en; eil. :uit am der ähr iegt )lan mhn lehr erde bsche man über ihlich ver- teise- puntt >esten Taler rschen haute t um Win- ch geil des ;ontre< Chur, fahren großer ls der und ist t; lehr e, nack atürlich ie ver< sich all- iraufge- her Art ner des ;es Be- illon in itück der irberung xr eine manchen ten find, ^uftellen, Staub, iber für ne Wen- nbungen Nebirgs- viclleidji > Idylle sie prat- nt; aber an heute Besolde- ngs war eits Ain >ampfer' :r Iah« :n Fluß' t Klch, , in die urde ge> ■ Gesell- derfelben ifacheren i waren reifenden ifeschO 'ktrisch!" ortschr» ung Nl» n lagen! ter B-r- ■yn ab« m; M,Kaiserin ■Sonnen- ■ttgemet” ■gesicheri- ■r hatten • Segen' i, $. em sichönen das nn* iehe"- SietzenerZamstieMAter Unterhaltungsbeilage zum Gießener Anzeiger Samstag, den <8. August Jahrgang <928 Kummer 66 Die Amsel und das Blatt am Baum. Von Wilhelm Schüssen. Die Amsel singt, Im Blauwind schwingt Ihr süßer Schall, Und die Zweige zittern all. Und jedes Blatt Bebt Nimmersatt, Weht hin und her, Als ob es selber Vogel wär ... Die Mutter. Novelle von Maarten Maartens. Die im Folgenden abgedruckte Erzählung des in englischer Sprache schreibenden holländischen Dichters Maarten Maartens ist in einer autorisierten Uebcrsetzung von E. v. Kraatz und mit einem Nachwort von Wolfgang Schumann im Verlage von Philipp Reclam jun., Leipzig, — im Rahmen der bekannten Universal-Bibliothek — erschienen. 1. Im grauen Zwielicht des frostigen Herbstabends stand eine Frau und schaute auf die sich weit hinabsenkende Landstraße hinunter. Rings um sie her verloren sich die ungastlich dunkelnden Tannenwälder zu beiden Seiten des einsamen Hügels. Kein Blatt regte sich. Nur das eintönige Tröpfeln Tausender von Bäumen unterbrach die feierliche Stille. Von ihrem dicht am Gipfel gelegenen und zur Hälfte von einem niedrigen Fichtenbestand verdeckten einsamen Häuschen aus schnitt ein schwacher Feuerschein immer deutlicher in das nahende Dunkel hinein. Fahlgelb und matt blinkend streckte sich dec schmale Strich der Landstraße gerade über die Höhen herab und richtete seine müde, regungslose Linie auf die Finsternis, auf das Dorf, auf die Sammelpunkte und heitern Gespräche der Menschen. r., , „Er kommt spät", sagte die alte Mutter laut zu sich selbst. „Ich finde, er bleibt jeden Abend länger aus. Aber es ist kein Wunder, er schnackt gern ein bißchen im Dorf. Und warum auch nicht? — Vorig Jahr konnte ich noch bis zu der Tannengruppe gucken, wo mein Vater den Fuchs schoß." Langsam stolperte sie unter der drückenden Feuchtigkeit der Baume hindurch zu ihrem Häuschen zurück. Das Abendessen kochte über. An dem dämmerigen Fenster hing ein Bauer mit einer Elster. „Schon gut. sagte die Elster. „Geh weg!" . „Ieses, Heisterchen, ich bin es ja!" erwiderte ihre Herrin und reckte einen mageren Arm empor, um die Lampe anzustccken. „Du wirst doch nicht wollen, daß ich weggehe? Dann würdest da ja die einzige Gesellschaft verlieren, die du je gehabt hast. Du Dummbart, haft du mich fiir nen Landstreicher gehalten?" ., ...... „Schon gut!" sagte die Elster, die sich vielleicht — uuö vielleicht auch nicht — andrer Gefährten aus Feld und Wald erinnert haben mag, jejsi aber jederzeit den Schritt der Witwe Quint erkannt haben wurde. Ihr Wortschatz war sehr beschränkt, ebenso wie die Zahl ihrer Bekannten. Diese bezifferten sich auf zwei: die Witwe, die sie liebte, und den Sohn der Witwe, der sich nicht um sie kümmerte. Ebenso bejah sie fiir alle Ereignisse ihres winzigen Daseins nur zwei Ausdrucke, die für ihre Philosophie völlig ausreichten: „Schon gut!' und „Gey weg! ' „Gott, es ist ja nicht wirklich spät!" rief die Witwe aus, die wie die •weiften einsamen Menschen ost laute Selbstgespräche führte. ..Die^ Tage werden nur kürzer, und da kam es mir so vor." Sie stand und heftete i °en Blick auf die Kuckucksuhr. „Noch nicht fünf, und das Petroleum , •h Zehn Pfennig teurer geworden! Aber es macht mich immer ungs- •nütlich, wenn der Junge spät nach Hause kommt. Das ist nichts weiter aft ’ne Verrücktheit von mir. Ja, ja, Heisterchen, deine Herrin ist ganz «nsach 'ne Närrin! Lieber Gott, wie oft hat mein John das gesagt, und-dabei meinte er's nie im Ernst. Konnte es auch nicht leiven, wenn ientanb anders es ihm nachpappelte. Er wußte sehr gut, wer von uns deiden den hellsten Kopf hatte!" Dabei lachte sie leise vor sich hm, ganz örtlich und mitleidig. „Gott sei seiner Seele gnädig!" sagte sie und warf einen Blick in den Kochtopf. „Die Zwiebeln werden schön braun. Isaak >rd da (ein, eh' der Kuckuck wieder ruft." „Geh weg!" sagte die Elster. . . ... . n alte Frau hielt mit dem Umrühren inne, „so n verflixter s,°llel! ries sie aus. „Heister, du mühtest Prügel kriegen, wenn bu nur beschaffen wärst. Ich weiß gar nicht, warum das kleine Tier nie was aus dein Jungen gemacht hat, und dabei ist er der beste OiLbe» e3. ie gegeben hat — oder geben wird. Nein, das ist wohl •ßchen zuviel gesagt, aber sein ciftcnes Kücken hält man wohl immer für wunder was." In der Tatsache, daß der Junge den Vogel nie gemocht hatte, weil er eifersüchtig auf ihn war, hatte die Witwe niemals die Erklärung gesucht. Ihre eigenen Lebenserfahrungen hatten sie nur schwer darüber zu belehren vermocht, daß Liebe bei den meisten von uns auf Nehmen beruht. Seit mehr als sechzig Jahren lebte sie in diesem einsamen Häuschen. Sie war als einzige Tochter darin geboren, und nach dem Tode ihrer Mutter hatte sie mit