SietzeiierLamilienblStter Nummer 85 Herbstliches Sonett. Von Edmund Finke. Oh, war das schön, mit dir, mein Herr, tu gehen HeAst hob Fackeln in den sanften & Gold der Birken war ein leises Wehen, und leuchtend, schmal wie eine Krone lag der ganze Glanz des Tags in deinem Haare. In tiefes Schweigen sank die weite Welt und war das Heilige und Wunderbare, das Gott in seinen lieben Händen hält. Daß diese Tage wie die andern enden, versteh ich nicht und kann es nie verstehn, daß sie uns aus den müden, armen Händen wie welke Rosen fallen und verwehn... Oh, einmal möcht ich mich wie sie verschwenden und untergehn... Graue Wolken, Herbstzeitlose, Hagedorn. Von Johannes Schlaf. ^aue Wolken ziehen am bedeckten Himmel hin. Es geht ein h^a'n^P^ane fla<’-7CIUC Jie^n'eud,te rieselt hernieder. Ohne den Staub des Weges zu laichen, den du mitten zwischen den abgeernteten Feldern hmschreitest. Es hat seit Wochen nicht geregnet, jetzt aber hat sich b^r H^rnei bezogen, und es ist so recht ein stiller grauer Tag. Doch nicht ohne daß hinten am Horizont, von Nebeldünsten halb verwischt, eine Reihe ganz blaß lachs- wohl.auch rosafarbener Haufenwolkengebilde stände, mit einem Strich blassen Blaus darüber. '’ Laß dich ein wenig von dieser Melancholie anstecken. Du wirst finden daß auf ihrem Grunde eine ruhige, ausgeglichene Heiterkeit ist, die mit ii°rem, sehr empfänglichem Auge noch soviel Schönes sieht. Alles ist verdorrt und verstaubt. Die Stoppel- und andere Brachfelder deren graubrailne Erde mürb ist und Risse hat, der Weg, die Wegbäume! b!f ^fgrander und die beiden Gräben an ihnen hin, alles Gekraut und alle Blumen fortgedorrt, wie versengt und von Staub überweht. Doch die bb? Tages, die leise rieselnde Feuchte tut gut. Und was bis iüberstanden hat, tritt um so besser und deutlicher hervor und sagt ivin «LüOri. ° Hub bo ist noch manches. Die noch bunkel-, schwärzlich-grünen Vrom- beerranken mit den schwarzblauen, manlbecrartigen Kügelchen ihrer Fruchte drin; rind da lind zähe Büsche! von blauem Wegewart; hier und da LD'stelgestrupp nut seinen karminroten Blütenköpfen; vereinzelte kleine schwefelgelbe Blumen, wie kleine Lrchterchen im Grau des Tages: und mit einem Male ein -vümpelchen von kleinen grauen Stengelchen mit sehr Wuchtend weißen, wolligen Flöckchen; ein einsames Gestäud der I roten Flockenblume; Schafgarbe mit ihren gefieberten Blättern, bie wie ,»ka-?9rune Holster beisammen sind im fahl versengten, staubigen Gras en Golßen Blütendoldchen, manchmal auch ein blaß-rötliches da- cn; !!n llanzes Heer von schön rotbraun verdorrten Weaerichrispen- SLa6. -zu 'vM;l sogar noch eine kleine, zwar kümmerliche, aber sehr rot hervorleuchtende Klatschmohnblüte. Und es treten wohl auch alle möglichen, I fu;Vter ilze!J' ober widerstandsfähigen Kräuterchen hervor mit wundersam S" ^f-ederten und filigranartigen Blättchen, von der unverwüstlichen Evauer des Lebens zu zeugen. I (• ss.u'lelb von denen die Grummeternte eingebracht ist, die matschig I Nebel stehen, bin ich bei den Herbstzeitlosen. Das K.« bc Grün der oben vom Sensenschnitt eckig abgestumpften Gras- I öfi« ' J1”, k>enen zahllose, mißfarbene graue Wasserperlchen hängen, I miA bte lucitc; stach etwas ansteigende Breite hin. Nicht eine Spur von ! aua; nur bem bescheidensten Blümchen mehr. Wie ist das trostlos! j «oer da ist die Herbstzeitlose, die Herbstzeitlose. w aa u,lb da vereinzelt. Sie mehren sich gegen Stellen hin, wo sie ! 3e^.2:rupp§ und dann in ganz großen Flecken stehen. Biele sind ge- Aln-n bangen hernieder, viele auch liegen gänzlich zermatscht im Grase. | ’tnb Luvderte und hunderte, die noch aufrechtstehend ihren feinen, °ntro-Katen. Schimmer über die Breite hin weben. | tn .,ben}. Kreise, den der dicke Nebel freiläßt, ans ihm hervor- | farh»«en°' U1..