Kummer 84 Wie ich ausritz ... Die Mutter bei der Wiege. Bon Matthias Claudius. Schlaf, süßer Knabe, süß und mild! Du deines Vaters Ebenbild! Das bist du; zwar dein Vater spricht Du habest seine Nase nicht. Nur eben itzo war er hier Und sah dir ins Gesicht Und sprach: Viel hat er zwar von mir, Doch meine Nase nicht. Mich dünkt es selbst, sie ist zu klein, Doch muß es seine Nase sein; Denn wenn's nicht seine Nase wär' Wo hött'st du denn die Nase her? Schlaf, Knabe; was dein Vater spricht Spricht er wohl nur im Scherz; Hab' immer seine Nase nicht Und habe nur sein Herz! W) für Kerls S",!n ®ott' tTM,s waren Tacke und Boltenstein Kn, unter »4,* rS1. Halbverhungert durch Wälder streifen bedreckt ein Eiland fchden -in Häuschen flanke bet Dur [ummein! Der Atem blieb mir wea tiutgefüat au« Schattenwelt der Bücher brach ja auf einmal ^ Phantasie stiegen^a'^stetten herein. Lieblingsbilder Plz"" Ereifen.O , fen 9ta^men' k'Ngen an, sich zu bewegen, Ingens""hatten ein Bleiklumpen in's Herz: die beiden andern brQWe keine z,?haL^ 3“ 9e^n' llnb ich hatte fein" „Tjawoll . los! ich später noch oft hineingefallenbin,«k di« werde. Zum erstenmal fühlte ich die Traumbattmeöu h hinelnfallea und die Wirklichkeit der erträumten der wirklichen Ding« bu schaltete den denkwürdigen Satz ein: metnem Barnen inne «ah „Begabung ist gar nischt. Begabt ist jeder t w - necesse est! Rudern rudern! (Fin webirgstrottel. Navigare aber mal haut er besti^nt irgeLo aufl" ^ W tOnn Ian«e treibe», 5'Q”er a,trer.^lrrl®r hieß zu seinen Lebzeiten Meffert. JrgkLw^'K^ SichenerLamilieMMer Unterhaltungsbeilage zum Gietzener Anzeiger —"sramr Du bift ^od^nie' fihenaebneb^n "^erab llnb nickt« * n,ch, ftttaraÄ* „xj, * M bort rum Fenster hinausspringen fab ml"1 mcin Jimmer eilen und stehen ... Nein, wirkliL es'blieb^ «7n 2* meinem "Gemocht!", sagte ich erreat Z ^.n Weg als d.e Flucht. „Quatsch. Dort suchen fte im« "h x " ®° *br — nach Amerika?* Ungarn denkt kein Aal. WieviA GAdÄst?u?"^°^n "ach Ungarn. „Zwei Mark fünfundsechzig " ' öu? rfÄ fetlÄ?*'* flauen. A. brei, oier Wochen. Dann müssen wir nafürlf*reilh^.ba5 nicht länger als dienen. Boltenstein will den ,arbclten- um Geld zu ver. geben, oder Schmetterlinge fangen aus!vo7n- atelnifd,e Nachhilfestunden ft?-IffSrÄ?.« it)re goldohrigen Nähnadeln zerbrechen, otelleich?nock"-^ Eouoernont« u«<Är SS‘“n W6en' ’’*« “• 4p-4 machen,- ,a„e ich *lf® »“" “!> du I. keine d-michen Aufi-tze „ Em« Bubengeschichte von Walther Nissen Jm°Hin^7uf7asÄLdk n&^a^malS T ^rfe Ecke, ''chaanähernd die Hälfte der Klasse in^LrteEa sitzln" W Unb aufjZ^erk TL^r 3U i°"er Zeit Gouvernante, der ich Gedichte fdfrieb — ^onp und eine Schularbeiten. Zum Unglück war ich ein b«.b "M viel Zeit für ohne Büffelei chatt durch J begabtes Kind, daß ich auch meinem einfachen Hirn^ de7 ^5°^" -vor. So konnte ich in morgens auf dem Schulweo __ mir h h Arbeit nicht begreifen. Rur der Stadt — schlug ich mich miMatebiH*» Stunde Wagenfahrt nach MZZZZZM^ ZUUW kommenfchaft zu spielen' " gebeugten Erzeuger einer mißratenen Nach- MZWKW-M--- an den Zaun band und Ä üor bem Maule stand, rWg in den Park verschleppte.^ ^"Zeichen einer verhaltenen Er- ^ttetiunn6«^6 4**1 anderes Gymnasium und stand ebenfalls vor der W fÄ^nV-rGarrt Mein Gott, fein, unter «b'.FiuchtenI Halbverhun- bauen, aben^r5^s^°s^' schließlich folgt war, Glück und Ich holte meine Dauerwurst heraus, und fraß sie langsam aber stetig aus Ms sie sich am Nachmittag ihrem Ende zuneigte, sah ich keinen Grund, das Abenteuer weiter fortzusetzen, stieg an irgendeiner Station wieder aus, und suhr mit dem nächsten Zug zurück. Am nächsten Abend traf ich wieder auf unserem Gute ein. Mein Vater war nicht weiter erstaunt und sagte: „Siehst du, das ist deine Strafe. Jetzt weiht du, daß es wo anders auch nicht besser ist als hier. Eine sehr unangenehme Wahrheit. Sie bedeutet die Erkenntnis vom Ernst des Lebens, die Erkenntnis von der Unmöglichkeit, sich von irgend etwas mit Vorteil drücken zu können. Von heute ab gehörst du also zur reiferen Jugend. Und das ist schon beinahe so trist, wie zu den Erwachsenen zu gehören." „Der sucht vergebens, der am Ofen hockt, Nur der allein, den Gottes Sonne lockt, Sich zu verschwenden lachend in den Winden, Wird einst das Eiland seiner Seele findenl" Man ist nie weiser als in der Obertertia. Die Entscheidung war also da. Freude auf das Unbekannte hob mein Herz Mit Sd)aubern dachte ich daran, daß ich aus Nacys.chtoder Protektion — mein Vater kannte den Direktor — doch noch hatte versetzt werden können. Die alten Gleise, die alte Tretmühle, deutsche Absätze, Rücksicht auf das Getue der Pauker, erzwungene Lügereien ... nun also, dieser Kelch war vorübergegangen. Als ich aus der Tür des Gymnasiums trat, erblickte ich — meinen Vater. Ehe ich mich drücken konnte, war er auf mich zu, legte feine Hand QUf Jch"wechchßhon Ugd) ^habe den Direktor