chmächttgt, "en könnt, »nantrnbk ' Tier und SU schmerz konnte. 6, langsam in •; mit qt! Mötzlich j)j( 'arten, de» Wipfel dtt ! >hr miich, ö^ncn, e dort bei wieder au; « an [ei, nd Knecht, donnernde -e noch in i Dagmar, >om Schia aber Daa- sich Müh. Haar oon >e Schläge er Krieg!' nes furcht- n des @e. rte in der den einen 'N Baum? feite; herüber [ich r Baum? hinabge- )urch das i Garten; ten, stand , wo war ingen ein lie Tiefe; lnder auf norden?" ig sie mit nn brach gefchlof- rz schlug is neigte wieder- n suchen hauchte uf allen is alle-, >eu, der aber er a. Des r ritter- rer Kehl Nicht ar kein ich ihre 'e. „ mbeck! ■! mein ien ge- sprach i ihrer Dogge, -Heu- Siebener tfamilicnbtöttet Nummer 63 zur Ern Reisetag. Von Hermann Hesse. ich längst gewußt und Gotthard nach Italien Bergamo wieder weg- Ssmmer. Von Edmund Finke. In unfern Augen ist das harte Glänzen des Feuerscheines im geglühten Stahl, und unsre Arme hämmern um die Grenzen der Welt die Zeichen fremder Lust und Qual. Doch wenn wir auf und durch die Fenster schauen die eng vergittert sind und grau und blind, ‘ bann wissen wir, daß in dem sommerblauen Goldglanz der Zeit auch unsre Glücke sind. koenn wjx wieder in die Berge wandern, die Liebste mit, erlöst, befreit, allein, k'" recht ein Tag sich selig an den andern und schließt das ganze Glück der Erde ein. Dann, wenn wir oben auf den Höhen stehen und unten träumt die arme, kleine Well die alten Träume, die im Wind verwehen sind wir wie in die Ewigkeit gestellt. ' ' Und wissen, daß in unsren harten Händen die ganze Arbeit dieser Erde liegt &'e£f Wissen einst in Feuerbränden die Welt umflammen wird ... und siegt« Unterhaltungsbeilage zum Gießener Anzeiger ZaWang W8 __ Ä laufeuchten Nachmittag, saß ich doch in der Wirt halte mir einen glanzenden Zug nach Cremona aussindig gemacht, tn weniger als zwei Stunden sollte ich schon dort fein. 9 at>' ?on ben Hügeln weg in die mächtige, hellgrüne Ebene ben Wnhn»rs-9^a>afh91n Gewitterwolken hin, und ich genoß wieder tief oen Anblick dieses reichen schweren Landes, wo alles in Fülle qedeibt ® -n*rf,cn ä»m Leben und Fröhlichsein brauchen. Alles ließ Sm»« w • tönren pünktlich abgefahren und reisten in einem flotten ton .e'ne;r 911 ien halben Stunde waren wir schon in Treviqlio, Sh viele Leute ausstiegen. Ich blieb allein im Wagen 'und !ck msi?s°^^be m.t Behagen zu, da rief mich ein Schaffner an, auch wem, • h nuslte,äen- Und ich erfuhr, daß dieser Zug nicht weitergehe, und, nn 'G nach Cremona wolle, so habe ich in drei Stunden Anschluß, ob id,-^nrt.,*I'eiiien Koffer hinaus und gab ihn am Bahnhof mit fSegen diesen Knotenpunkt, da ich früher einmal malz X. ;£• Haltestelle schlimme Erfahrungen gemacht hatte. Da- und Fossato Vico ausgestiegen, in der Nähe von Foligno, und Kmhui9cba$f' an ^em f° wichtigen Punkt, wo alle Züge halten lieoen Sachen, müsse wohl irgendeine gute, alte, wohlige Stadt Railwu?,^!?'