kommen, t- Longe es mi», eile hin. er Nebel bestinunt nur die t. Shilin zu Stein men. mir bk für ihn. K er zu- SiehenerKmiilienbMer Unterhaltungsbeilage zum Gießener Anzeiger Mgangl928 Dienstag, den l8. September Nummer 75 'ft; hole» r- Lang« Horchend mit bei leflangen. iren. Wir Was mir gefällt. Von Theodor Fontane. Du fragst: ob mir in dieser Welt Ueberhaupt noch was gefällt? Du fragst es und lächelst spöttisch dabei. ine Füße eigebracht nicht." und gab Wenn man man gut, sich den Einspruch Theodor Fontane. In seinem 30. Todestag. Von Christian Tie mann. an den dreißigsten Todestag eines Dichters erinnert, tut gegen einen naheliegenden Einspruch zu wehren. Gegen nämlich, daß man in der großen Zahl der heute ge- ien Wald, und eilt h an ben len Steig tauschend, gehen st, , so ist« den Weg ein Pseih lschenäh». >om Weg« die Aeste. d matten, itar treibt ichiete sich »rne kaum Hufe auf ölz durch- n. Ob sie hilin, daß e, daß m itrügbar« Nachtu» $t sich am ngen mich „Lieber Freund, mir gefällt noch allerlei: Jedes Frühjahr das erste Tiergartengrün, Oder wenn in Werder die Kirschen blühn. Zu Pfingsten Kalmus und Birkenveifer, Der alte Moltke, der alte Kaiser, Und dann zu Pferd, eine Stunde später, Mit dem gelben Streifen der „Halberstadter"; Kuckucksrufen, im Wald ein Reh, Ein Spaziergang durch die Lästerallee, Paraden, der Schapersche Goethekopf Und ein Backfisch mit einem Mozartzopf." röste »er- Nebel ihn z hinfällig erz schreit re. >t kann « eben. War t nicht an. n, ich wlll ,den unter cs willen! q, auch er Stellung* kom»n @iefieB- frierten Gedenktage schon mit einem erheblichen zeitlichen Abstand auf- »arten müsse, wolle man die Berechtigung des Rückblicks anerkannt sitzen. Und eben dagegen sei gesagt, daß eine solche Würdigung nicht ein höfliches Denkmal oder eine pietätvolle Feier bedeutet, sondern daß Ile das lesende Publikum wieder auf die geistige Persönlichkeit und be- Mders nachdrücklich auf die Werke dieses großen Romanciers Hinweisen rnill und dabei glaubt, ihm einen guten Dienst zu tun, indem sie ihm einen Weg aus dem ärmlichen Gelände des Romans von heute zeigt. iMsfen wir doch auch bekennen, daß wir wohl Lyriker, Essayisten und Murphilosophen von Rang haben, nicht aber — wenn wir von den I wenigen suhlimen, esoterisch wirkenden Repräsentanten absehen — nicht «ber große deutsche Romanschriftsteller aufzuweisen haben, im beson- I beten keine, die auf so breiter Grundlage, vor so großem Wirkungsgebiet Hetzen, wie Theodor Fontane. Das beweist der Erfolg der Ausländer, der Galsworthy und Undfet*). Auf deutschen Boden verpflanztes französisches Wesen — seine Vor- 6en waren RefugiSs der französischen Kolonie in Berlin — und das Preußentum seiner märkischen Heimat vereinigten sich in Fontane zu einer seltenen geistigen Konstitution „von blühender Anmut und kraft- Muen Männlichkeit", heißt es in dem Ehrendoktorbrief der Berliner Universität. Ohne große Ereignisse lief sein Leben ab, unter Entbehrungen und Kämpfen, und erst in hohem Älter wurde er von der drückenden Brot- mbelt frei für die Erfüllung seiner großen Aufgabe. Neu-Ruppin — dort ®utbe er 1819 geboren — ^winemünde, Berlin, London und wieder Berlin waren seine wichtigsten geographischen Stationen. Rach einer — durch wiederholten Ortswechsel — unruhigen Schulzeit wurde er Apotheker, wie fein Vater, und wirkte dreizehn Jahre in diesem Beruf, ohne anfangs Gegensatz zwischen dem Zwang dieser Arbeit und seinen künstleri- W Neigungen zu empfinden. Seine Gedichte aus dieser Zeit hielt er labst für unbedeutend, und erst in den letzten Jahren seiner pharma- : Etlichen Tätigkeit wurde er sich seines dichterischen Berufs bewußt, W auch durch seine Erfolge in der Berliner Dichter-Vereinigung „Der «nel". Balladen wie der „Alte Derfflinger" und der später von Loewe Monte „Archibald Douglas" schufen ihm Ansehen und Namen. Nach Wr künstlerischer Entwicklung fühlte er sich seiner scharfen Selbstkritik S™)fnn und verließ die Rezeptierstube, um sich ganz der schriftstelle- Hen Tätigkeit zuzuwenden. Seine Erwartungen von dem Leben eines men Schriftstellers wurden enttäuscht und bald wurde die unvermeid- atc Mrnalistische Zwangsarbeit ebenso zur Last wie vorher das Re- u, sichen. Wirtschaftliche Sorgen und daraus wachsende Schwierig- j. In m feiner — am Beginn dieser neuen Periode geschlossenen — Ehe diese schweren Jahre zu einer Zeit menschlicher Vorbereitung für ml. Ies Werk. Nur mit der Hoffnung auf eine Zukunft freien wert- schaffens tröstete er sich und seine Frau. tu,*™ sechsundzwanzig Jahre vergingen noch, ehe er sein Ziel erreichte, inV™ Zsitungsdienst — als Korrespondent der „Preußischen Zeitung" «...simn, als Redakteur der „Kreuzzeitung" und Theaterkritiker der 1 B ln Berlin. Glücklichere Jahre der „Wanderungen durch die Mark ttvJ :®le.®cit ein Einwand gegen das künstlerische Schaffen der Gegen- m dieser Form berechtigt ist, bleibe dahingestellt. — Die Red. Brandenburg" und der Bücher über den französischen Krieg. Und die letzte Schranke wurde das Amt eines Ersten Sekretärs der Königlichen Akademie der Künste; ein Amt, dessen unerträglicher Bureaukratismus ihn, zu dem großen Schritt in die Freiheit trieb. Mit siebenundfünfzia Jahren, einem Alter, in dem man gemeinhin das Erlahmen der schöpferischen Kräfte zu beobachten pflegt, begann seine erstaunliche Entwicklung. In den letzten zwei Jahrzehnten seines Leben» schuf er seine lebensvollen Romane, mit denen er im Ruhm der Nachwelt besteht. Waren die Balladen die erste Stufe in seinem künstlerischen Werden, das erste größere Werk machte ihn bekannt. Der Aufenthalt in England hatte aus der Sehnsucht nach der Heimat und aus der Erkenntnis und Schätzung des Gemeinsamen und Gegensätzlichen beider Landschaften Absicht und Plan zu seinen berühmten „Wanderungen