GießenerLamilienblAter Kummer 59 gießen. B-rges der „Elena", die hier an das Wrack aufrecht, mit dein Bug fast genau gegen verglüht er fch>"' ! SpiW ntfernteit h. Wen« , die der der »eft was w”* umf und find: die t zu den Stimme >: hten!" du alter s Genüge Herr und nach der nnen mit er traten erhitzter stieg auf, n rechten ften. Ein hie durch i »aren zu idervollen ! , silberne I blaßblaue I. icr Wand und oer» mit den ien fielen von den eß einen gebrannte en Vater )um Ein- i großen )te stand, ), auf di« h zu der Freunder e Zeichen iihnt hat, nir einen stolz fein ■ Staats- le Gefin- ,d steifer nächsten - Krieges ein Sahn selbst io will ich hr Name zu dem Mittags ! e, an die Unterhaltungsbeilage zum Eichener Anzeiger ™^~928 ----ÄTtoZflüi----------- tben. 9e, ünabi an cftimmen eit einem >en sollen hier den n, in der 5 Augen- im Stich uffuf mit « Stufen er Worte mich zum >er Seele ieht auch ständen Kreislauf der Geburten. Von Hermann Hesse. Alle Tode bin ich schon gestorben, Alle Tode will ich wieder sterben, Sterben den hölzernen Tod im Baum, «terben den steinernen Tod im Berg, Blatternen ~ob im knisternden Sommergras, Und den armen blutigen Menschentod. Blume will ich wieder geboren werden, ^Hrf>nLnh A®fi5 “’M roieber geboren werden, tjifa) lind Hirsch und Schmetterling. Und aus ,eder Gestalt Wird mich Sehnsucht reißen die Stufen Zu den höchsten Leiden, Zu den Leiden des Menschen hinan. O zitternd gespannter Bogen, "^nn der Sehnsucht rasende Faust Beide Pole des Lebens Zueinander zu biegen verlangt. Oft noch und oftmals wieder Wirst du mich reißen von Tod zu Geburt Der Gestaltungen schmerzvolle Bahn, Der Gestaltungen herrliche Bahn. bmgiI wird mit vierfachen Trossen an Land bekeltiat und ttrXÄ W'a(t uerkeilte/ Stangen und durch zwei kleine berer ©orafart urrfHn«te ,,elh lerngehalten Sie müssen hier mit besonder »erben, erfahre ich, beim dem Oberflächenstrom, reibend»,- -r"raarameer gegen das Aegäische weist, entspräche dort ein Ägäischen gegen bas Marmarameer, der an die Plätt? droben nnck>"'M"s^ |C' den Taucher östlich abzutreiben, indes Luftfchlauck reibt" ^^o-^zertt wird. „Es kommt vor, daß der sXr f»;‘ £ / sagt Herr Kherieddin mit blicklosen Augen. BoibereitunXnX ff« TeL3™8* ®cbiife" hinten im Pumphaus die letzten sei vennutsick -in w ""8 auseinander, der gemeldete Widerstand Der tiefe 6trnm ir^,t d: l'X ^lrb ,r9enbem verfaulter Fischkutter sein, toen 3nfefo llnh h9t °'u i)cr,uber- weither. Manchmal von den griechi- versenkt vor hX 7PPe“ X’ dem Krieg. Der Engländer hat viel Deren» Das M ^."9, ^r Dardanellen. Und der Türke hat viel dem Strom " * $ drunten eines Tages vom Grund und treibt mit Tauch^nstst? CisrnVber ^Hilfen von hinten und bringt die eine Art C0e L? Kleider und Schuhe ab. Dann bekomme ich 2°hne des Ta!ck.X' ber 'ci,r cn« anliegt - er gehört dem schmächtig ift der .etwa meine Größe hat, aber auffallend Bummiavzuges ," trete ich in die Hosen des scheinbar nahtlosen 8eib jcrre >9 @ ,?nb ®°bn in,r Nicht ohne Mühe über den ^iinde bleiben frei ,Pr^ mir uin den Hals, die doppelt stark? Vhnfiln|l,nb [cf)r en9- Dann noch ein zweiter Ker solche,, nl|l- m/?" ^ug und Schuhe, Die angeblich aus Walhaut sind, Zohlen Bleiwülste vortrete?"^^" ^,,r ähnlich sehen und aus deren ^bs^Her?^-, ein paar Schritte »u »achen — es ist kaum möglich. lns Wasser bisan'h? h-lst mir zur Stiege hinüber, ich steige langsam ' an bte Brust, und erhalte nun erst den stählernen Hals- I i« wer?« ?Ä,3i'S Hfl* U»d M» Das Lot zeigt zwölf Meter das ist nickst ti-'k ^.'1 hochgezogen, hinter mir. Tun Äe das nickt o Ä V' ?.'« halten sich dann knapp nehmen. Gehe ich in tieferes Mast/?"«» 'm keine Verantwortung Überbein Ufer." ® f 2ßaffer' f0 bleiben Sie zwischen mir und ?"arte.Das Fenster wird verschraubt, die Lui nnr^Ä l'ch Uber mich.^ich steige vier C tU Dttck durch ein Kajütenfenster. Von Robert Neumann. Die Meldung: „El, stmm?nd"un^7st.e-°st 9iTn nach Bmila, sttz'dii Dardanellen herauf- jx'rSHLW. ÄÄÄtÄHTÄX'Äß .. (e.n,1 nuht unbeträchtlicher Schaden festgestellt wurde Von Gallivoli eLg®I_9L°?st9eb7n9^-?'"X den Eindruck eines kranken Mannesoon vierzig finb tui?V?»" äwe'Undvierzig hinaus. „Mit fünfund- uns." Er nimmt wirst Cr" ^?^tg erlebt kaum einer von iitnint mich Nllhr gern mit. Ihn zu überreden kostet nies traaen~f?«0 ®elb" 2r6er: »Wir müssen Gelb auf die Bank afs toir'" 9 gkeichmulig. „Unsere Witwen leben dreißig Jahre länger MUMMMMM samen Schritten, mit schwebende,? Svrüncwn'??/""?8."' unendlich lang- mit einem seltsamen Gefühl der Sckwerecksta?^ 3Ä. 98 it)m 15 £e£ueöiertAflRb37e‘^nbCrt Registertonnen, mit I Angeeng?