ea lang» BervoL durch b|e ie|e Lieb, ine solche lebendig, h erleben Lenn der ,d er auch finde und t brauch« dies nicht >en jedoch stehen, er SietzenerKmilienblälter ________Unterhaltungsbeilage zum Gießener Anzeiger Jahrgang vienstag^n^September Nummerrs Ltndchens, -ine zar!« ohne sich ) erzählte nders be- nchts von leiderfll^t i und rief im Wort den. Ein • oft kam " Und (» > und die irgendeine ai de la über die i will brauchen Heutet — l einfach Unkraut, vor dem n werden in allen fufes soll willst, daß er Tolstoi dem Ver- ndrejeu>na eine voll- „Die Be> stoi jagte: ejen/' Er und jein« lich ab.— oollkomm- irüderlich« oitsch, Sie B. gerade en kann.' : sich 6r* rterhalten, ’it auszll- : wirklich, e ihn mit bstgefällig geordneter wäre, sah 'S Thema, t Fingern ,f ist sehr en ist da« esicht war >ar. M leuchten- t Auguft- älde Io!* >( gesteckt, s Portrat jssi, nicht« n, leichte» o fügend* Verhalte» eses hart* roralischer 1 besprächen auf mich g kennen- agen: ei» ruchsvoll! spreche», >e zuru«' sicht__ Gießen. Sonnenuntergang. Von Friedrich Hölderlin. Wo bist du? trunken dämmert die Seele mir Von all deiner Wonne; denn eben ist's, Daß ich gelauscht, wie, goldner Tone Voll, der entzückende Sonnenjüngling Sein Abendlied auf himmlischer Leier spielt; Es tönten rings die Wälder und Hügel nach. Doch fern ist er zu frommen Völkern, Die noch ihn ehren, hinweggegangen. Flucht auf dem Meere. Von Josef Ponten. In gedrückter Stimmung halten wir südostwärts auf Spitzbergen zu. Am Nachmittag kommt die Sonne hervor. Wir treten in die Rote Bai ein, die man nicht jedes Jahr eisfrei findet. Eine zwanzig Kilometer lange, fünf Kilometer breite, genau von Norden nach Süden streichende Meerbucht nimmt uns auf. Wir durchfahren die Bucht in einem Boot (das Schiff liegt draußen), der Seehund, welcher Menschen und ihre Gefährlichkeit nicht kennt, läßt fich durch uns nicht stören. Und wir tun ihm nichts. Unvergleichlich großartig stehen die grünen und blauen Abbruchwände der Äletscher, die Stirnen von zehn dieser gewaltigen Gletscher ab, die in scheinbar starrem Fluh aus unbekannten toten Gebirgen herabkommen, und in der Bucht bei niedriger später Sonne ist ein Farbenspiel von Dunkelrot der Sandsteinwand, Grün und Blau der Gletscherenden, Bleichblau als Widerschein des Nordhimmels im glatten Wasser, das man als unverlierbaren Besitz von dannen nimmt. Tiefer erscheint die Stille und Ruhe m diesem nur von Tieren, nicht von Menschen bewohnten Lande, die Welt ist einsam wie in Urtagen, und der Reisende ruht aus, ruht tief aus von den Menschen und ihrem lauten Getriebe weiter unten in der besiedelten Welt, von den Menschen und sozusagen von sich selbst ... Der Norddeutsche Lloyd belegte hier Land mit Beschlag zur Errichtung eines Genesungsheims, heißt es, denn in der keimfreien Polarlust, in der man rohes Fleisch beliebig lange liegen lassen kann, ohne daß es verdirbt, und in der Leichen sich erhalten, mag Lungenkranken am ehesten Genesung werden, und derentwegen mag denn die ungeheuer heilige Einsamkeit gebrochen werden. Das Genesungsheim, das sicherlich wirksamste der Welt, wurde aber nicht gebaut, denn die Welt verlegte sich gerade in diesen Tagen auf Menschenzerstörung ... In der Nacht biegen wir um die Nordwestecke Spitzbergens herum und in die Smeerenbergbucht, die Bucht der Walfischschmeersieder, ein. Darin liegen die Däneninsel und die Amsterdaminsel. Holländer haben dieses Spitzbergen entdeckt, und sie und die andern Nordseegermanen haben dann ein wildes Jagen" auf den Wal gehalten, der jährlich Mil- uanen trug und — Schmach der Zeiten — fast zur Vertilgung des Riesen tu diesem Meer geführt hat. Da liegen auf einer Kiesbank die Gebeine der Holländer, die holländische Königin hat sie unter einem einfachen, kvh geschichteten Blockmal sammeln lassen, und holländische Samen aus unserer Gesellschaft ziehen darauf die holländische rotweißblaue Flagge auf. Am Rande der Kiesbank aber finden sich wie Knochen so kahle äaume, tropische Holzer, Treibgut aus dem tropischen Amerika, durch den Golfstrom hierher verfrachtet. Ein kalter winterlicher Tag zu Ende öuly der Wind bläst, und die durch jene uns zugekommene politische -Nachricht tiefgebeugte Stimmung bleibt unten. Allmählich, unwillkür- W und unauffällig, bilden sich nationale Gruppen in der Gesellschaft, -"enschen, bie sich ihre Sorgen vertrauen und Aufrichtung suchen, natürlich zuerst bei ihren Leuten. mi ,'lreit.a9J den 31. Juli 1914, liegen wir in der Magdalenenbai. ^elch ein Land, welch eine Landschaft! Farbenschün war die rote (sucht, wie farbigJ Aber — das ist das Bezeichnendste für die Polar- „ der — die Farben sind herabgedämpft, sind zart. Niedrige Sonne o'A v Feuchtigkeit der Lust bewirken es. Zartrötlich stehen die Berge, "ach die Gneisberge, hinter einem Schleier von feinstem atmosphärischen Mu, zartblau oder grünlich ist das Wasser, zartgrün ist das spärliche jdunnzanvorkommen, zartblau und grün, auch rot sind der Schnee und as Cis, daß Weiß des Eises erscheint oft in dem sanften Weiß von llanvem. Merkwürdig, diese Hauchzartheit der Farben eines Körpers tos ar« Schärfe und Starre dieses nördlichsten nordischsten Lan- rnüi' zusammen wirkt eine tiefe, schwere Melancholie. Schwer- Ichon wäre man werden — wenn man es in diesen Tagen nicht in "der, als ob die Welt ihr Theater dem Gefühl unserer Herzen Zeit anpassen wollte, ist das Wetter dunkel, grau und kalt. wen den Spitzen der Gneisberge spannt der Nebel fein unendliches Tuch aus, stundenlang perlte es in der hellen Nacht