IS Units zu ne echt Spiele. iorben; selten । beide allein :te ein ange- chüler- ihren traurig auern- cühreif ‘fit ge- ich bei iedrich rsuchte Fort- ifeifen, sprach daß er immer, - ohne ih dem jen die nch zu i heute Schluß letzten einhal- e rief: edrückt. at ein. ’n Ort. itig ge- ; etwas ie Klei- n, und s aus- UM- Klostec freund- ick und -ich am : Hand Stunde Musiker ) gleich h schon i ist es ’i Iah- n, und liebsten stlichen. ■ wenig alischen tte, ein Nacht- anneh- settesten Trunk Herren at man in die ch nicht t Stni- e." hen zumal in Lächeln Joseph n man zuviel xi den Talent tzerpup- Musiler t Spie- -piegels ein bell dann Abend olgt.) iefie«- GWnerKimilleÄMer Unterhaltungsbeilage zum Giehener Anzeiger Jahrgang Freitag, den lb. August ------------- Kummer 63 3m Bremer Ratskeller. Von Werner Bock. Aus meinem duftenden Becher Steigt das endlose Heer der Zecher Dunkler Jahrtausende empor. Sang aller fremden Zungen im Ohr, Summe ich brüderlich meine Weise Der uralten Göttin, der Traube, zum Preise. Siehe, aus fernsten Ländern und Zeiten Trunkene Dichter neben mir schreiten Und mich umbraust ein ewiger Chor. Doch mein Mund klingt machtvoll hervor Alle die Lieder, die Wein je entzündet, Werden heute von mir verkündet. In der dem Ufer noch aus, Und ich fülle den Kelch bis zum Rande, Grüße sie alle als Blutsverwandte, Die ich in heiligem Rausche beschwor. Die Geschichte einer Entenjagd. Von Carl Zuckmayer. (Nachdruck verboten.) Der Dichter wurde soeben mit dem hessischen Georg-Büchner-Preis ausgezeichnet. Frühe kam Thomas zurück, mit kleinen leisen Ruderschlägen eeuernd, machte sehr langsam das Boot fest, schöpfte es n es zog bei jeder größeren Fahrt etwas Wasser, und Jetzt trat Henrik heraus, in Hemd und Hose; sein breites, rundes Gesicht war von dunklen Bartstoppeln bedeckt und sah noch verschlafen aus. Er hatte am Abend vorher gefischt und war erst nach Mittemacht heimgekommen, gerade als Thomas in die weihe flirrende Nacht hinaus- ging, um Enten zu schießen, deren beste Stunde die der ersten Sonnenstrahlen ist. „Kaffee, Kaffee!" rief Henrik und langte den Buttertopf vom Wandbrett. „Es ist Sonntag, es wird gut sein, wenn wir uns rasieren. Wir kriegen Besuch." Dann redete er norwegisch mit Söri, beide sahen Thomas an und lachten; der verstand kein Wort, sagte „all right“ und lachte mit. So etwa unterhielten sie sich bereits seit zwei Wochen, feit sie zu britt auf Hallers einsamer Jagdhütte am Skjürvanten hausten, um Lachse M fischen, Enten zu schießen, Schneehühner auszumachen. Es ging friedlich und geruhsam zu in ihrem Wigwam. Henrik flickte den ganzen Tag Netze, die ewig schadhaft waren, oder er hackte Holz, oder er entwirrte unwahrscheinlich verknotete Angelschnüre. Thomas trieb sich viel allein an den Seeufem ober mit dem Boot in den abgelegenen Schilf- Mchten herum. Söri lag gewöhnlich in ihren Breeches und ihrer weichen Lederjacke in den Heidelbeeren und machte sich Mund, Hände und Kleider blau. Abends spielten sie ein Würfelspiel mit hölzernen Pferden, lachten furchtbar, wenn einer verkehrte Zahlen warf, und qualmten die Hütte voll. Jetzt aber stand Thomas plötzlich auf, obwohl der Kaffee noch gar nicht ausgetrunken war. „Es geht nicht mehr so weiter." Nichts hatte sich ereignet, nicht das Geringste war passiert. Aber es ging nicht mehr Io weiter. Nein, es ging nicht mehr. f ■ f■ y y y y. y v , v v * • • A -> ‘ ‘ ‘ i ging zur Hütte hinauf, aus der schon Rauch aufstieg: Söri kochte Kaffee. Er trat ein, die beiden großen Enten baumelten wie Skalpe an einem Gürtel. Söri stieß einen kleinen hellen Schrei aus — sie hatte >ie Kaffeemühle zwischen den Knien und trug, wahrhaftig, einen rot- eibenen Morgenrock, das Haar hatte sie schräg über ein Öhr gekämmt, o daß die andere Gesichtshälfte groß, nackt und klar erschien wie der Spiegel des Fischsees draußen. Wieder kam ihm die Wut über seine Faulheit und seinen Unverstand — zwei Monate schon im Nordland zu leben und nicht Norwegisch zu können. Nun band er langsam und mit etwas klammen Fingern die toten Enten los, wog sie spielend in der Hand und legte sie dann in ihren Schoß, während er wortlos die Kaffeemühle aus ihren Knien 5, rückwärts bas Kreuz an ben Tischranb lehnend, und zu mahlen ann. Nämlich, wo Frauen rar sind, beginnen sie plötzlich eine Rolle z« Wielen, die ihnen im allgemeinen Leben keineswegs zukommt. Nicht, bajj bie Manner gleich wie Hirsche mit gesenkten Hörnern aufeinanber los* gingen, auch Haß, Mißtrauen, Eifersucht unb Bosheit sinb unter Karn« raben nicht an der Tagesordnung. Hier war erst recht gar keine Red« von alledem. Nur: es beginnt sich unmerklich alles um die Frau zu drehen. Das ist ärgerlich, besonders wenn man sie noch nicht einmal etwa hebt. Wenn man noch nicht einmal ben Gebauten erwägt, sie zu küssen, wahrend ihr Mann seine Netze flickt. Wenn der Mann noch nichl einmal zögert, die halbe Nacht allein auf dem See herumzustreichen, wahrend seine Frau schon im Bett liegt unb, hinter einer gähnende« Zeltbahn hervor, Solveigs Sang pfeift. Kurzum: wenn sich gar nichtereignet, und man läßt plötzlich seinen halbausgetrunkenen Kaffee stehew dann geht es wirklich nicht so weiter. * Nun aber war Sonntag, und um Mittagszeit standen Henrik, Thoma- und ©ort einträchtig am Ufer, sahen um die Walbkuppe herum, im dicht* besetzten Boot, ihren Besuch kommen, den Besitzer dieser Hütte, der mit feiner Familie vier Stunden über Land fuhr, um