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Im Gehostkreis schafft der Bauer droben wie von altersher, schärft die Sense, müht der Hauer sich im Weinberg krumm und schwere drunten hausen große Schuppen, kargt der eingefaßte Bach, folgt die Binderschar in Gruppen stumm den Mähmaschinen nach. Große Ziegelöfen fressen an der Leiten steilem Rand, blaue Keller ruhn vergessen eingebaut im Lehm der Wand. Auf den blauen Bretterbänken Längs der Straße rücken sacht Land und Leute, die die Senke trennt, zusammen kurz vor Nacht. Schubertiade in Heübrunn. Von Carl Ferdinands. Ein Einspänner kam gemütlich von Salzburg her angezottell und hielt vor dem weit osfenstehenden Portal der Gärten des ehemaligen bischöflichen Schlosses Hellbrunn. Ihm entstiegen die beiden Fahrgäste, bedeuteten dem gutwillig nickenden Kutscher, daß er eine halbe, höchstens dreioiertel totuntren zu warten brauche, um die ausbedungene Fahrt nach Hallein und weiter nach Berchtesgaden mit ihnen sortfstzen zu können, und begaben sich, ohne auf die barocken Brunnenkünste groß zu achten, tiefer in den Park. Der Aeltere würdevoll, mit abgewogenen Schritten, denen die Bühne nicht fremd zu sein schien; der andere gedrungen, neben seinem Genossen klein, den Hut in der Hand, die feinumlockte Stirn mit Schweißperlchen bedeckt, etwas kurzatmig, betrachtete durch seine Brille den verwilderten Garten mit seinen Unklaren, quillenden Wassern, spielenden Fischen, bewegten Baumgruppen, spiegelnden Marmorbildern und hoch geschossenen Grasbüscheln fröhlich, fast übermütig, wie sich das von selbst verstand, wenn man, wie der kleine Musikus Franz Schubert und der Kammersänger Johann Michael Vogl im Stiftskeller von St. Peter zu Salzburg sorgfältig und umständlich nach der besten Sorte Terlaner gesucht hatte. „Nu bitt ich schon, Herr von Vogl, ist das zu glauben? Heut früh das getrübte Nebelwetter und heut nachmittag dieser allerschönste Herbst, köstlich wie reifende Trauben!" , „Und vor allen Dingen wir, Schubert, wieder aus den Abgründen unserer Regenstimmung gestern in der heitersten Sonne gebadet! Schwingenstark gleich jungen Adlern!" Schubert streichelte die Astern, die in ungebändigten Garben über die Wege hingen, mit zärtlichen Händen und ließ zustimmend, in losem Gespräch, die letzten Monate vorübergleiten, diese Monate der Gesundung in Steyr, Linz und Gemünden, die Pracht der Landschaft und die Herzlichkeit der Menschen, das Haus des guten Traweger und des Herrn Hofrats Schiller, des Monarchen im Salzkammergut. „Und schaunF," fuhr er fort, während sie entzückt in die Allee von uralten Fichten einbogen, „schauns, das ist kein Land, das ist ein Garten, ein meilenweiter Garten, voll von unzähligen Schlössern und Gütern, die aus Bäumen herausschauen, und dazwischen dies Wasser, quellrein Überall, und Wiesen und Aecker, wie ebenso viele Teppiche von den schönsten Farben, und das alles von der unabsehbaren Reihe der Berge umschlossen, als wären sie die Wächter dieses himmlischen Tals;, und all das darf man genießen, schlürfen wie den Besten beim Kreuzwirt!" Während Vogl zu dem Empsindungsstroin seines Begleiters nur bestätigend nickte, betrachteten die beiden die weißleuchtende, turmhohe Burg Goldenstein, die in dem Durchblick zwischen den Fichten wie ein« Opemkulisse vor dem dunklen Berghang aufragte. So langten sie an einem Kreuzweg an, der die Baumreche schnitt. „Wenn ich mich recht erinnere," bemerkte Vogl, „führt hier rechts der Weg zu der Watzmann-Aussicht und dem kuriösen Melstheater hinauf, wo Mozart noch für seinen zornwütigen Bischof die Divertissimente dirigiert hat!" „Aber sehen Sie bloß das, solch «in Baum!" ereiferte sich der klein« Musikus und zog den Sänger zur nächsten Fichte. Lachend wie Kinder versuchten sie mit den ausgespannten Armen, sich die Hände reichend und sich mit Inbrunst an di« rauhe Rinde des Stammes anpresssnd, den Riesen zu umfasten, aber es gelang nicht einmal zur Hälfte. „Sieh einer den Kerl!" redete Schubert in den Baum hinein, „da reicht's nit mit dem Herrn von Vogt und dem Bertl, da mühten wir noch den Schober und den Kupelwieser und den Schwind dabei haben, der mit seinen langen Aerm' würd'? grade zu Weg kriegen, den Ring zu schließen! Und so eine Macht und Pracht steht aufrecht Jahrhunderte und weiß nichts von Sorge und Not und alltäglicher Plage, brauchts nur schön und groß zu sein, in Sonne und Sturm!" Während die beiden Herren ihren Eifer ganz beim Abmesten hallen, waren unvermerkt zwei junge Frauen vorübergegangen in der Richtung auf das Felstheater zu, beide mit Körben am Arm, die offenbar für ein Picknick bestimmt waren. Die Größere, Blonde, bog sich nun mit der Zierlicheren um und sagte mit tragender Stimme, laut genug, daß die maßnehmenden Herren es hören konnten: „Ist es nun in aller Welt nötig, Laura, daß sich zwei ansehnliche Mosjehs krampfhaft bemühen, eine alte Fichte zu umarmen, und ist doch so viel Besseres im Land, wenns sein muß!" Da ließen Schubert und Vogl zu gleicher Zeit den Baum los und schauten. „Hm, ein, göttliches Bildchen!" ließ sich der Sänger zuerst vernehmen. Und wirklich, wie die sonnige Blondheit der Hochgewachsenen, Ne ein grüntaftenes, gebauschtes Gewand trug, mit dem perlgrauen bescheidenen, enganliegenden Kleidchen der Dunklen zusammenklang, das war hübsch zu sehen. Aber schon waren die Mädchen beschleunigten Schrilles hinter den Bäumen verschwunden. Ohne viel Worte eilte Vogl ihnen nach, so daß Schubert alle Mühe hatte, nicht