GietzenerLamilienblätter Nummer 95 grausamer saß er mit Als aber die Eidgenossen der lungen Republik die Rechnung für diese Winterkur präsentierten, schien sie den Herren in Paris zu hoch, die an den sunf Milliarden für Deutschland genug Auslagen hatten; sie fragten oviel in den Häu- nderspielzeug oder Unterhaltungsbeilage zum Gießener Anzeiger Jahrgang 1930 Montag, den l. Dezember anntp gab beiden das glänzende Fell ihrer guten Taae äurürf, und bald gebrauchte der Drogist schon wieder Tinte und Bavier für seine heimliche Leidenschaft. Aus dem mörderischen Mitrailleuien- ^"nsounvermttelt an den Ort gekommen zu RouLäü se'in Briefe aus den Bergen chrieb, das gab seinen Erlebnissen einen Sckim- ©ebi^ÄT er.^ wollüstig 'hingab,- und wenn e/äAmr brers2rpot^eferJlt^,te waren, daran er sich von den -Strapazen seines Winterfeldzuges erholte, die glorreichen Waffen klirrten darin als nÄW™ Dons Orleans Zum andernmal Frankreich zu retten käme °benbs, wenn der Doktor noch einen Gang ins Wirtshaus machte mieöer mit der Uniform in seiner Kammer, weil ihn die des^Dokta^ säh.^'" l^lanken schnüren als in dem schlottrigen Kamisol Derartig hatte sich das Wohlsein dieses Nanzigers sacht abgesondert von dem Schicksal der Ostarmee; doch was der Doktor von den übrigen ^°rte und erzählte, war nicht viel anders, als daß mancher sich einen Durchschlupf in die Behaglichkeiten des bürgerlichen Daseins suchte au« mTn'n,” Baterland zuliebe IN diese unnützen Kriegsumstände gekom- men war. Bevor die Auslosung nach drei Monaten begann, waren viele bei Gelegenheit verschwunden; und wie sich bei der Grenze beim lieber- ntt die haushohen Waffenhaufen in den Schnee gebaut hatten zwecklos ur diesen und verrostet für einen zukünftigen Krieg, so blieb auch nachher von der Feldausrüstung der Ostarmee allmählich soviel in den Häu- ern zuruch daß die Reste noch für Jahrzehnte als Kinderspielzeuq oder onst zur Verwendung reichten, wie man dem Jura danach einen Reichtum an schonen Pferden nachsagen wollte. LPLZSLLZSZW WMWWZ LMLSWHMM band die Deckel berSalbSferoo0 unb mischte, Tüten mit kunstgerechter Fättelung ‘ ^^"ren em und schloß die Serfiopfung I« d-m SMSSW- Ä Sä“; Ä pr hpn cXmfit6 **;-£.£ . f über [eine äRänntichfeif onrenfe neuem an die Pillen und Salben Zg'° öen Xlf$' bevor er von geflanben 1,1m, iN-r S-7 ", b™, Är^^'V,0'? "77 SS& Sä' L S'S?“1 E anderen Morgen sorgte der Doktor nach Kräften gab Milck als ob es doch nur die H, Advent des Bauern. Von Josef Martin Bauer. Der Pflug hat Ruhe. Und die Pferde scharren. Weil jetzt int Tagwerk vor dem trägen Schlitten Der Knecht sie nimmer schweißig matt geritten Die Kettenringe schleifen an den Barren. Wie Glocken tönt im Haus das Kettenklirren. Der Mutter Spinnrad summt. Die Kinder beten. Der Bauer hört im Klingelton ein Treten Wik Kinderfüße, die auf Steinen frieren. Der Bauer weiß. Geht über schwanke Bretten, Wankt mit dem Licht auf seinen Roggenboden,' $ur Hand ein Stück von winterwarmem Loden, Drin soll zur Nacht ein irres Kind sich betten. Da liegt der Roggen grau in hoher Schütte. Der Bauer muldet ihn wie eine Wiege, Damit das Kleine weich darinnen liege Im Bett von Roggen in der Bauernhütte. Die Tür zum Roggenspeicher schließt sich wieder. Verstummt ist vor dem Haus das scheue Treten. Das Spinnrad summt. Und still zum Kinderbeten Kniet sich der Bauer an der Vorbank nieder. Er weiß: er hat den Himmel eingefangen, Er sieht im Roggen morgen seine Grüße: Die zarten Tapfen winzig kleiner Füße, Wo in der Nacht das Christkind schlafen gangen. Der Schimmel der Ostarmee. Eine Anekdote von Wilhelm Schäfer. Als nach der Schlacht bei Pontarlier die Ostarmee des Generals Bour- Boden übertreten mußte, war die Kriegsarbeit der ^ wchsnung leichter getan als das Menschenwerk nachher; denn der s ™U.ber ferneres ins Traverser Tal hinunterführt, liegt an bte taufend Meter uberm Meer, ist unwirtlich und zu spärlich bewohnt WDtf>pn(C Tfupp-r u^kunfl zu bieten. Auch geht es bei Soldaten, die wochenlang im eisigen Winter verzweifelt kämpften — meist ohne Nah- rung — und endlich die letzten Waffen des Vaterlandes von sich warfen, Qm J1!1 Manöver zu; es war ein meilenlanges Ungeheuer von Hunger, Rachsucht und Ermattung, das sich damals über den Jura schob und nicht immer gutwillig in achtzigtausend Menschenleben auflöste davon ein^edes sein Teil Fürsorge verlangte, so daß die Gastfreundschaft um Gottes willen an tausend Türen klopfte. Einer von den achtzigtausend war ein Trompeter auf einem Schimmel m ei,nem Trupp Berittener noch in der Dunkelheit durch die steile -woldschlucht von St. Sulpiee bis nach Motiers im Traverser Tal hinunter mutzte, ein schmächtiges Kerlchen von achtzehn Jahren, das noch zuletzt Zur Fahne gekommen und aus Ranzig zu Hause war, wo es bei einem -vrogisten lernte, aber heimlich Gedichte machte. Er ritt das edle Tier «qt Jett dem Morgen, weil ihm sein Gaul an einer tückischen Gistante 8?