GießenerKcimilienbMer Ukiterhaltungrbeilage Zr,m Gießener Anzeiger -------------------------------------------------------------------------------------------------*-- Jahrgang 1928 Samstag, den 18. Februar Nummer n>■~-^£T*7*7ZTT'__1'7'11111"'.,. ,—- - '* __ jemand unterm Mittelmeer Feuer angsmacht hätte. Di« Steuerkett« rUtrl!1?>c t’£3«s Wasser langsam hin und her. Ein« । I°"derbare «kille herrschte. Di« Tur schien so merkwürdig: ft« ging hoch ! ff. °n di« Zimmerdecke und endete in Kniehöhe. Ich lag auf hartem i ^-"E^hand Bettzeug befand sich auf mir. Jetzt leuchtete ich i ff ff 1)1,1 • ff Waschgelegenhett hing hoch oben an der Decke! Mit einem j Schrei war ich an der Tür und stieß sie auf. ■ p „ff ff ff ffff1 fcm Surgeind herein. Ich stieg hinaus. Der Licht- f Taschenlampe fuhr durch eine finstere Höllenwirrnis: eine ■ m r-r ff- an Husten, in der Dutzende Übereinanderqepurzelter i «kahle leise hm und her schwankten. Ueber mir an der Decke schwebt« ein Tisch, der war zur Hälfte heruntergebrochen und hing herab- eben!» breite Strei,en Linoleumbelag von der Decke ins Wasser her- 1 unter. Wo befand ich mich nur? In welch ein verhextes Reich war ich hier geraten? Jetzt wurde der Lichtstrahl der Taschenlampe mir bleuten» ! ffff, tns Ange reflektiert: von einer Säule aus Spiegeln, di« im ~■r,cf)t1«- bas war ja der Mastbaum! ... Und nun begriff ich plötzlich zwei Dinge. Ich befand mich auf dem Dampfer „Harri- cane , der nach Neapel fuhr. (Uebrigens schien er es nicht mehr eilig zu haben, denn man horte nichts von den Maschinen.) Und dieser Dampfer — «42*»’ - Er stand ja Kopf! Er hatte sich glatt umgedreht. Kein Zweifel - er mar gekentert. Mir wurde plötz- uch sehr heiß und sehr kalt zumute. Stramm, wie auf Kommando, Happten die dreißig Kabmentüren im Wasser hin und her. Seife rauschte es unter den hochhangenden Messing stufen der Treppe herein. ,, Daß alles umgekehrt war, das war das unheimlichste. Jeder Gegen- stand schien fremd. Ich miißt« jeden in Gedanken erst einmal wieder um» rippen, um darauf zu kommen, was er eigentlich vorstellte. Ich brauchte meinen ganzen Willen, um festzuhallen, was Oben und Unten war. — '?U!P warum sank er tenn nicht einfach unter? — Dieser Dampfer (mft nicht, so murmelte ich mechanisch, er sinkt vorläufig noch nicht ... weil er leere Petroleumtonnen geladen hat. Ohne Ueterlegung begann ich letzt laut nach jemand zu rufen. Doch als Antwort gurgelt« bloß das Wasser dunkel zur Tür herein. Run stolpert« ich auf di« Treppe ju - und es geschah mir, daß ich Dabei auf etwas Weiches trat. Erschreckt hielt ich die Lampe aufs Wasser: und sah jetzt in drei Fuß Ties« di« Miß starr daliegen. Sie hatte eine klaffende Wunde von der Stirn bi» zum Ohr, das Blut stieg wie Rauch im Wasser auf. Bis an die Hüften im Wasser, stand ich jetzt an der Trepp« und beugte mtd) über den kintenschwarzen Schacht, den ich hinabtauchen mußte, wenn ich ,e wieder etwas anderes als diesen Salon erblicken wollte. In Gedanken malte ich mir den Weg aus. Das waren drei Schwierigkeiten: erstens die Tür zum Verdeck, zweitens alle die Seile, in denen man sich würgen konnte, unb drittens di« Reeling. Notabene, wenn mir bi« Luft aus reichte, die hier drin übrigens unangenehm warm und stickig war. Da das Wasser teraufftrömte,. mußte ich mich kräftig hinunterfchneNen. Deshalb zog ich mich am herabhängenden Treppengeländer wie eine Sieter- maus hinaus und stürzte mit Hochsprung in den dunklen Brunnen. Bis an di« Tür ging es noch zur Not, doch dann wurde ich da unten im Wasser nervös. Denn wie ich jetzt hastig und blind an der Tür herum- kostete, griff ich in ein menschliches Gesicht, auf einen menschlichen Körper, der dort still, in Seilen verheddert, quer vor der eindringenden Strömung lag. Ich hätte vor Entsetzen um ein Haar Wasser geschluckt, — ich machte, daß ich wieder zurück, hinaus in den Salon kam! Nein, nie, um keinen Preis ter Welt tauchte ich in diese Gräßlichkeiten mehr hinunter. Das war der Oekonom: ich habe es genau gefühlt! — ter war also auch nicht weiter gekommen ... Gott sei Dank, die Lampe funktionierte noch! Ich arbeitete mich durch bis in die Eckkabine, wo ter Mann mit feinen Kasserolen gewirtschaftet hatte. Der Herd hing oben an der Decke und drohte herunterz-stürzen. Während ich im schmutzigen Wasser mit den Händen am Boten herumfühlte, plätscherten mir die Weilchen. bis über den zusammengeprehten Mund. Schaumlöffel, Kochlöffel, Gabeln angelte An eine fremde Stadt. Bon Werner Bock. Dank deinen Straßen, die in freier Flucht Ganz ohne Ziel ins Weite jagen! Bon keinem Giebel stürzen Fragen, Kein Schrei, kein Schweigen ringsum, das mich