^ im Baedecker sieht, und vielleicht gebe es ein kleines fein’Rotfwnl ^bkrschen Sachen anzusehen oder ähnliches. Es war aber mittag n„cUk unbcnU?e^auPf keine Stadt da, und ich mußte einen Nach- "aibenffil .ff Vahnhof verbringen. Das fiel mir wieder ein, als ich einer fMi.nL0?? ,er Station weg gegen das Städtchen schlenderte, auf toenia ®tra8e, 011 kleinen, ärmlichen Neubauten hin, die hübsch mJ fwr n'v ^ber es gab wirklich ein Städtchen, und es war deren mA nnd verschlafen und halte eine hübsche Markinskirche, In rwle em reizender heiliger Martin ans gotischen Zeiten an i I der Wand ritt, und im Ansichtskartenladen war eine alte Frau dl- mnr sä Attch SX“,'“1"*uni 6” '-Ich"-»- «™ I r;nr^C- ^.V1b,e war hingebracht, ich begab mich auf die stille Viorr» I irnt 7*6 Tischchen an die Sonne Herausstellen und einen Kaffee neben I 2? Aunb rau$te und sah dem Leben einer winzigen Kleinstadt au | 9:®- Purbe lemand beerdigt, und Kinder mit weißen Schärpen brünett I hvzu sang vom hohen Turme ein leicht verstimmtes Glocken- SltoÄ ±ber-^' ein dUrchLsend^s Automobll au i oem Platz hielt. Das gab wieder Leben, Kinder brannten lick her und I -2er Chauffeur Benzin eingoß, die Hupe spielen Und Äbtot^ner0^6^*;' miri) ein neuer KindeZch^rm aus dem Schsi.se »ar aus und die Jugend kam barfuß ober in Holz chuhen dahergesturmt, füllte ben Platz mit heftigem Leben und sää » ssrEe Ä-IÄÄ SPSS SftffSsi* I Mich und tat, als sähe sie Mich nicht. Als ich aber nach zwanzig "^hrte und nochmals zu dem Fenster aufschaute, sing sie an I ?,u. "cheu und begann ein drolliges Gespräch mit ihrer Schwester mir mußt7i^ü°nb icken nach dem Femblin^ uL vieleZ SeM Leid« I 'm gehen. Um ein Fenster voll Blumen und ein Mädcken bn. ttn. Cine Schwester bei sich Hal, kann man nicht In^evigsto fck>lJst?btiA/"°n * -- sich, daß doch noch Zeit genug war, und tut- I 'n ! 9, b 6d e,. "h den grauen, oben Weg nach dem Städtchen Zurück ®“nn jHunk ich in einem nagelneuen, vorzüglichen Wirtschäftchen^einen Gsieu Wem und war mit Treviglio zufrieden, als der Zug kam und mit hm. VOro4lc$Ul9tni>en Wolken verdüsterte Land gegen Süden brnrn ?i7 hindurch hörte man Donnerschläge und bald brach ein schräger, klatschender Regen herab, dahinter blieb inmitten von AM" ,u"A.c®emo t „em-f sch'nale, bleiche Himmelsinsel in schüchternem I ul,t,herM^Ultr5^0 s s ehen. Als der Regen sich erschöpft hatte und ^ngen aus jenem bleichen Himmelsfenster je und ,e abendliche Lichter herein und verliefen sich in der unendlichen Ebene, b7nol,7m7rnr''7^1''eM 'Ntensiv noch Fruchtbarkeit duftete^ Cs war I beinahe Nacht, als ich ,n Cremona ankam und es war ein weiter Wea unterm Regenschirm bis ans andere Ende der Stadt, wo mein Gasthof wß'Es mar einer von denen, in denen italienische Geschäftsreisende und Priester verkehren und ich hatte ihn mir in Bergamo empfehlen lassen. । Des westeu Weges überdrüssig, wäre ich ihm beinahe untreu geworden' "H bereue es aber nicht, daß ich aushielt, der Gasthof erwies sich als einer von jenen, die man nur alten und bewährten Freunden im 23er. trouenfiennf, und als ich dort eine Gemüsesuppe und eine Forelle aus bem Gardasee mit gutem Wein genossen hatte, war ich lo voll guter Reifestimmung, daß ich noch in der Nacht unb trotz dein Regen aus- ging, um emen ersten, neugierigen Blick in bie Stabt zu tun. war nicht weit gegangen, ba nahm mich ein stilles, im Regen plätscherndes Plätzchen mit schönen Arkaden auf, ich schloß ben Schirm und gmg zufrieden unter den Arkaden weiter, übersprang rasch eine schwüle, dunkle Quergasse, erreichte