Geheim Zamilieiiblätter Unterhaltungsbeilage zum Gießener Anzeiger Jahrgang {928 Samstag, den 28. April Nummer 34 Von Katzen. Von Theodor Stör m. Vergangenen Maitag brachte meine Katze Zur Welt sechs allerliebste kleine Kätzchen, Maikätzchen, alle weiß mit schwarzen Schwänzchen! Fürwahr, es war ein zierlich Wochenbettchen! Die Köchin aber — Köchinnen sind grausam, Und Menschlichkeit wächst nicht in einer Küche — Die wollte von den Sechsen fünf ertränken, Fünf weiße, schwarzgeschwänzte Maienkätzchen Ermorden wollte dies verruchte Weib. Ich half ihr heim! — Der Himmel segne Mir meine Menschlichkeit! Die lieben Kätzchen, Sie wuchsen auf und schritten binnen kurzem Erhabnen Schwanzes über Hof und Herd,' Ja, wie die Köchin auch ingrimmig drein sah, Sie wuchsen auf, und nachts vor ihrem Fenster Probierten sie die allerliebsten Stimmchen. Ich aber, wie ich sie so wachsen sähe, Ich pries mich selbst und meine Menschlichkeit. — Ein Jahr ist um, und Katzen sind die Kätzchen, Und Maitag ist's! — Wie soll ich es beschreiben, Das Schauspiel, das sich jetzt vor mir entfaltet! Mein ganzes Haus, vom Keller bis zum Giebel, Ein jeder Winkel ist ein Wo- ,enbettchen! Hier liegt das eine, dort das andre Kätzchen, In Schränken, Körben, unter Tisch und Treppen, Die alte gar — nein, es ist unaussprechlich, Liegt in der Köchin jungfräulichem Bette! Und jede, jede von den sieben Katzen Hat sieben, denkt euch! sieben junge Kätzchen, Maikätzchen, alle weiß mit schwarzen Schwänzchen! Die Köchin rast, ich kann der blinden Wut Nicht Schranken setzen dieses Frauenzimmers; Ersäufen will sie alle neunundvierzig! Mir selber! Ach, mir läuft der Kopf davon — D Menschlichkeit, wie soll ich dich bewahren! Was fang ich an mit sechsundfünfzig Katzen? — Pe er besucht mich. Von Sofie v. Ahde. .. Ich muß doch einen recht zuverlässigen Eindruck machen, daß mir »tc Menschen immer so subtile Dinge anvertrauen wie kleine Kinder und junge Rassehunde. Eine etwas peinliche Auszeichnung und sehr aufregend. Neulich bringt mir mein guter Freund Karl seinen jungen Schäfer-- 9un& für einen halben Tag, Peter, genannt Mulle. Man muß nur Wen, was das heißt! Peter ist sur ihn das A und das O der Vchvpfung, Peter ist der edelste aller Schäferhunde. Peter ist der zukünftige Champion Deutschlands, Peter ist das Glück der Welt. Karl not eigentlich von und für Politik, aber er pfeift auf sämtliche Frak- nonen, wenn Peter vor ihm steht, und er läßt den beschwingtesten Leitartikel mitten im Satze liegen und stehen, um Peter die Aase zu E«en oder auch nur, um ihn voll stiller Liebe zu betrachten. Es gibt 'ur Karl überhaupt nichts, was schöner, besser, liebenswerter, voll- ^kskknener wäre als. kein Hundekindchen, und wenn er — es kommt nn cm bor ~ km Eifer des Gespräches, versehentlich Peter oder ?"klle zu mir sagt, so denke ich mit erschüttertem Herzen: Gott, ""e der Mann mich schätzt! & 9t aber auch ein Prachtkerl, schwarz wie der Teufel, mit s.n un$ einer Rute, daß einem Hundekenner das Herz im Leibe m ll1 einem Stammbaum wie ein Merowinger und einem Gemüt wie kSDlo, ®iefe8 Kronjuwel also übergibt mir Karl für einen halben Tag Ntzt.dkner schenkenden Geste, die wahrhaft königlich ist. Daß er dazu- a~er auch anständig, Peterle!", ist nichts weiter als eine k'jnen Heucheleien der Zivilisation, er würde wohl viel lieber wynungen an mich richten, und ich ziehe mir seine aufrichtige Verachtung zu, als ich geradeaus, wie ich nun mal bin, frage: „Ist er aber auch stubenrein?" Es kostet allerhand Mühe, ihn diese Injurie vergessen zu lassen. Zugleich mit dieser schönen jungen Vollkommenheit übergibt et ,,eine Holzkugel, denn sie muß was zum Spielen haben, einige Taschentücher, denn sie hat kaum die Staupe überstanden und die Aase rinnt, und einige Anweisungen, wie man den Maulkorb so befestigt, daß das zarte Haar hinter den Ohren des künftigen Cham- pions keinen Schaden leidet. Auch werde ich ermahnt, mich ruhig zu verhalten, wenn Peter schläft, denn er braucht noch viel Ruhe. er-21- £ann Seht Karl höchst ungern. Der Handkuß für mich ist flilchtig, denn er muß Peters schönes Gesicht noch einmal an sich drucken, dann entfernt er sich kummervoll. Dreht sich aber auf der Schwelle noch mal um und fragt stolz: „Glaubst btt nicht auch, daß er fabelhaft wird? Peter tobt als er feinen Vater entschwinden sieht, trotzdem ich voll tiefem Erbarmen meine Arme um ihn