wieder '.kehrt Dord- ändler. heolog« ; Stra- nundct, äßt sich kgischen Amtes ■ dieser t bricht -chwere rd mit- rnhaus ei dem n Ben icn des nichts zu den Mischen Irbeiien en Den en. Als ermann enhönd- >te und hr acht- ■ Hälfte ses Se« iu ver» tcimpfe, rte Sc- Säufer rößeren n Blatt oerkäuf- Cr sitzt lente in gen, bis ne noch t er die großen , der zu i Maler Meisters langsam Motive »elacroix „(Säer* müdem e leben- chwung, ngierige igen ab, ei, seine i ziehen äße, die n haben üngeren hm nun Zünftler- er alle „Mann i, da sie Verdäch- Vinceni an der di« Z» benschest acht. Oft :, in der glaubte nstrophe Zeit zu- i Toge- lkenhaiis -renhaus rde, um malen, ad bren- e zeige" ittte f«’ ;e leben, chen e" • Erden- > hinter- ner ein- Gieß«- Kummer 59 IBenn die hohen Gommerwiesen Von Bernd I s e m a n n. * Wenn die hohen Sommerwiesen so in weißen Blüten stehn, und die stillen Schatten-Riesen Hügel auf und nieder wehn, iEit du meine Heimat schauen, ihver Bache Erlenrethn, und der Tannen ernste Brauen durch den goldnen Abendschein. Wo ich gern als Kind gesessen, ,3tDei ®,rfen schlank und hell. Sollst von unferm Brote essen, nnt nur trinken aus dem Quell. Rote Hängenelken säumen dir das lustige Fensterbrett, ik SrnÄ f0T. verträumen in Großmutters Himmelbett. AA i"* Schatten sollst du liegen, §eldstrauß m der Hand, J M an den Liebsten schmiegen, blinzelnd in das weite Land. Das Schicksal lächelt. Botsthaft"° W* CrfÜItt ”°n ber ^Wartung über die Wirkung der frohen GaZerd'°wärmend.' M‘en Brenneisen auf dem Run sollst ?u hören rief er mit vor Erregung heiserer Stimme Ä nf^ rUnten3 Ne sie im gleichgültigen Ton. C' ten st-rt- VCrfU^te er e'nzuwenden, aber sie fuhr unangefoch- MKMWZG M ää .“ÄsSSStQ®« I * ir-utiefte, „,:'sle tarn™?««, S,t““‘“n ™ -LZWL-WU-M«- M-W-L-E-LfU's e, S L'S,o"'L ab«ebt"*'». »l- "-M- 611mm« rn.«, und MLÄMAMDM KehsmKmiljendMer Unterhaltungsbeilage zum Gießener Anzeiger MrgaagM» _ ~ Von Tage Heft. (Autorisierte Ueberseßung von W. L. A n d r e s e n i ÄmTÄX'Ä d-n R-nd $"Ä$.SS« L ben einem Lächeln der Vo rfreudeDaun ackoA r?^ öas unrasierte Kinn mit zwei Morgenbittere: Portwein und 2lnaoSnm Um^tanbe 3»r Sache: Zeremoniell, geübt in aablreirhen r?' 3as *2.ar roic ein eiliges s-tzte das Glas von sich »eß An« Muskelschwere klatschte wieder mit dem SiertruabnrM3 t .^onbank klingen und Aufgebot eines reichlichen % roJcbcr unter LLdLLiS""' “f6,1 Sl* »° -m- WZ-xKL-rMLSW -W-Zs-sZMM;-! M.-sMÄ-MWLL- konnte. 3 ' ö 9 n3 besonders zu Zornesausbrüchen Anlaß geben »erschwindel sth^n'au^f lern'Weqe^mm^Babnbot' zusammen S^7oL" ® ® unerwartet ' * aus dem Gleichgewicht. Das war nicht nicht kontrolliert wurdeunb u toe,tJem Verdienst dann gung seiner aebeimA .®t,b beiseitelegen konnte zur Befriedi- Echuhmacher^Frandlens Gel^mn' ®Ln b°F Leben erträglich machte, mit Wechennln Karten^ MaMou Sp^(' ni$l in Verbindung grünen TifrhJn » - en' Roulette ober dem Klang des Goldes auf Futter feiner g® rT mit Cmcm ^otterielos. Aber dieses Los, das im bes 6* effnf« schch e m9' ro?r etn Talisman, der unter allen Launen M|en,Ys 5fe n <-ufrechterhielt. Der bedeutete die Ermöglichung olles, fit fflpls^U,tn^r\CkI\3u bekommen! viel Geld, das war kleinen John (BefunhLit^' bie Dm innewohnende Macht, dem Süden kommen SA"' Konnte der kleine John nur nach ber Trunk unhTc . v°hen Berge, wo die Luft wie ein kräftigen- Wt gesund werden^ wor' so würde er !^nen Märchens bedeMeAb^mIbst wurde es das Wiedererleben eines junger Bur icke 1' bre legenden wiederzusehen, durch die er als !°d°ß ein muntrer^™ „I^b ««* «***"» flerjen und frohem Sinn, ^-wänden wi^rhallte btr quellen konnte, der zwischen den derber Nel^Mnigen L^kla7a ®U* Me °>-e der Laut ging in die Berge, hinein in die le ck^n Tln man hm«uf- oben. Er erinnerte fick an nlfp« nJ$’en Asisch"chien. Es war schön da Hoch oben im Schn ? tumme te'n^L 17 „?5rt und gesehe'7hatt7 von der Sonne. Einige^üoTibnen'Ä nt>er' nactenb- ab« braun großen Städten gekommen bleidf mTeinnofmir n>eni?«n Monaten von krüppelten Gliedern, ebenso'wie i^'r ffein» Rnhn “ SBan9en unb ver- märchen. Damals hatte er wöbl nicki m roar ein Sonnen- später viele Male, nachd-m 7^r kleine vachgedacht, aber wurde auch froh werden !Bnr (S h Li r 9lt?m?Kn war... Und sie auch bekommen, wenn er mit L akoAn “nb fie würde es aber trotzdem ... Wenn sie nur niAt°mHfr,®en>tnn ^ause käme ... am liebsten die zwei allein m.tkommen wurde. Reisen sollten k>5$9r,8"&S«„b;:„^*”SÄ;"«^ll-l? « «»b «In» dann In ihrer Ehe, der kleine Jo'h" wartend in seinem Schaserstunde in großen blanken Augen voll Tränen beim l 9' fe,nen allzu eine allzu warme kleine Hand reichte beS Baiers, dem er u„"SÄS*^ Ln°m"°L»",7' b-- «"d-- erzählte er angestrengt munter DO^ arn^unhPFr^l9es Pl.n^.rn', unb dann Der kleine brüfenfrflnfo r unb klein baheirn in ber Strafe, dort, bas er fo gut Snte^H» «“•1% «erstreut dazu. Das Leben an den Keller und sehnte sich nicht ^^Bnz.ehungskraft für ihn. Er dachte rk -°d »,«»»«. und Vielleicht zum hundertstenmal er-ömia ^e^m>nt5 roie 3n>e'1 Gleichaltrige. Schnee und doR ben Argen, voA sär,e' "b te ®"b « »a MM MMWm a»Ät «SÄÄ? ”'** ■”*»■«. «-nn -»n« * War es denn möglich, Sah die alte Dynastie freiwillig auf ihre ___ , . ..