^Das Blut °?reß7 sich b?st"?"gen Gewalt umklammert''und !n bei den Frauen der Wüste, denn nirgends wird der Rasse- kn inkt io üeschärft wie hier. Unter den Palmen der Oasen lebt eine Tradition die nie sterben wird, Hatz wird gezüchtet auf alles grcmbe Do sind die Berberinnen. Ihr Stamm pricht merkwürdige Dialekte, die bis' beute noch unerforscht sind. Man wird selten «ne Berberin In den Küstenstädten antreffen, während die Manner schon aus Rot daselbst Arbeit annehmen. Sie kehren aber immer zu ihren Frauen und Mädchen zurück heiraten nur Etammesangehörige. Die jungen Mädchen und Frauen sind schön, ihre Gestalt ist eine wunderschöne Pirip bat weiche ebenmäßige Formen. Die Augen spiegeln Phaniasi - fülle' Verträumtheit und eine riesige Portion Aberglauben wider chr chals ist behängt mit Amuletten, und alles was geschieht, ist ihnen e Unaufhaltsames Fatum. Sie hassen jede andere Frau, besonders d.e Beduininnen und Araberinnen. . . mmv „nders sind die Frauen der Veduinenstamme, die ja die eigentlichen Nomaden sind. Männer und Frauen sind gleichfalls schone Men- chen besonders reizvoll die Frauen. Während die Manner barensta , sind 'die Frauen, vor allem die jungen Mädchen von emer Feinhch der Gliedmaßen, von einem Ebenmaß, das entzücken wuß. Ihr bron zenes Gellcht erinnert an kaukasische Völker, der Temt >st herrlich, da ist keine Kosmetik notwendig. Die H?arsulle hangt locker und >n Zopf Ihr Wesen ist eine Mischung von Trotz, Gute und Sanftheit Die Sonne ist zum Zenit aufgestiegen, der Markt hat (ein Cnö erreicht. Mau dankt Allah in und vor der Moschee kniend nut ,eu samem Wiegen des Körpers und Hand an Stirn und Herz legend, f die'aut abgewickelten Geschäfte. Auch wir haben unsere Kamele er standen, beabsichtigen in der Frühe des nächsten Tages zu reis , 3 DQiÄe des Mittags verschlafen wir in der Karawanserei hinter unseren Moskitonetzen. Der Markttag bat viel Leben "( das Wüsten nasthaus gebracht. Der Nachmittag vergeht in einer Wechselfolge der wihor 5RueAxin tuft vom QJlincitett ZUM QJcbct. '"‘©er Tag will Abschied nehmen. Die kurze Tropendammerung ba!b in die^ Nacht über. Der Himmelsdom entflammt seine Lichter, südliche Sternenwelt, seierlich schweigens spannt sich wunderbm ki. r über unsere Köpfe. Die zunehmende Mondsichel ern felnep^'w lckikkcken ickwebt durch den Weltenraum. Die Silhouetten der h y Palmen zeichnen sich ab. Nacht der Wüste.Nacht voll endlichkeit, die du unsagbar wohltust und Kühlung spendest, E s sch den heißen, müden Gliedern, voller Geheimnisse bist vu. Wir fehlendem durch die Gassen der Oasen, sehen die bolM w stalten der Wüstensöhne würdevoll dahinschrelten, Horen eine st Musik aus einem Lager schallen, wir folgen den ~?,nen, | l) jen, chen tanzen. Die fchlanken, braunen Körper wiegen sich m einem M den Rbvtbmus. es ist, als ob ihre Füße am Boden feststunden. tiOif)eute inmitten der Sandwüste weih ich, daß das Wort das Wuchtige^ Unendliche nicht auszudrücken vermag, diese Welt des Nichts diest Wüsten des Schweigens, wo von einem glanzlosen Himmel herab die ihre Strahlen wirft, daß die Luft zittert, der Sand brennt und nvrper der Menschen ausgedörrt wird. . . . »fh dort leben die Nomaden mit ihren Kameln und Ziegenherden, die auf schmalen Landstrichen nur kläglich Nahrung finden Bedürfnislosigkeit ist bei Mensch und Tier vorne angestellt. Ich habe mich oft gefragt, wenn das Blut mir in den Schläfen durch den Brands der unbarmherzigen Sonne zu pochen begann, alles m mir nach einem Schatten lechzte: woher nehmen diese Menschen utc K-ast, die Resignation angesichts solcher Entbehrungen das Leben zu ertragen? Sie, die nie Aussicht haben, von der Wüste loszukommen, oder materiellen Wohlstand zu eringen, leben geduldig und warten auf einen sanften Xcb in der Gnade ihres Gottes. Wenn der Mensch ein schwächlicher Geist oder Atheist wäre, wenn icht den starken Glauben hätte und die Wüste nicht Verzweiflung Not bedeutete, wäre das Leben dort undenkbar. Im Kümmerlichen Laut ist das Leben, denn es ist Markttag gewefen. &j{ Dann liege ich auf dem primitiven Lager und horche am Stimmen der Rächt. Die Halfterketten der Tiere klirren, laut zuweilen durch die Nüstern. Ein Estl schreck nichi g und Starke Düfte ziehen in meine Rase, ein Gemisch ^'ßem SW würzigen Bäumen und Strauchern, bann scharf die Aus ! ge= Kamelherden. In den Palmenkronen flüstert ein leichter -» • . -i dämpft schlügt wieder die Musik an mein Ohr. und Not bedeutete, wäre das Leben Dort imoemoar. jm xuiiuneiuujeu bes Lebens vertiefen sich die Religionen und die Einsamkeit ist kraft- Wenn man hineindringeu könnte in die Welt der Volkslieder, in die Poesie der Reimdichter des Islams, die, selten niebergeschrieben, meist nur in den Herzen der Nomaden lebt, die unter dem Gluthauch des Himmels noch von der Süße der Heimat träumt. . Ich spreche nicht von den großen Kustenstaoten, von Algier, Tunis, Kairo und auch schon Tripolis, wo der Okzident dem Orient seinen Stempel ausgedrückt, wo die fremden Besatzungen den Geist der Em- geborenen beeinflußt haben, nein südwärts, in den Oasen ber geroaltigen