iert und ' inen, be. BesclM, nmange, ille, daß ■ unserer und be. leschädigi dergrund mitleidig bst wenn 'egs oer. sonstiger ang oer- (Bemüh iichte, ja n Haus- n Mahl. wurden, wrdenen, ■ rztes Dr, lichkeits-j rchtetsten 'N Gegp serer Er- Rührigen ir dieses statistisch e tagtäg, rung zn. n, inten, t Prinzi. iben mit ung ober □erb reitet ine Aus. ntürlichen | >eroegung e braucht ist! Nicht ierte und let. NiÄ eit, niqt nd Chan npsungen nnungen, er Groß. rtelstünd- i im Ab> ich heute über die ehr Qual die Rat- t mit all öerunge» t werde« icr üben es wert- ung nicht meistert, längst als n, i|t für ieroegung arer Seiten und und der ntag, bei alle, dnj ung ner« Msondn kein un> es auch ing, w® limatD fen aus- von g» t>ai D g aus^ ngut der rrtig » nunylni nken dn nentwe- gen der> ipfunberr ,ang M m wen« el derer, diehe» । SietzenerZamilieÄMer Unterhaltungsbeilage zum Gießener Anzeiger Jahrgang 1928 Dienstag, den 12. Juni Hummer 47 Abendständchen. Bon Josef Freiherrn von Eichendorff. Schlafe, Liebchen, weil's auf Erden Nun so still und seltsam wird! Oben gehn die goldnen Herden, Für uns alle wacht der Hirt. In der Ferne ziehn Gewitter; Einsam auf dem Schifflein schwank, Greif' ich draußen in die Zither, Weil mir gar so schwül und bang. Schlingend sich an Bäum" und Zweigen, In dein stilles Kämmerlein Wie auf goldnen Leitern steinen Diese Töne aus und ein. Und ein wunderschöner Knabe Schifft hoch über Tal und Kluft, Rührt mit seinem goldnen Stabe Säuselnd in der lauen Luft. Und in wunderbaren Weisen Singt er ein uraltes Lied, Das in linden Zanberkreisen Hinter seinem Schifflein zieht. Ach, den süßen Klang verführet Weit der buhlerische Wind, Und durch Schloß und Wand ihn spüret Träumend jedes schöne Kind. Dem Sommer entgegen. Bon Hermann Hesse. Da ich heute erwachte und aufstand, hatte das Wetter sich zum Guten sEauen See bestrich ein mäßiger Ostwind mit Melden Ä blc blühenden Kronen der Birnbäume standen frohlockend Jtc°Öenb gegen einen hellblauen Himmel, und lichte Bläue spiegelte Pnnh»rARrU^ne ktr° cs.un« in ben kleinen, schon vertrockneten Lachen der ber Kapelle, die meinem Fenster gegenüber liegt, war der Meßmer mit den Zurustungen zur Maiandacht beschäftigt. Auf dem im- provcherten Zimmerplaß meines Nachbars, der seinen Stall umbauen T?’ leuchtete und duftete in der schon prächtig warmen Sonne froh und festlich das weißlich tannene Birkenholz ,.„Aa oufs Herz, daß mein Ruderboot noch immer winterlich und noch immer nicht revidiert, gestrichen und flott C$1 "ar. Schon mehrfach hatte ich es an schönen, zum Seefahren ver- !Enden Tagen meine Saumseligkeit verwünscht und bitter bedauert, ?arln ?us Trägheit und aus Mißtrauen gegen das Wetter die eine wieder auf ein andermal verschoben. Es war nachgerade 6Ann„ un?,ble Nachbarn, die noch immer mein Schifflein im erstaunt sahen begannen zu grinsen, und sich bedauernd am vorziinehmen """ b"ehfte Zeit, und ich beschloß, die Arbeit noch heute aninrüf^.nrb€n JAn^nJd,Sn bereit, ich brauchte sie nur noch mit Leinöl Sie nrn6 baIb durchzog der scharfe, pikante Oelgeruch das Haus, reinig b Schurze vorgebunden, begann ich das Boot und die Ruder zu I Uub dann zu malen. Wie das fleckte und ausgab, wenn ich den I S;e"-..,br«'te,b saftig, mit Oelfarbe gefüllten Pinsel über die Planken braAfen gackerten vorbei zwei junge Hündlein balgten sich und die mr,rfJn€inen Oelkrug in Gefahr, Kinder kamen und schauten zu. Und -nacydarn, wenn sie vorüberkamen, lachten und riefen: „Also endlich!" aehfi*1L?naS ia ,die modernen Ruderboote jetzt meistens hellbraun oder sireiAo Kanzleimöbel. Aber mein Nachen muß schöner aussehen, ich I ebenin äV" dem alten, traditionellen, feurigen Grün und Hochrot, und ! wein t5,lber Vnb Zubehör. Eine Ruderschaufel muß rot sein oder ganz I (o Frci.h nc uadere r.arbe klingt mit dem Blau oder Grün des Wassers I Ni» ?-?"b lebend- zusammen. schien „""den, fünf Stunden strich und salbte ich mit Eifer, dann I olles lur dresen Tag genug. Noch ein paar Tage, bann wird I Wnaen Unb • 9l°rönet se>n, bann führen wir bas Boot auf einen I fiorner Kühen an ben Strand, und den Kühen werden die I allein uns dann mache ich meine erste Ruderfahrt in diesem Jahre I tounberbnrJJ1 tVUn« cs n,ir‘3 wie jedes Jahr ein Tag voll schweigender, I DreiDm' schw-llender Erinnerung sein. glühend hpis?e 9^hbren für mich notwendig zu einem richtigen Sommer: j genber 9e"’e, schwer brütende Kornfelder, ein hoher, kühler, schwel- I über S.» « wele Rudertage. Rudertage! Ich denke an solche, da I uno Bergen ein glänzend blauer Himmel stand, da die Luft I I HA Zitterte und vor Sonnenwärme das Holz des Bootes knitterte j Tann muß man halbnackt im breiten Schattenhut blendend blanke Ko»' buchten befahren und häufig baden oder schöne Rasten im dickten in»,' .^A AA"en Und ich denke an Rudertage? da ich Lj bedecktem Himme'l i frifefjem Wind stundenlang durch lauter Silber fuhr Huh nm Tn««» ä?gUch AwL Luft" 8 Unb 3U(fenb b''rch die leidenschaftlich erregte. ™ ^a5... »"teÄ'TttWR I Erwarten des Sommers. Schnell ist der sanfte sehnsüchtia blaue 'Trüh ing vergessen wenn der Sommer kommt und ' h?rr"chh wenn Sonne I n,Lj.tinrbc w Liebe und Kampf einander näher sind, wenn die Wärme I wachtiger und inniger, die Regengüsse wilder und wucktiaer hi» ynrt» "ad die Rächte blauer sind. Da strahlen d?e Kaktanien in um I und Pracht ihre weihen und roten Blütenkerzen aus I h° b«r Jasmin in betäubenden Wolken seinen süßen lodernden Dust, da bleicht das (Betreibe, wird schwer und golden u^d lauick I AA0 auI hunderttausend Halmen, da gärt der schwart I n2??;(l®a(rbb” u,nb wirft Mengen von farbigen Pflanzen ans Licht' I fi, Ar Aral ?tte^l heimlich ein glühendes, wildes, berauschtes Lebeiw- steber. Denn der Sommer, der wahre Sommer ist kurz und kaum glänz rauschen die Aehren voller und tiefer“7oi% aud) schon Sichel und Sense und heißer Erntekampf. 