Gossen, ihrlich 1925 Durch, verken schwer i. Der innen, fahren t, b e- zmpet« Ber« e und is sich fried« n der ünfzig Dampf inigen rbren- rüber, jedoch Müll Sappe, zroebe, ebenso leinen g von erden, rauch, en an iterial i Sor- unge« schern. ) oer« olzen; innge« Zinn leschah stellt Lieber« hlorid, ig der Müll 5 284 )en in g des t, mit jeuert, Der Wasser ife er» Schrot reiches »düng, DO 000 rozent einem Seder- Leim- lie die e uer« ln der gutes 50 000 > viele ifabri« , und lrund- üteten Wert htetes Jahre Mark neuer n ge- arkem ierien > und anzen davon ! essen, arbei» ickung seine g fle= man -a,nm chen. ®ie6enerSamilienbIätter Nummer 97 es Unterhaltungsbeilage zum Gießener Anzeiger Sreitag. »en r. s, Und er hielt andere Frauen im Arm und küßte andere Krauen Und schnell laste sich fein jäher Schmerz ober sank unter im neuen Grieben? »• mußte es nicht. debenfads kam er wieder und hatte Beate überwunden. g*. u t)ob bic Hande und kam ihm entgegen, das Gesicht, das »ebe alte Gesicht war ganz erhellt von plötzlicher Freude. tefnciUmor,TM $"• brückte ihm die Hände. „Schön, daß du da bist, Kungel' Und: „Da will ich doch schnell die Mutter - 5°»»-r die Mutter hatte auch schon gehört und kam. Er nahm ihre beiden ik »u eJ° "^traut nach LoDendelseise rochen und küßte sie lebhaft. Erft «ahm ii’ b<^*! bie andere, fast wie ein Liebender. Und die Mutter re- Schlön zwischen ihre Handflächen und fah ihm lange in die braun ist er geworden - und ein bißchen alter um J nSonst ist es aber noch ganz unser Georg”, sagte sie. xia Mütterchen, der bin ich wohl.” Ufa Zersetzen und erzählen. Was sollte er wohl erzählen? Er ilddih. . 9’ roeii er Beate noch nicht gesehen halte. Sie würde sicher -yerelnkommen. Und wenn er sie auch überwunden hatte'--— Ihrem Mund' H‘ "" bcnn not^ ,iebT* W« er ratlos und heiß a* brauen. U"b ^"'erzliche Falten gruben sich zwischen ihren Augew S/.e riß sich los „3a, ja! ja!“ sagte sie heftig. antun?“ b°9 °nbre? 5°r bu' bQS anbrc? Dachtest du, ich ließe mir da, dachte nichts”, sagte sie leise. ,Lch liebe dich.” Und wieder hielt er sie im Arm. Wie unaussprechlich — qualvoll — schön und erlöfenh hn« m— , fragte nichts mehr. Er sagte nichts mehr. Ihre Liebe war ihm eine heilige Gewißheit, trotz allem, was geschehen mar benor^rTegangen Sar^ UbenDunben' Ur'b «ebte er, wie nur fc »Wir müssen wohl hinübergehen —“ „Wir müssen wohl.” später war er mit ihr zusammen im Garten. Sie pflückte von den Schneeglöckchen und vom Buchsbaum und gab es ihm. „Beate, liebst du mich denn?” v „Wieder wie ganz in unferm Anfang”, sagte sie Sagwarum tSbu^r^ *n*ehnt »Warum tatest du «ft "Uvd du? Du warst mir auch nicht treu gewesen!” „Unsinn! Ein Scherz! Ich küßte Fannys Haar, weil sie aetaaf hatte es wäre unmöglich, sie zu küssen, wenn sie nicht wollte. 6ine s£mS 6?telerei aus?eUfübrtn*rel(b Gmpfinbur*9' nur ^onlan> wie et» I" •* „„ ”??? ich weiß - aber warum mußtest bu dich -so-bitter an mir rachen? ,Zch weiß nicht. Ich tat es.” ^sst nun das andre vorbei?” »Ich weiß nicht — es ist wohl vorbei.” „Ging es — noch weiter — nachdem ich fort war?” »Du bist wieder da, Georg?" ,„Sie war errötet. Wie reizend sie war! Georg nahm ihre fianh nnh küßte sie. „Guten Tag, kleines Schwesterchen ” ° i)anb ttnb Ä" «•; ft? ffuiä m ta“n- ®”I5r l«»« $r ®r fQm herein zu Vater und Mutter. Sie waren auch ihm beides. fi„ 2“r ln diesem Hause ausgewachsen wie ein Sohn dieser Eltern, wie «n Bruder von Beate und Maria. Bis das große Unglück über ihn kam, «... ii-k b,3 er — ganz kraß und un« Tages im Arm und unter den Küssen irgend« herein zu Vater und Mui diesem Hause ausgewachsen . , —-- von Beate und Maria. Bis oas qr er Beate liebte. Und Beate ihn. Und bis «mmttelt! — Beate eines Tages im Arm uni Wies anderen Mannes sah. Dieser unfaßbaren Erinnerung voll floh er, ohne Erklärung, ohne Be« Das letzte Sonett. Von Edmund Finke. Gib mir zum letzten Male deine Hände, einmal noch den heißgeliebten Mund, unsere Liebe — sagst bu — ist zu Ende, und mein Herz ist müde, alt und wund. 3abre waren, die wie Feuer lohten Stunden, wie Kristalle hell und rein. Gluck war, daß die Götter lächelnd drohten . und das alles wird nie wieder fein ... Seife wird und sacht die Zeit enteilen, blaß und traurig, ohne Wiederkehr. Manchmal wirst bu still bei mir verweilen, ;^?onix^r3 reir? schluchzen, trüb und schwer; jedes Leib ber Erde laßt sich heilen, eines nicht: ... ein Nimmermehr. Beate und Maria. Eine Geschichte um Weihnachten. Von Toni Schwabe. 3Urijrf "°" fremden Ländern und Menschen. Ach vielleickt Sä: ä; .. Gr kam zurück in das Haus, wo er Beate mußte, ff« mnr K.X?tesÄ'Ä"bS“h?,?“U" ®°"'" d»b. munbe! berS fein' benn '""erlich hatte er Beate vollkommen über? .Er ging hinein Ein fremdes Dienstmädchen machte ihm auf bl. te»Ä.t”u6.1£ s —bl" ■* Ä SHrn m? saari 'n *br "°ch ebenso schwer und kindlich schräg über die otirn^mte da, als sie es noch In hangenden Zöpfen trug. HOd);|djon getanzt in diesem Winter? Gefiel ebs ihr? ScftÜd,teiten m-tgemackit. Ä&’Sä ÄÄd'A''“"";" “*» '»•» Süße kleine Maria — Warum kam Beate nicht? ?:< äs Umer blkbTroie um feinem BildeEschon"zu wehren /Brate —1"b 2)16 2trme h'"«en ihm schlaff am Leibe hernieder. »Du!