SietzenerZamilienblätter Unterhaltungsbeilage zum Glehener Anzeiger Jahrgang (928 Samstag, Öen 24. Marz Nummer 24 Am Wasser. Bon Wilhelm Schüsse ». Das Schilf nickt leise und gedehnt Der Welle zu, die weiterjagt. Ich steh' an einen Baum gelehnt Und lausche, was das Wasser sagt. Ein Lied fliegt bunt den Weg entlang Und weht vorbei der Welle nach Mitsamt dem Munde, der es sang, Und immer weiter jagt der Bach. Das Schilf nickt her, das Schilf nickt hin, Und auch das Wasser spricht kein Wort, Es hat wohl weiter nichts im Sinn Als wandern, wandern immerfort. Pierre Grasiou. Novelle von Honorö de Balzac. Wer als ernsthafter Betrachter die Kunstausstellungen, die nach der Revolution von 1830 stattfanden, besucht hat, wird sich beim Anschauen der endlosen, überhäuften Galerien kaum eines Gefühls oder Uebehaqens und der Langeweile, vielleicht sogar der Trauer haben erwehren können. Seit 1830 gibt es keinen „Salon" mehr. Der Louvre ist ein zweites Mal erstürmt worden durch die Künstler: und sie haben es verstanden, sich dott zu behaupten. Die Zulassung zum „Salon" bedeutete ehemals für den kleinen Kreis, der in Frage kam, bereits eine hohe Auszeichnung, und über die bedeutendsten der etwa zweihundert Bilder, die ausgewählt entspann sich beim Publikum und bei der Kritik ein leiden- schaftlicher Widerstreit der Meinungen. Die Ueberflllle der Gemälde, vor die sich heute der Besucher gestellt sieht, erschöpft seine Aufmerksamkeit, und die Ausstellung wird geschlossen, bevor er aus der Menge das wenige Gute ausfindig gemacht hat. Statt eines Ritterspiels Haden wir einen Bolksiahrmarkt, statt eines künstlerischen Ereignisses ein lautes Warenhaus, statt sorgfältiger Auslese — alles. Was ist die Folge? In der Menge verliert sich das Genie. Der Katalog ist zu einem dicken Buche angewachsen, in dem mancher Name auch dadurch nicht bekannter wird Satz zehn oder zwölf ausgestellte Bilder dahinter aufgeführt sind. Unter allen aber an, unbekanntesten ist vielleicht derjenige des Malers Pierre nennt 0115 ®OU96rcs' bcn mim in der Künstlerwelt einfach Fougeres Fougeres wohnte 1832 im vierten Stockwerk eines jener hohen schmalen chäuser der Rue de Navarin, die aussehen wie der Obelisk von Luxor. Sie besitzen einen Hausflur, eine enge düstere, halsbrecherische Wendetrreppe, in ,edem' Stock nicht mehr als drei Fenster, und einen chof, der nicht mehr, als ein viereckiger Schacht ist. Ueber den drei aber vier Räumen, die Grassou von Fougeres be- lag ein Atelier, dessen Fenster auf Montmartre hinausgingen. .~lCi.77n^ .waren rot gestrichen, der Boden braun gewächst, auf jedem vtuhl lag ein gesticktes Deckchen, das altmodische Sofa war sauber wie das in, Schlafzimmer einer Krämerin. Alles ließ auf das wohlgeordnete 2,,aJ5tt?/inr6 fluten Bürgers von engem Horizont schließen. Das Atelier .Wt. außerdem eine Kommode zum Ausbewahren der Malgeräte, einen Mu Hs tucks tisch, einen Schreibtisch und einen großen Ofen, ferner die zum Drbiw erforderlichen Gegenstände. Alles dies roar sauber und in guter Eines Tages zu Anfang Dezember, dieses für den Porträtisten bc- l“*1® günstigen Monats, war Pierre Grassou frühzeitig aufgestanben, yane den Ofen angezünbet, die Palette hergerichtet, und wartete nun, »ag die Scheibm des Atelierfensters aUftauen würden, um das Tageslicht uugehmdert einzulasfen. Unterdessen verzehrte er gedankenlos fein Früh- fturf, ein in Milch getunktes Hörnchen. hfa von der Treppe her ein wohlbekannter Schritt. Als der Maler mst der Arbeit beginnen wollte, überraschte ihn Elias Magus, ^E>erhandler und Leinwandwucherer. ra vlter Halunke?" begrüßte ihn Grassou. Elias nahm ihn, L< ? Gemälde ab, das Stück für zwei- bis dreihundert Francs. Sie bedienen^' "n miteinander sich des sogenannten Künstlertones zu Geschäfte," sagte Elias. „Ihr Künstler stellt unverschämte ®e,nn i^r für sechs Sous Farbe auf die Leimvand kleckst, lind 1 v .. 9^Ech _ zweihundert Francs dafür. Aber Sie, Fougeres, kommen "^^""knger'Kerl. Darum lasse ich Ihnen auch etwas Gutes zu- kakeinisch^o Danaos et d°na ferentes," sagte Fougeres: „verstehen Sie „Nein." er Kunstliebhaber und Besitzer WWMLZN *• **" -** — „Nun und?" Tochün" fl'r$Um: 3rf’ brin'9e 2hven einen Vater, eine Mutter und eine »Alle drei auf einen Schlag?" „Meiner Treu, ja! Sie wollen sich porträtieren lallen Diele Kniefi M für NN. "n mit. Freuden!" rief Fougeres. meiner”" ° "C" bie 2'0t^ter t,eiri,ten- !