Siebener ^amilieiiblörter Jahrgang <928 Kummer 9( Unterhaltungsbeilage zum Gietzener Anzeiger Dienstag, den November *n. inen, da ier beim c$t n* »Fröhlichen Buch" mm Avenarius, herausgegeben vom lNvart, Verlag von (Z. 2). W. Callwey in München. ' allem den Leuten das vollendete es schlechter geht, als ihnen selbst. Dieser An- i tn_ unzähligen Ö. , . - . • ™-.: u— i—”- darüber anders „leb oder ein Mörder auch den letzten Rest des die junge y '"2" a*:™» V "»»»I vci t-uie eigei jacht besitzt, noch weiter den Kopf zu zerbrechen, ist ja sinnlos dtau Hilda die sich für Geschäftliches nicht im mindesten interessierte wußte ihrem Gatten Dank, daß er sie mit allen Erzählungen über seine Lransaktionen verschonte. Johnny hatte niemals auch nur einen Schein i immer gut gelaunt, genußfreudig, trotz seiner fünfzig öahre in seinem Wesen jung und unverbraucht und machte, seiner vornehmen Erscheinung wegen, überall, wohin er tarn, eine gute Figur. Rcui Nicht iichiskrct sein. Bei solchen Leuten stellt sich dann ost heraus, daß sie mit Speisefett handeln. Dergleichen hätte Hilde nicht ertragen Lazu war sie zu sensitiv. 'Außerdem war sie eine geborene Eagle. Und die .^H.^'llb beiaimt dafür, daß sie lieber sterben würden, als sich gesell- Msmch deklassieren. Schließlich ist noch der kleine Foxterrier Darling zu erwähl chm eine wichtige, ja entscheidende Rolle zugefallen ist. Darling, dl eigentlich die Verpflichtung übernommen hatte, Hilda zu lieben, s j ^om ersten Tag an eng an Johnny angeschlossen. Und das eben war das Verhängnis. „Wohin? fragte Johnny, als Hilda am Abend mm Ausa-b-n „„ g^ogen, an seinem Schreibtisch vorbeistürmte ' 3 U 9 n alt »Fort aus dem Hause." ,L>hne Sachen?'" liche'?Nspnlng"^ irgendeinen Gegenstand mitnehmen, dessen erbarm. MÄr “m' 3*"’ «* ** •“ «f m«Ä SStoSre** •*“ d» - »-> «* an». °u, M. Ich Kumpanerz. Von Richard Dehme l*). ,ßaus> «in Floh und eine Wanze setzten sich an meinen Tisch. d Sprach der Floh: Brüderchen, tanze! Hoppla! frisch! Sprach ich bald: Ich kann nicht tanzen So wie Sie, Herr Floh! Sprach das Fräulein von den Wanzen: Klettern Sie mal Stroh! Sprach ich gleich: Wer kann strohklettern So rote Sie! Sprach der Lauserich: Entblättern Sie mal Schinn, hihi! Sprach ich: Ihre Kunst! wer könnte Die wohl ebenso! Sprach ich. Und die dreu Talönie Waren seelenfroh. Der Bettler Sheldon. Groteske von Walther Rissen. Die Sache spielt in der Filmstadt Los Angeles. Aber das führt irre. ‘"nirfu“ Frühstückswein getrunken, in mäst ausschüefzlich umgestiegen wird, so geschehen in Los Angeies ab und zu Singe, die mit dem Film nichts zu tun haben. Ganz ÄirfÄ phantastische Welt des Films scheint allerdings die Geschichte von Herrn und Frau Sheldon nicht zu sein. „ ff$n Villenvorort von Los Angeles lebt also auf seiner wundervollen Besitzung Herr Johnny Sheldon, von dem jedermann weiß, daß er unmenschlich reich ist. Viel mehr weiß allerdings niemand von ihm, auch "* rau nicht, mit der er seit einigen Monaten verheiratet ist. nicht genug? Sich über einen Mann, der eine eigene Motor- ItAm Sam (y m Z ,.. ..f. X ... • rt • I-- , v "Und ihr Heros sollte wohl der Bettler sein ...!" | f’’, unerfindlich, warum eine moderne Frau überhaupt einen fe daß sie Lackschuhe beucht, seiN Unter" wajche, Eombinations, Hautcreme — aber einen Heros??" ZU dem wir in irgendeiner Beziehung auf. blicken können, den glanzenden, überlegenen, kämpferischen Manu ..." ! cg --Bleiben wir auf der Erde. Du kennst doch eine Menge verheirateter I Frauen — welche Frau hat einen solchen Mann? Das find alles Leute Geld zu mn^Tn.®eb“n e" f)Qbcn: auf dem denkbar kürzesten Wege immerhin ein ganz guter Gedanke." ^.."R'cht'g. Aber ich fand, daß alle diese kurzen Wege noch immer UN- । S-beure Umwege sind. Um das Geld aus anderer Leute Taschen in die eigenen zu leiten, erfindet man die großspurigsten Borwänd^ Man Wom'E Läden auf, studiert irgend etwas ... . Ich finde, es »st einfacher und ehrlicher, den Hut aufzuhalten Außerdem erzielt mcm so mit dem geringsten Energieaufwand das größte I PrLme ifk" Zcd,nitCr toirb sagen, daß öies.das Problem Lr Frau Sheldon zuckte verächtlich die Achseln: „Kein Mensch dar? neb. men, ohne zu geben. Sonst ist er ein Schmarotzer." ' ’ „D^, >4Lebe sehr viel! Ich gebe vor allem den Leuten dos Bild eines Menschen, dem es s» blick erhebt sie, erfüllt sie mit ßt »Es gibt soviel echtes Elend! „Ja, aber je echter es ist, desto weniger echt sieht es aus. Cs ist ja auch klar: einer, der m Sorgen und Kümmernissen ist, hat gewöhnlich anderes zu tun, als den besorgten und bekümmerten Mann zu spielen Das s-nd zwei ganz getrennte Dinge. Betteln aus Rot lehne ich grünt).’ s'dch ab. Das ist eine üble Beschäftigung, die in diesem Falle wenig eintragt, em Martyrium für den Ausübenden ist und eine Belästigung der Allgemeinheit. Em Land, in dem es Menschen gibt, die aus Rot artteln muffen, ist kein zivilisiertes Land, und wenn es die besten Bmer der Wett hervorbringt. Etwas ganz anderes aber ist es: Bettler fein aus innerem Beruf und aus Ueberzeugung." Höhnisches Lachen Hildas. „Du würdest das weniger komisch finden, meine Liebe, wenn du ae- b'ldet genug warst, zu wissen, daß es Mönchsorden gibt, deren Mit- glleder auf Grund religiöser Vorschriften ihren Lebensunterhalt durch Betteln verdienen. Und du wurdest weniger verächtlich von dem geistigen Niveau der Bettler denken, wenn du wüßtest, daß Homer der berr itb*e griechische Dichter, ein blinder Bettler gewesen ist Glaubst du Hom« wäre nicht ebensogut wie jeder andere imstande gewesen, ein Haarwuchs- mittel zu erfinden, es geschäftlich auszubeuten und es so „zu etwas zu bringen? Er wollte einfach nicht. nrf.",VMi)ieneI! tSa,3 *leJlnft du verdienen?! Pfui! mich ekelt deine Nübel LLzu7Znkn"^'". 606 ** &aS liebe® anW”bir * au5mad>t- lassen wir diese Tone und sprechen „Es gibt eine Grenze, jenseits der man nicht mehr sachlich k-in T freien! Aber schön, ich will es verfuc^enT aufrichtig gesagt, neugierig, ob dir überhaupt Worte zur Verfügung stehen dem unsagbares Tun zu verteidigen." 3 raors^Una i u?uss "ss bemerken, daß du niemals gefragt haft woher das eld kommt, mit dem du deine Luxusbedürfnisse bestritten hast' " r»Än-- »ich! -»i «SU«. '«.9lbt 65 ,benn. Überhaupt etwas Elenderes! Ich würde dir wahr, wel-n rvenn du Mitglied einer Diebesgesellschaft gt- roefen warest Zum Stehlen gehört immerhin Geschicklichkeit Geistesaeaen. Ejp°/^ulicher Mut, unter Umstünden Kraft und Entschlossenheit^ * , ."(Sine sehr verhängnisvolle Ideologie, Hilda. Die Romantik mit der du und deinesgleichen das Verbrechen umgeben, die erzeugt mU 0er 0,1 galten das Verbrechen erst. Die zivilisierte Frau sollte i beuten. Für sie sollte ein Dieb oder ein Mörder auch den i in Emes Aachmittags fuhr Hilda in ihrem Dogcart — die Sheldons find f-e nicht mehr Auto zu fahren brauchen — in den Park, ^eben ihr, die Rase m der Lust, Darling. Hinter ihr ein Groom, Johnny ■ar wie gewöhnlich im Bureau. Im Park stiegen Hilda und Darling aus Zu Fuß nach dem „Techaus", dem eleganten Cafs der Stadt. Plötzlich reißt sich Darling von der Seine los und stürzt wie rasend ui einen alten Bettler zu, der gebückt und weißhaarig am Wege steht n® Hut, der halb mit Dollarscheinen gefüllt ist, aufhält. Springt brmni -L6? *5? l^m in bi« Höhe. Beachtet die Zurufe seiner Herrin über. ^Etter gibt dem Hund einen Fußtritt. Hat gar keine fiith ' rnr“n9 'st durch nichts an seinem Freudentaumel zu verhindern, tomn-e s *ommt heraus, faßt Darling indigniert am Halsband: das «tunhm?°ro'lIDe’xn, mnn sich nicht Über die Familie eines solchen Hundes wissen, von was für kleinen Leuten er abstammte. #5 Ä stutzt sie vor einem Blick des Bettlers. Ihr Herzschlag setzt rtnf’ ' ,, ,i?ver Bewegung reißt sie dem Mann seinen weihen Bari her- -uer. p.