fünfzehn Jahren den leeren Platz an der Seite ihres wortkargen Vaters eingenommen. Als ihre Jugendblüte dahin war, starb auch ihr Vater und ließ Mary in einer ihr unbekannten Welt allein. Er hatte als Unterförster im Dienst des Barons gestanden, dem die Waldungen gehörten. Jetzt fiel die Stelle samt dem Häuschen einem anderen Manne zu, der um sieben Jahre jünger war als Mary. Dabei entstand eine Meinungsverschiedenheit in bezug auf das alte Schreib pult des Vaters. Er schlug vor, sie sollte sie schlichten, indem sie ihn heiratete, und sie nahm seinen Antrag an, denn weshalb hätte sie etwas anderes tun sollen? Als ihre ersten Kinder geboren wurden, zählte sie schon fast vierzig Jahre. Die drei ältesten starben nacheinander im Säuglings- oder doch frühesten Kindesalter — erbarmungslos einer Umarmung entrissen, deren Verzweiflung wohl jeder anderen Macht, als der des Todes getrotzt hätte. Nur Isaak, der jüngste, blieb am Leben. Zwei lange Jahre der Stille waren vergangen, als sein schwaches Gewimmer wieder das Haus zu erfüllen schien. Sie zweifelte keinen Augenblick daran, daß dieser Sohn ihres sich neigenden Lebenstages ihr erhalten bleiben würde. „Er wird die Stütze meines Alters sein", sagte sie. „Ich werde seine -Kinder noch erleben und küssen." „Unsere Lebenszeit steht bei Gott", erwiderte der vor ihrem Bett sitzende Pfarrer sehr ernst. „Und das ist ein wahrer Segen", versetzte Mary Quint. „Ich glaube, daß der liebe Gott daran gedacht hat, als er mir meinen Isaak schickte. Ich werde über ihn lachen, wie Sarah es tat." „Meine gute Frau, Sie verdrehen die Tatsachen", wandte dec Pfarrer verdrießlich ein. Der weite Weg hatte ihn erhitzt, und er hatte es nicht gern, wenn arme Leute dummes oder sentimentales Zeug schwatzten? Mary preßte die eine kleine Tatsache, die sie begriff, an ihr Herz. „Ach bitte, Herr Pastor," sagte sie in etwas besorgtem Ton, „Sie werden doch nichts dagegen haben, daß ich ihn Isaak nenne?" „Ich nehme an, daß es ein Familienname ist", sagte der Pfarrer. „Oh, das wird er gewiß fein", erwiderte Mary. „Kommt er nicht in deiner Familie vor, John?" „Natürlich", stimmte ihr Mann bei, der zuweilen gutmütig und niemals übertrieben gewissenhaft war, und dem auf der ganzen Welt an nichts, als am Trinken gelegen war. „Nun, dann mag das junge Menschenkind so heißen", erklärte der Pfarrer, indem er sich würdevoll erhob. „Möge es sich als ein Sohn der Verheißung erweisen! Ich gehe jetzt, Quint. Bis zum Dorf sind es fünfviertel Stunden." „Freilich," sagte der Unterförster und stand auf, um seinen seltenen Gast bis zur Tür zu geleiten, „für einen Herrn wohl. Unsereins macht den Weg in fünfundfünfzig Minuten. Aber was ist denn auch unsereins?" „Mein lieber Quint, alle Menschen sind gleich — ahem! — vor Gott," versetzte der Geistliche ärgerlich, „aber unsere Körperkräfte sind unzweifelhaft verschieden. Das macht aber wenig aus, denn die Bibel belehrt uns ausdrücklich darüber, bah körperliche Uebungen nichts fruchten." „Stehen solche — solche Sachen in der Bibel?" rief der Förster sehr verwundert aus. „Gewiß", erwiderte der dicke, kleine Pfarrer in verweisendem Ton. „Sie sollen Ihre Bibel lesen, Quint." Draußen vor der Tür blieb er stehen. „Wie alt ist Ihre Frau?" ,r. Mit Gottes Hilfe wird sie im nächsten April neununddreißig werden" antwortete der Förster ohne Zögern. Er pflegte stets ein paar Jahre vom Alter seiner Ehefrau abzuziehen und nannte das „Teilung der Differenz". . , Der Pfarrer schüttelte nachdenklich den großen Kopf. „Sie hat dumme Ideen", sagte er. „Ich fürchte, sie ist eine ziemlich törichte Frau, Quint." ....... „ Ja Herr Pfarrer, das sagt sie mir selbst immerzu, erwiderte der Wrster' aber ich kann es eigentlich nicht glauben. Im Kochen und Backen'ist sie alleil anderen Frauen über. Mit ihrer Gelehrsamkeit ist es ja nicht weit her, aber wie ich ihr immer sage, können wir doch nicht alle auf anderer Leute Kosten gekleidet und ausgebildet werden.' — Der Pfarrer zuckte zusammen: er war ein Waisenhauskind. — „Was für Nutzen würde eine Familie von Euer Hochwürden mit Respekt jti. ' ' Ich will in nichts weiter als das Haus!" rief die Witwe und lieh alle" Furchtsamkeit fahren. „Ich bin da geboren, Herr Baron, und es gibt nichts, woran man sich so gewöhnt, wie an Einsamkeit, Undmm Junge, der schon sieben Jahre alt ,st, muh mit der Zeit auch Unter förster bei Herrn Baron werden und wie wir alle in dem haus toOi)Sineb'cn Jahre!" ries der Baron, halb ärgerlich, halb lächelnd „Meine gute Frau, da wird's eine lange Zeit dauern, bis er Hera» roC,d)K' roirb cs so schnell machen, wie er nur irgend kann" versetzte da Wit'we „Kein Mensch soll's ihm zuvortun. Es dauert nicht lange, her an3USe®ott das ist wahr!" ries der Baron aus „Es „tommi mir vor" al- ob ich gestern noch ein kleiner Junge gewesen wäre- Data stand er aus und ging ins Nebenzimmer, wo seine Frau mit ihm Handarbeit sah. , . . Si-bcs Kind die Witwe Quint ist hier und will Unter,orsterin da mir'werden'" Daraus erzählte er ihr alles. „Mein Vater hat das h°»s ausdrücklich als Wohnung für einen Waldhüter gebaut, knurrte e, und von der Pension kann sie natürlich nicht leben. „Lieder Mann," entgegnete die Baronin lächelnd »wenn du etM wünschst, l«t< NH |. >»«» »«• °-» *"*• l|Ä iS getan worden ist. _____ vu 1 D B Mutter. Und er verstummte. „Wozu diese unnütze Beschönigung?" eiferte der Pfarrer, horoar schnaufend. „Mary, Sie werden