SieheiierZamilienblAter Nummer 77 iofo« S=E8ES="-'=»== s !a. Sie reichte der Fürst wenn machet ^dieser Der Gefangene. Von Siegfried von Vegesack. Die Nacht ist stumm und sternelos. Der Raum zerbrach. Die Zeit zerrann. Das Schweigen ist so schwer und groß Ms hielte Gott -en Atem an. Du liegst und greifst, von Angst gepackt Mit kalter Hand ans heiße Herz: Noch immer klopft im wilden Takt Der Hammer an die Wand aus Erz. Wann ist getan der letzte Schlag? Der Leib zerspringt. Das Ich zerbricht. Und brausend, wie am ersten Tag, Wehst du erlöst im Sternenlicht! untkr'u^stin'^ WßC pudernd- „Tont mieux! So werden wir ganz Schweigen. Dann sagte die Kaiserin leise: „Wir haben erne grofäe BatmÜe verloren! Hub wahrend der Kanter ühoviont» h««; der Kurier gewesen, dessen wilde- ReiL dte DeLisU n der Donau so erschreckt, sprach Maria Theresia weiter: „Bei Leuthen 'S E Daun vom König affreusement geschlagen worden M»s soll nun werden, Kaunitz? Wir werden Schlesien für Estern k norf^'h RA1 "7 x“be®. Ö?^r ®ur0>M regieren!" sagte der Kanzler Er verstand sich auf d,e Kunst, blitzende Bonmots zu sagen wennieine G-° danken fern von den Geschäften weilten. ' 0 ' n ,eme @e° , . Doch ein Wort der Kaiserin riß ihn aus seinen Träum»» ($.• frrool, Kaunitz! — Ich bin's von ihm gewöhnt. Aber hat Er einen Plan?" . ®5. war sein Ehrgeiz, dafür zu gelten, daß man ihn. Wenzel Kaunitz nteirKifs Dcrgebens nod) einein 9(usu>ea fro-ote Sein (RpMrtt S? arbeiten. Aber der rechte Gedanke wollte nicht kommen. Eine Paust lastete Die drei Siege Les Ksnzlers. ^»vellc von Alfons von Czibulka MSMM---LZ Ä «sä ÄS»#ÄrÄ äääks’öS*: hchen Homeren Aennes lenken, der in einen weiten to SÄT» LWLKsLL fi «?'#• Wy*» ÄÄ«* B Ä beschäftigt. Der allmächtige Herr, nach dessen Psciie Enron» Cn £ KÄ3ÄÄS sL-LLTL । Mit der Rechten da und dort eine Locke ordnend diktiert der hm ' hinter der Buderinall- hnrt»nh»r> ?Sr ""nzler dem ! «---»»»« Me Wj.™Srthot««' ;“ä fij* 5*3 ÄÄS >-ä?SS SäSS-äitesigB ” SÄ x 3um Arbeitszimmer der Kaiserin ftieo' kiel ihm »in^-E s'*' i gsaetexrsf» sssms*.-» » Und N er mit der Denwiselle rar brrn mSrmT»x ?a“ne '«'d Galanterie, als lade, plauderte und lachte Der Staatskanol-^L « Qttf Schoko- gefallen. Der Mann schien b» «5, Plötzlich fragte sie, Spiegelscheiben in der weichen H?lle de^krüb»?MÄ^^^'"^ den hohen --chn«. Sch, v« W. ßftr- ”d-n'»»«Ä<” (S"Ä<„ts hat W ^ mfVCL5\,rft rechter Diktierlaune, und der Schreiber Nde« Puderstaub von, Papier zu blasen und erfolgreich gegen den kLi'u kämpfen. Heute ist Wenzel Kaunitz in seinen gol-Lhmten ban rn rhcft” "'.. 9en’ttIe Gedanken. Und es scheint ihm Mehr arum zu tun, IN der nächsten Stunde durch die Pracht seiner Merii.4» de^S^r?n'^^,d"rch den Flug seiner Gedanken für Jahrhunderte. Woraus äu !.u? /r iCn 4)r" ’4cmufs ichl'etzt, dnh Seche Durchlaucht rerltedt »s? 'ÄÄÄ.nif verschwindet. Kaunitz steht vor dem Spiegel und ist «ihi£ tar-®"6 ^llt die Perücke in seidigen Wellen und Locken M den schwarzen Samt seines Mantels. Der Kanzler wartet „mftrin» »"bdortein Stäubchen von eine? Bast?^^ f,ne C L cr,L$e 1 ”• „Die Demoiselle läßt (Eure Durchlaucht bitten " dw'^reckLL Crirtf Üt>cr «c reichen Teppiche des Ganges hinüber zu Ium Ä ^kugel seines Palais, wo seine Gäste zu logieren pflegen ?Afer,n "'?k immer nur Freunde des Fürsten oder i« ’ rwS r",h dlh’ u'\9L; Qf’rIid)em Alter. Nein, gerade der schönste ®»(bunhh„n??' ? ^"Gasten gehören, e,n weites Gemach in Silber Otter cw hn?”X»S^'br’ H«h sie M>t bie ^moi elle Jeanette Lyon eine Ausnahme. Richt, !>°ch keine sibk»»' 9Tefcn T^e- Vielleicht hatte das Palais der Kaunitz tos erst" J?0™ ^au gesehen als ste. Aber die Demoiselle schien — Maus nicht 7" der Meinung zu sein daß fürstliche Gastlichkeit 'M sogleich den ftirstlichen Dank der Liebe erheische. Und ste war _____ Unterhaltungsbeilage zum Eichener Anzeiger Der Gardeoffizier vom Dienst öffnete die Tür Kaunitz vern-lat- R* M und doch eine Spur zu wenig für die Etikette jener Zett Grinern ft{bcrflraucn ^(0 saß vor ihrem Arbeitsttsch Maria The: " “ bcm Staatskanzler die Hand zum Kuß. Ihr Blick war er schienen gerötet. Kein Wunder, da,'' ' ~~ sibirischen Kälte bei offenem Fenster ..., MLMLrKMLMK- saräs SrÄ-i&® Ä-Ä SÄX-1"er,Ä •** ÄÄÄ über der Stille. Maria Theresia wartete Siuacnblicf werde er nur so splUyen fin^ria Theresia mit dem fisss-m W1ÄZÖ S» iS*«» aolbcnen Crayon. Do^ Kamntz wutzre 1 ) geschlagen, zur Halste vec- la®Ä."Ä£.