■.LI... fi 1 Iaa artll oittir» H/i KaC. di« Bourbonen versuchen würden, ihre Machtstellung aus vergangenen Jahrhunderten — mit legalen oder illegalen Müteln fieber Ser- M J Z ~ , Tnno ftirrtrh mnn tn l>pn «rpifpn Als d der „Glol Willkür ! drüben ix sich niemc rief jetzt । nran in < wornten 1 nur der 1 üche Geg Dynastie, Aber i war kein an deren die Repu Bergangei greise Ges huldigte d ten ihn al Ziele verf sich ihre Lafoyette 3m Hi Ziel es w nationalen selbst fühlt gebunden, lluge Dip Armand Q ausgaben, Noch v lament, in Parlament noch nie ii Abgeordne nisse bereit Entschlüssel trauen der kn haben, diese Hera ie ihn zu Wern bi, Vergebt unternehm Meressierei ^jährliche stärkten di stieg zu Ta . Am 26. nne königl Erließ, Kammer a delitischen Selcht muri »imus, un Bon S dwtestierte d" Zensur ds>s Volk i, Zer König ?uhe, erm "berbesehl- „ Aber ü Aend des Über der ging, be stellen ft klagen, - mit eine schlechter und von radikalst, mahlen । herrschte, rebellisch Barrikad menden Der I Martigm nähme t einschritt wollte d festigen, der Boni der Spitz ster wüh sehnte. T wußte ni König be wer leich zwang, t man, in ! der liberc kommen von einer neuen staatlichen Zukunft Frankreichs: als Kaiserreich, Regentschaft des Herzogs von Orleans — als Republik. . Aber Ludwig XVIII. verstand die neue Zeit und führte eine kluge, zurückhaltende Politik, gewann die Emigranten durch Entschädigung, das Bürgertum durch die gute finanzielle Lage des Landes, die Armee durch die Erfolge des spanischen Feldzuges. Zwar hatte die Idee der Restauration noch nicht gesiegt/ aber die Gefahren für die Zukunft erschienen gering, wenn auch die Anfänge des Napoleonkultus und die heimliche republikanisch« Propaganda immer wieder die Bourbonenherrschast beunruhigten. Ja die Worte „Napoleon" und „Republik" wurden m einem Atem genannt. Sie waren die Symbole aller Unzufriedenen, dl« Staat und Gesellschaft über dieses Kompromißsystem der Restaurationszeit hm- Cl!53)ie Ruhe blieb bestehen, solange Ludwig XVIII. am Leben war. Mit der Thronbesteigung Karl X. aber traten nicht nur di« großen Gegensätze des Zeitalters aufs schärfste hervor, sondern drängten alle politischen Ereignisse so sehr ins Extreme daß K^'sen. Kanipse Rebellion nicht ausbleiben konnten. Und Karl X. war nicht der Mann, der durch Einsicht und Charakterstarke hatte ausgleichend wirken können. Er war der Freund aller Rechtspolitiker, der royalistischen .Ultras" und leugnete dies gar nicht. Seine staatsmannlsa^n Tugenden waren nur gering und recht unzureichend gegenüber einem Zeitalter, das ratlos zwischen Vergangenheit und Zukunft emhertaumelt«. Gerade der Rat der Politiker war dem König ^niger wichtig als die Schmeichelei seiner Höflinge. Hinzu kam der wachsende Einsluh der Priester und der Kirche Auch sie hatten die Verfassung beschworen, vertraten nach außen den Pseudoliberalismus des karlistischen Systems und entwickelten die Theorie einer modernen demokratischen Kirche. Praktisch aber führten die Jesuiten und verbreiteten eine kirchliche Stimmung, die vor allem den Königshof beherrschte. Offensichtlich zeigte KarlX den Pariser Straßen, auf denen vor Jahrzehnten die Revolution die Henschaft der Vernunft als der neuen Gottheit errichtet hatte, seine religiöse Gesinnung, und kaum । «ine Prozession schritt durch die kirchenfeindliche Stadt, an der der König nicht teilnahm. Das Volk aber zog sich immer mehr von diesem Königtum zurück, und ohne daß man auf Umsturz saun, wurde die radikale Stimmung in allen Lagern immer mehr verstärkt. Ms Talma, der große Schauspieler des Kaisertums, starb, der in fernem Testament sich lebe Teilnahme von Geistlichen verbeten hatte, folgte die halbe Stadt diesem Sarge und legte so Zeugnis ab für das große Zeitalter, das man zu Grabe trug und für die kirchenfeindliche Gesinnung des toten Künstlers. "$u"to5l Mr M>» gut fparm, st-, mir «I d»- W «N. »-">» »» “ Ä B Sb S>.