r,pr> j!l l r nichj ms jein seinem m. Eii, de bet' isfreube les @e> «chnee- ■ Hrab- eratung Kreuze en und end ein in da» nd Innungen imetter- liich dir icceliuz h auch i Weg.' ng an- hke ge- chastlich i seiner irgend zenheit, wie'» icht an ei den i." > wert ist ..." nieder, Un de iimmer vill de eenem lb ent- n dem würde, de oll ü nid) i, tarn nd die nd die Spruch, nelsten Denn Tschs- r weilte el auf- >e Tut n wie Hrad- f dem indem chrieb, ft,dod mgn. essen, Unterhaltungsbeilage Zum Gießener Anzeiger Jahrgang V>2() Montag, den 8. April NummerÄ Rothäute. Von Paul Woran ö*). Sie haben Landkarten aus Büsfeihüute gemalt; mit zinnoberroten Fußtapsen waren daraus die Wildpfade eingezeichnet, die durch die Coloradoküste führen. So schafften sie das Gold Kaliforniens herbei. Ihr Anblick macht einem heiß und kalt. Wie die hageren, nackten Oberkörper über den breiten Gürteln aus Weißsuchsfelien aussteigen! Sie hören alle Geräusche und riechen mit ihren dünnwandigen, aus Hartholz geschnitzten Rasen die Nationalität, das Alter und das Geschlecht jedes Fremden. Ihr Leben ist hocherhaben über Kirchen und Banken. Und man weiß nicht, wann sie schlafen, Ihre Ruder, die breitblättrigen Pagajen, führen sie mit so sparsamen Bewegungen, daß sie dabei die Handflächen kaum von den schmalen Hüften heben Jahrhunderte der Entbehrung haben sie geläutert, verdünnt, entmaterialisiert. Sie haben keine Taschen. Auch wenn sie Geschenke annehmen bleiben ihre Hände unbeweglich. Sie tonnen nicht mehr jagen, noch können sie essen, noch sich verteidigen. Und sie sterben. Der Giftfalter. Von Friedrich S ch n a ck. Bei meinen Forschungen über das Leben der heimischen und fremdländischen Tag- und Nachtfalter, niedergelegt in meinem Buche „Das Leben der Schmetterlinge", trieb ich in einer staatlichen Bibliothek ein uraltes Schmetterlingsbuch auf, das ein spanischer Gelehrter der Universität Satamanta versaßt hatte. Der Gelehrte, ein Arzt, war damals sehr berühmt und in jeder Weise ein Mann von Verdienst. Er hatte bedeutende und schwierige Reisen unternommen, und auch eine Geschichte der spanischen Ueberseeländer geschrieben, die er aus eigener Anschauung kannte. In seinem Werk, dessen Titelblatt leider zerstört war, sanden sich mancherlei staunenswert exakte Beobachtungen einiger gekerbter Tiere, besonders der Käfer und Schmeteirlinge, daneben aber auch, wie es der Geist der Zeit liebte, viel Wunderliches und Legendenhaftes, zum Teil heute völlig Unverständliches. Der Gelehrte hatte vor allem seine Liebe den amerikanischen Schmetterlingen geschenkt, denen er in den Urwäldern und Tälern nachgezogen war, und er sparte in seinen Aufzeichnungen nicht mit der Wiedergabe von tausend Gefahren, Abenteuern und gutgemeinten Märchen. Was für Seltsamkeiten wußte er zum Besten zu geben! So fand ich denn auch unter seinen verschnörkelten, hochgelahrten, mit willkürlichen Bezeichnungen und lateinischen Brocken gespickten altspanifchen Abhandlungen eine kurze, merkwürdige Kunde. Freilich war dies mehr eine verschleierte, ungewisse Andeutung, als ein sachlicher Bericht. Sie sprach von einem giftigen Schmetterling. Aufsehnerregend: ein giftiger Falter! Zwar hatte der spanische Gelehrte und Arzt diesen giftigen Schmetterling nicht selbst in den überseeischen Wäldern ausgestöbert, er stützte sich vielmehr auf die ihm unbezweifelbare Mitteilung eines spanischen Offiziers, der mit Fernando Cortez ein Jahrhundert vorher zur Eroberung des mexikanischen Reiches ausgezogen ivar. Wie der «oldat in feinem Tagebuch und den Meldungen an den kommandierenden General sich ausließ, sollen durch den Anblick ober durch die Berührung eines über allen Maßen schönen Schmetterlings eine Anzahl der Krieger blind geworden sein und keine Kunst der Aerzte sei imstand gewesen, den Erkrankten das Sehvermögen wieder zu geben. Da die Schmetterlinge, wie der spanische Gelehrte weiter ausführte, auf ihren großen Schwingen Farben trugen, gleich den Farben und Zeichnungen der Schlangen, habe M im spanischen Heer das Gerücht verbreitet, die kazikischen Priester ! hätten diese unglückbringendeu Falter in die Dickichte der Wälder hinein- gezaubert, um das siegreiche Heer mit Gift und Blindheit zu schlage«. *) Autorisierte llebertrngyng w Mix« », H «ll LL d LH- W hl- War diese Schmetterlingsgeschichte nun auf die Leichtgläubigkeit eines wenig gebildeten Offiziers zurückzuführen, oder auf die Wahnvorstellungen erschreckter, von allen Tücken eines fremden Landes gepeinigter Soldaten, es war wunderbar genug, daß nach der Eroberung des Goldreiches Mexiko und nach dem Tod der Priester, die sich in ihre eigenen Obsibianschwerter stürzten, keine jener gefährlichen Faller mehr zu Jeben waren, weder in den weiten und tiefen Wäldern, noch in den herrlichen Gartenanlagen der eingenommenen Hauptstadt. Sicherlich ein aztekisches Märchen, umgewandelt und weitergegeben, dachte ich und brachte das spanische Buch wieder zurück in die Bibliothek. Aber die Geschichte ließ mich nicht los. Eines Tages arbeitete ich in einer ausländischen Klosterbibliothek, um in den Chroniken einiger längst verstorbener Missionare nachzuforschen. Die geistlichen Brüder waren im siebzehnten Jahrhundert in die indianischen Urwälder gegangen, wo sie dem Christentum eine Stätte bereiten wollten. Bis auf zwei hatten sie den den Martertod erlitten. Der ältere der beiden war zurückgekommen, weil sein Alter den Beschwernissen des Außendienstes nicht mehr gewachsen war, und er hatte sein Ordensstandbuch in der Bibliothek abgeliefert. Vor seiner Heimreise war der jüngere an einer