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Ersteigend erst des Markusturms Terrassen, vermag ich vorwärts mit dem Blick 3u bringen, und aus den Wundern, welche mich umringen, entsteht ein Bild, es teilen sich die Massen. Ich grüße dort den Ozean, den blauen, und hier die Alpen, die im weiten Bogen auf die Laguneninseln niederschauen. Und steh! Da kam ein mut'ges Volk gezogen, Paläste sich und Tempel sich zu bauen auf Eichenpfähle mitten in die Wogen. Meergespenster. Von Robert Reumann. Die Wände des kleinen Küstenhauses, in dem ich wohne, sind nur süchtig in den Boden gerammt: Holz, Kalk, Ziegel, kulisseuhaft, verfallend schon vor der Vollendung und bestimmt, morgen hinzusinken, überwachsen von Sand. Sand wandert, Sand rieselt, Sand quillt in feinem, weiß stäubendem Strahl durch Rißen, trägt Meeratem herein und den betäubenden Anhauch flammender Sonnenluft. Draußen hocken zehn Fischerhütten, da, dort, geduckt auf die Düne. Das ist Seiner italienischen Majestät Dorf Viserbella, an der Bahn gelegen, an der Küstenlinie Ferrara—Ancona; aber die Zügen hasten hier ohne Station durch dos Schlammland, Tümpel schauen mit totem Glasblick herüber. Reisfelder rascheln, Schilf klirrt, und in gelben Gesichtern glimmt Fieber. Ich liege irn Zimmer, obgleich die Sonne im Westen schon auf der Sluppe des Apennin hockt — Zeit, vor die Tür zu treten, die Glieder zu recken, mit schmalen Kindern, mit braunen Fischerdirnen zu lachen, zu atmen kühlere Verheißung vom Meer her. Ich warte. Draußen Signal. Ans Fenster legt sich ein breites Gesicht, gutmütig und wild — Michl eines Fischers, der Dante heißt, buchstäblich Dante und mit dem Zunamen buchstäblich Polenta. Ich komme! Oeljacke, Wollzeug, Brot Wein, Ausrüstung für den nächtlichen Fischzug. Waten durch grundlosen Sand. Dann die Schuhe aus, die Hosen hochgekrempelt, und dreißig, vierzig Meter hinaus ins Meer. Dort liegt der a ' rln3t' 3errt an der Änkerleine. Quer hingemalt in armdicken Rettern schreien vom gelb- und rotgeflammten Großsegel die Worte „La Gloriosa . Heißt so das Schiff? Es ist der Name eines bekömmlichen Wassers. Die Zeiten sind schlecht. Man erhält die bedruckte Leinwand umsonst. , Klimmzug an Bord. Der nächste Tritt geht ins Leere; ich stürze >N den „Schiffsraum" hinunter — eineinhalb Meter tief. Das Boot ist Miß lang. Wir find unser drei: vorn am Bug hockt chon einer, "sm- .ure' e*n Blatternarbiger, wetterzerrisfen. Wir reiten mit vollem Segel vorn, Abendwind, der von den Bergen Verstreicht, über aufspritzende Wellenkämme, ostwärts. Dort blaut ■Kann. Hinter uns tropft krankes Rotlicht von einer niederen Wolkenbank. beiden Fischer kümmern sich nicht um mich, reden in einem ftS*’ der französisch auftönt und mit italienischem Wohllaut oer- ' Rdmagnol; Herbheit, spärlich aufflackernd, erinnert an die Gon- Wob 1 au* ben Lagunen. Aus einer Falltür am Vordersteven quellen rn' <“.e,röen geschichtet; es sind Schleppnetze, riesige Säcke, aben- einfK™;-0 Hirose, Magen, Gedärme aus rostbraun zähem, dämonisch Maschenwerk. Der Rand des Rachens, aufgespreizt durch Dio bengestabe. ift mit Kork und Steingewichten wie mit Zähnen besetzt, hinaus in diesen Eingang verirrt hat, findet nicht mehr Zeigt zwölf Meter bis an den Schlammgrund. Das Netz Au evn^'^ leisen Klatschen aufs Wasser, zögert noch trocken, einen oeSt berfJ?er ^">0^ schillernden Fläche, quirlt, dann plötzlich, ibm na* W ”er ^‘Dunben. Zwanzig, dreißig, fünfzig Meter Tau läuft stöhnt. Wi7b Meppt 