nach feinen Jagd* gasten zu sehen. Während der langen norwegischen Begrüßungen betrachtete Thoma- unausgesetzt ben großen Strohkorb, den Haakon stöhnend aus dem Kahn hob: Flaschenhälse lugten heraus unb verdeckte Topfs standest dann, ein Steintrug voll frischer Sahne, eine angebratene Renntierkeule, In ber Hütte drinnen lachte Söri mit ben andern Frauen. Thomas hörte es nicht anders als das Lachen einer Taube im Wald. „Die Welt/ spurte er, „ist gut und schön gemacht, es lohnt sich, in ihr zu leben, ja, es verlohnt jede Mühe und Plage, jeden Schmerz und Schlag, vielleicht sogar am Ende den Tod." Da trat ber alte Haller heraus. Den Strohhut im Genick, die Virginia im Mundwinkel. „Es gibt wieder Lommen dies Jahr", sagte er. „Meh* rere Paare unb eine junge Brut. Verdammte Fischräuber. Wie roär'g — zwei Kronen pro Kopf!" Thomas lachte. „Heute noch?" fragte er, „Wenn wir abends wegfahren, will ich die Köpfe mitnehmen." „Well", rief Thomas, ben ber Ehrgeiz packte, schon hatte er bas Ge* wehr in ber Hanb, steckte Patronen ein. „Hinter ber Insel im Schilt müssen sie nisten," meinte Haakon. „Ich weiß," sagte Thomas, „ich bring' sie auf.' Da streckte Henrik ben Kopf zum Hüttenfenster heraus. „Schießest Sie?" rief er Thomas an, ber schon zum Boot hinabschritt. Unb gleich darauf: „Warten Sie ab. Meine Frau will mitfahren!" — „Well", schrie Thomas, machte schon bie Bootskette los. Unb sah, wie Söri ihre Leber* jacke locker um die Schultern warf, ihre Zigarette austrat unb ihren! kleinen grauen Filzhut auf setzte. Dann fuhren sie zusammen hinaus, wöhrenb ber alte Haller und Henrik am Ufer stauben, jeber einen Fern* siecher in ber Hanb, um seine Jagb zu beobachten. Thomas ruberte, bau Gewehr über bie Schenkel gelegt, Söri saß ihm gegenüber, bie Steuer* leine in ber Hanb, bie buntelblonben Haare aus der Stirn gestrichen, mit einer weißen Bluse unter der Lederjacke unb einen Blick voll ruhiger, tierischer Wachsamkeit, ber abwechselnd sein Gesicht unb sein Gewehr streifte. * Jetzt, als er sein Boot mit leisen Ruderschlägen um die Spitze bet Insel trieb, bie es ben Fernstechern ber Zuschauer entzog, ergriff ihn, der längst über die Zeit des Jagdsiebers hinaus war, eine leise Unruhe, Er wußte nicht recht, ob dies wegen des ungewohnten Wildes war, wegen der Prämie, oder weil es doch nicht so weiter ging. Söri saß unbeweglich, unb sie sprachen fein Wort. Plötzlich tippte sie ihn an und beutete über seine Schulter. Er fuhr herum: Mitten auf bem See bunfle Punkte. Das mußten bie Lommen fein, beim Wildenten waren um biefe Zeit kaum zu vermuten. Sie bewegten sich rasch auf bas waldige Ufer zu. Thomas wendete das Boot so hastig, daß er mit beiden Rudern krebste. Seine Unruhe begann ihn zu ärgern. Er zog gewaltig los, indem er Söri auf englisch zu erklären versuchte, bah er jenseits ber Insel an ßanb walle, über bie Walbkuppe laufen, um so ben Lammen vom Ufer aus schußnah zu kommen. Die Fernstecher arbeiteten erregt. Man schien fein Manöver nicht zu verstehen, winkte hin und her. Er kümmerte sich nicht barum, hielt gerabe aufs ßanb zu. Söri rang nach einem Wort, sagte es bann norwegisch, er verstand nicht, sie machte ein verzweifeltes Gesicht unb unverständliche Zeichen. Er schüttelte den Kopf, legte beit Finger auf ben Mund, sah sie brohenb an; sie schwieg, zuckte bie Achseln. Da streifte bie Bootspitze ßanb, er stieg heraus, zum Glück erst mit einem Fuß, unb sank fofort bis zur Hüfte ein. Wütenb stieß er bas Boot mieber ab, währenb von ber Fern* stechergruppe ein deutlich hörbares Gelächter herüberwehte, unb es war noch ein Glück, baß Söri nicht mitlachte, sondern ihn ernsthaft und aufmerksam ansah. Als er um die Landzunge herumkam, stieß er mit seinem Boot fast auf die Lommen, die mit Schrei und fnatterbem Flügelschlag hochgingen, Kurs quer über den See. Er riß iw5 Gewehr hoch, zielte, drückte ab — dus Ausbleiben des Schußes warf ihn saft um. Er hatte nicht geladen. Nun sah er Söri schon mit einem beinah haßerfüllten Blick an. Ohne weiteres trug sie die Schuld an alledem. Und es war gairz sonderbar, unglaublich fast, daß sie nicht lachte, sondern nach wie vor sein Gesicht, seine Hände und (ein Gewehr mit ruhigen, aufmerksamen Auzen streifte. Hastig, obwohl es zu spät war und seine Zweikronenköpfe bereits weit überin See verschwanden, lud er das Gewehr und hörte die Fernstechertruppe am Ufer, denen sein Nichtschietzen unbegreiflich war, schreien und zetern. Er sandte ihnen einen empörten Blick, da sah er, daß sie immer in einer bestimmen Richtung winkten, immer ein bestimmtes Wort riefen. Jetzt war auch Söri aufmerksam geworden, faßte ihn„ am Arm und flüsterte aufgeregt: „Young lommers, young lommers!" Wahrhaftig, in einiger Entfernung schwamm eine einzelne ausgewachsene Somme in erregten Kreisen, tauchend, wieder hochschnellend, treibend, hastend, hetzend, in Todesangst, da sie das Boot zwischen sich und dem Ufer liegen und immer näher kommen sah. Dicht um sie geschart schwamm die junge Brut. Die Mutter trieb, jagte, stieß, ihr langer Hals war flach übers Wasser weit vorgestreckt und wie von Verzweiflung gezerrt. Jetzt hatte Thomas sie schon beinah erreicht, er ließ die Ruder streichen, hielt das Gewehr schußbereit und kniete im Boot. Die Jungen tauchten unter, von der Mutter geführt. Gespannt starrte Thomas auf den Wasserspiegel. Da kam das erste hoch, es hatte die Richtung unter Wasser falsch bemessen, dicht