SiehenerKmiilienblätter Unterhaltungsbeilage zum Gießener Anzeiger Jahrgangs Samstag,-en 2t. Juli Nummer 58 Mittagszauber. Von Hermann ß i n g g. Vor Wonne zitternd hat die Mittagsschwüle Auf Tal und Höh' in Stille sich gebreitet, Man hört nur, wie der Specht im Tannicht schreite^ Und wie durch Tobel rauscht die Sägemühle. Und schneller fließt der Bach, als such' er Kühle, Die Blume schaut ihm durstig nach und spreitet Die Blätter sehnend aus, und trunken gleitet Der Schmetterling vom seidnen Blütenpfühle. Am User sucht der Fährmann sich im Nachen Aus Weidenlaub ein Sonnendach zu zimmern Und sieht ins Wasser, was die Wolken machen. Iekt ist die Zeit, wo oft im Schilf ein Wimmern Den Fischer weckt: der Jäger hört ein Lachen, Und golden sieht der Hirt die Felsen schimmern. Die Ehrung. Von Julius Kreis. Der Bürgermeister Simon Moosrieder hielt ängstlich — verlegen — ratlos ein Schreibats in den großen, braunen Händen. Es kam nicht vom Bezirksamt, nicht von der Finanz, nicht vom Bauamt, nicht vom Bezirkstierarzt — es kam von ganz „G'spassigen", von Leuten, mit denen die Gemeinde Egertsham noch nie was zu tun gehabt hat — überhaupt's... Der Simmerl hielt das Schreiben, als wäre eine Pulverladung für den Böller darin und die Zündschnur brennt schon. — Solchen« Bluats- g'schichten! Da schrieb ein Künstlerverein aus der Stadt einen so haarigen Brief! Der Moosrieder rückte die Brille auf die Nasenspitze, hielt das Schreibats weit von sich und las zum drittenmal. Die schrieben: Daß die Gemeinde Egertsham einen ganz großen gottbegnadeten Künstler geboren hätt', nämlich, der wo leinen fuchzigsten Geburtstag feiert — aber draußt in Egertsham — in der Stille will er es feiern, in der Heimat, wo ihn geboren hat, und dieser Künstler war der Professor Georg Bachwieser, und die Gemeinde Egertsham soll ihm am Vorabend — da tarn’ er nämlich nach Egertsham — eine sinnige Ehrung bereiten, indem daß der kleine Ort Egertsham stolz auf seinen großen Sohn sein könnte. So deutschte es der Moosrieder dem Beigeordneten Jakob Lohrer aus, der aufmerksam die Hand an seinen halbtauben Luser hielt. Der Moosrieder legte das Schreiben vorsichtig auf den Tisch und strich es mit der Hand glatt. „Vostehst mi, Jackl! — O'feiern soll'» ma an Bachwiesergirgl! Emp- fanga! A sinnige Ehrung — steht do!" „A — woos?" „A Ehrung — a Eehrung! Vostehst!" „Wia?" „A Eeeehrung halt, wia ma's epper bei a Priminz hat oder so ..." Der Lohrer schüttelt bedächtig den Kops. „Da Bachwiesergirgl Hot do koa Priminz, Simmerl, der Hot do net auf seine alten Tag auf Geischtli schtudiert — er is do a Maler." „Rindviech! Aber sein fuchzigsten Geburtstag hat er und da schreibn s' aus der Stadt, daß 'n Gunoa o'feiern soll, bal er kimmt!" — „A so!" sagte der Lohrer und schwieg und leckte an seiner zerblätterten Zigarre. „Na, feiern ma'n holt o, an Girgl!" — „Wia dös na?" fragte der Bürgermeister. „Sauf' ma' halt und stell' nut’ eahm a Trumm Haxn hi! — Dösell Han i degerscht no nia net g'hört, daß ma' an Maler o'feiert. An Girgl!" , „San ma* mit eahm in d' Schul ganga! — G'schpassige Einfäll' Ham i’ da scho in da Stod drinna! — Pfüa God, ©immer." Der Bürgermeister Moosrieder setzte sich ins Ofenbankeck und zündete die Pseife an. — Blieb nichts anderes über! — „Ma' mag fi dengerscht net in der Stadt o’schaug'n lass’n, als kam s ms drauf o. — Aber gschpassig war das schon. Wo der Girgl doch vom Bachwieserhäusl war und Überhaupts ... Wenn er wenigstens ein geistlicher Herr wor'n wär — Dechant oder Prälat. No, Professor — dös is a nix Schiachs! — Freilich, freilich: geworden is As dem Girgl schon was! . Aber er war halt eigentlich doch ein Maler — net — und was brauchts »° a O’feiern! - «o, feiern ma holt o." — „Eine sinnige Ehrung!" wiederholte der Moosrieder das unheimliche Wort für sich, und er brummte eine sinnige Einladung an den Künstlerverein hinterdrein, der auf „solchane Danz" kam. Der Professor Georg Bachwieser hatte nicht weit außerhalb seines Heimatdörfl's ein kleines Häusl. Wenn ihm die Stadt verdroß, wenn er ausruhen wollte oder auch besondere Sammlung zum Schaffen brauchte, zog er sich dorthin zurück. Er war nicht für ßärm und Getu. Nicht im Leben, nicht in der Kunst. — Wo er als Bauernbub die Geißen gehütet und Kartoffeln geharkt, da war ihm heut noch wohl. Er kannte Sie Menschen aus seiner Jugend, die fern von Stadt und Welt einem sauberen Bauerntagwerk nachgingen. Sie ließen ihn gelten — er sie. — Er war daheim. — Behaglich saß er auf dem breiten Ledersosa und rauchte. Draußen fiel früh der Winternachmittag ein. Nach zweistündiger Bahnfahrt und drei Marschstunden durch den Schnee tat ihm die Wärme und Ruhe wohl. Er war vor seinem Geburtstag aus der Stadt geflüchtet. — Freilich, gefreut hatten ihn die herzlichen und begeisterten Aufsätze und Glückwünsche der Presse, die Briefe der Verehrer schon. — Aber jetzt wollte er Ruhe davon haben. Es war genug. Die Tür geht auf und herein sichert der Moosrieder. Er stampfte den Schnee von den Stiefeln und sagte: „Grüaß God, Girgl. — Bist wieder da." „Grüaß di, ©immer", sagt