sucht! Da will mein Herz in dieser Fremdheit blühen, Di« unerlöst in ihren Träumen ruht. Das ausgebrannte Rund beginnt zu glühen Und füllt sich an mit iff nein Blut! Der eiserne Schraudendamyfer „Hurricane". Bon Sigismund von Radecki. Er lag fest vertäut am Pier von Cagliari und nahm Ladung «in für Neapel: eine Pyramide dröhnend-leerer Petroleumtonnen, die von ter Dampfwinde in riesigen Trauben hinabgehievt wurden. Dazu tarnen als Decklast Körbe mit Mandarinen und Zwiebeln. Wenn einem Matrosen eine Mandarine in die Hand rollte, so biß er saftig hinein und schleuderte sie ins Wasser: die Zwiebeln aber waren kostbarer, die steckten sie sorglich in die Tasche. Seine Deckplanken waren nicht weiß, nicht braungefirnifjt, sondern einfach morsch und altersgrau. Ueberall lagen dort Trossen und Seil-Enten wie tote Reptilien herum. Am schwarzgeschwungenen Heck blätterte das Gold bereits ein wenig ab von den stolzen Buchstaben »Hurricane". Sein ziegelroter Bauch' war mit Seegras bewachsen — das fchleierte in den irisierenden Oelwellen des Hafens hin und her. Ab mrd zu tat sich eine Bordluk« auf, aus der mit „nerviger Faust" ein Dopf fauler Erbsen ins Mittelländische Meer entleert wurde. Neugierig stieg ich die Messingtreppe zur Prima-Klasse hinunter und bezog dort Kabine 16; es hätte aber auch ebensogut jede ander« fein können, denn die schäbig« Pracht des Salons stand in pompöser Leere da. Jetzt rumpelte di« Sette vom Steuerruder, und man fühlte das Zittern ter Maschinenbewegung, die Bullaugen am Heck zeigten weißen Schaum und der eifern« Schra-ubendampfer „Hurricane" stach in Se«. Ich blickt« die glänzende Türenreihe des Salons entlang. Es roch wie auf ledern Dampfer: nach DH färbe, nach muffigen Plüfchkisien und nach teuer faden Erinnerung an Seekrankheit, die noch leine ehrliche Kajüte je losgeworden ist. Im mystischen Halbdunkel des Raumes blitzten "die Bergoldungen, Nußholzintarsien und kristallnen Handgriffe ter Türen andeutungswei se auf. Der lange schmale Speifestifch verlor sich in den Hintergrund. Mitten durch das weiße Tischtuch durch ging ein dicker, wrt «Pi«9eln ausgelegter Mastbaum. Hinten, am Heck, gab es einen Bücherschrank, wo eine alte Dickens-Ausgabe mit Bittern von Phiz und Criiilshank sich lederte... Dieser „Hurricane" mußte einmal besser« Zeiten gesehen haben, sowas wie Weltausstelkmg in London 1851, mit Crystal-Paluce, Lord Palmerston und Westwavd, hol — bis ihn' das alter hierher in die schmutzigen Höfen der Unterwelt verschlug. Redlich entdeckte ich, daß der Salon doch nicht ganz leer war. Eine «Mische Mch, noch aus der Zeit vor dem Krimkriege, tauchte steif auf. ®s gibt so eine nomadisierende Sorte alter Jungfern mit Idealen, non denen man nicht recht weiß, ob sie nun sparen,'um zu reifen, oder ob fte reifen, um zu sparen: sie machen die Welt von Heliopolis bis Barcelona unsicher, sie fragn einen sofort aus, wo man gewesen ist, sie waren immer notij viel weiter als man selbst — und dieses ist ter klein« Triumph ihres Lebens, „Wer das nicht gesehen hat, der hat nichts gesehen!" rufen fte bann mit glänzenden alten Augen. Diese hier war sogar in jöurma (Hinterindien) gewesen und lehrte mich sogleich ein Getränk hinten, das sie „Sabaglione" nannte: ich kann es jedem empfehlen es fft em« glückliche Mischung von Marsala, Eigelb und Zucker. Und dann gab es noch einen fetten, glanzhaarigen Oekonom, ter ganz allein JM kochen und servieren hatte. Er setzte uns watschelnd abgestandene «pacftettt vor (während feine Kasserollen in der Küche zischten), und murmelte dabei ständig in großer Zufriedenheit: „A bordo se mangia 06116 •.. A bordo se niangia bene .. Allmählich war mir das Schaukeln doch zu stark geworden, und ich omancierte tn die Kabine 16 zurück, um mich hinzulegen: die Füße nach vo«n und den Kopf nach unten — «in altes und sicheres Mittel gegen «eekraNtheit. Sobald die Sabine schwindelnd in die Höhe flieg, war alles gut; aber jedesmal, wenn sie dann langsam immer tiefer und tiefer sank, mürbe einem schwül zumute. Der Sturm ward immer wütender. Die emgehanaten Lampen schau ketten, die Karaffe mit den Gläsern rutschte mnner wieder ans Tablettgelönder — alles schien belebt, jedes Ding hatte hch fekhe besondere Art des Aechzens, Knarrens und Pendelns zurechtgelegt. Ab unb zu steckte der „Hurricane" feine Nase tief hinein. Dann ff“ er Zitternd fast still, während di« Schraube, wie in Herzbeschwerden, wocken durch di« Lust ratterte. Ser ganze Neptun kochte kalt auf, als ob Wie Bach mit einer fremden Jungfer in der Kirche mutierte. tif’Xmal sing jetzt ein Zittern durch das stille Schiff, - es war, als ob es schnarchend seinen Leib