- n stlnein sich verlierend, all diese vielen blaßrosa- und lila- I M'.sterhaften Flämmchen auf ihren wie durchsichtig-weißlichen, I Unbba6 bem faktischen Dahinsterben sich hervorhebend! | * iaufr e??irle glänzend blauer Himmel ist über der Welt, und es I alten kahle Berghöhe, an deren Rand ich neben einem einzelnen I en Dornbusch stehe, herzhaft ein sturmähnlicher Wind. I Unterhaltungsbeilage zum Eichener Anzeiger Jahrgang 1928 Dienstaq. den 25. I sin K-nb^et Bergrücken hin, ein mächtiger Wall von I herbstlichem Edelrost, den die Sonne wie Bronze glänzen mackt mit darin^Necken und hier und Lmitä I sl * aber liegt, von den gelben Bändern der Stoppelfelder Ötzen I grünen der noch nicht elngeernteten Futterrüben, den braunen des I gestreift, zwischendurch durch Wiesen hingeschlängelt der kleine ftluft Ästchen wmen Bäumen und in einer Mulde bas Gefnede eines DoB I ?as Tal. .Klein wie Spielzeug sehe ich Leute auf Kartoffelfeldern beschäftigt' | ?ehe, in ihren Abstanden, lichtgraue Fleckchen, die prall aefüllten Gnrtnff.ri SStä? Wl-gon mit den beiden Pferden davor auf den ße gelaben werben I 'Ä trber den zarten, grellen, hellroten, kleinen zuckenden manchmal I auch hoch au,zuckenden Flecken der Flammen den weißlich gewölkten Rauck Jk ft1 'Uksteig-N' dfe^e°rbkanillwkrdeA ßÄÄSÄÄV1*b“ * ft® S ftfW «Ä45U» J., * I noch viel altert' tiOn ber arsrühen Steinzeit her; und vielleicht ist es „Aus den Wassern, ber Mutter, steigt er auf zu Anfana des Tao-« I ompor am Himmel zu seinem mittäglichen Höchststand, geht^dann nieder^ w-ts, .mb versinkt am Abend in den Wassern, geht e?n in die Mutt« I b^,^r ^ommt und zu ber er geht. Unb so auch erhebt er sich zu Anfang I übet ben genauen Punkt der Winterwende hinweg, im kleinen I Bogav, winen L-tand!vmkel vorschreitend vergrößernd, bis zur ersten Taa- undnacktgleiche dann Über sie hinaus zu des Jahres Höhepunkt und von erst und v^.se.nen Winkel wieder bis zur anderen Tagundnachtgleiche InL » b'eser wieder zur Wmterwende, seinem Eingang in die Wasser zu" Bahn° wiedergebören, von neLm°sich zu erheb/n I <„• ^CotC nidd' daß es der Sonnenball wäre: es ist der Lebendiae der in geboren^ «'borene und dann 'wieder- WWVKL'SL SiEÄS?» I M u»me§&ar die beiden Momente zu beiden Seiten des genaue» feines Eintauchens in den tiefsten, dunkelsten Abgrund der^Wend " iobe8n/d1tnehn?r8em h em/s b,e ^efste Nacht des Jahres und lerne eigene' I ’ ?C Gott mit dem Dorn, der siegreiche Töter des ewigen | krachens, und von hier erhebt sich sein ewiger Lebenssieg. Krokufslammcheii grüßen seinen ersten Aufstieg: aber ein Schauer des fev"“ d!-"- ”«"■»«« d-- Bedenklicher Fischzug. Von Robert Neumann. ' . . Hon der Diele führt eine Falltür auf eine Treppe — eine Kellertreppe wie siesich auch nt einem deutschen Bauernhaus finden mag. Nur daß sie hier ins Wasser führt, unmittelbar ins Wasser, ins Meer zu den SRnnten Anstoß Kawa?"ae^ b" pö,3ernep ^ferhäuser des uralten Türkendorfes' Anstoli Kawak, gelegen auf ber asiattschen Seite bes Bosporus, ein paar /prDwetes fer Oeffn“n9 des Schwarzen Meeres. „Wir können fahrem saUf8e^8en ^ielal r®ffenbi' der Hausherr, Gemeinderat Gastfreund, ber mich zum Tarif ber ersten Hotels von Pera für eine Nackt in Haus und Obhut genommen hat, da ich den Abenddampfer nach Stambul versäumte. Zu ihm und mir springt noch sein sechzehnjähriger Sohn ins häat'iinä Mntfna.®U0{Hnfa Heck leicht aufgekrümmte Sandal ^-ns lautlos in die Schwarze hinaus, wo uns schon ein anderes, etwas größeres Boot mit vier Mannern erwartet. Ein paar halblaute Worte und dann gleiten die beiden Fahrzeuge nebeneinander um den Uferfelsen ms freie Wasser vor und nordwärts gegen das Meer. ” Es ist in der Tat der Mond aufgegangen. Hinter den mächtigen Trümmern der Genuesenburg, die vor achthundert Jahren die Wasserstrane gement hat, hinter den Resten der Wegelagererfestung, unter deren Schutz das Dor hier entstanden ist, steht die weiße, blasse Scheibe und legt ein breites flirrendes Lichtband Über die Wellen. 9 a. halten uns dicht am Ufer, rudern zu britt, und haben doch wenig Fahrt. Es ist so, daß eine gewaltige Strömung Tag und Nacht vom Schwarzen Meer her durch den Bosporus streicht — ein Oberflächenstrom, dem Gegenstrom schweren, salzgesättigten Mittelmeer- Wassers zuwiderlauft. Es dauert fast eine Stunde, bis wir unser Ziel erreicht Prachtvoll ist die Küste. Gigantische Felsen springen in die Wogen. Die zornige See umtobt und peitscht sie, und eintönig und in gemessenen Pausen seufzt die Brandung. Davor, unermeßlich, die blaue Flut des Tyrrhener Meers. Zur Linken das zackige Eiland Capri, die Sphinx, die den Eingang des Golfes von Neapel bewacht. Klar und deutlich liegt der zweigipflige Vesuv, über dem Krater eine Rauchwolke zeigend. Wir sind hier in Vulkans Schmiede, wo die Fumarolen gleich verdammten Seelen an zerrissenen Abhängen hin und her zu irren scheinen, flüssiger Schwefel aus der Tiefe quillt und wo es aus hohlem Erdreich leise, aber drohend grollt. Im geodynamischen Observatorium an der Salita Quisisana werden die Erderschütterungen beobachtet und