gesprochen. Du bist sitzengeblieben' Wamm siehst du denn so blaß aus, du Esel. Ich kann dir verraten daß ich auch einmal sitzengeblieben bin. Einem richtigen Jungen ist doch das ganz wurscht. Das holt man doch zehnmal nach. Perm Rennen kommt's nie daraus an, wer beim Start vorne liegt, sondern wer am Ziel gut abschneidet. Dein Ziel ist noch weit mein Junge. Nun, jetzt komm rüber ins Cafe Fahrig, ich habe dir da schon zum Trost ein Stück Apfelkuchen mit Schlagsahne bestellt/ Wie vor den Kopf geschlagen, ging ich mit ihm und verzehrte dumps meinen Apfelkuchen. Die beiden andern warteten letzt am Bahnhof. Ich sand es kläglüh, daß meine Lippen in der weichen Sahne versanken, wahrend meine Freunde unbekannten Wundern, unbekanntem Glanz entgegen- suhren. Ich fand die Haltung meines Vaters einfach schlapp. Nach meiner Ausfchsung hatte ich glatt und klar väterlichen Zorn zu beanspruchen. Was war das für eine Art, die Generation zu verpantschen und zu vermanschen! Mein Vater hatte Tyrann zu sein und mir damit das Recht aus Geheimnis, Flucht und eigenes Leben zu geben. Zehn Zir usvorstel- lungen, also eine nicht ermeßbare Summe von Freude, hatte ich darum gegeben, wenn mir mein Vater jetzt eine runtergehauen hatte, so daß ich hätte empört zum Bahnhof flitzen können. „Was suchst du denn eigentlich die ganze Zeit hin und her ... Dort, 3ro<3d) 'töüttette5ben Kopf, außer mir über die profane Deutung meiner seelischen Bedrängnis. Nun war mir nachgerade schon alles egal, und, mit Tränen des Schmerzes über die vereitelte Freude in den Augen, erzählte ich ihm alles herunter, was ich vorgehabt hatte. Nie habe ich einen Menschen wieder so lachen gesehen. Das Cafe dröhnte. Hinter den Zeitungen tauchten gelbliche, beleidigte Kopfe auf, verschwanden aber wieder, als sie die mächtige Gestalt meines Vaters trb5)ann sah er mich an, und in seinen Augen waren wahrhaftig Tränen: „Jugend —Jugend! So schön ist das nie wieder —nie wieder! Spätestens mit zwanzig Jahren sollte man sich aufhangen. Nachher langweilt man sich und die andern, die wirklichen Menschen, die Kinder nur. Ich kann mir schon vorstellen, wie du dich auf die Sache gefreut haben mußt! ... Weiht du, was — ich will dir den Spaß nicht verderben — reiße ruhig aus. Hier haft du noch zehn Mark — verlier aber das Goldstück nicht — du bist jetzt ein vierzehnjähriger Mensch — warum sollst du nicht ein bißchen von der Welt sehen. Vielleicht ist das überhaupt bloß Falle daß ich dich hier mit Kuchen traktiere, vielleicht will ich dich bloß sicher machen, um dich dann zu Hause schlecht zu behandeln." Ich sah mißtrauisch zu ihm auf. Plötzlich begriff ich seine Güte und fing an zu heulen. ...... , . , „Na," sagte mein Vater, „höchste Zeit, daß du dir mal ein bißchen Wind um die Nase rvehen läßt!" A Er lieh es sich nicht nehmen, mich mit meinem Kosterchen, daß ich bei meinen Großeltern, die in der Nähe des Bahnhofs wohnten, vorher, verstaut hatte, und in bas er noch eine Dauerwurst steckte, zu begleiten. Dieme beiben Reifegenoffen erschienen nicht. Boltenstein, ber Streber, war, wie sich später herausstellte, versetzt worben, unb Tacke hatte sich am kritischen Tage krank ins Bett gelegt, so daß sich der Zorn des alten Herrn nicht auswirken konnte. , Ich mutzte also allein losfahren, mein Vater bestand absolut darauf. Er verlangte auch, daß ich mindestens solange fortzubleiben hätte, wie die Dauerwurst reiche. Aus einem Kupeesenster vierter Klasse winkte ich noch lange. , , Die Verfassung, in der ich mich befand, war mcht sehr beneidenswert. Mein Vater hatte mir den Wind völlig aus allen Segeln genommen. Je länger der Zug fuhr, desto unheimlicher wurden mir die Mitreisenden und die Landschaft. Melancholische Verse fielen mir ein: Schöne Heimat, Dich muß ich lassen, Dich muß ich lieben, Doch immerbar ... Puntel und lockend, süß anschwellend und jäh verstimmend ist die Weise die dem reizvollsten unb rätselhaftesten Frauenblldnis, die ß e o > narb o s Mona Lisa entquillt. Mit heißerer Sehnsucht ward wohl niemals dem Geheimnis eines anderen Bildes nachgeforscht als dem, bas sich hinter biesem sphinxhaften Lächeln, hinter den schweren, muben Auqenlibern unb ben lässig ruhenben, schlanken Frauenhanben ber schonen Neapolitanerin birgt. Doch bie Tochter des Antonio Maria di Nolbo Gherardini, bie dem viel älteren, angesehenen Edelmann Francesco bei Giocondo als britte Gattin aus ihrer Sonnenheimat nach Florenz ge- • schweigt, ihrer nachgeborenen Bewunoerer spottenb, von bern uHuct und Leib ihrer Jugend und ihrer Ehe, der auch der herbe Mutterschmerz um ein früh entrissenes Töchterchen nicht fremd geblieben ist, schweigt von den vier langen Jahren, durchzittert von nur dunkel erahntem Geschehen, da Leonardo nachschaffend mit dem Rätsel ihrer Zuge rang Dichtung und Legendenbildung haben ihre buntesten Ranken um bie[e' Frauengestalt gewoben, die