im Schlafe bewegte. Und nun hörte ich, wie es gurgelnd heraufkam. Ich leuchtete (die Lampe schien bereits rötlich matt) durch die Oefsnung hinunter: Keller Nn2 war letzt schon zuDreivierteln voll und auf der glänzenden Oberfläche sah man d,e Ratten mit ihren Schwänzen hastig hin und herschwimmen. Ich begann wie toll weiterzuarbeiten. Die Platte war noch hartnäckiger als ich. Ab und zu muhte ich vor Erschöpfung innehalten, — dann atmete ich jedesmal so tief und häufig es nur ging, weil mir der Kopf in der Stickluft schwindelig zu werden droht«. Jetzt begann auch di« Taschenlampe auszugehen, Jn ihrem letzten Rotglühen sah ich noch, wie das Wasser unter die Planken quoll und mit kleinen Weilchen graziös hereinschlüpfte. Dann löschte sie aus. Run sah der Mann im Dunkeln. Dröhnend ging das Hammern weiter, — man muhte die Zeit bis zum Ertrinken doch mit etwas ausfüllen. Immer wieder kracht« der Hammer gegen das Eisen, als ob er das Weltgebäude sprengen wollte. „Arbeiten und nicht verzweifeln! WMLNSWW Metz in weiche, quiekende Hausen hinein: sie hockten dicht auseinander, was wollten sie machen, sie wollten auch leben! gehört O dielt ich mitten im Hammern >nne. Ich hatte etwas geyori. . w roJt hn« waren Schritte Schritte von draußen! Sofort setzte ich nut ' Noch em letzter Blick in Den eaion: iS'I ganz leicht, wie auf Fußspitzen tänzelnd, wieder davon ... C 1WMMMZZ8 MWMMMNE Zimmerflucht läuft: jedesmal wenn man die Hand an der Klinke ) , WSWZBMk WMZSWH braj. r!6 mir «Ine Oeffnung h-«---. b,e M> W M- 8»6e. ®l.|«; , fmfterer Raum weit größer als di« beiden Keller und ungefähr vom Ausmaße des Salons da unten. Mittschiffs ging längs der Decke ein ^iellaer d7nkler Baum durch. Gott sei Dank, das mußte das Rohr der Sckraubenwelle sein. Ich war also endlich in den untersten, d. h. ich meine den obersten Schiffsraum eingedrungen! Wieder leuchtete ich dw De-te ab, und zwar in der geheimen Hoffnung, daß es hier vielleicht „Kingstons, das sind Vorrrichtungen zum Unterwassersetzen geben wur^ Aber es oab keine Kingstons, es gab lediglich eine morsche Holzverschalung und hann den nackten Eisenleib. Plötzlich fiel es mir ein: ich konnte hier >a -.?Ä | SsWÄÄÄSÖffi knrh niel xu klein! Ich stürzte dorthin und begann di« r-essming wie zu bearbeiten. Endlich langt« es. Unsäglich ® mir wieder in den Raum nach unten zu steigen, um die schweren Kisten beraufxubetommen. Ich hatte einen Widerwillen gegen „unten , unten maTcn Leichen unten war Wasser und das kam letzt alles, langsam aber sicher herauf.' Keller Nr. 1 über dem Salon schien schon saft gänzlich I anaefüllt. Die letzten Kisten mußte ich mir aus dem Wasser angeln. Endlich konnte ich mir oben mein Gebäude wieder aufbauen. Ich troff von Schweiß und Wasser, und dabei war die Lust letzt zehnmal SVbrnnÄ® tarn n°ch ,u -«-g-mSch -'S -» SM« w WW-» Holzverschalung herunter; gleich daraus dröhnte durch die Sttlle mein arbeitet)6 Mit knirschenden Zähnen drosch ich. auf ine Tischmesser los, die ich als Meihel benutzte. Eins nach dem andern brach m Stucke, abe schließlich gelang es mir doch, an einer durchgerosteten Nietstelle ein winziges Loch herauszuschlagen. Da horte ich aus einmal ein Pse>stm Ich dachte, es wäre eine von den Ratten, die hier unruhig hin und her tiefen, aber das war es nicht: das war die Luft, meine kostbare Lust, wetche hier aus dem Loch hinauspsiss! Mit einem Schrei preßte ich mein nasses Taschentuch dagegen — nur das nicht! ... Ich begriff, ich mußte ganz schnell eine genügend große Oeffnung ausstemmen, sonst gmg mir die Luft flöten und ich blieb für ewig unterm Elsen stecken. Ich hämmerte jetzt imitend drauslos. Doch kaum schien eine Stelle nachzugeben, si>hwlt ich in Todesangst inne, und machte mich an eine andere. Lange habe ich Von Dr. Leopold Hirschberg. vom Kirchenkonslstorio in Nrnstadt g g einem ehrliebenden siebzig Thalern andjechs guten Groschen Alles was em 9 s 5& r°L: ÄÄÄÄ'Ä IW ’l" >" »Ätw ’ä 8S5» «.«-1»--», ;»»* von Hamburg aus dorthin gekommen, zweifellos m der Ubsicht, Nachfolge des schon hochdeiahrten Mannes, zr, sichern Aber t tz^ empsanaener Ehrenerwelsungen und genossener euftbarEeiten Br baoonge oqen, da mit der Erlangung der Organ stens elst an Marien eine immerhin etwas peinliche Bedingung verknüpft war. !nil,^mehrere^ ^chmesstt^^nb^Äne^hh^nimera^gen ^F^eijch^ö^ftr. A bordo se mangia bene. . Qm früheren N.'SW ww -»-Kl-»-, »-»V,;™ b“„fa£ iL7LchZ-L-ftii--ii fegtesssssss **8*3. iS ÄS hielt noch immer Beil uni.Hammer «• SooFbe örbert °uf dem Seegras aus.und wurde Oeffnung brauste die Luft heraus und rifl eine ^duntten" Schifssleib« S ®S- »«» SSroMontW«. in die Tiefe. ___ Ich' klammerte mich an die Stimme da draußen. Ich begann mich mit '^,Mi«"lange wird es noch dauern?" fragte ich. „Keine Angst, wir holen Instrumente. i bCn„^abennSle keinen Menschen mehr retten können?" ausgefunden, diese Bestien, daß ich eßbar sei. Plötzlich kamen Tritte., Jemand rief. , jetzt im Stockdunkeln Plotzlchi vier w« tze ö W weiße I g.