht, weil es ziemlich schwierig war, es in reinem Zustand zu gewinnen. Der Gedanke, daß es überhaupt zu irgend etwas nützen könne, ist in den seit feiner Entdeckung vergangenen langen Jahren eigentlich nie aufgetaucht. Aber die geistige Umstellung unserer Zeit hat ihn ins Leben gerufen. Das Bewußtsein, daß es ein Metall gibt, bas feine Verwertung findet, ließ bie geschäftstüchtigen Amerikaner nicht ruhen. Mit staatlicher Unterstützung wurde eine besondere Versuchsstelle eingerichtet, der die Aufgabe zufiel, ein Verfahren zur wirtschaftlichen Gewinnung größerer Mengen von Niobium auszuarbeiten. Das ist nach vielen Bemühungen jetzt endlich gelungen. Wir müssen also damit rechnen, daß vielleicht schon in sehr kurzer Zeit größere Mengen dieses bisher so seltenen Metalls zur Verfügung stehen. Die Technik ist damit um einen Stoff bereichert, der ihr unter Umständen neue noch unbekannte Möglichkeiten erschließt. Mit dem Niobium zusammen kommt in der Natur bas Tantal vor, ein Metall, bas eine Zeitlang in der Beleuchtungsindustrie eine Rolle spielte. Die Tantal-Glühlampe, deren Glühfaden aus Tantal bestand, wird vielen noch in Erinnerung {ein. Die Verfahren zu seiner Darstellung wurden von Werner von Bolton und anderen deutschen Chemikern zu hoher Vollkommenheit ausgearbeitet. Schon damals wurde darauf hingewiesen, daß sich dieses Metall wegen seiner vorzüglichen Eigenschaften zu mannigfacher anderer Benützung eignet. Trotzdem hat man von ihm bisher nur einen beschränkten Gebrauch gemacht. Es läßt sich daher wohl mit Recht behaupten, daß dieses bereits im Jahre 1802 von Ek eberg entdeckte Metall außer in der Zeit der Tantal-Glühlampe niemals eine besonders große technische Bedeutung gewonnen hat. Nachdem nunmehr die Amerikaner beginnen, die niobiumhaltigen Tantalerze in großen Mengen aufzuarbeiten, werden sie dabei gewissermaßen als Nebenerzeugnis auch gewaltige Massen von Tantal erhalten. Für dieses muh deshalb gleichfalls eine Verwendung gefunden werden. Aus diesem Grunde erleben wir jetzt eine äußerst eifrige Tätigkeit, deren Ziel es ist, zu ermitteln, was man aus Tantal alles machen könnte. Besonders jenseits des Ozeans ist man fleißig an der Arbeit. Chirurgische und zahnärztliche Instrumente werden aus dem Tantal angefertigt, Federn und Federhalter und Tiegel. Ferner Legierungen mit Eisen, Aluminium, Titan, Molyodän und Wolfram. Diese Legierungen zeichnen sich durch ihren hohen Schmelzpunkt aus. Ein erheblicher Teil von dem, was man drüben macht, ist bei uns schon längst nichts neues mehr. Aber wie wir schon ausführten, das Tantal ist nie so recht in den Vordergrund getreten. Einzelne seiner häufigen Verwendungszwecke, wie z. B. bei der Herstellung von Kathodenröhren, sind in weiterem Umfange kaum bekannt geworden. Wenn nicht alles trügt, dürste in Bälde auch hier ein Aufflackern technischer Tätigkeit ftattfinben, von dem abgewartet werden muß, in welchem Maße es Bestand haben wird. Aehnlich wie beim Tantal liegen die Verhältnisse beim Beryllium, von dem man in jüngster Zeit ganz besonders viel vernommen hat. Es wurde im Jahre 1827 von dem deutschen Chemiker Wöhler dargestellt. Hier war es Deutschland, das nunmehr den Anstoß gab, sich eingehender mit diesem durch so viele wertvolle