registriert, die Ischia so ost Heimsuchen. Auf dieser Insel der Erdbeben fesselt am meisten der Monte Epomeo, der uralte Unheilstifter. Von Porto d'Jschia kann man in drei Stunden seinen Gipfel ersteigen. Nach etwa einer halben Stunde erreichen wir in Höhe von 200 Meter das Dorf Fiaiano und den erloschenen Krater des Arso, dem eine Piniengruppe malerischen Reiz verleiht. Welch eine Landschaft! lieber chaotisch durcheinander geworfene Felstrümmer und Lavaströme hinweg geht es durch Heidekraut und an mannshohen Ginstersträuchern vorbei. Selbst das spärliche Gras hat die aschgraue Farbe des Gesteins, in dem es wurzelt. Neue Lavamasfen wechseln mit vulkanischem Tuffstein ab. Die ganze Vegetation trägt den Charalter des Verkümmerten und des ewigen Kampfes mit den feindlichen Mächten des Todes. Das alte Kloster San Nicola unterhalb des Gipfels ist von seinen Mönchen verlassen. In den nackten, verräucherten Steinwänden, die sich kaum von dem Tuffstein unterscheiden, in den sie hineingehauen sind, lebt eine Bauernfamilie. Nachdem wir uns mit einem Glase des säuerlichen Landweines erquickt haben, steigen wir durch Gänge und Stufen, die in den Felsen gesprengt und gemeißelt sind, empor zum Belvedere. Ein hinreißend schöner Rundblick lohnt die Mühe des Aufstieges. Wie ein grüner Teppich breitet sich Ischia zu unseren Füßen aus, übersät mit Villen, Dörfern, grauen Bauernhäusern. Wir überschauen die beiden Golfe von Gaeta und Neapel. In weiter Ferne liegt Terracina, dann folgt das Kap Misenum und der Monte Circöo, hinter dem der Vesuv fürstlich thront. Rechts liegt Capri, und die lange Bergkette des Apennin reicht bis zu den Hochgipfeln der Abruzzen. Im Westen aber, aus dem uferlosen Meere, leuchten die vulkanischen Ponzainseln auf, die noch ost von Erdbeben heimgesucht werden. Der Epomeo-Krater ist schon lange erloschen, doch die alten griechischen Dichter wissen manches von ihm zu berichten. Der Riese Typheus soll darunter liegen, und sein Stöhnen und Aechzen unter der Last des Berges, den der Götterfürst auf ihn gewälzt, ist die Ursache der gewaltigen Erdbeben und Feuerströme. Schon im 8. Jahrhundert hatten sich hier die Ch alkider niedergelassen, aber nach kurzer Zeit vertrieb sie der Epomeo, so daß sie wieder abzogen und Kyme, das heutige Cumae, gründeten. Auch eine spätere Besiedlung durch die Griechen hatte nur kurzen Bestand; ein gewaltiger Ausbruch des Epomeo zwang sie zur Auswanderung. Fünf große Ausbrüche erfolgten in der Römerzeit und einer noch 1303, wobei sich em riesiger Strom feuriger Lava östlich, nahe der Stadt Ischia, in das Meer hinabwälzte. Am östlichen Abhang des Epomöo liegt Casamicciola, die ost von Erdbeben heimgesuchte Stadt, deren vereinzelte Häusergruppen bis an die Meeresküste reichen. Fast alle Gebäude sind neu, denn das letzte große Erdbeben des Jahres 1883 hat die ganze Stadt in ein Trümmerfeld Der« wandelt, das 1700 Menschen begrub. Aber als man eben den Ort wieder neu aufgebaut hatte, brachte der Epomeo neues Unheil. Im Oktober 1910 löste ein gewaltiger Wolkenbruch verwittertes Gestein und ungeheure Mengen Schlamm aus dem Gefüge des Berges, und die ganze Masse ergoß sich mit rasender Gewalt über die obere Stadt, alles zerstörend, was Menschenfleiß neu hatte erstehen lassen. Und doch siedelten sich auf der Stätte des Schreckens sofort wieder die Ueberlebenden an, denn mess Insulaner hängen mit leidenschaftlicher Liebe an ihrer Scholle, die schon ihre Väter und Urväter beackert haben. Auch die Badegäste fanden sich wieder ein, nachdem die heißen Quellen des Gurgitello wieder freigelegt waren, und die Zahl der Heilungsuchenden nimmt alljährlich zu. Daß die ganze Insel vulkanischen Ursprungs ist, sieht man auf Schritt und Tritt. Bei dem Dorfe Fontana, genau in der Mitte von lag der Hauptkrater dieses großen, submarin entstandenen Vulkans. Ser 306 Meter hohe Monte Rotaro hat noch seinen Krater, der durch eine» Flankenerguß von Trachyt den 95 Meter hohen Monte Tabor geschaNen hat. Ein östlicher Flankenerguß des Hauptkraters bei Fontana »eß den 255 Meter hohen Kegel des Montagnone entstehen. Der Jnselseyen, auf dem das Kastell von Ischia thront, ist der Rest eines anderen Neoew kraters, und der Hasen der Stadt ist nichts anderes als ein kreisrunder Maar, das man künstlich durch Sprengungen aus einem Binnensee m einen Ankerplatz für Seeschiffe verwandelt hat. Alle diese gespenstischen Denkmäler uralter Erdrevolutionen