GiehenerZamilienblätter am SchiiS Unterhaltungsbeilage zum Gießener Anzeiger Dienstag, den P. April Jahrgang <928 Nummer 29 nur >ann Heinrich, daß er i, na, Sturm auf Hje, merz »ort. »erz Verscherzte Jugend ist ein S< und einer ew'gen Sehnsucht nach seinem Lenze sucht das ; in einem fort, in einem fort 1 Lenzfahrt. Von Conrad Ferdinand Meyer. Am Himmel wächst der Sonne Glut, aufquillt der See, das Eis zersprang, das erste Segel teilt die Flut, mir schwillt das Herz wie Segeldrang. Zu wandern ist das Herz verdammt, das seinen Jugendtag versäumt, sobald die Lenzessonne flammt, sobald die Welle wieder schäumt. Und ob die Locke dir ergraut und bald das Herz wird stille stehn, noch muß es, wann die Welle blaut, nach seinen Lenzen wandern gehn. J geliebtes früheres Gartenlokal in Rostock. s Rostock wird die Warnow allgemein „der Strom" genannt. «: iiettimgshaus für verwahrloste Kinder. ) 1 Last = 2000 Kilogramm. .... , , st gegenseitig ausprobieren, wenn — einem fliegenden Sturm auf einen Legerwall2) geratet, ist manchmal auch die beste menschliche Forschheit nicht besser als ein schwacher Zwirnsfaden, mit dem man ein Pferd sestbinden will, das den Koller hat. Ich mag es übrigens gar nicht leiden, daß der Koperni- kus die Rcilrahcm) auf hat, das kommt mir gerade so putzlustig vor, wie ein Kapitän, der einen Schnurrbart trügt. Ich will dir nur wünschen, Heinrich, daß er bei halber Ladung und Ballast nicht schwankt und so sicher in den Wind wendet, wie es ein Wetterhahn auf dem Kirchturm bei richtigem Winde fertig bringt." Ich biß mich auf die Unterlippe und sagte kein Wort, denn ich hatte mir seit acht Tagen nur das Kinn rasiert und wollte mir, Mariechen zu lieb, einen Schnurrbart stehen lassen. — Mein Vater war aber noch nicht fertig. „Sage einmal, Heinrich," fing er wieder an, „wer sind eigentlich deine Reeder?" »ahrschei» >9 s° 8» eanägetijj m „Dan# Uisch-lätzj von uns! Du bekommst noch zeitig genug Salzwasser zu kosten und wahr« scheinlich mehr als dir lieb ist." „Na, nimm mir das nur nicht übel, Vater", sagte ich da. „Ich dachte nur, da der Wind so nach Osten geht, ob ich nicht den Kopernikus zusammen mit den beiden Leichtern durch einen Dampfer nach Warnemünde schleppen lassen sollte." „Wozu die Ungeduld, Heinrich? Morgen ist Sonntag, und übermorgen ist auch noch ein Tag. Ein Kapitän soll nicht zu hastig sein, er soll nicht teerquastigH sein und auch nicht übermastigH sein. Ich habe dich genau beobachtet, wie du eben den Kopernikus so verliebt angucktest, als ob es nur ein« solche wunderbare Schönheit aus der Welt gäbe, und wollte es mir so scheinen, als ob du dir als ein höllisch forscher Kerl vorkämest wegen des forschen Schiffes, dessen Kapitän du bist. Deine Forschigkeit und seine Forschigkeit sollen sich aber erst ' ihr beide vor einem ff ‘ ' Der Generalreeder. Erzählung von John B r i n ck m a n. Wir saßen in Hädges (Barten1) aus der Bank unten an der Warnow. Die ganze Familie, klein und groß, und mein alter Vater war auch dabei. Der war heute so recht aufgeräumt, und sein altes ehrliches, blaues Auge sah so klar aus wie der Himmel droben und so still und in sich zufrieden wie der Strom2) vor uns. Es war ein Samstagnachmittag im Juni, und die Fähre an der andern Seite des Stromes und die Gehlsdorfer Büdnerien und das Rauh« Haus2) staken tief in dem frischen Frühjahrslaub wie rote Aepfel in grünen Blättern. Der Wind t t-liuiiu# VI HUHU UU|. u-iiiv ^v|uuuyvuv oit kein Wort von dir gegeben, hast deinen Kaffee kalt mapperst deine Zigarre am verkehrten Ende an. Wozu solche Ungeduld. ~:u 'ommst noch zeitig genug an Bord. Der „Kopernikus" läuft dir nicht "der meinst du, daß der Bruchfischer, der dort oben vorüberrudert, sy»n E. stecken und damit auskneifen könnte? Da ladet uns das ,‘nir ein, seinen Kopernikus auf dem Strom zu bewundern, na, ‘ nehmen auch Notiz davon, aber Monsieur Heinz nimmt keine Notiz Ich sah den Alten ganz verwundert an. Der Alte war nämlich Korre- spondentreederH der Bank und wußte es ja ganz gut. Er hatte aber seine scharfen, blauen Augen so fest auf mich gerichtet, als ob er mich durch und durch sehen könnte und wollte. So zählte ich denn die Reeder des Kopernikus alle einzeln auf, und das dauerte auch nicht lange, benn meiir Vater und meine beiden Brüder reedeten allein das halbe Schiff. „Und weiter haft du keine Reeder?" sagte dann der Alte. „Nicht, das ich wüßte!" „Nicht? — Wer ist denn dein Eeneralreeder?" „Generalreeder?" — sagte ich und sah wohl ganz verdutzt aus. Meine beiden Brüder, Hans und Franz, sahen sich an, als wenn sie sagen wollten: „Wo will der Alte denn wieder hinaus?" Unser alter Vater war manchmal spaßhaft, aber manchmal auch nicht. Er sah so ernsthaft aus, daß sie sich beide das Lachen verbissen, zu dem sie versucht waren. „Na, wenn du nicht weißt, was ein Generalreeder ist, und noch keinen hast, dann muß ich es dir wohl erklären. Ich hatte schon immer die Absicht, das unter vier