) nicht I er uon i I Bär- sah er n, daß , denn o Haiti Stoffeln Bauern ob sie Seelen jt über wollten ie fand mud sie SietzenerZamilienbMer Unterhaltungsbeilage zum Giehener Anzeiger Jahrgang 1950 Montag, den 2. Juni Nummer 43 en, und 1 sie es ’ sie bet feuriger Weibs- ! Spalt« giftiger >er Nase 1 Leuten cht über bedutsti 1 Mitter- 1 lief ein en Batrr 1, sah er gen Eich- cke einen feurigen «der. eo trb schnell 1 was. g Buchen schlugen der von 1 heimlich uht, aber trage der war, denn n Grünen ste einmal in fie bet nen einen n fie ihm wenig in tänbe und > jung auf der lange ißte nicht 'n. te es end rterlift tat en vorauf g, hundert aus ihn» Jubel hoch 1 die Diit- d und fle- es in der : ward es eimtäiiKii. »ttengang es sollte irn Pacht- ■rjen nach es Jodeln auern de» iten, aber bas Um en herbei' dann das en herb«' Fleisch ch Butt« ©ießen* war ver- löhec kam näher der werde P4 legen. Verwnnschenheit in einem nächtlichen Zimmer. Von Diemar Moering. Längst in der rußigen Lampe das Oel versott. Und der Nacht Schweigsamer Engel blind wandelte durch das seufzende Haus. Mit mir im Dunkel die Eule nur goldäugig wacht, Und mit ängstlichem Flügel schlagend die Fledermaus. Längst erlosch in der schmerzlichen Kammer der Träume glühende Spur. Schatten nur an getünchter Wand — aus der Zeit Eines vergangenen Lebens vielleicht — flattern welk. Und der Uhr Leiser Schritt schwankend verweht in di« Ewigkeit. Wo ist der Tag, da ich fand mich im Glücke des brausenden Lichts? Wo das Jahr, da ich kindlich den raunenden Winden gelauscht? Ach, jede Stunde trieb müde dahin ins entgötterte Nichts: Klagender Strom, der ins Vergessene rauscht. Wer denn weiß es, aus welchem Dunkel er kam und wohin es ihn führt? D wie ernst ist die Nacht, die den Sinnenden rätselvoll birgt! Bleich - eine wächserne Maske - glänzt Mond vor des Fensters Geviert, Darin silbern die Spinne ihr magisches Zaubernetz wirkt. Seele, Verstoßene! O wie lang du schon heimatlos irrst! Herz, o wie pochst du uralt und von Schwermut bereift! lieber mir, grau auf des Daches zerbrochenem First Traurig der Vogel der Einsamkeit pfeift —. Oie Keltengräber. Von Andre Baron Foelckersam. Eines Abends, als wir vor unserem Zett am Feuer liegen, sagt Sepp: „Weißt du, wollen wir heute nacht auf den Höhlenberg steigen und einmal gründlich die Kettengräber untersuchen, ich schwöre darauf, daß es dort allerhand Krüge, Speere, goldene Spangen und anderen nützlichen Kram gibt." „Und der Apfelreis, Sepp! Wir wollen doch heute Apfelreis machen. Außerdem hat uns ja der alte Mann neulich im Walde erzählt, daß es bloß Steinhaufen sind, die man vor fünfzig Jahren beim Aufforsten des Waldes aufgeschüttet hat." „Ach, Nicks, daß du auch diesem Idioten glaubst! Es ist wirklich ein trauriges Zeichen für dein« Altertumskenntnisse." „Und dann nachts, Sepp, warum gerade nachts?" „Weil man so etwas immer nachts tut." „Auch die Altertumsforscher, Sepp?" Sepp spuckt verächtlich aus: „Hast du Angst?" „Also gut, gehen wir. Nur, weißt du ... unser Zett ist schrecklich schwer zu finden, aber wenn uns zum Beispiel unser letztes Geld geklaut wird?" „Wir vergraben es unter der großen Eiche." „Unter der Eiche! Sepp, du bist wirklich naiv! Da suchen sie natürttch zuerst nach, dann nehme ich es lieber mit." „Und Rita?" „Du willst fie die ganze Nacht allein lassen, Sepp? Sie stirbt ja vor Angst!" So machen wir uns also alle drei auf den Weg. Ich stecke den Rest unseres Vermögens ein, Sepp einen Lichtstumpf und Streichhölzer, Rita ^huten wir an die Kette, damit sie uns nicht auf dem Berge verloren« 3°ht. Dann ziehen wir los. . Cs ist stockfinster. Dunkle Wolken verdecken die Sterne. Am Fuße Dohlenbergs, wo der Wald schwarz wie Tinte ist vor lauter Tannen £ Dichten, zündet Sepp das Licht an. Der Wind löscht es jeden Augen- k5 a“5- Wir stolpern über Wurzeln und Steine, Rita zerrt an der c P. v® 'ft ganz still geworden und bellt gar nicht mehr. Ich denke mit In an unser Zett und an den Apfelreis. Sepp hat auch immer 10 gottverlassene Ideen! fik-r „ Ä du noch, wie der Weg zu den Kettengräbern war? ienh ,, . m Höhlenberg gibt es so schrecklich viel Weg«! Ich wette tau« °rt nicht mal hin und klettert so schnell, daß ich mit Rita Tilgen kann. bauerns ren" doch nicht so, Sepp! Du hast es leicht. Rita verwickelt sich uetnb um meine Füße." Wir klettern einige hundert Meter schweigend über das Geröll. Ab und zu flucht Sepp, wenn er mit dem bloßen Fuß aus einen spitzen Stein tritt. „Siehst du etwas Weißes schimmern", sagte er, „das ist der Hauptweg, der zum Gasthof führt, hier ist neulich einer ermordet worden." Wir stolpern, klettern, kriechen auf allen Vieren. Kleine Steine rollen hell in die Tiefe. Wir geben uns die Hand, ziehen einander abwechselnd herauf. Plötzlich kneift mich Sepp in den Arnr: „Hast du gehört. Nickst „Ja", flüsterte ich, und hatte den Atem an. Wir rühren uns nicht und lauschen. Sttlle. „Sepp, weißt du, ich bin dafür, wir kehren um." Sepp aber lacht plötzlich ganz laut und dumm und schreit tntt dtttt! tiefen Stimme: „Hallo, wer da? Nichts rührt sich. „Also los!" sagt Sepp, „es ist sicher ein Waldhüter, der hinter di« Bäume getreten ist, um uns vorübergehen zu lassen. Er will sehens wer sich nachts in den Wäldern herumtreibt. „Wenn es nicht so verflucht dunkel wäre, Sepp! Wege« Rita, mtc ist es ja egal." „Komisch, daß sie nicht bellt" „Sie wird