Ä K'SÄ'? "ich' --« ih Mantel an und eilte hinaus. Die Ladentllr knallte hinter ihr zu, r ' s-6 ßjiorfe Feueralarm schlug. Draußen hielt ein 2Bagen mit einem ,na^1maer$ferrbeiPnnnr Der Schlachter saß auf dem Bock im blauen S TS t SieWembl Er grüßte mit einer eleganten Bewegung seines Hutes, knallte mit der Peitsche und dann fuhren sieab. Der Schuhmacher schüttelte resigniert den Kopf und fing an zu packen. Das blaffe Wcheln unter seinem bekümmerten Bart wurde nach und nie er und breiter als ob er sich wieder die Stimme des kleinen John in Erinnerung rief: So kommen wir also trotzdem dazu, allem I 1 zu reisen. .• ,.. ffßnr denn MogliM, Duy vlC uue jiciiviuty uu, tyre Ja das konnte Ich mir wohl denken, wo b'st du sonst mit dem Gel geschichtliche Machtstellung verzichten könnte, lag es nicht allzunahe, daß geblieben, was du für Hansens Stiefel gekriegt ^st, und vom Kaufman^^ ^« ^ourbonen versuchen würden, ihre Machtstellung aus vergangenen B Aber das wollte ich dir 1« gerade saaen, flüsterte er, ziemlich Jahrhunderten — mit legalen oder illegalen Mitteln — wieder her- aelcklagen über die Einleitung zur glücklichsten Zeit seines Lebens. ^.stellen? Schon am Ende der hundert Tage sprach man tn den Krei en ß 'sie9 "rbnete einige Locken vor dem Spiegel und musterte sich selbst -ustellenk^-chon am inoe.^ 0 der Restauration und Mann und Weib. Von Friedrich Theodor Vischer. Nach Freiheit strebt das Weib, der Mann nach Regel. Gebieten mag die Laune, spricht das Weib; Gesetz und Rhythmus herrsche, spricht der Mann. So kann es komiMN, daß er Sklaven zieht Und kann auch kommen, daß er Sklave wird, vielleicht auch beides: herrisch und servil, Im kleinen selbst nicht läßlich, ein Pedant. Drum ist ihm die Genossin beigegeben, Daß seines Lebens hartem Winkelmaß Das Spiel der freien Linie nicht fehle. Drum ist ihr der Genosse beigegeben, Damit der Ranke nicht der Stab gebreche. Juli 1830. Von Dr. Rudolf Kayser. Der bekannte Herausgeber der „Neuen Rundschau entrollt im folgenden ein fesselndes Bild der für die Zeitenwende von der bourbonischen Restauration zum liberalen Bürgerkönigtum Ludwig Philipps entscheidenden Tage. Seine Schilderung gewinnt durch manche Anklange an die politische Entwicklung unserer jüngsten Vergangenheit besonderes Interesse. Die berühmte Frage des Sie^s „Qu’est-M que le tan dat?" $iftoriter Guizot hat den Charakter KarlX. so beschrieben: Ein iSESSesr&Ä ms dem erreichte dieses stürmisch bewegte Zeitalter - das m,t den Fan ar n fern en er fftenoluhon ©te : S^rtHenbeitHabm e o« P Tradition beginnen zu sollen. Tocqueville, der große Staatsrechtslehrer, die um sogeringerwurdeals dw politischen ßeibentc) “ hoch. Mit den Bourbonen war die „unbestrittene Familie" zurückgekehrt.! den bestehenden Staat. So traten die politischen Kampfe a der Die Befürchtungen, die man von Anfang an gegenüber dem absolutistischen lichkett der Parlamentstr,butte frnaus; tn tas romant ^c0^im()«(ell> Frankreich haben mußte, tat man mit dem Hinweis auf die neue liberale Verschwörung, der die Polizei nachtaften mußte. 3n bie|en eye^^» Verfassung, die „Charte" ab, und der liberale Führer Safitte beruhigte schäften, deren größte den bezeichnenden Namen „Hilf dir, den zögernden Herzog von Ragusa durch den Hinweis auf diese „ver- Himmel dir helfen führte, sand der, repub'kamsche Ge^nke se '“unfe( brieften Bürgschaften'', als ob das Wort für alle Zukunft schon die Tat gebürt. Als im gegebenen Augenblick diese Gesellschaft aus dem bedeute. Die „hundert Tage" Napoleons bedeuteten die erste Probe. Es | der Verschwörung an die Deffentlichkeit trat, brachten sie em zeigte sich, daß das Gestern noch keine tote Vergangenheit war, da I nete Organisation und eine entschlossene Taktik nut fta). Wst üngeheure revolutionäre Leidenschaft die Nation besessen hielt und nun in Noch hatte KarlX. nichts unternommen, was dem Wort Mv oen das letzte napoleonische Abenteuer einftrömte, das sobald vorüber war, j der Verfassung widersprach. Aber der Argwohn war .Sa uno «n(pfe, der rken chen aden das der Helei ■ der uhen t die ti die den aßen, nunst kaum $önig önig- dikale große t jede nesem in zu stlers. „Ein , sand Poli- n und leichi- jedem i)t viel r war eit zu einer Übung n den .. Daß ogleich krönen seine ingen- s das eibun- er Reib des tungen itions- ihren tischen Partei, außer- hoch- r Ber- ,e von gegen esftnt- el der igesell- r'b der Sieder- Dunfel ezeich i Geist große unter jr ins -n wie t. gegen8 Angriffen der Presse, die weit über das Maß der Kritik hinaus- ainq besaß das Kabinett keine Waffe. Gerichte, Gelehrte und Schrift- »elle'r standen durchaus auf Seiten der Opposition, und die Beleidigungslagen, die