'fchÄ?. fid)' 3errL 3ic 5af,rt roirb langsam. Segel •ncte^bor/hin, 91,€ aristokratische ist. Die Kunst «nes $ „Der Geist veredelt die Seele und deckt ihre Blähen zu. Er leiht ihi '“^Gin geistiger Vorgang, also, zu dem es geistiger Mittel bedarf ..." „Eine Ekstase, die uns nicht von ungefähr überfällt, sondern herbei- geführt wird durch nüchterne, trockene Technik, mathematische Genauigkeit und einen wohldurchdachten Apparat strenger Hebungen, die wir Exerzitien nennen, — ja, eine Entrückung, zu der es solcher aus das sorgfältigste geregelter Vorbereitungen bedarf, ist kein bloß körperlicher Rauschzustand, sondern gesteigertes Bewußtsein. Der Geist spielt gleichsam mit seinem Gesäß, dem Körper. Er meistert sich selbst und beherrs^ auch, was nicht er selbst ist: die geäderte, atmende, von ihm beseelte Materie. Das Schwerste ist zugleich das Schönste für den Tänzer, indem er es nämlich überwindet. Ein müheloser Gehorsam des Leibes — die Belohnung vieler Mühen." ..... ,Sie sprechen von der tänzerischen Entrückung, als wäre sie ein Vorgeschmack der ewigen Glückseligkeit in der geistigen Anschauung Gottes. Auch diese steht am Ende eines Weges voller Mühen und Prüfungen. „Sie haben ganz recht. Das letzte Ziel des menschlichen Geistes ist do- beseligte Ausruhen in Gott. Im Angesicht Gottes sind alle Rätsel, die uns peinigen, gelöst. Der Zustand der Seligen ist nichts anderes als ein Zustand vollkommener Erkenntnis, ein Teilhaben an der Erkenntnis Gottes. Ich als Tänzerin darf aber wohl darauf Hinweisen, daß es dazu nicht nur einer Unsterblichkeit der Seele, sondern auch einen Auferstehung des Fleisches bedarf ..." ,, „Und die Tänzerin, könnten Sie hinzufugen, ubt stch gleichsam schon in diesem Leben in der Auferstehung. Sie wird die erste sein, die ans- ersteht " « Das ist eine schmeichelhafte Uebertreibung", antwortete lächelnd die Karsawina. „Ich möchte es lieber so ausdrücken, daß der Tanz uns übet uns selbst emporhebt und uns läutert. Ich fühle mich, tanzend, cm besserer Mensch werden. Es ist nämlich nicht so, daß der Geist allem den Tänzer beherrscht. Was in uns auftanzt, bevor wir eigentlich tanzen, ist seim Schwester: die in Luft und Schmerz zweigeteilte Seele. Der Geist und di, Seele, animus und anima, vermählen sich, damit das wahre Kunstwm Grenzenlose, hineingeht. Unterhalb dieses geordneten Kosmos rumort freilich das Ungeheuere, Unheimliche und Dämonische: das Chaos. Ich will es nicht leugnen, weil ich nicht tanzen würde und nicht tanzen könnte, wenn ich es nicht in mir spürte. Ich spüre es vornehmlich in der Form der Erdenschwere, der Unfreiheit, der Verstrickung in den Alltag ..." „Sie bauen sich, tanzend, eine Brücke darüber hinweg? ... „Ja, der Tanz ist nur ein Mittel, wie die Poesie oder die Wissenschaft/ das gähnende Nichts, von dem unsere menschliche Laufbahn allerseiten umgestellt ist, gleichsam zu ü b e r {i n g e n , das Leben zu meistern und die Welt zu überwinden. Wenn ich tanze, schwebe ich über den Dingen. Man nennt dieses gewichtlose Schweben Ekstase — Entrückung. Es ist die Entrückung aus dem Schmerz in die Schiiwrzlosigkeit, aus der Zeit, die vergeht, in den Augenblick, der verweilt. Das große „Verhallen von Allem" wird gleichsam aufgehalten in jenem schönen, sich selbst glorifizierenden Augenblick, den kein Stachel der Erinnerung noch der Sehnsucht verwundet. Es ist derselbe Augenblick, den Faust zu bannen verrinne. Neben mir liegt der Blatternarbige, geduckt zum Sprung, in