einige mächtige Steinstufen, unb kam erregt und voll Spannung in ein gewaltiges Gebäude, unter hohen Ge- wölben durch in einen Hof und jenseits in ein neues Gewölbe, mächtige Pfener spiegelten sich nach außen in einen neuen, regennaßen Platz, sch trat ins Freie, blickte verwundert auf unb sah mit einem einzigen überraschten Blick ben Domplatz vor mir liegen, eines der schönsten unb kühnsten architektonischen Bilder der Welt. Uebermächtig über der kleinen Piazza stieg bie Fassade des Dornes in bleicher Helligkeit empor, wunder, bar abgewogen und sich begnügt, über bem großen Portal undeutliches Skulpturenwerk unb eine schöne, riesige Rosette, baneben leicht unb elegant zwei edle Reihen kleiner Rundbogen auf lieblich lichten, feinen Säulchen, unb oben als Giebellinie zwei ungeheure, leere, kühne Voluten. Das alles trat gleichzeitig vors Auge, voll Musik unb köstlicher Abge- stimmthett und baneben sprang ein unsäglich hoher Turm stolz und beinahe fürchterlich in bie Höhe, ober mit kleinen, zarten Säulengalerien in bie Nacht verlaufend. 3m Regen blieb ich stehen und sog den wunderbaren Anblick in mich ein, beglückt unb erschüttert von der Größe unb frechen Kühnheit bieser Bauten. Kein Zweifel, diese Riefenvoluten waren fpäter entftanben als der Unterbau, lie waren in der Zeit der fröhlichsten Renaissance - mit spielerischer Kühnheit da oben hingesetzt worden, und obwohl sie aus Wie leicht B e r g a m o erreichbar ist, hatte war wieder einmal diesen schönsten Weg vom gefahren. Wie schwer es aber werden kann, von ^ecgaino wieoer ; zntommen, erfuhr ich erst dieies Mal. Zwischen meinem Entschluß greife und der Avsahrt selbst vergingen zweieinhalb Tage.' Das eine TOn[ mar nlrnh^6 a «r ,^^adt ein Fahrplan zu finden, das andere mnrh^ h 9 s m nt$,fforfem Regen das Wetter unversehens gut ge. rini»inh,na5hbr m 00n °iuem alten Musiker zum Kaffee m-m m c'i b- ? feil?e Mone Tochter einschenkie, wieder einmal hielt mich ÄUrM ’h»' d!” Ankündigung eines wunderbaren Geisbratens h°Me ich immer, doch noch einmal in die berühmte Pina- wollte roa® °^r trotz tagelangen Aufenthalts nicht glücken tis uinf ,mar t" Bergamo sehr schön, vom Sarg des Colleoni narf. 3sL mt/n atTap^n' T* be" hübschen Cafes der Neustadt bis □atounnLWsi'sto hinauf, und da das Reifen auch in Stollen Ent- t ft9- kann, blieb ich gerne Tag um Tag und hieß alle äm^wilttommen. meiner 9Beifemife in den Weg stellten, einer völlig anbereu Welt stammten als der alte, romanische Bau, saßen sie doch mit einer Sicherheit da, als müsse es so fein. Und so war alles auf diesem märchenhaften Platze, alles erschien kühn, rtefig und abenteuerlich, und alles war dennoch schön, war voll Sinn und Matz, und der beinahe erschreckende erste Eindruck wurde sanster und stiller und klang rein und froh in mir weiter, als alle Ueberrumpelung längst überwunden war/ Wie schön würde es {ein, morgen dies alles, und wer weiß wie viel ungesuchte andere Schönheiten dazu, in stiller Muhe bei Tageslicht anzusehen! Daheim im Gasthoszimmer saß ich lang auf dem Bette, die große, reine Musik des Domplatzes klang in mir nach, dazwischen zeigten aus- steigende Erinnerungsbilder mir Bauten, Gärten, Menschen aus Bergamo, die weite ebene