Tropenkrankheit gestorben. In seinem Klosterbuch erzählt der ältere Bruder die Geschichte des- jüngeren. Wir hatten, war da zu lesen, unsere Hütte und die kleine Kapelle unweit eines Teiches am Rand des Waldes gebaut, vielleicht hundert Schritt von dem Indianerdorf Urkalet entfernt. Eines Tages kam ich von einem Krankenbesuch zurück, der mich zu der Squaw eines Häuptlings geführt hatte, und fand in der Hütte meinen Bruder krank vor. Er tag, eingewickelt in feine Kutte, auf dem Feldbett und starrte mich mit seinen kastanienbraunen Augen, weitaufgerissen und voll schmerzhaften Glanzes, ohne Regung an. „Was ist los?" meinte ich erschreckt. „Bruder, bist du da?" fragte er mich wie im Fieber. — „Freilich bin ich da," antwortete ich, „du siehst mich doch!" „Ich sehe dich nicht", erwiderte er. „Ich höre dich nur." — „Du siehst mich nicht?" redete ich ihn an, näher tretend und seine heißen Hände ergreifend. — „Wie sollte ich auch, lieber Bruder!" entgegnete er. „Ich bin blind!" — „Du bist blind?" rief ich erschrocken. „Wie ist das möglich?" Auf feinem Gesicht erschien ein krampfhaftes, krankhaftes Lächeln, das mir das Herz; zerschnitt. „Bruder," sagte er, „ich werde nie wieder dein Angesicht sehn, und unsere kleine, liebe Kirche . Ach, ich werde dis Bäume nicht mehr sehen, die ich so liebe, nicht den Fluß, über den wir fuhren, als wir hierher tarnen. Ich werde den Klosterhof in der Heimat nicht mehr sehen ..." „Aber, aber ..stotterte ich. „Du hast Fieber, das vergeht!" — „Ich glaube nicht," antwortete er, „es ist nicht anders, wie ich dir sage." — „Mein Gott, du siehst wirklich nichts?" — „Gar nichts, sehe ich! Nichts!" — „Wie ist das geschehen", stammelte ich. „Deine Augen sind doch ganz unverändert, es ist nichts an ihnen zu sehen. „Ich habe ..." begann er, und sank plötzlich ohnmächtig auf fein Lager, ohne daß ich Näheres erfahren hätte. Nachts verzehrte ihn ein schlimmes Fieber und am Morgen war er so schwach, daß er sich nicht ohne meine Hilfe aufrichten konnte. Er wurde von Stunde zu Stunde kränker, ich mußte ihn füttern uni» ihm zur Hand sein, immer mehr schwand er dahin, und war auch wirklich völlig blind. Ich zergrübelte mir das Gehirn, wie konnte meinBruder erblinden, und welche Krankheit hatte ihn heimgesucht. Aber in der dritten Nacht erfuhr ich es. Er redete irr und phantasierte. Doch mitten in sein Irrsein zuckten die Blitze lichter Augenblicke. Sekunden der Bewußtheit. Aus diesen Bruchstücken des Wachseins setzte sich mir sein Geheimnis zusammen. Und so war es: An jenem Nachmittag, gegen drei Uhr, wollte er aus dem Jndianerdorf heirngehen, um etwas aus der Hütte zu holen. Ec- war ein wundervoller Tag, die hellste Sonne schien, der Himmel leuchtete in einem abgründigen Blau. Mein Bruder kam zu dem Teich, darauf sich keine Welle regte, so still war die Luft: er kniete nieder, um einen Krug Wassers zu schöpfen: da sah er im Wasser einen Schein gespiegelter Farben jäh aufhuschen, seltsam tief und zauberhaft, wie er deren noch nie gesehen hatte. Er wunderte sich. Was sind das für herrliche Farben, die ihm. da entgegenschwebten. Offenbar aber waren sie gar nicht im Wasser, so nah glänzten sie ihm doch so fern. Plötzlich spürte er, wie sich sein Haar bewegte, es war ihm lang gewachsen, wir hatten unsere Schere verloren. Wiewohl kein Windhauch sich rührte, bewegte sich fein Haar, so, als wollte es sich aufrichten. Er fuhr zurück und sah mit einem Schlag vor seinem Gesicht, dicht vor feinen Augen, einen Schmetterling von der Größe eines Vogels. Mächtig wirkend wie ein Blitz war der Eindruck, so daß mein Bruder grell geblendet die Augen schließen mußte. Was hatte er gefehlt? Was war das nur? Er hatte auf den Flügeln des Falters Farben ge- sehn, die es nicht gibt, giftige Farbe», höllische Farben. Diese Farben- ftrahlL» hatten ihm in die Pupillen gestochen, als wären seine Augen von Nadeln durchbohrt. Der Schmerz war furchtbar. Einen Augenblick sank mein Bruder gelähmt zu Boden. Als er dann die Augen öffnete, war tiefe Nacht um ihn, weder Schmetterling noch Wasser noch irgend etwas konnte er wahrnehmen. Er war erblindet ... So war die Geschichte meines Bruders. Ich konnte nicht mehr mit ihm darüber sprechen; denn sein Geist verwirrte sich immer ärger. Bald danach starb er. Ich packte seine Habseligkeiten zusammen, um sie nach Haus zu Schicken. Da fand ich unter seinen Büchern auf dem Tisch ein dickleibiges LVerE mit Abbildungen von Schmetterlingen und anderen Insekten. Das Buch war in spanischer Sprache geschrieben, die mein Bruder von Kindheit an beherrschte, und trug auf dem ersten Blatt den Namen des Verfassers: Fronderes de la Contes, und die Aufschrift: Wunderbarer Spiegel seltsamer Reisen. Zwischen den Seiten 215 und 216 steckte ein papierener Merkstreisen. Ich hatte die Seiten aurgeschlagen und entdeckte, daß mein Bruder mit dem Federkiel einige Zeilen unterstrichen hatte. Sie lauteten: Der spanische Feldhauptmann Alvarado im Heerzug Fernando Cortez berichtet in seinem Tagebuch von einem wunderbaren riesigen Falter, der so fabelhafte Farben auf seinen Farben trug, daß sie nicht zu beschreiben waren. Fünfzehn Soldaten, die einen Weg durch den Urwald schlugen, sind bei seinem Anblick erblindet. Sie erzählten, der Schmetterling sei ihnen ganz nah vor die Augen geflogen, die sie sogleich vor entsetzlich stechenden Schmerzen zukneifen muhten. Wahrscheinlich hatte der Falter beim Flug den Pollenstaub einer ungeheuer giftigen Urwaldpflanze verloren, der den Soldaten in die Augen drang und ihnen die Sehkraft raubte. Sie konnten nicht wieder geheilt werden