Augen mit dir zu besprechen, denn du bist noch ein sehr junger Mann und ein bißchen gar zeitig zu eigenem Brot gekommen. Ich sehe es ater nicht ein, warum ich cs nicht gleich tun soll, da die Gelegenheit schicklich ist, und wer iveiß, da du so große Hast hast, ob du nicht schon übermorgen den Sund passiert hast und ich das Nachsehen habe, denn es ist dann Gottes Wille, ob wir uns überhaupt wiedersehen. — Hans, gib mir einmal deine Zigarrentasche her, meine sind ein bißchen feucht, wie mir scheint, und ich rauche wohl eine von deinen." Als der Alte sich nun eine Zigarre gewählt und sie richtig in Brand gesetzt hatte, sagte er: „Sieh einmal, Heinrich, mir ging es zu meiner Zeit gerade so wie dir. Als ich den Agamemnon so vor mir liegen hatte an der Lagerbrücke, Anno vierzehn, wie du jetzt ben Kopernikus vor dir liegen hast, klipp und klar und fertig zum Auslaufen, da hatte ich auch Reeder und einen Korrespondentreeder; aber einen Generalreeder hatte ich noch nicht und wußte auch von keinem. Humpel-Davids hat mich den kennen gelehrt, und wer Humpel-Davids feiner Zeit gewesen ist, das mußt du ja noch wissen, Hans, nicht wahr? Nicht? Na, das war ein alter Seemann, der Anno fünf bei Trafalgar unter den Engländern dabeigewefen auf einem Kriegsschiff, dort aus dem Mast geschossen war und sich den linken Arm und das rechte Bein gebrochen und zu gleicher Zeit dabei einen kleinen Knacks im Kopfe wegbekommen hatte, so daß er zu nichts mehr in der Welt zu brauchen war. Er war nun im Armenhaus auf dem Heiligen-Geist- Hospital untergebracht und humpelte Tag für Tag nach dem Strand, den Krückstock in der rechten Hand und die linke in der Brust seiner Matrofenjacke. Er sprach immer vor sich hin, wenn er die Lagerstraße hinabsegelte. Alle Kapitäne, Steuerleute und Matrosen kannten Humpel- war östlich, die Lust aber so warm und ruhig, als wenn sie eingeschlafen wäre oder einschlafen wollte, und die Blätter an den Bäumen über uns hingen so still herab wie Fahnen am Ehorgangspfsiler in einer Landkirche. Ich hatte aber kein Auge dafür; ich hakte nicht einmal ein Auge für meine kleine Frau, die bei mir faß und hin und wieder meine linke Hand leise drückte, und sie war mir doch erst vor acht Tagen angetraut und so ein kleines süßes Weib, wie sie unser Herrgott einem Junggesellen von 26 Jahren unverdienterweise an den Hals, nein, was sage ich, ans Herz werfen kann. Ich mußte immer auf das Fahrwasser vor mir sehen imb war bnbel so stillvergnügt wie ein König, ber feine Krone zum erstenmal vor Gott und aller Welt auf den Kopf setzt. Auf dem Strom mir gegenüber lag eine funkelnagelneue Bark von 120 Last1) so flott unb sauber, so glatt und stramm, wie es das beste Eichenholz und Schiffsbaumeister Zeltz hergeben konnten, und das schmucke Fahrzeug war mein eigen, und ich war der Kapitän davon unb sollte meine erste Fahrt nach London mit einer vollen Ladung Weizen machen. Ich war nun mein eigener Herr, stand auf eigenen Füßen unb feiner hatte mir etwas zu befehlen. Das ist ein süßes Gefühl, besonders nn ersten Monat, das ist ein wahrer Honigmonat; der Wermut liegt dann noch ganz auf dem Grund, und man denkt gar nicht daran, daß er über« I)nupt einmal aufsteigen und nach oben kommen kann unb mit herunter- gefchluckt werden muß, ob man will ober nicht. Mir war es recht, baß inein Schiff bart so vor mir log, dicht wie ein Topf unb flott wie eine Wildente auf dem Binnenwaster. Ich konnte mich nicht satt an ihm sthen. Unb wieder war es mir nicht recht, daß die Bark nicht schon oeaußen auf ber Reede lag, ausklariert und fix und fertig. Sie hatte ihre M Last Weizen schon eingenommen, und es war ihr kaum anzumerken, daß sie überhaupt etwas drinnen hatte. Zwei Leichterschiffe voll mußte sie »och in Warnemünde unb auf ber Reede übernehmen, bann war sie voll, und ich rvar neugierig, wie es ihr bann stehen und wie sie sich später vor dem Wind und bei dem Winb machen würde. . "Ro, endlich ist nicht ewig!" rief da mein alter Vater. „Nun wacht yer -Lngträumer endlich einmal auf. Eine geschlagene halbe Stunde hast ......... ■ ■ * 't werden lassen und °) Ungeschliffen; eigentlich: plump unb breit wie ein Teerpinsel. c) Uetermütig. 7) Ein Schiff befindet sich aus einem Legerwall, wenn es so nahe vorn Sturm auf eine Küste zugetrieben wirb, baß es Gefahr läuft, sich durch Lavieren nicht wieder abarbeiten zu können. 8) Reilrahen (Royal-Rahen) sind die obersten Rahsegel. e) Der Mitreeder, dem die Rechnungsführung, Abschluß ber Frachten usw. übertragen ist. ‘er die U -»'sonnen $ ort; viellij e er es n ‘ r sie beutli lte durG tiges 6(jii len. Er f hervor, $ 3er „BM ad durch i Atze... n ■ er, fo stz leise an g >he. Stadt, inj ►erfdjtafeit i len vor b« als, als «i n strahlend e damals § : kreiste: & anals, in b ibscheu, im st recht tut! wswandw ch nicht alle bliche (Befti als fiiljrltt Lachen, r ie damals. rt, die ich ieberten 6» ssel, riefen e Valdesstick n Tann; ii che Moos»: bis zur Gi die schnck konnte, ft über run!i ufanne tt Thomas b m Kleid.!: jufannw mb war II« ang bcniln onnenroarK himmerte k tobt im A" von W» thaustum. des Strow ichmucke ije einige Klef» chimmert! rmeßlich A is Blutlilk ewig wähn- eläut mfangen, w . hätte er * enschen. ,ft' len zum “ lennnbeln ®! Gelächter» d, Wg» du benn F iie teure?» er kiißie k für fein I» fler nichts r aufgest» gemachtr ia, Magd»- itzlich ME cktedieS- Ploid. den ilberbechM > schweb°L einem » ... 