schon ihre Gründe haben, Sepp. Sie zittert an alle« Gliedern und will nicht wettergehen. Ritas wegen würde ich es für richtiger hatten, wir kehren um." „Und die Kettengräber, Nicks? Mit dir kann man auch nie etwas Anständiges unternehmen! Gib sie mir." „Nein, laß schon." Sepp schleicht voraus, ich folge mit Rita. Wir gehen an de« Säumen vorüber, hinter denen wir die Schritte hörten. Nichts rührt sich. „Vielleicht war es ein Reh?" sagt Sepp. „Ein Reh, Sepp, ich weiß, daß es teins war." Wie gehen weiter, die Ohren gespannt wie Fledermäuse. Links vom Wege schimmert eine große Fläche, eine Waldlichtung. Plötzlich, am Ende der Lichtung, knackende Zweige. Jemand läuft. Als wir stehen bleiben, bleibt der andere auch stehen. „Sepp, ist das vielleicht auch ein Reh?" „Ach was, hol ihn der Teufel! Es ist wohl ein dämlicher Förster Los, weiter!" „Daß wir unser Geld nicht unter der Eiche vergraben haben! Und nicht mal ein Messer haben wir mit. Wirklich, Sepp, ich kann doch nicht immer an alles denken!" Sepp aber hört gar nicht zu und rennt weiter, gerade auf die Lichtung. Ich mit Rita hinterher. Diesmal will sie wirklich nicht mehr weitergehen. „Sepp, ein Förster versteckt sich nicht hinter Bäumen! Und wenn der Kerl herauskommt?" „Dann springe ich ihm an die Kehle. Das sicherste ist, gleich die Kehle durchbeißen." „Das ist bei der Dunkelheit leichter gesagt, als getan, Sepp!“ Wir gehen ziemlich flott an den Bäumen vorüber. Plötzlich lacht Sepp ganz laut, ein so gräuliches Lachen, daß es mich falt überläuft; er ist verrückt geworden! So was passiert manchmal ganz plötzlich, ich habe davon gelesen. Kein Wunder ist es bei ihm, mit feinen verrückten Ideen. „Sepp, bitte, hör doch auf!" Aber Sepp lacht immer weiter, daß es schaurig und dumpf in den Bergen widerhallt. „Sepp, ich flehe dich an, so hör doch auf, was ist mit dir?“ „Man muß den Kerlen Angst einjagen, Nicks." „Du glaubst, sie haben schlechte Absichten?" Anstatt einer Antwort nimmt mich Sepp unter den Arm und macht Riesenschritte. „Wenn wir nach Hause kommen", sagt er mit der Stimme einer alten Kinderfrau, „machen mir Apfelreis." „Ach Sepp, der Apfelreis! Dir fällt so was auch immer im passendsten Moment ein." Plötzlich bleib Sepp mit einem Ruck stehen, daß ich fast umfalle. „Sepp, wieder?" „Hörst du nichts hinter uns flüstern?" „Ach Sepp, diese verdammten, elenden Kettengräber! Wären wir doch in unserem Zelt!" „Geh zur Seite, Nicks", sagt Sepp wütend, „mein Herz klopft so, daß ich nichts hören kann! — Verflucht, sie kommen uns nach! Wollen wir umkehren und den Kerlen entgegengehen?" „Und Rita? Wenn uns roa? passiert, bleibt sie allein, ganz allein auf der Welt! Du denkst nie an andere, Sepp, so einen Egoisten habe ich noch nie gesehen!" Osten füi Bewohne lösenden, Landung raschnng. Ismen, w mrdostsp^ imb klobi - riesige liefe Grä gotische le sie von u spitze Mir in den (re schen Pal Art das t sich im äu englischen oder einen Das ist eine glück gewaltige wie sie tat in dieser gedämpft daß pech Wlkerschas l'oitiger j)o Plötzlich pfeift es ganz widerlich in den Bäumen, und ein anderer Pfiff antwortet. Und dann ist es wieder so furchtbar still, dah ich Sepps Herz laut schlagen höre. Oder ist es Ritas? Da packt mich Sepp am Arm und rennt los, wie der Teufel. Wir laufen, laufen, laufen. Meine Hose rutscht, ich halte sie mit einer Hand fest, mit der anderen zerr« ich Rita hinter mir. Ich kann gar nicht hören, ob die Kerle uns noch auf den Fersen sind, so laut keucht der aflit einem Male fliegen wir alle drei auf etwas verflucht Hartes und Spitzes, und es schmerzt überall ganz scheußlich. „Sepp, was war das?" Sepp aber flucht nur. „Anstatt zu fluchen", sage ich, „könntest du lieber ein Streichholz anzündenl" ©epp kramt lange in der Tasche herum, stöhnt und macht endlich Licht: wir sind über einen großen Steinhaufen gefallen, und dahinter ist eine Chaussee. „Ich gratuliere dir! Ein neues Keltengrab, ©epp!" Sepp reibt stumm seine Knie. „Deinetwegen, ©epp, habe ich mir fast den Hals gebrochen, ich verliere über solche Kleinigkeiten kein Wort. Nur Rita tut mir leid, anstatt jetzt ruhig im Zelt zu schlafen... Hör, wie sie atmet, vielleicht behält sie von dieser Nacht einen Herzfehler fürs Leben." „Wer hat euch auch geplagt rnitzukornrnen, Nicks? Allein wäre ich bestimmt mit den Kerlen fertig geworden. Wenn du nicht so gerannt wärst...!" „Ich gerannt? Sepp! Weißt du, es kann einen tiefsinnig machen, wie du di« Sachen verdrehst!" „Na!" sagt Sepp, „ich will lieber nichts sagen!" Und er pfeift vor sich hin. Ich setze mich auf einen Stein und rauche eine Zigarette. Rita liegt mit hängender Zunge und atmet wie eine Lokomotive. Wir gehen schweigend die Chaussee zurück. Sepp pfeift vor sich hin. Ich auch. Als wir endlich ojif die Waldwiese vor unser Zelt kommen, sind die Sterne schon ganz blaß, es wird bald Morgen. Mit einem Male schreit der ©epp auf: „Du, hier ist jemand gewesen, auf dem Herd liegen glühende Kohlen!" „Sepp, ich fühlte es, darum wollte ich auch nicht auf den Berg." Wir binden Rita an einen Baum, damit sie uns nicht verrät, ©epp ergreift seine Keule. Wir schleichen zum Zelt, ©epp guckt hinein und prallt zurück. „Da liegen ja zwei Kerle!" „Sepp", flüstere ich, „das beste ist, man läßt sie erst gar nicht erwachen, man überrumpelt sie." „Man beißt ihnen die Kehle durch", sagt Sepp. In diesem Augenblick