^Ä«“stM« =””■*w ■ ous einer anderen, heiteren W- . machen eine scherzende zwitschernde Fenster. Kinderlachen war zu Horen, dazwisch^^ !u^teu jm Schlitten M Stimme. Kaunitz begriff- ^eI^DLLn rerannn vor sich hin, erhoo sich- langweilen. Maria Theresia ^8 Fenster zu. Wie ein Blitz durch- Schritt langfam auf das weit geöffnete Achter zu Mit einem Kaiserin zu fahren. Es war unerhor. vielleicht der Staat. Aber \ Kaunitz wußte: Viel stand auf oen Sp, ß^cn tein Leben war. | *■bes Kanzlers Wort: „Majestät! Ausgerichtet, hart das scharf- I Die Kaiserin wandte sich um, bueb steyei m Schatten grub, | geschnittene Antlitz in das das Licht der Ker^ou^ Arbeits- die blauen Lingen kalt E Stah, f sta Rede begleitend, manch- I tisch. Mit leichter beherrschter 5)anüveweglng schwarzem Samt, dermal an fein- Brust greilend. wo, sthummru^am , Wunder- Orden vonr Goldenen Mrehe hing, A^^Manarchin^keinen Einwand er- bar klar, kurz, knapp, elbst von serne>in Versailles, auch gegen wartend. Mehr Gold tn -^uhlaao, mehr H ll-^ Armee gegen Berlin, die Pompadour, wenn es cm nmf e. n öor fragwürdigen Daun das Kommando lassen Sem^mTeusel im Blute, größere Affären. Dagegen dem General ^00 ^ G-n-rali siimus mit sich KÄ L',7> »» bald feine Wunder erleben. ., ... Arbeitstisch gesetzt. Längst hatte sich ^ria Theresia J achtend,, gemeffenen Indes Kaunitz, tm Eifer ferner meoe ver draußen ein silbernes Schrittes auf- und ni-derwand tt-- W--^r klang °r l^. Fenster. S8FÄ 6Ä 'ÄS Ä MM“ «“'■ s*"'",cnb Hans Ihre S-agV e6„„ s„„,|am «mW« -- sich u» I Der Staatskanzler schien nicht zu Horen. »! (tätr gr wußte, was | und sagte lächelnd: „Die AA si ! eh die Demoifelle Lyon die Beine aus | « unb''Nd Schakvlad- ar. dre subelndlim das Geführt drängenden Kinder , ^erzeugt. I Maria Theresia "frstand feine Ant war auch Niemals noch hatte f'Z Kaunchtzeirri.^ uni) Frankreich enger ans | genau. Sie liebte das Rasch • n„udon Gelegenheit zu Siegen geben. | Bündnis fesseln. Das gefiel ihr. De *. remtafettc ins Hauptquartier, I Dartrefflich! Aber dann heute,n°ch B toeUte. Ein Adjutant Kuriere nach Moskau und Verfmlles Jh A U^ch den Minister- £ Ä ’-fe; und. Kaunitz schwieg. Was konnte er ^)ü® nlb°5 'staatstanalers bis zum war ja nicht das erfteum - 6 pauvre Demoiselle Lyon! 51un, bis | Morgengrauen tm Bmgho « ' ■ Unb das Gemach der Demoifelle »ws&w« Md« dl« Smm-Ii» w«rd- “”W saunili 1 noch knapper, achücher, uberzeugenoer. - reinwand erhob, die Kai erm General vom HoftriegsraÄtf&Äiä, die Weisungen eine Frage stellte. Die Befehle n wurden ausgefertigt. Meister- sür die Gefandten m Moskau und V^rsam Una doch fchlug die werke diplomatischen Stils. Kaunitz verlo ^hlich als letzter wieder Uhr im Burghof- zehn, alsder Staats anndlich die Treppe hinunterstieg. Fünf Stunden al5 Kaunitz Nervös trommelte sie an du. Sche be de Sch»: '^werer als dem das Gefährt bestieg. SWst schien l s ll,-,’s[h entwinden und Maria Ä ES M :S; SÄäHäÄ’*“ ”«b,e $emoiid“ ns «“»«LÄLL er sie an der Tür ihres Gemaches fragt, r. Bfte rie zornig mit dem «-!- »- Sch» -im »«ch"'» verstand nicht nur, Staatsfchriften, fände G 0 Und die De- vergaß er feine Sparsamkeit, wenn es ga m S r DoU dunkelroter moiselle Lyon hat docq noch mit Kaunitz m oeu <> 'SÄ ÄEÄ «-» AsÄ d." ÄÄ”-u“ »” to »r-uMch-» SW» u»d 1» i»1» Siege bei Hochkirch zwang. «... «rSnbunfl der Fiste, des giegendeines, D>e Erpn°ung un6 anderes. Don Georg August Grote. Der alte, verlniffelte Flötist folgendermaßen: Biertisch nach Feierabend ta. mein Leib- und Ma. „Also, meine Herren, wiePan vw 0^$ Kunden hat das hat geninstrument, das Ziegenbein . und breiten Redens mit sich also zugetragen: Als erdesia g geworden war, ich selber, vor Anbeginn der WMi.e > Langeweile schon lumm er dieses von Cwigkesi. yer a.i v’ 1 Erstaunen bemerken betrieben hatte und fchU-tzlich mit g tz 'urnebel . Spiral, imifttc daß nicht etwa Blech, sonoerii , er sich nach- uebel ' B.ebulium dabei heransgespru g . nachgerade denklich: .Ei, verflucht, "^Lni in diese Mode Llrweltmusike bald einmal em «rmz anderer g kaumstens ausge- blneinkommen!" ■— Lind siehe da, sicbennute heraus das sprechen hatte und gerade ^G ^us glatt . Ofnern Entschluß. Besttteilchen überschrusigen Luft, die überlegend ge- satze nicht mehr mitverbraucht yaiie, 0 andere Ton, I Atzten Lippen ins Freie bfteh, „da war ^ de^ Schlittschuhen auch I Ä Geschwindigke t emes g-olten Blitzes 011^^ schon da: nämlich em blendend schöner, -Motive. Stapelkeim zur heutige, p 5 f erfreut zu den ganz Der- „Heureka!" rief Pan cifoßtaä) ftch-Uch c4mt S^^^en Herr« I datierten Spiralnebeln hinüber, „h • • „ y. uur etwas will, schastm haben Sie das bemerkt? Sobald ich u er schlug sts nach schon da und ogar gan; von ! pM sich nun | ich sidel auf den prallsten, * w 11 Mäulchen lustig L nach Herzenslust Daoei L i-d°Smal «ab « ■ nad) rcdbtS unb nci^ »* Vy-* * nv\(>nn cc cibet QGt bic ßuft I einen anderen unterschiedlichen . und noch ruiplombier- dU schöner, blütenweiher Elsenbeinton! Vergleiches dieses beson- Hm" sagte sich Pan im desDergtmche ,Dcbm I deren Tones mit den and^en mw Spährenmusike Hingt »war | blitzsauber erfundene erste Ausgabe v heraus auch gar nicht I fo wir Wichts, dir Nichts aus blaut em e-mau j die wahrste, Lel ab^r gegen der» weish-itdhnigm Ton.ist ft^d^ - I reinste Katzenmusik! — Rerinollft ch 0^ damit eine Musik ' I Zähne hindurchzupfesien, fo Jl^-e am Aimigesschönheitsunter. 