die Minister gegen die Zeitungen anstrengten, endeten stets mit einem Freispruch. „Nie ist eine so frech angegriffen« Regierung Wertster verteidigt worden", erklärte Villele. Der Zustand war unhaltbar von allen Seiten sehnte man ein'Ende herbei. Karl X. wählte den radikalsten, aber gefährlichsten Weg: er löste die Kammer auf. Die Neu- Mhlen aber brachten den vollen Sieg der Opposition. Auf den Straßen herrschten die Geheimbünde, deren Mitglieder sich ohne Scheu zeigten, rebellische Rufe ausstießen, das Kaisertum oder die Republik leben liehen. Barrikaden und kleine Zusammenstöße waren die Vorzeichen des kommenden Sturms. Der König versuchte vorzubeugen und berief die gemäßigte Regierung Martignac, die oppositionellen Professoren wie Guizot wieder die Auf- mhme der Vorlesungen in der Sorbonne erlaubte, gegen die Jesuiten einschritt und die Gesetze in liberalem Sinne reformierte. Diese Regierung wollte das Beste, wollte die Idee der Restauration für alle Zukunst fettigen, wollte ein wirklich freiheitliches und konstitutionelles Königtum der Bourbonen. Aber diese Regierung verfügte über keine Macht, da an der Spitze ihrer Gegner — der König selbst stand, der gegen seine Minister wühlte und intriguierte und den Augenblick ihres Sturzes herbei- sthnte. Das Parlament aber übersah nicht den Ernst der Situation und wußte nicht, daß nach dieser Regierung eine Auseinandersetzung mit dem König beginnen mußte, die die Revolution bedeuten würde. Als die Kammer leichtsinnig und unüberlegt die Regierung Martignac zum Rücktritt zwang, war die Restaurationsepoche praktisch vorbei. Am Hofe jubelte man, in den revolutionären Lagern jubelte man auch, aber in den Reihen der liberalen Partei begann langsam Entsetzen und Furcht vor dem, was lammen mußte. Als der König die Regierung des Fürsten Polignac ernannte, schrieb der „Globe" über dies Ministerium: „Die Jntrigue hat es vorbereitet, die Willkür hat es gebildet; sein Amtsantritt schneidet Frankreich entzwei: drüben der Hof, hüben die Nation." Und das Journal des Debats", das sich niemals den scharfen Ton der oppositionellen Presse angeeignet hatte, rief jetzt aus: „Unglückliches Frankreich, unglücklicher König!". So dachte man in ganz Frankreich, so dachte Europa. Die verschiedensten Mächte warnten KarlX. vor dem Wege, den er jetzt einschlug und an dessen Ende nur der Staatsstreich stehen konnte. Selbst Metternich, der leidenschaftliche Gegner des Liberalismus, meinte: Ein Staatsstreich würde die Dynastie zugrunde richten." Aber die Dinge gingen ihren harten Gang. Von beiden Seiten her war kein Aufenthalt mehr möglich. Die Katastrophe mußte beginnen, an deren Ende zumindest der Untergang der Dynastie, wenn nicht gar die Republik stand. Als das verkörperte Gewissen der revolutionären Vergangenheit stand in der Mitte aller Unruhen und Leidenschaften die greise Gestalt Lasayettes, des letzten Helden der großen Revolution. Ihm huldigte das Volk, wo er sich zeigte. Die republikanischen Studenten grüßten ihn als ihren Führer, ohne daß Lafayette selbst bestimmte politische Ziele verfolgte. Aber es war ein seltsames Gesetz der Geschichte, daß sie sich ihre wirkungsvollen Symbole schafft, wenn sie sie braucht, und Lasayette war das wirkungsvollste Symbol der kommenden Revolution. Im Hintergrund hielt sich die Partei des Herzogs von Orleans, deren Ziel «s war, den Herzog Louis Philippe, diesen zugleich „liberalen und nationalen" Prinzen an die Spitze des Staates zu bringen. Der Herzog selbst fühlte sich zu sehr durch verwandtschaftlich« Beziehungen an Karl X. gebunden, um irgend etwas für seinen Sturz zu unternehmen. Aber der ttuge Diplomat Talleyrand, 1>ie jugendlichen Journalisten Thiers und Armand Carrel, die gemeinsam mit Mignet bi« Zeitung „National" Herausgaben, kämpften für den Wechsel der Dynastie. Noch vollzogen sich di« Kämpfe auf den alten Schauplätzen: im Parlament, in beji Zeitungen, in den rebellischen Straßen. Aber auch das Parlament nahm eine "Sprache gegenüber dem König an, wie sie wohl nod) nie in einer Monarchie gewagt worden war. Der König drohte den Abgeordneten: „Wenn verbrecherische Ränke meiner Regierung Hindernisse bereiten sollten, die ich nicht voraussehen will, so würde ich in meinen Entschlüssen, den öffentlichen Frieden zu erhalten, im gerechten Vertrauen der Franzosen und der Liebe, die sie ihren Königen immer bewiesen hoben, die Kraft schöpfen, sie zu beseitigen." Aber die Kammer nahm diese Herausforderung an und antwortete dem König in einer Adresse, die ihn zu der Ueberzeugung brachte: es gibt keine Ministerfrage mehr, sondern