stürmt Rita mit wildem Gebell aufs Zelt zu. „Verflucht", zischt Sepp, „das Biest hat uns verraten!" Sepp stürzt mit Jndianergeheul und schwingender Keule ihr nach, ich ergreife einen Stein. Aber schon haben uns die Kerle bemerkt. Sie springen aus dem Zelt, und dann — stehen vier Menschen wie versteinert da. Endlich sagt Sepp: „Wo kommt ihr denn her?" Flaggy und Alex sehen uns entgeistert an, und Flaggy sagt, daß es eine Gemeinheit fei, anständige Menschen so zu erschrecken! Sie hätten heute nacht schon genug erlebt. Und sie erzählen, wie sie beschlossen hatten, uns zu überraschen und wie sie die ganze Nacht auf einem falschen Berge unsere Hütte gesucht haben und wie sie dabei um ein Haar, um ein Haar wiederholt Alex und rollt die Augen, im Wald ermordet worden sind, und wie nur ihre unbeschreibliche Klugheit und ihr Mut sie gerettet hat, und wie die Räuber, als sie ihr Pfeifen hörten, selbst schreckliche Angst gekriegt haben und wie die Teufel losgerannt sind. Und erst vor einer Stunde haben sie unser Zelt gefunden, und leer. ©epp sieht mich die ganze Zeit traurig an. Wir machen einen Riesentopf voll Apfelreis. Der Himmel ist ganz rosa. Flaggy und Alex können sich noch immer nicht beruhigen: „Nein, solch eine unsichere Gegend! Und daß ihr noch nicht ermordet seid!" „Um ein Haar", sagt Sepp und sieht mich an, „sind wir ums Geben gekommen, nicht wahr, Nicks?" Wozu ich nur mit dem Kopf nicken kann, denn ich habe den Mund voll Apfelreis. „Und deine Keltengräber?" sag« ich. „Wir gehen morgen nacht hin", erwidert ©epp. Eine halSvergeffene Oper. Non Max Brod. Die Pariser Große Oper spielt auch „Lohengrin", auch die „Walküre", und den „Rosenkavalier", will man aber ihre Wesenheit kennenlernen, so wählt man wohl mit Recht eine jener Opern, die ihren Stolz und ihre Tradition ausmachen. Ich wählte Gounods „Romeo und Julia". Der Theaterzettel zeigte an: 755. Aufführung. — Und bei uns ist dieses Werk aus den Repertoiren verschwunden! Mit Unrecht. Ich nehme das praktische Resultat vorweg: „Romeo und Julia" ist nicht besser, aber auch nicht schlechter als Gounods „Margarethe". Dieselben Fehler, dieselben Vorzüge. Alles bleibt so weit hinter dem Original (Goethe oder Shakespeare) zurück, daß man stellenweise an eine respektlose Verballhornung denken möchte und oft, sehr oft wütend wird. Aber dicht daneben gibt es wirklich empfundene Musik, glückliche Eingebung und eine nicht einmal süßliche, nur angenehm edle Melodik. O wie kompliziert sind Kunstfragen! Wie vorsichtig muh man mit Schlagworten wie „Routinier" ober „Himbeerlimonade" sein, die, auf Gounod angewendet, direkt zur „Routine" des Durchschnittskritikers geworden sind. Ich bin überzeugt, daß Gounod, weitab von aller Berechnung und Fadesse, die man ihm so gerne zuschreibt, im Innersten vor Musikbegeisterung erglühte. Sonst wären einige Stellen im „Faust" (die sich um den Mephisto zentrieren) und ganze Szenen im „Romeo" unmöglich entstanden. Aber freilich entstand bei all seiner Begeisterung meist ärgerlicher Kitsch! Wie mögen da die Fäden in diesem schöpferischen Geist geknüpft gewesen sein? — Seien wir zart und freundlich, schimpfen wir nicht! Er hat doch einige Melodiewendungen gesungen, die beglücken. Hier, in „Romeo und Julia", gibt es eine Art von Leitmotiv; da spürt man wahrhaftig etwas von dem Legendenton, von der alten Novelle rings um die beiden Verliebten. Denn die Beschwingtheit des Balles, die reizende Koloraturarie der Julia (einst so berühmt), die sanften und hinreißenden Liebesszenen mit vielerlei schöner Musik, eine Spottserenade von gutem Klang, vor allem aber einen Einfall, den man doch wohl als ganz genial bezeichnen muß; — der alte Mönch Lorenzo schildert die Wirkung des Giftes, bis Schlaftrunkes, ben er Julia reicht. Da bemächtigt sich eine seltsame Starrheit des Orchesters, traumhast marschariig wird der Rhythmus, das Lied klingt ernst und doch verlockend süß — es ist genau so, wie „Gift" wirken mag, man hat förmlich den Giftgeschmack auf der Zunge. Gewiß, auch das ist süßlich, wie alles bei Gounod. Aber mit geschärften Sinnen merkt man die Charakterisierungsnuaneen innerhalb dieser Süßlichkeit. Nicht „süße Liebe" wird jetzt gespielt — sondern „süßes Gift". Und das klingt doch auch wirklich ganz anders! Also Vorsicht mit den Verallgemeinerungen. Wer „süßlich" sagt, hat damit Gounods Liebe noch lange nicht erkannt. Man überhebe sich doch nicht so! — Und wie nun dasselbe Motiv beim Aufgehen des Vorhanges wieder erklingt als Orchesterzwischenspiel, während im grünen Mondlicht der Gruft Julia scheintot hochaufgebahrt daliegt, da spürt man wirklich für eine Weile den echten Geist Shakespeares (den man ja sonst allerdings lieber in Berlioz' „Romeo und Julia" suchen wird. Dieser Moment war, nebenbei bemerkt, so ziemlich der einzige während des ganzen Abends, in dem von Regie und Dekoration wenigstens ein Hauch romantischen Gefühls ausging. Welch eine miserable Aufführung! Auf einer ungeheuren Bühne, mit ungeheuren Mitteln (zu denen der herrlich frische Tenor dieses Romeo gehörte) wird die leere Konvention der alten großen Oper bargeboten. Unb, was ärger ist, unter Leitung eines Kapellmeisters, der von allen guten Genien verlassen, nichts als ein phantasieloser Taktschläger ist. Dabei das vorzügliche Orchester mit seinem seidenweichen, lichten, transparenten Holzbläserklang, der auf die