„d vor ihr steht ... •nein, das sage ich nicht. Noctambule. Eine Legende um Ninon de Lenclos. Von E. M. A n b e r f e n. Ninon de Lenclos, eine durch ihre Galanterie bekannte Französin, geboren am 15. Mai 1616, gestorben am 17. Oktober 1706, erlangte bet ihrer Schönheit ihrem Witz und Scharfsinn eine gewisse Berühmtheit — so meldet sachlich und trocken das Konversationslexikon. Es bericht^ noch etwas mehr, und zwischen den wenigen Zeilen läßt sich ein ganzer Roman ^“Tnur natürlich, daß sich um Ne .P»j°nlichkeit einer so schönen und geistvollen Frau, die sich ihre Schonheft bts in chr hohes Alter hinein erhielt Legenden spannen, die alle das Geheimnis dieser sprichwoiiltch gewordenen Schönheit zum Inhalt hatten, und eine der ausführlichsten ist die Geschichte von Noctambule. Schon bei Lebzeiten der schonen Olmon raunte man davon, daß diese wunderbare Jugendfrische der bereits Acht- Mähri^en unmöglich aus natürliche Weise zu erklären sei, und man war nur xu leicht geneigt, das Himmelsgeschenk dieser Schönheit als eine Teufelsgabe anzusehen. So fiel die Legende von Noctambule, die eines Tages aufkam, auf vorbereiteten Boden, verbreitete sich mit rasender Geschwindigkeit und kursierte eine Zeit lang in allen schöngeistigen Pariser "Weil ich den Leuten nicht sagen kann: Mein Mann steht an der und der "Straßenecke und empfängt Almosen." .. Ich sehe das nicht recht ein. Erfolg ist alles. Man wurde sich vielleicht vor"meinem unleugbaren Erfolg ebenso neigen, wie vor.^em anderen Erfolg. Wenn es dich übrgiens gernert, brauchst du ja bloß S"sagen, mein Mann ist Grundstücksschieber oder, mein Mann ist Wucherer. Nein Johnny, ich muß mich von dir trennen. Ich ertrage es nicht, meinen Müßiggang einem Müßiggänger zu verdanken. Das einzige Entgegenkommen, zu dem ich nach deinen Aussuhrungen bereit bin, ist, daß hfjÖ dir nicht die Schmach antun will, mit leeren Händen dein Haus zu verlassen. Ich werde all meine Kleider und «chmucksachen mftnehmen. Voll Dankbarkeit küßte Johnny seiner Frau die Fingerspitzen. nicht aus In der Regel ist ja der „Verdienst" so eine Art von Sündengeld, auf dem die Last eines schlechten Gewissens liegt. Man glaubt nebenbei auch bei jedem Pfennig, den man ausgibt, das Quarren der Tretmühle 3U ^Mer du wirst doch wohl einsehen, daß ich trotzdem deine Frau nicht mehr sein kann!" „Und der Grund?" Ich stehe an meiner Straßenecke als eine Art von Opferstein. Für die Keinen unb Gütigen, die sich nichts vorzuwerfen haben, sur die stehe ich nickt da Zum Glück sind das nur wenige. Ick stehe da für die vielen, die irgend etwas auf dem Kerbholz haben: eine schlechte Tat, em unsauberes Geschäft, den Verrat an einem Freund oder an einer Frau. Die greifen in die Tasche und kaufen mit ihrer Spende ihre verdammte Seele vom Teufel zurück. Natürlich betrügen sie dabei auch noch den Teufel nach allen Regeln der Kunst. Der Betrag, den sie mir in meinen Hut werfen, steht meist in gar keinem Verhältnis zu den Hochgefühlen, die sie sich damit verschaffen. Nicht ich also habe ihnen zu danken, sondern sie mir. Aber welch entsetzlich unwürdiges Leben, Johnny! . re. "Kann ich nicht finden. Ich stehe ruhig in der «sonne, ganz un Ein- tlana mit nur selbst — ich finde das Leben der rasenden Menschen um tnicf)Sviel entsetzlicher, viel unwürdiger. Hast du dich übrigens je über mich $U ?,Nem^Mir"scheint aber die vornehme Leichtigkeit, mit der bu nur fortgesetzt die größten Geschenke gemacht hast, nun völlig unbegreiflich lwuy£l J; - o M . .'ac.f. «x mit [n rhnrmnTirpr weite Als Mademoiselle de Lenclos achtzehn Jahre alt war, so erzählt die j Legende, „kam eines Tages ein Unbekannter in ihr Haus und verlangt^ ! ohne seinen Namen zu nennen, das Fräulein zu sprechen. Ninon ließ 1 ihn mit dem Bemerken abweisen, daß sie ihn nicht empfangen könne, weil I f'e ^Jch^welh^ daß Mademoiselle allein ist", antwortete der Fremde der .Zofe die ihm den Auftrag ihrer Herrin ausrichtete. „Sagt ihr daß ich ihr Dinge von höchster Wichtigkeit mitzuteilen habe und daß ich sie un- bCi>aniüfferMiber diese Dringlichkeit, gab Ninon Befehl, den Unbekannten vorzulassen. Er wurde in das Zimmer geführt und das Fraulem fah sich einem kleinen, ältlichen Manne gegenüber, der tn em schwarzes Wams gekleidet war und abschreckend häßlich ausschaute. Auf weißen Haaren faß eine schäbige Kappe und in der Hand hielt er em leichtes Stäbchen, aber seine Augen strahlten ein seltsames Feuer aus, dessen Kraft man sich nicht leicht entziehen konnte. Mit großer Höslichkeit verbeugte sich der fremde, bat, daß das Fräulein die Kammerfrau aus dem Zimmer schicken möge, ba er nur mit ihr allein zu reden hätte, und nach kurzem Zögern willfahrte Ninon der Bitte. „Mein Besuch soll Euch nicht erschrecken, Mademoiselle, nahm der Kleine das Wort, „wenn mein Kostüm auch nicht der Mode der