SBäJE Jahrgang 1928 Samstag, den 10. Marz Nummer 20 SiehenerKmiilienbMer Unterhaltungsbeilage zum Gießener Anzeiger . ®!r wurden völlig unzertrennlich. Er hing an mir in einer staunen- oen Anbetung; er gehorchte mir blindlings, aus keinem anderen Gefühl als aus einem abgrundtiefen Vertrauen heraus. Er verlor sich völlig an mich und benötigte mich nicht bloß zum Glück, sondern zum Leben über- yaupt. Als ich einmal verreiste, wurde ich am dritten Tage telegraphisch zuruckgerufen, well der Kleine weder Nahrung mehr nahm noch schlief Tag und Nacht mit brennenden Augen an der Türe faß und wartete. Ex« E ilcv Mnz einfach zu Tode gewartet, wenn ich nicht gekommen Es war reizend, ihn zu erziehen und in seinem klugen Gesichtchen oas erwachende Begreifen zu verfolgen, es war entzückend, seine rührende «eschamnng zu sehen, wenn man eine feiner kleinen Unarten bean- Mnoete; er zog die Lefzen in einem furchtbar verlegenen, abbittenden iracheln hoch, und man glaubte ihm aufs Wort, daß er so was nie mehr mn werde. Die kleine Pfote, die er einem reichte, war ganz Gelübde. irr machte meine wilden Ritte mit, meine Hochtouren auf Ski, wir Iwmammen und kletterten zusammen, und er wurde ein frischer, starker steri mit reften Muskeln an seinem kleinen Leibe. Er hat sich mit ten zünden in aller Herren Länder herumgefchlagen, er verstand ihre An- empelungen in Madrid genau so gut wie in Konstantinopel oder in «2m!5' u. im Handumdrehen war die Schlacht im Gange. Aber wir gefod)tenmÜnfoer tD*r haben alles gemeinsam durch- ^llnn Eam allerdings die Liebe, die sein kleines Herz zeitweilig sR>>tJmni9 uon n,*r entfernte. Ich beschenkte ihn mit einer sehr reizenden P wetfrnu und glaubte in meinem unschuldigen Sinne, damit alle Pfade verbaut zu haben; aber ich muß gestehen, daß er sich trotzdem ehr» ro F Ef Abwege begab. Und merkwürdigerweise war dies hoch- ^as sich Pan von Niflheim nannte, einen makellosen Derm^rJ.,m eine sehenswerte Reihe von Preisen besaß, von einem J ^anfl $u minderwertiger Weiblichkeit beseelt; er verlor seine aller mm vorzugsweise an Geschöpfe, welche ein wildes Konglomerat veskehenden Hunderassen in einem darstellten und dazu noch möglichst lAEtzig waren. Und da es ihm Bedürfnis war, alle Freuden und Leiden l«Ee- Lebens mit mir zu teilen, so lockte er seine Erwählten nüt sfch naä) Hause, und es ereignete sich, so lange der Frühling blühte des öfteren, daß er plötzlich in Haus oder Garten vor mir stand, eine ganz inmogliche kleine Freundin an feiner Seite, die er mir mit vor Glück und stolz strahlendem Gesichtchen vorstellte. In der ganzen Gegend aab es bald nur noch Pudel oder wenigstens so was Aehnliches.^ G ^rarf,te ?ie erftc große Erschütterung in sein Leben es da nun einen gab, mit dem er sich in meine Liebe zu «eilen hatte, daß er nicht mehr der einzige Begleiter und Beschützer war konnte " longo nicht fassen, und um ihn darüber hinwegzuhelfen müßte ck ängstlich bedacht sein, ihm keines seiner alten Rechte zu schmälern Aucki wachte er selbst mit kleinlicher Genauigkeit darüber daß mein Mim mch etwa den ihm gehörigen Stuhl an meiner Seite einahmoterib sonst irgendwie benachteiligte. Und mit Erfolg; es ging wie be^Navol-on hr;»h ^ephlnei, das Hündchen war unbesiegbar! Unsere Gemeinschiit tanni ^0. alte: sein grenzenloses Vertrauen, seine bedingungslose Treue konnte nichts erschüttern; und nichts meine Liebe zu ihm ' . ^?rh dann kam das Leben und griff ein. Schicksal kam und Wandel eüi Geivens?sK^/m""^ Forderung nach dem täglichen Brot.'Wie r v U frie ^tennunig t>ort mß'in^in f (einen iVteunbe doü mir b^m^weichlich. Er wenigstens sollte nicht hungern er sollte nick v roerb<2'V uvgem geduldet in möblierten Zimmern; die paar Jahre, die er noch zu leben hatte, sollten ruhig und freundlich sein ^Jch äM/'elT l-lbstlo^zu besten, nL L B Erachte ihn zu Freunden, die ihn liebten und mir versprachen 5 rmL Md stahl Mich davon wie der Dieb in der Nacht. Ach, lassen sie mich hmweggehen über jene Zeit! Wie oft fuhr '^°"0de,nSchlafe auf, weil ich glaubte, ihn sitzen zu sehen mit seinen geduldigen Augen und auf meine Rückkehr warten. Mußte ich nicht als Verräter vor ihm stehen, mußte er sich nicht von mir verlassen glauben " alt war und der Hilfe bedurfte? M u ß te er das nicht glaube-,,' kuchts wußte von der Rot und der Unfreiheit der Menschen» ?A ‘n Uozer trauriger Trost war der Glaube, daß er, mit der freund- SÄ“? s‘’n ble Stu.ni^' We Kindern und Tieren eigen ist, weniger 2" ols ich. Und immer wieder erwärmte mich die Hoffnung, daß es nun Ken b4r5/,mhf€h würde und ich ihn wieder holen könnte, meinen tfreunb, der inniger zu mir gehörte als irgendein Wesen