SietzenerZamilienblätter Unterhaltungsbeilage zum Gietzener Anzeiger )ahrgangl928 Samstag, den April Nummer 50 Lose Ware. Von Eduard SDlörlte. „Tinte! Tinte, wer braucht! Schön schwarze Tinte verkauf' ich", Rief ein Bübchen gar hell Straßen hinauf und hinab. Lachend traf sein feuriger Blick mich oben im Fenster, Eh' ich mich's irgend versah, huscht' er ins Zimmer herein. „Knabe, dich rief niemand!" — „Herr, meine Ware versucht nur!" Und sein Fäßchen behend schwang er vom Rücken herum. Da verschob sich das halb zerrissene Jäckchen ein wenig An der Schulter, und hell schimmert ein Flügel hervor. „Ei, laß sehen, mein Sohn, du führst auch Federn im Handel? Amor, verkleideter Schelni! soll ich dich rupfen sogleich?" Und er lächelt, entlarvt, und legt auf die Lippen den Finger: „Stille! sie sind nicht verzollt — stört die Geschäfte mir nicht! Gebt das Gefäß, ich füll' es umsonst, und bleiben wir Freunde!" Dies gesagt und getan, schlüpft er zur Türe hinaus. — Angeführt hat er mich doch: denn will ich was Nützliches schreiben, Gleich wird ein Liebesbrief, gleich ein Erotikon draus. ,.34 bin kein Offizier, ich bin nicht blau oder grün gewandet und trage keme roten Bänder in der Hose. Ich kann nicht mit dem 'Säbel klirren, Wenn ich dis Steintreppen hinuntergche. In meinen Erinnerungen ist kein Schlsßgevisrt, kein Kastanisnpark mit Amoretten und ausgehauenen Hirschen, keine Mademoiselle und die Equipage in Gold. Ich erinnere Wich nur einer hohen eichenen Bürgertreppe, einer braunen Tür mit einem Kingeizug, daran gezogen eine Schelle aus Messing gellend schep- Perte. Große Aktenschränke verengten den Flur, in dem um die zwölfte , ittagsstunde der Dunst der Küche lag. Ein altes Bild, Mann im Barts, verjports an der Wand, da es noch niemals heruntsrgehänat ward, der Mrnis toOT schon aufgesprungen und siel in kleinen Blättchen herunter Wie Di# Blätter von den Herbstbüumen. Dieser Mann im Barte soll ein 6"ivesen fein, ein Ahne oder ein Urahne, dessen Blut in mich hi« r r "h trieb mich nun umher, manchmal zu ihm ausschauend, mit 9n«^J'ranf^ellstellncu- ein Stück von seiner Wollust, Fetzen von seinen unschen, Stücke von seiner Phantasie tm Innern. — * w8n feem Garten unten, wo die Musik marschiert und flüstert, tritt der Fuß von Atsss, elfenhafi dahinschwebenfe. In den Sand. Immer Altmodisches Pastell. Von Anton Schnack. Ich höre Musik, doch weiß ich nicht, ob es wirkliche Musik ist, Musik von blaf^r.den Mündern und auf- und niedergleitenden Händen gemacht oder Musik, die mir mein Blut entgegensiedet, meine Einbildung mir vorspielt, Ich höre Trompeten wie von Windstößen zerrissen, Flöten, deren schwelgerisches Tropfen mir von Jubel kündet, mir, hier stehend an einer alten Brüstung von Sandsteinen, oerwettert, großporig und an den Kanten abgewetzt. Von einem Federmesser oder von einer Knabenscheide vielleicht. Sie sagen, daß früher hier immer alte Offiziere waren. Vielleicht haben diese hier gestanden, und die Schneide gewetzt, bevor sie ihr Brot oder die Kiele schnitten. Nun stehe ich hier, ein halber Othello, mit einem Blei den Stein beschreibend: Nisse, Nisse! Süße Ai sie auch manchesmal, ausschweifend in meiner Zärtlichkeit; und wäre es nicht so dunkel schon, könnte ich, mich Niederbeugend, den Namen lesen, den ich blindlings hinschreibe, ineinander verschlungen, kreuz und quer, oft nicht mehr zu lesen, vom grauen porigen Stein eingesaugt wie Wasser. Warum schreibe ich ihn? Oh welche Liebesleidenschaft! Oh welche glühende Helle, die mir von innen heraus das Gesicht überschüttet! , Bin ich nicht mehr fähig, anderes zu denken als dieses? Könnte ich mcht darüber Nachdenken, daß die Mathematik sehr beruhigend auf den Geist wirke? Ich hätte mich wohl mehr an sie hingeben sollen, mehr Winkel zerlegen, Hypokhenusen und Kathoden bauen, aber damals schien sie mir ein finsteres Geschäft, eine abscheuliche phantasielose Wissenschaft. um das Rondell, immer in kleinen kurzen Kreisen, immer ein wenig Duft aus dem Haar verlierend und aus dem weißen spitzenbsfetzten Taschentuch. Ich weiß nicht, wohin sie gehört: achtzehntes Jahrhundert, neunzehntes oder zwanzigstes. Noch eben war sie ein Medaillon, blau und schwarz auf Emaille gemalt, hohe aber doch kleine Stirne, Brust geschnürt, und manchmal ein fades, aber doch sinnliches Lächeln. Große dunkle Sternaugen, entweder von Schwärmerei aufgewühlt oder von Empfindsamkeit überwältigt; Empfindsamkeit, die ich ein wenig verachte, trotzdem der Genuß sie zu erleben und sie zu entfachen größer ist. Weiter treiben mich die Beschwörungen, die Verführungen, die Entfesselungen von Bildern im wirrwuchernden Garten der Phantasie; eine alte Poesie, die nicht mehr gilt und die nichts mehr zu umhüllen Hat, das Kaum von einem Traum vielleicht nur, das Schattenantlitz eines seligen Geschöpfes, das aus der eigenen Inbrunst aufgejagt nicht die Bestätigung der ohne Träume Lebenden findet. Ach, ich höre nichts mehr, der ich im Traum umhertappte. Die Musik hat abgebrochen. Regen. Ein