ÄÄ Ä; lange außen blieben. Ille. den könne. Ille. Würde man ihm einen rechtschaffenen Director schaffen, walte er schon spiehlen. Resolvitur'). Hoffe das orgelschlagen würde unterdeß von Derne, welchen er hierzu bestellet, dergestalt seyn versehen worden, daß deßwegen keine Klage gc- führet werden könne. Nos3). Halten Ihm vor, daß er bisher in dem Choral viele wunderliche Variation es gemachet. viele srembde Thöne mit eingemischet, daß die Gemeinde darüber confundiret worden. Er habe ins Künftige wann er ja einen tonum peregrinum mit einbringen wolle, selbige auch auszuhalten, und nicht zu geschwinde auf etwas andres zu fallen, oder wie er bißher hn brauch gehabt, gar einen tonum contrarium zu spiehlen. Nechstdeme seq gar befrembdlich, daß bißher gar nichts musiciret worden, dessen Ursach er gemessen, weile mit den Schühlern er sich nicht comportiren wolle, dahero er sich zu erclähren, ob es sowohl Figural alß Choral mit den Schühlern spiehlen wolle. Dann man ihm keinen Capellmeister halthen könne. Da ers nicht thuen wollte, solle ers nur categorice von sich sagen, damit andere gestalt gemachet und iemand Der diesses thäte, bestellet wer- Rewerber mußte sich verpflichten, die tugendsame, damals bereits sechs- unddreitzig Jahre alte Jungsrau Anna Margaretha Buxtehude als leib- ^^Au^den^Bach^ügeftandenen vier Wochen wurden sechszehn. Nicht “Z 'LK-L das Hochqewaltige seines Schülers klar erkennend, erschloß. Endlich mußte die Rückwanderung angetreten werden. Die Bangigkeit über dte eigen- mäditlae Urlaubsüberschreitung mag nicht gering gewesen sein; er »er- aaft fie denn er wußte, daß er in Arnstadt ein Mädchen treffen wurde, das Lnn mehr galt, als alles auf der Welt. . Es war Maria Barbara Bach, seine aus Gehren bei Ilmenau gebürtige Base, die nach dem Tode ihrer Mutter zu einer Schwester derselben nach Arnstadt gezogen war. Mit dem Gefühl beglückten Stolzes batte Sebastian dem bescheiden und ängstlich in einen Kirchenstuhl gebrückten Mädchen gar manchmal auf Seiner Orgel vorphanwfiert. Wohl sicher in der freien, überschwänglichen Art, wie er beim Gottesdienst den Gemeindegesang begleitete und damit die ehrsamen Burger gänzlich in Verwirrung brachte. . «um 21. Februar 1706 ward er denn auch zur Vernehmung vorgeladen. Das Protokoll „Johann Sebastian Bachen, Organisten in der Neuen Kirche betr. wegen Langwierigen '-Betreibens und Unterlassener Figural music , aufbewahrt im Archiv zu Sondershausen, lautet: Actum, d. 21. Febr. 1706. Wird der Organist in der Neuen Kirche Bach vernommen, wo er un- ßngft so lange gewesen, und bet) wem er dessen verlaut, genommen? Ille1). Er sey zu Lübeck gemessen umb daselbst ein und anderes in feiner Kunst zu begreifen, habe aber vorher von dem Herrn Superintend Verlaubnutz gedethen. , . , , Dominus Supermtendens-). Er habe nur auf 4 Wochen solche gebethen, sey aber wohl 4mahl so Soll binnen 8 tagen sich erclähren. Aber Bach hatte sich noch nicht „categorice erclahrt . nachdem weitere acht Monate ins Land gegangen waren. Da riß dem bis dahin wirklich nachsichtigen Konsistorio die Geduld, und am 11. November 1706 steht der Delinquent zum zweiten Male vor seinen Richtern. Actum, d. 11. Novemb. 1706. Wird dem Organisten Bachen vorgestellet, daß er sich zu erclähren, ob wie ihm bereits anbesohlen, er mit denen Schühlern musiciren wolle ober nicht: dann wann er Keine schände es achte bey der Kirchen zu seyn, und die Besoldung zu nehmen, müßte er sich auch nicht schämen mit den Schühlern so darzu bestellet so lange biß ein anders verordnet zu musiciren. Dann es sey das absehen, daß dieselben sich exerciren sollen, umb dereinst Zur Music sich besser gebrauchen zu lassen. Ille. Will sich Verwegen schrifstlich erclähren. Nos. Stellen ihm hierauf ferner vor auß was macht er ohnlängst die srembde öungfer auf das Chor biethen und musiciren lassen. Ille. Habe Magister Uthe davon gesaget. * Die Liebenden waren offenbar kühner geworden; aus dem Schiss der Kirche hatte sich Maria Barbara allmählich auf das Chor neben die Orgel begeben, um mit Heller Stimme die Tondichtungen des Geliebten als erste zu fingen. Ihres Bleibens in Arnstadt aber konnte nicht mehr länger fein. ' Am 2. Juni 1707 Erfd>einet Herr Johann Sebastian Bach, bißheriger Organist zur newen Kirchen, Berichtet, daß er nach