hernieder, und die Magdalenenbucht, in die wir am frühen Morgen einbogen, ist eine Landschaft von Schwarz und Weiß. Schwarz sind die regennassen Berge, und weiß, stumpfweiß liegen die Gletscher darin. Im Schwarz der Berge taucht fetzt beim Näherkommen das Grün der Tundren auf .Heiner hangender Moore am Bergfuß, deren bescheidene Pflanzenwelt von den Exkrementen der unzähligen Seevögel genährt wird. Und jetzt sondert sich auch im Weiß des Eises das wundervolle Flaschengrün U-r.r^.tmmetolau Gleticherabbruchstellen aus. In der Nähe und allmählich taucht selbst aus dem grauen Tag die zarte Farbigkeit heraus: blaues Eis, roter Schnee (rot von winzigen Algen), grüne und gelbe Tundra, und das Wasser leckt an den Eisschollen, den Gletscherkälbern, die vor den Gletscherstirnen umherschwimmen. Aber Tausende zutraulicher Lummen und Alken pfeifen und zwitschern, und nun kracht es in den Gletschern, donnert und tobt, neues Eis kalben sie ins Meer hinaus, das Echo rollt in den Bergen. An der kalbenden Stelle schwirren Tausende Seevögel auf, und die Vögel in der Ferne verstummen für einen Augenblick — aber gleich darauf ist die Natur wieder im Gleichgewicht, wieder zwitschern, pfeifen die Summen, und dann kracht es wieder tm Gletscher. &'s gelang mir, in dieser mächtigen Einsamkeit einen Tag allein 5U bleiben und dem ungeheuren Schweigen mit Schweigen zu ant- worten. Ganz nahe lassen mich die Lummen herankommen, diese drol- ligen kleinen Taucher, auf wenige Meter Nähe, denn sie haben den Menschen noch nicht fürchten gelernt. Wenn ich mich bann auf einen moosfeuchten Block niedersetze und mich still verhallte, ist das Vertrauen vollkommen, und um mich herum treibt das zierliche Völkchen fein inunteres Wesen. Ich falle im unwegsamen Gelände in einen Bach; aber obgleich ich nun für Stunden durchnäßt bin, so bleibt die Erkaltung in der keimfreien Luft aus. Ich steige den Ungeheuern Waggon- waygletschern hinan. Aus zwei Strömen setzt er sich zusammen, der kilometerlange und nach unten auskeilende schwarze Streifen einer Miitelmoräne, die vom Losvikgebirge zwischen den Strömen kommt liegt auf seinem Rücken. Ziemlich steil steigt die Gletscherfläche an und hinauf in diesem vom Eis bedeckten Gebirgsland, dessen Größe — es ist, die großen es bildenden Inseln zusammengerechnet, so groß wie Bayern — geahnt wird, wenn sich der Gletscher oben im Nebel verliert. Aber unlustig ist man, zu ■ beobachten, und auch unlustig, aufzuzeichnen, den die Sorge drückt das Herz ab. Banal ist fast diese oft und von vielen mühelos gemachte Reise einer genießerischen Gesellschaft — aber nun sorgt das Schicksal dafür, daß diese banale Reise eine ungewöhnliche, eine einzige, ja historische wird. Um 6 Uhr früh des anderen Tages verlassen wir die Magdalenenbai, die, unter glücklichen Umständen gesehen, eines der größten Landschaftswunder der Erde [ein müßte, gleiten den Vormittag lang an der gneisischen Küste südwärts und wollen eben in die Kreuzbucht einbiegen — da kommt drahtlos Befehl aus Deutschland: Auf dem kürzesten Wegs zurück nach Bremerhaven! Und nun folgen Schlag auf Schlag die niederschmetterndsten Nachrichten. Am Schwarzen Brett des Hinterdecks ist zu lesen: Deutschland hat Rußland den Krieg erklärt. Gleich darauf: Deutschland hat Frankreich den Krieg erklärt. Reise, Landschaft, Eismeer, alles gleichgültig, und in unserem Jnter- e|ie versunken! Krieg! Wir wissen nicht wieso und warum. Und wir draußen. Wir auf dem Meer. Von nun an stütze ich mich auf mein Tagebuch, dessen lakonische Zeilen zeigen, wie die Ereignisse jetzt für mich alles andere Interesse verschlingen. „Wir wissen nichts von Kriegsausbruch. Wir dürfen keine Telegramme mehr schicken, damit der Ort unseres Schiffes nicht englischen Kriegsschiffen kund werde, denn der „Prinz Friedrich Wilhelm" des Norddeutschen Lloyds ist im Krieg ein Hilfskreuzer." „(Eben, Montag nachmittag — wir sind in eiliger Fahrt scharf südwärts weit außerhalb des an der Bäreninsel vorbeisührenden vorgesehenen Kurses gefahren —, macht der Kapitän durch Anschlag bekannt, daß er die Fahrt ändert und auf die Lofoten in Norwegen zuhält. Das ist wohl eine Verschlimmerung! Das Schftf begibt sich in den Schutz der neutralen Zone Norwegens." „Im Hoheitsschatten Norwegens gleiten wir hin. Wir wissen nicht mehr, wo wir sind. Standorte des Schiffes werden nicht mehr bekannt- gegeben. Die Reise abgebrochen, Sorge um uns, die Unfrlgen, das Vaterland, die Welt! Ist der Krieg schon ausgebrochen? Wir wissen nicht, wo wir an Land kommen, ob wir Bremerhaven erreichen und auf einem Umweg nach Deutschland kommen." 3. August. Wir wissen nichts anderes, als daß Deutschland Rußland und Frankreich den Krieg erklärt hat. Warum, weiß kein Mensch. Die Depeschen werden entweder in Deutschland oder auf der Kommando- *) Den Toten soll man nur Gutes nachsagen. Was ich von ihm für die Ehrenrettung unseres manchmal doch mit Unrecht geschmähten Geschlechts beim ersten Blick erwartete, bestätigte sich nach der Durchsicht der 300 Seiten vollkommen. Sicherlich g a b cs also exemplarische Ehegatten, die sich durch das böse Beispiel der Obergötter Zeus und Wotan nicht beeinflussen liehen, und zu ihnen mag auck wohl der ehrenwerte Anton Paul Ludwig Carstens gehört haben der in Vorrede als Kompilator des Werkes zeichnet und es dem Dichter Werlhof nebst einer Ode auf dessen abgeschiedene Gattin mit den Worten" „Hier ist's, das Bildnis deiner Plohren! widmet. Carftens nimmt das Recht, als erster eine solche «ammlung veranstalte! zu