° erinnern Sie sich hoffentlich »Und worin bestand fein Handel»" „In Flaschen." tna£™\ t,örw Die auf! Mir ist, als hörte ich schon Pfropfen „Darf ich die Leute Herdringen?" „Drei Porträts ... Ich werde sie in den „Salon" schicken Rrfi Kamen!"3 $wträtift€n übergehen. Nun denn, ”n ‘ Sottet Ser alte Elias entfernte sich, um die Familie Vervelle zu verständigen Werfen wir inzwischen einen Blick auf die Vergangenheit Pierre Grassous ' -c!n erniessen zu können, von welcher Bedeutung ein solcher mi'Jrf-9 Urfein~f°”.nte und welchen Eindruck das Ehepaar Vervelle mit feiner einzigen Tochter auf ihn machen mußte. . ®ei Servin, der in der Künstlerwelt Öen Ruf als Meister des Stiftes genoß, hatte Fougeres zeichnen gelernt und war dann als Schüler mi gegangen, um von ihm in das Geheimnis feiner wunderbaren emgeweihtzu werden. Aber der Meister gab feinem Schüler ""Hks von diesen, Geheimnis preis — Pierre entlockte ihm nichts Hier- aus besuchte er das Atelier Sommervieux, um die Gesetze der Komposition abeT sie blieben ihm ein versiegeltes Buch. Er ging zu Grauet hn^m9' Uni l^nen .Technik ihrer effektvollen Interieurs abzu- !A/n, doch vergebens, auch ihnen war nichts zu entreißen Endlich be- leine Studienzeit bei Dnval-Lecamus. Sein stilles ge- * Wei«n mürbe in den Ateliers zur Zielscheibe des Spottes, doch mb^^k seme Befchecdenheit und rührende Geduld bald die Kame- raden Bei den Lehrern fand er wenig Sympathie: sie bevorzugten das "bermutige, sprühende Temperament, oder aber den ernsten Eharakter der das Zeichen des Genies ist: bei Fougdres fanden sie nichts als Mittelmäßigkeit. „ ..Dein Sleußeres Entsprach feinem Namen, er war fett und plump mittelgroß von Gestalt und von blasser Gesichtsfarbe. Er hatte schwarze Haare, braune Augen, lange Ohren, eine aufwärts gebogene Nase und einen breiten Mund. Keinem dieser Merkmale feines gefunden aber ausdruckslosen Gesichtes verlieh fein mildes, leidendes, resigniertes Wesen '^ndwie eine besondere Bedeutung. Ihn beunruhigte weder das leidenschaftliche Drangen des Blutes, noch die Uebermacht der Gedanken, noch die mächtige Begeisterung, die das Zeichen der genialen Künstler find Geboren, ein ehrenwerter Bürger zu fein, war dieser junge Mann nad) Pans gekommen, um hier bei einem Farbenhändler Gehilfe zu werden: aber u, seiner bretonischen Hartnäckigkeit hatte er sich in den Kops gesetzt, Maler zu werden, Gott mag wissen, was er aushielt zuwege brachte, sich durch seine Studienzeit durchzudarben. Er durchlit die Entbehrungen der Großen, bie das Unglück verfolgt und die wie wilde Tiere von der Meute der Mittelmäßigen und der Neider verfolgt werden. Kaum meinte er auf eigenen Füßen stehen zu können, so nahm er em Atelier in der Rue des Martyrs und fing an zu arbeiten „m''3 laß ^ Finger!" Wein dcreund" [aqte b'ougeres, „mein Werk tjt vererrs oernneiu 1 vermögen. roirfelt Ä mehr muh auch das Schöne Gehalt haben, wenn es völlig ^'Ns «Schöne ist nach Kant „die Zweckmäßigkeit der Form, aber wahrgenommen ohne Vorstellung eines Zweckes Zwecknmbigkttt ohne Zweck die nicht, wie das Angenehme und Gute, eigensüchtiges Untere, e erweckt, sondern in freiem, uninteressiertem Wohlgefallen gefallt. De moderne Aefthetik, die Wissenschaft vom Schonen, nennt „schon me sinnliche Form und Erscheinungsweise, „die durch und durch bestimmt Mt Beurteilen w^Hauslstre aus ihre Schönheih so werden uns sreilich die Härten des Erwerbslebens zu der etwas schärferen Bttonung Zweckes führen müssen. Als die geistige Idee isdoch, von der Kant sp ch., können wir das Streben des Züchters betrachten, der Form den Stempel der menschlichen Tätigkeit auszudrücken, die den Tiertorper sur höhere Leistungen zu modellieren versucht. Und wenn es vielleicht noch manche Landwirte geben sollte, denen die Durchdringung der Schönheit mit dem Die Schönheit der Haustiere. '-lweck in der Erscheinung des Tieres nicht genügend zum Bewutztstm gelangt so müssen wir immmer wieder betonen, daß die Formen unter dem Gesichtspunkt des Zweckes und der L e i st u n g zu beuttellen sind. D« Ausdruck Schönheit hat mit Recht in den Kreisen der fortgeschrittenen Züchter Anklang gefunden, doch man verbindet damit heutzutage den Begriff der Ausprägung gewisser körperlicher Eigenschaften der Tiere un Sinne de? Zweckmäßigkeit und der Leistungsfähigkeit für bestimmte Rich- j tunqen der Nutzung. Nur so allein wird es verständlich, daß rmr bei den ' Pferden die Schwerathleten der Arbeit m ihrer Sonderart als so schon wie die Renner empfinden können, und daß uns Hunde aller Rasten, sowie Schweine, Rinder, Schafe, Ziegen und Geflügel gefallen, sobald sie ■ hip ’hhpp hes Züchters in ihren Formen vollkommen erfüllen. i sjgenn uns der Züchter als bildender Künstler erscheint, fa liegt es ! auch nabe zu fragen, wie es sich denn verhalt mit dem Scyonheitsbegrsts ; >n her Kunst Die Schönheit an sich wird etwas Ewiges bleiben, aber als WnnnTin der>u?st ist sie dem Wndael der ^t uneEtrftn. Von Professor vr. H. K r a e m e r, Direktor des Tierzuchtinftitutes der Universität Gietzen. nllaemeincn