Sahara, wo das Leben auf den Karawanenwegen zusammensließt, haben die Ueberlieferuttgen der Väter ihre uneinnehmbare Burg. Hier hat der Islam seinen biblischen Charakter voll bewahrt, alle moderne Kultur ach .nie eine nicht abzuschüttelnde Klette beim Eintressen hier an W"e stch ww eine ma c a ^grgigen Markttag den Ankau der drei NpUkomele^ und zwei Tragtiere vermitteln. Mit Händen und Füßen maeck er ein^olligsGemisch sämtlicher brauchbaren Sprachen: begleitete er ein '' ' fef)en Gie mich zweimal an! „8iZuori preg 9 « »mter die Räuber, Monsieur! Man wi!ch Jhuen°den^Mt v°m Kopf und die Schuhe von den Füßen reißen gnn„ r,s„ ich großmütig Herr, das Hemd wird man Ihnen nehmen, und ®’5 erhalten? - Schlechte Tiere! Bockige, widerspenstige Kamele die keinen Lire wert sind. Hören Sie aus mich, ftiister Gentleman, irfi werde für Sie kaufen, ich will die Räuber behandeln wie die Hvnbe. Ze werden zufrieden fein' Sie werden die besten Kamele erstehen, l)erS Hte Hassan dazu?! - Gar nichts! Er spuckte nur verächtlich aus über diesen leichtzüngigen Gmur. Tier nächste Morgen kam, der Markttag für die Ome Audplla br^ an ^Dieser Tag ist etwas besonderes, ba er .nur einmal In 6er Woche ftattfmbet Mit dem ersten Morgenstrahl beginnt ein geschäftliches Treiben unter den herrlichen Dattelpalmen, deren Früchte weit bekannt sind. Von allen Seiten wogt es heran, hoch zu Roß, aus Kamelen und Eseln, murnusträaer mit Weibern und Kindern kommen, um die einfachsten Bedürfnisse des Lebens zu kaufen oder einzutauschen. Wer das Land der Pharaonen sah, sein Schreien, Brüllen und seine Duste kennt, findet in der Oase bei den Wochenmärkten alles wieder, nur noch lauter,^ unverbrauchter und urwüchsiger, als in dem schon ^ curopaü Aegypten Was wird den Ohren da nicht zugemutetl Das brüllt, pfeift, firmt unb schreit Wenn eine Lämmerherde angetrieben wird, so tst das S buSeinanberroirbelnber Haufen, der, von Halbwüchsigen, Kindern und läustden gehetzt schließlich an einer Tränke stoppt. Man spurt bie Ängst der dke ^Schlachtbank witternden Keatur. Es werden Kamele, Leber und Brot gehandelt, Gerste und Datteln gegen Gewürze Weih- rnudi Mnrrben und Sennesblätter getaucht. Handwerker arbeiten am iBoben trauen in bunten Kopftüchern bieten kleine Decken und Teppiche an aber Ickretten verschleiert durch das Gewühl. Vor uns am Boden wälzt "sich ein staubaufwirbelndes Knäuel. Es find Nigger, die sich um etwas balgen. — Prachtvolles Pferdematerial ist da, wird von Berbern «&£> “L'äÄä? ä™ S RsawBst (.bPh — idmue also in einen Kajütenraum, der ganz er ulkt ist mit b aft- ilv.®in h Witte dieser Kajüte steht em Tisch. Nichts mehr bÄÄ’Ä* fi w» Ä -st hOrt 3ii ahnen mit einem Geländer, das hart aus grünlicher Dunkelheit in den Bezirk der Taucherlaterne vorfpringt und einen abenteuerlich verzerrten und bedrohlichen Schatten aut eine schräge, moo.oe- "”K" I« «rtn» -■« d°- Vttd der Ickten KaAt wand Mese echte Wand der Kajüte ist durchaus a ati unb unverkS Sie weist eine Tür aus, die osfensteht. Hinter dieser offenen Tür lauert Schwärze. Unb aus dieser Schwärze ragt gan3 rn en knapp über Der Schwelle, ein Etwas vor in den Lichtschein. Ich bemühe mich eine halb Minute, eine Minute lang zu erkennen, was da"liegt. Es gelingt nicht. Da dreht der Taucher drüben seine Laterne und ick sehe daß das, was aus dem Nebenraum in bu erhellte KaMe hereinragt' ein Schuh ist. Ein Männerschuh, dessen Sohle sichtbar ist düsen Spitze oegen den Boden, dessen Absatz nach ooen weist als läge dort drinnen im schwarzen Wasser der Nebenkammer einer auf dem Gesicht, überrascht auf der Flucht, verklemmt u.-b ^gehalten burrf) irgendwelches Gesparr. Ein Männerschuh, grau — braun Srun- lich gedunsen und aufgequollen zu einem gräßlichen Ueoermag. Ich sehe ihn und ich sehe Schwärze vor meinen Augen. Ich reifte an der Schnur, immer wieder reiße ich an der Schnur, ich suhle noch dag ich schwebe. Herr Kherieddin stehl neben mir unb hat noch den Gummianzug an> (!eib Ich liege auf der Plätte, liege am Rücken der -bekomprefsions- kammer Blutdruck", sagt der Taucher. Es riecht nach Essig und ich fühle mich sehr leicht und ein wenig beschämt. Wie lange wir unten geblieben imd? „Nicht ganz zwanzig Minuten. Ich willn'cht glauben Das Wrack? O, das ist nichts von Belang. Ein Motorboot. Wahc- scheinsich ein Motorboot aus der Kriegszeit. Man wird es nicht beben — e? ist zu sehr beschädigt. Morgen wird man es sprengen. Mit Dynamit. Bilder aus der Libyschen Wüste. Von Fritz Schmidt. Es isi seltsam: Ich habe an viele Gestade den Fuß gesetzt, sah die wunderlichsten Menschen in den sonderbarsten Ländern nno and nach kurzer Zeit das Absonderlichste in Ordnung, ,0 wie es eben sein mußte wie die Eigenart des Landes es eben verlangte. Aber nie war ich so bewegt wie an jenem Tag, als ich vom Deck des kleinen Dampfers aus die nordafrikanische