haben, ganz energisch für sich in Anspruch; er durste dir heute wohl auch der letzte geblieben sein. Das „De mortuis nil nisi bene" ) ist m den 25 Gedichten bis zum höchsten Superlativ derart gesteigert, daß der betrübte Dichter bi» weilen sogar die Ueberschrist in gereimter Form bringt: Dieses ist / das Traurvalet / nach vielgenossner Liebe, Darin / des Mannes Herz, das ganz in Thronen schwimmt, Bon / einem Tugendweib / aus treuem Herzenstriebe, Die Treu mit Dank erkennt, und bitter / Abschied nimmt. Auck fonst bieten die Ueberschristen mannigfache Ursache zum Lächeln, das man uns um der langoerfloffenen Zeit willen verzeihen wird. So schreibt der markgräfliche Hofprediger Christoph Chnstran Handel! Reaenspurg, den 13. März 1712, am Sonntag Subita, woran Jahres zuvor meine liebe, nun selige Weltherin um Mitternacht von den herr- ichaftlichen Dragonern übersallen, und bis an den Tod erschrecket worden"; und Herr Christoph Furer kann bei dem Tode seiner zweite» Eheliebsten ein gefallsüchtiges Wortspiel nicht unterlassen: Ein treues Stirer Herz / führt itzo diese Klagen, Weil / Seine Fürerinn / ihm itzt der Tod entsuhrt! Als echter Pedant und Federfuchser, der sein Magistergewand auch in der tiefsten Trauer fest auf dem Leib behält, erweist sich M. Samuel Seidel, „des Lauban. Lyeei Conreetor und der deutschen Gesellschaft in Leipzig Mitglied"; außer einem Zitat aus den Ovidischen „Tristien gibt er folgende katastrophale Ueberschrist: Schlaf wohl! erblaßte Theodore, Schlaf / Auserwählte Böttnerinn, Und nimm von meinem Dichterrohrc Dieses bange Trauerlied noch hin. Schlas wohl, mein treu und keusches Lamm. So seuszt und girrt / Dein Bräutigam I und dann folgt die ganze oben genannte Titulatur. Die Gedichte selbst I stolzieren meist in dem für deutsche Ohren aus die Dauer unerträglichen Alexandriner daher, der in der damaligen Zeit des lranz°siereiibenGe- I sckmackes gang und gäbe war. Was man an poetischem Gehalt und Aus I druck zu erwarten hat, läßt sich nach den Ueberschristproben ermessen, was den damaligen Dichtern und Lesern bittrer, tranenvoller Ernst war, I reizt uns heute zum Lachen. Neben einer beträchtlichen Anzahl unbe- kannter meist dem theologischem Stande angehorender Großen fmbei I man auch verschiedene interessantere Persönlichkeiten wtt ihren Klage- I (iebetn vertreten. So trauert Canitz über bie Dons, Haller über die I Marianne Werlhos über die Plohrin; Amthor vergießt „Liebes- I thronen" zu Ehren der Görritzin, und G e r i ck e beklagt als „hochstbe- I trübter" Ehemann „empsindlichst" die Eltersten. Die braven Dichter scheuen sich auch nicht, die Schäsernamen ihrer onsich afenen Liebsten zu i nennen- die Gedichte von Brockes aus die „Belise , von Besier I QUf die' sterbende Climene", die mit ihrem „sie beklagenden Llsis sich I unterhält von Richey-Rinaldo aus die „Chantme , versetzen uns | das Arkadien der Blumen- und Schäferorden. Ganz besonders aus- ührlich schlägt der berühmte Musiker Äeorg Philipp Telemann aus Hamburg seine Leier; er „beehrt die Asche seiner Herzgellebtesten Lomse mit „poetischen Gedanken", aus denen -ch.chie Schilderung feiner Wer- I bung hervorheben möchte: Ihr tugendhafter Geist hört mle Schmeicheleyen, Die ich ihr vorgesagt, mit tauben Ohren an. Es taugte fein Geschenk, sie etwa zu erfreuen, Womit man sonst doch oft die Herzen sangen kann. Wie ost hab ich mit mir verzweifelnd müssen kämpfen, Wenn ihre Härtiakeit mir zu Gemüthe kam! Ich suchte meine Glut mit aller Macht zu dampfen. Die doch von Zeit zu Zeit mehr Zunder tn sich nahm. Hartherzigkeit scheint also die Haupteigenschast dieler Louise gewestn zu fein; obwohl Meister Telemann wahrend einer Krankheit ber Same ■ ticb aufovferte obwohl ihr „Fieber ihm Thronen in größter Zahl jagte", dlleb sie unerbittlich."Mit Befriedigung stellt er allerdings fest, | daß sie einem andern Bewerber gegenüber ebenso kaltsinnig blieb. Ein großer Kummer ist hierbey mir unvergessen; Man schlug ihr einen Freund zu ihrem Liebsten vor; Ich dacht, ich muhte mir das Herze selber fressen: Allein er kam bey ihr nicht mehr, als ich, empor. Ob die nun folgende Beschreibung seiner kurzen Ehe von den wo- graphen Telemanns verwertet wurde, sst nur nich gegenwärtig, 1-°^ I falls ist fic sehr anfchaulich und entschleiert recht delikate Dinge, oi . nicht einmal unter dem schützenden Mantel ber Poche erwähnen . Manchen Gatten genügt ein einfaches Ged'ch ganze - Schmerz in größeren Formen ergießen. Pietfch dichtet e'N- • Kantate mit zwei Arien unb einem Arioso; em anderer wendct d^,^ i I schweifige Weife des Dialogs „zwischen A unb B an, uu __ । ! I Naturforscher und Dichter Albrecht von " ll e r verf h g S > lange Trauerreden und richtet noch außerdem eme poetische Epsile^ l feinen Freund I°hann Iak°b Bodmer .n Zurichs D.e Ann^^ | kungen des Herausgebers sind m ihrer Naimtat vielfach recht I fo erfahren wir beispielsweise von Telemann: „Er hat sich zw verheiratet, ist aber, wie es fcheint, in feiner andern Ehe nicht iich gewesen, als in der ersterenBon Korthelts ,, 6e6 Ses: „Sie starb in feinen Armen, und war, zu Vermeyru u rucks, die erste Person, die er in feinem fieben fterbeni g , ) ieiner Rektor Heidmann entschuldigt seine metrischen Verstoß brücke zurückgehalten. Die Kommandobrücke ist abgeschlossen. Der Kapi- tän ist seit Tagen unsichtbar. Die tollsten Gerüchte, aus der einen oder ■ anderen Indiskretion ber Telegraphenbeamten genahn laufen um an Bord. Wie Seeschlangen finb sie. Sie tauchen auf am Heck, und wenige Minuten daraus verschwinden