“ Und noch immer streckte sie diesen abwehrenden Arm aeaen ihn gM°ah-"er'beiabnn laicht und hatte es" nich7g?L'L^m geicyay — er besann sich nachher vergebens -»LMZS-8L» -L . Sie war vierzehn Jahre alt, als es bann alles unter von 25. September 1921. Und an» sich er» Dame, die er grüßte und-- War er wahnsinnig geworden? War das nicht ein toller, wüster Traum, der ihn narrte? Und es kam der Abend. Der Abend des 25. September 1921. Und der wüste, tolle Traum löste sich nicht in befriedigendes Erwachen auf. Er blieb. Und ihm, Georg zur Mühlen, blieb die Möglichkeit, den kleinen Herrn von PrNtwitz zu fordern, so wie es in solchen Lagen Sitte ist. Obschon wohl der kleine Herr von Prittwitz genau so sehr der Genarrte sein mochte, wie er selber. Ja, der hatte ihm mit einem ganz unschuldigen, blonden, durch den Schreck ein wenig stupiden Kindergesicht holen und dem kleinen Herrn von . phlagen. Oder auch Beate. Denn das wäre Er lief aber nur hinaus und schlug die ~ lieh das Haus und lief in der Stadt herum sprecherr Vater. Ich habe es bald zusammen, das, was ich dir sagen will —" ,, _ , , , Und dann zog und zerrte doch etwas in ihm vom Sprechen fort. Und er schob es innerlich hin: noch eine Weile — noch eine kleine Weile wollen wir es ganz heimlich für uns behalten. Es war, als würde das Feinste, das Beste ab gestreift fein, wenn " ' ' die Leute käme. heraufkommt. t ,, Aber sie kommt niemals. Niemals kommt sie. Mutter kommt ihn besuchen. Und Vater kommt. Und beide sind so zart und taktvoll. Viel zu zart und zu taktvoll. Denn einmal überrascht er sich bei dem kindischen Wunsch, sich bei Mutter ganz und gar auszu» ^Ueberhaupt ist er — von dem Blutverlust, von dem Schutz, von dem langen Liegen — so übermäßig sentimental geworden. Aber Mutter könnte doch wenigstens nut einem halben Wort entgegengesehen, als er fo unerwartet hereingekommen war. Und Beates Gesicht war friedlich gewesen — ganz richtig friedlich. Sie — sie — sie — tat ihm dies, eie, seine einzige Geliebte. Am 25. September 1921, nachmittags um 2 Uhr. Das Duell. Im Virkenwäldchen. Zehn Schritt Distanz. Frühreif und Nebel am Morgen. Räderknirschen in ausgefahrenen Gleisen. Aestchen knacken spröde unter jedem Schritt. Krähen fliegen auf und lassen sich schwer wie Steine niederfallen. Dann ein kleiner freier Platz im Wald — Dort steht Herr von Prittwitz. Sein Kindergesicht ist betrübt und von der Anstrengung ein ganz klein wenig stupide. Es^knackt. Und pufft dann ganz leise und dumpf ihm gegen die link« Schulter. Ein ekliges Gefühl sitzt ihm im Hals. Er weiß ja, was geschehen ist. Aber er will doch auch schießen. Ihm gehört ja der zweite Schutz, wenn schon der erste fehlte. Er sieht seinem schlotternden Arm zu, wie der sich hebt. Und wie der Finger — warum ist sein Finger o blaß? — wie der losdrückt. Und dann fliegt drüben aus der Birke ein Stück Rinde, schwarz wie eine Krähe, auf. Und dann muh er — er kann nicht anders — sich langsam, ganz langsam hintenuberflnken lassen — Nun ja, er weiß ja schon warum--- Er liegt und kann nicht gesund werden. Anfangs fürchtet er, sie könnte kommen. Nachher hofft er es. Ader er sieht bald: sie kommt nicht. Anfangs glaubt er, die Rosen, die Chrysanthemen, der herbstliche Goldlack sind Blumen, die sie ihm schickt. Dann begreift er irgendwann ein» mal, daß die Blumen nicht von ihr sind. ..... Sie kümmert sich überhaupt nicht um ihn. Es ist nun auch einerlei, von wem die Blumen sind. . Er weiß, daß sie manchmal an seinem Fenster vorbeigehen muh. Er kennt ihren kinderhast leichten Schritt. Dennoch verwechselt er immer fremde Schritte mit ihrem. Ganz einfach aus dem bohrenden Wunsch, sie möchte es doch sein, die vorbeigeht — und dann umwendet und zu ihm " .Frag nicht, Georg--" - „Bu — du — ich ertrag es nicht- I .3d) ertrug auch deines nicht." ‘fto’ging1 ein’fd)eue5 Lächeln über ihr Gesicht. „Ich liebe dich, Georg!" I -r- Der Sommer. Das Blühen des Heidekrautes. Wacholderbüsche in der Sonne atmend und duftend. Steinhalden von der Tageswärme noch heiß. Am Waldrand. Er nahm in feine Arme und trug sie hinein, da wo | bas Dunkel wohnt. Sie lagen immer Mund an Mund. Irgendwo ein Sogeitorei. Ganz ferne Kirchenglocken aus einem Dorf. Und er strich mit feinen Handflächen, die knisternd waren und trocken waren, wie Kiefernholz das in der Sonne steht, an ihrem schlanken, knabenhaften Körper herunter — strich über diese Seitenlinie, die er kannte und sinnlos liebte. Strich Feuer aus jeder ihrer Bewegungen — Beate — mein Gott, Beate — wie ist das Grenzenlose über uns — — Nie hatte er eine andere Frau geliebt — nie, nie, hatte er eine andere im Arm gehalten — das alles war vergessen, war ausgeloscht wie ein Nichts. Nur Beate gab es — nur sie. Glück — Glück — ein Wahnsinn von Gluck. „Ist Liebe das Schönste, Beate?" „3a, unsere Liebe." „Das Grenzenloseste, Beate?" l^er^^Svecht^sdstug an die Bäume. Libellen flogen. Cs roch nach reisenden Erdbeeren. O Ungemessenheit der Liebe! .3d) kann es nicht überwinden!" „Quäl mich nicht." . . , Je mehr eins wir beide werden, Beate, desto schwerer wird es mir zu "überwinden. Ich will alles — ich will jeden Blutstropfen, jeden Gedanken von dir besitzen." Sie sagte müde und ein bißchen unwillig: „Warum machst du ewig diese Auseinandersetzungen? Ich bin elend davon. Ich kann keine Auseinandersetzungen vertragen." „Liebst