auf Erden. O nein, ich hatte noch nicht Abschied von ihm genommen, er °üth" noch einige Monate in der wärmenden nährenden Obhut seiner Mutter, dann zog ich ihn in mein Leben hinüber. Er kam, sehr klein i iwch, aber frisiert schon wie ein Großer, mit einer violetten Schleife : Mer dem Ohr und kokest geschoren. In seinen dunkelglänzenden Blicken stand die helle Angst, er sah mich fremde Macht mit wehrloser Verzweis- on und lag wie eine kleine Holzpuppe in meinen Armen, ganz steif vor Entsetzen. In dieser Stunde habe ich mir gelobt, diesem hilflosen Ge- schleckt nachgiebig und bestimmbar, abhängig von den Schwestern und hem lünaeren Bruder, ohne Selstvertrauen und Entschlußkraft, äußerlich tavf»r^ "aber ^innerlich zaghaft, ein Mann, der „gerne folgete", wie sein Vater aerühmt hatte, aber keine Herrschernatur. ' braucht nicht puritanisch seine Lebensführung zu geltem fiof ebenso wie der Rheinsberger unter Friedrich und Heinrich oder später der Weimarer Musenhof, war eine Stätte heiteren, geschmackvollen Lebensgenusses, wie unser Zeitalter sie nicht mehr kennt. Aber gerade der Vergleich mit Rheinsberg und Weimar zeigt auch die Unterschiede, nicht nur in der sittlichen Atmosphäre, sondern auch in der Sanzen Lebensauf saiiuna Diesem genießerischen Virtuosentum, weiches das Leben lN ein buntes SpiA culs^öste, fehlte jeder Hintergrund ernsten Strebens; es war ziellos und oberflächlich, ein Reigen schöngeistiger Unterhaltungen und Feste, Komödien und Verkleidungen, Mfer,scher LtebessPiele und droM ich er Szenen, wobei der Hausherr als Dichter, Regisseur, Schauspieler und Schäfer den Ton angab und den Mittelpunkt bildete. Eins vermißt man in dieser Hinsicht in dem Briefwechsel mit Ver- wundening' irgendeinen Bezug auf die leidenschaftliche Liebe des -hron- fewen/ m dem HoNräulein v7 Pannewitz, die so weit ging, daß er sich von seiner ungeliebten Gattin scheiden lassen wollte, um sie zu heiraten. Offenbar finä bk Briese hierüber verloren oder alles .st mündlich er- lxNini morden und io finden wir Spuren dieses Herzensromans nur m dem kürzlich voll erschlossenen Briefwechsel Friedrichs mit Wilhelmine von Bayreuth und in den unzuverlässigen Angaben der ,,Neunundsechzig -iglire am preußischen Hofe", die em anonymer Falscher 1873 aus 6er Hinterlassenschaft des Fräuleins v. Pannewitz, der spateren Grafen von Boß und Oberhofmeisterin.der Königin Luise, veröffentlicht.hat. Fnednch der Große konnte auf diesen tollen Wunsch seines Bruders natürlich nM eingehen- er sorgte vielmehr dafür, daß die gefährdete Unschuld sich °°^m"s?°zäh?reicherVÄ^riefe, die sich auf die Katastrophe von August Wilhelm dm Krieg wied^in? Gefolge des Königs mitmachen und Königzuni Rückzug ausBhmn zwang" übertrug ihm dieser um ihn zu bescha t.gen gewitz naC£ZnSnCintSfen Apersten Unglücksbotschasten war Friedrich MMtzZS-WZ und de- Prinz mit den Generalen nahte, wandte Friedrich sein fts , 6m S-mi»l-n ll«6 « nachh-k i-g-n. M-?-t «» S Ü S tfKÄÄtt befehl- er erhielt sie mit schneidenden Vorwürfen. Z8SUMM dränqnis zu einem öffentlichen Skandal gekommen. sm «ää; dllTa" ihm! allen alten 5,aber vergesienb. nm ihn S« pslis«« sj August Wilhelm. Roch am 9. Juni nach einem ftarfenJB utftu^ Wte er eine heftige Auseinandersetzung mit ihr Es das fetzfe Ausffei-em seiner Lebenskraft. Dann restgn erte er. lreß stch den Ortsp arre g’ÄSMÄ fiWU "Ä -- - "“'»■«SÄ Ta« ->. I-°d all.« W»«<« 3«»“'!: Gouverneurs in einem warmgehaltenen Schreiben sur sie zu s g , lange ihn seine Pslichken dem Vaterlande fernhielten Damit schließt dieser Briefwechsel, den man nicht ohne sch«'. 8 <9 Erschütterung aus der Hand legt. Die ungleichem Brüder. Zrredr'tch der Grosze und Prinz August Wilhelm. Von Friedrich v. O p p e 1 n - B r o n i k o w s k i Die Ratu'- idiuf ihn, dann zerbrach sie den Prägestempel, hat man S S’ M S SSÄÄT&iÄSt'WM® Äa-ii? Wm Da^August^Wikhelm nur geringe Spuren in der Geschichte hinter- lassen hat" war tbe? seine Entwicklung und sein Verhältnis zu Friedrich dem Großen wenig bekannt. Sehr zu begrüßen ,st es daher, daß der Briefwechsel der Brüder, bisher nur bruchstückweise veröffentlicht und ver «ttett jetzt in einer geschlossenen Auswahl vorliegt, die alles menschli > und zeitgeschichtlich Wichtige enthält. (Briefwechsel Friedrichs des Großen mit Prinz August Wilhelm, herausgegeben von G. B. Volz, K. F. ^“eTroar^ein eigenartiges Verhältnis, das sich von kleinauf zwischen d'n Brüdern herausgebildet hatte. Je mehr Friedrich als Kronprinz dem strengen Vater widerstrebte und sich ihm entfremdete, desto mehr schenkte dieser seine manchmal etwas bärenhafte Vaterlieoe dem zwei Sohne der von weicherer Gemütsart