schlinge, er springt an der L-iire hoch und rast. Aber plötzlich findet er die frische Anbekümmertheit seiner Jugend zurück, denkt: „ich kann's nicht ändern, er wird schon wiederkommen!' und steigt mit rührender Anbebolfenheit auf die ^valselongne; die Hinterbeine muh er ertra nachholen. Aber als er glücklich oben ist, installiert er sich mit viel Selbstverständlichkeit, seufzt und entschlummert. And ich kann sehen, wo ich bleibe. i 2ch schleiche auf Zehenspitzen umher, um das Kind nicht zu Wecken, werfe ab und zu einen Blick auf seine Aase, ob sie nicht rinnt — ja, das tut sie, aber ich soll ihn doch nicht stören — wärme vorsorglich Milch und komme mir ziemlich wichtig vor als Hüterin dieser Kost- barkeit. Leise wie ein Hauch lasse ich mich neben ihm nieder, um mich den Lkkorpralinen zu widmen, die Karl hinterlassen hat, aber kaum habe iu> die Schachtel in der Hand als Peter, wie von unsichtbarer Saust emporgefchnellt, neben mir sitzt, hellwach, zitternd vor nackter Gier, seine hinreißend schönen Ohren bis zum Himmel gespitzt und seme leuchtenden Augen starr aus das Eßbare gerichtet. Er hat leider schon etwas von Amgangsformen gehört, denn ohne nach mir hmzublicken, fuchtelt er mir mit seiner großen, undisziplinierten Pfote vor dem Gesicht herum, was wohl: „ich bitte schön!" v^ven soll. Ich komme in große Bedrängnis, denn Pralines sind wirk- lrch nichts für einen jungen Hund, aber er überhebt mich aller Zweifel, indem er mir mit seiner immer unbeherrschter werdenden Pfote die - ganze Schachtel aus der Hand stößt, so daß bas Glück in alle Winkel des Zimmers fliegt. Wie ein Blitz rollt Peter von der Chaiselongue herab, und ohne auch nur ein einziges Akal zu kauen, verschlingt er. was er findet mitsamt Staniol und Seidenpapier. Mir wird ganz schwach vor Entsetzen. Wenn Karl das sähe, daß sein kaum der Staupe entronnener Augapfel Staniol frißt, nicht auszudenken!! Ich werfe mich ihm in den Weg, aber ganz umsonst, er ist von katastrophaler Geschwindigkeit, er schluckt nach rechts und links, und nun hat er noch eines unternt Schrank entdeckt. Eins, zwei, drei verwandelt er sich in einen Seehund, er steckt die Vorderbeine rechts und links vom Körper weg, dehnt die Hinterbeine nach rückwärts und begibt sich flach auf dem Bauch unter den Kasten, fängt dort aber sofort zu weinen an, weil er wahrscheinlich nicht mehr zurück kann. Mir steht das Herz still! Denken Sie doch, der Champion von Deutschland unter meinem Kleiderschrank erstickt!! Die Angst verleiht mir Riesenkräfte, es gelingt den Schrank zu heben, und Peter kommt hervor. Er bleibt ein wenig verstört sitzen, die filbeme Hülle eines Kognakbonbons noch zwischen den Zähnen, erholt sich aber rasch und will, angeregt von den diversen Schnäpschen, die er zu sich genommen hat, ein Spiel machen. Wir fangen also an, die Holzkugel durchs Zimmer zu rollen, und sausen beide hinterdrein. Der Lärm, den wir erzeugen, begeistert mich, ich schwärme zuweilen für einen frischen, gesunden Krach, und den kann man haben mit Peter. Aach einer Viertelstunde klopft's schon von oben und unten an die Wände — Peter, um Gotteswillen, man wird mir kündigen, und ich bin doch eben erst eingezogen! And ich fange den Wildling und putze ihm die Aase, was ihn sofort still und nachdenklich macht. And dann unternehmen wir einen kleinen Spaziergang. Peter sieht mit dem Maulkorb wie ein mittelalterliches Turnierpferd aus und fühlt sich seelisch durch ihn bedrückt, läßt sich nachziehen wie ein Kalb und blickt unentwegt nach der Haustüre zurück. Aber die herrliche Holzkugel bringt auch hier Leben in die Sache, er wird völlig rasend, segelt den Leuten zwischen die Beine, reimt unter Kinderwagen, fliegt — gütiger Gott! — haarscharf vor Autos vorbei und wirkt durchaus verkehrsstörend. Aachdem wir uns dergestalt rund um den ganzen Rüdesheimer Platz herum unbeliebt gemacht haben, gehen wir wieder nach Hause, Aber kaum in der Stube, fällt ihm der eigentliche Zweck seines Spazierganges ein, den wir alle beide über der faszinierenden Holz- frmd vergessen hüben. Und er tut etwas sehr Ängehorrges. Archt etwa mit selbstbewußtem Schwung detz Deines, tote sich dies doch einzig für einen so fabelhaften Hund schickt, sondern indem er sich, kiiidlich auf meinen eleganten lila Teppich niederlaßt. Dazu fchaut er mich mit Hellen, unbekümmerten Augen etwas geistesabwesend an, denn er ist ganz feinem