9 ermüdUck der ^Ugrünen Waldtal tönt un- ! ermiioil^ oer Kuckucksruf, die Matten reifen rasch zum ersten Scknitt h»r j bEe Klee geilt üppig, und die Saatfelder ttuchttn saft"g g?üü 'Am I A?hrt1i1be ^arx3e^ useiße Maiblumen unter ihren breiten Blättern und auf breiten Felberstreifen blüht der schwefelgelbe Raps. tmn im.Inh vex' der der Mann zum Kinde unb das Leben wieder roirb-. da jeder Tag unerwartet Neues bringt unb jede«- | kleine Wiesengang eine Ueberraschunq unb ein Märchen ist Es aebt dem Sommer entgegen der königlichen Zeit, ben Tage? der Kornreife unb I nen suchten des Gewitters. Wohlan! Ich bin bereit, noch einmal bas I bpI?r«rntAf3j CfIchben und Tage des Ueberflusses und der überschäumen- I K,™ Fracht z« sehen und mochte ich keinen Tag und keine Stunde ver- I Korn'die gierige Sichel'raÜscht?"''' bekränzt und im reifen Bruchsal. Bon Anton Schnack „Reg' de nemme net uff!" Edelstein8^ 0(uf,t abseits wie ein verborgener und^gchüttter Vielen noch unbekannt, vielen aber schon eine jährliche Wallfahrt um sinn und Blut immer wieder an einem üppigen Prunkstück zu entfachen D°- che-"l nach außen zu schlafen, lautlos zu sein, unbetreten unb un ansehnlich aber sein Herz pulsiert als ein Ueberreft aus einem glänzen- ben und Hochsinnenden Leben. gtanzen Oh Fülle des Schönen: Stuckgefüge unb Standbilder, Goldglanz und Adelins, Spiegel und Spangen, Sessel und Seide, Marmor unb Male- rekn, Perlmutter unb geschnitztes Holz, Miniaturen unb Prunkschränke Schnörkel und schneeiges Weiß! «i«|u,tuine, * r.5ß.?rtcl‘ h'er Herzensgeheimntsse? Träume der Schwermut? Intrigen» Schwule des Lasters? Eros unb Wollust? y ®s„ 'st kaum zu glauben: ausgeprägt ist eine männliche Leidenschaft am Künstlerischen. ' Der das Schloß begründete, hieß Damian Hugo Graf v. Schön- born, war päpstlicher Kardinal und Fürstbischof von Speyer Ihm. dem Sproßt,ng aus einem hochentwickelten unb künstlerischen Geschlecht lag der Hang nach Prunk unb Pracht im Blute. Sein Gesicht scheint eine einzige große lethargische Masse gewesen zu sein. Die Perücke seiner Jett rollt halbgrau und auseinanberfaHenb auf seine breiten Schultern Da<- Iett hat ihm ein Doppelkinn gemacht. Hat er zuviel gebechert? Hai er zü stark in Wildbraten und Schweinelenden gewütet? Tastet man dieses Ge- sicht ab: IN einem anderen, in einem demokratischen Zeitalter wäre aus chm ein Künstler ober ein genialer Sammler geworden. Die Augen von Schwarze überschlagen, find groß und klug; vogelhaft durchdringen sie das Gesehene unb zerlegen es in seine Gegensätzlichkeit: schön und häßlich. Um den Mund und um die Nase hat sich ein Zug von Müdigkeit, die von Vogeldreck hinweg. * svtc durchspielt wird, gesammelt. Die runden Bogen der Augenbrauen deuten aus Leidenschaftlichkeit im Denken und Fuhlen hm. Die Sarne »st eine kolossalische Bastion, ein mächtig hochschiehendes Bollwerk des Gedankens, der aus kühler Latinität und Theologie in die üppigen Formen der Kunst drängte. . Um dieses. Drängen zu befriedigen, verschrieb er sich der Askese. Er war so sparsam, daß er dem Nachtwächter nachging, um zu prüfen, ob dieser nicht zuviel Oel für die Lampen verbrauche. Schonborn war Mensch und Mann des Barock, der seine Gefühle und sein wogendes Künstlertum in eine starre lineare Haltung zu unterjochen verstand. Ihm gegenüber steht sein Nachfolger, der lebendigere Christof vo n Hutten, Mensch des Rokoko. Wo jener die Lippe fest geschlossen halt macht er sie wie eine feuchte Frucht auf. Seine Gebärden sind weich und reich Die Gewänder fallen von ihm in breiter und üppiger Verkmtte- rung. Mit strahlendem metallischem Blick hat er sich aufgerichtet: ein Souverän des Geistes, der Kunst und der Lebensliebe. Wäre er nicht zum geistlichen Fürsten bestimmt gewesen, er hätte sich sicher den Frauen untertan gemacht, Flöte geblasen, sich Sänger gehalten, Sonette und Madrigale geschrieben und eine blendende, in Verstecktheiten spielende, Plauderkunst geübt. * Mit langem Schatten gebe ich ihm gelben Licht der Sonne über den Echloßhof. Es dünkt mir schön und hell, daß die Kehlen und Schnabel der Vögel ein Gewirr von Stimmen in die Stille werfen. Die weißen Markisen an den Fenstern sind heruntergelassen: wunderliche und wunderbare Dinge schließen sie ab: Kuppeln, die von Hunderten Figuren belebt'sind, Kerzenleuchter, die im Halbdunkel wie Traumflammen schwelten, Zimmer, von denen das eine das Blaue heißt, das andere das Gelbe; in einem trieben ihren Schabernack die Pagen; in einem anderen wurden die jagenden Herren bewirtet, wenn sie von der Sau- und Hirschjagd aus den psälzischeu Wäldern und den Surnpfgrunden des Rheines zuruckkehrten. Im Mufikzimmer faß der junge Mozart am Spinett und hüpste mit den bleichen Fingern darüber, die Stirne voll Melodien und das Gesicht voll Lauschersinn. Schweigen ist in allen Gemächern und wenn die Nacht hereinbricht, stößt sie auf eine ungeheure Leere, in der eine erstarrte und herrliche Schönheit begraben liegt. In den Spiegeln schwimmt das abnehmende Licht des Nachmittags. Die Säle und Zimmer verschmelzen ineinander, ungestört und unberührt stehen die Stühle und Sessel an den Wänden. Die Halter heben Halbabgebrannte Kerzenstümpse empor. An den Spieltischen hat schon lange keine Hand mehr der Königin Schach geboten. Auf den Parkett- hölzern liegt der Schein, den die Fenster und Spiegel gegeneinander ausstrahlen. Die vielen Augen der Spiegel glänzen; oh welche eitle Lust hatte das Barock