Gießener HamilienbMer Unterhaltungsbeilage zum Gießener Anzeiger wjRWMWWEäMBaanMg^qMBKaaKZCTaaäJffiäiiBKaaKSKHHcnwafHfcME। 11iimMgaM*M4^aLai^«™*Mws»s^'^gMaBBMeggsM!^**»a™»iB'—”*!**• TTymmirrnr11gagsai Jahrgang |928 Dienstag, den H- August Nummer 65 Gebet. Von Eduard Mörike. Herr! schicke was du willt, ein Liebes oder Leides; ich bin vergnügt, daß beides aus deinen Händen quillt. Wollest mit Freuden und wollest mit Leiden mich nicht überschütten! Doch in der Mitten liegt holdes Bescheiden. Das Bild der Zarin. Von Anna Bogdanowa. Sie war jung und wunderschön und hatte erst vor wenigen Wochen das vornehmste Mädchenpensionat in St. Petersburg, das Smolna-In- flitut, verlassen, als sie meiner Obhut anvertraut wurde. Sie hieß Katharina und war der letzte Sproß eines alten Geschlechts, dessen Ahn einst am Hose der großen Katharina eine Rolle gespielt hatte. Von ihren Freundinnen wurde sie oft geneckt, daß sie nicht nur den Namen, sondern auch die Züge der schönen Zarin trüge. „Sie werden den Sommer mit Katharina Petrowna auf ihrem Stammgut im Süden Rußlands verbringen," sagte ihr Vormund, ein kühler, korrekter Hofmann, zu mir, als er mir sein Mündel übergab, „und kehren erst zur Wintersaison nach Petersburg zurück. Dann werde ich Katharina Petrowna standesgemäß verheiraten." Nach einer langen heißen Eisenbahnfahrt kamen wir endlich in die weltvergessene kleine Kreisstadt S. mit ungepflasterten, staubigen Straßen und sonnendurchglühten einstöckigen Holzhäusern. Dort erwartete uns eine altertümliche Kutsche von ungeheuren Dimensionen mit einem Dreigespann davor, auf dem Bock ein Kutscher und ein Diener, beide alt und hochherrschaftlich, mit Bärten, wie Zar Alexander I. sie getragen hat. - Am Abend hielten wir vor dem uralten Herrenhaus, das langgestreckt und graugestrichen mitten im alten Park lag Und dem die Flteder- md Rosenbüsche in die Fenster wuchsen. Vor der Freitreppe war die ganze Dienerschaft versammelt, die Männer in roten und weißen bestickten Hemden, die Frauen in bunten Kleidern und leuchtenden Kopftüchern — alle im Feiertagsgewand. Sie begrüßten die junge Herrin mit tiefen Verbeugungen: „Gott segne dich, unsere Ernährerin!" Die alte Njanja, die schon Katharinas Mutter gewartet hatte, führte uns durch die großen prächtigen Räume bis in die zwei Gemächer, die Katharina bewohnen sollte-. „Wir haben sie für Euer Gnaden gewählt, weil bisher alle Fürstinnen, die hier Herrinnen waren, dort gewohnt haben, obgleich Pawel meinte, daß nach dieser letzten Begebenheit , ie verstummte, ein warnender Blick des alten Dieners Pawel hatte ie getroffen. Als Katharina vor dem rosenroten Himmelbett stand, in dem alle ihre Vorfahren geruht, war es, als überflöge sie ein Schauder, und auch mir wurde es eigentümlich beklommen zu Mut, doch rasch schüttelten wir beide diesen Eindruck ab, und Katharina fragte nach meinem Zimmer, das aber im Gastflügel lag, „wie es sich gehört", fugte der alte Pawel hinzu. Ich wäre nun gerne in der Nähe der jungen Fürstin gewesen, doch Katharina widersprach lebhaft und wies lachend auf die perlengeschmückte Klingelschnur, mit der sie jederzeit ihre alte Njanja herbeirufen konnte. . _ „ „ , Staunend standen wir am nächsten Morgen im großen Prunksaal, an dessen Wänden eine Reihe von Ahnenbildern hingen. Den Mittelpunkt nahm ein prachtvolles Porträt von Katharina der Großen ein. Rechts hing der Ahn des Hauses, der Fürst X., der wunderschöne Hof- üng Katharinas; links dagegen war der Platz leer. „Da hat früher das Bild der Gemahlin des Fürsten gehangen," erzählte die alte Nmnja, »dach stürzte es herab in der Nacht, als die junge Fürstin Tatjana starb. Man sagt, daß es morgens immer wieder an der Erde lag, so oft man auch später versuchte, es wieder an seinen Platz zu hangen. hat man es in bas Schlafzimmer der Verstorbenen getragen, und ®enn Euer Gnaden morgens aufwachen, können Sie es vom Bett aus dangen sehen." . Katharina schien die letzten Worte der Alten kaum gehört zu haben; wie versunken stand sie vor dem Bilde der Zarin: „Mütterchen, du herrliche! !Wie edel und groß warst du, und was hast du alles für dein getan. Wenn ich in Petersburg bin und einen Fürsten geheiratet Ue, will ich so werden, wie du warst und nur für mein Volk leben! G- ich sie ansah, muhte ich ihren Freundinnen recht geben: es waren Melben Züge wie auf dem Bilde, noch weich und unausgevragt, doch schon voll Energie, es waren aber auch dieselben vollen lebenshungrigen Men ... Auch die Njanja schien Aehnliches zu empfinden, denn sie heimlich ein Kreuz und murmelte: „Herr, erbarme dich unser! Am Abend saßen wir auf der Veranda, deren Dach von weißen Holzfäulen getragen, von wilden Rosen und Glyzinien besponnen war; mit dem schönen ruhigen Blick über den alten Garten hin auf Wiesen und den bläulich verhangenen Wald. Auf dem Tisch stand der Samowar, und Pawel reichte uns den Tee in geschliffenen Gläsern in schwerer silberner Fassung, und dazu die verschiedensten Arten von eingemachten Beeren und Früchten, Warenja genannt, die von der Wirtin jedes Jahr in großen Mengen eingekocht wurden. — Katharina fragte den allen Diener nach der Fürstin, deren Bild in ihrem Zimmer hing, und nach einigem Zögern erzählte Pawel solgendes: „Mein Vater hat es mir erzählt, und dem hat es [ein Großvater gesagt, was er auch wieder von seinem Vater gehört. Der junge Fürst hatte geheiratet und verlebte mit der jungen schönen Fürstin Tatjana den Sommer hier auf dem Gut. Mein Urahn, der Diener und damals noch unfrei war, hatte strengen Befehl, alle Gäste abzuweifen; und ein« gute Zeit fing an für alle. Wenn der Fürst mit der Fürstin durch das Dorf fuhr, warf er den Bettlern und Greisen Geld zu: „Betet für eure junge Herrin!" Und wenn eine Frau ein'Kind bekam, schickte ihr die Fürstin Wein und weißes Brot. Abends durch die offenen Fenster hörte man sie lachen und fingen. Als sie im Herbst nach Petersburg zur Mütterchen Zarin fuhren, weinten alle und küßten den Saum ihrer Kleider. Sie lachte: „Wir kommen wieder!" Sie kam auch wieder, aber allein. Und sie lachte und