.Comme > regiert, bh n waren et» gen und a«, gab es eint, ;n Ruhe lei r»ahen gOöj ch lM NW» !°hr F rd wußte 2 wuern rich^ lerkwiirdiae» -hört hatte, äuftunddt! von Lag j, -lte, könnte« "nepp (eben den Schädel französisch, u gemach hrere Iah« 'aS geändeit >nen gegen.' und n>ied« eingestrichen illt.) „comme g dem Fortes Jntere||e nde Unruhe Wesentliche wrden tont, tal unruhig den könnte, eit hinderte Ululu ohm Augenblij sank mit fei auf bai mschte und comme ch gleich anniu und Bolle: t. Gesogh ;u nehmen, iewandung lürvorhang uten hoste gehört mst ner langen gestarteten deni zev en Augen« , hatte sie r Minister ch gefällig Ombascha Erstarrung icht gegen so, wie ir hielten ekten und rren.. “ wir und fter Ber- Wagen, Wunder hon nach und die depisebe . . . eine rette an. testen. GtehenerZamilienbMer Unterhaltungsbeilage zum Gießener Anzeiger den Obgleich nun ein Streben in ihm erwacht war, fühlte er dock, dak «• *um Streber kein Talent habe. Von seinerstädtischesKanzleika7riere m deren Ende irgendeine magere Sekretärstelle winkte, war nichts zu erhos'fem durchwühlte sem Hirnt nach andern Möglichkeiten, grub Schäckte urch ^° An,r^Ii,nnr” U!=tbÄ ! clI' em guuzes Bergwerk legte er zwischen den ffnS^a?ni Schädels an, aber er stieß auf nichts Brauchbares Endlich kam er bei seinen Bohrungen m jenen abgelegenen Teil ifin.s Wr«»' w° man die Liebesgedanken aufzuspeichern pflegt ' ^trn8' Und hier fand er, was er suchte. Er sah sein eigenes Spiegelbild und urteilte aan» rirhtin s„r, äustere Persönlichkeit einen durchaus respektablen 5indruck^mache Kleber den Wert seines inneren Menschen Betrachtungen anzustellen/ erübrigte HerbfLnachmittag. Von Theodor Storm. Halbschläfrig sitz' ich im Lehnstuhl; Vor der Tür auf dem Treppenstein Schwatzen die Mädchen und schauen In den hellen Sonnenschein. Die Braunen, das sind meine Schwestern, Die Blond' ist die Liebste mein, Sie nähen und stricken und sticken. Als sollte schon Hochzeit sein. — Bon fern das Kichern und Plmidern Und um mich her die Ruh', Ass den Lüften ein Schwirren und Summen — Mir fallen die Augen zu. Und als ich wieder erwache. Ist alles still und tot, Und durch die Fensterscheiben Schimmert das Abendrot. Die Mädchen sitzen wieder Am Tisch im stummen Verein; Und legen zur Seite die Nadeln Vor dem blendenden Abendschein. Die Silberinsel. Bon Ewald Gerhard Seeliger. m ,,, . „ ,, , (Nachdruck verboten.) Balthaiar Bubke hatte von dem einzigen Fenster seiner einzimmeriaen Wohnung eme wunderfeine Aussicht, die allein schon die Mete rn -ebn Wark monatlich und zwelhundertvlerundvierzig Treppenstufen täglich wert 'E Mick über die roten Dächer der Nachbarhäuser, über MnfhAf H6? bis tief hinein IN die Ebene schweifen. Erst der grüne K?ÜrtC tm. Hintergründe legte sich wie ein schöngeschwunaener :mi *en ba5 reizende Bild. Breit schmiegten sich freundliche Dörfer Mschen grüne und gelbe Felderflecken, rieselnde Bäche zogen wie Silber- d-e Fluren zum Strome hin, und wie Zeu7 Wächter ragten , ° ^'tzen und stumpien Kirchentürme in die klare Sommerluft Das alle« atmete Ruhe und Frieden. Der Strom jedoch war in steter Beweauna blem te »raue Holzbrücke, von Urvätern erbaut, die den Verehr ^LUf--«-lth.n beherrschte; vom frühen Morgen bis zum späten Lastfuhrwerke und Bauemwagen darüber hin, die alle am SS? bC* Brückenwärters einen Augenblick stillhielten, um ben efshvn zu entrichten. Gleich neben der Brücke zweigte sich im weiten $Eaenpher Schleusenkanal ob, und alle Wasserfahrzeuge mußten diesen ,, ch^dmen, wenn sie ms Oberwasser des Stromes gelangen wollten feinen sSp'I- $6ter,ber.!5tabt $atteu °uch hier einen Zöllner emgesetzt, der XiiÄ ungekrankt von bannen ließ. Dort nämlich, wo der Strom »mUfe‘r mWer'J00/'.[pannte ^ch ein gewaltiges Wehr Jn biJier toe^ LT?^ Nasser für die beiden großen Mühlen auszustauen. M wenn das Stromes war es recht still, besonders zur Sommers- erbei hnfine Wehr trocken war Daun führte der Strom so wenig Wasser flebtnurht L ?\bDnr-bin beiden Mühlen und der Schleuse vollständig auf- Qu [Ia?b r^Utbe- M">°ll °ber das Wasser durch einen Wolkenbruch ün te E m; '-Unb ba?tfa’n oftmals schnell und überraschend, so erbrauste SätMnLT mäd)tt8.ef Orgel, und Balthasar Bubke müßte sich erst Stin ng‘feiner9 Nawtrm7°77' ***»“ wieder vorschriftsmäßig und ohne n iick «rpmü Nachtruhe obliegen konnte. Ja, manchmal sogar hatte A das Waller'mKümmernis zu Bett gelegt, und am Morgen hatte Der cvu ” wcht gerade allzu sanft aus dem Schlafe gerauscht. di- Stlberinie?11^?0" ®aIt!)nJt?°u?ust7as zun7dritte^Male: ** i Towt,-r ins nicht, noch einmal, Briefe und Geschenke meiner I ähnlichem hmausforderm^' efentMcfi Sie mirf) dadurch zu Backfeifen und Moritz Krause, Müller." SA -‘ÄRÄS’ÄS WMWALr ÄÄS I j ™f.