3m I’1' gewesen. (Fortsetzung folgt.) io) Anleihegeschäst unter Verpfändung von Schiff und Ladung. ii) Bevollmächtigter und Vertreter des Korrespondenzreeders. David gut, und wenn ein Schiff ^^ E^/Däne^^chtt bR Helsingör gra« •* -- -SM-MMLSW-Z ZWWSZW .Md d°- lch°°» »L WEWUMsMSZ lEMWNZMW —WWsLSLLM- | langten, stand die Hirschkuh, schon em rv g Y Stühe, wie neu- Strick angehalftert und begriff das Leben hinüber zu strecken, gierige Frauen, wurden nicht.müde, lange ^l,e M v umd ^sser zu äu«Sm.«e .rlr,L a« SMd°°°z.d-- >;gg | landreiches liebkost hatten, sah 1,111 ,5.' huriine Besen den Stall- ÄÄ’"- ÄS&* »«« »“ ®** I nicht wertet. Arme, kleine Königin im Exil. . . fi (.jer I Nach Unterredung mil dem Forstamt wurde besch ojic üreif)eit gesetzt । | überwintern und mit besinnendem Frugch - $ hier aus- SSSWi? berber Wildairuch schwebte fremd im warmen Dunst des stalle,. Strick un, ihren Hals war und blieb eine Lästerung. sprach Langsam wurde sie vertraulicher nut nur, die ich t» io) 11‘^„igi« und schaute mich aus stillen Augen voller Schwermut an. der unbegrenzten Wüdbahn, nun' lernte sie ke , während Menschenlos ist: unfrei zu sein für Brot. Vielleicht leg " ^.'Beherrscher lie im gesicherten Stalls stand, oben tn den Bergen -b „0(f, rvar er bas Geweih in den Schnee, um zu sterben; aber oer) g &ie Zag- fern von Schmach und im Tode selbst war er frei. Aber ch ) geben beit aelatzt da gingest du in die Rwderungen und gewan 1 Dieser zurück Aber ich glaube, du hast dennoch nicht gut darnn get ■ em S dieser Strick um Deinen Hals wird fortan «n m bst, de" königlichen Leben sein: wenn du dich früh aus den Latschen Leib feucht von Tau, und allem bis mtt dem letzten enu t s^hen Stern und der keuschen Morgcnsttlle der Gipfel ~ wenn fuhren. . , ntrbi hpi h(*Fi SlciüHicnuion ZU Wlutc wi£ ölt ' Deug°b'm ml. w "»> WßMZWW WLWWSW KMWWWtz WWMWMWW MWWWKW ah damals beinahe ebenso übermastig aus wie He,nzvorym alser s ZWZMMi-LMS W-MWWMM i ins Herz hinein. Doch hatte sie keinen roten Schilling m der Welt Ich L^unvkrhettättt'e Tante irfenLo^n "der'Wett L hatte. Ich Lgte innn’at und der war damals gerade so warm und schon, wie er heute ist. I -NH nullte meine kleine Frau Herrn Kommerzienrat Magseli vor, bereut | ?(>hr itoher und vornehmer Herr und Schwager des Geheimen Etats- I rnfes roar und stellte sie auch Frau Kommerzienrat Mahselt vor, die noch unt«, ?mh nnroehmer unD eine Schwester vom Danebrogs-Großkreuz I « In sS m« Un «imd W an tm Ann-n K“B, «. Sanni«». «6er In S-m> Mil 仫> «und ««1° ] »L °-'K-nmmn,n m.d mutzl-n 6=1 Ihn.» £,«”“ £ Siy!«.n Mi? ,-M |n .in «Man «ornetm «ar. «1. ?iehft du micki wohl und hat du mich wohl gesehen. . , i«ad, Tisch nahm der Kommerzienrat mich bei Seite und bot mir, als der Kaffee auf einer silbernen Platte angeboten war, eine ÄiSarre an die waren dmnals noch nicht Mode. - Er hie" nur emeofftne Wert - »;»„ Nebmen Sie nur gleich em Bund, bester Sjeuer, »eine ~«aje stät rauchen sie nicht besser, sie sind fein und milde und kosten fünfzig Svettes" Ich wollte bescheiden Einwendungen machen, es half aver Mchts ich musste" fünfundzwanzig davon in die Tasche ecken Und was ich sagen wollte, lieber Heuer, im August must der Lhristian wieder nach St. Thomas. Es soll aber das letzte Ma! sein, dah Sie st Person m t- gehen. Haben wir Erfolg, gedenke ich eine eigene merkantillsche Komm - bite in Gothenburg zu errichten, und wem anders als Ihnen konnte ich die Leitung anvertrauen? Sie haben sich bewährt, bester Heuer, und wenn Ihr barer Anteil am Geschäft auch zur Zeit stoch unbedeutend ist, das wird sich dann schon bessern. Ich denke, das soll Ihnen schon zusagen. Mabkelt & Heuer wie? Richt wahr?" Und dabei klopfte er mich äusserst ZMLSSLMW Königin im Exil. Von Sosie von Uhde. Es ickneite und schneite seit Wochen. Das Montafon versank in weihe 8M-ZMMW-- Mbftsturi zwingt — _ immer dich bedrüi {reien. Kc ienschen! Als ich «lall, run ihr den S -raune E> Aber i H über Satschenha durchs Dic den dunkl' tonte ihr Dann 1 i Was i Jahre spä rätsel nich religiösen B sich ir mühso Einer bundertnu bürgerlich mas got tnm. Erst „Kreuzigu müter kla Weit dr Jedes ent liniere und die i von Strie Frieden i eintet, sc fertigt, u vielen bei thronte. ( Diese was linz. worden r ein Sym! apokalypl glaubte d Christi n überreich sionsgesch zigung; i beit. Im fallen sei haste Bli der Ausi Viele erscheinet Besser st aus sich überkonn und ist l Ban m 1 dachtsbtli llgung n und in l schütterni gewesen, heiligen