geschah, genoß großes uchl in gezogen r Ruhe Lager in den in die fier im ;en und Bunte in zum meines Einlaß r Hand Unglück > getan, Vaters :en Hos. öffnen, ntm zu ten mit m hörte Treppe. , traten Züchteten tödliches ohne zu Palast, in den Las hat ? Rächt der mit haß ver< ich selbst ch weiß, ren und > sinnigen erhossen, > zeigen, ist spät gönn zu der kein en hatte, den Bey ür einen Doch der >et dieses der den verderben e gewiß, legangen. m Meer, Iums. achte die ) in die wünsche. Sie hü '[fen G-- , Schläfrig- ! Hein, die . Unver- | durch die sürchieie hörte fit nd glenh schlanke, Lust S» sank cor ften, w" ■rin fort' Jss'Ziere" Hein nni folgt) Siehe». SietzenerZamilienbMer Nummer S8 In dem ehemalig Herbst 1921 eine ' Unterhaltungsbeilage zum Gießener Anzeiger Dis Exde mit dem Himmel, Von Leo Sternberg. Rapshügel, goldengelbe — Tür an Tür aus der die sonnenhelle Tiefe flutet ... ' ■Der Wald, mit Felsbasteien von Porphyr En tBS^Ünt ' ■' 3as Maihorn tutet. ^..M'rsichsch eiern — unter Blütenschnee Me ßrEmitLm HL-l^.^b'd-"glanz ein Schimmel: — Fern fliegt das letzte Wölkchen Meiischenmeh. ‘libam Karrillvn. 3a feinem 75. Geburtslage. Von Professor Dr. jur. et phil. Karl Esselborn Sernhrung mit Land unb ßeuten bet Sjeimat SS? Srä&er s'a^«bf^äbYäen^e^in^eimBerg- NKMHKMZ „ &fl |«se„M» 1 " Krperlld, fri|d, u„j NWZWZMKZ sss?Karr;u auch [eine l?ot der Dichter in ihm. Der war er von Anbeginn roenn wie das KifhUuf *" 6er Zle^e. ie,ner Seele unwahrnehmbar schlummerten w°r fei? SeS®g Herbst igV^p'Xh Schulhause zu Waldmichelbach, das seit wurde Abnrn ® Gedenktafel tragt und bis 1927 Schulzwecken diente Franz Kail on a,n ^2 1853 als jüngster Sohn des Lehrers SeMn $mbebinn^nOrn'tm?Ü c!« in dem Orte Kner er einniaf i S, ?"n9 fur feine fpatere Entwicklung. „Senn," so sagt zu leinen fn^Pr,n ^rt funftl9e Schriftsteller die Modelle finden sollen (.Sie Mühle' zu s^'wgrn, einem Michael Helu einem Hans Hörle Wo nud) bie3Umn l °6 ' clnem Klaus Rüster (.Adams Großvater')? k«8°r Fre heiE?L llll,; M-7 Kindheit ausleben konnte in de» nahen Wald m M-esental mit dem murmelnden Forellenbach, T°rturm der ^,'i^ 7°9enden Kornfelder? Wo vor allem den alten Mente, f0’ daß st. »a J.lr^ej. stand, beiden mit seinem Geläute unter den Holzüeä^n '^^n. füllten, sobald der Schall der Glocken . ÄcrriOons Smer J, es moosgrünen Daches herausschallte?" Odenwald verpflanzt mnrh^ "ste Sproß feiner Familie, der nach dem *ame trotz i)e?änhEHe? Ra” war. Der Ursprung der Familie ist, wie ihr M7 ^«tae e ertennen läßt, Frankreich Im Jahre ",nnus, und dort mar m i 3'.^st7^^roßvater nach Wehrheim im ”nNfig. Dagegen Hf her 9 bef Familie etwa hundert Jahre lang ttQ^er reinsten Geblüts ® d,ter DOn ber Seite feiner Mutter her Oden- ^burtsorE Jm^Herbst ^«a?^hre verlebte er feine Jugend in feinem knabenkanvikt um'nan ™"er nach Mainz In das bischöfliche ; 3n’)re verlebte' er da selb» U!' a.U5^bns Gymnasium zu besuchen. Fünf -e daselbst, bis ein Schulauflatz, worin er den Beruf eines ' S ftÄÖÄKffi ÄS-A e* fein? ärztliche lätigfeU. Dann^«eß'?r^sEzu"Cich^^^k"sk^öksneten ftuusate? S'5™ Jahre lang [ein Wohnsitz blieb Ka>-rM»^ ? "der fun unddreißig äIäMSz- LN, 5 SÄ SS N.'L4 ää. Ä Antwerpen und umsegelte im 3Änschlu^dar?>^b7 Weltausstellung in Küste, lieber [eine 9leifeer ehnfn» . nh • ? stanzojche und spanische Helmer taufmän^i cf^S^'ff Sräa™ berchketeer im Weiter eine Reise nach dem Hei iaen Land ? Herbstl896 unternahm 1898 £C®ein”eim^rtoienrfteS moderne ^^r?u'zfahrt", das - W nenben „Neuen Pfälzisch",! ,r,J.n ö" Ludwigshafen erschei» Ä” ÄÄ ä SÄmsÄis L'SZ-L-LLDMä- BMLS-WLÄN? VSMZZLN DMWMZM-Z WMUZMNW ä’Fs'%<* herrlichung gereichen, o dachte ich mir und packte eine stattliche Sfninht Exemplare in eine Kiste. Bald kam ein WagU am Hau e vorüber Är Brennrnmerial für ein Siegesfeuer sanunelte unb bald h.. »• s meiner Muse als Embryo in einem gewaltigen fioMtnfc Ul q£" Kind lohten empor, und die Hitze wargroßÄ|? Wn±S" mitten im Januar heiße Fuße bekamen. ,Das wird den WechlelÜmUnn Taae^"»"^'^lste ich. Doch es ward nicht wah^ L n 'chsten Tage lief die «chul,uzend mit angekohlten Exemplaren des Rume- dfrum und warf diese den Leuten durch die Kellerlöcher in die Hächer hinein. Eine hochsinnige Dame war — ich weiß nicht aenou wie m den Besitz eines Buches gelangt, hakte es gelesen und war fg? mich auf die Suche nach einem Verleger gegangen. Grote fand stch, und nun wurde der Odenwälber Dichter von Berlin aus feinen überraschten Landsleuten vormstelli - aber keineswegs gnnd-g ausgenommen Die Leute non Waldmichelbach wollten mir sogar bie Beme aus dem Leide reitzen Die Welt war groß genug, daß ich meinen Widersachern aus dem Wege gehen und weiterschreiben konnte." Dieser erste schriftstellerische Erfolg gab dem Dichter den Ansporn 3U le-nem zweiten Werke, bi in Odenwaldroman „D.e Mühle zu Huster- loh" 'die oon September 1904 bis Mai 1905 entstand und im Frühjahr' 1906 erschien. In der Zwischenzeit, im Herbst 1905, unternahm er eine zweite Reise nach 3taik a, die ihn bis nach L-iziüen führte. Die einbcfife, die er damals mit nach Hause nahm, hielt er zum Teil in dem oon Oktober 1908 bis Januar 1909 entstandenen Roman „O. domina mca" fest, worin