und das Rokoko, sich immer ins eigene Antlitz 8U Unten auf dem gepflasterten Hof zogen vor Jahrhunderten die Schloßsoldaten auf, die Reisewagen polterten heraus und herein, Gesandte zogen in diplomatischen Missionen durch das Tor: das Leben war hier konzentriert. Unter der Altane, von niederstürzenden herrlichen Waflerspeiern überblitzt, stand der Schönborn und schleuderte die Kraft und Beredsamkeit seiner Stimme über den Platz. Die Brüstung der Altane ist jetzt besät mit kleinem schwarzweißem Vogelkot, den Stein hat der Regen grau gemacht; wie im Spiel fchnicke ich den leichten keine schönere Situation gesehen. Er ist zu Bruchsal, einer Stadt, viel größer als Aschassenburg, recht schön wieder ausgebaut." Recht schön wieder ausgebaut!" — der Erinnerung bleibt das wundervolle Bild vom Belvedere aus, einer Schönsicht, wo man die Stadt zu Füßen hat, das grüne Meer der Rheinebene und den blauen Bau der pfälzischen Berge. Die Stadt stemmt sich mit brauner und etwas stumpfer Dächerbrust in die Falte von Hugelzugen hinein. Die Höhen sind zärtliche Linien, hingelegt wie mädchenhafte Lenden, auf denen die Bäume Platz gefunden haben, die Gärten hinaufklettern, ein würziger und aromatifcher Wein gedeiht und die Häufer ihre Dächer verstecken. .. , _. ... Man durchschlendert diese Stadt mit vergnügtem Sinn; es ist ge- rode zwöls Uhr und die Gassen und Straßen fangen an, sich zu beleben. Radfahrer, Monteure, Schüler, Arbeiter, Kaufleute, Beamte, alle streben zum Mittagessen, dessen Zusammensetzung man da und dort aus einem offenen Fenster erschnuppern kann: geröstete Kartoffeln und em leckeres Kalbsbrätlein. Die Kirchen summen hoch und voll, die schönste Stimme scheint von den Zwiebeltürmen der St. Pete r skir ch e zu kommen, die der Meister Balthasar Neumann, der weitberühmte Erbauer des Würzburger Käppeles, geschaffen hat. In der Gruft der Peters- kirche sind der von Schönborn und der von Hutten begraben. Aber das herrliche Werk steht als lebendiges Zeugnis ihrer hohen Gedanken und ihrer schöpferischen Tatkraft. Seine Hoheit, mein Kater. Die Ehrenrettung eines vielgeschmähken. Von Dr. Alfred Möller. Als er kam, war er flaumig, zart und hilfsbedürftig. Er taumelte auf der Tischplatte täppisch umher. Seine Augen, klein und grün, öffneten sich nur zwinkernd. Er wußte nicht, daß seine Bruder rücksichtslos in kaltem Wasser erstickt worden waren. Er ließ nur hie und da em feines, Hilfe flehendes Jammern hören, ein zikadenfeines Miauzen. Die ersten Sympathien erwarb sich Grauer! durch feine peinliche Sauberkeit. Er lernte fein WC kennen und bediente sich schon vom nächsten Tage an keines improvisierten mehr. Von der Umwelt hat er zuerst richtig erkannt, wo das große Holz ist, das die Zimmer trennt, wo sich die Türen öffneten. Das Hinausverlangen bestand aus stürmischem Kratzen an den Türfugen, mit deutlich bittendem Miauen. Heute ist längst der Schnallensprung hinzugekommen. Wird ihm die Tür aber geöffnet, bann geht er nicht schnell hinaus, sondern er schreitet „königlich. Nur der nachschleifende Purpurmantel fehlt. Diesen stolzierenden Komgs- fhritt hat er von seinem großen Wüstenbruder, dem Tiger, dem er ver- lüffend ähnlich sieht. Freilich ist er ein Liliputtiger, ein Tiger durch das verkehrte Opernglas gesehen. . Diese Verwandtschast, diese Aehnlichkeit schadet den Katzen vor den vorurteilsreichen Menschen, die den Tiger fürchten und die Katzen verfolgen. Die Menschen, die schon für die Psyche ihres Nächsten nur sehr begrenztes Verständnis haben, beurteilen die Katze nach dem falschen Schein. Ein böser Hund ist zehnmal gefährlicher als die böseste Katze, aber eben diese Ueberlegenheit, die der boshafte Mensch über das kleine, geschmeidige Tier hat, trug ihnen (eit jeher feige Angriffe und Verfolgungen ein. Nichts ist falscher, als die Katze eine Schmeichlerin zu nennen. Schmeichler ist der Hund. Karl v Holtet hat einmal erklärt, warum große Herren sich Hunde halten: weil der Hund der „typische Untertan" ist, der aus jeden Wink von oben achtet. Die Katze ist zum Kriecher nicht geschaffen, sie lebt ihr Geben an der Seite des Menschen, ohne auf ihren Vorteil bedacht zu [ein. Sie kann ihre Siebe nicht anders zeigen, als daß sie feine Nähe sucht. Sie riskiert ohne Fähigkeit zur Berechnung seine Un- gnade durch Eigenwilligkeit. Dem Menschen, der gibt, ohne zu fordern, schenkt sie ihre Liebe. Erzwingen läßt sich bei ihr nichts. D>e Katze ist der schlechteste Menschenkenner, sie wagt es, arrogant zu fein, sie schätzt sich als Gesellschafter höher, selbstbewußter ein, als eitle Menschen es vertragen. Die Katze glaubt nicht, sich seine Liebe täglich neu erringen zu müssen. Sie hat Vertrauen trotz aller Steine, die ihr die Roheit nachschleudert. Brehm bemerkt in seinem „Tierleben mit Recht, daß der Charakter der Katze gut ist, ist sie doch trotz Mer Anfeindungen zutrauliches. Haustier geblieben. Wie wenig berechtigt oft ihr Vertrauen bei der Herzlosigkeit des Menschen ist, zeigen immer wieder Fälle wie der folgende: Eine Frau hatte seit Jahren eine grotze Hauskatze, die sich, zufrieden schnurrend, bei ihr wohl suhlte, wenn sie täglich nur sehr wenig Milch und ein bißchen Kartosfelschalen und - etwas Ofenwarme hatte. Da kam der Weltkrieg. Der Frau 9in9 e5 schlecht, und mit der Verhärtung, die der allgemeine Kampf so überraschend rasch über die „kultivierte" Menschheit brachte, beschloß die verarmte Tierbesitzerin, die Katze zu töten. Da sie aber doch nicht das yerz hatte, die langjährige, anspruchslose Zimmergenosfln mit den klugen Augen mit der Hand zu töten und bann zu essen, so tat si« ms •Brutalere: sie band die sich verzweifelt wehrende