und als Gegensatz das frische Grün der Weinreben und Obstbäume, die überall sich bis dicht an das Meertun selbst an den kahlen Felsklippen hinaufdrängen, und dazu die majestatM Pracht des Meeres, stürmen auf die Seele des Beschauers mit wunderva wechselnden Eindrücken ein. ... t Auch die benachbarte Insel Procida ist die Ruine unterseeisch standener Vulkane. Dort lagen vier größere und kleinere Krater ne einander, deren Südränder das Meer zerstört hat, so daß hier vier geräumig Buchten liegen. In wenig mehr als einer Stunde kann man von hinüberfahren. Es gibt dort einen vorzüglichen Wein, herrliches Ovl frisch gefangene Fische. Namentlich der Tonno, zu deutsch Thunsiicy, meist durch eine mit Seil versehene Harpune erlegt wird, ist ein . sondergleichen. Das schöne, malerische Kastell, das auf hohem, steilem p emporragt, hat man leider zu einem Zuchthaus herabgewuroigl. ) ist der Blick von diesem Felseneiland auf Ischia mit dem Epomeo uno 1 zackigen Küste. In weiter Ferne werden drei kleine aerripene »s j. sichtbar, für die Zugvögel erwünschte Ruheplätze; dort saßen einst die die Meerjungfrauen, und sangen, goldene Harfen schlagend, dem eilenden Schiffer verführerische Weisen. Der schlaue Odysseus . , vorbei und hörte, an den Mastbaum gebunden, dem süßen Gesang O, du ewiges Meer, Mutter der Schönheit! haben: eine Bucht, vom Schwarzen Meer aus gesehen die erste auf der asiatischen Seite, tief eingeschnitten, mit flacherem Ufer und geschützt gegen Wind. Im Mondlicht ist deutlich zii sehen, daß die Strömung hier scharf vorüberzieht, ohne einzudringen, und so ein Staubecken ruhigen Wassers zurückläßt. Djelal sagt: „Das ist der Fischplatz. Hier kommen sie vom Meer herein, um zu laichen." Wir machen drei, vier Ruderschläge in der Bucht gegen Land — das Boot liegt im ruhigen Wasser, indes die Strömung nah, rauschend vorüber streicht. Wir warten. Das andere Boot mit den vier Männern schiebt sich weiter vor nach dem oberen Ende des Einschnitts, dessen stilles Wasser nun zwischen den beiden Fahrzeugen liegt. Wir warten noch immer. Da fällt vom anderen Sandal ein türkischer Ruf herüber, und es geschieht dies: Djelal, indes sein Sohn auf der Ruderbank bleibt, geht vor zum Bug und holt dort aus dem kleinen Verschlag eine Flasche. Eine leere Bierflasche offenbar. Aus einem Fetzen wickelt er ein hölzernes Kistchen und schüttet daraus in die Flasche eine weiße, pulverige Masse, bis sie zur Hälfte gefüllt ist. Er hält sie in der Linken und wartet. Vom andern Sandal fällt ein Ruf. Da beugt sich der Mann über Bord, hält die Flasche mit dem weißen Pulver ins Wasser, eine, zwei Sekunden, bis sie sich gefüllt hat, preßt dann mit großer Hast einen Stoppel darüber und wirst. Wirft die verkorkte Flasche in weitem Bogen in das ruhige Wasser hinaus. Einen Augenblick später hören wir einen dumpfen Knall. Eine kleine Wassersäule zischt hoch — gleichzeitig fast eine zweite drüben in Wurfweite neben dem anderen Sandal. Fünf Sekunden, zehn Sekunden. Der Türke reicht mir ein Handnetz mit einer Stange herüber. „Was war das?" frage ich. Er ist erregt, sagt knapp: „Eine Kalkbombe. Eine Flasche mit gebranntem Kalk und mit noch etwas. Und mit Wasser. Warten Sie". Zehn Sekunden noch, fünfzehn Sekunden. Dann ist neben dem Book etwas Glitzerndes, Weißes. Der Türke hebt es mit seinem Netz über Bord. Ein toter Fisch. Und unversehens ist das mondhelle Wasser ums Boot ein einziges Schillern, Flirren, Leuchten: Fische. Fischleichen. Tote Fische, den Bauch nach oben gekehrt. Wir stehen, stehen zu britt im Boot und fischen die verendeten Tiere mit Handnetzen auf und leeren sie auf die Planken. Um unsere Schuhe glitzern sie, reglos, lang, schlank. Ohne Zeichen einer Verletzung. Durchweg eine Art Kabeljau, nur zierlicher und habet straffer im Fleisch. Zu Dutzenden, zu Hunderten treiben sie in den Strom hinaus, mit schillernden Bäuchen, und verschwinden in Schwärze. Ich frage: „Ist das erlaubt?" Der Türke steht auf der Bugbank, in weiten Hosen, breitbeinig, scharf in den Himmel gezeichnet. Er sagt: „Erlaubt? Der eine erlaubt — der andere verbietet". Er hat ein altes Gesicht. Gesicht vielleicht eines jener genuesischen oder türkischen Räuber, deren Blut noch durch feine Ader geht. Inzwischen ist, scharf im Strom schießend, das andere Boot zu uns herunter geglitten, wirft sich nun wieder aus der Strömung zu uns ins ruhige Wasser und liegt mit uns an Bord. Es hat weniger Fische