auch seine eigne Würzburger Studentenzeit sowie die Anfänge seiner ärztt.chen Praxis dichterisch ausgewertet sind. ‘ Im Herbst 1909 reiste er als Schisfsarzt der „Eleonore" der Woer- mann-Lmie nach den deutjchen Kolonien Togo und Kamerun. -Die Aus- beute davon ist das Werk „Im Lande unserer Urenkel", das 1912 erschien. Im August desselben Jahre- wurde er abermals Schisssarzt, und zwar auf der „Scandia" der Hamburg-Amerika-Linie. Das Ziel der Reife war der äußerste Osten. Verletzungen, die er sich zuzog, als das Schiss bei den klippenreichen Parazeisen in einen Taifun geraten war, hielten ihn eine Zeitlang im Hospital in Hongkong zurück. Er reiste allein nach Hause und wählte, von Japan kommend, den Landweg durch China und Rußland. Dieser Reise widmete a nicht eine einfache Beschreibung, sondern er schilderte sie in einem Reiferoman, den er „Sechs Schwaben und ein halber" bettelte und 1919 erscheinen ließ. Darin erscheint er als der Doktor Ebrnich (= eben ich». Unter dieser Maske war er auch in fast allen Erzählungen der Sammlung „Bauerngeselchtes" erschienen, die er im Jahre 1914 veröffentlichte. Im Frühjahr 1812 hatte Karrillon feinem einzigen Sohne seine ärztliche Praxis übergeben. Er beabsichtigte, noch einige Reisen zu machen und sich dann ganz der Schriftftellerei zu widmen, lieber dem Entwerfen von Reiseplänen überraschte ihn der Kriegsausbruch. Da fein Sohn gleich ins Feld Wckte, nahm er feine alte Tätigkeit wieder auf und war zugleich an dem Weinheimer Lazarett tätig. Als am 2. Juli 1915 sein Sohu als Schisfsarzt des Schiffes „Albatros" bei Gotland fiel und das Weinheimer Lazarett bald daraus mit dem Städtischen Krankenhaus vereinigt wurde, übernahm Karrillon die ärztliche Vertretung in einem Sanatorium in Schliersee. Dort entstand der Roman „Adams Großvater", in dessen Mittelpunkt fein mütterlicher Großvater Peter Bangert (1777 bis 1865) steht. Die Erzählung enthält ein Stück Iugendgesch chte ihres Verfassers und klingt in eine Totenklage um dessen Sohn aus. Der im April 1921 vollendete Roman „Viljo Ronimus, das Schicksal eines Kassenarztes", ein an Selbstbekenntnissen reiches Werk, erschien erst 1925. Seine etwas später entstandenen „Erlebnisse eines Erdenbumm- lers" kamen in einer, namentlich am Schlüsse von der ersten Fassung abweichenden Gestalt Ende 1923 heraus, obwohl ihr Erscheinen zu feinem siebzigsten Geburtstag geplant war. Sein Ausenthalt im besetzten Gebiet während des Ruhrkampfes hat die Verwirklichung dieser Absicht unmöglich gemacht. Aus dem gleichen Grunde erschien auch die zu dem gleichen Tage geplante Sammlung alter und neuer Aussätze „Adam Karrillon, Altes und Neues über ihn und von ihm, herausgegeben von Karl Esselborn" bis zum Sommer. Am 11. August 1923 verlieh die hessische Regierung dem Dichter den als Staatspreis für Verdienst um das künstlerische und geistige Leben in Hessen gestifteten Georg-Büchner-Pveis. Auch jenseits der Reichsgrenzen hatte sich Karrillons Erzählerkunst treue Verehrer erworben. Zu diesen zählte der leitende Arzt des Aarauer Stadtkrankenhauses, der auch als Mttitärfchriftsteller bekannte Oberst Dr. Eugen Bircher. Dieser lud Karrillon zu sich ein, und von Dezember bis Ende Februar 1924 weilte er als dessen Gast in der Schweiz, bis er zu dem Pressefest in Mannheim am 1. März nach Hause zurück- kehrte. Der literarische Ertrag dieser Reise sind außer ihrer in der Zeit vom 19. Juli bis 18. August 1925 zu Affolterbach entstandenen und noch des Drucks harrenden Beschreibung sechs Erzählungen unter dem Sammeltitel „Es waren mal sechs Gesellen". Auf sechzehn vermehrt, erschienen sie Ende 1927 unter dem Xitel „Windsch efe Gestalten". Diese Gestalten leiden entweder an irgendeinem Gebrechen wie Stottern, ober sind mit einem Klumpsuß, einem Buckel, einem übergroßen Munde behaftet, oder sie haben fixe Ideen oder unterscheiden sich durch sonstige abnorme Charaktereigenschaften von den gewöhnlichen Menschen. Unter ihnen begegnen wir auch Gestatten, die wir aus anderen Werken kennen, wie dem Waldmichelbacher Klarinettenbläser und Damenschneider Klaus Priester (Adams Großvater), sowie in zweien auch dem Doktor Ebenich. Karrillon gehört keiner literarischen Schule an. Seine originelle und eigenartig humordurchwürzte Schreibweise, die durch eine Fülle überraschender Vergleiche ausgezeichnet ist, entspricht den rauhen und kantigen Gestalten, die er plastisch, lebenswahr und mit herzerquickendem Humor darstellt. Seine Werke gleichen alten Holzschnitten mit eindrucksvoller, wenn auch eckiger Linienführung, an deren Eigenart sich der Beschauer erst gewöhnen muß, die aber bei wiederholtem Beschauen stets gewinnen. Seine Sprache ist an der Bibel gebildet, und die von ihm häufig angewandten Vergleiche aus der Bibel ober dem kirchlichen Leben erinnern an seine ursprüngliche Bestimmung zum Theologen. In seinen Werken oft wiederkehrende Zitate aus Shakespeares Werken und aus dem „Don Quichote" des Cervantes bekunden feine besondere Vorliebe für diese beiden Dichter. Karrillon ist ein Meister im Erzählen, und doch kann sich nur der eine richtige Vorstellung von seiner Kunst, zu erzählen, machen, der ihn selber erzählen gehört hat. Den