zurückzubleiben. Die köstliche Herbstsonne erleichterte das Bekanntwerden; als der Weg anstieg, hatten sich die Männer schon unter viel Gelächter mit den Körben beladen, während ihre Begleiterinnen kichernd ihnen eine recht« Ueberraschung versprachen. Plötzlich tat sich der Blick auf das Felstheater auf; ein.Raum rote ein mächtiger Krönungssaal, von Buchen und Ahorn beschattet, vom blauen Herbstnachmittagshimmel Überspannt, umgrenzt vom zackigeiy dunkelgrünen Stein, den Geisblatt und Efeu mannigfach umsponnen, zeigte auf der etwas erhöhten Bühne «ine krause Gesellschaft tafelnder, lustiger, lauter Menschen. Da lag ein umkränztes Faß, da standen auf buntem Tuch Brot und allerhand Guglhopf und Kuchen, da hockte gerade ein Buckliger auf einem Steinbrocken und sang ein schmachtendes Liebesliedchen im Wiener Ton. Schauspieler in phantastischen Umwürfen, eine Heldenmutter, ein mit einem Lorbeerkranz geschmückter Direktor, viel Volk. „Wir sind nämlich die Trupp' von Direktor Fallmoser und feiern den Namenstag von ihm, wissen's!" flüsterte die hübsche Grane krem Franz Schubert zu, als sie ihm dankend den Korb abnahm. Mizzi, di« große Blonde, rief übermütig: „Hier, Fallmoser, bringen wir, was uns heut fehlt, 's Publikum!" Aber der Herr Direktor schaute einmal scharf unter seinen buschigen Brauen die Ankömmlinge an, dann erhob er sich, ging auf den Sänger zu und sagte mit feierlichem Kratzfuß: „Wir müßten nit in der Wienerstadt gewesen fein, um den Herrn Kammersänger, den Herrn von Vogl, nicht zu kennen! Grüß Sie Gott in der Klausen hier und tun Sie, als ob Sie z'Haus wären, zuviel Ehr!" Bogl fühlte sich von achtungsvollen Blicken gestreift, tauchte eine Sekunde in die etwas verwunderten Angen der schlanken Mizzi, vergaß seinen Begleiter vorzustellen, und bald saßen die beiden mitten im fröhlichen Lärm des Festes. Pfropfen knallten, Gläser wurden gefüllt, und di« Gesellschaft belustigte sich sehr über die andächtige Baumumarmung der beiden Herren. Schukrert saß, ohne sein Glas zu vernachlässigen, in gemessenem Abstand neben Laura, blinzelte in das Gold der finkenden Sonne, das oben im Herbstlaub funkelte, horchte auf bi« Liederchen und Gedichte, die der «ine nach dem anderen uortrug, klatschte mit seinen kurzen, fleischigen Händen Beifall und betete still für sich die «delgeformtcn Schultern an, die bescheiden, schneeweiß und lllienrein aus dem Mi- Schlösser in Schottland. Von Liesbet Dill. Wer sie an sonnigen Tagen in der frischen, grünen Landschaft, hoch und an schrosser Küste, umrauscht vom blaugrünen Meer, umgeben von sriedlichen Schasweidm und blühenden Parks, sieht, wird bezaubert sein von der ernsten, rauhen Eigenart ihrer grauen, festen Wälle, den mittelalterlichen Zinnen und dicken Türmen. Vor Jahrhunderten erbaut, mit zerfallenen Mauern, steinernen Wappen über dem Eingang, leeren Feuerkörben auf den öden Terrassen, eingehauen in die Felsen, wie für Die Ewigkeit gebaut und nur durch Gewalt teilweise zerstört ... grandiose Ruinen heut oder verlassene Burgen ... Aber wer ihre Geschichte erfahrt, das Leben derer, die hier lebten und in unterirdischen Verliehen umkamen, wird sich eines Fröstelns nicht erwehren. Melancholisch im Herbst bei Regen und Sturm, unter ziehenden, schwarzen Wolken, in tiefer Einsamkeit, wenn nichts mehr blüht und die abgegrasten Wiesen leer sind ... Der Führer steigt uns voran mit einer Kerze, m die dusteren Kerker, jene eisigen Verließe, in denen man die politischen Gefangenen sichersetzte, und sie dann dem eindringenden Meerwasser überließ oder sie mit den raffiniertesten Instrumenten, die noch verrostet und festgeschmiedet an den kalten Wänden hängen, quälte, um ihnen Geständnisse zu erpressen. Wer einmal hierherkam, sah nie mehr das Tageslicht. Aus diesen dicken Mauern hörte niemand ihre Schreie ... e .. _ . , Einsam am Meer liegt das stolze und merkwürdige Schloß Black, ness, eine Stunde von Edinburgh entfernt, in Fels gehauen, gebaut wie ein Schiff, ein echtes Seeräuberschloh an der rauhen, steinigen Küste Schottlands ... Um die Schiffe zu täuschen, brannte man nachts Feuer ab auf seinen Terrassen und erleuchtete die Fenster und wenn die Schisse sich näherten, wurden sie geentert und ausgeraubt. Man kann sich den Schädel Anstößen beim Durchschreiten der niedrigen steinernen Türen. Der „schwarze Douglas" wohnte hier und später der berüchtigte rote Gras Archibald, der schon in schottischen Balladen eine sehr Zwiespältige Rolle spielt ... In diesen Kerkern starben die „schottischen Rebellen . Sie wurden hier hingerichtet, ihr Blut färbte den grauen steinernen Hof in diesen kalten Felsenbetten schliefen sie zum letztenmal ... Trubes Meerwasser steht in den dumpsen Verließen. Aus vergitterten Fenstern blickt man weit über das rauschende Meer, das düster unter einem grauen Regenh mm l schäumt. Sieben Minister, die sich gegen Maria Stuarts Herrschaft auflehnten, wurden hier hingerichtell Wie Trsttansburgen aus a en Sagen stehen diese Küstenschlöller da. Grau, ernst, gotisch und schmucklos. ™n dem „Castle Linlithgow“, mitten in dem Städtchen Linlithgow bei Edinburgh, wurde die Königin Maria Stuart geboren. Ein strenges, gotisches, ernstes Schloß, eine prachtvolle, tragische Ruine heut Gras wächst im Schloßhof, Regen rauscht aus die alte Fontane, zerfallene Bogenfenster, ein schwer dahinziehender Fluß und ein grünes, i stilles Tal Wolken ziehen dunkel über die winddurchfegte Banketthalle, I in der die schottischen Könige einst Parlament abhielten