besondere Bauart der französischen Instrumente zurückgeht. (Wie seltsam, daß solche Eigenheiten an nationalen Grenzen hallen und nicht Welteigentum werden.) — Wie oft dachte ich während des Abends an einen temperamentvollen schöpferischen Kapellmeister. Wie würde er die in dieser Oper latenten erotischen und chevaleresken Elemente entfesseln, Wahnsinn und Edelmut ihre Wege dahinschießen lassen! Ich glaube, daß „Romeo und Julia" zur Repertoire-Oper werben könnte. Nicht zuletzt beshalb schreibe ich diese Zeilen. Man sucht so krampfhaft Erfolgopern, deren Einstudierung sich lohnte. Hier sei die deutsche Opernbühne auf eine groß« Chance aufmerksam gemacht (der vielleicht nur die allerdings sehr wichtig« Kontrastfigur des Mephisto fehlt, um zu einem Standardwerk nach Art von Gounods „Margarethe" zu werden). Die Pariser Aufführung ist so traditionell, daß sie durch ihr Uebermaß von Veraltetsein schon wieder interessant wird. Wie können sich die Ritterrüstungen, die gebleichten Kulissen, die statt eines Festsaales eine morsch« Klebearbeit aus Papier bieten, der Satire eines so witzigen Volkes entziehen, wie es die Franzosen sind? Hat Daumier, hat Gavarni, Toulose- Lautrec nicht hier in Paris gelebt? Zu wiederholten Malen haben diese unb andere bas falsche Pathos ber Opernhelden höhnisch aufgezeichnet; aber der Pathos ist gesund und unerschüttert geblieben. Wenn Romeo Julias Grust betritt, vergißt er natürlich nicht, an der Schwelle mit edler Geste einen schwarzen Mantel von der Schulter zu werfen. Während ber ganzen Szene liegt der Mantel auf der Schwelle —, traumverloren wendet man den Blick nicht von ihm, und es ist einem, als erlebe man ganze Generationen von Liebesjünglingen, die alle mit derselben durch lieber« lieferung geweihten Gebärde ihre Mäntel abgestreift und auf diese 21 rt „Hast und Ueberraschung" gemimt haben. Unsterbliche Theatertradition, man könnte dich beinahe liebgewinnen! Und das ist das seltfarne Erlebnis des ganzen Abends. Man bekommt plötzlich eine Ahnung von französischer Kunstauffassung, die von ber mistigen so entfernt ist. Wie viel Gesellschaftliches, Festlich-Heiteres spielt da mit, bas für uns mit dem Begriff ber Kunst fast nichts zu tun hat. Mn einem Male ist einem auch das berüchtigte Ballett nicht so unverständlich, das traditionsgemäß im 4. Akte zur Hochzeit Julias antritt. Man erinnert sich der „Tannhäufer"-Katastrophe. Wagner hatte das für die Große Oper unumgängliche Ballett als Bacchanale in den ersten Akt verlegt. Welcher Verstoß gegen die guten Sitten! Es ist doch selbstverständlich, daß man 311 spät kommt, ben ersten Akt versäumt. (So war es auch diesmal bei „Romeo und Julia" — während des ganzen ersten Aktes klapperten die Sitzreihen, und niemand nahm Anstoß daran, ohne Aerger erhoben sich di« Dafitzenden, und kaltblütig verlangten die Zuspätkommenden, daß ganze Reihen aufstanden, die sie' von ihrem Sitz trennten; auch bas scheint zum geselligen Charakter bes französischen Theaters zu gehören.) Ballett bei ber Hochzeit Julias. Wie ausführlich! (Es dauerte W eine Dreiviertelstunde lang.) Und mit welcher Unverfrorenheit in dos Stück eingesetzt. Bei uns würde ein solches Ballett durch den Rahmen gleichsam „entschuldigt" werden. Die Hochzeitsgesellschaft würde auftreten, Platz nehmen unb zum Vergnügen ber auf ber Bühne sitzenben Herrschaften ginge bann bas „Pawlowa"-Getrippel los. Ganz anders in pans. Das Ballett hat sich völlig selbständig gemacht, und man begreift M, warum das Programmbuch nicht mit dem Titel „Große Oper sonder mit dem (wiederum durch alte Tradition geheiligten) Namen „Acadern national de musique et de dance" paradiert. — Der Tanz ist hier Seioi- zweck, ist alte Kultur, ist das Entzücken des gesamten Publikums, nn wiederholt durch Beifallsstürme unterbrochen, zu welchem Zweck die $ fik öfters auch im ©eptimenafforb innehält, ohne bie Auflösung aoz - warten. Oh, all bas ist anbers als bei uns — unb schon verstehe t® Menschen nicht, bie barüber klagen, daß bie Neuzeit alles nivelliert y - Es wirkt boch sogar schon eine Opernausführung in Paris so J mich, wie man sich nur etwa indische Dschungel vorstellen mag. ,. völlig andere Rangordnung der Werte, eine neue Gefühlsweise, in t» staunend einbringe ... ( w Der Vorhang geht auf. Keine ber Personen bes Dramas am Bühne. Nur bas Corps de ballet. Und schon tanzt alles los, die 3 | röckchei Und ir £<5 dun iinder« ellgeim damit brainat sich an Hebern in die ' fann n Belvegr jenen d Lorenzo ' Bühne dem Mi Holle gei chwinde ich, sich । Molkt« rin. Die hier mit fjofmant sondern nen mit w lind nußb Familien, Müschen ! palaffartig, toben St volle Met Suitier, n vnd Metal ler, der K aüerbings bestimmten mmgen ei °>e verfall ."Wichen doran, daß Eonnenfül stiiches ist wbensgefi Rhodos eiW in 7° „eine l ^ecuhmhei Wn, nat P°r einige, k'eberühn Hte, durc fu heben. I An in »itungsn, verlc, M^ung. »°bel, das fM hat der 5 fäfere M°hrhu, wnbkr fc in r- iie o- ie- m ial h25 ne th- jo, >er nit alb ern or- ou- ber der für ngs läh- lens lng! lerr- der ines hänfnem ibere olche wcr- aent- aten- Tdel- ulia" diese ? sich merk- isigur mods rmoh Utter« orsch« 5 ent« ulose- diese chnei; lomeo edler ii> der oenbet ganze lebet« se Art bition, kommt unfri« ett ba t. Mit mblich, innert e Oper Selcher e Sih- ich bie ganze it zum > wohl in bas lahmen ftreten, Hcrr- IBaris. ft jetzt, onbern