Katze in einen Sack um warf den in den Fluß. Als sie nach Hause kam, saß die zum Tode ««• urteilte pritschelnaß vor der Zimmertür. Gibt es ein rührenderes -u« trauen als diese Rückkehr zur grausamen Henkerin? Man kennt vim Geschichten von Katzen, die man aus den Häusern wegschaffte mio viele Stunden weit, ja Tagereisen zurückfanden in ihr Heim. Auch sw Schönherr berichtet in seinen Jugenderinnerungen von solcher hänglichkeit der Katzen an die gewohnte Umgebung. „ _ Grauer! macht Freude schon durch seine Anmut. Mau kann iy stundenlang zusehen; jede Bewegung ist zierlich. Erst Not macht Katz grausam: der Trieb der Verstoßenen zur Selbsterhaltung. Im S) zeigt sich diese Grausamkeit als einfacher Spieltrieb. Genugsam, un hält er sich mit einer Papierkugel als bescheidenem Billard, einem ro den Bleistift, einem Kirschkern. Er spielt mit verteilten Rollen als I eigner Gegenspieler, versteckt einen Kirschkern und sucht ihn dann den kompliziertesten Lauerstellungen und nach dramatischen Mom selbst auferlegter Spannung in kühnem Ansprung mit erregt hasi Die Rückseite des Schlosses drängt sich in den Garten hinein. Er ist nicht kolossalisch wie der Schwetzinger Garten, er ist eine hübsche, grüne Beigabe zum Schloß, ein Stück Grün, in dem man sich ergehen konnte, um das Brevier in der Stille zu lesen. Steinerne Hellebardiere schreiten ins Uebermäßige hinein, Riesenurnen haben den Regen schon vieler Herbste aufgefangen. Männliche und weibliche Statuetten, Symbole für die Jahreszeiten, für Wasser und Luft, tragen die glühende Sonne auf ihren Schultern. Der geistliche Herr jener Zeit ließ ruhig den Sommer und den Frühling ihre Brüste zeigen, fein Sinn war nicht puritanisch und befangen, er liebte auch hier das Freie und Nackte. Denn auch es ist Gott nahe. Das Wafferbafsin hat eine dicke grüne Pflanzenhaut überzogen. Mit trägen und langsamen Bewegungen durchspielen Vlutrücken von Fischen die schmutzigen Algen. Das Ganze: eine süße lichtvolle Promenade, mit einem Gewirr von halbdunklen Seitenwegen, gleich zu Ende, mit Stücken von Verwilderung, durch die jeden Augenblick die weiße und rötliche Front des Schlosses durchschimmert. An Werktagen ist es hier still, an Sonntagen heiter und lebhast. Die Stadt geht promenieren; damals tat es der jeweilige Fürst, die Kavaliere seines Hofes, die fremden und adeligen Besucher. ♦ Ein halbes Dutzendmai bin ich an dieser Stadt vorbeigefahren; einmal war es Herbst und es regnete trostlos. Die Schaffner riefen Bruchsal, das Hirn dämmerte nach: Bruchsal, Bruchsal ... Ich wußte nicht, für welches Kleinod dieser Name Symbol und Deckung ist. Diesmal bin ich durch viele kleine Dörfer gefahren, unter den Wipfeln von blühenden Bäumen hindurch, Wiesentäler legten Eoldteppiche aus Butterblumen hin, in Anmut gewellte Linien schwollen die Hügel heran und versanken wieder. Es ist ein leichter, von üppiger Fruchtbarkeit gesegneter Gau; an den Hängen gedeiht da und dort ein süffiger, lebhafter Wein — übrigens sehr begehrt von pfälzischen Wein- Händlern. Schwadronen von Obstbäumen überreiten die Hügel und Hänge in unübersehbaren Massen. Daß die Bruchsaler ein Schloß haben, verdanken sie dem damaligen protestantischen und mitzgesinnten Geist der Stadt Speyer; diese sahen den Fürstbischof Schönborn nicht gerne in ihrer Nähe, kurzerhand suchte er sich für seine Residenz einen anderen Platz. Er schrieb an seinen Bruder, den Wiesentheider Schönborn: „Ich habe nun den Ort aus- gelesen, wo meine Residenz hinkommen soll. Ich habe mein Lebtag PsStchen wieder hervor. Kommt die Cßstunde, dann ist Grauer! feines Geher noch verfeinert. Er kennt den Schritt der Hausfrau, die, heim- kvinmend, ihm das befcheidene „Papperl" richtet. Er stürzt ihr entgegen. Grauer! hebt seinen Hunger aber trotzig auch sehr lange auf, wenn sich die Herrin verspätet. Ein Versuch von anderer Hand, ihm das Essen zu reichen, wird mit vorwurfsvollem Blick oder mit hohnvoller Abwendung abgelehnt. Nur wenn die Hausfrau verreist ist, findet sich Grauerl nach langem Warten und nervösem Suchen endlich bereit, auf das Vorlegen des Essens durch die Hausfrau zu verzichten. Unangenehm ist ihm das tägliche Gekämmtwerden. Die Zähne des Kammes bleiben im tiefen Fell oft schmerzhaft hängen. Dann seufzt Grauerl schwer aufatmend wie jemand, der sagen will: „Ein Elend! Ich hab's wohl schwer. Aber was kann man machen?" Seine bescheidene nie lästige Stimme braucht er selten, aber dann (wie Friedrich H e b - bel so richtig bemerkte) ganz im Tonfall der Menschen. So ist es seine besondere Höflichkeit, daß er sich die leidenschaftlich gesuchte Freude des „Aus-dem-Schoß-Sitzens" nie ohne ein deutlich fragendes: „Mm?" ae- tattet. Dann erst erfolgt der Sprung auf die Knie der Sitzenden. Zu chimpfen Pflegt er nur, wenn morgens durch Zufpätaufstehen fein Früh- füct sehr verzögert wird. Dann klingt seine Stimme nicht mehr zärtlich bittend, sondern sie bekommt etwas Forderndes. Und man kann ein energisches „Bin ich der Niemand? Wird heute gar nicht gegessen?" aus seinen im großen und ganzen doch diskreten Lamentationen entnehmen. Den Schlaf beginnt er immer mit einem tiefen Seufzer und meist, nachdem er die Pfoten gekreuzt und Licht abschließend über die Augen gelegt hat. Grauerl ist ein leidenschaftlicher Kinderfreund: hier fühlt er keine Angst, auch wenn ihm die Kleinen noch fremd sind. Er ist ein ebenso ästhetischer Blumenliebhaber. Ein paar Rosen im Glas werden immer von neuem glücklich mit dem erdbeerroten Schnuffelnäschen beschnup- pert. Es ist übrigens erstaunlich, wie geschickt er zwischen dicht gestellten Basen und Nippsachen hindurchfindet, ohne etwas umzuwerfen