>lurzt unb nicht mehr aufgekommen war; ihm selber hatte ber Sturz oie tottrn aufgezogen, so baß er mit einem blutig verwickelten Kopf wte em Turko aussah. Sonst war er heil burch bie eisige Rot biefer ~age gekommen und saß noch immer auf dem feurigen Tier, als ob un endlich bie braufenben Attacken und Siegesfanfaren seiner Träume lörrien. Es war aber nur eine ausgefahrene Landstraße im dick verschneiten ^raverser Tal, auf der sie schrittweise und ohne Waffen gewaltsam in den üneben hineingeleitet würben, bis sich bie Häuser von Motiers schwarz uus ser monblichen Dämmerung hoben unb bei Laternenlicht bie Abtei- ng für bie einzelnen Hürben kam. Den Ranziger traf es mit einigen i>nsn£10 ..""^ren bei bem Doktor, ber zur Not Stallung für ihre Pferde «no Darüber einen warmen Heuboden hatte, wo sie die schlimmste Er- Lrio 110 __au5to*afen konnten, indessen die Kameraden von der Jnsan- ftiiSo3U Tausenden, bei Schnee und Frost in engen Kreisen mit den Ben Segen bie Wachtfeuer verpackt, bie letzte Kriegsnacht erlebten. nach den Gastgeschenken, und mit dem warmen Frühjahr erschienen auch im Traverser Tal die Kommissionen, den in Verlust geratenen Sachen nachzuspüren. Nicht überall zur Freude der Befragten, zum wenigsten des Doktors in Motiers, denn mit dem Ranziger hatte sich auch der Schimmel an die Krippe gewöhnt, die reichlicher gefüllt wurde als in der Gegend um Pontarlier, und es war weniger um den Reiter als um das Roh gewesen, daß er die beiden dabehielt. Nun hörte er sie überall die Ställe abforschen, und weil er sich das Tier mit den Strapazen jener Februartage ehrlich verdient zu haben glaubte und sthließ- lich ein Traverser war, nahm er den Schimmel am Abend bei der Halfter und führte ihn die breiten Treppen vorsorglich hinauf in eine Kammer, die der Gehilfe reichlich mit Stroh gepolstert und mit der ihm eigenen Findigkeit für die Gewohnheiten eines solchen Gastes hergerichtet hatte. Es war eine milde Maiennacht, als das geschah; und da die nächtliche Beschäftigung dem Nanziger eine längst gesuchte Gelegenheit gab, seine Annäherung an die Nichte zu vollenden, war das geschädigte Frankreich nicht seine Sorge. Am Morgen, da die Soldaten der Kommission in Motiers einritten und das Getrappel vieler Pferde noch einmal an den grausamen Drang der Februartage erinnerte — nur, dah nun schop Blumen aus den Gräbern von damals blühten — hielt sich der Ranziger vorsichtig hinter den Scheiben der Apotheke versteckt. Er muhte Salben und Tränke mischen, da nicht alles bei den Pferden, die sie mitführten oder bei sich hatten, in Ordnung war; so brachte er den Vormittag in Verborgenheit hin, indessen draußen das Frankreich seiner Gedichte die Reste heimsuchte. Als sie dann mittags abgefüttert hatten und sich im Schatten von der Frühlingshitze und dem Neuenburger ausruhten, war es wohl nötig, daß der Kommandant das Signal zum Sammeln blasen lieh, die Schläfer aufzuwecken; doch keiner konnte ahnen, was für ein merkwürdiges Ereignis das in dem Haus des Doktors auslösen würde. Der saß eben erst mit dem Gehilfen und der verblaßten Nichte bei einer verhotzelten Bratwurst, als sich der Trompeter unweit des Fensters an dem kleinen Marktplatz aufpflanzte; aus feiner schon aufatmenden Besorgnis um den Schimmel spöttelte er noch, ob es nicht besser für den Ranziger wäre, die vaterländifche Retourgelegenheit wahrzunehmen, und hörte gerade einen flammenden Wortschwall an, dah «in Franzose die ganze Welt als Vaterland besäße, weil Frankreich das Mutterland der Bildung und des Fortschritts wäre, so daß jeder einzelne im Ausland einen Vorposten der Menschheit vorstelle. Da schmetterte draußen der erste Trompetenton in den sonnigen Frühlingsmittag; und wenn