Landschaft der Bahnfahrt, den stillen, sonnigen Steinplatz in Treviglio, was alles, vor Stunden erst gesehen, schon seltsam weit zurückzuliegen schien. Und ich besann mich wieder einmal: was ist das nun eigenlich, das unsereins immer auf Reife reibt? Warum fahren wir Jahr um Jahr io viel hundert Meilen, da und dorthin, stehen dankbar und froh vor den Bauwerken und Bildern reicherer Zeiten, sehen neugierig und zufrieden dem Leben fremder Völker zu, die uns nichts angehen, plaudern in Eisenbahnzügen mit fremden Menschen und belauschen einsam das Straßengetriebe fremder Großstädte? Einst war mir dies als eine Art von Lernbegier und Bildungsdrang erschienen, damals hatte ich mir Notizhefte voll über Freskenwände altitalienischer Kirchen geschrieben und mein am Essen abgefpartes Geld für Photographien alter Skulpturen ausgegeben. Dann wieder war ich dessen müde geworden und hatte das Reisen in ärmeren Ländern vorgezogen, wo Landschaft und fremdes Volkstum allein mich interessierten und da war mir dieser rätselhafte Reisetrieb als eine Art Abenteurerlust erschienen. Es sind jedoch, genau genommen, keine Abenteuer, die man auf Reisen erlebt, es sei denn, daß man fehlgefahrene Koffer, gestohlene Mäntel, Zimmer mit Schlangen und Betten mit Mosguitos als Abenteuer ansähe. Nein, das war auch nicht das Richtige. Heute wo von Bildungsdurst kaum ein verblaßter Rest in mir geblieben ist, wo ich mir nichts daraus mache, ohne Baedeker und ohne Notizbuch durch italienische Städte zu bummeln und ganze Kirchen und Sammlungen voll der schönsten Bilder zu versäumen, während ich doch, was ich von dergleichen Dingen finde und sehe, intensiver und zarter als ehemals genieße — heute, wo auch der Glaube an die Abenteuerlichkeit des Reifens mir verloren gegangen ist, gehe ich nicht seltener und nicht mit kleinerem Drang und Bedürfnis auf Reifen als vor fünfzehn oder zehn oder fünf Jahren. Mir scheint, das Unterwegsein auf Reisen ersetzt unsereinem die Betätigung des rein ästhetischen Triebes, der unseren Völkern beinahe völlig abhanden gekommen ist, den die Griechen und die Römer und die Italiener der großen Zeiten hatten und den man noch etwa in Japan findet, wo kluge und keineswegs kindische Menschen es verstehen, nm Betrachten eines Holzschnitts, eines Baumes oder Felsens, eines Gartens, einer einzelnen Blume, die Hebung, Reife und Kennerschaft eines Sinnes zu genießen, der bei uns selten und schwach ausgebildet erscheint. Das reine Schauen, das von keinem Jwecksuchen und Wollen getrübte Beobachten, die in sich selbst begnügte Hebung von Auge, Ohr, Nase, Tastsinn, das ist ein Paradies, nachdem die feineren unter uns tiefes Heimweh haben und beim Reisen ist es, wo wir dem am ehestens und am reinsten nachzugehen vermögen. Die Konzentration, die der ästhetisch Geübte jederzeit sollte Hervorrufen können, glückt uns Aermeren wenigstens in diesen Tagen und Stunden der Losgebundenheit, wo keine sorge, keine Post, kein Geschäft aus der Heimat und dem Alltag uns nachlaufen kann. In dieser Reifestimmung vermögen wir, was wir daheim selten vermögen, stille, zwecklose, dankbare Stunden vor ein paar herrlichen Bildern hinzubringen, hingerissen und offen den Wohlklang edler Bauwerke zu