Mühlhaufen zum Organisten beruffen worden, auch solche Bocation angenommen habe. Bedanckte sich demnach gegen den Rath geharfambst, Bor dißherige Bestallung, und bittet umb Dimission, Walte hiermit die Schlüssel Zur Orgel dem Rache, Bon dem« er sie empfangen, wieder überliefert haben. Am 17. Oktober 1707 wird Sebastian Bach mit Maria Barbara in der Kirche zu Dornheim durch den Pfarrer Johann Lorenz Stäuber getraut ’) Jener; der Vernommene nämlich. ’) Der Herr Superintendent. •) Wir, d. h. ein hohes Konsistorium. *) Es wird verfügt. oen und mit 85 Gulden, 3 Maliern Korn, 2 Klaftern Holz und 6 Schock Reisig der junge Hausstand fröhlich begründet. Die fremde Jungfer aber ward die Mutter Friedemanns und Karl Philipp Emanuels. 3m Reich der Bubis. Von E. von Ungern-Sternberg. Wen hat es nid)t in den grauen Stunden des Alltags hinaus in eine wilde Märchenwelt gelockt, in bas Schweigen des tropischen Urwaldes, wo sich Papageien in Palmen wiegen und bunte Psesterfchnäbet neu- gierig von Riesenbäumen herunterfcyauen, wo Riesenschlaugeii zwis.hen Lianen aus ihre Beut« lauern uno Feuerstiegen die schwüle Nacht erleuchten? Wie viele sind hinausgezogen, uno wenn sie auch weder Gluck noch Stern hatten, jo hat ihnen doch das Abenteuer unter freiem Himmel gelächelt, [o in der Wertstatt Gottes, im jungfräulichen Tempel der 'Jlatur gewesen. Dort fallen die Schlacken eines dürftigen Daseins wie^ unnütze Schalen ab, ein großes Erlebnis läßt alles ja/unn-ben, was -Lcuu) mar, und man wächst in eine neue Well hinein, die voll von Ojfen- Eine Seefahrt in den Tropen! Am bleiblauen Himmel brennt am Tage das große Feuer der Sonne, dessen Flammenstrahlen die Menschen- gehirne ausdorren und das Meerwajfer zu salzigem Verdunsten zwingen. Fliegende Fische klatschen unter das Sonnenjegel, unförmige Ungetüme -eigen sich auf den Gischtkämmen der Wogen und verschwuvden wieder in ichwarzen Tiefen, und rings um die winzige itamp,ende Menschemnsel wogt die unfaßbare Oede des Ozeans. Wenn dann das südliche Kreuz austeuchtek und die Dunkelheit aus dem Osten der fliehenden «wnne nach- sagt dann öffnet die Sternenkönigin die Tore der Unendlichkeit. Unten glühen die Wasser, hinter der Schiffsschraube gleitet ein Strom von silbernem Licht, und das Schiss trägt den Menschen durch den Frieden und durch die Herrlichkeiten des Weltalls. Tage folgen ten tagen, bis end- lich aus dem gleißenden 'Wasserspiegel die Häuser von Santa Jfabel auf- tauchen und im Hintergründe die Berge von Fernaitdo Poo blauen. Bon dort gibt es eine weitere Verbindung nach den Inseln von Eonsvo, Annobon, Elobey grande und Chico und nach dem 91 um, nad) ben letzten Resten des spanstchen Kolonialreiches, das der Welt fo fremd ist und nur selten von Forschern besucht wird. „ , Santa Isabel ist heute ein nettes Städtchen geworden mit gepflegten Gärten und mit einigen stattlichen Gelwuden. Nur wenige Europäer halten auf die Dauer dem ungesunden Klima stand. Die Mehrzahl der Bevölkerung bilden di« Neger, die sich in dichten Hausen am Kai sammeln, wenn einer der seltenen Dampfer in den Hasen einlauft. Die meisten unter ihnen sind in ihre bunten „Capas" gekleidet, die Manner und yrauen ohne Unterschied des Geschlechtes tragen. Irgendein Schwarzer beginnt plötzlich, auf einer Blechkiste den wilden Takt einer Marmga zu schlagen, allerlei barbarische Instrumente sollen tosend ein, und der Ball ist ferhg. Dazu wird Njamge, ein übelriechender Palmwein, in unbegrenzten Mengen genossen, bis das Fest zu einer Orgie auszuarten drohtt Die bescheidenen und durchweg unkomplizierten Gedanken der dortigen Neger, mit Ausnahme einer geringen Oberschicht, gehen selten über Besicht um> Gehör hinaus. Sie sind zufrieden, wenn sie wenig oder keine Arbeit, reichlich Essen, Tabak, Njamge, Lärm und Tanz haben. Die eingeborenen Neger Fernando Poos, die Bubis, gehören jur großen Familie der Bantus. Mit wenigen Ausnahmen Hot sie die Kulttir kaum berührt, im Inneren der großen Insel leben sie noch saft im Ur- zustande dahin. Da es ihnen verboten ist, die Stadt nackt zu betreten, so legen sie, wenn sie aus dem Inneren kommen, vor den -Loren die seltsamsten Kleidungsstücke an. Man sieht Männer in steisen Hüten ohne Krempe, Frauen in abgelegten Uniformftüden. Die Hauptsache ist, daß alles möglichst bunt ausschaut. Auch ihre religiösen Begriffe sind trotz der Bemühungen der Missionare recht primitiv gebsiebem Sie kennen den guten Gott, den Rupe, und den bösen, den Kortmo. Man versucht, den Zorn des letzteren durch heimlich« Opfer zu besänftigen. denn da der Rupe schon an sich gütig ist, so hält es dl« Logik d«r ^ubis für mt- nütz, sich feinetroegen