1 I von spiralnebeliumweitestem und b^itepem Aednung geschaffen I schade, michin also Ä gerebet habe hinter- worden sein, und was ich den Ae . , ihnen nolens volens, mit her nun noch mitzuteilen habe. Lieblichste hinüberblasen, und dm Flötentönen nieiner Zahne aufs ^.lem ^ > müd en zwar gleichzeitig so Pans bereits wagte!" (Man bemerke daß mit viel jemanben 6ic Zahne gei- vie schönen und treffenden ^AensaMe »1. fQ nebenbei gen", bzw. „lemanden die ülotentone v ^e später nachplappernde längst ersiniden worden ftnd und^daß AUltor bloß ein ganz ab- BMsmund als der sich dafür ausg oia kurz und gut. geseimter und fchamloser Plagiator Zghnen richtig fiBg als sich Pan aber die Sache mir 0 und damit dm v„n,. hatte und bereits d.e erste <> ö ■ * fiel ihm plötzlich ! Aufang zum Dentisten im Geiste fe^ag hatw oa t Verfügung | Ä« ».-« rt/SÄ ÄääSi««w** hätte wozu sollte er sich oa oei v < der allerliebsten feite 'seiner Erfindungsgabe mit eE ga 0- ersehen? Also M I Schmerzen, der ZahnlEage^ heraus, polkte das ! er sich besser seinen linken B . hinein und alsobald war I Mark heraus, schnitt Locher unb Munds « h^s Knochens tat Me erste Klarinette fix und fertig. An die Stelle^^ | er in bas Deinfleisch einen aus dem «leisch daherum lang' ertigten Stelzknüppek hinein Z^ Bocksbein -Hn- I sam verdorrte, war das erste best e- Deine Plan verflixte A-Hu dm Weil nun aber mit>inem solchen Beme^mverfertigte I lichkeit mit dem L^bhaftigen. de-''' ®otH zweite Klarinette, i er aus dem rechten Deinlnochmi eoenm^ echten Boas' | worauf auch dieses Bern nach Dez p ^d- Beit)e Klarinetten neben' bein ward. Pan aber blies .S Puste ausging. ersmib , ST«« ZMMWMnM M^WMZW ^^ rNcheiu^ber Z T?" natürlich das erste mK«K' ist. natürlichen, der siorteii^r , traktierende Ktarine ns £$5 K'ÄÄTÄ'ÄÄt °« °l-"m am llo hat mit oar, dyon rfen irab rach« rabe ufike läge« das )luß- ge« Soin, . auch erste ver» Herr« will, schlug । nun lustig ab es : Luft mbier- flang- befon« soeben l zwar r nicht wahrste, ch alle Musil sunter- schassen Hinterns, mit en, und mudfen bereits jne zei» nebenbei ppcrnde ;ana ab« nb gut. g über« ■mit bcn plötzlich erjügunfl >r Kehrerliebsten Mo zog >lkte das bald war ■chens tat nett ver« im lang« in etihtn» te Achn« xrfertigtt Klarinette, en Doas- >n neben« erfand er rer Dow' citschratsch te er der chen fein« tzen. Diese (Wischens tlein echte, Annahme ehrwürdige Kerrschast i! - «ent igessen un bombenteli tehung des antsche> rinette ’?• ;e oder du j der E an meinen im ®esen; ebiete w-'t' lehr beliebt waren. . ,r ... s Aus diesen Zeugnissen läßt sich ein wichtiger Grunds atz ab ictten. als Haustiere wurden nur solche Mildformen getoaölt die fdbon Jett den ältesten Zeiten gejagt wurden und dem Geschmack des Menschen I entsprachen. Hierin unterscheidet sich der Mensch kaum von anderen | Lebewesen, die eher verhungern, als daß sie eine ihnen fremd- E artige Rahrung ausnehmen könnten. Aber es geht noch toeiter daraus 8 hervor bah der steinzeitliche Mensch nur solche Tiere zahmen konnte, di« in seinem Wohngebiet int Wildzustand- uberharcht vorhanden waren. Wir wissen freilich nicht >nehr, tote sich bte Hausfter- zähmung im einzelnen abspielte, insbesondere ob es sich um einen I absichtlichen oder mehr zufälligen Vorgang handelte. Den großen Vorteil hatten die gezähmten Tiere, daß sie durch den freiwilligen ! oder erzwungenen Anschluß an den Menschen als Gattung vor deut | Aussterben bewahrt blieben, wenn sie auch nicht ahnen wnnten daß ihre persönliche Lebensdauer manchmal sehr stark abgekürzt werben würde. Letzt haben die engen Kutturbeziehungen zur Menschheit teilweise zu einem Ausgleich der Haustierbestande geführt. Das war aber nicht immer der Fall, und verschiedene Gebiete besitzen aucy heute noch verschiedene Haustiere. So hat sich der un Mittelmeergebiet | heimische Esel bei uns nicht recht einburgern können, unmekehrt findet sich unsere Aindersormen in anderen