oder zu beschädigen, wie ihm überhaupt jede Bosheit fehlt, die die possierlichsten Assen, an die er oft erinnert, im Zimmer unausstehlich macht. Grauerl wirkt in jeder Stellung wie eine Nippsache, wie ein lebendig gewordenes Kopenhagener Porzellan, wenn er mit eng gestellten Samt-Vorder- pfotchen sitzt, von seinem Schweif wie von einer Girlande zierlich ein- geringt. Grauerl ist die Katze, die man fragen möchte: „Wo hast du denn die schönen Augen her?" Nur bei Tag sind es zum (ach so unberechtigten) Mißtrauen herausfordernde Raubtieraugen, meergrün, mit schmalem Cchlltz. Die japanischen Bauern lesen aus Katzenaugen die Zeit ab Unge ahr zu Mittag ist die vertikale Fuge am engsten.'Abends, auch bei inlen ivster elektrischer Beleuchtung, sind die Pupillen sterngroß, rund und chwarz, daß sie fast die ganze Augenhöhle ausfüllen. Dann sind diese'Augen, die immer so andächtig fragend blicken, ungewöhnlich schön: kein Jagdhund kann ein treuherzigeres Schauen haben. Bekämen die zierlichsten Katzinnen Grauerl zu sehen, sie müßten sich in ihn bis hoch über ihre spitzen Pelzohren verlieben. ' Die alten Aegypter und die mit noch tieferem Seelenblick aufqe- flatteten Inder haben die Katze besser verstanden als die naturfremden Europäer, die sie, weil die Augen der Katzen im Finsteren funkeln, zu „qexentieren" machten. Die wenigsten wissen, daß diese Augen nicht phosphorisieren, sondern daß der Augenhintergrund bei der Katze auch durstigstes Licht begierig durch ein sog. tapetum lucidum auffängt. So -.er das arme Katzenvieh in Verruf, wie wenn es höllisches Feuer ausstrahlte. Und ist dabei in seiner ehrlichen Ungeschicktheit um die Gunst der Menschen gegen gegenseitige Schlagwörterei viel eifriger als jeder tackel mit seiner umwegioen Diplomatenschlauheit. Grauerl wird diesen Liebesbrief nicht lesen, er verzichtet stolz auf Schmeicheleien und man muß verzichten, fie ihn wissen zu lassen. Er "taud£ und gewahrt noch weniger Schmeicheleien. Er verlangt damit °°m Besitzer em gesundes Opfer an menschlichem Egoismus. Die Liebe zum Tier wird von Tierliebhabern oft überschätzt. Man lobt in der nnJ’s®“«9 «“m T'er die eigene Herzensgüte. Tatsächlich ist es vielleicht nur die Freude an Macht, die Genugtuung, ein anderes Leben schützend in» rnJu können. Die Zukunft des Tieres hat man in der Hand bis zum letzten Augenblick, in welchem es ein rasch verhängter Tod vor und körperlichen Qualen bewahrt. Und dieses bescheidene £r‘ »Gottspielendürfen" den kleinen Bierbeinern gegenüber schmei- M dem sonst so einflußlosen Menschen. Die schwimmende Stadt. 3n der Bordfunkstelle. Von Fritz Löwe. Stellen für die Sicherheit des Schiffes und der rS» I- bCr Raum der drahtlosen Telegraphie. Von hier führen von mn e »l??uf 5U den zwischen den Masten aufgespannten Antennen, recht erhalten ^krischen Funken die Verbindung mit der Welt auf. ’JJ ""ter Berücksichtigung aller in Betracht kommen- Modernnl» Mit den neuesten Erzeugnissen der Elektrotechnik, den Der sL„tn Apparaten für drahtlose Nachrichtenübermittlung, ausgerüstet, «in» .^großen Ozeandampfers ist im Laufe weniger Jahre zu erkann» U'tchtmsten Einrichtungen geworden. Immer mehr hat man Fühl n» 77/7'’ Wert es für die schwimmende Stadt hat, durch ihn in dem Lande zu bleiben. vssuisi-- hjntftatfon ist Tag und Nacht in Betrieb. Erprobte Funk- sich '^der schweren Verantwortung, die auf ihnen ruht, bewußt, lösen kMiklnon ^ ^ustrengenden Dienst ab. Laufen doch fortgesetzt von den bchiiie M.^'Funkstellen und den Bordstationen vorbeifahrender SBtaifs r6end,te.' Sturmwarnungen, Meldungen über gesichtete ^ibende Minen, über plötzliche Veränderungen im bes RAiffL’ tin,f deren genaue Kenntnis für eine sichere Navigierung «WM unbedingt erforderlich Ist. „ Die Borbe-Funktelegraphie hat bereits unendlichen Segen gestiftet. Ungezählte Menschenleben und Werte an Schiffen und Gütern sind durch drahtlos herbeigerufene Hilfe gerettet worden. Durch die Funkentel«- graphie ist es möglich, andere Schiffe drahtlos um Rettung anzurufen oder ihnen Hilfe zu bringen. In tiefer Nacht, wenn die Passagiere in den weichen Betten ihrer Sabinen ruhen, sitzt der Funkbeamte vor seinen Apparaten. Keinen Augenblick darf er seine Aufmerksamkeit ablenken lassen. Kann er doch me wissen, ob nicht plötzlich das verhängnisvolle Signal S.O. S., der Hilferuf eines in Gefahr befindlichen Schiffes, an fein Ohr schlägt. Er dreht den Hebel, setzt sich die Kappe mit den Kopfhörern fester und lauscht hinaus aus die Wellenbotschaften, die aus weiter Ferne zu ihm dringen. Ost genug ist bdt der Ankunft des rettenden Dampfers das in «eenot befindliche Schiff bereits in den Wellen verschwunden. Aber im Sturm treiben auf hoher See die Rettungsboote mit den Schiffbrüchigen. Die Pflichterfüllung des Funkoffiziers hat im letzten Augenblick die Rettung gebracht. Für die Navigierung des Schiffes ist die Radio-Anlage von größter Wichtigkeit. Früher war es bei bedecktem Himmel und bei Nebel nicht möglich, den Schiffsort genau festzustellen. Man muhte sich auf Schätzungen verlassen. Der Navigationsoffizier war, bildlich gesprochen, „blind". Jetzt kann er vermittels der Radiostrahlen „sehen". Diese durchdringen Nebel und Wolken und „sehen", zwar nicht die Sonne ober die Sterne, aber fie finden die Landstationen, und zwar mit Hilfe der Richtungssucher. Dreht man den Rahmen derselben in einem rechten Winkel zu der Station, so wird man nichts hören, dreht man ihn aber in die Richtung der ankommenden Radiowellen, so sind die Signale mtt größter Deutlichkeit zu hören. Nimmt man Peilungen von zwei Land» tationen, so kann man den Bestimmungsort des Schiffes sofort genau