du mich? Oh sag, daß du mich liebst. Sie schwieg. Ihr Gesicht war dunkel. Er dachte, daß ihr kleines, dunkles Gesicht sehr wenig schön wäre. Aber es schien, als ob seine Leidenschaft sich am ausgesprochenen Kontrast neu belebte. Eine ganz grobe Welle überflutete ihn — und sie, Beate, sie wurde mitgerissen. Manchmal wachte er in dieser Zeit des Taumels zwischendurch auf, und er bedachte, daß es richtig wäre, von diesem allem, was da heimlich zwischen ihm und Beate geschah, zu den Eltern zu sprechen. Es gleichsam so nebenhin in die üblichen Formen einer Verlobung und spater in die einer Ehe zu bringen. _ , Was gingen sie beide die äußeren Formen der Menschen an? Ihre Liebe war unnahbar, unantastbar heilig — heilig, wie ein urweltlich Großes ^loturocicti» Aber es war in letzter Zeit öfter gewesen, daß der alte General ihn still und eindringlich angesehen hatte. So daß Georg fragte: „Du willst etwas von mir, Vater?" . Und der General sagte: „Ich nicht, Georg. Aber mir scheint es manchmal, als wolltest du über etwas, was dir nahe geht, mrt mir s Diieo eoenyuua piuiuiu|uy, ids, als Ludwig, der außerhalb von Paris wohnte in der via°- einem großen Gewitter überrascht wurde, irn Louvre Zuflucht sucye« mußte, wo seine Gemahlin residierte. Er brachte die Nacht dort zu uno „Louis XIII. donna Louis XIV. ä la France“. Später war er davon so wenig überzeugt, daß er seine Gattin wegen Treulosigkeit oertziev, und selbst auf seinem Totenbett, als sie ihn weinend beschwor, ihr 3 glauben, daß dieses einzige Kind von ihm stamme, trocken antwori-i. Mein Zustand, Madame, gebietet mir zwar, Ihnen zu vergeben, o nicht Ihnen zu glauben. Anne drAutriches Vergangenheit war ganz klar, einige dunkle Stellen waren vorhanden, ihre intime . schäft mit dem Kardinal Richelieu gab Anlaß zu vielen KlalM- reien; er regierte mit den Kirchenfürsten das Land. . Der König hatte wenig zu sagen; er ging auf die Sagö, über Hühner und Fasanen, während sich die Königin mit Richel Politik unterhielt. Der Kardinal starb und Mazarin trat fein * Es war am 25. September. Genau am 25. September. Der Tag brannte sich ihm ein. Es war der Tag, an dem er fassungslos umhergetrieben durch die kleine Stadt lief. Fassungslos umhergetrieben. Was tut man denn, wenn man dies erlebt hat? Wieso laufen die Fuße dann noch mit einem über das Pflaster der alten Gassen? Und eine alte Dame begegnet einem — jo so: sie lächelt bekannt — sie will gegrüßt werden. Man starrt die alte Same an und grüßt sie. Ihr Lächeln wird ungläubig und ängstlich. Wieso eigentlich? Man hat sie doch ganz richtig gegrüßt. Hat man denn so ausgesehen, daß alte Damen vor einem erschrecken, stutzen und Furcht bekommen? Warum fleht man denn fo aus? .. 3a so, man hat etwas erlebt. Man hat soeben etwas Unmögliches Nein nein, nein, es war weder Irrtum, noch Wahnsinn: Beate, leine Geliebte, seine einzige Geliebte — er hat sie gesehen — Nun ja! Er sah sie eng verschlungen mit dem kleinen Herrn von Prittwitz. Und sie saßen zusammen im blauen Gartensaal auf der Ehaiselongue. Und als er dies sah, lief er hinaus, um feinen Stock zu holen und dem kleinen Herrn von Prittwitz damit ins Gesicht zu tolagen. Oder auch Beate. Denn das wäre gleich. Er lief aber nur hinaus und schlug die Türe hinter sich zu und oer» und begegnete einer alten Das Fräulein de Hauteville, verarmter Provinzadel, sehnte sich schon mit elf Jahren an den Hof, obwohl dieser Hos Ludwigs XIII. damals gewiß kein glänzender war, und die schlecht behandelte Königin Anne d'Autriche während ihrer kühlen Ehe einig an ®elbmangel litt; aber es war der Hof, seine Atmosphäre zog das arme Landedelfraulein an, wie die Motte das Licht ... Sie war vierzehn Jahre alt, als es ihr gelang, als Palastdame der Königin dort anzukommen, ein Alter, das damals für heiratsfähig galt. Der König erblickte die frische, blonde, strahlende Hauteville zum ersten Male unb verfiel ihr ganz. Eine Liede die zehn Jahre dauerte ohne Erlösung, ohne daß der König auch nur den Mm fand, der schonen Hofdame sie zu gestehen oder sie zu seiner Mätresse zu machen. Die Liebe blieb platonisch, sagt der Geschichtsschreiber, und wenn wir Lud- wig XIII. näher kennenlernen, können wir diesem fi'ftorifer glauben. Der König war ein merkwürdiger Mensch, der wenig Aehnlichkeit mu dem temperamentvollen Henri quatre hat, von dem die meisten auch nicht viel mehr wissen, als die Form seines gestutzten Barts, unb Sen (eine Mätressen — er hat eine ganze Leporelloliste davon gehabt - unendlich viel Parfüm kosteten, wenn sie es bei 'hm aushalten wollten. Ludwig war ernst, düster, schweigsam, mißtrauisch linkisch >w D«keh mit Samen, seine Passion war die Jagd. Er machte |d)le4te JBer|e auf die Hauteville, hörte ihr gern zu, wenn sie zur Gitarre mit ihrer helle" Stimme sang; aber seine Gegenwart wirkte auf den Hof roie kalte um, die plötzlich in ein Zimmer bringt. Seine Gemahlin, bie leichte Ann d’Autriche, hätte sicher besser zu ihrem Schwiegervater gepaßt als zu biefem schwerblütigen, versonnenen Menschen, bem Worte schwer fiele ■ Das eheliche Verhältnis blieb ebenfalls platonisch, sagt man, dis eines Abenbs, als ßubroig, ber außerhalb von Paris wohnte, In ber warn 6eJSocbb mutter“ bringt ihm Pfirsiche. Unb Bücher. Unb sie