schon das Hornsignal die Rede dämpfte, so gab der Schimmel auf dem Dachboden augenblicklich die Posaune des Gerichts dazu. Die Soldaten draußen konnten nicht unterscheiden, woher das Roß so feurig die Antwort wieherte, und dah ein Schimmel da oben in die Dachkammer gesperrt war, der in seinem kuriosen Stall die Hufe der anderen Pferde, die Kommandorufe und das Geklirr der Säbel in der Dunkelheit geschlossener Fensterläden anhören mußte; der Doktor aber stellte wetternd sein Glas auf den Tisch und ließ die weinerliche Richte mit dem Ranziger allein, der für einen Tag der Reiter dieses stolzen Tieres gewesen war und sich in allen Müdigkeiten beiseite getan hatte, während die Kreatur beim ersten Sammelruf des Vaterlandes die Antwort wieherte. Trotz manchem gestörten Mittagsschlaf formierte sich die Kolonne rasch; als sie fertig dastand, die Gäule aneinander gekoppelt und die Wagen bepackt, ließ der Kommandant noch einmal blasen. Diesmal aber mußten es alle hören, wie das Gewieher dazu nicht aus den Reihen ihrer Pferde, sondern hoch aus den Lüften kam. Und während sie noch suchend die Köpfe hoben, als ob es in dem dunstblauen Maihimmel geflügelte Rosse gäbe, wurde auch schon im Giebel des Doktorhauses einer von den schwarzoerwetterten Schlagläden aufgestoßen, daß er halb aus dem Riegel sprang und schief hinunterhing; hinterher aber drängte, weiß schimmernd im Sonnenlicht, ein Pserdekopf, der noch einmal in die Luft hinein wieherte, als ob er sich selber zur Stelle melden wollte — da es sonst niemand tat — und dann den eingeengten Hals so unwillig schüttelte, daß der hölzerne Laden die Angel völlig ausdrehte und krachend an der Wand herunterfuhr. Die meisten im Uebermut dieses sonnigen Frühlingstages wollten lachen; ein graubärtiger Kapitän aber, der bei Pontarlier ins Bein geschossen und nur durch die Schnelligkeit feines Pferdes noch durch- gekommen war, hob die zitternde Hand ans Käppi; als ob er eine wiedereroberte Fahne des Vaterlandes zu begrüßen hätte, so überwältigte ihn die Treue dieser Kreatur, die von den Schlachtfeldern Frankreichs auf eine Dachkammer im Traverser Tal geraten war und sich selber wieder dienstfertig meldete. Da half es nichts, daß der Doktor ihnen räsonierend aus der Haustür entgegentrat und einen Nachtrag zu feiner Rechnung präsentieren wollte; zu zweien am Zügel brachten sie den Schimmel herunter über die Treppen, und unten nahm das Tier, von den beiden Soldaten feierlich geleitet, die Parade über die entflammten Franzosen ab, indessen der Trompeter wahre Kaskaden von Schlachtsignalen und Siegesfanfaren blies, und auch die Schweizer sich gutwillig mit in die Front stellten. Den Drogisten aus Ranzig hatte keiner bemerkt, auch der Doktor fand ihn nicht, als er fast fchlagflussig vor Zorn den Reiter mit einem Fußtritt dem Roß nachbefördern wollte. Als aber die Kolonne nach dieser seltsamen Parade aus dem Ort wegritt, der Bagage wegen im Schritt, und an das Wäldchen kam, das damals noch an die Straße von Fleu- rier mit einem Zipfel reichte, stand da zum anbernmal ein Trompeter in den Zwickeln und Schnüren der zerknitterten Kriegsuniform, todblaß von feiner peinlichen Flucht, und schmetterte Signale, wie wenn es für die Ostarmee an diesem Nachmittag endlich den ehrenvollen Rückzug gäbe, den sie damals im verschneiten Februar nicht mehr gefunden hatte. Oer Zufall in der Weltgeschichte. Bon Dr. Max Kemmerich, München. Die furchtbaren Erdbebenkatastrophen der letzten Jahre in Japan, die nach dem Urteile vieler den angeblich unvermeidlichen Krieg zwischen dem Jnselreiche und den Bereinigten Staaten weit hinausschieben, da sie Japans Macht lahmlegten, lenkten den Blick auf die Rolle des sogenannten Zufalls in der Weltgeschichte. Es ist sicherlich nicht ohne Reiz, einmal zu prüfen, welche unvermutete Wendung bisweilen durch ein äußeres Ereignis der Geschichte eines Landes gegeben wurde. Und zwar denken mir hier nicht etwa an die Person des Staatsmannes oder Schlachtenlenkers, die ein plötzlicher Tod, Verwundung oder schwere Krantheit ausschaltete, sondern ausschließlich an Naturkatastrophen: Erdbeben, Stürme, Sandstürme, Wolkenbrüche und ähnliches. Ja, ein tüchtiger Landregen kann sogar den Geschicken der Welt eine andere Wendung geben. In die Antike blickend, finden wir wiederholt Berichte von