als wir. Unter spärlichen Worten wird unsere Beute hinüber geladen, das andere Boot schießt in die Strömung zurück und verschwindet. Man wartet, bis es nicht mehr zu sehen ist. Dann: „Wir fahren noch auf die europäische Seite hinüber". Wir sitzen nun zu britt auf ber Ruderbank. Gehen schräg in die Strömung. Rudern. Werden getrieben. Werden abgetrieben, einen, eineinhalb Kilometer. Erreichen das europäische Ufer, stilles Wasser, eine sandige Bucht. Häusersilhouetten spärliche Lichter. Das ist Rumeli Kawak. Auf dem Sand ist eine neue Badeanstalt: Mtoum- Koum. Stangen ragen hier aus ber Flut, durch Stricke miteinander verbunden, an denen große Schwimmkorks hängen. Netze, Fischnetze. Indes der Knabe scharf durch bas Dunkel späht, bahin unb dorthin, beugt sich ber Alte tief über Borb, zieht ein Netz hoch. Ein einziger, großer Fisch ist da- rinnen. Er wirft ihn ins Boot, läßt bas Netz ins Wasfer zurückgleiten, greift nach bem zweiten. Der Knabe sagt etwas unb weist nach bem Ufer. Dort bewegt sich eine Laterne. Ein Ruf. Wir regen uns nicht. Eine zweite, eine britte Laterne. Geschrei. Man hat uns bemerkt. Ein Knall wie von einem Revolverschuß. Boote knirschen brüben im Sand, werden in das Wasfer geschoben. Wir legen uns in die Riemen, rudern, schießen hinaus in die Strömung. Auf der Küstenbaiterie zuckt ein Scheinwerfer auf, streicht den Strand ab. Beleuchtet eine Gruppe schreiender, drohender, fäusteschüttelnder Fischer, denen die Netze gehören. Wir gleiten weiter. Djelal lacht. Der Scheinwerfer sucht das Wasser ab, sucht uns, hat uns gefunden. Drüben am User Geschrei. Djelal lacht unb wir rubeln ruhig gegen bie anatolische Seite. Niemand folgt uns. Der Mond scheint, weiß über schwarzen Bergen, weiß über schwarzem Wasser. In dem kleinen Verschlag Dome am Bug ist eine Flasche Raki und Brot unb eine Melone. Wir gleiten, gleiten. Zackig vor bem nächtigen Himmel steht bie Silhouette der genuesischen Raubritterburg, in deren Schatten das alte Dorf liegt, das unser wartet, mit den alten Schlupfwinkeln ber Boote, von benen eine Kellertreppe aufwärts führt zu Diele unb Schlafgemach. In Vulkans Schmiede. Von Professor Dr. Walter Bombe. Die Fahrt von Capri nach Ischia im Segelboot ober in ber Ruberbarke ist herrlich, aber auch ein wenig anftrengenb, benn bie Ruberer brauchen dazu selbst bei günstigem Winde etwa sechs Stunden. Mit einem ber flinken Segelboote von der Marina Grande geht die Fahrt rascher vonstatteu. Immer weiter entfernt sich Capris Felsenküste. Wie ein Schwan, bet in bie Dunstfelber des Horizontes taucht, versinken schließlich bie Höhen von Anacapri, unb gegenüber, im Nordwesten, erscheint, gleichsam getragen von ber See, bie Insel Ischia in dämmernden Umrissen. Bald erkennen wir Einzelheiten der felsigen Höhen. Der Monte Epomeo zeichnet sich deutlich ab. Die wild zerrissene Küste wird sichtbar. Wir umfahren die beiden in das Meer abstürzenden Vorgebirge Capo Grosse und Punta San Panctazio, dann geht bie Fahrt nordwärts an bem Kastell unb ber Stabt Ischia vorbei, zum Hasen, wo wir lanbett. Nachdem wir uns von den Anstrengungen der Fahrt durch ein reichliches Mahl erholt haben, besichtigen wir das malerische Kastell, das einst die fürstliche Residenz der Dichterin Vittoria Colonna, ber Freundin Michelangelos, war, bann den königlichen Park unb bie berühmten warmen Quellen, die von Kranken aus allen Weltteilen aufgesucht werben. Reisen im Weltraum. Astronomisches zum Raketenflug. Von Dr. W. Kruse, Sternwarte Hamburg-Bergedorf. Das Raketenauto ist — als erste Probe auf das Exempel — gefahren, ein erster, leiser Versuch mit einem Raketenflugzeug ist ebenfalls schon gemacht worbendem größerer wird bald folgen, und es wird sicher keine allzu lange Zeit mehr vergehen, bis man mit bisher unererichten Geschwindigkeiten m ebenfalls unerreichten Höhen herumfahren wird. Es ist bekannt, und wirb von den Raketenmännern immer betont, daß die heute zur Verfügung stehenden Mittel uns nicht die Möglichkeit geben, mit einem Raketen- geschoß aus dem Anziehungsbereich der Erde herauszukommen. Aber in der Ferne erscheint doch unverkennbar das Ziel, die Fessel, die uns an unseren Planern bindet, zu überwinden und den Weg zu unseren Nachbarwelten einzuschlagen. Der Gedanke ist sensationell und setzt die Phantasie in leb- Hasteste Tätigkeit. Dem Astronomen fällt es zu, zu überlegen, was wir »ach unserer Kenntnis der Planeten bei solchen Unternehmungen