fetzt mit einer Schiffchenarbeit, die ihn nervös macht, an fein Beit unb zählt ihm Dinge, bie ihn nichts angehen. (Schluß folgt.) (Bitte berühmte Frau. Von ßiesbet Bill. folS1 und und Han weil Neb and sie besä Sie bete Dar tagt ihr, Fell Kör »erl ban ingi Ihr mit Kör daß es Riö hab Stör als Bei aus Hai reit £ie Gei «hr ras, roa Hä es, „Di ent Pr, er Kö D« DK Pb zar tr'! sich Be De uni zw un Kö üb da. 301 ihr mc Fr Kö re ch s-h Ar wc fei bei ihr Si Kc un zu en H- eri di, B an W in all au hi folge an. Der König hatte immer Freundinnen gehabt, die ihm vorlasen und ihn zerstreuten, aber diese Liaisons mit Fräulein La Fayette und Madame de Motteoille dauerten nur zwei Jahre und waren harmlose Freundschaften; er hatte die Frau nötig zu feiner Gesellschaft, weiter verlangte er nichts von ihr. Mit bet Königin verstand er sich nicht. Neben der blonden, strahlenden Schönheit der Hauteville verblaßten alle anderen Sterne. Alle äußeren Vorzüge schienen auf sie gehäuft zu fein; sie war groß, von biegfamer Gestalt, schlank, eine Göttin an Wuchs, besaß wunderbare Augen, einen festen feurigen Blick, zarte schöne Hände. Eie schrieb entzückende Briese, war musikalisch, sang und spielte; sie war belesen, sprach mehrere Sprachen — eine Seltenheit damals, als die Samen kaum ihre eigene richtig schreiben konnten. Ihre Tugend hatte täglich Proben zu bestehen, alle Männer des Hofes waren entzückt von ihr, sie hatte Verehrer genug, Bewerber: Prinzen, Fürsten, Gesandte, Feldmarschälle, aber sie wies alle ab. ,Hch diene meiner Königin." Der König iah nachdenklich zu, wie die Hauteville sich opferte, ihre Jugend verbrachte, um feiner Frau Gesellschaft zu leisten, die es ihr niemals danken würde. Er riet ihr selbst, zu heiraten. „Vous servez une ingrate" („Sie werden an mich denken"). Aber die Hauteville blieb fest. Ihre junge, energische Seele war die einer Heroine, sie fühlte sich so eng mit dem Hof verwachsen, war allmählich so mit den Interessen des Königshauses verknüpft, mit der Politik, mit allem, was den Hof betraf, daß sie sich nicht entschließen konnte, diesen Platz auszugeben. Sie hatte es nicht leicht: die Königin war launisch, gereizt, ungerecht gegen sie; Richelieu haßte sie, er wollte niemand zwischen sich und der Königin haben; Mazarin intrigierte gegen sie, er fürchtete ihren Einfluß bei der Königin, die Hofdamen neideten ihr den Platz als Favoritin des Königs, als unzertrennliche Freundin der Königin, das Volk machte spöttische Bemerkungen hinter der Karosse her, welche die beiden Königinnen ausfuhr. Der König litt und schwieg. Er saß bei den Festlichkeiten neben der Hauteville, sie mit Blicken verzehrend, er ließ ihr von einer Reife durch reitende Boten Grüße fenden und den Auftrag geben, ihren Nockfauin zu küssen, aber in ihrer Gegenwart war er schüchtern wie ein Kind. Sie Königin belustigte sich darüber. Sie war nicht eifersüchtig auf ihren Gemahl. Eines Abends trat er in ihr Schlafzimmer, als die Hauteville ihr beim Ankleiden half. Die Hauteville las einen Brief und schob ihn rasch in ihre Taille, als sie den König sah; dieser fragte mißtrauisch, was sie da verberge, und die Königin nahm lachend die Hofdame bei den Händen, und befahl dem König, sich den Bries herauszuholen. Er tat es, errötete und verließ das Zimmer. Richelieu ruhte nicht, er stellte eines Tages den König vor die Wahl: „Sie Hauteville ober ich", und der König mußte sich schweren Herzens entschließen, feine Geliebte ziehen zu lassen. Sie zog sich empört in ein Provinzkloster zurück. Der König vermißte sie sehr, er trauerte ihr nach, er resignierte stumm, und er starb. Doch kaum war er tot, als die Königin der Hauteville ihren Wagen schickte und sie zurückhvlen ließ. Sie Hauteville war damals 27 Jahre alt und in voller Blüte ihrer Weiblichkeit, sie kam und nahm ihren alten Platz wieder ein, und dieser Platz war so hoch und fo unerschütterlich, daß alles fortan durch ihre zarten Hände ging. In diesen Händen liefen alle Fäden zusammen; in dem Salon der Hauteville wurde Geschichte gewebt. Wenn sie sich für jemand einfetzte, wurde er begnadigt und vom Schafott befreit; durch sie wurden Kirchen gebaut und Klöster geschaffen, Orden gestiftet, Intrigen entdeckt und vernichtet. Sie war gut, liberal, wohltätig, und hat Sh nie bereichert. Sie gab alles den Armen, brauchte wenig für sich. escheiden, anmutig, vornehm, eine reine, starke Seele, der Lügen und Verstellung fremd waren, beherrschte sie den Hof, und die Geistlichkeit und bas ganze Lanb würbe von ihr unmerklich geleitet Die Königin und sie verstanden sich nicht so gut wie einst, und die zweite Hofperiode dauerte nur ein Jahr. Mazarin stand zwischen ihr und der verliebten Königin. Die Hauteville sah knirschend zu, wie sich die Königin, ausatmend, endlich frei zu sein, einem ungebundenen Geben überließ, und war ständig auf dem Posten, das Prestige zu wahren, das die Anne d’Antriebe oft genug verletzte. Nach den Hoffestlichkeiten zog sie sich mit Mazarin zurück, jeden Abend verbrachte er bei ihr auf ihrem Zimmer, man tuschelte darüber am Hof, aber auf den Gassen rief man es sich zu: Die Königin und Mazarinl Die Hauteville warnte die Freundin, die lachte sie aus. Sie drang in sie, ihr die Wahrheit zu gestehen. Die wich ihr