feststellen. Im dichtesten Nebel, in schwärzester Nacht kann der Kapitän ofort wissen, wo er sich befindet. Er kann aber auch die Position eines jeden in seiner Nähe befindlichen Schiffes feststellen und ihm ausweichen, lange, bevor er es erreicht hat. So ist die Funkortung, das ist die Möglichkeit, auf hoher See durch funkentelegraphische Richtungsbeftimmung (Peilung) seinen Schiffsort festlegen zu können, für die Sicherheit des Schiffes und feiner Passagiere von höchster Bedeutung. Wenn es bei starkem Nebel der Schiffsführung unmöglich ist, sich auf See nach Gestirnshöhen, in Sicht von Land nach Peilungen von Leuchtfeuern zu orientieren, setzt helfend und rettend die Funkpeilung ein. Immer mehr triumphiert die hochentwickelte, moderne Elektrotechnik über die übermächtigen Naturgewalten. Mit hochragenden Antennen hat fie ihren Siegeszug angetreten. Funkwellen durchbrausen den Aether. Zwischen weit entfernten Räumen bauen sich klingende Brücken. Mit der Radio-Telephonie wurde der endgültige Sieg über den Raum gewonnen. Mit ihr eröffnen sich ungeahnte Perspektiven. Es ist wie im Märchen, wenn wir, am warmen Kamin des Salons sitzend, den durch den Aether dringenden Stimmen lauschen. Die Schisfahrt, die stets darauf bedacht ist, die Sicherheit ihrer Schiffe zu erhöhen, und den sich, ihnen anvertrauenden Passagieren alle nur erdenkbaren Annehmlichkeiten und Zerstreuungen zu bieten, hat als eine der ersten die ungeheure Wichtigkeit der drahtlosen Telephonie erkannt und sie in ihren Dienst gestellt. Um den Erball zieht sich ein Netz von Radiostationen. Auf den in See gehenden Dampfern wird der Ausrüstung der Radiostationen die größte Sorgfalt gewidmet. Im Dienste der Schiffahrt hat die drahtlose Telephonie beretts große Fortschritte zu verzeichnen. Die Reichweiten wachsen ständig. Durch die Erfindung des ungedämpften Senders, wie durch die wunderbaren Kathodenröhren als bereitwillige Helfer zur vieltausendfachen Empfangsverstärkung und zur Umformung der schnellen, elektrischen Schwingungen in hörbare Frequenzen ist das Sende- und Empfangsbereich heute nicht mehr auf einen einzelnen Ozean beschränkt. Es unterliegt keinem Zweifel, daß der See-Rundfunk, das zentrale Senden von einer Küstenstation an viele auf dem Ozean befindliche Schiffe, mit der Zeit immer weiter ausgebaut werden wird. Die Einrichtungen der Anlagen und die Apparate der Radiotelephonie werden immer mehr vervollkommnet, so daß Politiker, Sportsmen, Industrielle, mitten auf dem Ozean ihre Berichte geben und empfangen können. Man wird in politisch bewegten Tagen, in der Zeit der Wahlen usw. auf See nicht mehr ausgeschaltet fein, sondern den Verhandlungen in der Kammer und Parteikongressen durch Hören der Reden der verschiedenen Kandidaten beiwohnen können. Die Funktelephonie von Schiff zu Land befindet sich wegen der technischen Schwierigkeiten, die sich an Bord aus dem nahen Zusammen- liegen aller Antennen ergeben, noch in der Entwicklung. Dagegen ist die funktelephonische Uebermittlung von Nachrichten von den Küstenfunk- stellen zum Schiff bereits feit einiger Zeit im Gebrauch. Nicht nur für ernste Aufgaben sind die Radiostationen auf den großen Passagier- dampfern in den Dienst gestellt worden. Sie vermitteln auch frohe Stunden. Die Empfangseinrichtungen für den Vergnügungsrundfunk find bereits derart durchgebildet, daß fie imstande sind, wahrend der ganzen Ozeanfahrt teils amerikanische, teils europäische Stationen aufnehmen zu können. Radio-Tanzmusik ist jetzt das Neueste an Bord der Ozeandampfer. Cs ist für die tanzlustige Jugend natürlich sehr verlockend, auf hoher See zu den Klängen eines von der fernen Küste herüberklingenden Orchesters zu tanzen. Die Bordfunkstelle ist den Passagieren wie ein guter Freund. Das Gefühl des Abgefchnittenseins vom Lande kommt überhaupt nicht mehr auf. Man weiß genau, daß man während des größten Teiles der Reife vermittels der Funkstation mit seinen Angehörigen ständig in Verbindung bleiben kann. Dies ist eine große Beruhigung bei langen Seefahrten. Funkentelegraphie und Funkentelephonie vermitteln fortgesetzt die wichtigsten politischen, wirtschaftlichen, künstlerischen und sportlichen Ereignisse. Kurze Zeit daraus lesen wir fie in der an Bord hergestellten Ozeanzeitung. Eine große Anzahl von Paflagieren des Dampfers find Sportsleute oder Sportliebende. Früher waren sie bei einer Ozeanfahrt von allem. was mit dem Sport am Festland zusammenhing, abgeschnitten. Das hat sich jetzt geändert. Die drahtlosen Wellen übermittel« den auf dem Schiff befindlichen Sportlustigen alle sportlichen Nachrichten, berichten über die neuesten Rennresultate, Boxiampf-Ergebnisse, über Ereignisse auf dein Gebiete des Turfs, des Automobilismus, des Rad- und Wassersports. Sie erzählen von Siegen im Fußball-, Tennis-, Wintersport usw. Auch über die Börsenkurse ist man an Bord stets unterrichtet, so daß Industrielle und Geschäftsleute auf hoher See Nachrichten empfangen und wichtige geschäftliche Dispositionen geben können. Kaum hat das Schiff den Hafen verlassen, flitzen schon die Funktelegramme über den Ozean. Eine besondere Kategorie von Passagieren gibt cs, auf deren Tätigkeit der Schiffs-Funkverkehr geradezu verhängnisvoll eingewirkt hat. Es ist das Heer der Verbrecher und Hochstapler. Trotz aller Vorsicht der Schiffsgesellschaften kommt es mitunter doch vor, daß Hochstapler sich an Bord einschleichen. Telegraphischer und telephonischer Funkverkehr haben durch die Schnelligkeit der Nachrichtenvermittlung diesen Talmi- Gentlemen einen heillosen Schrecken eingejagt und manchen sorglosen Passagier vor unliebsamen Bekanntschaften geschützt. Den