großer schwerer Tropfen zerplatzt lautlos auf der schwachen und unsichtbaren Bleistiftschrift. Seltsam, daß der Namenszug des süßen beschworenen Kindes ausgelöscht, getroffen und bedeckt von einem Tropfen wurde wie ein Herz ein anderes bedeckt. Im Rauschen wird die Nacht vergehen. Tropfen auf Tropfen fällt. Eine Wolke, riesengroß und aufgerissen, überschwemmt die Himmelsfurt, ein dunkles, kommendes und gehendes Sausen streicht über die Wipfel hinweg. Eine Frucht fällt, lautlos fast. Ein Staubgenich steigt heran. Ach, so rochen alle Gewittersommer. Ich höre Gehen, viele trippelnde Schritte: leichte, das sind die Frauen und schluchzenden Kinder; schwere, das sind die Männer, die sie ergriffen haben mit festen Armen und die Schirme über sie haltend, in deren Gesichtern der Puder sich regendurchspritzt auflöst. So geht AissL heim von Wind und Nacht bedeckt, ein wenig ängstlich, das blumenhafte Kleid an der Seite gerafft; und wenn sie in das Haus hineintritt und die Treppe mit wilden und roten Wangen hinaufhuscht, schlägt die kleine silberne Pendüle mit den klirrenden Amoretten zehnmal einen singenden Schlag... Einmal, vor Jahren, betrat ich ein Zimmer in einem alten Hause. Wähnte ein Engel oder sonst etwas Wehendes käme mir entgegen. Aber es war nichts, weder Flügelstreifen noch Laut. Nur ein Staub von Duft drang auf mich ein, als wäre eine wurmstichige Truhe oder die Schublade einer Kommode geöffnet worden; nicht zu erkennen war, ob Veilchen oder Rosenblätter die Jahrzehnte verzauberten. An der Türe, wo das Weiß schon in ein dunkles Alter verblich, las ich den hingezitterten Namen Aisis. Leise und betulich trat ich hinaus, über eine kleine etwas abgetretene Stufe hinweg, und hinter mir, vielleicht von der schließenden Tür verursacht, strich ein Hauch wie ein aus- gestoßener Atemzug auf mich ein. Ein andermal, Jahre früher oder später; es war ein Garten, fast am Meere. Einer weißen geraden Landstraße schritt ich nach, eine hohe Mauer warf Abendschatten über den Weg. Das sanfte, immer wiederkehrende Rauschen des Meeres war da; ein halb zusammengesacktes Segel kam mühsam herauf, halb von Rudern getrieben mit einem rufenden Fischer. Das trieb vorbei, nur das Meer war wieder da. rauschend, schluchzend, ruhelos. Da wurde der Name Aissö über die Mauer geworfen, mit einem zärtlichen Hüpfen flog er an mein Ohr; und nichts mehr folgte, keine Antwort, fein Anruf mehr, kein Geräiisch von einem Fuß, nicht das Schließen eines Fensters; und nur das Meer war wieder da, rauschend, schluchzend, ruhelos ... Noch immer stehe ich niedergebeugt an der alten Steinbrüstung, obwohl ich nichts mehr höre, weder Musik noch Gelächter; sondern nur den ununterbrochenen Fall des Regens, der auf den weißen Lichtflecken der Laterne zerstäubt. Ein kühler Strom durchfließt die Nachtluft. Mit ihm herein bringt das wilde und vielgerüchige Aroma der Gärten, der Gärten, worin Aiffe mit Kindern den roten Ball in die Sonne warf. Der Wind singt wie ein hoher Vogel, ganz oben in der Nacht. Ich höre dreimal eine hölzerne Türe schlagen, irgendwo, aber nicht ganz ferne, mit hartem dünnem Schlag. Dann wird sie geschlossen. Das ist, als ob die ganze Welt vor mir zugeschlossen würde. Ich stehe davor, von ein wenig Trauer müde, von ein wenig Hilflosigkeit bedrückt, den Namen Ai sie hiiiausflüsternd, als ob es ein Zauberwort wär« ... rung vom ®' günstige 8 Mn Flüssen den Uv hatte er den g«n gehalten Aon Tiere * vielen seien n im klai brr Mo landen dem 3i Eiszeit, lich grr Das T günstig' eigemrr Ladogn Mazedi Die Werke iichen i und in wir so ungehe Arten Krebs bekam' der S' untere bildete Musch lterbe! schm schon INI m Stillei Arten Di gerinc der E derten findet Reuse für d pfcr Heute fossile winzi schein gebt» E rühm kennt raum wank Jahr währ den, heute migc in d Geb! ände .f des Süd' «r si Hint Tert weh, de re noch Schi Gun toafi bare An Geb Wes es i mat Sie es | El«! Leb znn Iog< mit Tie geh vor der Eiszeit erfolgte ein neuer tiefer utwwa», ^ingelE altertümlicher Tierarten begünstigte. Die Seehund l hi<> Sich im Sommer zu Tausenden von Exemplaren.. . ber norM^ LN°mmÄn ftnd aller Wahrscheinlichkeit nach wahrend . Ueberflutunq eingewandert. Die gewaltigen Ui 4 EinÄN^ Sn Sn des Polarmeeres günstige Be^ngu^n ur enn v rung in den damals noch größeren Baikalsee, nnvoyr alteren Opern «eranstaltet. Er ist Komponist der Oper „Amarella", die 1896 in Königsberg und K°pp«u «uWuh Opernkomponisten beschließt Die Folge der aus Mainz ^urugen^P 8(u5b^bung im Violim Edgar Istel (geb.>1880). der f,^r « Reclam geschrieben, ^ch sonst hat s ) I . gemacht. Daneben ist noch sammelten Aufsätze j Arbeit, ins- Schüler" (aufgefuhrt 1906 n Kari-ruye), „ Gera 1919), (Mainz 1916), „Ma.enzauber und,.Verbotene ^eoe x bios Brautsahrt", die noch Manuskript ist f it goi)Qnn Rudolf Ein hessischer Opernkompomst aus der Odenwald-, Stelle: „Zumsteeg war kein Gen e ab--cm r i^rtvollik «ÄS.» Ä ’fi*6Ä3 h- B. zu den "Zubern , zum sieben berichtet die Biograph!