Vorhaben hingegeben. Auch mein empörter Schrei stört 'ihn nicht; er saht ihn offenbar als Einladung zu «Piel und Lust auf; denn kaum fertig mit feinem unlöblichen Tun, stürzt er sich voll wilder Freude auf mich. Unter seinen ungeschickten Liebkosungen schwindet all mein Groll unb, statt mich mit zeitraubender Pädagogik abzugeben, hole ich lieber heimlich ein Scheuertuch. Das interessiert Peter sehr, er sitzt mit aufmerksam schiefem Kopfe dabei, wahrend ich wische, und wedelt freundlich und reinen Herzens, wenn mein anklagender Blick ihn trifft. Aber von all diesen Aufregungeir sind wir beide ermüdet; ich lande, einen günstigen Augenblick benutzend, mit einem Hechtsprung auf der Chaiselongue, eben noch vor Peter, dem eine halbe Sekunde spater dasselbe einfällt. Infolgedessen landet er auf mir. Es gibt Heine Gummischweine, welche unter Entweichung der Luft seufzend sterben. So ähnlich ist mir zu Tilute, aber das rührt Peter wenig, et dreht sich nochmals um sich selber und macht sich s bequem. Seine wundervolle Ante, Aeid und Zierde des Schaferhundllubs, hat er quer über mein Gesicht gelegt. Schreie ich ihn protestierend an, so Wedelt er, was peinlich ist. Die Macht des Wortes schaltet also hier aus und da auf irgendeine ‘Befreiung auf anderem Wege gar nicht zu denken ist, resigniere ich, und wir schlummern ein. Sv findet uns Karl. Aber nun kommt Leben in Peter! Er ichnellt sich mit allen vier Pfote;, von mir ab und springt an feinem Baler Hoch, das) die Wände zittern! Dabei vergißt er mich nicht, er kommt dazwischen immer schnell mal zurück, um mich seiner Siebe zu versichern, And aus seinem guten Hundegesicht leuchtet die grenzenlose Freundlichkeit der von Menschen noch nicht verdorbenen Kreatur. O, aber wie strahlt Karl! Wieder fällt der Handkuß für Mich ziemlich dürftig aus, sein Herz ist ganz erfüllt von Mulle. O Peter, wenn fiu eine grau wärest, bei Gott, jetzt würde ich unangenehm! Aber da bu ein Hund bist, liebe ich dich unentwegt. Doch mitten unter all dem Glück fällt Karls Blick auf den nassen Fleck am Teppich. Er ahnt sofort das Rechte -- er wird schon wissen, warum er in dem Punkt so helle ist — er wird auf eine ganz erschütternde Weise still, wirft einen scheuen Blick auf Peter, und alles m ihm wehrt sich gegen die Erkenntnis, daß sein Liebling, sein Herzenskind, ihm auf eine so eklatante Weise Unehre gemacht hat. Mutz ich da nicht helfen? Und ich sage leichthin: „La, schau nur, der Fleck auf dem Teppich! Ich habe mein ganzes, herrliches Eau de Cologne Ämbree ausgeschüttet, riechst düs nicht?" Wahrhaftig, er riechts, und glücklich, von allem Leid befreit, ruft er mir zu: „Sei nicht traurig, Mulle, ich bring dir ein neues!" Mulle sagt et zu mir, soll mich das nicht rühren? Und dann verläßt mich der aufregende Champion wieder, nachdem ich ihm noch rasch seinen Aachen mit Biskuit gefüllt habe und er mir »um Dank noch einmal ins Gesicht gefahren ist. Er geht, und ich bringe mein verwüstetes Zimmer wieder instand und erhole mich von der Last der Verantwortung. Es ist zum mindestens ebenso anstrengend wie ehrenvoll, anderer Leute Kinder zu hüten. Der „OkkuMsmus" als Wissenschaft. Don Pros. Dr. Hans Dries ch, Direktor des Philosophischen Instituts, der Univ.erfität Leipzig. Dem eigentlich fachmännischen Wissenschaftsbetriebe steht die große Wenge des Volkes, ja auch der Gebildeten, meist recht fern, und ganz besonders ist das da der Fall, wo es sich um neu erstehende Wissenschaften handelt. Eine solche neu erstehende Wissenschaft haben wir nun heute vor unserem geistigen Ange: sie heißt in den Fachkreisen unseres Landes Parapsychologie. Von dieser neuen Wissenschaft, die sich mit noch recht wenig durchschauten Erseinungen des Seelenlebens beschäftigt, gilt es ganz besonders, daß die große Wenge der Zeitgenossen noch kein rechtes Verhältnis zu ihr hat. Pflegt man sie doch sogar mit einem ganz albernen Hamen, nämlich als „Okkultismus", d. h. als Lehre vom Verborgenen, zu bezeichnen, als ob nicht in jedem Wissensgebiete alles der Menge „verborgen" wäre, bis es die Wissenschaft in mehr ober minder Helles Licht seht. Don was für Dingen die Parapsychologie handelt, wird alsbald dargelegt werden. Vor allem aber muß das große Mißverständnis hier klargestellt werden, daß Parapsychologie nicht dasselbe wir ..Spiritismus" ist. Der Spiritismus ist eine besondere hypothetische Lehre im Nahmen