leidende die schick zweiselie die Cchx Kelch ur Vorbild .. ®erfj' österliche Rest not Gott zu Pacher Christus die Hüll fein Tri Antlitz, blendete selber n hassen: M gefta , Es t seren K er Ostc fach Kr I wMsturm der fordernde Schrei deines rauhen Freundes dich zur Liebe Winqt — wenn deine Kinder, junge starke Hirsche, in die Berge springen "immer wird die dunkle Erinnerung an diesen Strick an deinem Halse bedrucken und dich bescheiden aus der alten, stolzen Gemeinschaft der ■ toten. Ketten hinterlassen ewige Narben, wer wüßte das besser als wir | ^Als^ich im Frühjahr wiederkain, stand die Hirschkuh noch immer im 6ta!l rund und stark geworden, mit dunklen, traurigen Augen. Ich löste ibr den Strick, als die Stunde der Freiheit schlug und sah sie über die braune Erde bergwärts fliegen, in die Wälder zurück. Aber ich glaube, ich bin ihr ein Jahr danach noch mal begegnet. Als Mi über brüchigen Frühjahrsschnee auf lautlosen Skiern durch einen Laischenhang glitt, sprang ein Rudel Hochwild vor mir auf und brach burchs Dickicht davon. Nur eine Hirschkuh blieb ein paar Sekunden stehen, b-n dunklen Blick mir zugewandt, als wüßte sie um den Menschen und Ante ihre Tierseele nicht mehr aus seinem Reiche lösen. ? Dann folgte sie in zögernden Fluchten den andern. Ostern in der modernen Makerei. Von Dr. Paul Weiglin. Was die Romantiker gespürt hatten, suhlten wir ähnlich hundert Jahre später: mit dem gesunden Menschenverstand allein waren die Weli- räisel nicht zu lösen. Wir begannen uns wieder nach dem lange belächelten religiösen Erlebnis zu sehnen. Das Osterwunder einer Auferstehung voll- B! sich in uns, und wir folgten nicht mehr befremdet den Künstlern, die mühsam den Weg zu den Höhen religiöser Kunst bahnten. Einer tieferen Inbrunst genügte nicht mehr, was noch um dis Jahrhundertwende die Herzen ergriffen hatte: Eduard von Gebhardts bürgerlicher Ernst, Friß o. Uhdes sanfte Menschlichkeit, Hans Thomas gottinnige Einfalt, Wilhelm Steinhaufens spätes Nazarener- bim. Erschreckt und dennoch gebannt standen wir vor der blutrünstigen „Kreuzigung" Lovis Corinths. Das war nicht, wie empfindsame Gemüter klagten, barbarischer Naturalismus. Aus dieser aufgeregten Häß- «chkeit dröhnten uns die feierlichen Klänge unseres gewaltigsten Passions- tiedes entgegen: „O Haupt voll Blut und Wunden ..." Unsere Passion stand uns noch bevor. Die Künstler waren Propheten, und die Formnuslösung, die sich dem allgemeinen Urteil als eine Folge von Krieg und Revolution darstellte, setzte ein, als mir noch in tiefem Frieden und ungestörter Ordnung lebten. Als dann die große Weltwende eintrat, sah sich die künstlerische Umwälzung durch die Ereignisse gerechtfertigt, und je toller es zuging, desto unwiderstehlicher meldete sich bei vielen der Drang, den Gott zu suchen, der hinter den Wolken verborgen thronte. Es entstand eine neue religiöse Kunst. Diese Kunst war nicht kirchlich. Sie wollte nichts aufs neue abbilden, was unzählige Male und oft in unübertreMicher Vollendung^gestaltet worden war. Sie war erfüllt von den Schauern einer Endzeit. Sie suchte ein Symbol für die Schrecken, die auf den Menfchen mit der Wucht der apokalyptischen Reiter eindrangen. Frei von jeder dramatischen Bindung glaubte der Künstler wie kein anderer vor ihm das Leiden und Sterben Christi nachempfinden und nacherleben zu können, und es entstanden in überreicher Zahl malerische und graphische Darstellungen aus der Pas- sionsgeschichte des Herrn. Willy I a e ck e l schuf (1919) seine große Kreuzigung; in diesem gemarterten Christus erblickten wir die leidende Menschheit. Im gleichen Jahre entstand sein Gethsemanebild, und in dieselbe Zeit fallen seine Radierungen „Gottmensch-Gott-Menschgott", seltsam märchenhafte Blätter, die technische Phantasien zu Hilfe rufen, um das Wunder der Auferstehung zu verdeutlichen. Viele standen dieser neuen Epoche fremd gegenüber. Ihn sie vertraut erscheinen zu lassen, erinnerte man an G r ü newald oder Greco. Besser fuhr, wer unbeschwert von geschichtlichen Vergleichen die Bilder auf sich wirken lieh und ihnen nicht den Rücken wandte, weil sie den überkommenen Vorstellungen religiöser Malerei widersprachen. Cs war und ist diesen Karl Kaspars, Dietz Edzard, Ewald Vetter, Felix Baumhauer bitter ernst mit ihrer Sendung. Sie wollen keine Andachtsbilder schaffen. Es liegt ihnen nicht in erster Linie cm der Bewäl- ügung malerischer Probleme. Sie offenbaren uns die Not ihres Herzens, und in dieser Not sehen sie sich immer von neuem gezwungen, jenes erschütternde Ereignis zu gestalten, das auch der Urheim unseres Dramas gewesen. Weit seltener fühlen sich unsere Künstler von der Idylle der heiligen Nacht, von dem Glanz der Anbetung der Könige angezogen. Der leidende Heiland steht ihnen näher, als der Lehrer der Bergpredigt, und "lc schicksalsdüstere Nacht des Abendmahls packt sie weniger als der verzweifelte Aufschrei des Gekreuzigten. Die meiften, die heute