vernehmen, innig und genießerisch den Linien einer Landschaft nachzugehen. Da wird uns zum Bilde, was uns sonst nur im trüben Netz unseres Wollens, unserer Beziehungen, unserer Sorgen erscheint; das Leben der Gasse und des Marktes, das Spiel der Sonne und Schatten auf Wasser und Erde, die Form eines Baumes, Schrei und Bewegung eines Tieres, Gang und Betragen der Menscheli. Uni) wer auf Reifen geht, ohne im Innern das zu suchen, der kommt leer zurück und hat höchstens seinen Bildungssack etwas belastet. Allein hat dieser ästhetische Trieb zum reinen Sehen, zum selbstlosen Aufnehmen nicht doch eine höhere Beziehung? Ist er nur Sehnsucht nach dunklem Lustgefühl? Ist er nur rächende und mahnende Pein eines vernachlässigten Sinnes? Warum gibt mir dann doch der Anblick eines Mantegna mehr als der einen schönen Eidechse, warum ist mir eine Stunde in einer von Giotto ausgemalten Kapelle letzten Grundes doch mehr als eine, die ich am Meeresstrande verliege? Nein, im Grunde ist es doch überall das Menschliche, was wir suchen und wonach uns dürstet. Ich genieße an einem schönen Berge nicht die zusällige Wirklichkeit, ich genieße mich selbst, ich genieße die Fähigkeit des Sehens, des Linienfühlens, ich laufe in einer schönen, sremden Landschaft keineswegs der Kultur^ davon, sondern übe und liebe und genieße Kultur, indem ich meine Sinne und Gedanken an ihr übe. Darum kehre ich auch immer wieder dankbar und willig zu den Kühnsten zurück, darum gewährt mir ein kühner Bau, eine schön bemalte Wand, eine gute Musik, eine wertvolle Zeichnung schließlich doch mehr Genuß, mehr Befriedigung dunklen Suchens, als das Beobachten natürlicher Schönheiten. Ich glaube, das, worauf jener ästhetische Trieb hinausgeht, ist keineswegs ein Loskommen von uns selbst, sondern nur ein Loskommen von unseren schlechten Instinkten und Gewohnheiten und eine Bestätigung des Besten in uns, eine Bestätigung unseres heimlichen Glaubens an den Menschengeist. Denn wie ein wohliges Bad im Meere, ein frohes Ballspiel, eine tapfere Schneewanderung mein leibliches Ich bestätigt, ihm in feinen besten Gelüsten und Ahnungen recht gibt und durch Wohlbefinden auf fein Verlangen antwortet, so antwortet beim reinen Schauen der große Schatz menschlicher Kultur, geistiger Leistung auf unteren fordernden Glauben an die Menschheit überhaupt. Was soll mir die Freude an Tizian, wenn seine Bilder mir nicht Ahnungen wahr machen, Triebe bestätigen, Ideale erfüllen? So scheint mir, reisen wir und schauen und erleben die Fremde, im tiefsten Grunde als Sucher nach dem Ideal des Menschentums. Darin bestätigt uns und bestärkt uns eine Figur von Michelangelo, eine Musik von Mozart, ein toskanischer Dom oder griechischer Tempel, und diese Bestätigung und Bestärkung unseres Verlangens nach einem Sinn, einer tiefen Einigkeit, einer Hnsterblichkeit der menschlichen Kultur ist es, was wir auf Reisen besonders innig genießen, auch wenn wir nicht klar daran denken. Lange noch sah ich und dachte nach und ine Gedanken flössen nut den Erinnerungen an hundert Reisen, feit der frühesten Jugend zufammen, und es wurde mir klar: wieviel auch die Zeit wegnimmt, wie sehr man altern, ermüden, schwächer werden mag, jenes Erlebnis, das der Sinn