doch hoffentlich nicht gelernt haben, Ihrem armen Mann seine Schwäche nachzufühlen? Sie leben hier oben zu einsam, meine gute Frau. Nun, das wird ja bald ein Ende nehmen. Von nun an werden Sic mit Ihrem Kind im Dorf wohnen, und „Bitte, gehen Sic weg, Herr Pfarrer", sagte die Frau und stand schirmend vor dem Toten. £)h Hervih, wenn Sie es wünschen", erwiderte der P^orrer vouer Zorn. „Aber bedenken Sie, daß ich nicht so bald wicderkommen werde. Vom Dors aus sind es bis hierher über fünsviertcl Stunden zu gehen, und wenn ich nicht John Bost mit seinem Wagen getroffen hätte — „Der Wagen wartet," sagte die Witwe, „ich höre das Ge,chirr tlintichV' , _ . . k rA „Natürlich wartet er. Eigentlich hatte er Ängst, daß sem Pferd sich hier oben erkälten könnte. Aber ich sagte, ich mühte mit der Witwe reden. Was bedeutet die Möglichkeit — die entfernte Möglichkeit, daß ein Pferd sich eine Erkältung holt, im Vergleich zu — zu — einer Menschenseele." . . . ... Die Witwe!" Dieser neue Titel, den sie nun au, immer wurde tragen müssen, tat Mary Quint weh. Doch sic streckte nur die Hand nach ihrem Sohn aus, ohne von ihrem Posten zu weichen. Der Pfarrer ging auf die Tür zu. „Nehmen Sie sich in acht, daß Sie feinen Ismael aus Ihrem Isaak machen," sagte er mit einem ge- wisscn milden Genuß, „Sic Hagar in der Wüste!" Mit diesen Worten trat er triumphierend seinen Rückzug an. Er brannte schon darauf, {einer Schwester Petronella, die sehr stolz auf ihn war, diese neue Probe seines Witzes zu unterbreiten. Der Pfarrer war noch jung, es war cm- znnehmcn, daß er noch zahlreiche Gelegenheiten haben würde, an Torheit zuzunchmen. v Die endlich in Frieden gelassene Witwe saß da und schaute ihren toten Gatten an, und allmählich rannen ihr einige Tranen über Die Wangen. „Es tut mir leid", sagte sie lcisc. „Ich — ich glaube nicht, dah es richtige Liebe war, John, — nicht so wie einige Frauen fte fühlen Aber es maß ja auch Einbildung von mir jein. Ich tat, was ich konnte — und du auch. Cs tut mir so leid." Der kleine Junge zerrte sie am Rock und wimmerte, sic solle vom Bcti weggehen. Sic solgtc ihm ans Fenster- ein winterlicher Sprühregen ging schräg vor den dunklen Tannenumrissen nieder. „Isaak", murmelte sie, aber sic sprach Mit sich selbst. „Isaak!" Sie hob sein Gesicht zu sich empor. „Isaak, wenn ich keine Kinder gehabt hätte — ich wcitz nicht, ob ich es je zu wissen gekriegt hätte." Sic lieh das Köpfchen los und starrte in den Regen hinaus. ~ ... . „ ™ ,, Nach einigen Tagen, als das Begräbnis vorüber war und alle Welt sic vergessen hatte, während alles wieder den alten Gang ging, zog sie ihr bestes Trauerkieid an, nahm den Jungen an die Hand und machte sich nach dem Dors und dem jenseits gelegenen großen Hause auf. Das Kind lieh sic im Torhäuschen, und dann wandte sie sich dem Hauseingang, dem großen Hund und dem feierlichen Diener zu. „Quint!" sagte der Gutsherr, indem er die Fingerspitzen gegeneinander legte und über die Brillengläser hinwegblickte. „Ja, natürlich, Quint! Traurige Sache." Darauf sah er auf feinen Schreibtisch herab und dachte in seinem guten Herzen, wie unangenehm solche Dinge doch wären. „Jo, es ist wirklich sehr traurig," wiederholte er und schob den Stuhl herum, als die schwarzgekleidete Gestalt eintrat, „und auch — — er unterbrach sich — „sehr traurig." „Herr Baron," begann die Witwe, „mein Vater hat Ihnen über vierzig Jahre fang treu gedient." melden beim Waschen und Backen haben? Gor keinen! Und sie sicht das al'‘„@utenr^?orgcif", sagte der Pfarrer. Der Förster begab sich wieder nach der Hintcrstubc, wo seine Frau lag. „John, komm her und sieh dir den kleinen Isaak an", sagte eine Stimme aus dem Wandbett. „Er hat ein Grübchen im Kinn, John, ganz wie mein Vater. „Du bist ein Dummkopf", versetzte.ihr Gatte, indem er seine Pseise stopfte. „Das warst du von jeher." Der kleine Isaak wuchs heran, und das Grübchen trat «nmer deutlicher hervor. Er war ein bequemes gutmütiges Kmd und liebte die Ruhe. Die leidenschaftlichen Liebkosungen und das heftige schelten seines Vaters waren ihm von klein auf zuwider. Im ganzen genommen empfand er geradezu etwas wie Vergnügen, als die laute, lärmende Stimme aus seinem Dasein auslchied, bevor er sein siebentes Lebensjahr vollendet hatte, und er mit einer Mutter, deren Liede und Zorn stets ruhig und gerecht war, in dem kleinen Hause allein blieb. Die letzten Lebensjahre des armen John Quint waren ein einziger, nur von einzelnen Reucanfälleii durchzuckter Trunkenheitsorgan gewesen. Schiießlich geschah das, was seine Frau längst zitternd voraus- gesehen hatte. An einem dunkeln Dezemberabend trat der Forster einmal zu oft fehl. Am nächsten Morgen brachte man ihn ihr durch den Kops geschossen ins Haus. Die Witwe bedankte sich bet den Teilnehmenden und Neugierigen, bevor sie sic gehen hieß. „Ich bin cs nicht gewöhnst so viele Menschen um mich zu haben", sagte sic. „Es ,nacht mich konfus." Da schlicken alle bis auf den Pfarrer von dannen. , „Mary," begann der Geistliche, „dies ist eine furchtbare Heimsuchung." , . 