war und >hm ^fo। gerne fc lg t , wie er schon rühmte. Zudem wurde August Wilhelm, um zehn Jabre jünger als Friedrich, nicht mit diesem zusammen erzogen, sondern mit dem jüngeren Heinrich, der ihn geistigweit^ überragte Hierlieger> die Wumeln für die spätere Fremdheit zwischen Hnedrich und August Wil- belm und für die innige Verbundenheit des letzteren nut, Heinrich, aEn auch für die wiederholten Zerwürfnisse zwischen den Brudern Friedrichs Stellung als König hat diese Gegensätze nur verschärft und vertieft. Da er selbst kinderlos war, rückte sein Bruder schon bei seiner -Thronbesteigung zum Kronerben auf. Fiel er also im Kriege oder ftleß ihm sonst etwas Rienichliches zu, wie es bei seinem Schlaganfall von l?t7 fast geschehen wäre, so wurde August Wilhelm sein Nachfolger. Aber wahrend er ielbst seine Person in den beiden Schlesischen Kriegen rücksichtslos em= fetzte und im Frieden die ganze Bürde der Regierung trug, .wurde August Wilhelm als Thronfolger und Stammhalter der Dynaftze im Kr.ege ge- toont und auch im Frieden erhielt er weder in der Staatsverwaltung noch als Truppenführer ein höheres Tätigkeitsfeld, so oft er den Komg auch bat, ihn vor größere Aufgaben zu stellen. Es genügte Friedrich, wenn er sein Infanterieregiment in Spandau und sem Kurassierregiment in Kyritz in Ordnung hielt, den großen Manovern bei Pv^dam belwohn e und ihn bisweilen auf seinen Inspektionsreisen begleckete. Er selbst hatte es als Kronprinz ja auch nicht anders gehabt, und doch war er em große. Staatsmann und Feldherr geworden. Freilich übersah er dabei, daß er aus anderem Holze geschnitzt war als fein Bruder und eine fiwchtbar harte Schule durchgemacht hatte, während August Wilhelm sich gemächlich vom Leben treiben lieh. , . , __. Friedrich ermunterte ihn sogar selbst, fein Leben zu gemeßen; erst nach der Katastrophe von 1757 warf er ihm sein epikuraisches Genutzleben, die Quelle feiner Schlaffheit, mit schneidender Schärfe vor. Nur in einem Punkte verstand er keinen Spaß — in Dingen des Heerwesens. So arifs er bisweilen in die Kommandogewalt des Bruders ein und fuhr schon dazwischen, wenn bei einem seiner Regimenter Unordnungen vorkamen. Und wenn der Prinz sich darob gekränkt fühlte, las er ihm sehr streng die Leviten. „Ich nehme alle angemessene Rücksichten auf dich, schrieb er ihm (April 1750). „Nur das Heerwesen ist mir zu wichtig, um irgendwen zu schonen. Gehen meine Brüder mit gutem Beispiel voran, o freiu ich mich unendlich darüber. Tun sie es nicht, so vergesse ich sur den Augenblick jede Verwandtschaft und tue nur meine Pflicht. Nach meinem Tode magst du verfahren, wie du willst, und wenn du von den Grundsätzen und dem System abweicht, die mein Vater hierzulande eingeführt hat, wirst du zuerst die Folgen spüren." . t .. Wir müssen uns dies Königswort un Hinblick auf die Katastrophe Vom Wcmdel des Bildes. Von H a r o. Bilder im Raum feines Hanfes crufzuhängen, ist liebes BedArsms ge- worden feit den Urtagen, wo primitive, rituelle Darstellung der Al - 4 war. Immer weitere Gebiete eroberte sich der Nach)chopI ungstne , ausgeglichener, formbeherrscheMer vollendete fech die Techm'ö Mit den 'Zeiten, mit den Geistern, wandelte sich die Ausdruck-l wandelte sich der Inhalt. Vom fromm-treuherzi^n Familienbr^ dl^ Mittelalters, dem ekstatisch erregten Glaubensmotiv der Go ik juru - ( bejahenden Renaissance, zum finnenberauschten.Barock, um miT wissendem Lächeln im Rokoko dahmzutanzetn. Em-e Epoche der An f von 1757 merken. In dem jetzt vorliegenden Briefwechsel der Bruder laßt sich dies fortwährende Schwanken ihrer Beziehungen verfolgen, aber auch ihr dauerndes geistiges Sich-fremd-bleiben, trotz aller Versicherungen von Freundschaft seitens des Königs, von Anhänglichkeit und bewundernder Ehrerbietung seitens des Thronfolgers. Nur selten weist Friedrich den Bruder auf feinen künftigen Herrscherberuf hin, weiht ihn in großen Zügen in die politische Lage ein oder vertraut ihm gar, wichtige Nachrichten an. Meist finden wir nur Plaudereien über kleine Tagesereignisse in dem geistreich prickelnden Briefstil der Zeit. Hätte Friedrich den Bruder mehr an sich gezogen, ihn weniger dem Einfluß Heinrichs überlassen, ihn vor größere Ausgaben gestellt und ihn mit Verantwortung belastet, er wäre ihm vielleicht ähnlicher und eine härtere Natur geworden, hätte feine Kräfte nicht in tändelndem Lebensgenuß vertan und schließlich als Heerführer nicht so völlig versagt. Ein Held wäre er freilich nie geworden. Auch den Späherblicken der fremden Gesandten erschien er als weichliche Natur, schwach gegen das schöne Ge- zu teilen. Und in ihm nahm ^ÄnFöÄÄn^ft Trost die Gewißheit, daß