beim Boot kam es herauf, gleich daneben ein zweites, ein drittes, gelbwollige, flaumige, kuglige Federbälle, die mit schwachen Schwimmfüßen das Wasser schlugen, peitschten, und deren winzige Flügelstümpfe zuckten und zitterten. Eine alte erfahrene Somme weiß, was ein Boot ist. Was ein Jäger ist. Was ein Gewehr heißt. Sie weih, daß es den sichern Tod bedeutet, einem solchen Feind zu nahe zu kommen, und daß es kein Mittel gibt, ihn zu bekämpfen. Jetzt aber, als habe sie all dcks vergessen, als sei das Boot ein kleines schwach bewehrtes Wassertier, bäumte sie sich hoch au, überm Wasser, ging das Boot an, das zwischen ihr und ihren Jungen lag, vorstohend mit gerecktem Hals, und ergriff erst die Flucht, als Thomas mit dem Ruder nach ihr schlug. Da ging sie mit schwerem Seid und ermatteten Flügeln hoch, langsam in Kreisen abstreichend, und bot noch lange ein unfehlbares Ziel für des Jägers Gewehr. Der aber kniete noch immer und legte nicht an. Vom Ufer, wo die Fernftecher fuchtelten, wildes Geschrei. Jetzt war das erschöpfte Tier außer Schußweite. Die Jungen, von der Führerin verlassen, schwammen hilflos durcheinander und umkreisten das Boot, als suchten sie in ihm die Mutter, tauchten unter und kamen wieder hoch; mit zwei Schrotschüssen hätte man sie alle erledigt. Vom Ufer schallten deutliche Rufe, schon schnappten d,e Stimmen über vor Eifer und Wut: „Feuern! Feuern!" Aber Thomas schoß nicht. * Sangfam, ohne ein Wort zu sagen, mit einem fast verbissenen Zug um den Mund, Söris Blikk meidend, drehte er das Boot mit der Spitze zum Ufer, ruderte zurück. Wie er dann anlegte, das Gewehr an Sand warf und das Sckiöpfgefätz ergriff, überfielen sie ihn von obenher mit wüstem Geschrei und Geschimpfe. „Drei Kronen hätte ich für die Alte gezahlt," schrie Haller, „vier Kronen! Diese Fehljagd!" Auch Henrik schimpfte und fragte, der junge Haller, die Frauen, sogar Haakon Haakanson wiegte mißbilligend und betrübt den ernsthaft behaarten Schädel. Thomas drehte ihnen den Rücken zu im gleichmäßigen Auf und Rieder des Ausfchöpfens, er vertiefte sich so in diese Arbeit, als sei sie das Wichtigste auf der Welt, und gab keine Antwort. Was sollte er auch sagen. Ein Gefühl grenzenloser Vereinsamung stieg um ihn auf, während er das letzte Wasser aus dem Boden des Kahns kratzte. Kann man diesen Menschen, kann man den Menschen sagen, warum man etwas tut oder läßt? „Rein," sagte er sich kurz, „und nicht einmal stillschweigenden Respekt vor unseren Handlungen können wir von denen verlangen, die nicht das gleiche verspüren wie wir." Er sagte sich bas nicht so genau, aber er wußte im Augenblick, als er das Schöpfgefäß zu Boden warf, er wußte in diesem Augenblick fürs ganze Leben, daß es am besten sei, fremde Leute, die etwas nicht begreifen, einfach klipp und klar ohne Umschweife oder Bedenken anzulügen. So kam es, daß er mitten in das allgemeine Gezeter hinein taut und vernehmlich sagte: „Was wollt ihr, es waren keine Lammen, es waren Enten!" Es entstand ein verblüfftes Stillschweigen über diese offensichtliche Lüge, und ihm schoß das Blut zu Kopf, da ihm jählings einfiel, daß er ja eine Zeugin habe, die ihn im nächsten Augenblick entlarven werde. „Enten?" schrie Haller plötzlich, und seine Stimme kippte um vor Empörung. „Enten — um diese Zeit," sagte Henrik achselzuckend. „Enten!" schrie alles durcheinander. — „Enten!" schrie Thomas aus- ftampfend, „Enten, Enten!" brüllte er in Hallers Gesicht. „Junge Enten, die man nicht schießen darf!" log er verzweifelt. — Da ertönte hinter ihm Söris Stimme, ruhig und gleichgültig fast, aber so, daß alle barau • hörten: „Ja — es waren Enten," sagte sie. „Es waren keine Lammen, da hat er recht," sagte sie. Thomas drehte sich nicht um. Ihm war als ginge ein heißer Strom über seinen Rücken. Langsam schritt er an der ganzen Gesellschaft vorbei, an der Hütte vorbei, am Holzstall vorbei und verschwand bergaufwärts im Wald. Man rief ihm nach, er hörte es nicht mehr. Feuchter Wacholder und Pilze rochen ihm entgegen. Irgendwo machte er halt, setzte sich auf einen vermoosten Felsblock und pfiff leise vor sich hin. , Als er zurückkam, war die Gesellschaft längst verschwunden. Die fahle Nordnacht machte den See schon matt und silbern. Henrik stieß gerade non Land, die srischgeflickten Netze im Boot, um sic weit drüben am Schilsuser auszulegen. Söri stand an eine Kieser gelehnt und sah ihm nach. Thomas trat neben diese Kiefer, machte den Finger krumm und klopfte an, wie man an eine Zimmertür klopft. Söri schaute noch auf -en See, wo gerade das Boot hinter der Insel verschwand. Thomas versenkte seinen Blick tief in die Kiefernrinde: rötliche Schalen blätterten wie spröde Haut von der braunen, rissigen Borke. Sehr tief schaute er in die Rindenrisse dieser Kiefer, sehr dicht war ein Kopf bei ihr, und sie umhauchte ihn mit einem Geruch, die Kiefer, der zärtlich war und bereit, lockend und von großer Wärme geschwellt. Endlich sah sie ihn an. Lächelnd. Mit unruhigen Mundwinkeln. Er, Thomas, umfaßte ihr ganzes Gesicht mit großem, vollem Blick. Alle Unruhe war von ihm gewichen. Warm und stark rann es durch feinen Körper. Plötzlich faßte er ihre Hand und sagte: „Tat" — das fiel ihm ein. Ihre Augen lachten. „Es waren keine Enten," sagte sie, „cs waren Lammen." — „Ja," sägte er. „Aber ganz junge Lammen." Sie nickte ernsthaft und gab keinen Laut, als er sie langsam an ich zog. Heinrich der Löwe. Von Dr. Franz