entliche les Gs- "t; nun blasen. Schake Maße. )tc das e Voll- ges be< h diese :m, der nis des ;anz in Kreis- 5 hatte rd nicht laß der SietzenerKMienbMer Unterhaltungsbeilage zum Gießener Anzeiger Jahrgang 1929 Freitag, den Z.Mai Kummer N Staub, i kunst- chutsam »resfrist nterher allhardt ts dran Aermel. hinaus- Mann temahl-E i or dein erhaupt he legte manch- )er und ' Pfiffe :n hatte fte ihm ; er ein f Freilich sich für lmerika. ei Tisch n kreuz ig' kein ihn ge. | . Er sei ben. Er tse ihm 1 herbei überfein fand er las der ick über ■r nicht. . 2)emo= ert hing ktor zu in wohl hieß e5, Amt zu tun ein- idrosius genannt b Menten vcm en. Die- gen ein eitsrück- i seinen lum mit ion und tvar da- lebte so er nicht ner Er- lte man . daran, seinem Junge, iten sich weiten nkschnack daraus ihr Beließen. Hyperions Schickrsalslied. Bon Friedrich Hölderlin. Ihr wandelt droben im Licht auf weichem Boden, selige Genie»! Glänzende Götterlüfte rühren euch leicht, wie die Finger der Künstlerin heilige Saiten. Schicksallos, wie der schlafende Säugling, atmen die Himmlischen; keusch bewahrt in bescheidener Knospe, blühet ewig ihnen der Geist, und die seligen Augen blicken in stiller ewiger Klarheit. Doch uns ist gegeben, auf keiner Stätte zu ruhn, es schwinden, es fallen die leidenden Menschen blindlings von einer Stunde zur andern, wie Wasser von Klippe zu Klippe geworfen, jahrlang ins Ungewisse hinab. Ari. Eine Böckliniade von Ernst Bacmeister. Auf einem moosbewachsenen Stein am klaren Wasserbecken saß Ari, die Nymphe, mit einer Gerte in der Hand und weidete ihre bunte Herde. Ihre Schäfchen waren die welken Blätter, gelbe, braune und rote, die ihr de: jähe Bach in das heimliche Becken hcrabtrug. Einzeln oder in Trupps kamen sie hereingeschossen, überhastig, als wäre ihnen ein Feind auf den Fersen. In großer Verwirrung drehten fie sich noch eine Weile um sich selbst, bis sie sich beruhigten und der stillen Gemeinschaft der anderen an- ichlossen, die leise kreisend die kleine Fläche umzogen. Und Ari weidete sie, hielt sie kosend mit der Gerte beeinander und paßte wohl auf, daß der Bach in seinem Uebermute keines wieder mit sich riß, wo er selber weitersprang. So aber wuchs die friedsame Schar, und Ari lächelte darüber her und freute sich des ziemlichen Spieles. Aber was war das nun? Wallte kein Schäfchen mehr kommen? Immer noch nicht? Immer noch nicht? Ari hörte auf zu lächeln und dachte nach. Ob wohl ein Zweig in den Bach gefallen war und hielt die Blätter oben auf? Vielleicht nicht gar so weit weg. Man konnte einmal nachsehen. Das Spiel war so über die Maßen ergötzlich. Sie legte die Gerte vor den Ausgang des Beckens, daß keines von der Herde ihr entrinnen möchte, schob die goldroten Haare aus dem Gesicht und stand auf. Noch einen Stein höher, dann konnte sie den Bach eine gute Strecke hinaufblicken. Sie reckte sich. Ha! Ihre blauen Augen wurden ein zorniges Gefunkel. . • Nicht zwanzig Schritt entfernt, von einer jungen Tanne nur schlecht verdeckt, hockte Zuckel, der Faunsbengel, am Bach, die Hand lauernd vorgestreckt, und jetzt! — und jetzt! griff er zu und fischte die heranschwimmenden Blätter auf. Das freche Stumpfnasengesichtchen trug ein spitzbübisches Grinsen. Zuckel wußte genau, was er tat. Es war nicht das erstemal, daß er Ari ein Spiel verdarb. Vielmehr war es bisher fein einziger Daseinszweck und -inhalt gewesen, ihr all und jedes Spiel zu verderben. Wenn sie einem sitzenden Schmetterling die bunten Tupfen auf den Flügeln nachzählen wollte und schon beinahe fertig war, dann kam Zuckel und verscheuchte den Schmetterling. Wenn sie drei Tage auf das Erblühen eines Veilchens gewartet hatte, und eben wollte es sich öffnen und ihr den süßen Duft herauslafsen, dann kam Zuckel und zertrat es ihr mit seinen kleinen, harten Hufen. Er war ihr Leid und ihre Plage, seit er springen konnte. Und nun dieses wieder! Der Zorn überkam Ari und wurde großer vis ihr Ekel vor dem schmutzigen Jungen, und sogar größer als ihre Angst vor Griso, Zuckels bösartigem Vater, der immer irgendwo nicht weit von seinem Sprößling saß und über feine Streiche lachte.— Sie kletterte die Steine ganz hinauf, lief über das weiche Moos hinter der Tanne her nach Zuckel hin, faßte ihn von rückwärts an die beiden fpitzen Hörnlein über der Stirn, drückte ihn hinab und tauchte feinen Kopf in den Bach. Er wollte schreien; da füllte ihm das Master ,ahlmgs den Mund. Als sie ihn losließ, blieb er liegen, das Gesicht im Bach und regte sich nicht. Ari erschrak und zog ihn an den Beinen heraus. Wie eine Ratte lag er im Laub, naß und tot. — Sie stand und sah auf ihn herunter und wußte nicht, wie ihr war. Aber anrühren mochte sie ihn nicht mehr. ■ Da raschelte es zwischen den Bäumen. Ari blickte auf und floh von bannen. Sie hatte Griso erkannt. Gleich darauf hörte sie ein Geheul und duckte sich bebend ins dichtere Gebüsch. Die Abendsonne schüttete ihr letztes Lichr in den Wald. Purpurstämmig wuchsen die Tannen aus bei» goldenen Rasen. Schwärzlich verstreut lag Felsgetrümmer. Auf dem weißen Block thronte Pan, silberhaarig, das Haupt mit Efeu geschmückt. Um ihn her, auf niedrigeren Steinen, hockten die Aeltesten der Faune, grauzottig und verrunzelt. Ein wenig abseits, auf einem dunkelmoosigen Hügelchen, saß Ari, weiß und schimmernd, die Hände mit Schlinggewächs aneinanbcrgebuiv den. Heber die gesenkte Stirn fiel das Haar auf die zartgerundeten Knie hinab und brannte feuerfarbig auf, wo ein schräger Sonnenstrahl es traf. Lüstern von ihren Sitzen, schiefen Blickes, mit hängender Lippe, spähten die Alten und zwinkerten einander zu. Aber neben Pans felsigem Thron, schlank und aufrecht an eine Tanne gelehnt, stand