Gebieten nicht gleichartig w'-oer, und zur Zucht von Kamelen ist es außerhalb der Zoologischen Gärten bei uns nicht gekommen. Die Kulturgeschichte der Tierzuc^ laßt I ) mit der Geschichte der einzelnen Haustiere also nicht gleichsetzen. Ln seiner heutigen Form ist unser Haustierbestand ^me Srfge de Kulturausgleiches zwischen Rachbarvolkern. Auch hierfür g einen Beweis. Die Wildformen unserer Haustiere frnb Mipassungs , formen an bestimmte Wohngebiete und auf diese beschrankt. Wilv- ziegen finden sich z. B. nur in den Gebirgen südlicher ^egtonen. Niemals in den nördlichen Flachländern seit der Eiszeit: umgeW smd die Wildpferde auf die Steppen der gemäßigten Zonen beschrankt gewesen, Wildesel finden sich nur im südlichen Steppen« und Wüsten« gebiet, nicht dort, wo echte Wildpferde hausen. Der Mensch war in den verschiedenen Gebieten also von vornherein auf ganz bestimmte Haustierformen angewiesen, deren Verbreitung sich nach tier- geographischen Gesetzen richtet. . , Es gibt auch noch einen direkten Beweis dafür, daß sich die Menschheit in den verschiedenen Erdräumen mit sehr wenigen jetoeus verfügbaren Haustieren begnügte, die dann allerdings auch aliMtig Msgenützt wurden. So zeigen die berühmt gewordenen Pfaytvau- suiide der Schweiz — so benannt nach der Siedlungssorm jener steinzeltlichen Menschen —, daß manche Haustiere dort zunächst nog vicht bekannt waren und erst allmählich eingefuhrt tour&en. So fehlt das Pferd als Haustier in den ältesten Pfahlbauten, es wurde vm als Wildbret gejagt Das ist eigentlich em bitterer Vorwurf, den unsere Borfahren verdienen, muh doch ihr Genuß von Pferde« fleisch sehr ausgedehnt gewesen sein, da man die Knochenveste 1bat er industriell verwerten konnte, äleberhaupt das Pferd, unser edelstes und geschätztestes Haustier, das aus unserer Kultur trotz Eifenbahn und Automobil kaum wegzudenken ist, ist neben dem Kanarienvogel wohl unser jüngstes Haustier. Äoch sehr viel später als in der jüngeren Steinzeit kannte man es in Westeuropa nur als Lustus- und Kriegstier. Selbst Karl der Große benützte nicht feurige Reimer für seine Reisen, sondern hatte sehr unkönigkich einen Viererzug von Ochsen — vor feine Kalesche gespannt. Wenn selbst ein so mächtiger Herrscher sich nicht des Pferdes für feine Reisen bediente, so gestattet das einen Rückschluß auf die Verhältnisse bei Burger und Bauer. La, die Barbarei ging noch weiter: die reichlich vorhandenen Wildpferde wurden nicht anders genutzt als Reh, Hirsch und Hase — man jagte und verspeiste sie, bis etwa im Lahre 1000 die Kirche diese Geschmacksübung als heidnische Reminiscenz verbot, ähnlich wie einige Jahrtausende früher das Schwein m Mesopotamien oder Arabien als unrein verpönt wurde. Reitpferde rm Kriegsdienst sind freilich schon viel länger bekannt. Gegen Ende des zweiten vorchristlichen Lahrtausends taucht diese neuartige Erfindung etwa gleichzeitig in Aegypten und Mesopotamien zum Leidwesen der dortigen Landesmächte auf, die offenbar dem Ansturm berittener Steppenvölker erlagen, die das neue Kriegsmittel einführten. Die ckleb-rraschung kann kaum größer gewesen sein als im Weltkriege durch die Tanks. Es hat aber sehr lange gedauert bis das Pferd als Arbeitstier das ursprünglich und noch bis heute dazu benutzte Rind verdrängte: sicherlich hat feine, Einführung damals ebenso zu tieffinnigen Betrachtungen über die Unrast her neuen Zelt geführt wie heute die Ueberhandnahme von Automobil und Flugzeug. Als ursprüngliche Heimat des Hauspferdes kommen nur die weiten Steppengebiete Südosteuropas und Rordasiens in /yrage: überall bei den Mongolen jener Gebiete dient das Pf^rd nwht nur als Reittier, sondern vertritt auch unser Rind als Milch« und „eretfter, anerkannter Fachmann bin, zumal id> auch noch Von tzvinoza an auf« und abwärts sämtliche pantheistischen Flötentone Kiefer geräumigen Welt genauest studiert habe und allesamt peinlich sauber — tote mir noch jedwede Konzertkrittk seither bescheinigt Lt — nachzuflöten vermag. Solches vermöchte ich gegebenenfalls üdem Gegner meiner Flötenentstehungstheorie sogar auf den höchsten Löchern vorzupfeifen, die ich ihm gar leicht bei einem allzu I handgreiflichen und hartnäckigen Kampfe um deren Wahrheit in seine Zähne, den etwaigen Dickschädel, und in sonstige Knochen« bineinschlagen könnte 1“ — ’ V Der alte verkniffelte Flötist der Kurkapelle zu W. sah heraus- sordernd um sich. Niemand wagte indessen, zu widersprechen, da nickte er schmunzelnd, hob den Deckel von feinem Dierkrug und sagte, plötzlich ganz sanft und friedfertig: „2la also denn prost! meine