(S0£te auseinandergefahren, wie die Haare der Katze beim Blitz So nun Balthasar Bubke diese offene und ebeliebe firienSr-rffnmnA nerfteM ii7"am 77 'ebem beliebigen jungen Manne zuschickt, «n%r 1 lskh am Rande, selbst wenn man Moritz Krause heißt und die rote Mühle fern eigen nennt Und Balthasar Bubke fühlte sich auch in gewissem bt” l ,m,3Ur Saft gelegten Verbrechen schuldig, zog aber zu seiner heran, daß die erwähnten Geschenke und Blumen nicht wer? W nUr fÜt ehle beilimmte Person einen eingeblldeten nämlich hatte Balthasar Bubke eben wie heute auf seinem Sofa gethront, lehoch ohne Hut und Ueberrock, und schweren Kopfes über die ~elt, das Leben und sich selbst philosophiert. Er war unzufrieden mit feiner Stellung, seinem noch untergeordneteren Gebalt, er ärgerte sich über die Sorgen, nut denen er sich Tag für Tag herumickilaaen S unbezahlten Rechuungen über seine unzarte Wirtin, übe-? die ganA m.7nb,L 0,el' er hätte sich auch über deü lieben Herrgott aufgehalten. Er hatte sich zwar schon öfters in dieser Weise geärgert allein damals hielt die bittere Stimmung über eine gute Stunde an, was bei der tjeueren Raturveranlagung Balthasar Bubkes allerhand besagen will Am Es mu7mdms°wer'den!9^ " bic8mat »u bem herzhaften Entschluß: Schreiberknecht und den Stuhl oder im Hebungen und hielt aber unterließ sie nicht. „Weil du viel zu gut bist für so einen elenden Hungerleider." , „Ich bin gar nicht so gut, wie du denkst. „Mädel!" schrie er, „halt den Schnabel still und machst mich rasend." Das wirkte. Hilde unterließ ihre schwungvollen «ch für ihn, da er über ein starkes Selbstbewußtsein verfügte. Und angesichts dieses doppelten Vorzugs kam er zu der Einsicht, daß ihm die Welt dafür eine gleichwertige Leistung bis jetzt noch schuldig geblieben fcu Diese Schuld endlich einzufordern, dazu war er fest entschlossen. Und seine verliebten Gedanken brachten ihn darauf, jene Schuld am glücklichsten durch die Person eines weiblichen Wesens abgetragen zu sehen. Mt einem Worte: Balthasar Bubke wollte heiraten! Und da er lerne Veranlassung fühlte, sich gegen der Welt Lauf zu stemmen, wollte er eine recht gute Partie machen. , „ Aus jeden Fall liegt in einem solchen Entschluß eine untrüglich egoistische Schnödigkeit, und jedes edeldenkende Herz müßte ihm jede Regung des Mitgefühls fernerhin entziehen, wenn er nicht auf ganz erheblich mildernde Umstände Anspruch hätte. ~ , Zunächst war Balthasar Bubke em armer Schlucker, und jebermann wird die Unwahrscheinlichkeit, ja die Unmöglichkeit eines Erfolges m ferner Heiratsangelegenheit sofort einsehen und dem irregeleiteten Mute des Jünglings die Gefühle der Achtung und des Bedauerns mcht versagen können. Ferner mußte die Erwählte trotz ihrer äußeren und äußersten Vorzüge auch eine reiche und schöne Seele besitzen, wenn sie sich jemals auf Balthasar Bubke Hoffnungen machen wollte. Sodann war dieses Wesen schon längst gefunden. Und endlich war sie allein die letzte geheime Ursache seiner anfänglichen Unzufriedenheit und der erste Anstoß zu fernem Entschlüsse gewesen. . . Daß dieses weibliche Wesen in der roten Mühle wohnte und die einzige Tochter des reichen Müllermeisters und Mühlenbesitzers Moritz Krause war, erklärt zur Genüge die sonderbare Vorliebe Balthasar Bubkes für jenes Bauwerk und für ein gewisses klappriges Fernrohr, das augenblicklich unbenützt in der Fensterecke den gelben Messingrock tn den Strahlen der Abendsonne glänzen ließ, reicht aber noch nicht aus, das sonderbare Schriftstück des faustkräftigen Vaters zu rechtfertigen, das Balthasar Bubke unterdessen wieder aus seinem Notizbuch herausgesucht hatte und nun zum vierten Male überlas. , An der ganzen ärgerlichen Geschichte war tm letzten Grunde nur der Herr Pastor schuld. Seine Hochehrwürden waren nämlich Begründer und Leiter des ortsüblichen Jünglingsvereins und des ebenfalls stark m Anspruch Genommenen Jungfrauenvereins. Diese Vereine veranstalteten rn ledern Ähre um die Kartoffelblüte herum ein großes Kinderfest, bet dem die Jungen und Mädel der Stadt rechtmäßig unter Jünglinge und Jungfrauen verteilt wurden, die dann mit ihnen auf dem großen Wiesenplan hinter dem Schützenhaus „Jakob, wo bist du?", „Ein, zwei, drei, saug schon! , „Katze und Maus" und ähnliche allbekannte und bei dein kleinen Volk mit Recht beliebte Spiele zu traktieren hatten, und es auch mit wenig Geschick und um so größerem Eifer taten. Und bei dem letzten Kinderfeste geschah es. Das war nun gerade ein Balthasar schlenderte damals gemächlich durch die Menge der drehenden und singenden Kinderkreise, blieb hier und da stehen, wie ein Mann, bet Zeit zum Beobachten und Nachdenken hat, grüßte hier einen seiner Vor- ßten, gab dort einem Bekannten einen fröhlichen Zuruf wieder und hm fich artig und zuvorkommend gegen das zarte Geschlecht, wozu ihm das stetig wachsende Gedränge mannigfache Gelegenheit bot. Da sah er sich plötzlich einem Strudel fünf- und sechsjähriger Mädchen gegenüber, von denen etliche herzzerbrechend schluchzten, die andern aber ausgelassen tobten, und fühlte, wie zwei große braune Augen angstvoll und hilfeheischend die {einigen suchten. Er begriff sofort die Sage und unterdrückte durch epi paar Worte männlicher Entschlossenheit den drohenden Aufruhr. Dann hörte er eine sanfte Stimme ein rührendes „Danke! flüstern. Nun hätte er sich anstandshalber zurückziehen müssen, allein er blieb, und er wunderte sich nicht einmal darüber. Als gleich darauf wieder etliche Stimmlein sich erhoben und zu Mama wollten, warf er sogar seine ganze Person in die Wagschale bet Ordnung und Gesetzlichkeit, trat selbst in den Kreis und saug mit kräftigem Baß den schönen Rundreim mit vomMariechen, das da weinte und sterben wollte, und dem Bruder Karl, der das Messer herauszog und es ihr in bas Herz stach. Und jedesmal bei der Stelle fühlten auch zwei Herzen in diesem Kreise einen leisen Stich. Balthasar Bubke lächelte ganz seltsam dazwischen, während über die zarten Wangen des Müllerstöchterleins eine feine Röte huschte. So hatte es begonnen, und weitergegangen war es wie bet andern verliebten Leuten. Und nun kam des wilden Vaters Fehdebrief und hätte der Sache em Ende gemacht, wenn Balthasar