Lüdtke. (Nachdruck verboten.) Wenn eine einzige Persönlichkeit in unserer Geschichte als Gründer ober Dteugrünber von bret beutschen Hauptstädten genannt und gefeiert wird, so muß hier schon ein geniales Wirken am Platze gewesen sein. Wenn diese drei Städte sich nun aber gar über das ganze deutsche Land verteilen, wie es bei Lübeck im Nordosten, Braunschweig in der Mitte, München im Süden der Fall ist, so dürfen wir den Mann rückhaltlos bewundern, dessen Wirken hier lebenschasfend gewesen ist. Es war Heinrich der Löwe, dessen Gedächtnis aus Anlaß feines 800. Geburtstages in Braunschweig wie in Lübeck und München gefeiert wird — bas aber vorn ganzen beutschen Volke gefeiert werben sollte. Denn wir haben Grunb bazu, biefes Mannes in Dankbarkeit zu gebenten. Er gehört zu benen, bie richtunggebend geworden find für unsere gesamte Entwicklung. „Hinrich be Leuw und Albrecht be Bar, Barto Freberik mit bem roben Haar, Dat waren bree Heeren, De künden de Welt verkehren." So urteilen die Zeitgenossen über Heinrich den Löwen und seine Mit- und Gegen pieler auf dem Schachbrett der europäischen Geschichte. Albrecht der Bär hatte die Rolle eines, der „bie Welt verkehren konnte" kaum gehabt, auch wenn seine Bedeutung für Brandenburg unb ben Osten groß war. Friebrich Rotbarts Streben noch einem deutschen Kaisertum über das Abend- und Morgenland mußte scheitern; auch er kehrte die Welt nicht um. Heinrich bem Löwen gelang es, ein Werk zu schaffen, auf besten Funbament wir heute noch bauen, unb ohne bas auch unser heutiges Deutschlanb nicht bentbar ist. Bor seiner herrlichen, uns in ihrer Einfachheit, Kraft unb Schönheit immer wieber ergreifenben Burg Dankwarberode in Braunschweig hat er ben bronzenen Löwen errichtet, als Ausdruck unb Sinnbild seines eigenen Wesens. Man muß bas Kunstwerk geschaut haben; man muh in bie noch heute funfelnben Augen — von ben Burgsenstern aus — geblickt haben, um zu erkennen, was dieses edle Tier bedeutet. Und man muß überlegen, wohin der Löwe ben drohend geöffneten Rachen wendet: bem Osten zu. Der weite. Raum bes Ostens ist bas Feld der staatsmännischen Arbeit Heinrichs des Löwen geworden; ohne die Wiedergewinnung des Ostens jenseits der Elbe hätte es kein Deutfch- ^Schon^ein anderer Heinrich hatte das erkannt, einer, der 200 Jahn vor ihm gelebt: Heinrich I. der Deutsche, ben man recht unzulänglich auch den Finkler, Vogelsteller oder Städtebauer nennt; und ber doch zu den wahrhaft schöpferischen Gestalten des Deutschtums, zu ben wirklich Großen zählt. Ihm verdanken wir es, daß er dem sich m innerlichen Kämpfen verzehrenden „Volk ohne Raum" Lebensmoglich- keit und Lebensraum im Osten wies; jetzt vor eintausend Jahren ist es gewesen, unb die Städte Meißen, Lenzen (Elbe) und Brandenburg (Havel) haben ber Tage gebucht, an denen nach slawischer Ueberstem- bung ihre beutsche Geschichte von neuem begann. Denn in ber Völkerwanderung waren die einftmals germanischen Gebiete zwischen Elve unb Weichsel bem aus Osteuropa vordringenden Slawentum zum Opfer gefallen. _ . Heinrich I. der Deutsche und sein Sohn Otto der Große suchten ihrem Staat und Volkstum das Entrissene zurückzugewinnen, bis dann Rückschläge tarnen und alles schon Errungene in Frage stellten. Da begann mit Heinrich dem Löwen, Herzog van Sachsen uno Bayern, die faustische L-chöpfting deutschen Neulandes im Osten. So viel ist sicher, daß Heinrichs Geburtstag in bas Jahr 1129 faui, ber Tag ist ungewiß, es werden verschiedene Daten genannt. Aber wes tut für uns dieser Tag! Wir dürfen froh sein, daß vor nunmehr »w Jahren ein wahrhaft Großer bas Licht beutschen Lebens erblickte. Ihm gelang die schwierige Zusammenfassung der niedersachffl Stämme in den Heiden, Wäldern und Bergen zwischen Hier schuf er sich in unzähligen Kämpfen den starken Oststaat, dck nun die Fahne des Deutschtums im Wendenland jenseits der Elbe i)i I sollte. So reifte die größte unb weltgeschichtliche Tat bes Niedersacy!^ tums heran: die Kolonisation des deutschen O st e n s.. folgte die Germanisierung Mecklenburgs und der Oberlande, womit Auftakt zur weiteren Eindeutfchung ber Dftfeetiiften bis Livland t) auf gegeben war. Noch jetzt wird im ganzen Norden unseres Vai- , lanbes, im Nordosten wie im Nordwesten, niedersächsische J-mi gesprochen. . . Merkwürdig: diese Großtat Heinrichs des Löwen unb feines zso« ist im Bewußtsein der Nachwelt fast nergeffen worden, wahrend i Konflikt mit Kaiser Friedrich Barbarossa m M Schulgefchichtsbuch zu finden ist. Warum er in Italien feinen unb Freund Friedrich verließ unb ihm die Heeresfolge versaglk, i ittert«« ht war Kiefer, chwellt. In. Er, t. Alle seinen as fiel sic, „es ii." am an oten.) Sriinder gefeiert en [ein. je Land in der Mann esen ist. 3 seines gefeiert Ute. rfeit zu iind für ne Mitte. erfetjren ibenbutg ■m beut< rn; auch in Werk nb ohne -chünheit Braun- ib Sinn-' t haben; gfenftern bebeutef. eoffneten ist bas en; ohne Deutsch- 30 Jahre ht unzu- int; und tums, zu in sich in smöglich- en ist es nbenburg ebersrein- r Völker- )en Elbe ini zum e suchten bis bann jfen und 129 fällt, Iber was mehr 800 Mte. sächsischen n Weser staat, der Ibe hissen lersachsen' e n 5. Es nomit der (onb hin' Maten Mundart es Volkes renb sein in jeden' ;n Beller rsagte, I« walke gehüllt. * worden find. * Etliche finb zubringlich wie Schmeißfliegen. Weißen und geben ein paar Piaster Port Said heraus. langsam aus lächeln lebhaft und