halten wir die Tiere für schön, wenn ihr Anblick unser Wohchesallen erweckt, und solche Wirkungen werden heroorgerusen durch Farben, Formen und gewisse Asuherungen des geistign Sebens. Wer für die Beurteilung dieser Erscheinungen kem Verständnis besitzt der ist sehr zu beklagen, denn es entgeht ihm unendlich viel an Scheinen und tiefen^ Eindrücken, besonders was die Formengestaltung be- 8 ft Und es kann deshalb 'nicht überraschen, daß auch die bildenden Künstler die den Körper von Menschen und Tieren zur Darstellung b aen in der Sehnsucht nach Klarheit über die Gesetze des Schonen, schon langst gewisse Richtlinien sestgelegt haben, nach denen biejSonn der pinjpinpn Teile des Körpers an sich und m Ihrer chezieyimg zu Uki. äs'» eines Kanons dienten noch immer dazu d°s Äuge ^iderfweitz unterstützen, und sie mögen auch stets zur Belehrung der «cymer: jener Bildbauer Maler und großen Kenner der Tiere beitragen. (Polyklet, Lemmrdo'daVinei, Michelangelo, Stirer, Pinter von der Aue, Bourgelat, der Zeichnung bist du groo und ungeschickt, ... — —„r, ■ bi;c h„ (SreuAe den zu verbessern du nicht berufen bist. Ais Schinner o Fehler desBilde/aufzählte, bemerkte er in den Zugen d«- Gngen -Raler den Ausdruck einer so tiefen Traurigkeit, daß er ihn zum Mitag.ssen em- Am^nächsten Tage"saß^FouMres schon um sieben in der Frühe vor der Staffelei und puisette an seinem verworfenen Bilde herum. Er ver- tipft» hi? fiatben beseitigte die von Schinner gerügten Mangel und arbeite? die Köpft bester heraus. Als ihn die Korrekturarbeit anwiderte, BÄ . BSff CHÄgfcS Nouvelle eine Gemäidehandlung. Das erste Bild, das Pierre Gm oracyie, bienen und tausend verbrauchen, damit kann man es west bringen. ^ Äm Kinde gefällt am besten, was sich dem Auge am ehesten auf. drä?qt die F°?be Den Jüngling fesselt die Form Der Mann o^ tonnt neben dieser auch Inhalt, Verkörperung von Gedanken. W e sich diese Entwicklung beim einzelnen Menschen vollzieht, und wie die Jugend- Mirpitprt her Menschheit entsprechend verschieden. Welche Gegensätze 8» schätzt er die Formen in rein sinnlichem Schönheitsempfinden, und aus AÄßlrlichk'eittn'^üvÄ Gewicht kfit Je°7mhr7ich abTr das 'Verständnis BISsSsBS Zweckinahigkelt m der AnpaMi'g an yre i empfind« de- ^chters ohne daß wi^- LzüZch zum Ottern geeignet- üerm°&n^Profrb uns trotzdem immer häßlich erschein«, I »ÄifeKSS ELMWWZN-M hic eso sum, quia non intellegor uni. „Auch die Leistung einer Maschinemit^rimmden per so häufig vergleicht, w'rd dem Zweck g^ ßt^ , fjnbeR M einem hervorragenden Werke über „»« ®ngrfgXhdt auf di. dogmatisch für alle Zeiten SZ« ^w^moschm^ b . Teile einem klaren, bestimmten Zweck« dienen dw 'n «yrer Belcbaffenheit und Formgebung, der Ausgabe, die ste 6 ' •„ und der jeweils vorhandenen Herstellungsmoglichkeit angepaßt 'st, dient ebenso das Beiwort schön wie pdes ^^^nschlichEzeu, das die gleichen Bedingungen erfüllt. Diese staunenswerte Sw & sich freilich nur dem ganz enthüllen, der den Zweck v g terial und Herstellung beurteilen kann. Lorbeha« Andere drücken sich allerdings in dieser Srage mtt meh V „us So sagt Behrens in einem Vortrag über „ftunij un es sei nicht zu wünschen, daß die Befriedigung, die du^ R Zweckmäßigkeit hervorgerufen werde, an die Stelle ider We te uns früher beglückt und erhoben haben. Aber auch er an die Werke des Ingenieurs einer bestimmten Schönheit map aber h« und daß wir uns auch bei einfachen Zweckbauten, vor all n den Maschinen, nicht eines gewissen ästhetischen Eindrucks z #. „ < iRiQ trot er mit seinem ersten Werk an die Dessentlichkeit. Das Sm Jahre 1819 trat er mr — eingereichte Gemälde stellte eine Baukrnboch est dar' und war eine wohlgelungene Nachahmung, des be- SSWWW BÄ««?« Ettola garantiert hatte. Grassou bat ihn, er möge das zuruck gew-. eene Nseiner Kritik unterziehe'n. Der große Maler am sosott von ftmer «*St 8sKVL?rS g • KU $SÄ ME Ä ÄÄilS'»“ « S? soj Th dir eine Schlafmütze über und kriech um neun Uhr ins. Bett tjeiu nter sind, eneti den 2 im Mch- den schön .. so- d sie st es -griff r als irfen. eni- oöllig aus- . ver- ie sich !gend- ferem Fort- Ansätze । dem aller« egrisse Stufen n den ictlung d aus : auf ändnis n auch nensch- henden sonnen sysiolo- Tieres, zweck- hter ist in dm St. Chamberlain, so äußert sich ferner Behrens, versteht unter Zivilisation alle Fortschritte des materiellen Lebens, die durch Ver- nuntt und Aufklärung, unter Kultur aber die geistigen und seelischen Werte die durch Weltanschauung und Kunst gewonnen werden. Es gebe immer Leute, die der fortschreitenden Technik nur zivilisatorischen Wert Mtneffen; die da bezweifeln, daß ihre Erzeugnisse auch die ästhetische Befriedigung schassen, die dem Kunstempfinden des Menschen entspringt. Wir müssen