terrestrischen und kosmischen Ereignissen, die den Gang der Geschichte entscheidend beeinflußten. So foll die angeblich von Thales für den 28. Mai 585 v. CH. vorausberechnete Sonnenfinsternis der Schlacht zwischen Medern und Persern ein Ende bereitet haben. Dje Folge war ein Friedensschluh nach fünfjährigem Streite. Von ungleich größerer histo- ri cher Bedeutung waren die gewaltigen Sandstürme, die die Heere Persiens in der Lydischen Wüste begruben. Dadurch wurde ein weiteres Vordringen der Perser nach dem Westen verhindert. Aehnlich erging es viele, viele Jahrhunderte später den Russen, deren Siegeszug in der Bucharei die Wüstenstürme ein unüberwindbares Hindernis bereiteten. Welthistorische Bedeutung haben wir ganz unzweifelhaft dem Sturm beizumessen, der die von Chublai-Chan gegen Japan entsandte Flotte vernichtete. Es war zur Zeit der gewaltigen Eroberungen der Mongolen, die als wahre Geisel der Menschheit ihre blut- und beutegierigen Hände über die ganze damalige Erde ausftreetten. Von Karakorum in der Mongolei aus hatten sie die ungeheuren Ländermassen von China bis Polen sich untertan gemacht. Bis Liegnitz waren ihre alles sengenden Truppen, deren Weg Brandstätten und Schädelberge bezeichneten, nach dem Westen vorgedrungen. Persien und Aegypten hatten sie erobert, in Mesopotamien durch Zerstörung der Jahrtausende alten Dammbauten und Kanäle das fruchtbarste Land der Erde in eine Wüstenei verwandelt/Roch bis zum heutigen Tage konnte sich das Zweistromland nicht von dieser Katastrophe erholen. Doch nicht gesättigt durch die Eroberung Asiens und großer Teile Europas streckte die Beutegier des Reitervolks seinen Arm noch über das Meer. Bon Korea aus sollte Japan erobert werden. So tarn denn der Admiral Chublai-Chan (1260 bis 1294) mit einer ungeheuren Flotte von 3000 bis 4000 Seglern an die Küste von Kiusiu. Das Land der Kirschenblüte schien verloren. Da zerstörte ein Taifun die Flotte und rettete Japan und seine uralte Kultur (1281). Damit war die Stoßkraft der Mongolen nach Sudosten endgültig gebrochen. Das Weltreich, das Dfchingis-Chan nact, feinem Tode (1227) feinen Nachfolgern, die es noch um China und Tibet vermehrt hatten, hinterlassen hatte, löste sich auf. Ein Taifun hatte die Menschheit von ihrem furchtbarsten Feinde befreit. Betrachten wir anschließend einen Seesturm von gleicher welthistorischer Bedeutung! Philipp II. von Spanien, in dessen Reich bekanntlich die Sonne nicht unterging, hatte lange mit der Königin Elisab eih von England verhandelt zu keinem anderen Zwecke, als um sie in Sicherheit zu wiegen und Zeit zu gewinnen. Endlich brach er ungeachtet des Entgegenkommens der großen Fürstin die Beziehungen ab. Hatte er doch die Eroberung Englands beschlossen aus Rache für die Hinrichtung der M a r i a S tu a r t und um Erbansprüche zu machen. Der Papst hatte finanzielle Hilfe zugesagt. Philipps heimlich ausgerüstete Armada von 130 großen Kriegsschiffen, bemannt mit 30 000 der besten Seeleute und Soldaten, schien die Weltherrschaft in sicherer Aussicht. Dazu (amen noch 30 000 Mann an der Küste der spanischen Niederlande, die die Operationen zur See unterstützen sollten. Elisabeth, die zu spät erkannte, daß Philipp sie nur hatte Hinhalten wollen, rüstete fieberhaft. Aber die Aussichten auf Erfolg waren gering, zumal im Falle einer spanischen Landung mit einem Aufstand der einheimischen Katholiken zu rechnen war. Nur auf die kleine Flotte von 34 Kriegsschiffen, ergänzt durch zahlreiche kleine Fahrzeuge, war Verlaß. Die Armada unter dem Befehle des Herzogs Medina Sidon," war allerdings infolge zahlreicher Angriffe unter peinlicher Vermeidung einer entscheidenden Schlacht sehr geschwächt nach Calais gekommen. Hier ließ der Seeheld Drake einige Brander mit solchem Erfolg gegen die Spanier los, daß der Herzog aus Furcht, die ganze Flotte konnte in Flammen aufgehen, die Ankertaue durchschneiden ließ, um die offene See zu gewinnen. Nun fetzte ein Südweststurm ein, der die Schiffe den Kanal hinunter trieb. Sie stießen zusammen, wurden auf die Klippe" und Sandbänke des Ufers geworfen und ftcuerlos nach Schottland, Norwegen, Irland verschlagen. So ward die mächtige Flotte vernichtet, bis auf 50 Fahrzeuge, die mit 1000 Mann Besatzung in die Heimol zurückkehrten. Selbst die heimkehrenden Schiffe waren zu