SietzenerZamilienbMer Unterhaltungsbeilage zum Gießener Anzeiger I rhrgang <929 Montag, den 14. Januar Nummer 4 Nachtlied. Von Manfred H a u s m a « n. Der Nachtwind weht so scharf und dünn Ich streue den »kernen Futter hin. Da schießen alle die Sterne Matt? nieder auf meine Fenstert»curk. schlucken die Körner, picken die Same», sängen auch ihre Halden Namen, fingen und springen ohne Ruh und schwingen sich plötzlich dem Himmel zu. Lieg' ich allein in meinem Bett, ich schreie nach dir, ich beiße ins Brett. Aber auf meinen weinende« Schrei kommen drei Butzemänner herbei, packen mich an und ziehen mich lang, rupfen mit einer eisernen Zang' mir alle zehn Fingernägel aus. Springen zehn Blutbrunnen gleich heraus. Dann wälzen sie mich ins Fenstereck, rumpeln zur Tür und gehen weg. Das Uhrwerk rauscht, es knistert im Schrank, da sitzt der Mond auf der Fensterbank. Der Mond guckt traurig in mein Gelaß. Der Mond ist kühl, kühl, kühl und blaß. Er trinkt meinen Wein, er ißt mein Gemüs' er sagt ein altes Märchen süß. Dann hebt er sich non ungefähr hinter den blanken Sternen her. Wer kraspelt denn da an meiner Tür? • Wer trägt denn da eine Lampe herfiir? Lieb'« Herz, nun bist du ja doch gekommeni Haft dich doch nicht am Weg übernommen? ziu bist jo tot, du bist so bleich ... Ja, ja, was sprachen wir denn gleich? Da stehst du nun, gib mir dein Tuch, ich friere, ich habe so selten Besuch. Sieh doch, sie haben mir was getan. Rein, rühre bitte nicht daran! Blas, blas! Wie gut das tut ... Ach bin |» müde, du bist so gut .. Das Märchen vom Monde. Von Wilhelm Scharrel mann. Es ist eines der lustigsten Märchen, dis ich kenne. Eine alte Groß- nufter im Teuselsmoor bei Worpswede hat es mir erzählt, und die weiß auch, daß es wahr ist. ,, , ,,L Einmal, vor vielen Jahren — es ist zur Winterszeit gewesen —, »st eine große Ueberschwemmung im Teafelsmovr gewesen, daß das ganze Land blank gewesen ist von Wasser. Die Häuser haben wie kleine Inseln in einem großen See gelegen, und das Wasser hat bis an die Tur= chwelleii gestanden. Ja, als des Nachts für den Mond die Zeit gekommen ist, unterzugehen, hak er keine Stelle gesunden, wo er trocknen Fußes hat aus die Erde herabkommen können, so daß ihm zuletzt nichts anderes übriggeblieben ist, als ins Wasser hinabzusteigen und pitsche, patsche, zum H mmelsrand zu gehen. Wie er dabei an dem großen Zuggraben entlanggeht und seine Laterne in die Höhe hebt, damit er nicht unversehens vom Wege ab und in den Graben gerät, wachen die junge» Birken, die da stehen über einem hellen L'cht aus ihrem Winterschlaf auf, und weil (te noch halb vom Traum umfangen sind, wundern sie sich nicht wenig und rufen: Was ist das für ein Fischersmann Hat filberbianfe Stiefel an. Darüber hat der Mond lachen müssen und gesagt: „Ja, das ift ein guter Einfall. Ich will eine Mahlzeit Fische .sangen! und wirst jein Netz aus Silberfäden aus, das er auf feinem Rücken tragt, imd als er es wieder aus dem Wasser zieht, hat er so viele Fische gefangen, daß man eine Kompagnie Soldaten damit hätte speisen können. , , Die soll der alte Dünsing haben, da drüben am Stau , jagt der Mond und freut sich. „Ich weiß, die beiden letzten Fuder Torf, die er zu Weihnachten in die Stadt bringen nx>((te, hat das Wasser durchnäßt, und NUN hat er nichts zu essen für feine Kinder, und sie haben heute abend bunorifl ins müssen." Er tappt also — pitsche, patsche, pitsche patsche — auf das Haus zu, klopft an das Fenster und ruft: „He, Dünstng-Vadder, steht auf und sagt Eurer Frau, daß sie den Topf zu Feuer kriegt. Ich habe eine Mahlzeit Fische gefangen und will mit Euch zu Abend essen!" Aber der alte Dünsina hat einen schweren Schlaf gehabt, meint, daß ihn jemand narren will und sagt auf plattdeutsch: „Macht, daß ihr hinkommt, wo der Pfeffer wächst!" dreht sich auf die Seite und schläft weiter. Der Mond, der alle Sprachen der Erde versteht, hat aber ganz gut begriffen, was ihm der alte Torfbauer geantwortet hat, weckt darum Die Flau und sagt: „Steht auf und kriegt Euer» Torf zu Feuer. Ich habe eine Mahlzeit Fische gefangen und will mit dir und Deinen Kindern zu Abend essen." Die Frau wacht auf, meint aber, sie hätte nur geträumt, und denkt: „So etwas kann einem nur im Mondschein begegnen", dreht sich auf die Seite und schläft weiter. Da weckt der Mond das älteste der Kinder — das ist ein Mädchen gewesen von elf Jahren — und sagt: „Steh' auf und krjeg zu Feuer. Ich habe eine Mahlzeit Fische gefangen und will mit euch Kindern zu Abend essen!" Das Mädchen, das vor Hunger nur leicht geschlafen Hai, ruf, was ihm geheißen ist, steht