aber heute diese Ansicht allmählich doch als unzutreffend empfinden. Sie galt wohl nur in einem Kindheitsstadium des Menschen, in welchem man die Schönheit, die sich in der vollkommenen Maschine ausdrückt, noch nicht hinlänglich verstand; in welchem man beispielsweise bemüht war, unter Verwendung des ägyptischen, des jonischen, dorischen oder des gotischen Baustiles die Dampfmaschine in entsprechende Formen au bringen. Die geschmacklosen Zutaten, die man dabei nicht zu um- aehen vermochte, muten uns heute um so wunderlicher an, als schon Sarnes Watt das bekannte Wort prägte, es sei vieles erreicht, wenn man erkannt habe, was man weglassen könne. Heute läßt man glücklicherweise das Material sprechen, und je mehr der Zweck rein zum Ausdruck gelangt, um so schöner sind auch die Formen der Maschine. Und eines der ersten Gesetze der Schönheit fordert heute die Einfachheit der Formgebung und der Wirkung der Farbe. „Nicht die Baukunst", sagt Mat schoß, „sondern die ewig schöpferische Natur mit ihren Gesetzen hat auch den Dampfmaschinenbau zu der ihn heute kennzeichnenden ruhigen Formgebung geführt. Die beste Maschine wird zugleich auch die schönste sein." , Jeder unter uns," sagt auch Max E y t h in einem Vortrag über „Poesie und Technik", „weiß heute, daß wir schönen und häßlichen Lokomotiven begegnen; solchen, auf die wir nicht einen zweiten Blick werfen „nd anderen, bei denen uns das Herz im Leibe lacht. Worin diese Art einer Schönheit liegt, die keineswegs nur Maschinen eigen ist, ist schwer zu sagen. Die schönste Maschine, genau wie die schönste Rennstuie, ist stets die, bei der die äußere Form in möglichst einfacher Weise und mit möglichstem Hervortreten der physikalischen und mechanischen Gesetze dem Zweck entspricht, dem Pferd oder Mafchine dienen sollen. Um das her- auszufühlen, dazu gehört allerdings die erforderliche Kenntnis, ober vielmehr das aus der Kenntnis erwachsene unbewußte Empfinden, das, wo es sich um längst bekannte Dinge handelt, angeboren fein kann, das aber bei Dingen nuferes modernen Lebens erlernt, gebildet werden muß. Daran aber fehlt es außerhalb unserer Fachkreise in der sog. gebildeten Welt fast noch völlig, und deshalb ist es eitel, zu erwarten, daß diese armen Blinden die Schönheit einer Lokomotive, eines Webstuhles, einer Stoßmaschine sehen. Wir müssen und können Geduld haben, denn wir wissen: die Zeit ist nicht mehr ferne, wo auch sie sehen werden. Die Zukunft gehört uns." Wir glaubten diese stimmen hervorragender Männer der Technik etwas eingehender berücksichtigen zu dürfen, weil sich auch aus ihnen mit aller wünschbaren Deutlichkeit ergibt, daß der moderne Standpunkt den Begriff der Schönheit nicht zu sehr beengt wissen will, sondern daß alle künstlichen ober natürlichen Formen schon bann als schön gelten können, wenn sie bestimmten Zwecken in vollkommenster Weise an- gepaßt sind. Und so verhält es sich wohl auch ohne Zweifel in der weit Überwiegenden Großzahl der Fälle in der Zucht der Haustiere, für welche die Forderung der „Schönheit" des öfteren schon als unberechtigt ober selbst fortschritthemmend erklärt wurde, weil es an einer richtigen Auffassung des Begriffes der Schönheit in der Haustierzucht noch gefehlt hat. Wir streben auch hier nach der Schönheit, die als ein Ausdruck der höchsten Erfüllung des Zweckes, der höchsten Fähigkeit des Tieres zur Leistung erscheint. . denen cht ixend eiste Willen .pfinbtn gnet - cheinen. rwcmdt- zurück, ne Bil' ipflnben illig be< feil hier 51 Aber men sich steichsam igs von ■ mathe- bei der orfahren werden so bleib! 1er schm Barbar® hen Kör- Form«» iben wir if Schön- nebrachb choh i" Dampf t auf bk sich nW der aL mftoff,'« Illen hai- ist, wb rrzeugn'!- iheit wM und ^0' Vorbehs Tech-M - äuheP trete, ennt, bi« entbehr-"; । aber »el erwehr-" Alllag in der argentinischen Pampa. Von Hellmut G a st e I. (Nachdruck, auch mit Quellenangabe, verboten.) A u f S c e, März 1928. „Wer holt Wasser?" Eben haben wir uns hingesetzt. Wir sind müde und zerschlagen. Den ganzen Vormittag, feit Sonnenaufgang, sind wir paufenlos und gebückt reihauf, reihab durch das Baumwollfeld gelaufen. Haben überzählige Pflanzen ausgeriffen, vierhundert Meter hinauf, vierhundert hinunter. Die Zunge klebt uns am Gaumen. Wir haben den verdammt bitteren Gefchmack im Munde, wie immer an Norbwindtagen, unb werben ihn nicht los. Unsere Lippen ziehen gäben. Wasser trinken wir literweise. Unser Vorrat hängt in einem großen Blecheimer über unseren Köpfen unter dem schattigen Ranchovorbach unb geht alle kurze Zeit zur Neige. „Ist gar nichts mehr ba?" „Sein Tropfen!" , Wir fehen uns an. Jeder erwartet vom andern die rettende Tat. Aber niemand rührt sich. Der am wenigsten Dickfellige unter uns