Die .Ladiessitze an den Wänden und die Galerien für die Hofdamen gähnen leer und kalt, wie der riesige steinerne Renaissancestil. Tauben slattern ängstlich umher, Schwäne schwimmen aus dem stillen Fluß, der Mnd stoßt die Türen aus I und zu- im Keller seuszt unaufhörlich eine alte Tur in rost^en Angeln. I Hier verlebte Maria ihre glücklichsten Kindertage bis sw nach. Frankreich an den Dauphin Francois vermahlt wurde, ein kurzer Auftakt »u ihrem so wenig glücklichen Leben ... Er starb nach zwei Jahren am Ohrenkrebs Das Zimmer, in dem Maria Stuart geboren wurde, ist fast schwarz, 'ohne Licht. Alte Kastanien drängen ihre Zweige bis m die Fensterhöhlen in diesen Fensternischen wartete Maria auf den Vater, der mit dem Schiss den Fluß herabkam. Unwirtlich wirken diese Kemenaten I der Königin, ohne Möbel. Marias enge „Gebetkammer 'st noch erhalten mit dem winzigen Fensterchen, König 3atobs „Bathroom und Mar as „Bedroom“, düster und ungemütlich, graue Sieinwande starren nackt und kahl. Steinerne Kronen über den Fenstern, Kronen, die m 'hrem Leben I eine so verhängnisvolle Rolle gespielt haben, mit den Lilien Frankreich und der Rose Schottlands ... Raben flattern umher, Wendeltreppen m engen Türmen, eine dumpfe, leere Kapelle, eine dustere Küche mit dem M ft« 5 Melrose, hat Maria Stuart mit ihrem dritten Mann, Gras B othwell, 1567 residiert, das Schloß wurde attackiert von den schottischen Baronen, die Königin entfloh in Männerkleidung und traf sich mit Bothwell im „Schloss Dunbar“ an der Küste. Aber Cromwell zwang s'° durch Artilleriefeuer, das Schloß zu Übergeben ... . I Hoch über die verrußten Dächer und die breite Prmzenstreet Ed I burahs reckt sich trotzig, kanonengespickt, in harte Felswände gehauen, das R e s i d e n z s ch l o ß Maria Stuarts. Hierher fluchtete sich die nervo Königin, um ihren Sohn zur Welt zu bringen ... Und hier wurde de arme kleine Jam es VI. geboren, der so traurig auf allen Bildern ans sieht wie ein frühverwaistes Kind ... Der Wechsel ihrer ^'°dhaber Männer, der Kamps mit dem Reformator .K n o x- dem „sch° n Luther", alles war nicht dazu angetan, ihr eine friedliche Regierung zu bereiten. „QueenMarys bedroom“ mit festen Stemwanden, so eng, d » gerade ein Bett hineinging und kaum die Wiege ihres Sohnes Hinter aufgezogenen Zugbrücken, hinter gesenkten Stacheltoren, beschützt von ihrer Garde, konnte sie wenigstens ruhig schlafen. In der ntten Norma Chapel betete sie des Abends. Blutrot leuchtet der Mohn der Soldaten kränze, die in der Totenkapelle gefallener schottischer Krieger an den Siem I Ein Ort tragischer Erinnerungen ist das Stadtschloß „Holy wopd, in dem die junge Königin heimlich Hochzeit mit Lord Darnley feier ■ Die Residenz ihres Vaters und später ihres verwaisten Sohnes James v, der nach dem Tode der Königin Elizabeth rechtmäßiger engl sty und schottischer Kronerbe wurde. Ein Ort gräßlicher Erlebnisse und blutige Taten. Die Gemäldegalerie führt in die Wohnräume Marias. In >yre 1 Schlafzimmer unter dem blutroten Sammetbett mit den grünen Sei anonklelde Lauras hervorschauten. Wenn er aber sprach, so schwärmte er dem Mädchen vom großen Beethoven in Wien vor, so daß ihre Augen immer feierlicher wurden. . „Tanzen möchten wirl" rief die schlanke Mizzi- „ Schon hatte Schubert sich die Gitarre reichen lassen, und nun zauberten diese runden, scheinbar gar nicht recht dazu taugenden Hande I aus dem Instrumente Walzer, Ecossaisen und Ländler hervor; Garben von Musik sprühte der kleine Musikant in dm abendschattigen Festsaal. I Fallmoser drehte die Frau Direktorin, die Naive tanzte mit dem Intriganten, der Bovivant mit der Hübschesten vorn vielen Volk, Vogl mit der Blonden im grünen Kleide. . Laura stand seitlich bei Schubert: „Und Sie, mögen Sie nit tCm3,3d)? ich muh doch Musik machen, daß die Leutln tanzen können; ich mach' immer Musik, wenn die anderen tanzen und singen und ^Da setzte sich Laura schweigend, so, daß sie seine Kunst nicht störte, I neben ihn, und er fühlte, wie sie unmerklich ihre Schulter an ihn lehnte. . . I ,Aber nun, verehrtester Herr Kammersänger, dürfen wir nun auch I Sie" bitten?" fragte in der Tanzpause Fallmoser mit einer Verbeugung, I die im ersten Wiener Salon hätte sich sehen lassen können. „Gerne, sehr gerne, Verehrtester, und nun sollen Sie schauen, wen I Sie' da in Ihrer Mitte haben!" ! Franz Schubert setzte sich mit der Klampfe auf eine moosige Felsbank, Vogl stand neben ihm, und rund im Kreise lagerte das bunte Vagantenvölkchen, vorn Laura und die blonde Mizzi. In die lachende Heiterkeit tauchte gleich dem Abend, der sich senkte, die weihevolle Stimmung schönster Schub ertlieder. Vogl, von dem Außergewöhnlichen ergriffen, übertraf sich selbst, Pyrkers „Heimweh" und die Allmacht , in der die Wucht des Hochgebirqs zu dunkeln scheint, der „Erlkönig , und endlich Walter Scotts „Ave Maria" erschütterten; die Frauen strichen sich erschauernd die Augen, und auch die Männer fühlten die Gewalt der Stunde. ...., „ _ , ,, , Kein lauter Beifall, nur Händedrücken und andächtige Worte tiefer I Ergriffenheit. I Da bemerkte Vogl, allen Dank von sich auf feinen Begleiter lenkend, in stark wienerisch gefärbter Sprechart, um selbst seiner Rührung Herr I zu werden: „Ja seg'n Sie, das ist nun der Schubert Franzi, Beethovens Kronprinz und Reichsverweser, der kann das so, der macht das so I nebenher, wie wir ein Glast Heurigen trinken!" Und griff nach dem Glas, und bald war heller Becherklang rund um den kleinen Musikanten, der