sehr, beschädigt um wieder seetüchtig gemacht werden zu können. Die Engländer ober hatten auch nicht ein einziges Schiff verloren! Dieser Schiffbruch der Armada 1588 war zugleich ein Zusammenbruch der Macht Spaniens. Nie wieder vermochte sich das Land von diesem „Blasen Gottes, wie es Elisabeth nannte, zu erholen. Die Weltherrschaft war erschüttert, das Rad der Geschichte rollte um eine Speiche weiter nach Osten. Nicht vergleichbar der welthistorischen Bedeutung dieser beide" Stürme, aber immerhin beachtenswert ist die Rolle, die harte Winter in der Geschichte spielten. König Karl X. von Schweden hatte m" der Gefahr einer polnisch-österreichisch-holländisch-dänisch-russisch-brandenburgischen Koalition 1657 gegen sein durch den dreißigjährigen Kries übermächtig gewordenes Land gerechnet. Da kam ihm der Winter 3 Hilfe und ermöglichte ihm im Februar 1658 den gefrorenen kleinen nn großen Belt zu überschreiten. So konnte er Fünen und Seeland erouer Japan, wischen da sie ;enann- iz, ein- iutzeres denken iachten- antheit dbeben, ächtiger endung terres- fte ent- ür den ht zwi- var ein r histo- re Per- veiteres ging es in der reiteten. Sturm ntsandte zen der > beute» i Karaffen von re alles bezeich- itten sie e alten Wüstenei romland irch die gier des 15 sollte in (1260 stern an iren. Da e^ uralte Züdosten ; n nach ad Tibet ;atte die oelthisto- m Reich Königin Zwecke, ich brach ieziehun- tache für machen, gerüstete >r besten cht. Dazu mde, die stnhalten t gering, der ein» otte von >ar Per- idonia -meidung kommen, lg gegen e könnte ie offene hiffe den Klippe" chottland, ernichtet Heimat efchädigt, der aber irud) der Spaniens, es", wie tert, da- beiden > Winter satte mit branden' en Krieg sinter 3“ inen und i erobern Danziger Brief. Oer Schlund. Roman von Alfred Bock. (Fortfetzung.) Die Reumüllerin schob den Kopf vor. Ihre Blicke durchbohrten den Lehrer. ... »Ehnder man eins mit Haut und Haar verroppt, soll man's zweimal Horen. Haben Sie schon mit der Kampmann gesprochen?" „Noch nicht", antwortete der Lehrer. „Es besteht aber kein Zweifel, daß sie allein die Schuldige ist!" Die Neumüllerin schlug eine Lache auf. „Und der Bankert ist unschuldig wie ein neugeboren Kind. Gelle? Kommen Sie mir doch net mit den faulen Fisch!'Meine Sag ist: Der Apfel fällt net weit vom Stamm. Wann's gilt, ein Frauenzimmer zu bedrecken, da seid ihr Mannleut gleich bei der Hand. Sie haben's net für nötig gehalten, alleweil werd ich die Kampmann fragen." Der Lehrer zuckte die Achseln. „Das bleibt Ihnen unbenommen, Frau Schüttler. Wie ich gesagt habe morgen am Tag hat sie das Dorf zu verlassen. Es ist eine barmherzige Schwester aus Bochum da. Die nimmt sie mit." Bon Wilhelm B o e ck. *.„2>e«ei*t^lC, Jine5 künstlerisch geschlossenen Stadtbildes tritt uns bei den ersten Schritten die vom Wall ins Innere von Danzig führen, i vas man im uvvaaemn überrnfrfwn'h^r 1 ^ur<$ ci» i.cheint sich das Schöne in I tung untersteht. Es will überraschender Fülle erhalten zu haben. Wie in dem Hause der Urgroß- ' ™ ■ ... eitern, die man nie gekannt hat, fühlt man sich in dieser Stadt aufgenommen. Eine familiäre Stadt! Wer noch gleich Chodowiecki an den Haufern der Heiliggeistgasse entlang suchen könnte nach dem Haus, das die Freuden der Kindheit umschließt! Doch genug der Beischlagromantik, » s I'ch hlnZugeben spater immer noch Zeit sein wird. Vorläufig will ich te^18$bobotl’t?ri!gen. «u bem ästigen . auch in nüchterner Gegenwart ihre Geschäfte im Hanse des Glanzes MLWWWWAW WMWS8W AUGtzUWMM mll len en«lä»s”n .1 3E £ ‘ft |l* «In »-IH--M-» ®oWs ««blld-l »al. Mir will |ey, Sä ää'.r1 ä? 2 „„ »„ s„wlfe. »=me&Ä“Ä 7 N- äs ;°ch dem König 5riebri6 9BU9be m IV1 A 'hrem unberührten Erbe ein so reizendes Museum zu stiften! Wie felbfb ber Sc nölte rung erworben ba te^ e fa aftrSarTn ^nra/n bTat3 unb h/ute wie erwählt, daß man die holländischen ext, mnn »xrr rata^rophalen Folgen sind bekannt. I Kachelofen und venezianischen Kristalleuchter. die enalischen Berliner persönlich glaube im Gegentesi ännbk°lßabOrheit3be3U$ibretmorf3e5rf?9fnpt Uffb ®-l$enef Porzellane, bie seidengestickten Porträts und Duellpistolen ist geordnet nach Maß 9Zabl und Grolls m P^elwortes Alles alle m ihrer kulturvoll abgestimmten Umgebung vom Ende des 18. Jahr- Wandel" Darum lebne Gesetze sind ohne I Hunderts mit