naiv. * in (Nachdruck verboten.) langen, schlanken Wagen ausgesehen haben. Nun ist da. Er wieder ans Staub Afrikas und durch den Wüstensand Von Port Said aus will dieser Expreß nach Hafen liegt die Station. Viel gelber Sand Port Said. Seine waren, schneeweiß Kücken verschwinden Darüber lächeln die laßt lebende Sonnenlicht. Schaugelb. Ein Zauberkünstler und zaubert sie bann Dieser Expreß steht in mögen einst, als sie neu jeboch sind sie durch den ins Weihgraue verschossen. Afrika hinein. Direkt am die inb= Aber schließlich läßt der Schmerz doch ein wenig nach. Am östlichen Rande des Nildeltas, das nun ausgetaucht, ungefähr bei Abou-Hammad, hört die sandige Geschichte auf. Hier wird das Land plötzlich fruchtbar, sehr fruchtbar. Als sei ein plötzlicher Zauber geschehen, so wirkt das. Lächerlich fast der Kontrast: eben noch Wüste, jetzt blühendes Land. Goldbraune Kornfelder breiten sich aus; es wird bereits geerntet auf ihnen. Smaragdgrüne Wiesen leuchten, große, bunte Blumen, elastische Palmen, silberne Wasserbänder, hohes Schilfgras. Braune Menschen schaffen hier. Landbevölkerung. Fellachen, die Landwirte Afrikas. Sie sind schlank und tragen weiße, wallende Gewänder. Auch fleißig sind sie, trotz der Hitze. Aber sie nehmen die Hitze ja längst nicht so ernst wie wir. Sie sprechen erst von Hitze, wenn hier im Sommer zirka 60 Grad im Schatten finb. Längst sind nun die Holzjalousien an den Zugfenstern hochgezogen. Man schaut und schaut. Sdjaut auf diesen fruchtbaren Landstrich, der vom Wasserlauf des heiligen Nil gesegnet wird. So weit man sieht, nichts als Grünen und Blühen. Riesige Vögel- Hocken auf seltsamen Bäumen, graue Rinder liegen träge im hohen Gras; Schafe mit langen, bammelnden Ohren trotten auf staubigen Wegen, und Esel laufen Galopp. (Sie sind hier fleißiger als jene in Europa.) Kamele ziehen bedächtig die Straße entlang. Irgendwo kreisen Bussel und ziehen am Schöpfrabe. Schwarze Buben treiben sie an. Meist lächeln diese schwarzen Menschen, wenn wir an ihnen vorüberfahren, baß der staufifche Imperialismus In der Schlacht bei Legnano niedergerungen wurde? Wir wiffen die letzten Gründe nicht. Eines aber scheint sicher zu fein: daß der Ostmarkenfürst Heinrich der Löwe sich nicht dauernd mit seinen besten Kräften der Rom- und Weltpolitik Barbarossas zur Verfügung stellen wollte. Freilich, der Erfolg oder vielmehr Mißerfolg der Entschlüsse Heinrichs zeigte, daß sie vom Gesichtspunkt des Staatsmannes aus verfehlt waren. Das kleinere Opfer der Heeressolge in Italien hätte ihm das größere erspart; seine Aechtung, Verbannung, die Zertrümmerung feines so mühevoll aufgebauten niedersächsischen Staates. Die Zerschlagung Niedersachsens durch Kaiser Friedrich I. und seine Austeilung an zahlreiche Kleinfürsten ist einer der schwersten Schläge geworden, den unsere Ostkolonisation empfing. Hätte sich Heinrichs des Löwen Genie und die Tatkraft feines Geschlechts auch weiterhin auswirken können, wäre insbesondere ein norddeutscher Großstaat entstanden, wie er Jahrhunderte später erst in Brandenburg-Preußen entstand, dann wäre die Wiedereindeutschung des Ostens zu ihrem natürlichen und organischen Abschluß gelangt. Weit nach Osten hin wäre unser Volkstum in geschlossener Siedlung vorgedrungen, und Rückschläge, die nunmehr wiederholt eintraten und uns noch erst in Versailles weitere Teile unserer Ostmark raubten, wären unmöglich gewesen. So rächt sich ein saft acht Jahrhunderte alter Konflikt in feinen Auswirkungen bis in die Jetztzeit hinein und weit noch über sie hinaus. Aber trotzdem: die Größe des Lebenswerkes Heinrichs des Löwen bleibt, und viele Erfolge find auch geblieben. Er ist eine gewaltige Persönlichkeit gewesen, mit vielfach" widersprechenden Eigenschaften, mit einer zuweilen fast unverständlichen Härte und Herbheit, aber doch auch wieder milde und freundlich — ein Mensch mit seinem Widerspruch. Als einst die wendischen Fürsten vor ihn traten und er sie auf- [orberte, ben christlichen Glauben anzunehmen, erwiderte einer von ihnen: ^Herr, du magst einen Gott bekennen, welchen du willst; unser Gott bist du! Diese Worte zeigen den Eindruck, den Heinrich, der Neuschöpfer, der Kulturträger, auch bei feinen bisherigen Feinden gemacht hat. Wir aber stehen, seines Wesens voll, vor der Burg, die er errichtete, vor dem Dom, in dem er samt seiner treuen Gattin Mathilde ruht, und vor dem ehernen Löwen, der sein Antlitz gen Osten wendet — über die Jahrhunderte hinaus. Ihre Häuser gleichen dreckigen Steinkisten und finb völlig verstaubt, und erhitzt. Die 'Menschen hier werben in Dveck und Staub groß und sterben auch darin. Aber sie kennen Begriffe wie Staub und Dreck wohl gar nicht. « Sie legen auch gar keinen Wert auf massive Beschaffenheit ihrer Häuser. Sie wollen dort nur ein wenig Schatten haben und ruhen können. Sie sind naturhaft und schleppen noch ein Stück Änimalität in sich herum. Auf uns Europäer wirkt diese Lebensweise wie eine Hürde, die zivilisatorisch übersprungen werden muß. Die Schwarzen jedoch leben naiv unter der Sonne dahin. Sie sind nicht mit Zivilisationskomplexen belastet. * Weiter rast der Expreß. Immer durch blühendes Land. Er strebt nun auf Kairo zu, die Millionenstadt. Nun halten es die Damen für angebracht, sich langsam zu säubern van den Beglückungen der Arabischen Wüste. Denn sie wollen im europäisierten und zivilisierten Kairo doch einigermaßen zivilisiert erscheinen. 