am liebsten immer nur mit dem einen I Glase angestoßen hätte, dem Becher der dunklen Laura. „Aber nun, Schubert, müssen wir nach dem Watzmann schauen; es finstert schon, ich wette, er liegt schon halb in Nacht und Nebel." I Und während das Theatervölkchen, wie befreit von einem Druck, I mit Lärm und Juchhei sich dem Faß wieder zuwandte, und der Bucklige, ehrlich aber schlecht, die Klampfe schlug, schritten Vogl und Mizzi, gefolgt von Schubert und Laura, der Höhe zu; kaum konnte man noch I den Weg sehen. Laura erzählte, eng an ihren Begleiter geschmiegt, von ihren wirren Lebensschicksalen. „Jst's wahr?" wiederholte Franz, der ihr den Arm vorsichtig um die Schulter gelegt hatte, mehrmals gedankenlos, denn er horchte nur auf den klingenden Wohllaut der Mädchenstimme, in der die Begeisterung für die große Kunst leuchtete. Nun waren sie am Aussichtspunkt angekommen. Vor ihnen das herrliche Tal lag schon im Dunst, die Berge vorne wuchsen verdüstert immer mehr in die Höhe, aber der Watzmann und die Hohe Göll, das Hagengebirge und die Tennenberge glühten noch im rosigen Schimmer der schon versunkenen Sonne. „ Vogl behauptete, er wisse weiter oben noch einen besseren Platz, und das Paar stieg allein weiter. So sah Schubert, eng an Laura gelehnt, deren hingebende Zärtlichkeit er bebend empfand, und sah das Glühen der Alpen langsam in Nacht versinken; wie ein Wirbel überkam ihn plötzlich der Wunsch, dies schöne Wesen, dessen ernste Augen auf ihn warteten, an sich zu reißen, zu besitzen, glücklich zu sein. Aber da überbrauste ihn auch schon wieder der leidige Begleiter seiner letzten Jahre, der Kopfschwindel, dies schreckliche Gefühl, in endlose Abgründe zu stürzen, diese beklemmende, wesenlose Angst, die ihn so oft ergriff, wenn er das nahe Glück halten wollte. Es war ihm, als ob er in einen eiskalten Brunnen versinke. Linkisch, mit Hast, erhob er sich, ganz verstört von seiner Hilflosigkeit, küßte dem erschreckten, ratlosen Mädchen leidenschaftlich die Hände, küßte auch einmal zart die kühle, blasse Schulter, lief den Weg, den Vogl gegangen war, wie verstört ein paar Schritte in die Höhe, und, weil ihm in seiner Verwirrung nichts Besseres einfiel, rief er: „Herr Vogl, Herr Vogl, das Kalefch'l wartet doch, da ham'mer drauf oergeffen!" Vogl erschien in bester Laune, ein wenig verwundert, Mizzi schmollte; kaum konnte der Kammersänger seiner Begleiterin schönsten Dank und Abschiedsworte für den Herrn Direktor auftragen, so flüchtete Schubert davon. . , Am Portal von Hellbrunn war der Wagen verschwunden, so daß die beiden zu Fuß nach Salzburg zurück mußten. Unter den gewaltigen Ulmen schritten sie; Schubert summte und brummte eine stürmische Symphonie in die kühle Nachtluft, von rechts und links holte er mit jähen Handbewegungen die Stimmen heran. Vogl lauschte stillzufrieden. Als der Musikant einen Augenblick schwieg, äußerte der Kammersänger wie beschwichtigend: „AK, wissen's, Schubert, mit den Madeln ist es nicht viel; solch ein Alpengebirg, ein machtvolles Talbild, ein tiefer Sternenhimmel und vor allem Ihre göttliche Kunst sind doch viel mehr; es ist nichts mit den Madeln!" „Ja schon, wann mer sie hat!" sagte Franz Schubert halblaut, als spräche er mit sich selbst, und lieh seine geweiteten Blicke ins Gewühl ber Sterne sinken. franfen mag die Königin nicht viel traumlose Nächte gehabt haben. Im Ankleideraum hängen noch die Gobelins, die sie jeden Morgen begrüßten, und ihr Spiegel. In Lord Darnleys Zimmer lagert es wie blutige Schatten ... Audienzzimmer und alle Räume, tapeziert mit kostbaren Gobelins, enthalten viele persönliche Andenken Marias ... Aber alle diese schweigenden Schlafzimmer, die langen Galerien, Garderoben und Säle wirken unheimlich, wie Orte, an denen viel geschah. In dem berüchtigten „Supperroom“ ließ sich Maria abends von Rizzio vorlesen, nur die Intimsten hatten hier Zutritt. Hier fanden ihre stürmischen Unterredungen mit dem schottischen Luther, dem Reformator John Knox, statt, der ihr ihren bösen Lebenswandel vorwarf. Hierher drangen abends die Lords Darnley, Douglas, Bot h well und N u t h v e n ein und ermordeten den armen Rizzio, der nicht entfliehen konnte, auf diesem Teppich liehen sie ihn verbluten, zu Füßen der wehrlosen Königin ... Im Schloßgarten huscht ein Sonnenstrahl zärtlich über die sonderbare Sonnenuhr mit den Daten von 1565, deren stillem, ewigen Spiel Maria so gern zusah. Abseits im Schloßgarten an der Mauer steht ein sonderbares kleines Steinhaus. Hier badete die Königin ihren schonen Körper „in Wein". Kastanien umblühen weihrosa das schreckliche Schloß, über dem uns überall das Bild der enthaupteten Königin Maria Stuart verfolgt. Ueberall sieht uns ein Porträt ihrer kastanienroten Schönheit an, ein Relief, mit ihrem stolzen, feinen Profil ... in allen ihren Schlössern weht uns etwas an, das an ihr Ende erinnert, Jahrhunderte haben das Blut nicht wegwischen können, das während ihrer unglücklichen, unbeherrschten Regierung geflossen ist und — — nachher ... In der Nähe auf dem alten Kirchhof liegen „800 schottische Rebellen", die Märtyrer begraben, die für ihren Glauben kämpften, und jene schottischen Edelleute, die für ihren König starben, als das Land im Bürgerkrieg stand, unbeugsame, treue Royalisten. Eines der tragischsten Schlösser ist „Loch-Leven“ am Meer. Dorthin flüchtete Maria vor ihren eigenen Untertanen, wurde gefangen gesetzt, und hier zwang man ihr die Feder in die Hand, um ihre Abdankung zu unterschreiben, und