der Faust einen langen Bootshmen wie eine Lanze. Der Zitterrochen inmitten des Schiffes tanzt, tanzt. Er ist auf ferner tödlichen Runde wieder in den Haufen seiner erschlagenen Netzgefahrten geraten und wirbelt das Chaos kleiner Leider wie Schlamm mit mächtigen Schwanzschlägen auf in die Luft. Krabben, Schollen, wie Wurfgeschosse geschleudert, klatschen tot da und dort an das Holz oder fliegen in weitem Bogen ins Meer. Das Tier tanzt. Da schnellt sich mit einem Heisern Laut der Blatternarbige vor und stößt den Bootshaken nach dem zuckenden Fischleib. Er gleitet ab, und die Stange kollert, von Schlägen des verkrampften Körpers gepeitscht, dahm, dorthin im Boot, mit ihrem grausig abgelösten Geklapper den stummen Kampf des erstickenden Tieres begleitend. Eine Viertelstunde, eine Halde Stunde vergeht. Das viereckige Fleisch wirft sich schwer und wird matt. Schon schieden sich Sekunden, Viertelminuten zwischen Zuckung und Zuckung. Ich gehe hinüber mit meiner Laterne. Da liegt es im Winkel an der Bootswand halbausgerichtet, und atmet. Es hat ein Gesicht! Wie Kinder Menschengesichter zeichnen, Augen, Nase und Mund, so ist diesem Drachen eine schreckliche und vereinfachte Fratze halslos auf den panther- haft rot und bläulich geflammten Körper gesetzt. Das Meergespenst stöhnt. Schaut mit liderlosen Kugelaugen gräßlich ins Licht. Zittert nur mehr. Sperrt bebend in stummem Röcheln den dreieckigen Mund auf. Da stößt ihm der Blatternarbige mit einem Jagdruf den Bootshaken durch das Maul ins Gehirn. _ Wind weht. Frost vor Tag. Willst du schlafen? Hinten über dem Boden des engen, übelriechenden Bretterverschlages schieben sich geflüchtete Krabben. Noch ist es Nacht. Nur der Wagen hat sich, bis zum Horizont hinuntergedreht und die Leuchtfeuer blinken blasser und überwacht. , Hattest du die Augen geschlossen? Die Sonne flammt mit halber Scheibe über der Kimmung, heiß, weiß. Netz auf! Eine Last Seesterne, träge, widrig bewegt. Mit einer Verwünschung werden sie wieder in die Tiefe geschickt. .. Heimfahrt! Im Osten ist Wind aufgesprungen, weht landwärts. Wir reiten mit den Wellen auf unser Dorf zu, das zwölf Kilometer entfernt als kleiner, weißer Fleck herüberleuchtet. Die Netze liegen braun in wirrem Haufen im Boos. Auf dem Hintersteven hat Dante friedlich nebeneinander die Körbe geordnet. Der Blatternarbige hilft ihm. Er hat den Leib des Rochens zu Unterst gelegt und darauf die schlanken Fische in Kolonnen und Staffeln zierlich geschichtet. „Soldaten", sagt er. Habe ich die Kreatur nicht eben noch zucken gesehen? War's nur ein Albdruck? Die Sonne scheint. Volle Fahrt gegen Land. Das Ufer rückt nah. Fischerbarken, Gruß, Gelächter, ein derbes Scherzwort von Bord zu Bord. Sand knirscht unterm Kiel. Zwei Frauen kommen den Strand entlang auf uns zu. Die vordere, eilends, ein schwarzes, stattliches Weib, watet geschürzten Kleides ins Wasser, ruft dem Patron etwas zu, nimmt zwei Körbe mit Fischen auf Schulter und Kopf und geht hinüber ins Dorf. _ Inzwischen ist auch die zweite lässigen Schrittes nähergekommen. Des Blatternarbigen Weib. Siebzehnjährig vielleicht, schlank, schön, mit dem klaren Ebenmaß der Züge einer Madonna. Den Sand hinschreitend biickt sie sich plötzlich, um besser zu sehen, wirft mit der Spitze des nackten Fußes an einer leife gehügelten Stelle den feuchten Sand auf, faßt eine Krabbe, die darunter liegt und eilends davon will, und hält das angstvoll um sich greifende Tier einen Augenblick prüfend ins