er, in der sanften Indolenz des Alters, weniger * Vkae?Ste nicht, es fei nur ein Hund und nicht der Rede wert. Ich habe unter Menschen nicht gefunden, was er nur schenkte. >as alätten sich. Nicht mehr neben dein 'Zeitgeschehen, mitten m ihm als feine Deuter stehen die Künstler der neuen Sachlichkeit, die endlich Per- ipektiven in Zu künftiges zu bieten scheint: der Raum wird greifbar, alt. meisterlich beherrschte Technik gestaltet plastische Form von oft erichrecken- ,der Belebtheit. Maiichmal von erkältender Nüchternheit, darf diese Aus. fassuna doch wohl das Recht für sich in Anspruch nehmen, Fortschritt zm sein: Ausdruck eines neuen Gefühls, Zeugnis eines neuen Wellerlebens. Die Jagd csuf den Vogel mit dem langen Gesicht. Von T. v. Wildungen. ■Reininiscere, an die Gewehre; Oculi, da kommen sie; Laetare, das ist das Wahre; Judica, find sie auch noch da; Palmarum, Tralirum, Tralarum! So jagt die alte Schnepfenregel, und wenn jetzt, nach «mein vev- hältnismätzig milden Winter, uns die ersten wunderbaren Vorfruh mgs. tage mit warmer Sonne entgegenlachen, wenn der Frühling anfarM, feine leuchtenden bunten Farben zu mischen, da denkt wohl leder rechte Weidmann nur zu gerne daran: „Ob der Schnepf nicht bald streicht. Das weiß jeder alte, weidgerechte Jäger: an den oben angezogenen Schnepfenreim hält sich der Vogel mit dem langen Gesicht nicht. Ems aber ist sicher: wenn die Schnepfe da ist, dann streicht sie auch, da mag es noch so unfreundlich, häßlich und kalt sein. Selbst bei Schneeweiß uiid eisigen Graupeln ist die Schnepfe, kaut balzend, auf dem Strich ^We/die Meldung von der ersten Schnepfe hat für den Weidmann immer etwas Wohltuendes, Herzerwarmendes. Mit der Bachstelze, m Mecklenburg und Schleswig auch „Wippstert genannt, zusammen treffen die Waldschnepfen aus den südlichen, sonnigen Gefilden- Afrikas wieder bei uns ein. Zugleich mit Primeln und Schneeglöckchen, Krokus und Haselnutzblüten begrüßt der Jäger die Schnepfe als einen der ersten Frühlingsboten. Die kleinen Waldschnepfen, die sog. Llaufutzler, sind aber nur die vorgeschobenen Ouartiermeister. Etwas kleiner als die große Waldschnepfe, streichen sie bedeutend schneller als diese, auch ist der kleine Blaufutz in seinem ganzen Kleide etwas Mer gezeichnet. Erst etwa acht bis zehn Tage später folgt die größere Waldschnepfenart, der Gclbiuß oder auch Eulenkopf genannt. Den Namen Eulenkops hat sie von ihw'm eulenähnlichen Gesicht. Wenn auch die Schnepfe sich Mit ihrem Federkleid ganz dem dichten Dornengestrupp im Walde °mpaßt, wo sie am liebsten ihr Lager wählt, so erkennt man sie oft am Boden sitzend nur an ihren wie ein paar große schwarze Perlen ausleuchtenden Lichtern. ? Im allgemeinen unterscheiden wir bei uns nur die beiden genannten Arten von Waldschnepfen und zwiefach ist im großen gangen auch me Jagd auf die Schnepfe, wie sie bei uns ausgeubt wird. Stan versucht es hauptsächlich morgens und abends, auf dem Strich der Schnepfe Hab- Hai/ guProerben. Man schießt sie auf der Suche im Herbst beim Duschieren, eine sehr reizvolle und interessante Jagd, besonders wegen der dabei sehr gut gu beobachtenden Arbeit des Hundes. In einzelnen gutbesetzten Sckmcvfenrevieren unseres Vaterlandes veranstaltet man noch 7-reib- jagden auf Waldschnepfen, doch kommen solche Schnepfeniagden, soweit Mr bekannt nur noch sehr selten vor. Die gebräuchlichste Form der Schnepfenjagd ist der Strich, und zwar der Abendstrnh. Der Morgenstrich ist viel kürzer und vielleicht auch bei dem Durchschnittsiager wegen d >s damit verbundenen sehr zeitigen Ausstehens weniger beliebt. Du. Wahre ist der Anstand aus dem Strich der Waldschnepfe an einem recht schönen Vorsrühlingsabend, und von einem solchen Schnepfenstrich will ffRir^hniten bis fünf Uhr nachmittags schießen lassen, mein lieber, alter^ Jagdfreuad, der ,,Henner", 'und ich. Unsere Schiehstande agen mitten im Walde in unserer Jagd; nur etwa dreiviertel Stunde brauchten wir bis zu der buschigen Wiese, der bekannten Stelle, wo schon so man- SS”«« Ä sfe ä * "7"...... 