malen, kennen die Schrecken von Not und Tod. Sie glauben zu ahnen, wie bitter der Kelch unverschuldeten Leidens schmeckt, und des Gottessohnes heroisches Mrbild ist ihnen ein Trost. Verhältnismäßig selten begegnen wir Darstellungen des eigentlich österlichen Ereignisse, der Auferstehung des Herrn. Enthüllt sich hier ein "'fest vom Rationalismus, der stärker ist als der leidenschaftliche Trieb, ZU suchen, Gott nahe zu fein? Der Oesterreicher Gustav Jngers- hat eine Auferstehung gemalt. In steifer Feierlichkeit schrvebt chrlstus, von einem Engel geleitet, durch die Glorie nach oben und laßt , ? Wter des Grabes in dunkelem Entsetzen zurück. Dieser Christus ist M ^uumphator wie auf unzähligen alten Bildern. Aus feinem ernsten 7, “B- seiner gebundenen Haltung spricht die Anklage gegen eine ver- wenbeie Menschheit, die ihr Heil ans Kreuz geschlagen hat. Wir sind r;,cr »och nicht auferstanden, und wenn wir auch alle auf das Wunder *)er Künstler vermag es noch nicht, mit unbeschwertem Herzen M gestalten. t,„ ®itö eine Zeit kommen, und vielleicht ist sie schon nahe, wo un- s,7" Künstlern nicht nur die Leidensmacht, sondern auch der SiegesMel in, Osterwoche wieder gegenwärtig werden wird. Die Ekstasen, die viel- | ,r9 krampfe waren, haben sich beruhigt. Wir finden in unseren Ausstellungen Bilder, die sich eine ost peinliche Naturbeobachtung zum Ziele setzen. Die Treue und die Klarheit alter Meister sind hoch im Ansehen gestiegen. Schon gilt cs als verdienlich, an Stelle des Chaos der erregten Seele die schöne Ordnung dieser Welt zu malen. Man traut sich noch nicht recht und übertreibt deshalb mit pedantischer Trockenheit. Aber das Faustwort besteht: „Die Erde war auch diese Nacht beständig." In dieser neuerwachten Liebe zu den Dingen, mit denen wir leben, zu der Natur, die uns umgibt, sehen wir ein österliches Werden, dem sich auf die Dauer auch die religiöse Malerei nicht verschließen wird. Der Schrei des Schmerzes, der aus tiefer Not erscholl, wird nicht verklingen, aber er wird zu den seligen Klängen führen, die Christi Auserstehung verkünden. Der Münchener Karl Kaspars hat die drei Frauen am Grabe gemalt, flüchtig, fahrig, mehr auf 6ns Gefühl denn aus Anschaulichkeit gestellt. Und dennoch spricht aus diesem Blatt, was uns alle erfüllt: das Glück und die Unruhe des Ostermorgens. Die Entdeckung DeutschlLnds. Bon Professor Dr. Friedrich Behn, Mainz. Während an den Rändern des Miitelmeers und im Orient Kulturen aufblühten und wieder verblühten, von denen uns ein reich entwickeltes Schrifttum kündet, lag der Norden Europas noch im Dämmerlicht der „Prähistorie", das kein Strahl geschriebener Geschichte erhellt. Doch Prähistorie ist.nicht gleichbedeutend mit Kulturlosigkeit oder auch nur Kulturarmut, die Funde zeigen uns ein reiches Kulturleben vor allem in den Gebieten, die von den Germanen bewohnt waren. Es ist besonders die Stufe der jog. „Bronzezeit", die rund dem zweiten Jahrtausend v. Chr. entspricht, mit ihrer unerhörten Pracht selbst in den Dingen des täglichen Lebens. Es war wohl die Stärke dieser Kulturen, daß sie sich ungestört vom Strome der „klassischen" Lebensformen in ihrer Eigenart voll entfalten konnten. Daß trotzdem manche Verbindung zwischen Süd und Nord bestanden hat, verraten uns wiederum die Funde. Die sog. „jüngere Steinzeit", die um 2000 zu Ende geht, ist eine Zeit größter Volke r- umsiedelungen von weit größerem Umfange als die bekannte Völkerwanderung, mit der man nach altem Brauch das Altertum abschließen läßt. Und mit dem ersten Kulttirmetall, der Bronz e, kamen auch die technischen und künstlerischen Formen in den Norden, der sie bereitwillig aufnahm und sich aus dem Grunde einer neuen Technik wieder fein eigenes Formengebiet schuf. Keiner der beiden Grundstoffe der Bronze, weder das Kupfer noch das Zinn, kommen im germanischen Norden in solchen Mengen vor, daß sie die technische Grundlage einer Metallkultur bieten konnten, beide mußten eingeführt werden. Kupfer kommt im hohen Altertum an drei Stellen vor: auf der Jnfel Zypern (die daher ihren Namen hat, ober die umgekehrt dem Metall seinen Namen gegeben hat), in den Ostalpen und in Spanien. Der Zinnlieferant des Altertums waren die britischen Inseln, die schon bei Homer mit ihrem einheimischen 'Nameii Kassiteriden, Zinninseln genannt werden. Der rege Zinnhandel hatte schon eingesetzt, als die Helmatinseln des Melalles selbst noch in der Kulturlage der Steinzeit beharrten; er hat in der Literatur der klassischen Welt seinen Niederschlag gefunden in den Märchen von den Hyperboräern, im Norden selbst vielleicht in einer merkwürdigen Gruppe von mächtigen Steinbauten, die ohne Zusammenhang mit einheimischer Baugesinnung stehen und ihre Analogien im Süden und Osten haben. Ein im Altertum heiß begehrter Handelsartikel des Nordens war das „Gold des Nordens", der Bernstein, der in der Urgeschichte des Handels eine ungeheuer große Rolle spielt. Zu diesen Quellen führten