aus. Sie hatte schlaflose Nächte, sie beschwor die Königin, von ihrem Freund zu lassen; aber sie kam schlecht an, die Königin verteidigte hochmütig ihren Standpunkt, sie fei Witwe, sie sei rei, an ihrer Freundschaft sei alles rein. Die Hauteville ließ sie das be- chwören, auf dem roten Samtpult ihres Betschemels. Die Königin be« chwor es, die Hauteville glaubte es. Aber Mazarin blieb der Stein des Anstoßes zwischen beiden Frauen. Sie waren erbitterte Gegner geworden. Mazarin und die Hofdame, jeder kämpfte um seine Stellung, seinen eroberten Platz. Die Königin begann die enge Freundschaft mit der klugen, sie beherrschenden Hauteville als lästig zu empfinden ... ihr Gewissen, das ständig neben ihr herging. Die mahnte und warnte. Eie ertrug es nicht länger, sie suchte sich von ihr zu befreien. Eines Abends, als sich die beiden Frauen in das Schlafzimmer der Königin zurückgezogen hatten — die Kammerfrauen waren entlassen Und die Hauteville pflegte noch am Bett zu sitzen bei der Königin und zu plaudern, brach die Königin einen Streit vom Zaun, die Hauteville erwiderte scharf, es gab heftige Worte, und die Königin besah! der Hauteville, augenblicklich bas Zimmer zu verlassen. Diese erbleichte, stand erschüttert, sie wußte, was das hieß; dann ordnete sie das Zimmer, zog die Vorhänge zu, und jagte mit einem Blick auf das Kruzifix über dem Bett: „Vous savez, Seigneur, ce quo je fais pour eile“, und ging. Am anderen Morgen bekam sie den Abschiedsbrief und verlieh den Hof. Das Wort des Königs hatte sich erfüllt. Sie war erkrankt, aber sie ließ sich in den Wagen tragen und, zum zweiten Male verbannt, verlassen von ollen, verstoßen, zog sie sich in dasselbe Kloster, das sie schon einmal ausgenommen hatte, zurück, wie sie dachte für immer. Aber auch dorthin folgten ihr ihre Getreuen nach; sie erhielt Werbungen von ihren Freunden, sie hätte sich ost verheiratest können, aber sie wollte sich hinter die grauen Mauern der Provinz vergraben, in der Stille von ihrer Enttäuschung genesen. Der unermüdliche Feldmarschall Herzog »tut Schömberg hat es nach vielen Jahren erreicht, daß sie sich mit ihm trauen ließ. Der Hof vermißte ihre strahlende Erscheinung, sie fehlte überall, die gütige, warme Fürsprecherin, die Vermittelnde zwischen Volk und Königin, zwischen Kirche und Hof. Die Königin atmete auf. Mazarin lächelte fein; er hatte gesiegt. Ein kleiner Verehrer trauerte ihr nach, der spätere Ludwig XIV., damals noch ein Kind; er hatte sehr an der Hofdame gehangen, hatte das Erbe seines Vaters angetreten, für die Hauteville zu schwärmen, es war eine Liebe, fast übernatürlich, fast ekstatisch, er spielte nur in ihren Zimmern; wenn sie krank war, saß er an ihrem Bett, und er bewahrte ihr lebenslänglich eine tiefe Bewunderung und Anhänglichkeit. Der Herzog von Schömberg wurde Gouverneur von Metz. Marie folgte ihm nach Lothringen, schuf sich dort ihren eigenen kleinen Hof, an dem sie residierte, eine noch immer schöne, reizvolle, scharmante Frau, berühmt wegen ihrer Feste und von bezaubernder Gewalt über die Männer nach wie vor. Sie war 37 Jahre alt, als sie heiratete, die Ehe war wolkenlos glücklich, bis auf eine kurze Periode, als der etwas leidende Feldmarschall sich in eine junge Pflegerin, die ihm vorlas, verliebte. Eine Periode, über die Marie mit der ihr eigenen Überlegenheit und Philosophie hinwegglitt. Als sie Witwe wurde, bezog sie ihr Stadthaus in Paris, und lebte zurückgezogen von der Welt in ihrem schönen Palais, das den Frieden einer ausgeglichenen großen, reinen Seele atmete. An den Hof kam sie nicht mehr, aber der Hos kam jetzt zu ihr. Ludwig XIV. versuchte alle», um sie als Palastdame zu sich zu ziehen. Aber die Herzogin von Schömberg hat lächelnd für diese Gnade gedankt. Als Anne d Antriebe starb, eilte die Hauteville-Schomberg herbei, um ihr die Hand noch einmal zu küssen und sich auf dem Sterbebett mit ihr auszuföhnen. Sie oer» löfchte still, mit 75 Jahren, betrauert von dem ganzen Lande, besonders von den Armen; sie wurde in Nanteuil begraben. Das Kloster der Wunder und der Schrecken. Von E.v.Ungern-Stemberg. Fern im Weißen Meere, weltabgewandt und roettfrem'i, liegt da« Solowetzky-Kloster, das in der Geschichte Rußlands eine große Rolle spielte und das heute wieder nur allzuoft genannt wird. Jetzt im Herbst, wenn die Stürme einsetzen, die Nebel steigen und die Schneewehen beginnen, wenn sich das Eis an den Ufern zusammenballt und das Nordlicht in den endlos langen Nächten eine weiße, tote Fläche beleuchtet, ist das Kloster fast von jeder Verbindung abgeschnitten. Die Dampfer, die im Sommer den Verkehr zwischen Archangelsk und den Inseln vermitteln, liegen eingefroren da, und der Winterschlaf fällt auf das Land im hohen Norden. Heute stehen zwar nur noch die Kirchen, das Kloster und die Wirtschaftsgebäude. Unter den vergoldeten Kuppeln läuten aber keine Glocken mehr, keine Pilger versuchen ihre Sünden durch Kasteiungen an den geheiligten Stätten abzubeten, und die Mönche mit den Asketengesichtern unter den Kegelhütten sind verschwunden. Die Bolschewiken haben unsägliches Grauen über das einst blühende und reiche Kloster am Eismeere gebracht. Sie haben es in einen SBerbannungsort für Andersdenkende, für Verdächtige, für ihre Widersacher