auf, schürt das Feuer auf dem offenen Herd an der Diele und will den Topf darüber hängen, in dem die Mutter fonft zu Mittag kocht. Da kommt der Mond durch die Seitentür herein und fagt: „Nimm den großen Kessel, der kleine langt nicht." Das Mädchen tut wieder, wie ihm geheißen wird, und sogleich kocht das Wasser in dem großen Kessel, als hätte es schon eine halbe Stunde über dem Feuer gestanden und nur daraus gewartet, und der Mond hebt sein silbernes Netz über den Herd und schüttet die Fische in das brutzelnde Wasser. Das Mädchen macht keine kleinen Augen, als es die vielen Fische sieht, und das Wasser läuft ihm im Munde zusammen. „Wie schäl' ich nun so schnell die Kartoffeln zu de« vielen Fischen?" fagt es. „Gib sie mir nur her", fordert der Mond es. auf, fetzt sich auf die Bank im Beifchlag unter das Fenster und fängt an, die Kartoffeln zu schälen, und es geht ihm so flink von der Hand, daß er im Handumdrehen damit fertig ist. „Weck' nun deine Geschwister", fagt der Mond. Das tut das Mädchen auch, kann sie aber nicht wachkriegen, nimmt darum nur das Kleinste aus feinem Bett, fetzt es an den Tisch im Beischlag, hol! Gabel und Teller herbei, füllt auf und will offen. Das Kleine aber, weil er fo unvermutet aus dem Schlaf genommen ist und nun den fremden Mann erblickt, fängt an zu meinen. Da nimmt der Mond das silberne Horn, das er bei sich trägt, und beginnt eine so feine Musik darauf zu machen, daß das Kleine darüber still wird und mitißt. Wie sie nun zu dreien miteinander fitzen und offen und mit den Tellern klappern, wacht der Bauer darüber drinnen in der Koje auf und ruft: „Wal klappert da buten an ujen Disch?" Da antwortet das Mädchen in seiner Freude: „Sind twee Pund Kartoffeln un söbenhunnert Fisch!" Da meint Dünsing-Vadder von neuem, es narre ihn etwas, steht diesmal aber auf und kommt auf die Diele heraus. Da steht er den fremden Mann in seinem blinkenden Kleid und fragt: Gott» Dübel, wat i» denn bat sor een, mit 'n silbernen Mutz un scheebe Been? Das hat der Mond nicht gern gehört, denn wenn er auch schiefe Beine mitbekommen Hal, hat er doch immer ausgezeichnet darauf lausen können, nimmt sein Netz wieder auf den Rücken und jagt: Heeb ick de Fisch for bin Kinaer fangen, wahr bin Wär un wahr bin Tun gen i Da kommt auch die Frau aus der Koje, macht ebenso große Augen wie ihr Monn, kriegt ober einen Schreck, als sie die Kartoffeln auf dem Tisch dampfen sieht,' und sagt: I, du ole Huckepuck, frißt us de letzten Kartusfeln up? Da wird der Mond noch ärgerlicher als vorhin, droht ihr mit dem Finger und brummt wieder: Heb söbenhunnert Fisch for dln Ketek fungen, wahr din War un wahr bin Tungeni Das Mädchen dageg-n will ihm etwas recht Liebes sagen, steht asm Tisch auf, geht zum Mond und fragt: Wie keemst du over bat blanke Moor, - in füldern Steebeln un Rockelor? # Da muß der Mond lächeln und antwortet ihm: Wa gah ick hen, wo kam ick her? Ick top wall um do ganze ffierl Damit hat er seine Latem« wieder ausgenommen und ist zur Tür tzinsusgegangen. Die beiden Alten aber hoben ihm ganz verhaft nach- gesehen und nicht gewußt, was sic von dem Fremden hakten sollten. Dann hat es aber Dünsing-Vadder doch leid getan, daß er ihm jo unfreundlich begegnet ist, und ist ihm mit dem letzten Schluck In seiner Kümmelflasche nachgelaufen und hat gesagt: „Fische willt frommen!" Der Mond hat aber die Flasche nicht genommen und Dünsing-Vadder nur mit seiner Laterne ins Gesicht geleuchtet und ihn groß angesehen .,. 3116 Torfmoor ist er aber seitdem nie wieder herabgestiegen und wandert nun jedesmal hoch am Himmel über den Weiherberg hinweg, ^Denn der Mond," meinte die alte Großmutter, die mir das Märchen erzählte, „kummt miet herum in de Welt, un be kann stn Garn iitlmieten. wo he will un wo em dat passen beit! Sudermanns letzte Jahre. Von Liesbet Dill. ^Nachdruck Verboten.) Meine Bekanntschaft mit Sudermann liegt viele Jahre zurück. Ich war von Saarbrücken nach Berlin gekommen mit meinem ersten Roman. Nn großer Verlag hatte ihn abgelehnt, weil er „in ein Familienblatt nrdjt passe. Ich sollte ihn umändern, und wußte nicht, wie man das macht. Ich fuhr von einem Verlag zum anderen, keiner wollte ihn auch nur lesen. Es schreiben jetzt so viele junge Damen Romane, sagte mir ein aanz großer Verlege^ und führte mich in einen Saal, wo mich hohe Bücherregale voller Bücher vorwurfsvoll anstarrten. Alles noch unverkaufte Romane, fügte er lächelnd hinzu. Ein anderer schickte mich zu mm Verlag, der sich „für junge Autoren interessiere". Das war mein 1Ä.fu^r öort!