Licht. Dann faßt sie mit ihren zarten Fingern eine der Scheren, dreht sie, renkt sie aus und reißt sie vom Leib. Dann die zweite. Dann die Glieder, eines und noch eins. Sie wirft Stück um Stück mit zierlichem Schwung in die leicht anschäumenden Morgenwellen zu ihren Füßen. Nur der Rumpf bleibt hilflos lebendig. Da faßt sie ihn und schiebt ihn mit einem ernsten Lächeln in den rotlippigen Mund. Ordnung der Mell durch den Tanz. Gespräch mit Tamara Karsawina. Von Bernard G u i l l e m i n. Tamara Karsawina ist nicht nur aus der Bühne, wenn sie tanzt, ein Wunder an Genauigkeit; sie ist es auch außerhalb der Bühne, im Gespräch. Der Geist dieser Frau ist nicht weniger geschult als ihr Körper. Freilich handelt es sich hier um „Schule" im allerhöchsten Sinn: um eine allseitig durchgebildete Ordnung der Schritte und der Gedanken. Alle Eigenschaften der ruhenden wie der bewegten Ordnung sind hier beisammen, vornehmlich aber das Licht, die Linien, die scharf gezogenen Grenzen. Das im wachen Gespräch sich mitteitenbe Denken dieser Frau ist wie ihr Tanz selber: ein unaufhörlicher, immer neu zugespitzter Sieg über das Ungefähre und Verschwommene. So wie es eine gelehrte Poesie gibt, gibt es auch einen gelehrten Tanz. Niemand verkörpert heute den Typus der gelehrten Tänzerin in vollkommenerer Weise als die Karsawina. Es ist vielleicht das vorzüglichste Kennzeichen des geschulten und gelehrten Geistes, daß er nicht vor den Rätseln seiner eigenen Tiefe zuruck- schauert, sondern die Geheimnisse, auf die er stößt, zu enträtseln ober wenigstens zu beschreiben unb zu benennen versucht. So wie bem ungeschulten religiösen Geist bie ungenaue Mystik, so entspricht dem geschulten religiösen Geist bie genaue Theologie. Der mystische Geist „erlebt" Gott, der theologische Geist beschreibt und benennt Gott sehr genau in seinen Eigenschaften. Auch die Kunst, jede Kunst, insbesondere die Kunst des Tanzes, kennt eine Myystik und eine Theologie. Die mystische Kunftbetrachtung läßt das eigentliche Wefen der Kunst zugedeckt; bie theologische Kunstbetrachtung deckt es auf, soweit sie es vermag. Die Karsawina ist keine Pythia, sondern eine Aspasia der Tanzkunst. Sie verbirgt sich nicht hinter Schwefeldämpfen und Orakelsprüchen. Sie lebt, denkt und spricht in der philosophischen Helle des Gastmahls. „Der Tanz, wie ich ihn verstehe," so begann sie, „ist etwas Rundes und Vollkommenes, ein geordneter Kosmos, in den alles, selbst das leicht! Wo die öcgranre oer :oinuu|uui lucggciuuim Tummelplatz für jedermann. Der große Tanz aber ist eine Run] wenigen — eine aristokratische Kunst." "In dem nämlichen Sinn, wie auch die Kunst des Clown, **,lf den Tanz gern vergleiche, eine aristokratische ist. Die Kunst eine ober der Fratellini streift ans Absolute. Der große Clown der Tänzer, in unanfechtbarer Heiterkeit über den Singen tes ■ Diese Ueberlegenheit, die nicht jedem gegeben ist, nenne ich an,wir „Ihre Auffassung vom tänzerischen Kunstwerk erinnert mich , klassische Tragödie der Franzosen. Sie erscheint mir ganz unnyn „Die Welt Dostojewskys ist nicht bie ganze russische Welt. Aw sieht in Europa gemeinhin unsere anbere, byzantinische Seite, formelhaften Einschlag. Byzanz ist immer noch in Rumäne> ■ Denken Sie nicht gering von Byzanz! Das, was man in Lupt tismus nennt, ist nur ein Zerrbild des wahren byzantlNi,cyei> , "^Ja° Er reinigt, läutert, ordnet das Gefühl. Er prüft jede EmM düng auf ihre Würdigkeit. Er läßt nichts Unreines hindurch. Er tritt