'Sie saß erschrocken, mit vom Bett abgewandten Blicken am Herd, und der kleine Isaak zupfte an ihrem Knie. „Ahern!" fuhr der Pfarrer fort. „Es ist eine Heimsuchung und außerdem eine Mahnung für uns alle" („uns" ist gut! dachte er bet sich). Seine Finger spielten mechanisch mit dem blauen Band an seinem Knopfloch. „Leider Gottes unterliegt cs keinem Zweifel, daß Ihr Mann unter dem Einfluß —" er bückte sich über dos Bett. Mit einem Sprung warf sieh die Frau zwischen ihn und die Leiche. „Na, nah!" rief der Pfarrer aus und fuhr jäh zurück. Der kleine, norm Herd umgestoßene Isaak begann laut zu weinen. „Still!" sagte die Ja natürlich", erwiderte der Baron. Dann merkte er plötzlich, wie unpassend der Ausdruck unter den vorliegenden Umständen war. ,Lch meine, daß ich das natürlich weih." Und mein Mann tat, was in seinen Kräften stand, fuhr Mary mit zitternder Stimme fort. ,Herr Baron, davon will ich nicht sprechen ober ich lebe seit mehr als einem halben Jahrhundert in dem Hause/ „Huih!" machte der Baron. „Ich verstehe! Es ist cm sehr einsames Haus. Im Dors werden Sic es viel besser haben." „Und nun hofse und bitte ich nichts weiter, als baß Herr Baron mir erlaubt, da oben mit meinem Jungen zu bleiben. Ich habe noch niemals um irgend etwas gebeten. Ich versteh mich nicht drauf, zu sprechen, wie es sich gehört — und nun gar mit dem Herrn Baron. Die Witwe faltete die Hände. „Ich habe immer allem gelebt. „Mir scheint, Sie verstehen sich sehr gut aufs Bitten" jagte der Baron in ärgerlich gutmütigem Ton. „Das Haus hat von jeher zu der Stelle öchört/1 „Mit Verlaub zu sagen — ich könnte gewisse Arbeiten Übernehme». Nach dem Brennholz könnte ich zum Verspiel sehen und dafür sorgen, daß keine Kinder ober Landstreicher sich dran ranmachen - Baron Bank lochte, wurde dann jedoch plötzlich ernst, als er aufiah. „Und die Wilddiebe sangen —" lächelte er. Nein", sagte die Witwe, und doch hätte sic ihm, wenn ihre roeib- lichc Unaufdringlichkeit es gestattet hätte, sagen können, daß ihre eifrig! Wachsamkeit ihrem benebelten Mann zweimal dazu verholfen hatte, Verhaftungen vorzunehmen. .Mein, ich kann mich nicht für einen Unter- förster ausgeben oder das Gehalt eines Unterforsters ver.ang.n. „Oh, ich muh natürlich etwas tun, wenn Sie wegziehen . erklärt! der Baron hastig. „Eine kleine Pension —' er stockte, um sich nicht ohm weiteres zu binden, denn solche Dinge wurden nach bestimmten Negelr Der General Kikeriki. Ein Porträt in Anekdoten. Von Sigismund von R a d e ck i Der Genera! Graf, Feldmarscholl, Fürst und ©emraiiif* Suworosf war ein Clown, ber .in siebzig Sckstachten üeucgiM. « elektrischer Funke, der alle Sicherungen der Wurde durchbranntc, Gockel, der in den ernstesten Derjammlungen plotzUchö" weil er sagte, daß das gut fei, um die Loute^auszuweckcu. E. llvi einer Grimasse zur anderen und haßte d'° «P'-Ml m den stehen konnte er überhaupt nicht und auch nicht gehen, i L 'nur hin- und hcrlauscn wie ein Wiesel - nie hm man ihn or.W reiten sehen als im Galopp. > j|W; ©ein Verstand war so schnell, daß er die isedankentetie schon durchlaufen hatte, bevor die anderen überhaupt drangmgen । feiner Ungeduld nichts übrig, als ihnen eine lange Rast S Er steigerte jede geringste Handlung m begeistertem 4 ® 'hinein. Symbol Sein Blitz zuckte sofort in dos Herz jeber 6»tuahonW Ihm war bic dienstliche russische Formel Äta ÄtS •* herzhaft verhaßt, daß er jebesmal bas Zimmer mit kbeiy ( räiubern ließ, wenn dieser Ausdruck gefallen war. Ebcnso hes g h die Worte .Defensiv" und „Untertonft". Unter diesem kochenden ro.ment loderte stets die Flamme des wildesten stothos. Aber er konnte auch stillhalten wie ein racher t >, W General N. N. war ein großer Schwätzer. Darum erschien nähme Warschaus solgender Tagesbesehl: „Suwo.osf wird '' ^!^ Wagen des Generals N.N. seinen Einzug M die SaR ya Eigentümer soll ihm gegenübersitzen, rechts hinaussehcn denn Suworosf wird in Nachdenken versunken .ein- Man erzählte ihm von einem sehr tüchtigen Offizier. ■ (j. M stand verloren hatte. Er wollte das mcht glaubeii. er si « 1 au bestreiten! Doch als sich's bann ergab, daß er einen it gemeint hatte, sagte er: „Das ist natürlich was anderes }({ hätte bis morgen gestritten! Und zwar deshalb,wxlJene. ,, ich meinte, dasjenige gor nicht besitzt, was dieser vcr! * llirl Ein Künstler will ihn malen. Suworosf zu »einen nütz, sich zu bemühen. Schlage cs ab und sage, daß ich Bursche bin." Der Adjutant: „Darüber zu urteilen, was Sie sind, ist nicht Ihre Sache; überlassen Sie das Europa." Suworoff: „Liegt denn in dieser Weigerung weniger Stolz?" Nun tat er einige Sprünge, stellte einen Stuhl in die Mitte des Zimmers und besaht, den Maler hereinzuführen. Als dieser kam, fiel Hm Survoross um den Hals, sprang dann mit einem Satz zurück und ries: „Man wünscht mein Porträt. Ihr Pinsel wird die Zuge meines Gesichts darstellen. Diese sind sichtbar. Allein meine innere Menschheit «t verborgen. Daher mutz ich Ihnen sagen, dah ich Blut in Strömen vergossen habe — ich erbebe! Allein ich liebe meinen Nächste». In meinem Leben hab« ich keinen unglücklich gemacht. Nie ein Todesurteil unterzeichnet. Kein Insekt ist von meiner Hand gestorben. Ich war klein — ich war groß! (Hier sprang er aus den Stuhl.) Bei der Flut und Ebbe des Glücks, auf Gott bauend, war ich unerschütterlich — so wie auch jetzt." Er setzte sich nieder, schwieg nun und blieb unbeweglich sitzen. * Während einer Manöverübung bemerkte Suworoff, daß eine Reservekolonne unnütz Zeit verlor, statt den anderen Truppen zu Hilfe zu eilen. Er sprengte zu dem Oberstleutnant, der sie kommandierte, und rief: .Worauf wartest du? Die Kolonne geht verloren, und du bringst keine Liste?" „Cw. Durchlaucht", antwortete der, „schon längst hätte ich meine Pflicht erfüllt; ich erwarte ober die