ademie Selbst- 5, wirb je Mn^ , abzu- ich d>- ert hat; isch auf , Eine die ich röckchen des französischen Balletts, — kein Mensch fragt nach Verona. Und man spürt: jeder dieser Tanzschritte hat seine Geschichte. Hier wäre dämm, billige Ironie loszulassen, — es beutet nur eben alles auf ein nnberes Kunstempfinden als das unsere. Was hier volkstümlich ist und nttaemein verstanden und geliebt wird, erscheint uns als Mißbrauch. Aber damit ist nichts Wesentliches über Recht und Unrecht gesagt. Mitten jn dramatischen Vorgängen, in der Höchstspannung des Konflikts ergötzt man lick an der hochgehobenen Primadonna, an einem Ensemble mit zierlichem leberreichen von Blumensträußchen, an den Männern, die wie Nijinski m die Höhe springen und dabei mit den Füßen umeinanderwirbeln (sonst kann man nur an Fliegen, die sich die Beinchen putzen, eine ähnliche Bewegung sehen). Das Schönste aber ist folgendes: endlich treten die Personen des Dramas wieder auf, Capulet, Julia, Graf Paris, der Mönch goren3o — und ehe die Haupttänzerin am Arme des Hauptspringers die Bühne räumt (scheinbar widerwillig), macht sie vor seiner Hochwürden, dem Mönch, ein tiefes, ebenso kokettes wie respektvolles Kompliment. Ich hotte gedacht, die Tänzer würden unbemerkt und ein wenig schamhaft verschwinden. Aber nein, noch im Abgehen riskieren sie einen kühnen Ver- uch, sich mit der Haupthandlung in Verbindung zu setzen. Mit all ihrer dekolletierten Balletthaftigkeit komponieren sie sich ins tödlich ernste Stück ün. Die Verbeugung heißt gleichsam: Seht ihr, ich bin völlig legitim hier mit dabeigewesen, ich verstecke mich nicht... Die Stilmischung von hosmannsthals „Ariadne auf Naxos", hier aber nicht als A'.isnahmesall, sondern zum Tagesgebrauch. Rhodos, die Ritterburg Von Dr. Leonore Kühn. Sti, durch das griechische Inselmeer immer weiter nach Süden und Osien sährt, roo die klassische südliche Vegetation und der Typus von Bewohnern und Bauten sich immer mehr mit den Elementen des auf« lösenden, formloseren Ostens zu mischen beginnen, der erlebt bei der Landung in Rhodos aus der gleichnamigen Insel eine große lieber« raschung. Angesichts der kleinasiattschen Küste mit ihren unendlich ein« amen, wild und großartig aussteigenden Randgebirgen ragt dort, an der Rordostspitze der Insel plötzlich eine gotische Stadt mit ihren Zinnenmauern md klobigen Türmen gegen den klarblauen, sonnendurchblitzten Himmel -riesige Wälle, zum Teil in zwei- und dreifachem Ring, dunkle Torwege, tief6 Gräben, über den mächtigen Toren reich verzierte Wappen und gotische langgestreckte Gestalten unter kunstvollen Baldachinen, wie wir sie von unseren Kirchenportalen kennen. Und wenn nicht einige nadelspitze Minaretts mit umlaufender Galerie sich in das Bild mischten und in den freier gelegenen Vorstädten schneeweiße Häuser und Kuppeln zwischen Palmen und dunklen, blankblättrigen tropischen Gewächsen aller Art das typische Bild einer südlichen Landschaft gäben, so würde man sich im äußersten Westen oder Norden Europas glauben, etwa in einem englischen Castle oder einer der klassischen gotischen Städte Frankreichs oder einem deutschen, mittelalterlich romantischen Städtchen. Das ist Rhodos, die Stadt der Iohanniterritter und zugleich eine durch eine glückliche Abgeschiedenheit in ihrer Bauweise noch erhaltene, so Seroaltige und umfängliche gotische Festung, mit allem, was dazu gehört, wie sie tatsächlich in Europa an keiner Stelle mehr erhalten ist. Und daß in dieser Stadt sich ein buntes orientalisches Treiben entfaltet, wenn auch gedämpft und gemäßigt von westlicher neuer Zivilisation und alter Kultur, daß pechschwarz verschleierte Türkinnen und Mohammedanerinnen aller Völkerschaften, daß Männer mit Turban und Kaftan oder Griechen mit jaläger Hose, blauer Tuchweste und Schärpe hier einherwandeln, Bäuerinnen mit weißem Schleierkopftuch und schöngestickten Üeinenkleidern, Neger und nußbraune Kreter neben städtischen, italienischen und griechischen Samilien, — das macht dieses Bild noch seltsamer und farbiger. An dem gotischen Marktplatz, überragt von der Castellcmia, dem Rathaus vom palastartigem Gepräge, herrscht das Treiben eines Bazars; in den anstoßenden Straßen werden Stoffe aus Persien, Parfüme des Orients, kunstvolle Metallarbeiten und Lederarbeiten feilgehalten. Die Straßen der Sattler, wo die mächtigen hölzernen Maultiersättel mit buntem Leder und Metallbeschlag zierlich geschmückt werden, die Werkstätten der Tischer, der Kupferschmiede und anderer, in geordneter Reihe, erinnern uns allerdings daran, daß auch in Deutschland einst jedes Gewebes seinen bestimmten Sitz hatte und die jetzt sinnlos gewordenen Straßenbezeich- Mngen einst einen praktischen Hintergrund hatten. Aber ein Blick auf me verfallene, dämmerige Moschee, wo sich jetzt Händler mit köstlichen Eppichen in echt orientalischer Gelassenheit ausbreiten, erinnert wiederum wtan, daß wir hier vor der Pforte des Orients stehen und die blendende vonnenfülle und liebliche idyllische Heiterkeit dieses glücklichen Himmels- jtriches ist sehr fern von jedem nordischen oder auch nur europäischen Lebensgefühl. Rhodos hat schon im Altertum durch seinen herrlich gelegenen Athena- Miel in Lindos, durch blühende Kunstfertigkeit und Handel und durch ws .eine der „sieben Weltwunder" der Alten, den Koloß von Rhodos, «mhmheit erlangt — eine 34 Meter hohe Statue des Sonnengottes am Wn, nach deren Trümmern man neuerdings wieder forscht. Es wurde oor einiger Zeit von dem Plan eines deutschen Tiefseeforschers berichtet, k!!