die Monarchie selbst steht in Frage. Vergeblich war die Hoffnung des Hofes auf das erfolgreiche Algier- lluiernehmen, fein militärischer Sieg konnte die aufgeregte Nation noch interessieren. Der König versuchte noch einmal das alte, radikale, maßlos Sesührliche Mittel der "Auslösung der Kammer. Aber auch diesmal Der- jtartten die Neuwahlen nur die Opposition, die Situation wurde von •wg zu Tag unhaltbarer. , Äm 26. Juli 1830 unternahm Karl X. den Schritt, der in der Form une königliche Verordnung war und praktisch den Staatsstreich bedeutete, r erließ „Die Ordonnanzen", durch die die Pressefreiheit aufgehoben, die MMmer aufgelöst, das Wahlgesetz geändert, und die früher wegen ihrer mischen Gesinnung entfernten Staatsräte wieder in ihre Aernter ein« Wtjt wurden. Diese Ordonnanzen bedeuteten die Aufrichtung des Absolu- isimis, und ihm gegenüber blieb nichts als Gewalt. Von Schritt zu Schritt ging man den Weg der Gewalt. Zunächst protestierte Thiers im Namen der Pariser Presse gegen die Verhängung Cit Zensur. Noch waren die Straßen ruhig. Die heißen Julitage lockten ??5 V?.sk ins Freie, und nur vor dem Volk halten die Machthaber Angst, w s "onig selbst war in Sl. Cloud, verbrachte die Tage in lächelnder k-7’ ernannte aber doch vorsichtshalber den General Marmonl zum uperbefehlchaber der Pariser Truppen. ln nächtlicher Stille bereitet Paris seinen Aufstand vor. Am o des 27. Juli war Lafayette in die Stadl zurückgekehrl und wurde der heimliche Führer der revolutionären Bewegung. Am nächsten Mo« gen trat das Volk, gestern noch eine heilere, sorglose Masse, in Aktion, riß das Strahenpflaster auf, plünderte die Waffenläden, eroberte bas Stadthaus und hißte statt der weißen Bourbonenfahne die Trikolore. Als Marmonl den Belagerungszustand erklärte, ahnte er, daß alles zu spät sei. Dem König meldete er: Das ist kein Aufstand mehr, es ist Revolution!" Unter den leuchtenden Farben der Trikolor« läuteten die Glocken von Notre Dame Sturm über die Stabt. Immer weiter ging der Ausstand, die Straßen tobten, kämpften und schrien die neue Parole: „Nieder mit den Bourbonen!" Di« orleanische Partei hatte sich klug im Hintergrund gehalten und nutzte heimlich den Gang der Dinge. Noch immer glaubte Karl X. nicht an seine endgültige Niederlage, er spielte Whist in Saint Cloud und vertraute auf feine Regimenter, die Schritt für Schritt vor der Revolution zurückwichen, ja, zu ihr übergingen. Schon flatterte die Trikolore vom Dach der Tuilerien. Noch kannte niemand das eigentliche Ziel der Revolution, als La- fitle, der Bankier und Führer der Liberalen, den Herzog Louis Philippe von Orleans als Kronprätendenten ernannte. Er würde vom Volke die Krone empfangen, als Bürgerkönig eine glückliche und freiheitliche Zukunft dem Lande verschaffen. Die Republikaner waren unzufrieden, sie wollten die Revolution zu einem radikalen Ende führen. Aber ihre Machte war zu gering, und als Lafayette selbst sich für den Herzog von Orleans einfetzte, war die Sache der Republik, deren Präsident der alte Revolutionär hätte fein müssen, verloren. Mil kluger Ueberlegung gewann der Herzog auch die siegreiche revolutionäre Masse, als er beim Besuch Lasayettes im Stadthaus ausrief: „Meine Herren, es ist nur ein alter Nationalgardist, der feinem alten General einen Besuch abftattet." Das war das Signal für die Menge und der Ruf „Es lebe der Herzog" bedeutet den Beginn der neuen Dynastie Orleans. Louis Philippe übernahm zunächst nur das Amt eines Reichsverwesers. Als dann die Abdankung Karls X. erfolgte, war der Weg zum Throne frei. Das Volk, die geistige Opposition, die Jugend grüßten den Bürgerkönig, der sich auf di« Verfassung und nicht auf sein Schwert stützen wollte. Man glaubte Lafayette, der den Massen entgegenrief: „Hier ist der Fürst, den wir brauchen. Wir konnten nichts schaffen, was der Republik näherkäme." , Langsam beruhigte sich die Stadt Paris, und Frankreich kehrte in ein stilleres Leden zurück. Auf den Boulevards sieht man glückliche Gesichter. Nur daß die schönsten Bäume abgeholzl wurden, um Barrikaden zu dienen, erinnert an die vergangenen Tage des Schreckens. Lächelnd gehl der alte Bourbonenfeind Henry Beyle-Slendhal seine geliebten sommerlichen Wege. Seine liberalen Freunde sind glücklich über den Umschwung. Er selbst ist ein Skeptiker, um über den Sturz der Bourbonen jubeln zu können, aber im Augenblick ist ihm Louis Philippe ganz recht. Als die Stadl sich nach den Tagen des Umsturzes mit unzähligen Plakaten politischen Inhalts bedeckt, erscheint auch hier und da ein Zettel mit diesem Inhalt: „Man biete den