Befehle vom vorgefetzten General." ' Dieser General befand sich nur wenige Schritte davon entfernt. „Bon welchem General?" ruft Suworoff weiter: „Er ist ja erschossen, ist ja schon lange tot! Sieh doch nur hin (indem er aus ihn zeigt), dort läuft ja auch sein Pferd! — eile!" Und er ritt davon. Seine Beamten hatten einmal eine große Summe aus der Kron- kasse verspielt. Als Suworoff dies erfuhr, machte er einen gräßlichen Lärm, rannte auf und ab und schrie: „Wache! Wache! Diebe!" Dann zog er seine Uniform mit allen Orden an (er trug sonst bloß Soldatenlumpen), ging auf die Hauptwache und überreichte dem Wachthabenden seinen Degen mit den Worten: „Suworoff ist für den Diebstahl von Krongeldern arretiert!" Sogleich schrieb er nach Petersburg, daß man sein Vermögen liguic- bieren und das Geld der Krone geben solle, weil er Schuld trage, da er auf die Beamten nicht genügend achtgegeben habe. Doch die Kaiserin ließ das Fehlende ergänzen und schrieb ihm: „Die Kasse ist in Ordnung." Erst da schnallte er den Degen wieder an. Eine schöne Dame hatte ihn und feinen Stab freundlich aufgenommen. Er lieh sagen, dah er ihr ein Gejchenk bringen werde. Er tritt herein, gehr, ohne ein Wort zu sagen, auf sie zu, legt ihr eine goldene venetianische Kette mit einem Schloß um den Hals, schließt dasselbe mit einem kleinen Schlüssel sorgfältig zu, verwahrt ihn in seiner Brusttasche und verschwindet ebenso stumm, wie er gekommen ist." * Es ist von Taktik die Rede. Suworoff hörte lange zu, dann springt er plötzlich auf und diktiert seinem Sekretär: „Es ist gut, die Taktik zu kennen. Gut aber auch, wenn die Taktik d i ch kennt. Noch besser aber ist es, zu siegen, selbst wenn es auch nicht taktisch wäre. — O, ihr heiseren Dogmatiker! O, ihr Medusenköpfe!" Er sprach, schrieb und handelte in Lakonismen — das war feine naturgedrungene Form. Ein Freund bat ihn, ihm doch über die Fortschritte der Belagerung Warschaus zu schreiben. Unterdessen hatte Suworoff die Stadt bereits eingenommen. Der Freund erhält einen Brief, in welchem sich nichts als ein leeres Blatt Papier befindet. Doch er schaut genau hin: rechts eben steht: „W arschau, den soundsovielten", und rechts unten „Suworoff". * Eine alte Dame bittet ihn in einem Brief, sich für ihren nach Sibirien verbannten Sohn zu verwenden. Suworoff antwortet: „Gnädige Frau! Ich werde zu Gott beten. Bete auch Du, und wir werden beide beten. Mit Achtung verbleibe ich usw." Er erwirkt die Begnadigung, setzt sich sofort hin und schreibt: „Getröstete Mutter! Deinem Sohne ist verziehen. Hallelusah! Halleluiah! Hallelujah!" ♦ Er übersteigt die Alpen, er hat in drei Monaten unterworfen. Es wird ihm ein Gemälde überreicht, darstellt und die Unterschrift trägt: „I ch kam, siegte." Da nimmt Suworoff eine Feder und streicht das einem dicken Strich aus. sich ganz Italien bas seine Taten i ch f a h , ich „ich s a h" mit Und abends erzählen sich die ©olbafen Legenden und Märchen von Ihm. Ein« ist mir im Gedächtnis geblieben: Eine Soldat bemerkte, daß Suworoff beim Gebet vor der Schlacht, uls er auf seinem Pferde gegenüber der Front hielt, mit starrem Aus- vruck unaufhörlich Tränen über das Gesicht laufen hatte. Der Soldat trat aus dem Gliebe, ging zu Suworoff unb fragte ihn: nx’inft bu?" ■f b dich hier aus meinen rechten Steigbügel!" Der Solbat hielt sich »den nm Reiter fest, und blickte auf das Heer. Da sah er auf per S«nz«» rechten Fronthälfte, hier und dort, einzeln und wieder dicht zusammen, Hellscheinende Kreuzchen über den Solbatenköpfen schweben. Und jeder, der ein solches Zeichen über sich hatte, sah einem ~otcn °h"Uch. Da stieg ber Soldat bestürzt vom Steigbügel herunter. schlägt cs Mittag. „Jetzt heb« dich auf meinen linken Bügel", sagte Suworoff. Und er tat es, und iah nun auf ber linken Fronthälfte dasselbe: Die Kreuzchen unb die Totengesichter, hier und dort, einzeln und dicht zusammen. „Steig ab," sagte Suworoff, „jetzt weiht du, warum ich weine. Die Marienkirche ist eine ungeheure Burg Gottes, dunkel und g<° heimnisträchtia. Es wird selbst an klaren, schneehellen Wintermittagen nickt völlig Tag in ihr. Der Hochaltar des Augsburger Meisters Michael quillt' mystisch aus dem finstern, hohen Chor. Fahnen hangen unbeweglich von den gewaltigen Pfeilern. Auch die Flagge des abgel,e- lerten Kremers „Danzig" ist darunter. Der Abend strömt rot in die Scheiben Messingene Leuchter funkeln. Der Orgelprospekt liegt schon oanz in Nacht. Letztes Licht läuft um das Grab von Martin Opitz und nm dös Wunder von Danzig, Hans Memlings „Jüngstes Gericht . Um dieses Werkes willen sollte man in diese Stadt wandern, fromm m,e ein Wallfahrer. Und es ist Symbol wie damals, ?ls langsam d e Reformation aufging, der Mensch »ch wieder zur Freiheit des Individuums emporreckte, die Geister erwachten. * Im Uphaqenhaus steht die Zeit lange still Der Patrizier der es durch ben martern Meister Johann Benjamin Dreyer von 1775 bis 1779 erbauen liefe, schläft irgendwo auf einem ber versunkenen Fried- böfe ober in einem abgekehrten Kirchenwinkel. Keine Beschtteßerin öffnet mehr bie himmelblaue Tür zu festlichem Empfang, den Gast über die weikaefchwungene Palasttreppe in die teebuftende Hangesttube mit den modischen Chinoiserien zu führen ober in den kerzenlichten Saal mit Decken- und Wandstuckschnörkel. Alles füllt noch seinen Matz: die Herrschaft mag foeben aufs Land gefahren sein, in Manplaisir hinter Sang= fu^r die