der Parapsychologie, nämlich die, daß Verstorbene noch als körperlose persönliche Wesen existieren und sich unter Umständen Lebenden kund tun können: über seine Berechtigung ober seine Aichtberechtigung werben wir am Schluß ein paar Worte sagen. Hur wenige Menschen, einige nur im hypnotischen Schlaf, andere auch im wachen Zustande, sind zu parapsychologischen Leistungen heute fähig. Man nennt sie hergebrachterweife Medien, ein Haine, bet allerdings aus der spiritistischen Theorie stammt (gleich „Vermittler", nämlich zwischen einem Toten unb einem Lebenden), aber heute ohne spiritistische Aebenbedeukung allgemein angewandt wird. Die parapshchischen Phänomene zerfallen in physische unb seelische. Die Physischen Paraphänomene, wie wir kurz sagen wollen (bas griechische Wort- Para heißt nebenher, bezeichnet aber das, was „neben" der offiziellen Wissenschaft noch einstweilen einherläuft), zerfallen in zwei große Gruppen, wenn wir Dinge, die noch unsicher dastehen, wie „Apporte" und echte „Phantome", hier absichtlich beiseite lassen. Allen ist gemeinsam, daß von einem Medium stoffliche Vorgänge produziert werden, ohne Verwendung der normalen Gliedmaßen. Handelt es sich um bte Bewegung vorhandener Gegenstände ohne körperliche Berührung, so spricht man von Telekinese (gleich Fernbewegung), oder insonderheit, wenn die Erhebung von Gegenständen, der Schwerkraft entgegen, in Frage kommt, von Levitation. Handelt es sich um die Produktion geformter Gebilde, etwa von Händen, im Raum, so spricht man von Materialisation. In Deutschland sind diese Dinge am gründlichsten von Baron Schrenck-Aotzing und dem leioer jung verstorbenen Gruber, beiden in München, erforscht worden. Ich selbst sah bei Schrenck unter durchaus einwandfreien Bedingungen typische Delekine,en (von einer elektrischen Lampe wurde ein weit üb erhängendes weiden- tuch von 20 Zentimeter vor meinem Gesicht und etwa zwei Meter hinter dem Aücken des dauernd gut sichtbaren Mediums mit einem Auck weggezogen, leichte Fächer wurden SHrenck aus der Hand gerissen und bewegten sich horizontal in der Cutt).. Eigentlich geformte Materialisationen habe ich nicht gesehen; doch sind über 50 angesehene Deutsche in dieser glücklichen Lage gewesen und haben, was sie iahen, zu Protokoll gegeben. Man nimmt an, daß alle diese Phänomene im Anschluß an den Leib des Mediums statthaben. Das Medium bildet sich durch feine Einbildungskraft abnorme Organe: Auch die Telekinefen faßt man nicht als eigentliche „Fernbewegungen", sondern als durch ftabartge Organe verursacht auf. Wenn man auf dem Boden der Lehre vom Lebendigen mit dem sog. „Mechanismus" gebrochen und sich andererseits die Ergebnisse der Lehre von der Suggestion zu eigen gemacht hat, kann man diese Dinge wenigstens insofern „verstehen", al- man sie an Bekanntes an- hiüpfen kann. (Bst Apporten und echten Phantomen, fern vorn Me- bi um, wäre das freilich nicht der Fall- Das Publikum ist heute seltsamerweise viel geneigter, die fee- [ i; di e n als die physischen Paraphänomene zuzulassen, obglein) diese dem theoretischen Verständnis viel größere Schwierigkeiten darbietcn. Es handelt sich dabei erstens um das sog. Hellsehen (clair- voyance); ein Medium weiß nur fachliche Umstände und Begebenheiten ohne Vermittlung seiner normalen Sinne. Hierher gehört der durch Kant berühmt gewordene Fall Swedenborg, der in Gothenburg den Brand Stockholms (und beft Ort seiner Beendigung) sah", hierher das auf dem zweiten internationalen Psychowgenkongrcß in Warschau angestellte Experiment mit Ossowiecky, der den Inhalt eines fest verpackten Paketes kannte, der keinem Anwesenden bekannt war. Manche bezweifeln, daß es ein echtes Hellsehen gib!; irgendeinem Menschen sei ja doch jede Begebenheit bekannt, viel- leicht werde in dessen Seele „gelesen". Dann würde das Hellsehen auf me nächste Klasse von Erscheinungen zurückgesührt sein. Aber es taffen sich doch wohl nicht alle Fälle so zuriicksühren. Bon dem Nichlzunnt- geführten können wir nur klipp unb klar sagen, daß uns sein Verständnis völlig verschlossen ist. Wir kommen zur Telepathie und zum Gedankenlesen. In beiden Fällen handelt es sich darum, daß ein Mensch Kenntnis von dem Wissen, oder, besser vielleicht, dem Seelenzustand eines anderen auf unmittelbare Weise, also nicht durch Vermittlung von Sqrist, Sprache, Ausdrucksbewegung ufw. erwirbt. Den, der das fremde Wissen in