Thron dem Herzog von Orleans an und die Nachfolge seinem ältesten Sohne, falls die Nation sie für würdig erachtet. Henry Beyle, ehern. Auditor im Staatsrat." Wird Frankreich jetzt wirklich frei werden? Schon droht eine neue Tyrannei: die der guten Gesellschaft. Stendhal lächelt fein einsames Lächeln, gehl mit schweren Schritten über die Boulevards und denkt an fein Werk, das den wahren Seift des Zeitalters in die Farben Rot und Schwarz kleiden soll. Mathilde Möhnng. Roman von Theodor Fontane. (Fortsetzung.) „Sieh doch mal hier seine Karte: .Hugo Großmann', das versteh ich, aber nu kommt fein Titel, oder was er is, und da weiß ich nicht. Was soll das heißen?" „Cand. jur. — das heißt, daß er Kandidat is." „Soso, na, das is gut, dann is es ein Prediger oder wird einer, feine Karte: ,Hugo Großmann', das versteh ich, aber nu kommt fein Titel, oder was er is, und da weiß ich nicht. Was soll das heißen?" „Nein, Prediger nicht, dieser is bloß ein Rechtskandidat, das heißt so viel als wie, er hat ausftubiert und muß nu fein Examen machen, und wenn er das gemacht hat, dann is er ein Referendarius. Er licktakt jetzt so hin und her zwischen Student und Referendarius. „Na, wenn er nur bleibt. Glaubst du, daß er bleibt?" „Natürlich bleibt er." „Ja, du bist immer so sicher, Thilde. Woher willst du wissen, daß er „Ach, Mutter, ich sage dir ja, du siehst nichts. Wo der mal sitzt, da sitzt er, der is bequem, und eh der wieder ausziehl, da muß es schon schlimm kommen, und schlimm kommt es bei uns nicht. Wir sind artig und manierlich und immer gefällig und laufen alle Gänge und sehen bloß, was wir sehen wollen." „Glaubst du denn, daß er...?" „I Gott bewahre, der is wie Gold. Mil dem kann man drei Tage und "drei Nächte sahren, einen so Anständigen haben wir noch gar nicht gehabt, und dann mußt du bedenken, er is norm Examen, und wir Haden kein Klavierspiel. Auf dem Hof das bißchen Leierkasten, das hört er nicht, und ich will dir noch mehr sagen, Mutter: der bleibt nicht bloß, der bleibt auch lange, denn sehr anftrengen wird er sich nicht, er sieht so. recht aus: .Kommst du heute nicht, so kommst du morgen', und vielleicht morgen auch noch nicht." Hugo Großmann, der noch keinen Schlüssel hatte, war drei Minuten vor zehn nach Hause gekommen und hatte für alles, was ihm angeboten wurde, gedankt. Er fei sehr müde und die ganze vorige Nacht unterwegs gewesen. Mutter Möhring, die sich noch einen Augenblick im Entree zu schaffen machte, hörte noch, daß er das Streichhölzchen strich, und sah den Lichtschimmer, der gleich darnach unter der Tür weg bis in das Entree fiel Dann hörte sie, daß er sich die Stiefel mit einem raschen Ruck auszog, wie einer, der schnell ins Bett will und keine Minute später. Der nächste Tag war so schön wie der vorige. Möhrings waren Frühaufsteher, und heute waren sie schon um sechs aus den Federn, w^l sie doch nicht wissen konnten, ob ihr Mieter nicht ein noch größerer „Früh- auf" war, wie sie selber. . Ich glaube nicht, daß er ein Frühauf is, aber man kann doch nicht wissen, und in der ersten Nacht schlafen viele so unruhig." Es war wohl schon acht, als Mathilde dies äußerte, und eine Weile später setzte sie hinzu: „Du sollst sehen, Mutter, der hat einen Bärenschlaf, um den brauchst du dir die Nacht nicht um die Ohren schlagen, und von Weckeraufziehen is nu schon gar keine Rede mehr. Ra, mir is es recht, wenn erst Winter ist, schlaf ich auch gern aus-und warte lieber mit meinem Kaffee. Bloß, daß man um acht nur die ausgesuchten Semmeln kriegt." Mit diesen Morsen stand sie auf und sah nach der kleinen Pendeluhr, aus der es schon ein paar Minuten über halb neun war. „Mutter, ich werde doch wohl klopfen müssen. Ich hatte ihn so auf neun Stunden taxiert, aber nun sind es schon gehn und einhalb — was meinst du?" „Versteht sich, es kann ihm ,a auch etwas passiert [ein." „Gewiß kann es, aber es wird wohl nicht." ♦ Um ein Uhr trat der neue Mieter bei Möhrings ein und sagte, daß er nun zu Tisch gehen wolle, «ie brauchten sich mit seinem Zimmer nicht zu übereilen; er würde vor sieben nicht wieder da [ein, und wenn jemand käme, möchten sie sagen: erst um acht. Damit empfahl er sich sehr artig, und als er aus dem Haufe trat, sahen ihm Mutter und Tochter vom Entreefenster aus nach. 1 Als sie das Fenster wieder geschlossen hatte, sagte die Mutter: „Es is eigentlich ein sehr hübscher Mensch. Ich wundere mich, daß er noch so ein halber Student is. Am Ende irrst du dich doch, Thilde, er muß doch nahe an dreißig fein." „Ja, aussehen tut er so, da hast du recht. Aber das macht der schwarze Vollbart, und