'So tupfen sie die Miniatur-Sandwüsten von ihren Kleidern und lächeln, weil sie Gott sei Dank wieder in die Arme der Zivilisation kommen. Aber die Hitze brütet weiter, genau wie in der Arabischen Wüste, die wie ein sandiger, heißer Traum hinter uns liegt. Bis nach einer Stunde der Expreß langsam in die große Bahnhofshalle Kairos kriecht. Hier sind sechzig' Sonnengrabe. . Da wünschen wir uns stöhnend viel Vergnügen in Afrika. Sinnend betrachtet man dieses tote Land, sinnend, soweit man bei dieser Hitze eben überhaupt noch denken kann. Man könnte meinen, das sei ein Land, in dem alles Leben wirklich wieder zu Staub geworden wäre. Ost liegt der Sand dünenhaft, und wenn ein leiser Luftzug kommt, bann steigt er tanzend und spielend auf, um sich dann langsam wieder auf den anderen ewigen Sand zu senken. Doch durch diese eigentlich grauenvolle Oede stach die moderne Technik, legte eiserne Stränge auf dem toten Boden fest und jagte Wagen darüber hin. Die Technik bezwang diese Oede, die gerade in ihrem gelben Tod einen seltsamen Kontrast zu brennend-lebensvollem Licht der Sonne bildet. Einst zogen hier nur Karawanen mühselig und langsam. Nun sausen stählerne Wagen fieberhaft über die Sandflächen dahin. Und die Abteile sehen nun bald selbst gelb aus, so stark ist der Sand eingedrungen. Selbst unsere Gesichter sind mit einer seinen Sandschicht überzogen. Das mutet uns wie ein Verstoß gegen jede Zivilisation an. Aber die Wüste pfeift auf jede Zivilisation. * Stundenlang geht diese Fahrt. Stundenlang stöhnen wir sozusagen pflichtgemäß in der Hitze, die nun immer stärker und stärker wird. Hier haben die Wüstenwinde die Meerwinde gänzlich verdrängt, und es blieb glühende, flimmernde und brennend-heiße Luft. Unsere Kehlen sind ausgedörrt. Früchte, die man mitnahm, sind an« gewärmt. Selbst Getränke in Feldslaschen haben Hitze gefangen. Nichts Kühlendes. Auch Luftfächeln nützt nichts mehr. So ergeben sich besonders die Damen in ihr heißes Schicksal. .Sie finden diese Wüste zum mindesten unhöflich und taktlos. Und sie bedauern ihre Kleider, die inzwischen selbst zu kleinen Sandwüsten ge- gerabe dahinsaust, bringt keine Kühle mehr. Mit heißer Herzlichkeit begrüßt uns Afrika. * Der Expreß saust. Rechts der große, flache Menzaleh-See verschwindet langsam. Links bleibt der Suez-Kanal. Es ist mäßiger Schiffbetrieb auf ihm. Er läuft so gerade wie ein gespannter Bindfaden. Erst am Ballah-See, weiter südlich, macht er eine schwache Schwenkung. Wir gucken. Also das ist der Suez-Kanal, den man in der Geo- graphiestunde als äußerst wichtig eingepaukt bekam! Hm, er ist eigentlich weiter nichts als ein breites Wafserband durch gelben Sand. Nur an [einem rechten Ufer stehen etwas Grün und vereinzelte Palmen. Das linke Ufer ist gelber Sand, nichts als heißer Sand, so weit das Auge reicht. Ein Kanal durch eine Wüste. Jsmailieh ist eine größere Stadt. Dort stürzt alles aus den Wagen des Expreß heraus. Denn dort ist ein Büfett, dort stehen große Limo- nabenflafchen. Im Nu find diese von den Weißen geplündert. Kein Wunder, denn die Hirne sangen in der Sonne langsam an zu schmoren. Wir kommen uns fast wie in Hochtropen vor. „ßämmonät!" schreien die schwarzen Kerle und eilen^ mit Simona« denslaschen, auf denen oben ein Eisstück steckt, an dem Expreß entlang. Aber der Aufenthalt dauert nicht lange. * Nun kommt die Arabische Wüste. Nun geht der Schienenstrang der Bahn westlich. Die Hitze verstärkt sich. Der Zug rast durch Sand, dauernd durch Sand. Dieser Sand scheint der reinste Hitze-Konservator zu sein. Er ist grau-gelb und fein. Er bringt auch in die Abteile, durch sämtliche Ritzen, durch Tiir- und Fensterspalten. Und man ist sehr bald mit einer feinen Sandschicht überzogen. Damen bedauern ihre Kleider, und Herren behaupten, die ganze Wüste könne ihnen gestohlen bleiben. Aber die Wüste denkt gar nicht daran, sondern schickt immer mehr Sand in die Abteile. Nun findet sich bereits hier. Afrikas Sand. Am Himmel steht brennend die Sonne. Es sind 40 Grad im Schatten. Ader zwei Policemen sagen uns, daß das noch kühl fei. In Kairo fei die Hitze bereits fürchterlich. (Angenehme Aussichten für uns, die wir ja doch biologisch mit dem Klima eines kühleren Landes verwachsen sind.) Es wimmelt von Schwarzen an diesem Zug. Händler, Bäcker, Lirno- nabenverkäufer, Bettler. Sie schreien, ols ob wir schwerhörig wären. Dann stampft ber Expreß los; Die Fenster sind mit Holzjalousien gegen Sonne und Staub abgedichtet. Es ist drückend warm in ben Abteilen. Wir legen keinen Wert darauf, uns über Afrika zu unterhalten, sondern wir reden über die Hitze, alleweil über die Hitze. Es haben sich in diesen Tagen in diesem Teil Afrikas bereits Winde ausgemacht, die aus der inzwischen erhitzten Wüste kommen. Sie beglücken uns und bringen Hitze und Fliegen. Da nützen kühlende Meerwinde nicht mehr. Auch das Wasser des Suez-Kanals, an dem unser Expreß schnur- Mit dem Expreh durch die Arabische Wüste Von Albert Maaß. atmet man schon Sand. Und immer die Hitze. Hitze und Sand, Sand und Hitze, bas ist Wüste. Vorn bie Lokomotive des Expreß ist in eine große Sai Der Stadtpfeifer. Von Wilhelm Heinrich Riehl. (Fortsetzung.) Auch Frau Christine wurde etwas milder gestimmt gegen den Fremden. Sie hielt zwar sein« sämtlichen Historien für erlogen, aber für gut erlogen. Der Mann schien es ihr zu einer solchen Tüchtigkeit im Lügen gebracht zu haben, daß sie zuletzt einen gewissen