irgendwelche Muhen aufzuerlegen. Di« Bubrs haben auch ihren eigenen König, der den schönen Namen Malabo fuhrt, der aber sorgfältig die Berührung mit den spanischen Behörden meldet, weil er nie ein reines Gewissen hat und meistens betrunken ist. Er darf als äußeres 'Zeichen seiner hohen Würde einen Hut mit breiter goläener Borte tragen, den irgendein Abenteurer vor Jahrzehnten aus der Insel vergessen haben mag und der jetzt die Rolle einer Konigskron« spielt Fernando Poo ist mit seinen Pflanzungen und Faktoreien trotz der halbwilden Stämme der Bubis, doch ein mehr oder weniger der Kultur eröffnetes Gebiet. Der Handel mit Kakao und anderen Fruchten ist be- deutenid. Landen wir aber an der Muniküst«, fo empfängt uns die tropische Wildnis Afrikas mit ihrem Zauber, mit ihren Schrecken und G«- beimniffen. Auf Flachbooten, die den Rio Campo, den Upvanyo und den Utamboni hinauf gerudert und gestoßen werden, fuhrt der Weg m Gegenden, die kaum ein Weißer betreten hat. Durch schweigenden Urwald, in dem Riesenblumen in hundert Farben leuchten, vorl^ian Strmn- schnellen und schroffen Festen. Dann wieder kommen stille Seen m denen bunte Vögel schwimmen und Flußpferde schnauf en und an deren liier der Bofumcnbaum mit feinem Dutt die Luft erfuUt. EbenhoLimatb« und Wiesen, auf denen Büffel grafen. In der Nacht am Lagerfeuer tlebui tue naffen Kleider am Leibe. Dumpf und schauerlich klingt der Rus des Ätansaffen durch den stillen Waid. Am Boden kribbelt es. und .rgendnn Nachtgetier windet sich durch das Buschwerk und schiebt sich durch bte faulende Schicht auf der Erde. Leuchtkäfer blitzen wie gift,ge grnne Punkte auf Ekle Gerüche steigen aus dem Boden, Insekten knechen in ganzen Armeen heran, und schwirrende Kerbtiere kreisen um das Feuer und versengen sich. Das Fieber kommt und lagt durch die Adern, bald heiß, bald kalt, und öffnet das Auge zu einem fernen Schauen »cm un- wirklichen Dingen, die bald grauenhaft und bald herrlich sind. Hoch durch die Kronen der Urwaldbäume schauen di« falten, eternenaugen des Unerreichbaren. . “ ------ ---- Ab und zu kommt ein NegergehSst. Die Frauen sind häßlich und müssen wie die Lasttiere arbeiten, während die Männer herrnnliegen und ich bedienen lassen. Dann tritt der groß« Zauberer, der Ujoki, heraus, der mit seinem Hexenmeisterhokuspokus in Wirklichkeit Herr über Leben unb Tod seiner Stammgenossen ist. Seine Pflicht ist es, die Pfeile zu vergiften und aus Kräutern' Medizinen zu brauen. Stirbt ein Großer Häuptling, so liegt es ihm ob, den bösen Geist, der die Krankheit verursacht hat, zu bannen. Er heult und schreit Sprüche in der Pamriessprache, murmelt Beschwörungen, und beginnt einen Tanz, bis er zuckend am Boden hegt. Die schwarzen Könige unb Königinnen besitzen etwas von der Majestät der Wildnis, die noch aus dem Abgrund der Jahrtausende stammt, ehe sich der Mensch seiner göttlichen Bestimmung bewußt wurde. Zusammen mit den llsoki sind sie absolute Herrscher über ihre Untertanen, unbelastet von moralischem Verantwortungsgefühl. Sie kennen kein« andere Pflicht, als für ihr eigenes Wohlergehen zu sorgen, und dazu brauchen sie nicht viel, nur sehr viel Fleisch, Palmwein, Tabak lind viele Frauen, die sie nach langem Palaver von den Eltern kaufen, um sie als Arbeiterinnen zu verwenden. , . Besonders große- Feste bilden di« Elesantenjagden. D,e Nacht vorher werden Orgien bei Palmwein gefeiert. Dann werden Dtedizinen aus allerlei narkotischen Kräutern zubereitet, deren Genuß die Jäger angeblich unsichtbar für das Wild macht, aber desungeachtet werden jedesmal zahlreiche Jäger von den Elefanten zertrampelt. Wer aber kümmert sich in Afrika um das Leben eines Negers! Elefanten- und Flußpfevdbraten gelten als große Leckerbissen, und werden, nur wenig auf den qualmenden Feuern geröstet, von den Eingeborenen gierig verschlungen. Di« spanischen Besitzungen am Muni haben einen unerschöpflichen Reichtum an kostbaren Holzarten, die aber noch wenig ausgebeutet werden. Nur am Kap San Juan gibt es einige Faktoreien, in denen sich die Europäer durch reichlichen Chiningenuß gegen das Sumpffieber zu wehren versuchen. Dahinter liegt eine ganz wilde Welt der Geheimnisse, aus der zu- rveilen Riesenaffen bis zu den Umzäunungen vordringen und mit tückischen Augen das Menschenwerk betrachten. Phantastisch geputzt« Schwarze kommen von irgendwoher, bestaunen beit Weihen, arbeiten und entschwinden wieder im Urwald. Das Rauschen der Ozeans erzählt von der verschlungenen Atlantis, di« vor vielen Jahrtausenden nicht weit von der afrikanisck)en Küste aus den Wassern emporragte, auf der sagenhafte Menschen lebten, die zu zaubern verstanden und