ch! auf den Plan, wenn alles Uebrige schon da ist, aber er unterwirft was das ist. Er bringt das Recht, die Regel, die Ordnung. Er ist der M- mat,herr'iftbeäiemffiegd,ftiflgen Sie. Läßt er dann auch den gen» Funken gelten, den Blitz der Intuition, das Himmelsfeuer des Einfalls, ö« Gewiß,'"denn er schließt nichts aus, aber er prägt jeglichem fti»- Form auf, auch dem regellosen Zufall. Unb weil er nichts ausMick sondern alles in eine harmonische Orbnung zusammenfugt, m bet• n Maß ist unb lächelndes Gleichgewicht, ist er dem besänftigten Apolnch als dem zerrissenen Dionysos. Der klassische Tanz, rote ich ihn ube unb * ^°^Äber°qcht°de°nn"in^bie^apollinische Sorin bes klassischen Tanzes (# wirklich alles hinein? Geht bie Seele ihrer Natur nicht teilweise lustig, wenn sie sich von ber Regel einschnuren laßt? Die Seele verliert nicht ihre Natur, sondern lediglich ihre herrschtheit. Sie gewinnt mehr als sie verliert. S.e wird aus dem o stand der Anarchie in den Zustand der Sainmlung gehoben. Wen tanze, bin ich nicht vom Gesühl beherrscht, sondern ich beherrsch eg Gefühl. Ich bin nicht ärmer darum. Ich weiß wohl, daß der Tanz heute mannigfachen Widerstanden begegnet. Ich will “) einer dionysischen Entartung der Tanzkunst sprechen. Aber ich Wj dennoch, daß, wo man die Regel verschmäht, die Gefahr nicht abzuw ,.. ist, daß bas Gewöhnliche ungeläutert sich austanzt. Das ist au« leicht! Wo die Schranke der Virtuosität roeggeraumt wird, ent,W ! imort . Ich anzen ich in i den «ft. .Zöchte Sie nur daran erinnern, daß Julien Benda, einer der klügsten Köpf- des heutigen Frankreichs, sein erstes und vielleicht bestes BuchTüialoguesl Byzance" betitelt hat. Byzanz war ein großes Boll- werk des f gjnot^e neigende slawische Seele bedurfte gleichsam der byzantinischen Formelhaftigkeit, um sich nicht zu verlieren ...? So ift es. Als das klassische Ballett durch einen Deutschen, den Pastor Jobann Gottfried, nach Rußland gebracht wurde, fand es dort einen überaus günstigen Boden. Später gedieh es gerade bei uns zu einer höchsten Blüte in der verfeinerten Atmosphäre des Hofes Heute ist die Tradition des klassischen Tanzes so sest gegründet, daß es des Hofes nicht mehr bedarf. Unser Tanz ist unzerstörbar, weil er bereits sagenhaft ge- «Vshr Ruhm ist sagenhaft und zerbrechlich zugleich. Ihr- Werk ist ein Werk, das vergeht und schon vergangen ist, bevor Sie noch von der Tanzbühne abtreten. Es muß immer neu geschaffen werden, und mit ihm der Ruhm, der es umgibt. Sie müssen Ihren Richm unermüdlich befestigen. Er ist nicht eingeschlossen aus immer in geschriebenes Wort, gemeißelten Stein, ausgezeichneten Klang. Es dauert nur, so lange Sie leben und ihn lebend verteidigen. Er ist nur ewig, wenn man glaubt, daß Sie auferstehen." „Das ist das qualvolle Glück des Tänzers und der Tänzerin. Wir kennen keine Sattheit." Die Karsawina lehnte sich, als sie dieses gesprochen hatte, zuruck. Ihr Blick hinq in der Ferne. Aber kein Muskel ihres Gesichts war entspannt. Sie hatte wie ein Theologe vom Geiste gesprochen und wie eine Liebende von der Seele. Jetzt schwieg sie, und aus dem Feldherrnblick der Schweigenden sprühte das dritte Element, das härteste non allen: der Wille, noch einmal der Wille und immer wieder der Wille. Der Haushahn. Von Hermann L i n g g. Er hatte Mut und einen stolzen Schritt, Er lieh nur selten sich begleiten, Er war ein Herr, der keine Kränkung litt. Er hatte Sporn, gleich wie ein Mann zum Reiten; Sein Haupt war