Herrschaften!" Aus der Geschichte unserer Haustiere. Bon Dr. Ernst Feige. Haustiere find eben da, und die Frage iiach ihrer Erwerbung scheint ein vergebliches Unterfangen, denn einstmals gab es noch keine illustrierten Journale und keine Gelehrten, die über die Haustiergewinnung hätten Bücher schreiben können. Erne Einschränkung muß hierbei aber gemacht werden. Dorläufer der heutigen schon« oeiftigen Literatur finden sich doch schon feit der Steinzeit, die den Gebrauch der Metalle noch nicht kannte, als Wanozeichnungen von etwa 6000 Jahren Akter überall in Südtoesteuropa, und auch die alten Bewohner Mesopotamiens und Aegyptens hinterließen uns alücklichertoeife Bilder ihrer Haustiere. Und es flieht doch noch eine andere Quelle der Haustievgeschichte: oer Mensch damals kannte noch keine industrielle Knochenverwertiing und hinterließ die Neste seiner Mahlzeiten in oft riesigen Abfallhaufen zur Freude feiner wißbegierigen Rachfahren. Die heutige Menschheit verfugt ja über ein ganze Zahl von Haustieren, die sie teils rm ganzen verspeist, teils ihnen die Milch abzapft oder vor ihre Wagen sparmt ufto.: Rind, Pferd, Schaf, Ziege, Schwein, Kamel und andere. So sehr auch die Mode sonst wechselt, so beständig ist die Meiischheit bei ihren Haustieren geblieben, Lene Knochenreste der stemzeitlichen Menschen beweisen, daß damals der Küchenzettel von dmselben Tieren, natürlich zunächst im Wildzustande, bestritten wurde wie noch heute. Rur einzelne Formen sind der Unersättlichkeit des Menschen oder der sich auSbreitenben Kultur zum Opfer gefallen: es gibt in Europa keine Wildrinder und Wildpferde mehr, auch feine Wildschafe und Wildziegen. Die letzten Wildrinder und Wild- Pferde Europas starben etwa im 17. Jahrhundert aus. Auch die scheinbar so launige Frauenmode ist in anderer Veziehung sehr konservativ geblieben: wieder zeigen die steinzeitllchen Abfallhaufen, Sah sowohl Fuchs- wie Biber- und Marderpelze damals schon Fleischspender. < , Sobald ein Haustier allseitig genutzt wird besteht überhaupt die größte Wahrscheinlichkeit, daß es in dem betreffenden ©ebiete die älteste und zunächst alleinige Haustiergattung darftellt. So ist unser Rind nicht nur ein wichtiges Fleischtier, sondern auch Arbeitsund Milchtier, wird dagegen int Mittelmeergebiet wie in ganz Liften hauptsächlich nur als Arbeitstier verwendet. Die vorgeschichtlichen Kncchensunde zeigen auch dementsprechend, daß die für Mitteleuropa typische kurz hornige Rinderform die älteste war und im Süden erst nachträglich eine andere, größere Form gezähmt touxde, die dort später ben Vorrang erreichte. Roch in der Gegenwart findet sich mancherorts — so "in Tibet, Indien, Rordostasien — Rinder, me mit unseren kaum mehr als den Ramen gemeinsam tragen. Das Milch Her des Mittelmeergebietes war ursprünglich die Ziege, die aug in den Pfahlbauten zunächst das Schaf überwog, das em orientalisches Steppentier ist, und sie wird dort auch vielseitiger genutzt ate unsere „Kuh des kleinen Mannes": sie dient nicht nur als Milch- spenderin, sondern muh auch ihre Haare zur Herstellung von Wedwaren bergeben. Besonders berühmt ist die Angoraziege Kleinasiens, deren seidenweiche Haare die feinsten Webwaren liefern und als „Kamelhaar" — in Wirklichkeit nach der türkischen Bezeichnung Kamel — bei uns eingeschmuggelt teerten. . , . ilnfer vielseitiger Haustierbestand bildet also eme erscheinung, und dadurch erklärt es sich, daß die Kulturmeufchheit bei jüngeren Steinzeit gleich mit einer ganzen Anzahl von Haustieren auftritt, die ihren Wildformen nach von verschiedenen Stellen dec Welt herstammen. Richt an einer einziger Stelle allem Mid Hantiere erworben worden, sondern unabhängig an verschiedenen Stellen, selbst Amerika hatte eigene Haustiere in dem Lama dem Meerschweinchen und dem Truthahn gewonnen.Es kann also nicht Don einem ältesten Haustier schlechthin gesprochen t^rdm. frnbetn jebes menschliche Wohngebiet hatte seine eigentümliche »orrn. Desvxgen kann auch die Geschichte unserer Haustiere wichtige Hinweise auf öle Entwicklungsgeschichte der ganzen mmischlichen Kultiw gebM wid verdient ebenso ein ernsthaftes Rachdenken, tote Rordpvkflüge, die Erfindung des Schießpulvers und des Raketenwagens: das SauSttcr sichert ja erst die materiellen Grundlagen unserer Kultur, indem es den Menschen von den Zufällen der Jagd und unmittelbaren Rah« rungssorgen unabhängig gemacht hat. Baron Hüpsenstich. Von Clemens Brentano. (Fortsetzung.) Als er über die Grenze war, setzte er dis» weinende Prinzessin in einem Walde in das Gras und sagte Ujr: „Willwischen! meine dich