zu er- warten haben, und welchen Nutzen andererseits die wissenschaftliche Forschung daraus ziehen könnte. Das erste Ziel einer Weltraumfahrt wird zweifellos der Mond sein. Er ist nur 384000 km von uns entfernt und bei einer Geschwindigkeit von nur 1000 km in der Stunde schon in 16 Tagen zu erreichen. Um die Schwierigkeiten einer Landung brauchen wir uns nicht zu kümmern; sie sind ein Seilproblem des Raketenflugs und werden schon überwunden werden. Beim Aufsteigen stehen uns dann aber doch einige Ueberraschungen bevor. Daß wir nur ein Sechstel unseres irdischen Körpergewichts zu tragen haben und alle Gegenstände ebenfalls entsprechend leichter sind, als wir im Gedächtnis haben, das wird uns ganz angenehm sein. Weniger angenehm wird uns die Höhenkrankheit sein, die uns im schlimmsten Maße befällt. Wir sind gewohnt, daß die Luft von allen Seiten auf uns drückt. Auf dem Mond gibt es aber keine Luft, die drücken könnte. Wir werden uns also fühlen, rote in den höchsten Höhen unserer Atmosphäre: natürlich fehlt uns auch der zum Atmen nötige Sauerstoff, aber den könnten wir ja in einer Flasche auf dem Rücken mitnehmen. Auch die Temperatnrverhältnisse wären uns für einen längeren Aufenthalt nicht angenehm. Während de« Mondtages, der vierzehn unserer Tage dauert, steigt infolge der ungehemm- ien Sonnenstrahlen die Temperatur der Mondoberfläche bis auf 120 Grad Wärme, während der ebenfalls 14 Tage dauernden Nacht sinkt sie auf 100 Grad Kälte herunter. Auf der Erde sind Unterschiede von 30 Grad Msähen Tag und Nacht und 60 Grad zwischen Sommer und Winter schon ungewöhnlich. Schwankungen von 200 Grad sind für Lebensformen irgendwelcher irdischer Art sicher nicht günstig, und da auf dem Mond auch das bei uns so unentbehrliche Wasser gänzlich fehlt, so werden wir dort weder Verwandte treffen noch unfererseits aus dem Grund und Boden unmittelbaren Nutzen ziehen können. Es wird aber sehr reizvoll sein, in ben uns aus der Ferne so gut bekannten Mondgebirgen herumzuwandern, und es wird an Ort und Stelle vielleicht möglich sein, die immer noch unentschiedene Hauptfrage der Mondforschung zu klären: wie die typischen Gebirgsformen des Mondes, die Krater, entstanden sind. Man wird auch mcht versäumen, der uns ewig abgekehrten Rückseite des Mondes einen Besuch abzustatten, man wird aber finden, daß sie ebenso aussieht, wie die uns bekannte Vorderseite. Bedeutend größere Hoffnungen wird mancher mit einem Besuch des Mars verbinden. Dieser unser äußerer Nachbar im Sonnensystem genießt beim nichtastronomischen Publikum eine bevorzugte Stellung. Es ist viel Phantasie darauf verwendet worden, ihn als eine zweite Erde zu schildern und mit menschenähnlichen Wesen zu bevölkern, und in den Marskanälen glauben manche ein bündiges Zeichen zu haben, daß die Marsbewohner nicht nur existieren, sondern sogar eine erheblich höhere Entwicklungsstufe erreicht haben als die Erdbewohner. Neben diesem Phantasiebilde nimmt sich das, was den Astronomen durch Beobachtung wirklich bekannt ist, sehr dürftig aus, denn trotz aller Fortschritte der Marsforschung Wissen wir über diesen Nachbarplaneten doch erheblich weniger als über unseren Mond. Die Mondoberfläche liegt wegen des Fehlens von Luft und Wasser stets ungetrübt vor uns. Das ist beim Mars nicht so. Ausgedehnte Nebelschleier verdecken hier große Gebiete, an den Polen treten Wolken und Schneeablagerungen auf. Wir sehen aber auf der Planetenscheibe auch Gebilde, die ihre Form behalten oder nach Veränderungen wieder annehmen. Es uegt nahe, solche Gebilde für Teile der festen Oberfläche zu halten. Man hat M diesem Sinne die gelblich gefärbten Teile Länder, die grau gefärbten Meere genannt. Daß es sich wirklich um Länder und Meere handelt, ist damit aber nicht gemeint, es ist sogar unwahrscheinlich. Auch die Mars- lanale, die mehr als alles andere den Glauben an die Bewvhntheit des Mars begründet haben, sind nicht so wöttlich zu nehmen. Die Bezeichnung ist nur gewählt, um das strichartige Aussehen dieser Oberflächenmerkmale anzudeuten. Wir wissen heute nicht einmal sicher, ob es ein solches Netz von Unten auf dem Mars tatsächlich gibt. Je größere Instrumente man ver- "endete, um so weniger sah man davon, und wir könnten die Kanäle als Masche Täuschung für erledigt erklären, wenn nicht neuerdings direkte Beobachtungen und photographische Aufnahmen mit einem der größten pernrohre wieder ein solches Retz gezeigt hätten. So