Zauber seiner Persönlichkeit gibt der Buchdruck nur unvollkommen wieder. Erst in der mündlichen Rede kommt der ganze Humor des Mannes zur Geltung, der sich auch bei hohen Jahren jung erhalten hat, well er sich den Wahlspruch erwählt hat: „Nicht rasten und nicht rosten". Die folgende Erzählung ist dem bei G. Grote, Berlin, erfdjie» en Nooellenbande „Bauerngeselchtes" von Karrillon ent» neuen Novellenbande Die Trapyenjagd. Von Adam Karrillon. nommen. . Doktor Ebenich lebte anno dazumal in der Nähe der Nibelungenstadt auf sagenreich-m Boden. Und doch, das Land war so poesielos, wie Runkelrübenselder und Kartoffeläcker nebenemanber gelegt nur jein können. So war's im Sommer. Nun aber gar erst im Winter. Eine schneebedeckte Ebene, soweit das Auge reichte. Schnurgeraüe Pappelalleen, mit deren kahlen Gerten der Wind spielte. Das Ganze lichtlos sich herausjchälend aus einem bleigrauen Nebel, der aus dem Rohr, gefügter der Altrheinftimpfe emporstieg. Nichts konnte trauriger, öder, schwermütiger fein als das Wandern über diese verlassenen Pfade, die dem Auge so gar nichts Bedeutungsvolles zu bieten hatten. War der stinkende Nebelbrei zuweilen etwas dicker geraten, bann sah man überhaupt nichts und wanderte dahin, als ob man oon aller Welt verlassen den Nordpol suchen solle und nicht finden könne. Im engen Felde eines solchen genau abgezirkelten Nebelkreifes bemerkte Herr Ebenich, als er von einem Krankenbesuche nach Hause strebte, eines Vormittags ein ungewohntes, fremdartiges Leben. Auf langen Hälsen hoben und senkten sich schwere, länglich zugefpitzte Vogel- kopse, die saft einem Steinjchlegel glichen. Aus flammigen «einen wiegten sich rostbraun gefieberte Vogetteiber. Hier und da ein flatscherndes Fliigel- fchlagen. Dann wieder ein ruhiges Versenken und Suchen starb gebauter Schnäbel unter der leicht gefrorenen Schneedecke. ■ ,Was konnte das fein?' fragte sich Herr Ebenich und fing an, in dem Inventar feiner zoologischen Kenntnisse herumzuwühlen. Strauße hier im Eis und Schnee des fünfzigsten Breitengrades? Nein, das verstieß doch gar zu sehr gegen die Naturgeschichte. Aber gab es nicht in diesem Geschlechte eine kältegewohnte Abart, die sich Trappen nannte und die zuweilen den Nibelungenweg von der Donau bis zum Rheine nahm, ober auch vom hohen Norden zuwanderte? Trappen, ja richtig, Trappen müssen dies sein, so triumphierte Herr Ebenich und brachte feine Beine in forcierte Pendelschwingungen, nicht seinetwegen, o nein. Der Eiser feiner Bemühungen sollte einem ganz anderen zugute kommen. In dein Kirchdorf über dem Rohrgewoge des Altrheins drüben wohnte fein Kostherr. Dieser war ein zugewanderter Bierbrauer, der sich durch Sparsamkeit und Fleiß zu einem erträglichen Wohlstand emporgearbeitet hatte. Leider stand die Größe feines persönlichen Ansehens noch nicht ganz aus der Höhe seines Sparkassenkredits. Die eingesessenen Feudalbauern eftiinlerten ihn noch nicht ganz für voll, obwohl er bereits feine Familie in einem Landauer aus die Nachbarkirmee fahren konnte. Der Neid über feine Erfolge suchte ihm allerlei anzu- hängen, und der Volksmund nannte ihn noch den „Reingeplackten", als er schon Mitglied der ehrwürdigen Schützengilde geworden war. bereu erhabene Jagdtrophäen aus Rebhllhnerfchwänzen und Hasenpfolen re- standen. Diesem Manne, den er schätzte, wollte Ebenich zu einem un- geahnten Triumphe verhelfen. Er sollte eine Trappe erlegen und damit ein vielbeneidetes Unikum werden unter all diesen Hafenwürgern und Hamsterfängern. Deshalb das Schnaufen feiner hochgetragenen Brust, und deshalb auch die Eilfertigkeit feiner langen Schenkel. Als Herr Ebenich in die Stube feines Kostherrn trat, faß biefer mit feinen Knechten um den Tisch und löffelte feine Suppe. Der Arzt roinfle den Brauer zu sich in den Hausgang, um ihm die wundersame Mm von der Ankunft so fremder Gäste geheimnisvoll unter vier Augen mit- zuteilen. Und nun war es interessant, zu beobachten, welcher Stimmungswechsel sich im Gesichte des angehenden Nimrod vollzog. Zuerst erschien ein lächelndes Zweifeln auf der Bildfläche, dann ein überraschtes Erstaunen. Nach diesem aber flammte eine ungezähmte Habgier auf, wie ; o in Seeräubergesichter schlägt beim Anblick einer Kauffast teificttc.. Ar Mann war wie umgewandelt. Eine wilde Unruhe war plötzlich über ihn gekommen. Es schien, als ob er sich selber nicht mehr sassen könne, keinen Platz mehr hätte, weder in feiner Haut noch in feinem Haus, er stürmte los. Er mußte die seltene Kunde im Dorfe verbreiten. Nach einer Viertelstunde stand die Wirtsstube gestopft voll mit StuOT, die wie zu Bärenjagden mit allerlei Geräten gefährlich ausgerüstet waren. Der arme Doktor bei feinem Mittagsmahl hatte so wemg Ellenbogenfreiheit, daß er kaum fein Fleisch schneiden konnte. Man hotte ihn umringt Man bestürmte ihn mit Fragen. Man zerrte ihn an seinen Kleidern. Man konnte nicht begreifen, wie er noch sitzen und esst" mochte. Man wünschte, daß er mit hungrigem Magen aufstehe und de» Führer mache zu den nordifchen Zugereisten. Als er zu dieser Mission zunächst keine Lust zeigte, sielen homiM Bemerkungen, wie: „Er fürchte sich wohl, daß so eine große Gans beißen könne", oder: „Wenn