und starben bald an der Auszehrung ... Heinrich Schütz. (Ein Vorgänger Vachs. Bon Dr. Anton Mayer. In den Märztagen dieses Jahres hat sich die Erstausführung der Matthaeuspassion zum zweihundertsten Male gejährt, nachdem das Werk vor hundert Jahren durch Felix Mendelssohn-Bartholdy in der Berliner Singakademie der Vergessenheit entrissen worden ist, welcher es nach seinem einmaligen Erklingen in der Leipziger Thomaskirche anheimgefallen war. Heute ist es selbstverständlicher und kostbarer Besitz der gesamten musikalischen Welt geworden; es erscheint uns heute ganz unverständlich, datz es ein Jahrhundert lang völlig dem Gedächtnis und der Kenntnis musikfreudiger Menschen entschwunden war. Aber es ist nicht das einzige erhabene Stück großer Musik, das unverdientermaßen ins Dunkel getaucht ist; einer von Bachs Vorgängern, und zwar der größte unter ihnen, der „einzig-faustische Mensch" unter einer Anzahl tüchtiger Meister, wie ihn der Musikhistoriker Albert Einstein sehr treffend bezeichnet hat, war lange Zeit vollkommen unbekannt, bis ihn der Bachbiograph Chrysander theoretisch, und vor wenigen Jahren erst der kürzlich verstorbene Dirigent des Philharmonischen Chores, Siegfried Ochs, praktisch zu neuem Leben erweckt haben: Heinrich Schütz, der am 8. Oktober 1585 in dem durch sein schwarzes Bier berühmten Ort Köstritz im Reußischen als Sohn eines Gasthofbesitzers geboren wurde. Sein Vater siedelte nicht viel später nach Weißenfels über, um dort den Gasthof „Zum Schützen" zu übernehmen, der heute noch steht; während des Dreißigjährigen Krieges beherbergte er die beiden größten Feldherren der Zeit, Wallenstein und König Gustav Adolf. Heinrichs Musikalität äußerte sich im Knabenalter durch fein Gesangstalent; als der kunstsinnige Landgraf Moritz von Hessen-Kassel ihn zu- B hörte, während er sich aus der Durchreise befand, beschloß er, den iten Knaben zu sich zu nehmen. Im Jahre 1599 kam Heinrich auf das Collegium Mauritianum, um dort adlig erzogen zu werden; außerdem mußte er als Diskantist bei Hofe erscheinen. Rach den Lehrjahren, in denen ihm kein Musiker von Ruf zur Seite stand, bezog er 1607 als Student der Jurisprudenz die Universität Marburg; der Landgraf sah indessen bald ein, daß ihm eine gute Ausbildung in der Tonkunst nottat, »nd bot ihm ein Stipendium an, um für zwei Jahre nach Venedig zu gehen, wo der berühmte Giovanni Gabriel! lehrte, der den Ruhm penetianischer Musik über alle Lande verbreitet hatte. Seltsamerweise gögerte Heinrich, ehe er sich entschloß, das großzügige Anerbieten des klugen Fürsten anzunehmen; das Grüblerische seiner tiefgründigen Natur ließ ihn sich wohl genau prüfen, ob er in der Tat die genügende Kraft In sich fühlte, sein Leben ganz der Kunst zu widmen. Die Schönheit der mächtigen, auf der Höhe ihres Glanzes stehenden Meerstadt wirkte mit ihrem bunten, zwischen Orient und Okzident spielenden Leben, dem Reichtum an Kunst und sremdartiger Architektur, dem leichter pulsierenden Dasein auf den in sich versponnenen Nordländer auf das stärkste; indessen ließ er sich durch die neue und berauschende Umgebung nicht von seinen Studien abhalten und lernte bei Gabriel! bald die allgemeinen Gesetze des Kontrapunktes und der Harmonielehre, wie jauch die Besonderheiten italienischer, und speziell venetianischer Satz- und ilusdrucksweise zu beherrschen. Nach zweijähriger Arbeit sandte er seinem Mäzen einen Band fünfstimmiger italienischer Madrigale, aus denen seine Berufung zum Tonsetzer klar hervorgeht. Als Giovanni Gabrieli im folgenden Jahr gestorben war, kehrte Schütz nach Deutschland zurück und beschloß, zunächst die für die damaligen Verhältnisse meistversprechende Laufbahn einzuschlagen: die eines Organisten. Die Orgel wurde als Königin aller Instrumente angesehen, ihre Beherrschung galt für jeden ernsthaften Musikus als Selbstverständlichkeit. Er fand sogleich eine Stellung in Bückeburg, ließ sich aber dann noch einmal, und zwar in Leipzig, Immatrikulieren, um seinem Wissensdrange Genüge zu tun; fast gleichzeitig wurde er in den Listen der Kasseler Hofhaltung als Schloßorganist geführt und sogar zum Prinzenerzieher ernannt. Nach wenigen Jahren aber verstand es der Kurfürst von Sachsen, ihn als Kapellmeister für fein Orchester zu gewinnen; so siedelte er nach Dresden über, um den einmal Angenommenen Posten fünsundfünfzig Jahre lang zu bekleiden. Hier schuf Dr eine Reihe von sehr bedeutenden geistlichen Chorwerken, deren Texte Den Psalmen entnommen waren, nebst Motetten und Gesängen, die als „Cantiones sacrae" einen neuen, kühnen und ganz persönlichen Stil zeigen. Er ist nicht frei von Gewaltsamkeiten, manchmal bricht eine starke dramatische Wucht durch die Gemessenheit kirchlichen Wesens; die überschwengliche Mystik des Barock, wie sie sich am gewaltigsten in den Bauten und Skulpturen der römischen Architekten und Bildhauer und in den Kompositionen der gleichzeitigen italienischen Schule äußert, fehlt in Schützens Werken, die vielmehr eine ergreifende Einfachheit und Echtheit der Empfindung verraten. Schon im ersten Jahrzehnt des unglückseligen „großen Krieges" verfolgte den Meister auch persönliches Unglück: seine Frau und seine Kinder bis auf eine Tochter starben, kurz daraus verlor er seinen besten Freund, so daß der Fünfundvierzigjährige vereinsamte; er hat nicht wieder geheiratet — eine Seltenheit in jenen Tagen. Die Kompositionen dieser Jahre, unter denen die Vertonung des „lutherischen Reimpsalters" eine bedeutende Stellung einnimmt, zeigen den zunehmenden Ernst seines Wesens; sie sind, wie übrigens auch der größte