nach Hofmannsthals wunder- vollen Versen in „Tor und Tod" dem Fragenden nicht mehr vom Leben verrät, als fragend er selbst hineinzulegen vermag. Ist es die gleiche Lust an Ratselspiel und Irreführung, die das anmutsvolle Profilköpfchen der Maria BiancaS f o r z a von A m - droaio de Predis lange Zeit zu einer Beatrice d Eft^, der Gattin des Lodovico Moro, und zu einem Werke Leonardos gemacht hat? Dem eigenwilligen Zug um bie fein geschwungenen Lippen ber auch mit zeitgenössischen Schilberungen ihres Charakters uberemstimmt, dem kecken Röschen möchte man es wohl zutrauen, dah es dieser Sforza Freude bereitet'hat, die Nachwelt zu täuschen. Aber die Lust an Scherz und Spott, bie heitere Lebensfreube sollten halb in liebeleerer Ehe erloschen. Als sie von Mailanb schieb, bas noch heute ihr Bilbnis bewahrt, schieb sie von ihrem Glück. Jenseits ber Alpen erwartete sie em nur aus politischen Erwägungen geschlossenes Ehebünbnis mit Kaiser Maximilian I. Was diefer letzte Ritter" an Romantik und Liebe einer Frau, zum mindesten seiner Frau, zu geben vermochte, das scheint er in (einer ersten, poesieumflossenen Ehe mit Maria von Burgund erschöpft S» haben Als Maria Bianca mitten im Winter über die Alpen gezogen war ba ß ber ungalante Gatte die junge, ihm burch Vertretung angetraute Fran monatelang harren, ehe er sich entschloß, selbst zur Vermahlung nach Tirol zu kommen. Fremb und unverstanden ging Bianca Sforza durchs Leben, so wie sie selbst die Sprache ihrer neuen Heimat nicht verstand. Vernachlässigt, beiseite geschoben als bie Kinderlose, durch bie ewigen Gelbnöcke bes Kaisers rücksichtslos in bie unwürbigsten Situationen ver- strickt — so warb biefe Königin ber Armut zu einer Königin bes Grams. Und die gleiche trübe Mär von einer Trauernden auf einem der glanzvollsten Throne Europas erzählt das stolze Reiterbildnis der Königin Isabella von Spanien der Gemahlin Philipps IV;. t,on des Valesguez Meisterhand gebildet Einer strahlenden Märchen, tönigin gleich reitet sie auf weißem Zelter durch die Landschaft sie in Wahrheit die Unfreieste in ihrem Lande. Denn einer Gefangenen gleich umlauert und beschrankt der allmächtige Minister Olivarez lebe, f’r” Schritte, und wie die döse Hexe des Märchens steht neben der schonen Königin die bucklige Gräfin Olivarez, ihre Camarera mayor n ^m lichkeit aber ihre Kerkermeisterin, die ihr mit niedrigsten Mittlerinn fünften das unbeständige Herz des Königs entfremdete. Schweigend und duldend trug Isabella von Bourdon, deren Liebreiz die rornan sch-, M dem Leben bezahlte Leidenschaft des Grafen 93.Ilameb.ana entfesselt hatte, alle Kränkungen unb Vernachlässigungen, bis ihre Stunbegeko ime war, bis sie in den Tagen ber bittersten Not Spaniens als fteltver tretenbe Regentin höchsten Mut unb weiseste Tatkraft bewahren nn , die sie zum Abgott aller Stände machten und ihr die Liebe des K°n^ zurückeroberten. Doch ihre Lebenskraft war gebrochen: ,ah sank sie m Alle Bilder erzählen ... Berühmte Arauenporkräks und ihre Modelle. Von Dr. Hedwig Fischmann. Seife traumhaft verwehte Töne, wie aus den liefen längst ver- unkener Tage sich emporringend in eine andere Welt, klingel aus jetzt Ügen sie sich zögernd zu Wort und Sinn und Geschehen unb bas Bild beginnt zu erzählen. So warb bie Kunde bern, ber mit fchonheits- gläubigenklugen vor jenen Meisterwerken gestanben, m benen ein Großer im Reich der Kunst in begnabeten Schopferstunben eines Weibes Gestalt von bern Fluch der Vergänglichkeit erlöst hat. lind sie erzählen von ragenden Daseinshöhen, auf denen diese Frauen lächelnd und sieg, reich gewandelt sind, von schweren, steinigen Lebenspfaden, von heißem Begehren und seliger Erfüllung, von müdem Entsagen und unsichtbaren Dornenkronen auf stolz erhobenen Stirnen. Vieltomg wie des Lebens uraltes und ewig neues Sieb finb die Frauenschicksale, von denen sie Ein richtiges, wahrhaft phantastisches Märchen mit Ein "et gleichen Aufstieg aus Armut und Niedrigkeit zu «'ner unbeichrann^ wenn auch ungekrönten Königin, das ist die ^bensgefchichte der le Jeanne Antoniette Poiffon, der allmächtigen^Marquise von P pabour, wie sie Bouckers von Selbe unb Ruschen lni|ie Bildnis, nur nicht in schlichtem Märchenton, sondern m der^kapnz^ raffinierten Welse der Rokokokunft erzählt. Doch um bie zie ) .' 9 Stöckelschuhchen gleißt und schimmert es wie ein blutroter SJ)« benb von nahenden Tagen des Schreckens, die den Festestau Königin der Freude gar bald ab lösen sollten. h .