Küste sichtete, als sich ihre einsamen Ufer am Horizont abzeichneten. Da starrte ich hin zu dem geheimnisvollen Erdteil, der mich für lange Monate aufnehmen sollte, starrte seltsam be- 2>ie Nacht vergeht, die erste Röte verkündet den neuen Tag. Wieder ruft der Muezzin zum Gebet, jubelnd verklingt der Ruf von der Ein- Ji Allahs. Alle liegen am Boden, und laut betet man die vorgefchrie- Len Suren des Korans. Stunden vergehen, wir reiten südwärts, reiten dorthin, wo die Zünen immer einsamer werden und die Luft glüht. Mit uns reitet eine Karawane, 24 Tiere. Nachts kriechen wir in unser Zelt am Lagerplatz, ßioch eindrucksvoller ist hier das Schweigen der Wüste um uns geworden. Stumm hockt der Wächter bei den Tieren. Dann reiten wir wieder schweigend dahin, manchmal nur ertönt die schimpfende Stimme Kerwan-Baschi, des Führers der Karawane ... Unsere ständigen Begleiter sind der Tod und unsere Schatten. So verbringen diese Nomaden ihr Leben. Ich danke dem Geschick, dH ich nur ein Gast des Landes bin. Hassan betet viel, alle beten viel! Der Glaube gibt Kraft. Was sind die wissenschaftlichen Theorien des zivilisierten Europas. Was ist der Rationalismus? Der Geist dieser Menschen wird immer wieder aufschweben zu Gottz zu dem großen Unbekannten, der alles lenkt und regiert und dem Erdball, dem Weltall Leben und Bewegung gibt. Das ist mir hier Gewißheit geworden. Wie ernährt sich der Mensch am besten? Bon Prof. Dr. A. Pütter, Heidelberg. Eine Zeit, die alte Traditionen auf allen Gebieten mehr und mehr verliert, die sich fast rühmt, keine Institution deshalb anzuerkennen, weil sie auf fester Uebcrlieferung ruht, muß auch in bezug auf die Notwendigkeit, die Güte, ja die Nützlichkeit unserer Ernährungsgewohn- heitcn zweifelhaft werden und dementsprechend die Frage nach der zweckmäßigsten Form der Ernährung zur Erörterung stellen. Vielerlei, teils recht seltsame Menschen, machen es sich heute zur Aufgabe, Antworten aus diese Frage zu finden und mit der Bekennerfreude von Aposteln ihre Lehren zu verbreiten. Die verschiedenen Richtungen dieser Ernährungslehren schildern würde bedeuten, ein Buch zu schreiben, in dem über viel abstruse Theorie zu berichten wäre und daneben über mach gutes Rezept, manche brauchbare praktische Anweisung. Ein nicht geringer Teil dieser Ernährungslehren sind „verkappte Religionen" und als solche einer einfachen naturwissenschaftlichen Kritik nur bedingt zugänglich. Ihnen allen aber ist gemeinsam, daß jede eine ganz bestimmte Art der Ernährung als die beste, ja vielfach als die allein menschenwürdige feiert, was schon darin zum Ausdruck kommt, daß der Begriff der „Reinheit" der Nahrung oft in einem wertendem Sinne angewendet wird, wie ihn die Naturwissenschaft und Medizin aus methodischen Gründen gar nicht anwenden kann. Wenn wir Kritik an den althergebrachten Ernährungsgewohnheiten üben wollen, und nicht minder an der modernen Veränderung, die sie in den letzten Menschenaltern erfahren haben, so wird die Vorbedingung dazu fein, daß wir über die räumlich und zeitlich so eng begrenzte Erfahrung des Alltags hinaus zunächst einmal feststellen, wie Menschen sich ernähren und ernährt haben, die krästig und gesund sind ober gewesen sind und die nur ihren Naturtrieben, nicht mehr oder minder grauer Theorie folgen. Es gibt Tiere, die auf ein einziges Nahrungsmittel angewiesen sind. Der Borkenkäfer kann nur von der Borke leben, der Seidenspinner nur von den Blättern des Maulbeerbaumes. Versucht man ihn mit Schwarzwurzelblättern zu ernähren, so gelingt das nur schwer, mit anderen Blättern überhaupt nicht. Unter den Säugetieren gibt es keine Arten mit so engem Nahrungsspielraum. Wenn wir Fleischfresser und Pflanzenfresser unterscheiden, so steht jedem dieser Tiere eine ganze Anzahl von Nahrungsmitteln zur Verfügung, verschiedene Beutetiere, verschiedene Pflanzen ober Pflanzenteile. Daneben haben wir gerade unter deg Säugetieren die Gruppe der Allesfresser, Tiere mit ganz besonders großem Nahrungsspielraum, die je nach den gegebenen Bedingungen, bald ausschließlich von tierischer oder pflanzlicher Kost leben können, meist aber von gemischter Kost leben. Zu welcher Gruppe gehört der Mensch? Die nächsten Verwandten des Menschen, die menschenähnlichen Affen, leben wie die Affen überhaupt von Früchten, d. h. von Obst und Nüssen als Hauptnahrung, daneben werden Vogeleier, auch junge Nestvögel, Insekten und Jnfekten- mrven verspeist. Sie verzehren also eine gemischte K o st. Eine recht ähnliche Beschreibung können wir von der Nahrung der primitivsten iiaturvölker geben, die, wie die Zwerge des Kongourwaldes, keinen Feldbau treiben. Auch sie verzehren Früchte und Insektenlarven, daneben aber noch stärkehaltige Wurzeln als Pflanzenkost und vor allem noch vielerlei tierische Nahrung: Eier, Vögel, Schlangen und die jagbaren "Wtiere bis hin zu