>in> ^er der Herr hinter dem Schreibtisch erklärte mir, ich käme zu pat, sie lösten heute gerade ihren Verlag auf. Da war mit meiner Fassung zu Ende, ich sank auf einen Stuhl und weinte . . Der Verleger suchte mich zu trösten. Er nannte mir Namen großer Künstler die akft auch jahrelang gerungen hätten, bis man sie gedruckt hatte. ^„Denken toie an Sudermann, der hat sieben 3ahre seine „Frau Sorge in seinem Schreibtisch liegen gehabt." — In diesem Augenblick der Buyne wo der Betreffende immer im rechten Augenblick erscheint, ein großer Herr das Redaktionszimmer; es war Hermann Sudermann. Und der Verleger stellte mich ihm lächelnd vor, mit einer Handberoegung „eine junge Schriftstellerin In Tränen" ... So haben wir uns kennengelernt... Auch Sudermann hat meinen ersten Roman nicht gelesen. 3ch war damals zwanzig Jahre alt. Ich habe zwar nicht sieben Jahrs warten müssen, bis der für ein Familienblatt nicht geeignete Roman „Lo's Ehe" gedruckt wurde; aber als ich einige Jahre später in Alerisbad Frau Klara zufällig traf, freundeten wir uns an, und seitdem kennen wir uns ... Als Sudermann fein Stadthaus in der stillen Bettinastraße im Grünewald einweihte, gab er ein schönes Fest. Es war ein glanzvoller Abend, mü rosengeschmuckten Tischen. Jeder, den man dort traf, hatte «men großen Namen, war eine Berühmtheit, eine Persönlichkeit. Was macht die Arbeit? war Sudermanns erste Frage, wenn wir uns sahen. Er war, im Gegensatz zu anderen Kollegen, immer interessiert an der Arbeit anderer. Nur Durfte man ihn nicht damit belästigen ... Als Ich ihm einmal mein fünfaktiges Saardrama „Die Grenze" vorleate. faate er: „Sehen Sie, beim fünften Akt hatten Sie anfangen müssen . “ Er arbeitete eigentlich immer. Er kam wohl auf eine halbe Stunde her- Eer Zum Tee, dann entschuldigte er sich und kehrte zu seiner Arbeit Zurück. Er arbeitete gewissenhaft, fleißig, unermüdlich, regelmäßig, ohne Vausen. Ich warnte ihn einmal im letzten Sommer: „Weshalb machen ff, e /eine Pause?" „Das kann ich nicht mehr," sagte er, „das ist ein Luxus, den ich mir mcht mehr gestatte, sonst wird nicht alles sertia, was ich noch zu sagen habe ..." , W nun alles fertig geworden? Hat er alles, was er sagen wollte, gesagt? Man weiß es picht ... Dar Buch des „Steffen Tromhold" war ein Bekenntnis, mit dem er sich frei geschrieben hat. Für die, die ihm fern standen, brachte es Ueberraschungen, den anderen war es erschüt- ternd M lesen .. Mit einer fast grausamen Offenheit hat er Stück seines Lebens preisgegeben, ohne Schminke, ohne Retusche . Die Er- innerungen aus seinem Leben" schließen leider bereits mit feinem geht es nicht weiter?" fragte ich ihn. „Weil die meisten die spater in meinem Leben vorkamen, heute noch leben", sagte L "S^e würden vielleicht gekränkt sein, daß Ihr Porträt so - ähnlich ip ... Der zweite Band soll 30 Jahre nach seinem Tode erscheinen. Buch noch in den „Fahnen", im Liegestuhl in der Sonne, 2 !l ,ü“n «nb uE^roebi 00n Schmetterlingen, unter den alten Parks ... Ww waren die Abendstunden schön auf Schloß Blankensee, seinem Sonnenschloh in der Mark, wenn der Herbstroind draußen die letzten Blätter zusammenfegte. der Regen gegeii die Scheiden prasselte, in der Halle das Saminfeuer brannte und Sudermann chw mor as' aus einem neuen Schauspiel, ein un gedrucktes Roman im Manuskript. Vor Tisch pflegte er eine Sttinde in ^ahn nach dem stillen, schilfumstandenen „Schwarzen See" hin (5anik erzählte er aus seinem Leben, und sagte: Das ist «twas für Sie. Daraus können Sie eine Novelle machen " Ich »>-aote Stoenfc fie täte? Ach, das liegt mir nicht", ÄÄ Ichenre sie Ihnen. Er konnte reizend erzählen mit ioviel Aumnr e~«L- SÄ SääJ Mjen Gang durch Ne Violettschimmernden WStder ., Er hatte einen Kanarfenirogek „Hänschen", Ser immer ■ neben ihm faß. Morgens stand sein Kas.g neben dem Frühstückstisch; Punkt halb neun Uhr mußten wir alle unten fein, in dem großen Speisesaal mit dem alten grünen Kachelofen und den dünnen Beinen und der grünen Flamme. Manch- mal war Hänschen seinem Käfig entflogen, dann mußten wir ihn ta«9e«- Einmal im Sommer kam ich an und fand den Käfig teer. Hänschen war gestorben und lag begraben im Park. Sudermann war sehr traurig darüber. „So verläßt uns ein Freund nach dem anderen." Seine Gattin Klara, die blonde Königsbergerin, hat er als Witwe geheiratet. Sie brachte drei Kinder mit in die Ehe: eine Tochter, die sich spater mit einem Amerikaner verheiratete, einen Sohn, den jetzigen Dramatiker Rolf Lauckner, der mit einer Malerin verheiratet ist: das dritte Kind verunglückte ganz jung in Dresden. Sudermann hat nur eine eigene Tochter, die mit einem Major Frentz