„n„ns ist di« Wärmer und inniger aber, von Herzen zu Herzen i n[t| Sprache jener Bildnisse, bei denen die Siebe des Malers J JLffen wenn er die Züge der Mutter, der Gattin, der ©ehebten Orcr5 unb aus ber Tiefe eigenen Empfinbens ausgebeutet yai, bjt(ere Mutter! Ein strenges Helbenlied berichtet von Kämpfen 9 » Lebensnot, gegen „Krankheit, große Armut, $erfpottung, 9 y hurd)litkn, Schrecken unb große Widerwärtigkeit", die Barbara Dur «ur(jw auf hat. Verfchrumpfte Züge, in die das Leben erbannungsl , ,jjr Furche gezogen, Augen, die müde vom erschauten Leib, 1 r Diesseits, in Letztes, Wesenloses starren, erzählen von dem pflichterfüllten Dasein dieser herb verschlossenen und doch so gütevollen Mutter, die achtzehn Kindern das Leben gegeben und sie mit Strenge zu Fleiß und Frömmigkeit angehalten hat. Andere Töne aus ganz anderen Welten brausen und jubeln in den heißen Liebesliedern, die R u b e n s' Bildnisse der Helene Four- tn e n t in Wahrheit bedeuten. Von dem Tage, da die sechzehnjährige, voll erblühte „vlämische Helena", deren Reize nach eines Zeitgenossen Wort die der griechischen Namensschwester in den Schatten stellten, Rubens als seine zweite Gattin gefolgt war, ward er nicht müde, das hohe Wunder ihrer Schönheit zu preisen. Von dem „Pelzchen" der Wiener Galerie, wohl dem ersten Bildnis, mit dem der stolze Gatte der Mit- und Nachwelt sein Glück verkündete, folgten Bild aus Bild in dem kurzen Jahrzehnt dieser alückerfüllten Ehe, sie bald allein, bald von einem oder mehreren ihrer Kinder wie von anmutigen kleinen Liebesgöttern umgeben, darstellend. Sie alle erzählen von jubelnder Lebensfreude auf des Daseins schönheits- und glanzumstrahlten Höhen. Wie heiß der Gatte sie geliebt hat, dafür zeugt auch sein letzter Wille, nach dem er ihr alles das aussetzte, was er nach dem Gesetze ihr nur zukommen lassen durfte. Und wenn er von jenem Himmel, dessen heiligen Frauen er so oft die Züge der geliebten Frau verliehen hat, nach seinem Tode hätte herabschauen können, dann hätte er sich gewiß in verständnisvoller Liebe des neuen Ehebundcs gefreut, den die so gar nicht zu ewiger Trauer Geborene mit dem Ratsherrn und Schöffen von Antwerpen Joannes Baptista van Broeckhoven geschlossen hat. Dunkel und leidvoll, aber überstrahlt von dem tiefen, verklärenden Goldton hingebungsvoller Liebe gleich dem warmen, zauberhaften Licht, das je und je ausblitzt aus dem Dunkel Rembrandtscher Bilder — so war das Leben der Hendrikje Stoffels, von der das wundervolle Bildnis im Louvre mit dem schwermutsvollen Blick und den mütterlich gütigen Zügen wohl die ergreifendste Kunde gibt. Es erzählt trotz des von der toten Saskia entliehenen Schmuckes von einer armen Bauernmagd, die statt ihrer Namensunterschrift ein Kreuz malen mußte, und deren Leben ein einziges großes Opfer am Altar selbstvergessener Liebe gewesen. Wie einst Saskia, die Tage des Ruhmes und des Glanzes mit Rembrandt geteilt hatte, so teilt Hendrikje mit dem Manne, dem sie vor der Welt nicht angehören darf, getreulich bitterste Not und Niedrigkeit, trägt um seinetwillen stolz das Brandmal der Schande, das ihr Kirche und selbstgerechte Nachbaren aufdrücken. Und als sie, früh dahinwelkend, ins Grab sank, da lebte ihre unsterbliche Liebesfülle in ihrer Tochter Cornelia fort, der einzigen, die am Totenbett des einsamen Genius trauerte. Volons bei schöngeistigen Damen umherae un Irrtum. Er leistete dem Großen K salem wurde, nein, sie ist noch viel, viel älter, denn schon vor unserer Zeitrechnung trank China den köstlichen Trank, den seine Sträucher lieferten, trank ihn mit Behagen und Exklusivität hinter seiner großen Mauer, so daß beinahe ein Jahrtausend verging, ehe er durch ein Löchlein der Mauer nach Japan entwischen konnte. Weitere Fluchtversuche lagen aber offenbar nicht in seiner Absicht, und wenn er auch von der Parole »Asien den Asiaten!" nichts wissen konnte, so blieb er doch im gelben Lande, nährte seine Landsleute und ignorierte Europa. Doch ach! die europäischen Herren aller Zungen waren immer eine Neugierige und unternehmende Gesellschaft, und ob ihre Schiffe auch nur Nußschalen von etlichen hundert Tonnen waren, so befuhren sie doch bald die großen Meere, entdeckten neue Küsten und brachten neue Schätze aller Art in die Heimat. Da war es auch um die Bodenständigkeit und die gelbe Exklusivität des Tees geschehen, und ob er wollte oder nicht, er mußte sich entschließen, die lang verzögerte Europareise anzutreten. Da berichtet denn im Jahre 1588 der florentinische Jesuit Pietro M a s s e i über ihn und gibt eine ausführliche Beschreibung der Teepflanze. Ums Jahr 1636 herum wird er in Paris eingeführt, wo man ihn — horribile dictu! — zuweilen auch raucht! Dennoch scheint man an der Seine leidliches Verständnis für sein Aroma gehabt zu haben; denn nahezu ein halbes Jahrhundert lang trank man ihn ungemischt, bis ums Jahr 1680 herum die Marquise de Sa l li ö r e auf den dämonischen Gedanken tani, ihn mit Milch zu begießen. Frau von 6 6 t> i g n c erzählt in ihren Briefen über diese epochale Neuerung, wogegen sich ein viel späterer Nachfahre der Gastronomie — Brillat-Savarin — nur karg über Tee und Teebereitung ausläßt. Recht bemerkenswert ist auch, daß England, einer der eifrigsten Teekonsumenten, sein Nationalgetrünk von Frankreich übernahm, aus dem die portugiesische Gemahlin Karls II., Katharina von B r a g a n z a, es mitbrachte, als die Restauration die Stuarts nach England zurückführte. Wenn man aber glaubt, daß der Tee sich nur in parfümierten Pariser ealons bei schöngeistigen Damen umheraetrieben habe, befindet man sich »...