verwandelt. Es ist eine Hölle geworden, in der Skorbut und Verzweiflung herrschen und aus der sich nur wenige In das Leben zurückretten. Das Solowetzky-Kloster wurde im 15. Jahrhundert gegründet. Von dort sollte unter den Lappen und Samojeden das Christentum verbreitet werden. In der Tat gelang es den frommen Mönchen, die sich hier auf den Inseln des Eismeeres niederließen, Felder zu bestellen, auf denen das Getreide, dank der warmen Strömungen, die die Inseln umflossen, gedieh, und neben den Kirchen primitive Kulturzentren zu schaffen, die di« auf dem Festlande nomadisierenden Stämme teils zur Seßhaftigkeit bekehrten. Das Christentum, das den Samojeden und Burjäten gepredigt wurde, schlug nicht allzutiefe Wurzeln, es vermengte sich mit allerlei Zauberspuk und Aberglauben, und auch noch heute werden den Gottern Tiere geopfert, der Waldgeist und die Fürsten der Winde gelten al» mächtig und man sucht ihre Gunst durch allerlei Sprüche und Opfer in mondhellen Nächten zu gewinnen. Schon im 16. und 17. Jahrhundert war die Kunde vom frommen Solowetzky-Kloster über das ganze russisch» Reick) gedrungen. Es wurden ihm bedeutende Stiftungen zugewandt, die Kirchen wurden mit Reichtümern an Gold und Edelsteinen ausgestattet, herrliche Bilder schmückten die Wände, und rings um da» eigentliche Kloster ließen sich in der Einsamkeit der Wälder, weitab von jedem menschlichen Treiben, Eremiten und Asketen nieder, deren einzige Nahrung in ein wenig Brot bestand, das sie sich allwöchentlich oder allmonatlich aus der Klosterküche holten. Ihr Getränk lieferte geschmolzener Schnee ober eine nahe Quelle. Manche dieser Eremiten genossen bald den Rus der Heiligkeit, in ihrer unbeschreiblichen Armut waren sie reich an Güte und Liebe, und die Pilger, die schuldbeladen zu ihnen hinauszogen, um Trost und Frieden zu finden, kehrten geheilt und versöhnt in die Welt zurück. Es gab in Rußland, dem Lande der Gott- fudjer und Mystiker, sehr viele solcher Pilger, die mit schweren Ketten beloben, oft barhäuptig unb barfuß, von einer geweihten Stätte zur anderen zogen, um zu beten unb um zu beichten, bie irgenbein Ge- lübbe erfüllten, unb gerade für sie war der beschwerliche unb gefährliche Marsch nach Solowetzky eine Pflicht, der sie sich selten entzogen. Unter ben Pilgern gab es bis zum Weltkriege zahlreiche vornehme Männer unb Frauen, hohe Beamten unb Offizieren, neben einfachen Bauern, reiche Kaufleute, benen ihr Besitz plötzlich als nichtig unb als Sflnbe er schien. Sie alle scheuten nicht bie Fahrt bis zum Eismeere, knieten in ben Klosterkathebralen, bie von Golb unb Ebelsteinen schimmerten, beichteten unb gingen bann weiter in bie einsame Landschaft hinaus, um sich von ben Eremiten segnen zu lassen. — Der Abt des Klosters Solowetzky war stets ein hochgebildeter Geistlicher. Da in der russischen griechisch- orthodoxen Kirche die hohe Geistlichkeit, vom Bischof auswärts, nur aus der Klostergelstslchkeit gewählt wurde, so war der Abt von Solowetzky Kandidat aus den Erzbijchofssitz (Metropolit) in Wetersburg, Moskau oder Kiew, und seine Stimme hatte großes Gewicht in Rußland. Einer der letzten Aebte war einer der flottesten Gardeoffiziere der Zarenstadt gewesen. Aus einem der Welt unbekannten Grunde hing er plötzlich seine Uniform an den Nagel, wurde Mönch und nach mehreren Jahren Prior des Klosters von Soiowetzky. Wenn auch fern von der Welt, hatte er die Welt nicht vergessen. Ueber sein weißbärtiges Asketengesicht huschte oft ein weltmännisches Lächeln, wenn er sich mit den vornehmen Besuchern und Besucherinnen des Klosters unterhielt, und in den Stunden der Muße zog er sich in seine Bibliothek zurück, in der alle Schätze der in- und ausländischen Literatur aufbewahrt wurden. Seinem Organisationstalent war es hauptsächlich zu verdanken, daß auf den Inseln des Weißen Meeres Wersten entstanden, aus denen große Boote gebaut wurden, Sägewerke, Gerbereien. Transiedereien usw., in denen nicht nur die Mönche, sondern auch viele Pilger arbeiteten. Das Kloster bezog aus diesen Anlagen bedeutende Einkünfte. Aber das Kloster von Solowetzky war im Laufe der Jahrhunderte nicht nur ein Bollwerk der griechisch-orthodoxen Christenheit, es war gleichzeitig dank seiner Weltabgelegenheit ein Verbannungsort für Jrr- lehrer der Kirche und eine kurze Zeitspanne auch für einige den Zaren unliebsame Staatsmänner gewesen. Namentlich zur Zeit der Verfolgung der Altgläubigen, die den Reformen Nikons nicht zustimmten, wurden Tausende und Hunderttausende nach Sibirien und an das Eismeer vertrieben. Im Solowetzky-Kioster wurden Hunderte von widerspenstigen Priestern und Bischöfen begraben. Es waren die Jahre der Märtyrer des altrussischen Glaubens. Noch heute ist der Erzpriester Awakum unvergessen, der die Massen mit sich fortriß und der nicht nur der Kirchenreform, sondern den Moskauer Großfürsten gefährlich wurde. Unseren Tagen ist sein Glaubenseifer nicht recht verständlich. Wie die meisten Sektierer, denen das Volk Gefolgschaft leistet, beanstandete er im besonderen eine Aeußerlichkeit bei den Anhängern der neuen Staatskirche, er behauptete, daß der dritte Finger, mit dem sie das Zeichen des Kreuzes schlügen, dem Teufel geweiht sei, und von diesem Gedanken ließ er sich nicht