fang nicht mehr, ließ sich von niemandem sehen, und die Dienerinnen erzählten, sie meine die Rächte durch und wäre wie unklug. Nur selten kam der junge Fürst und blieb immer nur wenige Tage. Wenn er allein durch das Dorf jagte, schlug er mit der Peitsche nach den Bettlern. In der ersten Zeit, wenn er kam, hörte man die Fürstin laut schreien und jammern, dann wurde sie immer stiller und blasser, und wenn sie Sonntags in der Kirche betete, soll sie ausgesehen haben wie eine Heilige, Gott verzeih mir die Sünde. Doch einmal hat sie noch geweint und gejammert, das war, als der Fürst ein kleines dreijähriges Mädchen mitbrachte, das sollte auf dem Gut bleiben. Sie bat, er sollte das Kind mitnehmen; die Dienerin, die es mit anhörte, meinte immer, wenn sie es erzählte. Aber das Kind blieb da. Da wurde sie still, und am Morgen fand man sie tot in ihrem Bett. Wie sie gestorben ist, weiß niemand; man hat wohl viel darüber gesprochen. Der Fürst blieb auf dem Gut. Das Kind, von dem es hieß, es märe sein eigenes, mußte die Dienerschaft „Fürstin" nennen. Er ist bald gestorben. Die Zarin Katharina ließ das vermaiste Mädchen erziehen. Doch nur einen Winter durfte sie die Bälle am Hofe besuchen; dann verheiratete die Zarin sie mit einem jungen Fürsten und bestimmte als ihren ständigen Wohnsitz dieses Gut. Mein Ahn soll oft gesagt haben, alle hätten gemeint, die Zarin selber wäre angekommen, so ähnlich habe ihr die junge Fürstin gesehen." — Lange saß Katharina stumm; bann fragte sie: „Gibt es kein Bilb von ihr?" — „Rein, man sagt, die Zarin hätte dem jungen Fürsten verboten, ein Porträt seiner Gemahlin machen zu lassen." ,Jch mei schliefe; Njanja hat es mir gesagt, sie mollte erst nicht, aber sie mußte. Als meine Mutter eine ganz junge Frau mar, — ich sollte erst geboren werden, — kam sie mit meinem Vater hierher und schlief in demselben Bett, in dem ich jetzt schlafe. Da schrillte plötzlich in der Nacht die Glocke, einmal, noch einmal. Die Njanja lief hin, da saß meine Mutter im Bett, blaß und zitternd und sagte, das Bild unserer Ahne sei von der Wand gestiegen und an ihr Bett getreten und hätte eine schreckliche Drohung ausgesprochen. Was sie gesagt habe, hat meine Mutter niemandem erzählt, aber sie mollte nicht mehr in dem Zimmer schlafen. Als man meiner Mutter nach meiner Geburt sagte, es wäre ein Töchterchen, schrie sie auf und verfiel in ein rasendes Fieber; nach drei Tagen starb sie. Sie wissen doch," fügte Katharina hinzu, „daß seit vielen Generationen in unserem Geschlecht nur Knaben geboren wurden, ich war feit undenklichen Zeiten das erste Mädchen. Sie schwieg und sagte bann nachbenklich: „Ich möchte wohl wissen, was die Ahnfrau — aber bas ist sie eigentlich gar nicht, benn sie hatte ja kerne Kinder! — was sie zu meiner Mutter gesagt hat." Am nächsten Morgen erschien Katharina blaß und übernächtigt am Frühstückstisch. „Diese Nacht stand sie an meinem Bett, sagte sie und zitterte. Ein paar Stunden später sah ich Katharina unter dem Bild« der Zarin stehen und hörte sie mit lauter Stimme sagen, „und wenn sie zehnmal sagt, du märst schlecht gemefen und ich müßte mich von dir lossagen, und wenn sie noch jo sehr droht, so werde ich dich doch lieben und bewundern, solange ich lebe." Immer stiller wurde Katharina, immer blasser und in sich gekehrter, und immer öfter stand sie vor dem Bilde der Zarin und hielt Ein paar Tage später — mir saßen wieder auf der Veranda; auf dem Hofe spielte ein junger Knecht bie Ziehharmonika, eine schwermütige Weise, in bie bie Mägde von Zeit zu Zeit im Chor einfielen und den Refrain mitjangen; es dunkelte schon. Da sagte Katharina plötzlich: tß jetzt, warum Pawel nicht mollte, daß ich in dem Zimmer Njanja hat es mir gesagt, sie mollte erst nicht, aber sie mußte. Zwiesprache mit ihm. Und immer deutlicher trat die Aehnlichkcit zwischen den beiden Frauen zutage. Sie lebte, wie in einem Zauberbann, den ich vergeblich zu durchbrechen suchte. Auch die Dienstboten schlichen scheu umher, es war wie vor einem drohenden Unwetter. Und es brach über uns herein! Eines Nachts erwachte ich von einem furchtbaren Krachen, das aus dem großen Festsaal zu kommen schien. Ich stürzte hin, da standen schon Pawel und Njanja, und im matten Schein der Kerzen sah ich, daß das Bild der Zarin herabgefallen war, und zwar so unglücklich, daß die hohe geschnitzte Lehne eines Prunksessels es vollständig zerstört hatte. „Was wird Katharina sagen," war mein erster Gedanke, und „unsere Fürstin", rief die Njanja und lief auf ihren alten Füßen in das Zimmer ihrer jungen Herrin. Wir eilten nach, hörten einen furchtbaren Schrei und, ins Zimmer stürzend, sahen wir die Alte jammernd vor dem Bett knien. Unter den rosenroten Vorhängen aber lag mit weit offenen Augen und mit dem Ausdruck wahnsinnigen Entsetzens Katharina — leblos, tot. Warum sie so plötzlich gestorben ist, hat man nie festgestellt. Der alte Kreisarzt meinte, daß sie wohl das Herzleiden ihrer Mutter geerbt haben müsse, durch das Krachen erschreckt ausgefahren sei, und daß dabei das Herz versagt habe. Das schrieb er auch auf den Totenschein. — Auf meinen Bericht an Katharinas Vormund erhielt ich, zugleich mit einem Kranz von weißen Rosen, den Bescheid, die Beisetzung in aller Stille, aber mit allen Ehren, die einer Fürstin zukommen, 'stattfinden zu lassen. — Der Sarg war in die Gruft getragen und unter dem Geläut der Glocken feierlich beigesetzt worden. Ich kehrte noch einmal in den Prunksaal zurück, wo wir Katharina aufgebahrt hatten. Es roch betäubend nach Weihrauch, Wachskerzen und welkenden Blumen. Stumm stand ich da und weinte. Da öffnete sich ganz leise die Tür, herein trat der alte Pawel; er trug das Bild der unglücklichen Fürstin Tatjana, das bisher ins Schlafzimmer verbannt gewesen war, hängte es an feinen alten Platz, neben den Fürsten, den schönen Höfling der großen Katharina. „Nun wirst du Ruhe finden", murmelte er. Dann trat er vor das Heiligenbild mit der ewigen Lampe und bekreuzigte sich. fBerechtigte Uebersetzung aus dem Russischen von A. S i c b u r g.) Künstlerische