bleibt die Frage ooh! der rechte Teufel nicht gewesen sein, sondern ein geringerer Spuk. Rosalie kleidete ihr Kind noch einmal unter mancher Träne weiß mit roten Bandschleifen an, bann nahm sie es auf den Arm und ging schweigend die Treppe hinunter. Unten stand der alte Kommandant und konnte ihr nur die Hand drücken und mußte sich umwenden, weil er sich der Tränen vor den Zuschauern schämte. So trat sie auf die Straße, keiner wußte ihre Absicht, Vater Philipp blieb etwas zurück, weil er des Mitgehens gern überhoben gewesen, dann folgte die Menge müßiger Menschen ans den Straßen, die ihn fragten, was es bedeute. Viele fluchten auf Rosalien, weil sie Fran- coenrs Frau war, aber dieser Fluch berührte sie nicht. Der Kommandant führte unterdessen seine Leute auf verborgenen Wegen nach den Plätzen, von welchen der ©türm eröffnet werden sollte, wenn die Fran den Wahnsinn des Mannes nicht beschwören könnte. Am Tore schon verließ die Menge Rosalien, denn Francoeur schoß von Zeit zu Zeit über diese Fläche, auch Vater Philipp klagte, daß ihm schwach werde, er müsse sich niederlassen. Rosalie bedauerte es und zeigte ihm den Felsenwall, wo sie ihr Kind noch einmal stillen und es dann in den Mantel niederlegen wollte, dort möge es gesucht werden, da liege es sicher aufbewahrt, wenn sie nicht zu ihm zurückkehren könne. Vater Philipp setzte sich betend hinter den Felsen, und Rosalie ging mit festem Schritt dem Steinwalle zu, wo sie ihr Kind tränkte und segnete, es in ihren Mantel wickelte und in Schlummer brachte. Da verließ sie es mit einem Seufzer, der die Wolken in ihr brach, daß blaue Heilung und das stärkende Sonnenbild sie bestrahlten. Nun io ar sie dem harten Manne sichtbar, als sie am Steinwalle heraustrat, ein Licht schlug am Tore auf, ein Druck, als ob sie umstürzen müßte, ein Rollen in der Lust, ein Sausen, das sich damit mischte, zeigte ihr an, daß der Tod nahe an ihr borübergegangen. Es wurde ihr aber nicht mehr bange, eine Stimme sagte ihr innerlich, daß nichts untergehen könne, was diesen Tag bestanden, und ihre Liebe znm Manne, zum Kind^ regte sich noch in ihrem Herzen, als sie ihren Mann vor sich aus dem Festung, werke flehen und laben, das Kind hinter sich schreien hörte; sie taten ihr beide mehr leid als ihr eigenes Unglück, und der schwere Weg war nicht bet schwerste Gedanke ihres Herzens. Und ein neuer Schuß betäubte jh» Ohren und schmetterte ihr Felsstaub ins Gesicht, aber sie betete und zum Himmel. So betrat sie den engen Felsgang, der wie ein verlängert» Lauf für zwei mit Kartätschen geladene Kanonen mit boshastem Geb- die Masse des verderblichen Schusses gegen die Andringenden zusammen, zuhalten bestimmt war. — „Was siehst du, Weib!" brüllte Francoeur „sieh nicht in die Luft, deine Engel kommen nicht, hier steht dein Teufel und dein Tod." — „Nicht Tod, nicht Teufel trennen mich mehr von bii" sagte sie getrost und schritt weiter hinaus die großen Stufen. „Weil/ schrie er, „du hast mehr Mut als der Teufel, aber es soll dir doch nichtz Helsen." — Er blies die Lunte an, die eben verlöschen wollte, der Schweiß stand ihm hellglänzend über Stirn und Wangen, es war, als ob zwei Naturen in ihm rangen. Und Rosalie wollte nicht diesen Kampf hemmen und der Zeit vorgreifen, auf die sie zu vertrauen begann; sie ging nicht vor sie kniete auf die Stufe nieder, als sie drei Stufen von den Kanonen entfernt war, wo sich das Feuer kreuzte. Er riß Rock und Weste an der Brust auf um sich Luft zu machen, er griff in sein schwarzes Haar, das verwildert in Locken starrte, und riß es sich wütend aus. Da öffnete sich die Wunde am Kopse in dem wilden Erschüttern durch Schläge, die er an feine Stirn führte, Tränen und Blut löschten den brennenden Zundstrick, ein Wirbel, wind warf das Pulver von den Zündlöchern der Kanonen und die Teuselz. flagge vom Turm. „Der Schornsteinfeger macht sich Platz, et schreit zum Schornstein hinaus 1" rief er und deckte seine Augen. Damr besann er sich öffnete die Gittertüre, schwankte zu seiner Frau, hob sie auf, küßte sie, endlich sagte er: „Der schwarze Bergmann hat sich durchgearbeitet, es strahl! wieder Licht in meinen Kopf, und Lust zieht hindurch, und die Liebe soll wieder ein Feuer zünden, daß uns nicht mehr friert. Ach Gott, was hab ich in diesen Tagen verbrochen! Laß uns nicht feiern. Sie werden mir nur wenig Stunden noch schenken. Wo ist mein Kind? Ich muß es küssen, weil ich noch frei bin. Was ist Sterben? Starb