durch die Mark Brandenburg" geformt. Sein umfangreicher Erstlingsroman „Vor dem Sturm" zeigte sich noch mit den „Wanderungen" verwandt und hatte noch nicht die Vollendung Fontanescher Wortkunst und die Einheit der Komposition. Fontane wußte, daß er nicht mehr viel Zeit verlieren durfte, und in stetiger Folge gingen nun aus seiner unermüdlichen Feder die Werke durch die Verlagshäuser in die Welt. Den Romanen mit dem „interessanten Stoff", „Grete Minde"« „Ellernklipp", „Unterm Birnbaum", „Quitt" — teils aus kriminellen Ereignissen und Chroniken entstehend — folgen die kulturhistorisch so bedeutsamen, die modernen: „Schach von Wuthenow", das erste unter Fontanes Meisterstückchen, „LÄldutera", „Graf Petöfy", „Cecile", „Irrungen, Wirrungen", „Stine", „Mathilde Möhring" — Ehegeschichten, Probleme wie das des Adligen und des Mädchens aus dem Volk, Leben und Moral seiner Welt darstellend. Mit dem Aufstieg zur Reife — über den Adelsroman „Unwiederbringlich", der köstlichen Satire aus das Bürgertum „Frau Jenny Treidel" — zur Höhe der Meisterschaft, seinem wohl meistgefeierten Buch, dem Ehebruchsroman „Effi Briest", zu den „Poggenpuhls und dem „Stechlin", entrollt sich ein grandioses Bild seiner Zeit und ihrer Gesellschaft, in seiner Vielfältigkeit an Balzac erinnernd. Dem klassischen Berliner und seinem Milieu, wie dem Adligen des sterbenden Alt-Preußens gibt Fontane ihre unübertreffliche Gestaltung. In dem geistreich pointierten und lebenswahren Dialog dieses brillanten Causeurs wird die Atmosphäre und der charakteristische Ausdruck des damaligen Deutschlands für die Nachwelt festgehalten. Die unmittelbar packende Wirklichkeit seiner Menschen und die Kunst seiner — trotz aller Beschaulichkeit — klaren, klingenden Sprache suchen auch heute noch ihresgleichen. Engstirnige Kritik und tadelnder Unverstand ist an keinem Großen vorübergegangen. Man hat Fontane einen Philister genannt, ihm kleinliche Behaglichkeit und Bürgerlichkeit vorgeworfen, ohne den Geist souveräner Beherrschung zu spüren, und hat eine wesentliche Komponente seiner Persönlichkeit gründlich mißkannt. Eine liebevolle Verbundenheit mit den kleinen Dingen, Beschaulichkeit, Lust des Beobachtens ist das Fundament feiner Lebensfreude. Er sieht und kennt Dinge und Menschen, er erwartet nicht mehr als sie geben können, und dieser Wirklichkeitssinn ist der Urgrund seines Optimismus, feiner letzten Endes heiteren Weltanschauung. Aber die „gütige Skepsis" umfaßt nicht seine Haltung der Welt gegenüber. Sie fällt vor der Verehrung und der Hingabe an das Große. Aber aus feiner sicheren Unterscheidung von Wert und Unwert und aus dem Wissen von der Seltenheit des Großen wächst sein Spott auf das Pompöse, auf erlogene Gefühle, unechte Feierlichkeit, auf den Bourgois, auf scheinbare Größe und falsches Heldentum. „Es gibt ein ganz stilles Heldentum, das mir imponiert. Was aber meist für Heldentum gerechnet wird, ist fable convenue, Renommisterei, Grogresultat". Durchaus falsch aber wäre es, anzunehmen, daß ihm selbst Mut ober der Sinn für Kraft und Tat gefehlt hätte. Sein Leben beweist das Gegenteil. Die verschiedene Wesensart zweier Völker und das wohlausgewogene Verhältnis ihrer Kräfte geben ihm die Weisheit des maßvollen, in sich ruhenden Lebenskünstlers. „Aber nun mache man auch dies Trübsalmaß nicht voller, als nötig ist. Leicht zu leben ohne Leichtsinn, heiter zu sein ohne Ausgelassenheit, Mut zu haben ohne Uebermut, Vertrauen und freudige Ergebung zu zeigen ohne türkischen Fatalismus, — das ist die Kunst" des Lebens". Und diese von der Natur gegebene Fähigkeit der „goloenen Mittelstraße" befähigt ihn auch, mit kritischem Verstand und klarer Einsicht die Gegensätze der Zeitwende in sich zu vereinigen, in der Gegenwart stehend Vergangenheit und Zukunft zu verbinden. Thomas Mann sagt: „Zwischen dieser Anschauungsweste" (der konservativen) „und dem unbedingten Enthusiasmus für den vierten Stand liegt gewiß eine Entwicklung, liegt das Bewußtwerden feiner Modernität, fein wundervolles Hineinwachsen in Jugend und Zukunft. Aber seine Anlage zur Relativität, die Zwangslage, alle Dinge von zwei Seiten zu sehen, Toleranz und Gerechtigkeit sind der Kern seines Wesens. Der kleinen Apparat — ebenso wie Barrd in EnglandundI eu Amerika — eine Art Glimmlampe, die ein rötliches Licht liefen, i größeren Fernseher hat er eine neue Wolframbogenlampe Duram u,ul)g die mit einem besonderen Gas gefüllt ist und sozusagen cl,L.„nn[atnpe zwischen einer gewöhnlichen Wolframbogenlampe und einer ® darstellt. „ ... „ is6t oK aus Der Gleichlauf zwischen Sender und Empfänger “ö verschiedene Weise sichern. Es ist gelungen, ihn ohne die große hängt dabei die Feinheit der Unterteilung des Bildes lediglich von der Größe der Scheibe ab. denn wie leicht einzusehen ist, könne« auf einem größeren Umfang mehr Löcher untergebracht werden, d. h., daz Bild kann in eine größere Anzahl von Teilen zerlegt werden. Die Unter, bringung und der Antrieb so großer Scheiben — man kommt bei einer feineren Bildzerlegung auf mehrere Meter Durchmesser — würde nun erhebliche Schwierigkeiten bereiten. Telefunken-Karolus haben diese aus ehr geschickte Weise umgangen, indem die Löcher aus einer mehrfach gewundenen Spirale angebracht sind. Um nun aber- zu verhindern, daß die Löcher der verschiedenen Windungen das Bild gleichzeitig abtasten, wodurch ein wildes Durcheinander entstünde, dreht sich hinter der Loch, scheibe eine Schlitztrommel, deren Schlitze der wandernden Spirale ge. nau folgen, so daß stets nur eine Bildzeile abgetastet wird. Ein Spiegel im Inneren der Schlitztrommel lenkt den Strahl zur lichtempsind- lichen Zelle ab. Das Bild ist bei dieser Anordnung erst bei einer mehr, rachen Umdrehung der Lochscheibe entsprechend der Zahl der Spiral- Windungen