verheiratet ist. Frau Klara vechand es, ein großes Haus zu machen und Kameradin eines berühmten Dichters zu fein. Es war nicht immer leicht. Mit Schwierigkeiten, wie mancher andere Künstler, hatte sie nicht zu kämpfen, aber sie hatte, einen Mann, der gefeiert, oft nervös, ein Künstler war. Kimmungen abhängig ... Wenn er sich in fein Studierzimmer zu- ruckzog, durfte keine Storung ihn davon abhalten. Und alles hielt sie ihm ab, feine Frau. ’ ' Er hatte das Gut Blankenfee vom Herrenhaus und dem Park abgetrennt, und bewohnte nur das alte Haus während des Sommers. Manch- mal verbrachte er auch ein paar Winterwochen in verschneiter Einsamkeit dort. „Einsamkeitsraufch, wissen Sie, was das ist?" jagte er einmal ... „Wenn alle Lampen brennen, alle Feuer flackern und man allein ift Sana allem, in einem großen, totstillen Haufe, um das der Schnee toe,V.‘,; • Er hatte den verwilderten Park mit Plastiken und blumem gefüllten Vasen die er von seinen italienischen Reisen mitbrachte, ge- chmuckt; die Allee schloß ein wundervolles Alt-Würzburger Tor ab; er ammette Bilder, antike Möbel; er hatte Kunstsinn und Geschmack; in feiner Umgebung war nichts unschön oder wertlos ... Der Park hatte soviel Stimmung soviel Poesie ... Er führte ein Tagebuch, worin er peinltd) genau jeden Tag einschrieb, was sich ereignet hatte. Er las uns öfter daraus vor. Es war sehr amüsant... „Wozu Sie alles Zeit haben" sagte ich. Aber er „machte sich Zeit". Er las wenig. Wenigstens keine moderne Literatur. Das start mich. Das lenkt mich ab, meinte er. Er batte tue „Rheingrenze", stellten wir einmal fest. Da, wo mein „Stoff- gebiet beginnt — Frankfurt am Main, am „Tor zu dem Westen" endete das feine. Ihre westlichen Stoffe liegen mir nicht, jagte er. pi^Eich' war Frühaufsteher, lebte ganz pedantisch, arbeitete b Ä» 4 "br und ging früh schlafen, Um zehn Uhr mußten die Lampen im Salon ausgedreht werden in Blankensee. Das Schloß hafte kein Gas und kein elektrisches Licht. Nur Spirituslampen. Im Kriege, als es an Licht mangelte, lud er mich nach Blankensee ein. Ich ri'fiern' fürchtete mich aber sehr im Dunkeln". „Keine Angst, schrieb er aus Heiligendamm, „kommen Sie nur, ich spare schon Kerzen für Sie." ' ' Seine Gesellschaften waren immer reizend und anregend. Es war das gastfreieste Haus, das ich kenne. Sudermann war sehr anspruchsvoll Beziehung; er war nobel ritterlich, umgänglich und liebenswürdig. Frau Klara war eine großartige Hausfrau, von der man nur lernen konnte. An ihrem letzten Geburtstage hatte sich nur ein kleiner intimer Kreis um sie versammelt. Damals war sie schon schwerkrank, aber fie sprach nicht davon. Sie sprach überhaupt selten von istch. Sie lebte nur für ,'hren Mann. Eie hat selbst sehr feine Novellen geschrieben. „tJber mir bleibt ja dazu keine Zeit", sagte fie. Sie las feine Korrek- turen, besprach feine Entwürfe mit ihm, er las ihr vor; und wenn sie seiner Arbeit auch mehr bewundernd als kritisch gegenüberstand, so mußte sie doch jederzeit für ihn bereit sein. Sie stellte ihre eigene Persönlichkeit ganj zuruck jur ihn. Und eines Tages, nachdem sie schon lange heimlich gegen ein Herzleiden gekämpft hatte, löschte ste still aus. Ich erfuhr es eines Morgens in Verdun ... Jemand rief es mir über den Tisch zu: Frau sudermann ist tot — Ich habe viel an ihr verloren. .^Sudermann hafte sich schon seit dem Tode feiner Frau ganz von oe» Geselligkeit zurückgezogen. Er ging nur noch selten zu einem guten yfeu.„ö Diner; man sah ihn vor.gen Winter zuweilen noch tanzen. Die Vorstudien zum „Purzeichen", seinem letzten Buche ... Aber er war im letzten Jahre nervös, nicht mehr „fertig zu werden". Er kam wohl noch einmal vorbei auf einem Gang durch den Grünewald, setzte sich und plauderte, aber er kam nie mehr zu einem Tee-Empfang zu mir. „Die vielen Menschen, das vertrage ich nicht mehr", sagte er. Er sah dabei ftisch aus wie ein Fünfziger. Er lebte sehr regelmäßig und mäßig, achtete mimer auf seine Gesundheit und — auf fein Herz, das in letzter gelt nicht mehr intakt war .. Im letzten Sommer zog er sich, statt große Rei en zu machen, auf jein stilles Blankensee zurück, in die Mark, die er f ebte roie seine ostpreutzifche Heimat. Aber er lud keine Gäste mehr zu sich ein, wie sonst. Rur wenige besuchten ihn doch dort .. In diesen ^ayen vor einem Jahr gab er noch feine zwei letzten großen Diners. Auf langen blumengeschmückten Tafeln flimmerten kleine Christbäum- Gen, und im Wintergarten brannte ein riesiger Lichterbaum. Noch ein- mal versammelte er seine Freunde um sich, aber ihr Kreis hatte sich stark gelichtet in den