Ger, Pans Liebling, der bräunlichste und lockigste der jugendlichen Faune, und hielt sein schwarzes Auge flammend und unverwandt auf Ari gerichtet. Eben hatte Griso, im Kreise der Alten stehend, mit heftigen Gebärden und Jammergetön seine Klagen beendet. Heulend hob er den toten Zuckel, der ihm schlaff über die Arme hing, gegen Pan empor und schrie um Gericht. Unvergleichlich häßlich stand er da, aschfarben, mit schiefen Hörnern und verbogenen Beinen. Auf Pans Mund lag Ekel. Er gebot Griso zu schweigen. Dann blickte er von ihm nach der kauernden Nymphe hinüber, und Mitleid erweichte seine Miene. Aber Pans Gerechtigkeit war größer als fein Mitleid. Eine Weile sann er in sich hinein; bann sprach er das Urteil: „Nimm Ari," sagte er zu Griso, „sie ist bein, bis sie dir Zuckel ersetzt." — Ein grenzenloses Murren lief burch bie Versammlung, aber niemand widersprach. Griso jedoch lachte sein breitestes Lachen. „Du bist weise und gerecht, großer Pan!" schrie er. Dann nahm er Zuckel unter ben linken Arm, ergriff mit der rechten Hand die Schlinge, die Aris Hände band und zog die Nymphe hinter sich her in den dämmernden Wald, seiner Höhle zu. Die Alten zerstreuten sich, besprachen das Urteil und beneideten Griso. Pan rief, als er sich erhob, nach Ger. Aber Ker war verschwunden. Der Mond stand voll am Himmel und warf sein Licht auf die steile Felswand, die silberbleich auf den schwarzen Tannen emporstieg. Nur an einer Stelle trat der Wald ein wenig zurück. Zwiefach fchwarz gähnte dort ein Spalt. Das war Grisos Höhle. Jetzt regt sich's vor ihr im dunklen Wald. Ein Falke flog auf, schlug flatternd gegen die Aeste und schoß dann wie ein Pfeil über die stillen Wipfel davon. Dürre Zweige knackten drunten. Ein stampfender Schritt nahte. Ein Wimmern tönte dazwischen. Dann ein leiser Aufschrei und ein höhnisches Ermuntern. Und es trat heraus auf die Lichtung: Griso mit Zuckel unter’m Arm und Ari hinter sich herziehenb. Er keuchte; aber sein Mund war in ein breites Grinsen verzerrt. Das äffisch vorstehende Gebiß schimmerte zwischen den dünnen Lippen. Ari schwankte hinter ihm her, mit hängenden, taufeuchten Haaren. Die Schlinge schnitt ihr in die Hände; sie mußte folgen. lieber die Lichtung ging es der Höhle zu. Noch zehn Schritte, bann war sie erreicht. — Da huschte ein Schatten hinter einem Block hervor. Ein Satz. Ger stand vor Griso und hob mit beiden Händen einen Stein. Da lieh Griso Ari, die lautlos zu Boden sank, fahren und hielt Zuckels kleine Leiche dem Wurfe entgegen. Die traf er schwer, und Stein und äuckel rollten über ben Grund. Nun sprang Ger zurück und bückte sich, riso desgleichen. Dann ein Anlauf gegeneinander. Hart prallten die bewehrten Schädel zusammen. Griso taumelte. Da traf ihn schon der zweite Stoß gewaltig mitten vor die Brust und warf ihn nieder. Noch einmal hob er sich; aber gurgelnd schoß ein schwarzer Blutstrom aus seinem gefletschten Mund. Da drehte er sich um sich selbst und fiel von neuem nieder, dicht neben Zuckel. Den zog er mit einer letzten Anstrengung zu sich heran. Dann bewegte er sich nicht mehr. Aber Ger wandte sich zu Ari, löste die Schlinge und lauschte auf ihren Atem. Dann hob er sie auf und trug sie der Höhle zu. Im Eingang wandte er sich noch einmal nach Griso um, lodernden Triumph im Blick. Dann verschwand er mit seiner Beute. — Dreimal in der Ferne schrie ein Uhu. Danach lag die Erde still, als Stte sie mit dem Monde gewettet, »er von beiden am tiefste» zu »eigen vermöchte. senkrecht zu den Wänden, zwei mit symbolischen Darstellungen verzierte, gewaltige Ringsteine heraus, die „Ballspiel - Stein - Spinnwirtel" (tlach-temalacatl), wie Mühlräder groß, sagt Pater Sahagun. Sie standen sich genau gegenüber und hatten in ihrer Mitte eine Oeff- nung, so groß, daß der geschlagene Ball durchfliegen konnte. Der Ball selbst war so groß wie eine Kegelkugel, sagt wieder Pater Sahagun, und die Abbildungen zeigen, daß er die Größe einer mittleren Kegelkugel gehabt haben muh. Er war massiv, nicht wie unsere Kinderbälle, hergestellt aus dem in den tropischen Wäldern des Küstenlandes gewonnenen Gummi und hieß wie dieser Olli. Als Spieler (ollamani) traten nur Männer auf. Gleichzeitig dürften gewöhnlich nur zwei Gegner gespielt haben, doch scheinen gelegentlich auch mehr gleichzeitig gespielt zu haben. Der erste Ball wurde mit der Hand dem Gegner zügeschleudert, der ihn aber nicht mit der Hand noch mit einem Schläger zurückgab, sondern mit demjenigen Teil des menschlichen Körpers, wo der Rücken seinen anständigen Namen verliert. Dieser uns aus der Jugendzeit als empfindlich bekannte Körperteil wurde daher mit einem Lederschurz geschützt. Es ist daher verständlich, daß die Kunst, den Gummiball geschickt zurückzugeben, viel Hebung erforderte. Abbildungen zeigen, daß dabei manche Körperverrenkung vorkam, zumal doch auch die Augen des Spielers dem Ball folgen muhten. Wenn Ne Hände mit Handschuhen bekleidet wurden, so hatte das wohl seinen Grund darin, daß man sich beim Abschlagen ost mit einer oder der andern Hand auf den harten Boden stützen muhte. Ungültig war der Wurf, der über die Mittellinie nicht hinauskam oder nicht mit dem vorschriftsmäßigen Körperteil zurückgegeben wurde. Der Schlag mit den Hüsten galt wohl noch als fair play. Außerdem mußte der Ball zuerst an einer der dem Spieler gegenüberliegenden Seitenwände aufschlagen, die T-särmigen Enden gehörten nicht zum Spielplatz. Hier standen die Schiedsrichter, die achtzugeben hatten, daß der Ball ordnungsmäßig flog. Kleine Stäbe, Ne sich in den Abbildungen neben dem Gummiball finden, dienten wohl zur Zählung der Points. Wie der Gang des Spiels im einzelnen war, welche Regeln