vollständig zerlegt; die Umlaufgeschwindigkeit der Scheib« beträgt also ein Mehrfaches von der einfachen Scheibe. Für die Zusammensetzung des Bildes im Empfänger verwend«! Mihaly eine gleiche Scheibe wie im Sender. Auch Telefunken-Karoluz benutzt für den kleinen Empfänger eine genau gleiche Anordnung wie ür die ‘ Bildzerlegung. Der große Bildwerfer dagegen, bei dem das Bild auf einer großen Mattscheibe entsteht, arbeitet mit einer schnell umlaufenden Spiegeltrommel. Diese trägt an ihrem Umsang eine der Zahl der Löcher, also der Bildzeilen der Zerlegungsvorrichtung ent- prechende Anzahl kleiner Spiegel, und zwar bei dem auf der B«r- liner Funkausstellung vorgeführten Apparat hundert. Jeder Spiegel ist in bezug auf den vorhergehenden um einen geringen Winkel gegen die Trommelachse gen'eigt. Ein auf den ersten Spiegel fallender Licht- trahl wird vom Spiegel beispielsweise auf die linke Seite der Mali- cheibe geworfen und wandert bei der Drehung der Trommel von oben nach unten. Es entsteht also die erste Zeile des Bildes. Der folgende Spiegel wirft den Strahl infolge der Neigung um ein Geringes nach rechts; die zweite Zeile liegt dadurch dicht neben der ersten. So schreiiei die Bildzusammensetzung fort, bis der letzte Spiegel die letzte Zeile am rechten Bildrand bestreicht. Dann beginnt das Spiel mit dem ersten Spiegel von vorn. Die Geschwindigkeit ist dabei so groß — die Spiegeltrommel dreht sich in der Sekunde etwa zehnmal —, daß das Auge nur ein zusammenhängendes Bild wahrnimmt. Die Spiegeltrommel hat zur Bildzusammensetzung vor der Lochscheibe den großen Vorzug, daß sie die Lichtquelle bei weitern besser ausnutzt. Bei ihr wird das Licht zu einem punttförmigen Strahl zusammengefaßt, während bei der Nipkowschen Scheibe ständig die ganze Bildfläche beleuchtet wer- den muß und die Löcher immer nur das Licht eines einzigen Bildpunktes, also etwa den zehntausendsten Teil der zur Verfügung stehenden Lichtmenge — ober bei feinerer Zerlegung sogar weniger — durchlassen. Dafür ist aber die Spiegeltrommel ganz erheblich teurer als die einfache Lochscheibe, da die Ausrichtung der Spiegel eine sehr sorg- fällige Arbeit verlangt. Für die Umwandlung der Lichtschwankungen des ab- getasteten Bildes in elektrische Stromschwankungen gibt es verschiedene Wege. Für das Fernsehen kommen aber nur die in tracht, die bei den außerordentlich schnellen Aenderungen — 100000 und mehr in der Sekunde — noch traaheitslos arbeiten. Hierher geboten die lichtelektrischen Zellen, die sog. Photozetten, deren innerer Widerstand sich genau im Verhältnis mit der Belichtung ändert, und die Elektrolytzellen, in denen durch das Licht ein elektrischer Strom erzeugt wird. Seelenzellen genügen den Anforderungen nicht, obwohl man ihre Empfindlichkeit erheblich steigern und die Trägheit wesentlich herabsegen konnte. Meist werden Photozellen benutzt, deren negative Belegung aus Kalium ober einem ähnlichen besonders lichtempfindlichen 'Metall oder einer Metallegierung, zum Beispiel mit Quecksilber, einem Amalgam, besteht und die mit einem chemisch tragen verdünnten Gas gefüllt sind. Auch Telefunken-Karolus und Mihaly verwenden solche verbesserten Zellen. Für die Uebermittlung an d e n Empfänger kommen woh nur elektrische Wellen in Frage, wobei die Länge der Trägerwelle mi Rücksicht auf die hohe Wechselzahl der überlagerten Zeichen sehr 'M sein muh. Rechnet man beispielsweise mit einer Bildzerlegung mW uw Vildpunkte, wobei jedes Bild in der Sekunde zehnmal abgetastet wir», so aibt das 100 000 Zeichen in der Sekunde. Diese müssen der Trager- welle ausgedrückt werden, die, wenn die Uebertragung sauber sein R etwa hundertmal schneller schwingen muß. Die Senderwelle mutz «io eine Frequenz von 10 Millionen Hertz haben, das bedeutet, daß Wellenlänge nicht größer sein dars als 30 Meter. Dabei ist ein aus 10 000 Einzelpunkten noch ziemlich grob, so daß man tn WirktMm zu noch kürzeren Wellenlängen übergehen muh. Hierbei ergeben i mancherlei Schwierigkeiten, doch ist zu hoffen, daß die seit einiger ö eifrig betriebenen Arbeiten mit kurzen Wellen neue Wege weisen u damit auch dem Fernsehen die Bahn ebnen werden. Die Umwandlung der beim Empfänger aufgenommene Ströme in Licht muh, ebenso wie der umgekehrte Vorgang, heitslos erfolgen. Auch hierzu steht wieder eine reiche Auswahl v Mitteln zur Verfügung Es seien hier nur die von K arolu5 ns und verbesserte Zelle, die auf einer von Kerr im Jahre 1^75 Erscheinung beruht, und zwei von Mihaly angewendete Lamp wähnt. Die Karoluszelle, die die Schwingungsebene von polarM Licht dreht, dürfte hinreichend bekannt mf»r R -»egen {eines Konservatismus, wegen seiner Liebe zum Adel, zum tnar- kischen Junker und Offizier oft Gescholtene, der Dichter der preußischen Kriege schreibt: „Das, was die Arbeiter denken, fprechen,schreibenhat das Denken Sprechen und Schreiben der altregierenben Klassen tatsächlich überholt. Alles ist viel echter, wahrer, lebensvoller und begrüßt als Fünfundsiebzigjähriger Hauptmanns „Weber als „vorzüglich, „epochemachend", als „ein Prachtstück der deutschen Literatur. Für unsere Zeit bedingunasloser Kontroversen, unvereinbarer Gegensätze em Beispiel toleranter Klugheit, Gerechtigkeit und Ehrlichkeit. Wie seine „kleinliche Behaglichkeit" hat man auch seinen ,,Ordnungssinn" für einen Mangel gehalten und nicht erkannt, daß er ein deutsches Element, geordnete Kraft gegenüber Formlosigkeit und unbeherrschter Gewalt vertritt: daß nicht ein künstliches System seine Welt ordnet, sondern daß eine Anlage die Welt schon geordnet vor sein Gesicht bringt. Denn er ist kein Romantiker, er fühlt nicht die verschwommene „Ewigkeit der Unendlichkeit", für ihn gibt es kein vages Welt- und Lebensgefuhl. Von den französischen Vorfahren ererbte romantische Anlagen werden