>, ™l}nite Kolosfalstatue, über deren Lage man bestimmte Vermutungen durch Photographie unter Wasser feststellen zu lassen und alsdann > heben. In den an solchem Plan doch jedenfalls interessierten Museums- »Jen ln Rhodos selbst war aber bis vor kurzem noch nichts außer den w.„,"Tbnotizen darüber bekannt, und wie von zuverlässiger Seite aus 6rma?et autet'. W die italienische Regierung auch über das Stadium von ffabc*ner solchen Aktion noch nicht herausgekommen. Die antike Itanh'f. Koloß breitbeinig über dem Hafeneingang von Rhodos bafc k,. Uv ohnehin nicht aufrechterhalten lassen. Aber auch die Version, IfäWins Meer gestürzt sei, ist zweifelhaft, da vielmehr eine 7. djridjt besagt, die auf Land gefallenen Erztrümmer seien im t 71rt ""ch Christus auf 900 Kamellasten von einem arabischen 6ler forttransportiert worden. Rhodos hat feine Blütezeit aber von Anfang des 14. bis zum Anfang des 16. Jahrhunderts erlebt, unter den Johanniterrittern, den Rhobifer- rittern, welche durch zwei Jahrhunderte hindurch dort ein Bollwerk des Christentums gegen den Islam bildeten. 1310 waren sie von Cypern vertrieben worden, nachdem die Zeit der Kreuzzüge diesen geistlichen Orden, auch mit praktischen Zielen — Krankenpflegeorganisationen und andere Vereinigungen tragen noch heute ihren Namen — in Palästina hatte entstehen lassen. 1522 mußten sie die Stadt der Türkenherrschaft — auf lange Jahre hindurch bis in die Neuzeit — übergeben, und wichen selbst 1527 nach Malta, wo eine zweite glänzende Periode ihrer Herrschaft sich entfaltete. Die Stadt Rhodos erhielt ihr heutiges Gepräge von diesen geistlichen, ritterlichen Herrschern; überall sieht man das zackige Johanniterkreuz, überall sind die Namen der Großmeister — aus allen Nationen — verewigt. Denn in einer übernationalen Idee hatten sich hier die Engländer, die Franzosen, die Spanier, die Italiener, die Niederländer zusammengefunden; jede hatte ihre „Herberge", jede hatte ein Stück der Mauern zu verteidigen und zu betreuen — so etwa die klobige, gedrungene „Porta d’Emery d’Amboise", von zwei riesigen Rundtürmen flankiert, die „italienische Bastion", die „spanische Bastion" usw. Ganz besonders schön ist die ebenfalls von zwei mächtigen, mit gewaltiger Zinnenkrone geschmückte Porta Marina, die von einem der Haupthäfen in das Gewimmel der inneren Stadt führt, oder die schön geschwungene Porta St. Katarina, die durch weiträumige Plätze, von schönstem Zinnenkranz noch umgeben, in die neuere, von den Italienern seit ihrer offiziellen Besitzergreifung (1924) erbaute Vorstadt führt. Bereits 1912 war Rhodos durch sie besetzt worden — für die wesentlich griechische Bevölkerung der Insel, die unter der Türkenherrschaft eine Art kulturelle Autonomie besaß, eine große Schicksalswende. Doch ist die Insel aus echt orientalischer Verwahrlosung ohne Zweifel jetzt durch italienischen Unternehmungsgeist zu neuem Aufschwung gebracht. Neben den ernsten gotischen Palästen und mächtigen mittelalterlichen Befestigungen, neben den zierlichen Moscheen und malerischen Friedhöfen der Türkenzeit steht nun am östlichen Hafen — Rhodos hat jetzt noch zwei Haupthäfen — ein schmuckes, schneeweißes neues Viertel von umgrünten Villen und recht schön auf den sonstigen orientalisch-gotischen Stil abgestimmten Regierungsbauten, Schmuck- und Nutzbauten. Ein südlicherer Bruder des venezianischen Dogenpalastes, mit Spitzbogen-Portikus auf untersetzten Pfeilern ist jetzt am lachend blauen Oft-Mittelmeer dort erstanden; eine zierliche Kirche für die Bedürfnisse der neu hinzu- gekommenen römisch-katholischen Bevölkerung, Klubhaus und Gartenanlagen, wo sich beim Korso mit Musik die ausfallend schönen Frauen von Rhodos auch blicken lassen, geben dem Stadtbild ein neues, heiteres Gepräge; an dem nahen Badestrand ist aber ein Riesenhotel entstanden, das schon von ferne dem Ankommenden entgegenleuchtet. So macht sich, auch durch die tadellosen Landstraßen der Insel, neue Regsamkeit überall geltend. Das Museum, im einstigen großen Hospital der Rhodiserrttter eingerichtet, zeigt heute eine herrliche Sammlung der von aKerältefter bis zu neuester Zeit reichenden Kunstschätze, — die Majolikateller von Lindos, der älteren Schwesterstadt von Rhodos, wie auch die einheimischen Stickereien sind ja ein hochgeschätztes Objekt der Sammlungen aller Länder. Aber hinter dem neuesten Rhodos Italiens, hinter dem türkischen Rhodos der Moscheen und Friedhöfe und bunten Brunnen und dem gotischen Rhodos der Ritterzeit, ja hinter dem klassischen Rhodos der Antike, das erst 408 v. Ehr. erstand und durch seine Bildhauerkünste (Laokoongruppe) wie seine Rednerschule berühmt war, liegt noch jene unermeßliche Strecke frühhistorischer und prähistorischer Kultur der Insel, bezeugt durch köstliche Gefäße und interessante Reste von Grab- und Kultstätten. Die Insel Rhodos, reich an landschaftlicher Schönheit, von nahen Nachbarreichen, wie Kreta, befruchtet in ihrer Kultur und an der Schwelle zum Orient gelegen, hat zu allen Zeiten die Völker angezogen und reiche Anregungen in eigenartiger Weise verarbeitet. Die Verbindung von West und Ost macht noch heute den hochromantischen Reiz des wunderschönen Stückchens Erde aus. Oie schwarze