-chulzen c feiner r Haus, ■ Hände ,e> herz- so laut gt wur- rach den so sehr len half, fördern- >ie seine neideten schnatter Gießener ZaMeMMer Unterhaltungsbeilage zum Giehener Anzeiger Jahrgang 1929 Freitag, den 2t. Juni Nummer 4? >e. Aber nd ftatt Stund«, denn er Gehör, 3 Gänse n Lärm nächsten Aber sie in Arm. > Gelüst, , gründ- Weiden- vor sich ernt) die en muß- brachte, i Krause Doppelte aus der An die Entfernte. Von Nikolaus Lenau. Diese Rose pflück' ich hier, in der fremden Ferne; liebes Mädchen, dir, ach dir, brächt' ich sie so gerne! Doch bis ich zu dir mag ziehn viele weite Meilen, ist die Rose längst dahin, denn die Rosen eilen. Nie soll weiter sich ins Land Sieb von Liebe wagen, als sich blühend in der £)an* läßt die Rose tragen; Oder als die Nachtigall Halme bringt zum Neste, oder als ihr süßer Schall wandert mit dem Weste. vollen, naiven, heroischen Neugierde mehr fähig, wie diese unsere Vorgänger. Sie leihen uns nicht nur die Schärfe ihrer Augen, sondern auch die Spannkraft ihrer Seele. Verschieden aber steht es in diesem Betracht mit solchen alten Reiseberichten, ob sie den Orient oder den Okzident $um Schauplatz haben. Im Okzident (zu dem wir die beiden Amerika hier mitzählen müssen), also in den Ländern der geschichtlichen Veränderung, fließt ihr Zauber mit denen der Chroniken und der historischen Romane zusammen. Gerade dadurch, daß sie aber zum Unterschied von den Romanen, ein festes, bleibend wahres Hauptelement in sich tragen, das geographische erschüttert uns die Gewalt der Veränderung in allem Menschlichen, die sie uns vor Augen bringen. Doch entsteht ein eigentümliches Vergnügen hier dadurch, daß wir das rastlos sich Verändernde an einem früheren Punkte auffangen und dann die Entwicklung von dort auf uns zukommen sehen. Im Orient ist es aber gerade umgekehrt die Stabilität, die uns ergreift. Wir gewahren das Dauernde — nach den Maßen der eigenen Dauer dürfen wir fast sagen das Ewige —, an dem gemessen, die Jahrhunderte geringfügig erscheinen. Die Einfachheit der Grundverhältnisse alles Menschlichen tritt uns vor die Seele. Wenn wir von da wieder auf unsere Verhältnisse zurückschauen, erscheint uns alles über die Maßen verworren, kleinlich, verwickelt. ,as zarte a mußte stadt auf | n, schlich i Finger m besser in den gefangen chen, die :e. n Herde n Abend ’ten Kuß K n wenig mehr so Gottlieb ib einen 1 aus der Kathrin» Zahr zur n Schul- n herab, isel über iie nichts ihre Last daß der tte Gott- n Arbeit Mutter in dem nnigerer. fahre an । war er war ihr nbig er- in nichts Sopf und ind jam- *- ie stumm ihm eine h wenig- lastenden l Leichtsinn wie nur bas trat und gor Ließen- Lockung »er AZeite. Von Hugo von Hoffmannsthal. Fast alles, worauf das Trachten der Menschen geht, führt dazu, sie an eine bestimmte Stelle der Erdoberfläche zu befestigen. Sie heiraten und gründen ein Haus, sie verankern ihre Interessen, sie erwerben irgendwo ein Stückchen Macht ober Einfluß ober Besitz, und das alles bindet sie an. Sie reifen auch; aber es sind wiederum chre Geschäfte, ihre Bedürfnisse oder ihre gewohnten Vergnügungen, um derentwillen sie reifen und von denen sie umgeben bleiben, während sie den Ort wechseln. Aber die wirkliche Reiselust, die alles abwirft um des Neuen willen, und den Menschen von Land zu Land treibt, ist unter d-esem Anschein von Seßhaftigkeit verborgen und unzerstörbar. Die Wirklichkeit stellt ihr Hindernisse aller Art entgegen, aber sie sucht sich ihre Kompensation sum- mindesten in der Einbildungskraft und wird nicht müde, denen zuzuhören, die von ihren Reisen erzählen. Es gibt viel mehr Reisebeschrei- bungen unter den Büchern, die ort Liebe gelesen werden, als man bentt, denn dieses Element mischt sich mit anderen und teilt ihnen seine Kraft und Spannung mit, und unsere Phantasie reift so gern mit dem Abenteueret als mit dem Forscher, so gut mit Cortez und Pizarro als mit <5Den Hedin und Stanley. Wir reisen ebenso nut Don. Quijote und Wilhelm Meister als mit Loti, der alle Farben der Weltteile auf seiner Netzhaut auffängt, und mit Keyserling, der in den Waldklöstern von ff ufon und an chinesischen Seen die Konversation der Weisen sucht. Ja sogar ein Buch w>e Nadlers Literaturgeschichte zieht, glaube ich, einen Teil der vitalen Kraft, die es ausströmt, aus demselben Geheimnis. Nämlich wir schlagen es auf, und die Physiognomie eines geistigen Menschen ober einer Epoche in uns hervorzurufen (und nie ohne lebendigen Gew nn), aber zugleich führt es uns in eine der deutschen Landschaften hinein, die wie Becken, aber miteinander kommunizierende, mit geistiger Vitalität gefüllt sind; da sie kommunizieren, und geistiges Leben auf Berührung und Austausch ruht, fo gleiten wir von einer in bte andere; ungleich aber gleiten wir von einem Jahrhundert in ein nächstes. Wir waren in Schlesien und im siebzehnten und finden uns am oberen Rhein und im vierzehnten. Was wir durchgemacht haben, ist das auserlesenste Vergnügen und das europäischeste: eine Reise zügle»ch im Raum und in der Zeit. Ich nenne dieses Vergnügen darum das auserlesenste, well es zugleich einen Sinn schmeichelt, der uns eingeboren ist und sich auf bas Ganze des Daseins richtet, und zugleich die Avpet-te und Neugierde befriedigt, die gleichfalls zu unserem inneren Haushalt gehören und die unsere Aufmerksamkeit für bas einzelne beanspruchen: folgen wir aber einem Reisenden auf feinem Wege über b;e Erde, die Berg für Berg und Fluß für Fluß, ja Dorf für Dorf immer noch da ist, und zugleich in einer Vergangenheit, die für immer verschwunden ist, fo erfüllen wir, — das Dasein unseres Planeten zugleich in tre Breite und m die Tiefe umfassend, — das geheime Wesen unseres Jchs,^ groß zu fern (wie Macbeth es ausbrückt) „wie die allbeherrschende Luft". Ich führe auf diese Subtilitäten unseres Inneren die Vorliebe, zurück, die ich von jeher für alle Reisebeschreibungen selbst gehabt und bei vielen Menschen in den verschiedenen Ländern wahrgenommen habe. Auch Hai es etwas Beglückendes, die Merkwürdigkeiten der Erde ieweils nut öen Augen dessen zu sehen, der sie als erster (ober ungefähr als erster) gesehen hat. Es ist, als hätte er sie mit klareren Augen gesehen, schon darum, weil er sie nicht mit ben unseren sieht, unb als müßten wir, um fo rem ju sehen wie er, die unseren erst mit einem Quell waschen, ber nicht numer Zur Hanb ist ... Es ist aber vielleicht auch dies: wir finb keiner fo krast- Tessiner Reiselagebuch Von Max Geifenheyner. 