kompensiert von seinem klaren preußischen Rationalismus, von feiner Wirklichkeitsnähe. Er ist der Realist seiner Epoche, «eine französische Phantasie, Ironie und Courtoisie finden ihren Gegenpol in der Ordnung, Redlichkeit, der Sachlichkeit und dem Humor seines Preußentums. Und gerade seine Liebe zu Preußen machte ihn zu seines Volkes un- nachsichtlichem Kritiker, der mit ungetrübtem Blick und Wirklichkeltsstnn bas Aeußerliche des deutschen Ausstiegs sah und mit klugen Worten in die ?mnmft öeutete, prophetisch die wirtschaftlichen und politiscyen Folgen sehend, die zwanzig Jahre nach seinem Tode Wirklichkeit wurden. Wie die Dichter seiner Zeit war Fontaine nicht religiös im Sinne bes Dogmas und der Kirche. „Alles, wie auch im Leben des einzelnen, hängt immer an einem Faden, und daß ein hoher Ratseiwille alles Irdische leitet, jedenfalls aber, daß sich alles unserer menschlichen Weisheit entzieht, das muh auch dem Ungläubigen klar werden ' Dieses Gefühl, von der großen unbekannten Macht abhängig zu sein, gibt diesem skeptischen Menschen die sittliche Kraft. , Schöne Religiosität und abgeklärte Lebensweisheit des Greises, Der fein Leben wahrhaft gelebt und erfüllt sieht, sagt rückblickend und m der tiefen Einsicht seiner Verbundenheit mit dem Kosmos: „Leben; wohl dem, dem es spendet Freude, Kinder, täglich Brot, Doch das Beste, was es sendet, Ist das Wissen, daß es endet, Ist der Ausgang, ist der Tod." Das Problem sss Fernsehens. Die Sensation der Berliner Funkschan. Von Wilhelm Buchmann. (Nachdruck verboten.) Gut Ding will Weile hoben. Diese alte Weisheit findet man wieder einmal bestätigt, wenn man die Entwicklungsgeschichte des Fernsehens betrachtet. Der Fernseher ist eigentlich nicht erst ein Kind unserer fungsten Zeit, wenn auch vor kurzem die ersten brauchbaren Ergebnisse erzielt worden sind: Zahllose Ersinder haben etwa feit einem halben Jahrhundert daran gearbeitet. Schon hieraus kann man ermessen, welche »rohen Schwierigkeiten sich der Lösung der Ausgabe entgegenftellten. Wenn erst heute der uralte Menschheitstraum der Erfüllung entgegenreift, so sind Dafür mehrere Gründe zu finden. Zum Fernsehen ist eine Kette von Einzelheiten notwendig; nur der wird seine Arbeiten von Erfolg gekrönt sehen, der auf den zahlreichen Wissensgebieten bewandert ist, die alle in die Gesamtaufgabe hineinspielen. Für „Laien- erfinder" ist also hier kein Raum. Erst die Erfindung der tragheitslofen Verstärker hat die Lösung in den Bereich der Möglichkeit gerückt, nachdem die wichtigsten Grundlagen bereits früher geschaffen waren. Endlich erfordern die Versuche zur Auswahl der geeignetsten Mittel erhebliche geldliche Aufwendungen. , Zergliedert man die Vorgänge, die sich beim pxernsehen abspielen, fo kann man folgende wichtige Einzelheiten unterscheiden: Das sem- zuschauende Bild mutz zunächst in einzelne Bildpunkte zerlegt werden. Die Lichthelligkeit der einzelnen Punkte ist in entsprechende elektrische Stromroerie umzuwandeln. Diese Ströme sind dem Empfänger zu übermitteln. Dort müssen sie wieder in Licht von entsprechenden Helligkeitswerten umgesetzt werden. Hieraus ist das Bild zusammenzufügen. Sender und Empfänger müssen unbedingt gleichlaufen. Die Geschwindigkeit endlich muh so groß sein, daß das verhältnismäßig trage Auge den.Einzelvorgängen nicht mehr folgen kann, sondern das Bild als Ganzes auffaßt. In diesen beiden letzten Punkten sowie in der genügenden Helligkeit liegen die größten Schwierigkeiten des ganzen Verfahrens. „ , , . „., Für die Zerlegung und Zusammensetzung des Bildes die grundsätzlich gleich sind, gibt es zalMiche Möglichkeiten. Man kann dazu wandernde Blenden, Spiegel, Prismen oder Linsen benutzen oder auch ganz ohne mechanisch bewegte Teile arbeiten. Großer Scharfsinn ist hieraus verwendet worden. So reizvoll die Einzelheiten auch sind, müssen wir uns in dieser kurzen Betrachtung auf die Beschreibung von zwei besonders glücklichen Losungen beschränken, die den Fernsehern von Telefunken-Karolus und Mihaly zugrunde liegen. Je einfacher die Vorrichtungen sind, desto beffer eignen sie sich für den Bau der bei höheren Anforderungen ohnedies nicht ganz einfachen Apparate. Telefunken-Karolus wie auch Mihaly verwenden für die Bildzerlegung die schon im Jahre 1884 von N i p k o w erfundene und nach ihm benannte Lochscheibe. Diese Scheibe hat eine große Anzahl von Lochern, deren Durchmesser der Große der abzutastenden Bildpunkte entspricht. Jedes Loch ist vom vorhergehenden in der Bewegungsrichtung der Scheibe um Bildbreite entfernt, jedoch in der Bildhöhe um Loch- breite versetzt angeordnet. Die Locher liegen also auf einer Spirallinie. Hat diese Spirale wie bei Mihaly nur eine Windung, fo ist das Bild bei einer Umdrehung der Scheibe abgetastet. Bei einer gegebenen Bild- lediglich , können d. h., das ie Unter- bei einer Irde nun diese auf mehrfach >ern, daß abtasten, der Loch. )irnle ge. 1 Spiegel tempsind- »er mehr, r Spiral- ' Scheib« verwendet n-Karoluz nung wie dem das er schnell eine der tung ent- der Ber- ■ Spiegel »kel gegen dkr Licht« Der Matt- von oben - folgende nges nach >o schreitet Zeile am em ersten c Spiegel- dos Auge >eltrommel it Vorzug, wird das hrend bei chtet wer- lgen Bild, ng stehen- — durch- er als die lehr sorg. r des ab- ! n gibt es lie in Be- - 100 000 er gehören ■er Wider- i, und die Strom er- en nicht, e Trägheit utzt, deren iders licht- eispiel mit lisch trägen Bhaly ver- nmen wohl irwelle mit i sehr kurz z in 10 000 lastet wird, icr Träger- r sein soll, muh olso >t, daß die it ein Bild Wirklichste» rgeben s>ch nniger Zett weisen um enommenen gang, trag- lsmahl vou n $ benuNi 5 entdeckten Lampen er- olarisiertem k für seinen . ii 11 n s!lt । >rt; für den l'SL« Ilimmlawpe 6t sich °u> ebertrogunO irgendwelcher Gleichlauf- oder