der Maler und bietet dem Besuch die Hand. — „Hock di zuawa!" — Der ©immer setzt sich in die freie Sofaecke. „An schiach’n Winter hot’s Heuer!" „Wohl, wohl!" ,,D' Has'n tömman bis an d' Kuchltür .. „Magst an Zigahr, ©immer?" „Geltsgott, Girgl!" Der ©immer beiß das ©pitzl ab und spuckt es in die Stube. Dann qualmen beide Mannsbilder und schweigen. Nach einer Weile klopft der ©immer dem Girgl auf den Schenkel. „A so geht's Girgl." „Ja, so geht's, ©immer." Schweigen. Die Tür geht auf. Herein kommt der Lohrer Jackl. — Griiaßt, setzt sich ins andere Sofaeck — — raucht. — Der Maler sagt: „Ja, jetzt Hot ma die best Zeit zum Hoa'gartn." „Wohl, wohl!" Der Lohrer Jackl klopft die Tabakasche aus, stochert umständlich in seinem Kloben und sagt bann: „Ja, Girgl — a so geht's!" — Und herein kommt der Kramer und legt nach der Begrüßung ein halb Dutzend Heringe, in fettes Zeitungspapier gewickelt, auf den Tisch. —- Der Kramer ist kein Mann vieler und großer Worte. Er nimmt vom Girgl eine Zigarre und dampft. — „Kalt is halt jetzt zum Roas'n! Kalt!" sagt er, um die Unterhaltung zu beleben. Der Dialer kennt sich nicht recht aus. Soviel Besuch — die Häringe —? Indes geht die Tür auf, und der Wirt kommt herein und hinter ihm der Dienstbub mit einem Zwanzgerfaßl. Der stellt’s ins Eck auf den Hocker und zapft es an. — Dann langt der Wirt einen Kranz Dick- g'selchtes aus der Brusttasche und legt sie auf den Tisch. — Der Wirt ist der Gesprächigste, der hot a Mäuil, sagen sie von ihm. Und der Wirt sagt es dem Girgl: Indem, daß er also da ist, nämlich, indem er fünfzig Jahr wird — und ein Sohn der Gemeinde ... Der Wirt fällt in der hochdeutschen Sprache wie auf einer Straße voll Löcher und Rinnen im Stockfinster», und weil er eigentlich gar nicht einsieht, warum er vor dem Vachwiefer- girgt sich da Mäuilzerreißen soll — — er sagt es lieber pfeilgrad: „O'feiern soll ma' di, Girgl." Der Maler begreift — schmunzelt — nicht. „Hätt's nit braucht, Manner!" — Schweigen. x Der Dienstbub bringt fünf volle Maßtrüge und verschwindet. —« Man trinkt und raucht. Allmählich kommt zwischen den vier Gemeinderäten ein Diskurs H1 De'? Maler hört Bruchstücke daraus.--„Freili, freist", sagt der Lohrer: A Grob muaß eahm d' Gmoa dengerscht scho geb'» — a Grob kriagt er. Des hot er vodeant, der Girgl!" — Und -er Kramer: „I man an der Mauer, sell neben dem Dechant (eins fein .. Der Wirt fährt dem Kramer in die Rede. Die zwei mögen sich nicht. „RindviechI Do is dich koa Platz mehr für n den Arm fallen, j als er dem Kramer eine langen will. , I Gebt's a Ruah, Manner," sagt der Moosrieder, „t nwan, dosell ,s I a'w'j'ß daß d' G'moa an Girgl ehrenhalber a Grob gibt — — G hort sie j aa." — Der Lohrer meint: „Muschelkalk. So, wie das Kriegerdenkmal. Do wär' noch so ein Block beim Steinmetz übrig ..." , I „Manner", sagt der Professor gütig und begütigend. „I bin ,a no net g'storb'n. Aber -freu'n tuat's mi do, daß mir ös de Ehr o teats und daß S ma G'moa a Grob gibt..." Er schmunzelt. „Feit si nix, Girgl," kräht der Kramer und hebt die dritte Maß auf das 1 Wohl des Geburtstagskindes. „Sollst leb'n aa, Girgl, weilst net hüwern kannst! Die Festgäste lachen. Die Stimmung ist wieder aus Kamps uno Widerrede zu Heiterkeit gediehen. Die vier Gemeinderäte haben rote Kopfe. Der Maßkruq geht vom Tisch zum Faßl und vom Faßt zum Tifch ... So um । sieben Uhr abends läßt der Wirt den zweiten Zwanzigerbanzen auffahren. | „O'schaug' lass'n, na, mein Liaber. Dös braucht sie inser @ tnoa net i lass'n in der Stadt, drinn — bals an Girgl frag'n, ob ma no g feiert । hEtzu'pp — da, Girgl, sag i, hupp — muaß sei Grob kriagn, sag i--* ! 'Und a d' Maua hi zum Dechant zuawi ..." Was du Bluatmensch," schreit der Wirt, „a d Maua? An Ei gang bi —" Drohend schwebt ein Maßkrug über dem Kramer. Um acht Uhr abends ist der Maler der einzig nüchtern Ueberlebende. Den Kramer tragen sie bei allen Vieren zu seinem Häusl. yn öer Stube liegen im Eck zwei geleerte Banzen, am Tisch trauernd umgefallene Mahkrüge.-- „ _ , ., _ . Aus dem Heimweg kommt dem Wirt eine Erleuchtung. Zum O feiern pört a Schiassats! Allaweil scho! — Do derf si d' G'moa net o schaugn Wirt holt seine alte Reiterpistole und gibt eine richtige Ladung Pulver dazu. Sie ist noch vom Großvater und hat schon manches Neujahr und manche Hochzeit angeschossen. Aber aufpassen muaß ma halt, daß net hmt naus geht. Der Wirt schwankt mit dem Schießgewehr zurück. Benn Kramerhausl — beim Nachbarn vom Maler — faßt er Positur. „Soll nur der damisch Kramer hören, was sich g hort beim O feiern! Mit abgewandtem' Gesicht nimmt — er die Pistole weit weggestreckt — Druckpunkt. Da — wumm — bätsch! Krach!! , Eben beim Losdrücken laust der Kramerhund, das Malefizoiech, in die Schußlinie und bleibt als Ocher der Ovation am Platz. Noch am selben Abend mußte dann der Bader dem Wirt und dem Kramer die Schädel cinbinden ... t „Bal er glei mit ara Zaunlatt 'naus mi zuageht ... „Bal er mir mein Hund daschiaht ..." ■ . In sein Tagebuch aber schrieb der Prosessor Girgl Bachwieser am anderen Morgen mit leisem Schmunzeln