es sich Herausstellen sollte, daß einer erlaubt hätte, mit anderen Leuten einen Aprilscherz zu treiben, so wer dieser eine demnächst erfahren, daß man die Ladestöcke zu gebraW Die letzte Bemerkung, die dem Doktor ziemlich unverschleiett ei« Aufschneiderei in die Schuhe schob und dafür eine Tracht Brügel in sicht stellte, rüttelte das Ehrgefühl in ihm wach. Selbst wen» Trappen abgestrichen sein sollten, so mußten sich deren ^itfiabbriiat Schnee finden lassen und mußten für die Wahrhaftigkeit der A- erstattung reden. Falls man wenigstens die Stelle zeigen konnte, w t sich aufgehalten hatten. Herr Ebenich erklärte sich bereit, ben ■ mitzumachen, und bekam eine Flinte über die Schultern gebangt. «»$. letztere geschah trotz seines lebhaftesten Protestes und trotz oer sicherung, daß er noch nie ein Tier getötet habe, außer etwa solchen, das man zwischen zwei Fingernägeln umbringen "oftm. verstand die Anspielung und wollte sich schier totlachen über die > V losigkeit des witzigen Doktors. Aber man zerrte ihn mit. Nun i man los, und alle kamen vom Fleck, trotzdem der Gewehnm . Doktors feinem unglücklichen Träger alle Augenblicke recht | zwischen die Schienbeine pendelte. Be samm« finniäl die besond fiberlif Dei oon di bewegt Falle i Not auf die des un gefomii brahmi richtig Tritten den Ja Größe dann fi schleiche hatte n »Da on und Alte ge «eschlich Da einem 1 hinüber welchem waren? vom Hi Klee un gräßlich! ziehen. 1 Balg zi bringen. ' die seith Eelbstvo obermifü seinen F Doch er verderbe drohende hoben bi suchten, machte e hinein. .Nun nicht am ja bann 1 fester. Aber ihre Ber Mit hist ihre Flü ' Federwo über den ll»d weichher, ein ment die zitter Diese jonff wo Mcherfh andere, ein halbe ® ltgrün Mer gel Und beut weckte bi Bonnern hatte Di könnte. Cr fi Hetzen t 'er, und letzte fie ßurftirt Hände a ... -Juck hatten, t Jein her we anbe Urb nor sie sich ( Wahl nt Schuld ( [iirbf8ei.' "icbt fet Mu{ st Kezm einsamen Gange über den Knüttekdamm des Altrheinsumpfes iMimelte ein alter Jagdbrahmine die Jünger des heiligen Hubertus noch tinnwl um sich. Er gab ihnen umständliche Auseinandersetzungen über die Gepflogenheiten der Watvögel im allgemeinen und der Trappen im besonderen. Schlau« Ratschläge, wie man die Schlauheit der Schlauen überlisten könne, flössen wie Koransprüche belehrend über seine Lippen. Dem Herrn Cbenich, als dem unerfahrensten der Spießgesellen, wurde jon dem Alten auf das nachdrücklichste eingeschärft, daß er sich ja nicht belegen solle, sich nicht räuspern, sich nicht kratzen müsse und nur im Falle äußerster Notwehr schießen dürst. Nachdem noch der ganze Haufe aufmerksam gemacht worden war ous die Gefahr, die dem Jagderfolg und jedem einzelnen Jäger von feiten stg ungeübten Doktors drohe, war man über den Knütteldamm hinübergekommen und übersah einigermaßen das flache Kulturland. Der Jagd- bwhmine war einige Schritte oorausgcgangen und hatte die Watvögsl richtig entdeckt. Nun kam er wie ein« Trgerkatze gebückt mit vorsichtigen Tritten zurückgeschlichen und stauchte, indem er mit seinen Norderpranken deir Jagdgenossen auf die Schultern schlug, einen jeden auf seine halbe Größe zusammen. Es ging ein geheimes Flüstern durch die Runde, und dann fing man an, die fremden Wandervögel auf allen vieren zu umschleichen. Der Doktor brauchte die Kriecherei nicht mitzumachen. Ihn hatte man hinter einige Pappelbäum« versteckt. „Da sind Sie am sichersten ausgehoben. Da richten Sie keinen Schaden on und werden von den Trappen nicht in den Grund getreten," hatte der Alte gesagt und war mit gesenkter Rase wie ein Vorstehhund davongeschlichen. Da stand nun der Medicus plötzlich ganz einsam und äugte hinter einem Weidenstamme hervor nach den geflügelten Gästen des Nordens hinüber. Wo mochten sie Herkommen? An welchem Felsenspalt, in welchem Geäst mochte das Nest gehangen haben, dem sie entstiegen waren? Gerne hatten sie die Heimat gewiß nicht verlassen. Sie kamen ja vom Hunger getrieben, und was sie suchten, war doch nur ein wenig Klee unter der gefrorenen Schneedecke. Und nun kam der Mensch, dies gräßlichste aller Raubtiere, und suchte aus ihrer Not seinen Vorteil zu ziehen. Und er umschlich sie und suchte sie niederzuknallen, um mit ihrem Balg zu renommieren oder vielleicht ihr Fleisch auf seinen Tisch zu bringen. Und sie würben nie mehr heimkehren zu Wesen und Dingen, die seither ihre Freude waren. Herr Cbenich wurde weich und machte sich Eelbstvorwürfe, weil er es doch am Ende war, der die Vögel diesen aberwitzigen Hohlköpfen vor die Schießprügel geliefert hatte. Er hätte seinen Fehler gutmachen, hätte aufschreien und die Tiere warnen mögen. Doch er war zu feige, um es mit seinen ortsgewaltigen Protektoren zu verderben. Ohnedies schienen glücklicherweise die Trappen auf die drohende Gefahr aufmerksam geworden zu sein. Sie drehten die Hälse, hoben die Köpfe, als ob sie in den Lüften nach Witterung der Gefahr suchten. Dann statscherte einer oder der andere mit den Flügeln und machte einen Schritt vorwärts mit den starken Beinen in den Schnee hinein. ,Nun werden si« sich gemeinsam in die Lüste erheben. Wenn si« nur nicht am Ende gar ihren Zug nach deiner Richtung nehmen. Du