Teil von Bachs Werken, nicht eigentlich „populär" geworden, wenn sie es auch auf mehrere Auflagen brachten. Zur Ablenkung und Erholung erwirkte sich Schütz einen längeren Urlaub nach Venedig, in dem nach Gabriels Tode der geniale Musikdramatiker Monteverdi triumphierenden Einzug gehalten hatte. Die Anregungen des neuen Musikwesens fanden in den „Sinfoniae sacrae" Ausdruck, in denen sich Stücke von ungeheuerer Kraft der dramatischen Steigerung finden. Rach seiner Rückkehr verschlechterten sich infolge des verheerenden Krieges die künstlerischen Verhältnisse in Deutschland so sehr, daß er bis zum Jahre 1645 dreimal längere Zeit in Kopenhagen als Kapellmeister amtierte; ein zweiter Band der „Heiligen Sinfonien", dem im Jahre 1650 ein dritter folgte, enthält Höhepunkte der ganzen vorbachischen Musik, wie das geniale, heute berühmt gewordene „Saul, Saul, was verfolgst du mich", das, für Solostimmen, Chöre und Orchester komponiert, ein unheimlich-düsteres, in der Tat faustisches oder an die zur gleichen Zeit entstandenen geheimnisvollen Licht- und Schattenprobleme Rembrandts erinnerndes Werk genannt zu werden verdient. Damals erreichte Schütz den Ruf, Deutschlands bester Komponist zu sein. Um den Alternden, den der Kurfürst trotz aller Bitten nicht seiner Stellung enthob, wurde es immer einsamer; er hätte sich gern in die Ruhe einer kleinen Stadt zurückgezogen, um still sein Lebenswerk vollenden zu können. Aber erst 1671 brachte der Tod des Kurfürsten ihm wenigstens eine Erleichterung feiner Amtstätigkeit; er siedelte nach dem Ort feiner Jugend, nach Weißenfels über, und schuf dort als Achtziger, von Blindheit, Taubheit und körperlicher Schwäche gequält, seine letzten großen Werke, die ihn recht eigentlich als Vorläufer Bachs charakterisieren: die Passionen und die Weihnachtsgeschichte. Wenn sie auch noch nicht die schlagende Wucht und die Unbegrenztheit musikalischen Ausduckes haben, wie die Passionen des einem anderen Zeitalter angehörenden jüngeren Meisters, so sind sie doch in der Art der Deklamation, der Fülle großartiger Melodien und der bunten Bewegtheit der Masienszenen Ton- schöpfungen, welche keineswegs nur historisches Interesse besitzen, sondern von lebendiger musikalischer Schönheit erfüllt sind. Am 6. November 1672 starb Heinrich Schutz, nachdem er bereits bei Lebzeiten fast zur mystischen Person geworden war; hatte er doch noch die schönen und unwiederbringlich verlorenen Zeiten vor dem großen Kriege im besten Mannesalter erlebt, die wilden Jahre der Zerstörung Deutschlands gesehen und nach dem Friedensschluß in feiner Weise, durch das Schassen und Gestalten bedeutender Kunstwerke in der Oede eines zerschlagenen Landes am Aufbau mitgeholfen, sogar in feinen letzten Schöpfungen den Weg in die Zukunft der Musik geroiefen! Aber trotzdem ist er schon kurze Zeit nach seinem Scheiden völlig vergessen gewesen, feine Werke wurden nicht mehr aufgeführt, eine andere Zeit ging in schneller Entwicklung über fein Gedächtnis hinweg, Hochbarock, Rokoko und die mächtige Ausbreitung des musikalischen Lebens im 19. Jahrhundert haben feine Spur verwischt, bis Heinrich Schütz in unseren Tagen durch feine musikalische Auferstehung den künstlerifchen Wert feines Schaffens aufs neue bewiesen hat. Falsche Zitate. Von Dr. Siegfried Mauer m an n. Man braucht nur in eine Gesellschaft zu kommen, eine Dame im Wintergarten des Hauses unter eine mehr ober minder ansehnliche Palme oder ein ähnliches Blättergewächs treten zu sehen, sofort wird man aus irgendeinem berufenen ober nicht berufenen Munde bie Worte geflötet hören: „Na na, man wandelt nicht ungestraft unter Palmen." Wenn man dann aber den Flöter fragt, ob er denn wisse, wo das von ihm doch offenbar zitierte Wort stehe, so wird er erst stutzen, bann wegwerfend .Lessings Nathan" murmeln und sich umdrehn. Das ist alles so ziemlich unrichtig. Gewiß will man in unsrer Zeit möglichst originell sein: man macht sich feine Texte allein: man vermeidet den Zitaterich; aber gelegentlich ist ein gewichtiges Wort von großen Leuten, die doch nun einmal auch vor unsrer Zeit gelebt haben, nicht völlig zu entbehren, wenn auch nur im obenhin fließenden gesellschaftlichen Geplauder; und dann geht durch unsre bildungshungrige Zeit andrerseits auch ein Streben nach Genauigkeit. Ja, wo steht das doch? Und wer sagt es da? Und was meint er damit?, das fragen wir noch recht oft; und da ist denn ein solches Danebenhauen, wie es bei dem Wort „unter Palmen wandeln" neunzigmal unter hundert Fällen begegnet, doch recht peinlich. Wenn man also zitiert, bann richtig unb in. richtigem Sinne. Palmen kommen zwar im „Nathan" vor, auch der Wunsch, einem bas Wandeln unter Palmen nicht zu verleiden, aber bas ungestrafte Wanbeln barunter, finben wir in Goethes Roman „Die Wahlverwandtschaften". Der genaue Wortlaut heißt bart: „Es wandelt niemand ungestraft unter Palmen; der Sinn ist, baß, wer träumerisch wolkenfernen Idealen nachhange, sich hüten müße, den Boden der Wirklichkeit unter den Füßen zu verlieren. So, jetzt haben wir den Wortlaut genau, Zusammenhang und Sinn klar, jetzt können wir bas Wort zu passender Zeit und Gelegenheit getrost zitieren. Da wir einmal bei Goethe sind, wollen wir noch einige ans „Oberon" wird parodiert. „Mein l)iion, mein Gott!", wird zu dem Sastg „Alexander, mein Gatte, im Schlafrock von Watte!" Das stammt aus Berlin. „Hab ick's denn nich jleich jefagt, die Wurscht die schmeckt nach Seefe" singt ebeitfalls der Spreeathener, und zwar nach der Weise des Zigeunerchors aus dem Verdischen „Troubadour". Und werden wir in dieser