« Änbffi (WO^ lÄrfafiet dieses Buches hat auch versch.ed-m Lieder Zumsteegs herausgegeben Opernkomponist: Hei»' furta. M. unvergessen 'st durch wirkte und dort auch starb, - noch ihrer Uraufführung. - Damit ist uni er e yep. ll,e F ’ ftÄ N » •* Hessische OpernstomponMen. Bon Karl Semmel. , Hessische Opernkomponisten — auf dm ^sten^lugenbkck^ers6)em^rs vielleicht etwas kühn, von solchen groß r d ^z im Weigcu der deut- । nachforjcht, ist es erstaunlich, dag Hegen 1 „ j,ier schon vorweg die j schon Opernkomponisten vertreten s. . - nennen, um gleich zu be- Namen Peter Cornelius, Zumsteeg und chtel n wir wollen auch weisen, daß sehr achtbare ^uch nur ganz kurz. Den die Unbekannteren einmal würdigen,. gescheh- t gebürtigen Kompo- Hauptanteil nehmen die aus Darmstadt und -tu H Darmstädter, nisten ein. Wir werden also zuM^t nach der ^ellfmge^ dann die Mainzer, und zuletzt dw übrigen Htzen f g opernkompo- selbst die besten Quellenwerke lückenhaft genug. ber Wir beginnen mit Georg Abraham S ch ne r Kapelle des Prin- anfänglich hessischer Militarmustker war^ dmm m^d. als einer der ersten । zen Heinrich zu Rheinsberg saß, un-y 182() iuurbe er Kapell- in Berlin Abonnemenskoiizerte Eaia Mustkmeister der Garde- meister der Hofoper zu Bttlmundzuaimni i ^ roie „Der regimenlet. Schneider hat sehr gefällte ^UA^ttnen", Wer- Orakelspruch", „Aucasstn und Ricvlette , „^re J diesen Sachen, roolf" usw. Wir wijien heute so gut wie mch 1 anfänglich Hornist in Kari Jacob ich später der Darmstädter Kapelle reiste mel a s B«e^un nachheriger der Komposition und der Mustttheorl Darmstadt brachte Posten als Darmstadter Huftapellmeister ge, „ührung: „Pygmalion", Dramen. Der Ä»mP°"lLPf?rt!merSe?Itt&e der um das Darmstädter Eine große Oper betitelt „Merope brachte oer »,.^ lg75) Musikleben sehr ^d>ent gewesen W'lhe^^M,^ bis 1835), Hoskapell- zur Ausführung. Mangold war, wie i ber hessischen Residenz. So meister und beschloß ebenfall- sein £, Ws Hoskapellmeister wie Wagner chuf auch Mangold Sch -. P i 3armftabt, der u. a. wirkte ferner doiäs.S chl ° bw lWb)^m Schuler von Saneri und Kreutzer g , । €rrcj.jcnen darunter die sitionen sind des Herzogs- Opern „Das Leben em Traum (1M9) taw„jme aud) genügend (1847). Und wieder finden wir m den. ub-Gen^sa^^ Züchtbar muß Bühnenmusik vor, dazu «me solche zu „Fa s - S -en sein, denn, Ludwig Neuling (1802 bis ik4§ „icht weniger als wie es heißt, schrieb er m den Jahren 1832 vis id«, n.M ^tze" (1840) 38 Operetten und Opern wovon ,ed in Wiener Theatern SÄÄ ß—“ 1". “■ STtJ. - Wiener Sojoper und starb mj Kvmp.nift Heinrich ®„ Schuler »»>» W-l’SS, mSii, Rubmstei» stme «»»st ÄSmS 4 SA »L chöre, Oigeljache'i und vrachte m ^a-Nt t 0i „Korsische Hochzeit" chen „Frau Holle" und'inWiesbaden Ivui Manuskript. Auch zur Ausführung. E.ne Oper „Der Hexeng 9 ^ gegebene Singspiel das an vielen Buhnen z erst ^^'-^e-oao , Darmstädter „Sah ein Knab ein Roslem >st sem Wert 18f0)j äct sich der in diesem Rahmen hier 'ft Karl Hal wachs kg ^bt. Bon 1895 Theaterkapellmeisterlaufbahn wrÄnete d fetzt ,^0 Gesangver- vielen anderen Kompositionen dre Oper „Nama a gesch fsi. . ,yy i n* | 1 .. r /1 R9/t ()|c 1R7^V der zugleich die Reihe der LKLL-SbßLWMBL«! S^sk'^LWS *« W» -L UL 55w«r WM» L'Arronae (geb 1865), der Theaterkapellmeister zu Magdeburg, Stuttgart^ 4ien, Berlin usw. war. Jetzt lebt er in Regensburg. Seme bisherige Opernschöpfung nennt sich „Die Komische - Zu Byrons „Kain" hat er übrigens eine Schauspre^rustk gefchMen. Wrl heim Kleefeld (geb. 1868), studierte anfänglich Naturwissenschaften und ging dann zur Musik über. Bon 1891 bis 1898^ war er KapeUmei in Mainz, promovierte 1897 zum Dr. phil. mit der Arbeit „Das Orchester der Hamburger Oper 1678 bis 1738 . Sodann habilitierte ersch st, Greifswald als Dozent der Musik mit einer heimatlichen Arbest „Landgraf Ludwig von Hessen-Darmstadt und tue deutsche Oper (Berlin, 19 ). Jetzt lebt Kleefeld in Berlin und hat bisher verschiedene Neuausgaben von Reste ber UrzeitfaunQ. Bon Professor vr. F. K11 n g h a r d L Tierwelten, die die eigene Sippe, die ^^aussestorben^ift, dem Santi I haben, hat man im Sußwasser, in bc,,.- ■ Gelegenheit biete ' entdeckt. Das größte, gegenwärtige ^-breiteten Tierwelt mit eigene- das Erlöschen einer emst sehr » i ausllingenden Tertial' Auaen zu beobachten, bietet der Kaspstre. an « ; s b:,5 iKattei M erst eckte sich ein gewaltiE BlEiEr aus der GeFMÄ h»^ I M°°-7"L Ä S * 8?„*r, ÄW ** i»™ Ä.SMSS6 'Lch Lchga, Ural und einige andere ^ome geht^er^on,^ ,zurück und D“r e«ri)ien , non SWi fl«* aus dem Reich der Zweifcharer cir aenannt. „ Unterarten von Stören und ferner tue h beherbergt der A* , Menden wir uns etwas weiter nach Osten! ix A... > ua i® Darcha als einzige W)»rt ! hier unter den ganz beioröeren'2W Herzen * aebalten hat. Noch weiter nach Osten, schäumt minei MsW«ii! Asien von gewaltigen Gebirgsketten urnge stn, sgnhenijee und W Le Baikalee Erlfk S&W ;nÄ*Ä“Äi Xää- ä* ? 