sich aufnimmt, nennt man Empfänger (Perzipienten), den der es herqibt, Sender (Agenten). Für den heutigen Stand des Wissens |ini Telepathie und Gedankenlesen zwei verschiedene Phänomene, mögen vielleicht später auf gemeinsamer Grundlage verstanden werden. Bei echter Telepathie ist der Empfänger stets passiv, er „will" nichls empfangen und empfängt doch. Der Sender kann, ohne es zu wissen und zu wollen, also unbewußt senden, oder aber bewußt. Hierher gehören die unzähligen Fälle von Todes- oder Gefahrankündigungen »> der Ferne; es gibt aber auä) Experimenialunterfuchungen, bei Denen dann eben das Senden bewußt erfolgt. Beim Gedankenlesen ist der Empfänger aktiv, er „will" empfangen; er holt etwas heraus aus dem Seeleninhalt anderer, sei es das, w« sie im gegenwärtigen Moment im Bewußtsein haben, sei es solche, was sie einmal gewußt, aber vergessen haben, an was fw jedenfalls i diesem Moment nicht „denken". Der Empsänger, das Medium W ist dabei meist im hypnotischen Schlaf und gibt durch aittonuW Schrift ober Rede von feinem abnormen Wissenserwerb kund; qim e, gibt auch wache Gedankenleser. Ich selbst denke als Fall von Kodon e - lesen jenes Erlebnis in London, als mir ein berühmtes englisches J« dium im Schlafzustand sagte, meine längst verstorbene Mutter P» einst „viele kleine bunte Vögel, alle aus einem Buch kopiert, auf ! zellanvafen gemalt". Das stimmte in jeder Einzelheit. Das Medium w Spiritistin. Die höchste Stufe des Gedankenlesens ist das, was die fra'MZ Forscher M e t a g u o m i e nennen. Ich selbst sah ■ die verblichen Leistungen eines Metagnomen in Paris. Schon beim Diner im y des Direktors des „Institut metaphysique" hatte er meiner tfraw mir zutreffende Sachen aus unserem Leben gesagt, die er tim J wissen konnte, unb später erzählte er anderen, im völlig waa,-i '. stände, ihre ganze Lebensgeschichte mit allen Zufall iß te _ Ja, es gibt Metagnomen, welche einerseits Dinge aus der -ISergii s heit richtig aussagen, die wirklich kein Lebender kennt, anbercrfci - — die Zukunft. An dieser Stelle ist nun jener seltsamen Tatsache Erivahnu!'-n tun, welche den leider eingebürgerten unglücklichen Namen PI l L metrie trägt. Wenn der Metagnom eine Person direkt vor Ifv sagt er ihr Zutreffendes. Es genügt aber zu dieser Leistung er nur einen Gegenstand in Händen hat, welcher einst ote|w + gehörte. An dem Gegenstand mutz also etwas sein, was den,-" M । zu jener Person in unmittelbare Beziehung setzt. Sehr schon haben Wa si lewfki unb Pagen stechen beschrieben. Versteyo I Das, worauf es irtm er, •end von i) erntetet .nein ;and flenn- >5 sie Leib iublt- t als : ver- n mit •bnisse diese s an- Me- Der gute alte HansarZt. Don Dr. med. Surt Thomalla. Wau behauptet, in China gab es oder gibt es oder hat es we- maltens gegeben, das; alle Familien ihren angestellten Hausarzt haben Sie bezahlen ihm ein Gehalt, solange >te gefunb find, Wball» sie Iran! werden, hört die Geldzahlung auf, bis die Krankheit be- eittgt ist. Dann bekommt der Arzt wieder seinen laufenden Ehren-- lvld - Auf de-' ersten Blick könnte man meinen, das sei em idealer Zustand. Der Arzt sei auf diese Weise gezwungen feine Patienten möglichst schnell gesund zu machen. Aber diese Medaille hat auch eine Kehrseite. Denn einmal wendet sich eine. derart ge Spekula klon an die niedersten Instinkte des Arztes, an seine Geldgier und Gewtiinsuchl. Ein ganzer Aerztestand, der nur durch Aussichten auf gute Einnahmen dazu zu bewegen ist, seine Patienten schnell gesund zu machen, ist verächtlich. Andererseits wurde durch eine solche Bezahlung der Entstehung und Andauern von ner- vbsen, hysterischen oder nur simulierten Krankheiten ^ur und ~or geöffnet, denn es liegt in Der Natur des Menschen begründet, dah er unaern zahlt, ilnd trenn er durch Bortäuschen und velbst- einreüen von Krankheiten eine Verpflichtung abwalzen kann, totro et es in den allermeisten Fällen tun. Immerhin hat es, allerdings von ganz anderen Grundlagen ausgehend, früher etwas halvwegs AchnUches gegeben. Alle Familien die etwas auf sich h e.im, hatte» noch zur Zeit unserer Großeltern selbstverständlich ihren Hausarzt, und besonders in den Kleinstädten und aus dem Lande Lar es, selbstverständlich, bah dieser Arzt dafür nur ein einmaliges festes Honorar entweder vierteljährlich, halbjährlich oder ganz- jährlich etwa zu Weihnachten erhielt. Dafür hatte er dis ganze 2ahr hindurch alle vorkommenden Kramheitchalte zu behandeln. Wenn das gaiize Jahr über nichts vorkam, erhielt er ebenso sein Honorar, als wenn er täglich oder wöchentlich ein paarmar da- g-wesen wäre. Das Verhältnis zwischen Familie und Hausarzt war aber in damaligen Zeiten nicht allein auf das Honorar begrundeb Das war meistens eine durchaus nebensächliche und peinllcye . le gleikerscheinung. 