Selbstdarftellung. Von Stefan Zweig. In der Einleitung zu seiner meisterhaften, soeben im Insel- Verlag erscheinenden Bildnisreihe^ „Drei Dichter ihres Leben s", die Casanova, w t e n d h a l und Tolstoi gewidmet ist, behandelt Stefan Zweig das Problem der künstlerischen Selbstdarstellung. Wir geben daraus einige Abschnitte wieder. Unbefangen betrachtet, müßte Selbstdarstellung als die spontanste und leichteste Aufgabe eines jeden Künstlers erscheinen. Denn wefsen Leben kennt der Gestalter besser als sein eigenes? Jedwedes Geschehnis dieser Existenz ist ihm gewärtig, das Geheimste bewußt, das Verborgenste von innen offenbar — so brauchte er, um „die" Wahrheit seines Daseins und Gewesenseins zu berichten, keine andere Anstrengung, als das Gedächtnis aufzublättern und die Lebensfakten abzuschreiben — ein Akt also, kaum mühevoller, als im Theater den Vorhang über schon gestaltetem Schauspiel aufzuziehen, die abschließende vierte Wand zwischen sich und der Welt zu entfernen. Und noch mehr! Sowenig Photographie malerisches Talent erfordert, weil ein phantasieloses, bloß mechanisches Einfangen einer schon geordneten Wirklichkeit, scheint die Kunst der Selbstdarstellung eigentlich gar keinen Künstler zu bedingen, nur einen rechtschaffenen Registrator; prinzipiell vermag ja auch jeder Beliebige sein eigener Selbstbiograph zu werden und feine Fahrnisse und Schicksale literarisch zu gestalten. Aber die Geschichte belehrt uns, daß niemals einem gewöhnlichen Selbstdarsteller mehr gelungen ist, als bloße Zeugnisleistung über Tatsachen, die ihm der pure Zufall verstattete, mitzuerleben; das innere Seelenbild aus sich selbst zu erschaffen, fordert dagegen immer den geübten, schauensmäßigen Künstler, und selbst unter ihnen wurden nur wenige diesem äußersten und verantwortungsvollsten Verfuche vollendet gerecht. Denn kein Weg erweist sich als dermaßen ungangbar im Zwitter- licht zweifelhafter Jrrlichtserinnerungen wie der Niederstieg eines Menschen von seiner offenbaren Oberfläche ins Schattenreich seiner Tiefen, aus seiner atmenden Gegenwart in seine überwachsene Vergangenheit. Wieviel Verwegenheit muß er aufbringen, um vorbei an seinen eigenen Abgründen, auf dem engen, glitschigen Gang zwischen Selbsttäuschung und willkürlichen Vergeßlichkeiten hinabzutalten in jene letzte Einsamkeit nut sich selbst, wo, wie bei Faustens Gang zu den Müttern, die Bilder des eigenen Lebens nur noch als Symbole ihres einstmaligen wirklichen Daseins „reglos ohne Leben" schweben! Welch heroischer Geduld und Selbstsicherheit wird er bedürfen, ehe er das erhabene Wort berechtigt auszusprechen vermag „Vidi cor meum", „Ich habe mein eigenes Herz erkannt!" Und wie mühsam die Rückkehr vom Innersten dieses Innern dann wieder empor in die widerstrebende Welt der Gestaltung, von der Selbstschau zur Selbstdarstellung! An nichts vermag man die unermeßliche Schwierigkeit solchen Unterfangens deutlicher zu erweisen als an der Seltenheit ihres Gelingens; die zehn Finger der Hand zählen die Menschen schon nach, denen seelenplastisches Eigenbildnis in geschriebenem -üsorte gelungen, und selbst innerhalb dieser relativen Vollendungen, wieviel Lücken und Sprünge, wieviel künstliche Ergänzungen und Verkleiste- rungen! Das Nächstliegende erweist sich in der Kunst als das Schwie- Mte, das scheinbar Leichte als die gewaltigste Aufgabe» keinen Menschen seiner Zeit und aller Zeiten hat der Künstler mehr Not, wahrhaftig zu gestalten, als fein eigenes Ich. Dank dieser schöpferischen Phan- tasiekrast des Gedächtnisses wird also unwillkürlich feder Darsteller eigenilich Dichter seines Lebens: dies hat der weiseste Mensch unserer neuen Welt gewußt, Goethe, und der Titel feiner Autobiographie mit oem heroischen Verzicht, ganz Wahrheit zu sein, dieser Titel „Dichtung ffod Wahrheit gilt für jebe Selbstkonsefsion. Kann derart keiner „bie* Wahrheit, bie absolute seines eigenen Daseins aussagen, unb muß jeder Selbsibekenner zwanghaft bis zu einem gewissen Grade Dichter seiner Lebens werden, so wird doch gerade die Anstrengung, wahr zu bleiben das Höchstmaß ethischer Ehrlichkeit in jedem Bekenner Herausforderin Zweifellos ist die „Pfenbokonfessivn", wie sie Goethe nennt, das Beichten sub rosa, in der durchsichtigen Verhüllung des Romans oder des Gedichtes, ungleich leichter und oftmals auch im künstlerischen Sinne eindringlicher, als die Darstellung mit aufgezogenem Visier. Aber eben weil hier nicht nur Wahrheit gefordert ist, fonbern bie nackte Wahrheit stellt die Selbstbiographie einen besonders heroischen Akt jedes Künstlers dar, denn nirgends wird der sittliche Umriß eines Menschen so vollkommen verräterisch wie in seinem Selbstverrat. Nur dem gereiften, dem seelisch wissenden Künstler kann sie gelingen; darum ist auch bie psychologische Selbstdarstellung erst so spät in der Reihe der Künste erschienen; sie gehört einzig unserer, der neuen und der noch werdenden Zeit. Erst mußte das Wesen Mensch seine Kontinente entdeckt, seine Meere durchmessen, seine Sprache erlernt haben, ehe es den Blick wandte in das Weltall feines Innern. Das ganze Altertum ahnt noch nichts von Liefen geheimnisvollen Wegen: feine Selbstfchilderer, Cäsar und Plutarch, reihen nur Fakten unb sachliche Geschehnisse aneinander und denken nicht daran, nur einen Zoll tief ihre Brust zu eröffnen. Bevor er feine Seele belauschen kann, muß der Mensch ihrer Gegenwart bewußt geworden sein, und diese Entdeckung beginnt wahrhaft erst mit dem Christentum: die „Confes- siones" des Augustinus eröffnen die innere Schau, doch ist der Blick des großen Bischofs im Bekennen weniger sich selbst zuaewandt, als vielmehr der Gemeinde, die er an dem Exempel feiner Wandlung zu bekehren, zu belehren hofft; fein Traktat will als Gemeindebeichte wirken, als vorbildliche Buße, also teleologisch, einem Zwecke zu und nicht sich selbst als Antwort und Sinn. Noch müssen Jahrhunderte hingehen, ehe Rousseau, dieser merkwürdig bahnbrechende, überall Tor und Riegel aus- sprengende Mann, ein Selbstbildnis schafft, um feiner selbst willen, selbst