Hinsicht erst völlig aktuell, dann können wir die Verdrehungen des Schlagers „Valencia" oder des Liedes „Brüderlein, trink" in bunten Reihen anführen. „Valencia, meine Knochen sind zerbrochen, durch die Rippen pfeift der Wind", ist das nicht traurig? Roch trauriger aber der Rat für Brüderlein: „Kauf dir ein Auto, fahr gegen 'nen Baum; dann lvar das Leben ein Traum". Höflich ist die ungesungene Parodie des Hamletwortes „Schwachheit, dein Name ist Weib . — „O, Verstellung," sagen wir da mit Raupa ch, „dein Name ist Kiekebusch!" — Hinter parodierten Zitaten kann man zur Not noch einen Ausweg finden, eine Entschuldigung für falsch Zitiertes; aber sonst ... Ja, ja; ebenso wie der Gebrauch der Fremdwörter gefährlich ist, mit denen man sich wie mit anderen Federn schmücken möchte, kann vor- gctäuschte Belesenheit oder gar höhere Bildung, durch unaufhörliches Zitieren angedeutet, zum Verhängnis werden. Man zitiere nur das, was man selbst genau gelesen hat. Sich hierbei auf andere verlassen, ist gefährlich. Durch eigenes Nachschlagen und Nachlesen erzieht man sich zur Genauigkeit, die noch nie zum Schaden gewesen ist. Unterm Birnbaum. Von Theodor Fontane. (Fortsetzung.) Und Ede, der hinzukam und heute gerade seinen hock^>eutschen Tag hatte, stimmte bei, freilich mit der Einschränkung, dah er auch von ber voraufgegangenen „ersten Trauer" nicht viel wissen wollt«. „Wieder anfangen! Ja, was hciht wieder anfangen? Damals war es auch man so so. Drei Tag' und nich länger. Und paß auf, Male, diesmal knappst er noch was ab." Und wirklich, Ede, der aller Dummheit unerachtet seinen Herrn gut kannte, behielt recht, und ehe noch der dritte Tag um war, ließ Hradscheck die Träumerei fallen und nahm das gesellige Leben wieder auf. das er schon während der zurückliegenden Wintermonate geführt hatte. Dazu gehörte, daß er alle vierzehn Tage nach Frankfurt und alle vier Wochen auch mal nach Berlin fuhr, wo er sich, nach Erledigung seiner kaufmännischen Geschäfte, kein anderes Vergnügen als einen Theaterabend gönnte. Deshalb stieg er auch regelmäßig in dem an der Ecke von Hohen-Steinweg und Königsstraße gelegenen Gasthofe „Zum Kronprinzen" ab, von dem aus er bis zu dem damals in Blüte stehenden Königsstädtischen Theater nur ein paar hundert Schritte hatte. War er dann wieder in Tschechin zurück, so gab er den Freunden und Stammgästen in der Weinstube, zu denen jetzt auch Schulze Woytasch gehörte, nicht bloß Szenen aus dem Angelyschen „Fest der Handwerker" und Holteis „Altem Feldherrn" und den „Wienern in Berlin" zum besten, sondern fang ihnen auch allerlei Lieder und Arien vor: „War's vielleicht drei oder vier". Und dann wieder: „In Berlin, sagt er, mußt du sein, sagt er, immer sein, sagt er" usw. Denn er besaß eine gute Tenorstimme. Besonderes Glück aber, weit über die Singspielarien hinaus, machte er mit dem Leierkastenlied von „Herrn Schmidt und seinen sieben heiratslustigen Töchtern", dessen erste Strophe lautete: • Herr Schmidt, Herr Schmidt, Was kriegt denn Julchen mit? „Ein Schleier und ein Federhut, Das kleidet Julchen gar zu gut." Dies Lied von Herrn Schmidt und seinen Töchtern war das Entzücken Kunickes, das verstand sich von selbst, aber auch Schulze Woytasch versicherte jedem, der' es hören wollte: „Für Hradscheck ist mir nicht bange; der kann ja jeden Tag aufs Theater. Ich habe Beckmann gesehen; nu ja, Beckmann is gut, aber Hradscheck is besser; er hat noch so was, ja wie soll ich sagen, er hat noch so was, was Beckmann nicht hat." Hradscheck gewöhnte sich an solchen Beifall, un.d wenn es sich auch gelegentlich traf, daß er bei seinem Berliner Aufenthalte, während dessen er allemal eine goldene Brille trug, keine Novität gesehen hatte, so kam er doch nie mit leeren Händen zurück, weil er sich nicht eher zufrieden gab, als bis er an den Schaufenstern der Buchläden irgend etwas Komisches und unbändig Witziges ausgefunden hatte. Das hielt auch nie schwer, denn es war gerade die „Glaßbrenner- oder Brennglaszeit", und wenn es solche Glaßbrennergeschichten nicht sein konnten, nun, so waren es Sammlungen alter und neuer Anekdoten, die damals in kleinen dürftigen Viergroschen-Büchelchen unter allerhand Namen und Titeln, so beispielsweise als „Brausepulver", feilgeboten wurden. Ja, diese Büchelchen sanden bei den Tschechinern einen ganz besonderen Beifall, weil die darin erzählten Geschichten immer kurz waren und nie lange auf die Pointe warten ließen, und wenn das Gespräch mal stockte, so hatte Kunicke den Stammwitz: „Hradscheck, ein Brausepulver". Es war Anfang Oktober, als Hradscheck wieder einmal in Berlin war, diesmal auf mehrere Tage, während er sonst immer den dritten Tag schon wieder nach Hause kam. Ede, der mittlerweile das Geschäft versah, paßte gut auf den Dienst, und nur in der Stunde von 1 bis 2, wo sich kaum ein Mensch im Laden sehen ließ, gefiel er sich darin, den Herrn zu spielen und, ganz so wie Hradscheck zu tun pflegte, mit auf den Rücken gelegten Händen im Garten auf und ab zu gehen. Das tat er auch heute wieder, zugleich aber rief er nach Jakob und trug ihm auf, und zwar in ziemlich befehlshabcrischem Tone, daß er einen neuen Reifen um die Wassertonne legen solle. Dann sah er nach den Starkästen am Birnbaum und zog einen Zweig zu sich herab, um noch eine der nachgereiften „Franzosenbirnen" zu pflücken. Es war ein Prachtexemplar, in das er sofort einbiß. Als er aber den Zweig wieder los ließ, sah er, daß die Jeschke drüben am Zaune stand. „Dag, Ede." „Dag, Mutter Jeschke." feinen Werken schief weitergegebenen Worte ansühren. „In der Beherrschung