nur aus, ich habe dich entführt; meine Husaren kommen auch nach, u^w wen n mich der König Allmein zum Statthalter des ehrlichen Landes macht, I- I wirft du meine Gemahlin, und dann sage ich dir, wer ich bin. Setzt mri ich mich hier in dem Bache baden und mich dann recht Putzern damit I ich hübsch sauber vor den König Allmetnius treten kann. — Rach diesen l Worten machte er einen Sprung über einige Hecken hinweg, hinter welchen ein Bach lief, um sich dort zu baden. i Willwischen war so verwirrt und betrübt und ermüdet, daß sie em schlief. Aber auf einmal hörte sie Trompeten blasen und sah, als sie erwachte, das Husarenregiment über die Wiese angesprengt kommen. Sie I »rhob fid) und toarf sich auf die Knie und bot um Hiise. xlbct cs wcu gar nicht nötig; denn der Zwickelwichs hatte alles gleich dem König Haltwort gesagt, und die Husaren kamen nach, um den Hüpsenstich | gefangenzunehmen. Sie eilten gleich ans Wasser, und Hupfenstich, ter | bemerkte, daß er verraten war, wollte fortspringen; aber er konnte mch.. weil er ganz naß war. Sie banden ihm also Hande und Fuße und legten ihn quer über ein Pferd, setzten die Prinzessin m einen Wagen | und kehrten nach der Hauptstadt zurück. Der König hatte dort schon eine« hohen Galoen aufrichten (affen, und es ward nun überlegt, mit haut von Mund zu Mund, und alle Türmer Miefen Fischhaut, und all- , < < v ... ........ . ......-k .... m . .4.* txiuf rmn nllt» ß’hnririvitiör c>< . mar. und rief mit wieder: Pardon sondern tommen Man Trommelschläger trommelten Fiohhaut, alle Ehorfchuier langen Koh. haut, Flohhaut ward die Parole der braunen Husaren, und alle Kanonen wurden losgebrannt; denn Haltewort hatte mit dem Schnupftuch gewebt und das war das bestimmte Zeichen, daß die Halit erraten fei. ran-wörtlich: Dr. Hans Thyriot. — Bruck und Derla«:tvrühl'1che LlniversitStS-tSuch« und Sleitibtudetei, 9t. Lange, Gießrn- welchem Tod der Verbrecher gestraft werden |onte. Endlich fällte Ser König das Urteil: „Es soll ihin erst die Uniform und dann die Haut abgezogen werden/' Dies geschah. Als man ihm die Uniform abgezogen hatte, sagte die Prinzessin: „Hüpfenstich! wenn du mir sagst, wer du bist, so will ich meinen Vater um Pardon bitten." Hüpsenstich schüttelte mit dem Kaps. Da ward ihm die Haut abgezogen, und die Prinzessin sagte „Hüpsenstich! sage, wer du bist, so will ich meinen Vater um bitten." — Liber Hüpsenstich schüttelte nicht mit dem Kopf, — er war nicht mehr da, kein Mensch wusste, wo er hinge- ______ verwunderte sich sehr darüber; aber was war zu tun? Man mutzte sich mit der Haut begnügen; die ward an -den Galgen ausgehaugt, und der Platz ward niemals leer von Menschen, welche die wunderliche Haut des Hrisarenobristen von Hüpsenstich ansahen. Sie hatten so Diel' Beine und Borsten und Schnurrbärte und einen so schrecklichen Zopf; kein Mensch konnte herausbrtngen, was er doch wohl immer für ein Tier mochte gewesen sein Willwischen starb schier vor Neugierde, zu erfahren, wer er doch wohl möge gewesen sein, und quälte ihren Vater Tag und Nacht; aber der König hatte versprochen, es nie zu sagen. 'Willwischen sollte sich nun bald vermählen ; der König Haltewort war schon sehr alt und wollte gern einen Nachfolger haben; er bat also seine Tochter, sie möge unter den vielen Prinzen, die um ihre Hand ansuchten, einen wählen. Sie sagte aber: „Ich will keinen nehmen, ehe ich weiß, von wem die Haut ist." Da sagte der König endlich: „Wohlanl mein Kind, wenn das dein Wille ist, so will ich in aller Welt bekanntmachen lassen, daß der, welcher rät, von wem die Haut ist, dein Gemahl werden soll — bist du es zufrieden?" — „Ja, ja", sagte Willwischen, und der König ließ nun überall bekanntmachen: Wer errate, welche Haut m der Residenz am Galgen hänge, der solle seine Tochter zur Frau haben. Run entstand ein entsetzliches Gefahre und Gereite und Geschifft und Gelaufe nach der Residenz. Da kamen Prinzen und Ritter und Le-derhändler und Riemer und Sattler und Säckler und Gerber und Schuster und Buchbinder und Kürschner und Pelzhändler und Jäger und Seelenverkäufer und Juden und Professoren der Naturgeschichte, und wer nur mit Häuten und Leder zu tun hatte und mit dergleichen Bescheid wußte, kam, um seine großen Kenntnisse an den Tag zu (egen und die schöne Prinzessin Willwischen zu gewinnen. Als die Leute vom Hundertsten ins Tausendste hm unb her rieten und den König immer fragten, ob sie recht geraten hätten, ward er un- geduldiq und sagte: „Es kömmt hier nicht darauf an, zu erraten, sondern zu roifjcn, was ‘für eine Haut es ist, darum sage feder feine