außer den genannten für es galten, welche Arten von Spielen es gab, ist uns nicht überliefert. Gewinner war der, dem es gelang, den Ball durch die Oesf- nung einer der erwähnten Ringsteine zu treiben, was sicher eine große Geschicklichkeit erforderte. Der Gewinner hatte das Recht, allen Zu- schauem die Mäntel, eine Art Umhang, der außer der Schambinde die einzige Kleidung der Männer rvar, abzunehmen und als Eigentum zu behaiten, sofern die Zuschauer sich nicht eilig entfernt hatten, wie wir es früher auf der Messe am Kasperltheater machten, wenn es ans Ein- sammeln ging. Der Gewinner mußte sich allerdings dafür, wenn er auch als Sieger gefeiert wurde, die Zurufe der geschädigten Zuschauer gesallen lassen: „Er ist ein großer Ehebrecher, der von dem Gatten irgendeiner Frau getötet wird", oder: „Er wird im Krieg sterben". Das mar wohl kein gemeines Schimpfen, sondern sollte wohl nur soviel heißen, wie wenn wir glücklichen Spielern scherzend zurufen: „Gluck im Spiel, Unglück in der Siebe". Aber der glückliche Spieler hatte meist noch andere Gewinne einzu- heimsen als womöglich verschlissene Mäntel. Richt nur gegenseitig wurden von den Spielern oft hohe Einsätze ausgespielt, sondern es waren vielfach auch Preise ausgesetzt. Zumal die Könige Mexikos hatten sich zu ihrer Unterhaltung berühmte Spieler verschrieben und setzten als Gewinn aus Schucksachen in Gold und Edelsteinen, Ne berühmten, künstlerischen Federarbeiten, wertvolle Mäntel ober einen Sack, gefüllt mit den begehrten Kakaobohnen, denn cacauatl war das beliebteste Getränk im ölten Mexiko. Selbst wie bei den alten Germanen spielte man um die Freiheit oder Knechtschaft. Das aber führt uns auf einen andern Gewinn. In einer Zeit, Ne der spanischen Eroberung wohl Jahrhunderte vorauslag, scheint ein anderer Preis im Spiel gegolten zu haben, wertvoller als Gold, Mäntel und Kakaobohnen, — das Beben. Der Unterliegende wurde dem Gott geopfert, indem ihm nach Deffnung des Brustkorbes mit dem Steinmesser das zuckende Herz herausgerissen wurde. Daraus führen nach meiner Anschauung verschiedene Darstellungen der Bilder- handschriften. So sehen wir auf der Mitte des Ballspielplatzes den sterbenden, in Knochenfarben (weiß-rot) gemalten Gott in der Haltung des Ballspielers, oder in derselben Malung, wie ihm das Herz aus der Brust gerissen wird, während an den vier Ecken des Ballspielplatzes ein Toien- schädel, ein Knochen und zwei Herzen abgebildet sind**). Run verstehen wir auch die merkwürdige Angabe des Tezozomoc, wonach in prähistorischer Zeit die Azteken bei ihrer Wanderung aus der Urheimat auf dem „Schlangenberg" (coua-tepetl) ihrem Gott Uitzilopochtli einen Ballspiel- platz gebaut hätten, wie er sich später in dessen berühmtem wo' jetzt die Kathedrale der Hauptstadt steht, befunden hat, und daß m der Mitte des Ballspielplatzes ein Loch, etwas größer als der Durchmeßer der Kugel, mit der man Ball spielte, gewesen fei. In dieses Loch have man Wasser hineingeschüttet, wenn der Ball in es geflogen sei. Em Lvq in der Mitte des Spielplatzes nmß nach den Abbildungen auch sonst vielfach vorhanden gewesen sein. Das Wasserausgießen, wohl nach beendigtem Spiel, wird richtige Überlieferung sein, und ist wohl als ein Opfer zu beuten. , Aber Wasseropfer find aus dem alten Mexiko nicht bekannt. Jheueiw aber stand in der Borlage, die Tezozomoc benutzte, für atl, „Wasser, chalchiu-atl, das „smaragdfarbene Wasser", d. h. das Opferblut. Wuroe vielleicht der im Spiel Besiegte geopfert, und entsprach das Loch oer Opferschale, in die sonst das Herz und das Blut der Geopferten kam. Deshalb wird man auch bas Loch, das das „kostbare Wasser des 0 - opferten aufnahm, i-tzompan „feine Schädelstätte" genannt haben, uw man pflanzte aus Aberglauben, wie Pater Duran berichtet, um wl **) Nebenbei: unser bekanntes Gistzeichen, der Schädel mit zwei unter ihm gekreuzten Knochen findet sich öfters in mexikanischen Darstellung > Vielleicht können mir unsere Apotheker über die Herkunft des Sumvu Auskunft geben. Aus dem klassischen Altertum stammt es meines Will nicht, vielleicht aus Mexiko via Spanien? Der Lieblingsbaum. Von Conrad Ferdinand Meyer. Den ich pflanzte, junger Baum, Dessen Wuchs mich freute, 8öl)!' ich deine Lenze, kaum ind es zwanzig heute. Ost im Geist ergötzt es mich, Heber mir im Blauen, Schlankes Astgebilde, dich Mächtig auszubauen. Lichtdurchwirkten Schatten nur Legst du auf die Matten, Eh' du dunkel deckst die Flur, Bin ich selbst ein Schatten. Aber haschen soll mich nicht Stygisches Gesinde, Weichen wero ich aus dem Licht Unter deine Rinde. Frische Säfte riefeln laut. Rieseln durch die Stille. Um mich, in mir webt und baut Ew'ger Lebenswille. Halb bewußt und halb im Traum Heber mir im Lichten Werd' ich, mein geliebter Baum, Dich zu Ende dichten. Ein Tennisspiel im vorspanischen Mexiko. Von D. Dr. August Freiherrn v. Gall, o. Honorarprofessor der Theologie an der Landesuniversität Gießen. Die alles beherrschende Mode übt auch ihren Einfluß auf das Spiel aus. Schon unsere Kinder wechseln vielfach ihre Spiele mit den Jahreszeiten, warum sollten es die Menschen nicht mit den Jahrhunderten tun? Trotzdem haben sich gewisse Spiele in ihren Grundzügen nicht nur durch die Jahrhunderte, sondern durch die Jahrtausende erhalten wie das Ballspiel. Die Abbildungen der alten Aegypter zeigen, daß auch die Erwachsenen es in verschiedenen Formen kannten und schätzten. Seit mehreren Jahrzehnten ist in der Kulturwelt aller Länder das Tennisspiel zweifellos bas Ballspiel, das sich der größten Beliebtheit erfreut, es ist das Ballspiel schlechthin geworden, und mit Frühlingserwachen rüstet man sich auch wieder für es. So wird es die