3n den bescheidenen Lebensverhaltnissen früherer Zeiten und dem geruhsamen Daseinsablauf, der nicht die wrrt- schastlichen Notlagen unserer Zeit, diese beängstigende Ueberful- lung aller Berufe, nicht das Streben nach Luxus und schnellem Aufstieg kannte, war die Sicherheit eines Einkommens mehr teert als seine Höhe. Und wer weih, ob sich heutige Spezialarzte mit einer Äietenpraxis sehr viel besser stehen als Einstige Hausarzte i — Denn heute wird es ja allmählich zur Selbstverständlich-.eil, daß, ein erheblicher Dell der Patienten es für fern Vorrecht ansieht, den Arzt nicht zu bezahlen. — Aber zu Zeiten des guten alten Hausarzt^ stand das Persönliche und Ideale vor dem Materiellen im Vordergruiid. Der Haus arzt war Mitglied der Familie, der Freund, Berater, ja gew's er- matzen Beichtvater in allen Fragen des körperlichen Daseins und vielfach auch der seelischen Konflikte. So mancher seiner Kran besuche war nicht eine auf Minuten berechnete, hastende Konsultation. sondern ein gemütliches Plauderstündchen, in dem nicht n Aezepte verschrieben wurden, sondern auch eine entiadeiide uno g suudende Ausschüttung aller lastenden Bedrängnisse des Leibes und der Seele erfolgte. Wie oft kam es doch früher vor , daß der Onkel Doktor das Kind oder die Kinder „seiner Familien ans Acht der Welt holte, ihr Säuglings- und Kindesalter überwachte, ste aufwachsen sah, bis sie selbst ins Leben traten, Ehen g «>, Kinder bekamen. Da war natürlich das Zutrauen solcher Kamillen ru dem von Kind auf vertrauten Führer und Berater ein sewg- verstandliches. Alles, was wir heute mühselig und künstlich schaffen, Schwangerenfürsorge, Mütterberatungsstellen, Saugllngsub - wachung, Schulzahnkliniken, sexuelle Aufklärung, Berufsberatung, Eye- mg mg icht eit, ;en, die so . __ michts; denn von einer „psychischen Energie^ zu reden, die L an den, Gegenstände „niedergeschlagen" habe, ist ein leeres Spiel Wo-ten. Abe-' können wir Denn überhaupt irgend etwas an den seelischen »normalen Erscheinungen verstehen, wenn wir auch die Psycho- Lie ganz beiseite lassen? ffiiinrftd) ausfcheiden als Erklärungsgrnnd muhen aus ost von. ..S? und mir dargelegten Gründen alle in manchen Streiten fo h- iebten .Strahlungs"-Hypothesen. Ein „Rundfunk hegt ganz sicher M vor Das Mittel, durch das hindurch die Uebertragung statthat, T., i ch t" der Raum, sondern etwas ganz anderes. gwei Theorien liegen vor: Osty in Paris hat die schon von William „X vertretene Lehre neu belebt, dost alle toeelen geteislermaßen Mauten eines überpersönlichen Wsltbewichtseins seien, und daß der ffl Senlefet und erst recht der echte Meiagnom in diesem Weltbe- wuWieh’ lese", welchem eingegraben seien die Plane und schick - Seelen, der noch lebenden und der toten. Da gäbe es also Le Unsterblichkeil", aber keine eigentlich persönliche. üie zweite Lorie M die im engeren Sinne spiritistische, welche mit dem Begr.s F persönlichen Unsterblichkeit rechnet. In ich widerspruchsvoll ist d eie Lehre sicherlich nicht. Bewiesen andererseits ist sie auch nicht- Erörteruna wert aber ist sie, denn manche Medien üben ihr „Ge- Mntenteien" iii felifamer Form aus: sie holen aus einer lebenden «wie io icheint es, dieses heraus, aus jener jenes, aus einer drck.en ein «e» uta. und sie sehen dann alles so Herausgeholre zusammen m einer Weise, als ob es von einer Seele herstamme, welche nicht mehr lebt, oft ganz persönliche Ausdrucksweisen dieser Seele kopierend. M das noch „Gedankenlesen" von lebender Seele ui .ebender Seele? $ wM es nicht-, die Wissenschaft aber darf niemals sagen, daß irgend etwas „unmöglich" sei, - es sei denn, daß es sich innerlich widerspreche. __________ diese en. (clair- geben- rt der icr in ngung) ongrcß en In- >en be- i gibt; it, viel- aus die lassen jzuriiik- »ändnik c n. In nie von anderen Schrift, - Wissen der es ens sind lögen sie I" nichts u wisieii -rher gelingen io ei denen ipfangen: dos, ivor 5 solches, ensalls in ium als«, toinatisG ; aber es hedanlhi' scher '> iter h°d° aus V