sowohl Land- wie eeeroege, jene entlang de» großen Flußtälerii. Die Seefahrer hatten ein drastisches Mittel, sich unliebsamer Konkurrenz fernzuhalten, in dem sie fürchterliche Dings erfanden von unglaublichen Gefahren und Ungeheuern" aller Art. Die Erzählungen der Odyssee haben uns eine ganze Anzahl solcher Schiffermärchen überliefert. Ein wirkliches geographisches Juteresfe hat das klassische Altertum nicht gekannt. Man machte es sich recht leicht: alle nördlich von Griechenland wohnenden Völkerschaften waren „Skythen". Ms dann durch die jonische Kolonisation in Frankreich (Massilia) und Spanien (Emporion) auch der Westen mehr in den Gesichtskreis zu treten begann, kamen die „Kelten" hinzu. Als Grenze dieser beiden Nordvölker nahm man die Elbe an. Was noch weiter nördlich wohnte, nannte man „Keltofkythen." Die wirkliche Entdeckung des germanischen Nordens knüpft sich an den Namen des Pytheas von Massilia. Er ist einer der größten Entdeckungsreisenden der Geschichte gewesen. Seine Fahrt ging aus von Massilia (Marseille), berühmte Gades (Ladix) und folge dann den Küsten des Ozeans. Man hat darauf hingewiefen, daß eine solche Reise erst aus der geistigen Umstellung heraus erklärlich fei, die nach des großen Alexander Kriegsfahrten tief in den unbekannten Osten hinein einfetzte und das Jnterelse an Ländern und Völkern weckte, die bisher außerhalb des Gesichtskreises gelegen hatten. Das mag für andere Unternehmen zutreffen, die Fahrt des Pytheas mutz aber aus allgemein geschichtlichen Erwägungen früher angefetzt werden, da bald nach der Mitte des 4. Jahrhunderts die Karthager die Durchfahrt durch die Meerenge von Gibraltar für fremde Schiffe gesperrt haben, um den europäischen und afrikanischen Seehandel für sich zu monopolisieren. Die Expedition des Pytheas war ausgerüstet von massaliotlschen Kau,- herren, hatte also wohl nicht bloß wissenschaftliche Ziele, sondern sicher auch wirtschaftliche. Doch immer ist ja die Erweiterung des Seehandels auch der Erweiterung des geographischen Wissens zugute gekommen. Jedenfalls hat sich Pytheas lange an den Küsten des Atlantischen Meeres aufgehalten und Messungen an Ebbe und Flut oorgenommen; die ja im Mittelmeere kaum merkbar find. Sein Ziel war angeblich, das Land zu jinden, in dem die Sonne im Sommer nicht untergeht. Das klingt sehr glaublich, findet sich doch bereits in der Odyssee eine Nachricht von den langen nordischen Nächten. Das spätere Altertum hat Pytheas vielfach angefeindet und ihm fastche Zeitangaben vorgeworfen, die allerdings durchweg doppelt zu lang sind. Zeit Der zwei solchen rechnen kann. .Uw " _____ ____ __ T®U^ und Verlag: Brühl'sche Univerf itäts-Duch. und Stetndruckerei.«. Lange. Verantwortlich: Dr. Hans Thyrivt. — Druck Der Kampf in der Lust. Von Dipl.-Jng. Dr. Arthur 5) am m. stellmi. i)€5 folgten bald andere, die noch über ihn hin- ausainaen. So wird uns um die Mitte des 2. Jahrhunderts von einer Reise in den hohen Norden berichtet, dabei findet sich Zuerst der Name Balcia. Um die Wende des 2. znm 1. Jahrhundert ist die Ostsee bekannt nnd wird Morimarusa, Totes Meer genannt wegen des Fehlens von Ebbe und Flut. Der samländische Bernstem wird bekannt, und inan unterscheidet nach der Farbe zwei Arten. Die schweren Kampfe der Römer gegen die Kimbern und Teutonen, denen sich Äs dritter Stamm die Ambronen (von Amrum) zu gesellt hatten, brachten den Süden dann in nähere Berührung mit dem germanischen Norden, um diese werden die Nordländer zum ersten Male Germani genannt, kühne Entdecker Germaniens aber war Pytheas von Masstlw. schaftlichen 'Beobachtungen.' Ein Beweis für seine Glaubwürdigkeit aber sind seine durchaus richtigen Eingaben über England, Form und Lage der Insel und das Längenverhältnis der drei Seiten, wenn auch hier die Maße wieder doppelt zu groß sind. Die Insel heißt bei ihm bereits Brettanike und Albion. , , Von hier aus fährt er in 6 Tagen nach Thule. Der Ort war vorher ein vager, gern von Dichtern gebrauchter Begriff. Man hat in Pytheas' Thule gern Island gesehen, das auch im Mittelalter häufig so genannt wurde, doch ist das unmöglich. Die Römer, die mit einer eigenen Expedition den Nachrichten des Pytheas nachgingen, glaubten Thule in einer der Shetlands-Jnfeln wiedergefunden zu haben. Neuerdings neigt man mehr zu einem Orte an der norwegischen Küste, nach den spärlichen Angaben bei Pytheas sehr wohl möglich. Er fährt von der Nordspltze von Schottland aus nach Norden und muß dabei in den Golfstrom geraten sein, der sein Schiff so versetzen mußte, daß er leicht in die Gegend von Drontheim geraten konnte. Hier findet er bereits ganz kurze Nachte. Jenseits liegt die „Meerlunge", eine viel behandelte Nachricht. Wenn es nicht wieder ein Schiffermärchen ist, das die Einheimischen ihm aufgebunden haben, mag man immerhin an die dem Südländer allMings gänzlich ungewohnte Erscheinung des Wattenmeeres bemcn. Der Wechsel von Ebbe und Flut erweckt ja leicht die