ein: „Ehret eure deutschen Meister, Dann bannt ihr gute Geister. Egertsham, 20. Dezember 23. Reisebrrefe aus Island. Von Dr. H. Lotz. I. Frühlingserwachen am Borgarfjord. Gestern, um die Mitternachtsstunde trafen unsere Postpserde mit ihrem kernigen Führer schwer bepackt auf unserer einsamen Fann ein | und brachten mir nach drei Wochen wieder einmal eine ganze Anzah. , lieber Heimatgrütze. Umflutet vom mitternächtlichen Nordlicht, durch all das geschäftige Leben ringsum über die Zeit hinweggetauscht, kehrte ich in mein provisorisck-es Reise-Laboratorium zurück und öffnete gespannt die lange erwartete Post. Die Petroleumlampe oder gar die in Island so ost vermutete „Tran-Lampe" brauchte auch jetzt noch nicht in Tätigkeit zu treten. Taghell war der laue Frühlingsabend, dem so plötzlich die lange schwarze Winternacht der nordischen Eiswelt gewichen ist. Erstaunlich scknell sind die letzten Tage gewachsen und mit ihnen ist der Frühling auch in die eisigen Gefilde von Thule eingezogen. Die ersten grünen Halme zeigten sich unter den dichten, grauen, verdorrten Grasbuscheln der ausgedehnten Wiesen und Weiden, und von den entfernten Hocy- almen unterhalb der schneebedeckten Bergriesen bekundet sich das Erwachen der Natur in lichtgelben Farben. Laut und wild, wie die ganze Landschaft, schreien und krächzen Brachvogel, Goldregenpfeiser und Küstenseeschwalbe; Bekassinen ermuntern sich paarweise in ihren Kunstslügen bald in sausendem Flug an sumpfigen Stellen einfallend, bald durch ihr ausfälliges Meckern die einsamen Reisenden auf ihre „musikalischen Fckerv" aufmerksam machend. 2(n den Ufern schnattern tausende Vertreter des zahlreichen Wasserwildcs und die zierlichsten unter ihnen, die kleinen Odinshani, schwimmen geschäftig bei der Futtersuche, ohne auch nur den Menschen im geringsten zu fürchten, während die scheue Saatgans furchtsam alles Lebende in großen Kreisen umzieht und schließlich die sicheren Felseninseln im Fjord zur kurzen Rast erwählt. Dem Schneehuhn, das in großen Kolonien zu vielen Hunderten den kalten Winter im niedrigen Weiden- und Birken-Vuschwerk im Tale, nahe am Fjord verlebt hatte, wurde chas Getriebe zu lebhajt. Es zog wieder hinauf in Seine einsamen, friedlichen Fels- und Schnee-Regionen der benachbarten östlichen Gebirgszüge. Ihm folgte auch die kleine Schneeammer aus den steinigen Küstenstrichen hinauf auf die Hochebenen und die stillen Gebiete der ausgedehnten Lavaselder. An ihrer Stelle Ein sonenklarer Nachmittag über den schnee- und «isbedeckte i B.rg riesen des sagenumwobenen „eisigen Felsen im Meer. 3ch fuljr mt sieben blondlockigen, kernigen Nordlandsdhnen in einem bequemen Segelboot auf den Borgafjord im Westen der Insel, um einige biologische Beobachtungen zu machen und aus der Rückfahrt vomi Postreitweg am gegenüberliegenben Ufer für unsere Farm, mein derzeitiges Standquartier, das angekommene und auf Pferden nicht weiter zu transportierende ^°^Scharf''und'Äsch'chiff der Nord-Ost über die Wogen der unendlichen blauen Fläche dem Ozean entgegen und jagte unser Boot gegen die hohen Wellen der eintretenden Flut, wundersam hob sich die ties dunkelblaue Tönung der mächtigen Felsen unter den glitzernden Zuckerdiäten ab, die sich noch in den letztem Tagesstunden eitel in den klaren Wassern spie- gAten Ach dachte daran, wie oft mir in der Alpenwelt die klare schwarz- blaue Farbe der Berge und ihr nahes Herantreten einen stcheren Regen ober oft gar schwerstes Unwetter angekündigt hatte; hier zahlt sie m ihrer ganzen Pracht zu den Schönheiten der Polarwelt. - Am stahlblau n Himmel neigte sich die Sonne dem Horizont entgegen unbjofte sch m tausendfältiger Farbenpracht auf. Nahe am Nordufer des F,ords legten ach hje Nordmänner in die Riemen, um beim Umfahren de , kleinen Landzungen gegen den tobenden Wind anznkamchen. -c) > h würden die Segel völlig eingezogen, das Boot veran ert und dmch die hohen Gummistiefel gesichert, ging es dis an die Knie durch das IM wasser dem nahen Trocken-Ufergelande entgegen. Ewige W'nterzau der Farmweiden waren bald überwunden, dann folgte (in @unim stieftln) eine echte kleine alpine Kletterpartie über einen FesteuM, den dahinter liegenden Reitweg zu erreichen. W>r ge anchen an em Heine isländische Farm, die völlig in die EWe eingebaut war un einiger Entfernung zwischen den Felsblöcken durch die grasbew ust Dächer gän ich übersehen wurde. Der freundliche Gruß; war auckg w^bei'alleii Isländern, mit einem herzlichen Nachdem die hier abzuholenden Postsachen auf dm ler iiber »ll- Ruder verpackt waren, wurden sie von den luftigen eeglern ,.s«r Hindernisse zurück zum Boot transportiert. Bald waren die Sege gespannt und mit scharfem Seitenwind traten wir fliegend dm an Plötzlich ein Ruck - in der wilden Fahrt waren w,r nahezu^ über Bord geflogen — unser Boot saß fest! In der Dimkelh wir mit der hohen Flut und dem stark abtreibenden Wuck au^ überschwemmte Weidefläche geraten und konnten nun weder vo noch zurück. Alle Anstrengungen, das Boot wieder fo"z'.'