letzten Jahren. Es waren viele neue, junge Frermde darunter .... , . Blankensee feierte er am 30. September vorigen Jahres zum letzten Male seinen Geburtstag. Aber er feierte Ihn ganz still, er lud niemano dazu ein; Privatbriefe las er kaum noch in der letzten Zeit. Er wollte mcht mehr gratuliert werden. Kurz darauf bekam er den ersten Schlaganfall die l-.nke Seite war gelähmt. Er ließ sich ins Sana. fahren, sein Befinden besserte sich scheinbar, aber der zweite Schlag folgte bald; nun wollte er nach Berlin zurück. Wurde ins Fran- ziskuskrankenhaus übergeführt, und bekam eine Lungenentzündiina, an der er gestorben ift ... Ole Sllvesterg? ockren- BtzN Charles Dick en«. (Fortsetzung.) EiR schwaches Feuer brannte auf ihrem Herd» den» die Nacht war Iehr kalt. Sie stand von Zeit zu Zeit aus, um es zu schüren. Während !<* sv beschäftigt war, schlugen die Glocken halb eins, und als sie ausgetönt hatten, hörte sie ein leises Pochen an der Tür. Sie öffnete sich, «och ehe Mseg Zeit hatte, sich Gedanken darüber zu machen, wer sie «ohl zu einer }c ungewöhnlichen Stunde besuchen möge. D Jugend und Schönheit, die ihr glücklich sein sollt, schaut hierher? D Jugend und Schönheit, die ihr selbst gesegnet seid und alles segnet, was i« euerm Bereich ist, die ihr die Absichten eures Schöpfers erfüllt, schaut hierher? Sic sah die eintretende Gestalt und schrie auf: „Lilian!" Die Gestalt trat schnell vor, siel vor ihr aus die Knie nieder un- Mmmerte sich an ihr Kleid. „Ach Himmel, steh aus, Lilian! meine teure Lilian!" „Nie, Meg; nimmermehr! Hier! hier! zu deinen Füßen will ich mich SR dich klammern, damit ich deinen teuern Atem auf meinem Gesicht fühle!" „Süße Lilian! meine teure Lillan! Kind meines Herzens — die Liebe Siner Mutter kann nicht zärtlicher [ein. Lege dein Haupt an meine Brust!" „Nie, Meg. Nimmermehr! Als ich zum erstenmal zu deinem Ge- Kcht ausblickte, knietest du vor mir. Latz mich aus den Knien vor dir sterben. Laß — laß mich!" „Du bist zurückgekommen. Mein Kleinod, wir wollen wieder bei- iammenleben, miteinander arbeiten, miteinander hoffe» und miteinander sterben." „Ach, küsse mich, Weg; schlinge deine Arme um mich und drücke mich SR dein Herz? Sieh mich freundlich an — aber laß mich hier liegen! Latz mich zum letztenmal dein liebes Gesicht auf den Knien betrachten!" O glückliche Jugend und Schönheit, blickt hierher! O Jugend und Schönheit, die ihr den Zwecken eures wohltätigen Schöpfers dient, blickt hierher! „Bergib mir, Meg! Teure liebe Meg! vergib mir! Ich weiß, du tust es — ich sehe, daß du es tust, aber sprich es auch aus, Meg!" Sie sprach es aus, ihre Lippen auf Lilians Wange gedrückt. Und mit ihren Armen umschlang sie — sie wußte es jetzt — ein gebrochenes Herz! „Gottes Segen über dich, meine Teure. Küsse mich noch einmal? Er duldete es, daß die Sünderin sich zu seinen Füßen niedersetzte und sie mit ihren Haaren abtrocknete. O Meg, welch ein Erbarmen — welch «in Mitleid!" Als sie starb, berührte der Geist des zurückkehrenden Kindes strahlend und unschuldig den alten Mann mit seiner Hand und winkte ihm weiterzugehen. Eine neue Erinnerung an die gespenstischen Gestalten in den Glocken, ein unbestimmtes Gefühl, als ob letztere wieder läuteten, ein schwindeln- des Bewußtsein, den Phantomenschwarm erneut und wieder erneut gesehen zu haben, bis sich das Bild desselben in dem wirren Durcheinander zahlloser Gestalten verloren hatte — eine sekundenlange Erkenntnis, obwohl er nicht wußte, woher sie kam, daß doch mehr Jahre entschwunden waren — und Trotty stand, von dem Geist des Kindes begleitet, wieder vor menschlicher Gesellschaft. Eine beleibte Gesellschaft, eine rojenwangige Gesellschaft, eine ve- «c Gesellschaft. Es waren ihrer nut zwei, aber sie waren rot genug hn. Sie faßen vor einem lustig prasselnden Feuer, zwischen sich einen kleinen, niedrigen Tisch, und wenn nicht der Duft von heißem Tee und Semmeln in diesem Gemach länger weilte als in den meisten andern, so muhte der Tisch kurz zuvor eine Mahlzeit gesehen haben. Aber die Tassen waren rein und standen an ihren Plätzen in dem Eß- schrank; die Messingröstgabel hing in ihrem gewöhnlichen Winkel und breitete ihre vier mütz gen Finger aus, als wolle sie sich einen Handschuh anmessen lassen, und es waren keine weiteren erkennbaren Merkmale eines eben beendigten Mahles vorhanden als diejenigen, die sich in dem Schnurren und Bartputzen der sich wärmenden Katze und in den Leblich (um nicht zu sogen fettig) glanzenden Gesichtern der beiden Personen aussprachen. Dieses behäbige Paar (augenscheinlich verheiratet) hatte das Feuer «zwischen