1 Alle Reiseberichte sollten mit dem Bahnhof beginnen. Der Durchgang an ber Sperre ist die Geburt einer Reise. Der erste Schritt auf den grauen Bahnsteig, die geknipste Fahrkarte in der Hand, bedeutet Loslösung vom gewohnten und Beginn eines neuen, rätselhaften Lebens. Die Lokomotive, über deren kurzem Schornstein leiser Rauch wie zitternder Atem quillt, wird das noch Unwirkliche wirklich machen. Lang und schwarz steht sie in der Halle, die Brust mit weit vorstehenden Schilden gepanzert, bereit zu donnerndem Sturm in die Welt, heldisch, krafterfüllt, ein friedlicher Eroberer. Hinter ihr die Gefolgschaft ber schönen, gleichmäßigen, blinblings folgenden rotlackierten Schlafwagen. Fahrende Puppenstuben mit ihren schmalen, weißen, übereinanberliegenben Betten Wir waren wieder einmal fünf, wie vor einem Jahre, wo wir nach Dalmatien fuhren unb ich auf einer kleinen Station, während der Zug davonrollte, mitten im unwirtlichsten Karst stehen blieb, ohne Billett, ohne Gepäck, ohne Geld, ohne Kenntnis der kroatischen Sprache. Nur weil ich schnell noch meine Reisemütze aus dem Speisewagen holen wollte, der dort abgehängt ward. Das Ereignis wurde noch einmal durchgelächelt. Meine Reisegefährten überlegten, was ich wohl diesmal anstellen würde. Inzwischen setzte sich ber Zug heimlich in Bewegung. Ein paar Laternen schwammen am Fenster vorüber, erst näher, bann ferner unb immer ferner. Die Stadt war vergessen. Sie lag irgendwo im Dunkel. Dafür brannten in unserem kleinen, langgestreckten, achträdrigen Hotel die Lichter um so heller. Ein netter, kleiner Junge hatte bereits herausbekommen, daß er mit einem unserer Reisegenossen, einem Maler, in einem Abteil, unb zwar im unteren Bett schlafen sollte. Schüchtern fragte er an, ob er nicht bas obere Bett haben könnte. Dieser Junge, sagte ich mir, wirb einmal bas Reisen ausgezeichnet verstehen. Er hat Sinn für die Romantik der sachlichen Dinge. Ich fühlte mich ihm verwandt, und sah es ihm an, er wollte, wie ich im Nebenkupee, unter ber Decke bes Wagens kleben, wie in einem Schwalbennest unb heimlich wachen und wenig schlafen, auf den Gesang ber Räber lauschen, auf bas Poltern ber Schienen, bas Rucken der Bremsen und die Abfahrtsrufe auf den Stationen. Als zwischen Traum und Wachen die Nacht halb vergangen war, stand um die fünfte Morgenstunde ein freundlich fragender Schwyzer in der halboffenen Tür, sah auf das Handgepäck, griff grüßend an die hohe soldatische Mütze und neigte höflich den blonden Zwirbelschnurrbart. Der brave „Tell" sah es unserem treuen, verschlafenen Augenaufschlag an, daß wir nichts zu verzollen hatten unb klappte die Türe wieder zu. Licht aus, Augen zu! Mir träumte nach einer Weile, ich sähe den bieberen Zollbeamten auf einer Almwiese in rotem Morgenlichte im Kreise ber Unterwaldner und Altdorfer stehen und mit erhobener Stimme rufen: „Abfahrt! Seid einig, einig, einig! Jede Mondnacht Schwur auf dem Rutli. Frühstück im Speisewagen!" r _,, E . , „ Aber die letzten drei Wort hatte bereits unser Schlafwagenkontrolleur gerufen. Cs ging auf acht Uhr. Schon sah man die ersten Hauser von Luzern, Sonnenlicht flutete durch die betauten Wagensenster, das Waschen im kühlen Wasser war eine Lust. Die Paare, die jungen unb die alten, die lebigen und die unlebigen, traten ben Gänsemarsch zum Kaffee an. Ja bas war die Schweiz! In ben breiten Fensterrahmen des Speisewagens die Naturgemälde des Himmels und ber Erbe, bis ewigen sakralen Museumsstücke des lieben Gottes, mit dem Atem des Lebens Licht geholt, in nichts. Traum- tnit den warben, die ständig wechselten, den Figuren, die sich beroegten. Massiges Gebirge, in seiner Verbindung zur Erde von einem weißen ■ Dunstschleier getrennt schwebte fern und hoch in den Wolken wie ein Gruß aus dem Wettall, dem Auge nahe gerückt. Ach, ich glaube, unsere ; Dichter sollten in solchen Augenblicken auch Spiegelei essen Sie wurden ; die Synthese von Geist und Materie leichter und selbstverständlicher ; finben Vereinten sich nicht im Anblick dieser Landschaft und dieses v>ruh- stücks Gefühl und Geschmack zu einem einzigen bescheidenen, einfachen , und daher aufrichtigen Dankgebet für alle gutenGaben dieser Erde? Unten, in mattsilbernem Dunst der Vierwalosllitter See, ein blinber Tbeaterspiegel auf dem gewaltigen Toilettentisch der heroischen Bergprimadonnen, die, eben erwacht, ihre ?°unengluhenden GUeder reckten und zarte weihe Wölkchen in die Luft gähnten. Auf den Almen die breit ausladenden Häuser, hölzern, behäbig von bürgerlicher braver Ruhe Wieder mußte ich an unseren Schwyzer Zollbeamten denken. Er und die Häuser waren eins. Die hohe Beamtenmütze war nur Verkleidung, eine Piepe gehörte in sein braungebranntes Gesicht, eine Axt in feine Hand um einen Gartenzaun zu reparieren. Hier war die Froheit des Himmels, der Stolz der Berge, hier konnte sich niemand knechtisch neigen. In diesen Gehöften hatte jeder seinen eigenen Thron bäuerischer Gelassenheit gegen die Welt ausgerichtet. Die Fremden mochten kommen und daran teilhaben, für acht oder zehn, fünfzehn oder fünfundzwanzig kranken pro Tag. An den Stationen hinter den Bahndämmen standen höflich die freundlichen Schweizer Gasthäuser. Weiße Laken wehten gleich Serviertücher aus den Fenstern, und wenn man genau hinsah, machten die Dächer einen einladenden Bückling. Fluelen ist die letzte Station, bevor die Bahn von den offenen