erstaunt und erschreckt von der Neuheit feines Unterfangens. „Ich plane ein Unternehmen," hebt er an, „das kein Vorbild hat ... ich will vor meinesgleichen einen Menschen in aller Wahrheit der Natur zeichnen, und dieser Mensch bin ich selbst." Aber mit der Gutgläubigkeit jedes Anfängers vermeint er noch das „Ich als eine unteilbare Einheit, als etwas Kommensurables" und bie „Wahrheit" als eine faßbare und tastbare, noch glaubt er naiv „mit dem Buche in ber Hanb, wenn bie Posaune des Gerichts erschallt, vor den Richter treten zu können unb sprechen zu dürfen: Dies bin ich gewesen." Unser späteres Geschlecht hat nicht Rousseaus brave Gutgläubigkeit mehr, dafür ein volleres, ein kühneres Wissen um die Vieldeutigkeit unb Geheimnistiefe ber Seele: in immer feineren Zerspaltungen, in immer oerroegeneren Analysen versucht seine felbstanatomische Neugier Nerv unb Aber jebes Gefühls unb Gebankens bloßzulegen. Stenbhal, Hebbel, Kierkegaarb, Tolstoi, Amiel, ber tapfere Hans Jäger entbeden ungeahnte Reiche ber Selbstwissenschaft durch ihre Selbstbarstellung, unb ihre Nachfahren werden, inzwischen mit feineren Instrumenten von der Psychologie versehen, immer weiter, Schicht um Schicht, Raum um Raum vorbringen in unsere neue Welt-Unenblichkeit: in die Tiefe des Menschen. Das mag Trost bieten all jenen, bie einen Niebergang ber Kunst innerhalb einer technischen unb wachgewordenen Welt unablässig verkündet hären. Die Kunst endet nie, sie wendet sich nur. Zweifellos mußte die mythische Bildnerkraft der Menschheit Nachlassen: immer ist ja Phantasie am mächtigsten im Kindwesen, immer erfindet jedes Volk sich nur in seiner Lebensfrühe Mythos und Symbol. Aber für die schwindende Traumkrast tritt die klare und dokumentarische des Wissens ausgleichend hervor; man sieht diese schöpferische Versachlichung in unserrn zeitgenössischen Roman, der heute deutlich am Wege ist, exakte Seelenwjssenschaft zu werden, statt frei unb verwegen zu fabulieren. Aber in dieser Bindung von Dichtung unb Wissenschaft wirb bie Kunst durchaus Nicht erdrückt, es erneuert sich nur ein uraltes geschwisterliches Band, denn - als die Wissenschaft begann, bei Hesiod und Heraklit, war sic Dichtung noch, dunkeltonlges Wort unb schwingenbe Hypothese; nun eint sich nach taufenben Jahren der Trennung wieder der forschende Sinn dem schöpferischen an, statt Fabelweiten schildert die Dichtung nunmehr Magie unserer Menschlichkeiten. Nicht aus dem Unbekannten ihres Erdballs kann sie mehr ihre Kräfte ziehen, denn entdeckt sind alle Tropen und antarktischen Zonen, durchforscht alle Tiere und Wunder der Fauna und Flora bis an den amethystenen Grund aller Meere. Nirgends kann sich Mythos im Irdischen mehr, es sei beim an den Gestirnen, anranken in unserem aus- gemessenen, um und um mit Namen unb Zahl bezeichneten Erdball - so wird sich der ewig Erkenntnis wollende Sinn mehr und mehr nach innen wenden müssen, seinem eigenen Mysterium zu. Das Internum aeternum, die innere Unendlichkeit, das seelische Weltall, eröffnet der Kunst noch unerschöpfliche Sphären: die Entdeckung ihrer Seele, die Selbsterkennung wird die künftig immer kühner gelöste und doch unlösbare Aufgabe unserer wissend gewordenen Menschheit sein. Deutsche Kulturarbeit in der Tschechoslowakei. Von Prosessor Dr. Walter Bombe. Mit wehmütiger Liebe und trauervoller Teilnahme gedenkt seit dem Kriegsende der Reichsdeutsche seiner Stammesbrüder in Böhmen, die einen schweren Kampf um die Erhaltung ihres Volkstums zu kämpst» haben. Dieses Ringen zwischen Deutschtum und Slawentum auf bömm- fchem Boden ist ein Kampf, der, bald heftiger, bald weniger heftig, W* seit Jahrhunderten gekämpft wird. Jetzt ohne Zweifel heftiger denn )«• — Nicht weniger als 4000 Schulklassen sind im sudetendeutschen Gebier ausgelassen, 700 Schulen geschlossen worden. Was bedeutet bas? Jias bedeutet, daß unsere Stammesbrüder dort um 4000 Klassen unb um 700 Bildungsstätten ärmer geworden sind. Doch bas ist noch nicht alle • Die Tschechen haben zu Tausenben beutsche Eisenbahner und anoe Beamte abgebaut, nur, weil sie Deutsche sind. Durch die SriegsamW ' gesetze sind die Deutschen wiederum zugunsten des tschechischeni Jt® und Staates geschädigt worden. Damir noch nicht genug, ist die blut) sude stein verst Bäh 8u finde Wen ei "futschen «amtlich einnetleii Masse, putsche, Wchisch , Briin vaneben Eiadt dc 'Ichechisch deutsche ätoei Mu Utraquist; n*ttät un W nicht Mt mö< Mn Hch Aschwer, ober zuge in 2 Nach lich lichei De wem geisti den i liehe die £ manr benae Zuzu in rii unb । Prag, heil und £ das g (Erbat Meist tigen Bohm Zu Male lerisch« Die ei unter zu feit Wüte I und bi llniver kam z. Der T über, i reden zählte und 7( Zeit ft sofort leben c nehmet von de water aus de chische Stad ein filb ebenso!! Sie letz hohe B Hofer steht Bi aber n Deutsche Beeth brachten eine me alten M waren t und ne Salus Brod, Stroh fer des des Hör _Sie sudetendeutsche Industrie durch eine raffiniert ausgeklügelte Ueberbe- steuerung eingeengt, durch die sog. „Bodenreform", durch die „Wälder- verstaatlichung" und durch die „Bäderenteignung" sind die Deutschen Böhmens ihrer Aecker, Wälder und Heilquellen beraubt worden. In früheren Zeiten hat man bei uns dem deutschen Volkstum an der oberen Elbe und an der Moldau nicht immer die nötige Aufmerksamkeit zugewandt. Man pflegte bis vor kurzem den Kampf unserer Landsleute in Böhmen mit dem Hohnwort von dem „böhmischen Krieg um den Nachtwächter" abzutun. Jetzt aber werden diese Gleichgültigen wohl endlich inne geworden fein, daß uns dort ein Kulturbesitz von unermeßlichem Reichtum durch den Krieg verlorengegangen ist. Den ganzen Umfang dieses Verlustes ermessen wir jedoch erst bann, wenn wir uns vergegenwärtigen, welcher gewaltige Aufwand an Arbeit, geistiger wie materieller, im Böhmerwalde von Deutschen geleistet worden Ist. Die Deutschen können Anspruch darauf erheben, als die eigentliche Ureinwohnerschaft Böhmens zu gelten. Denn die Slawen sind als die Letzten auf dem Schauplatz der Geschichte erschienen, als die Markomannen und Quaden