abbringen. Er und sein ständig wachsender Anhang ließen sich knuten und in den Kerker werfen, sie wurden verbannt und wie wilde Tiere gejagt, blieben aber bei ihrer seltsamen Behauptung. Die Sitten waren damals rauh in Rußland, und die Großfürsten und die ersten Zaren verfolgten die Altgläubigen mit Feuer und Schwert, besonders Peter der Große, dessen Reformen sie ablehnten und den sie als einen Sohn der Hölle betrachteten, ließ sie ausrotten oder scharenweise in die nordischen Wälder flüchten. Auch aus jenen Zeiten waren die Erinnerungen im Solowetzky-Kloster lebendig geblieben. Auf den Gräbern frommer Einsiedler und Märtyrer sollen Wunder geschehen sein ... aber heute ist alles vernichtet und verdorben. Von den Kirchen sind die Kreuze entfernt worden, die Heiligtümer sind verwüstet und die Mönche vertrieben. Nur einige Eremiten leben noch in der Stille der wilden Landschaft, da die Bolschewiken ihnen nichts nehmen konnten, weil sie nichts besaßen und nichts brauchten. Fast -alle von den Mönchen errichteten gewerblichen Betriebe sind zugrunde gerichtet, und die Gefangenen, die in den Klosterbetrieben eingeschlossen sind, verkommen und sterben langsam dahin. Lenin lehrte, daß die Diktatur des Proletariates nichts anderes als Macht, gestützt auf Gewalt, daß sie durch keine Art von Gesetz und durch keine Regel begrenzt werde. Weder religiöse noch moralische Bedenken dürften die Verfolgung der Sowset- feinde hemmen. Ein sittliches Gebot sei ein bourgeoises Vorurteil. Diesem Grundsätze getreu werden die Gefangenen in Solowetzky behandelt. Das alte, heilige Kloster ist heute eine Stätte der Schrecken und des Elends. Bis Archangelsk führt eine Eisenbahn. Die Stadt an der nördlichen Düna war einst reich und blühend. Der Strom und das Weiße Meer sind reich an Fischen, die umliegenden Waldungen, die sich über Taufende von Quadratkilometer erstreckten, speisten zahlreiche Sägewerke, Felljäger fanden lohnende Beute. Heute verödet der hohe Norden Rußlands. Im Oktober beginnt der strenge Winter. Die Flüsse sind mit meterdickem Eis bedeckt, und nur die Eisenbahn vermittelt noch den Verkehr nach Archangelsk. Fast täglich bringen die Züge neue Verbannte, die darauf warten, weiter nach Solowetzky verschickt zu werden. Schlecht gekleidet und schlecht verpflegt, werden sie in Gefängnissen, die von Ungeziefer verseucht sind, untergebracht und harren der Schrecken, die ihnen vevorstehen. Man schätzt die Zahl der nach Solowetzky Verschickten auf über zehntausend. Moskau Hal versprochen, die Hölle im hohen Norden aufzuheben, aber es hat das Versprechen nicht eingelöst. Solowetzky. das Kloster der Wunder und der Schrecken im Eismeere, das in der Geschichte Rußlands eine große Rolle gespielt hat, behält auch für die Zukunft feine Bedeutung. Am Rande der Sahara. Von Fritz Niederding. Ezbeth el Scheich Mahmud, Spätherbst 1928. Da, wo das fruchtbare Riltal allmählich in die Sahara übergeht, liegt etwa 30 Kilometer westlich von Luxor ein kleines Araberdorf, seit fast zwei Jahren mein fester Aufenthaltsort. Der Scheich des Dorfes, El Hag Mahmud, sorgt für mein leibliches Wohl, wofür ich bemüht bin, ihm als Gegenleistung eine mit allen Schikanen der Neuzeit eingerichtete Berieselungsanlage zu bauen, die die Erträge seiner ausgedehnten Baum- wollplantagen um mindestens 50 % steigern soll. Langsam geht meine Arbeit der Vollendung entgegen, und mit bangem Herzen sehe ich den Zeitpunkt herankommen, an dem ich dieses noch so sehr tn den Kinderschuhen der Kultur steckende Araberdorf verlassen muß, um nach Kairo, der Luxusstadt, zurückzukehren. Notgedrungen habe ich mich den primitiven Lebensverhältnissen anpassen müssen, noch einmal zwei Jahre — und ich bin fest davon überzeugt, daß man mich kaum noch von den waschechten Beduinen unterscheiden könnte. In jeder kleinen Lehmhütte bin kch besannt und ein gern gesehener Gast. Seine von den sonst so scheuen Frauen verdeckt vor mit ihr Gesicht mit dem langen schmutzig-schwarzen Schleier, den sie über den Kopf gehängt, in langer Schleppe hinter sich herzieht. Jeder begrüßt mich freundlich und eherebietig. Die jungen Mädchen lachen mich schelmisch aus ihren großen schwarzen Augen an, und niemand verwehrt ihnen trotz der sonst so strengen Sitte der Trennung zwischen unverheirateten Männern und Frauen, sich mit mit zu unterhalten. Des Abends^ nach getaner Arbeit, stnden sich immer eine Anzahl junget Fellachen bei mit em, um mich zu einem Plauderstündchen bei einem Glase Tee einzuladen. Die aus ungebrannten Lehmziegeln gebauten Hütten gleichen sich wie ein Ei dem andern. Durch einen kleinen Borraum, der meistens als Stall für den oder die Esel und Kamale dient, gelangt man in des Wohn-, Schlaf- und Eßzimmer, das aber gleichzeitig als Küche dient, und auch der „Gamussa" (Büffelkuh) Unterschlupf bieten muß. Im Hintergrund dieses Univetsalzimmers ist bann der große, die ganze Breitseite des Zimmers einnehmende Backofen aufgemauert. Gleichfalls aus Lehm, in einer Höhe von etwa einem Meter, dient er außerdem als Nachtlager für die ganze Familie Aus diesem Ofen sitze ich nun fast Abend für Abend im Kreise luftiger brauner Gesellen und schlürfe den starken, schwarzen Tee oder eine Schale arabischen Mokkas. Zu unseren Füßen kauern die