«in. Mi veiit w t u p c u diurfürften einen Dienst, den bseser ihm wohl nie vergaß, schwächte einen Feind, der dem Kurfürsten harter zusetzte als irgendein gegnerischer Feldherr oder Vertrag. Dieser Nackende Feind war die Gicht, gegen die ihm erfolgreich der holländische ~‘r3t Buntekoe Tee verschrieb, den dieser Holländer für ein das mciqchljchx Leben verlängerndes Mittel hielt und in einer besonderen ®“)fift anpries. Selbstverständlich fanden sich aber gleich böfe Zungen, 8le behaupteten, Buntekoe fei von der holländischen Kompanie bestochen, Eine Tasse Tee. Von Carry Brachvogel. Eine kleine Anekdote erzählt, daß James Watt, dem wir die Er- sindung der Dampfmaschinen verdanken, zuerst auf die Kraft des Dampfes aufmerksam gemacht wurde, als dieser eigenmächtig den Deckel des Teekessels hob, auf dessen mahnendes Brodeln der tiefversonnene Mann nicht geachtet hatte. Diese Anekdote ist gewiß nichts anderes als eben eine Anekdote; aber es liegt doch ein hübscher Gedanke darin, einen uralten, seinen Aristokraten — den Tee — mit einer neuzeitlichen Erfindung in Zusammenhang zu bringen, wie es ja immer erfreulich anzusehen ist, wenn weit zurückgreifende Tradition den Anschluß an wirtschaftlichen Fortschritt findet. Und die Tradition des Tees ist bereits fo alt, wie Methu- um den Teeabsatz zu fördern, so daß man also füglich Herrn Dr. Vuntekok als einen der frühesten Reklamechefs betrachten könnte. Merkwürdigerweise hak der Tee viel mehr Zeit gebraucht als der Kaffee, um sich die europäischen Sympathien zu gewinnen. Geraume ZeÜ galt er vielen als eine Art „Damenmann", über den richtige Männer, so- gar Dichter, spöttelten. Heine, der die Liebe mit einem Flarnrnenpunsch vergleicht, billigt dem Tee ironisch zu: „Da lob ich mir die stille Wärme der Freundschaft, jedes Seelenweh stillt sie, erquickend die Gedärme wie eine fromme Tasse Tee." Dieser frommen Tasse stellt nun aber Ibsen in der „Komödie der Liebe" eine bedeutend minder fromme Auffassung des Tees entgegen. Hier hebt der junge Unhand Falk inmitten eines philisterhaften Streifes, der die Liebe mit allerlei Blumen verglichen hat, [eine Teefchale: „Für Tee und Liebe nehm ich jetzt das Wort! Tee hat fein Heim im fernen Märchenland, Wohin wir auch der Liebe Heim verlegen. Dem Sohn der Sonne nur ward der Verstand, Das edle Kraut zu warten und zu pflegen. Und fo ist's mit der Liebe holdem Schein, Ein Tropfen Sonnenblut muß in uns fein, Soll sie in unserer Seele Wurzel schlagen, Dort grünen, wachsen und auch Blüten tragen." Und weiter: So sagt ein altes Wort, Daß auch der Tee den milden Duft verlör' Wenn er den Weg zu uns macht übers Meer. Nein, wandern muß er durch den Wüstensand, Den Zoll erlegen im Kosakenland; Die stempeln ihn, damit er meiter fahre; Dann gilt er erst bei uns als echte Ware." „Muß nicht die Lieb dieselbe Straße ziehn Durch jene Wüstenei des Lebens hin? £>, sprecht es aus, wie würd' es damit sein, Welch Urteil dieser Welt, wie würd' sie schrein, Wenn einer hier von uns wollt' kühn es wagen, Sie übers Meer der Freiheit hinzutragen! — Wie, sie verlor die Würze der Moral? Der Duft ist hin, denn sie ist nicht legal!" Hier merkt man allerdings, daß die „Komödie der Liebe" aus alten Tagen stammt. Der Tee, dieser empfindliche, bezopfte Herr, der früher die Seefahrt schlecht vertrug, hat sich, dank dem vortrefflichen Bau moderner Schisse, die ihn so trocken legen, als wäre er ein Amerikaner, gut an die Meerfahrt gewöhnt, so daß er sich keiner Karawane mehr an- ichließt, sondern behaglich in einem modernen Hafen landet. Und was die Liebe betrifft, und ihre Abstempelung durch die Legalität ... ja, auch hier haben sich Begriffe und Gepflogenheiten merklich gewandelt! Das von Ibsen pathetisch besungene „Meer der Freiheit" ist allmählich zu einem Familienbad und die Nachfrage nach „Würze der Moral" äußerst gering geworden. Im Laufe der Jahrhunderte und der technischen Entwicklung hat sich der Tee nicht nur an Europa und die Seereise gewöhnt, nein, als gelber Fortschrittler hat er sich gleich ins moderne Leben hineingestürzt und mit raschem Blick begriffen, wo er seinem erfolgreichen Rivalen, dem Kaffee, ein Paroli bieten könnte. Den Five o’clock, den Jour, den Empfangstag großseliger Häuser, hat er sich zum friedlichen Kampfplatz ausgesucht, und hier muß der Kaffee vor ihm die Waffen strecken. Tee läßt sich ja mühelos zu jeder und in kurzer Zeit von Damenhänden im Salon zubereiten, verträgt als Extrakt sogar langes Stehen, während Kaffee erklärt, er habe keine Lust, auf