1400 Meter tiefen Tanganjikasee verglichen wenden. - A danken ihre Entstehung gewaltigen Gvaben-Einbruchm. » J Kr WUi» attioef ©nbftansen ergibt, etwa drei dieser Zeit haben sich eine ganze Anzah r -arer ^re gor^ vor her.Eiszeit erfoMe Än neuer (RingeE bk schließt Vivlin. vandte. kompo, >rer an lieber hie bei der ge- ist noch iit, ins- gemäße 9) ufro. i seinen et wer- ahrende Gebot" a 1919), ner das „Wenn n Tori- Rudols enwalde, n Stuit- rlsschule, Jumstecg ,re. 1792 an einer und gut« wertvollste oben sich ’omponifi tchen am i" (1780), ' (1788), „Zalaor" geschaffen, Diacbeil)". liographli rrschiedem rist: Heim in Frnick In Franl tuch stack : von ihm Cid" und urg" Harri mponistm- rken heul! w gmigteli. weit ixibja chsn geaiss mt. st der W der sich igelt Fi»IP Herzen * ) Silom* je und bi» übetiriffij ach mit d«> ewüsser & überÄmeri dem Land! ehrst bietet stt eigen« en Tertiän es heutige» Iiirtmtnei' -it war b« stsee hab« edeihen, te reit ®al1 salzhaltW ch nicht. A »!> ”»! Ä* is ForB» .ttdosteck«^ er n°E kiszeit b* e Ein«a^ , Kay«' llom Baikalsee läßt sich das Fortbestehen altertümlicher Tierwelten auf günstige geologische Bedingungen zurückzusühren. ” ngenöett wir uns von Asien Australien zu, dort lebt in zwei kleinen Nüssen der Lungenfisch C e r a t a d u s, ein äußerst träges Tier, das von ^ Ureinwohnern ohne Mühe mit der Hand gefangen wird. Ehemals batte er ein weites Derbreitungsgebtet, heute hat er sich nur noch unter dm ganz besmrderen Lebensbedingungen des alten australischen Festlandes ^Voii"der Eiszeit her haben sich in Mitteleuropa und in anderen Ländern Tiere erhalten, die man als Eiszeit-Relikte bezeichnet. Da in melen Füllen die Ansichten über diese Relikte noch auseinander gehen, seien nur einige Beispiele hervorgehoben, über deren Deutung man sich L f[arelt ist. So wurde der Strudelwurm (Planaria albina) in ter Mark Brandenburg nachgewiesen. Das Tier bewohnt heute die Berg- lünder der Hochalpen, ost bis zum Rand der Gletschertore und folgte dem Rand des abschmelzenden ordischen Gletscher-Schildes der letzten Eiszeit. — Bekannter ist das Vorkommen eines schr schinackhaften, ziemlich großen Fisches, der Maräne in dem tiefen Madüsee in Pommern. Das Tier kann nur in größerer Tiefe ablaichen und hat sich unter den günstigen LebensdMngungen des Madusees erhalten. Die Heimat des eiamartigen Fisches ist wahrscheinlich Schweden, doch wurde er auch im ßabwM= und Onegasee beobachtet. Neuerdings sind in Bulgarien und Mazedonien fünfzig Arten von Relikten-Tieren nachgewiesen. Vielfach ist die Ansicht »erbreitet und z. T. auch in wissenschaftliche m übergegangen, die Tiefen der Weltmeere seien reich an aktertüm- tichm Tieren. In dieser Hinsicht hat aber die Tiefsee ungeheuer enttäuscht mid im ganzen nur ungefähr fünfzehn Arten von Tieren geliefert, die wir sonst nur versteinert kennen. Es ist dies also kn Verhältnis zu den ungeheuren Weiten der Weltmeere herzlich wenig. Es seien hier solche Arten hervorgehoben, die auch versteinert recht gut bekannt sind, z. B. der Krebs E r y o n, der sich in ausgezeichnetem Erhaltungszustand in den bekannten lithographischen Kalken von Solnhofen findet. Aus dem Reiche der Seelilien seien die P e n t a c r i n i t e n erwähnt, die bereits in den unteren Juraschichten Schwabens weite, fast undurchdringliche Wälder bildeten. An den Küsten Australiens leben heute noch schön verzierte Muscheln, irigonien, die sonst überall in der oberen Kreide aus- sterben. Ferner gewisse unregelmäßige Seeigel, einige K ö ch e r - chw8mme und Nautilus, der auf der ganzen Erde im Tertiär schon sehr selten ist in drei Arten. Auch der Haifisch C e st r a c t o n, der im mittleren Tertiär eine größere Verbreitung hatte, ist nur aus dem Stillen Ozean bekannt. Der Grund für das Ueberleben der geeigneten Sitten ist wohl, wie bei den oben erwähnten Beispielen, ein geologischer. Die Zahl der Relikten-Tiere auf dem Festlande ist verhältnismäßig gering. Die berühmte Brücken-Echse (Hatteria) hatte im Altertum der Erde ein sehr weites Verbreitungsgebiet, sie fand sich z. B. zu Hunderten im Rotliegenden des Plauenschen Grundes bei Dresden. Heute findet man sie nur noch als Seltenheit auf einigen kleinen Inseln bei Neuseeland. Es liegt auf der Hand, daß nur dort die Lebensbedingungen für dieses äußerst empfindliche Tier günstig geblieben sind. Die Wildpferde waren früher in sehr verschiedenen Ländern der Erde zu Hause. Heute finden sie sich nur noch in der Dsungarei. Das Okapi ist mit dem fossilen Samoterium nahe verwandt, jetzt lebt es nur noch in einem winzigen Gebiet des Kongo-Urwaldes nordwestlich des Viktoriasees, wahrscheinlich ist es in feiner Ernährung an bestimmte seltene Urwaldpflanzen gebunden. Eins der intereffanteften Tiere des Berliner Aquariums ist der berühmte Pfeiischwanz oder M o l n k k e n k r e b s (Limulus). Versteinert kennt man ihn bereits seit dem Buntfandstein an (also seit einem Zeitraum, der sich auf Grund neuer Methoden zur Berechnung der Umwandlungszeit radio-aktiver Substanzen auf einige hundert Millionen