Spinne. Erzählung von Jeremias Gotthelf. (Fortsetzung.) Den Jammer jenes jungen Weibes, welches das Kind gebären sollte, wer will ihn ermessen? Im ganzen Hause tönte er wieder, ergriff nach und nach alle Glieder des Hauses, und Rat wußte niemand, wohl aber, daß dem, mit dem man sich eingelassen, nicht zu trauen sei. Je näher die verhängnisvolle Stunde kam, um so näher drängte das arme Weibchen sich zu Gott, umklammerte nicht mit den Armen allein, sondern mit dem Leibe und der Seele und aus ganzem Gemüte die heilige Mutter, bittend um Schutz um ihres gebenebeiten Sohnes willen. Und ihr ward immer klarer, daß im Leben und Sterben in jeder Not der größte Trost bei Gott sei, denn wo der fei, da dürfe der Böse nicht fein und hätte keine Macht. Immer deutlicher trat der Glaube vor dessen Seele, daß, wenn ein Priester des Herrn mit dem Allerheiligsten, dem heiligen Leibe des Erlösers, bei der Geburt zugegen wäre, und bewaffnet mit kräftigen Bann- sprüchen, so dürfte kein böser Geist sich nahen, und alsobald könnte der Priester das neugeborene Kind mit dem Sakramente der Taufe versehen, was die damalige Sitte erlaubte; bann wäre bas arme Kinb der Gefahr für immer entrissen, welche bie Vermessenheit ber Väter über ihns gebracht. Dieser Glaube stieg auch bei den anberen auf, unb der Jammer des jungen Weibes ging ihnen zu Herzen, aber sie scheuten sich, dem Priester ihre Pacht mit bem Satan zu bekennen, unb niemanb war seither zur Beichte gegangen, und niemand hatte ihm Rede gestanden. Es war ein gar frommer Mann, selbst die Ritter des Schlosses trieben keinen Kurzweil mit ihm, er aber sagte ihnen bie Wahrheit. Wenn einmal bie Sach» getan fei, so könne er sie nicht mehr hinbern, hatten bie Bauern gedacht; aber jetzt war doch niemand gerne ber erste, ber es ihm sagte, bas Gewissen sagte ihnen wohl, warum. Endlich drang einem Weibe der Jammer zu Kerzen: es lief hin und offenbarte dem Priester den Handel und des armen Weibes Wunsch. Gewaltig entsetzte sich der fromme Mann, aber mit leeren Worten verlor er die Zeit nicht, kühn trat er für eine arme Seele in den Kampf mit dem gewaltigen Widersacher. Er war einer von denen, die den härtesten Kampf nicht scheuen, weil sie gekrönt werden wollen mit der Krone des ewigen Lebens, und weil sie wohl wissen, es werde keiner gekrönet, er kämpfe denn recht. Ums Haus, in welchem das Weib ihrer Stunde harrte, zog er den heiligen Bann mit geweihtem Wasser, den böse Geister nicht überschreiten dürfen, segnete die Schwelle ein, die ganze Stube, und ruhig gebar das Weib, und ungestört taufte der Priester das Kind. Ruhig blieb es auch draußen, am klaren Himmel flimmerten die hellen Sterne, leise Lüfte spielten in den Bäumen. Ein wiehernd Gelächter wollten die einen gehört haben von ferne her; die anderen aber meinten, es seien nur die Käuzlein gewesen an des Waldes Saum. Alle, die da waren, aber freuten sich höchlich, und alle Angst war verschwunden, auf immer, wie sie meinten; hatten sie den Grünen einmal angeführt, so konnten sie es immer tun mit dem gleichen Mittel. Ein großes Mahl ward zugerichtet, weither wurden die Gäste entboten. Umsonst mahnte der Priester des Herrn von Schmaus und Jubel ab, mahnte, zu zagen und zu beten, denn noch sei der Feind nicht besiegt, Gott nicht gesühnt. Es sei ihm int Geiste, als dürfe er ihnen keine Buße zur Sühnung auferlegen, als nahe sich eine Buße gewaltig und schwer aus Gottes selbsteigener Hand. Aber sie hörten ihn nicht, wollten ihn befriedigen mit Speise und Trank. Er aber ging betrübt weg, bat für die, welche nicht wüßten, was sie täten, und rüstete sich, mit Beten und Fasten zu kämpfen als ein getreuer Hirt für die anvertraute Herde. Mitten unter den Jubilierenden ist auch Christine gesessen, aber sonderbar stille mit glühenden Wangen, düstern Augen, seltsam sah man es zucken in ihrem Gesichte. Christine war bei der Geburt zugegen gewesen als erfahrene Wehmutter, war bei der plötzlichen Taufe zu Gevatter gestanden mit frechem Herzen, ohne Furcht, aber wie der Priester das Wasser sprengte über das Kind und es taufte in den drei höchsten Namen, da war es ihr, als drücke man ihr plötzlich ein feurig Eisen auf die Stelle, wo sie des Grünen Kuß empfangen. In jähem Schrecken war sie zusammengezuckt, das Kind fast zur Erde gefallen, und seither hatte der Schmerz nicht abgenommen, sondern ward glühender von Stunde zu Stunde. Anfangs war sie stille gesessen, hatte den Schmerz erdrückt und heimlich die schweren Gedanken gewälzet in ihrer erwachten Seele, aber immer häufiger fuhr sie mit der Hand nach dem brennenden Fleck, auf dem ihr eine giftige Wespe zu sitzen schien, die ihr einen glühenden Stachel bohre bis ins Mark hinein. Als keine Wespe zu verjagen war, die Stiche immer heißer wurden, die Gedanken immer schrecklicher, da begann Christine ihre Wange zu zeigen, zu fragen, was darauf zu sehen sei, und immer von neuem frug Christine, aber niemand sah etwas, und bald mochte niemand mehr mit dem Spähen auf den Wangen die Lust sich verkürzen. Endlich konnte sie noch ein alt Weib erbitten; eben krähte der Hahn, der Morgen graute, da sah die Alte auf Christines Wangen einen fast unsichtbaren Fleck. Es sei nichts, sagte die, das werde schon vergehen, und ging weiter. Und Christine wollte sich trösten, es sei nichts und werde bald vergehen; aber die Pein nahm nicht ab, und unmerklich wuchs der