internationalen Tnfchendieben, Kabinendieben, Falschspielern, Scheckschwindlern und rote die Pseudokavaliere alle heißen mögen, hat die neueste Entwicklung der Funkentechnik das Handwerk auf den großen Ozeandampfern zu ihrem Leidwesen, aber zum Segen der Passagiere, gründlich verdorben. Dretegen. Erzählung von Gottfried Keller. (Sortierung.! Dies arme Kind wurde nun zum Galgen verurteilt und die Hinrichtung auf den Tag verlegt, da die Seldwyler zum Besuch kommen wollten. Sie erschienen denn auch in stattlichem Zuge, in leuchtenden Farben und ihre Stadttrompeter an der Spitze; übrigens waren sie alle mit guten Schwertern und Dolchen bewaffnet, führten aber nichtsdestominder ein Dutzend ihrer kecksten jungen Frauen, reich geschmückt, in der Mitte, und sogar einige Kinder in den Stadtfarben, welche Geschenke trugen. Die jungen Ratsherren von Ruechenstein, ihre Freunde, ritten ihnen eine Strecke " vor das Tor entgegen, bewillkommten sie und führten sie etwas kleinmütig in die Stadt. Das Tor war möglichst abgekratzt, frisch übertüncht und mit etwas magerem Kranzwerk behangen. Innerhalb des Tores aber standen die sämtlichen Stadtknschte aufgestellt in voller Rüstung, welche raffelnd und klirrend den Zug durch di« schattig dunklen Straßen begleiteten. Die Leute guckten stumm, aber neugierig aus den Fenstern, wie wenn ein Meerwunder sich durch die Gasse gewälzt hätte, und wo ein Seldwyler lustig hinaufsah, da fuhren die Weiber scheu mit den Köpfen zurück. Ihre Männer hingegen drückten sich seltsam die Nasenspitzen an den grünlichen Glasscheiben platt, um die ungewohnte Erscheinung bloßer Frauenhälse zu beobachten. Also erreichte der Zug die große Ratsstube. Die war reich, aber düster anzusehen,, Wände und Decke ganz mit schwarz gefärbtem Eichenholz getäfert mit etwas Vergoldung. Eine lange Tafel war mit gewirktem Linnenzeug gedeckt, worein Laubwerk mit Hirschen, Jägern und Hunden mit grüner Seide und Goldfäden gewoben war. Darüber lagen noch feine Tüchlein von ganz weißem Damast, welche bei näherem Hinsehen ein gar kunstreiches Bildwerk von sehr srühlichen Göttergeschichten zeigten, wie man sie in diesem gravitätischen Saale am wenigsten vermutet hätte. Auf diesem prächtige» Gedecke stand nun alles bereit, was zu einer öffentlichen Mahlzeit gehörte, und darunter besonders eine große Zahl köstlicher Geschirre, welche wiederum in getriebener Arbeit, bald halb erleben, bald rund, eine glänzende Welt bewegter Nymphen, Najaden und anderer Halbgötter zur Schau trugen; sogar das Hauptstück, ein hoch aufgetakeltes silbernes Kriegsschiff, sonst ganz ehrbar und staatsmäßig, zeigte als Oation eine Galatea von den verwegensten Formen. 'Sängs dieser Tafel ging eine Anzahl von Ratsfrauen auf und ab, in starre schwarze oder blutrote Seidengewänder gekleidet, von steifem Spitzenschmuck bis an das Kinn verhüllt. Sie trugen vielfache goldene Kette», Gürtel und Hauben, und üher den Handschuhen eine Menge Ringe an alle» Fingern. Diefe Frauen waren nicht häßlich, sondern eher hübsch zu nennen; wenigstens waren fast alle mit einer zarten durchsichtigen Gesichtsfarbe und zierlichen roten Wänglein begabt; aber sie jähen jo unfreundlich, streng und sauer aus, daß man zweifelte, ob sie je in ihrem Leben gelocht, wenn nicht höchstens einmal in dunkler Nacht, wenn sie dem Mann die erste Nachtmütze aufgeschwatzt hatte». Die Begrüßung war den» auch befangen genug und man mar allseitig froh, bald am Tische zu fitzen und die Verlegenheit mit Essen und Trinken zu vertreiben. Die Seldwyler fanden zuerst ihre natürliche Heiterkeit wieder, und zwar durch die Bewunderung des reichen Tafelzeuges. Dies gefiel den Ruechensteinern nicht übel und sie schickten sich eben an, ein steifes Gespräch zu führen, als die Sache eine Wendung nahm, die sie sich nie geträumt hätten. Denn die Seldwyier, welche ihre Augen gebrauchten, entdeckten alsbald die heitern und anmutigen Darstellungen der gewirkten Decken sowohl, wie der Trinkgeschirre, ließen die Blicke voll lachenden Vergnügens über die freien und üppigen Szenen schweifen, machte» sich gegenseitig aufmerksam und wußten scherzend und zierlich das Dar- gestellte zu deuten und zu benennen, und die Damen hielte» sich so wenig zurück, als die Herren. Dies dünkte die Wirte und Wirtinnen doch etwas kindisch und sie sahen jetzt auch näher zu, was denn da so lustig zu betrachten wäre. Wie vom Himmel gefallen, erstarrten sie mit offenem Munde! Sie hatten in ihrem beschränkten Sinne all die Herrlichkeit noch gar nie genauer beschaut und Zierat schlechtweg für Zierat genommen, der seinen Dienst zu tun habe, ohne daß ernsthafte Leute ihn eines schärferen Blickes würdigen. Nun sahen sie mit Entsetze», welch eine heidnische Greuelwelt sie dicht unter ihren ehrbaren Augen hatten. Mer sie waren empört über die neugierige und ungezogene Art, mit welcher die Seldwyler den unbedeutenden Tand ans Licht zogen, anstatt gcjebt U!,^ würdig darüber hinwegzusehen und nur die Kostbarkeit bet Stoffe ,u bewundern. Die Herren lächelte» sauer und mißvergnügt, wenn hier eine Leda und dort eine Europa entdeckt wurde; die Frauen aber erröteten und wurden blaß vor Zorn, und sie waren eben daran, entrüftet auszubrechen, als der traurige Klang einer Glocke sie plötzlich beruhigte. Es war das Armesünderglöckchen von Ruechenstein; ein dumpfes Geräusch auf der Straße verkündete, daß der junge Dietegen jetzt zum Galgen hinausgeführt werde. Die ganze Tischgesellschaft erhob sich und eilte an die Fenster, wobei die Ruechensteiner ihren aufgeräumten Gästen mit hämischem Lächeln de» Platz frei ließen. Ein Geistlicher, ein Henker mit feinem Knecht, einige