Gegenwart entspricht, was Euch gewiß beunruhigt hat, so habt Ihr doch nichts zu fürchten. Im Gegenteil: hört mich ruhiauud aufmerksam an, denn Ihr seht, so unscheinbar ich auch wirke, einen Mann vor Euch, dem die ganze Erde gehorcht und der alle Kräfte der Natur beherrscht. Ich bm gekommen, um von Euch zu erfahren, auf welche Weise ich Euch einen Dienst erweisen kann. Ihr seid jung und schon, bie Psorten der Welt werden sich vor Euch öffnen, und nichts hindert Euch, bie gesuchteste und glücklichste Perfönlichkeit des Jahrhunderts zu werden. Ich biete Euch nun drei Dinge an: Bedeutend, unermeßlich reich ober ewig schon zu sein. Wählt von biejen dreien, was Euch am besten gefällt und seid überzeugt, bah es keinen Menschen außer mir auf bieier Erbe gibt, der Euch ähnliches zu ki^Sie Grandezza des Alten machte Ninon lachen. „Wahrhaftig, Monsieur, ich bin davon überzeugt, aber die Herrlichkeit Eurer Gaben ... Jbr solltet klug genug sein, Mademoiselle," unterbrach sie der Fremde, einen Mann, der Euch unbekannt ist, nicht zu verspotten Wähll, wie ich schon sagte, von den drei Dingen, was Euch am besten gefallt, aber wählt raick ick kann Euch nur einen Augenblick Zeit lassen. Ninon die alles für einen Scherz hielt, besann sich nicht lange und antwortete: „Ich brauche nicht lange nachzudenken, mem Herr, und wenn Jbr mir die Wahl laßt, bann gebt mir bie ewige Schönheit. Aber sagt mir was muh ich dazu tun, um eine solche Köstlichkeit zu gewinnen. Der Kleine kam näher und reichte ihr freundlich eine 3Safel. „N chts weiter," sagte er, „als Euren Namen hier aufzuschreiben und mir strengste Verschwiegenheit gegen jedermann in bie Hand zu schworen. „ Wenn es weiter nichts ist, so gebt her, bas ist schnell getan , ent- aeanete Ninon, schrieb ihren Namen auf die Tafel und erhielt babei von bem Alten einen leichten Schlag mit der Gerte auf bre linke Schulter. Mit einer gierigen Bewegung nahm ber Kleine nun bie Unterschrift aus chren Händen, verbarg sie in seinem Wams und sagte: „Das genügt, um ffnrh bv> eroiae Schönheit zu sichern und alle Herzen zu gewinnen. Ich ged?Euch die Atachr, alle Menschen zu bezaubern, das schönste Borrecht, bas eine Frau hienieden besitzen kann. Seit sechstausend Jahren durcheile ich die Welt von einem Ende zum anderen, und ich fand auf der Erde nut wer Frauen, welche dieser Gabe würdig waren: Semiramis, Jelena, Cleopatra unb Diana von Poitiers. Ihr seid die fünfte und die letzte, der ich ein solches Geschenk übergebe, und Ihr werbet allezeit jung bleiben, allezeit liebenswürbig unb angebetet. Ihr werbet von jebem -Nonne be> aebrt unb von allen geliebt werden, die Ihr liebt. Eure Gesundheit wird unanfechtbar fein, Ihr werdet lange leben, niemals ackern, und noch die Nachwelt soll rühmend von Euch sprechen. Und nun habe ich Euch alles aesaat Mademoiselle, es wird Euch wie Zauberei erscheinen, aber ftelU keine Fragen ich kann sie Euch doch nicht beantworten. Ihr werdet mich nur noA ein einiges Mal in Eurem Leben Wiedersehen, und dann werdet Jbr nur noch drei Tage zu leben haben. Und damir Jhr meiner nicht ver- geßt, will ich Euch meinen Namen nennen: ich heiße Noctambule. Bei diesen Worten verschwand er unb ließ bie löblich erschrockene Jinon allein I ,U C Sie Erfinder dieser Geschichte fügten nach bem Tobe der schönen Ninon I nod) einen Schluß hinzu unb behaupteten, bah der seit ame, schwarzge» kleckete Alte tatsächlich drei Tage vor Ninons Tobe wieder auftaudjte, I fick in das Zimmer ber Schlafenden einschlich, die Vorhänge vor ihrem | Best zurückzog unb sie weckte. Sie erkannte ihn sofort, erbleichte und I (X e auf D°r Kleine aber wies ihr die Tafel mit ihrer Unterschrift, und I -be er das Ammer verließ, rief er ihr mit schreckenerregender St,mm- I zu: „Deine Zeit ist um, Ninon be Lenclos. Der dir bie ewige Schönheit I gab, war der Teufel." . ! Man erzählte sich, daß die schöne Ninon nach ihrem Tode so furcht» | gar unjj abstoßend ausgesehen haben soll, daß niemand sie ohne Grauen amusehen vermochte Aber auch das ist eine Legende, die ihre Entstehung ebenso wie die der vorangegangenen Geschichte, dem Neid und der Eifer- I -„X nDn der Natur weniger reich Beschenkten verdankt, denn der I