Freunde und Freundinnen dieses Sports vielleicht interessieren, daß es auch im Reich der Azteken ein Ballspiel gab, bas mit unserem Tennisspiel eine starke Aehnlichkeit hatte. Es wirb beshalb die Leser dieser Zeilen vielleicht nicht langweilen, Näheres über es zu Horen. Die alten Chronisten der Eroberungszeit von „Neu-Spanien haben sich vielfach mit tlachtli*), wie die Mexikaner ihr Tennisfpiel nannten, beschäftigt und uns von ihm erzählt. So der ehrwürdige Franziskaner- pater Sahagun, der 1529 bis 1579 in Mexiko missionierend wirkte und eine förmliche Enzyklopädie des aztekischen Wissens nach dem Diktat der bekehrten Indianer schrieb. Aus dem gleichen Orden stammte Tor- quem a b a, ber Verfasser ber berühmten Monarchia Indiana (1612). Auch Pater Duran ist nicht zu vergessen, ber eine Historia de los Indios de Nueva Espana schrieb und noch vieles von den ersten Con- quiftaboren erfuhr. Wertvoll ist auch bie Cronica Mexicana, die 1598 Tezozomoc, ein Mitglied ber Familie bes letzten mexikanischen eingeborenen Königs, schrieb. Aber auch bie Ruinen alter vergangener Zeiten, zumal im Maya- gebiet auf ber Halbinsel Yucatan legen Zeugnis ab von ber Beliebtheit unb Verbreitung, beren sich dies Ballspiel erfreute, nicht nur im eigentlichen Mexiko, sondern überhaupt in Zentralamerika, selbst auf den Großen Antillen. War doch ber Spielplatz (tlachco), nachdem sogar Städte ihren Namen hatten, stets ein Teil des heiligen Tempelbezirks. Tlachco war ein länglicher Hof von etwa 15 Meter Länge und etwa 8 bis 9 Meter Breite, an seinen Enden T-artig erweitert. An den beiden Längsseiten standen, meist leicht nach dem Hof zu abgeschrägte Wände, die „Arme des Ballspielplatzes" (tlach-matl), die vielfach eine längliche Stufenpyramide trugen. Sicher waren die Wände reich mit religiösen Darstellungen bemalt. An den T-förmigen Enden bes Ballspielplatzes fanben sich häufig kleine Tempel, für gewöhnlich aber waren diese Enden nur durch Steinreihen markiert ober wiesen niebrige Wände mit Terrassen oder kleinen Pyramiden auf. Häufig waren den Seitenwänden noch einige Meter breite Terrassen vorgelagert, bie schräg zum Spielplatz abfielen. Seitenwänbe unb Terrassen waren wohl für die Zuschauer des Spieles bestimmt. Sämtliche Wände waren mit Stuck überzogen, das gleiche galt für den sorgfältig geglätteten Boden (tlalmantli), bes Spielplatzes. Der so zugerichtete Boden war in verschiedene Felder eingeteilt, die Art ber Teilung war verschieben, wohl entsprechend der Mannigfaltigkeit der Spiele. Bei einfacheren Verhältnissen wird der Hof auch mit gestampftem Sand bedeckt gewesen und die Teilung mit schwarzen oder grünen Schnüren vorgenommen worden sein. Die gewöhnliche Teilung des Spielplatzes erfolgte in ber Mitte der Breite. War der Boden bes Ballspielplatzes mit Stuck belegt, fo waren die Felder nach mexikanischen Bilderhandschriften in verschiedenen Farben gehalten, schwarz und rot. Aber die Abbildungen zeigen vielfach noch außerdem eine mittlere Längsteilung, fo daß dann vier Felder entstanden, und diese Teilung war anscheinend die gewöhnliche. .Oben aus den Seitenwänden des Hofes, da wo Ne Mittellinie den Hof in der Breite schnitt, sprangen in Mannshöhe, *) Die aztekischen Namen sind nach dem Spanischen auszufprechen. gierte, irtel" , und Ikugel her- nenen iirften ) auch Hand t) mit glichen r uns !r mit t, den ungen ch die Hand- i, daß if den uskam vurbe. ,erbem ;enden : zum t, daß mngen Joints, ’r den 5 nicht ; Oeff- große 1 Silbe dis um zu mir es > Gin- r auch c fallen i deiner - wohl n, wie il, Un- einzu- vurden »ielfach i ihrer in aus irischen en be- inf im im die leroinn. te vor« rtooltcr iegende tkarbes Daraus Silber« in ster- ng des : Bmst loten« irftehen ihistori- uf bem allspiel« (igtum, daß in hmesser ch habe iin Loch ist viel« ibigfem pfer zu lielleidit Lasser". Wurde och der [ kam? W5 ®e« in, und in diese ii unter llungen. mbildes Wissens Spielplätze die „Schädelbäume" (zompan-quauitl (Erythrina corrallo- dendron). ein ynbercs und Letztes. Das mexikanisch« Ballspiel lut wie manches Spiel, Tanz, Schauspiel und ähnliches, seine Herkunft aus dem Kult. War es auch noch so sehr Allgemeingut des Volkes und stark profaniert worden, feinen Zusammenhang mit dem Kult hatte das Ball- iviel im alten Mexiko nie verloren. Vor allem fand es, wenn auch mcht u sichlietzlich, an Festtagen statt. Sein Platz rvar wohl immer ein Teil des Iviliaen Tempelbezirkes, das zeigen noch heute die Ruinen aus alter Zeit. Wenn in einem berühmten Tempelbezirk der Halbinsel Hucatan die Minen des Ballspielplatzes an Ausdehnung und Gröhe weit über die bekannten Maße hinausgehen, so erklärt sich das eben daraus, daß hier keine Sterblichen spielten, sondern nach dem Glauben seiner Erbauer die Kötter Der Ballspielplatz war ein teo-tlachtli ein „Ballspielplatz der Kötter" wohl «in Abbild des himmlischen Ballspielplatzes, des citla- tlachtli,' d. h. des „Sternballspielplatzes" beim großen Bär. Erde ober Himmel ober beide zugleich waren der Götter Ballspielplätze. Dann aber muß dem Spiel ber Menschen ein Mythos zugrunde liegen und, wie schon di« Nord-Süd-Orientierung des Spielplatzes zeigt, ein Mythos, der eine Himmslserscheinung erklären und darstellen soll. Aber welch« dies ist, darüber ist völlige Klarheit bis jetzt noch nicht gewonnen. Vielleicht ist überhaupt eine einheitliche Erklärung nicht möglich. Vielleicht stellten ursprünglich die Spiele mit zwei Feldern (Nord, Süd) und den vier Feldern (Nordost, Südost, Nordwest, Südwest) zwei ver- chiedene Mythen dar, einen Sannen- ober einen Monbmythos. Das eine Ml ist ber Ball die Sonne, die aus der Nacht zum Licht steigt ober vor bem Licht in die