Frauen und Mädchen, wagen ab und zu einmal eine Bemerkung, während sie damit beschäftigt sind, den „Meluchiah" (eine Art Spinat), das Nationalgericht bet Araber, für den nächsten Tag vorzubereiten. Der alte Groß- und sehr oft sogar Urgroßvater sitzt schweigend tn einer Ecke, in seinem Schoß einen Haufen gereinigter Baumwolle, die er kunstgerecht in lange dünne Fäden zieht und bann auf eine Art Quirl dreht, bem er mit bewundernswerter Geschicklichkeit bie schnellstmögliche Umdrehung verleiht, inbem er ihn wie einen Kreisel zwischen Dauemnu nd Zeigefinger in Bewegung setzt. Auch heute waren wir wieder beisammen. Das Gespräch drehte sich um bie in bet verflossenen Woche vollzogene Hochzeit Ibrahim el Nagar» mit Saiba Bent el Said Achmed. Er 15, sie kaum 12 Jahre hatten, sie vor dem Dorskadi bie Heiratsurkunde mit bem Daumenabdruck unterzeichnet. Der Kauspreis der Frau betrug 20 Pfund, doch hatte Ibrahim nut 10 Pfund angezahlt. Den Rest sollte er ht monatlichen Nate« von je einem Pfund tilgen. Es klingt drollig, aber auch hier, fern vo» europäischer Kultur hart am Rande der Wüste, hat man die Annehmlichkeiten der Ratenzahlung bereits erkannt, und der gewöhnliche Araber kauft seine Frau nur „Aus stottern". Anders in den Städten wie Kairo ober Alexanbrien. Während auf bem platten Lande bie gemeinsame Feldarbeit und bas enge Zusammenhausen beibe Teile schon von klein auf zwingt, sich kennen zu lernen, ist dies in den besseren Kreisen der Stadt einfach ein Ding bet Unmöglichkeit. Die Eltern beibet Teile machen die Ehen ihrer Kinder perfekt, und ber Bräutigam kauft noch heute sozusagen bie Katze im Sack, ohne auch nur bie geringste Ahnung von ihrem Aussehen ober ihren Charaktereigenschaften zu haben. Kein Wunder, wenn sich bort bet Vater ber Braut bcn Kaufpreis im voraus bat auszahlen läßt. Eine Heirat unter Aegyptern ober Arabern ist daher auch in den allerseltensten Fälle« eine Herzensangelegenheit. Außerdem erlaubt das Gesetz in ber zweiten, britten ober vierten Frau das zu suchen, was man in ber ersten vermißt. Diese Bigamie sinbet man jedoch fast nur noch in den niederen Steifen auf dem Lande, ber gebildete Araber und Aegypter dagegen heiratet stets nur eine Frau, von ber er sich, falls sie ihm nicht zufagt, erst scheibe« läßt, bevor et eine anbere in sein Haus führt. Noch saßen wir frieblich beisammen, rauchte« unsere selbstgedrehte» ägyptischen Zigaretten und lachten und scherzten übet allerhand nette Begebenheiten, die sich anläßlich ber Hochzeitsfeierlichkeiten abgespielt hatten, als plötzlich ber Wächter des Dorfes hereingestützt kam und uni entgegenschrie: „Taale, taale, el Dieb gamb el ftellad!" Was wat vorgefallen? Ein Rubel Schakale hatte sich mit bet ihm eigenen Frechheit laut heulenb bis an ben Rand bes Dorfes gewagt und drohte, den Hühner- und Jungviehbestanb zu vernichten. So harmlos diese kleineren Vetter« bet Wölfe auch einzeln sinb, so gefährlich werden sie, wenn sie in großer Anzahl und noch dazu ausgehungett auftreten. Im Handumdrehen hatte« wir uns mit langen Knüppeln bewaffnet, wer eine Schußwaffe bei sich hatte, nahm sie mit, und nun schlichen wjt heimlich und geräuschlos zwischen hohen Maisfeldern dahin. Das widerliche Heulen ber Tiere übertönte bas Knacken des langen, Dünnen Maisstrohes, und ungehört und ungesehen traten wir ganz plötzlich auf das vor uns liegende weite Kleefeld, kaum 30 Meter von einem mindestens 80 Schakalen zählenden Rudel entfernt Wenn wir geglaubt hatten, daß nun alle sofort Reißaus nehmen würden, so sollten wir uns geirrt haben. Nur wenige schwache Tiere waren e-, die bei unserem Anblick das Weite suchten, während die anderen mit fletschenden Zähnen unsere Ankunft ermatteten. Wie auf ein Kommando stürzten wir uns mit unseren dicken langen Knüppeln mitten unter sie, laut heulend brachen die getroffenen zusammen. Sie taten mit leid, dies« schmucken, tapferen Gesellen, aber der Selbsterhaltungstrieb war größer. Nicht lange dauerte der Kamps, die Tiere hatten bald eingesehen, daß wir die Uebermacht besaßen, und bie wenigen, bie noch nicht durch einen kräftige« Schlag zu Boden gestreckt waren, suchten laut heulend das Weite. Mindestens 40 hatten ihren Mut mit dem Tode bezahlen müssen. Sie ihrem Schicksal überlassend kehrten wir ins Dors zurück, um zunächst einmal bie Wunden derer auszuwaschen, die während des wüsten Durcheinanders gebissen worben waren. Schön ertönte vom Minoret der nahen Moschee der melancholische Ruf des Beters, der die Gläubigen zum ersten Morgengebet aufforberte; Alahi ou akbar/ akbar Alahi ou akbari 4 Uhr morgens, ich schaue auS bem Fenster nach Osten, beutlich erkenne ich bas Strombett bei Nils, der seine trägen, gelben Wasser in das Mittelländische Meer wälzt, dahinter wieder Wüste, endlos weiße Flächen, die sich bis ans Rote Meer und darüber hinaus erstrecken. Keine Wälder, keine Täler wie in der lieben Heimat, und dennoch hat dieses Land seine eigenen unvergeßlichen Reize, und nicht ohne Grund wird behauptet, daß der Nil und die Sonne Aegyptens eitw unwiderstehliche Anziehungskraft auf denjenigen ausüben, der sich einmal an ihnen erfreuen durfte. Verantwortlich: Dr. Hans Thyrivt. — Druck und Verlag: BrLhl'fche UnlversitStS-Buch- und Stetnbruckeret, 5L Lange, Siebe«-