Blumen, Schmetterlingstapeten und Stukkaturen, die selbst Zufall ab Die ßufrfuX ?er°bc auf Grund historischer Studien den I im Backraum nicht fehlen, betrachten darf. Der Festspeisesaal' dehnt sich A ks gegeben' ih^l? erkennen ü6er Hermann wohlig durch die ganze Breite der drei Fensterachftn! I In den oberen Schlafräumen kann man bann allerhand Praktisches I bemerken: einen durchaus neuzeitlichen Krankentisch, einen Toilettentisch, I der in ein Lesepult verwandelt werden kann und dergleichen. Schwer 1 sofvut man sich beim Herabsteigen auf steilen Treppen von dem in bie Diele uberhangenben Teestübchen, einem allerliebsten gläsernen Vogel- bauer. Man muß nun wohl daran denken, ins Museum zu gehen, an bas man im Uphagenhaus gemahnt wird, weil es der gleichen Verwal- • Einern nicht ganz gemütlich scheinen, nach alledem ein JJtufeum aufzusuchen, das sich obendrein in einem alten Kloster angesiedelt hat. Die Beklemmung weicht auch noch nicht, solange man an den antiken Gipsen vorbeipassiert, die sich im Kreuzgang' seit am genug ausnehmen. Erst der Helle mittelalterliche Saal mit den' barlachi- fajen Holzfiguren eines Paul genannten Meisters nach 1500 löst die Befangenheit und fesselt jeden Sinn. Gepackt geht man im ersten Stock von einem kunstgewerblichen Raum zum andern, an Danziger und Elbmger Möbeln entlang, um Fayencen und Porzellane herum, bleibt vor dem Fensterschrank mit deutschen Gläsern und einer signierten Emailbose Chodowieckis unb schließlich bei ben warmleuchtenben Bernsteinarbeiten stehen. Sie finb zum Teil mit Elfenbeinschnitzereien belegt; bie Erzeug- ntffe bes Nordens und Südens haben sich harmonisch zusammengefunden. Doch ich vergesse der Silberschmiedearbeiten zu erwähnen, unter denen Zunftabzeichen der Kahnführer unb besonbers eine zauberhafte Signalpfeife vom Anfang bes 16. Jahrhunberts hervorragen. Die feine Mu- feumstultur, bie hier geschickt Provinzielles zwischen den anerkannten Schätzen zu verbergen weiß, hat im Obergeschoß alte Gemälde (Pieter be Hooch, Gerhard Sou!) mit umsichtig ausgewählten modernen Bildern, Plastiken und Plaketten sowie beachtlicher Graphik in würdigen und anmutigen Sälen vereinigt. Ich beginne zu fürchten, daß ich euch langweile, indem ich euch den Mund wässerig mache nach Dingen, die ihr doch nicht schmecken könnt. Darum will ich auch nicht mehr von bem Spaziergang an der Mottlau von den abwechslungsreichen Toren, deren jedes eine selige Ueberraschung ist- von dem Prachtbau des oielgiebeligen Zeughauses erzählen. Nur um eines muß ich euch noch bitten, den unbeschwerlichen Anstieg auf den Hagelsberg mit mir zu machen, wo man eine unvergleichliche Aussicht auf Stadt und Weichsel hat. Man fühlt sich zu stummer Dankbarkeit veranlaßt, wenn man die Abendsonne den kräftigen Kirchtürmen bren» nenbe Farbe entlocken sieht, ober bemerkt, wie ben grauschwarzen Wolken hier unb da ein Strählchen entfällt und sich in die ruhende Landschaft gleich ihn die dem Duck- Haus Verhör. Die Kampmann blickte frei auf. „Ich, Mutter Schöttler!' „Und schämst dich net, so was zu sagen? , Nein, Mutter Schüttler, ich schäme mich nich. Ich hatte sehr lieb." „Aber er hat dir was zugemut? „Nein, Mutter Schüttler, er hat nur nichts zugemutet. „Am End hast du ihn verleit'?" Die Kampmann senkte den Kopf. „Ich hatte ihn sehr lieb." Die Neumüllerin kochte vor Wut. guter Mensch!" , ... m .. Die Augen der Neumüllerin rollten wild. Sie erhob die Arme. Packte die Kampmann und schleuderte sie mit voller Wucht gegen den Kleider- '^£115 Mädchen schrie, als steckte ihm ein Messer am Hals. Richtete sich in die Höhe. Ging, die Kiefern zusammengepreßt, mit gekrümmten Fingern auf die Gegnerin los und krallte sich an ihr fest. Sie rangen miteinander. Zuerst schien die Kampmann der Neumüllerin gewachsen. Da gelang's dieser, sich frei zu machen. Sie gab der Kampmann einen Schlag auf den Kopf, daß sie rücklings zu Boden schlug und das Blut ihr aus Mund und Nase schoß. Wie unsinnig tobte die Neumüllerin. „Mit Schimpf und Schänd stiegst du aus dem Haus. Morn früh kommt eine Schwester aus Bochum. Die nimmt dich mit. Und ich werd dir den Laufpaß schreiben!" So wütete die Neumüllerin und stürzte fort. Reglos blieb die Kampmann liegen. Sie spurte einen dumpfen Schmerz im Hinterkopf. „, ,, . . k , Nach ein paar Minuten erhob sie