Bubke nicht der gewesen wäre, der er wirklich war., , . Er zog jetzt den Bleistift hervor und schrieb gelassen auf die Rückseite des drohlichen Schriftstücks die Worte: „Geehrter Herr Krause! Leider hatte ich bis jetzt weder die Ehre noch das Vergnügen genossen, Sie persönlich kennenzulernen. Sollte umseitiges Schreiben bezwecken, Ihre Vorstellung bei mir zu ersetzen, so bedenken Sie gefälligst, daß es Ihre Persönlichkeit sehr einseitig zur Beleuchtung bringt. Ich ersehe nur daraus, daß Sie sehr unbesonnen und unvorsichtig sind. Aus diesem Grunde gebe ich das Schriftstück in Ihre Hände zurück. Es liegt mir fern, einen Mann, der späterhin mein Schwiegervater werden soll, bei der Staatsanwaltschaft zur Anzeige zu bringen, wie ich es als pflichtgetreuer Bürger eigentlich tun müßte. Gegenüber Ihrer Verheißung handlicher Aeußerungen mache ich Sie darauf aufmerksam, daß ich nicht abgeneigt bin, gegebenenfalls von diesem Verständigungsmittel Gebrauch zu machen. Sollten Sie durch diesen Umstand sich veranlaßt fühlen, Ihre Mühlenknechte zu Hllfe zu rufen, ober mir mit irgendeiner Waffe in der Hand entgegenzuireten, so bin ich gezwungen, Ihnen die Eröffnung zu machen, baß ich vom heutigen Tage an nur noch mit geladenem Revolver und dem dazu gehörigen amtlich beglaubigten Waffenschein mein Haus verlassen werde. Sie sehen also, baß ich nicht gewillt bin, mit mein Recht unb meine Ansprüche auf die Hand Ihrer Tochter auch nur um Haaresbreite verrücken zu lafsen, und zeichne in diesem Sinne ergebenst Balthasar Bubke, Stadtkanzleidiätar." Die Geschichte mit dem Revolver war nichts weiter als Flunkerei. Balthasar Bubke besaß ein solches Mordinstrument ebensowenig, wie den dazu gehörigen amtlich beglaubigten Waffenschein. Er nahm den Bries des Müllers für nichts andres, als eine leere Drohung. Aus diesem Grunde war auch der Entschluß Balthasar Bubkes, den Brief eigenhändig nach bet roten Mühle zu tragen, kein allzu heroischer. . Balthasar Bubke steckte das nun beiderseitig mit Drohungen versehene Briefblatt in das alte Kuvert zurück, griff nach dem dünnen Spazierstöcklein hinter dem Kleiderschrank und begann seinen Gang. Als er aus dem Hause trat, sah er gerade, wie die Sonne sich vergeblich bemühte, ihr rundes Gesicht zwischen den beiden schlanken Türmen der Pfarrkirche hindurchzupressen. Heber die Straßen der Stadt und über den Strom wannte schon der Abend seinen kühlenden Schirm. Das Wehr schwieg, nut die beiden Mühlen ließen ihr altes dumpfes Rollen und Grollen hören. Moritz Krause, der Müller, warf den Getreidesack zur Seite, als wäre es ein Spielball, reckte feine lange, sehnige Gestalt, klopfte sich das Mehl aus den Fingern und ging zum Abendessen. . Die Tochter erwartete ihn am gedeckten Tisch. Seit ein paar Tagen sprachen die beiden nur das Notwendigste miteinander. Hilde saß mit ge- kreuzten Armen da unb machte ihr trotzigstes Gesicht. „Willst bu nicht essen?" fragte ber Baker heftig. Be? Müller^ brummte etwas in seinen struppigen Bart unb strich sich die Butter auss Brot. „Was soll das Trotzen?" fragte er um einige Grade müder. „Nichts I" sagte sie schnippisch und begann mit dem Stuhle zu wippen; sie wollte den Vater reizen, der diese halsbrecherische Bewegung nicht m» stehen konnte. Der Müller fuhr auf, hieb den Messergriff energisch auf den Tisch unb rief: „Sitzt du mir sofort stille? Ist das ein Benehmen deinem Vater gegenüber, ber nur bein Bestes will?" „Wenn bu mein Bestes willst, warum tust bu's mcht auch?" Das Wippen den Schnabel. , , . ,,, ., „Das eine will ich bir sagen, läßt sich ber Kerl noch einmal hier sehen, ich vergerb' ihm bas Fell, baß er für ewige Zeiten genug hat, unb Wenn bu nicht gleich ein andres Gesicht aufsteckst, kriegst bu auch beinen Teil weg. Hier ist mein Haus unb hier geht's nach meinem Kommando. Verstanden? Hüde schwieg, aber bet herbe Zug um den Mund sprach von allem andern, nur nicht von Nachgiebigkeit. Vater unb Tochter waren aus demselben Holz geschnitzt. . . . „Unb überhaupt," lenkte bet Müller ein, „wie kann man sich mit eine« solchen Hans einlassen." „Du kennst ihn nicht." , „ . „Ich hab' mich schon nach ihm erkunbigt. Du hülst ihn natürlich für de» edelsten, vügsten unb besten Menschen bet Welt. Hat betne Mutter mit mir ebenso gemacht, bis sie hinterher einsah, baß es recht viele Moritz Krausei gab." „Lern ihn doch erst kennen." (Fortsetzung folgt.) Die Auferstehung der „Mustkoper". Bemerkungen zur BerÄ-Renaifsance. Von Dr. Anton Mayer. Der jeweilige Zeitgeschmack des Publikums bestimmt die Programme unserer Opernhäuser; wenn et auch gewiß nicht einheitlich ift( so sind doq stets vothettschende Strömungen deutlich erkennbar, welche bie bevorzugte Richtung ber musikdramatischen Kunst erklären. Infolgedessen sind »>- Aufsühtungenszif f cm auch ber bebeutenben Komponisten in ben wechselns« Epochen bet Zu- unb Abneigungen sehr verschieden, unb nur ganz roenifl unb vollkommen übetragenbe, wie Mozart unb Wagner, können M Stellung in ber Borstellungsskala so ziemlich behaupten. . Gegen Wagner machen sich jetzt temporär bebingte Meinungen geltens, bie, von einer durch Krieg sowie andere politische und kulturelle Verhältn is enttäuschten Generation ausgehend, alles „Heldenhafte" ober '>Pmhenm , wie es genannt wirb, bekämpfen, babei aber gänzlich am erstrebten h vorbeischießen; benn ber eigentliche Kern bet Wagnerschen Kunst 8 keineswegs in einigen, vielleicht allzu pathetischen Auswüchsen ober „helbenhasten