Gerichtspersonen und Scharwächter zogen vorbei und an ihrer Spitze ging der gute Dietegen barfuß und nur mit einem weißen, fchwarzgesaumten Arme- sünderhemde bekleidet, die Hände auf den Rücken gebunden und von, Henker an einem Stricke geführt. Das schöne Haar fiel ihm auf den glänzenden bloßen Racken, verwirrt und flehend sah er, wie Hilfe und Erbarmen suchend, an die Häuser hinauf. Unter dem Portale des Rathauses standen die festlich geputzten Knaben und Mädchen der Seid, royler, welche nach Kinderart vom Tische gesprungen und ins Freie geeilt waren. Als der arme Sünder diese hübschen und glücklichen Kinder erbliche, dergleichen er noch nie gesehen, wollte er vor ihnen stehen bleiben und die Tränen liefen ihm heiß über die Wangen; doch der Henker stieß ihn vorwärts, daß der Zug oorüberging und bald verschwand. Die Selb- wylerinnen oben erblaßten und auch ihre Männer faßte ein tiefes Grauen, da sie überhaupt nicht Liebhaber von dergleichen Vorgängen waren. Es ward ihnen unheimlich bei diesen Menschen, so daß sie dem Drängen ihrer Frauen, welche fort wollten, nachgaben, und sich, so höflich sie konnten, beurlaubten. Die Ruechensteiner dagegen waren mit dem Trumpf, welchen sie ausgespielt, zufrieden und fast heiter geworden; sie führten daher ihre werten Gäste, wie sie sagten, guter Dinge wieder zum Tore hinaus, galant und gesprächig. Vor dem Tore stieß der Zug auf die zurückkehrenden Richtmenschen, welche mürrisch vorbeigingen. Gleich darauf folgte ein einzelner Knecht, der einen Karren vor sich her stieß, auf welchem der Gerichtete in einem schlechten Sarge lag. Scheu und ehrerbietig hielt der arme Teufel an und stellte sich zur Seite, um die glänzenden Leute vorüberziehen zu lasten, und er rückte den losen Sargdeckel zurecht, welcher stets herab- zufallen und den Gehängten zu enthüllen drohte. Nun war unter den Kindern der Seldwyler ein siebenjähriges Mädchen, keck, schön und lockig, das hatte nicht aufgehört zu meinen, seit es den Knaben hatte dahin- führen sehen, und konnte nicht getröstet werde». Wie der Zug setzt an dem Karren vorbeiging, sprang das Kind wie ein Blitz hinzu, stieg auf das Rad und warf den Deckel hinunter, so daß der leblose Dietegen vor aller Augen lag. In demselben Augenblicke schlug er die Augen auf unb tat einen leisen Atemzug; denn er roar in der Zerstreuung des Tages jchlecht gehenkt und zu früh vom Galgen genommen worden, weil die Beamteten noch etwas von der Mahlzeit zu erschnappe» gedachten. Das heftige Mädchen schrie laut auf und rief: „Er lebt noch! er lebt noch!" Sogleich drängten sich die Frauen von Seldwyla um den Sarg, und als sie den schönen erbleichten Knaben sich regen jähen, bemächtigten sie sich seiner, nahmen ihn vom Karren und riefen ihn vollends ins Leben zurück, indem sie ihn rieben, mit Wasser besprengten, ihm Wein einflößten unb ihn auf jede Weise pflegten. Die Männer unterstützten sie dabei, während die Herren Ruechensteiner ganz betroffen umherstanden und nicht wußten, was sie tun sollten. Als der Knabe endlich wieder auf den Füßen stand und sich umschaute, wie wenn er im Paradies erwacht wäre, erblickte er plötzlich den Henkersknecht, der ihm den Strick umgetegt hatte, und entsetzt, daß auch dieser, wie er meinte, mit in den Himmel gekommen sei, flüchtete und drängte er sich aufs neue in die Frauen hinein. Gerührt baten diese die gestrengen Nachbarn, daß sie ihnen den Buben schenken mochten, zum Zeichen guter Freundschaft; die Männer stimmten ihnen bei und die Ruechensteiner, nachdem sie eine Weile geratschlagt, erklärten, daß sie nichts dagegen einzuroenden hätten, wenn sie den kleinen Sünder mitnähmen, und daß er ihnen, wie er da wäre, geschenkt sein solle sam feinem Leben. Da waren die hübschen Frauen und ihre Kinder von Freuden, und Dietegen zog, wie er roar, in seinem Armesünderhemde mit ihnen davon. Es roar aber ein schöner Sommerabend, weswegen, als die Seldwyler auf der Höhe des Berges und auf ihrem Gebiete angs- kommen waren, sie beschlossen, sich hier.in dem abendlichen Sommerwal« auf eigene Rechnung zu belustigen und von dem gehabten Schrecken M erholen, zumal ihnen aus ihrer Stadt noch ein ansehnlicher Zuzug em' gegenkam, voll Neugierde, wie es ihnen ergangen sei. So mußten denn die Musikanten wieder aufpielen und die mitgeführten Becher kreisten cr|i jetzt in voller Fröhlichkeit. Dietegen blickte so glückselig, neugierig und harmlos umher, daß man von weitem sah, daß das ein unschuldiges Kind roar, was feine LV zählung auch bestätigte. Die Seldroylerinnen konnten sich nicht |Ott «J ihm sehen, flochten ihm einen Kranz von Laub und Waldblumen aus o Kopf, daß er in seinem langen weiten Hemde gar lieblich aussah, un endlich küßten sie ihn der Reihe nach, und wenn ihn die letzte aus o Armen ließ, nahm ihn die erste wieder beim Stopf. Ader jenes kleine Mädchen, welches den Dietegen eigentlich gtw hatte, trat plötzlich aus der Menge hervor und stellte sich zornig MM den Knaben und die Frau, welche ihn eben küssen wollte; es nahm 0 eifrig bei der Hand, um ihn in den Kreis der Kinder zu führen, I» ' die Gesellschaft in neue Heiterkeit ausbrach und rief: „So ist es die kleine Kiingolt hält ihr« Eroberung fest! und Geschmack hat !'e seht nur, wie gut das Männchen zu ihr paßt!" Kiingolts Vater ober, Forstmeister der Stadt, sagte: „Der Bub gefüllt mir wohl, er W I gute Augen! Wenn es den Herren recht ist, fo nehme ich ihn etnjt bei mir auf, da ich doch nur ein Kind habe, und will sehen, daß uh ehrlichen Weidmann aus ihm mache!" (Fortsetzung folgt.) Verantwortlich: Dr. Hans Thyriot. — Druck und Bering: Brühl'sche D.niversitäts-Buch» und Steindruckerei. A. Lange. Gieße"-