den Affen. v'iir die große Masse der Tropenbewohner bilden Kokosnuß und ^oanane zusammen mit verschiedenen Wurzeln oder Knollen (Cassia, «ankoi, Taro, Pam usw.) die Hauptnahrung. Inwieweit hierzu tierische ;la.9.run9 tritt, ist teils eine Frage des Umfanges der Viehhaltung Whuer, Schweine und anderes Kleinvieh ober auch Rinder), teils eine «tage des Erfolges der Jagd. Äeim wir uns nun überlegen, wie wohl der Mensch in seinen pri- muwsien Anfängen gelebt hat, als er weder Pflanzenbau noch Vieh- r ,un9 kannte, noch mit Werkzeugen jagte, d. h. als er noch Sumin« Sn« n,?r' kommen wir auf die Nahrung der Affen. Von diesem ® will” 9smischten Kost weichen auch die heutigen Verhältnisse nur (ErJm Ausnahmefälle sind insofern besonders lehrreich, als sie gleich "?rungsexperimenten die Weite des Nahrungsspielraums zeigen. Sie Siabra 6?m>Dld,e Experimente an Bedeutung, da sie lehren, bei welcher ^ung Menschen viele Generationen lang gesund leben können. vordw «pa ra’r a15 äußersten Fall die Ernährung der Eskimos im Grönland und auf den angrenzenden Inseln im Norden Pflmun*' me, haben keinerlei Verbindungen mit Völkern, die ihnen 6 >a)e Nahrung zubringen könnten, ihr eigenes Land liefert kaum Vegetabilien, jo leben sie fast rein von tierischer Nahrung. Was sie an pflanzlicher Nahrung gelegentlich im Sommer bekommen, beschränkt sich aus den sauren Inhalt des Renntiermagens, ein durch den eigenen Speichel fermentiertes Gericht aus Engelwurzstengel und die Wurzeln einer Knöterichart. Nur in den milderen Gegenden von Süd- westgrönland tritt noch weitere Pflanzennahrung hinzu, aber hier nur als Beikost. Das Fleisch von Wal und Walroß, Seehund, Renntier und Moschusochsen, von Wildgans und Wildente und außerdem Fische bilden ihre Kost,' die meist roh verzehrt wird. Dabei sind sie ungeheuer leistungsfähig, und Krankheit der Nieren ober Blutgefäße, wie sie vielfach auf übermäßigen Fleischgenuß zurückgeführt werden, sind bei ihnen keineswegs häufiger, als bei anderen Völkern. Fast rein von tierischer Nahrung leben noch heute viele Viehbesitzer und Hirten im Innern von Argentinien und Patagonien, obgleich die Besserung der Verkehrsverhültnisse ihnen jetzt Brotgetreide leichter zugänglich macht. Darwin beschreibt, wie vor jetzt etwa 100 Jahren diese Menschen oft monatelang nichts anderes genossen als Fleisch, das nicht wie bei den Eskimos roh, sondern gebraten ober gekocht verzehrt wurde. Er machte dabei die Beobachtung, daß diese Rinderhirten nur festes Fleisch aßen, z. B. das sehr gute aber fettarme Fleisch des Präriehasen ablehnten. Lehrreich ist seine Bemerkung, daß er selbst sich recht schnell an diese Ernährung gewöhnt habe. — Der amerikanische Reisende S t e f a n ss o n, der fünf Jahre mit Eskimos gelebt hat, betont gleichfalls die Notwendigkeit des Fettes bei rein tierischer Ernährung. Mit magerem Renntierfleisch in beliebiger Menge können die Eskimos verhungern, während eine Zugabe von Seehundtran die Nahrung vollwertig macht. Auch dieser Forscher hat sich an die rein tierische Kost rasch gewohnt. Das Gegenstück, d. h. eine reine Pflanzennahrung, ist für ganze Völker nicht aufzeigbar. Daß der einzelne viele Jahre lang rein vegetarisch leben tonn, ist sicher. Der Nachweis, daß eine solche Ernährung auch bei strenger Rohkost möglich ist, würde keinen in Erstaunen versetzen, der sich einmal den Umfang des Nahrungsspielraums beim Menschen klar gemacht hat. Ueberroiegenb, ja fast rein vegetarisch leben die Hindus, die Javanen und andere. In China und Japan tritt zwar das Fleisch als Volksnahrungsmittel ganz zurück, doch werden Fische, Muscheln und „Trepang" (eine Seewalze oder Holothurie) als tierische Nahrung in ziemlicher Menge verwendet. Wenn danach der Mensch zu den Arten mit sehr weitem Nahrungs- fpielraum, zu den „Allesfressern" gehört, so ist es eine andere Frage, os ob jedem Menschen möglich ist, sich mit jeder Kostart abzufinden, die überhaupt für Menschen bekömmlich ist. Diese Frage wird noch wieder zu teilen fein in die Frage, ob es möglich ist, jedes Brustkind beim Abfetzen an eine beliebige Kost zu gewöhnen, oder die, ob jeder Erwachsene sich an jede veränderte Kost gewöhnen kann. Das letztere ist sicher nicht der Fall. Ja, man wird weiter fragen, ob eine Ernährung die einer Rasse ansteht, die in einem Klima günstig ist, auch für jede andere Rasse, für jedes andere Klima möglich ist. Daß die Menschen, die auf dem Boden unserer Heimat saßen, im Laufe der Jahrtausende ganz gewaltige Veränderungen ihrer Ernährung durchgemacht haben, ist sicher. Als das Eis den größten Teil der Norddeutschen Tiefebene und der Mittelgebirge bedeckte, die Gletscher weit ins Vorland der Alpen vorstießen, lebten auf dem Rest deutschen Bodens und nicht minder in Frankreich Menschen, deren Ernährung jener der Eskimos entsprach. Sie jagten Renn-, Mammut- und