sie vorn am Bug. Jede Verrücktheit findet Gläubige. Die Deutschen sind in Rußland, in Frankreich elngebrochen... . Ader an der französischen Grenze ist doch ein gewaltiger Sperrgürtel . .J Tut nichts. Der alte General Häseler marschiert an der Spitze.Er I Truppe nach Paris! (Vom Einmarsch in Belgien wissen wir Nichts.) Schließlich gesteht mir ein Offizier, er selbst habe das alberne Gerücht | ausqestreut, um wenigstens die Deutschen zu ermutigen. I 4. August. Wir schleichen uns wie Diebe an der norwegtzchen Stufte I entlang, um vor einem feindlichen Schiff die Neutraliteck aussuchen zu I können. In Norwegen begleiten uns schweigende leere Bergzuge Aber I in diesem furchtbaren Ernst denkt niemand an Landschaftsaussichten. Bücher werden aufgeschlagen unb nervös Zugeklappt. Man behandelt I uns wie Kranke ober Kinder, benen man nichts Wichtiges sagt. Fran- I zösjsche Offiziere finb unter ben Reifenben, unb man bente sich bie Stirn- I munq unter Leuten, bie bis vor wenigen Tagen uergnugt unb sastbe- i freunbet miteinanber verkehrten unb sich nun als Feinbe gegenüber- I stehen müssen. Diese Dual bes Nichtwissens! Die Rumänen, bie Polen halten sicy zu ben Franzosen. Die mon- I bauen Weibchen, die gerade daran waren, Siege ihrer Schönheit unb Koketterie zu feiern, finb unter Deck verfchwunben. Die «chonste aus Wien sieht man mit verweinten Augen. Plötzlich ift bas Gerücht ba, bie I französischen Herren würben festgesetzt unb als Kriegsgefangene gehalten. Es geschieht nichts beriet. Neben mir tn der Kajüte ivohnt ein I Franzose mit Mutter und Schwester; im Vorbeigehen bei halboffener I Tür sehe ich die Schwester am Halse des Bruders hangen 4. auf 5. August, nachts 3 Uhr. Wir sind so weit südlich gekommen, daß es wieder Nacht ward; das Wiebereintreten der Nacht i|t unsere 1 einzige „Positionsanzeige". Ich bin wie verrückt über Deck gelaufen, um 12 Uhr schlug man das Telegramm an: England hat den Krieg erklärt I Männer meinten, auch ich. Wir waren am Nachmittag iimner tm Schutz I der norwegischen Küste gefahren, unb nun mußten wir, so schätzte ich zwischen Norwegen unb Schottland sein unb vor ber Einfahrt in bie Norbsee. Wir sahen im stillen Speisesaal unb nahmen einsilbig das Mahl. Plötzlich rufe ich: „Wir fahren ja nach Norden! Denn tue Sonne, die eben noch durchs Steuerborbfenfter, also von rechts her, hereinge- schienen hat, blickte jetzt durch die Fenster auf Backbord, von links. Da muh eine wichtige Nachricht gekommen sein ... In der Nacht erfuhr ich I fie. Der Kapitän hat das Schiff gewendet und Kurs auf Bergen m I ^Wir°fahren^volle Fahrt in der Nacht, das Schiff schwankt auf ganz I ebenem Meer, schwer von der vollen Leistung der Maschinen. Alle I Lichter finb abgeblenbet, alle Vorhänge in ben Sälen unb «ajuten wurden herabgelasien. Wir finb auf ber Flucht. Das Deck ist leer. Nur I einige verstörte Männer lausen umher. Eben um 3 Uhr schlug man die Thronrede bes Kaisers an W.r wissen nicht, was Italien tut. Der italienische @e;anbte tn Pans, Ttttom, ift an Bord. Die Italiener schwanken in ihrer Stimmung. Em Gras aus Neapel aber sagt in dröhnendem Baß: „Italien wirb an -einem Vertrag halten." Amerikaner halten zu uns unb suchen uns Deutschen TOrgcnbrno^rok^auf der See fühlt man, was Krieg mit England | bCb5lyuquft. Am späten Morgen erwache ich. Das Schiff liegt still. Norwegische Häuser stehen draußen vor der Luke. Der deutsche Konsul ist an Bord gekommen. Nachrichten! Nachrichten!! Nachrichten!!! — Nichts! Noch nichts von Bedeutung! Leichte Kämpfe im sundgau. Die Franzosen haben einen Trupp deutscher Pferde gefangen ... Und doch doch etwas Entscheidendes: Die Deutschen sind in Belgien emmarschiert! Sn Ich verlasse' bas Schiss. Ich muß Geld wechseln und frage in Cooks Reisebureau, was man für eine Mark gibt. ,,Nichts!" Das Schiss ist ber Kaperung entgangen. Viel spater, ich glaube es war im Jahre 1917, erhielt ich im Felde, irgendwo durch die 3eiiung die froh und stolz machende Nachricht, daß der Hilfskreuzer „Prinz Friedrich Wilhelm" des Norddeutschen Lloyds die englische Seeblockade gebrochen habe und wohlbehalten in Kiel eingelaufen sei. Mustergatten des 17. und 18. Jahrhunderts. An das verdiente Licht gezogen von Dr. Leopold Hirschberg. Schikaneder stellt in der „Zauberslöte" bie durch nichts bewiesene Behauptung auf: Bei Männern, welche Liebe fühlen, Fehlt auch ein gutes Herze nicht. Ich persönlich kenne eine recht große Zahl Menschen männlichen Geschlechts, bie sehr viel Liebe suhlen unb doch kein gutes Herz haben. Meine Leser sicherlich ebenfalls. Unb wenn man bem leichtsinnigen Emanuel ohnehin nicht trauen kann, fo werden uns durch das weit gewichtigere Zeugnis Goethes erst recht die Augen geöffnet, wenn er an Guftchen Stolberg schreibt: „Was rechte Weiber sind, sollten keine Männer lieben, wir finb’s nicht werth". Daß aber ber Glaube an Männertreue nicht ganz verloren gehe, spielte mir ber Zufall cm Buch aus bem Jahre 1743 in die Hände, das wörtlich folgenden Titel führt: , Zeugnisse treuer Liede / nach dem Tode / Tugendhaster Frauen / in / gebundener deutscher Rede / ab gestattet von / Ihren Ehemännern. Knigge für Federwild. Von Martha von Zabeltitz. Wo sind die schönen Zeiten hin, da der Jäger aus Kurpfalz durch dm grünen Wald schritt, und schoß „das Wild daher, gleich wie es ihm gefallt!" In unseren Wäldern nimmt das Wildgeflügel mehr und mehr ob oder wird domestiziert, wie der Fasan, der gleich den letzten Indianern auf Reservaten herumstolziert, die ihm die Illusion der Freiheit, „die