°,L eim ben erfolglos. Der Wind fauchte in die Segel, fo daß he Wn™* 5(fippen. gezogen werden mußten, um nicht mit Mann und ®. Dann sprangen zwei unserer wilden Burschen, mit Rude w igruft kurzerhand in das eisigkalte Wasser und verschwanden bis 3 Zei! darin. Sie suchten nach der tiefen Fahrrinne und kumen nach ei y g|51 zurück, während der wir, untätig im Boot fitzend, schon klotzen zufammengefroren waren. Unsere Pioniere teilten i. - 6tre(fe schon sehr weit auf Land auf gefahren waren und.nun du 8«^^ un[er gegen den Wind zurück muhten. Wie aber, dachte ich, Serg- mit >egel> j am tjuar- renbe ngs- hren freu« Und rden lacht hnen bet all iße Jes >en der ine m= nd. 9c, laft ige >ier irch am les, iom den igs= nne an, lern iben zige igft- erk- ohl- eder lück- ums jetzt zum Im hlen oder lichen )ohen blaut die jpi«- warzigen ihrer tauen ich in legten aielen eßlich ch die Flutzäune mimv um J eine b aus jfenen hier, mben. achte» r alle uieber »fahrt u alle mären i eine -värts, , blie> 5 ein> ippen. ■leben, SBruft r S^t Eis- 3 mir ;tre»e un|er Jucker im Meer. Von Professor Dr. phil. et med. 21. Pütter, Heidelberg. Der Heidelberger Physiologe behandelt hier die Frage, ob im Meerwasser Äähcstoffe enthalten find und kommt zu überraschenden Ergebnissen. Daß im Wasser der Weltmeere nicht nur Salze gelost sind, vor ollem Kochsalz, sondern daß wohl alle chemischen Elemente sich in ihm Nachweisen lassen, ist seit langem bekannt. Auf den Gehalt an Edelmetallen wurde in jüngster Zeit die Aufmerksamkeit gelenkt und Die deutsche Meteor"-Eppedition, die kürzlich aus dem Südatlantik hüingerehrt ist, wird uns bald Genaueres über den Goldgehalt der Ozeane mitteilen. Aber wenn es auch gelingen sollte, die unermeßlichen Mengen des gelben Metalles dem Meere zu entziehen, so kannte es aus einer übervölkerten Erde dann der Menschheit so ersehen, wie dem König Midas, der in all seinem Gold dem Hungertod entgegensah. Enthält das Meer denn nicht auch Aährstosse? Da wir alljährlich Sttoattige Massen von Fischen, Muscheln, Hummern usw. dem Meere vimehmen, die dort erwachsen sind, mutz es natürlich auch Nähr- Itasfe für diese Tiere geben, und zwar müssen sie in letzter Linie DDn grünen Pflanzen gebildet worden fein, wie alle Nahrung auf Der Erde. Die Pflanzen des Meeres (wir fhrechen nicht von den Zierpflanzen, sondern von denen der sog. „freien" Meere) haben SegenWer den Landpflanzen die Eigentümlichkeit, datz sie winzig f“"i tznd, meist dem unbewaffneten Auge unsichtbar. Dadurch er- ja das Meer die Täuschung, es sei eine pflanzenlose Wüste, winzigen einzelligen Pflanzen arbeiten ganz ebenso wie unsere firu Landpflanzen. Sie bilden aus Kohlensäure und Wasser, die T"vmng aller Organismen, den Traubenzucker. Da zu dieser oucterbildung das Sonnenlicht unentbehrlich ist, können die Weeres- ;^°uzw nur in den obersten Schichten des Meeres etwa bis zu von 100 Meter hinab ihre Arbeit leisten. Alle tieferen uuJiu)ten müssen von dem äleberschutz der dünnen Aährschicht leben. Die großen Landpflanzen wandeln den Zucker, den sie erzeugen, zum größten Teil in Stärke um und speichern diese in ihren Organen auf, aus denen wir Menschen dann (ebenso viele Tiere) Nahrung gewinnen. Die winzigen Meerespflanzen können den Zucker, den sie fabriziert, haben, nicht in ihrem Körper speichern, sondern geben ihn größtenteils an das Meer ab. So kommt Zucker in das Meer. Würde dieser Zucker haltbar sein, so daß sich die Produktion der Jahre anhäufte, so würde das Meer schon längst viel mehr Zucker enthalten als Salze. Tatsächlich findet man in einem Liter Ozeanwasser 36 Gramm Salze, aber nur einzelne Milligramme Zucker; ja der strenge Nachweis, datz unter den organischen Substanzen, die das Meerwasser gelöst enthält, wirklicher Zucker ist, steht noch aus. Wenn wir von Zucker (im Meere) sprechen, so meinen wir eine organische Substanz, die unter der Wirkung des Lichtes in den Meeres- Pflänzchen entsteht und deren Nährwert so groß ist, wie die Menge Zucker, die wir angeben. Worüber wir Zahlen geben können, ist weniger die Zuckermenge, die in einem Liter Ozeanwasser in jedem Augenblick zu finden ist, als die Menge, die täglich von den Pflanzen an ein Liter Meerwafler abgegeben wipd. Auch diese Menge ist nur für eine Stelle im freien Ozean bmannt, für die Reede von Puerto Orotava auf Tenerife. Vergleichszahlen liegen für den Gols von Neapel und die Kieler Förde vor. Am geringsten ist die Zuckermenge, die die Zwergpflanzen des Meeres täglich an das Wasser abgeben vor Orotava. Das stimmt mit der allgemeinen Erfahrung überein, die man über die Armut der warmen Meere an Organismen gemacht hat. Gehen wir von diesen Zählen aus, so unterschätzen wir die durchschnittliche Zuckerbildung im Meere. Vor Orotava geben die Pflanzen der oberen 100 Meter des Meeres in einem Tage an 1000 Liter Wasser etwa 1ia Gramm Zucker ab. Das scheint sehr wenig. In der Tat ist die höchste Zuckerabgabe pro Tag, die überhaupt beobachtet ist (int Kieler Hafen im Juni), 10 Gramm pro Tag an 1000 Liter, die mittlere Zuckerabgabe pro Tag im Kieler Hafen ist im Sommer 2,3 ramm, im Winter 1,1 Gramm, und im Golf von Neapel etwa 0,9 