müßtest ja dann schießen/ sagte sich der Doktor und umkrallte trotzdem die Flinte sester. Aber schon war an der Sache nichts zu ändern. Di« Vögel hatten ihre Verfolger eräugt. In Sprungschritten waren sie vorwärtsoestürmt. Mit hüpfenden Beweguiwen hatten sie sich in die Luft aeworfen, und ihre Flügel hielten sich fest in dem beweglichen Element. Eine bleigraue Federwolke kam drohend näher und wälzte sich rauschend wie Haaelsturm fiter den Doktor hin. U"d nun geschah etwas, was keiner vermutet hatte. Herr Ebenich. der weichherzige Mann, erhob gleichwohl die Flinte, rührte mit dem Lauf ein wenig in der Luft herum und »aff, paff hallte ein Flintenschuß über die zitternden Rohrkolben des Altrheins hin. Dieses paff, paff hatte wobl den Winterschlaf der Natur gestört: aber jojift war fein Unheil angerichtet. Die Vogelschar segelte wie eine kleine Fischerflotte in den Nebel hinein und war verschwunden. Dafür tauchten andere, weniger friedliche Gestalten auf. Wie Abruzzenräuber — feder ün halber Fra Diavolo — kamen die Weidgenofsen augerückt. lieber das « sigrün ihrer Jacken hatte sich ein veräeraertes Gallenqrün in ihre Ge- sicber gelagert. Sie waren nicht in rosiger Laune, das war klar erfi*tbd) un>' deutlich hörbar. Ein Millionendanne--w«tter ans einem her Mö"ler Deckte den Widerhall in einem aanzen Dutzend. In das dumnfgrollende Donnen mischten sich aber m>rb deutlichere Laute: „So ein Erbarmet." Mtte Doktor Cbenich sagen hören, und er ahnte, wer gemeint sein konnte. tSchluß folgt.) (Schluß. Iu^us und AtzduNah. Don Albert H. Rausch. sagte ihr alles, was seit seiner Abreise nach jener Stadt ge- IWn war, wo ihn das Unglück ereilt hatte — es mar fast ein Jahr ?.Et,' unb er hatte während dieser Zeit seine Mutter nicht gesehen — und St-Pe „an, an seine und seines Freundes Unschuld zu glauben. Die vuchui lächelte ganz leise aus ihren hellbraunen Augen und legte die flanoe auf das Haar ihres Sohnes. hntt .“cnn. du nicht gesprochen hättest, auch wenn dich alle angeklagt 2 । J/ nnirde ich nie an deine Schuld geglaubt haben. Denn ich kenne die s 3 besser als dein Vater. Aber du mußt auch nicht glauben, daß unhQnLClen flecht von dir denken. Es wird mir ja vieles zugetragen, sie rlor Eein die Gattin des Großwesirs, die ich immer sehr liebte, da •nah! “L5 *rcuc Freundin erwies, hat mir gesagt, daß weder ihr Ge- ßAiirsr ü'gend einer der Großen an deine und deines Freundes siichgn glauben, daß sie vielmehr alle der Meinung sind, du seist rach- nicht fF ^^leumdung zum Opfer gefallen. Der Augenblick könne gar Suiiiit uw dein Vater seinen Irrtum einsehen werde. Aber l schüttelte den Kops und sagte: „Ach Mutter, ich bin so freudlos, bin so hoffnungslos .. Da i)uo did Fürstin den tiefherabgesunkenen Kops ihres Sohnes mit beiden Händen empor und sah ihn zum letzten Male ganz aus der Tiefe ihrer Augen an, indem sie flüsterte: „Verliere die Hoffnung nicht! In jedem Geschehen liegt rätselhaft der Keim zu neuem Geschehen. Ich weih, daß es dir gut gehen wird. Sonst wäre mein Avsch ed nicht so leicht." Sie atmete und lieh das bleiche Haupt auf das Kissen gleiten. In demselben Augenblick war der ganze Garten mit veilchenfarbenem Schein erfüllt, tausend silberne Glocken erwachten in den Lüsten, ein unbeschreiblich süßer Hauch von Glyzinen schwebte durch die Arkaden ... Die Mägde und Aerzte sanken in die Knie, der Prinz selbst stand roeitgeöffneten Auges unter dem Himmel, wo Duft und Glanz verwehten — und alle fühlten, daß die Fürstin eine f) eilige gewesen war. Zur selben Stunde aber, als Jusjufs Mutter starb, trafen Boten bei dem Fürsten ein, die den Ausstand der Nubier im Süden des Landes meldeten. Die Dörfer brannten. Hunderte von Arabern waren überfallen und getötet worden. Schon rückten die wilden Haufen gegen die nördlichen Plätze vor. Der Bey ließ sein Heer aufbieten und begab sich selbst am dritten Tag, nachdem die Fürstin beigesetzt war, mit seinen Feldherren an die Spitze der Armee, um ein furchtbares Strafgericht über die Aufständischen zu halten. Nur der Großwesir blieb in Tunis zurück und erhielt den Austrag, die Besatzung des Schlosses, wo man den Prinzen gefangen hielt, um das Doppelte zu verstärken. Diese Verordnung aber erbitterte selbst den alten Mann, der so vieles ruhig geschehen lassen mußte, und tötete in seinem Herzen den letzten Rest von' Zuneigung, der noch für den Bey übrig geblieben war. Er begab sich eines Tages selbst zu dem Prinzen und bat um eine Unterredung, die über zwei Stunden währte. Was in diesem Gespräch, das hinter verschlossenen Türen geführt wurde, gesagt worden ist, hat niemals jemand erfahren. Erst viel später wurde bekannt, daß noch in der gleichen Nacht Abdullah aus seinem Kerker entlassen und in der Verkleidung eines persischen Derwischs auf das Schiff geführt wurde, das am frühen Morgen nach Alexandria abfuhr. So leidenschaftlich auch die Sehnsucht des Prinzen war, den Freund wiederzusehen, so war doch seine Klugheit groß genug, dem Rate des Wesirs zu folgen und auf eine geheime Zusammenkunft zu verzichten. „Denn es muß zu jeder Zeit," erklärte der Wesir, „versichert werden können, auf das ritterliche Wort hin, daß der Prinz in der Abwesenheit