das Land teilweise verließen. Nicht nur aus den benachbarten, sondern auch aus den weit entfernten Gegenden fand reger Zuzug deutscher Kolonisten statt, — hatten doch die böhmischen Fürsten in richtiger Schätzung der Deutschen ihnen besondere Rechte eingeräumt und sie als Kulturpioniere in das Innere des Landes, besonders nach Prag, berufen. Die ritterlichen Sänger Ulrich von Eschenbach und Heinrich von Freiberg haben am Prager Königshofe gewirkt, und Johannes von Saaz hat in seinem „Böhmischen Ackersmann" das gewaltigste deutsche Prosadenkmal der Zeit vor Luther geschossen. Der Erbauer des Prager Domes und der Karlsbrücke war der deutsche Meister Peter Parker aus Schwäbisch-Gmünd, der zu seinen gewaltigen Bauschöpfungen und Bildhauerwerken deutsche Kräfte aus dem Böhmerlande heranzog. Zweimal war Prag die Residenz der deutschen Kaiser, und beide Male bildete es einen geradezu einzig dastehenden Sammelpunkt künstlerischer Tätigkeit, die einen überwiegenden deutschen Einschlag aufweist. Die erste große Blütezeit, das wahrhaft goldene Zeitalter Prags, fällt unter die Regierung Kaiser Karls IV., der im Jahre 1333 die Stadt zu seiner Residenz erwählte und ein halbes Jahrhundert höchster Kunstblüte herbeiführte. Unter Karl IV. wurde die Burg auf dem Hradschin und der Dom erneuert, die Karlsbrücke erbaut und im Jahre 1348 die Universität, die erste in Deutschland, gegründet. Dieses reiche Kunstleben kam zum Erliegen, als Karls Sohn, Wenzel IV., den Thron bestieg. Der Dombau stockte, die Universität ging in die Hände der Tschechen über, die deutschen Professoren und Studenten zogen fort, und die Hetzreden des Magisters Johann Huh wiegelten das Volk auf. Damals zählte diese älteste Hochschule Mitteleuropas bereits an 30 000 Studenten und 700 Professoren. Nach der Austreibung der Deutschen begann eine Zeit furchtbaren Niederganges für die Universität, deren Studentenzahl sofort auf ein Drittel sank. Jahrhundertelang hat sie bann ein Scheinleben geführt, um erst im 19. Jahrhundert wieder einen Aufschwung zu nehmen, der durch das unglückliche Kriegsende aufgehört hat. Wer heute von der Prager Alma mater spricht, kann nur mehr von der „Alma mater Dolorosa" sprechen, denn, da Gewalt vor Recht geht, so gilt die aus den achtziger Jahren des vorigen Jahrhunderts stammende tschechische Universität als die Erbin alter Vorrechte. Nach dem Hussitensturm folgte auf das goldene karolinische Zeitalter ein silbernes Zeitalter deutscher Kunst unter Kaiser Rudolph II., der ebenfalls in Prag residiert hat. Bald danach kam der 30jährige Krieg. Die letzten Jahrhunderte zeigen bann in der Barockzeit noch einmal eine hohe Blüte deutscher bildender Kunst unter ben beiden Dientzen- hvfer und Fischer von Erlach. Bis aus die neueste Zeit aber steht Böhmens Kunstleben in einer bald mehr, bald weniger bedeutenden, aber niemals gänzlich unterbrochenen Abhängigkeit von Deutschland. Deutsche Musik erklingt noch heute in dem Lande, das Mozart, Beethoven und Wagner besuchten. Deutsche Kunsthandwerker brachten das böhmische Glas zu Weltruhm, deutsche Unternehmer schufen eine mächtige Industrie, die mit Wien zusammen den Haupibedarf der alten Monarchie deckte und weithin den Osten versorgte. Deutsche Dichter waren die Böhmen Stifter und die Mährin Ebner-Eschenbach, und neueste Vertreter der deutschen Dichtung im Böhmerlande sind 6alus, Friedrich Adler, Werfel, Kafka, Rilke, Meyrink, Brod, Kolbenhcyer, Watzlik, Hohlbaum, Hadina, Strobl, Haas neben vielen anderen; Franz Metzner, der Schöp- ier des Leipziger Völkerschlachtdenkmals, Hugo Lederer, der Bildner bes Hamburger Bismarckdenkmals, sind Sudetendeutsche. Die zweitgrößte Stadt des Reiches und zugleich die Stadt mit der flropten Zahl deutscher Einwohner ist Brün n. Vor noch nicht langer ■oeit eine deutsche Stadt, in der alles, was an Kunst- und Kulturschätzen iu finden, ähnlich wie in Prag, größtenteils deutschen Ursprungs war, r”6n es erst schwere Zwangsmaßnahmen der Tschechen vermocht, dem rutschen Brünn wenigstens äußerlich ein tschechisches Gepräge zu geben, «amtliche tschechische Gemeinden in weitem Umkreise wurden der Stadt t uu!3 i° künstlich ein Groß-Brünn mit 230000 Einwohnern Waffen, und, während früher in der Gemeindevertretung die 60 000 «luJ*en die Mehrheit hatten, so sitzt heute dort eine zu drei Vierteln tschechische Mehrheit. . l nn besitzt eine deutsche Technische Hochschule mit rund 1700 und cQ,n™en eine tschechische mit 1600 Studierenden. Prag ist die einzige ber UM, die sogar zwei Universitäten, eine deutsche und eine schliche, aufzuweisen hat, dazu zwei technische Hochschulen, die iw sm ?tt 1500, die tschechische mit rund 4100 Studierenden, ferner m-^'^Ätakademien, eine staatliche tschechische und eine deutsche und eine turis»Ul' Kunstasjpdemie, eine tschechische evangelisch-theologische Fa- tu., unb eine tschechische Handelshochschule, woraus erhellt, daß Prag nidn *5- Wabe über Mangel an Hochschulen zu beklagen hat. Es ist fcn an dieser Stelle die Kämpfe zu schildern, die unsere deut- U 'M Böhmerlande seit 1918, da wiederholt das Damok- iNwert völliger Aushebung über der Prager deutschen Universität schwebte, um ihren Bestand und um ihre gesunde Fortentwicklung sichren müssen. In dem tresslichen sudetendeutschen Hochschulführer 1927/28, der von Gunther Thon, und Franz K r ä t s ch m e r zusammengeftellt ist, findet sich eine zu Herzen gehende Schilderung dieser Kämpfe. Dort wird auch auf einer der wenigen erfreulichen Umstände hingewiefen, nämlich auf die Tatsache, daß sich die Zahl ihrer Hörer seit dem Umsturz beträchtlich erhöht hat. Klar und deutlich ist hierdurch die Daseinsberechtigung einer deutschen Universität in der Tschechoslowakei, wenn es überhaupt bei 3« Millionen deutschen Bewohner noch eines Beweises bedarf, aller Welt vor Augen gerückt. Der Hauptgrund für diese, nunmehr allerdings zum Stehen gekommene Zunahme der Hörerschaft ist darin zu suchen, daß ein großer Teil deutscher Studierender aus dem Böhmerlande, die früher die Universitäten Wien, Graz, Innsbruck, Budapest