Nacht hinabsinkt, das andere Mal ber Mond, ber bald verliert (Neumond), bald gewinnt (Vollmond). Vielleicht stellen beide Bälle aber auch beide Gestirne im Kampfe dar. . . Auch das vorausgesetzte Menschenopfer hat feine Analogie im Mythos: Tolotl, die „Mißgeburt"," die Gottheit des Ballspieles, weigert sich wie die nnbern Götter, sich freiwillig zu opfern, um ber neugeschaffenen Sonne und bem Mond Bewegung zu geben, flüchtet sich zuletzt ins Wasser als a-xolotl, „Wassermißgeburt" (die Larve des Amblystoma inexicanum, bie wir als Jungen in unseren Aquarien hielten), wird aber heraus- gezogen und geopfert. ... ,, Die Steinmetzarbeiten auf den erhaltenen tlach-temalacatl geben wohl religiöse Motive wieder, aber auch hier ist bis jetzt eine einheitliche Deutung nicht möglich. Daß auf zweien von ihnen der Affe dargestellt wird, unb nach der Ueberlieferung Dies Tier stets in der Umgebung des Ringsteines dargestellt ist, hilft nicht viel für die Deutung des Spieles, da ber Affe nur das Sinnbild ber Lust, vor allem des Spieles ist. Aber da der Affe auch Symbol ber Sinnenlust ist, mag bem Spiel noch eine andere Deutung zugrunde liegen. Daß der Ball durch den Ring fliegen muß, geht wohl auf religiöse Vorstellungen zurück. Das mexikanische Ballspiel ist, wie das Ring-und Speerspiel der nardamerikanischen Indianer eben auch ein Befruchtungszauber, unb unter der Herrschaft des Mondes steht bei den Primitiven das ganze Sexualleben. Seinen religiösen Hintergrund hatte das Ballspiel im alten Mexiko nie ganz verloren, S hätten die Mönche, die mit ber Eroberung das Christentum den os brachten, es nicht verboten. Sie witterten auch im tlachtli ein Versteck des Teusels, „um von dort aus feine Geschäft« zu betreiben, nad) bem Wort des heiligen Evangeliums, daß der Uebeltäter das Licht haßt , um mit Sahagun zu reden. Ob freilich die Hahnenkämpfe und Stier« kämpfe, an denen sich heute die Nachkommen weiland König Motecuh- tomas erfreuen, ein würdiges Surrogat des alten tlachtli ist, dürfte billig bezweifelt werden. lieber den mexikanischen „Gifts al ter" schrieb 5)err Friedrich Schnack in den Gießener Familienblättern Nr. 27 am 8. April einen interessanten Aufsatz. Es war mir ganz unbekannt, daß zur Zeit ber Eroberung des Landes durch die Spanier bei diesen der Glaube war, daß durch gewisse farbenprächtige Falter Blindheit hervorgerufen würde. Daß dies möglich sei, ist wohl zu bezweifeln, mag auch Pedro de A l v a r a d o von fünfzehn feiner Soldaten es berichtet haben. Ganz rationalistisch dürfte aber die Erklärung sein, daß der Schmetterling beim Flug den Pollenstaub einer ungeheuer giftigen Urwaldpflanze verlor, der den Sol« beten in die Augen drang und ihnen die Sehkraft raubte. An der Tatsache der Erblindung wird festzuhalten fein, wenn ich sie auch nicht erklären kann. Aber der giftige Schmetterling entspringt ber Phantasie ber spanischen Kolonisten, geht jedoch, wie mir scheint, zurück auf religiöse Vorstellungen ber Eingeborenen. In der berühmten, im Vatikan aufgehobenen, altmexikanischen Bilderhandschrift, dem sogenannten Codex Borgia, sehen wir vor der chichimekischen Göttin Itz-papalotl einen Menschen mit verbundenen Augen stehen, der dann als Blinder vorn Stuhl stürzt. Nun ist Itz-papalotl die Göttin ber Fleischeslust, des Ehebruchs, der Sünde schlechthin: sie ist identisch mit der von den Bewohnern ber Golfküste verehrten Tlafol-teotl, der „Göttin des Unrats", sie ist Teteo-innan, die „Göttermutter". Der Mensch, der die Ehe mit einem verheirateten Weid bricht, wird von ber Göttin, falls er ihren Priestern diese schwere Sünde nicht beichtet, unb von ihnen absolviert wirb, be- ■, strast. Vielleicht sah man gerabe plötzliche Blindheit als besondere Strafe für den bei den Azteken schweren Frevel des Ehebruchs an. Was hat, wirb der ßejer fragen, das nun mit dem unheimlichen Giftfalter zu tun? Nun heißt ber Name der Itz-papalotl nichts anderes als Obsibian- Ichmetterling. Wohl ihr zu Ehren trugen deshalb am „Besenfest" ochpanitzli ber Göttermutter Abel und König Decken mit Schmetter- ingsmuster. Aber der „Obsibianschmetterling" ist in keinem Sdpnetter- hngsbud) zu finden, wenn ihn auch die alten Mexikaner oft genug abgebildet haben. Er ist ein birmanischer Falter; unb wenn uns auch nichts davon überliefert ist, können wir doch schließen, daß plötzlich auftretende Blindheit von den Eingeborenen diesem dämonischen Falter zugeschrieben wurde, durch den bie Göttin die Sünde straft. Aber vielleicht heilte auch d>e große Göttin, bie bie Schutzheilige der heilkundigen Frauen und Hebammen roar, beim biese verstanden sich auch daraus, Augenkrankheiten SU kurieren und vielleicht die Schädigungen des Itz-papalotl aufzuheben. Die spanischen Eimvanderer übernahmen den Aberglauben der geborenen von Itz-papalotl, der für sie zum Glauben an einen echten Giftfalter wurde. Ein Kapitel Theatertechnik. Von Dr. Franz Mittler. Zahlreich sind die Wechselbeziehungen zwischen Kunst und Technik. Aber vielleicht nirgends wird die Technik in (o hohem Maße von der Kunst beeinflußt wie beim Theater. Gerade jetzt steht dieses in künstlerischer Beziehung vor einem Zwiespalt, der sich in weitgehendem Maße auch in technischer Hinsicht auswirkt. Zwei Richtungen stehen fid) gegenüber. Die eine ist für die Vereinfachung der Bühne und ihres technischen Beiwerks. Alles, was die Technik in bezug auf Beleuchtung, auf Sonnen« auf- und -Untergänge, was sie mit Hilfe von Aufzügen und Versenkungen, von plastischen Dekorationen, von naturgetreuen Bühnenbildern leistet, ziehe, so wird behauptet, die Aufmerksamkeit der Zuhörer ab. Das gesprochene Wort komme auf einer derartigen Bühne nicht zur