Pose" seiner Werke —wir betrachten bas Oeuvre vom Jn 8 ab, ba bie frühen Opern hier nicht in Frage kommen —; es kommt a v Siegfried«, überhaupt kein „Helb" in ihnen vor, ba Tristan, Parsifal, höchst problematische Naturen sinb. Der wirkliche Wert ber ®agne w Kunst liegt ganz im rein Musikalischen, eine Tatsache, bte das tzu ... aller Länder stets verstanden hat; in fremden Gegenden, die dem germ« i nordischen Mythus ober ber Nürnberger Meistersinger- Hergang , absolut fernstehen, werben bie Werke Wagners nicht weniger hoch > wenn nicht noch höher, als in Deutschland. Es ist bei un§ em, erklärlichen unb für bie Beurteilung gleichgültigen Generatwnswiv m hauptsächlich snobistisches Gerebe übelwollenbet Literaten, WH äußere, im übrigen leicht durch einige Restaurationen auszufruche . abzuändernde lÄscheinung, mit dem inneren, also bichterisch-mm । Wert verwechseln; daß aber Werke, die fast ein Vierteljahrhund dauert Haden, manchmal reparaturbedürftig sind, scheint weiter rem “ Ist also Wagners Werken selbst teilt Vorwurf zu machen, fo allerdings die Tatsache bedauern: sie haben offenbar das J“ musikalischen Publikums viele Jahre unb Jahrzehnte so gefesfelt, baß für irgendeine andersgeartete, wertvolle Art ber öt Musik kaum Platz war — was natürlich auch roieber nur em -v ihre außergewöhnliche Qualität ist. Sie bominierten im Spieip Reise in nordische Lander. Bon Josef Ponte». l. vssians Landschaft. , „Die Luft voll von Nebelkügelchen, Wasserstaub. Hellgrau die Sicht, so hell, daß die Augen schmerzen, aber man sieht nur wenige Meter weit. Man sieht nicht den Mast, kaum erkennt man die Brücke des Schiffs, «der sem Pulsschlag hat ausgesetzt, die Maschine blieb stehen, das leichte Zittern des Plankenbodens hat aufgehört — das Schiff ruht. Ruht aus Angst, euS Vorsicht. Aber jetzt wirb der Boden doch erschüttert: die Dampfpfeife tönt, tönt gewaltig, der Schiffskörper erbebt davon, und die Ohren schmerzen. Und aus dem hellen Dunkel oder ans der grauen Helle andres Pfeifen und Tuten, vielfältig, da und dort, voraus und hinten: die Schiffe pfeife«, tuten sich an, um einander ihre Standorte zu kennzeichnen, denn bei der Bewegung kann eins aufs andere stoßen. Furchtbar, wen» da plötzlich ein mächtiger Körper, der seine Bewegung nicht im Augenblick hemmen kann, unmittelbar vor dem Bord aus dem Nebel auftauchte! Das Meer ,st glatt und still. Unheimlich das gewaltige, die Luft erfüllende Tuten in einer Walt, ,n der man nichts sieht, in der man sich von allen Seiten umstellt weiß Und man weiß sich vor einer großen Stadt und einem bedeutenden Hasen- vor Ed,nburg, und seinem Hafen Leith in Schottland — man wird solch em Erlebnis, ein blindes Landschaftserlebnis sozusagen, niemals vergessen! Und em toller Gedanke, aber von etwas geographisch durchaus Mdg» lichem: Würden während einer Seeschlacht die feindlichen Flotten von diesem allmächtigen Rebel überfallen, es bliebe ihnen nichts übrig als stillzulegen, sich anzututen, sich freundschaftlich vor einander zu warnen (denn auch die befreundeten Schiffe drohen Gefahr) und abzuwarten, bis Herr Wetter es für gut fände, die Tarnkappe vom Theater zu nehme» und das Schauspiel sich zu Ende spielen zu lassen. Aber dann hätte das Groß- attlg-Groteske des Vorgangs, dieser Landschaftswitz und Klimastreich, welcher der Geschichte gespielt würde, vielleicht — vielleicht I — denKämpfern der Flotten den Ernst für das Weiterspielen genommen — vielleicht, denn Helden verstehen sich wenig auf das Komische der Geschichte... Emen halben Tag dauerte der rücksichtslos zur Untätigkeit zwingende Aebel — dann war er plötzlich wie weggeschöpft, weggeblasen. Und wir stnd m Schottland. Die Bahn führte uns über Glasgow fort in das schotttsche Gebirge, die Grampians hinauf. Wir stehen vor einem langen, sich nordwärts verlierenden Schlauchfee, Loch Lomond, dem größten See Schottlands. Wir fahren auf ihn hinaus. Es ist Samstagmittag. Arbeiterferien. Arbeiter füllen in Mengen das Schiff. Nach Gruppen (Bäcker, Fleischer, Barbiere) haben sie Urlaub, stumpf fitzen sie an dem feuchten kühlen Tage an Bord und starren dummselig rote befreite Tiere in die Landschaft hinaus. Aus verhängter Ferne ziehen lange Berglinien heran, und in der Tiefe der Landschaft erhebt sich em schöner edler Berg, der Ben Lomond. In der Parklandschaft des Ufers Landhäuser der Glasgower Reichen. Die Sonne bemüht sich durch zudringen. Schwere Wolken lasten auf Land und See, ihre Schatten an der Erde, auf den Bergen sind von tiefem «lau. Der See ist dunkelgrün. Dunkelblau und dunkelgrün sind die Farben dieser Landschaft — eigentümlich, rote das Rot des Schornsteins eines nahenden Schiffs in dieser Landschaft von Grün und Blau brennt. Der Ben Lomond hat ab, der Ben Choinn erscheint. Die Berge find kahl. Das Wasser hat tiefe Rinnen in die leeren Hänge eingerissen, und dte Rinnen hinan (im Schutz vor dem ewigen Wind), steigen vom See aufwärts Waldungen das Gebirge hinaus, Waldungen in sehr spitzen Dreiecken, mit der schmälsten Seite stehen sie auf der userlinte. In viertel, in halber Berghöhe keilen sie aus. Etwas sehr Merkwürdiges, diese vereinzelten und zugespitzten Baumwälder, Baumhaine, die tote die Zinken einer Tyrannenkrone vom Reifen des Ufers aus sich erheben. Man würde sie nicht in einem Landschaftsbild erfinden. Natur erfindet in ihren örtlichen Bedingungen mit der Gültigkeit des jeweils Zutreffenden, Notwendigen und Rechten — und dann wirkt das