spätkommende oder ab- und zuflutende Gäste zu warten und wenn er stehen müsse, verginge ihm Laune und Aroma. Der Kaffeetisch früherer Tage war die Behaglichkeit, war die Familie, die sich geruhig um ihn versammelte, war wohl auch die berüchtigte „Kaffeeschlacht" der Witzblätter, in der zwischen Kuchengebirgen und Handarbeiten der (lieber noch die!) Nächste kunstgerecht hingerichtet wurde. Der Teetisch dagegen kann wohl ebenso behaglich sein (soweit Welt- und Großstädte eben Behaglichkeit verstehen!) jedoch „Teejchlachten" mit Kuchengebirgen und Handarbeit gibt es nicht. Die Geselligkeit unserer Tag« ist nervöser geworden, als sie ehedem war; man will nicht mehr stundenlang auf demselben Fleck sitzen und den Nächsten zwischen zwei Kuchenstücken meucheln, man willig eilig kommen, eine halbe Stunde, oder eine Stunde bleiben, eine kleine Pikanterie haschen, ein paar kleine Pikanterien aus allen möglichen Gebieten hören oder erzählen, dazu schnell den goldbraunen duftenden Trank trinken, den die Hausfrau immer frisch zubereitet bietet oder zum mindesten bieten kann. Man will sich an keine feste Stunde binden, und der kleine gelbe Herr mit dem Zopf kommt diefem Willen zur Ungebundenheit freundlich entgegen. Denn „der Tee ist der Freund des Menschen", sagt eine der ersten medizinischen Kapazitäten Deutschlands. „Ich habe in meiner langjährigen Praxis nur einen einzigen Patienten gehabt, der von allzu reichlichem Teegenuß Herzbeschwerden bekam, und dieser Mann war eben von Beruf Teekoster." Und vor zweihundert Jahren schrieb der Marburger Professor Dr. W a l d s ch m i e d in einer Abhandlung über den Tee: „Trinket Tee, ihr Damen, daß ihr nicht allzu früh alt werdet; trinket Tee, ihr Herrn Medici, daß an euch nicht wahr werde: indem wir andern aufroarten, werden wir felbften angesteckt und sterben." Nun, gegen den Tod ist kein Kraut gewachsen, auch das Teekraut nicht! Aber warum an den Tod denken, wenn vom Tee die Rede ist? Wir wollen lieber das Leben bedenken und wieviel Forschungsdrang, Kühnheit, Kraft, Intelligenz und Wille nötig waren, damit, sofern es ihm beliebt, auch der Lappländer den Trank des fernen Märchenlandes schlürfen kann, der einst nur für den chinesischen Kaiser und feine Mandarinen gebraut wurde. (Fortsetzung folgt.) Verantwortlich: Or. Hans Thhriot. — Druck und Verlag: Brühl'sche UniversitLts.Vuch-- und Steindruckerei, A. Lange, Giebel Dev tolle Invalide auf dem ^ori Ratonneau. Don Ludwig Achim von Arnim. lFortjegung.) Eingang schützte und wäre der gute Mann nicht an den Spiken h Jfnff htö fj-ölnärtirt Trännn __< , \ tzÜltb einen |chmerpCn l “?UÄe n{ Tr-ppe hinunter gemacht. Nahe diesem Gitter ZT Tl ch gedeckt das erinnerte Francoeur an das Essen Er rief nach ? Men, und Rosalie brachte es, etwas erhitzt vom Feuer aber leb? ?? lich, denn sie bemerkte nicht den Mönch außer den, Gitter der fid> / °°m ersten Schrecken erholt hatte und still vor M betete km'«7 Gefahr abzuwenden: kaum beachtete sie, daß ihr Mann ünb$aZ jener finster, dieser verlegen nach dem Tische blickten. Sie ben beiden Soldaten, aber Francoeur sagte: „Sie können nachMn Ä habe Hunger, daß ich die Welt zerreißen könnte." Darauf lewe si» iv Suppe oor und gab Basset aus Artigkeit das meiste, bann ging fie nnÄ‘ ber Küche, um ben Eierkuchen zu backen. „Wie hat benn meine -Ä dem Kommandanten gefallen?" fragte Francoeur Sebr aw" . wartete Basset, „er wün chte, daß e- ihm in der Gefängenschaft' fo aewrben ware w e Euch." „Er soll sie haben!" antwortete er '°L den beiden Soldaten, die fehlen, fraate fie- was mir fahrt a* fie nicht; Euch suchte fie als einen diener 'des Kommandanten ^chuen darum füllte fie Euren Teller, daß er überfloß Euch bot tu se‘ Wein an, gebt Achtung,' sie Bringt Lch auch L Stuck Eierkuchen. Wenn das der Fall ist dann stelle ich auf hnn»8c-n fie nur fort und laßt mich hier allein." — Basset wollte antworten Z ^^öenblicke trat die sfrau mit dem Eierkuchen herein. Sie hatte ibn $°n drei Stucke geschnitten, ging zu Basset und schob ihm ein Stück llüf den 23ortcn ouf den Xcllcr* „Einen belfern (Sierfuchen finhot ctt ^"ht beim Kommandanten, Ihr müßt mich rühmen!" — Finster blickt Francour m die Schüssel, die Lücke war fast so aroß mie hie h« ? Stücke, die noch blieben; er stand auf und sagte fe ift i* „ lben w'r sind geschieden!" Mit diesen Worten ging er nach dem sch'ob die eiserne Tür aus, trat ein knd schloß Z Ser h Z siA SU. Die Frau sah ihm verwirrt nach und ließ die Schüssel fonZ -/®ütt;, 'hn plagt der Böse; wenn er nur nicht Unheil stiftet im Bnlv^ türm. — „Ist das der Pulverturm?" rief Basset Er svrenat sich Hn°hu ®urfj und Euer Kind!" Mit diesen Worten lief er fort au* eiUc ^Ußte sich Nicht wieder herein und lief ihm nach. Rosaist w ® *n die Wohnung zu ihrem Kinde, riß es aus dem Schlafe aus der fh’ft9rtefnMin’r^e «At3rm^r uon sich, bewußtlos, wie fie Francoeur s° entfloh sie ihm mit dem Kinde und sagte vor sich Wn- das tue ich nur deinetwegen, mir wäre besser, mit ihm zu sterbt Hagar, du hast mcht gelitten wie ich, denn ich verstoße mich selbst'" — Unter solchen Gedanken kam sie herab auf einem falschen Wege und stand am sumpfigen Ufer des Flusses. Sie konnte aus Ermattung nicht mehr geben und setzte sich deswegen in einen Nachen, ber, nur leicht ans Ufer gefahren leicht abzustoßen war, unb ließ sich den Fluß herabtreiben fie wagte nicht umzublicken; wenn am Hafen ein Schuß geschah meL'sie mhhrvZ- gesprengt und ihr halbes Leben verloren, so verfiel sie allmählich in einen dumpfen, fleberartigen Zustand. 