Berichtigungszeichen hinreichend genau aufrecht zu erhalten. Mihaly benutzt zum Antrieb seiner Lochscheiben ein nach dem Empsinder benanntes Sa Coursches Rad; das ist eine mit Weicheisenstäben versehene Trommel aus unmagnetischem Stoff, die durch gleichmäßig erregte und unterbrochene Elektromagnete in Umdrehung versetzt wird. Die Magnete werden durch einen einfachen Stimmgabelunterbrecher gesteuert; die taktmäßige Erregung geschieht also im Zeitmaß der Stimmgabelschwingungen. Selbstverständlich müssen die Stimmgabeln am Sender und am Empfänger genau aus denselben Ton abgestimmt sein, was sich aber ohne große Schwierigkeiten erreichen laßt. Telefunken-Karolus verwenden zur Gleichlaufsteuerung elektrische Schwingungskreise, mit denen die Aufgabe ebenfalls restlos gelöst wird. Die in Berlin vorgesührten Apparate übertragen bisher nur stehende Lichtbilder, sog. Diapositive, Schattenrisse körperlicher Gegenstände oder — wie bei Telefunken-Karolus — lebende Filmbilder. Das eigentliche Fernsehen allseitig beleuchteter Körper entsprechend dem unmittelbaren Sehen soll jedoch nach Auskunst der Herren Prosessor Karolus und von Mihaly bereits mit den geschaffenen Mitteln ohne Anwendung über- aroher Beleuchtungsstärken möglich {ein. Hoffen wir daher, daß — nachdem der erste große Schritt gelungen ist — die weiteren Arbeiten zur Durchbildung des Fernsehens von vollem Erfolg gekrönt werden. Besuch im Schloh. I Bon Robert Reumann. Der berühmte Jakob Casanova fiel im fünfundsechzigsten Jahr seines Lebens zu Prag in Krankheit, und als er das Hospital verlieh, da zeigte «s sich, daß der lichte Stern seines Erdendaseins ausgebrannt war und endgültig erblaßt. All die Mittel und Mittelchen, mit denen er es feit Jahrzehnten verstanden hatte, die Menschen in den Bannkreis seiner planvollen Verwegenheit zu ziehen, versagten, untilgbar tiefe Schatten lagerten sich ihm ums Auge, sein Gesicht vergilbte, und durch den kraftlosen Körper zeichnete unerbittlicher sich der Umriß jenes knöchernen Weggefährten, der mit uns wächst, mit uns wandert, und uns zum Schluß überwältigt. Da fand sich ein adeliger Herr und übertrug dem Greis die Obhut über feine Bibliothek auf Schloh Dux, einem Waldsitz im Böhmischen, den er kaum jemals selber besuchte. So war der alte Glücksritter wohl vor ärgster Bedrängnis gewahrt, doch ah er ein bitteres Brot, denn er ward da von den schlichten Leuten, die an seinen feineren Sitten sich anstießen, übel behandelt und gedemütigt, wo es nur anging. Indes er aber so hinlebte, tiefer gebeugt und immer härter vereinsamt, gewannen drauhen in der lärmvollen Welt die denkwürdigen Aufzeichnungen und Erinnerungen seines tollen Lebens so sehr an Ruhm und Verbreitung, daß man sich schließlich des Schreibers selber besann, fein Refugium aufspürte und ihn von mehr als einer Seite mit Einladungen nach Wien, Paris, ja selbst nach Konstantinopel bestürmte. Doch Casanova wies solche Verlockungen mannhaft und klug von sich und blieb trotz der Armseligkeit seines neuen Zustandes dort, wo er war, wohl wissend, daß es in Dingen dieser Erde auf nichts so sehr ankommt, wie darauf, daß einer rechtzeitig Stock und Hut nimmt, fein Kompliment macht und geht. Dabei verstand er es, fein lebendiges Herz, das noch drängender Wünsche und inbrünstiger Tatkraft übervoll war, hinflattern zu lassen mit allen Winden, und seine Freunde weitum haben von ihm niemals frechere und fröhlichere Briefe erhalten, als eben zu der Zeit, da er durch Wochen allein und ohne Warttmg in seiner Turmkammer auf einer Bank lag und fieberte. Damals begab es sich, dah ein Freisriiulein von Trenck — aus der ttichsischen Linie dieses alten Geschlechtes — auf einer Reise nach Wien durch Dux kam und dort während des Pferdewechsels beiläufig erfuhr, daß man den Chevalier Casanova im Schlosse nicht weit vor der Stadtmauer zu besuchen vermochte. Die junge Barne, eben flügge geworden, hatte durch Zufall erst kürzlich bei einer Freundin eines der lockersten Memoirenbücher des Meisters in Händen gehabt und eine schlaflose Nacht bis zum Verlöschen der Kerze an die aufreizende Wirrnis dieser Wanderfahrten gewendet, wovon ihr seither ein Funken ungekannter Sehnsucht im Blut sah. So wollte sie die Gelegenheit wahrnehmen, dem Autor und Erleber jener Abenteuer ins Antlitz zu schauen, einem Menschen also, der auf dem weiten Umweg über bedrucktes Papter ihre Sinne gefesselt hatte, von dem ihr darüber hinaus nichts bekannt war und der ihr vor Augen stehen mochte als irgendein blasser, schöner, südländischer Edelmann, der, reich und sorgenlos, irgendeiner vornehmen Neigung zuliebe das böhmsiche Land und eine seitab gelegene Waldburg als Hoflager und Residenz sich erkoren hatte. Sie befahl, bis zu sinkendem Abend im Gasthof ihrer zu warten, fragte sich durch die Gassen zum Tor hinaus und wanderte, stark ausschreitend, weglos, durch mittäglich besonnte Felder hinüber zum Schloß. Es traf sich aber, daß damals eben alles jugendliche Gesinde zum Einbringen der Ernte auf einem entlegeneren Gutshofe weilte, so dah das Fräulein, durch den verlassenen Lustgarten vordringend, auf einer Terrasse unversehrens dem alten Manne sich gegenüber fand. Hielt sie ihn seiner ärmlichen Kleidung wegen anfänglich für einen Bedienten, so ward sie durch die anmutige Ritterlichkeit im Benehmen des Greises alsbald eines besseren belehrt, und, unterrichtet, daß sie den Bibliothe- tar bes Besitztums vor sich habe, eröffnete sie in einer fast zu lauten Breibeit und Frische, der ein Kenner der Seelen trotz allem einige Verlegenheit hätte anmerken mögen, dah sie gekommen sei, dem Herrn des Schlosses, dem Chevalier Casanova, ihren Gruß zu entbieten. Da fiel der greife Abenteurer in nicht geringe Anfechtung und stille Bedrängnis. War es aber die alte Freude an