Geltung. Deshalb eine ganz einfache Bühne. Ohne jegliches Beiwerk, lediglich von Vorhängen umschlossen. Die Aufmerksamkeit des Zuschauers soll nur dem Wort des Dichters gelten. Auf der andern Seite aber glaubt man die Naturtreue mit Hilfe technischer Mittel nod) weiter steigern zu müssen. Daß diese bereits für überholt gehaltene Richtung wieder auflebt und daß sie die Technik vor neue Aufgaben stellt, wird durch die Einrichtung einer ganzen Anzahl von Theatern bewiesen, die in jüngster Zeit entstanden sind. Sie alle übertrifft aber das Velaseo-Theater in Reuyork, das zum Zweck der Aufführung von Phantafiestücken eine technische Einrichtung erhalten hat, die in ihrer Gesamtheit wie in ihren Einzelheiten alles bisher Dagewesene in den Schatten stellt. Die Rückseite der Bühne gleicht einem Maschinenraum. Wer sie betritt, kann im ersten Augenblick darüber im Zweifel sein, ob er sich in einem Theater ober in einem Elektrizitätswerk befindet. Da finden wir neben zahlreichen Einrichtungen, bie bisher schon verwendet wurden, eine vollständige Anlage zur Erzeugung von Preßluft. Sie dient dazu, Sirenen und eine Reihe weiterer akustischer Instrumente in Tätigkeit zu setzen sowie schwere Versatzstücke zu bewegen. Sautfpredjer sind angebracht. Sie haben den Zweck, die menschliche Stimme im Bedarsssall bis zu übernatürlicher Starte an« schwellen zu lassen. Um dies zu ermöglichen, stehen sie mit besonderen Verstärkern in Verbindung. Eine ber Hinterwände, mit denen bie Bühne nach rückwärts abgeschlossen werden kann, ist derart ausgestattet, daß aus ihr unter Verwendung elektrischer Ladungen ganze Feuerwerke erscheinen. An der Seite ein hoher Schacht aus Eisen mit vielen Fächern. In jedem eine schwere eiserne Kugel. Der Boden jedes Faches wird durch eine auf starken Spiralfedern lagernde eiserne Platte gebildet. Die Kugeln lassen sich durch Hebelwerke in die Höhe heben und können wieder "fallen gelassen werden. Die Einrichtung dient dazu, Sanonen« donner und Schlachtenlärm hervorzubringen. Eine Maschine, die aus« sieht wie eine Lokomotive kleineren Maßstabes, ist in Wirklichkeit ein Funkenwerfer. Aus ihrem Sdjornftein lassen sich Flitter bis zum höchsten Punkt der Bühne emporschleudern, die burd) einen in diesem Schornstein befindlichen Sdjeirnverfer beleuchtet werden, so daß sie aussehen wie glühende Funken. Der Funkenwerser kommt bei Feuerwerken sowie bei Darstellung von Bränden zur Verwendung. Große Ausbauten sind derart angebracht, daß sie plötzlich zum Zusammenstürzen gebracht werden können. Da» braucht man bei manchen Stücken und vor allem zur Glaubhaftmachung von Weltuntergängen, von Vulkanausbrüchen und ähnlichem. An alles und jedes wurde bei der Einrichtung dieser Bühne gebodjt. Andererseits aber verhehlt man fid) nicht, daß die leere Biihne manchmal allzu trostlos wirkt. Deshalb ist man dazu übergegangen, wenigstens Andeutungen einer Dekoration mit Hilfe von Lichtbildern auf den Hintergrund zu werfen. In einem Theater hat man dieses Verfahren neuerdings in technischer Hinsicht erweitert. Die Bilder, die den Zuschauer in eine gewifse Umgebung und damit in eine gewisse Stimmung versetzen sollen, erscheinen nicht nur auf der Hinterwand ber Bühne, sondern auch auf den Wänden des Zuschauerraums. Hier entsteht also z. B. das Bild eines Waldes ober einer weiten Landschaft. Mit der künstlerischen Seite dieser Angelegenheit haben wir uns nicht auseinanderzusetzen. In tech- nifcher Hinsicht ist es bemerkenswert, daß ein eigener Projektionsapparat gebaut wurde, der es ermöglicht, sämtliche Wände eines .Raumes mit Lichtbildern zu bedecken. Der Apparat befindet sich oben über dem Zu- schauerraum, da, wo früher der Kronleuchter herabhing. Er enthält eine einzige sehr starke elektrifche Lampe und die dazu gehörigen Lichtbilder. Ein System von Linsen und Prismen bewirkt, daß jedes Lichtbild in der richtigen Große an die richtige Wand geworfen wird. Trotz aller ihrer Fortschritte muß die Technik manchmal zu den ältesten Verfahren zurückgreifen. Dies war kürzlich in Italien der Fall, wo man aus den berühmten Marmorbrüchen zu Carrara den größten Block herausbrad), der dort jemals vorn Muttergestein losgelöst wurde. Der Block hatte ein Gewicht von 250 000 Kilogramm. Die Techniker machten alle möglichen Vorschläge, wie man ihn nach Rom bringen konnte, wo er in einer Vildhauerwerkstätte bearbeitet werden sollte. Als alles versagte, las man in den alten Beschreibungen darüber nach, wie man früher den Obelisken auf dem Peterplatz aus Aegypten dorthin befördert hatte. Genau so machte man es jetzt. Der Block wurde in einer Verschalung aus dicken hölzernen Bohlen eingepackt. Das Gesamtgewicht dieser Verpackung belief sich auf 50 000 Kilogramm. Um sie zusammenzuhalten, waren 10 000 Nägel unb Schrauben nötig. Das Ganze wurde mit Slahlkadeln umschnürt, bie in Wien angefertigt waren und von denen jedes aus 160 Stahldrähten bestand. An diesen Kabeln wurde das riesige Gepäckstück an die Seelüfte geschleift, wo es von einem besonders dazu eingerichteten Schiff ausgenommen wurde. Das alte durch die neuzeitliche Technik, vor allem durch die Verwendung von Stahlkabeln modernisierte Verfahren hat sich bewährt. Kinder des Volks. Bon Alfred B o ct. (Fortsetzung.) Die Belloffeir wollte nicht mit der Sprache heraus. Da schickte Voll- Hardt den Buben fort und wiederholte seine Frage eindringlich. Nun packte sie aus und erzählte umständlich, was sich mit der Lene Launsbach und dem 'Notarschreiber zugetragen. Sie habe die Lene in ihr Herz geschlossen. Die sei treu wie Gold. Habe sie sich von dem Lumpes auch überstülpen lassen, sei sie doch tausendmal besser wie andere, die mit ihrer Ehrbarkeit