deshalb sterben mußten. Die spamsckfe Regierung hat in Fernando Poo einen großen Radio-Empfänger aufstellen lassen. Vielleicht können setzt die Neger, ine Elefanten und Affen am Rand« des Urwaldes einem Charleston lauschen, der in Paris oder Madrid gespielt wird. Und der schwarze Zauberer der Wildnis, der Ufoki, beugt sich furchtsam und überwunden vor dein übermächtigen Zauber der weißen Herren, die in den finsteren Urwald vordringen und denen all« gehorchen müssen. Nur der Urwald selbst fiirchtet den Weißen nicht, er stellt sich ihm mit seinen Fiebern, mit seinem Grauen, mit tausend Naturgewalten entgegen. MchtgeschWiNdiake^t und Erdbewegung. Was ist eine Sekunde? Don Hanns Fischer. Fast ganz unbemerkt geblieben und nur als lehrreiche wissenschaftliche Feststellung gewertet, ist die Entdeckung des englischen Astronomen M. Gheuich de Bray in London gewissermaßen zu den Be- obachtungstatsachen gelegt worden, obwohl sie, wenn sie sich bestätigt, von weittragender Bedeutung werden kann. Der Gelehrte sand nämlich durch eingehende Versuche und Messungen, daß die bisherigen Werte für die Lichtgeschwindigkeit nicht stimmen. Ein solches Ergebnis hätte wenig DeuarrHigeadrs an sich, da eben verfeinerte Arbeitsweisen die bisherigen unzureichenden Resultate zu berichtigen gestatten würden. Es würde sich daher kaum lohnen, hier auf Veröffentlichungen de Brays einzugehen. Was der eng'ische Astronom fand, beschränkt sich mcht auf die .Unrichtigkeit der vorliegenden älteren Messungen, sondern zeigt etwas ganz Ueberraschenöes. Ordnet man nämlich die Messungen der Lichtgeschwindigkeit chronologisch, von den ältesten zuverlässigen beginnend bis zu denen Brays, so gewahrt man deutlich dm Tatsache, daß die Lichtgeschwindigkeit nach der Gegenwart zu abnimmt. Es ergibt sich eine Verminderung von rund 400 Kilometer innerhalb eines Zeitraumes von hundert Jähren. Hieraus könnte man folgern, daß nach Verlauf von 75 000 Jahren das Licht und damit auch alle Bewegung unb jede Lebenstätigkeit zum StiUstand kommen mühten. Das, dieser Schluß nicht zwingend ist, hier näher auszuführen, würde auch dann zu breiten Raum beanspruchen, wenn wir von der Möglichkeit einer rhythmischen Beschleunigung und Verlangsamung der Lichtgeschwindigkeit ganz absehen würden. Viel wichtiger hier in Erinnerung zu rufen ist die Tatsache, auf welcher Grundlage es Überhaupt für den Menschen möglich ist, die Zeit zu messen; denn nur die Zeit gibt uns den Maßstab, eine Geschwindigkeit, hier also die des Lichtes, zu bestimmen. Als Zeiteinheit gilt uns ja die Sekunde. Was aber ist eine Sekunde? Der Astronom gibt uns die Antwort: eine Sekunde ist der 86 400. Teil eines mittleren Sonnentages oder der 86 164. Teil eines Sterntages. Ohne diese Begriffe im einzelnen zu kennen, ist doch sofort ersichtlich, daß Zeiteinheit und Erdumlauf in engstem Zusammenhang ftehen. Wir haben also gar nicht nötig, zur Deutung der abnehmenden Lichtgeschwindigkeit zu neuen Hypothesen zu greifen, sondern wir brauchen uns nur die Frage vorzulegen, ob denn 6er Erdumlauf dauernd gleichmäßig vor sich geht, so daß für die Zurücklegung einer Wegstrecke eine immer sich gleichbleibende „Zeit" benötigt wird. Bisher hat die Wissenschaft keinen Anstand genommen, diese Voraussetzung einer immer sich selbst gleichbleibenden Zeitfekunde zu machen. Trotz einer ganzen Reihe sehr wesentlicher Beobachtungen, etwa der . Versrühung bet Mondfinsternisse entgegen der Rechnung, der fo. schleunigten Umlaufszeiten der inneren Jupitermonde unb der sH verkürzenden .Umlaufszeit des innersten Planeten Merkur um öie Sonne, hat die astronomische Wissenschaft sich, mit allen Mille!» gegen eine Abnahme der Zeitfekundenlänge gesträubt. Dabei ist eigentlich vom Standpunkt unseres gesamten Wisse»- gar nichts natürlicher als eben diese Abnahme. Denn wohin to'u auch sehen, in den Ablauf der belebten oder der sogenannten unbelebten Welt — überall laufen die Vorgänge von einem Gebiet höherer Spannung nach einem solchen geringerer ab. Allerdings scheint uns da sofort ein innerer Widerspruch aus- zutauchen; denn, so werden wir sagen, wenn die Erde die Zeit für einen Umlauf um die Sonne verkürz t, mit anderen Worte»; wenn sie dauernd schneller umläuft, so sieht das doch wohl so aui, als ginge sie in einen Zustand höherer Spannung über. Um hin sofort klar zu sehen, wollen wir uns jener Gedanken erinnern, bie zuerst auch in allen ihren Folgerungen Hanns Hörbiger ausge- sprachen hat. Er beanstandet zunächst die herrschende Ansicht, da Weltraum fei teer. Zwar gründen sich auf diese Voraussetzung all, astronomischen Rechnungen, eine Tatsache, die an sich natürlich nicht- über