ersten Aurikeln voll Sentiment zu betrachten. Noch liegt ber Danzig. Erlebnis einer Stabt Bon Lubwig Bäte. Unter dem Standbild Heinrichs von Plauen an ber Marienburger Brücke revidieren Polizeibeamte des Freistaats Koffer und Päffe, uns Reichsbeutschen gegenüber mit dem freunblichsten Entgegenkommen. Der Führer kurbelt den Wagen an, und scharf geht es über bie aufspritzenden Straßen ins ebene Land. Die Niederung ist stark bevölkert; sächsischer und fränkischer Einschlag im Hausbau ist auch heute noch unverkennbar. Es ist Sonntag früh; hier und da rufen schon die Glocken. Frisch streicht der Wind von der nahen See herüber. Dorf an Dorf gleitet vorbei. Die Weichselfähre wartet. Bald sind wir am andern, niedrigen Ufer, vier Kraftwagen, einige Radfahrer und Fußgänger. Ein Flugzeug brummt durch bas tiefe, klare Sommerblau. Endlich die Stadt, schnittig wie ein Merianstich gegen den Horizont gestellt. Ein erster Blick streichelt zärtlich Häuserfront, Beischlag, Tor und Turm. Glortenspiel- weise tropft leise von Sankt Marien. Das Schlüterhaus, ber Bahnhof, bie lange Allee nach Oliva, die schon Cho borniert! auf seiner großen Künstlerfahrt von Berlin in die Vaterstadt festhielt. * Im Klosterpark brennen die Blumen. Sonne fängt sich in den geschorenen Gängen. Kinder rufen aus der Flüstergrotte vergrabene Echos wach. Ein Schwan taucht tief in spiegelnde Flut. Ganz weit ruht metallen das Meer. Die Stadt hat einigen Künstlern Wohnung tm «chloß angewiesen. Sie Hausen in den alten, rokokoverschnörkelten Zimmern und Säten. Karl Julius Zellmanns Atelier mag früher einem Abt als Schlafraum gebient haben. Noä) heute greift bie mächtige Klosterkirche, ber älteste Bartfteinbau des Deutschordenslandes, durch Ausmafe und Schmuck ans Herz, wenn auch ein nüchternes Jahrhundert den roten Stein falt übertünchte. Eichendorff erlebte hier fein „Schloß Dürande'. Nicht fern bergen sich, müde von der Last ihrer Ueberlieferung, die sieben Monter Höfe in die breiten Wipfel der Berge. Den dritten, heute Waisenhaus, kaufte am 19. Oktober 1784 Heinrich Flvris 's choPen - Hauer aus der Danziger Heiligengeistgaffe „mit allen feinen emphy- teusischen Zubehörungen". In feine Einsamkeit führte er im nächsten Mai die neunzehn Jahre jüngere Johanna Henriette Trofiener, die ihm 1788 den größten Sohn Danzigs schenkte. „Im Wechsel zwischen tiefer Waldeinsamkeit, geräuschvollem Treiben, wie die Nähe einer großen Seestadt cs feerbeifüfjrt, und dem stilleren Genuß ruhiger Gefelligkeit m der Mitte einiger vertrauter Freunde meines Mannes", erzählt die Mutter in ihrem Buche „Jugendlichen und Wanderbilder", „vergingen mir in Oliva die Tage", die in Arth-ur Schopenhauers Seele die frühen Keime seiner ernsten Raturverbunbenheit senkten. * Lindenblätter rinnen über bie Steinbrüstungen der Beischläge. Manchmal öffnet sich verschlasen eine Tür. Hinter den hohen Fenstern der lanaen, schmalbrüstigen Häuser schläft ein grofees Stuck hansischer Gcschichie, Messingklopfer schlagen hohl auf, eine Glocke bimmelt. Schwere, eingebuntette Schränke bergen Seinen unb Kleider. Alw schwarzen, golbcingelegten Rahmen blickten gestrenge Ratsherren und Bürgermeister. Sie hatten nicht weit zu gehen: über bie Dächer hebt sich ebel und unvergänglich jung ber wundervolle, schlanke Renaissance- turm des Rathauses. Und nebenan wölben sich immer noch bie Hauen bes Artushofes, in denen einst der unbezähmbare Lebenswille dieser königlichen Stadt am vernehmlichsten schlug. Alle Straßen laufen auf die Mottlau zu. Kähne drängen sich schwerfällig aneinander, flinke Motorboote stieben vorüber; em Segelschiff ruh breit und gemessen auf dem träge treibenden Wasser. Das Krcmtor sinnt immer tiefer vergangenen Tagen nach. Möwen schreien um fein Haupt, d?e Zugketten klirren hart unb dumpf im Winde. Don Sankt Katharinen Verantwortlich: Dr. Hans Thhriot. — Druck und Verlag: Brühf sche Universitäts-Buch- und Steindruckerei, A. Lange, Gießet Nacht über dem Gletkauer Strand. Die Welten stoßen schwer atmend ins dumpfe Brausen der Kiefern. Von Reufahrwasser her tastet Leucht- feüerschein. Rechts schieben sich die Lichter der Schichau- und der Klawitterwerft bis an Danzig heran. Der herrische Turmstumpf von Sankt Marien draht über schwarzen Dächern. Der Wind surrt durch die nusgespannten Netze und verebbt im dichten Dünengras. Wir sprechen von so manchem, der hier ging, Hermann Stehr, Walter von Molo, Hans Franck, sprechen von der niedersächsischen Heimat und immer wieder von Danzigs Zukunft und den, kommenden, sich immer stärker sammelnden Deutschland. Die Ostsee dröhnt in unser Wort. Sterne keimen leise aus der Nacht .. . „Wertster neben Goeckingks „Lieder zweier Lebenden" auf dem Leseorett am Putztisch, die Lockenwickler sind sauber gereiht, selbst das eingelegte Dnmesvielbrstt ist aufgeschlagen, und die Bouleuhr mit den, eleganten Sensenmann, ganz Kavalier, tickt über dem Kamin. Dennoch fröstelt ein Hauch Kühle durch die kostbaren Räume, so entzückend fein und echt auch alles ist. Man spürt, daß der Raine fehlt, Ser das Haus hätte unvergänglich machen können. Dieser Danziger Handelsherr Johann U p h a g e n war gewiß ein ehrenwerter Geschäftsmann und tüchtiger Burger, der auf mannigfachen Reisen seine Welt erweitert und mit sichern, Geschmack vieles Gute an englischen Stichen und holländischem und franzöfischem Porzellan mitgebracht hatte — doch wie kräftig wirkt das viel bescheidenere