Mensch glaubt leider von seinem lieben Nächsten stets leichter das Bost I als das Gute. Weibliche Briefgenies. Don Dr. Hedwig Fischmann. Manckmal ist es, als steige aus alten, vergilbten Briesen, die ein wunderliches Finderglück uns in die Hand spielt, ein feiner H=roe Dust lege sich leise wie das Streifen einer fernen Frauenhaick geniale deutsche Briefschreiberin, die sich >hr.lebelang wie mitten in einer großen Einsamkeit gefühlt hat wußte 9b Deutsch sie ihre persönlichsten Briefe in ihrem, ganz "ur 'hr 3 goiutter« I schrieb unb es weit von sich wies, wenn andere Deutsch. l „ ober I spräche so verachteten, bah sie unteremanber nicht >n b . UItoer- schreiben wollten. Barum Jinb auch ihre Briefe ^as unvers sich , schönte Spiegelbild ihres Selbst, unb sie konnte mit Rech ., > Reden 0e‘ benen Worte von ihnen sagen: »Wenn Euch gar nat ck ( „ ynher% fallen, fo munbert’s mich nicht, daß Ihr gerne mein jch a»ch als ich gebente, kann ich mein Geben nicht sprechen, drum t » gar nichts hier im Land." Ci nalitc mutic persö unb ßebei den 5 Aneki sinnst mit i sei es eigen „liebi unen Bries inner Betti D ja W ber i Car Zent Frie! glaul Geist Rha, Brie' strick' Dielg bcmi hochi crirä 8(ugi Echo berfe zum Q fülle ber eine« gehn eine: spen tepp Brie sie c lichst Brie ( sich Dr, Hem lebe un(e müt bäui Dich zu i Beb etwi Sch! daß Sri' rati do! am ich ich Wc Brr vor zück Dai tarn aus Tri ber dies jem em; ben mö Ku Ges gen Ers aus tun fön ber Uni toi Eine verwandte Atmosphäre der Natürlichkeit und urwüchsigen Originalität, durchsonnt von warmherziger Güte, reicher Mütterlichkeit und anmutigem Humor, lebt in den Briefen der Frau Rat Goethe. Welch persönlicher Zauber entquillt jedem, auch dem kleinsten Billett ihrer Hand, und wie dramatisch und lebensvoll weiß sie die großen Szenen ihres Lebens, etwa den weithin ragenden Höhepunkt ihres schlichten Alltags, den Besuch ihres Hätjchelhans und seines Fürsten zu schildern, wie köstlich Anekdoten und kleine Histörchen in ihre Berichte zu verweben! Wie feinsinnig stimmt sie jedes Schreiben auf den Empfänger ab, sei es, daß sie mit ihrem lieben Sohn Lavater im Ton der empfindsamen Seelen spricht, sei es, daß sie mit Fritz von Stein nach fröhlicher Jugend Art aus ihrer eigenen unverwelklichen Jugend heraus plaudert oder in Briefen an ihre „lieben Enkeleins" ganz gütevoll sorgendes Großmütterchen ist. Und die unendliche Anpassungs- und Wandlungsfähigkeit dieser Frau, die ihre Briefe widerspiegeln, findet auch die Brücke in das ihrer eigenen Klarheit innerlich wesensfremde Land der Romantik, die sie liebevoll in dem Kinde Bettina an ihr mütterliches Herz nimmt. Die Romantik — das ist die hohe Zeit der weiblichen Briefgenies, wie ja Wilhelm Scherer dieses Wort gerade für jene Frau geprägt hat, in du die Seele der Romantik ihre reinste Inkarnation gefunden hat: für Caroline, die als Gattin August Wilhelm Schlegels das belebende Zentrum der älteren romantischen Schule gewesen ist. Wenn einstmals Friedrich Schlegel der angebeteten Frau schrieb: „Ich habe immer geglaubt, Ihre Naturform — denn ich glaube, jeder Mensch von Kraft und Geist hat seine eigentümliche — wäre die Rhapsodie", so entströmt eine Rhapsodie, bald jubelnd, bald leise verhallend ihren unvergänglichen Briefen, die ihren wirren Lebenspfad begleiten. Sie lassen uns den bestrickenden Zauber ahnen, der einst im persönlichen Umgang von dieser vielgepriesenen und vielgeschmähten Frau ausgegangen ist. Frei von jener bewußten Selbstbespiegelung und Seelenzergliederung der Zeit, die die hochgerühmten Briese der geistreichen Rahe! Levin heute so unerträglich machen, sind sie stets der unmittelbare, lebensnahe Abdruck des Augenblicks, der sie geboren. Und wie von selbst klingt bei jeder leisen Schwingung ihres reichen Seelenlebens die verwandte Saite einer wundersam anschmiegenden Sprache an, vom neckischen, graziösen Scherz bis zum schneidenden Weh der schmerzensreichen Mutter. Eine andere Welt, aber reizvoll und lockend in ihrer Widerspruchssülle gleich jener Carolinens, rauscht und raunt in den vieltönigen Weisen der Bettinaschen Herzensergüsse. Aus Wahrheit und Dichtung von einer überreichen Phantasie bunt durcheinander