dimn M cmzösM bllissend-n im Hansi Frau » uniniiM ach-n g k eiteii- öergange»' rseits * iihnung Psych", ,r sich $ ieT%* Srtg rsteheii» beratuna, Pshchvanaihfe Mw. Mw., oa« alles war nicyr uoiig, wo das wache Auge eines sachverständigen guten freundes von selbst alles überblickte, alles durchschaute, alles lenkte und regelte. — Mcht etwa nur die besitzenden Kreise haben zu Großvaters Zeiten von dieser Institution des Hausarztes Gebrauch pichen können. Vielmehr hatte Wohl jede Familie des Mittelstandes bis in die armen und ärmsten Kreise hinein ihren Arz-.. Damals er möglichte es ja auch das gesicherte Einkommen des Mediziners billig oder umsonst für die zu arbeiten, die es sich nicht lebten konnten. Umgekehrt zahlten ja aucy die Wohlhabenden und Ner chen oft ein Vielfaches dessen, was an reinem Zeitaufwand und Kraft zu bezahlen war. Man wußte eben damals noch den in neren Wert ärztlicher Beratung zu teerten und zu schätzen. Ss gab noch nicht solche Stunden oder Viertelstunden nach Wert uiti) Geltimg^abaestufter Einzelleistunsen, in Tarifen, Tabellen und amte kichen Gebührenordnungen bureaukratisch festgelegt. Es wäre nun sinnlos, diesen versunkenen Zeiten klagend imch- zujammern, und die Verderbnisse unserer Zeiten und Sitten an- zuklagen. Die Entwicklung ist ja zwangsläufig gewesen und Sch mit bot Spezialisierung des ärztlichen Berufes begonnen. ^eBste verständlich hat der Spezialist nicht nur seine Daseinsberechtigung, tandem darüber hinaus ist das Spezialistentum von ganz ^ungeheurer Bedeutung für Leben und Gesundheit von Zehntausenben. Es ist nun einmal heute kaum das) bei ichritt der Wissenschaft ein Arzt sämtliche Facher der Medizin grundlegend und bis ins feinste beherrscht, ja es ist nicht einmak mehr möglich, daß er die gesamten Instrumente und Apparate auch nur mehrerer Spezialfächer bei sich vereinigen kann. Ai dererteits bietet aber der Spezialarzt die Gewahr, daß er au! feinem ena begrenzten Gebiet unendlich viel mehr leistet, als der praWch^ Arzt mit seinen das Gesamtgebiet betreffenden Kemrt- Nissen. Es kommt nur daraus an, den Spezialarzt gur Z^chtmi zuzuziehen. Das aber ist Sache des Hausarztes, des behandelndAi vraktischen Arztes, der schon aus eigenstem Interesse dafür sor aen wird daß seine Patienten in die richtigen Hande kommen, wenn ein Spezialarzt mit seinen besonderen Kenntnissen Hilfs^ möallchkeiten und Fähigleiten erforderlich ist. Das, woraus es ankommt ist ja nicht etwa, den Spezialarzt zu vermeiden fon- dern auch in unserer Zeit sich einen Arzt für das persönlich WM- ergehen für die Familie zu gewinnen, der gewis ermaßen ein fach sokger enes guten alten historllchenHausarztes. ^-„^eS Patient soll nicht selbst entscheiden, dieses oder jer.es KraMhei.s fymptom ist nervös, folglich gehe ich »um. Nervenarzt, und deren Falte, meine Frau ist krank, folglich gehört I z Frauenarzt Wenn ein Patient zum Spezialarzt kommt und iym nun alle die Beschwerden aufzahlt, die gewis ermaßen die^ Wahl gerade dieses Spezialisten rechtfertigen sollen, so wird ein auf engbeg'-enztes Gebiet eingestellter Facharzt bei dem ?eklstundig fremden und bisher unbekannten Menschen auch vorwiegend nach den Krankheitszeichen und Ursachen wrschen die seinem ^onbermi Millensaebiet nahe liegen. Das ist menschlich absolut verslanmi^, SiSUVta»..®* aqf ‘tt'Ä arxt der seinen Patienten zum ersten Male fieyll Ite) ut mm» Ä auf die chni angegebenen Beschwerden und Klagen in seiner Diagnose und Therapie stützen. Oitar tonn wenn derselbe Patient zum zweiten oder dritten £S “mml »M wechselnden und ganz anders gearteten B sch richtigen LWLEGUEW Geschwistern dies oder jenes erzahlt so w.rder auch oa . g Moment der Vererbung mit in Nechnung ziehen können und v durch auch manchen Vorteil für euch herausholen. Man glaube ja nicht, daß dadurch etwa die Krantentassen über Geböhr belastet würden, wenn man einmal "whr zum Arzt geh? aL es unbedingt nötig ist. Gerade diejenigen, die wir ur den Gedanken des Hausarztes Lewinnen wolle».tMrtwAg« zu den Simulanten gehören, die wegen jedes lls n . . werden nS2’tiTtar9iebU?nl?‘ju «nein atoewi^ W teuten. Ab^ wer W^Sr-Su m I=i* L aussuchen kann, der ist natürlich in einem gewissen Vorteil und - -L leichter durchführen. Vor allem, indem er dafür sorgt, daß seine Kinder von klein auf bis zum Heranwachten unter « ale ck>eii sachlichen Obhut und Fürsorge bleiben. 