Wildrino, pflanzliche Nahrung fehlte ihnen. Als die römische Welt in die erste Berührung mit Germanen kam, spielte der Ackerbau noch eine sehr geringe Rolle. Jagd und Viehzucht lieferten immer noch den überwiegenden Teil der Nahrung. Mit Zunahme der Bevölkerungsdichte und Ausbreitung des Ackerbaues wurde bas Fleisch immer mehr die Herrennahrung, während das Landvolk von Pflanzenkost und Molkereipro- bulten lebte und dabei stark und gesund war. Die Generation, die die Befreiungskämpfe durchgekämpft hat, verbrauchte im Jahre 13 bis 14 Kilogramm Fleisch pro Kopf der Bevölkerung, wir verbrauchten im Jahre 1913 52,3 Kilogramm, 1925 47 Kilogramm pro Kopf, und dabei glauben manche, wir verzehrten nicht genug Fleisch, obgleich unser Verbrauch (von 1925) so groß ist, wie er 1913 in England war. Sollen mir auf die Frage antworten: Wie ernährt sich der Mensch am besten? so könnten wir sagen: mit gemischter Kost — wir müssen aber vor allem betonen, daß es eine bestimmte „beste" Art der Ernährung überhaupt nicht gibt. Viele Wege führen nach Rom, viele Arten der Ernährung sind geeignet, den Menschen gesund und leistungsfähig zu erhalten. Die Wege, die Fleischapoftel oder Spinatapostel weisen, sind Sackgassen, vor allem geistige Sackgassen, da sie dem Menschen Scheuklappen anlegen, die ihn die Weite seines Nahrungsspielraums nicht mehr sehen lassen und ihn so dazu bringen, seine Gedanken in einer Weise um die Lebensmittel kreisen zu lassen,, daß darüber die Lebenszwecke leicht in Vergessenheit geraten. Die Trsysenjagd. Von Adam K a r r i 11 o n. (Schluß. „Wer Hai nur das Käsegesicht mitgehen heißen?" fragte ein magerer Wilddieb, und „wer hat diesem Bärenkerl aus Baumwollbiber, den ein fauchender Gänserich über den ganzen Marktplatz vor sich herjagen kann, eine Flinte in die Hand gegeben?" „Einen Heuwagen voll Federvieh über sich und nichts zu treffen!"... „Wenn er nur wenigstens einen ßuftfprung riskiert hätte! Mit den Händen hätte er ein halbes Dutzend Trappen herunterlangen können!" „Da solle einer sagen, daß Tiere keinen Verstand hätten. Wie wären sie sonst imstande gewesen, sich von der großen Gesellschaft den Dümmsten herauszusuchen, um ungefährdet über ihn wegzusegeln." So gingen die Redensarten zu Ebenichs Verdruß herüber und hinüber. Wer nicht Witz genug hatte zum Schimpfen, fluchte dertueilen ruhig weiter und stampfte den Schnee aus den Ledergamaschen heraus, indem er die Wegrichtung nach dem Dorfe zu nahm. Man kam, in Nebel und verdrossenes Schweigen gehüllt, vor den ersten Häusern an. Da ging die Tür einer Schnapskneipe auf, und einige Kleinbürger im Schurzfell traten auf die Steintreppe. „Sollen wir einen Heuwagen über den Altrhein schicken oder werden die Trappen mit der persischen Kamelpost ins Dorf befördert?" so fing einer der Früh- schöppler zu hänseln an. Ein anderer meinte: „Sie haben das Federvieh gleich aufgefrefsen. Guck' nur, dort schaut ja einem ein Vogelschwanz hoch über das Hutband heraus." Unter den Spießruten derartiger Bemerkungen fiel den Weidmännern das tapfere Herz in die Hofen. Sie wurden klein und wären gerne in ' Mauselöcher hineingeschlüpft. Manch einer erinnerte sich plötzlich, daß da in der Nähe herum ein alter Vetter von ihm wahne. Er stahl sich durchs Hoftsr ins Haus hinein und versteckte seinen Schießprügel in den Uhrkasten. „Man hätte jetzt keine Zeit, das Ding da mitzunehmen. Es würde am Abend abgeholt, und auch di« Jagdtasche und das Pulverhorn konnten ja wohl solange bei dem Vetter bleiben," so gingen die verlegenen Redensarten. Der Argonautenzug löste sich auf. Die Herren hatten sich der Waffen entledigt. Einzig nur der Doktor, der nirgends einen Vetter wohnen hatte, schleppte seinen halbverrosteten Vorderlader über das Pflaster hin Nach seinem Kosthaus. Im Zimmer angekommen, traf er seinen Hausherrn unbegreiflicherweise schon in den Pantoffeln an. Der Biedere tat dem Doktor und auch seinen Gästen gegenüber so, als ob er den lieben langen Vormittag auf i seinem Bureau gesessen hätte und von dem Abenteuer gar nichts wüßte. Er wollte nur von einem Jagdkollegen im Vorllbergehen gehört haben, daß Herr Ebenich vorbeigeschossen, aber möglicherweise doch eine Trappe getroffen habe. Denn einer der Vögel wäre hu Davonfliegen hinter der Schar der anderen auffallend zurückgeblieben. Wäre das Tier auch nur leicht beflügelt, dann komme es wohl schwerlich über den Rhein. Cs werde wohl in der Gemarkungsgrenze aufgefunden werden, und . fein Kostgänger werde dann mehr Neider haben, als er jetzt Wider- = facher und schadenfrohe Spötter besitze, fügte er tröstend bei. Das Wort „geflügelt" tat dem Doktor wehe. Er sah, wie der arme Vogel, von seinen Genossen verlassen, einsam in den vereisten Feldern herumhumpelte. Wie er seinen lahmen Flügel als Stelze benutzte auf dem Eis der Tümpel. Wie er zu gehen, zu fliegen versuchte