seines Vaters das Schloß n cht ein eingigesmal verlassen noch irgendeinen Besuch außer dem vorgeschriebenen erhalten habe." Jussuf umarmte den Großwesir und wußte vor Freude und Dankbarkeit lange kein Wort zu finden. „Möge bald der Tag kommen, sagte er, wo ich Euch lohnen kann, was Ihr an mit tut." Abdullah aber, der von der Kerkerhaft bleich und müde geworden war, saß am Rande des Schiffes und konnte es noch nicht recht jassen, daß er die Freiheit wiedererlangt hatte, und daß wirklich der Wind des Meeres um seine Schläfe spielte. Immer wieder las er die Worte, die Jussuf ihm geschickt hatte, obwohl er sie längst auswendig wußte: „Siehe, durch Trübsal erreicht dich meine Liebe! Sorge dich nicht, ich wache, auch wenn ich dir fern bin. Ueber dem Talisman, den du mir schenktest, ruft mein Gebet, Denke auch meiner und hüte das Siegel der Treue. Und betrittst du zur Nacht die stillen durchdufteten Fluren, Siehst du die Sterne, die silbern den Mantel des Ewigen füttern: So sprich meinen Namen, und wisse, der deine Klingt voll Erinnerung und Heimweh im Munde des Freundes." Wenn Abdullah diese Worte sprach, waren sie wie aus seiner eignen Seele geboren und hatten doppelte Bedeutung: da man sie vertauschen konnte, ohne daß ihre Wahrheit um das geringste vermindert wurde ... Don Alexandria reifte er nach Kahira und ließ sich dort in dem Haus des berühmten Gelehrten Affur-ben-Asiud melden, mit dem er schon in früheren Jahren Briefe gewechselt hatte. Er wurde mit großer Liede ausgenommen und reich entschädigt für das Unglück, das chn fo unverdient getroffen hatte. Der Krieg mit den nudifchen Stämmen zog sich in die Länge, und der Bey war schon über zwei Monate im Innern des Landes. An jedem dritten Tage brachten ihm Eilboten Kundschaft aus der Hauptstadt. Er war mit den Berichten über die Führung des Prinzen sehr zufrieden, ja, es schien ihm fast, als ob Jussuf durch seinen peinlichen Gehorsam das Vertrauen des Vaters wiedergewinnen wolle, und er erwog in seinen guten Stunden, die Haft zu mildern und den Prinzen auf Reisen an die Höfe berühmter Fürsten zu senden. Einmal äußerte er auch diese Absicht vor dem Kriegsminister, der seinen Beifall zu erkennen gab und seinen Sohn als Begleiter zur Sßerfügting stellte. So kam es, daß fast schon ein Reiseplan entworfen wurde, als ganz unerwartet die Botschaft eintraf, welche den abermals enttäuschten Fürsten in eine sinnlose Wut trieb. Jener Berber, der einst an Ali das Gespräch des Prinzen verraten hatte, hielt sich um die Zeit nach Abdullahs Flucht in Diensten feines jungen Herrn in Kahira auf. Dort sah er nun eines Tages den ihm wohlbekannten Flüchtling in der Halle einer Moschee sitzen und mit anderen jungen Menschen die Schrift lesen. Sofort flieg in ihm der Gedanke auf, daß ihm hier wieder eine unvergleichliche Gelegenheit, Geld zu erwerben, in den Schoß gefallen fei, und er meldete die Sache seinem Herrn. Ali eilte in das Lager des Beys und bat um eine geheime Unterredung. Auch von diesem Zwiegespräch ist nichts verlautet. Welcher Art es gewesen sein muß, zeigen die Geschehnisse der folgenden Wochen. Zunächst wurde tiefes Stillschweigen bewahrt, um jede Flucht sowohl des Prinzen als auch Abdullahs zu verhindern. Ali wurde beauftragt, sich ganz im Geheimen über die Vorgänge bei Abdullahs Entkommen zu unterrichten und festzustellen, inwieweit der Prinz an ihr beteiligt fei. Der Berber aber erhielt durch einen Boten Befehl, sich Abdullahs zu bemächtigen, ihn auf ein Schiff zu schleppen und sofort unter starker Be- deckung nach der Hauptstadt zu schaffen. Ja, es wurde ihm zu diesem Zweck jogar eine tunesische Krieg Galeere zur Verfügung gestellt, die tagelang in Alexandria vor Anker lag. Der Prinz selbst sollte in größter Sorglosigkeit gehalten werden, damit man um so sicherer zum Schlag ausholen könne. Drei Wochen vergingen. Es fing schon an, Sommer zu werden, als der Bey unerwartet und unangemeldet aus dem Lager in der Stadt eintraf, obwohl der Krieg noch lange nicht beendet war. Er begab sich in seinen Palast und berief sofort den Rat der Großen. Einige Tage vorher war das Schiff eingelaufen, in dessen unterstem Raum Abdullah gefangen lag. Eine Stunde nach dem Eintreffen des Beys wurde der Prinz Justus verhaftet und in den Großen Gerichtssaal gebracht, wo er Abdullah an eine Säule gefesselt stehen sah. Sofort begriff er die Zusammenhänge, und es schien ihm einen Augenblick lang, als ob alle Dinge rings um chn zu wanken begännen. Zugleich aber auch fühlte er, wie eine wundersame, nie zuvor gekannte Kraft ihn durchströmte, die ihm eine lodernde Entschlossenheit und fast eine Freude wie nach schon errungenem Sieg verlieh. Er trat an den Platz, den man ihm anwies und schaute nach dem Fürsten, der bleich, in eisiger Ruhe, auf dem Throne saß und zu seinem Sohne niederstarrte, als er endlich zu. sprechen begann: „Es ist nicht viel, ihr Herren, was ich heute zu sagen habe, und ich werde diese Versammlung hier nicht lange festhalten. Nachdem ich solange Nachsicht gegen meinen Sohn walten ließ, obwohl die Beweise in meiner Hand waren, daß er mit diesem Elenden dort, dem Sohn eines Olivenhändlers, auf Meuterei gegen mich sann, zwingt