Eigenschaften ausgezeichneten Metall zu beschäftigen. Die erste größere deutsche Anlage dürfte schon in nächster Zeit Beryllium liefern, dessen Preis vielleicht nur eine Mark für das Kilogramm betragen wird, während man vor noch nicht allzu langer Zeit 200 Mark txifür zahlen mußte. Der größte Wert des Berylliums liegt vielleicht in feinen Legierungen, also in feinen Verbindungen mit anderen Metallen. Unter diesen zeichnet sich wiederum die Beryllium- bronze, eine Legierung mit Kupfer, durch ihre große Härte und ihre Zugfestigkeit sowie durch eine Reihe weiterer Eigenschaften aus. Es ist wohl nicht übertrieben, wenn man sagt, daß in jüngster Zeit fast täglich neue Verwendungsmöglichkeiten des Berylliums und feiner Verbindungen entdeckt wurden. Eine emsige Tätigkeit hat eingesetzt, die zu den besten Hoffnungen berechtigt. Auch in Amerika hat man sich dem schon lange bekannten und trotzdem, wie man mit Recht behaupten kann, neuen Metall zugewendet. Dort hegt man im vollsten Sinn des Wortes hoch- fliegende Pläne. Es soll nämlich die Absicht bestehen, ein Flugzeug herzustellen, das aus einer Aluminium-Berylliumlegierung mit einem Gehalt von 60 v. H. an Beryllium besteht. Den Berechnungen zufolge würde sich das Gewicht des Fordfchen dreimotorigen Flugzeugs dadurch um etwa 400 Kilogramm verringern. Großen Wert legt man auf die bei der Gewinnung des Berylliums entstehenden Nebenerzeugnisse. Durch ihren Verkauf hofft man den Preis für das Metall selbst derart herabsetzen zu können, daß es eine ähnliche Verbreitung erreichen wird wie das Eisen. Ganz so weit, wie es sich der Optimismus der Amerikaner vorstellt, wird es vielleicht nicht kommen. Damit jedoch, daß das Beryllium schon in Aalde zu einem wertvollen und vielseitig ausnutzbarem Hilfsmittel der Technik werden wird, dürfen mir wohl mit Sicherheit rechnen. Aber nicht nur für bislang wenig oder gar nicht benutzte Metalle werden Verwertungsarten gesucht. Auch alte, viel gebrauchte, dehnen das Gebiet ihrer Anwendung, worauf wir bereits oben hinwiesen, immer mehr aus. In erster Linie das Aluminium. Die Einbände der Bücher leiden in den Tropen sehr. Sie verderben infolge der Feuchtigkeit. Allerlei Insekten nisten sich in ihnen ein und zerstören sie. Deshalb hat man nunmehr begonnen, Einbanddecken für Bücher aus reinem Aluminium herzustellen. Sie sind ebenso dick wie die aus Pappe, sehr leicht an Gewicht und abwaschbar. Eine besondere chemische Behandlung ermöglicht es, sie zu bedrucken, zu bemalen und in sonstiger Weise genau zu behandeln wie die gewöhnlichen Einbände. Diesen schadet auch die trockene Hitze. Sie biegen sich dabei auf. Bei Aluminiumdecken ist dies nicht der Fall. Daß sich mit Muminiumpulver sehr hohe Temperaturen erzeugen lassen, ist nichts Neues. Dr. Goldschmidt in Essen hat bereits vor Jahren das Thermitverfahren durchgebildet, bei dem ein Gemenge von Muminiumpulver mit Eisenoxyd zur Entzündung gebracht wird. Jetzt hat Dr. Strong eine ganz besonders heiße Flamme dadurch hervorgebracht, daß er Muminiumpulver in einem Strahl verdichteten Sauerstoffs verbrannte. Auch diese Erfindung ist noch zu neu, als daß man ein endgültiges Urteil darüber abgeben könnte. Allen Berichten zufolge soll jedoch die Wirkung der neuen Flamme