gewirkt, aber zusammen- gehalten und beherrscht von dem dunkel schimmernden Goldglanz einer Begeiperunasfähigkeit ohnegleichen, deren licht- und glut- spendender Gott Goethe geheißen, so breitet sich der Märchenteppich, über den dieses ewig kindhafte Wesen geschritten ist, in ihren Brielen vor uns aus. Aber dies Kindhafte, Naturhafte ihres Seins knüpft sie auch zugleich mit innigen Banden an die Natur selbst, deren heimlichste Regungen sie versteht, in sich nachtönen läßt und dann in ihren Briefen zum Wiederklingen bringt. Gleicht Bettinas Wesen einem überschäumenden Becher, der willig und sich befreiend bei jeder Berührung überquillt, so löst sich A n n e t t e v o n Drostes herb verschlossene Natur nur schwer aus den Banden innerer Hemmungen. Aber aus den unmittelbarsten Zeugnissen ihres Innenlebens, aus einzelnen ihrer Briefe, weht der heiße Atem einer selig- unseliqen Leidenschaft, die sie in qualvollem Ringen in dem Gefühl mütterlicher Freundschaft zu ersticken strebt, und die lebt und sich aufbäumt und nicht sterben will. Und daneben jene Briese, in denen diese Dichterin die den leisesten Stimmen der Natur mit überfeinen Nerven zu lauschen vermag, ihr tief eindringendes Erleben einer Landschaft, eines Beleuchtungseindruckes mit so hinreißender Unmittelbarkeit mach wie etwa in einem Schreiben aus Eppishausen an ihren blinden freund Schlüter oder in der Schilderung des nächtlichen Parkes von Ruschhans, daß sie diese Gegend wie mit einem Zauberstaub vor uns hinstellt — Briefe, die sich den naturbeseeltesten Dichtungen im Umkreis unserer Literatur ebenbürtig zur Seite stellen. Karg an Zahl nur sind die Briefe, die uns von M a t h i l d e W efe n- doncks feinen, gütigen Frauenhänden überkommen sind; aber m auchzt und schluchzt eine opferfrohe Weibesseele. „Mein ganzes Sein fühlt ich geadelt, mit Ihnen leiden zu dürfen!" Wie ein wehes Leitmotiv zieht ich dieses Entsagungsglück durch die Briefe Mathildes an Richard W a g n e r. Sie fühlt sich ganz als Geschöpf ihres Meisters und will wie Brünhilde nichts als Wotans Wille sein: „Ich sah die große, reiche Welt vor mir, die Sie dem Kindergeist erschlossen, mein Auge hmg mit Entzücken an dem Wunderbau, Höher und höher schlug das Herz vor innigem Dankqefühl, und ich fühlte, daß mir nichts verlorengehen konnte! Solange ich atme, werde ich nun streben, das ist Ihr Teil. Uns aber steigt aus diesen Blättern, in denen leise vernehmbar die traurige Mar von Tristan und Isoldes Liebe mitschwingt, die Frage empor: Wer war hier der reicher Spendende, wer der Beschenkte, der gepriesene Meister oder diese in Hellen Begeisterungsflammen sich verzehrende Frauenseele? Seit den Tagen, da in dem vereinsamten „Asyl am grünen ijügel jene sehnende Frau trauernd gewandelt, ist eine andere, eine neue Welt emporgekommen. Unser Zeitalter mit seinem fieberhaften Tempo, mit den technischen Fortschritten des Telephons und den raschen 'Berkeyrs- möglichkeiten von Ort zu Ort hat den Brief, zum mindesten den Brief als Kunstwerk, getötet — so lautet eine der Anklagen, die die Lobredner des Gestern gegen das Heute erheben. Nun, die wahren, die geborenen Briesgenies waren ja alle in allen, selbst in den schreibfrohesten 3e*ten feltene Erscheinungen. Daß sie aber auch jetzt noch in begnadeten Nachfahren aus Erden wallen, das wird sich erst deutlich erweisen, wenn ,ene Dokumente, die heute noch wohl behütet in den Schreibtischen ihrer Emp- sänger schlummern, einst ans Licht des Tages treten werde"- Wo dies bereits geschehen ist, da chimmert vereinzelt ebenso köstliches Gestein Unter viel Geröll wie in früheren Zeiten. Es fei hier nur auf M al- wida von Meysenbugs bis in unser Jahrhundert hinelnragenden reichen Briefwechsel hingewiesen, aus dem die unerschöpfliche Liebesfüll« blefer tapferen Lebensstreiterin so warm und ungebrochen hervorleuchtet. Rein, wahrlich, das Ende der Briefkunst dämmert noch nicht herauf. Und wandelt die Frau von heute auch auf neuen Wegen, die alte, ihr ureigene Kunst bleibt ihr unverloren. Das Thsaterstüär des Rundfunks. Bon Frank Warschauer. Das richtige Theaterstück des Rundfunks wird nicht mehr lange auf sich warten lassen. Das Wort „Theater" kommt ja von dem