von hier aus bestieg sie jenen unsicheren Nachen, der sie nach England entführte, wo sie hoffte, in den Armen Elizabeths — Frieden zu finden und fand — Gefangennahme, Gericht und den Block ... In schottischen Balladen werden diese einsamen Schlösser besungen, die im rauhen Hochland oder an der Küste stehen, wie übriggeblieben aus einer blutigen Zeit, grandiose Schlösser für Seeräuber am Meeresstrand, Burgen für Raubritter, Festungen für Staatsgefangene und politische Verbrecher, Grabstätten religiöser Märtyrer und „Rebellen", Kapellen, in denen man eine Königin vermählte, und ein paar Jahre später ihren enthaupteten Körper begrub ... Eine blutige Geschichte hat Schottland. Gemordet, hingerichtet, gehängt, tönt es immer wieder aus den Erzählungen der Führer ... Hinter fast jedem Namen steht ein Kreuz: Gehängt, enthauptet, beheaded, executed ... Es gibt dort ganze Galerien Enthaupteter ... die Welt um Maria Stuart ... Man hat die Königin später reinzuwaschen versucht von dem Verdacht, an dem Mord ihres zweiten Gatten Darnley beteiligt gewesen zu sein ... Nie hat sich das Rätsel gelöst, wer Darnleys Haus unterminiert hat, und wer ihn vorher erwürgt hat. Archibald Douglas oder ein anderer, der mit im „Geheimbund der Lords" war?. Aber sie alle, die mit im Bund waren, haben unselig geendet, erschlagen auf offener Straße, geköpft, hingerichtet oder im Ausland elend umgekommen. Graf Bothwell gelang es zwar, dem Tode zu entgehen, als Maria abdankte und flüchtete ins Ausland. $- Schloß „Abbortsfordhouse“, in dem Wolter Scott als Grandseigneur lebte und starb, liegt in tiefer, grüner Wieseneinsamkeit, unzerstört und heute noch im Besitze seiner Familie, eine Burg mit Mauern und Zinnen, breiten Terrassen und großartig angelegtem, riesigem Park. Er baute sich dieses Schloß von seinen Verlegerabrechnungen „bit for bit“, das einzige schottische Schloß, das ich sah, ohne Kerker und unterirdische Verließe, in dem keine Verbrechen geschahen. Das Haus eines Dichters, wohnlich und elegant eingerichtet, an einem stillen Fluß, abgekehrt von der Welt ... Heber das elektrische Fernsehen. Von Prof. Dr. Arthur Korn, Berlin. Die elektrische Fernphotographie, d. h. die telegraphische Uebertra- gung von Photographien, mit und ohne Draht, ist eine Etappe auf dem Wege zum elektrischen Fernsehen. Für die Anwendungen der elektrischen Fernphotographie, von welchen die Anwendungen für die Polizei und die illustrierte Presse besonders wichtig sind, macht es nichts aus, wenn die Uebertragungszeit für ein Bild selbst nach Minuten zählt; in Wahrheit können wir bereits für sehr detailreiche Bilder auf Uebertragungszeiten von einer Minute und darunter gehen. Aber für ein elektrisches Fernsehen ist eine weit größere Uebertragungsgeschwin- digkeit eine conditio sine qua non; ein Bild, welches man fernsehen will, etwa in der Weise, wie man im Kino auf einer Leinwand lebende Bilder an sich vorüberziehen läßt, muß in */is bis 1/io Sekunde vollständig abgetastet, übertragen und wieder zusammengesetzt sein. Theoretisch scheint nach der Lösung des Problems der elektrischen Fernphotographie, welche ja schon erfolgreiche Schritte in die Praxis getan hat, auch für das Fernsehen keine prinzipielle Schwierigkeit vorhanden zu sein. Man braucht ja nur, wenn man mit der Telegraphie auf einer Wellenlänge nicht zu genügend großen Geschwindigkeiten kommt, eine Vielheit von Wellenlängen zu benützen, indem man jeder Wellenlänge einen bestimmten Teil des Bildes zuordnet; wenn man nun aber praktische Re- sultat« erzielen will, zeigt sich bald, daß die Verwendung einer Vielheit von Wellenlängen ökonomisch und organisatorisch zu solchen Schwierigkeiten führt, welche zur Zeit noch einen Fernsehbetrieb für brauchbare Bilder mit genügenden Einzelheiten illusorisch machen. Nichtsdesto- weniger begegnet auch das Fernsehen von ganz groben Bildern, z. B. von Köpfen, welche kaum Porträtähnlichkeit zeigen, einem so großen Interesse, daß gelegentlich Fernsehversuche in das gewöhnliche Rundfunkprogramm eingefchoben werden. Es ist ja immerhin ein passiome- rendes Resultat, daß man einen Rundfunkredner, wenn, die geeigneten Apparaturen zur Verfügung stehen, dem Rundfunkamateur, wenn auch nur in ganz groben Umrissen, sichtbar machen kann; der Funkbastler wird an solchen Versuchen seine Freude haben, und es ist daher durchaus zu begrüßen, wenn den Funkamateuren Gelegenheit zu solchen Versuchen gegeben wird. Nur eine Gefahr ist vorhanden, nämlich die, daß eine den gewinnsüchtigen Interessen einzelner dienende Reklame die Erwartungen zu hoch gespannt, und daß die dann nicht ausbleibende Enttäuschung der Entwicklung der Bildtelegraphie durch Abstumpfung des Interesses für diesen einen nicht so leicht gutzumachenden Schaden zufügt. Es ist daher nützlich, wenn die Funkamateure möglichst genau über das, was gegenwärtig von den Fernsehversuchen zu erwarten ist, aufgeklärt werden. Es geschieht das am besten, wenn man davon ausgeht, wie man jedes Bild aus einer großen Zahl von Bausteinen (Bildelementen) zusammengesetzt denken kann. Bei der größten Zahl der Reproduktionstechniken in den illustrierten Zeitschriften und Zeitungen erkennt man, wenn man ein Bild mit einem Vergrößerungsglas betrachtet (bei groben Bildern ist manchmal ein solches nicht einmal erforderlich) in jedem kleinen Flächenteilchen eines Bildes eine große Zahl von dunklen Fleckchen auf hellerem Hintergründe, die größer oder kleiner sind, je nach der Helligkeitstönung des Bildes