geradezu staunenswert {ein. Der Technik bleibt es nunmehr vorbehalten, wie sie sich mit dem vielen ab finden wird, das ihr in jüngster Zeit durch die Beschäftigung mit alten und neuen Metallen zur Verfügung gestellt wurde. Carsten Cnralor. Novelle von Theodor Storm. (Fortsetzung.) Heinrich hatte bei alledem die Augen für fein Weib noch nicht verloren. Warf das Glück ihm einen augenblicklichen Gewinn zu, der ihn in feinem Sinne jedesmal zum reichen Manne machte, so gab er wohl die Hälfte davon hin, fei es für goldene Ketten oder Ringe oder für einen kostbaren Stoff, um ihren schönen Leib damit zu schmücken. Aber was sollte Anna, als die Frau eines Kleinhändlers, mit diesen Dingen, zumal da nach und nach die ganze Leitung des Ladengeschäftes auf ihre Schultern gekommen war? Eines Sonntags — die erste Ladung Austern war damals eben rasch und glücklich ausverkauft — da sie, ihren Knaben auf dem Arm, im Zimmer auf und ab ging, trat Heinrich rasch und fröhlich zu ihr ein. Nachdem er eine Weile seine Augen auf ihrem Antlitz hatte ruhen lassen, führte er sie vor den Spiegel und legte dann plötzlich ein Halsband mit a jour (durchsichtig) gefaßten Saphiren um ihren Nacken; glücklich wie ein Kind betrachtete er sie. „Nun, Anna? — Laß dir's gefallen, bis ich dir Diamanten bringen kann!" Der Knabe griff nach den funkelnden Steinen und stieß Laute des Entzückens aus, aber Anna sah ihren Mann erschrocken an. „O Heinrich, du hast mich lieb; aber du verschwendest! Denk' an dich, an unser Kind!" Da war die Freude auf seinem Antlitz ausgelöscht; er nahm den Schmuck von ihrem Halse und legte ihn wieder in die Kapsel, aus der er ihn zuvor genommen hatte. „Anna!" sagte er nach einer Weile und ergriff fast demütig die Hand feiner Frau, „ich habe meine Mutter nicht gekannt, aber ich habe von ihr gehört — nicht zu Haufe, mein Vater hat mir nie von ihr gesprochen; ein alter Kapitän in Hamburg, der in seiner Jugend einst ihr Tänzer war, erzählte mir von ihr — sie ist schön gewesen; aber sie hat auch nichts anderes wollen, als nur schön und fröhlich (ein; für meinen Vater ist ihr Tod vielleicht ein Glück gewesen — ich hatte oftmals Sehnsucht nach dieser Mutter; aber, Anna — ich glaube, ihren Sohn, den hättest du besser nicht zum Mann genommen." In leidenschaftlicher Bewegung schlang das junge Weib den freien Arm um ihres Manes Nacken. „Heinrich, ich weiß es, ich bin anders als du, als deine Mutter; aber darum eben bin ich dein und bin bei dir; wolle auch du nur bei mir fein, geh nur abends nicht immer fort, auch um deines alten Vaters willen tu’ das nicht! Er grämt sich, wenn er dich in der Gesellschaft weiß." Aber bei Heinrich hatte infolge der letzten Worte die Stimmung schon gewechselt. Er löste Annas Arm von seinem Halse, und mit einem Scherz, der etwas unsicher über seine Lippen tarn, sagte er: „Was kann denn ich dafür, wenn der Wein, den ich trinke, meinem Vater Kopfweh macht?" Mit einer heftigen Bewegung schloß Anna den Knaben an ihre Brust. „Sei versichert, Heinrich, ich werde treulich sorgen, daß dieses Kind das nicht dereinst von feinem Vater sage!" „Nun, nun, Anna! Es war ja nicht so bös gemeint." --Wie es immer gemeint fein mochte, anders war es deshalb nicht geworden. Der Nachtwächter, wenn