geistreich verwegenem |M und galanter Täuschung, war es im Gegenteil jene tiefere Selbst- jW und Eitelkeit, die das Srugmert und Gespinst des eigenen Geistes ~")r Itebt als das wahrhaftige Leben, oder war es schon die wehe Schlichtheit und endgültige Abkehr, die ihn da mit einem Male antrat «nb beugte — soviel steht fest, dah der Akte nach kurzem Besinnen erklärte, Herr Casanova habe sich für längere Zeit auf ein anderes feinet Schlosser verzogen, er aber erbiete sich, dem Fräulein, wenn es mit seiner Führerschaft vorlieb nehmen wolle, alles Sehenswerte zu zeigen. So wandelten die beiden alsbald die Stuben und hallenden Säle entlang und über Altane und Treppen einträchtig durch das schweigende Schloh. Es soll aber nicht berichtet werden, wie der alte Seelenfänger e» anstellte, durch ein halbes Wort, ein Lächeln, ein Schweigen die Anteilnahme der jungen Besucherin für den vermeintlichen Schloßherrn an« zufachen und zu vermehren. Es soll nicht berichtet werden, wie dem Fräulein von Trenck unter solcher Leitung aus einem Nichts, aus Anhauch und Widerschein gleichgültiger Möbel und Bilder eine Wahnwelt erstand, ein verwegener Zauber, der dem jungen Geschöpf das Blut ins Gesicht trieb. Dann endlich hielt Casanova den Augenblick für gekommen, die also Vorbereitete in die Welt seiner eigentlichen und geheimsten Schätze zu führen. Da hatte er nämlich eine stets versperrt gehaltene Kammer auf eine absonderliche Weise zum Behältnis seines vergangenen Lebens gemacht. Darin juaren Staatskleider, Degen und Larven, ja selbst alte Lorbeergewinde, Steine und Stücke Holzes in einer planvollen Wirrnis über Wände, Tische und Schränke verteilt, — Gegenstände durchweg, in denen noch Blut war, aus deren Runzeln und Rillen es noch wie Lebensatem herwehte, wie verklungenes Lachen und der verwirrende Anhauch heimlicher Nächte. Der Alte erschloß unter viel geheimnisvoller Vorbereitung und wichtigen Gesten seltsam beklommen und geschwellten Herzens den verschwiegenen Raum. Die Nähertretende rückte sich einen schweren Armstuhl ans Fenster, durch das die schon tieferstehende Sonne herein und auf ihr rötlich glimmendes Haar fiel, lehnte sich lässig und müde von ihrer Wanderung durch die Felder und von der Beschau des Schlosses zurück und lauschte nachdenklich und mit gesenkten Lidern den Worten des Greises, der auf» und niederging, oder sonderbar tänzelnd ihren Sessel umschritt, eine der herbeigeholten Jagdtrophäen des Lebens in zitternden Händen und unter heimlichem Kichern eine feinsinnig verwegene und verwirrte Geschichte erzählte, für die eben jener Gegenstand dem Herrn Casanova Symbol und Anstoß gewesen sei. Dann ließ er es mit diesem Geschehnis nicht fein Bewenden haben, berichtete auf gleiche Weise ein zweites und drittes, jedes kunstreich und planvoll gesteigert, wußte in zierlicher Rede Buntheit mit Sinnesfreude zu würzen und kam endlich so weit, der jungen Dame, der reglos an eine Gebärde des Lauschens hingegebenen, vor einem Kinderhemdlein, das er aus einer Lade hervorgekramt hatte — es war vergilbt und morsch und zerfiel ihm fast in der Hand — die frechste, kleine Historie zu erzählen, die sich erdenken läßt. Der Schritt, mit dem er den Armstuhl umkreiste, der Schritt des alten Zauberers ward fast jugendlich und beschwingt, die Stimme des greifen Kavaliers blühte auf und vibrierte wie die eines Knaben, es straffte sich seine Seele noch einmal unter dem Abenteuer, das, hergezerrt durch die verfallene Zeit, von List, Triumph und Gelächter Funken sprühte, und endlich langsam mit dem kunstvoll gebändigten Sinken der Rede stiller ward und verglomm. Casanova verstummte, trat mit dem leisen Tritt des Verführers neben den Sessel und beugte sich nieder. Da aber erwies es sich, daß das Freifräulein von Trenck tief ein- geschlafen war. Ihr junger Kopf war im Schlummer müde zurückge- sunken auf die Lehne des Stuhles, durch offene, trotzig aufgeworfene Kinderlippen strömte der liebe Lebensatem ein und aus und ein unfaßbar lichtes und fernes Lächeln war über das fdjlafgelöfte Antlitz gegossen. Der berühmte Jakob Casanova, der Abenteurer, schlich still aus dem Raum. Als das Fräulein schon längst erwacht und fortgegangen war, durch die abendlich verschatteten Felder weiterschreitend gegen die dunkelnde Stadt, kam der Alte aus seinem Versteck hervor und versperrte mit zitternden Händen die Kammer seiner Triumphe. Wenige Tage später fiel er erneut in Krankheit, ein langsam auszehrendes, fiebriges Leiden, von dem er sich nicht mehr erhob. Der Gefangene im Kaukasus. Von Graf Leo N. T o l st o i. (Schluß.) Aber der Tatar muh den Schmerzensschrei Kostylins gehört haben. Shilin hört, wie jemand hinter ihnen reitet und ruft Shilin stürzt in den Wald. Der Tatar greift nach der Flinte und schießt. Da er nicht trifft, schimpft er und jagt fort auf dem Wege. „Wir sind verloren, Bruder", flüstert Shilin. „Dieser Hund wird Tataren um sich sammeln, sie werden uns hetzen. Zum mindesten drei Werst müssen wir weiter, fönst gibt es keine Rettung für uns." Der Teufel hat mich angetrieben, denkt er, diesen Klotz mitzunehmen. Allein wäre ich schon langst in Sicherheit. „Geh' allein!" bittet Kostylin. „Weshalb sollst du für mich verderben?" „Rein, ich gehe nicht. Es taugt nicht, den Kameraden zu verlassen." Wieder nahm er ihn auf die Schultern und eilte weiter. Eine Werst mochte er zurückgelegt haben. Immer geht's durch den Wald und kein Ausweg ist zu spüren. Der Nebel, als ob Wolken zögen, lichtet sich und zerrinnt, kein Stern ist mehr zu sehen. Shilin war ganz abgequält. Am Wege ist eine Quelle, von Steinen umfaßt. Er hielt an und setzte Kostylin ab. „Einen Augenblick will ich ausruhen ... will trinken ... wir wollen einen Fladen essen ... wahrscheinlich ist es nicht mehr weit." Nur eben hatte er sich