Jahre berechnen läßt). Eheinals war er in weiten Erdgebieten verbreitet, während sich das merkwürdige, höchst altertümliche Tier, das sich in dem erwähnten unerhörten Zeitraum nicht nennenswert verändert hat, heute nur noch bei den Molukken (Niederländisch Indien) und an schlammigen Küsten von Nordamerika findet. Gerade das Fortleben des Tieres in den genannten Gegenden zeigt, daß es in den dazwischen liegenden Gebieten nicht aus inneren Gründen, sondern infolge geologischer Veränderungen des Meeresbodens erloschen ist. Höchst lehrreich in dieser Hinsicht ist auch die heutige Verbreitung des Tapirs. Allgemein bekannt ist fein Vorkommen in Mittel- und Südamerika. In einer sehr merkwürdigen Abart (Schabracken-Tapir) hat n großen Teilen Asiens verbreitet. Nach Ansicht des Verfassers muß man die Ansicht vom Vorkommen zahlloser Mammutherden, in den Steppengebieten von Europa und Asien fallen lassen und annehmen, daß W sich um einzelne große Herden handelte, die ähnlich wie die heutigen Elefanten ihren ölten Wechseln treu blieben, auch dann als sich die ■v-ebensbebingungen verschlechterten. 3m Sibirischen Binneneis hat man im Lause der Jahre etwa zwanzig, zun, Teil ziemlich gut erhaltene Mammutleichen gefunden, ja es, war l°gar möglich, durch vergleichende Blutuntersuchungen die Verwandtschaft m>t dem indischen Elefanten nachzuweisen. Selbst die Nahrung dieser -i-'cre kennt man, da sie sich im Magen und auch zwischen den Zahnen gefunden hat. Cs ist nun im höchsten Maße wahrscheinlich, daß sich diese Riefentiere in den weiten Gefilden Sibiriens wesentNch länger, wte in Europa gehalten haben. Das Aussterben des Mammuts In ©Wirten ist durch das Auskommen des Urwaldes bedingt worden. Der Generalreeder. Erzählung von John Brinckman. (Fortsetzung.) Nachher empfahlen wir uns und ließen uns ein wenig nach dem Tierpark fahren. Dia, da setzten wir uns in ein Zelt, und meine kleine Frau ließ sich ein Glas Eis geben, denn ihr brummte noch der Kopf von all den guten Ratschlägen der Frau Kommerzienrat. Und ich ließ mir ein Glas Zuckerwasser geben, denn mir brannte auch der Kopf ein wenig von der neuen Firma Maßfelt & Heuer und von des Herrn Kommerzienrats Madeira und Oporto-Portwein, und darauf langte ich mir eine von Maßselts Zigarren heraus, ließ mir vom Kellner einen Fidibus geben und dampfte so ehrenfest und vornehni vor mich hin, als wenn ich Aussicht auf die Gouverneurstelle in Gothenburg Hütte. Als wir da so gemütlich faßen und die vielen Menschen vor uns auf und ab Vorbeigehen sahen, fiel mir ein junger Mann auf, der an einem Baume stillstand und scharf nach uns hinblickte. Es dauerte auch nicht lange, da tarn er gerade auf mich zu, nahm sehr höflich seinen Hut ab und sagte: „Entschuldigen Sie, ich mühte mich sehr irren, wenn ich mcht das Bergniigen habe, Herrn Martin Heuer vor mir zu sehen. „Zu dienen, mein Herr," sagte ich ebenso artig, „aber •— Herrje, Junge, bist du das, Gustav? Ja, wahrhaftig, er ist es. Gustav Schwank, alter Junge, wo kommst du in aller Welt hierher?" „Hab' ich mich doch nicht geirrt, aber" — sagte er bann und blickte sehr artig nach meiner Frau hin. „Das ist meine Frau, Gustav, wir sind erst vierzehn Tage verheiratet. Lotting, das ist mein alter Freund, Gustav Schwank." Er machte bann wieder ein sehr artiges Kompliment. Na, jo etwas lebt nicht! und wir schüttelten uns die Hand, daß es fo rechte Art hatte. Ich erzählte ihm dann, was mich nach Kopenhagen geführt hatte, und darauf fragte ich ihn, wo er so lange abgeblieben fei, und wie es ihm ginge, denn wir waren uns [eit rund zehn Jahren aus der Kundschaft gekommen „3e, sagte er da, „Martin, das brauchst du eigentlich nicht zu fragen. Sieh meinen Rock an, sieh meine Stiefel und meinen Hut an, damit hast du meine Geschichte. Mir ist es recht schlecht gegangen, und mir geht es bis auf diesen Augenblick ganz schlecht. Ich habe einfach kein Gluck gehabte die Kriegszeiten find mir immer in die Quere gekommen. Du weiht, ich bin Kaufmann geworden. Ich hatte eine schöne Stellung in Hamburg, und ich mußte fort, als Davoust kam. Nachher ging ich nach London. Die Firma, bei der ich arbeitete, machte durch die Schuld eines französischen Kapers Bankrott. Darauf ging ich nach Amsterdam, nachher wie- oer nach London, und jetzt komme ich direkt von New Orleans und sollte hier einen Platz im Kontor finden, aber da hatte wieder eine Eule ge- feffen, der Prinzipal ist vor sechs Wochen gestorben, das Geschäft wird abqewickelt, und ich sitze seit einem Monat rein auf dem Trockenen, und dieser Speziestaler" — und damit warf er ihn auf den Tisch — „ist der letzte Notanker, vor dem ich nun treibe." ' Er erzählte das alles so offenherzig, so kurz von der Leder weg und dabei doch so beweglich, meine kleine Loiting bekam habet die Augen voller Tränen. „Weißt du nicht Rat, Martin? Weißt du nicht eine Stelle für mich?" sagte er zuletzt, und das sagte er so traurig, und ferne Lippen bebten dabei, als wenn ein Matrose, Der auf dem Mast eines