zeigt sich erst der Meister!", ruft Tante Sibylle einem ihrer lebenslustigen Neffen zu; der weiß aber besser als Tante Sibylle im Gosche Bescheid. Im Laustädter Theater hat der große Weimarer über Natur und Kunst etwas sagen lassen und dabei betont, daß sich die Natur zwar weit entfalte, der Künstler sich aber zunächst beschränken lernen müsse, ehe er ein Meister werden könne; denn „in der Beschränkung zeigt sich erst der Meister". Hier ist die Beschränkung nicht völlig gleichbedeutend mit Selbstbeherrschung; es spielt auch der Gedanke mit, daß der wahre Meister auch durch kleinste, ganz auf einen Kreis konzentrierte Mittel etwas Großes zustandebringt. — Selbst von Goethes Grabschrift spricht man fälschlich. Macht nicht soviel Federlesen! Setzt auf meinen Leichenstein: Dieser ist ein Mensch gewesen, Und das heißt ein Kämpfer sein. In dieser Form stammt das hübsche Wort nicht von Goethe; so hat es vielmehr irgendein späterer zurechtgemacht. Goethe sieht sich als Mohammedaner zum Tor des Paradieses kommen; also nicht von einem Leichenstein ist die Rede, sondern von den Freuden des Himmels. Da soll ihm nun am Eingang der Zutritt verweigert werden; er aber verschafft sich bald sein Recht. „Nicht so vieles Federlesen", wehrt er ab; „Laß mich immer nur herein: denn ich bin ein Mensch gewesen, und das heißt ein Kämpfer sein." Fast noch öfter als Goethe wird unser S ch i l l e r'zitiert. Auch seine rhetorisch geprägten Worte sind ab und zu verändert worden. „Das Leben ist doch schön!" bestätigt jeder, der den „Don Carlos" gesehn hat; und doch steht dort genau: „Königin, o Gott, das Leben ist doch schön!" Und der Mohr aus dem „Fiesco", der bekanntlich „gehen kann", hat bei den zitatenfrohen Leuten immer feine „Schuldigkeit" getan, während Schiller von der getanen „Arbeit" des Mohren gesprochen hat. Man versuche nur einmal, eine angenehme Gesellschaft frühzeitig zu verlassen und dabei auf die Abend- ober gar Mitternachtsstunbe hinzuweisen, gleich wird man aus mehr als einem Munde den Trumpf hören: „Dem Glücklichen schlägt keine Stunde". Man ist sich dabei vielleicht einer kleinen Umbiegung des ursprünglichen Sinnes dieses vermeintlichen Ztates bewußt, aber man ahnt in der Regel nicht, bah im „Wallenstein" zu lesen steht: „Die Uhr schlägt keinem Glücklichen". Buchstäblich genau zitiert man zwar Schillers Wort von ben „Brettern, die bic Welt bedeuten"; aber man betont falsch und entstellt somit ben ursprünglichen Sinn. In dem Gedicht „An die Freunde" weist Schiller nämlich darauf hin, daß am lauten Markt zu London das große Leden rausche, in dem kleinen Weimar aber habe man nicht die große, bie eigentliche Welt; dafür jedoch in vollendeter Kunst, die Bretter, die bie Welt bedeuten. Man darf diese Worte also nicht aus dem Zusammenhänge reißen, man darf nicht „Welt", sondern muß „bedeuten" betonen. — Noch eine Kleinigkeit aus Schiller: sein Gedicht „Thekla" schließt: „Hoher Sinn liegt ost in kindschem Spiel". Gewöhnlich spricht man da von „tiefem" Sinn. — Ost zitiert wird ber „Nürnberger Trichter". Man muß Lernenden etwas eintrichtern; das ist ein altes, vielfach angewandtes Bild; jedoch der Ausdruck „Nürnberger Trichter" ist als Name eines um die Mitte des vorigen Jahrhunderts erschienenen Witzblates bekannt. Anlaß zu dieser Bezeichnung gab ein Buch von Harsdörss er (1607—1658), das nur „Poetischer Trichter", also Reimkunstlehrbuch, hieß. Dieses Buch war aber zu Nürnberg erschienen, und bekam deshalb den Namen „Nürnberger Trichter". Es ist dies eine Art „Treppenwitz ber Weltgeschichte", also nachträgliche, erst auf der Treppe eingefallene Deutung ber Anwendung eines Geistesblitzes. Er gehört auch in das Gebiet des „falsch Zitierten" oder, wenn man will, des fälschlich Zitierten. Unverbürgt als Ausspruch Ludwigs XIV. ist z. B. das bekannte l'Etatc’estmoi! Daß es feiner ganzen unumschränkten Art entsprach, von sich zu behaupten „Der Staat bin ich", kann nicht bestritten werden; aber es kann nicht nachgewiesen werben, baß tr dieses Wort wirklich angewandt hat. Treppenwitz der Weltgeschichte. Mit diesem Zitate sind wir ins Ausland gekommen. Wenden wir Uns da England und feinem großen Dichter Shakespeare zu: „Die Kürze ist die Würze", pflegen mir zu sagen; im „Hamlet" steht aber zu lesen: „Weil Kürze denn des Witzes Seele ist". — Scherzhaft oerabrebet man sich, in ein Weinlokal zu kommen; „bei Philippi sehen wir uns wieder", damit gibt man den Treffpunkt an, denkt vielleicht sogar an einen Wirt mit Namen Philippi, aber man weiß kaum, daß dieses Wort die Verdrehung eines Shakespearezitates ist. Im „Julius Caesar" sagt nämlich Brutus zu Caesars Geist: „Nun, zu Philippi will ich denn dich sehn." Eine wahre Fundgrube für bedeutungsvolle Worte ist die Bibel. Als heilig und unantastbar gilt sie. Dennoch müssen sich auch Bibelworte ein bisweilen ungenaues Zitieren gefallen lasten. Wer kennt nicht das Volkswort „Unrecht Gut gedeihet nicht"? Wer aber weih, daß es aus der Bibel stammt, und zwar aus den Sprüchen Salomonis, wo es allerdings «Unrecht Gut hilft nicht" heißt? Daß bie verbotenen Früchte am liebsten Auafcht werden, hat manches Couplet besungen; ähnlichen Sinn hat bas Wort, bas ja für den trockenen Orient besonderen Wert bekommt: „Gestohlenes Wasser schmeckt süß." Es handelt sich aber gar nicht um stehlen, sondern um bie Heimlichkeit bes sündigen Genusses. „Die verstohlenen Wasser sind süß", heißt es ebenfalls in ben Sprüchen Salomonis. ..