die endgültige Richtigkeit dieser Annahme aussagt. Alle Er, fahrung nämlich zwingt eigentlich zur gegenteiligen Ueberzeugui-.z Wir brauchen nur an Kometenschweife, an Meteor», an Ster», schnuppen oder an den kosmischen Staub zu denken, um zu der Einsich! zu gelangen, daß eben der Weltraum alles andere als leer_ ist. Besitzt aber der Weltraum nun eine, wenn auch noch so büm» Erfülltheit (nennen wir es „Aether"), so muh sich dies als Well, raumwiderstand allen ihn durchschwebenden Gestirnen bemerk, bar machen. Denken wir uns zum besseren Verständnis einmal im völlig widerstandslosen, also leeren Weltraum zwei Gestirne, die sich um, schwingen, etwa wie Mond und Erde. Da jede Hemmung fehl!, könnte man sich den Vorgang, einmal in Gang gebracht, in alle Ewigkeit fortlaufend, denken. Mit dem Augenblick aber, in dem Wil eine wenn auch noch so feine Erfülltheit des Raumes anerkenne», müffen die Gesetze des Widerstandes in Rechnung gefiel« werden. Um zu unserem Beispiel zurückzukehren: der Mond mutz bei seinem Umschwung um die Erde eine Behinderung, eine Brei», Nächtigem Hinsehen würden wir glauben können, daß bi« Umlaufszeit des Rachtgestirns sich infolge der Bremsung vergrößern mühte; mit anderen Worten, wir könnten zu dem Schlch kommen, daß sich der Monat verlängere. Sind wir dagegen mit benötigen technischen Gesetzen vertraut, so erkennen wir in bW Annahme sofort einen Fehlschluß. Das Gegenteil wird nämlich env treten. Infolge des Weltraumwiderstandes bleibt (theoretisch gv sprochen) die Umlaufsbahn des Mondes kein in sich geschlossener Kreis, sondern gestaltet sich zu einer enge gewundenen an die Erb, heranführenden Spirale. Das aber besagt: Der Mond nähert sch wenn auch äußerst langsam, so doch unaufhörlich unserem Planete» Dabei aber verkürzt sich der Monat. Beträgt er heute rm» 93 Zage, so muß eine Zeit kommen, da er 25 oder gar 20, ja leibJ 10 Tage und schließlich 1 Sag ausmacht. Auch hier hält er nacht an, und es bleibt kaum noch ein Zweifel, daß unsere späten Rachkomm« einmal auch von einem etwa vierstündigen Monat reden werden. So überraschend das auch klingt, ganz in unserer kosmische» Vähe haben wir ein Beispiel. Der innerste Marsmond braucht yi einem Umschwung nur wenige Stunden. Auf dem Mars ist gegenwärtig der betreffende Monat 7 Stunden und 39 Minuten lang. Haben wir nun eingesehen, daß infolge des Weltraumwiderstanbei ein'AimmelÄörper, der einen anderen umschwingt, im Laufe kosmologischer, also nach Jahchundertmillionen rechnenden Spanne», sich dem Wittengestirn immer mehr nähern muß, so sind wir rav wendigerweife gezwungen, diese Erkenntnis auch auf Erde unb odm anzuwenden. Wir haben zu folgern, daß unfer Heimatstern sHs immer mehr dem Tagesgestirn nähern, dabei auch seine Umlau; »zeit verkürzen mutz. Berücksichtigen wir ferner, bah der Mond die Er« ebenfalls mit wachsender Geschwindigkeit umschwingt, und damit infolge seiner die Erde mitzerrenden Schwerkräfte die Erddrchung beschleunigt, so ist es nur eine selbstverständliche Folgerung, die toti aufzustellen haben. Diese Folgerung aber sagt uns, daß sich alle« verkürzen muß, der Sag, der Monat, das Jahr. Damit aber 1» auch die Verkürzung der Zeitsekunde gegeben. Cs wm bann aber sofort der Fehlschluß klar, der zur Annahme süyrte, bi« Lichtgeschwindigkeit verlangsame sich dauernd. Das ist natürlich f® Irrtum; denn das Licht durcheilt nach wie vor mit gleicher schnell^ feit den Raum. Da aber die Erde sich schneller als einst umi W eigene Achse dreht, die Sage in ihrer wahren Länge also kurz» geworden sind, mithin, um einen groben Vergleich zu bringen, m hundert frühere Sekunden jetzt hundertfünf kommen, braucht der Lrcy - strahl zur Durchmessung der gleichen Strecke mehr Sekunden ob vordem. Richt also um eine Abnahme der Lichtgeschwimngnn sondern um eine solche der Zeitsekundenlänge handelt es sich. ist das ganze Geheimnis. . . Mit dieser Einsicht aber ist eine Grundlage geschaffen, die oa» bisherige Weltbild wanken macht. Aus der Ewigkeit der mwn- änderlichen Planetenbahnen wird ein sich pausenlos ändernder Spcm- nungslauf. Das irdische Leben wird uns zu einer zeitlichen, w» vergänglichen Erscheinung im Strom kosmischen Geschehens. Da vu ferner wahrnehmen, daß der Mond sich der Erde nähert, sind iw gezwungen, den Wechsel des Krästespieles Erde—Mond zu berua* sichtigen. Sun wir das, dann liegt die ganze Erdentwicklung vw ihren geologischen Schichten, mit ihren Sintfluten,. mit ihren «eben»' und Kulturrätseln offen vor uns aufgeschlagen wie ein lesbares Verantwortlich: Dr. HanS Shyriot. — Druck und Berlag: Brühl'fche Universitäts-Buch- und Steindruckerei, R. Lange, Gieße".