er meint", geben sollen. Das Haselhuhn kommt nur noch in Schweden reichlicher vor; das Rebhuhn kecker! öfter tschechisch als deutsch; di« Wildente ist seit meiner Jugend viel kleiner geworden. Bon den Schnepfen sprechen nur noch Theoretiker, als einem Ziel erstrebenswert. Von der Wachtel geht die Rede, daß sie statt im Ci nur noch im Chaud-froid auf die Welt käme, weil sie da häufig Ammern als Ersatz stellen kann. Der Birkhahn ist wenigstens im Osten noch häufiger, die Weinbergswachtel im Westen. Wo Wasser ist, findet man die Knäckentc und den Taucher; die zähe Wild- oans streicht etwas später von Norden herab, der Krammetsvogel folgt ihr. Wir Deutschen, dir wir nicht wie die Italiener alle lieben kleinen Sänger verschlucken, haben im Krammetsvogel wohl den Meisterzwerg der Tafel. Es heißt, daß ihn Gefck)macksathleten nach dem Rupfen und scharfen Pfeffern unter ihren Hut stecken, wie die Tataren das Fleisch unter den Sattel, um ihn nach gewisser Zeit roh zu verspeisen, so wie der berühmte Koch C a r e m e es von den Jägern der Dauphinee und den F e i g e n d r o s s e l n erzählt. Man kann sich denken, daß die Kranwit- oder Wacholderbeere, der das Vöglein den Namen verdankt, weil sie seine liebste Speise ist, in ihrer Herbheit vom Mäglein aus ma- rinierenb wirkt. De alten Römer ersetzten diese Einlage durch Lorbeeren. Das entsprechende Originalrezept bei A p i c i u s lautet: Reibe Pfeffer, Laser (bas berühmt« Silphium aus Kyrene), Lorbeerbeeren, mische es mit Kümmelbrühe, fülle damit die Vögel von der Kehle aus, binde sie mit einem Faden zu und koche sie in Del, Salz, Wasser mit Dill und Porreeknollen." Unserem Geschmack würde eine Vorschrift des modernsten Apicius, nämlich Fehers, mehr zusagen. In seinem „Gourmet" heißt es, daß man den Piepmatz ausbeinen und diese irdischen Reste in angehöhlte Aepfel mit Trüffelfarce betten soll, die dann in Blätterteig «gebacken werden. Ehemals war „fette Wachtel" ein Kosewort für ein molliges Weibchen. Letztere sind außer Kurs, erstere aber noch nicht der schlanken Flügellinie unterworfen. Im „Meisterwerk der Speisen und Getränke" sind einhundertachtzig Arten, sie zu bereiten, angegeben, und nirgends heißt 's: man nehme eine schlanke Wachtel — im Gegenteil! Unter den hundertachtzig gibt es närrische Zusammenstellungen. Zum Beispiel eine mit Kaninchenfleisch und Trüffeln, die „ä la Descartes" genannt wird. Wie kommt der große Denker C a r t e s i u s in aller Welt zu dieser Ehre? Nun, er stammte aus der Touraine, wo die Karnickel wild wachsen Ad die Trüffel es von Perigord nicht weit haben. Eine andere Art W „ä la Schuwalow", und diese Bezeichnung hat historische Bedeutung. Mas Schuwalow war in den achtiger Jahren Botschafter des Zaren- tiiches in Berlin. Zur Zelt der französischen Verbrüderung mit Rußland «r in Paris, und hier, bei einem feierlichen Lunch im Innenministerium, wurde dieses Gericht aus der Taufe gehoben. Es war eine Jurte Schmeichelei mit Stopfleber und Trüffel, und ihre politischen Aus- mnkungen haben uns Deutschen ungeheueres Magendrücken verursacht. Das Haselhuhn war ehemals viel verbreitet. Es gibt Feinschmecker, ?lc us dem hochgepriesenen Rebhuhn vorziehen. Ein aus dein 14. Jahr- Wbert stammendes deutsches Klosterkochbuch gibt folgende Bereitungs- "b „Man sol nemen rcynevan und peterlin (Rainfarren und Petersilie) Ad salbei undcr ein ander, und ein wenic brotes geriben dar zu. und "urtze und eier. und ribe daz mit wine. und siude (mische) das wohl under S "oder. Und gibz hin." Ich habe Haselhuhn in Schweden mit einer wosbeerensauce und in Sardinien mit Auberginescheibest gedämpft gc- — denn die Buschsteppen der halbwilden'italienischen Insel sind Ml sQk*es für die „pernice" —, aber am besten geschmeckt hat es mir A "Rutsche Art", die halbgargebratenen, halbierten Vögel mit saurer «rfruft't^ un& einem Schutzdach von geriebenem Käse im Dfen fertig ü.Aun das Rebhuhn, dessen Kennwort „Teujours perdrix", so oft zitiert tisrh i selten verstanden wird! Viele Völker huldigen nämlich dem etwas ^,rbten Geschmack, daß eine linde Anrüchigkeit auf manchem Ge- lADcn Genuß erhöhe. Sie haben dafür den Ausdruck „Hautgout" er« leiÄb’ c$.n ro*r nckr „pikant" übersetzen. Bei Federwild und anderen wen ''liegen spricht wohl auch von „Faisande", aber wer sich seinen Gemütsbewegung und Herzensrührung: „Daher habe ich mir zuweilen greyheiten wider die Reinigkeit der Wortfügung imgleichen wider die Lasur in den so genannten versibus communibus erlaubet, die ich mir nimmermehr bey einem, mit ruhigerm Gemüthe zu schreibenden Gedichte, gönnen würde." Warum ich in dieser schweren und ernsten Zeit all dies erzähle? Der Herausgeber gibt in seiner Vorrede die Antwort darauf: Wir liefern nichts, als Zeugnisse der Liebe, welche von Ehemännern 6a) Absterben ihrer Ehefrauen in deutschen Gedichten abgeleget Snb. Was Ausländer in ihren Sprachen in diesem Fall gethan oben, ist uns größten Theils unbekannt. Doch es kann auch feyn, daß ts einer anderen Nation schwer fallen möchte, eine Sammlung von solchen Gedichten aus ihrem Mittel zu schaffen. Ein solcher Ausspruch, vor bald zwei Jahrhunderten getan, redet eine Sanz besonders deutliche Sprache. Gemütvolle Innigkeit — und diese t ja bei aller Ungeschicklichkeit des Ausdrucks die Grundursache der Gedichte — ist von jeher die hervorstechendste Eigenschaft des deutschen Charakters gewesen. Und ebenso ist die ehrliche Entrüstung des Biedermannes, der als einziges Beispiel aus der italienischen Literatur P e - trarka s Gedichte „auf feine geliebte, doch nicht geehelichte Laura" anführt, durchaus deutsch. kulinarischen Kindcrglauben bewahrt ha! und sein reines Herz, bet legi des Lebens und des Verspeisens höchsten Augenblick lieber vor die höchste Zeit dazu. In der genußreichen Epoche der deutschen Renaissance lebte zu Am- berg eine Dame, die in seltener Weise Kochlöffel und Gänsefeder zugleich zu schwingen wußte: die Frau Anna W e ck e r i n. Sie schrieb das erste weibliche Kochbuch, das sie mit Recht „Köstlich new" nannte, und lehrte folgendes in bezug auf die „Rephuneren": man sollte die Rebhühner mit Dchsenmark und Pomeranzen vor dem am Spieße braten stopfen oder nach einem Dampfbad in Apfelwein ausbeinen und in eine Pastetenform legen, die sorgsam zu verschließen sei. Das war aber keine gewöhnliche Pastetenform, sondern eine mit einem „Löchlin" im Deckel, in das man ein „Trüchterlein" führte, damit es den Ausgcbeinten auch nicht an Brühnachguß fehlle. Daß Rebhühner ein „fürstlich Essen" seien, wußte man schon immer, doch dem „Speismeister" von 1766 war es vorbehalten, ihren medizinisch-diätischen Wert festzustellen. Das Hirn sollte man, im Wein zerrieben, gegen die Gelbsucht nehmen, die Eier erhöhten die Fruchtbarkeit der Frauen, die sie aßen. Vermischte man Rebhuhngalle mit Honig, so war das eine gute Einreibung für getrübte Augen, und wenn eine Frau in Wehen lag, so erleichterte eine Rebhuhnfederrauche- rung sic wesentlich. Das drolligste Rezept aber verrät der weise Arznei- kundige Herr S e b i tz. Dft gewechselte Rebhuhneiner sollen nämlich ein treffliches äußerliches Mittel gegen schwache Brust sein. Bis zu welcher Geschmacklosigkeit das Küchenlatein sich manchmal verirrt, ist kaum glaublich. Unter den zahllosen Fasanvorschriften finde ick) eine ziemlich moderne: ,,Fasanenbrüstchen nach der Kaiserin Eugenie!" Für „Filets de faisan sautes" steht an anderer Stelle die Verdeutschung: „Fasanenbrüstchen geschwungen." Ich wurde kürzlich gefragt, ob man bei einem Vogel überhaupt von „Filets" sprechen kann. Etymologisch sind „filets" schmale, ja fadendünne Streifchen, ein Begriff, der auch für Rinderlcnde nicht paßt. Wahrscheinlich ist die Bezeichnung eher aus „effile" ausgezupft, in unserem Falle ausgeschält, entstanden, was sowohl für das als Filet bekannte ausgeschälte Lendenstück, wie auf ab- gebeinte Vogelbrüste patzt. Lassen wir uns also im Vollgefühl grammatikalischer Berechtigung die verschiedenen „Filets de faisans" gut schmecken, ob sie nun „ä la Dominican" in Champagner gedünstet ober „ä la Mongelas" mit Pökelzunge und Champignons geschmort werden. Die Keulen und das Uebrige? Die haben alle ihre besondere Zubereitungsarten, mit Kräutersotzen oder Gemüsen, oder als Farce fein durchgetrieben, oder in jenem kulinarischen Massengrab, das man Pastetenhäuschen nennt. Bei dem Thema Wildente will ich meinen Lesern ein nicht allgemein bekanntes Geheimnis enthüllen. Dicht beim — pardon! — Bürtzel befinden sich die Trandrüsen, aus denen die Wasservögel ihr Gefieder als Schutz gegen das feuchte Element einfetten. Sie muh vorsichtig ausgelöst werden, sonst kriegt das Tier den fatalen Trangeschmack. Weil aber doch leicht von der Fischnahrung das Fleisch ranzig schmeckt, empfiehlt sich eine Zubereitungsart wie etwa die „Bigarade" mit bittern Orangen. Ich habe auck) schon nach dem Prinzip, daß Beelzebub den Teufel austreibt, Wildente mit Heringsotze in der Art der Sardellensotze zum Königsberger Klops (es war auch in Ostpreußen) gegessen, aber geschmeckt hat cs mir nicht. Wer Wildgeflügel schießt, weiß damit Bescheid, wer es aber kaufen muß ober von einem fernen Wohltäter geschickt bekommt, kennt die Umgangsformen mit den edlen Vögeln nicht immer. Man soll sie in den Federn hängen lassen, man soll sie rupfen und nicht abziehen, was der Küchenmaid viel bequemer ist, aber ein saftiges Zubereiten aus« schließt. Man soll sie nie u n g e r u p f t a u f b r e ch e n, um sie auszunehmen. Vögel, die satal riechen, soll man nicht erst kaufen, auch ist das Lasesitzen der Federn ein Zeichen von Verfall. Bei Vögeln, die schon ein bißchen Hautgout sind, ist häufig noch der Busen zu verwenden, besonders wenn man ihn mit einer schwachen übermangansauren Kalilösung abwäscht. Aufgebrochencs Geflügel ist ganz besonders vor Schmeißfliegen zu schützen. Mit diesem kurzen „Knigge für Federwild" glaube ich das Notwendigste gesagt zu haben! Der Gefangene im Kaukasus. Von Graf Leo N. T o l st o i. (Fortsetzung.) Er schleppt sich mit dem Block — hinkt, kann nicht auftreten, die Füße biegen sich seitwärts. In diesem Zustande folgt er dem Nogaier. Er sieht einen Aul, an zehn Hütten, die Moschee mit einem Minaret. Vor einer Hütte stehen drei gesattelte Pferde, Knaben halten sie am Zügel. Der schwarze Tatar tritt heraus und winkt Shilin zu sich heran. Dabei lacht er, spricht in seiner Art und geht wieder in die Hütte. Shilin folgt ihm. Er tritt in eine gute Stube, die Wände sind mit Lehm geglättet, an der Vorderwand stehen bunte Pfühle, teure Teppiche hängen ringsum, vor den Teppichen glitzern reich mit Silber verzierte Flinten, Pistolen, Säbel. Ein niedriger Dfen lehnt an einer Wand. Blank ist der fest- gestampfte Lehmboden. In der ganzen vorderen Ecke liegt Filz gebreitet, auf dem Filz liegen Teppiche, auf diesen weiche Kissen. Und auf den Teppichen, alle in Pantoffeln, sitzen Tataren: der Schwarze, der Rote, und drei andere. Ihre Rücken lehnen an die Daunenkissen, vor ihnen stehen auf einem runden Brett Hirsepfannenkuchen und in einem Napf zerlaßene