«m könnte bei diesem falsch Zitierten beinahe glauben, daß eine ab« Mliche Verdrehung vorliegt. Dies ist ber Fall bei sogenannten Parodien. WEe man sie alle samt und sonders aufzählen, dürfte man so bald kein Ende finden. Feuchterslebens Lied „Es ist bestimmt in Gottes •Hat bat schon von feinem Komponisten Mendelssohn eine textliche «enberung erfahren, eine gar nicht so seltene Art ber Zurechtmachung eines Urwortlautes. Von einer Parodie aber muß man sprechen, sobald nion die Behauptung eines Witzboldes ansührt, nach der es heißt: „Wenn yrauen auseinandergehn, so bleiben sie noch lange stehn". Feuchtersieben !'Lbcm angeführten Liede bekanntlich ganz andre rührselige Töne angeschlagen. Mozarts „Zauberflöte" muß sich im Reim auf Isis und ,st?s bie Parodien gefallen lasten: „O, wüßtet ihr, wie's mir is" ober «wie wir s mies is". Uebeknehmen darf man dergleichen nicht. Webers war lange lcht ausdenken uno Birnbaum herum 9 q* «i» _____ , ...... , ——---- Druck »nd -Arrian ArShr^LKivEit»^Lu-ch« ll»r Siern drucks X 2e*e<, Brrsntworilich: Dr. Hans LS-rVol. - Oben aber Falltiir zu, nach fünf Minuten. Und wenn wir uns 'ran halten, machen wir um Mitternacht die Nagelprobe " „Bravo!" stimmte man ein, Und Hradscheck erhob sich, um Ube, der verschlafen >m Laden auf einem vorgezogenen Qurfertaften saß, in den Kelter zu schicken und die fünf Flaschen heraufholen zu lassen. „Und pah auf, Ede; der Burgunder liegt durcheinander, roter und weißer, der mit dem grünen Lack ist cs.' Ede rieb sich den Schlaf aus den Augen, nahm Licht und Korb und hob die Falltür auf, die zwischen den übereinander gepackten Oeifäsfern, und zwar an der einzig freigebliebenen Stelle, vom Flur her in den säcken gefallene Futterkorn aufpickten, flogen als sie damit fertig waren, aufs Fensterbrett und meldeten sich. Ihre Znutschertone hatten^ein'^ „Na, schmeckt et?" , „ „I worümm mch? Is foa ne Maloafter. „ Finn Bördem wihr et 'ne Malvesier. Awers NU ... , ",Nu is et 'ne „Franzosenbeer". Ick wert woii. Awers dat s zoa ati Jo«, wer wert, Ede. Doa is nu so wat mang. Hefte noch nix Der Junge ließ erschreckt die Birne fallen, das ?Ue aber sUckt« sich danach und sagte: „Ick meen ioa mch de Beer. Ick mern funnsten. „Wat denn? Wo denn?" „Na, so 'rümm um't Haus." „Ne:, Mutter Jeschke." . , . .. , ,. lln ook nich unnen in'n Keller? Hest noch mr sieh» o i hurt, Mutter Jeschke. Man blot ..." "Ioa bMuttes Jeschke, mal wihr mi so. Mal wihr nii so, as hiill mi "towtoÄ 3wä65r'VÄ“- ein. „Ede, du bist ne Bangbiichs. Ick hebb soa man spoaht. I- joa man all dumm Tug." Und damit ging sie wieder auf ihr Haus zu. Drei Tage danach war Hradscheck wieder aus Berlin zurück, m ver- I (müdtid)ctcr Stimmung als feit lange, denn er hatte nid)t nur tilltj I Geschäftliche glücklich erledigt, sondern auch die Bekanntschaft einer langen I Dame gemacht, die sich seiner Person tme seinen Heiratsplanen geneigt | gezeigt hatte. Diese junge Dame war die Tochter aus einem Destillation»- I aeschM große und stark, mit etwas hervortretenden, immer lachenden I Äugen' eine Bollblut-Berlinerin. „Forsch uni) fidel war ihre Losung, | de/auch ihre Lieblingsredensart: „Ach, das istiazum Totlachenent- I sprach Aber dies war nur so für alle -tage. Wurde ihr dann wohliger 1 utns Herz so wurden es auch ihre Redewendungen, und sie sagte dann. I I da muß ja 'ne Wand wackeln", oder „Das ist ja gleichum eine« Puckel zu kriegen". Ihr schönstes waren Landpartien elnschlichlich ge- I sÄschaftlicher Spiele wie Zeck oder Plumpsack, dazu saure Milch nut 'Schwarzbrot und Heimfahrt mit tototflaternen und Gesang. „Cm freie» I ßXtx führen wir", „Frisch auf, Kameraden", „Lichows wilde verwegene j Jagd" und „Steh' ich in finsterer Mitternacht". Infolge welcher ausge- I sprochenen Vorliebe sie sich in den Kopf gesetzt batte, nur aufs Land hinaus heiraten zu wollen. Und darüber war sie 30 Jahre alt geroor« I den, alles blaß aus Eigensinn unb Widerspenstigkeit. Ihren Namen I fVhitbii" aber hatte die Mutter in Dittchen abgekürzt. | " So die Bekanntschaft, die Hradscheck während seines letzten Berliner | Aufenthaltes gemacht hatte. Mit Editha selbst war er so gut wie einig I H«b nur die Eitern hatten noch kleine Bedenken. Aber was bedeutete I das? Der Bater war ohnehin daran gewohnt, nicht gefragt Z" werden, unö die Mutter, die nur wegen der neun Meilen Entfernung noch einigermaßen schwankte, wäre keine richtige Mutier gewesen, wen« sie nicht schließlich auch Hütte Schwiegermutter sein wollen. Allo Hradscheck war in bester Stimmung, und ei« Ausdruck derselben war es daß er diesmal mit einem besonders großen Vorrat von Bittner Witzliteratur nach Tschechin zurückkehrte, darunter eine komische Romanze, die letzten Sonntag erst vom Hofschauspieler Ruthlmg im Konzertsaale des Königlichen Schauspielhauses vorgetragen worden war, und zwar in einer Matinee, der, neben der ganzen tmute voles von Berlin auch Hradscheck und Editha beigewohnr hatten. Diese Romanze behandelte die berühmte Geschichte vom Eckensteher, der einen armen Apothekerlehrling, „weil das Räucherkerzchen partout nicht stehen wolle", Schlag Mitternacht aus dem «chbaf klingelte, welche Geschichte damals nicht bloß die ganze vornehme Welt, sondern besonders auch unseren auf alle Berliner Witze ganz wie versessenen Hradscheck derart hiNgenommen hatte, daß er die Zeit, sie seinem Tschechiner Konvwiu m vorzulesen, kaum erwarten konnte. Nu« aber war es so weit, und er feierte Triumphe, die fast noch größer waren, als er zu hosten gewagt hatte Kunicke brüllte vor Lachen und bot den dreifachen Preis, wenn ihm Hradscheck das Büchlein ablassen wolle. „Das muss er seiner Frau vorlesen, wenn er nach Hause komme, diese Nacht noch; so was sei noch gar nicht dagewesen." Und dann sagte Schulze Woytasch. „Ja, die Ber llner! Ich weiß nicht! Und wenn mir einer tausend Taler gäbe, |o was könnt' ick nich machen. Es sind doch verflixte Kerls. Die „Romanze vom Eckensteher" indes, so glanzend ihr Vortrag ab« gelaufen war, war doch nur Vorspiel und Plänkelei gewesen, darin Hrad- Mite von reinem unvcicu । " Mxx er macht es Nicht ausoenren >n sich endlich ausgetobt und ausgetubelt amen in die Schuh gestaut „. ««r-r Hirnbaum h-ru"' rfobrigtelt, sah etwas mißbilligend drein), fa6^ $ehk- Sarntrautfamen! 