er derzeit auf feiner Runde sich Heinrichs Haufe näherte, fah oft den Kopf der jungen Frau aus dem offenen Fenster in die nächtlich stille Gaffe hinaushorchen; er kannte sie wohl, den er war der Vater jenes Nachbarkindes, mit dem Anna sich einst so liebreich umhergeschleppt hatte. Ehrerbietig, ohne von ihr bemerkt zu werden, zog er im Vorübergehen feinen Hut und rief erst weit hinter ihrem Haufe die späte Stunde ab. Aber Anna hatte doch jeden Glockenschlag gezählt, und wenn endlich der bekannte Schritt von unten aus der Straße ihr entgegenscholl, so war er meistens nicht so sicher, als sie ihn am Tage doch noch zu hören gewohnt war. Dann floh sie ins Zimmer zurück und warf angstvoll die Arme über die Wiege ihres Kindes. In der Stadt schüttelten schon längst die klugen wie die dummen Leute ihre Köpfe, und abends im Ratskeller konnte man von vergnüglichem Lachen die Fuchsperücke auf Herrn Jaspers' Haupte hüpfen sehen; ja, er konnte sich nicht enthalten, seinem Freunde, dem Stadtwagemeister, wiederholt die tröstliche Zuversicht auszusprechen, daß das Haus in der Süderstraße bald noch einmal durch (eine schmutzigen Maklerhände gehen werde. Indessen hatte Carsten einen stillen, immer wiederkehrenden Kampf mit feinem eigenen Kinde zu bestehen. Damals bei Eingehung der Ehe hakte er es bei den Brautleuten durchgefetzt, daß ein Teil von Annas Vermögen als deren Sondergut unter seiner Verwaltung geblieben war: jetzt sollte auch dieses in das Kompaniegeschüft hineingerissen werden; aber Anna, welche, seit sie Mutter geworden war, diesen Rest als das Eigentum ihres Kindes betrachtete, hatte alles in ihres Ohms und Vaters treue Hand gelegt. — Stöhnend, wenn nach solcher Verhandlung der Sohn ihn unwillig verlassen hatte, blickte der Greis wohl nach dem Ofen, in dem vor Jahren die Reste jener Briefe verbrannt waren, oder er stand vor seinem Familienbilde und hielt stummen, schmerzlichen Zwiesprach mit dem Schatten seiner eigenen Jugend. Ein anscheinend unbedeutender Umstand kam noch hinzu. In einer Nacht, es mochte schon gegen zwei Uhr morgens sein, erkrankte die alte Brigitte plötzlich, und da nur über Tag eine Aushilfsfrau im Haufe war, so machte Carsten sich selber auf, den Ärzt zu holen. Sein Rückweg führte ihn an jener vorerwähnten Wirtsstube vorüber, aus deren Fenstern allein in der dunkeln Häuserreihe noch ein Lampen- schein auf die Straße hinausfiel. Gäste schienen nicht mehr dort zu sein, denn es war ganz still darinnen; und schon hatte Carsten bas Haus im Rücken, da drang von dort ein heiserer Laut in seine Ohren, der ihn plötzlich stillstehen machte; in dieser häßlichen Menschenstimme, in der sich eine andere ihm bekannte zu verstecken schien, war etwas, das ihn auf den Tod erschreckte. Er konnte nicht weiter, er mußte zurück; lauernd und gierig, noch einmal und genauer dann zu hören, stand er unter dem Fenster der verrufenen Kneipe. Und noch einmal kam es, müde wie von lallender Zunge ausgestoßen. Da schlug der Alte beide Hände über den Kopf zusammen, und sein Stock fiel schallend auf die Steine. Brigitte genas allmählich, soweit man im fünfundsiebzigsten Jahre noch genesen kann; Carsten aber hatte seit jener Nacht auch seinen letzten Schlaf verloren. Immer meinte er, von jener