sich geteilt und sah den sprühenden Funken zu, die in ost sielen, bald ein wenig einnickend, bald wieder auswachend, wenn etwa ein ungewöhnlich großes glühendes Fragment prasselnd niederkam, als wollte ihm das Feuer nachfolgen. Es lief jedoch nicht Gefahr, bald zu verlöschen, denn es erglänzte nicht nur in dem kleinen Zimmer, an den Glasscheiben in der Tür und an dem darüber gezogenen Vorhang, sondern auch in dem kleinen Laden draußen. Ein kleiner Laden, zum Ersticken vollgestopft mit dem Ueberfluh seiner Vorräte — ein wahrhaft gefräßiger kleiner Laden mit einem Magen io beauem und voll wie der eines Haifisches. Käse, But'ter, Brennholz, Seife, Pökelfleisch, Schwefelhölzer, Speckseiten, Tafelbier, Echnurrkreifel. Eingemachtes, Papierdrachen, Hanf amen, kalter Schinken, Birkenbesen, He-dsteine, Salz, Weinessig, Stiefelwichse, Heringe, Schreibmaterialien, Schweinefett, Champignonsauce. Schnürbänder, Brotlaibe, Federbälle, Eier u.nd Schieferstifte — alles war Fisch, was in das Netz dieses gierigen kleinen Ladens kam, und alle diese Gegenstände befanden sich in seinem Netz. Was für andere kleine Waren noch vorhanden waren, würde sich schwer aufzählen lassen, aber da befanden sich noch Vindsadenrollen, Zwiebelreihen, Lichierbündel, Knhlnetze und Bürsten, die traubenförmig wie eine außerordentliche Frucht von der Decke niederhingen, während versch'edene Büchsen, denen ein aromatischer Duft entströmte, den Wahrheitsbeweis der Ausschrift über der Ladentllr lieferten, die dem Publikum kundtat, daß der Jnbaber dieses Kramladens auch ein privilegierter Tee-, Kaffee-, Tabak-, Pfeffer- und Schnupstabakshändker fei. ‘ Diese Artikel, die in dem Licht des Feuers und in dem weniger sied- sichen Glanze zweier rauchender Lampen unterscheidbar wurden, welche düster in dem Laden brannten, als wenn ihnen dessen Vollblütigkeit schwer aus den Lungen löge, und dann ein Blick auf eines von den beiden Gesichtern bei dem Stubenfeuer ließen Trotty leicht die stämmige alte Dame Frau Eh'ckenstalker erkennen. Sie hatte stets zur Korpulenz geneigt, schon in den Tagen, als er sie gekannt und ein kleines Pöstchen in ihren Büchern stehen hatte. Die Züge ihres Gesellschafters waren ihm nicht so vertraut. Da« große breite Kinn mit Falten, groß genug, daß man einen Finger hin- einlegen konnte; die erstaunten Augen, die sich selbst Vorwürfe zu machen schienen, daß sie immer tiefer und tiefer in das nachgiebige Fett seine« schwammigen Gesichts einsanken; die Rase, die mit jener Funktionsstörung behaftet war, die man in der Regel Stockschnupfen nennt; den kurzen, dicken Hals und die asthmatische Brust mit andern derartigen Schönheiten konnte Trotty, wie sehr sie auch geeignet sein mochten, sich dem Gedächtnis einzuprägen, anfangs niemand zuschreiden, den er gekannt hatte, obschon es ihm vorkam, als hätte er alles dies schon gesehen. Endlich aber erkannte er in Frau Eh'ckenstalkers Lebens- und Handels- asfociö den vormaligen Portier des Sir Joseph Bowlen — eine apoplektische Unschuld, die in Trottys Geist vor Jahren schon in eine Beziehung zu Frau Ehickenstalker getreten war, weil sie ihm Zutritt zu dem Herrenhaus gegeben, wo er seine Verbindlichkeiten gegen diese Dame bekannt und sich dadurch einen so ernsten Vorwurf auf sein unglückliches Haupt geladen hatte. Nach den Veränderungen, die Trotty bereits gesehen hatte, interessierte er sich wenig für einen derartigen Wechsel; indes sind die Ideen- Verknüpfungen doch bisweilen sehr stark, und er sah unwillkürlich hinter die Stubentür, wo gewöhnlich die Posten der borgenden Kunden aufgekreidet waren. Sein Name war nicht mehr dabei. Es standen einige Namen da, doch waren sie Trotty fremd und außerdem in beträchtlich geringerer Anzahl als in früherer Zelt, woraus er schloß, daß der Portier die Barzahlung bevorzuge und daß er bei seinem Eintritt ins Geschäft den säumigen Kunden ziemlich scharf zugesetzt haben mußte. Trotty fühlte ein solches Herzweh und trauerte so sehr um die Jugend und die Aussichten seines armen Kindes, daß es ihm sogar leid tat, keinen Platz mehr in Frau Ehickenstalkers Schuldbuch einzunehmen. „Was ist'« für eine Nacht, Anna?" fragte der vormalige Portier de« Sir Joseph Bowley, indem er seine Beine vor dem Feuer ausstreckte und sie so weit rieb, als er mit seinen kurzen Armen reichen konnte, während seine Miene deutlich zu sagen schien: „Ich sitze da, wenn'« schlecht ist, und verlange nicht auszugehen, wenn's gut ist." „Es stürmt, graupelt und droht mit Schnee", entgegnete feine Fra«. „Dunkel. Und sehr kalt." „Es freut mich, daran zu denken, daß wir Wecken