6eDatffkrinffehi. “S Z beiden Soldaten, mit Aepfeln unb Trauben wpadt, in bie Nahe des Forts gekommen, aber Francoeurs stacke ötimme rief ihnen, indem er eine Flintenkugel über ihre Kövfe ab- ftuerte: „Zurück!" Dann sagte er durch das Sprachrohr: „An d°? hohen Mauer werde ich nut euch reden, ich habe hier allein zu befehlen und will auch allein hier leben, solange es dem Teufel gefällt!" oie wußten nicht, roas ^as bedeuten solle, aber es war nicht anders in tun, als dem Willen des Sergeanten Folge zu leisten Sie ainaen b-rab u dem steilen Abhange des Forts, welcher die hohe Mauer hieß unb T" f,e do/t angelangt, so sahen sie Rosaliens Botteiind des G-rw- 1Plh9kan etnem ®ei(.e niedersinken, dem folgten ihre Betten und Bett/ bUT das Sprachrohr: „Das Eurige nehmt; Bette, Wiege und Kleider meiner entlaufenen Frau bringt zum Stoni- Zben;. iaflt das schicke ihr Satanas und B 'i woia, ^smnel Um ^rhande mit dem Kommandanten zuzudecken!" h" dl .sen Worten warf er tue große französische Flagge, die auf dem hTLlT© •$'01'ZerQb unb ^hr fort: „Dem Kommandanten lä se ich Ä l?efi?rtfaM,-aer ma9 sich waffnen bis zum Abend, bann m JeU6r c -er s°ll Nicht schonen, Lnn ich schone ihn Teufel nicht er soll alle seine Hande ausstrecken, er wird mich doch nicht fangen; er hat mir ben Schlüssel zum Pulverturm gegeben, ich will unb wenn er mich zu fassen meint, fliege ich mit ihm gen Himmel, vom Himmel in bte Hölle, bas wird Staub geben." — Brunet ©Knkj h*lr3“ hmauf: „Gedenkt an unfern gnädigsten «ontg, daß ber über Euch steht, ihm werdet Ihr doch nicht widerstreben." Dem antwortete Francoeur: „In mir ist der König aller Könige dieser '.n. nnr ist ber Teufel, und im Namen des Teufels sage ich euch: ncrff hiv®»- nlOn|t zerschmettere ich euch!" — Nach dieser Drohung E S™ neide stillschweigend das Ihre zusammen und ließen das übrige ZtZ h» daß oben große Steinmassen angehäuft waren, die tli«* bet en Felswand alles zerschmettern konnten. Als fie nach Mar- le**" ä?m Kommandanten kamen, fanden sie ihn schon in Bewegung, oenn Basset hatte ihn von allem unterrichtet; er sendete die beiden An- ^-ü^^en mit einem Wagen nach dem Fort, um die Sachen ber Frau gegen ben brühenden Regen zu sichern; anbere sandte er aus, um die Frau mit dem Kinde aufzufinden, während er die Offiziere bei sich uertammelte, um mit ihnen zu überlegen, was zu tun sei. Die Besorgnis blefes Kriegsrats richtete sich besonders auf den Verlust des schönen r.,' rveun es in die Luft gesprengt würde; bald kam ein Wge- andter der Stadt, wo sich das Gerücht verbreitet hatte, und stellte den Untergang des schönsten Teiles ber Stabt als ganz unvermeidlich bar. Es “ allgemein anerkannt, daß mit Gewalt nicht verfahren werden ourse, denn Ehre sei nicht gegen einen einzelnen Menschen zu erringen, °ber em ungeheurer Verlust durch Nachgiebigkeit abzuwenden; der werbe die Wut Francoeurs doch endlich überwinden, dann sollten entschlossene Leute das Fort erklettern und ihn fesseln. Als Francoeur sein Kommando angetreten, befahl er sogleich seinen beiden Soldaten, Brunet unb Tessier, mit ihm ben Pulverturm Zu eröffnen, das Jnoentarium durchzugehen, um bann einen gewissen Vorrat zur Feuerwerkerarbeit in das Laboratorium zu tragen. Das Jnoentarium war richtig, und er beschäftigte gleich einen seiner beiden Soldaten mit den Arbeiten zum Feuerwerk; mit dem andern ging er Zu allen Kanonen und Mörsern, um die metatlnen zu polieren und die eisernen schwarz anzustreichen. Bald füllte er auch eine hinlängliche <>ahl Bomben und Granaten, ordnete auch alles Geschütz so, wie es stehen mußte, um den einzigen Aufgang nach dem Fort zu bestreichen. „Das Fort ist nicht zu nehmen!" rief er einmal über das andere begeistert. „Ich will das Fort behaupten, auch wenn die Engländer mit hunderttausend Mann landen und stürmen! Aber die Unordnung war hier groß!" — „So sieht es überall auf den Forts unb Batterien aus," sagte Tessier, „ber alte Kommandant kann mit seinem Stelzfuß nicht chehr soweit steigen, unb gottlob! bis jetzt ist es den Engländern noch nicht eingefallen zu landen." — „Das muß anders werden," rief Francoeur, „ich will mir lieber die Zunge verbrennen, ehe ich zugebe, daß unsere Feinde Marseille einäschern