Wrackes auf hoher See treibt, seinen Leidensgenossen, der sicher und fest in der Takelung sitzt, bittet: Du, kannst du mir nicht das Tauende, das gerade zur Hand treibt, unter die Arme und um den Leib herumziehen und fest anholen, ich kann mich nicht lange halten, sonst muß ich loslassen; tu es doch, Bruder, um Christi willen, und wenn du willst, tu es rasch, die nächste Welle spült mich sonst nieder. Mir war die Zigarre ausgegangen; mir war es, als wenn mir ein Kloß im Halse stäke, fo daß ich nicht sprechen konnte. Ich sah chn an. Da saß er vor mir, fo ein schmucker Kerl, wie sie der liebe Herrgott oft vom Stapel laufen laßt, schlank und fein und doch kräftig und stramm, blauschwarzes, krauses Haar über einer schlohweißen Stirne, die Brauen schmal und über der Nase zusammengewachsen, die Haut so zart wie bei einer Frau, nur ein wenig zu weiß und nur nicht gebräunt genug für einen Mann. Wohl war sein Tuchrock schon stark abgetragen, die Nahte fadenscheinig und verfärbt und die Knopflöcher ausgefasert, aber er war doch rein und ohne Flecken und sauber abgebürftet, der Rand des Filzhutes war sehr abgegriffen, das Hemd war aber rein und sauber w,e mein eigenes, unb'id) bin immer sehr eigen mit meinen Hemden gewesen. Mir kam es so vor, als wenn das schöne Gesicht auch schon ein wenig abgetragen und fadenscheinig war, das konnte aber wohl auch gerne von den Sorgen herrühren. Er war noch ganz derselbe, wie ich ihn als Jungen gekannt hatte, dieselben regelmäßigen, iveißen Zahne, dieselbe schmale, weiße Hand, er trommelte damit gerade wie in Gedanken auf dem Tisch, und schade war es, daß am kleinen Finger das letzte Glied fehlte, das war ein Raturfehler. , . ... Schwank stammte eigentlich von Lübecker Eltern, aber ba diese früh gestorben waren, war er bei einem Vetter in Rostock groß gemacht. Er wohnte uns schräg gegenüber. Wir waren von klein auf ständig zusammen gewesen, hatten zusaminen auf der Ballaststätte Lochball gespielt und im Rosengarten Drachen steigen lassen, hatten zusammen bei Rolle rechnen, bei Rokott schreiben und bei Lionne tanzen gelernt, wir hatten aus ein und derselben Pfeife geraucht und zusammen im Sommer in der Warnow und bei den Schleusen am Mühlentor gebadet, ich hatte ihm Weihnachten von meinen Pfeffernüssen und er mir Ostern von seinem Schwaanschen Kuchen abgegeben. Er war nun in Not. in bitterböser Not, das Feuer brannte ihm auf allen Nägeln zugleich. Mir war es, als wenn etwas in mir rief: Hilf ihm, du kannst es ja, ohne daß du dir gerade das Fell von den Rippen schneidest. Kurz und gut, ich half ihm. Er hatte keine anständigen Keiber, ich rüstete ihn von Kopf bis zum Fuß aus, vorn Stiesel bis zum Hut. Er Xsonuon. uno ons wuv es uucy ui» hi , für einen flinken Kerl, wie du bist. Wir wollen zusehen, ob wir dort ils wenn sie noch etwas auf dem Herzen hätte, was e ,Na, was denn, Lotting?" sagte ich und sah sie grast an, hatte Schulden gewacht bei seinem Wirt, ich bezahlte sie bis auf den letzten Schilling. Er hatte nur noch einen ispeziestalsr in der Tasche, ich gab ihm noch neunzehn dazu. Er hatte keine Stelle, und das; er tüchtig etwas gelernt hatte, wuflte ich. Ich spannte also den alren Atakler Kastens in Heismqör an und meinen Kommerzienrat dazu. Das ging aber nicht so schnell, wie ich gehofft hatte. Meine Zeit in Kopenhagen war kurz bemessen. Ich mußte nach Gothenburg zurück, um die Ladung für St. Thomas und Havanna einzunehmen. Für halbe Maßregeln bin ich nie gewesen. Ich sagte also zu Schwank: Weiß! du was? Komm mit nach Gothenburg, das ist nun ein zweites London." Und das war es auch bis 1814. „Da ist immer etwas los Familienweg. „ , .. ... Der Christian hatte nur eine schlechte Fayrt, es zögerte und zögerte, erst hinter Skagsn, nachher vor dem Kanal, darauf in der spanischen See und zuletzt vor den Bahama-Risfen, wohin wir von einem echten Sud- osttornado verschlagen wurden. In St. Thomas und Havanna zögerte es auch, und auf der Rückfahrt ging es nicht besser, ich war richtig über acht Monate fort gewesen. Der Christian warf glücklich Ende Mai unter Känsö-H Anker. Ich konnte gar nicht die Zeit ab warten, Loiting wie berauschen, ging an Bord des ersten besten Fischerbootes und stieg in Mast- hugget") ans Land, als die Uhr gerade zehn schlug. Endlich stand ich bei der Vastorstante an der Haustür. Die alte Frau war schon zu Bett. Oben war aber noch Licht, und das Dienstmädchen stand in der' angelehnten Türe mit ihrem Schatz. „Herrje!" schrie sie auf — „das ist wohl gar Herr Heuer. O je, wie wird sich die junge Madame einmal freuen! Ich hörte gar nicht nach ihr hin. Eins, zwei, drei war ich die Treppe hinaus, und da hörte ich schon Loitings süße Stimme: „Eia Brumsusing, wo wohnt klein Peter Krusing." Da wußte ich wieder, was die Glocke geschlagen hatte. Ich machte leise die Stubentür auf. „Lotting , rief ich. Da hätte sie dich um ein Haar auf die Erde fallen lassen, Hans, denn sie hatte dich auf dem Arm und wollte dich einschläfern, und du winseltest