Frankfurter Goethehaus, selbst Gleims Wohnung, neben diesen,. bürgerlichen, leichtschweren Rokokvtraum eines längst und unbemerkt in seine Zeit Hinabgesunkenen! tigen Umstande fest gegründet sein muß. Bezüglich der Nachrichten ficherung wird deshalb grundsätzlich die Ausstattung aller Ozeanstua! Maschinen nut Funkgerät gefordert werden müssen. Cs ist übe? raschend, daß die Funkindustrie für diesen Zweck noch nicht einen kleinen überaus leichten Sender zur Verfügung gestellt hat, wie ihn unsere Anw. teurstationen besitzen und der bei hinreichender Betriebssicherheit und ne ringem Eigengewicht immerhin eine Reichweite von sicher einigen hu>, dert Kilometer verbürgt. Der dadurch evtl, nötig werdende Benzinver. lust konnte unseres Erachtens höchstens einen Unterschied von nur wenige» Stunden ausmachen: wesentlich hoher würde jedoch die Sicherheit, not allem auch im Falle einer Notlandung auf offener See oder in un'mirt. lAen Festlandsgegenden. Die Amerikaner haben bekanntlich eine ihrer Maschinen schon mit automatischer SOS-Rufvorrichtung ausgestattet. Die Mitnahme einer S i g n a l p i st o l e mit einer Anzahl leichter Rakete» durfte für Flieger, denen daran liegt, alles zu versuchen, auch bei ungünstigem Ausgang ihre Erfahrungen der Mitwelt mitzuteilen, wichtiger ,ein, als die Mitnahme eines geladenen Revolvers zur Abkürzung eines langsamen Todes bei gezwungenem Niedergehen auf hoher See. Allen Sportgeist in Ehren: — aber R e t t u n g s g e r ä t e, die es ja in gan, leichter Form gibt, sollten doch für jeden Ozeanflug selbstverständlich sein. Unsere Ozeanflieger wollen der Entwicklung der Menschheit dienen sie hatten deshalb die unerläßliche Pflicht, dafür zu sorge», daß sie gerade i m Falle eines ii n g l ii ck l i ch e n A u s g a n g e s , mit dem ste natürlich immer rechnen müssen, ihre Erfahrungen und Beobachtungen aus dem Fluge hinterlassen. Unseres Wissens ist dies bet feinem der vielen unglücklichen Ueberguerungsversuche der Fall gewesen. „Verschollen ..." sagt der eine, „Leichtsinn ...", der andere. Auch bei Expeditionen, unter- gehenden Schiffen, Unterseebooten usw. ist es üblich, biszuletztTage- buch 3 n führen. Dasselbe sollte unbedingt zur verkehrstechnischen Pflicht allen Fliegern gemacht werden, die den Ozean zu überqueren versuchen. Zeit genug steht ihnen ja zur Verfügung, und die Unterbrechung des eintönigen Fluges durch Anreizung der Konzentration dürfte nur förderlich sein. Mit Leichtigkeit wären derartige Beobachtungen periodisch in bestimmten Zeitabständen von einem Mitflieger auszuführen: aber auch em Cinzelflieger könnte von Zeit zu Zeit, am besten nach genau geregeltem Stundenplan, derartige Aufzeichnungen machen, wenn er für kurze Zeit den Steuerknüppel der Maschine festklemmt bzw. vor seinem Sitz eine Schreibtafel in bequemer Lage befestigt. Für alle Fälle, in denen Ozeanflüge ohne Funkgerät ausgeführt werden, mochten wir im Interesse einer künftigen Unfallverhütung bei transatlantischem Verkehr folgendes sehr leicht durchzufllhrendes Verfahren empfehlen. Der Flieger nimmt eine Anzahl ganz leichter seefester Alurninium- £)üt;ert_ mit, die eine „Flaschenpo st ersetzen sollen. Die Hülsen müssen so groß und so beschaffen sein, daß sie relativ leicht, wenigstens bei ruhiger «ce, entdeckt werden können, auch so groß, daß sie von Meeresfischen nicht allzu leicht als vermeintliche Nahrung benutzt werden können. Der Flieger hat zur Erleichterung bereits fertig vorgedruckte Formulare, die alle diejenigen Punkte enthalten, die Verkehrs- und sicherheitstechnisch von Bedeutung sind, also insbesondere Angaben über die geographische Lage der Maschine, Wetter, Luftströmung, Höhe der Maschine über dem Meeresspiegel, Propellerdrehzahl, Stundengeschwindigkeit, Beschaffenheit der Maschine, etwaige Störungen des Motors, bisherigen Benzinverbrauch, Begegnung mit Schiffen, Befinden der Flieger ufw., endlich persönliche Nachrichten. Die vorgedruckten Formulare sollen Mystifikationen durch Fälschungen von Nachrichten unmöglich machen. Der Flieger schreibt jeweils mit Durchschreibeverfahren einen Bericht, von dem er das Original behält, während die Kopie einer seefesten Schwimmhülse anvertraut und abgeworfen wird. Unbedingt sollte ein Abwurf bei Begegnung mit Schissen erfolgen. Die Nachrichten mühten um besten in ganz regelmäßigen Zeitabstanden, die vorher mit den Fliegern vereinbart werden,' abgeworfen werden. Die Finder würden, falls nicht eine besondere Belohnung ausgesetzt würde, schon durch den Ruhm der Auffindung der Nachrichten reichlich entichädigi fein, und alle Stellen würden sich die erdenklichste Mühe geben' noch Nachrichten zu finden; selbst wenn nur einige gesunden würden, wären sie von unschätzbarem Wert für unsere wissenschaftliche Erkenntnis von den besonderen Vorbedingungen für Flugmafchinen über hoher See. Empfehlenswert wäre vielleicht auch die Methode, auf dem jeweils letzten Rachrichtenblatt alle vorherigen Nachrichten mitaufzunehmen, so daß ein Nichtaufsinden früherer Nachrichten belanglos wäre und das jeweils zuletzt aufgefundene Nachrichtenblatt Aufschluß über den ganze» bisherigen Flugverlauf geben würde. Bedingung ist aber auf jeden Fall, daß diese Nachrichtenhülfen nicht erst im Falle einer Gefahr abgeworfen werden, sondern, gerade bei ungestörtem Verlaus des Fluges, in regelmäßigen Zeitabständen zur größtmöglichen Sicherung der Nachrichten. Wenn man sich erinnert, in