Merkwürdige selbstverständlich! Selbstverständlich — und dadurch groß! Bei Jnversnaid, nahe dem nördlichen Seende wird am dunkeln Tage (das Mühen der Sonne war erfolglos) das Schiff verlassen, es geht in Wagen einen kleinen Paß hinan. Es nebelt und regnet leise. In der milden Rässe verstärkt sich alles Grün, das hellere der Häuser, das dunllere des Laubs, das Blaugrün unzähliger Farne. Blauschwarz erscheinen die nassen Gneisfelsen. Die Erde ist braun. Die Berge nach oben hin sind kahl, aber moosig grün, die fast baumlose, braune Heide herrscht, besetzt mit ernstem Wacholder und Farnen. Kaum sieht man ein Haus, aber viel rauhhaarige Rinder und feinhaarige Schafe. Melancholisch tönt der Dudelsack eines Hirten. Da ist Moorgrund, und das ablaufende Wasser ist braun. Steifer Wind weht, ein glanzhaariges Schaf liegt geduckt im Windschatten eines dunkeln Gneisblocks. Feiner Regen sprüht einem ins Gesicht — still, tiejstill und schwermütig ist dte Landschaft: Ossians Welt!... H. Die Windinsel. Aus plattige» Sandsteinen flach gebaut, die Höhen weich und lang- gezogen, toindüberstrichen, fast ohne Bäume, meist unter wolkigem Himmel I iegen nördlich von Schottland die Orkneyinseln im Meer. Ein graues, helles, vernünftig aussehendes Städtchen steht da, Kirkwall mit Namen, die Häuser aus dem plattigen Sandstein aufgebaut, auch steingedeckt (mit dünnsten Platten auf dem Dachstuhl), in den regelmäßigen Fugen das weiße Adernetz des Mörtels zeigend, Häuser säst ohne Gesimse — Häuser ganz aus Stein. Blumen stehen in den Heinen Treibhäusern der kasten- artig ausladenden Fenster (bay-windows), viele Blumen, auch viele Blumen auf dem iaubern, die Häuser umgebenden Rasen. Da ist eines nur so hoch wie ein Mensch und sorgfältig mit Rasen und Blumen umgeben, eine otie Frau tritt heraus: ein Märchenhaus. Auch die Wiesen sind mit Mauern umgeben, sorgfältig geschichteten und oft vermörtelten Mauern. In Mauerquadrate ist die Landschaft aus- geteilt. Im Windschatten einer Mauer liegt eine Schar weißer Hühner, im Grün der Wiese blühen die roten Kämme wie Mohn. dmgs mcht ausschließlich, aber toaS neben ihnen stand, war, außer Mozart und einigen anderen klassischen, zum eisernen Bestand gehörenden Werken, em ganz entsetzlicher Kitsch, tote die beiden lange Zeit hindurch als Einzelwerke metstgespielten Machwerke „Mignon" und „Margarethe" — eine nicht w-eder gutzumachende Schande der deutschen Opernbühne. Die Musikalischen beschränkten sich auf Wagner, und lehnten aus dem Gefühl, päpst- dcher als der Papst fein zu müssen, alle, wie sie glaubten, rein melodiöse Musik ab, ohne zu wissen, daß Wagners Musik auf der Melodie beruht tote keine andere,- aber fte verschlossen ihre Augen, wohl auch angewidert von eben der erwähnten, sich breit machenden Banalität, ganz vor einer Musi- kalrtät, dte nichts mit starker seelischer Emotion zu tun hat, sondern, ganz in den Gefilden der Tonwelt blühend, aus sich selber heraus mit nationaler Kraft tm besten Sinne volkstümliche Kunst zu produziere» vermochte: wie kS Verdi gegeben war. Das Unpsychologische seiner Musik, die furcht- baren Texte ferner früheren, berühmtesten Opern, das knallende Theater ferner Ensembles und Chöre stießen die durch Wagner zur ersehnten, seelisch begründeten dramatischen Musik Gekommenen mit Hochdruck ab, ja, bestärkten fie nur noch mehr in einer gewissen Einseitigkeit, die jede mit Bewußtsein auf glänzende Effekte berechnete Bühnenwirkung in Arienfchlüssen oder Finalen als Frivolität brandmarkte. Die Entwicklung der dramatischen Musik schien ihnen rech t zu geben; Wagners Einfluß bestimmte seine Rach- folge rn allen Landern; und wenn auch in Frankreich die durch Debussys „Pelleas und Melisande" am reinsten vertretene Jmpressionisten-Schule das „Pathos" und die „große Geste" Wagners ablehnte, so fußte sie erstens ganz und gar aus ferner Harmonik (Tristan) und Orchesterbehandlung, »weitens aber übersteigerte sie sogar fein Pathos in musikalischer Hinsicht und verkroch sich, möchte ich sagen, in eine Innerlichkeit, der jedes freie, ungebundene, aus sich selbst kommende Musizieren — dem allerdings auch «mal ein paar weniger gewählte Phrasen unterlaufen können — ein Greuel war. Indessen war es einem Lande Vorbehalten, in dieser Be- ziehung bahnbrechend zu wirken, das schon häufig bedeutsam in die Musik- geschlchte eingegriffen hatte: Italien. Es scheint fast, als habe sich die Empfindung, daß man aus der allzugroßen Innerlichkeit und nordischen Bergrübelung wenigstens zu Zeiten herauskommen müsse, in ein paar jungen italienischen Komponisten mit folcpec Kraft Wurzel geschlagen, daß es ihnen gelang, je ein ungeheuer wirkungsvolles Werk zu schaffen, damit aber auch ihre fchöpferischen Fähig- leiten ziemlich restlos zu erschöpfen. Maseagni schrieb die „Cavalleria rusticana", und Leoncavallo die „Pagliaeei", Werke, von deren Siegeszug in der Mitte der neunziger Jahre des vorigen Jahrhunderts sich niemanb «ne Vorstellung machen kann, der ihn nicht miterlebt hat. Hier war mit «nem Male, was man lange vermißt hatte: rücksichtsloses Drauslosgehen, dramatische Kürze, bewegte Handlung, unbekümmertes Musizieren ans reicher Melodienfülke ohne jede Psychologie, und soviel jugendliche Feuerkraft, daß der schwächliche Überzuckerte, französische Kitsch der Thomas und Gounod nicht konkurrieren konnte. Man jubelte den beiden Werken zu, pries ihre Komponisten als Retter, führte sie unentwegt auf — die kurzen Werke boten keine