weil er so breit ist. Aber glaub mir, er is nicht über sechs- undzwanzig. Und der Vollbart macht es auch nicht mal. Er is bloß faul und hat kein Feuer im Leib. Das sieht denn so aus, als ob einer alt wäre, bloß weil er schläfrig is, und sentimental is er auch." „Ja, das wird er wohl", sagte die alte Möhring, aber doch so, daß man hören konnte, sie dachte nichts bei „sentimental" und wollte bloß nicht widersprechen. Eine Stunde später hatte Mathilde das Zimmer zurechtgemacht, während die Mutter sich in der Küche beschäftigte. Man war übereingekommen, sich jeder ein Setzei zu spendieren, dazu Bratkartoffeln. Als der Tisch gedeckt und zu den Bratkartoffeln der Extrateller mit den zwei Setzeiern aufgetragen war, war auch die Tochter mit dem Zurechtmachen des Zimmers fertig, und beide setzten sich zum Essen. „Bist du zufrieden, Thilde?'.' sagte die Alte und wies auf die Eier. „Ja!" sagte Thilde, „ich bin zufrieden, wenn ich sehe, daß du sie beide ißt, und wenn ich sehe, daß sie dir schmecken, denn du gönnst dir nie was, und davon magerst du auch so ab. Kartoffeln is was ganz gutes, aber viel Kräfte geben sie nicht, ich werde dich nu wieder besser verpflegen, und wenn wir gegessen haben, gieß ich dir eine Tasse Tee auf. Er hat nicht mal seinen Zucker verbraucht und auch nicht weggepackt, man sieht an allem, daß er ein anständiger Mensch is. Aber nu nimm und iß, Mutter!" Und sie legte der Alten vor und paischelte ihr die Hand. „Ja, du bist gut, Thilde... Wenn du nur einen guten Mann kriegst." „Ach, laß doch." „Nein, ich denke immer daran, und warum auch nicht? Wie du da vorhin vor dem Spiegel standest, von der Seite bist du doch beinah hübsch." „Laß doch, Mutter, ich weiß schon Bescheid. Das mit dem Gemmengesicht mag ja wahr fein, und ich glaube selbst, daß es wahr is, aber ich kann doch nun mal nicht immer von der Seite stehen." „Brauchst du ja auch nicht. Und bann am Ende: du hast die gute Schule gehabt und die guten Zeugnisse, und wenn Vater länger gelebt hätte> dann wärst du jetzt Lehrerin, wie du es gewollt hast. Manche sind so sehr fürs Gebildete. 'Wie hast du's denn bei ihm gefunden? Alles in Ordnung und anständig? Ein ganz Armer kann er nicht sein. Der Koffer is von Leder und beinah ohne Holz und Pappe. Das haben immer bloß solche, die guter Leute Kind sind." „Ganz recht, Mutter, das stimmt, da sind wir mal einig. Und so is es auch mit ihm. Guter Leute Kind muß er fein, auf der Kommode lagen auch die Schnupftücher und die wollenen Strümpfe, du mußt es dir nachher ansehen, alle ganz gleich gezeichnet. Auch die Strümpfe. Nicht bloß mit Wolle, alle mit rotem Zeichengarn. Er muß eine sehr ordentliche Mutter haben oder Schwester. Denn eine andere macht es nicht so genau. Und die Stiesel auch in Ordnung, er muß aus einer guten Leder- gegenb sein, das sieht man an allem, und hat auch eine Iuchtenbrief- mappe, schön gepreßt; ich rieche Juchten so gern. Und die Bücher alle sehr gut eingebunden und sehen auch alle so sonntäglich aus, als ob sie nicht viel gebraucht werden. Nur fein Schiller steckt voller Lesezeichen und Eselsohren. Du glaubst gar nicht, was er da alles hineingelegt hat: Briefmarkenränder und Zwirnsfäden und abgerissene Kalenderblätter. Und bann hat er englische Bücher dastehen, das heißt übersetzte, die muß er auch gelesen haben, es sind so viele Ausrusungszeichen und Kaffeeflecke, und an mancher Stelle steht ,famos* ober .großartig* ober irgend so was... Aber nun werde ich dir den Tee aufbrühen, du hast doch noch heiß Wasser?" „Versteht sich, heiß Wasser is immer." Und damit ging Thilde hinaus und kam nach einer Minute zurück. „Cs is ein rechtes Glück, daß er Tee trinkt", sagte Thilde und goß der Mutter und bann sich selbst eine Tasse von dem neuen Ausguß ein. Schriftleitung: t. V. Dr. Fr. W. Lange, Gießen. — Druck und Verlag „Kaffe, das schmeckt bann nach dem Trichter, aber vom Tee schmeckt ba5 zweite eigentlich am besten", und während sie das sagte, zerbrach ne zwei Zuckerstückchen in viele kleine Teile und schob das Schälchen fo- Mutier hin. „Nimm doch auch, Thilde." „Nein, Mutter, ich mag nicht Zucker, aber du bist für füß, und nimm nur immer ein bißchen in den Mund, ich freue mich, wenn es dir schmeck! und wenn du wieder dick und fett wirst." ' „Ja, ja", lachte die Alte, „du meinst es gut Aber dick und fett, ©oft Thilde, wo soll das Herkommen!" * ' Um sieben Uhr war Hugo Großmann zurück. Er traf Thilde im Entree „War wer da, Fräulein?" „Ja, ein Herr, er kam so um die fünfte Stunde, und ich sagte ihm daß Sie um acht wieder da fein würden. Da wollt er