fühlt schließlich die vorwurfsvollen Blicke aller auf sich konzentriert. Das kann er nicht aushalten. Seife über unsere Faulheit schimpfend, verfchmindet er mit dem leeren Eimer dem Brunnen zu. „Mistvieh!" Auf dem Rand bet verrosteten Blechlatte, die jetzt voll über bem Brun- uenmunb schwankt, sitzt eine große, fette Kröte. Sie ist nicht sehr erbaut über die Trennung von ihren Dutzend Gefährten, bie noch unten sitzen; über den plötzlichen Lichtwechsel. Träge blinzelt sie in die Grelle der Mittagsstunde. Sie hat nicht lange zu leiden. „Hier ist frisches Wasser. Wer will?" Wir wollen alle. Also, gutes deutsches Brunnenwasser ist es gerade nicht, was mir da trinken. Es ist unklar. Manchmal stinkt es sogar ein bißchen. Eben nur aus einem zwanzig Meter tiefen (Srunbwafferbrunnen. Aber was macht das aus? Bei 45 Grad Celsius im Schatten, den es in der Pampa nicht gibt, ist man dankbar für jeden Tropfen. Wie heute: der Nordwind wirbelt unzählige weißglühende Pulverwolken über unseren Rancho. Die Augen brennen. Kopfweh. Er saugt uns das Mark aus den Knochen. „Malo viento“, jagen die Hiesigen, die halbindianischen Puesteros; „ein Grund mehr, möglichst wenig zu arbeiten und viele Male zu trinken." — Uns Kolomsten ist das leider nicht vergönnt. Unsere Arbeit eill immer, wir haben nie Zeit. Aber eins ist uns heilig: unsere Mittagsruhe. * „Was nützt Ihnen hier das Geld, wenn Sie keinen guten Brunnen haben?" — A und O im Kolonistenalphabet. Namentlich im wasser- und regenarmen Chaco. Der erste, der sich in unserer Gegend ansiedeln wollte, nannte sie Pampa del Infierno — Teufelspampa. Sie hat den Namen heute noch. Dieser Kolonist nämlich stieß bei seinen Bohrungen immer auf Bitter- ober Salzwasser. In Wirklichkeit hatte er natürlich nur Pech, denn er hätte zwei Meter weiter weg genau so gut Süßwasser antreffen können. Aber auch schon ber Gedanke, einmal nur vorübergehend „auf dem Trockenen" sitzen zu müssen, hat wenig Verlockendes. Sagen wir: Axtarbeit im Wald. Im Sommer. Du kriechst zwischen Dornbüschen herum, bis du den Baum gefunden hast, der dir für deine Zwecke geeignet scheint. Dann mußt du den Platz rings herum „ausräumen", damit du Überhaupt bie Axt schwingen kannst. Der Boben ist bicht mit Kakteen bewachsen: die feinen Nadeln stechen durch die Alpargatos — die Stossschuhe. Paradiespflanzen zerreißen dir derweilen die dünnen Hosen und kratzen dir bie noch bünnere Haut blutig. Das Hemb hat man schon vorher ausgezogen. Weshalb dies miserable Gewächs — die schilfartigen Blätter sind gezackt und haben Dutzende von langen, hakenartigen Stacheln — ausgerechnet Parabiespflanze genannt wirb, mar mir immer unerfinblich! Schließlich kann man an das Niederlegen des Baumes selber gehen. Wie groß ist deine Freude, wenn er dir im Fallen in der Krone eines anderen hängen bleibt! Ich sage dir, du lernst das Fluchen. Zunächst trinkst du jedoch, beschaust dir die Bescherung einige Minuten, schwitzt nebenbei in Strömen. (Wenn dich derweilen keine durstigen Honigbienen entdecken, kannst du von Glück sagen. Die wirst du nicht mehr los. Da kannst du ru' ) einpacken und nach Hause gehen.) Du fällst also den anderen Baum, um den ersten zu retten. Alle beide rasseln mit tödlicher Sicherheit in das Unterholz, wo es am dichtesten steht. Herrgott, ist das einmal ein Glück. Die Ausräumerei geht von vorne an. Die Sonne glüht über den Bäumen. Kein Luftzug geht. Sein Vogel singt. Das Trinkwasser in ber Zehn-Liter-Flasche steht im Schatten. Aber nach ber ersten Stunbe ist es warm, unb nach ber zweiten schon heiß. Balb kannman Eierdarin kochen. Solange es wenigstens noch ba ist, geht's. Wirb es weniger unb weniger, erlahmt deine Energie. Du denkst zwischen den Axtschlägen nur noch an den Moment, in bem die Flasche ganz leer sein wirb. Du fängst zu sparen an, zählst bie Schlucke und spülst am Schluß nur noch den Mund aus. Mit bem letzten Tropfen legst bu die Axt weg; du kannst nicht mehr. Ohne Wasser. E , Einmal fiel in unseren Brunnen eine fremde Kuh. In der arbeitsfreien Mittagszeit. Wann sonst?! Unb weil an diesem Tage schon alles schief gehen muhte, mar auch kein Trinkwasser mehr im Haus. Stunden unb Stunben arbeiteten wir im Schweiße unseres Angesichts. Senkrecht brannten bie Sonnenstrahlen. Unter unseren Füßen burch bie bünnen Sohlen hinburch brannte auch ber Boben. Es war weniger ber Kuh wegen. Sie gehörte uns nicht. Aber unsere Ziehvorrichtung war gestört, solange sie ba unten lag. Aufgeregt rannten mir hin unb her, schleppten Balken, gruben Löcher, improvisierten Winden, legten uns von Zeit zu Zeit auf den Bauch unb schauten in ben Brunnen hinunter. „Sie lebt noch", — tobt, brüllt, rumort unb hält ben Kopf krampfhaft über ben Grunbwasserspiegel. Der