Respekt vor ihm bekam. „Seht." spractz er zu dem Ehepaar, als der Stadtpfeifer wieder zurückkam, „dort liegt ein großer Stoß Noten; wir setzen ihn auf die Erde; er ist mein Kopfkissen, und weiter brauche ich nichts für die Nacht. Ich wickle mich in meinen weitschößigen Rock, empfehle meine Seele dem heiligen Franziskus und dem heiligen Antonius und schlafe heute auf dem Fußboden so gut, wie gestern im weichen Klosterbett. Wer müd' ist, ruht auch auf einem Misthaufen sanft. Ich hätte wohl zu einem der Hofmusiker gehen können, allein ich niag es nicht. Im Vertrauen, Freund, ich komme hierher mit guten Empfehlungen als Bewerber um die erledigte Hofkapellmeisterstelle" („Lüg du dem Teufel ein Ohr ab! dachte Frau Christine im stillen Sinn) — „und da müßten meine Leute doch vorweg den Respekt vor mir verlieren, wenn ich in diesem Aufzuge bei einem von ihnen einsprechen würde. Stadtpfeifer, ich werfe mich in deine Arme. Ich fragte gestern im Kloster Arnstein die ehrwürdigen Brüder: .Wer ist unter allen musikalischen Männern Weilburgs der geradeste, zuverlässigste, neidloseste?' Da erwiderte der witzige Pater Placidus: ,Der zum Höchsten gesetzt ist unter den Musikern der Stadt, der Stadtpfeifer oben auf dem Schloßturm.' Darauf beschloß ich, bei Euch Quartier zu nehmen, Euch mich anzuvertrauen. Mir fehlt das Kleid, das den Mann macht. Stadtpfeifer, Ihr müßt mir morgen früh Euern Staatsrock leihen, denn ich muß mich alsbald dem Fürsten vorstellen lassen." „Was? den ziegelroten Rock, den die ganze Stadt kennt?" rief Christine starr vor Staunen. „Richtig, den ziegelroten Rock meine ich", fuhr Neubauer kaltblütig fort. „Doch das wollen wir morgen früh weiter besprechen beim Kaffee oder — ich sehe es der Hausfrau an — Ihr seid noch von der alten Mode — bei der Milchsuppe." Der Stadtpfeifer saß wie verzaubert. Gegenüber diesem tollen lieber« mut voll genialer Blitze fühlte er sich recht als Philister, und da ihm Neubauer gar erzählte, daß er meist im Walde, auf der Gasse, wohl gar in der Gosse, am allerliebsten aber im Wirtshause komponiere — betrunken oder nüchtern, gleichviel —, da hätte er weinen mögen über sein ehrliches, ängstliches, erfolgloses Mühen hier oben auf der Turmstube. „Ich habe nie ausführen können was mir vorgeschwebt," bekannte er mit rührender Offenherzigkeit, „und so sehr mich das Mittelmäßige ärgert, bin ich doch immer ein mittelmäßiger Mensch geblieben. Für mich ist mein Leben lang nur einmal etwas vom Himmel gefallen, und das war ein kleiner Bube und ein Laib Brot, die ich auf der Straße fand. Dort steht der Kleine — er ist jetzt lang wie eine Hopfenstange — und putzt seine Geige ab. Das ist das einzige, was mir je gelungen, daß ich ihn zu einem tüchtigen Geiger gemacht. Ich habe also doch etwas mehr als Mittelmäßiges vollbracht auf Erden, darum werde ich in dem Buben meinen Frieden finden." „Es ist wahr," sagte Neubauer selbstgenügsam, „der Junge ist von gutem Korn und gut geschult; aber er muß hinaus in die Welt, nach Wien, nach Italien, damit er den Gesang lerne und Eleganz und Feinheit des Satzes und in alle Geheimnisse der Kunst eingeweiht werde von den größten Meistern selber." „Das war längst mein höchster Wunsch," erwiderte der Stadtpfeiser, aber — —" „Ich weiß, was weiter kommt. Ihr habt keine Gönner, kein Geld. Wartet einmal, ich will mir die Sache hinters Ohr schreiben — bei Gott" — und Neubauers Augen leuchteten auf — „der Bube ver- dient'sl Denkt an Franz Anton Neubauer, und heißt ihn einen Schuft, wenn ich Euerm Friedrich nicht den Weg nach Wien auftue. Zu Joseph Haydn mußt du gehen, Friedrich, dem König der deuffchen Meister. Da lernt man Symphonien schreiben! Denkt an mich, Stadtpfeifer: ein Mann, ein Wort!" Frau Christine flüsterte ihrem Manne zu: „Laß dich von dem Prahler erheitern, aber glaub' ihm ja keine Silbe. Indes will ich ihm jedoch einen Strohsack auf den Boden legen, weil er sich heute abend so müde gelogen hat." „Nur ein gereifter Musikus ist fertig, die anderen sind alle bloß halb gar gekocht", fuhr Neubauer fort. „Wißt Ihr auch, daß ich vorigen Monat in-Bückeburg war und den Konzertmeister Bach, der gleich der meisten übrigen Bachischen Sippschaft niemals aus dem Nest geflogen ist, auf drei frei zu phantasierende Fugen herausgefordert habe?" „Nein, das tatet Ihr nicht!" rief der" Stadtpfeifer entschieden. „Denn mit dem nehmen's in den Fugen nur noch seine Brüder auf, seit der Alte in Leipzig gestorben ist." „Sehr richtig. Ich habe auch Böcke über Böcke gemacht, und der gelehrte Herr spielte verzweifelt gründlich und hölzern. Denn niemals ist er weiter gekommen in der Welt als von Leipzig über Eisenach nach Bückeburg; nie hat er eine welsche Primadonna karessiert, um die Feinheiten des Gesangs zu ergründen. Er spielte verzweifelt gründlich, aber meine falsch gebauten Fugen waren doch ergötzlicher, und die feinsten Herren klatschten mir Beifall. Das Publikum entscheidet; das dumme Publikum gibt mir Essen, Trinken, Kleidung, Aufmunterung für die schlechteste Musik; von den klugen Kennern hat mir noch keiner ein Glas Wein oder eine Wurst für die beste gegeben. Uebrigens habe ich mir nur einen Spaß mit dem berühmten Fugenfresser machen wollen." „Das war bübisch, das war frevelhaft", strafte der Stadtpfeifer eifrig. „Wußtet Ihr auch, daß dieser Bach nicht bloß ein ehrwürdiger Meb fter, sondern zugleich der harmloseste, gutmütigste Mensch ist?" „Ganz gewiß. Wäre