an der betrachteten Stelle. Manchmal sind es 16, manchmal 25, oft noch mehr solche Fleckchen, die in einem Quadratmillimeter gezählt werden können; man sagt, das Bild ist um so feiner gerastert, je mehr Fleckchen von richtiger Dimensionierung in der Flächeneinheit vorhanden sind. Bilder von 13 mal 18 cm zeigen schon recht gute Einzelheiten, wenn 16 solcher Bausteine auf dem Quadratmillimeter vorhanden sind, bei feinerer Rasterung können natürlich noch bessere Einzelheiten zum Ausdruck kommen. Bei 16 Bausteinen pro Quadratmillimeter besitzt ein Bild von 13 mal 18 cm bereits 234 000 Bausteine oder Bildelemente, es ist auch dann noch nicht im allgemeinen so detailreich, wie die Bilder, wie wir sie in den Kinotheatern — jedes Bild als ruhend angenommen — zu sehen gewöhnt sind. Ein solches Bild können wir heute drahtlos in einer Minute telegraphieren, feien wir optimistisch, bei Verwendung aller Finessen der Bildtelegraphie in einer halben Minute, selbst in einer viertel Minute, wenn wir uns einer einzigen Wellenlänge bedienen. Es ist bei dem heutigen Stande der Telegraphie nicht daran zu denken, diese Zeit auf */« bis Sekund« abzukürzen, auch wenn man sich einer kurzen Wellenlänge bedient (lange Wellen kommen für rasche Uebertragungsgeschwindigkeiten von vornherein nicht in Frage). Wie kann man sich nun helfen, dennoch Fernsehversuche zu ermöglichen, wenn man nicht eine Vielheit von Wellen verwenden will? Das geht eben nur, indem man die Anzahl der Bildelemente pro Bild erheblich verkleinert, z. B. auf 2000 und noch weniger verringert. Man muß sich also auf den hundertsten Teil der Einzelheiten jener Bilder beschränken, di« im allgemeinen für die praktisch« Verwendung grade ausreichen. Es ist wahr, daß man einen Kopf mit einiger Porträtähnlichkeit schon erkennen kann, wenn er aus 5000 bis 6000 Bildelementen zusammengesetzt wird, bei 2000 Bildelementen ist aber nur an eine sehr entfernte Aehnlichkeit zu denken, welche sich das Auge gelegentlich herauskonstruiert, wenn die betreffend« Persönlichkeit bekannt ist. Auf der Basis von etwa 2000 Bildelementen pro zehntel Sekunde sind nun tatsächlich die bisherigen Fernsehversuche ausgesührt worden; laboratoriumsmäßig, also auf ganz kurz« Entfernungen konnte man wohl etwas weiter hinaufgehen, aber sobald es sich um wirkliche Fernübertragungen handelte, war man bei dem heutigen Stande der telegraphischen Technik an der Grenze angelangt, und es ist auch vorläufig gar nicht zu erkennen, wie man weiterkommen wird, ohne zu einer Vielheit von Wellenlängen und damit zu einem überaus kostspieligen und komplizierten Betriebe überzugehen. Ohne damit den Wert der Versuche anzutasten, welche bis an das Maximum des Erreichbaren heran- gegangen sind und Herangehen, ist es gut, wenn diese Feststellungen möglichst oft und möglichst laut gemacht werden, damit den Schäden der llebertreibungen des bisher Erreichten vorgebeugt wird. Es ist ein durchaus falscher Vergleich, wenn gesagt wird, bei den ersten Rundfunkversuchen hat man auch zunächst nur sehr primitive Resultate gehabt, wie wunderbar und wie rasch haben sich diese Resultate zu etwas praktisch Brauchbarem entwickelt, genau so wird es auch mit den Fernsehoersuchen sein. Als sich der Rundfunk entwickelte, etwa vor 5 bis 6 Jahren, wußte man, daß man Wellen mit Wellenlänge bis zu 1000 Meter, akustische Schwingungen bis zu 10 000 überlagern und die akustischen Schwingungen, auch bei dem Empfang auf große Entfernungen, sauber wieder trennen konnte; die Entwicklung des Rundfunks war eine Behebung nicht prinzipieller Schwierigkeiten. Etwas richtiger würde der Vergleich fein, wenn man sich etwa an den Anfang der Entwicklung der drahtlosen Telegraphie Ende der neunziger Jahre stellen würde und zur damaligen Zeit einem Propheten des Rundfunks gegenüber« getreten wäre. Man würde ihm gejagt haben: vielleicht ist das einmal bei einer späteren Entwicklung möglich, aber neue, prinzipielle Erfindungen müssen hinzutreten, um das Ziel zu erreichen. Diese Erfindungen sind für den Rundfunk gemacht worden in einer Zeitspanne von zwanzig Jahren. Können wir ohne weiteres voraussetzen, daß die für ein praktisch brauchbares Fernsehen noch ausstehenden Erfindungen sich genügend rasch einstellen werden? Diese neuen, prinzipiellen Erfindungen, welche für ein praktisch brauchbares Fernsehen noch ausstehen, müssen sich auf einen präzisen Empfang von Hunderttausenden von Zeichen pro Sekunde mit Hilfe von einfachen und nicht zu kostspieligen Apparaturen beziehen, und ich hege die Ansicht, dies wird nur so möglich sein, daß man Wege findet, mit Hilfe einer Vielheit von kurzen Wellen ohne allzu kostspielige Methoden gleichzeitig zu arbeiten. Wenn dieses Problem zufriedenstellend gelöst wird, dann erst wird man mit großem Erfolg einen praktischen Fernfehbetrieb eröffnen können. Die bildtelegraphischen Apparaturen selbst machen keinerlei prinzipielle Schwierigkeiten, die Schwierigkeit liegt lediglich auf dem Gebiete der gewöhnlichen, drahtlosen Telegraphie. links? Kitte Sie," sagte Kowalew, „ein Tanner- oder Bubenstück ist an tn verübt morde. Ich bitte Sie, bekanntzugeben, daß derjenige, der '". z~ f.-.ri f. .