kleine Punkt, und alle sahen ihn und fragen sie: was es da Schwarzes gebe in ihrem Gesichte? Sie dachten nichts Besonderes, aber die Reden fuhren ihr wie Stiche ins Herz, weckten die schweren Gedanken wieder auf, und immer und immer mußte sie denken, daß auf den gleichen Fleck der Grüne sie geküßt, und daß die gleiche Glut, die damals wie ein Blitz durch ihr Gebein gefahren, jetzt bleibend in demselben brenne und zehre. So wich der Schlaf von ihr, das Essen schmeckte ihr wie Feuerbrand, unstät lief sie hiehin, dorthin, suchte Trost und fand keinen, denn der Schmerz wuchs immer noch, und der schwarze Punkt ward größer und schwärzer, einzelne dunkle Streifen liefen von ihm aus, und nach dem Munde hin schien sich aus dem runden Flecke ein Höcker zu pflanzen. So litt und lies Christine manchen langen Tag und manche lange Nacht und hatte keinem Menschen die Angst ihres Herzens geosfenbaret, und was sie vom Grünen auf diese Stelle erhalten; aber wenn sie gewußt hätte, auf welche Weise sie dieser Pein los werden könnte, sie hätte alles im Himmel und auf Erden geopfert. Sie war von Natur ein vermeßen Weid, jetzt aber erwildet in wütendem Schmerze. Da geschah es, daß wiederum ein Weib ein Kind erwartete. Diesmal war die Angst nicht groß, die Leute wohlgemut; sobald sie zu rechter Zeit für den Priester sorgten, meinten sie des Grünen spotten zu können. Nur Christine war es nicht so. Je näher der Tag der Geburt kam, desto schrecklicher ward der Brand auf ihrer Wange, desto mächtiger dehnte der schwarze Punkt sich aus, deutliche Punkte streckte er von sich aus, kurze Haare trieb er empor, glänzende Punkte und Streifen erschienen auf seinem Rücken, und zum Kopse ward der Höcker, und glänzend und giftig blitzte es aus demselben wie aus zwei Augen hervor. Laut auf schrien alle, wenn sie die giftige Kreuzspinne sahen auf Christines Gesicht, und voll Angst und Grauen flohen sie, wenn sie sahen, wie sie fest saß im Gesichte und aus demselben herausgewachsen. Allerlei redeten die Leute, der eine riet dies, der andere ein anderes, aber alle mochten Christine gönnen, was es auch fein mochte, und alle wichen ihr aus und flohen sie, wo es nur möglich war. Je mehr die Leute flohen, desto mehr trieb es Christine ihnen nach, sie fuhr von Haus zu Haus; sie fühlte wohl: der Teufel mahne sie an das verheißene Kind, und um das Opfer den Leuten einzureden mit unumwundenen Worten, fuhr sie ihnen nach in Höllenangst. Aber das kümmerte die anderen wenig; was Christine peinigte, tat ihnen nicht weh, was sie litt, hatte, nach ihrer Meinung, sie verschuldet, und wenn sie ihr nicht mehr entrinnen konnten; so sagten sie zu ihr: ,Da siehe du zu! Keiner hat ein Kind verheißen, darum gibt auch keiner eins.' Mit wütender Rede setzte sie dem eigenen Manne zu. Dieser floh wie die anderen, und wenn er nicht Zahkl : 0r. Hans Thyriot. - Druck und Verlag: Brühl'sche Univerfitäts-Buch. und Steindruckerei, R. Lange, Siehe"- einmal hat, dem macht er es so. Drinnen im Hause aber, da jubelten sie und freuten sich und hörten lange nicht, wie bas Vieh brüllte und tobte im Stalle. Endlich fuhren sie doch auf, man ging nachzusehen, schreckensblaß tarnen die wieder, die gegangen waren, und brachten die Kunde, die schönste Kuh liege tot, die übrigen tobten und wüteten, wie sie es nie gesehen. sei es nicht richtig, etwas Absonderliches walte da. Da verstummte der Jubel, alles tief nach dem Vieh, dessen Gebrüll erscholl über Bekund Tal, aber keiner hatte Rat. Gegen den Zauber versuchte mal weltliche und geistliche Künste, aber alle umsonst; ehe noch der Ta- graute, hatte der Tod bas sämtliche Vieh im Stalle gestreckt. Wie e- aber hier stumm wurde, so begann es hier zu brüllen und dort - brüllen; die da waren, hörten wie in ihre Ställe die Not gebrochen, wehlich bas Vieh seine Meister zu Hilfe rief in seiner grausen Angst. Als ob bie Flamme aus ihrem Dache schlüge, eilten sie t)M aber Hilfe brachten sie keine; hier wie bort streckte ber Tod bas Bich Wehgeschrei von Menschen unb Tieren erfüllte Berge unb Täler, und die Sonne, welche bas Tal so fröhlich verlassen, sah in entsetzliche« Jammer hinein. Als die Sonne schien, sahen endlich die Mensche«, wie es in den Ställen, in denen bas Vieh gefallen war, wimmle von zahllosen schwarzen Spinnen. Diese krochen über bas Vieh, das W' ter, unb was sie berührten, war vergiftet, und was lebendig war, begann zu toben, ward bald vam Tode gestreckt. Von diesen Spinnen konM man keinen Stall, in dein sie waren, säubern, es war, als wuM sie aus dem Boden herauf; konnte keinen Stall, in dem sie noch nH waren, vor ihnen behüten, unversehens krochen sie aus allen WimukN, fielen haufenweise von der Diele. Man trieb das Vieh auf die Weiem man trieb es nur dem Tode in den Rachen. Denn wie eine Kuh«« eine Weibe ben Fuß fetzte, so begann es lebenbig zu werben Boben, schwarze langbeinige Spinnen sproßten auf, schreckliche 21P' blumen, krochen auf am Vieh, unb ein fürchterlich wehlich Geschrei erm von ben Bergen nieber zu Tale. Und alle diese Spinnen sahen , Spinne auf Christines Gesicht ähnlich wie ' * 60 ff" eUrnkrl teil j'er nur oieie ©Pinnen mv- . : ^»nzuzi Kinber ber Mutier, $ Sie sind (FortsetzungM'^AkBon ‘"Wen, U ®s, heißt PMimine saßen der. setzte IW ’9en dem bei 5> ®r°Se Le i S"9 «im fiT ,cner ?°'lswahrhei k"Wcrn „ ilnd am ( ^Eckerma ff göttliche Nannten j« N°ben,viei Welt