er nicht so gutmütig, so hätte er mich von einer Orgel heruntergeprügelt. Aber ein ungereifter Musiker ist er )och, und das wollte ich ihm zeigen. Gebt Ihr immerhin dem Alter eine Ehrwürdigkeit; ich will nur, daß man der Jugend auch ihren Mutwillen gönne." „Narren sind auch Leut'", sprach der Stadtpfeiser, sich entrüstet ab. wendend. „Und Ihr seid nicht der erste, der mich einen Narren nennt", fügte der junge Landstreicher hinzu mit selbstgenügsamem Lächeln. Viertes Kapitel. Es kam zu jener Zeit an jedem Sonntage ein Kapuziner von Weh. lar nach Weilburg, um den wenigen Katholiken des streng proteftanti- scheu Städtchens privatim die Messe zu lesen. Er war eine ehrliche Haut; auch die Protestanten hatten den gemütlichen Kuttenmann gern; vor allem aber liefen ihm die Kinder scharenweise nach. War er bei Laune, so konnte er stundenlang Anekdoten und Schnurren an einet Schnur erzählen, die, in seiner niederrheinischen Mundart vorgetragen, den Weilburgern doppelt possierlich klangen. So ward er zuletzt fast in allen Häusern bekannt und suchte sein Mahl bei Gastfreunden aller Art, bei Ketzern wie bei Rechtgläubigen. Selbst auf den Schloß- türm verirrte er sich mitunter; denn er kannte den Stadtpfeifer von den Jahren her, wo derselbe den Weg nach Wetzlar zweimal in der Woche nicht gescheut hatte, um das gefundene Kind großziehen zu können. Am späten Nachmittage nach dem mit Neubauer so heiter ver. schwatzten Abend trat der Kapuziner wieder einmal in die Turm- ftube, grüßte freundlich und schaute sich neugierig nach dem Stadtpfeifer um, der in Hemdärmeln am Fenster saß, im Gesangbuch lesend. „Man hat Euch gar nicht in der Stadt gesehen, Kullmann", sprach der Kapuziner lächelnd. „Ich dachte schon, Ihr seiet krank. Da hörte ich, daß wenigstens Euer ziegelroter Rock in der Stadt umherspaziere und großes Aussehen mache, und schloß nun, es möge Euch wohl gehen, wie Epaminondas, der auch zu Hause bleiben mußte, wenn er seinen Sonntagsrock einem fahrenden Musikanten gepumpt hatte; denn er besaß nur einen einzigen, wie Ihr und ich." Der Stadtpfeifer erschrak über die mögliche Entweihung des Rockes, und der Kapuziner war sogleich bereit zu erzählen, was er gehört. „Einen schönen Lärm gab's vor einer Stunde im goldenen Löwen, als Neubauer in Eurem stadtbekannten ziegelroten Rock den Wein spürte. Zuletzt fing er gar Händel an mit einem seltsam kleinen fremden Schneider, der ruhig seinen Schoppen trank, und da der Beleidigte ihm seine Grobheiten zurückgab, faßte der berühmte Maestro den Schneider beim Kragen, hängte ihn mit der Schlinge des Rockes an einen großen Haken neben der Tür und drosch bann mit einem Selterser- Wasserkruge auf das Schneiderlein los, bis der Henkel abbrach und der Krug in Scherben auf den Boden siel. Die Zuschauer lachten über dieses Bild, daß sie hätten bersten mögen. Ich horte im Vorbeigehen den Jubel, da wagte ich mich auf den Flur des Wirtshauses, um zu hören, was es gebe, und —" „Und solch einen Gesellen hast du deinen ziegelroten Sonntags- rock anziehen lassen, Heinrich!" fiel Frau Christine ein. „Der Rock macht's allein nicht aus, obgleich der ziegelrote, mein Hochzeitsrock, seit achtzehn Jahren immer ein wahrer Ehrenrock gewesen ist", erwiderte gelassen der Stadtpfeifer. „Aber nun will ich auch nicht mehr glauben, daß dieser Patron meinem Friedrich den Weg nach Wien auftun kann. Was war ich für ein Tor, daß ich eine Weile den Lügen und Prahlereien des liederlichen Buben traute!" „Wovon redet Ihr?" fragte der Kapuziner neugierig, und der Stadtpfeifer erzählte ihm, wie Neubauer versprochen habe, seinem Friedrich zu einer Gönnerschaft zu verhelfen, daß derselbe nach Wien gehen und dort Schule machen könne. Der Kapuziner zog ein ernsthaftes Gesicht, strich sich den langen Var! und sprach mit Gravität: „Herr Stadtpfeifer, Leute, denen man's nich zutraut, können uns auch wohl empfehlen, daß es durchgreift, und es ist schon mancher bei Hofe weitergekommen durch die Protektion der Kammerjungfer als durch die Protektion der Fürstin. Ich will Euch etwas erzählen. Vor ungefähr zehn Jahren war ein junger Maler in Köm, der hatte viel gelernt und wollte nach Paris gehen, um sich dort ein großes Stück Geld zu verdienen. Vier Wochen lang läuft er bei allen Baronen und Prälaten umher und bettelt sich ein ganzes Ledersäcklem voll Empfehlungsbriefe zusammen, und die zeigt er jedermann: .Seist, wer fortkommen will, der muß hohe Empfehlungen haben.' —Wie ec nun eines Tages an der Martinskirche vorübergeht, da ruft ihm der Fuhrmann Müller aus seinem Häuschen zu: ,Herr Gevatter, Ihr wollt nach Paris gehen?' — ,Ei freilich, soll ich Ihm was ausrichten? -7 ,Nein, aber Ihr werdet Empfehlungen brauchen; ich will Euch einen Bm! mitgeben. Sprecht morgen bei mir vor, bis dahin soll er fertig sein. -7 Der Maler versprach's und lachte. Ein Frachtfuhrmann wird auch dtt rechten Verbindungen in Paris haben! — Nach drei Wochen sich"' ihn ein Zufall wieder an der Martinskirche vorbei; der Fuhrmans stand vor der Haustür und schirrte sein Pferd an. — .Herr Genauen Ihr- habt ja Euern Empfehlungsbrief nicht abgeholt. Wartet ein M»» chen, ich bringe ihn gleich herunter.' — Und ob der Maler wollte ooer nicht, er muhte das Schreiben nehmen und steckte es unbesehen tn nie Tasche. (Schluß folgt.) D«rantwortlich: Dr. Hans Thhriot. — Druck und Derlag: Brühl^scheLlniverjitätS-Duch- und Steindruck«r»i, 2k. L»ns». Dieße«-