die Backen voll nähmen, insgeheim aber grundverdorben seien. Das sei das Schöne bei der Lene, daß kein Arg und kein Falsch an ihr sei, daß man durch sie durchgucken könne. Kaum aus dem Spital entlassen, habe sie sich mit dem Schollas auseinandergesetzt. Das Geld, das er ihr angeboten, habe sie zurückgewiesen. Das Ende vom Liede sei, daß der schlechte Kerl die Stadlern heirate. Das saubere Pärchen sei schon verkündigt. Run sitze die Lene wie tiefsinnig da, gehe keinen Schritt mehr in die Fabrik. Wenn sie sich nur kein Leid antue. Das Mädchen daure sie unbeschreiblich. All ihr Sprechen sei vergebens. Was nun? Da sei's heut nacht wie eine Erleuchtung über sie gekominen: wenn der Herr Lehrer der Lene einmal zureden möchte. Er habe die rechte Art, so ein arm Geschöpf wieder aufzurichten. Gott werde ihm die Guttat lohnen. Vvllhardt war der Erzählung der Alten mit Teilnahme gefolgt. Da sie von ihrer nächtlichen Eingebung sprach, konnte er sich eines Lächelns nicht erwehren. In mancherlei Fällen war seine Vermittlung angerufen worden, in so delikater Sache hatte noch niemand seinen Beistand begehrt. „Frau Belloff," sagte er, den blonden Vollbart streichend, „Sie sind eine gute Seele. Und daß Sie Ihr Mitleid an keine Unwürdige verschwenden, weiß ich. Aber bedenken Sie eins. Das Unglück ist über das Mädchen hsreingebrochen. Da begreife ich ihren Gemütszustand. Wäre ihr Gebaren anders, würfe es ein sonderbares Licht auf ihren Charakter. Und nun bitte ich Sie, was soll mein Zuspruch der Aermsten nützen? Das Beste muh die Zeit hier tun. Und dann der Gedanke an das Kind, der muß ihr in die Höhe helfen." Die Belloffen ließ nicht locker. Sie habe sich's nun einmal in den Kopf gesetzt, daß der Herr Lehrer ihrem Schützling Mut zuspreche. Er solle ihre Hoffnung nicht zuschanden machen. Vollhardt lachte. „Ja, wenn Ihnen ein Gefallen damit geschieht, will ich mit dem Müd- chen sprechen. Aber wo und wann?" „Dadesür lassen Sie mich nur sorgen", schmunzelte die Alte und humpelte fort ... Am anderen Morgen lag die Belloffen wimmernd in ihrem Bett. Die verwünschte Gicht! Lene schleppte warme Krüge herbei. Nun ließen die Schmerzen etwas nach, allein an Aufstehen war nicht zu denken. Die Alte lamentierte, sie dürfe den Lehrer nicht im Stich lassen. Wenn der nicht seine Ordnung habe, sei ihm der ganze Tag verdorben. Da erbot sich die Lene, einzuspringen und machte sich alsbald auf den Weg. Vollhardt hatte seine Lauffrau längst erwartet, als deren Stellvertreterin kam. Lenes junge; flinke Hände hatten die Arbeit bald getan. Da sie wieder gehen wollte, rief sie der Lehrer in sein Zimmer. Das Unglück hatte ihre Züge veredelt, ihre Augen mit einem traurigen Ausdruck waren wie in die Ferne gerichtet. Der Lehrer bat sie, Platz zu nehmen und fragte, wie es der Frau Belloff gehe. „Sie hat wieder ihr Gliederreißen," sagte Lene; „'s mkß arg sein, sonst wär' sie nicht liegengeblieben. Sie hat erst partout hergewollt." Vollhardt nlckte. „Ja, sie ruht nicht. Wie oft hab' ich ihr vorgestellt, daß sie den Lauf- dienst bei mir aufgeben sollt', schon der bösen Treppen wegen. Dann lacht sie und spricht: „Sie werden mich nicht los, Herr Lehrer." Mir ist's ja recht, aber alles hat seine Grenzen. Sie mutet ihren Jahren zuviel zu. Run hat sie wieder neue Pflichten übernommen." Lene senkte den Kopf und schwieg. Vollhardt fuhr nach einer Pause fori: „Sie müssen nicht glauben, daß sie sich darüber beschwert. Bei mir spricht sie sich offen aus. Daher weiß ich's Lene — so heißen Sie doch? — sie ist Ihrem Kind herzlich zugetan. Und Ihnen auch. Nur in der letzten Zeit hat sie sich gegrämt, weil Sie den Kops verloren hätten." „O nein, Herr Lehrer, den hab' ich noch," versetzte Lene wehmütig, „aber wüst genug sieht's darin aus." Vollhardt erhob sich und sagte herzlich: „Ich kann mich in Ihre Lage versetzen, Lene! Die Vertrauensseligsten müssen das Bitterste kosten. Hab' auch in meinem Leben mancherlei verschluckt. 's ist beim einen wie beim andern. Arglos geht man seinen Weg und meint, die Sonne scheint immerzu, lieber die Einfalt! Da trisft's einen, grausam hart. Womöglich unter den Leuten, vor denen man's verbergen will. Man taumelt heim. In seinen vier Wänden kann man sich frei der Kümmernis überlassen. Aber jetzt die Nacht, die schreckliche Nacht. Man meint, die Wett müßt' aus den Fugen gehen. Und die Stunden schleichen, Marterstunden. Dann wird's Tag. Du guckst mit brennenden Augen aus dem Fenster. Kein Stein, denkst, ist auf dem andern geblieben; alles ist tot und verloschen. Ja, was ist das? Da raucht der Nachbar gemütlich sein Pfeifchen. Im Kramladen feilschen sie, ganz laut. „Kaust Kienholz, kauft!" dringt's von der Straße herauf. Die Welt steht und geht wie sonst, du bist allein mit deinem Harm. Und siehst, daß sich's in allen Ecken regt. Und schlägst mit dem heißen Kopf an die Scheiben, 's kann ja nicht fein. Und 's ist doch so. Und sträubst dich mit Macht. Am End' regst du dich selber wieder. Und sprichst: Ertrag's und schaff', so kommst du am ehesten drüber weg." Sie blickte verwundert zu ihm auf. War sie denn hier beim Pfarrer? Nein, beim Lehrer. Ja, der gab's schöner von sich wie der Pfarrer. Und Deranlworilich: Dr. HanS Thyriot. hatte ihn niemand dazu kommandiert. Tat's freiwillig aus gutem Herze». Nun fiel's ihr ein, wie die Belloffen ihn gerühmt. „Herr Lehrer," sprach sie ohne Scheu, „ich geh' jetzt sieben Jahr' 1» die Fabrik. Eh' daß das Karlchen kommen ist, hab' ich keine Stund' gefehlt. Ich weiß wohl, ohne Arbeit kann niemand bestehen auf der Welt. Und ich arbeit' gern. Seit dem Unglückstag bei der Stadlern liegt mir'; gerad wie Blei in den Gliedern. Und ich dormel' so hin. Wann