mich sein erneuter Versuch, sich meinen Befehlen zu widersetzen, zur größten Strenge. Ich habe keine Zeit, mich um Aufruhr in meinem eignen Hause zu kümmern. Die Nachforschungen, die ich im Geheimen anstellen ließ, haben ergeben, daß der Prinz es war, der jenen Abdullah dort zur Flucht verleitet hat. Wer ihm dabei noch behilflich war, lieh sich bis jetzt noch nicht erkunden. Aber auch hierüber werde ich noch Klarheit schaffen. Es kann keinem Zweifel unterliegen, daß Abdullah in dem mir feindlichen Kahira gegen : mich Hetzen sollte, und daß der Prinz, sobald die Bewegung im Gange war, sich selbst an ihre Spitze gestellt hätte. Wie ich dieses Vorhaben zu ; strafen gedenke, werdet ihr stigleich erfahren. Ich will nur noch, um nicht j ungerecht zu erscheinen, dem Prinzen selbst die Möglichkeit lassen, sich i zu verteidigen und uns eines Besseren zu belehren, wenn er es vermag. Der Prinz trat vor. ; „Gewiß, mein Vater, ich leugne es keinen Augenblick: Ich ganz allein , bin es gewesen, der Abdullah mit List aus dem Kerker befreit hat, wo er \ unschuldig und als Opfer einer unerhörten Grausamkeit gefesselt lag. ' Ihr mögt gegen mich im Sinne führen, was Ihr wollt: Es ist mir gleichgültig, da auch ich es müde bin, ein solches Leben zu führen, wie Ihr es mir seither aufgezwungen habt Wo Güte und Liebe ist, seht Ihr Verrat und Heuchelei, wo Freundschaft zwei Menschen verbindet, wittert Ihr Verschwörung. Und warum? Weil Ihr Euch nie Mühe gabt, mich zu kennen, weil Ihr fremden Einflüsterungen mehr traut als dem offnen Wort des eignen Sohnes! Weil Ihr keine Achtung habt vor Men- ; scheu, die anders denken und fühlen als Ihr selbst und Eure Schmeichler. : Meint Ihr denn, ich sei so töricht, nicht zu durchschauen, wer Euch gegen ; mich aufhetzt? Keine anderen als jene dort, der Kriegsminister und fein Sohn, die nach meiner Beseitigung trachten, um nach Eurem Tode die Herrschaft an sich zu reißen! Aber wie dem auch sei: es ist Eure Sache, ! Euch verhetzen zu lassen, nicht die meine! Meine Sache vielmehr ist es, mich meines armen, unschuldigen Freundes anzunehmen. Macht mit . mir, was Ihr wollt! Aber jenen dort gebt unverzügl ch frei, den einzigen Freund, den ich in den achtzehn Jahren meines Lebens fand! Ich j selbst verteidige mich nicht. Ein Prinz führt keine Beweise, auch nicht ' vor feinem Vater!" „Mein Prinz, rief da der Großwesir und trat in die Mitte des j Saales: Abdullah ist nicht der einzige Freund, den Ihr gefunden habt: i Hier steht der andere vor Euch, ein alter Mann, der Euch von Herzen liebt und an Eure Unschuld glaubt! Ich war es, Bey, ich, der Eurem Sohne half, die Flucht des armen Abdullah zu bewerkstelligen. Kein anderer als ich gab den Befehl zur Entlassung!" Da sprang der Sultan auf und schrie: „Ihr, Ihr, der Gehilfe meines Sohnes? Legt ihn in Ketten! Legt diesen alten Heuchler dreifach in Ketten! Und jenen beiden anderen reiht die Kleider vom Leibe! Ruft die Bogenschützen! Ich will hier ein Schau- j spiel geben, wie es dieser Palast noch nicht gesehen hat!" Während der Großwesir gefesselt wurde, rissen Sklaven dem Prinzen und Abdullah die Kleider herunter, so daß sie nackt im Lichte standen. „Bindet sie nebeneinander an die Säule, schrie der Fürst. Sie sind den Pfeilen preisgegeben! Nehmt ihnen die Münzen fort, die sie am Halse tragen. Keine Stelle an ihrem Körper soll noch bedeckt sein!" Da trat der Oberste Priester vor, ein Mann von über achtzig Jahren, ehrwürdig und voll Güte: „Ich verbiete im Namen Allahs, des Allmächtigen, daß eine Men- fchenband an den vor Gott heiligen Talisman rühre. Cs sind die Zeichen der Treue, die sie voll Glauben auf dem Herzen tragen. Ich verfluche die Hand, die diese Symbole anrührt." „Es sei, sagte der Fürst. Ich will mich nicht wider Gottes Gebote auslehnen. Die Zeichen mögen bleiben. Vielleicht, daß Allah sich an ihnen offenbart" Und er winkte die Bogenschützen heran. Jussuf und Abdullah standen ■ dicht aneinandergelehnt und schauten unverwandten Auges nach der Sehne, von der der erste Pfeil schwirren mußte. Ein leichtes Zischen ging durch die Luft, die eiserne Spitze schlug auf den Talisman Jussufs und fiel wie gelähmt zu Boden. Da kam schon der zweite Pfeil und prallte an der heiligen Zahl sieben ab, die Abdullahs Münze zierte ... und der dritte und vierte und alle anderen. Nicht einer traf ... Nun erhob sich ein großes Staunen im Saal und ein Murmeln und Wogen von Stimmen. Der Bey gebot Ruhe und sprach: ' ' , „Ich sehe, Allahs Wunsch ist es nicht, daß diese beiden sterben. I, ich denke sogar, daß dieses Wunder mir noch einmal gestattet, (ünaijt 'an meinem Sohne zu üben: hingegen mich nichts auf der Welt zu bestimmen vermag, jenen Menschen dort zu schonen, um beffentmiUen mir seit einem Jahr all dieser Aerger kommt. So hört denn, was ich jage: Leben fallen beide. Mein Sohn, sofern er vor dieser Versammlung hier den Schwur leistet, sich von dem Sohn des Olivenhändlers loszusagen, in der Gefangenschaft so wie seither, dieser aber im Kerker und feines Augen, lichtes beraubt. Weigert sich jedoch der Prinz, feinen Freund im Stich zu lassen, so trifft ihn unerbittlich die gleiche Strafe wie jenen." Noch war das letzte