Gramm. Wenn wir aber einmal versuchen, uns klar zu machen, was eine Zuckerbildung von der Größe bedeutet, wie sie im Kanarenstrom, des Ast des Golfstromes, der die kanarischen Inseln umspült, vor Orovata nachgewiesen worden ist, so kommen wir zu fast phantastischen Zahlen. Da die Zuckerbildung der angegebenen Größe in einer Schicht von 100 Meter Dicke erfolgt, so werden unter einem Quadratmeter der Meeresoberfläche täglich 4 Gramm Zucker dem Meerwasser zugeführt. Im Laufe eines Jahres macht das rund 1,5 Kilo, die einem Nährwert von 6000 Wärmeeinheiten entsprechen. Zum Vergleich sei angeführt, daß die gefamte Menge vrgänischer Stoffe, die bei außergewöhnlich hoher Ernte auf einem Quadratmeter Kartoffelfeld bei uns produziert werden, 6000 Wärmeeinheiten entsprechen, und daß diese Mengen die größten unter unseren Feldsrüchten sind. Sommergerste liefert nicht halb soviel Wärmeeinheiten auf einem Quadratmeter Feld. Noch eindrucksvoller wird die ungeheure Menge der Nährstoffe, die im Meere entstehen, durch folgenden Vergleich verdeutlicht; In den an Organismen armen, warmen Meeren, entsteht unter 185 Quadratmeter Oberfläche täglich soviel Zucker, daß sein Nährwert für einen Menschen ausreichen würde. Es liefert also (1 Quadratkilometer Meeresfläche) die Nährwerte für 5400 Menschen. Für die Meere der kühleren Zonen ist dieser Wert noch viel zu klein. Aber bleiben wir bei unserem Minimalwert! Da die Meere dreimal soviel Fläche haben wie alle Länder der Erde zusammen, so liefert das Meer mindestens soviele Nährwerte, wie sie von einer Menschenmenge verbraucht werden würden, die alle Länder der Erde mit einer Dichte von 16 200 Köpfen (Erwachsenen) auf einen Quadratkilometer besiedeln würde, d. h. die noch mehr als 100mal so dicht sähe, wie wir in Deutschland. Oder man kann sagen, die Menge der Nährstoffe, die im Meere stehen, und dort auch als Nahrung der Meerestiere verbraucht werden, ist mehr als 50Omal, sogar wahrschein- lich lOOOmai sv groß, irrte die Menge aller Nährstoffe, die von den 1,6 Milliarden Menschen verbraucht werden, die die Erde bewohnen. Die rationelle Gewinnung von Gold aus Meerwasser ist ein Traum, dessen Verwirklichung nicht außerhalb der Dankbarkeit liegt. Wichtiger wäre vielleicht schon heute und wird in einigen Generationen sicher die Frage sein, ob es gelingt, der Menschheit einen nennenswerten Anteil zu sichern an der gewaltigen Nährstoff- Produktion der Weltmeere, einen Anteil, gegen den das, was wir heute dem Meere an Nahrung entnehmen, ganz verschwinden würbe. Doch solchem Traum muh kühle üleberlegung heute sogar die Denkbarkeit absprechen. Ein Fest auf .ßaderslevhuus. Novelle von Theodor Storm. (Fortsetzung.) Und Dagmar ergriff ihre beiden alten Hände. „Aber du zitterst, Kind!" rief die Base. „Ja, Bas', ich war hier so allein!" Und die alten guten Augen sahen zärtlich auf das blasse Ding; aber Dagmar zitterte noch immer, sie war der Liebkosungen zu lang nicht mehr gewohnt. Allmählich, erst nach Monden, brach wieder ein zartes Rot durch ihre Wangen, und der süße Augenschein war wiederum darüber; und wenn noch so alt, sie hatte itzt doch eine, zu der sie gehörte, die keine andere in ihren Arm nahm als nur sie. Der Ritter aber war am Ende ein finsterer Mann geworden; die Lust und Güte seines Herzens war bei den Toten; gegen die Lebenden war seine Hand von Eisen. So ging die Zeit um ein paar Jahre weiter. Der König hatte harte Abgaben auferlegt, die härteste war der Mehzehnte, und für falsche Angabe des Viehbestandes waren schwere Bußen ausgeschrieben. Der Schloß- Hauptmann faß den Vögten auf dem Nacken, daß alles pünktlich einge- Boot nicht von der Stelle zu bewegen war. Auf ein mit unverständliches Kommando sprangen nun auch noch meine fünf Gesellschafter in die -Mm, nötigten mich aber, im Boot zu bleiben. So schassten sie mit vereinten Kräften, oft bis zum Hals in dem zwei Grad kalten Wasser, das Boot über das überschwemmte Gelände zurück. Da — auf einmal wurde dos Wasser weniger, wir saßen wieder fest, die Flut war am Weichen. Ich sprang ebenfalls heraus, in das nun seichtere Wasser und nach schweren, mehrstündigen Anstrengungen hatten wir die Fahrrinne erreicht. Nun hieß es segeln, so schnell es überhaupt möglich war, wollten mir noch vor der völligen Ebbe das weit entfernt gegenüberliegende Heimatufer erreichen und nicht die lange kalte Polarnacht im offenen Boot im Fjord liegen! Langsam neigte sich am Westhimmel die schmale Sichel des jungen Mondes. Und bann zuckten und flammten über das ganze Himmelsgewölbe mit regenbogenartiger Farbenpracht die tausendfältigen Strahlen des Nordlichtes. Breite immer heller strahlende Farbenbänder rieseln unb zittern vom West- bis zum Ost-Horizont; raketenartig schossen leuchtend weihe und gelbe und rosafarbene Strahlenbündel vom wolkenlosen Firmament hernieder und blitzten in den hochgehenden Wogen des Nordes widerspiegelnd auf. Wie in einer von Magnesium beleuchteten Tropfsteinhöhle sah man ein Schwingen und Wehen von Lichtfahnen im ganzen Weltenraum. Ein Phänomen, bei dessen Beobachtung und Genießen