das st fortging', meint die Belloffen, müßt' ich wieder hinauf ins Spital. WnZ sollt' ich da? Was mir fehlt, dadegegen verschreibt der Herr Medizinalrai nix. Das ist schrecklich, Herr Lehrer, daß man das Schwerste allein vor- würgen muß. Die Belloffen ist ja herzensgut, und ich dank' Gott, daß das Karlchen bei ihr ist. Dessentwegen ist's nicht bös gemeint, wann ich sag': 's ist doch meine Mutter nicht. Ja, wie die war! Hott' ich was auf dem Herz, gleich sah sie mir's an. Und frug: Lene, wo drückt's? Da mußj's herunter. Und 's war mir leicht. Gucken Sie, Herr Lehrer, als jung' Ding denkt man nicht weit. Die Mannsleut' äugeln um ein' herum, und man lustiert sich dabei. Freilich hat sie acht gegeben. Besser bedacht, als beklagt, war ihr Spruch. Jetzt in den Schollas war sie wie vernüttert. Dee könnt' sprechen, was er wollt', sie nahm's auf Treu und Glauben hin. Hott' er dazumal um mich angeholten, die Slutter wär' ach! wie froh gewesen. Wüßt sie's, wie der mir mitgespielt hat, sie töt sich im Grab herumdreh'n." Sie preßte die Hand auf ihr Herz, und Tränen füllten ihre Magen. Vollhordts Blicke ruhten voll Mitgefühl ous ihrem verhärmten Gesicht. Es müsse ihr doch eine Beruhigung sein, sagte er sanft, daß ihrer Mutter auf ihre alten Tage der Kummer erspart geblieben sei. Wenn sie sich zusammennehme, werde sie auch die Kraft finden, durchzukiimpien, was ihr auferlegt sei. Hernach werde sie sich stärker fühlen denn je. Wer einen festen Willen in sich trage, den schlage so leicht kein Unglück zn Boden. Gar manch einen bring' es erst recht in die Höhe. Sie hörte ihm nachdenklich zu. In seiner Stimme lag etwas, das zu Herzen ging. Wie eine schöne Predigt kom's von seinen Lippen. Stundenlang hält' sie so stehen und lauschen können. Er erriet ihre Gedanken, und die Empfindung, daß sie ihn verstand, lieh seinen Worten wachsende Wärme. „Ich weiß es von der Frau Belloff, Lene, Sie haben ein liebes Kind. Da frag ich mit dem Evangelisten: Was will aus dem Kindlein werden? Das ist ein Schatz, den Sie hüten müssen. Dem Kind zulieb raffen Sie sich auf. Gehen Sie wieder an Ihre Arbeit. Der Bub wird mit jeden; Tag älter; Sie sind fein Stecken und Stab. Wie lang' wird's dauern, und er kommt in die Schule zu mir. Ich hab's oft erlebt, daß just so ein Kind sich vorwärts bringt. Und wenn Sie erst Freude an ihm erleben, sind Sie tausendfach belohnt!" Dankbar ergriff sie seine Hand. So hatte noch nie ein „Vornehmer" zu ihr gesprochen. Du lieber Gott, stieg einer von denen herab, roar's nur, wenn man sich alles gefallen ließ. Dem Vollhardt sah man's an, der hatte keinen schlechten Gedanken, dem durfte man vertrauen. Sie lieh sich sonst von niemand raten; dem Lehrer war sie entschlossen zu folgen. „Herr Lehrer," sagte sie mit Festigkeit, „ich mein’ jetzt auch, ich müßi's verwinden. Alleweil hab' ich mir's vorgenommen, morgen geh' ich wieder in die Fabrik." 4. Der Bürgermeister des Städtchens, der zugleich das Amt des Standesbeamten versah, sprach mit Stentorstimme: „Kraft des Gesetzes erkläre ich Sie nunmehr für rechtmäßig verbundene Eheleute." Darauf wurden Oie Unterschriften vollzogen. Die Stadlern schrieb in einer jungfräulichen Anwandlung versehentlich ihren Mädchennamen. Während der Buckelmüller und der Schuster Reining als Zeugen ihre Namen kritzelten, übergab Herr Schollas dem Stadtschreiber ein Fami- lienstammbüch, damit der Trauungsakt noch einmal besonders zu Papier gebracht werde, lieber das verschrumpfte Gesicht des Beamten flog ein boshaftes Lächeln, und der Bürgermeister konnte sich nicht entbrechen, mit einem bedeutungsvollen Blick auf die Stadlern zu sagen: „Wünsche viel Glück, Herr Schollas!" Vor der Bürgermeisterei hielt eine altertümliche Chaise; darin nahm das junge Paar nebst den Zeugen Platz. Der Lohnkutscher Christ, der immer ein wenig benebelt war, hieb auf seine mageren Gäule los und fort ging's in die Kirche. Dort hatte sich die Hochzeitsgesellschaft bereits versammelt. Von Frankenhain war Schollas, der Vater, ein alter Man» mit Silberlocken, und feine Frau, eine würdige Matrone, herübergekom- men. Das waren kleine Leute, die sich in ihrem Marktflecken mit einem Gewürzkrämchen kümmerlich durchschlugen. Jetzt hofften sie sehnlichst, das! von der guten Partie ihres Sohnes für sie etwas abfallen werde. Die Familie der Braut war durch eine korpulente Tante aus dem Brandenburgischen vertreten. Beinahe vollzählig hatten sich die alten »Verehrer der Stadlern eingesunden. Einer der eifrigsten, der Buckelmüller, Ham' sogar seine Frau vermocht, an der Feier teilzunehmen. Unter den Hoch- zeitsgästen bewegte sich würdevoll ein Mann in mittleren Jahren, et trug einen Frack im Schnitt des achtzehnten Jahrhunderts und Beinkleider von gelblich grauer Farbe. Sein langes, schwarzes Haar hatte er nach Künstlerart zurückgestrichen. Aus dem glattrasierten Gesicht traten ein paar große, wasserblaue Äugen hervor. Es war der Zahntechniker- Herr Wollenweber. Er hatte sich erst nach einigem Zögern entzchlohen, der Witfrau Einladung zu folgen. Einmal — zerstreute er seine Bedenke» — war er noch unverheiratet und konnte als Junggeselle etwas waaen- bann war die Stadlern seine gute Kundin, endlich hielt er sich als meinderatskandidat für verpflichtet, beizeiten die Kunst der Rede zu uuei. Dazu bot sich auf einer Hochzeit die paffende Gelegenheit. — Nahe « Altar auf der ersten Bank nahm das Ehepaar Palmer Platz. Herr p» mer war ehemals als Vikar im Städtchen bestallt, hatte sich iedoch o ^ zugsweise in der Kirche aufgehalten, wo man mit den Gläsern zusamm läutet. (Fortsetzung sotzU, -Druck und Derlag: Brützl'sche Universitärr-Buch- und Steindruckerei, D. Lange, Gieße"-