'd) Das Wetter ist gut; zwar dürfte es ^was warmer sein, aber nutzem Siidroeit webt uns entgegen, und das ist schon sehr viel wen, tinf? der Wind nicht gu scharf geht. Wir wandern, ohne viel zu sprechen, WWMSSS ®@S8Ss $orJ“ Ldichmist Ünd auch'den Rand des Bruchs gut Übersehen sann pchj, kurg hintereinander zwei Schüsse fallen, imd gleich oarauf gleuet e. ., k:. Antik« wird aufgegriffen, mit neuen Augen betrachtet, das &lier Meistert in der Holgezeit der Befreiungskriege die Gemüter «h wirb doch so mißverstanden. Letztlich, nach einem kurzen Aufleben ‘•ni) «Lnifiance sinkt das Niveau auf das Genrehafte der ländlichen Nyll^iese Anleiheepoche seit 1780 schließt um 1850, als sich eine Be- ^^Es^findm'sich Mutige, di« sich dieser Unwahrhaftigkeit nicht schuldig macken wollen wie wir alle sie sehen; ohne Verschönerunbsbe'iverk ohne iens sentimental - süßliche Attitüde, die auch das Erschütternde haben mußte um gu gefallen, ohne zu verletzen. Man schenkt sich nichts mehr, aller Fleiß kon^ntriert sich auf die „subtilste Nachbildung" aller kleinsten Einzelheiten, mich wenn sie von Armut zeugen, von des Lebens Nacktsten Cour bet matte 1850 das Bild feiner „Sternklopfer, zweier ncktiaer Arbeiter. Bis ins einzelne ist alles studiert, alle Formen so ge- aebm wie sie wirklich waren; das heiht: eine Unsumme von Emzei- beobachtungen ist zusammengetragen. Er gibt me Form.die^wir bei immer wiederholtem Hinsehen als vorhanden und richtig sest;relen. Mit Bilde beginnt eine Epoche der Dauerform, und sie bubet das taftenbe Auge im dauernden Beobachten und Vergleichen zu ihrem Er- fa en aus. Diese Werke vermitteln in der rücksichtslosen Naturtreue ihrer Zeichnung eine Wirkung, wie die Romane Zolas, ihres Zeitgenossen. Hier sprach lebendige Natur, pulste rotes, warmes Blut der Wirklichkeit. Nicht die Form allein macht das Ding aus, auch die Farbe wirkt auf den Besämuer in ihrer Leuchtkraft. Manet entdeckt sie für Schassen. Wie Courbet die Form belauscht, jagt er der Farbe nach, gelangt zur Sauerfarbe als Dauereigenschaft, die wir bei wiederholrem Betrach.en ^SowesiP wicht^ —^bi's zur Wende der siebziger Jahre — die Vorstufe der neueren Malerei, der objektive Materialismus. ,.. . Nun war die Objektivität alles Sicytbaren für die Malerei gesichert, nun brach im Gegenschlag gu dieser letzten Endes impersdnttchen sachlichen Stellung des Künstlers zum Gegenstand das Streben nach einer person- ljchst individualistischen Ausfassung durch. Man will nicht mehr so sehen, wie sie alle sehen, man sucht dem einmaligen der eigenen Person und ihrem Verhältnis zur Umwelt gerecht gu werden. Und wie betone ich meine Subjektivität —? Betrachten wir: Je länger zwei und mehrere cm Dina beschauen, Mto einmütiger werden sie es sehen, desto mehr gelangen sie zu übereinstimmenden Erkenntnissen. Je „flüchtiger", kurzer, einmaliger leb« betrachtet, desto persönlicher ist der Eindruck, desto großer die Differenz mit bem Bilde, das der andere von dem Bilde empfängt. Was nun die Farbe angeht, so darf man nicht vergessen, daß es eine Dauerfarbe eigentlich nicht gibt. Farbe ist Offenbarung fees Ischls tm Rester Licht wechselt ständig..Das führt zur Erkenntnis, daß Reiz der Farbe — Wandel der Farbe heißt. Das Auge schult sich nm blitzlchneAen Erfassen zum Erkennen dieser tausendfach reizvollen, ewig flimmernden Farbabstufungen. Die Zeit der Freilichtmalerei ... Die neue Gemeinschastseinstellung wandelte auch gegen Ende der sechziger Jahre das Formerleben. Wer persönlich sehen will, muß rcycy sehen' Diese Momentausfassung, unbeeinflußt durch spätere Feststellungen wiedergeben. Zwei Möglichkeiten boten sich: die Wiedergabe schnell sich abspielender Vorgänge und die Beschränkung des Beobachtungsaus- schnittes, das heißt: alle Dinge der Umgebung, außerhalb des eigentlichen Bildobjektes, mit weicher Undeutlichkeit darzustellen, etwa, wie man es bei manchen Photos findet, bei denen das Objektiv nicht bis zum Rande scharf zeichnet. . ... . Gibt man sich unvoreingenommen die Mühe, mit den Augen des Malers zu sehen, so entdeckt man bald die außergewöhnliche, verblüffende Lebendigkeit dieser Schöpfungen trotz der oft undeutlichen Formen. Ein Fortschritt in der Kunst? Ohne Frage! Aber Fortschritt heisst hier etwas völlig anderes, als etwa in Wissenschaft und Technik. Dort bleiben auch die elementarsten Erkenntnisse ewig wahr, Grundlagen für alle weiteren Entwicklungen. Die Kunst, die allein von Gefühlswirkungen lebt, erlebt ihren Fortschritt im Wandel des Gefühls. Hatten die objektiven Naturalisten ihrer Zeit das Höchste in der Wiedergabe ihres Naturgefühls gegeben, so bedeuten die Maler der Freuicht- malerei und des Impressionismus (Momentfarbe und Momentsorm) Jur ihre Generation einen Fortschritt. Denn auch das Verhältnis zur Namr ist nicht für Generationen dasselbe, denn es ist ein Gefühl ^Verhältnis. Mit dem Streben nach raschem, einmaligem Sehen von Form und Farbe kommt man naturgemäß sehr bald zur Darstellung schnellbewegter Gruppen. Im Jagen nach diesen lebensvollen Moinenten wird der Stil immer flotter, gelöster. Feinste, zarteste Farbabstufungen, lebendigst ge- gesehene Bewegungen erfüllen den Bildraum. Dies Zusammenkommen zweier Bestrebungen muß in feiner letzten menschenmöglichen