Trinkstube her, die doch mehrere Straßen weit entfernt lag, die heisere Stimme seines Sohnes zu hören; er setzte sich auf in seinen Kissen und horchte auf die Stille der Nacht; aber immer wieder in kleinen Pausen löste sich aus ihr jener furchtbare Ton; seine hagere Hand griff in das Dunkel hinein, als wolle sie die des Sohnes fassen; aber schloss fiel sie alsbald über den Rand bes Bettes nieder. Seine Gedanken flogen zurück in Heinrichs Kinderzeit; er suchte sich das glückliche Gesicht des Knaben zurückzurufen, wenn es hieß: „Am Deich spazieren gehen"; er suchte seinen Jubel zu hören, wenn ein Lerchennest gefunden oder eine große Seefpinne von der Flut ans Ufer getrieben wurde. Aber auch hier kam etwas, um feinen kargen Schlaf mit ihm zu teilen. Nicht nur, wenn es von den Nordseewatte her an seine Fenster wehte, sondern auch in todstiller Nacht, immer war jetzt das eintönige Tosen des Meeres in seinen Ohren; wie zur Ebbezeit von weit draußen, hinter der Schmaltiefe (der schmale Meeresarm, der den Hu- umer Hafen bildet) schien es herzukommen; statt des glücklichen Gesichtes eines Knaben sah er die bloßgelegten Strecken des gärenden Watten- chlamms im Mondschein blänkern, und daraus flach und schwarz erhob ich eine öde Hallig. Es war dieselbe, bei der er einst mit Heinrich ange- ähren, um Möwen- oder Kiebitzeier dort zu suchen. Aber sie hatten keine gefunden; nur den aufgeschwemmten Leichnam eines Ertrunkenen. Er lag zwischen dem urweltlichen Kraut des Queller, von großen Vögeln umflogen, die Arme ausgestreckt, das furchtbare Totenantlitz gegen den Himmel gekehrt. Schreiend, mit entsetzten Augen, hafte bei diesem Anblick der Knabe sich an den Vater angeklammert. Immer wieder, ja selbst im Traum, wohin diese Vorstellungen ihn verfolgten, suchte der Greis seine Gedanken nach friedlicheren Orten hin- zulenken; aber jedes Wehen der Luft führte ihn zurück auf jenes furchtbare Eiland. Auch die Tage waren anders geworden; der alte Carsten Curator führte zwar noch diesen seinen Beinamen; aber er führte ihn fast nur noch wie ein pensionierter Beamter seinen Amtstitel, und freilich ohne alle Pension. Die meisten seiner derartigen Geschäfte waren in jüngere Hände übergegangen; nur das kleine städtische Amt, das er derzeit wirklich erhalten hatte, wurde noch von ihm bekleidet, und auch der Wollwarenhandel ging in Brigittens alternder Hand seinen, freilich immer schwächeren Gang. $ Es war an einem Nachmittag zu Anfang des November. Der Wind kam steif aus Westen; der Arm, mit dem die Nordsee in Gestalt des schmalen Hafens in die Stadt hineinlangt, war von trüb grauem Wasser angefüllt, das kochend und schäumend schon die Hafentreppen überflutet hatte und die kleinen, vor Anker liegenden Jnselschiffe hin und wieder warf. Hier und da begann man schon vor Haustüren und Kellerfenstern die hölzernen Schotten (Scheidewände; sperrende Holzwände) einzulassen, zwischen deren doppelte Wände dann der Dünger eingestampft wurde, der schon seit Wochen auf allen Vorstraßen lagerte. Aus dem Hause an der Twiete trat, von Brigitte zur Tür geleitet, ein junger Schiffer, der sich mit einer wollenen Jacke für den Winter ausgerüstet hatte; aber der Sturm riß ihm das Papier von seinem Packen und den Hut vom