und doch nicht von der Stelle kam. Wie ihn die Angst vor den Füchsen quälte, und wie der Hunger ihn matter und matter werden ließ, bis er endlich den stolzen Hals zur Erde beugte und auf den Tod wartete, der seiner weiten Wanderfahrt ein Ziel setzte. Doktor Ebenich kam sich wie ein . Judas vor. Er verwünschte den Augenblick, wo er die harmlosen Zaun- ■ gäste seinem Kostgeber verraten hatte, und noch mehr jenen, wo er i den Finger an den Drücker gelegt hatte, um die Schrotkörner hinaus- ' zuschießen auf arme Tiere, die einmal nun, ach, nur ein einziges Mal versucht hatten, ihren Hunger auf den übereisten Feldern der Rheinebene zu stillen. Um seinen Selbstvorwürfen zu entfliehen, ging er auf sein Zimmer, warf einen dicken Holzklotz ins Feuer und steckte den Kopf in sein« Bücher. Die Ofenwärme und späterhin der freundliche Lampenschein hüllten den Doktor in eine weiche Atmosphäre der Gemütlichkeit ein. Er steckte ! sich eine Pfeife an und blies blaue Ringe in die Zimmerluft hinein, j Der Samowar sang neben ihm auf dem Tisch und prophezeite einen ■ kräftigen Abendtee. Jagdabenteuer und Trappennot waren vergessen. ■ In vorgerückterer Stunde allerdings störte ihn ein zudringliches Stim- i mengewirr, das überlaut aus der Schankstube herauf an fein Ohr drang. Er hörte ab und zu feinen Namen nennen. Was hatten sie nur wieder, dies« dreigedrehten Manschettenbauern? Kauten sie immer noch an dem Knochen des verunglückten Beutezuges? — Er mochte es nicht ergründen. Alles Bauerngetue war ihm verhaßt. Er blies die Lampe aus und ging zu Bett. In der Morgenfrische des andern Tages wanderte der Arzt nach der nächsten Bahnstation, nahm ein Billett und ließ sich nach der benachbarten Großstadt fahren. Das Herumflanieren in den lebhaften Straßen, das Einkehren in den besseren Restaurants, das Essen und Trinken von feingedeckten Tischen herunter bedeutete für ihn ein Jungbad, in dem er viel Rustikales, das die Maurerkelle des Alltaglebens an ihn geworfen hatte, für einige Zeit wenigstens wieder von sich herunterschwemmte. Traf er gar einen alten Bekannten, so verlor er sich mit ihm in ein Gespräch über vergangene Tage, vergaß sich selber und die Zeit und dachte zumeist erst spät und ein wenig angeheitert an die Heimkehr. So war es auch heute gewesen. Ein voller, klarer Sternenhimmel überspannte das Dorf mit seinem Glockenturme, als Doktor Ebenich seinem Kosthaus erleichtert entgegenschritt. Wilde, überlaute Gesänge trafen an der Türschwelle sein Ohr, während seine Nase sich von einem süßen Bratenduft umschmeichelt fühlte. Trotzdem trat er nicht in die Gaststube, sondern schlich sich auf der Hintertreppe zu seinem Zimmer empor. Er wollte allein sein. Er war noch von seinem Ausflug her zu sehr urbaner Kulturträger, als daß er sich schon wieder unter die Bauern hätte mischen können. Doch wer entrinnt seinem Schicksal? Eben bückte sich der Doktor, um den stets wanderlustigen Stiefelzieher unter dem Bett hervorzuholen, als ein schüchterner Finger zaghaft an die Stubentüre pochte. „Herein," rief Ebenich und schaute, als er sich umdrehte, seinem Kvsth-rrir ins Gesicht. e „Sie werden doch nicht gekränkt sein über das, was der vorgestrige Tag Ihnen Uebles brachte" — sagte der Eindringling ein wenig verlegen — „die Leute sind hier herum aus hahnebüchenem Holz geschnitzt lind, rein äußerlich genommen, etwas roh. Ich selber habe mich Ortsfremder an sie gewöhnen müssen. Aber die Bauern hier mein™ es nicht so schlimm, wie sie's sagen. Wen sie heute einen tiumpenbun heißen, dem bieten sie morgen die Gevatterschaft an. Geht ihnen all» nicht aus dem Wege, heult mit den Wölfen, kommt herab, und d heutige Abend wird gut machen, was der ehegestrige Tag dorben hat." 11 Als Doktor Ebenich noch immer keine Lust zeigte, mitzugehen der Versucher fort: „Ihr müht wissen, daß man Euch eine Genuq'tunI schuldig ist und sie geben will. Denkt nur, mährend Ihr weg wart k« der Wächter des Rheindammes und brachte eine Trappe. Es ist'C», Trappe, wenn er auch nicht als solcher ins Grundbuch eingetragen it Er ist von Eurer Flinte getötet und Ihr habt über seine Verwendmi zu verfügen. Da er aber dreiundzwanzig Pfund wiegt, so haben ml? gedacht, Ihr werdet Ihn nicht allein verzehren können, und haben f», Helfer in der Rot gesorgt. Euere Jagdbeute ist zu einem Jagdessen ta. gerichtet worden. Kommt herab und eßt mit! Die Kochkathrin behauM seit der Hochzeit zu Kanaan sei niemals mehr ein zarteres Fleisch i» irgendeiner Pfanne gar geworden." Der Doktor fühlte trotz aller Großstadtschlemmerei noch so einen leisen Hunger in der Magengrube und war deshalb nicht allzuschwer verführen. Er stieg in die Schankstube hinab und wurde mit einem iM stimmigen „Weidmannsheil" in Empfang genommen. Man setzte fc auf einen Stuhl und trug ihn wie einen römischen Triumphator i« Zage herum. Er stieß den Kopf an