„C. -r^.rri ___fptll kann. UttlUUL LVULVt:. x)Uf MlllV vtiuiunQu^vM», M a , ■ diesen Schuft herbeischafft, einer guten Belohnung gewiß fein rann. (Fortsetzung folgt.) ange. sprang .Gehorsamst nein," erwiderte der Türhüter, „soeben ausgefnhren? ,Da haben roir*sl" wieder in die Droschke und schrie mit verzweifelter Stimme: „Marsch, losl" „Wohin?" fragte der Kutscher. „Vorwärts, geradeaus!" „Wie — geradeaus? Hier geht's nicht weiter. Rechts oder für jemanden, der einen Zweifel, auch bekommen „Ja," fügte der Türhüter hinzu, „soeben erst. Wären Sie eine Minute früher gekommen, so hätten Sie ihn vielleicht noch troffen." Kowalew, ohne das Taschentuch vom Gesicht zu nehmen, Die Nase. Von Nikolaj W. Gogol. (Forljetzung.) Kowalew eilte der Kathedrale zu. Er drängte sich durch di« Reihe der alten Bettlerinnen, deren Gesichter mit Tüchern umwickelt waren, so daß nur zwei Löcher für die Augen frei blieben (früher hatte er oft über sie gelacht), und trat in das Innere der Kirche. Die wenigen Andächtigen, die sich darin befanden, standen in der Nähe des Einganges. Kowalew fühlte sich so verwirrt, daß er nicht imstande war zu beten. Den Herrn Nase suchte «r in allen Ecken, und schließlich erblickte er ihn ein Stück seitab von den andern Betenden. Die Nase hatte ihr Gesicht ganz in den roten Stehkragen verborgen und betete in andächtiger Haltung. ... „Wie soll ich an ihn herantreten?" dachte Kowalew. „Gekleidet ist er wie ein Herr und noch dazu als Staatsrat." Er begar*. neben ihm stehend, sich zu räuspern. Die Nase aber verharrte in ihrer frommen Haltung, betend, von Zeit zu Zeit sich tief verneigend. „ „ „Verehrter Herr," redete, Mut fassend, Kowalew ihn an. „Verehrter Herr..." „ „, _ , Was beliebt?" erwiderte die Nase, indem sie sich zu Kowalew Diese Frage brachte Kowalew wieder zur Besinnung und zwang ihn zum Nachdenken. In seiner Lage schien es ihm das Ratsamste, sich zu allererst an die Polizeiverwaltung zu wenden, — nicht darum, weil seine Angelegenheit in erster Linie die Polizei betraf, als einfach aus dem Grunde, weil alle Anordnungen der Polizei ein schnelleres Tempo hatten als solche, die von anderen Stellen ausgingen. Genugtuung zu suchen bei den vorgesetzten Stellen jenes Ressorts, dem die Nase anzugehören behauptete, erschien verfehlt. Denn wer solche Antworten gab, mußte sicherlich ein Kerl sein, dem nichts in der Welt heilig war. Also konnte sie in dieser Beziehung ebenso gelogen haben wie in der Behauptung, ihm, Kowalew, noch nie im Leben begegnet zu sein. — Schon wollte er dem Kutscher die Weisung geben, nach der Polizeiverwal- tung zu fahren, als ihm wiederum ein neuer Gedanke kam: Dieser Gauner und Betrüger, der schon bei der ersten Begegnung sich so ge- wissenlos benommen halte, konnte sich nur zu leicht den Moment wahrnehmen, irgendwie ganz aus der Stadt hinaus zu entschlüpfen, — und dann würden natürlich alle Nachforschungen vergeblich sein oder doch mindestens sehr zeitraubend, so daß, was Gott verhüten möge, ein Monat darüber hingehen konnte. Schließlich brachte ihn, wie es schien, der Himmel selbst auf den richtigen Einfall. Er beschloß, sich direkt an eine Zeitung zu wenden, um darin rechtzeitig eine genaue Beschiel- bung jenes Herren zu veröffentlichen, damit jeder, der ihm etwa auf der Straße begegnete, ihn sofort anhalten und herbeischaffen oder^ wenn dies nicht möglich wäre, wenigstens angeben könnte, wo der Halunke zu finden sei. Also, an diesem Entschlüsse festhaltend, befahl er dem Kutscher zur Expedition einer bekannten Zeitung zu fahren. Wahrend des ganzen Weges stieß er den Kutscher beständig mit der Faust m den Rücken: „Schneller, du Hund! Schneller, du Schuft! — Der Kutscher antwortete darauf stets nur mit einem „Ach, Herr und schüttelte dazu den Kopf, indem er sein Pferdchen, das langhaarig war wie em Pin - scher, mit dem Zügel antrieb. Endlich hielt die Droschke. Kowalew stürzte atemlos in ein tieines Empfangszimmer, wo ein greifer Beamter in einem alten, abgetragenen Frack, die Brille auf der Nase, am Tisch faß und, die Feder zwischen die Zahne geklemmt, damit beschäftigt war, die eingenommenen Kupfermünzen zu zählen. „Wer nimmt hier Veröffentlichungen entgegen?" schrie Kowalew, „ach, guten Tag! Ihr Diener", sagte der greise Beamte, indem er den Blick eine Sekunde lang hob, um ihn sofort wieder auf die verschieden geordneten Häuslein seiner Kupfermünzen zu senken. verantwortlich: Dr. Hans Thyriot. - Druck und Verlag: Drühl'sche Universitäts-Buch. und Sleindruckerei, D. Lange, Gießen. 9rCi,J3d) begreife durchaus nichts," erwiderte die Nase, „erklären Sie sich etwas befriedigender, bitte." .Verehrter Herr," sprach Kowalew nun mit Wurde, „ich weiß wirklich'nicht, wie ich ihre Worte auffassen soll... Die ganze Sache ist, meine ich, vollkommen klar ... oder Sie wollen eben nicht ... Denn Sie sind ja — meine eigene Nase!" Die Nase blickte den Major scharf an, mit leicht zusammengezogenen aSr°Sie irren, verehrter Herr, ich bin ich selbst. Außerdem kann es zwischen uns gar keine näheren Beziehungen geben. Den Knöpfen Ihres Uniformrockes nach zu urteilen, dienen Sie im Senat oder wenigstens im Justizressort, während meine Karriere die eines Gelehrten ist. Nach diesen Worten wandte die Nase sich ab und setzte ihr Gebet fort. Kowalew geriet völlig in Verwirrung und Verlegenheit. ,Mas soll ich tun?" dachte er. In diesem Augenblick drang von der Seite her das angenehme Rauschen eleganter Damenröcke an sein Ohr. In die Kirch» trat eine ältere Dame non ziemlich breiten Ausmaßen, lieber und über mit Spitzen behängt, sah sie einem gotischen Bauwerk nicht unähnlich. Ihr zur Seite ging eine schlanke jugendliche Gestalt m einem entzückend gerafften Kleide, ein strohfarbenes Hütchen auf dem Kopf, — das ganze Figürchen leicht wie ein Biskuittörtchen. Hinter den beiden blieb ein Herr von hoher Gestalt, feine Schnupftabaksdose öffnend, stehen. Ein voller Backenbart ragte aus mehrschichtigem Kragen hervor. Kowalew näherte sich der Gruppe, zog den batistenen Kragen seines Hemdes sorgfältig hoch, ordnete die Siegelsteine an Jemer Uhrkette, gab seinem Gesicht den Ausdruck liebenswürdigen Lächelns und betrachtete die junge Dame mit Aufmerksamkeit. Sie, zart wie ein Fruh- linqsblümchen, bekreuzigte sich, indem sie ein schimmernd durchsichtiges Händchen an die leicht geneigte Stirn hob. — Das Lächeln auf dem Gesicht Kowalews ging noch mehr in die Breit«, als unter dem strohfarbenen Hut hervor ihr Kinn und ein Stück der Wange sichtbar wurden.