mar bamals recht hoch. Einer von uns läßt sich zu ihr hinunter. Es ist keine sehr angenehme Begegnung, denn bas liebe Vieh stößt mit ben Hörnern, statt bah es sie in die Schlinge des mitgenommenen Stahltaues hineinsteckt. Aber es glückt. — Wir brachten sie lebend ans Tageslicht. Gott, war das eine Arbeit. Und was waren wir durstig! So schnell hatten mir noch nie den Wassereimer unten und oben. Zu britt zogen mir am Seil. Zu britt stürzten mir uns auf ben lange entbehrten Trank. In dem schwamm allerhand herum. Mit einer einzigen fischenden Handbewegung befeitigten mir bas Gröbste. — „Das Wasser ist mirklich ausgezeichnet", sagten mir bann befriebigt. -4- „Ist bas Essen fertig? Laß mal probieren!" Ein Blechlöffel fährt in den großen eisernen Topf, ber auf drei Beinen über dem offenen Feuer vor dem Rancho steht. Polenta. So geht das jetzt schon seit Monaten. Morgens, mittags unb abenbs: Polenta. Weil wir nichts anberes haben. Erst bie nächste Ernte bringt uns roieber etwas Gelb. Wenn sie es tut. Wir essen unseren felbftgebauten Mais. Der kostet nichts. Unb bas macht es noch einigermaßen erträglich. „Das Zeug ist noch hart! Legt boch noch ein bißchen Kleinholz rum. Wir müssen jetzt balb essen. Die Sonne steht schon reichlich tief heute!" Irgend jemand unter uns spielt immer ben besonders arbeitsfreudigen Mahner: mal ber eine, mal ber anbere. Schon um ben Schein zu wahren. Denn im Grunbe genommen pressiert es uns allen gar nicht. Diese Tage Heben mir nicht, wenn bie Sonne morgens als glutrote Kugel über ben fernen Walbranb klettert, im Dunstkreis einer von Staub erfüllten Atmosphäre. Mit ihr steht gewöhnlich ber fatale Norbwinb auf. Von Stunbe zu Stunbe wirb, er heftiger. Wir haben uns bie Mittagszeit herbeigewünscht. Oester als gerabe notmenbig, sahen wir nach ber Uhr, dem Schatten, ben unsere eigenen Gestalten warfen. Wir finb glücklich, bah mir jetzt ein wenig Ruhe haben. Mag ber Polenta ruhig noch eine Weile t0C^eSber, bitte, immer umrühren! Nicht anbrennen lassen! Alles, nur das nicht!" — Wie bas so ist ... Jrgenb jemand — mir verwünschen ihn aus tiefstem Herzen zu allen Teufeln — meldet da: „Der Hengst eitert!" Da ist nichts zu machen ..Wo ift er?" — „Am Brunnen." Gottergeben stehe ich auf, lange mir ein Halfter vom Haken. Mache mich auf den Weg Hoffentlich läht sich der Kerl so fangen. Er hat's aber anscheinend nicht im Sinn Er hat seine Stuten mitgebracht, und fiir die interessiert er sich begreiflicherweise mehr des toten Bildes in lebendes drahtlos oder durch den Draht weitergeben er ob. * Derantwortlick: Dr. Hans Thyriot. — Druck und Verlag: Brühl'fche UniversitätS-Vuch- und Dteindruckerei, R. Lange. Ziehen. könnt«. Denn wenn dem Auge ein« bestimmte Anzahl Bilder in der Sekunde hintereinander gezeigt werden, — wie es z. B. im Kino geschieht — so kann es diese nicht mehr einzeln aufnehmen, sondern hat den Eindruck einer zusammenhängenden Bewegung. Wenn man sechzehn Bilder gleichen Augenblick folgen zu können ... Die Fabel wird herniedersteigen zur Erde und Wahrheit lvewe • Aber bis dahin werden wir noch etwas Geduld benötigen. ti[5 für mich Viermal fahre ich mit der ganzen Bande um den Brunnen 1 wäre damit nicht mehr und nicht weniger erreicht, als daß inan statt herum Karussell, durch den aufgewirbelten Staub. Dann bekain der Hengst x"' X"’k+M" nX-" x’"-k 'n~'kt —lkl—r- anscheinend Mitleid mit mir, blieb stehen. Senkte den Kopf. Er hatte sich vor einigen Tagen am Stacheldraht geschnitten. Die Fliegen sind in der Wunde, die wirklich nicht schön aussieht. Ich führe ihn zum Haus und mit «in wenig Kreolin, das ich in die Wunde tröpfele, ist der Schaden rasch behoben. Morgen muß ich ihn wieder nachsehen. Mit lautem Gewieher schiebt Auch aus Amerika kommt die Nachricht, daß dort das Fernsehen tai- sächlich bereits gelungen ist. Mit einem von der Bell Telephon Co. ausgearbeiteten Verfahren wurde ein Vortrag zwischen Neuyork und Washington derart übertragen, daß man dabei das Gesicht und alle Bewr- gimgen des Vortragenden sehen konnte. Ebenso wird in Deutschland intensiv an dieser Erfindung gearbeitet; hier ist es bsonders die Gesellschait Telesunken, welche dieses Gebiet bearbeitet, mit dem Grafen Arco an ihrer Spitze, und dem Leipziger Professor K a r o l u s, der bahnbrechende Erfindungen hierfür gemacht hat. Es kann kein Zweifel sein, daß die praktische Durchführung des Fernsehens unmittelbar beoorsteht. Ein phantastischer Ausblick eröffnet Ich. Wie wir heute schon die klingend« Welt mit Hilfe des Rundfunks in MN Raum locken können, wie wir gelernt haben, mit unserem Ohr den Erdball zu nmspanen, so wird der Bereich unseres Auges in gleicher Wie erweitert werden. Zunächst wird man überall dort auch gleichzeitig