dabei so gotteserbärmlich wie ein junger Hund, den die Köchin aus Versehen mit heißem Wasser begossen hat. Sie hatte aber noch so viel Besinnung, daß sie dich fachte in die Wiege niederlegie. Na, die Freude war groß. Sie holte dich gleich wieder aus dem Bettchen, Hans, und ich mußte dich von allen Ecken und Kanten besehen und zugestehen, daß jo etwas noch gar nicht dagewesen war. Ja, und noch viel anderes erzählte sie mir, was junge Frauen ihren Männern bei solcher Gelegenheit zu erzählen pflegen. Und zuletzt besann sie sich, daß es kalt war und ich doch etwas Warmes genießen mußte. Und da wurde noch Tee ge- nichts für dich loseijen können." Er war auch gleich bereit Es ging aber auch dort mchl |o rasch. Im August wurde er aber auf Probe beim Zollamt als Rechner angestellt und sollte hundert Reichsbanktaler monatlich haben, wenn er brauchbar befunden würde. Run, das wurde er. Im September ging ich nach St. Thomas, und vom ersten September an war er fest angestellt. Ich hatte ihn zwar die ganze Zeit erhalten müssen, aber als ich ihn nun endlich richtig in der Reihe hatte, war ich so vergnügt, als wenn dis Firma Maßselt & Heuer nun fertig wäre. Er hatte mich nahezu dreihundert Taler Spezies gekostet. Das mar auch in meinen damaligen Verhältnissen kein Katzendreck. Als ich abreifte, sagte ich zu ihm: „Sieh mal. Gustav, du bist nun wieder zum Mann gemacht worden, und ich habe, wie du weißt, das beste dabei getan; nun mache dich auch wieder von den Schulden los wie ein anständiger Kerl. Du bekommst nun hundert Taler monatlich; dreihundert habe ich dir im ganzen vorgeschossen Sieh, nun bezahlst du meiner Frau monatlich dreiunddreißig Taler Spezies zurück gegen ihrs Quittung. Sieh, bann bist du in neun Monaten deiner Schuld ledig, und in der Zeit bin ich, so Gott will, auch wieder hier. Schwank hatte eine häßliche Gewohnheit an sich, wenn man ihm fest in die Augen saß — und das tat ich, als ich dies zu ihm sagte. Er kniff sie dann so zu, daß nichts vom Weißen und dem Stern mehr zu sehen war, das hatte er schon als Junge getan, und das tat er damals auch. Ich hatte kein Arg daraus. „Bist du damit einverstanden, Gustav, !o schlage einfach ein", sagte ich und hielt ihm die Hand hin. „Einen Schuldschein brauche ich nicht von dir und fordere ihn auch nicht." Er schlug ein, äußerte aber kein Wort. Ich kann sagen, daß mir das nicht gerade an ihm gefiel. Ich bin zwar nie ein Freund von Süßholzraspeln gewesen, aber mir deucht, bei solcher -Gelegenheit findet sich wohl ein schickliches Wort, das der eine anhören kann, ohne rot zu werden, und das der andere sagen darf, ohne sich wegzuwerfen, besonders zwischen zwei alten Freunden, wie wir es doch waren. Nun, ich reifte am fünften September wirklich ab. Meine Lotting wäre gern mitgesahren, mußte aber, obwohl sie bittere -tränen uergofj, bei der Pastorstante zurückbleiben, denn sie war richtig schon auf dem Der Schreck schoß mir in den Magen, als Lotting so sprach. „Sprich dich aus, Kind! Was ist denn?" „Ach Martin, Maßfelt, Maßselt!" rief sie bann und fing an z» meinen, daß mir die Tränen auf die Hand fielen. „Maßselt? Was ist mit Maßselt?" „Ach, ich muß dir bas nur gleich erzählen, in der unverhofften Freud- Habe ich es ganz vergessen; nun fällt es mir aber wieder wie ein Stein aufs Herz. Erschrick nur nicht, Maßfelt ist tot." „Tot?" rief ich unb sprang auf. „Tot? Lotting, besinne dich, tot saß du?" „Ja, Martining, großer Gott, tot! Es wirb mir so schwer auszu- sprechen, als ob ich dir ein Unrecht eingestehen mühte, bas ich selbst gegen dich begangen hätte. Maßfelt Hai sich erschossen, unb seine Frau ist darüber trübsinnig geworben unb sitzt nun im Irrenhaus." „Herr mein Jesus, Lotting, ist das wahr?" schrie ich, unb meine Stimme war auf einmal ganz heiser geworden. „Lotting, Lotting, wie ist bas gekommen! wie ist bas zugegangen? Um Gottes willen, Kinb, sprich! sprich!" „Ach Martin, das ist so traurig, daß mir bas Herz blutet. Kasten; hat bas an mich geschrieben, unb ich sollte bir den Brief geben, sobald dn Christian heimkäme. Maßfelt hat all bas ©einige auf einen Schlag verloren, er hat in französischen Papieren spekuliert unb ist so sicher gewesen, daß Bonaparte Ueberhand behielt, unb nun hat Blücher den Bonapoch über den Rhein gejagt, nun sind alle Häfen wieder offen, unb nun Hai er keinen roten Schilling von all seinem Gelb gerettet, unb bas hat er jiq wohl zu Herzen genommen, ber arme, arme Mann! Ich habe zu @otf gebetet, daß er nicht mit ihm ins Gericht geht." Mir war wie einem, ber bas kalte Fieber hat unb der auf nacktem Leibe unversehens mit Eiswafser übergossen wirb. „Wo ist ber Brief, Lotting? Wo ist ber Brief von Kastens?" Sie holte ihn aus bem Schreibpult in der Vorstube. Richtig, da stand i bas alles schwarz auf weiß, wie Lotting bas gesagt hatte, und als No- ' tabcne noch: Ihr lieber Mann muß unverzüglich nach feiner Ankunft in ‘ Gothenburg in seinem eigenen Interesse persönlich herüberkommen. In mir tobte es unb würgte