unseres Reifedrangs ist, wird nie feinen Glanz verlieren, und wenn ich in zehn und zwanzig Jahren mit anderen Ansichten, anderen Erfahrungen, anderen Perspektiven als heute durch die Welt reifen werde, so wird es schließlich doch im selben Sinne geschehen wie heute, und es wird mir, über alle Verschiedenheit und reizvolle Gegensätzlichkeit der Länder und Völker hinweg, immer mehr und immer klarer der einheit- liche Sinn alles Menschentums entgegen treten. Englands jüngste Kolonie. Ein Kapitel Geschichte in Briefmarken. Von M. Büttner. Ein halbes Jahrhundert ist in diesem Sommer vergangen, seit zum erstenmal die britische Flagge über der schicksalsreichen Insel Cypern wehte. In mancherlei Weise ist das 50jährige Jubiläum der englischen Besetzung- festlich begangen worden, am schönsten und — nicht nur für die Markensammler — fesselndsten vielleicht durch die englische Postverwaltung, die sich von jeher der weltweiten Wirksamkeit guter Briefmarken bewußt gewesen ist. Die aus diesem Anlaß geschossene Gedenkmarkenreibe, die während des ganzen Jubiläumsjahres gültig bleibt, besteht aus wirklichen kleinen Meisterwerken der graphischen Kunst und ist wohl, geeignet, der Philatelie neue aufrichtige Freunde zu geraumen. Erinnern wir uns, daß Cypern, nächst Sizilien und Sardinien, ine drittgrößte Insel des Mittelmeeres ist, datz sie heute etwa 340 000 Be- wohner zählt, von denen 80 v.H. Griechen und nahezu alle übrigen mohammedanische Türken sind, datz die im Innern gelegene Hauptstadt Nicosia ist und 20 000 Einwohner hat. Für interessante und malerische Bnef- marten könnte sich kaum ein anderes Land besser eignen als dieses alte Jnselreich am Eingang zum Orient, das dank seiner eigenartigen Lage zwischen Griechenland, Kleinasien, Syrien, Palästina und Aegypten aus eine ungemein bunte Geschichte zurückblickt. Heb eraU noch erhaltene schone Denkmäler der griechischen, romanischen, byzantinischen, gotischen und muselmanischen Kunst sind ehrwürdige Zeugen der historischen Geschicke QTnperns. ' Wie oft haben nicht die Herren dieser vielbegehrten und oielumftrittenen Insel gewechselt! Phönizier, Assyrer, Perser und Römer betraten und verließen sie wieder, ohne ihren eigentlichen hellenischen Charakter verändern zu können. Neun kleine Königreiche bestanden zeitweise auf diesem Gebiet, das noch nicht halb so groß sein dürfte wie die Provinz Pommern. Im Jahre 1191 eroberte es der englische König Richard Lowenherz auf dem dritten Kreuzzug; er vermählte sich dort mit Berengaria von Navarra. Noch heute zeigt man in einer wenig verfallenen gotischen Festung in Limassol eine mittelalterliche Kapelle, in der die Trauung vor sich gegangen sein soll. Nachdem König Richard die Insel an die Tempelherren verkauft und von diesen — da sie die griechische Bevölkerung nicht zu regieren vermochten, alsbald zurückerhalten hatte, belehnte er damit dieFamilieLusignan. So wurde Cypern von 1192 bis 1489 ein französisches „Königreich" der Levante unter 18 Herrschern der Dynastie Lusignan. Die Witwe des letzten aus dieser Reihe, Caterina Cornaro, schenkte 1489 die Insel ihrer Heimatstadt Venedig. Die Herrschaft der Venetianer dauerte 82 Jahre, bis Cypern 1571 von den Türken unter Sultan