Schwierigkeiten der Inszenierung und Besetzung — freute sich an der Unbefangenheit ihrer Melodien, die bald, wie das Intermezzo aus der „Cavalleria" und der „Prolog" aus dem „Bajazzo" zur völligen Pest wurden: und die „Mnfikover", das nur auf Musik und Wetter Nichts gestellte Werk, war wieder da. (W,r dürfen nie vergessen, daß Mozarts, des großen Ironikers und Tragikers Werke, ebenso wenig wie der „Fidelio" zur „Musikoper" gehören, die bei den Romantikern zu Hause war; Wagners «sie Opern sind im letzten Grunde ebenfalls Musikopern, obwohl im Tann- Häuser" und „Lohengrin" bereits andere Elemente mitsprechen.) Leider versagten die Kräfte Maseagnis und Leoneavallos bei ihren späteren Versuchen, und auch die Leistungen ihrer Nachahmer und Nachfolger, wie Giordanos, die sich hauptsächlich auf grausige Mordkibretti stützen, vermochten nicht, tiefer zu interessieren. Verdis frühe Werke galten nach wie vor als nicht recht „salonfähig", seine späten, wie der herrliche „Falstaff" halten keinen Erfolg; die Musikoper schien wieder sachte einzuschlafen, bis Puecini sie mit seiner zwar gut gemachten, aber nicht anreißerischen .Boheme" und dann mit „Madame Butterfly", — welche bis auf eine Szene die erste nicht erreicht — wieder belebte. Allmählich gewannen immer größere Steife Freude an der schwungvollen Unbekümmertheit italienischen Musizierens, während nun bereits °uf der anderen Sette die ganz strenge, auf mittelalterliche Prinzipien »urückgreifende Tendenz der atonalen, besser linearen oder polytonalen, Musik sich geltend machte, und die meisten erschreckte. Der oben erwähnte Generationswiderspruch gegen Wagner kam hinzu, so daß nun ein Retter erstehen mußte, der durch das reine Musikbedürfnis vieler Menschen, welche aber leinen, Kitsch wollten, herbeigesehnt wurde. Da es keinen jungen, lebenden Künstler gab, der dem Wunsche gerecht werden konnte, griff man aus oen einzigen zurück, der alle Bedingungen zu erfüllen imstande war, bet Genie mit Unbekümmertheit, Erfindung mit dramatischer Kraft, gar lerne Psychologie (bis auf die letzten Werke) mit unerhörtem Melodienreichtum zu verbinden gewußt hatte: Verdi. Die Renaissanee seiner Werke mußte mit Notwendigkeit erfolgen als Ausweg aus dem Dllemma, in das die Jntellektualität der Modernen, die GenerationSabneigung gegen Wagner, bet Mangel an schwungkräftiger Melodik der heutigen Musik das Publikum gebracht hatte: und es ist gut, daß in dem genialen Italiener der richtige Mann wieder auferstanden ist. Die Wahl seiner neueinjtubiert aufgeführten » h« öoigt deutlich, was man will: nicht die überlegte Feinheit des „Fal- Icasf , des „Othello", sondern die so lange verschrien gewesene, vor sechzig und mehr Jahren von tonangebenden Krittkem wie Hanslick völlig abge- ceynte hinreißende Farbigkeit bet „Macht des Schicksals", die leichte Melodik „1 »Su'fa Miller", die bunte Fülle des „Don Carlos" sind es, die heute das Publikum begeistern. Die ftüher üblichen Unaushaltbarkeiten haben hoffent- M ourch die kraftvollen Erfindungen Verdis, deren es noch eine ganze "v^uge zu beleben gilt, den Todesstoß erhalten; fchon dies allein wäre ein nnA llenng zu preisender Vorteil seiner Auferstehung. Aber er macht uuct) die Ohren wieder empfänglich für den leicht hinströmenden Zauber inet unbeschwerten Musikanterei; wer weiß, vielleicht ist die Zeit nicht fern, o UN Verständnis aller Opernfreunde, die völlige Synthese zwischen Verdi, e??“1 und Mozart, den drei größten Musikdramatikern, zum Vorteil der lZopser und des Publikums geschlossen werden wird. Auch der Pfad mS Saud hinaus ist --in Stvn'weg, »in Wen sorgfältig gefügter Platten. Ich ersteige Wibesord yiil. Sin Bauer lagt mir, daß fte hier kernen Schnee und kaum Eis sehen, aber viel Regen und viel Wind haben. Eine Herde fast ganz schwarzer hornloser Rinder wird dahergetrieben. Bald schließt sich Herde an die Weide. Der flache Berg vor mir steht braun- violett-schwarz da. Der Himmel ist wolkenverhangen. Ich steige gegen starken Wind. Scharen schwarzer Sperlinge und Seeschwalben kämpfen mit mir gegen den Wind an. Mädchenstrmmen aus der Windrichtung klingen mir als nahe in den Ohren, aber ich habe, in Richtung der Stimmen gehend, einen langen Weg zu machen: da sind Hirtenmädchen — waren sie, denn sie fliehen davon. Im Windschatten einer Sternpyramide lege ich mich windmüde nieder. Im Heiderasen ist der Name Ellen sorgfältig von einem Hirten ausgeschnitten und die Figur mit Steinchen eingelegt worden. Ein paar Steinchen sind, durch den Tritt eines Schafes vielleicht, herausgeworfeir, ich ergänze genau das reizende Mosaik der Liebe eines Hirtenjungen. Im Winde ist nicht leichr stehen und gehen. Er bläst einem in die Nasenlöcher hinein, ein peinliches Gefühl. Man hat Atemnot. Ich stehe auf dem 200 Meter hohen Hügel oder Berg, überall um mich weichgewelltes Land, in die Talungen tritt von rechts und links das Meer ein, tiefe Buchten bildend. Buchten und Inseln rundum. Jenseits auf andern Inseln wieder die monotonen, weichen und langgezogenen Verglinien, der Himmel dunkel, wolkig, trübe. Und immer der Sturmwind. Und drüben, fern und undeutlich, stehen die riesigen Steinmaie aus keltischer Urzeit. Die Hände fühlen sich fettig an von salziger Feuchte. Die weite Meerbucht, in die ich hinab- und hinausschaue, heißt Scapa Flow — ich dachte mir nichts Besonderes bei dem Namen... III. Der Golfstromsee. Es ist neuer Tag, warmer, windiger Morgen, die Sonne scheint, die See ist