Mäulern der Tunnels gefressen wird. Fluelen? Das war doch auch ein Ort aus „Wilhelm Teil! Ich sah aus dem Fenster: Richtig, da stand „Bertha von Bruneck mit wehendem Reiseschleier, den zierlichen Reisekoffer in der Hand auf dem Bahnsteig, während „Rudenz" mit grünem Jüaerhütchen und in großen Nagelstiefeln träumerisch an ihrem hohen Gepackkoffer lehnte. ..Vierundsechzig Tunnels müssen Sie im ganzen durchfahren", erklärte der Schlafwagenschaffner, der auf der ganzen Reise immer o ver- qnügt ausfah, als führe der Zug nur jemetroegen m den Tessin. Er kannte die Strecke, wie er sagte, seit fünf Jahren und gab daher selbstbewußt allen Bergen einen falschen Namen. Aber inzwischen hatte er sorglich seines eigentlichen Amtes gewaltet und die schmale Schlafstube in einen kleinen Salon verwandelt. Da saßen wir nun auf dem langen weichen Sofa und machten die Türe zum Nebenabteil auf in dem sich unsere Freunde befanden. Der Maler kam hinzu und erzählte daß em kleiner Schlafgenosse vor lauter Aufregung mitten m der Nacht Nasenbluten bekommen habe. So ist das Schicksal. Immer hat es emen Nasenstüber bereit, wenn wir zu hoch hinaus wollen. Es gönnt uns nicht einmal ein Oberbett. Der Zug kletterte und kletterte. Im gewaltigen Anstieg der Serpentinen wurde die Luft dünner. In den Ohren begann em kleines Sauses, der Kopf war unter eine enge Glasglocke gefetzt. Das offene Fenster im Gang gab die Befreiung, kalt und rem die Atmosphäre der Höhe, durch keinen Rauch, durch kem Stäubchen verdorben. Die Nase trank gierig Luft um Luft. Zwischen steilen Abgründen schäumten die Gebirgswäsfer wie Sekt in grünem Glase. Die mächtigen Berge kühlten darin ihre breiten, grauen Pranken. In den Biegungen des Schienenweges wurden die braunen elektrischen Lokomotiven sichtbar Die Räder drehten sich wie toll. Beinahe komisch sah ihre Eile aus, als tarnen sie nun erst recht nicht vom Fleck. Und doch wanden wir uns schlank und elegant um die Berge, deren Hange mit Schnee bedeckt waren, der bis in die Täler hinab reichte. Die Sicht wechselte, als wurde gezaubert. Einmal stand eine Kirche hoch am steilen Abhang und m der Tiefe, ganz, ganz unten fischte ein Angler auf einem weißen Stein, mitten im rauschenden Gebirgsbach. Nach stmf Minuten schwn der Analer oben zu stehen und die Kirche war nach unten gerutscht. Vor der Einfahrt in den Gotthardt hielt der Zug wie vor einem besonderen Ereignis. Scharfe Luft zerschnitt das Gesicht. D,e Baume froren in der Sonne. Da oben, wo jetzt die Autos wie Spielzeuge bergan schnurrten, waren einst unsere Vorfahren Über den Gotthard geklettert, mit roter Nase, Frostbeulen an den Zehen, Eiszapfen im blonden Meld art, Sehnsucht im Herzen. Und wir, wir fuhren auf glitzernden Schienen mitten durch den Fuß des hohen Berges, in fünfzehn Minuten, nachdem acht Jahre für seinen Durchbruch nötig gewesen waren. Dann aber erlebten wir wie sie das große Frühlingswunder, von dem wir in so vielen Büchern guter und schlechter Poeten gelesen hatten. Plötzlich streichelte die Luft wie eine zarte weiche Hand die Backe, und die Sonne glich einem gewaltigen glühenden Ofen, den man tm Handumdrehen dicht an den Zug herangeschoben hatte. In den tief grünen Wiesen knallten die gelben Büschel der Primeln, über das silberne Grau der Vaumäste waren grüne Schleier geworfen. Ich sah beseligi zum Gotthard zurück und erblickte in Gedanken die Vorfahren, rote sie vom Berge herunterkamen, torkelnd, schreiend vor Freude, das hebe, alte naive Urvolk. Mit animalischer Lust senkten sie die Nasen in die Fruh- linqswunder der ersten Kräuter und Blumen. Die Eiszapfen schmolzen aus den Metbärten, und es war nicht festzustellen, ob das die Tranen der Rührung oder die Sonne vollbracht hatten. Aria Azura! Arme deutsche Sprache. Das kannst du nicht sagen. In diesen beiden Worten weht himmlische Luft, klingen ferne Zimbeln. Aria Azura! In dich gehüllt fuhren wir ein in den heiteren glücklichen Tessin. Ristorante an Ristorante an den Straßen. Vor den Haustüren Kinder und Lämmer, kleine Maulesel vor niedrigen, zweirädrigen Karren in den Laubengängen der Weinäcker Arbeiter mit den blitzenden sichelförmigen Messern auf dem Rücken. Geruhsame Leute überall. In diesem Lande kannte man keine Eile. Das Leben ging ja so schnell dahin. Welche Torheit, seinen Ablauf zu beschleunigen. War nicht jede Stunde ein Geschenk? Sollte man nicht in jeder mindestens einen Schluck roten Weines trinken, ein Stück weißen Brotes essen, eine Zigarette rauchen, ein paar Minuten nach der Sonne, nach dem Himmel, den Weinreben und den "lumen Ausschau halten? Die Sintflut. Ihre wissenschaftliche Betätigung. Von Dr Emil Carthaus. Eine wirklich überraschende Bestätigung hat der Sintflutbericht des ersten Buches Moses durch die jetzt bekannt gewordenen Ergebnisse der vom Field-Museum in Oxford veranstalteten 2t u s g r a bu njg e n m Mesopotamien gesunden. Hat man doch bei den biblischen Ur in Chaldäa inmitten von Sand- und Erdablagerungen, die reich an Kulturresten sumerischen Ursprungs (nachweislich aus der Zeit von 4000 bis 3000 v. Ehr.) sind, zwei durchlaufende Tonschichten gesunden, Die nur einige Tonscherben, aber erstaunlich viele Reste von Fischen und anderen Wassertieren einschließen. Diese legen also ein beredtes Zeugnis von einer über alles gewohnte Maß hinausgehenden Ueberslutung des Euphrai- qcbietcs an. Der Leiter der englischen Expedition, Prof. Langdon, sich diese als die biblische Sintflut an, von der ,a auch Ueberlieferungen ander der assyrisch-babylonischen vorausgegangenen akkadisch-sumeriichsn Kulturepoche berichten. Nun findet aber auch die Erklärung der Sintflut durch unseren Landsmann Franz von Schwarz eine ungeahnte ^^ Vom'russsichen^Gene^ralstab mit erdmagnetischen Messungen betraut, führte F. v. Schwarz im Jahre 1880 Untersuchungen in dem Gebiete von Zentralasien aus, wo westlich vom Balkaschsee em Ausläufer des himmelhoch aufragenden Tianschangebirges