es, mir war, als ob mir die Eingeweide zum j Halse herausgezogen würden. Als meine Frau mich aber fo besorgt uni i voller Angst anblickte, da nahm ich mich zusammen. Du darfst es nicht i merken lassen, bas kann ihr schaden. Ich schluckte es also herunter, « t schien mir ein bitterer Happen, der in verdorbenem Essig gekocht war. Ich i ging Lotting zu Liebe zu Bett, aber ich schloß kein Auge und konnte gat nicht erwarten, daß es Morgen wurde. Vor Tau unb Tag war ich heraus unb nach Kopenhagen hin. Ich sprach mit Kastens, ich sprach ml! einem Rechtsanwalt, ich lief nach Hinz unb Kunz unb von Pontius z« Pilatus, vom KLnigsneumarkt bis zum Friebrichsplatz hin unb zurA unb zurück und hin. Ich hätte meine Sohlen unb meine Lunge sparen können. Meine fünftaufenb Taler Spezies waren flöten und nicht mch wert als der Papierpfropfen in ber Pistole, mit ber Maßfelt sich ms Gehirn geschossen hatte. Mir war die Zeit, die ich in Kopenhagen w°k, ganz übel unb schwinblig, ich konnte gar nicht zusammenhairgenb beulen, mir war, als wenn ich gar nicht recht mehr sehen konnte, unb vor meinen • Augen stieg immer eine Seifenblase nach ber andern auf, unb daraus । stand in großen, goldenen Buchstaben „Maßfelt & Heuer", unb dann ' platzte sie. Es litt mich nicht länger in Kopenhagen, ich ,uhr mieber nach Gothen- i bürg zurück. Ich hatte den halben Weg die Augen zu unb fragte mich : tn einem fort: „Was nun?" — konnte aber keine Antwort darauf jmixm : Getan mußte etwas werben, es mußte rasch etwas getan werben. Ich i befanb mich nun beinahe in denselben Umständen, wie ich i Schwank in Kopenhagen vorgefunden hatte, nur schlimmer, viel jchum- s wer. Er staub allein, ich hatte Frau unb Kinb, der Christian war schon von Kopenhagen aus in Beschlag genommen worden. Ich hatte o» Kargadeur noch zweihundert Taler Spezies zu fordern, es tonnte aber Jahr unb Tag barauf hingehen, ehe sie zahlbar mürben, hatte der Rechts- anwalt in Kopenhagen gemeint. Mein bares Geld betrug nicht v.el uver „Ach Martin," sagte sie dann, „Gott sei Lob unb Dank, daß du wieder hier bist, nun wird auch alles noch wieder gut werden," M) Insel vor Gothenburg, I brannt. Vorstadt von Gothenburg, am Hasen, i ~ (Fortsetzung folgt.) ____ Derantwörtlich; Ör, tzans Lhyrivi. — Druck und Verlas; Drühl'sch« UniversttütS-Buch» und Gtstndrucksrsl, R. Lang«. ; fünfzig Taler Spezies. „ ., . „Hat Schwank jeden Monat prompt bezahlt? sagte icy zu Lott» „Der letzte Monat ist jetzt fällig." „Nein," sagte Lotting, „er hat sich, M du abgereist bist, nicht ein einziges Mal bei mir sehen lasten. „Was?" sagte ich und legte die Feder nieder, mit der ich mir R» tuen machte, „was? Nicht sehen lassen? Keinen einzigen Termin IE gehalten? Ist er denn nicht mehr beim Zollamt unb hier in ber otow. „Ja, bas ist er. Unb er ist ein so feiner Gentleman geworden, I kennst ihn gar nicht wieder. Vier Wochen, bevor ich mich legte, mn j । ihn begegnet. Da hatte er einen feinen Pelzrock an unb gmg mit 3» i Leutnants von ben Husaren unb einen Schnurrbart hatte er s'-y « ; stehen lassen, und er sah aus wie ein Baron. Ich sah ihn recht gut, w ; er tat fo, als wenn er mich nicht kenne und ging steif an mir w tu; vuu, «..»»» SIV“"1-.-'; ' UN öUUckiok „in Ii"nd fo dicht, wie du nun bei mir sitzest. Zur Kindtaufe, dachte ich, muh macht. Klein Hansmg tat Eer Mutter den Gefallen und fdjlief,em. Unb , ' a/lrf) einlaben- unb Pastorstante meinte das auch, well er doch als sie mir den Tee emfchenkte und fo vor mir stand da erM«n sie , gj/eunb ist. Er hat nicht zugesagt unb nicht abgesagt, gekommen mir viel hübscher, als fie le gewesen wa^und ich fühlte mich wieder ein- । a(^r nld)t Unb bann hat auch Doktor Larssens Frau, mit bet H mal fo behaglich unb gesichert, wie im Märchen ber Junge, der vor dem jante bekannt bin, erzählt, daß er immmsr in Miiani« Kondiw Pfannkuchenberge stand. Wind und Wetter, Regen und Sturm, Leck und bovt abends mit den Offizieren hoch spielt und daß dort AB«» Havarie, alles war mit einem Schlage vergessen, als ich so bei meiner ’ » lmb manchmal hinterher auch die TheaterprinzeM f Lotting auf bem Sofa saß. — Wenn aber bie Katze bei ber Sahne sitzt, 6 ,/ müffen." kiv6 ist die Köchin nie weit. Ich zog Lotting dicht an mich heran, sah ihr so g b ( , ia tmnurrige Geschichten; darnach muß ich mich i> recht tief in die hellblauen Augen und wollte ihr gerade so einen richtigen ( °msehen." Ich suchte «iso den Monsieur Niedlich «u konnte » Kuß auf das Plappermäulchen drucken. Da seufzte st« aber so tief auf, ^"r nicht zu Hause antreffen; sein Wirt jagte, vor zwei Uhr kchm « als wenn sie noch etwas auf dem Herzen Jä t«, was erst herunter müßte. r Nachts nach Hanse, manchmal aber auch gar nicht, und die M» ‘ ' "• “ ‘ ' ■” ! wäre er ihm auch schon feit zwei Monaten schuldig sieblieben. Sch WA ; ihm also ein kleines Billett, in dem ich ihn recht deutlich an seinen j schlag erinnerte, bekam auch am nächsten Tage die Slntrmirt, , wort hat sich mir mit glühenden Buchstaben in mein Kedüch