flaschengrün, vom Lande nichts zu sehen. Das Schiff stampft schwer gegen hohen Wellengang. Wunder, diese Wellen! Hellgrün, gelbgrün wie Flaschenglas sind sie und scheinen durchsichtig, ein Schaumkamm bildet sich oben am Rande des Ueberfalls, aus ihm rieseln rmd regnen (man hört es) Wassertropfen auf die straffe Glätte des gemulbeten Wellentals, während die See hohl geht und hohl tönt. Der Bug des Schiffes neigt sich tief nieder, hebt sich hoch auf und neigt sich wieder tote ein eifriges Zugpferd auf dem Marsch, das immer „ja“ zu sagen scheint. Höher als die Reling steigt die grüne Welle auf, aber sie sinkt in sich zusammen, bevor sie das Schiss erreicht, und sie unterläuft es. Ab und zu kommt ein Spritzer Über den Bordrand herein. Immer heller Sonnenschein. Steifer Wind, doch nicht von Sturmstärke. Also ist die Bewegung des Meeres mehr Dünung als Windsee, totes Wasser, Ausläufer und Künder von einem starken Sturm, der weiter südlich im Atlantischen getobt haben mag. Der Himmel ist stahlblau, weiße Möwen begleiten das Schiff, tummeln sich in der Luft und scheinen im harten Winde ihre Flügel zu brechen. Im steten hellen Pfeifen des Windes und dem steten dumpfen hohlen Brausen der See die abgerissen kommenden scharfen hohen Schreie der Vögel. Und nur diese Farben: Grün, Blau, Weiß, das helle Grün des Wassers, das tiefe Blau des Himmels und das Weiß von Wellenkamm und Vogelflügel. Wir sind im Golfstrommeer. Zwischen den Orkneyinseln und den Färöern geht der große und Hauptarm des Golfstroms durch in die Rord- meere, mit seinem roarmen Wasser das Eis, dem diese Zonen untertan wären und dem auf gleicher Breite das Südende Grönlands unterliegt, das Eis, das geographisch hier fällig wäre, weit, weit nach Norden zurückdrängend. Und die wunderbare farbige Erscheinung des Meeres scheint die dem Golfstrommeere eigne zu fein; oh, dieser Sonntag zwischen Grün, Blau und Weiß auf schaukelnder Planke! — Das Deck ist leer, denn die meisten Reisenden liegen wie Leichen in ihren Kojen, grüne stinkende Opfer aus dem gequälten Magen würgeub.* Deutschland funkt um den Erdball. Von Dr. Siegfried Kurth. Die deutschen Auswanderer, die den brasilianischen Urwalb au8robeten, waren müde in ihr Blockhaus zurückgekehrt. Sie kochten sich ihr bescheidenes Abendessen uub schalteten bann ben Lautsprecher ein. Andächtig hörten sie dem Landesrundfunk zu; da meldete sich zu ihrer größten Ueberraschung eine deutsche Stimme und teilte mit, daß nunmehr der Berliner Sender beginnen werde. Der Empfänger wurde auf eine andere Wellenlänge umgestellt, und nun hörten die Deutschen mehrere tausend Kilometer von ihrer Heimat entfernt, deutsche Lieder, deutsche Vorträge und Nachrichten über Ereignisse in ihrer Heimatstadt, so daß sie sich vor Rührung kaum zu fassen wußten. Das ist leider nur ein schöner Traum, der aber in kurzer Zeit Wirklichkeit iverben wird. Wurde doch schon jetzt der neue Kurzwellensender der Reichs- post in Austrag gegeben, der in Zeesen errichtet und im kommenden Frühling seine Tätigkeit aufnehmen wird. Er soll mit 20 bis 25 Kilowatt Antennenenergie und mit einet Wellenlänge von weniger als 60 Meter die Programme der Berliner und anderer deutscher Stationen als Weltrundfunk über die ganze Erde verbreiten. Sein Programm wird aber nicht nur aus ben Darbietungen dieser Stationen bestehen, sondern wahrscheinlich auch ein besonderes Weltprogramm umfassen. Die Fernsendung mit Kurzwellen gehört zu ben neuesten Errungenschaften bet Radiotechnik und hat eine ganz eigenartige Entdeckungsgeschichte. Schon Heinrich Hertz hat seinerzeit eine Theorie entwickelt, mit deren Hilfe Titan unter der Voraussetzung, daß die Erde eine gutleitenbe Kugel sei, die Entfernung berechnen kann, bis zu der die elektrischen Wellen vorbringen; aber es zeigte sich halb, daß bei größeren Entfernungen bie Rechnung nicht stimmt unb bie Reichweite geringer ist als man ausrechnet. Das liegt baran, daß bie Erbe kein vollkommener Leiter ist, sonbern elektrischen Wiberstand besitzt, so daß bie Wellen in der Erbe Ströme ;eugen. Dabei wirb bie Erbe erwärmt unb bie Wellen selbst werben geschwächt. Die Verluste sinb um jo größer, je kürzer die Wellenlänge ist. Allmählich ergab sich durch bie Erfahrung, tote groß diese Verluste art Ettergke zu sein pflegen, und es ließ sich auch die Reichtveite einer Station sicher vorausberechnen. Nach der Austinschen Formel sinb zur Ueberbrückung großer Entfernungen Wellenlängen von mehreren Kilometer und große Sendeenergien erforderlich. Man war also völlig überzeugt davon, baß Wellen unter 200 Meter Länge nur ganz geringe Reichweiten hätten. Da Versuche diese Theorie bestätigten, stellte man zunächst auch keine weiteren Experimente mit Wellenlängen unter 200 Meter an. Inzwischen hatte — besonders in Amerika — die Zahl der Amateursender sehr zugenommen, und diesen teilte man nun die scheinbar unbrauchbaren Wellenlängen unter 200 Meter zu; da zeigte sich nun die ganz wunderbare Erscheinung, daß solche Stationen, deren Senberenergie oft geringer war als bie elektrische Kraft, die von einer Glüh- lampe verbraucht wird, besonders nachts sogar jenseits des Atlantischen Ozeans gehört werden konnten. In der Fachwelt erregte diese Entdeckung großes Aussehen, und bald wurden von der Industrie gutfunktionierende Sendestationen mit Wellenlängen bis zu zehn Zentimeter herab gebaut. Man erklärt sich diese Erscheinung, die allen bisherigen Erfahrungen widerspricht auf