mit dem Dschungarischen Alatau zusammenstößt. Dort stand unter dem Namen Kaptagai aus den Karten eine angebliche Ruinenstadt verzeichnet. Noch in geringer Ent- fernunq täuschten die wie gewaltige Bastionen sich austurmenden Fels- masse/versallene Mauern und Zinnen einer Stadt vor, als aber Schwarz diese erstieg, sah er sich am Eingang einer riesenhaften, von senkrechten, kolossalen Felsgebilden eingeschlossenen Talmulde, die er in feinem Sud) Sintflut und Völkerwanderungen" so beschreibt: „Diese Talmulde ist te Originellste, was ich je gesehen habe. Die Felswände waren zu beiden Seiten bis an den oberen Rand in einer Weise zerrissen und ausg- waschen, wie ich es niemals in einem Flußtale bemerkt habe und « es nur an felsigen Meeresufern mit ganz besonders starker Brandung vorkommt." — Noch etwas anderes sah der Forscher von einem nahe gelegenen sehr hohen Gebirgskamm aus: „Das erste, was ich wahr- nahm " schreibt er, „war das eigentümliche Aussehen des sich zu meinen Füßen ausbreitenben Gebirges, welches nach der von m>r zuer t -- tretenen breiten Talmulde hin wie nut Schmirgel abgeschliffen ersch n (o daß es die Sonnenstrahlen wie ein Spiegel zuruckwarf. Jm unei eröffnete sich der ungeheure Talkessel der Dschungare,, zu meiner ^ fen ober die genannte breite Talmulde. An dem mir gegenubert egenben Tianfchangebirge bemerkte ich, soweit ich sehen konnte, °>ne eigentuml qe, durchaus auf gleicher Hohe bleibende Linie, die das Gebirge in ) streng geschiedene Teile teilte. Die unter dieser liegende GebirgsM war stellenweise so stark ausgewaschen, daß der mjd) beg!eitenbe mW. unwillkürlich ausrief: „Da kann man sehen, rote roett bie Sintflut gemq hat." Eine ähnliche, auf gleicher Hohe liegende Wassermarke konnte q auf dem hinter mir liegenden Alataugebirge verfolgen. Die Felsen ° sog. Ruinen von Kaptagai lagen unterhalb dieser Wassermarke. Ich w« mir der Tragweite dieser meiner Beobachtungen sofort klar, die an N Abhängen des Alatau und Tianschan hervortretenden Marken onn» nur Wassermarken sein, und die ganze Dschungarei und °ie mit in Verbindung stehende Mongolei, Wüste Gobi und das Tor A mußten folglich bis zur Hohe dieser Marke einmal vom Meer oe gewesen sein. Das Vorhandensein nur e i n e r scharf ausgepng Marke beweist, daß das Meer nicht langsam ausgetrotfnet, sondern pu 1 lieh abqeslossen sein und sich über die Balkaschebene ergossen haben ° . Dieser Abfluß hat offenbar durch die erwähnte ausgewaschene . stattgefiinden und die ungeheuren Wassermassen, welche das ganze i lere Asien bedeckt, sind mit rasender Geschwindigkeit als ein_ ®en ; 25 Kilometer breiter Strom über und durch das Kaptagaigebirg g i - und haben dieses, da es sich dem Strome wie ein unterseeische ü riff entgegenstellte, überall abgeschliffen". . nUirf, [Anette Dieser ungeheure Wasserdurchbruch und die außerordentlich l - Entleerung des einstigen mittelasiatischen Binnenmeeres, das o chinesische Sprache mit dem Worte Han-hai als trackengew bezeichnet, muh zu einer Flutkatastrophe ohnegleichen g l t{ on Bedeckte das Binnenmeer doch einen dem Mittelländische Größe mindestens gleichkommenden Flächenraum, und es mup i In der Ferne zwischen Felsen eine kleine blaue Platte, der erste Zipfel vom Luganer See. Immer breiter wurde die Flache, mächtiger stiegen die Berge an, Palazzi, hohe weiße Häuser, winzige daneben, Gärten und Villen im Florentiner Stil. Als der Zug im hochgelegenen Bahnhof von Lugano, außerhalb des Stationsgebäudes hielt, sah ich einen Gepäckträger, einen Fakino, auf dem Bahnsteig stehen Seine Gestalt überschnitt die Fläche des Sees, die scharfe Kappe auf dem schwarzen Kräuselhaar verdeckte ein halbes Bergmassiv auf dem gegenüberliegenden Ufer. Aus seinem braunen, bartstoppeligen, pfiffigen Gesicht glühten ein paar kohlschwarze Augen. Sie blaue bequeme Leinenjacke hielt am Hals ein knallrotes Tuch zusammen. Am liebsten hatte ich ihm gleich zehn Franken geschenkt. Für nichts und gar nichts. Er hatte sie sicher gelassen eingesteckt, in der Meinung, ich sei em Millionär oder ein Dummkopf. Wir fliegen in ein Auto. Die Sonne brannte heiß, überall waren Knospen am Aufbrechen. Der See leuchtete und gleißte. Wir waren noch berauscht von der Fahrt im Zug und schon drang neuer Rausch auf uns ein. So mochte Pflanzen zumute fern, bie tn einem Keller überwintert hatten und nun, ganz plötzlich ans L-ch* g-wi warme Erde gesetzt wurden. Wir sahen alles und sahen nichts. haft flogen liebliche Hügel, hohe Felsen, glanzvolle Besitzungen, üppige Gärten vorüber. Wir bogen schließlich in ein schönes Haus ein, wie in das letzte Bild eines höchst umfangreichen, vielfältigen und aufregenden Panorama-Guckkastens. Bühnenstar aus Berufsgründen neue Jugend sucht, lächelt man verständnisvoll; wenn aber ein beliebiger Angestellter, dessen Nase niemanden gefällt, oder den seine Chefs wegen feines verbrauchten Aussehens für zu alt halten, vom Chirurgen diese Feh er korrigieren lassen will, — beileibe nicht, um „schöner" zu werden, sondern lediglich um unauffällig wieder in der großen Masse der Gradnasigen, der Menschen ohne Warzen, der Nichtschielenden, mit einem Worte der Normalen unterzutauchen — so stellen sich noch heute alle Krankenversicherungen und Ersatzkosten auf den Standpunkt, ein solches Begehen sei Luxus. — Und weshalb soll es einer Frau verwehrt sein, sich die Runzeln und Falten glätten zu lassen, wir sind doch grausam genug, die e galten und Runzeln zu sehen und die Trägerin ihr Alter suhlen zu lassen. Die bekannte französische Aerztin Dr. A. Noel, e'ne der ersten, welche die korrigierende Chirurgie zu einer besonderen ärztlichen Disziplin ausgebaut haben, erzählt von einer 60jährigen Dame die — früher Empfangsdame in Luxus-Modehausern — durch den Krieg und durch die Spuren ihres Alters ihre Stellung verloren hatte. Trotz bester Empfehlungen wurde sie nirgends angenommen unb vor dem Nichts stehend, kam sie in