den Durchzugsbalken an und wäre schier in die große Suppenschüssel gefallen, in der soeben das Trap» ragout serviert wurde. Diese bedenkliche Möglichkeit dämpfte den Enihn> siasmus der begeisterten Hurraschreier. Man wollte dein Helden d» Tages nicht die Festhosen entweihen und vor allein, man wollte sich selber nicht um den so seltenen Genuß eines Trappenschmauses bringen. Man stellte also gemächlich den Sessel zur Erde. Bald saß alles, schweigsam essend, um den Tisch. Man hörte nur bas Krachen zerbissener Vogelknochen und zuweilen das begehrliche Winseln der Jagdhunde, die sich zwischen den Rohrstühlen der Schmausende herumtrieben und auf ein Uebrigbleibsel hofften. Daß sie nicht auf ih« Rechnung tarnen, daran waren mancherlei Ursachen schuld. Zu ner= nichtend wütete der Heißhunger ihrer Herren. Auch hatte im Mugenblit niemand Zeit, an diese armen Schlucker zu denken. Denn gerade hoü, sich der gesättigte Dorfschulmeister erhoben und hielt eine Rede barüber, daß das Unzulängliche Ereignis geworden, und daß das Unbeschreiblich glücklich getan sei. Seit Siegfrieds Tagen zum ersten Male wieder |tl, was niemand erwarten und keiner erhoffen konnte, eingetreten. Es |d durch den hochzuverehrenden Gemeindedoktor ein Tier zur Strecke gl- bracht und nun glücklich verzehrt worden, wie man es sich nur ntii - Hilfe von der Vorzeit grauen Lügen an die Wand zu malen getraut habe. Ein Held, dem diese hehr« Tat gelungen, verdiene, daß man ihn wie Sankt Georg, den Drachenspießer, aus Blech ausschneide, und an einem langen Arme über die Wirtshaustüren hänge. Und nicht nur bas, auch Dichter sollten sich für ihn begeistern. Und das sei Tatsache, baß dem Ehre gehöre, wem Ehre gebührt, und er fordere deshalb die SlnW senden auf ... „Die Trappe wieder l)erauszugeben," rief plötzlich die Stimme ein« Unbefugten, den niemand zu dem Mahle gebeten halte. Man reifte unwillkürlich die Hälse. Man wendete die inbignieritn Gesichter der Türe zu. Was war das? Stand da nicht frech und pchi in voller Uniform der windschiefe Polizeidiener von Drecklingshausm! Ja, und was wollte der Tropf? Er kam im Auftrage feines Bürgin meisters, um allen Ernstes den eben aufgegeffenen Watvogel zuM zufordern. Selbiger fei auf Drecklingshofer Gemarkung von dem Bürg» meister eigenhändig geschossen worden. Dafür könnten glaubhafte Zeuge« herbeigebracht werden in der Person des Taglöhners Ofenloch und b» Korbflechters Ohnehenk. Na, so was ... So was war doch unerhört! ... Wäre der Polizeidiener eine halbe Stunde früher gekommen, er wäre bei lebendigem Leibe in Stücke gerissen und in den Schornstein gehängt worden. 3$ aber, wo man satt war, brauchte man nicht gar so barbarisch mit ihm umzugehen. Man begnügte sich damit, dem Hüter der öffentlichen Ord- nung die Geflügelsauce in die Uniformlaschen zu leeren, und füllte ihm die Dienstmütze zum Aerger und Nachteil der Jagdhunde mit den übrig’ gebliebenen Knochen. Nachdem man ihn derartig ausstaffiert hatte, beförderte man ihn chu Rücksicht auf feine Uniform und feinen amtlichen Charakter pietätlos mit einigen Fußtritten in die kalte Winterluft hinaus. Rach diesem Akt kurpfälzischer Höflichkeit, der den Bauernjagern gut P Gesicht stand, begann eine wüste Orgie der Trinkerei. Die Leute rürftai einander näher mit den Schoppengläserit, stießen an, trieben sich die filzigen Hubertusmützen in die Köpfe hinein und fangen das tau[w strophige Lied vom „Jäger aus Kurpfalz". t z Späterhin kamen Stichelreden auf den Doktor und fein Weidmanni- glürf, von Schimpfereien und Drohungen gegen den Bürgermeister m Orecklingshofen durchschossen, an die Reihe. Als man in einem fpätcrcn . Stadium der weihevollen Stunde anfing, sich gegenseitig mit abgetretenen Stuhlbeinen zu widerlegen, ging Doktor Ebenich nach seiner Kammer ui® legte sich mit schwerem Kopf ins Bett. . Am nächsten Morgen hatte er einen Brummschädel, Beulen den Ohren, und die Ueberzeugung erlangt, daß es eine gefährliche sei, auch nur für einige Stunden den vergötterten Heros der Volks!» vorstellen zu müssen. . Acht Tage später erbleichte Herr Ebenich vor einem Strafmandat w dreißig Mark, das auf feinem Schreibtisch lag. Unbefugtes Ausüben Weidgewerbes erheischte diese Buße. Andere Jagdteilnehmer wurden.. ähnlichen Forderungszetteln mit ähnlicher Motivierung heimgesticht war die Rache des Bürgermeisters von Drecklingshofen und 3ugjw Ende von der Doktors Weidmannsruhm und Weidmannserlebnisstu^, ’SeranttoDrtticb: Dr. Hans Thyriot. - Druck und Verlag: Vrüht'sche Univcrsitäts.Vuch. und Steindruckerei, D. Lange, ©i^"' £ für k tünbi davoi nung Steps liebte dies toarei Steps siche Bürg, tempe und t der £ Ah 3 ehe et vor il Ansich Partei lei lvc Tier | sogar so bei jeder Stepp« &ie Sp Damen diese ü Gilets Leute, Steppe ®rtmbt jagten Steppe ’A und xelzmä ruck an und Whisky , Am «lmen Wen, 1 ®inen Pantfci