sich. So schwindlig war ihr, daß sie vermeinte, umzusinken. . Sie tauchte ein Handtuch in ihre Waschschüssel und wischte das Blut Dann setzte sie sich auf ihr Bett. So wahr sie lebte, sie wurde sich Taqüber hielt sie sich in ihrer Kammer. Das wenige, was sie besaß raffte sie in ein Bündel zusammen. „Du bist ein Irrwisch, hatte Karl Weckler zu ihr gesagt. „Du mußt etwas lernen, muht etwas werden! Wäre er bei ihr geblieben, sie hätte die Kraft zur Arbeit gefunden. Er hätte was Brauchbares aus ihr gemacht. Nun er fort war, nun er sie verlassen hatte, war ihr alles Wurst. Zum erstenmal hatte fie einen Menschen wirklich lieb gehabt. Sie hatte keine Hoffnung mehr, glücklich Verantwortlich: Dr. Hans Thtzriot. — Druck und Verlag: Brühl'sche Llniversitäts-Vuch- und Steindruckerei. R. Lange, Sieben. „Du mußt aufs Hauklotz, Eckewischernl Bei mir hast du mäusern gespielt, hast mir zu Gefallen geschwatzt. Und außer machst du dich schwarz. Hätt ich eine Ahnung gehabt daß du so ver- ruchlost bist, ich hätt dich, weiß Gott, net ausstaffiert. Was du anhatt st, waren Lumpen. Wie ein Dreckkäfer bist du hier angeruckt. Mit meinen Händ hab ich dich gesäubert. Und hab dich herausgefuttert, als warst du mein Kind. Ich könnt mit bätschen, daß ich so einfältig war! Sie haben viel an mir getan, Mutter Schüttler, fagte die Kampmann demütig, „dafür werd ich Ihnen immer dankbar sein. „Stank für Dank!" geiferte die Neumüllerin weiter. „Daß du mir den Tort antatst und dich an den verfluchten Bankert hingst, dadruber spuck ich dich weih von oben bis unten!" Das Gesicht der Kampmann überzog eine dunkle Rote. „Dah Sie Karl verklaffen, verbitt ich mir. Das lassen Sie man! Warum ist er denn auf der Welt? Weil Sie Ihren Mann unglücklich gemacht haben. Nich? Kennen Sie Karl? Sie kennen ihn mch. Er ist em feiner, guter Mensch!" , „Sag das noch emal, du freche Krott! , „Hundertmal sag ich's, denn ich hab ihn lieb. Er ist em feiner, „Wann ich's net verkondermandier!" rief die Neumüllerin rot vor Zorn und schritt hochaufgerichtet hinaus. — Die Helene Kampmann strich um die Schmiede herum, in der Hoffnung, den Wecklerskarl zu sehen und zu sprechen. Sie Iurie und lurte, er ließ sich nicht blicken. Just ging die Minna Nolte vorüber, die beim Bürgermeister untergebracht war, und rief mit spöttisch geschwungenen Lippen: „Da kannst du lang kucken. Dein Schätzten ist weg. Er geht ins Feld. Ich weih es vom Bürgermeister!" v , Die Kampmann, bleich wie der Tod, griff mit beiden Händen auf den Scheitel: „0 Gott, o Gott, o Gott!" . ... „Dumme Göhre, tu man nich so!" sauste die Hattrngerin sie an. «Ms ob's nich genug nette Jungen gäbe. Such dir man einen andern! Die Kampmann, ohne ein Wort zu erwidern, rannte nach Haus. Warf sich in ihrer Kammer aufs Bett und vergrub, laut jammernd, den Kopf in die Kissen. , . ,, So fand die Neumüllerin Ihre Pflegebefohleiw. „Was ist dann mit dir?" fragte sie in einem Ton, der zwischen Mitgefühl und plötzlich erwachtem Mißtrauen schwankte. Die Kampmann warf den Kopf herum. „Er ist fort. Mutier Schüttler!" „Wer ist fort!" „Karl Weckler. Mein Karl!" „ „Mach dir das Maul net feberig, grün Ding! „Ich hatte ihn schrecklich lieb, Mutter Schütller. So lieb wie niemand sonst auf der Welt!" „Enaus aus dem Bett!" befahl die Neumullerin. .. „ Die Kampmann gehorchte. Ihr Gesicht war von Tranen überströmt. Die Arme hingen ihr schlaff am Leib herunter. Wer hat die Schätzerei angefangen? begann die Neumullerin ihr zu werden. Und setzt wieder in das graue Elend nach Bochum, in die Spelunke mit den feuchten Wänden, darin die Mutier wie eine Schlange zischte. Tag für Tag sich die Nase begoß? Nie und nimmermehr. Lieber betteln gehn. Die Welt war groß. Irgendwo würde sie Unterschlupf finden. Die Nacht sank herab. Rabenschwarz. Die Windsbraut fuhr durch die Bäume im Garten. Aeste krachten. Bon fern klang es Juhu, Juhu! Geiselplatzen und Hundegebell. Ein gottesmärterlich Lärmen und Schreien. Die Helene Kampmann stand in Schweiß gebadet. Sie fürchtete sich nicht. Ein Dieb mochte sich fürchten. Sie war keine Diebin. Aber rächen würde sie sich. Sie öffnete die Kammertür und horchte auf den Flur hinaus. Nichts regte sich. Sie zündete eine Kerze an und schlich auf den Zehen in die gute Stube, wo der Weibzeugschrank der Neumüllerin stand. Wenn nur der