ihrer Not zu Frau Noel. Diese operierte sie, nimmt ihr einige Hautstreifen heraus und zieht ihr die Haut wiederglatt. Der Erfolg ist, daß die Frau nicht nur sofort wieder eine Stellung bekommt, sondern jetzt so beschäftigt ist, daß sie drei Jahre lang keine «eit findet zu einer weiteren Operation, die Frau Noel für notig hau. - Oder ein anderer Fall: Eine 46jährige, früher sehr reiche. Dame verliert ihr Vermögen und muh sich ihren Lebensunterhalt selbst verdienen Sie findet Anstellung in einem großen Restaurant als Direktrice. Aber Sorgen und Gram haben zu rasch ihre Furchen gegraben, und schon nach einem Jahre erklärt ihr die Direktion, B iehe krank und müde aus und rät ihr einige Monate auszuruhen. Sie befurcht^ mit Recht, daß dies die Einleitung zur Entlassung ist und befindet sich nun in größter Sorge. Einer der Direktoren hat Mille d mit ihr unb empfiehlt ihr zu Frau Noel zu gehen. Diese entfernt ihr die Iranern sacke unter den Augen und die müden Falten um den Mund unb auf der Stirn, unb als bie Frau nach kurzer Zeit wieder e'nma, be, ,hrer Direktion vorspricht, gratuliert man ihr zu der schnellen Erholung und fragt gleich, wann sie ihren Dienst wieder ausnehmen könne. Zahllose Beispiele Netzen sich so noch aneinderreihen, die alle beweisen, em wie wichtiges soziales Problem hier vorliegt. Jeder der Aerzte, welche sich mit diesen Dingen beschäftigen, kennt solche Falle. Ein besonderes Kapitel find auch die seelischen Hemmungen das innere, persönlichste Unglück der mit äußeren Entstellungen und Kvrper- fehlern Behafteten. Gerade in unserer Zeit hat bas alte „mens sana in corpore sano" der Römer, der Spruch, von dem gesunden G ist, der nur in einem gesunden Körper wohnen könne, einen besonderen Sinn bekommen: die moderne Heilkunde will den ganzen Menschen gesund machen, nicht nur die körperlichen Organe. Wieviele nervöse Erfcheinungen, die zu krankhaften, chronischen Storungen fuhren können, sind nicht di« golae des quälenden Bewußtseins körperlicher Häßlichkeit. Besonders bie Sgrau, bei der Regelmäßigkeit der Formen bis zu einem gewissen Grade Funktionstüchtigkeit der Organe bedeutet, leidet besonders unter Entstellungen. Gegen übermäßigen Fettansatz, den häufigsten Schwiheits fehler der Frau, hilft meist Sport und Massage oder auch Diät, Schlaff beit der Haut, wie sie vor allem der Grund zur Entartung der Büste ist, ober auch übermäßiges Fett an derselben Stelle kann un allgememen nur der Chirurg beseitigen. Hier hat der Frauenarzt ebenso basJffiort wie ber Rassenhygieniker. Schönheit der Form bedeutet hier daß die Muskulatur den Erforbermssen ber Organe, die sie umhüllt und tragt, onaevabt ist- Entartung bildet nicht nur Grund zu dem viele Frauen quälenden Gefühl der Minderwertigkeit, sondern hat auch> unter: Umständen beträchtliche körperliche Beschwerden, Kreuzschmerzen, Atemnot, Herzstörungen und mancherlei andere Erscheinungen zur Folge. Und wie sehr muß gerade heute, in unserer körperbewußt gewordenen Zeit, die Frau und das Mädchen unter ber Angst leiben, vor den Kameradinnen und Kameraden im Sport, ber alle Kvrpersormen schonungslos enthüllt unb erst vor dem geliebten Manne lächerlich und entstellt zu erscheinen. Der Arzt erst wird häufig durch feinfühlendes Nachforschen entdecken, daß manche nervöse Erkrankungen gerade junger Mädchen ihre letzte Ursache in dem Bewußtsein ber Unvollkommenheit, der Un- ersülltheit ihres jungen Lebens haben. Die korrigierende Chirurgie ist eine subtile Kunst geworden, die heute schon die erstaunlichsten Leistungen vollbringt. Eine ganze Reihe hervor- raaenöer Aerzte haben sich der Vervollkommnung der Technik dieses Sverialgebietes gewidmet, lieber die ersten Versuche, mit Parafftnein- toritmnqen die Gesichtszüge zu korrigieren, ist man langst hinaus. Der moderne Schönheits"-Chirurg — um diesen häufig nutzverstandenen und mißbrauchten Ausdruck zu verwenden, — geht />er ur prunglichen cr-orm der Büge unb bes Körpers aus. Er arbeitet fast wie em Künstler, -uerst stellt er fest, durch mannigfache Versuche die Falten einzuklammern und die flaut zu spannen, wo er eingreifen mutz, um die Runzeln zu glätten bann werden bie Hautstücke angezeichnet, welche herausgenE- men werden sollen und schlietzlich werden sie — bei Operationen iwi Gesicht meist innerhalb der Haargrenze — herausgeschmtten und b>e Hautränder zusammengezogen. Die übrige Haut wird auf diese Weise gestrafft. Die Narben, welche dabei entstehen, verschwinden entweder unter den Haaren ober sie liegen hinter dem Ohr, unter dem Kinn ober sonst an unauffälligen Stellen und es ist erstaunlich, wie wenig schließlichan Svuren einer solchen Korrektur übrigbleibt Tränensäcke unter den Augen m beseitigen, erfordert einen kunstvollen Ausschnitt eines ijautftudes m Halbmondform. Die Narben, welche beim Verwachsen der Ränder entstehen, unterscheiden sich so wenig von den kleinen Fältchen 'welche schlietzlich unter dem Auge jedes älteren Menschen erscheinen, daß der Uneingeweihte sie gar nicht entdecken würde. Eine besonders kunstvolle Methode der ber weiblichen Büste, welche z B. die Heidel- l berqer Frauenärzte Dr. Amersbach und Frau Br. ® lac sm er aus- nebflbet haben, ermöglicht eine Wiederherstellung verlorener gormen- i sthönheii, wie sie der Laie nicht für möglich hielte. — Haut wird gestrafft, h„ Spiegel des riesenhaften Sees fast 2000 Meter über dem Weltmeer laa das Wasser aus ihm als ein 1200 bis 1500 Meter tiefer Strom mU unbeschreiblicher Gewalt zunächst in das Gelände um den Balkafchfee und von dort weiter durch das Tiefland bis zum Schwarzen Meer erhoffen haben. Dieses hochaufstauend, brach sich dann die Riesenflut einen Aq zum Mittelmeere durch die von ihr gesessenen Meeresstraben des Rnsvorus und der Dardanellen. Da aber auch das Mittelländische Meer die Plötzlich eindringende Wassermasse nicht fassen konnte brach sie e.ner- Icits durch die damals erst gebildete Straße von Gibraltar