ich, wie beim ersten Bewundern des unvergleichlichen Schauspiels auf Thule, völlig die schneidend kalte Nacht vergaß. Ein „Nordlicht" von seltener Schönheit! Das Sternbild des Orion funkelte über ben weißen Häuptern unb der Nord-Ost blähte unser Segel zum Zerreißen, so daß die schäumenden Wellen ständig über die Bordwand des einseitig geneigten Bootes pritzten. Schutz vor der beißenden Kälte suchend, kauerten meine Begleiter hinter der höher stehenden Bordwand, nur der sehnige Bursche n der schwarzen Pelzmütze und dem roten Halstuche stand ausrecht im Kiel, mit eisernen Fäusten das Steuer führend, das oft unter den Schlägen der treibenden Eisklötze krachte. Und im Bug stand noch einer, der vorher bis zum Halse im Wasser gewatet war und seine Mütze verloren hatte, mit wild zerzausten Haaren, die Hände mit den dicken Fausthandschuhen um die Segeltaue geklammert und mit Falkenaugen Ausschau haltend auf die Felsenriffe, die jetzt mit der fallenden Flut im Fjord auftauchten. Kurz und wild brüllte er dem Steuermann gegen den Wind das Beobachtete zu, der ebenso schlagfertig die jagende Barke regierte. Plötzlich wieder ein gellender Befehl. Die Fünfe hinter der Bordwand sprangen wie elektristert aus, zwei lösten mit unglaublicher Geschwindigkeit die Segel, währenddessen auch schon die anderen ruderten, daß die Riemen krachten. Die Ehbe war schon so weit vorgerückt, daß das Gegenufer bereits unbefahrbar war unb wir fjordaufwärts zur Mündung des nächsten Flusses rudern muhten. Das hieß aber gegen die reißende Strömung der austretenden Flut und den jetzt zum Sturm übergegangenen Nordost kämvfen. Noch eine verzweifelte Stunde ruderten wir, daß uns schier die Kräfte versagten, dahei schienen mir die Füße in den vorher mit Wasser gefüllten Gummistiefeln vor Kälte vom Selbe sollen zu wollen. Ich dachte aber zähneknirschend an die tapferen Burschen, die tropsnaß bis zum Halse gewesen waren und deren ge= srorene Kleider bei jeder Ruderbewegung knarrten. Kein Wort wurde mehr gewechselt in diesem Kamps mit den ihnen vertrauten Elementen. Dann, auf ein Kommando des Steuermanns, sprangen wieder alle Mann in die Fluten und hatten in kurzer Zeit das Boot auf der kies- unb schlammbebeckten Brandungszone der zurückgegangenen Flut, auf der sie es unter größten Anstrengungen mehrere hundert Meter vorwärts schassten und verankerten. Auch hierbei ließen mich die guten Nordländer nicht ausfteigen unb helfen. Ein vornehmer, hilfsbereiter und gastfreundlicher Germanenstamm Aif dem „eisigen Fels im Meer"! onne von dem grauen ihre des und Verantwortlich: Dr. Hans Thhriot. — Druck und Verlag: Brühl'sche Univerfitäts-kLuch- und Steindruckerei. R. Lange, ®'e$e Dann hob er Zein Töchterchen auf seine Arme und trug sie in sein Gemach. „Dagmar, mein Kind," sprach er, indem er sie sanft zu Boden ließ, „es ist so hell hier heute, und scheint doch keine ~ Himmel!“ .--So war nun Dagmar zwischen dem schweigsamen Vater nttb ihrer säst siebzigjährigen Base und sah nimmer ihresgleichen. Ihre Welt war die düstere 93urg und, wenn Frühling und Sonne kamen, der Garten, der dahinter lag, wo außer ihr dann nichts war als das Summen der Bienen und Hummeln und drüben jenseits des tiefen Sandweges das Rufen der Drosseln aus dem Walde. Der Ritter hatte seit feines Weibes Tod ihn nimmer wieder betreten: denn seitwärts, vorbei an den Wipfeln des Waldes, schimmerte der graue Fleck des Pestackers. Dagmars Augen aber sahen gern dort hinüber, oder sie saß auf einer Bank, neben der die hohe Pappel ragte, und unter bem Summen und dem Gesang der Vögel sah sie wie einst den Bruder nach dem Sommervogel schießen. Meist saß sie freilich droben bei der Base in dem Gemache mit den Butzenscheiben; sie nähte und stickte: auch lernte sie lateinische Vokabeln oder schrieb mit der Feder nach, was ihr die Base vorgeschrieben hatte. Dazwischen kam wohl einmal der Vater, strich sanft über ihr dunkles Haar und ging dann schweigend wieder fort. Als er ihr dabei eines Tages einen Silberreif ums Haupt gelegt hatte, trug sie ihn ferner an jedem Tag. Später holte die alte Dame auch ihre Schriftrvllen aus der Truhe; und eines Abends, eigener Jugendstunden denkend, griff sie nach Hartmanns von -Aue „Armen Heinrich" und begann zu lesen, indessen Dagmar mit offenem Munde ihr zu Füßen saß. Wie kristallene Tröpflein fielen die lichten Worte zu ihr nieder: der junge unheilbare sieche Burgherr im Schwabenland hatte auf seinem Vorwerk bei dem Meier sich verborgen; die Menschen sollten nicht sein Elend schauen, aber mit seinen noch immer schönen Augen streifte er einmal traurig seines Wirtes junge Tochter. Da ließ das Herzeleid um ihren Herrn sie nimmer schlafen; und als an einem Tage ein weiser Meister zu dem Herrn sprach: „Ich will Euch heilen; aber schaffet eine Jungfrau, die um Euch den Tod erkieset und aus der Brust sich bas lebendige Herz will schneiden lassen!" da, während der Herr und ihre Eltern sich entsetzten, rief das Kind: „Die Jungfrau bin ich! Nehmt nur das Messer, daß mein Herr genese!" Ein schwerer Seufzer rang sich aus Dagmars