hingestreckt ... er wollte trinken ...da vernimmt er wieder das Stampfen. Und wieder stürzt er, den Kameraden tragend, ins Buschwerk, dem Abhänge zu. Da legen sie sich nieder. Er hört Stimmen, unterscheidet tatarische Worte. An derselben Stelle, die sie eben verlassen, hatten die Tataren Haltgemacht. Bald vernahm man Rufe, wie man Hunde anhetzt. Es knistert am Boden — durch das Geäst, gerade auf sie los, bricht ein Hund sich Bahn. Vor ihnen bleibt er stehen und bellt. wirb sie sonst vermissen und dich stand er auf und warf den Stein fort. Wenn auch im Block, ich muß Druck und Verlag: Vrühl'sche Aniversitäts-Duch- und Steindruckerei, R. Lange, Gießen. Verantwortlich: Dr. Hans Thhriot. — und springt wie Shilin, wie der am Block, damit Und er blickt aus Geradeaus hatte tragen." Kostylin wollte nichts von Flucht Horen. „Nein," sagte er, „für mich ist an kein Entrinnen von hier zu denken. Ich habe ja nicht einmal die Kraft, mich umzuwenden. „Dann lebe wohl, gedenke mein nicht im Bösen." Sie küßten sich zum Abschied. St(©ie‘toüttette den Kopf. Er legte die Hände zusammen und flehte sie an: „Dina, ich bitte dich — Dinuschka, bringe sie mir! „Es geht nicht an", entgegnete sie. „Man wird es sehen. Alle sind zu ialdrand gekommen. denkt er — dann gehe ich tiefer Shilin ruft Kostylin an: . , „ , . s,, „Komm. Zum letztenmal wollen wir s versuchen. Ich werde dich Fremde Tataren nähern sich, ergreifen sie, binden sie, setzen sie auf die Pferde und reiten mit ihnen davon. Kaum drei Werst waren sie geritten, als sie Abdul mit zwei Tataren begegneten. Nach kurzem Wortwechsel wurden Shilin und Kostylin auf andere Pferde gesetzt — und wieder ging s zurück in ben Aul. Abdul lacht nicht, wie er sonst pflegt, und seinen Gefangenen gönnt Sbilin ergriff die Stange, ließ Dina halten und kletterte. Zweimal fiel er zurück — der Block war ihm äußerst hinderlich. Mühsam hielt Kostylin unten die Stange, mühsam wand sich Shilin endlich vollends nach oben. Aus allen Kräften zieht ihn Dina mit ihren Händchen am Hemd und lacht dabei. Shilin zog die Stange nach oben. „Trage sie zurück, Dina; man r . . . Genau verttanv oputn ma-r, was jie vewjuHusu.su, Russen ganz in der Nähe wären; daß die Tataren fürchteten, dieselben würden in den Aul dringen; daß sie beratschlagten, was nunmehr mit den Gefangenen zu geschehen hätte. < •„ Als die Versammlung auseinandergegangen war, hort Shilin oben ein Geräusch. Er blickt auf. Dina kniet an der Grube, vorgeneigten Kopfes, jo daß ihr Halsschmuck über der Grube baumelt; w e Sternchen blitzen ihre Augen. Aus dem Aermel nimmt sie zwei Kasefladen und wirft sie ihm,We7chalhi'bist du so lange nicht hier gewesen? Ich habe dir Spielsachen gemacht. Hier hast du sie." Er warf ihr die Spielsachen zu. Sie aber schüttelte den Kopf. „Es ist nicht nötig", sagte sie. Nach einer Pause fuhr sie fort: „Iwan, man will dich töten." Sie machte eine Bewegung am Halse. „Wer will mich töten?" , , ,, . .... Der Vater Die Alten befehlen es ihm. Aber du tust mir leid. Da sagte Shilin: „Wenn ich dir leid tue, so bringe mir eine lange - Hause." Traurw^sitst Shilinam Abend und denkt: was wird nun geschehen? Immer blickt er nach oben. Sterne blinken, der Mond if> noch niy: auf- gegangen. Vom Minaret hatte der Mulla gerufen, alles wurde still Shilin verfällt in Halbschlaf und kann den Gedanken nicht loswerden: das ^^PlchM^schüttcte sich ihm Lehm auf den Kopf. Er schaute aus. Am anderen Ende der Grube wird eine derbe lange Stange langsam hinab- gAassen sie sticht sich in die Wand, wird wieder losgemacht und gleitet tiefer. Shilin faßt sie und läßt sie zu Boden. Dankerfüllt blickt er nach oben. Hell blinken die Sterne über der Grube, wie bei einer Katze, glänzen in der Dunkelheit Dinas Augen. Sie biegt ihr Gesicht zum Rande der Grube und flüstert: „ „Iwan! Iwan! Alle sind fortgefahren. Nur zwei sind zu Hause. Als sie bei Tagesanbruch ankamen, setzte man sie auf die Straße. Die Dorfjugend versammelte sich, schlug mit Peitschen nach den Gefangenen, bewarf sie mit Steinen und gröhlte dazu. Die Tataren drängten sich um sie, unter ihnen auch der Alte vom unteren Berg. Shilin hört, daß man über sie Gericht halt Man muß sie weiter in die Berge bringen, sagen die einen. Der Alte aber gebietet, man müsse sie töten. 'Dagegen streitet Abdul, er sagt: „ , Ich habe für sie Geld bezahlt und will Losegeld haben. Nicht« werden sie bezahlen, nur Unheil stiften sie an. Auch ist es sündhaft, Russen zu füttern. Töten — und fertig!" 9 Leb' wohl, Dinuschka. Mein Leben lang werde ich an dich denken. Dina tastete an seinem Rock, um ihm Fladen zuzustecken. Ick danke dir, artiges Kind!" flüsterte er. „Wer wird dir, wenn Während sie die Stange zurückbrachte, schleppte sich Shilin bergab. Unten anaelanqt nahm er einen scharfen Stein und versuchte, das Schloß vom Blocke abzu'schlagen. Aber das Schloß ist fest und widersteht. Er hort, wie jemand leichtfüßig den Berg herabspringt und denkt: das ist sicher- lich Dina. Atemlos kam sie, nahm ihm den Stein ab und sagte. „Laß U tiTeilte sich vor ihn auf die Knie, schlug, preßte, mühte sich ab. Ihre Aermchen indes sind schmal wie eine Gerte, sie haben keine Kraft. Sie warf den Stein fort und weinte. Wieder machte Shilin den Ver- , E . i(, , such Dina hockte neben ihm und hielt ihn an der Schulter. Wie er ein« i — und fertig! ! Pause machte und sich nach links wendet, sieht er eine Rote über dem Sie waren auseinandergegangen. Abdul tritt zu Shilin und sagt. I ig ’ ber Mond beginnt aufzugehen. Bis d^r Mond heraus ist, denkt „Erhalte ich nicht in zwei Wochen das Losegelb für euch, so weide 9 .$ bi Schlucht durchmessen, den Wald erreicht haben. SosoA ick euck peitschen Denkst du dir aber wieder aus, zu entlausen, o schlage I . 