scheu können, wo man jetzt im Rundstink hört; auf einer Projektionsfmche wird die Opernauffuhoung aus Wien oder Prag, das Bild des Sprechers aus Moskau, das Bild des Staatsmanns aus England, der auf einem Augenblick unmittelbuc Bankett spricht, in aller Lebendigkeit, wie es im ’—„-------- sichtbar ist, erscheinen. Das Wunderbarste aber wird sein, daß man von seinem Zimmer aus ganze Reisen in andere Länder, ja in die fermt»1 Erdteile, wird unternehmen können. Irgendwo in Afrika wird em v»r- schungsreisender eine Expedition unternehmen und dabei gleichzeitig einen Apparat mit sich führen, der di« sichtbare Wirklichkeit, wie sie sich ihm dass bietet, weit in die Ferne sendet. Denn in gleicher Weise, wie heute in)0“ im Rundfunk das Mikrophon beweglich geworden ist, so daß man e» an jeden beliebigen Ort transportieren und alles Hörbare von dort n>eu«- leiten kann, wird auch die Apparatur des Fernsehens von einem ° - stimmten festen Gegenstand zu lösen und frei bewegbar sein. JrMS" in Indien, in Java oder auch an jedem beliebigen anderen Punkt« o Erdoberfläche wird di« Aufnahmeapparatur durch das ganze CnnD se führt werden können, und wir werden in der Lage sein, diesen Regen in der Sekund« telegraphieren könnte, so wäre damit di« Möglichkeit gegeben, eine kinematographische Vorführung telegraphisch mit oder ohne Draht in di« Ferne zu senden und dort in der gleichen Weise aufzunehmen. Das wäre die Fern-Kinematographie. Diese sechzehn Bilder in der Sekunde aber brauchten nicht von einem Kinomatographen auszugehen. Jeder beliebige optische Eindruck, also auch der eines sich bewegenden Menschen, einer Theateraufführung usw. kann durch sinnreiche Apparle derart zerlegt werden, daß er eine bestimmt« Anzahl zusammengehöriger Einzelbilder liefert. Wenn nun diese telegraphisch weitergegeben werden, so bedeutet das die praktische Verwirklichung des Fernsehens. Diese ist in dem Augenblick vorhanden, wo di« Geschwindigkeit der 'Bildtelegraphie bis zu der besagten Grenz« „Ist Bill am Brunnen?" Wir sehen hinaus. Hoffen irgendwie, er möge'nicht da sein. Das kostet uns wieder eine halbe Stunde unserer Mittagszeit. Aber Bill ist natürlich da. „Fangen, ich muß heute Nachmitt »g wegreiten!" Bill ist ein Beest. Zu Fuß tu der Pampa hinter ihm herlaufen, ist zwecklos. Auch Salz verfängt bei tiefem gerissenen Knaben nicht mehr, seitdem er einmal darauf hereingefallen war. Für Fülle dieser Art haben wir in einem besonders eingezäunten und mit Futtergras ein- gesüten Platz — dem Portrero — ständig ein Dienstpferd, das wir täglich wechseln. Zunächst wird das einmal gefangen und gesattelt. Es kann los- aehen. Bill muß in den Coral. „Hoho, Bill, hoho!" Bill hört feinen Namen und weiß, was los ist. Läuft weg, was er laufen kann. Weg von den anderen Pferden am Brunnen, in die Pampa Reiter und Pferd verschwinden am Horizont. Kilometer aus Kilometer in Karriere. Bill kann laufen. Dem Reiter hinterher bleibt die Luft weg. Bill kann auch wenden. Der Reiter hinterher kann das nicht so schnell. Schießt noch einige zwanzig Meter geradeaus. Die hat Bill wieder gewonnen. Dann rutscht der Sattel. Zur Abwechselung. Absteigen, Sattel- j decken neu auflegen, die Sattelriemen anziehen. „Esel! Wenn er Bill von Anfang an mit den anderen Pferden zusammen in den Coral getrieben hätte, würde er sich die Arbeit erspart haben. Daß er das nie begreift!" Interessiert und mit ein wenig Schadenfreude folgen wir der Jagd, die sich nach einer halben Stunde wieder dem Brunnen nähert. Allerdings erheblich langsamer. Schwarz das Pferd — von Schweiß. Naß der Reiter, zum Auswinden naß. Bill etwas müde. Ausgeregt wirft er den Kopf hin und her. — Jetzt steht er an einem Zaunpfosten angebunden in unserer Nähe. Knirrscht zufrieden im Maisbeutel. Sein Verfolger versorgt sein Pferd, wäscht ihm den Rücken ab, dann sich selbst. Aber die Mittagszeit ist um. Wie das so ist... Vierhundert Meter geht es hinauf, vierhundert hinunter. Reihe um Reih«. Pausenlos und gebückt. Durch das Baumwollfeld. Bis die Sonne fällt. Der Nordwind hat in den letzten Stunden nachgelassen. Die Schwein« müssen gefüttert werden, frisches Wasser bekommen. Einer steht, schon im Zwielicht, am Holzstoß, und hackt etwas für die Abendmahlzeit zusammen. Die Milchkühe warten am Coral. Die eingesperrten Kälber bähen hungrig nach ihren Müttern. Das Feuer auf dem offenen Platz wirft seine Schatten an di« Ranchowand. Wir rücken heran: da steht auch schon der eiserne Topf. Niemand fragt, was drin ist. Polenta. „Dreh mir' «ine Zigarette!" Irgendwo in der Mondlicht überstossenen Ebene verklingt das Klappern jagender Pferde. Heber uns der tropisch funkelnde Sternenhimmel. Kreuz des Südens! Wahrhaftig: Kreuz des Südens. Aber diese