zum Atlanti- dien Ozean, andererseits über die Landenge von Suez zum Roten Meere wd an einer niedrigen Stelle der Küste zum oberen Euphrattale durch. TO™ d„rch diesen Durchbruch herbeigeführte Flutkatastrophe nun ist es, ron ber uns die Bibel als einem Zornesausbruch Jehovas genaueren Ebenso^ uüe' sich die in dem Bibelbericht erwähnten ungewöhnlich arvtzen Regenmengen durch die plötzlich eintretenden meteorologischen Umwälzungen, welche bas Hereinbrechen fo großer Wassermengen zur Ke haben muhte, gut erklären lassen, ist es nicht schwer, den Grund zu crnütteln, der seiner Zeit zum Durchbruch des großen mittelasiatischen Binnenmeeres an feiner Westseite geführt hat Er ist ohne Zweifel in einem ber heftigen tektonischen Erdbeben zu suchen. So richteten noch m allerjünqster Zeit Erderschütterungen bei Aschabad, Firuza und einigen anderen Orten dieses Landes arge Verheerungen an, und bei ben letzten großen Beben von Wernoe soll sich am Westabhang ber Jssikulsee zum ^yKnVlangk mit den Schwarzschen Feststellungen über den Verlauf her Sintflut hat sich die Sage von diesen Naturereigni sen nicht nur bei allen um das mittelasiatische Binnenmeer wohnenden Volkern erhalten ionbern auch bei allen Volksstämmen von indogermanischer und seim- tiicher Herkunft. Das erklärt nun der deutsche Forscher sehr gut dadurch, L sich das Klima von ganz Zentralasien durch die Trockenlegung des großen Binnenmeeres fo sehr verschlechtern mutzte daß es mit (einer Umgebung in Wüsteneien und Steppen umgeroanbelt wurde. Die Bevölkerung war dadurch zum Auswandern gezwungen. Hierdurch erklärt sich auch jene große Völkerverschiebung, welche die Jndogermanen vvm nüttelasiatischen Hochland teils nach dem britischen Indien, teils bis zum Lutzersten Westen von Europa führte. Die zum Süden bes asiatischen Festlandes, vordringenden Jndogermanen verdrängten die hier wohnenden Malaien unb zwangen sie zum Auswandern in das sudastatifche Jn elqebiet. Auch hier haben sich deshalb Ueberlieferungen über bte große Fk>' welche zu ihrer Vertreibung vom asiatischen Festland führte, erhalten. Daß die bei der klimatischen Veränderung aus betn mittleren nach dein nördlichen Asien ausgeroanberten Völker der mongolischen Menschenrasse Erinnerungen an die Sintflut bewahrt haben, leuchtet ein, daß dieses aber auch bei den Indianern der Fall ist, erklärt sich dadurch, daß mir in ihnen Angehörige derselben Rafse vor uns haben, welche nachweislich vom Norden Asiens ihren Weg über die Inselkette der Aleuten nach dem amerikanischen Festland genommen haben. Bisher haben die Feststellungen unseres Landsmannes F. o Schwarz hinsichtlich des Verlaufs der Sintflut — die nach seinen Untersuchungen ungefähr in die durch die Ausgrabungen von Ur ermittelte Zeit fallen muß — in wissenschaftlichen Kreisen viel zu wenig Beachtung gefunben. Es ist das wohl dem Umstand zuzuschreiben, baß deutsche Gelehrte bie Ursitze der Jndogermanen aus Zentralasien weiter nach dem Westen, ,a sogar nach dem nordwestlichen Europa verlegen zu müssen glauben. Man scheint hierbei über die hohe Entwicklung ber Kultur bet den dunklen Jndogermanen, schon in einer Zeit, als 'hre heller ges°ebten Stammverwandten nach langer Wanderung bis zum Westen und Norden Europa^ es noch nicht annähernd so weit gebracht hatten, völlig zu übersehen. Ist Schönheit Luxus? Zum Problem der korrigierenden Chirurgie. Von Dr. H. Rebmann. Der Mensch ist von der Natur eigentlich stiefmütterlich bedacht; kein Tier braucht so lange wie er, um ausgewachsen zu sein und keines wird so rasch alt. Auch die Spuren des Alters sind bei ihm besonderskraß. Ist es da verwunderlich, wenn er mit allen Mitteln seiner Intelligenz gegen die zerstörende Zeit antämpft? Für unsere Epoche hat dieser Kampf noch durch drei Umstände eine besondere Note bekommen, die Medizin ist zu der Erkenntnis gelangt, daß für das reibungslose Funktionieren der inneren Organe eine harmonische Korpergestalt nicht - deutungslos ist. Der Satz: „Schönheit ist Gesundheit „wurde dann von einer interessierten Industrie aufgegriffen unb als Reklameschilb benutzt der Sport, Film unb Theater, kurz eine ungeheure «ßropaganba orgt täglich dafür, baß er allen, die es angeht, täglich von neuem wieder eingehämmert wird. Unsere ästhetischen Anschauungen haben sich Uebereinftimmung mit diesen Tatsachen gleichfalls gewande1 ber gut gewachsene Körper steht in steigendem Ansehen, und Entstellungen, Abweichungen von ber Norm, alle Erscheinungen des 2leltertöe vom „Embonpoint" bis zu Glatze und Runzeln, welche die vergangene Generation noch als unabwendbare Naturerscheinungen hmnahm, heute mit viel größerer Schärfe als unschön empfunden Nicht Metzt aber hat der verschärfte Kampf um die Arbeitsplätze auch den Kampf 9 9 das Alter heftiger werden lassen und deshalb sollte eigentlich i Zeit, in der allen Ernstes das Problem diskutiert wird, ob der Angestellte über 40 Jahre noch voll arbeitsfähig sei und in der bei SteUen- bewerbungen die Photographie eine entscheidende Rolle spielt, di F 9 nicht erörtert werden müssen, ob etwa die Beseitigung von R 3 , »der die Korrektur einer schiefen Nase Luxus sei oder nicht. ~ Leider ist aber die soziale Bedeutung geradeder Arbeit. welche die Fachmedizin in dem Kampf gegen Alter unb Häßlichkeit lestte, zh weiten Kreisen nicht anerkannt. Es gilt immer noch als modische Extravaganz Reicher, wenn der Chirurg seine Kunst darauf verwendet emem durch Unfall Entstellten sein normales Aussehen wlederzugeben, über die neue Nase bes Boxers Dempfei) schrieben viele Zeitungen, wenn Verantwortlich: Dr. Hans Thyriot. tO'’(Sott[ieb setzte sich in der Schenke gleich an den ersten Tisch, forderte sechs Zigarren, diesmal aber zu fünf Pfennig das Stück, und ließ sich eine größere Flasche füllen. Ein paar alte Zechbrüder, die sich noch genau ; seines durstigen Vaters erinnerten, rückten zu ihm und lobten ihn laut, : daß er nun endlich Miene mache, ein ordentlicher Kerl zu werden. Das gefiel ihm so sehr, daß er ihnen immer von neuem die Flasche füllen lieh. - Druck und Verlag: Drühl'fche Universitäts-Buch- und Steindruckerei, R. Lange. ®,e6cn' Oben hui, unten pfui! ~ ,, . „ t, Kurzum, sie stritten sich noch eine Weile um Kathrina Krauses liche und vermeintliche Vorzüge und Fehler, wurden aber mch e>mg. In der Folgezeit hütete sich Katharina Krause, Mu ter ®Wn « die Augen zu kommen, und Gottlieb vermied es, au^Kathrmas " hin, mit seiner Mutter über den Punkt zu sprechen. So zog wenig! s äußerlich wieder die Ruhe in Mutter Schulzens Leben em> mner.