ober eine reichsdeutsche Universität besuchten, sich nunmehr infolge ber staatlichen Veränberungen gezwungen sehen, an der einzigen beutschen Lanbesuniversität ihren Stubien zu obliegen, um hier ihre Prüfungen ablegen zu können, falls sie in ber Heimat auf eine staatliche Anstellung rechnen ober überhaupt einen auf staatlichen Zeugnissen deruhenben Beruf auszuüben gebenten. Die Zahl ber reichsbeutschen Stubierenben an ber Prager beutschen Universität ift_ außerordentlich gering, sie beläuft sich seit 1919 auf 10 bis 23 im toemefter, die ber Oesterreicher auf 15 bis 42. Unb die Ursache dieser auffallenden Erscheinung, bah Reichsdeutsche und Oesterreicher die Prager Universität geflissentlich meiden? — Ohne Zweifel die oft geschilderten Drangsalierungen durch das slawisch-chauvinistische Mütterlein. Und doch sollten die Studierenden bei uns ben sudeten- deutschen Hochschulen mehr Beachtung schenken, ben hart um ihre Geltung kämpfenden Kommilitonen dort sich helfend beigesellen, ober wenigstens ihre Not kennenlernen. Sie werben mit offenen Armen aufgenommen werben. Der Spatz. Von Wilhelm Hausenstein. Der Schauplatz ist ein Stück Dach und Luft. Den Rahmen ber Szene macht von unten das weiß und orange gestreifte Seinen des Ssitenvor- hanges an meinem Balkon. Rechts und links machen den Rahmen die erdbraunen Stützbalken, über denen der hölzerne Baldachin meines Balkons ruht; kunstreicher, absichtlicher formt den Rahmen ber Szene oben ein erdbrauner Bogen dieses Baldachins — ein Holzbogen, dessen dünne Wand mit der Laubsäge gemustert scheint (im Renaissancege- schmuck der achtziger Jahre). In diesem Rahmen ist sichtbar: die Wage- rechte einer Dachrinne aus altem Zinkblech; die Schräge der unteren Seite bes weit herab überhängenben Daches — teerbraunes Plankenwerk mit Tragbalken, die nach alter bayerischer, ein wenig barbaresfer Weise gekehlt unb gekerbt finb; ein Giebel, der vorfährt, mit dunkelbraunen Ziegeln, Falzziegeln, deren Glasur in der Sonne tintig blinkt, und dem Anstieg des Giebels entlang eine andere Dachrinne, eine zweite also, die aber in den Himmel fährt, verwegene, losgelassene Perspektive; endlich ein Polygon des blauesten Maihimmels mit einem dünnen, verwehten Wolkenfetzen. Dies ist ber Schauplatz. Die Stunde ist die zweite nach Mittag; die Stunde ber Siesta. Das ganze Hotel schläft. Ich liege unb schaue; doch nicht um dieses hohen Winkels willen und nicht einmal dem blauen Himmel zuliebe, ber, ach, so feiten ist, fonbern um ber Szene willen, die in dem Winkel, dem von unten her, schrägaus erblickten, sich abspielt. Es ist aufgetreten: ein Spatz. Er sitzt auf ber oberen Rinne, der schrägaus ansteigenden also, die am Rand bes Giebels perspektivisch in den Himmel fährt. Er ist ein Spatz im Durchschnitt, und ist dies um so gewisser, als es Spatzen überhaupt nur im Durchschnitt gibt, nicht im Exemplar wie zum Beispiel den Fink. Dieser Spatz ist ordinär wie die ganze Sorte: gewöhnlich in der Farbe, gemein in Haltung unb Laut. Immerhin: auch in seinen schmutziggrauen Bauchfedern spielt der laue Mittagswind von Südosten, ein adriatischer Wind, und es ist schier ein zartes Ereignis, so starr, so zäh, so vernutzt ihm auch die schwarzgraue Filzmütze, ber schmutzbraune Flügel anliegt — ber dürftige Flügel, der nur einen unedlen, kurzen Flug vermag! Aus ber Nebensächlichkeit bes letzten ber Statisten in die Rolle eines Helden aufgestiegen, die ihm nicht zukommt, die er nicht spielen kann, sitzt er auf schräger Rinne und versucht seine Stimme. Ach, welche Stimme. Sie vermag nur einen einzigen Ton: einen kümmerlich kreischenden, durchaus unmusikalischen, der weder tönende Substanz hat, noch ein Mindestes von Rhythmus; ber nichts ist, überhaupt nichts — höchstens eine ausgewischte unb doch grelle kleine Widerwärtigkeit. Für ben geringsten ber Chöre noch hundertmal zu wenig, maßt sie sich ein Solo an. Er hört aus dem Garten herauf die Stimme ber Finken, Zeisige, Meisen; er hört von der Ferne ben schwelgerischen Ton einer Amsel kommen, der von Wollust und Rot in einem und demselben Augenblick überflieht. Ihn hindert Nichtsein krasses Unvermögen; ihn beschämt nicht der heillose Mangel jeglichen Talents; er versucht seine Stimme, als wäre sie die erste, wie sie hier im Raum die oberste ist; er bleibt bei seinem Ton, dem einzigen, ungebildeten, schlifslosen, dem ungebogenen, schmelzlosen, durchaus unwesentlichen, der noch für ein Signal zu elend ist; bei diesem Ton also bleibt komisch unb trist ber naivste Prolet. Er sitzt, er ist dabei, er ist darüber, er auf feinem Blech. Was kümmern ihn die süßen kleinen Stimmen aus dem Grünen. Er bleibt unb kreischt — kreischt von brei zu drei Sekunden bas gleiche, diesen armseligsten Abfall und Unrat eines Organs. Doch ich kann nicht sagen, daß er beleidigt. Er rührt. Soviel unbefangenes Nichtkönnen, soviel unbekümmertes Benachteiligtsein darf rühren, muh rühren. Und mehr als sein winziger Spektakel rührt fein Umheräugen zwischen je zwei Tönen: dies ganz kurze Umheräugen, das zerhackte Angst ist; die kläglichen Töne skandieren dies unaufhörliche Abbrechen der Angst; vergeblich markieren sie Optimismus, und das Unbekümmerte scheint mir mit einem Male auch noch bezahlt ... Er M ochgefühle gle viele Zuschi - Druck und Verlag: Brühl'sche Universitüts-Vuch. und Steindruckerei, A^ange, Gieß«"- Verantwortlich: l)r. tzanS Lhyriot. Jni schaute her vei der eil laufen Bv! niedrig fdjroacl; Fähige gerade auf die spräche „Er finde, < schnackt Jahr ki den Fu Lau hindurck dämmei sagte di , ~3ef einen n nicht roi schäft ui nen La »Sch auch ni mag, je würbe. Bekannt und den schaut nach rechts, nach linfs, nach oben und nach unten: er schaut ganz kurz, so wie er fliegen würde — mit einer etwas groben Nervosität. Dazwischen kreischt er immer wieder sein Tünchen hinein, sein einziges — mit Eifer, ja mit ganzer Beflissenheit, nicht ohne Selbst- bewußtsein übrigens, mit platter Vitalität auch, mit gewerbsmäßigem Stumpfsinn und auch mit der Geschwindigkeit des Bedrohten, Verängstigten. Der Wind bläst ihm an den groben kleinen Bauch. Seine Flügelfedern sind starr, unelastisch, schmutzigbraun. Seine Mutze ist ein schmieriges Käppchen aus gemeinem schwarzen Zeug. Jetzt hört er auf. Jetzt putzt er sich, beileibe auch er, als ob es sich lohnte, als ob es darauf ankäme. Er holt die Milben unterm Bauch hervor und hinter den kurzen, schäbigen Flügeln.