ich rricht schoir einmal, als bu mich verlassen? Und nun kommst du wieder, und dein Kommen gibt mir mehr, als dein Scheiden mir nehmen konnte, ein unendliches Gefühl meines Daseins, dessen Augenblicke mir genügen. Nun lebte ich gern mit dir, und wäre deine Schuld noch großer als meine Verzweiflung gewesen; aber ich kenne das Kriegsgesetz, und ich kann nun gottlob in Vernunft als ein reuiger Christ sterben." — Rosalie konnte in ihrer Entzückung, von ihren Tränen fast erstickt, kaum sagen, daß ihm verziehen, daß sie ohne Schuld und ihr Kind nahe sei. Sie verband seine Wunde in Eile, bann zog sie ihn die Stufen hinunter bis hin zu dem Steinwalle, wo sie das Kind verlassen. Da sanden sie den guten Vater Philipp bei dem Kinde, der allmählich hinter Felsstücken zu ihm hingeschlichen war, und das Kind ließ etwas aus ben Händen fliegen, um nach dem Vater sie auszustrecken. Und während sich alle drei umarmt hielten, erzählte Vater Philipp, wie ein Taubenpaar vom Schloß heruntergeflattert sei und mit dem Kinde artig gespielt, sich von ihm habe anrühren lassen und es gleichsam in seiner Verlassenheit getröstet habe. Als er das gesehen, habe er sich dem Kinde zu nahen gewagt, „Sie waren wie gute Engel meines Kindes Spielkameraden aus dem Fort gewesen, sie haben es treulich aufgesucht, sie kommen sicher wieder und werden es nicht verlassen." Und wirklich umflogen sie die Tauben freunblidj und trugen in ihren Schnäbeln grüne Blätter. „Die Sünde ist uns ge< schieden", sagte Francoeur, „nie will ich wieder auf den Frieden schelten, der Friede tut mir so gut." Inzwischen hatte sich der Kommandant mit seinen Offizieren genähert, weil er den glücklichen Ausgang durch sein Fernrohr gesehen. Francoeur übergab ihm seinen Degen; er kündigte Francoeur Verzeihung an, weil seine Wunde ihm des Verstandes beraubt gehabt, und befahl einem Chi« rurgen, diese Wunde zu untersuchen und besser zu verbinden. Francoeur setzte sich nieder und ließ ruhig alles mit sich geschehen, er sah nur Fran und Kind an. Der Chirurg wunderte sich, baß er keinen Schmerz zeigte, er zog ihm einen Knochensplitter aus, der Wunde, der ringsumher eine Eiterung hervorgebracht hatte; es schien, als ob die gewaltige Natur Fraiicoems ununterbrochen und allmählich an der Hinausschaffung gearbeitet habe, bis ihm endlich äußere Gewalt, die eigene Hand seiner Verzweiflung, die äußere Rinde durchbrochen. Er versicherte, daß ohne diese glückliche Fügung ein unheilbarer Wahnsinn den unglücklichen Francoeur hätte aus- zehren müssen. Damit ihm keine Anstrengung schade, wurde er aus einen Wagen gelegt, und sein Einzug in Marseille glich unter einem Volke, bas Kühnheit immer mehr als Güte zu achten weiß, einem Triumphzuge! die Frauen warfen Lorbeerkränze auf den Wagen, alles drängte sich, den stolzen Bösewicht kennenzulernen, der so viele tausend Menschen wöljrcnD drei Tage beherrscht hatte. Die Männer aber reichten ihre Blumenkränze Rosalien und ihrem Kinde und rühmten sie als Befreierin und schwuren, ihr und dem Kinde reichlich zu vergelten, daß sie ihre Stadt vom Untergänge gerettet habe. Nach solchem Tage läßt sich in einem Menschenleben selten stoch etwa' erleben, was der Mühe des Erzählens wert wäre, wenngleich die WM beglückten, die Fluchtbefreiten erst n diesen ruhigeren Jahren den gnw Umfang des gewonnenen Glücks erkannten. Der gute, alte Kommmwa nahm Francoeur als Sohn an, und konnte er ihm auch nicht seinen xan übertragen, so ließ er ihm doch einen Teil seines Vermögens und lei Segen. Was aber Rosalie noch inniger berührte, war ein Bericht, bet i nach Jahren aus Prag einlief, in Welchem ein Freund der Mutter anze g > daß diese Wohl ein Jahr unter verzehrenden Schmerzen den sluch » , habe, den sie über ihre Tochter ansgestoßen, und bei dem sehnlichen «u u nach Erlösung des Leibes und der Seele sich und der Welt zum Ucce bis zu dem Tage gelebt habe, der Rosaliens Treue und ergebend Gott gekrönt: an dem Tage sei sie, durch einen Strahl aus ihrem ti beruhigt, im gläubigen Bekenntnis des Erlösers selig entschlafen. Gnade löst den Fluch der Sünde, Siebe treibt den Teufel ans. ____— Verantwortlich: Dr. Hans Thyriot. — Druck und Verlag: Brühl'sche Aniverf itäts-Vuch» und Steindruckerei, 2t.Sange, Dießen- N den s Entse kurs i „8 berfta wenn lose F Polizi „L und b< Na Sorte müssen ihr Wo! Körper , „Sc vootes °s nicht ,.Ve »Ke »®ii „ ,,AH vorsichti _ »Na "euinan geraten. °ls Hunt »ortrefsl