-v : aber kochte sie noch immer mit gleicher Heftigkeit. Die Glut ihre i aber lieh das Gefäß ihres Lebens langsam zerbröckeln. | (Schluß folgt.) _____- Aber die Zigarren rauchte er selbst, immer eine nach der andern. Cx wurde lustig, schlug auf den Tisch, daß es dröhnte, zum Kartenspielen aber kam es nicht, denn er konnte trotz aller Belehrungen die Bilder nicht mehr ordentlich unterscheiden. Er sah nach der Wanduhr, doch es hals ihm nichts, die Ziffern tanzten ihm vor den umflorten Augen immer im Kreise herum. Das deuchte ihm denn doch etwas wunderlich und er ging bald hinaus in den klaren Frühlingsabend. Seine Brust dehnte sich im Vollgefühl feines außerordentlichen Mutes. Nun hatte er doch gezeigt, was er konnte! Es kümmerte ihn wenig, daß die beiden Taler zu einigen Groschen zusammengeschmolzen waren. Er wußte, daß er das Fehlende im Kopfe hatte, denn er war ihm schwerer als sonst. Bald nach rechts, bald nach links zog er ihn, daß er zuweilen gegen den Zaun lief. Plötzlich blieb er stehen, denn es kam ihm jemand mit zwei großen Eimern entgegen. Er wollte die beiden Eimer nicht gern aus dem Gleichgewicht bringen, trat auf die Seite und strengte sich vergebens an, seine widerstrebenden Gedanken unter einen Hut zu bringen. Es war ein Mädchen, das sah er wohl. Daß es aber Kathrina Krause war, das sah er nicht. Jetzt stellte sie die Eimer hin, um auszuruhen. Gottlieb machte ein paar Schritte auf sie zu. Kathrina hatte ihn längst bemerkt und lockte ihn an sich, indem sie leise seinen Namen rief. Da ging in Gottliebs dunklem Schädel ein Helles blendendes Licht auf. Er nahm sie bei der Hand, zog sie zu sich und wollte ihr einen Kuß geben. Doch ehe er noch dazu kam, riß sie sich von ihm los und stieß ihn mit beiden Fäusten zurück, daß er gegen den Zaun taumelte. Gottlieb fand das recht sonderbar und seltsam, aber sie zischte ihm ein paar Worte des Abscheus ins Gesicht, die ihn über ihre augenblickliche Abneigung hinreichend aufklärten. Dann nahm sie ihre Eimer auf und ging davon, so schnell sie nur konnte. Gottlieb sann lange nach, ob er auch wirklich betrunken war, aber seine Gedanken fuhren ihm durcheinander, wie die Bienen beim Schwärmen. Er kroch ins Bett und halte beim Einschlafen dasselbe Gefühl wie jener, der auszog ein Königreich zu gewinnen und unter dem Galgen aufwachte. Am nächsten Morgen traf er Kathrina Krause zwischen den keimenden Feldern hinter dem Dorfe und versöhnte sich mit ihr. Nur muhte er ihr versprechen, nicht wieder über den Durst zu trinken. Das war ihm eine Kleinigkeit, denn sein Kopf dröhnte noch von gestern wie ein Faß, in das ein Dutzend Hornissen geraten ist. Aber er hielt auch Wort. Die Samstagzigarre schmauchte et nach Feierabend vor Thielschers Hoftor, und Kathrina Krause ließ es sich viel zu gern gefallen, wenn er ihr einmal die blauen Augen voll Rauch blies. Mutter Schulzen aber bekam von der teuren Leidenschaft ihres Sohnes nichts mehr zu sehen und zu riechen. Und wenn sich Gottlieb wieder mit ihr vertragen lernte, so war es der besänftigende Einfluß Kathrinas, die fortwährend zum Guten riet. Mutter Schulzen merkte, daß Gottlieb anders geworden war, und forschte eifrig, wer die Ursache sei, denn daß ein Mädchen dahinter stecke, darauf führte sie bald die mütterliche Eifersucht. Auch bürstete sich Gottlieb zu viel des Sonntags die Stiefel, zeigte überhaupt einen Hang zur Eitelkeit, der seine nur aufs Nützliche gerichtete Erziehung Lugen {trä te. Mutter Schulzen, von Verdacht und Neugier gleichermaßen geplagt, schlich ihm eines Abends nach und fand ihn mit Kathrina Krause im geheimnisvollen und eifrigen Geplauder am Grabenrande vor Th.Aschers Hos- tOr Allein blutarmes Mädel, das nicht mehr zu eigen hat als das Hemd auf dem Leibe, wollte er sich also verplempern! Der Gedanke machte sie wild. Leichtsinnig war sie auch, denn wer so unklug lachen konnte, der war alles andere, nur keine Hausfrau, die zusammenhielt und mitver- diente. Und diesem Schandmädel sollte sie ihre sauer ersparten Taler lassen! Mutter Schulzen ballte die Hände und legte sich be, ihrem -..W- haufen in den Hinterhalt. Sie wollte es Gottlieb schon austreiben. Der ahnte nichts von dem drohenden Verhängnis. Als Kathrina genug geschwatzt hatte, begleitete sie ihn nach Hause. Vor Mutter Schulzens Häuschen nahmen sie lange und umständlich Abschied voneinander, als sollten sie sich eine Ewigkeit nicht wiedersehen. Plötzlich aber sprang, wie Rieten aus dem Busch, Mutter Schulzen aus ihrem Versteck hervor, di- Rechte mit einem Birkenzweig drohend bewaffnet. Diesmal hatte sic es auf Katharina Krause abgesehen. Doch Gottlieb sprang dazwischen und fing den Streich mit seinem breiten Rücken auf. Das war der letzie Schlag, den er von feiner Mutter bekam, der Ritterschlag, der ihn zum Manne machte. Er wand ihr den Zweig aus der Hand, nahm sie fe|tm die Arme, daß Kathrina Krause ungefährdet entfliehen konnte uno ms Mutter Schulzen ihrem Aerger durch allerhand starke Schimpfreden uc« die hergelaufene Dirne Luft machte, legte sich ihr Gottliebs breite Han höflich aber bestimmt auf den Mund. ■<., Dann führte er sie ins Haus, fetzte sie auf den Stuhl, und teilte Y mit, daß er Kathrina Krause freien würde, sobald er seine Milimriay hinter sich hätte. Mutter Schulzen war geknickt, sie weinte wie ein muw