Brust; sie griff nach ihrer Base Hand, als müsse sie den Strom der Dichtung hemmen. Dann aber brach ein so erhaben Leuchten aus des Kindes Augen, daß die Base die Schriftrolle hinwarf und sie mit Hast in ihre Arme zog: „Kind, Kind! Ich glaub fürwahr, du wärst zu solchem auch imstande!" „Ja, Bas' — War das die Minne?" „O Kind, Gott behüt dich vor der Minne!" Und die Base packte erschreckt das Schriftwerk an die Seite. — So war Dagmar fast sechzehn Jahre geworden, und noch immer war sie zarteren Leibes, als sonst die Menschen sind. Da sie eines Tages eine Handvoll weißer Anemonen dem Baier in einen Krug ordnete, sah er ihr zu wie eittem Wunder: „Du bist wie deine Mutter," sprach er dann; „mein Baier, als ich zuerst die Braut ihm zuführte, weigerte mir lächelnd seinen Segen; die sei der Elbinnen eine und würd' nicht bei mir bleiben!" Und als er das gesagt hatte, riß er heftig das Kind an seine Brust. Einer, der sie noch selber sah, soll einst geäußert haben, ihr Körper sei gewesen, als habe ihre anima candida ihn selber sich geschaffen. trieben werde: „Der König will es," war seine einzige Antwort, wenn sie dagegen über des Volkes Unmacht klagten. Warfen dann die Sinnen sich ihm selber in den Weg, so wandte er schweigend ihnen den Rücken und schritt davon, bis der Schrei des Elends hinter ihm verhallt war. Da eines Herbsttages, als schon der Duft des gefallenen Laubes durch das offene Tor der unteren großen Halle wehte, war ein Weib hier eingedrungen, als eben der Ritter in das Freie treten wollte. Sie war eine Witwe, tief verschuldet, und um Verschweigung zweier Rinder schwer gebüßt worden. Da sie unversehens ihm in den Weg trat, herrschte er sie an: „Was willst du? Geh mir aus dem Wege!" Das Weib erschrak; sie vermochte nicht zu antworten, aber Augenlider öffneten sich weit, als gebe sie dem zornigen Blick Mannes ihre Seele preis. „Erbarmen!" lispelte sie kaum hörbar warf sich aus die Fliesen nieder. Der Ritter wollte an ihr vorüberschreiten, aber der Aufschrei einer Kinderstimme machte ihn stille stehen. Als er sich umblickte, sah er sein Kind; sie stand mit einem Fuß noch auf der letzten Stufe der aus dem Treppenturm herabführenden Stiege; die schmalen Händchen, die unter dem schwarzen Aermelsaum des weißen Kleides hervorsahen, hingen schlaff herab; ihre dunklen Augen blickten erschreckt zu ihm hinüber. „Du bist es, Dagmar?" sprach er; er hatte vielleicht in Jahresfrist kein Wort an sie verloren. Sie aber, da sie seine Stimme hörte, war an seinen Hals geflogen und drückte weinend den Kopf an seine Brust. Der starke Mann bebte und frug mild: „Was willst du denn, mein Kind?" Da sprach auch sie, doch ohne aufzusehen: „Erbarmen, Baier!" Er aber hob die Faust gen Simmet und rief: „Fand ich Erbarmen? — Die Hände hab ich im Gebet Zerrungen! Gott schwieg, und so tu ich's auch." Da hob das kleine dunkle Haupt sich zu ihm auf, und aus den Kinderaugen drang so gramvoll süße Bitte, daß er verstummte und den zarten Leib, als müsse er ihn zermalmen, mit beiden Armen an sich preßte: „Mein Kind!... Du lebst!... Du lebst!" Und seine Augen tranken den Jugendglanz der ihren. „O, doch ein Glück auf Erden — Gott sei mir gnädig!" Das arme Weib lag noch auf ihren Knien und hatte wortlos diesem Vorgang zugeschaut; jetzt streckte eine Hand sich gegen sie: „Bist du noch hier, Weib?" „Ja, Herr!" Und ihre Stimme bebte in Erwartung. „So gehe heim! Die Buße, ich zahle sie für dich!" — Und noch einmal, da sie schon hinausgeschritten war, rief er sie an: „Was ist dein Name, Weib?" und als sie es ihm gesagt hatte, sprach er: „Sv gehe heim, Trin Harders, und herze deine Kinder! Du sähest, unser Gott hat auch mit seinem armen Knechte wiederum Erbarmen." Flitterwochen, in denen die Jungfrau sanft zum Weibe reift, hatte« auf Dorning nicht gegeben; die gehörten dem Toten, der mit zerhauenem Schädel in der Grube lag. Statt dessen war die Leidenschaft des Weibes- doch nur in den Stunden der Minne war Frau Wulfhild ihrem Manne untertan; zu anderer Zeit war ihr eigener Wille schwer zu beugen. Ux kampfgerüstet ging sie schon in der ersten Woche zwischen Gewappneten über alle Teile der Feste; bann schritt sie zu ihrem Eheherrn: „Traust du dem Atterdag?" Ich nicht!" und verlangte hier ein Tor ober Fallgitter, bort einen weiteren Graben. In manchem tat er ihr beu Willen, in anderem blieb er hart und sprach dagegen: „Meinem Vater ist's so recht gewesen! Nimm deine Kunkel und sorg für Kinderhemde!" Dann ward sie zornig, und es gab üble Worte: kam es, daß es auch ihm wie Funken aus den Augen sprühte, bann konnte sie sich jäh in seine Arme werfen: „Halt, Rolf! Du bist zu schön! Da M bu mich; ich will nichts mehr!" Dann warb wohl Friebe; aber bem Ritter würbe nicht warm in feinet Ehe; es schien, als sei bie Freude ihm verlorengegangen. — — Es war zu Nachmittag im Anfang Juni, und die Luft war lieb, lich; stundenlang waren Frau Wulfhild und ihr Ehegemahl durch ihr Gebiet geritten; aber für ihn war es kein leichter Ritt, denn ihre raschen Augen flogen weit umher, und unter ihrer gewölbten Stirn arbeitete es dabei von neuen Plänen: wo Wald war, wollte sie Ackerfeld, und wo das Feld zu dürr schien, da wollte sie Kiefern- ober Tannenwälber. „Wir müssen Schatten säen!" rief sie, ba sie eben in einen Walbbezir! tjineinritten; fühl nur, wie wohl bas tut!