griechischen Wort für „Schauen", und so ist der Begriff sehr eng mit der Sinneswahrnehmung verbunden, auf die der Rundfunkhörer vorläufig noch verzichten muß. Die praktische Verwendung des Fernsehens aber, von der wir nicht mehr weit entfernt find, wird darin eine Aenderung herbeiführen. Wenn sich aus einer matten Scheibe im Zimmer eines jeden Radioteilnehmers alle Vorgänge beobachten lassen, die in irgendeinem weit entfernten Theaterraum auf der Bühne vor sich gehen, wenn Klang und Bild nicht mehr voneinander gefchieden fein werden, dann erst wird man im engsten Sinn vorn „Theaterstück des Rundfunks" sprechen können. Aber das wird bann wahrscheinlich nicht an- bers sein, als alles, was sonst auf den Bühnen gespielt wird. Denn bie Bebingungen ber Ausführungen sind ja dann die gleichen, wie sie auch sonst zu sein pflegen. Es bedarf keiner Umänderungen ber bestehenden Stucke, um sie dem Verständnis des Hörers nahezubringen. Wau wird sehen und hören zugleich — nicht viel anders, als wenn man im Theaterraum sitzt. Aber, wie es so häusig in den Künsten ist, gerade die Beschränkung auf das Nur-Hörbare, wie sie vorläufig vorliegt, kann der Entstehung von eigentümlichen, diesen Bedingungen angepaßten Kunstwerken förderlich sein. Auch im Film ist ja etwas Aehnliches zu beobachten. Der stumme Film, den wir zu sehen gewohnt sind, und ber tatsächlich technisch etwas relativ Unvollkommenes barftellt — bie Ergänzung durch den dazugehörigen Klang wird er ja in kurzem im Tonsilm*) erhalten — hat gerade aus ber Einengung auf bas rein Optische heraus seine eigentlichsten Werte entwickelt. Für ben Rundfunk sind bie theoretischen Bedingungen für das Zustandekommen einer neuen Kunstgattung durchaus gegeben, und es ist interessant, festzustellen, wie weit wir in dieser Hinsicht bisher gekommen sind. Man hört oft Theaterstücke im Rundfunk, zuweilen in der Form von Uebertragungen aus Theatern, meist als bejonbere Senbefpiele. Hierbei hanbeli es sich um Bearbeitungen ber vorhandenen Literatur. Was dabei herauskommen kann, wird sich mehr oder weniger dem ursprünglich vom Dichter beabsichtigtenEindruck annähern, ihn ober niemals ganz erreichen können. Von solchen Sendespielen soll hier nicht die Rede sein, sondern von der eigenen Gattung der besonders für ben Rundfunk geschriebenen Stücke, ber Hörspiele. Diese haben ja schon eine kleine Geschichte hinter sich. Als zuerst ber Gebanke auftauchte, bejonbere literarische Gebilde für ben Rundfunk zu schaffen, da wird wohl mancher ben Kopf geschüttelt haben. Aber bie Zeit, in ber man ben Rundfunk als Mittler reiner Kunstwerte fo wenig ernst nahm, ist längst vorbei. Mancherlei Versuche, die damals gemacht wurden, zeigten deutlich genug, welche Möglichkeiten auf diesem Gebiet vorliegen, und daß andererseits der besondere Stil, der hierfür der gegebene ist, weil er aus der Wesenheit des Rundfunks folgt, erst gesucht werden müßte. , . , , , r, Das Erste und Notwendigste, dessen das Hörspiel bedurfte, war em Mäzen, und ber fand sich bann auch in den leitenben Kreisen des deutschen Rundfunks, in ber Reichsrundfunkgesellschaft. Aus der Erkenntnis heraus, daß es notwendig war, bie Aufmerksamkeit ber Schriftsteller auf dieses Gebiet zu lenken, und die materiellen Bedingungen für diese Arbeit wenigstens einigermaßen erträglich zu gestalten, wurde das bekannte Preisausschreiben für Hörspiele erlassen. Aber die ausgesetzten Preise sind nicht verteilt worden; dagegen hat bie Runbfunkgesellschaft nach einigen beträchtlichen Differenzen innerhalb des Preiskomrtees eine Reihe von Hörspielen angekauft und biefe Hörspiele damit als besonders bemerkenswert herausgestellt. Sie sind denn auch zum größten Teil an deutschen Sendern aufgeführi worden. Der kritische Beurteiler dieser neuen Hörkunst wird zunächst einmal melancholische Betrachtungen darüber anstellen, was eigentlich innerhalb dieser Form geschaffen werden könnte. Wenn wir nämlich bie vorhan- bene Literatur daraufhin betrachten, welche ihrer Gebilde derart sind, daß sie sich an ben nur zuhörenben Menschen wenden, so findet man eine ganze Reihe von interessanten Fällen, in denen geradezu eine Art des Hörspiels vorausgeahnt zu sein scheint. Daß