Kopfe. „Oho, Jungfer Brigitte", rief er, indem er seinem Hut nachlief, „der Wind ist umgesprungen; das gibt bös Wasser heut!" „Her du mein Jesus!" schrie die Alte; „sie dämmen überall schon vor! Christinchen, Christinchen! — sie wandte sich zu einem Nachbarskinde, das sie in Abwesenheit der Eltern in ihrer Obhut hatte — „die Schotten müssen aus dem Keller! Lauf' in die Krämerstraße; der lange Christian, er mutz sogleich herüberkommen!" Das Kind lief; aber der Sturm faßte es und hatte es wie einen armen Vogel gegen die Häuser geworfen, wenn nicht zum Glück der lange Christian schon gekommen wäre und es mit zurückgebracht hätte. Die Schotten wurden herbeigeholt und vor der Haustür bis zu halber Mannshöhe eingelassen. Als die Dämmerung herabfiel, war fast der Verantwortlich: vr. Hans Thyrivt. — Druck und Verlag: ganze Hafenpkatz schon überflutet; aus den dem Bollwerk nahegelegenen Häusern brachte man mit Böten die Bewohner nach den höheren Stadtteilen. Die Schiffe drunten risien an den Ankerketten, die Masten schlugen gegeneinander; große, weiße Vögel wurden mitten zwischen sie hinein- geschleudert oder klammerten sich schreiend an die schlotternden Taue Brigitte und das Kind hatten eine Zeitlang der Arbeit des langen Christian zugesehen; jetzt saßen sie im Dunkeln in der Stube hinter den fest angeschrobenen Fensterläden. Draußen das Klatschen des Wassers das Pfeifen in den Schiffstauen, das Rufen und Schreien der Menschen; wie grimmig zerrte es an den Läden, als wollte es sie herunterreißen. „Hu", sagte das Kind, „es kommt herein, es holt mich!" „Kind, Kind", rief die Alte, „was sprichst du da? Was soll hereinkommen?" „Ich weiß nicht, Tante; das, was da außen ist!" Brigitte nahm das Kind auf ihren Schoß. „Das ist der liebe Gott, Christinchen; was der tut, das ist wohlgetan.— Aber komm, wir wollen oben nach meiner Kammer gehen!" Währenddessen war Carsten hinten im Pesel beschäftigt; er packte die in dem einen Schranke lagernden alten Papiere und Rechnungsbücher aus und trug sie nach der Kammer des Seitenbaues hinauf; denn erst nach etwa einer Stunde war hohe Flut; das untere Haus war heut« nicht sicher vor dem Wasser. Eden trat er, eine brennende Unschlittkerze in der Hand, wieder in den Pesel; das im Zuge qualmende Licht, welches er in Ermangelung eines Tisches auf die Fensterbank niedersetzte, ließ den hohen Raum mit den mächtigen Schränken nur um so düsterer erscheinen; bei dem schräg von Westen einfallenden Sturme rasselten die in Blei gefaßten Scheiben, als sollten sie jeden Augenblick auf die Fliesen hineingeschleudert werden. Der Greis schien es desungeachtet und trotz der Schreie und Rufe, die von der Straße zu ihm hereindrangen, nicht eben eilig mit der Arbeit 3» haben. Sein Haus, das steinerne, würde schon stehenbleiben; ein anderer Untergang seines Hauses stand ihm vor der Seele, dem er nicht zu wehren wußte. Am Vormittage war Anna dagewesen und hatte, als letzte Rettung ihres Mannes, nun selbst die Auslieferung ihrer Wertpapiere von ihm verlangt; aber auch ihr, die zu dieser Forderung berechtigt war, hatte er sie abgeschlagen. „Verklage mich; bann können sie mir gerichtlich abgenommen werden!" Er wiederholte sich jetzt diese Worte, mit denen er sie entlassen hafte, und Annas