^ Zwischen den Sekunden eiligen, beunruhigten Bohrens, Pickens, Wühlens und Schüttelns äugt er kurz nach allen Seiten, zwitschert er seinen einzigen Un-Ton. Irgend etwas bestimmt ihn jählings mit allem aufzuhören: ein unhörbares Stichwort — vielleicht das seines Schicksals, denn fein Verschwinden ist heftig. Erst läßt es sich harmlos an, ja spielerisch, wie ein kokettes Ballett. Er hüpft aufwärts, der Rinne entlang bis zum Giebel- first jeweils in halbem Umsprung: rechtes Füßchen vor, Umsprung nach links — linkes Füßchen vor, Umsprung nach rechts. Aber nahe dem First macht er einen verzweifelt schnellen und etwas zerfahrenen Sprung dacheinwärts und verschwindet unter einem Ziegel, der angebrochen ist. Dort ist sein Nest, dort seine Mansarde. Was ihn bewog, so unrühmlich abzubrechen, weiß ich nicht. Ich werde es nie wissen. Eine Gefahr von Hunderten vielleicht, die ich nicht ahne. Vielleicht aucy eine Laune, die so gut ihre Voraussetzungen hat wie die meinigen — und vielleicht ebensogut ihre Folgen. Nur eins ist klar: dies war jein Auftritt, dies feine Rolle, dies fein Abgang. Mein Horizont ist leer. Es bleiben nur die Perspektiven des Daches. Es bleibt das Vieleck des Himmels, das an einer Stelle unregelmäßig gerundet ist. Es bleibt die weiße Tünche an der Mauer und das streifende Orange am Vorhang und die eiserne Vorhangstange mit den zinnernen Ringen. Die Finken schlagen in den blühenden Kastanien. Schräghin durch das verlassene Theater mir zu Häupten fahrt eine Schwalbe: ein Psett; die langhinflicgende Eleganz in Person. Ich stehe von meinem Liegestuhl auf und bin, so scheint mir, in einiger Verlegenheit, ja Verstimmung: ich zünde meine Zigarette nicht an, ohne mich in gelinder Verdrießlichkeit mitschuldig zu fühlen. Mitschuldig an tuns? — Ja — wenn ich das wüßte, dann wüßte ich viel. Dann wußte ich nicht nur, weshalb ich jetzt diese Zigarette rauche, zu der ich nicht die mindeste Lust habe, sondern am Ende auch, wieso ich selost gar nicht sein könnte, wenn dieser Auftritt des Spatzen nicht gewesen wäre. Im grünen Grasgarten drunten sitzt gänzlich unbewegt und würdig wie eine Sphinx eine weiße Katze. Reisesortschritt in einem Menschenalter. Von Dr. Anton Mayer. heimlichen Schroffen ab, die Häuser erinnern an kleine, gegen die Winterkälte gebaute Festungen und die Tracht der Frauen ist schwarz. Heute ist Ober- wie Unierengabin längst der Bahn zugänglich gemacht worden: die letzte Albulapost fuhr in den ersten Julitagen des Jahres 1903. Bis dahin übernachtete man auf der Reise nach Pontre- sina oder St. Moritz — Wintersport gab es noch kaum — in Chur, wenn man über den Albula, in Thusis, wenn man über Julier fahren wollte: die Reife dauerte 12 bis 14 Stunden und war von großer Schönheit. Jetzt fährt die Albulabahn hinter Preda, wo damals der langwierige Aufstieg auf die Pahhöhe begann, durch den Tunnel und ist in zehn Minuten auf der Engadiner Seite der Berge angelangt; sehr schön, sehr praktisch — nur: die Freude, welche man früher hatte, nach dem steilen Anstieg — der aus Gründen der Pferdeschonung natürlich ~ "* ' ' de —, den ersten Blick aus die ver- Berge werfen zu können und sich all- In den Tagen meiner Kindheit war es noch nicht so, in einer erst etwa 35 Jahre zurückliegenden Epoche; die Jahre der Postkutsche können wir hier als allen märchenhaft außer Acht lassen, obgleich wir in der Tat bald von ihr reden müssen. Aber auch damals waren die Verbindungen bedeutend langsamer als heute, und die Züge sehr viel weniger komfortabel. Ich erinnere mich sehr gut an meine erste Reise nach der Schweiz im Jahre 1890, die nach Farasp im Unter-Engadin führte. O-Wagen gab es noch nicht; die sog. „Harmonika-Züge" wurden erst gegen die Mitte der neunziger Jahre eingeführt. Die Schlafwagen, alle von der Internationalen Gesellschaft, entsprachen im allgemeinen den noch heute üblichen, waren aber entschieden enger und kleiner. Es war Unsere Zeit ist stolz darauf, den Raum und die Zeit überwunden zu haben, oder wenigstens auf dem besten Wege zu sein, räumliche und zeitliche Entfernungen auszuschalten. Allerdings find die modernsten Fortbewegungsmittel, das Flugzeug und das Luftschiff, infolge ihrer notwendigen Platzbeschränkung und der daraus resultierenden Kostspieligkeit ihrer Benutzung, nur für eine verhältnismäßig geringe Anzahl von Reisenden beschränkt; aber auch das große Publikum, welches heutzutage im Winter und im Sommer, im Frühling und im Herbst die gerade ge- »igneten Orte zur Erholung oder zum Sport aufsucht, hat jetzt ganz andere Verbindungsmöglich'keiten und Bequemlichkeiten, als sie etwa zur Zeit meiner Kindheit, Ende der achtziger und Anfang der neunziger Jahre bestanden. . , „ .... ... Es ist eine Frage, die nur subjektiv, niemals generell zu losen ift, welche Beförderungsart, abgesehen von rein praktischen Zielen, in seelischer Beziehung den Vorzug verdient, die schnelle oder die langsame. Mancher wird vorziehen, ohne jeden Aufenthalt den ersehnten Ort zu erreichen «ub alles, was sich ihm unterwegs bietet, nur im Fluge an sich vorüberrollen lassen ober völlig vernachlässigen, um alle zur Verfügung stehenbe, vielleicht nur knapp bemessene Zeit am Bestimmungs- piatze ausnutzen zu können; andere wiederum werden Wert darauf legen, in gemächlicher Fahrt, die häufig unterbrochen wird, allmählich vorzubringen unb sich mit allem interessanten an Landschaften und Städten, das auf ihrem Wege liegt, bekanntzumachen. Es ist da viel von Tem- oeramentsverfchiedenheiten abhängig; instruktiver ist jedenfalls die zweite Art, für welche natürlich das Automobil das ideale Beförderungsmittel darstellt, falls feine Insassen nicht vom Schnelligkeits- oder Rekordwahn besessen, die Welt nur