2 * '* "»» ich dich wie einen Hund nieder. Schreibe einen Brief, aber wie es sich nnfiAvt 11 9®iän brachte ihnen Papier. Sie schrieben. Wieder wurden sie in den Block gesteckt und inan führte sie huster die Aloschee. Dort war ein Graben von fünf Arschin Tiefe; in diesen Graben ließ man sie nieder. „Ich danke dir, artiges Kind!" flüsterte er. „ ich fort bin, Püppchen machen?" , Er streichelte ihre Haare. . ,± v . VI. I Schluchzend bedeckt sie ihren Kops mit den Händen 3br Leben war jetzt jammervoll. Die Blöcke wurden ihnen nicht mehr ein Zicklein den Berg hinauf; in der Dunkelheit hort abgenommen man ließ sie nickt herauf zum Licht. Wie Hunden warf I Halsschmuck ihrer Flechte am Rucken klirrt, man ihnen ungebackenen Teig zu, der Krug mit Wasser wurde hinunter- I bekreuzte sich, ergriff mit der Hand das Schloß geiasseii In der Grube ist Gestank, stickige Lust, Feuchtigkeit Kostylin I C5 $ejn Geräusch verursache, und schlich auf dem Wege, war nicht unbedenklich erkrankt, schwoll auf und suhlte Schmerzen in bie Röte, wo der Mond aufstcigt. Den Weg kannte er. ni[„„ Gijsymasten' immer stöhnt er, ober er schläft. Auch Shilin fühlte I er Werst zu gehen. Wenn er nur, ehe der Mond heraus ist, den sich ni?dkrgNagen E! w!ib nicht,' wie er sich heraushelfen soll. äßato erreicht! Er geht durch das Flüßchen Am Berge lichte es sich Zwar miUteer den Versuch, zu untergraben. Wo aber sollte er bte I Breits. Aber von der Schlucht aus ist der Mond "ochnichtzusehen, Erde lassen» Auch hatte Abdul es bereits bemerkt und drohte, ihn zu bie Röte jedoch hat zugenommen, an einer Seite der Schlucht wird e» töten. , Heller und Heller. Vergab gleitet der Schatten und nähert sich ihm. Geduckt sitzt er einst, er denkt an das freie Leben und es ist ihm Shilin geht, hält sich immer im Schatten, er geht so schnell er vermag traurig in der Seele. Ein Fladen fällt ihm plötzlich in den Schoß, noch K^b ist schneller — auch auf der rechten Seite erhellen sich ein Fladen, und nun schütten sich süße Kirschen aus. Er bückt nach oben I zzergspitzen. Er ist dem Walde nahe. Der Mond steht schon über und sieht Sina. Sie lächelt und läuft fort. Er denkt: wird nicht Dina b^ Berge — hell wie Tag ist die Nacht. Die Blatter an den Baumen helfen? s. I sind zu sehen Auf den erhellten Bergen, als sei alles ausgestorben, ist ei Er reinigte eine Stelle in der Grube und hob Lehm aus, aus dem er Lm nur unten hort man das Flüßchen murmeln. . s Figuren formte: Menschen, Pferde, Hunde. Er denkt dabei: wenn Dina 1 ohne jemand anzutreffen, kam er bis zum Wald, suchte ern dunkles fotnrnt werbe ich fle tnr zuwerfen. | sRfnhdien aus unb fehle sich, um ein wenig auszuruhen. einen Am anderen Tage kam jedoch Dina nicht. Shilin vernahm Pferde- H>a^) ejnen ^ein und begann wieder seine Arbeit am Block; aber stampf. Fremde Tataren kamen angeritten. Bei der Moschee wurde Rat | zerschlug er sich nur die Hände. Er erhob sich und ging auf dem gehalten. Man sprach von den Russen. Shilin horte ^eStttume de-Alten I std @ine Werst mochte er gegangen seim als ihn seineKrüftverließ. du Genau verstand Shilin nicht, was sie verhandelten: ihm ^en ledoch daß » schmerzten; er macht noch einig- Schritte und bleibt stehen. Ich ' ' *---------------- hil>Whpn 1 werde mich weiterschleppen, denkt er, so lange ich es vermag. Setze ich mich aber, io werde ich nicht wieder aufstehen können. Bis zur Fchung komme ich freilich nicht; wie es aber Tag wird, mache ich Rast im Wald« — und in der Nacht gehe ich wieder. Die ganze Nacht ging er. Zwei Tataren kamen ihm entgegengeritten, aber Shilin Härte sie' von weitem und verkroch sich bmter einem Saunt Der Mond begann bereits zu erblassen. Tau siel, leise begann es zu dämmern. Shilin war noch nicht zum Waldrand gekommen Noch dreißig Schritte will ich machen, denkt er — dann gehe ich tiefer in den Wald und raste. Nachdem er etwa dreißig Schritte gemacht, sieht er, daß der Wald sich lichtet. Wie er an den Rand kommt, ist es bereit» ganz hell. Vor ihm, wie auf der Handflache, liegt die Festung. Und un fern linker Hand im Tal, brennen Feuer; letzt verloschen sie und Rauch steigt auf, und Menschen umdrängen das glimmende Holz Schars bim Shilin hin und unterscheidet durch den Rauch ... glanzende Flintenlans Von" Freude beseelt, sammelt er die letzte Kraft, klimmt bergab. Verhüte der Allgütige, denkt er, daß hier auf freiem Feld ein reitender Tatar mich sieht: so nahe dem Ziel, ich entkäme nicht. Kaum war ihm dieser Gedanke gekommen, siehe: links auf bem W etwa zwei Deßjattnen entfernt, halten drei Tataren. Schon haben sie ihn bemerkt, sausen mit verhängtem Zügel aus ihnzu.IhmistzuSmn, krampfe sich sein Herz zusammen — er erhebt die Hande, schreit au» Leibeskräften: „Brüder, befreit Mich! Brüder! Die Unseren hören den Ruf — Kosaken fitzen auf und sprengen an Zwar die Kosaken haben es weit, die Tataren sind nahe!. Shilin, m« einer Hand am Fußblock, schleppt sich atemlos den Kosa en entg^ n, seiner selbst nicht mächtig, bekreuzt er sich und schreit: „Bruder. Brno Brüder!" Die Kosaken sind an fünfzehn Mann. * . .. Bon Schreck erfaßt, zügeln die Tataren ihre Pferde und halten. Und jetzt umringen die Kosaken Shilin, fragen ihn: wer er Je, woher: Shilin weint unb kann nur stammeln: Bruder! Bruder. Reguläre kommen herbei, auch sie umringen ihn. Der gibt ihm D jener Grütze, Branntwein ein anderer, der bedeckt ihn nut dem der schlägt ihm den Block ab. . Sol- Die Offiziere erkannten ihn und brachten ihn in die Festung. Di baten freuten sich, bie Kameraden versammelten sich um ihn. Shilin erzählte seine Erlebnisse und schloß: . erheiratet! „Da habe ich nun die Reise nach Hause gemacht, habe mich verye Nein, es war nicht mein Geschick." . rourbe Und er diente weiter im Kaukasus. Einen Monat spater Kostylin für fünftausend Rubel ausgelöft; kaum lebendig brachte