2lber auch, wo die Segnungen der Krankenkassen diejenigen, die es sonst 6« Lotse. Stag, Klüwer und Fock'H wurden klargemacht, und wir ins ben eben mit südlichem Wind Greenwich zu. Kurz hinter Greenwich ging der Wind rein nördlich, und wir mußten kreuzen. I, fiel der Agamemnon vor dem Wind ab. Das war nicht seine Aif er gehorchte sonst wie Lewerenzens Manu Lewerenzens Frau"! Der Lotse sah mich an. „Ist das Steuer nicht klar?" sagte ich jt Jochen Jung. „Es wird doch nicht ausgehakt oder in Anordnung söin? Sollte es eine Netzleine gefaßt haben?" Die Schaluppe toutüt hinabgelassen, und zwei Mann ruderten unter den Spiegel33), „I,, es ist in Anordnung, und der zweite Haken ist ein bißchen ich’ da steckt der eine Nagel einen halben Finger lang heraus, und b- hängt wohl eine Netzleine daran, Kapitän," rief der Mann dm unten herauf. „Dann hol auf und mach klar! Hol auf!" Na,«, holte auch auf. Als es aber über Wasser kam, war das keine Netz- leine, es war eine Leiche, die dort an dem Nagel, der lose getoorta war, mit dem Rockkragen festhing und im Kielwasser nachschleW, Es war ein ertrunkener Mensch. Die Leiche muhte ja nun an Bord genommen werden. Mir wurde schlimm und übel, als ich fit sah. Ihr ganzes Aussehen war so, daß Wohl anzunehmen test, daß Hunger und Not das Anglückskind ins Wasser, in den bitte-' bösesten Tod getrieben hatten, den ein unglückseliges MenscheM j überhaupt sterben kann. Menschliche Hilfe, das sahen wir glch alle, war vergebens. Seeleute kennen das. Ich ließ den Leichnm, der noch nicht vierundzwanzig Stunden im Wasser gelegen haben konnte — er fing eben erst an au-fzuschwellen —, mitten auf die ßuife vor dem Gangspill legen und mit einem alten Jagersegil zudecken. Der Agamemnon warf einen Anker aus. Den Lotsen unb Jung ließ ich darauf nach Greenwich rüdem, die sollten die Polizii von dem Vorfall in Kenntnis setzen. Jung sollte auch einen 'Anka- schmied mitbringen wegen des losen Steuerhakens, an dem die Leiche gehangen hatte. Es währte auch nicht lange, da kam der Coromr mit einer Jury33) an. und die Leichenschau ging vor sich. Koch uni Kochjunge mußten ihr die Lumpen vom Leibe schneiden und sie dann rein waschen. Die Jury gab dann ihr Ar teil ab: accident by drowning35). Ich mochte das nicht mitansehen, es half aber nichts ich mußte mit heran. Denselben Augenblick, als ich herantrat uni mein Auge auf das Gesicht der Leiche fiel, das nun vom Schlamm rein gewaschen war, fuhr ich zurück, als ob mich eine Schlange gebissen hätte. Ja, es war für mich keine Frage, auf den erste Schlag war ich mir darüber gewiß, es war er, es war Schwan!, es war Gustav Schwank, der da vor mir lag, tot, tot, und welchen Tod gestorben. Herr, du mein Gott des Himmels! So mußte ii ihn doch noch einmal Wiedersehen. Da war dasselbe krause, schwarze Haar über der Stirn, dich! und voll, aber wie mit Rauhreif bestreut, da waren dieselben Brauen, über der Rase zusammen verwachsen, und an der liute Hand, ja da fehlte am 'kleinen Finger das letzte Glied, gerade so, wie die Natur ihn gezeichnet hatte. Ich hatte nie wieder yon ihm gehört, alle die fünfzehn Jahre, seit ich von Gothenburg weg war. Ich hatte mich auch nachher nicht wieder nach ihm erkundigt. Ich habe später auch nicht in Erfahrung gebracht, wie und wann er von Gothenburg fortgegangen und nach London gekommen fl. Er war es, darauf hätte ich einen Eid abgelegt und will aua) im einen darauf ablegen, wenn es etwas nützte. Wenn da auch w G. S. auf dem einen Strumpf gestanden hätte, der am rechten Sw saß, und wenn ich ihn auch nicht von klein auf gekannt hätte, i® Gesicht hatte sich doch seit dem Abend bei Milani so tief in nW Seele eingegraben wie sein Bries und der Spruch aus dem TeufM- katechismus: „Tue du niemand Gutes, damit dir nichts Böses fahre" in mein Gedächtnis. Da lag er. Die bitterböse Not ha» ihn zu Boden geworfen. Hatte er selbst Hand an sich gelegt < er es gewesen, der mitten in der Nacht über das Deck des -W memnon geklettert und in den Strom gesprungen war? War c Zufall gewesen oder Absicht? Konnte er es gewußt haben, o ich der Kapitän des Agamemnon war? Alles das war mögt i und auch nicht. Anser Herrgott weiß das allein. Ich glaube ave, es hatte eine Fügung sein sollen. Mir war. als wenn sch dar etwas lernen sollte, als ob der liebe Gott es gewollt hatte, gerade ich, Martin Heuer, Gustav Schwanks elendes Ende eigenen Augen sehen sollte. lSchwß