welcher ungeheueren Spannung die Mensai- heit noch Wochen und Monate nach dem verhängnisvollen Flugversuch der Franzosen Coli und Nungesser sich befand, so wird man die Ozeanflieger dringend bitten müssen, an irgendeine Nachrichtensicherung ihrer Erfahrungen zu denken. In der Wissenschaft ist es, etwa bei medizinischen Experimenten, bei denen der Forscher selbst sein Leben zur M- kenntnis einer wissenschaftlichen Wahrheit aufs Spiel setzt, ebenso wie z.B. bei Forschungsreisen, einfach selbstverständlich, daß mit M Leben und der Leistung nicht va banque gespielt wird, sondern daß bi» ins kleinste ausgeführte sorgfältige Berichte hinterlas!" werden. Mögen die vorstehenden Anregungen in dieser oder anderer Form W- achtung finden! Dann werden wir nicht, wie so oft bisher, bis ins Innere erschüttert über den tragischen Ausgang oder leicht vorwurfsvoll über w, leichtsinniges Spiel mit den ungeheueren Gewalten und Gefahre»i w Ozeans, allein die erschreckend anwachfende Unglücksstatistil im W haben, sondern, selbst bet schlimmem Ausgang, historisches und lechnnui Material zur Verbesserung der Verkehrssicherheit im transcitlanM Flugverkehr besitzen! ___ NachvichLenflchernng bei OzeanMgen. Von Dr. Robert Werner Schulte. Dr. R. W. S ch u l t e, der Leiter der Psychotechnischen Haupt- Öteile für Sport und Berufskunde und bekannte Verkehrs- wtechniker, der jetzt den deutschen Ozeanflug-Filin mitbearbeitet hat, macht folgenden beinerkenswerten Vorschlag: Wieder befanden sich Millionen von Menschen der Haupt-Kontinente der Erde in nervöser Hochspannung: vergeblich warteten sie auf bestimmte Nachrichten über den Ausgang der ost-westlichen Ozeanüberquerung. Hochsee- und Küstendampfer, amerikanische Kriegsschiffe, öffentliche und Amateurfunkstationen, Fliegergeschwader, Beobachtungspvften auf vorgeschobenen Landstationen: — alle harrten der ersten sicheren Kennzeichen, um die Nachricht sofort in Gedankenschnelle der gesamten zivilisierten Welt zu übermitteln. Wenn man die bisherigen erfolgreichen Westostüberquerungen des Ozeans und die früheren tragisch ausgegangenen Ostweftüberfliegungs- versuche vorn Standpunkte der Verkehrssicherheit und der wissenschaftlichen und slugnautischen Auswertung betrachtet und damit etwa die beo(u achtungs- und nachrichtentechnisch besonders sorgfältig vorbereitete Fahrt des Z. R. 3 vergleicht, wenn man auch an die oft sehr langen Nachtflüge unserer Bombengeschwader im Kriege denkt, für die die Ausrüstung mit Funkstationen, Signalraketen usw. Selbstverständlichkeit war, wenn man auf die Tatsache hinweist, daß die meisten unserer Luftverkehrsmaschinen heute Funkfende- und Peilgeräte an Bord haben, fo erscheint, ganz abgesehen von der meteorologisch sicherlich unzureichenden Ausrüstung der Ozeanflieger mit Wettermeßgerüten, das meist gänzliche Fehlen v o n N a ch r i ch t e n ü b e r ui i 11 l u n g s g e r ä t e u außerordentlich bedenklich. Selbstverständlich zwingt die Tatsache, daß bei bestimmter Motoren- stürke und entsprechendem Leergewicht der Maschine diese ein Höchstmaß an verfügbarem Brennstoff mitnehmen muß, dazu, daß die Mitnahme unnötigen Ballastes auf das Alleräußerste beschränkt wird und daß dieser Beschränkung auch sogar Lebensmittel zum Opfer fallen. So kommt es, daß z. B. der erfolgreiche und in feiner tatsächliche» Leistung nicht hoch genug zu veranschlagende Flug L i >'. d b e r g h s , aber auch die tragisch verlaufenen Ueberquerungsversuche und die kühne Ueber- fliegung Kohls in ost-westlicher Richtung, im wesentlichen auf sportlichem Wagemut beruhten, sicherlich auch zum großen Teil aus dem ehrgeizigen Wunsche entsprungen, trotz den noch nicht in jeder Hinsicht gesicherten Vorbedingungen den großen Flug zu wagen. Welcher Art die relativ günstigen Bedingungen während des Fluges von Amerika nach Europa sind, wissen mir heute einigermaßen gut durch die erfolgreichen Flüge von L i n d b e r g h, E h a m b e r l i n und den anderen nicht ganz geglückten Flügen. Bei den zahlreichen früheren unglücklich verlaufenen Uederquerungs- versuchen von Europa aus sind wir jedoch über die eigentlichen letzten Ursachen des unglücklichen Endes ganz im Unklaren. Wir vermuten zwar, daß starke ozeanische Stürme, Nebel, Eisniederschlage auf den Tragdecks usw. die wesentlichen Ursachen gebildet haben; wir wissen aber in keiner Weise, bis wie weit die Flieger gekommen sind, wie ihr bisheriger Flug verlaufen ist, ob Motorstörungen vorgekommen sind, während mir z. B. bei der Ozeanüberfliegung von Eckeners Zeppelin fast jede einzelne Phase durch persönlichen funktelegraphischen Kontakt mit der Besatzung verfolgen konnten. Verkehrstechnifch und sicher heitstechmsch sind also alle diese Flugversuche, denen kostbare Menschenleben und auch wertvolle Maschinen zum Opfer gefallen sind, nahezu wertlos, für die Wissenschaft und den technischen Fortschritt ebenso wertlos wie die Entdeckungsreisen von barschem, die verschollen sind und keine Aufzeichnungen hinterließen. Wer fliegerischen Geist und fliegerischen Trotz kennt, der weiß, daß die meisten Flieger, die den Versuch der Ozeanüberquerung gemacht habe», •\u*i ben einjigeti Wunsch kannten: Hinüber! Sportlich alle Achtung vor diesen Pionieren der Menschheit. Verkehrstechnifch — hier sind wohl alle Verkehrsfachleute übereinstimmender Ansicht, daß Wagemut ergänzt und auf gewissenhafte Sorgfalt, und Vorsicht und Berücksichtigung äller wich