gramentstelltes Antlitz stand vor ihm auf, eine stumme Anklage, der er nicht entgehen konnte. Als er sich endlich wieder an dem Schranke niederbückte, hörte er draußen die Tür, welche von der Twiete in den Hof führte, gewaltsam aufreißen; bald darauf wurde auch die Hoftür des Pesels aufgeklinkt, und wie vom Sturm hereingeworfen, stand mitten in dem düsteren Raume eine Gestalt, in der Carsten allmählich seinen Sohn erkannte. Aber Heinrich sprach nicht unb machte auch keine Anstalt, bic Tür, durch welche der Sturm hereinblies, wieder zu schließen. Erst nachdem sein Vater ihn aufgefordert hatte, tat er das; doch war ihm mehrmals die Klinke dabei aus der Hand geflogen. „Du hast mir noch keinen guten Abend geboten, Heinrich", sagte der Alte. „Guten Abend, — Vater." Carsten erschrak, als er den Ton dieser Stimme hörte; nur einmal, in einer Nacht nur hatte er ihn gehört. „Was willst du?" frag er. „Weshalb bist du nicht bei Frau unb Kind? Das Wasser wird schon längst in eurem Garten sein." - Was Heinrich hierauf erwiderte, war bei dem Tosen, das von allen Seiten um das Haus fuhr, kaum zu hören. „Ich verstehe dich nicht! Was sagst du?" rief der Greis. — „Das Geld? die Papiere deiner Frau? — Nein, bic gebe ich nicht!" „Aber — ich bin bankerott — schon morgen!" Die Worte waren gewaltsam hervorgestoßen, und Carsten hatte sie verstanden. „Bankerott!" Wie betäubt wiederholte er das eine Wort. Aber bald danach trat er dicht zu seinem Sohne, und die hagere Hand wie zu eigener Stütze gegen seine Brust pressend, sagte er fast ruhig: „Ich bin weit mit dir gegangen, Heinrich; Gott und dein armes Weib wollen mir das verzeihen! Ich gehe nun nicht weiter; was morgen kommt, — wir büßen beide dann für eigene Schuld." .'H „Vater, mein Vater!" stammelte Heinrich. Er schien die Worte, die zu ihm gesprochen wurden, nicht zu fassen. In jähem Andrang streckte der Greis beide Arme nach dem Sohne aus; und wenn die in dem großen Raume herrschende Dämmerung es gestattet hätte, und wenn seine Augen klar genug gewesen wären, Heinrich hätte vor dem Ausdruck in seines Vaters Angesicht erschrecken müssen: aber die Schwäche, welche diesen für einen Augenblick überwältigt hatte, ging vorüber. „Dein Vater?" sagte er, und seine Worte klangen hart. „Ja, Heinrich! — Aber ich war noch etwas anderes — die Leute nannten mich danach — nur ein Stück noch habe ich davon behalten; sieh zu, ob du es aus meinen alten Händen reißen kannst! Denn — betteln gehen, das soll dein Weib doch nicht, weil ihr Curator sie für seinen schlechten Sohn verraten hat!" Bon draußen drang ein Geschrei herein, unb aus entfernten Straßen scholl der dumpfe herkömmliche Notruf: „Water! Water!" „Hörst du nicht?" rief der Alte; „die Schleuse ist gebrochen! Was stehst du noch? Ich habe feine Hilfe mehr für dich!" ® Aber Heinrich antwortete nicht; er ging auch nicht; mit schlaff herav- hängenden Armen blieb er stehen. Da, wie in plötzlicher Anwandlung, griff Carsten nach der slackern- ben Unschlittkerze unb hielt sie dicht vor seines Sohnes Angesicht. Zwei stumpfe gläserne Augen starrten auf ihn hin. V Der Greis taumelte zurück. „Betrunken!" schrie er, „tut bist betrunken!" (Schluß folgt.) Drühl'sche Universitäts-Buch- und Steindruckerei, A. Lange, Gießen.