Meinung. Da sagte einer, es ist ein Meerochse; der andere ein Landkraken; der dritte ein Muhdrache; ein Prenzlauer Rhinozeros, ein Kümmeltürke; „mir scheint es eine Gendarmenhaut", sagte ein armer Dorfschuster, wurde aber gleich eingesteckt. Endlich trat ein Professor auf und behauptete, es sei die Haut eines afrikanischen Buschmanns. Der Seeken- Verkäufer aber behauptete, sie sei von einem Amsterdamer Juden. Kurz, keiner konnte es erraten, und alle zogen atz. So ging dies mehrere Monate lang, und die Neugier Willwischens stieg immer höher. Schier war im ganzen Reiche kein Mensch, der nicht schon Geraten hätte. . Nun kam eines Morgens, da die Stadt noch zu war, ein gewaltiger Grobian vors Tor und" pochte mit seiner Faust an, dich die Angeln krachten: .„Ausgemacht! aufgemacht!" schrie er, „ihr Schlafmiitzenl , Dre Torschreiber sprangen ans den Betten und fragten durchs Schlüsselloch: wer so anpoche; da antwortete eine Stimme wie ein Büsfelachse: „Macht auf! ich bin der Wellewatz." Zitternd öffnete der Torwächter und sah einen abscheulichen Kerl bereinschrpiten. Er stieß beinahe oben am Tor an und war so breit und zotticht wie ein Pelznickel. „Ach, dürfte ich um Ihren Charakter bitten, faste der Torschreiber, „daß ich Sie gusschreiben kann?" Aber der Herr Welle wach donnerte so auf ihn ein: „Ich heiße Wellewatz m» bin ein privatisierender Menschenrrefser", daß der Torschreiber vor Schrecken hinter das Schilderhaus fiel. t . ... Wellewatz trabte mit seinen breiten Fußen durch die Straßen; alles schlief noch,'und da er Hunger hatte und einige Bäckerknechle am Backofen beschäftigt sah, griff er zu und fraß sie wie Krnmtsvogel ohne Brot hinunter. Als er auf den Markt kam, sah er den Galgen mit der Haut und las den Anschlagzettel, daß der die Prinzessin zum Weibe erhalte, wer rate, was es für eine Haut fei. Er schüttelte den Kopf und lachte und rief mit lauter Stimme: „Auf, auf, König Haltewort, dein Schwiegerfohn ist dal Auf, auf, Prinzessin Willwischen, dein Mann Die Prinzessin lag in Ohnmacht, und Wellewatz stieg die Treppe hinauf; ach! da war kein Herr von Hiipfenstich, der ihr zur Ader gelasfin hätte. Wellewatz stieß ihr einen Bund Zwiebeln unter die Nase, und j(e , kam zu sich. Sie stürzte sich in die Arme des Vaters: „Ist es wahr? Ist es wahr?" weinte sie. — „Es ist wahr", sagte er und erzählte die ganze Geschichte des Herrn von Hüpsenstich. „Mein Kind Willwischen, deine Neugier hat dich so wett gebracht, du mußt nun mit dem Welle- watz fortgehn, denn ich muß Wort halten." 91 un hätte man Willwischens Jammern hören sollen; sie warf sich an die Erde und umklammerte die Füße ihres Vaters und flehte so beweglich, daß es hätte einen Stein bewegen sollen. Aber der König sprach immer: „Mein Kind, du heißt Willwischen, ich heiße Haltewort, und da kömmt es nun so heraus, du mutzt nun fort mit dem Wellewatz." — Aber sie wimmerte immerfort, und Wellewatz ward schon ungeduldig und sprach: „Liebste Frau, ich rate dir, werde ruhig und schreie mir die Ohren nicht voll, sonst werde ich andere Saiten ausspannen." Der König inachie nun dem Wellewatz allerlei Vorschläge, damit «r von Willwischen ablassen sollte. Er wollte ihn zum Hoftürken, zum Gene- ralisstmus, zum Theaterbirektor, zum Oberjägcrmeister machen. Wellewatz wollte nicht. Der König hängte ihm alle verflossene, gegenwärtige unb zukünftige Orden um den Hals. Wellewatz wollte nicht. Der König machte ihn zum Herzogen Watz von Wellenwurz. Er wollte nicht. Endlich sagte er: „Ich sehe, daß Er gar keine Ehre im Leib hat." Da ant- woriete der Wellewatz: „Rein, aber zwei Böckerknechte" — und erwischte die Prinzessin Willwischen beim Rockzipfel und zerrte sie der Stadt hinaus; weil sie sich aber gar so erbärmlich stellte, so ward der König auch auf sie zornig und schimpfte unb zankte hintendrein. Die ganze Stadt war in Auftauf. Der König aber sperrte sich mit seinem Rachdenker ein und ließ stark über seinen Unfall Nachdenken. Wellewatz packte vor dem Tore das Willwischen aus ferne Schulter und ging mit ihr querfeldein immer fort, fort, über Stock und Stein, durch Distel und Dorn, über Berg und Tal, und kam am Abend in einen dicken, dunklen Wald, n® sich die Wölfe „Gute Nacht" sagen. „Du magst wohl Hunger haben." sagte er zu Willwischen. „wackle, ich will dir' gleich etwas Süßes zu schmecken geben. Ich höre meinen Zuckerbäcker schon brummen." Willwischen zitterte und bebte, denn sie kamen zu einem großen Säten, der mit einem großen Bienenkorb unter dem Arm nach seiner Höhle spazierte. Wellewatz holte ihn bald ein und gab ihm eine Ohrfeige, daß