zum ersten Male fühlte sie ihre Schwäche und Ohnmacht. ., Gottlieb gab ihr gute Worte, um sie zu beruhigen. Was für ein. mq tiges Mädchen Kathrina sei und wie sie sich auf die Wirtschaft verston^ Auch sauber und nett sei sie immer. Aber damit kam er bei JJI« Schulzen schön an. Putzsüchtig sei sie wie ein Pfau und bringe nichts mm als das Hemd auf dem Leibe. Und wer weiß, wieviel Locher das ha - Fett wird entfernt und die Operationsnarben verwachsen meist so gut und sind so geschickt angebracht, daß sie fast unsichtbar bleiben. Wenn man die Operateure fragt, wer sich denn solchen Korrekturen unterziehe, so hört man immer wieder: natürlich häufig Bühnenkünstler und Künstlerinnen, Tänzerinnen, aber auch viele Frauen gerade mittlerer Kreise, Frauen und Töchter von Aerzten, Sportsleute, Menschen, denen die Schönheit sicher nicht ein Luxusbedürfnis ist, die einfach das Bewußtsein der Entstellung, der Häßlichkeit als Lebensuntüchtigkeit empfinden und nicht zu vergessen die vielen, die sich gegen die Kürze und Einmaligkeit des irdischen Lebens wehren, die das Alter fürchten. Wenn man aber das Problem auch von dieser Seite her durchdacht hat, dann muß man mit allem Ernst die Frage stellen: ist der Kampf gegen Dinge, die unser inneres und äußeres Dasein so tief durchdringen und stören können, wirklich Luxus? Mutter Schulzen. Erzählung von Ewald Gerhard S e e l i g e r. (Fortsetzung.) Gottlieb begann sich die Welt genauer anzusehen und fand sie recht schön und gut, nur Mutter Schulzen, wollte nicht hineinpassen. Da nahm er sie eines Abends ins Gebet und fragte sie auf den Kopf, warum sie sich denn so abrackere und das Geld zusammenhamstere, sie hätte es doch nicht nötig und solle sich lieber pflegen und sich was gönnen. Diese Frage kam Mutter Schulzen unerwartet, und unter Stöhnen rang sie sich das Geständnis ab, daß sie es nur für ihn täte. Dafür bedanke er sich bestens, aber er brauche es nicht, denn nächsten Samstag bekäme er fein erstes Wochengeld. Jetzt muhte Mutter Schulzen deutlicher werden. Sie tue es, daß er später nicht mit leeren Händen dastände, wenn sie nicht mehr fein werde, daß er sich nicht an ein armes Mädel wegzuwerfen brauche, sondern Ansprüche machen könne. Im Geiste sah sie ihren Gottlieb schon als Besitzer eines mehrhufigen Bauerngutes. Gottlieb huschte für einen Augenblick das Bild Kathrina Krauses durch den Sinn, er schwieg und überließ Mutter Schulzen ihren Zukunftsplänen. An demselben Samstag, an dem Gottlieb sein erstes selbstverdientes Geld empfing, zog Kathrina Krause zum Bauern Thielscher in Dienst als Kleinmagd. r, . . _ ., Gottlieb hatte zwei harte Taler und einige Groschen in der Tasche und kam sich sehr wichtig vor. Er hatte vor sich selbst Respekt, und, das ist immer ein wunderschönes Gefühl, besonders wenn man noch recht jung und grün ist. Er fühlte außerdem den Drang in sich, seinen Wert den Leuten eindringlich vor die Augen zu führen, und kaufte sich zu diesem Zweck eine Dreipfennigzigarre, die er mit einer Sicherheit in Brand steckte und mit einer Kaltblütigkeit rauchte, als hätte er von feiner Geburt an nichts andres getan, als diesem Laster gefrönt. Mit bedeutsamen Schritten hielt er sich in der Mitte des Fahrdammes und stieß seinen Dampf gravitätisch nach rechts und links, daß keine der beiden Häuserreihen zu kurz kam. Als er so in die Dorfstrahe einbog, dünkte er sich nicht geringer als der Schah von Persien, der seine dreiunddreißig Hofe mit Golddukaten pflastern ließ. Mit gewichtigen Tritten stapfte Gottlieb über den Hausflur, druckte mit wuchtiger Faust die Tür auf und trat in die Stube, wobei er eine mächtige beizende Dampfwolke ausstieß, die zufälligerweise Mutter Schulzen mitten ins Gesicht flog. Die stand wie versteinert und stierte ihn mit uen rotgeränderten Augen an wie ein Gespenst aus einer andern Welt. Gottlieb stellte sich breitspurig vor sie hin und schickte ihr einen zweiten der wohlriechenden Rauchschwaden direkt auf die Spitze der ftarfgetrümmten Nase. Mutter Schulzen sollte von der guten Zigarre auch ihren Teil abhaben! m , Doch Wut und maßlose Entrüstung über die unerhörte Verschwendungssucht ihres ungeratenen, zigarrenvertilgenden Sohnes ließen sie dessen gute Absicht gröblich verkennen. Sie nahm es für giftigsten Hohn, und schon sauste ihre harte Hand heran und traf zwischen Ohrlappen und Mundwinkel des Rauchenden linke Gesichtshälfte, daß sie sich sofort dunkelrot färbte. Der Glimmstengel entfloh den erschreckten Zahnen und verkroch sich in die finsterste Ofenecke. . Auf einen solchen Empfang war Gottlieb nicht vorbereitet. Er rieb sich die getroffene Stelle, nahm vor Verlegenheit die Mütze ab, fuhr sich zweimal durch die Haare und setzte die Mütze wieder auf. Der kindliche Gehorsam und der Trotz der erwachenden Männlichkeit kämpften einen schweren Kampf. Als Mutter Schulzen das Geld herausforderte, drehte er sich auf dem Absatz herum, ging hinaus und warf die Tur ms Schloß, daß sie in allen Fugen krachte. Dann lief er in den Garten, legte die schmerzende Wange an den kühlen Stamm des blühenden Butterapfelbaums und überlegte, wie er feiner geschändeten Ehre Genugtuung verschaffen könnte. , ...... Mutter Schulzen aber suchte mit dem Oellämpchen die verschüchterte Zigarre aus dem schwarzen Reisighaufen hinter dem Ofen heraus, stippte sie in den Wassereimer, wo sie entrüstet ihren Brand auszischte, wickelte sie sorglich in eine leere braune Salztüte und versteckte sie auf dem Kleiderschrank zwischen allerhand Gerümpel. Unterdessen war Gottlieb zu einem fürchterlichen Entschluß gekommen. Er setzte sich die Mütze aufs linke Ohr, steckte die Hände möglichst tief in die Hosentaschen, klimperte herausfordernd mit den beiden Talern und ging auf dem kürzesten Wege ins Wirtshaus. Wirtshaus und Hölle waren bei Mutter Schulzen gleichbedeutend, und wenn sie gewußt hatte, wohin es Gottlieb zog, hätte sie sich auf der Stelle vom Schlag rühren