Butter, ferner in einem Kruge tatarisches Bier, Busa genannt. Sie effen_mit den Fingern, die Hände sind fettig von Butter. Der Schwarze sprang auf und gebot, Shilin seitwärts zu setzen, nicht auf den Teppich, sondern auf die nackte Erde. Dann kauert er wieder auf dem Teppich und traktiert feine Gäste mit Pfannenkuchen und Busa. Der Nogaier setzt Shilin auf den angewiesenen Platz, nimmt feine Ober« schuhe ab, die er an die Tür stellt, wo auch die anderen Schuhe stehen, und setzt sich auf den Filz näher zu den Herren: gierig sieht er zu, wie sie essen, und wischt sich den Speichel ab. jr niedergeschlagen. Tagelang M der Bries eintresfen könnte, oder Kostylin ihm, und und — Druck und Verlag: Brühl'sche Aniversitäts-Buch- und Steindruckerei, R. Lange, Verantwortlich: Dr. Hans Thhriot. fort und Nogaier Kleidung konunt ihr gar nichts." Wieder unterredeten sich die Tataren, schickten den Nogaier blickten bald auf Shilin, bald auf die Tür. Jetzt kommt der zurück, und hinter ihm schleppt sich ein feister Mensch; feine ist abgerissen, die nackten Füße stecken in einem Block. erwidert: „Die beste Meldung gebe ich euch: einen Tscherkessenrock und Stiefel, könnt damit zur Hochzeit gehen. Speise sollt ihr haben wie Fürsten. Wollt ihr zusammenbleiben, so mögt ihr im Verschlag leben. Vom Block aber kann ich euch nicht befreien — ihr würdet euch fortmachen; indessen lasse ich ihn euch zur Nacht abnehmen." Er tritt noch näher zu Shilin, klopft ihm auf die Schulter und radebrecht: gefangengenommen. Abdul sprang auf, zeigte auf Kostylin und sagte einige Worte. Der Dolmetsch übersetzte, daß sie beide Eigentum eines Herrn seien; wessen Lösungssumme zuerst antrifft, den wird man zuerst freigeben. „Siehst du," sprach er auf Shilin ein, „du bist wild und dein Kaderad verhält sich ruhig. Er schrieb einen Brief nach Hause, man wird fünftausend Rubel schicken. Er soll gut gefüttert werden und man wird ihm nichts zuleide tun." „Mag mein Kamerad tun, was ihm beliebiger vermag es, er ist reich, ich aber bin nicht reich. Wie ich gesagt habe, fo bleibt es. Tötet mich, wenn ihr wollt. Nutzen werdet ihr nicht davon haben. Aber mehr als fünfhundert Rubel schreibe ich nicht." Nach längerem Schweigen sprang Abdul wieder aus, brachte einen kleinen Koffer herbei, entnahm demselben eine Feder und einen Fetzen Papier, schob dieselben Shilin zu, klopfte ihm auf die Schulter und machte durch Zeichen bemerklich, daß er schreiben solle. Mithin war er auf fünfhundert Rubel eingegangen. daß er uns nicht im Block halte." Dabei, wie er Abdul ansieht, muh er lachen. Auch Abdul lacht ' Als die Tataren mit den Pfannenkuchen fertig waren, kam die Tatarin, in Hemd und Hosen wie das Mädchen, über den Kops ein Tuch geschlungen. Sie trug ab und reichte eine schöne Kufe mit enger Schneppe. Die Tataren wuschen sich die Hände,^legten dieselben zusammen, stellten sich auf die Knie, bliesen nach allen Seiten und sagten Gebete. Nachdem sie sich noch eine Weile auf ihre Art unterhalten hatten, wendete sich einer der Gäste in russischer Sprache an Shilin. Dich," sagt er, „hat Kasi-Muhamed gefangen." Er wies auf den roten Tataren. „Er überläßt dich an Abdul-Murad." Dabei deutete er auf den Schwarzen. „Abdul-Murad ist jetzt dein Herr." Shilin gibt keine Antwort. Abdul-Murad begann jetzt zu reden, wobei er wiederholt auf Shilin zeigte. Der Dolmetsch sagt: „Er gebietet dir, einen Brief nach Haus zu schreiben, daß man für dich Lösegeld schicke. Wenn er das Lösegeld erhalten hat, gibt er dich frei. Shilin dachte nach und sagt: „Wieviel Lösegeld will er haben?" Die Tataren besprachen sich untereinander. Der Dolmetsch sagt: „Dreitausend Rubel." „ „Nein," widerspricht Shilin, „dreitausend kann ich nicht bezahlen. Abdul sprang auf, fuchtelte mit den Armen und rief Shilin in der Meinung, daß derselbe ihn verstehen würde, einige Worte zu. Der Dolmetsch übersetzt: „Wieviel bietest du?" Shilin dachte eine Weile nach und sagt: „Fünfhundert Rubel." „ . Die Tataren schrien durcheinander. Abdul schrie den Roten an, er schwatzte so viel und so aufgeregt, daß ihm Speichel aus dem Munde Ser Rote indes blinzelt nur und schnalzt mit der Zunge. Wieder hebt der Dolmetsch an: „Deinem Herrn find fünfhundert Rubel zu wenig. Er selbst hat sur dich zweitausend Rubel gezahlt; Kasi-Muhamed war sie ihm schuldig. Er nahm dich für die Schuld. Dreitausend Rubel — für weniger kann er dich nicht freigeben. Willst du nicht schreiben, so wirst man dich in eine Grube und straft dich mit der Peitsche ab." Eh. denkt Shilin, zeigt man Furcht, so kommt man schwer rvieder auf die Beine; er antwortet dem Dolmetsch: „Und du sag« ihm, dem Hund, wenn er mir bange machen will, so bekommt er nicht eine Kopeke — dann will ich gor nicht schreiben. Ich habe keine Furcht vor euch und werde euch nie fürchten, Hunde! Der Dolmetsch übersetzte und wieder sprachen die Tataren zusammen. Lange schwatzten sie, bann sprang der Schwarze aus, näherte sich Shilin, lachte dabei und rief ihm einige Worte zu. Der Dolmetsch übersetzte: „Gib tausend Rubel." Shilin blieb bei seinem Angebot: „Mehr als fünfhundert Rubel gebe ich nicht. Tötet ihr mich, so de- Ein Ruf der Verwunderung entrang sich Shilin, als er . erkannte. Auch ihn hat man ergriffen! Man setzte sie beide nebeneinander. Während die Tataren sie angaffen, erzählen sie sich ihre Erlebnisse. Kostylin berichtet, daß sein Pferd nicht weiterzubringen war, es blieb stehen, uns obenein versagte die Flinte; Abdul hat ihn eingeholt und und vertragene Soldatenstiefel, die zweifellos getöteten Soldaten abg«. zogen waren. Zur Nacht entledigte man sie der Blöcke und schloß sie im Verschlage ein. So verbrachte Shilin mit dem Kameraden einen ganzen Monat „Geduldet euch noch." rief Shilin dem Dolmetsch zu. „Sage du i.,,„, daß er uns ordentlich nähre und kleide, wie es sich gehört, daß er uns nicht trenne — zusammen wird es uns heiterer zumut sein — u.