feurig, voller Gluten ganz. Er stammte vom hispanischen Geblüte, ' Man sah's an seiner Federn dunklem Glanz, Und wie der Stolz aus seinen Augen sprühte. Viel traute Frauen gingen vor dem Tor Im Hofraum mit ihm aus und ab. Richt wie das Huhn nahm ihn die Köchin ab. Ihm stand weit Schlimmeres bevor; Er war in Ruhestand versetzt. Und dies hat ihn so tief verletzt. Daß tief er's in die Erde kratzte, Ja, daß ihm schier davor Der rote Kamm auf seinem Haupt zerplatzte. Ein Fremder, ein Brahmine kam. Ein Cochinchina trat an seine Stelle, Und ach, die Herzen aller Frauen nahm Der Fremdling ein mit Blitzesschnelle. Dem Haushahn blieb für all' erlitt'ne Kränkung Rur ein Ersatz, ihm blieb der Mist, Der Berg, von dem er jede Schwenkung Des Gegners übersieht und sich vergißt, Wenn ganz Verächtliches der andre frißt. Dann singt er in der Morgensrühe Sein Weckelied der ersten Tagesglut Und denkt, was gibt sich doch die sremde Brut Mit Singen viel vergebne Mühe. Und stolzer wallt er durch die Flur Und sieht auf jeden Hahnensuß entzückt, Weil noch im großen Buche der Natur Ein Blümchen sich mit seinem Namen schmückt. Deutsche Vergangenheit in Strasburg. Von S. Gerlach. In der alten Soldatenstadt sind die schmetternden Clairons zum Empfang des Ministerpräsidenten Poincare verstummt. Man sieht m den engen Gassen und menschengefüllten Plätzen keine wehenden Trckoloren mehr. Die kleinen Mädchen mit ihren bunten Trachtenrocken, gestickten Miedern und flatternden Flügelhauben haben die Blumensträuße mit dem Schulranzen vertauscht und sitzen über Participes pass6s und unregelmäßigen Verben. Auch der „Bourgeois — dieser Bonvivant , wie er im Buche steht, der in einer gut gebackenen Pastete d«/ Weisheit Anfang und Ende sieht — ist ins gewohnte Geleise zuruckgekehrt. Cr ist soweit zufrieden. Die flammenden Worte des französischen Staatsmanns haben seiner leicht erregbaren Eitelkeit geschmeichelt, und die lungst erfolgten Verhaftungen mahnen zur Vorsicht. „Sie wellen uns hack. äasWor, das nach dem Waffenstillstand von Mund zu Mund flog, geht dem nicht denkenden Straßburger noch heute glatt hinunter wie ein alten Türkheimer Weins. Vor dieser Zuhörerschar durste Poincare es ruhig um gen „de corriger l’histoire" und Goethe als Kronzeugen für den ,m Eftatz herrschenden französischen Geist im 18. Jahrhundert anzurufen-Sicher war keiner da, der ihm auf samtenem Kissen das neunte Buch aus Dicht ng und Wahrheit überreicht hätte, um ihn mit des Dichters eigenen Worten Su schlagen. „Elsaß war noch nicht lange genug mit Frankreich r^r- bunden, als daß nicht noch bei alt und jung eine liebevolle Anhänglichkeit an alte Verfassung, Sitte, Sprache, Tracht, sollte übrig geblieben sein, schafi; [ cseiten n und . Din- ig. Es is der ch allen ' glori- Sehn- n ver- rf ..." , herbei- luigteit : Exer- s sorg- Rausch- am mit )t auch, Materie. i er es die Beste ein ng Got- ifungen. 5 ist bas die uns als ein Kenntnis es dazu -rstehung tun schm die auf« helnd dik uns übet n besseret n Tänzn ist |eine ft und die Kunstweil : leiht ihr : Empsin- r tritt etfi virst alles, st der A lenialischts insalls, bi« chem feint ausschliest n der nm lpoll nähet bc unb *• Ganzes aut ilweise ihre U* is bem . Wenn » -rrsche n»: -er klaO 1 nicht- x ich H l : abzuwev, ist alles f entsteht« e Kunst d , mit bet i- eines schwebt,/, des A« -risiokrattst mich unrussiM- t. Man te, mit >hl and leb* °r°pa Jf scheu ®el’’ heißt cs dort, und später wird Goethe noch deuitcher unD verennt: „