Nächte ent- . schädigen für vieles. Neues vom Fernsehen. Von Frank Warschauer. Fernsehen — das ist ein Wort, welsches noch vor kurzem völlig und ausschließlich in den Bereich der Fabel und des Märchens gehört«. In dieser Zeit gibt es mehr solcher Begriffe, di« aus der Sphäre des Traumhaften und Unwirklichwunderbaren plötzlich herabsteigen in bi« des Möglichen und Nüchterngegenwärtigen; nicht anders, als wenn plötzlich ein Gott aus der griechischen Mythologie den Olymp verließe, um ein wenig auf der Leipziger Straß« in Berlin spazieren zu gehen. Wenn ich mich dort eines Abends dem Gotte Hermes ober Jupiter gegenübersehen würde, wäre es im Grunde nicht merkwürdiger, als daß ich jetzt den Titel „Fernsehen" als etwas Sachlich-Nahes hinfchreibe; schon sprechen die Techniker davon, als wäre es eine Selbstverständlichkeit; und ist doch von all jenen Zaubereien, mit denen die Technik uns überschüttet, diejenige, von deren Erfüllung die Menschheit in ihren Märchen- und Wunsch-Dorstellungen am leidenschaftlichsten geträumt hat. Schon ahnen mir die Generation, die sich nicht mehr vorstellen kann, daß man überhaupt jemals ohne Fernsehen gelebt hat; uns aber ziemt es, das Pathos dieser Zeitspanne zu empfinden, die durch das Tor ihrer fabelhaften Erfindungen in eine neue Epoche führt. Das technische Problem. Eigentlich ist es gar nicht so kompliziert, wenn man nämlich den gegen- wärtiaen Stand der Technik als Maßstab zugrunde legt; ja, man kann sogar'in diesem Zusammenhang — welche Kühnheit ist das eigentlich — bas Wort „einfach" gebrauchen. Die Bildtelegraphie ist aus dem Stadium der Versuche in das der praktischen Verwendung gerückt; sie ist seit kurzem zwischen Berlin und Wien durch die Post offiziell eingeführt. Dild- telegraphie aber ist der erste Schritt zum Fernsehen. Dies wird aus der folgenden Ueberlegung leicht verständlich. Die telegraphische Uebermittlung eines Bildes erfordert gegenwärtig eine Zeit, welche nach Minuten gemessen wird. Angenommen, dies wäre nicht der Fall, sondern es wäre möglich, Bilder im Bruchteil einer Sekunde, sagen wir etwa in ein sechszehntel Sekunde zu übertragen, so gesteigert ist. Der Mann, der im Dunkeln sehen kann. Wie bei allen derartigen Erfindungen, die man sich heftig wünscht, gibt es auch hier genug Gerüchte und vage Angaben, deren Glaubwürdigkeit in Zweifel zu ziehen ist. Der englische Erfinder Baird aber hat kürzlich vor der englischen Naturforschergesellschaft demonstriert, wie weit er es aus diesem Gebiete gebracht hat. U. a. hat er bei einem Telephongesprä'ch zwischen London und Glasgow sein Gesicht an der Empfangsstation sichtbar werden lassen, nicht als ein feststehendes Bild, sondern in allen Bergungen und, wie Augenzeugen berichten, mit zahl- reichen charkteristischen Einzelheiten. Das Verblüffendste vielleicht an seiner Erfindung ist, daß di« Per- sonen und Gegenstände, welche auf die Entfernung hin gezeigt werden, im gleichen Raum überhaupt nicht sichtbar sind. Baird arbeitete zuerst im Aufnahmeraum mit einer grellen Beleuchtung, deren Schärfe die beteiligten Pesonen notwendig stören mußte. Allmählich aber erwies es sich für ihn als zweckmäßig, nicht mehr biejenigen Strahlen zu verwenden, die dem Auge sichtbar sind, sondern solche, die eine größere Wellenlänge besitzen und als Träger der Wärme bekannt sind, die sogenannten ultraroten Strahlen. Da bewegen sich bei seinen Versuchen Personen in einem stockdunklen Laboratorium — und im Nebenzimmer an einer Projektionsfläche ober an einer viele Kilometer entfernten Empfangsstation kann man sie erblicken! Es wird sogar behauptet, daß sein« Apparatur demnächst in Massen hergestellt und ins Publikum gebracht werben soll. Sieben Sender und ein Bild. Auf eine andere Weise versucht ein dänischer Ingenieur namens Dr. Akexandersohn das Problem zu bewältigen. Er geht von der Ansicht aus, daß hier erforderliche Höchstgeschwindigkeit bei der Uebermittlung von Bildern am ehesten dann erreicht tuerben kann, wenn die Bildfläche in eine Anzahl kleinerer Teile zerfällt, deren jedes einem eigenen Sender zur Uebermittlung übergeben wird, während an der Empfangsstation das Bild wieder als ein Ganzes zusammengefügt werden muß. Danach hätte sich die Ausgabe insofern vereinfacht, als jeder einzelne Sender nur den siebenten Teil jener vorhergenannten Höchstgeschwindigkeit zu erreichen braucht. Demgemäß verwendet Dr. Alexandersohn sieben gleichzeitig arbeitende Sender. Ein« weitere Vereinfachung schafft er sich dadurch, daß er die Lichtwerte des zu übertragenden Bildes, welches naturgemäß hell« und dunkle Partien hat, in fünf verschiedene telegraphisch mitteilbare Zeichen um setzt, deren Uebermittlung Verhältnis- mäßig einfach ist. Blick in die Zukunft.