man besondere Eindrücke erzielen kann, wenn man nur an den geistigsten Sinn, das Gehör, und durch seine Vermittlung an das frei gestaltende Spiel ber Phantasie appelliert — biefe Erkenntnis finbet sich vielfach unter ben klassischen Meistern des Worts. So hat Goethe einmal geäußert, daß er sich ben Shakespeare am liebsten von einer bazu geeigneten Persönlichkeit vorlesen lassen möchte. Es gab auch damals einen Rezitator, ber Goethes Wunsch hätte verwirklichen können: ben Dichter Ludwig Tieck, dessen Vorlesungen von ben Zeitgenossen eine alle Bühnenmöglichkeiten übertreffende Lebendigkeit und Intensität nachgerühmt wurde. Und bei Goethe findet sich denn auch jene merkwürdige dramatische Zwischenform, bie ich geradezu als das vollkommenste bisher bekannte Hörspiel bezeichnen möchte: nämlich ganze Szenenreihen im zweiten Teil des Faust, bie nicht Erzählung finb, und nicht Theater, denn sie gehen über alle irgendwie denkbaren Bühnenmöglichkeiten weit hinaus. Sie fordern die Vorstellungskraft des Lesers oder Hörers auf, das Ungewöhn- lichste, das Bizarr-Phantastische zu erschaffen. Ich denke da etwa an Teile aus dem ersten Akt des zweiten Teils; da erzählt ber Herold *) Daß dieser eine ideale Entwicklungsform des Films an sich darstellt, kann allerdings u. E. heftig bestritten werden. D. Red. folgende Szene als Bühnenoorgang: wie sich die Doppelzwerggestalt — so schnell zum eklen Klumpen ballt — Doch Wunder — Klumpen wird Mm Ei, das bläht sich auf und platzt entzwei — Run fällt ein Zwillingspaar hinaus — die Otter und die Fledermaus ufw. — und an viele ähnliche Stellen. Wir haben hier in dem Herold den Erzähler, den Sprecher, der — es fei das etwas verbrauchte Wort erlaubt — den Zauberstab der Phantasie virtuos schwingt. Und diese yigur, die eines Mittlers, die uns ja im Rundfunk besonders von den Sportübertragungen her gewohnt ist, findet man auch in den meisten Hörspielen wieder. Sie hat bereits dort ihr Lebensrecht, wie die bekannten feststehenden Typen in der altitalienischen Commedia deü'Arte. Aber sonst wird man vergeblich nach einer Einheitlichkeit des Gestaltungsprinzips fahnden. Die meisten Verfasser von Hörspielen gehen zu sehr von ihren literarischen Erfahrungen und Neigungen aus, und knüpfen, je nach ihren Neigungen an das zeitgenössische Drama — wie zum Beispiel der österreichische Dichter Eso kor in seinem Hörspiel „Ballade von der Stadt" — oder auch an den Film an. Freilich scheint dieser letztere Weg, nämlich der, einzelne, rasch wechselnde Hörbilder, aneinanderzufügen, mehr Aussichten zu eröffnen und der Reaktion des Rundfunkpublikums gemäßer zu fein als der Erstere. Zweierlei hat sich schon recht deutlich gezeigt: erstens, daß tragische Stoffe im allgemeinen hierbei besonders schwer zu gestalten'sind. Sie erfordern eine Art der Aufmerksamkeit, die der Rundfunkhörer im Durchschnitt nicht besitzt, darüber darf man sich keinen Illusionen hingeben. Und zweitens, daß hier, mehr noch als anderswo, Einfachheit nottut. Keine komplizierten Handlungen, keine verschnörkelte ober ekstatisch verkrampfte Sprache, wie sie der selige Expressionismus liebte, dessen Schatten noch in manchen Hörspielen auftauchen. Wer an die im Rundfunk gewohnte Art des Sprechens und der Satzbildung anknüpft, ja die dort üblichen Ausdrücke mitverwendet, findet am ehesten den Kontakt mit den Hörern. Und jeder heitere Stoff, jede komödienhafte Wendung mag in ihr auch Tragisches verborgen fein, hat mehr Aussicht auf Erfolg als die schwerfällige Düsternis einer vergangenen Dramenepoche. Ich wünschte nur manchmal, bei einem Hörspiel das Publikum beobachten zu können, jenes ungeheure, notgedrungen stumme Publikum des größten Theaters aller Zeiten. Was gefällt und was mißfällt? Man kann es nur ahnen oder an den Aeußerungen einiger Bekannten prüfen. Und doch gäbe dies erst die wichtigste Grundlage für die weitere Entwicklung des Hörspiels. Aber wenn die Hörer schon stumm sind — mit ihrem Urteil brauchen sie deshalb doch nicht zurückzuhalten: sie mögen nach der Aufführung an die Sendeleitungen schreiben und unbefangen Kritik üben, das kann der 'suche des Hörspiels nur nützen. Staumenergie, eine neue Wasserkraft. Bon Eduard Meie