ober wir sie bvch fürchten müssen." Die Frau mußte ihm helfen, bas Mauerwerk von Gras unb Moos Zu reinigen, es abzuweißen unb bie Lebensmittel in ben Kasematten Zu lüften. In den ersten Tagen wurde fast nicht geschlafen, so trieb ber unermüdliche Francoeur zur Arbeit, und seine geschickte Hand fertigte in dieser Zeit, wozu ein anderer wohl einen Monat gebraucht hätte. Bei dieser Tätigkeit ließen ihn seine Grillen ruhen; er war hastig, aber alles zu einem festen Ziele, und Rosalie segnete den Tag, der ihn in diese höhere Luftregion gebracht, wo der Teufel keine Macht über ihn SU Haden schien. Auch die Witterung hatte sich durch Wendung des Windes erwärmt und erhellt, daß ihnen ein neuer Sommer zu begegnen schien; täglich liefen Schiffe im Hafen ein und aus, grüßten unb wurden begrüßt von ben Forts am Meere. Rosalie, bie nie am JJleere gewesen, glaubte sich in eine anbere Welt versetzt, und ihr Knabe freute sich nach so mancher harten Einkerkerung auf Wagen und in Wirtsstuben der vollen Freiheit in dem eingeschlossenen kleinen Garten des Forts, den die früheren Bewohner nach Art der Soldaten, besonders der Artilleristen, mit den künstlichsten mathematischen Linienverbindungen in Buchsbaum geziert hatten, lieber dem Fort flatterte bie Fahne mit ben Lilien, ber Stolz Francoeurs, ein segensreiches Zeichen ber urau, die eine geborene Lilie, bie liebste Unterhaltung des Kindes. So kam der erste Sonntag, von allen gesegnet, und Francoeur befahl feiner Frau, für ben Mittag ihm etwas Gutes zu besorgen, wo er feinen Freunb Basset erwarte, insbesondere machte er Anspruch auf einen guten Eierkuchen, denn die Hühner des Forts legten fleißig lieferte auch eine Zahl wilder Vögel, bie Brunet geschossen hatte, in die Küche. Unter diesen Vorbereitungen kam Basset hinaufgekeucht unb war entzückt über die Verwandlung des Forts, erkundigte sich auch im Namen des Kommandanten nach dem Feuerwerke und erstaunte über bie große Zahl fertiger Raketen unb Leuchtkugeln. Die Frau ging nun an ihre Kuchenarbeit, bie beiben Soldaten zogen aus, um Früchte zur Mahlzeit zu holen, alle wollten an bem Tag recht schwelgen unb sich bie Zeitung vorlesen lassen, bie Basset mitgebracht hatte. Im Garten saß nun Basset dem Francoeur gegenüber unb sah ihn stillschweigend an, dieser fragte nach ber Ursache. „Ich meine, Ihr seht so gesund aus wie fonft, unb alles, was Ihr tut, ist so vernünftig." — „Wer zweifelt daran?" fragte Francoeur mit einer Aufwallung, „das will ich wissen!!" — Basset suchte umzulenken, aber Francoeur hatte etwas Furchtbares in feinem Wesen, sein dunkles Auge befeuerte sich, fein Kopf erhob sich, seine Sippen drängten sich vor. Das Herz war schon dem armen Schwätzer Basset gefallen, er sprach, bünnftimmig roie eine V-ottne, von Gerüchten beim Kommandanten: er sei vom Teufel geplagt von feinem guten Willen, ihn durch einen Ordensgeistlichen, den Vater Philipp, exorzieren zu lassen, den er deswegen vor Ti che hinaufbestellt habe, unter dem Vorwande, daß er eine Messe ber vom Gottesdienst entfernten Sornifon in ber kleinen Kapelle lesen müsse. Francoeur entsetzte sich über dre Nachricht, er schwur, baß er sich blutig an bem rächen wolle, ber solche Luge über ihn ausgebracht; er wisse nichts vorn Teufel und wenn es gar keinen gebe, so habe er auch nichts bageäen einzu- tnenben, benn er habe nirgenbs die Ehre seiner Bekanntschaft gemacht. Basset sagte, er sei ganz unschuldig, er habe bie Sache vernommen, als ber Kommandant mit sich laut gesprochen habe, auch sei ja dieser Teufel die Ursache, warum Francoeur vom Regimente fortgekommen. „Und wer brachte dem Kommandanten die Nachricht?" fragte Francoeur zitternd. „Eure tfrau. antwortete jener, „aber in ber besten Absicht, um Euch tE!nn Zhr hier wilde Streiche machtet." — „Wir sind geschieden! schrie Francoeur und schlug sich vor ben Kopf, sie hat mich verraten, mich vernichtet, hat Heimlichkeiten mit dem Kommandanten fie hat unendlich viel für mich getan und gelitten, fie hat mir unendlich Mi^Atan, ich b,n ihr nichts mehr schuldig, wir sind geschieden!" - Allmählich schien er stiller zu werben, je lauter es in ihm wurde; er sab mieber den schwarzen Geistlichen vor Augen, wie die vom tollen Hunde Gebißenen ben Hund immer zu sehen meinen, ba trat Vater Philipp i« und er ging mit Heftigkeit auf ihn zu, um zu fragen, was er wolle. Dieser meinte feine Be chworung anbringen zu müssen, rebete ben Teufel heftig an, indem er eine Hände in kreuzenden Linien über ZmZT bewegte. Das alles empörte Francoeur, er gebot ihm als Sorte ben Platz sogleich zu verlaßen. Aber der un- erschrockene Philipp eiferte um so heftiger gegen den Teufel in Frau- coeur, und als er sogar seinen Stab erhob, trug Francoeurs militärischer Stolß lnese Prohung nicht. Mik wütender Stärke ergriff er ben kleinen Ph'lipp bet seinem Mantel unb warf ihn über bas Gitter, das ben