Forderung zu einer Auflösung aller Starrheit, aller Gebundenheit führen. Das Natur- gefiihl dieser Epoche war damit zu einer Verfeinerung gelangt, die für gegebenen menschlichen Sinnesreaktionen nicht mehr zu überbieten war. Eine Wandlung fees Gefühls, ein Fortschritt mußte sich anbahnen. Die Versuche, eine gefestigte Form zu erhalten, bewegten sich tastend in Sackgassen. Pointilismus tupfte scharf abgefetzte Farbflecke aus die Leinwand und kam zu keiner Festigung. Der Kubismus türmte kompakte Körper einfachster Gestalt zu einem Ganzen — und fand nein B>ei. Gecao- bnig zur Erkenntnis fanden sich allein Cözanne und van Gogh, der geniale Kranke, und Hodler, der Schweizer. Nicht die Dorrn, sondern der Ausdruck des seelischen Gehaltes, ist Ausgabe, Farbe und u nm erstehen zu einem neuen, gesteigerten Leben. Nicht mehr zufällige Ausschnitte, sondern schöpferisch zueinander gestellte Massen, Bewegungen, Farben, „rhythmisch" znsammenklingend, sollen dem inneren Empfinden Ausdruck verleihen. Formen und Farben scheinen sich immer weiter, von der Natur zu entfernen, entfernen sich bewußt im fanatischen Dienst an der „Vision". Die Vielzuvielen, feie mitlaufen, entarten sogleich zu organischem Toben, hysterischem Kreischen. Wenige sind dieser Sprache, die hier künden kann, fähig. Mare, Kokoschke., Nolde, um einige zu nennen. Sie sind Sprecher für eine chaotische Zeit, die letztlich zum Mysti- lchen flüchtet, wo die Seele außen sich w-unidstöht. Auch diese Wiroe. blitzschnell wie ein Schatten vor mir am Abendhimmel hin. Eine Waldschnepfe ernennend, die im Zickzackzuge mit fabelhafter Geschwindigkeit stumm über die Waldschneise streicht, packe ich an und gebe zweimal hintereinander Dampf. Aber nach dem zweiten Schuh sehe ich die Schnepfe gesund über den Bruch streichen, ich habe sie glänzend gefehlt. Noch ärgere ich mich über die beiden Schlumpschüsse und schimpfe im Innern über meine „Sauschieherei", da höre ich von der anderen Seite, laut murksend, eine Schnepfe ankommen. Mit „Oak-oak" streicht sie heran, schwerfällig, fast langsam wie eine Eule, und es ist wirtlich keine Kunst, sie zu schießen. Die^Schnepfe fällt leicht, und oft genügt ein einzelnes Schrotkorn, um sie aus der Luft herunterzuholen. Sehr häufig heißt es dann aber selbst schnell bei der Hand zu sein und die Schnepfe zu apportieren oder besser noch durch einen guten deutschen Hühnerhund bringen zu lassen; oft wird nämlich die heruntergeschossene Waldschnepfe wieder hoch, und wenn sie auch nicht so schnell läuft wie ein geflügeltes Rebhuhn, so weiß sie doch geschickt jede Deckung auszunützen, besonders in dornigem, struppigem Buschwerk, wohin ihr der Hund nur sehr schwer zu folgen vermag. Jedenfalls lasse man den Hund immer frei suchen und führe ihn nicht dorthin, wo man selbst glaubt, daß die Schnepfe gefallen ist. In neunundneunzig von hundert Fällen wird der Hund recht haben. Doch schnell habe ich die Erlegte herbeigeholt, und nun halte ich meine erste Schnepfe für dieses Jahr in der Hand. Ich freue mich an dem schön gezeichneten Vogel und löse behutsam die beiden an den äußersten Schwungfedern sitzenden Schnepfenfedern oder „Malfedern" und befestige sie in der Rosette an dem alten, grünen Jagdhut; dann hänge ich den „Bogel mit dem langen Gesicht" an den Galgen meiner Jagdtasche. Noch bin ich nicht wieder auf meinem Stand, da sehe ich aus der Gegend, wo mein guter „Henner" steht, Mündungsfeuer hell aufblitzen. Wieder löst er sich zweimal, aber in dem schummerigen Licht vermag ich nicht zu erkennen, ob mit ober ohne Erfolg. Doch was ist das, unmittelbar hinter . mir fällt etwas mit lautem Klatsch zu Boden, und fast wäre es mir auf den Kopf gefallen. Ich drehe mich um, bücke mich und was sehen meine Augen — eine vollständig verendete, große Waldschnepfe, einen ' Eulenkopf, wahrscheinlich mit einem Kopfschuß. Mir ist die Sache sofort klar, es ist eine Schnepfe, die mein Freund geschossen hat, doch der „Henner" scheint noch nichts 31t ahnen von feinem Weidmannsheil, sonst wäre er längst bei mir. Noch einige Minuten warte ich, bis ich annehmen kann, daß der Schnepfenstrich für heute vorbei ist, dann pfeife ich dem Freunde ab. Eilig kommt der „Henner" mir entgegen und zeigt mir eine große Schnepfe, die er mit dem ersten Schuß geschossen hat. Als ich ihm die bei mir heruntergefallene Schnepfe übergebe, mit den Worten: „Ja, und die hast du auch geschossen, wahrscheinlich mit demselben Schuß!" da will er mir nicht glauben und denkt, ich will ihm einen Bären aufbinden. Es ■ kostet meine ganze Ueberredungskunst, bis er endlich glaubt, daß er eine Dublette gemacht hat. Die beiden Schnepfen