hotten", sagte der vormalige Portier in dem Ton eines Mannes, der sein Gewissen zur Ruhe gebracht hat. „'s ist eine Nacht, wie für Wecken gemacht; auch für Pfannkuchen und Teegebäck." Der ehemalige Portier brachte die Namen dieser aufeinander folgenden Leckerbissen vor, als ob er nachdenklich seine guten Taten auf zählte. Dann rieb er sich wieder seine fetten Beine, drehte sie in den Kniegelenken vor dem Feuer, um die strahlende Hitze auch den bisher ungerösteten Teilen zuzuführen, und lachte, als ob Ihn jemand gekitzelt hätte. „Du bist ja recht heiter, mein lieber Tugby", bemerkte seine Frau. Die Firma hieß jetzt Tugby, vormals Ehickenstalker. „Nein." versetzte Tugby, „nein. Nicht besonders. Bin nur in etwa« gehobener Stimmung. Die Wecken kamen so gelegen!" Da kicherte er, bis er ganz schwarz im Gesicht war, und hatte so viel Not, wieder eine andere Farbe zu kriegen, daß seine fetten Beine die seltsamsten Exkursionen in die Luft machten. Auch wollten sie erst wieder einigermaßen Vernunft annehmen, als Ihn Frau Tugby heftig auf den Rücken geklopft und wie eine große Flasche geschüttelt hatte. „D du grundgütiger Himmel über diesen Mann!" schr>e Frau Tugby entsetzt. „Was er nur treibt!" Herr Tugby wischte sich die Augen und wiederholte mit matter Stimme, daß er sich ein wenig in gehobener Stimmung befinde. „Na, sei so gut und laß es in Zukunft bleiben," versetzte Frau Tugby, „wenn du mich mit deinem Zappeln und Herumfechten nicht zu Tode erschrecken willst!" Herr Tugby erklärte, ir» nicht mehr tun zu wollen. Aber seine ganze Existenz war ein Fechtgang, bei dem er, wenn man nach seinem stets kürzer werdenden Atem und dem tiefen Purpur feines Gesichtes urteilen durfte, immer den kürzeren zog. „So stürmt'» also und graupelt» und droht'» mit Schnee; ist'» dunkel und sehr kalt, meine Liebe?" sagte Herr Tugby, indem er nach dem Feuer sah und wieder auf die Ursache und den Kern feiner momentanen gehobenen Stimmung kam. „Bei Gott, ein rauhes Wetter", erwiderte feine Frau, den Kopf schüttelnd. „Ja, ja!" sagte Herr Tugby. „Jahre sind in dieser Hinsicht wie die Christen: Einige von ihnen sterben schwer, und bei andern geht es leicht ob. Das gegenwärtige hat nicht mehr weit hin und wehrt sich deshalb; aber es gefällt mir dafür nur um so besser. Es ist ein Kunde da, meine ,Liebe!" Frau Tugby hatte das Knarren der Tür bereits vernommen und sich erhoben. „Run, was foü's?" fragte die Dame, in den kleine« Laden hinauo- gehend. „D! ich bitt' um Verzeihung, Sir; wahrhaftig, ich wußte nicht, daß Sie es waren." Diese Entschuldigung gatt einem Gentleman in Schivarz. der mit zurückgeschlagenen Aermeln, den Hut ieitwäris auf den Kopf gedrückt und die Hände in feinen Rocktaschen, rittlings auf dem Tafekbierfäßchen saß und ift' eniHegennickte. „Das ist eine schlimme Geschichte da oben, Frau Tugby", sagte der Gentleman. „Der Mann kann nicht leben" Verantwortlich: Ör. HanÄ Thyrist. jetannt habt und das an einem icbe für ihren R chard willen.' LL.7 u»2ch ab« befaß S-Pesst-rk« m.d machte nichts Nrnck und Verlag: Brühl'fchr UntversitLiSrBuch. usd Steindruckrretz R. Lang«, Gießen. sagte er, die fiänbe in seinen Taschen; „Ihr müßt Euch nicht dem Schmer, hingeben. Es führt ,u nichts. Ihr müßt dagegen an. ... - »VI « . . ...» _ t A-. Air. >1« n V TIOI h°^,Dazu nicht", erwiderte Frau Tugby mit grotzenr Nachdru^ „Dazu nicht! Dazu habe ich dich auch nicht geheiratet. Schlag d,r dufe Ge- 'danken aus dem Kops, Tugby - ich will s nicht haben. Ich «'de es einmal nicht - lieber «eße ich mich Zuerst schien, um dem Gesicht >ue wieberzusehen. Ais mein Witwenname noch über dieser Tur stand — und er hat viele, viele Jahre da gestanden — war dieses Haus wett und breit als Ehickenstalkers bekannt, und jedermann rühmte es wegen seines ehrlichen Kredits und seines guten Ru s. Stts mein Witwen- name noch über jener Tür stand, Tugby, kannte ich ihn als einen sch inen kräftigen, männlichen, unabhängigen Jüngling ich kannte sie als das süßeste und gutmütigste Mädchen, das man ie gesehen hat — ich »annie ihren Vater (der arme alte Mann stürzte vom Turm, den er schlafwandelnd erstiegen hatte, und erschlug sich) als den ein ochs en. un- ermudlichsten und wohlwollendsten Mann, der nm se geatme« hach und wenn ich sie aus dem Haus stoße, mögen m ch die Engel aus dem Himmel stoßen. Das täten sie auch! Und mir wurde nur recht geschehen! Ihr altes Gesicht, das zu Tobys Zeiten rund und voll Grübchen gewesen, schien wieder aus ihrem jetzigen hervorzuleuchten a.s sie dieft Worte sprach. Sie trocknete dann die Augen und schüttelte mit einem Ausdruck