Vorstellung eines gigantischen In der' Nordsee findet Pytheas eine 1100 Kilometer lange Bucht namens „Metuonis". Der Name ist sicherlich verderbt, es mag aber sehr wohl das altfriesifche Mede darinftecken, das m schr vielen Namen vorkommt. Eine Tagesreise vor der Küste liegt eine Insel Abalus. Hier ist der Bernstein so häufig, daß die Bewohner ihn bei dem Mangel an Holz zum Lichtbrennen benutzen. Man hat an Helgoland gedacht, auch an die nordfriesifche Hallig Habel, deren Name allerdings ganz gut stimmen würde. Doch hat sich die Küste der Nordsee seit der Mitte des 4. vorchristlichen Jahrhunderts durch die häufigen Sturmfluten (zumal vor der Eindeichung) so völlig verändert, daß jeder Versua) überflüssig ist, die Insel noch festzustellen. . , T)je Leute von Abalus erhandeln den Bernstein an die Anwohner der Bucht. Deren Name heißt in den Handschriften Guiones, wohl verschrieben aus Gutones — Goten (alt Gutans). Im alkfriefrichen Recht finden sich Spuren ostgermanischer Rechtsauffassung, die ihre Erklärung fänden, wenn einmal Goten an der Küste der Nordsee geseßen hatte». Daß der Name aus Tutones, Teutonen, verschrieben sei, ist ziemlich ausgeschlossen, nachdem der Süden diesen Stamm aus allergrößter Nahe kennen zu lernen Gelegenheit gehabt hatte. Ob Pytheas in die Ostsee einaefabren fei, ist umstritten, [eine Berichte sind im Original nicht erhalten, wir besitzen nur eine Reihe von Zitaten bei spateren Schrift- Zwei slugsportliche Ereignisse, die bisher regelmäßig jährlich stattfanden, geben dem ganzen Sport ihr Gepräge, indem sie gewissermaßen die Grenzen abstecken, innerhalb deren er sich bewegen kann. Es sind dies der Kampf um die Schneider-Trophäe für W ass e r f lug z e u g e, in dem es sich um die größte erreichbare Schnelligkeit handelt, und cm S e g e l s l u g w e t i b e w e r b e, die zuerst aus der Rhon, J pater auch auf der Kurischen Nehrung ftaktfanden, wobei in der H-niptiache die erreichte Flugdauer bewertet wird. Während sich an dem Kampf um die Schneider-Trophäe, der bisher alljährlich stattfand, in Zukunft aber nur noch alle zivei Jahre stattfinden soll, Deutschland bisher nicht beteiligt hat, ist der Wettbewerb der Segelflugzeuge eine fast rein deutsche Angelegenheit geblieben. Der Erfinder des Segelflugzeugs, L i l l e n t h a l, war ja ein Deutfcher und der sagenhafte Schneider von Ulm, der, wenn man Max Eyth glauben darf, der erste Segelflieger war, erst recht. So ist der Segeiflug von Anfang an eine deutsche Technik gewesen und bisher auch geblieben. Es haben sich auch manche Ausländer an dem Wettkampf beteitiat und auch wertvolle Fortschritte gezeigt, aber die überwiegende Mehrzahl aller Teilnehmer ist doch deutsch. Der Kamps um die Schneider-Trophäe, der letztesmal in Venedig siattsand, ist ein Kampf der Giganten in den Lüsten. Die Motoren, die diese Maschinen treiben, haben heute schon fast die Leistung von Schnell- zuamaschinen erreicht. Die schnellste Maschine, die den Wettbewerb bestand, hatte 1000 PS. Leistung, der amerikanische Cirkham-Doppeldecker, der aber nicht rechtzeitig eintraf und daher nicht starten konnte, hat sogar 1250 P. S. Das Miterleben eines derartigen Wettkampfes läßt sich kaum beschreiben. Das Rennen fand am Lido statt und ging über 7 Runden bin und zurück. Ein Teilnehmer beschreibt seine Eindrücke folgendermaßen: „Nachmittags 2.30 Uhr wurde das Rennen durch einen Kanonenschuß eröffnet. Hunderttausende von Augen richteten sich nach Norden, und nur wenige Sekunden später raste ein brüllender Schatten, kaum 15 Meter hoch, über die Zuschauer dahin und war verschwunden, ehe man dieses Schauspiel ungeheuerer Geschwindigkeit noch begriff. Sechs Minuten hinter dem ersten, einem Engländer, folgte der zweite, ein Eine Erklärung, ist vielleicht Le Verzögerung Fahrt durchs« wißen- - Stoßen«, kmntam «Jeher ItaNene^n^ Engländer flogen ganz niedrig, in 15 bis 20 Meter Höhe über bem Erdboden, wahrend die Italiener größere Höhen hielten. Die Wend«, mark« wurde von Engländern in weitem, flachen Bogen gerundet, oh»« den Motor zu drosseln und wesentlich die Höhe zu ändern, währrtz die Italiener ihre Flugzeuge in den Kurven hoch in die Luft rißen die Flügel fast senkrecht stellten und nach der Wendung erst in bei geraden Strecke ganz langsam wieder in die wagerechte Lage zuM kehrten." Mit einer derartigen Geschwindigkeit, wie dort erreicht wuch eine Kehrtwendung zu machen, ist ja technisch mit das Schwierig, Die Italiener hatten es mehr auf dramatisches Aussehen abgesehen, di« Engländer mehr auf schnelles Herumkommen. Der Erfolg scheint beit Engländern recht zu geben, die infolge des geringen Geschwindigkeit abfalls in den Kurven wohl die besseren Geschwindigkeiten erzielte. Jedenfalls erlangte der englische Supermarine-Eindecker 8 5 die TroM mit einer Geschwindigkeit von 453 Kilometer stündlich. Aber dies« 6«, chwindigkeit ist inzwischen auch schon wieder Überboten worden. 