kamen ihm laut balzend mit pst, pst, ober nicht gar so schnell, wie sie gerne bei starkem Winde streichen. Der gute „Henner" war der festen Meinüng, er hätte nur eine von den beiden Schnepfen erlegt, und man hätte die zweite wahrscheinlich nie gefunden, wenn sie nicht zufällig in meiner Nähe niedergefallen märe. Die erste Schnepfe, ein kleiner Blausuß, war auch ihm stumm und sehr schnell gekommen, °und er hatte sie ebenso wie ich gefehlt. Nun war aber, nachdem er sich zum Glauben an fein unverhofftes Weidmannsheil bekehrt hatte, die Fremde bei meinem braven „Henner" doppelt groß, und recht befriedigt traten wir beide den Heimweg an. In einer guten Stunde schon sitzen wir im Kasino an einem gemütlich flackernden Kaminfeuer, und Freund „Henner" fühlt sich veranlaßt, infolge feiner Schnepfendublette eine „Füertangenbowle zu brauen. Gewiß ist es etwas Wunderbares um die Jagd auf den Ürhahn bei der Balz im Hochgebirge, auch um die Spielhahnbalz, wenn die Birkhähne nn«8P9e|t zu kollern und zu raufen, daß ihre Rosen in der Morgensonne teimjten und glühen. Doch auch die Jagd auf die Waldschnepfe muß, weidgerecht betrieben, unbedingt als ein ritterliches Weidwerk gelten. Der rechte Weidmann wird die Schnepfenjagd, welcher Art sie auch fei, trotz ihren vielen Schwierigkeiten und gerade wegen des oft nicht leichten Schusses, nicht zum mindesten aber auch weil sie sozusagen den Auftakt für die wiederbeginnende Jagd bildet, ganz besonders schätzen. Es gilt immer noch als etwas Besonderes, eine Schnepfe zu schießen, und nicht mit Unrecht beglückwünscht man den Schützen zu dem guten Schuß. Aber jeder Jäger schieße die Schnepfe nicht länger als vier bis fünf Wochen auf dem Strich und denke auch an den letzten Vers der alten Schnepfenregel: Quasimodo geniti, halt, Jäger, halt, jetzt brüten sie!" Krebsentdeckung und experimentelle Krebserzeugung. Von Professor Teutschlaender, Heidelberg. Erscheint es nicht wie eine Rache der Menschheitsgeißel, daß Johannes Fibiger, der der Krebskrankheit ihre Geheimnisse zu entreißen suchte, und dem erst kürzlich (10. Dezember 1927) für feine großen Verdienste um die Krebsforschung der Nobelpreis überreicht wurde, gerade dieser Krankheit erliegen mußte? Schon als ihm der Preis zuerkannt wurde, war er — an Darmkrebs — erkrankt und kaum zwei Monate später, keine fünfzehn Jahre nach seiner großen Entdeckung, hat ihn der Tod ereilt. . Seine hervorragendste Leistung, für welche ihm, nach anderen Auszeichnungen, auch der Nobelpreis verliehen wurde, war bekanntlich die Entdeckung des Sp i r 0 p tera k re b f e s, einer durch einen kleinen spulwurmähnlichen Rundwurm der (Sattung Spiroptera (oder beffer Gongylomema) verursachte Krebsbildung, die unter natürlichen Bedingungen im Vormagen der Ratte gefunden wurde. Das Verdienst Fibigers besteht aber keineswegs nur darin, daß er das Vorkommen der Krebsbildung bei Ratten als erster feststellte und den von ihm erkannten ursächlichen Zusammenhang mit der Rundwurminfektion experimeiMf bewies, sondern besonders darin, daß er den bis dahin noch ausstehend,. Beweis erbrachte, daß der Krebs ganz allgemein durch chronische Rch erzeugt werden kann, und damit eine neue experimentelle Aera der E sachensorschung des Krebses eröffnete. Als Musterbeispiel exakter Beobachtung systematischer Forschern»«» und zwingender Beweisführung dürfte die Geschichte dieser epochemach» den Entdeckung im jetzigen Augenblick auch für den Nichtmediziner W Interesse fein. Bereits im Jahre 1907 fand Fibiger bei drei aus Dorpat flammet Ratten, die erfolglos mit Tuberkelbazillen geimpft und längere Zeit m gleichen Behälter gehalten worden waren, Auswüchse non geschmH artiger Mächtigkeit im Vormagen. Diese Befunde waren ihm neu, ch es fiel ihm außerdem auf, daß bei allen drei Tieren die GeschwulsU düngen mit einer ihm ebenfalls noch nicht bekannten Rundwurmkranlh«' eben der ©piropterainfettion, verbunden waren. Da weder im ©chrisit« noch bei vielen tausend in den Jahren 1907 bis 1911 sezierten Statte» etwas entsprechendes zu finden war, und es sich offenbar um ganz auf«, gewöhnliche Befunde handelte, lag die Annahme eines ursächlichen A sammenhangs zwischen beiden Befunden nahe. Erst 1911 wurden dann, zunächst wieder dieselbe Wurminfektion, d« in achtzehn Fällen auch Geschwülste desselben Charakters wie die sch Heren, also eine zweite kombinierte Wurm- und Geschwulstepidemie ki Ratten entdeckt. Da diese Tiere ausnahmslos aus einer Kopenhagen,, Zuckerfabrik stammten, konnte an der ursächlichen Bedeutung der Spirop, teren für das gehäufte Vorkommen der sonst so seltenen Geschwch bilbungen der Ratten kaum mehr gezweifelt