— Plötzlich aber prallte er zurück! Denn er besann sich darauf, daß er ja an Stelle der Nase ein Nichts im Gesicht hatte. Und Tranen traten ihm in die Augen. Er wandte sich, um diesem Herrn Nase direkt ins Gesicht zu sagen, daß er den Staatsrat bloß vortausche, daß er ein Schelm und Schuft und in Wirklichkeit weiter nichts sei, als bloß seine, Kowalews, eigene Nass... Aber die Nase war verschwunden, fort, gewiß schon weit voraus, vielleicht, um wieder irgendwo Visiten zu machen. , . , ™ ,, Kowalew verließ die Kirche. Draußen war das herrlichste Wetter. Die Sonne schien. Der Newski war überaus belebt von allerlei Volk. Damen gab’s in Mengen, ganze Wasserfälle und Kaskaden von Damen. Und da — war das nicht der ihm so wohlbekannte Hofrat, den er stets mit „Herr Oberst" anzureden pflegte, besonders wenn andere ßeilte babet waren, bic es I)orten? llnb hort, jawohl, auch Jaryschkm, Tischvorsteher im Senat, sein großer Freund, der immer verlor, wenn er beim Boston auf acht setzte. Und da und dort, jener andere Major, der seinen Assessortitel wie er im Kaukasus erworben hatte, — er grüßt ihn, er winkt ihm mit der Hand... , „Hol's der Teufel!" rief Kowalew. — „Heh, Kutscher! Fahr mich geradeswegs zum Polizeimeister!" , Kowalew setzte sich in die Droschke und schrie dem Kutscher immer wieder zu: „Fahr, was du kannst!" t m .* „Ist der Polizeimeister zu Hause? rief er, in dessen Vorzimmer tretend. umwandte. „Es wundert mich, verehrter Herr... es scheint mir ... Sie sollten wissen, wohin Sie gehören. Und plötzlich finde ich Sie, wo? — in der Kirche. Sie werden zugeben ..." „Ich verstehe nicht, was Sie sagen wollen. Erklären Sie sich. „Wie ihm dies erklären?" dachte Kowalew, und indem er sich einen Ruck gab, begann er von neuem „Gewiß, ich ... Uebrigens bin ich ... So ohne Nase herumzulaufen, Sie werden zugeben, daß dies für mich nicht dasselbe bedeutet wie etwa für irgendeine alte Händlerin, die auf der Woskressenski-Brücke gereinigte Apfelsinen verkauft, — für die mag es noch angehen, so ohne Nase dazusitzen. Aber £“~ " Gouverneursposten zu erwarten hat und, ohne „ , . wird ... Ich weiß nicht, verehrter Herr (dabei hob der Major die Schultern), Sie entschuldigen... wenn wir die Sache mal vom Standpunkt der Pflicht und der Ehre betrachten ... Sie werden selber be- „Jch möchte drucken lassen ... . ,, . Gestatten Sie, ich bitte, sich ein klein wenig zu gedulden , antwortete der Beamte, indem er mit der rechten Hand eine Zahl auf ein Stück Papier schrieb und zugleich mit den Fingern der linken zwei Knöpfchen seines Zählbrettes weiterrückte. Ein galonierter Diener von ziemlich sauberem Aussehen, was auf feine Zugehörigkeit zu einem aristokratischen Haushalt schließen ließ, stand einen beschriebenen Zettln der Hand am Tisch und fühlte sich offenbar gedrungen, stme gesellschaftlichen Talente leuchten zu lassen: „Wollen Sie es mir 9hüben, mein Herr, das Hündchen ist keine acht Zwanziger wert das heißt, ich würde auch keine acht Groschen dafür geben. Aber d,e ©rafin liebt e« nun mal, weiß Gott, sie liebt es, — und da, wer es findet, bekommt hundert Rubel! Unter uns gesagt, die Geschmäcker sind doch sehr ver- schieden. Nehmen wir zum Beispiel einen Jager so mag er sich m«, ' netroegen einen Jagdhund ober einen Pudel halten, der ihm v elleichl fünfhundert Rubel oder gar tausend wert ist, wenn s nur wirklich em guter Hund ist." ., Der ehrwürdige Beamte hörte ihm mit wichtiger Miene zu- gleichzeitig die Buchstaben auf dem Zettel zählend. In dem Raum befanben sich außerdem noch eine Menge alter Weiblem, lunger Handlung qehilsen, Dienstboten und Hausdiener, alle mit irgendwelchen Anzeigen. Auf bet einen bot ein Kutscher seine Dienste an, ehrlich und nuch em — auf der andern wurde eine Kalesche angepriesen, wenig gebraucht 1814 aus Paris mitgebracht. Em Dienstmädchen, 19 Jahre alt, Wäschewaschen geschickt und im übrigen zu allen Arbeiten ju gebrnm chen. Ein junges feuriges Pferd, grau geapfelt, 17 Safcre alt. Eine » mit allen Bequemlichkeiten nebst einem Grundstück, geeignet zur an tage eines Birken- oder Fichtenparkes. - Das Zimmer, das diese ganze Gesellschaft vereinigte, war klein, und die Luft war zum Schneien bi ■ Der Kollegien-Assessor Kowalew aber spurte von all den GeruaM nichts, den abgesehen davon, daß er sich das Taschentuch vors Gesich hielt, war ja sein Riechorgan selber, weiß Gott, wo. „Lieber Herr, ich möchte Sie bitten, die Sache ist für mich W dringend", sagte er schließlich mit Ungeduld. „Sofort, sofort! ... Zwei Rubel dreiundvierzia Kopeken ... Eine Augenblick! ... Ein Rubel vierundsechzig Kopeken!" murmelte ber gro“, haarige Herr, die verschiedenen Anzeigen in Empfang nehmens. „Womit kann ich dienen?" wandte er sich schließlich an Konmlew. -------- - jn Gauner- oder Bubenstuck ist an nn