von Festigkeit, die augenscheiittrch keinen Widerstand bulbete, den Kops und ihr Schnupftuch gegen Tugby, so daß Trotty vor sich hinsprach: „Gott segne sie. Gott segne siel" Dann horchte er mit klopfendem Herzen auf das, was nun folgen mochte- denn er wußte noch nichts, als daß fle von Meg sprachen. Wenn Tugby in dem Stübchen ein wenig in gehobener Stimmung gewesen war, so wurde setzt das Gleichgewicht mehr als ersorderlrch wieder hergesteüt, indem er nun im Laden nicht wenig gedruckt dastam und seine Frau stumm antzlotztr. Dabei —- fei es m Anwandlung von Zerstreutheit oder als Vorstchlsmahregel — ließ er heimlich alles Geld hätte so unterkrieyen Lassen, WO wir wohl sechsmal in der Nacht durch das zweimalige Klopsen, das immer einen Wagen ankündigte, aus dem Schlaf gerissen wurden, um dann zu sehen, daß man uns genarrt hatte. - - —‘f“ (Schluß folgt.) wieder hergestellt, indem er nun und seine Frau stumm anglotzte. Zerstreutheit oder als Vorsichlsn aus der Schublade In feine eignen Taschen gleiten. Der Gentleman aus dem Taselbiersaß, der augenscheinlich em autorisierter Armenarzt war, mochte wohl an kleine Meinungsverschiedenhecken zwischen Mann und Weib zu sehr gewöhnt fein, um sich «? SeSenwar- tiaen Fall eine Bemerkung zu erlauben. Er blieb pfeifend sitzen und ließ kleine Tropfen aus dem Hahn aus den Boden rinnen, bis vollkommene Stille eingetreten war. Dann hob er feinen Kopf und sagte zu Frau Tugby, vormals Chickenstaiker: „Es ist sogar setzt noch etwas Interessantes an der Frauensperson. - Me kam sie dazu, ihn zu heiraten?" - „Ach," versetzte Frau Tugby, ihren Sitz neoen ihm nehmeod,„vas ist ein reckt grausamer Teil ihrer Gesch chte, Sir. Ihr mützi namlich wissen, daß sie und R chard vor vielen Jahren miteinander verlob, waren. Als Ne nock ein sunges und schönes Paar waren, hatten sie alles miteinander ausgemacht, und sie wollten sich an einem Reujahrstag trauen lassen. Da setzte aber ein Gentleman Richard in den Kops, das er etwas Besseres tun könne; er werde den Schritt bald bereuen — das Machen fei nicht aut qenua für ihn, und ein lebensfroher junger Mann habe keinen Grund, zu heiraten. Und der Gentleman schüchterte auch sie ein und machte sie melancholisch, indem er ihr sagte, ihr Mann werde sie dann verlassen, ihre Kinder kämen an den Galgen, und es fei gottlos, zu heiraten, und was dergleichen mehr war. Kurz, sie zögerten und zögerten — ihr Vertrauen zueinander wurde gebrochen, und so ging es auch mit der Verlobung. Aber der Fehler lag an ihm denn sie wurde ihn mit Freuden geheiratet haben, Sir. Oftmals nachher habe ich gesehen wie ihr fast das Herz brach, wenn er in stolzer, gleichgültiger Weise an ihr vorbeiging, und nie grämte sich ein Mädchen aufrichtiger um einen Mann als sie, wie sie zum erstenmal hörte, daß Richard auf Abwege ®ie der aus dem Untern Dachstübchen?" rief Tugby, der I« de« Laden herauskam und sich an dem Gespräch beteiligte. Der Dachstübler, Herr Tugby,' entgegnete der Gentleman, -wird demnächst die Treppe herunterkvmmen und gar bald unter dem Rasen '^Während er abwechselnd Tugby und dessen Gattin «n^au^, klopfte er mit den Knöcheln das Faß ab, um zu unterfuchen, wieviel Bier noch darin setz und sobald er dies ausfindig gemacht hatte, trommelte er einen Marsch aus dem leeren Test. „ , t w , Das Hintere Dachstübchen, Herr Tugby, sagie der Herr, nachdem Tugby eine Zeitlana in stummer Bestürzung vor sich hingestarrt hatte, "Ut Dön?^ 'sag°e Tiigby^ sich an (eine Frau wendend, „motz er ab- SV'-N^LLL Hernan: den Kops schüttelnd. „Ich für, memen *«?««#£. roemsf ins nicht die Verantwortung auf mich nehmen und die ^ugl'chkeit ziige- fteben. Laßt ihn bleiben, wo er ist. Er kann s nicht mehr lange ^reiben. „'s ist der einzige ätegenstand," sagte Tugby, die Butterwaagschale krachend auf den Ladentisch druckend, indem er feine Faust darin wog, ' über den wir je einen Wortwechsel miteinander gehabt haben - sie und ich — und da sieht man, was am Ende dabei herausgekommen ifti Stirbt er zuletzt gar hier — stirbt auf unferm Grund und Boden — '111nd wo?wlllst 7u denn, daß er sterben soll, Tugby?" ries feine Frau. ,'Jm Armenhaus", entgegnete er. „Wozu hat man denn Armen- er mir’s keider nie gesagt hat. Er Ue sich dann aufs Trinken wurde ein Faulenzer und hielt sich an schlechte Gesellschaft lauter Der» gnügungen, die - nach dem Ausspruch des GeMleman — so vle besser für ihn sein würden als das behagliche Heim, das er (jatte fjaben tonnen. So verlor er denn fein gutes Aussehen, seinen guten Rus, seine Gesundheit, feine Kräfte, seine Freunde, seine Arbeit — kurz crnes.