werden. Die Regelmäßigkeit der Anwesenheit der Würmer muhte als jchm, belastendes Moment erscheinen, aber es blieb immerhin noch übrig, t» exakten, d. h. den direkten experimentellen Beweis für die Täterschi der Würmer zu erbringen. — Um gesunde Ratten wurm krank zu mache» galt es vor allem, die Jnfektionsweife der Ratte Fennen zu lernen, jii diesem Zweck setzte Fibiger zunächst gesunde Ratten mit Ratten b,i Zuckerfabrik zusammen; aber der Erfolg blieb aus. Erstere blieben sm von Infektion und von der Geschwulstbildung. Daraus zog Fibiger t» Schluß, daß die Infektion nicht direkt übertragbar ist, der Wurm also M Übertragung eines Zwischenwirtes bedarf. Als solcher kamen (nacht« Untersuchungen von Galab über ©piropteren) in erster Linie Küche, schaben in Betracht. Aks es sich nun hercmsfteilte, daß es in der Zucke raff inerte, aus der die erkrankten Raiten stammten, von Schab« wimmelte, und zwar von einer ©chabenart, die sonst in Kopenhagen tuil Überhaupt in Europa nicht heimisch ist, nämlich die im Zuckerrohr « Westindien eingeschleppte amerikanische Küchenschabe, schien der Zwischen- wirt des Rundwurms und damit der Vermittler der Infektion sowie tw Geschwulstepedemie gefunden. Nun wurden gesunde Ratten, die nicht aus der Fabrik stammten, mit amerikanischen Schaben der Raffinerie ge füttert und — siehe da!.— die Infektion gelang. — Damit war dec B« weis erbracht, daß die Schaben, die allerdings sehr passiven Verbreit« des Wurmleidens unter den Ratten waren. Unter natürlichen Berhiili Nissen und Bedingungen erfolgt nämlich die Infektion der Ratte M Verzehren infizierter Schaben. Diese selbst infizierten sich, indem sie ta Kot der Ratten, in welchem die Wurmeier enthalten sind, verzehren. 3« den Schaben kapseln sich die Wurmembryonen nach Trichinenart in bet Muskeln ein. Wird nun eine Schabe von Ratten gefressen, dann waGi die Wurmlarven im Vormagen der Ratten zu geschlechtsreifen, Tism, heran und bohren sich in die Schleimhaut des Vormagens ein. Hier erzeugen sie zunächst einen chronischen Reizzuftand, der schließlich noii monatelangem Bestehen, zuerst zur Bildung gutartiger Geschwülste, d« auch, falls das Tier lange genug am Leben bleibt, zur Srcte bildung führt. Bei vielen der infizierten Ratten, in bis 54 Prozent der Fälle, traier. in Jnfektionsversuchen Fibigers auch Geschwulstbildun-gen und zwar W Teil echte Krebsbildungen auf. Damit war die Beweiskette gejchlH» und gezeigt, daß die Ratte unter gewöhnlichen Verhältnissen mit d« Krebs erzeugenden Rundwurm durch Verzehren infizierter Schaben tränt wird, und daß auf diese Weise Vormagenkrebs bei ihr zustande komm«. Des Weiteren gelang es denn auch, europäische Schaben und MO täfer durch Fütterung mit Wurm eiern zu infizieren und als Zwischen- wirte zu benutzen, sowie durch Fütterung mit ihnen außer Ratten am Mäuse zu infizieren und geschwulstkrank zu machen. Die Untersuchungen Fibigers zeigten also, daß es gelingt, durch Irryii’ gung eines chronischen Reizzustandes bei gesunden Tieren — nicht * Ratten! — Krebs zu erzeugen. Damit war die schon längst von 331 r d) 0 ® ausgestellte Reiztheorie bewiesen. Diese Theorie besagt, daß chrcmW Reize verschiedenster Art bei längerer Dauer Krebs zu erzeugen cer- mögen. Als solche Reize kommen außer Parasiten auch nicht 0» Schädlichkeiten physikalischer und chemischer Natur in, Betracht. Fib'geo- Experimente find, wie er immer wieder feststellte, kein Beweis fu'< die fo genannte Infektion stheorie des Krebses. Dies» hier um so mehr zu betonen, als oberflächliche Beurteiler aus der ; fache, daß Fibiger nach feinen Spiropteraversuchen an Krebs erfratut ji wohl den Schluß ziehen werden, daß er durch Infektion mit ©pirop«” den Krebs erworben hat, und -daß ©piropteren die Ursache des SW ganz allgemein seien. Dagegen ist zu bemerken, -daß Fibiger mcht« einem Magenkrebs, sondern am Darmkrebs zugrunde gegangen ift, w daß selbst, wenn seine Krebskrankheit auf eine Infektion mit ©piropte« zurückzuführen wäre, dies nicht besagen würde, daß der Krebs ganz C“- gemein notwendigerweise eine Infektion mit ©piropteren zur Sora®" setzung hat. Die Jnfektionstheorie besagt nämlich, daß alle Krebsblldrmze ganz allgenrein durch einen — schwer 'nachweisbaren, allem Anschein i'W unsichtbaren — spezifischen Erreger verursacht werden, der direkt und rege, mäßig Krebs und nichts als Krebs erzeugt, wie der Tuberkelbazillus ° Tuberkulose. Dagegen sprechen aber alle Erfahrungen, insbesondere m 1 die Ergebnisse der modernen experimentellen Krebsforschung! Verantwortlich: Dr. Hans Thyriot. - Druck und Verlag: Drühl'sche Univerfitäts.Duch. und Steindruüerei. D. Lange, Siebe»-