nach zurückgelegten oder zurückzulegenden Kilometer beurteilen. Aber leider ist der Motor auch nur für die Aus- erwählten des großen Portemonnaies vorhanden; und das Wandern, eine gewiß sehr schöne Reiseart, kommt im allgemeinen nicht für längere Reisen, die wir hier meinen, in Frage. Jedenfalls bietet unsere Zeit die Möglichkeit, jede gewünschte Art anzuwenden, sich vom k-v-Zua mit größter Beschleunigung ober vom Personenzug mit vielen Aufenthalten au das gewünschte Reiseziel bringen zu lassen. für das Kind eine Sensation, einen solchen Wagen besteigen zu dürfen; der abends vom Anhalter Bahnhof in Berlin abgehende Schnellzug erreichte erst vormittags München, wo der Anschluß nach Innsbruck nicht ohne längeres Warten zu erreichen war, so daß man endlich am Nachmittage, soweit ich mich entsinne, etwa zwischen 4 und 5 Uhr in der Hauptstadt Tirols ankam, man brauchte also mit Schnellzügen ungefähr 20 Stunden für eine Strecke, die man heute in 12 Stunden zuriicktegt. Damals war das Engadin weit von jeder Bahnstation entfernt. Man mußte also von Landeck aus, da- wir am nächsten Tage mit der Bahn erreichten, per Poft Weiterreisen. Eine Extrapost wurde gemietet, ein sehr beouemer gelber Landauer, dessen sehr kräftige unb wohlgenährte Pferde alle zwei Stunden gewechselt wurden; die Postillone hatten eine hübsche bläue Uniform an und bließen wahrhaftig auf ihrem Home, wenn man stolz im Trabe durch ein Dorf raffelte. So fuhr man von Landeck über Finsterminz hinunter ins grüne Tal des Unierengabin, sah allmählich Landschaft, Bauart der Dörfer und Tracht der Bevölkerung sich verändern und wurde also recht eigentlich in die Besonderheiten der Reiseroute eingeführt, welche die beste Vorbereitung für ihren Endpunkt war, unb sowohl in geographischer wie kultureller Hinsicht den besten Anschauungsunterricht gewährte. Demi während in Tirol die Täler breiter, die Berge weniger steil,, die Häuser freundlich und die Menschen bunt gekleidet waren, veränderte sich in Engadin das bisher geschaute Bild vollkommen: das Tal ist eng, die Kalkfelsenberge stürzen in um Häuser erinnern an kleine, gegen die Win- 1 „Tot: Weiften werden i d-n Blli » 'ft zehn Wütiich, als 'ne s einfach ’ sWd» habt jemand t beiden de Särttich u einen Bö »irb da „Eeh ft ®ic - W 'Ne n Mge, n bißchen 1 immer zu Fuß zurückgelegt wurde —, trauten Gestalten der Engadiner Berge ----- „ . mählich in die Freiheit und dem Glanz der Engadiner Luft herausge- arbeitet zu haben: diese Freude unb noch andere Hochgefühle gleicher Art sind unwiederbringlich verloren. Ich glaube, daß viele Zuschauer des Festes zur Eröffnung der Albulabahn im Juli 1903 ein ehrliches Be- dauern gefühlt haben, als die erwähnte letzte Post, der Postillon in Galauniform mit umflorter Peitsche in Samaden einfuhr; ein Stuck der Reiseromantik war zugunsten schnellerer unb bequemerer Beförderung verschwunden. Aber es ist schließlich immer dasselbe: wenn der eine trauert, freut sich der andere. Die Automobilposten, die jetzt in manchen Gegenden der Schweiz an Stelle der alten Pserdeposten getreten sind, scheinen mir nur in punkto Schnelligkeit eine Verbesserung darzustellen, denn sie erfüllen die Gegend weithin mit Gestank, Lärm und Staub, was für die Nichtmitfahrenden peinlich ist. Darinzusitzen ist aber für. einigermaßen nervöse Menschen auch nicht immer erfreulich, da die Wendungen und Drehungen der ungefügen Fahrzeuge auf den Windungen der kurvenreichen, sehr häufig an Abhängen entlang führenden Gebirgsstraßen nur allzu geeignet sind, Vorstellungen von schnellerer, melleidjt allzuschneller Beförderung in die Tiefe wachzurufen. Die alte Idylle ist ä conto der Schnelligkeit verschwunden, die Behaglichkeit mußte praktischen Rücksichten weichen — auch hier alles ganz schön und gut; aber hat man denn immer solche Eile? Ein viel stärkerer Unterschied als zwischen den Eisenbahnen von heulr — unb denen vor 40 Jahren besieht zwischen den maritimen Beförderungsmitteln jener und unserer Zeit, den Dampfschiffen. Allerdings war die grundlegende Veränderung im Bau der Passagierdampser bereits Anfang der achtziger Jahre erfolgt, und zwar durch die „Schnelldampfer des Norddeutschen Lloyd, deren erster die Anfang der neunziger Jay« im Kanal untergegangene „Elbe" war. (Alle diese Dampfer hatten FIO- namen.i Auf ihnen waren die Kajüteneinrichtungen der ersten SW welche bis dahin im Hinteren Teil der Schisse gelegen hatten, in w Mitte des Rumpfes verlegt; die typische Anlage der Salons würbe geschaffen, d. h. ein Speisesaal im Hauptdeck, ein Damen- oder Gesell- schaftszimmer über ihm im Oberdeck, und ein Rauchsalon auf derselbe Höhe weiter achtern. Die zweite Klasse wurde mit entsprechend einfachem Räumen an den früheren Platz der ersten verbannt. Außerdem waM die Schiffe elektrisch beleuchtet. Gerade das muß auf die Seerei enm damals von ungeheurer Wirkung gewesen sein, da sich bet Reises stottern bewundernde Aeußerungen über den Glanz des elekmm Lichtes finden. Das alles bedeutete natürlich einen riesigen Fortz-yn gegen die in den siebziger Jahren allgemein übliche Ausstattung einem durch ein Oberlicht erhellten Salon, um den die Kabinen läge - geraucht werden durfte nur an Deck, wo sich auch ein hölzerner schlag mit einem Bottich befand — das Badezimmer. Drnmermn ao waren auf den Lloyddampfern die Decks noch ganz oingeschutzt, , wurden auf den Schnelldampfern der Hapag („Columbia, „Kal Auguste Viktoria" usw.) die Promenadendecks mit einem festen deck versehen. Erst 1909 wurden dann die Decks, wie es beute aUg ™ üblich, durch Schiebefenster gegen jede Unbill des Welters g I Unb doch — die kleineren unb einfacheren Schiffe von W6*?“ ihre Vorzüge. Man blieb meer- ober naturnahe auf ihnen, 9^^ man in der Extrapost dem Wesen der Dinge näher kam als » mobil. Das mag manchem Menschen, der ganz zeitgemäß in Der wart lebt, ein wenig sentimental vorkommen: aber wenn es „Gartenglück von einst" gab, wie es Paul Landau in einem Buche geschrieben hat, so gab es auch ein Reiseglück von emp, ; unwiederbringlich verloren gegangen ist. __—-