Schlüssel oben lag. Sie tastete über die bestaubte Fläche. Richtig, da war er! Sie schloß auf. Warf Leinengebild, Bettzeug, Hemden und Handtücher heraus. Hinten in einer Ecke, das wußte sie, hatte die Neumüllerin ihr Geld versteckt. Fünfzig- und Hundertmarkscheine in dicken Päckchen. Die langte die Helene hervor, trug sie in den Aschenkasten und setzte sie in Brand. Roigelbe Flämmchen schossen empor, duckten sich in weißem Rauch, züngelten wieder in die Höhe. Es war ein luftiges Feuerchen, das gierig die vielen Bankscheine fraß. Die Helene Kampmann, den Kopf aus dem Nacken gereckt, sah mit gespannter Aufmerksamkeit zu, bis das letzte Fünklein verglommen war. Auf den Zehen schlich sie in ihre Kammer zurück, warf ihr Bündel über den Rücken und verließ bei Nacht und Nebel das Haus. 9. Am Himmel trieb graues Gewölk. Ein Regenschauer löste den andern ab. Der Bach war über die Ufer getreten, schäumte am Wehr in weißem Gischt. Das Tal glich einem weißen See, auf dem die Nebel gefpenfter« hast wogten. Der Ohrlitz, der früh auf dem Posten war, sah in den klatschenden Regen hinaus. Die Wege waren durchweicht und verschlammt. Dessenungeachtet begab sich der Alte, einen mächtigen Schirm aufspannend, in den Garten, den Schaden zu besehen, den der Sturm in der Nacht angerichtet. Die Obstbäume hatten gelitten. Der Lattenzaun, den Holler, der Schreiner, vor wenigen Tagen erst ausgebessert hatte, war zertrümmert. , Die Neumüllern", sprach der Ohrlitz zu sich, „wird bös gramaufen, daß sie das Geld für die Reparaturkosten unnütz ausgeben hat! Sackvoll nahm sle's ein, das Ausgeben war ihr nicht geläufig. Noch stand fie steif im Beutel. Es konnte auch anders kommen. Der alte Gendarm, dessen Gewissen schwarze Flecken hatte, war verabschiedet worden, der neue war höllisch hinter den Mühlen her. Letzt hatte er den Sand- hannes abgefaht, wie der mit vollbeladenem Spitzbubenwägelchen aus der Neumühle kam. Eine Anzeige war zu erwarten. Die Neumullem machte sich nichts braus. Oder tat sie bloß so! Es brauchte nur einer hier gründlich hereinzuleuchten, schwapp! nahm man sie beim Kragen. -Oie Frau hatte eine Unruhe in sich, nicht zu beschreiben. Und quälte ihre Umgebung damit, es war, um aus der Haut zu fahren. Gestern bet dem Hundewetter hatte sie den Ohrlitz in die Stadt geschickt. Zu ihrem Geschäftsfreund, dem Falk. Der lieh nichts von sich Horen. Es ging etwas vor. Was, wußte der Ohrlitz nicht. Der Agent war nach Butzbach gefahren, kehrte erst am Abend zurück. Er war stockheiser, hatte eine Stimme wie der älteste Rabe im Vogelsberg. Seit Wochen, entschuldigte er sich, stehe er auf dem Sprung, den Weg zur Frau Schüttler zu machen. Jedesmal sei ihm etwas dazwischen gekommen. Sein Geschäft, behauptete er. werde immer größer, leider auch immer verlustbringender. Erst diesen Nachmittag sei ihm zur Gewißheit geworden, daß er wieder eine Forderung in den Schornstein schreiben müsse. Erzschwindler Hatten ihm Speck'auf die Falle gelegt, und er sei hineingegangen. Der Agent gab dem Alten einen Brief an die Neumüllerin mit. Die hielt aus den Falk große Stücke. Er war ihr bei ihren Händeln behilflich. Fett schwamm oben, und wenn's vom Hund kam. Ueberlegte man’s, was hatte die Neumüllerin von ihrem Rewach? Sie machte sich das Leben schwer, gönnte sich nichts und guckte drein, daß die Milch zusammenlief. Die dicken Bauern zankten sich, wer von ihnen der größte Spitzbub war. Ein bißchen Schmu machte jetzt jeder. Das lag in der Zeit. Die Neumullerin aber trieb es zu bunt. Die alte Geschichte: wenn eine Weibsperson im Teufel seinem Abc A sagte, buchstabierte sie durch dick und dünn weiter. Aus dem Halbdunkel des Flurs trat die Neumüllerin unter das Treppendächelchen und rief den Ohrlitz zu sich. „Wann bist du helmkommen?" „Um elf", antwortete der Alte bitter. „Mir tun noch alle Rippen weh!" Er wies auf den zerstörten Gartenzaun. „Der Holler hat wieder schlechte Arbeit gemacht", kollerte die Neumüllerin. „Der Herlenbock taugt zu nix als zum Schaskeln." Der Ohrlitz zuckte die Achseln. „Der Sturm will feinen Willen haben. Dadegegen kommt kein Men- schenwerk auf!" Er erstattete Bericht über seinen Gang zum Falk und übergab der Herrin den Brief des Agenten. Sie nahm ihn mit einer raschen Bewegung in Empfang und zog sich in ihre Stube zurück. (Fortsetzung folgt.)