™ Abdul scherzte immer: „Du, Iwan, gut; ich, Abdul, gut." Aber er nährte sie schlecht. Sie erhielten nur ungesäuertes Brot au» Hirsemehl oder ungebackenen Teig. Kostylin hatte noch einmal nach Hauke geschrieben; da die Geldsendung nicht eingetroffen war, fühlte er sich sehr niedergeschlagen. Tagelang sitzj er im Verschlage und berechnet, wann l" er schläft. Shilin jedoch wußte, daß der Brief, welchen er geschrieben, nicht ankommen könnte, und er schrieb auch keinen anderen. „Du gut — schreibst — ich gut." Shilin schrieb einen Bries; damit derselbe nicht ankommen konnte, machte er eine falsche Adresse. Und dabei denkt er: ich werde fliehen. Man führte Shilin und Kostylin in den Verschlag, brachte ihnen Maisstroh und einen Krug Wasser, Brot, zwei alte Tscherkessenanzüge Wo, denkt er, soll die Mutter so viel Geld hernehmen, um mich au», zulösen? Sie hat ja zumeist von dem gelebt, was ich ihr schickte. Sollt« sie fünfhundert Rubel sammeln, sie würde sich ruinieren. Gott wird mir beistehen, daß ich selbst mich herausbringe. Und er geht im Dorfe umher, pfeift oder treibt irgendeine Hantierung: formt Puppen aus Ton ober macht Geflecht aus Reisig — in dergleichen war er Meister. Einst formte er eine Puppe mit Nase, Händen und Füßen im tata- rischen Hemd und stellte sie auf das Dach. Abduls Tochter, Dina, sah die Puppe und rief die Tatarinnen zusammen. Sie setzen ihre Wasserkrüge ab, gucken auf das Dach und lachen. Shilin nimmt die Puppe herunter und hält sie ihnen hin. Si« lachen, wagen aber nicht, sie zu nehmen. Als die Tatarinnen fortgegangen waren, geht Shilin in seinen Verschlag; die Puppe aber läßt er liegen. Bald kam Dina angelaufen, blickte sich um, ergriff die Puppe und lief fort. Am anderen Morgen, bei Sonnenaufgang, trat Dm« aus der Hütte. Sie trug die Puppe in der Hand, die sie inzwischen mit roten Läppchen verziert hatte, wiegte sie wie ein Kind und trällerte dazu ein Wiegen- lieb. Bald aber kam ein altes Weib, schimpfte, riß ihr die Puppe fort, zerbrach sie und schickte Dina fort. Shilin formte eine andere Puppe, die hübscher war als die zerbrochene, und gab sie Dina. Einst brachte Dina den Krug und stellte ihn hin; sie setzt sich, sieht ihn an und lacht, indem sie auf den Krug zeigt. Worüber mag sie lachen? denkt Shilin. Er ergriff den Krug, in dem er Wasser vermutete, und brachte ihn an die Lippen. Er war voll Milch Als er getrunken, rief er: „Gut!" Wie Dina das erfreute! . „Gut, Iwan, gut! jubelte sie, sprang auf, klatschte m die Hande, nß ihm den Krug ans den Händen und stürmte fort. Heimlich brachte sie ihm jetzt jeden Tag Milch. Bereiteten die Tataren aus Ziegenmilch Käsefladen, die sie auf den Dächern trockneten, so brach!« sie ihm heimlich auch von diesen Fladen. Ähr Vater schlachtete einen Hammel, auch davon brachte sie ihm ein Stück im Aermel. Sie warf es vor ihn hin und tief fort. Einst war starkes Gewitter, wie aus Eimern goß der Regen eine volle Stunde lang. Die Gebirgswässer trübten sich; wo sonst eine Furt den Durchgang gestattete, war jetzt an drei Arschin Tiefe, so daß Steine fortgeschwemmt wurden. , , 9f( . UeberaU fließen Bäche, dumpse Tone hallen in den Bergen. Als da» Gewitter sich verzogen hatte, ist noch das ganze Dorf von Wasserpsiltzen durchzogen. Shilin erbat sich von Abdul ein Messer, schnitt aus Holz eine Walze und ein Rad, und an beide Enden befestigte er Puppen. Die Mädchen brachten ihm Läppchen — er kleidete die Puppen an, als Bauer die eine und als Bäuerin die andere. Als das Spielzeug fertig war, fetzte er es auf den Bach. Das Rad dreht sich und die Puppen Das ganze Dorf versammelte sich: Jungen, Mädchen, Weiber, auch die Männer kamen herbei und schnalzten vor Vergnügen mit der pungi. Abdul besaß eine zerbrochene Uhr. Er rief Shilin und zeigte ihm Shilin nahm sie auseinander und machte sie zurecht: die Uhr ging Abdul freute sich. Er schenkte Shilin einen zerlumpten Halbrock; taugte er auch sonst zu nichts, so konnte man doch in der Nacht sich mn ^'Veit^Wejer Zeit kam Shilin in den Ruf, er sei ein Meister. Au» fernen Dörfern kam man zu ihm: dem soll er ein FttnkenschlG, Pistole dem anderen zurechtmachen, wieder ein anderer bringt eine «n > Abdul gab ihm Werkzeug: Zange, Bohrer und Feile. Nach und nach lernte Shilin ein wenig tatarisch verstehen un 1 auszudrücken. Einige Tataren, die an ihn sich gewöhnt hatien, ries "i freundlich zu, wenn sie seine Hilfe brauchten, und nannten ihn J andere sahen ihn noch immer scheel an. , Der rote Tatar mochte Shilin nicht leiden. Wenn er ihn sah, . er die Stirn und wendete sich ab, schimpfte ihn sogar. Unter■ tnn. ~ befand sich auch ein ganz alter Mann. Er lebte nicht im Dorf, öfters herauf. Shilin sah ihn nur, wenn derselbe, um zu - . Moschee besuchte. Er war klein, hatte um seine Kappe ein weiße tuet) geknüpft; Bärtchen und Schnurrbart, die weiß wie Daunei trug er beschnitten, das Gesicht sah rot aus roic Kieselstein, m Habichtsnase, den stechenden grauen Augen, dem zahnlosen JJ • dem zwei Hauer ragten, sah er heimtückisch böse aus; aus Mn cC gestützt, blickt er um sich wie ein Wolf. Sieht er Shilin, so P und wendet sich ab. (Fortsetzung folgt.) ____,---