er um und um fiel, dann riß er ihm eine Honigwabe aus dem Korb, wo alle Bienen und alles Wachs nach drin staken, und wollte, Willwisch.n sollte sie essen. Aber ihr schauderte. „Potz Leckermaul:" sagte der Wellewatz, „so hungere!" und fwß den ganzen Honigkorb allein aus. Willwischen aber aß einige wilde Brombeeren, die da herum wuchsen. Der Wellewatz packte sie wieber auf und sagte: „In einigen Stunden werden wir in meinem Schlosse Knochenrn b ankommen. Das war ein schrecklicher Name. Der Mond schien, der Wind wehte, und in den hohen Fichten klapperte es. „Das ist mein Lustgarten Klapperbach," sagte Wellewatz, „die Totengerippe, die da in den Bäumen rappeln, scheuchen mir die Raben weg; ich habe die Kerls alle selbst aufgezehrt und brauche keine Schwarzröcke dazu." — Willwischen mar vor Angst und Schrecken eine einzige Gänsehaut; sie zitterte so, dch der Wellewatz zu ihr sagte: „Klappere nicht so mit den Beinen, du kchelst mich, und wenn du mich lachen machst, so fress' ich dich vor Liebe ans. — Ach, wie stille hielt sich da Willwischen. End.ich tarnen sie an einen freien Platz im Walde vor ein wunderbares hohes Gebäude. Der Mond schien. Das Haus war nickst ganz ftrtiggebaut. 9(uf der linken Seite fehlte ein Turm, auf der rechten war es fertig. Es war nicht ohne Kunst gebaut. Lauter Totenbeine und Totenköpfe, die standen oben „herum, und weil die Haare noch auf ihnen waren, spielten diese recht schön im Wmo und sausten. Es war gar nicht so übel ausgedacht. WeAewat; blieb mit WillwisckMi auf dem Rücken eine Zeitlang vor dem Schlöffe in stiller Bewunderung stehn; endlich sagte er: „Wie gefallt dir bas. mein Schatz? Sieh, alle die Knochen haben meine Vorfahren uM ich selbst abgenagt, und mit welchem Geschmack sind sie geordnet! dös nicht modisch? Ist das nicht gotisch? Aber jetzt mein Schatz, M unserm Hoch.zeitsschmaus, da soll es so hergehen, daß der ganze J-trin auf dem linken Flügel mit den Knochen soll fertiggebaut werten. W gefällt dir bas, mein Schatz?" — „O Gott! entsetzlich schon . ieufete ®rtl- wischeu. Run führte er sie hinein; alles Knochen und alles Knochen. „Da ist dein Kabinett!" — sagte Wellewatz; ach! es war mit w Kinderknochelchen tapeziert! „Hier hast du was zu essen , faßte •!» watz; es waren lebendige Krebse. „Ich habe keinen Appettt .sagte üi - wischen. „Wird schon kommen," sagte Wellewatz und aß die Krebse ruhig hinunter, „wenn sie einen so im Magen mit den Scheren kneipen, f>9 er, „das macht Appetit. Aber gute Nacht, laß dir was Gutes träumen, ich will auf die Jagd gehen und Vorrat anschleppen. Morgen ww W meine Vettern ein, da soll Hochzett werden!" — und damit ging er I und schlug die Türe zu, daß der ganze Knvchenpalast eine halbe ®ni lang klapperte. ,,nll Willwischen war vor Schreck und Hunger und Jammer ganz i Sinnen, sie konnte es vor Angst nicht mehr in dem Hanse aushm , auch quälte sie der Hunger. Sie schlich zur Türe hinaus und setzte! m den Wald und ritz Gras aus und aß es und sagte einmal nbers > mal: „Ach Gott! warum heiße ich Willwischen? Ach Gott! wan> ich so neugierig? Ach! wäre ich wieder bei meinem Vater! JH ® in meinem Leben qar nichts mehr erfahren. O! wer hilft nur au» i schrecklichen Elend?" (Schluß Da flogen alte Fensterladen auf, und tausend erschrockne Gesichter guckten heraus, und die Sonne ging auf und schien dem Wellewatz in die Augen; da nieste er, daß die Fenster im Schlosse sprangen und die Scherben der Prinzessin ins Bett fielen. Weil ihm aber niemand: Zur Gesundheit! gesagt hatte, wurde der Wellewatz so böse, daß er das Steinpflaster aufrih und nach den Leuten warf. Endlich kam der König ans Fenster und wollte soeben wegen dem großen Lärm recht tüchtig zanken; aber als er den entsetzlichen Wellewatz vor Augen fach, wurde er vor Schrecken ganz sanft und sagte: .Mas tteht zu Seinen Diensten, mein Freund?" — Da antwortete der Welle- matz: „König Haltewort, rufe deine Tochter Willwischen herbei, ich will Re Haut erraten!" — „Es ist zwar noch ein wenig früh," sagte Halte- '->ori, „aber meinethalben, Er hat doch einmal die ganze Stadt aus den Federn gejagt." — Schon wollte der König zu Willwischen gehn, da am sie selbst; die Neugierde, was vor ein Lärm in der Stadt sei, ließ sie nicht ruhen. Als sie an bas Fenster trat, patschte der Wellewatz in hie Hände und lachte, bah die große Stadtmnhle vor Schrecken darüber stille stand. „Ei, potztausend, Büffelochsen!" schrie er, „welche schöne Prinzessin für eine Flöhhautl" Bei den Worten Flohhaut lief dem König der Angstschweiß von der Stirne, und in der Stadt lief bas Wort Floh-