5J(1 Italiener Bernardi hat schon 478 Kilometer und späterhin fogor 505 Kilometer erreicht, während der Amerikaner, der nicht rechtzeitig z«, Starten kam, sogar bis zu 519 Kilometer gekommen ist. Diese Geschw» diqkeiten sind allerdings als Weltrekorde noch nicht anerkannt. " Was bei diesen Leistungen besonders bemerkenswert ist, ist, daß « sich um Wasserflugzeuge handelt, die durch die großen und schwer,» Schwimmer stark behindert werden. Ein Landflugzeug, das diese lästiM Anhänglel nicht mitzuschleppen braucht, würde zweifellos noch großen Geschwindigkeiten erreichen können. Aber auch die hier erreichten schwindigkeiten sind schon wahrhaft erstaunlich. Was sie bedeuten, im wacht man sich am besten danach Har, welche Punkt« Europas man «im von Berlin aus so erreichen könnte. Nach Frankfurt a. M. deispielswch würde man schon in 55 Minuten kommen, bis Wien in einer reichlich« Stunde und bis Budapest, Zürich oder Ostende in höchstens H Stunde«, Zur Zeit haben diese Geschwindigkeiten natürlich noch keine verkehr» technische Bedeutung, sondern nur eine rein sportliche. Aber es wird mH hier so gehen, rote ‘es bisher immer gegangen ist, daß die Verkehrsslty zeuge den Leistungen der Sportslugzeuge in mehr oder weniger kurz«, Zeit nachkommen. Solche Fahrten würden natürlich außerordentlich tai« werden, aber sicherlich würde mancher Großindustrielle oder Großbank direktor die hohen Spesen nicht scheuen, wenn er z. B. in 1; Stund«, vor Berlin nach London gelangen und nach Erledigung seiner Belpin chungen noch am selben Tage zurückfliegen könnte. Freilich sind zur btl mit diesen Geschwindigkeiten auch noch Gefahren verbunden, die ihn » wendung im Verkehr ausschließen. Einer der italienischen Flieger, der Wettbewerb mitflog, hätte z. B. beinahe das Excelsior-Hotel, m dem sq die Rennleitung befand, umgerannt. Die Ursache war, wie sich spul« herausstellte, daß die Benzinleitung gebrochen war. Der BenzmnD halte ihn geblendet und das Gas ihn nahezu betäubt, so daß er (* stände war, die Hindernisse in der Flugbahn zu erkennen. Daß die schütterungen, die eine solche riesenhafte Maschine im Flugzeug hem» ruft das Material viel stärker beanspruchen als im normalen Verkehr» flugreug der Fall ist, kann keinem Zweifel unterliegen. Die Technik wrl hier noch allerhand Berbefserungen durchführen muffen, ehe dies« g* Geschwindigkeiten verkehrsfähig werden. Wenn aber der nächste w bewerb stattfindet, der für 1929 in England vorgesehen ist, durften M wahrscheinlich schon wieder Geschwindigkeiten von 600 Kilometer ooit ' Das Eeqeicktück "dazii ist der Wettkampf der zierlichen „Kolibris d« Technik", wie man die deutschen Segelflugzeuge wohl benennen W Das kleinste Segelflugzeug, das voriges Jahr in der Rhon antrat, W ein Leergewicht von nur 35 Kilogramm, es konnte also von jebem M- nnd sogar von einer kräftigen Frau bequem auf dem Rucken gW werden. Auch das Flugzeug, das die größte Leistung aufanes wog »H mehr als 45 Kilogramm. Die Technik des Gege fliegens hat sich nur wenige Jahre zurückliegenden Anfängen wesentlich entwickelll SW glitt man vom Hügel herunter und suchte nur die Zeitdauer des FaA möglichst auszudehnen. Heute geht man ganz anders vor und« ME« natürlichen Auftrieb in der Luft, der immer irgendwo ftattfmbet, au. - i-ützen. So ist z. B. beobachtet worden, daß unter den großen «« ballen, den jedem bekannten weißen Kumuluswolken des Sommer!)» mels, ein kräftiger Lustauftrieb stattfindet. Der Segelslieger nutzt ihn": indem er sich von ihm ein gutes Stuck hinauftreiben laß unb i BOT® I langsam als möglich wieder herunterfallt, bis er die nächste Gelegck» erreicht, einen solchen Auftrieb zu benutzen. Eine derartige oahrt M bann aus dauerndem Steigen und Fallen, aber man kann lnfotgeeff sehr viel größere Entfernungen zurücklegen, als man es fiä) ft träumen ließ. Es ist nicht ausgeschlossen, daß man *1 kommt, auf solche Weise richtige Entfernungsfluge auszusuhren Da gewiß der größte Triumph des deutschen Segelflugs, der bei fein«® siehunq, als Folge des Versailler Diktats, lediglich als «H* Sport betrachtet wurde. Der Segelflug hat auch insofern Recht W und der deutschen Fliegerei höchst roertvotle Dienste geleistet, als « V als eine ausgezeichnete Schulung für Motorfl-eg-r erwies. D e und Uebungsflugzeiige, die speziell für solche Schulzweckekonsinncn , den, sind so gebaut, daß bei einer Bruchlandung den Insassen "'k.^ wenig passieren kann, weil man eben damit rechnen muß,, baf}wr J, häufiger Bruchlandungen vollsuhrt. Die auf folgen Uebungs uSP r ausgebildeten Flieger find aber zum größten Teil 'nzw'schen i^ gezeichnete Motorflieger geworden und wißen eine Bmchanmw^ Sicherheit zu vermeiden. Man sieht daran, rote man auch auf (jt zu seinem Ziel kommen kann. Jedenfalls muß man dem Seg-ß kräftiges weiteres Gedeihen wünschen, und der Liebhaber wird sich freuen, daß diese Wettbewerbe nicht alle zwei Jahre staw^ wie die um die Schneider-Trophäe, sondern daß er jebes oatjr