folgende, durch schwierige Rechnungen gestützte Weise. Wellen von weniger als 100 Meter Länge treffen in großen Höhen — im Sommer bei 90 bis 120 Kilometer, im Winter bei 250 bis 350 Kilometer über der Erde —auf eine Schicht, in der die Luft elektrisch leitend ist. Sie werben an bieser Schicht wieber im großen Bogen zur Erde zurückgeleitet, ähnlich, wie bas Ferngeschoß durch riesige Lufthöhen auf bie Erbe zurückkehrt, oder wie in ber Optik bie Erscheinung bet Fata morgana durch Beugung an ungleichmäßig erwärmten Luftschichten zustande kommt. Auf diesen Vorgang ist die Sonnenstrahlung von großem Einfluß, und die Theorie konnte erklären, warum Wellen von mehr als 30 Meter Länge nur nachts weite Entfernungen durchdringen, während Wellen unter 19 Meter nur am Tage eine große Reichweite besitzen. Man unterscheidet Jo Tages- und Rachtwellen. Wellen unter 10 Meter haben ständig nur geringe Reichweiten. Verhältnismäßig kurze Strecken legen auch Wellen von 80 Meter bei Tag zurück; doch wächst bie Reichweite bei einbrechenber Dunkelheit sehr, so daß man mit ihnen von Berlin aus ganz Europa, kaum aber Amerika erreichen kann. Die 40 Weter- Welle wirb schon in 20 Kilometer Entfernung unhörbar, kommt aber in etwa 300 Kilometer unb nachts bei 11000 Kilometer Entfernung — nach Ueberbrückung ber toten Zone — wieber zur Erde zurück. Nachts kann man so schon mit 10 Watt über ben Ozean sprechen. Mit der Zwanzigmeter- Welle kann man nur über ganz große Entfernungen senden. Da bie Wellen um 40 Meter am bequemsten sind, werben sie von ben meisten Amateursendern benutzt; sie sind jedoch in ber internationalen Funkkonferenz von Washington nur für einen engen Bereich zugelassen worben, so baß bie Senbeftationen halb auch auf bie anberen erlaubten Wellen von 20 und 60 Meter übergehen müssen. Es gibt nämlich heute schon eine ganze Menge von Kurzwellengroßsendern. Zu ben alten 17 Stationen kamen neuerdings 14 mit Wellen zwischen 14 unb 40 Meter hinzu; jetzt wirb eine neue Senbeftelle Mulden errichtet, und im westlichen Sudan benützt eine britische Filmexpedition eine solche als einzige Verbindung mit ber Kulturwelt. Deutschland hat bereits eine kleine Versuchsstation von fünf Kilowatt in Döberitz, außerbem ist bie Nauener Station bem wirtschaftlichen Telephonverkehr auf Kurzwellen erschlossen. Ein Dreiminutengespräch nach Neuyork kostet allerdings noch 207 Mark. Im Mai wurde auch schon mit Buenos Aires gesprochen, doch ist noch kein regelmäßiger Verkehr eingeführt. Wie gut z. B. bie amerikanische Kurzwellenstation Schenectady funktioniert, konnten auch die deutschen Rundfunkhörer bei der lieber- tragung der amerikanischen Empfangsfeierlichkeiten für ben Zeppelin fest- steilen. Unter ben europäischen Kurzwellensendern ist die Station PCJJ in Hilversum bemerkenswert; sie hat 15 Kilowatt Antennenleistung, einett Antennenstrom von acht Amp re, besitzt drei große Schaltselder mit Moen, zum Teil wassergekühlten Elektronenröhren, in denen ftufenwci'e bie Frequenz gesteigert und bie Wellenlänge bis auf 31,4 Meter erniedrigt wirb. Die ersten Versuche würben im Jahre 1926 im Laboratorium bet Philippswerke begonnen, unb 1927 wurde der Großsender dort in Betrieb ge- genommen, mit dem man leicht bie holläubischen Kolonien in Südamerika erreicht. Von Hilversum ans würbe am 31. Mai uub am 1. Juni 1927 eine Ansprache ber Königin Wilhelmine unb ber Prinzessin Juliana an alle holländischen Untertanen „runbgefunlt“. Hilversum ist heute bie klangreinste Station. Zum Empfang ber Kurzwellensenbuiigen kann man bie gewöhnlichen Empfänger nicht ohne Weiteres benützen, sonbern muß einen Borsatzapparat anwenben. In ben Fachzeitschriften wurden wiederholt genaue Anleitungen für ben Bau solcher Apparate mit Schaltbildern unb Bohrplänen gegeben. Es sinb hierzu besonbers, im Handel erhältliche Kurzwellenspulen ersorder« sich; mit drei solchen auswechselbaren Spulen kann man Wellen von 15 bis zu 100 Meter Länge empfangen. Am 26. Mai dieses Jahres sand in Dresden eine besondere Kurzwellentagung statt, auf ber eine Verkehrs- Ordnung für ben Sende- und Empfangdienst ausgearbeitet wurde. Am Grund ber Washingtoner Internationalen Funktagung muß übrigen» bis Enbe 1928 die Regelung der Kurzwellen durchgeführt sein. In Dresden hielt auch Dr. Busse aus Jena einen Vortrag über einen Sender auf der Dreimeterwelle, ber mit Empfänger unb Stromquelle bequem in einem Hanbkoffer transportiert werben kann unb sich wegen ber Unempfindlichkeit gegen Störungen gut für ben Stabtrunbfunt eignet. Seltsamerweise besitzen diese Wellen auch Heilwirkungen. Für die Kurzwellenempfänger, deren Zahl gewiß bald sehr zunehmen wird, zumal der Empfang auch im besetzten Gebiet gestattet ist, ist wegen ber außerorbentlichen hohen Frequenzen die Auffindung der verschissenen Sendestationen oft sehr schwierig unb eine Präzisionszeichnung daher erforderlich, bie sich am besten vornehmen läßt, wenn man systematisch die zahlreichen, bereits im Betrieb befindlichen Kurzwellentelegraphiestationen aufzufinben sucht. Es fei noch erwähnt, baß diese Senber eine eigenartige, wie ein Hohlspiegel wirkende Reflektoranordnung besitzen, ein System von gegen bie Erde isolierten Drähten, die die Sendeantenne auf ber der Empfangsstation abgewendeten Seite schirmartig umgeben unb dem Ganzen ein merkwürbiges Aussehen verleihen. ____ Verantwortlich: Dr. Hans Thyrivt. — Druck und Verlag: Brühl'sche Universitäts-Buch- und Steindruckerei, A. Lange, Gi«b°"-