Wort nicht ausgeklungen, als sich Jufsuf mit einem übermenschlichen Ruck aus den Fesseln befreite, zu den Stufen des Thrones rannte und dem Fürsten die Peitschenhiebe feiner Worte ins Gesicht schleuderte: „Hund von einem Vater! Du glaubst, daß deine Drohung mich zum Wanken bringe! Du glaubst, ich verrate meine Seele an der Seele meines Freundes? Bei Allah, nein! Was ihm geschieht, geschieht auch mir! Dies ist mein letztes Wort!" Der Sultan fuhr von feinem Sitze auf, würgte mit den Händen am Halskragen und schrie mit halberstickter Stimme: „Stachelruten herbei und die Blendeisen!" Da fuhr ein Wehschrei durch den Saal, Hunderte stürzten zu den Stufen des Thrones und hoben flehend die Hände hoch. Die Stimme des Hohenpriesters tönte durch die Klagen, dunkel und drohend: „Der Zorn des Ewigen trifft alle, welche feine Zeichen verachten!" „Fort von meinem Thron! brüllte der Sultan. Schweige, du alter Narr! Wer hat dich reden heißen? Ich habe dem Willen Allahs Genüge getan. Was nun geschieht, ist irdische Sühne, deren oberster Herr und Richter ich bin!" Als die Bittenden solche Worte hörten, wichen sie zurück nach der Tiefe der Wände, sahen sich mit verstörten Augen an und begannen mit zitternden Lippen Gebete zu lispeln. Durch eine Seitentüre aber traten die Knechte mit den weißen Blendkolben. Ein ©lutftreifen jäh erhitzter Luft zog an den Wänden entlang, ein Geruch von Versengtem stieg auf, „Die beiden dort!" befahl der Bey. Die Männer faßten die Schäfte der Eisen und hoben den rechten Arm, indes sie mit der Linken die Schultern der Jünglinge packten. Ein weißer Bogen, dem Schwert eines fallenden Sternes gleich, zischte durch die Luft, die Eisen fuhren auf die Augen zu: aber siehe, sie waren zn kühlen, elfenbeinernen Lilien geworden, die einen weichen, wundervollen Duft verströmten. Eine silberne Helle wallte durch den Saal, silberne Glocken läuteten aus dem Licht, wie aus offnem Himmel fielen bla6blaue Glyzinenblüten von dem Gewölbe der Decke nieder, und von einer Wand zur andern schwebte langsam das Traumbild der toten Fürstin und verschwand. Die Knechte taumelten zu Boden. Der Fürst schlug mit den Armen in der Lust und sank tot auf die Thronstufen. Die Ketten fielen klirrend von den Händen des Großwesirs. Die Taue lösten sich von den Gelenken Abdullahs. Ali, der Sohn des Kriegsministers, stieß einen Schrei aus: wo feine Augen gewesen waren, standen zwei ausgebrannte Höhlen, und fein Gesicht war von Stachelhieben zerfetzt. „Tragt ihn hinaus", sagte der Prinz zu den Dienern. „Meinen Vater laßt in sein Gemach bringen und gebt den Leib den Aerzten zum Ein- balsamieren." Er selbst aber nahm vom Finger des Verschiedenen den großen Rubinring, das Zeichen der Herrschaft, und zog ihn an seine rechte Hand. Dann trat er, Abdullah und den Großwesir zu sich heranwinkend, aus di« oberste Stufe der Throntreppe, richtete sich hoch auf und sprach zu der Versammlung: „Nachdem uns Allah durch ein Wunder gerettet, meines Freunder Abdullah, des Großwesirs und meine Unschuld durch überirdische Zeichen bargetan und meinen Vater für feine Frevel durch den Tod entsühnt hat, trete ich die Herrschaft an, die mir zufällt. Seid gewärtig, in mir einen gütigen Herrn zu haben und glaubt mir, daß mein größter Stolz sein soll, ein Fürst des Friedens zu bleiben. Der oberste Leiter der Staats- gefchäfte bleibt der Großwesir, dem ich als Dank für feine edle Gesinnung die Herrschaft Kairovan überlaste. Zu seinem Schüler und Heiser ernenne ich meinen Freund Abdullah, der meinem Herzen am nächsten ist unter den Jünglingen meines Alters. Die Angelegenheiten des Krieger übernimmt der Oberbefehlshaber Said, während Mustafa und sein Sahn Ali auf Lebensdauer in die Festung verbannt werden, wo ich selbst h> qualvolle Tage zubrachte. Dem Andenken meiner Mutter aber will ich eine Moschee bauen, wie es nirgends eine schönere gibt, und ihr Name soll fein: ,Das Haus der Treue'." Da brachen alle in großen Jubel aus und drängten sich zu dem Thron des jungen Fürsten. Er aber stand ruhig und ernst in der strahlende» Helle des Mittags und hatte sich, ein wenig ermattet von der Fülle der Geschehnisse, an die Schulter Abdullahs gelehnt, seines Bruders und Freundes. Der Alte war gegangen. Die Asche in den Kupferbecken war verglüht Selim hatte sich in einer Ecke schlafen gelegt Wir traten in die Oeffnung der Zelttüre Die weißen Häuser sch""- merten ungewiß im violetten Dunkel. Süßer Wind lief über die Sp'W der schwarzen Palmwedel. Ein rötlicher Schimmer stieg an entfernten Wänden empor. Dünne Saitenklänge flirrten durch die Nacht. „Die kleinen Tänzerinnen", sagte Achmet. „Sie sind noch wach Wem- wir hinübergingen?" . 5 Und wir machten uns langsam auf den Weg zu den Frauen, die »r eine, ewige Trieb des Herzens noch auf uns warten ließ: der ttei Wunsch nach dem, was fern und fremd und unerreichbar ist ■ ■ was w anderen Himmeln fein Leben empfing und dennoch atmet, träumt u stirbt wie alle menschlichen Wesen, die über die Erde verstreut sind: o Sehnsucht aller Sehnsüchten: zu schenken, gütig zu fein. j Verantwortlich: Dr. Hans Thyriot. — Druck und Verlag: Brühl'fche Univerf itätS-Vuch. und Steindruckerei, 2L Lange, ®ie&<11