3lun fe^tt btofc no$ bas 2W SMS-UZ ffi« iti Mh rwött. fehlen worqeZung fvigi.-____________—, Keller führte. • t . Aach ein paar Minuten war er wieder oben und klopfte vom Laden her an die Tür, zum Zeichen, daß alles da fei. Gleich " rief der wie gewöhnlich mitten in einem Bortrage steckende Hradscheck, „gleich", und trat erst, als er seinen Satz beendet hatte, von der Weinstube her in den Laden. Hier schob er sich eine schon vorher aus der Küche heranbeorderte Terrine bequem zurecht und griff nach dem Korkzieher, um die Flaschen aufzuziehen. Als er aber den Burgunder in die Hand nahm, gab er dem Jungen, halb ärgerlich, halb gutmütig, einen Tipp auf die Schulter und sagte: „Bist ein Döskopp, Ede. Mit grünem Lack, hab' ich dir gesagt. Und das ist gelber. Geh und hoi ns richtige Flasche. Wer's nich im Kopp hat, muß es in den Seinen haben, Ede rührte sich nicht. „Nun, Junge, wirb es? Mach flink." „Ick geih nich." „Du gehst nich? warum »ich?" „Et fpökt." „Wo?" „Unnen ... Utinen in'n Keller. .Junge, bist du verrückt? Ich glaube, dir steckt schon ber Mitternachts« grufet im Leibe. Rufe Jakob. Oder nein, der is schon zu Bett; rufe Male, ! die soll kommen und dich beschämen. Aber laß nur." Unb dabei ging er selber bis an die Kuchenttir und rief hmausr „Male." Die Gerufene kam. „Geh in den Keller, Male." „Net, Herr Hradscheck, ick geih nid)." „Auch du nich. Warum nich?" „Wer?" „Na wer? Der Sput." Alles lachte; das Trinken ging weiter, unb Mitternacht vorüber, als man sich trennte, Hradscheck, sonst mäßig, hatte mit den andern um di« Wette getrunken, gelaufen war, war ooa) nur «oqpiei u»™»».I blök um eine ruhige Nacht zu haben. Das war ihm auch gegluckt, und er scheck fein bestes Pulver noch nicht verschollen hatt^ Sem beste ober | M .rm A sondern auch weit über seine gewöhnliche Stunde ----- k-elt. kam erst nach und war die Ge- | '^^ Zrst um acht Uhr war er aus. Male brachte den Kaffee, die JL , , . . -________ /ZnAvCnAA hi» hrta nitA 'näfllCl4 „Ins Dreideibels Namen, was soll der Unfimr? Unb er versuchte zu lachen. Aber er hielt sich dabei nur nut Muh auf den Beinen, denn ihn schwindelte. Zu gleicher Zett empfand er deutlich, daß er kein Zeichen von Schwäche geben dürfe, vielmehr umgekehrt bemüht sein muffe, die Weigerung ber beiden ins Komische zu ziehen, und so riß er beim die Tiir zur Weinstube weit auf unb rief hinein: „Eine Neuigkeit, Kunicke ..." „Ru, was gibt's?" . ~ . ... Unten spukt es. Ede will nicht mehr in ben Keller unb Male natürlich "auch nicht. Es sieht schlecht aus mit unserer Bowle. Wer kommt mit? Wenn zwei kommen, spukt es nicht mehr." „Wir alle", schrie Kunicke. „Wir alle. Das gibt einen Hauptspaß. Aber ^^u'nd^ei"diesen Worten eines der zur Hand stehenden Lichter nehmend, zogen sie — mit Ausnahme von Woytasch, dem do S Ganze mify haqte — brabbelnd und plärrend und in einer Art Prozession, als ob einer begraben würde, von der Weinstube her durch Laden und Flur, unb stiegen langsam unb immer einer nach dem andern die Stufen der Kellertreppe hinunter. , Alle Wetter, is das ein Loch!" sagte Ouaas, als er sich unten um- guckte. „Hier kann einem ja gruselig werden. Nimm nur gleich ein paar I mehr mit, Hradscheck. Das hilft. Je mehr Fidetttö, je weniger Sput. Unb bei solchem Gespräch, in das Hradscheck einstimmte, packten sie ben Korb voll unb fliegen die Kellertreppe wieder hinauf. warf Kunicke, der schon stark angeheitert war, die schwere baß es durch das ganze Haus hin dröhnte. „So, nu sitzt er drin." einen unter Verdacht des Hochverrats stehenden unb in ber . J I rä(tgn fle;n[{ene Futterkorn aufpickten, flogen, als sie damit fertig waren, wohnenden badischen Studenten namens H."'d'»Ser "usswdig machen > sterbrett und meldeten sich- Ihre Zwitschertöne hatten etmtt sollte, was ihm auch gelang und einige Zett danach zu dtt amtlich^n | 10 unä Zutrauliches, das dem Hausherrn, der ihnen reichlich Meldung führte, daß er den pp. Haitzinger, der übrigens Blümchen heiße, I § [(rumc »«warf unendlich wohl tat, ja, fast war s ihm, als ob et gefunden habe, trotzdem derselbe nicht in der Kurstrahe, sondern aus > Moraenaruß verstände: „Schöner Tag heute, Herr Hradschelk, Spittelmarkt wohnhaft und nicht badischer Student, sondern em sächsischer ihren "’r?eHirEn!r J A Leinweber fei. „Und nun, ihr Herren und Freunde, schloß 5)rod>check | f sch T » Frühstück und ging in den Garten. Zwischen be* seine Geschichte, „dieser ausbündig gescheite Gendarm, "^."hieß^Na- I - w sm«d viel Rittersporn, halb noch in Blüte, halb schon türlich Geelhaar,'nicht wahr? Aber nein, ihr H-rren ehlgeschosien er fU^mumravannMn^vi^ der Kapseln ab unb streute d Geelhaar wissen, unb als man "7"ÖTLI hatte (nur Woytasch, als Dorfobrigkeit, sah etwas«mißbilligend ^ein), lagte Quaas: „Kinder, jo was «..<■ „->•>> -—z - - • - kommt nicht alle Tage von Berlin. Ich denke deshalb, wir mad)in nod) eine Bowle: drei Mosel, eine Rheinwein, eine Burgunder. Undnicht zu süß. Sonst haben wir morgen Kopsweh. Er ist erst hall» zwölf, fehlen — ----—------—-----