“ Der Pfad war so schmal, daß bie Pferde nut einzeln schreiten konnten; sie ritt voran, ber Schreiber Gasparb, beu sie aß Berater mitgenommen hatte, war ber letzte. Das Klopsen ber Spechte ober unsichtbar über ihnen ber Schrei eines Raubvogels tvar außer bem Tritt ber eigenen Rosse alles, was sie hörten; unb über Mann unb Weib tarnen die Gedanken, die nicht laut werden; aber ihre Wege gingen nicht zusammen, I Der Wald hörte auf, und sie ritten aus dem beklommenen Bodenduch wieder in das Freie. Am Westhimmel war schon ein sanftes Not erglonv men; das Geißblatt, das voll Blüten an den Wällen hing, erfüllte bie Luft mit Wohlgeruch, daß sie wie in ein wollüstig Meer von Duft hineiu- zogen. Rolf blickte nach seinem Weibe, das jetzt ein Stütz zurückgeblieben war; dann wandte er wiederum den Kopf und sah ins Abendrot; da sprengte sie plötzlich an seine Seite unb drängte ihren Schimmel hart an seinen Hengst; als aber Rolf die Schwere ihres Hauptes an seiner Brust fühlte, fuhr ein Sporenstich dem Hengste in die Weichen, daß er mit einem Ens zur Seite sprang. „Verzeih, Wulfhild!" rief der junge Reiter, indem er das Tier zusammenbrückte, „der Hengst ist Menschenminne nicht gewohnt!' Das Weib ritt wieder zu ihm und faßte mit ihrem kräftigen Arm um seine Hüfte, mit ihren funkelnden Augen nach bett seinen suchend»; vor ihm ab et stieg bie zierliche Gestalt eines böhmischen Schätzchens auf, deren Lippen er einst gestreift unb bas er kaum vergessen hatte, unb grollend» sprach er zn sich selber: „Die bu freitest, ist kein Weib zum Minnen; unb wenn nicht dazu, wozu denn anders?" Hinter ihnen ritt schweigend Gaspard bet Rabe; er sah mit seiner Schnabelnase schief -zur Erben unb spielte mit ber Kugel seiner Mütze, aß ob er an einer Schellenkappe läutete. Die Pferbe gingen jetzt ruhig, unb wieder nordwärts lag ein Wald vor ihnen. Das Dunkel kam nicht nur von seinen Schatten; die Dämmerung war stark herabgesunken, und im Osten begann ber Mond» beit letzten Tag« schein zu besiegen. Da fuhr eS vor ihnen von einer schwarzen Tanne mit einem Satz zu Boden, daß Rolf Lembeck sich jäh ans seinen Träumen auf* hob. „Hatto! Was tvar das, Gaspard?" rief er unb riß seine zierliche Armbrust von dem Rücken. „Eine Wildkatz, Herr! Seht nur, am Stamme sitzt sie noch, der Breitschwanz, und faucht Euch mit ihren spitzen Zähnen an!" „Ein edel und ein Übel Wild!" sprach der Ritter leis unb sprang von seinem Hengste. „Nimm ihn am Zügel, Gasparb I" Frau Wulfhild griff nach seiner Hand: „Laß doch die Katze! Daheim isi besserer Zeitvertreib!" Es trieb ihn dennoch fort: „Reitet nur heim!" rief er; „ich komme such genug!" Damit entriß er seine Hand der ihren. Als aber die Dame, rot vor Zorn, beit Weg nach Dorning eingeschlagen hatte, sprengte Gasparb mit beu beiden Rossen ihr zur Seite: „©reifen Euch nicht, edle Herrin! Die Wildkatz ist nächtens nicht zu jagen: lasset den Ritter daheim ein edler Wild im Lager finden!" --Sie ritten fort. Rolf Lembeck aber drang in den dunklen Walo, aus beit Tannen kam er in beu Buchensorst; er staub an jedem stark" Baum unb lugte nach allen Aesten, ob nicht bie Lichter des Raiwtiett- irgenbwo herunterfmikelten, aber über ihm war jo schwere Waldnacht, Ml nur wie Tropfen das Mondttcht hier und da hindurchfiel; zu hören mr nichts als nur daS Knicken des Unterholzes, das er durchschritt, auch das Zirpen einer Eulenbrut. Er blieb stehen und warf die Armbrust wieder auf den Rücken: „Dtr warst ein Narr; hier ist kein Jagen in der FiM>- nis!" Seine Gedanken flogen heim zu seinem Weibe; doch er schüttelte m Kopf: „Nein, nein, Frau Wulfhild" — er sprach es laut in die einsam Nacht hinaus — „eine Schlachtjungfrau wärst du wohl eher; und hat au? schon ein wundgehauener toter Mann an deinem Leib gehangen V , Fast erschrak er über bie eigenen Worte, die bie Stille um ihn her du i brachen; aber er kehrte nicht um, er schritt weiter auf seinem iiäcWky Sirregang. Da, von unweit vor ihm, drang es an sein Ohr, jo M wollte es alle Sehnsucht wecken, die in ihm schlief. „O Nachtigall, y 9 j Singerin!" rief er, seine Arme in das Dunkel streckend. „Schon flog der Mai Vorbei, vorbei, Unb brachte nicht, was minnewert! Willst du sie künden, Soll ich sie finden, Die Frane, die mein Herz begehrt?" Bald stand er, bald ging er vorsichtig weiter, und immer nur dem nach. „Was Hütt' ich bessere Führerin I" sprach er zu sich selber. (Fortsetzung folgt.) ________-- S hina Juso Berg leuch Sefiu recht» ein i stums Karst Me, über; Kaste toeftu schwii Ai kisten, Käfig lährig sie sin verkrii von J braun zeitun Ein S schalen Praller Tn geschw und b- Kanal, Sund, wirb c der Ha aus eir Sefiattl, Sie kor lvszusä »euerst glasäne Feilsche Dak «sig, bi Markus enge Z rotoerei Son Fc Raum, Stehent breite, \ « eine M mich Kchens Uchtes, Mit Sot Ejch^ „ 8>va Ho greifen. F^bor a St, ei