wiederkommen." ' „Gut, und hat er nicht feinen Namen gesagt?" „Ja doch, von Rybinski, glaub ich." „Aha, Rybinski, nun, das ist schön." Und acht war kaum vorüber, da klingelte es, und Rybinski war wieder da und wurde hineingeführt. „Guten Tag, Großmann." „Tag, Rybinski. Bedaure, daß du mich verfehlt hast. Aber nimm Platz. Nachmittags bin ich immer unterwegs." „Weiß schon", sagte Rybinski und schob sich einen Stuhl an das Sofa. „Käpernick! Wirb benn diese Dauerlauferei nicht einmal ein Ende nehmen? Paßt doch eigentlich gar nicht zu dir. Du hast entschieden mehr vom Siebenschläser als vom Landbriefträger. Also warum pendelst du fortwährend zwischen Grünewald und Wilmersdorf immer hin und her? Oder hast du jetzt eine andere Penbelbewegung?" „Muß sich erst Herausstellen, lieber Freund, ich bin ja erst seit vierund- zwanzig Stunden hier, gestern früh angekommen, wie ich dir schrieb - hier drüben Friedrichstraße... Gott fei Dank, daß ich wieder da bin und auch wieder nicht. Owinsk ist ein Nest, natürlich, und wenn man auf gestanden ist, kann man auch schon wieder zu Bette gehen. Und dazu die ewige Klagerei von Mutter und Schwester und keine Spur Verständnis für ein Buch ober ein Bild, und wenn ein Tanzbär auf den Markt kommt, dann ist es, als ob die Wolter gastiert... Na, das alles ist gerade nicht mein Geschmack. Aber ein Gutes hat solch Nest doch. Man hat Muße, man kann feinen paar Gedanken nachhängen, wenn man welche hat, und die Büffelei hat ein Ende. Ach, Rybinski, es geht nun wieder los. Wie • steht es denn mit dir? Wenn ich dich [o anfehe, mit deiner Polenmütze - nimm's mir nicht übel, aber es sieht so ein bißchen theaterhaft aus - und mit deinen Stiefeln über der Hofe, du siehst mir auch nicht aus, als kämst du recte vom Repetitorium." „Welch feine Fühlung du hast, Großmann. Recte vom Repetitorium, nein. Aber etwas von recte ist auch dabei. Recte vom Galgen." „Wie Roller?" Rybinski nickte. „Ach, mach keinen Unsinn, Rybinski, was meinst du damit?" „Was ich meine, davon später, erzähl mir erst ein Wort von dir und von den Owinskern. Hast du zufällig meinen Onkel gesehen, er kommt ja bann unb wann in bie Stabt zum Pferbemarkt, ober wenn er Geld leiht. Auf meinen letzten Brief hat er nicht geantwortet. Es wirb weh! gerabe Ebbe bei ihm gewesen fein. — Unb dein Vater, woran starb « denn eigentlich? Er kann ja noch keine sechzig gewesen sein. Unb wie steht es mit bem Vermögen? Es heißt immer, er hatte was?" „Ja, bas heißt es immer, und wenn Gott den Schaden besieht, ist nichts da oder doch fast nichts... Da war meine Kiste, fo eine Art Arm heim, in feinem Bureau, die wir immer mit Respekt betrachteten, well wir uns alle sagten: Da liegt es drin. Und nun denk dir, was wir nachher gefunden haben!" „Na — die Hälfte." „Ja, prost die Mahlzeit: eine Zereviskappe, ein Kommersbuch und cm paar hohe Iagdstiesel, gelbes Leder, genau wie wenn er sie von Wallenstein geerbt hätte." „War er denn ein Nimrod?... Uebrigens könntest du mir mal eine Zigarre geben. Ich sah da eine kleine Kiste. Sie enttäuscht mich hossenl- lich nicht so wie dich die große Erbschaftskiste. — Ja, war er denn solch Jäger vor dem Herrn?" „I Gott bewahre, dazu war er viel zu bequem unb fromm. Er wird wohl, als er eben Bürgermeister geworden war, mal eine Jagd mitgemacht haben; aber als ich fo’n halberwachsener Junge war, so kurz vorher, ehe ich nach Jnowrazlaw aufs Gymnasium kam, fuhr er immer bloß raus, wenn das Getafle losging, mal beim Oberförster, mal beim Amtsrat, unb einmal war er beim Torfinfpektor, das weiß ich noch genau." Unb dabei war dein Vater eigentlich ein famoser Knabe." „Ja, das war er." „Eigentlich forscher als du." .. „Na, wie man’s nehmen will. So im meisten sind wir uns gW Fürs Repetieren war er auch nie, darin müssen wir uns-wohl gleich sein Unb als er den Referendarius hinter sich hatte, schnappte er ab und W Zweimal falle ich durch unb bann sogar mit Ach unb Krach und E hundert Talern, nein, da lieber Bürgermeister in Owinsk — und verlobt war er ja auch schon lange." . . „Ja sie, Hugo, bas ist eben, was ich das Forsche nenne. Es war i ein Entschluß, und seine Familie war doch gewiß dagegen und wo einen Minister aus ihm backen. Unterm Minister tnn's ja bie guten sie- ftäbter nicht, die bei der bekannten Glücksjagd, zu der wir alle gcw find, bloß den Kirchturm mit dem goldenen Hahn sehen und nicht w ' wie weit es ist unb wie viele Gräben unterwegs, um reinzufallen. w bin für bie, die abspringen." ______________________________(Fortsetzung folgt.)___ : Brühl'sche Aniversitäts-Buch- und Steindruckerei, R. Lange in ®'$”'