Selim II. erobert wurde. Drei Jahrhunderte lang blieb es dann eine türkische Provinz. Im Juni des Jahres 1878 wurde zwischen Großbritannien und der Türkei ein Vertrag geschlossen, wonach die Insel der englischen Verwaltung unterstellt wurde, aber weiterhin als ottomanischer Besitz gelten sollte. Der Weltkrieg hat schließlich auch das politische Schicksal Cyperns endgültig besiegelt. Als die Türkei in den Krieg als Gegner der Alliierten eingetreten war, hob England am 5. November 1914 das Abkommen von 1878 auf, und in einer königlichen Verordnung würbe förmlich die Aneignung der Insel ausgesprochen. Im Mm 1» erhielt Cypern endlich den vollen Rang als britische Kolonie unter einem Gouverneur an Stelle des bisherigen High Commissioner zuerkannt Englands jüngste Kolonie steht mithin heute im zarten Atter von orc, Jahren. . Es leuchtet auch dem philatelistisch HnbeschoUenen ein, daß sich aus einer so reichen und bunten geschichtlichen Vergangenheit mancherlei • live für Darstellungen auf Briefmarken schöpfen lassen, deren ureigenstes Wesen ja nicht nur äußerttch vielfarbiger Wechsel ist. Die im tnusterhaf Stahlstich hergestellten Jubiläumsmarken umfassen zehn wen stufen mit ebensoviel verschiedenen Darstellungen. An die ferne Zett neun griechischen Königreiche, die im 5. Jahrhundert v. Chr. zuglei) l der kleinen Insel Platz hatten, erinnert die Marke zu % Piaster, bc e antike Silbermünze mit einem Zierkopf aus Amathus zeigt, einem j damaligen Duodezstaaten. In Larnaka, dem alten Citium, wuro berühmteste Sohn Cyperns geboren, der Philosoph Zen o, be . 4. Jahrhundert v. Chr. in Athen die Schule des Stoizismus begr ■ Sein bärtiges Bildnis, das sich auf der I-Piaster-Marke findet, f M Künstler nach einem zeitgenössischen Marmorstandbild, bas test ■ öffentlichen Gürten von Larnaka ausgestellt ist. Besonders interess n i der Wert zu IS Piaster, auf dem eine mittelalterliche Karte d o mit den wichtigsten Städten und dem Berg Olympos wiebergeg der iMaster-Marke erblickt. Ein moscheeartiges Bauwerk bemerkt man au dem Wert zu 9 Piaster; die sogenannte Tekke of Umm Haram; sie führt ihren Namen nach einer Verwandten des Propheten Mohammed die ihren Gatten U b a i d a begleitete, als er im 7. Jahrhundert n. Ehr. in C Ypern einfiel. Um mHar am stürzte von ihrem Maultier und starb am Salzsee von Larnaka, wo sie unter einem prähistori chen Monolithen begraben wurde — heute eine Wallfahrtsstätte der Muselmanen. Ein Bor dem Ort Paphos steht man die „schaumgeborene" Göttin Aphrodite anmutig dem Meer entsteigen; gilt doch Paphos als ihre Geburtsstätte. An den Bericht der Bibel wonach die Apostel P a u l u s und B a r n a b a s im Jahre 4o n. Ehr. auf Cypern das Christentum einsührten, knüpft das M der Marke zu 2 A Piaster an. Es zeigt einen Teil eines Fresko- gemaldes in der gncchych-orthodoxen St.-Johannes-Kathedrale zu Nikosia und Zwar die Szene wie der Leichnam des heiligen Barnabas im S.Jahr-' hundert ». Ehr. in Salamis wieder aufgefunden wurde. Auf seiner Brust entdeckte man eine eigenhändige Abschrift des Matthäus-EvangeliumsWer den Mut hat, sich in dem schönen und reichen Südamerika eine neue Heimat gründen zu wollen, der mag es wagen! Aber es wäre nicht nur Leichtsinn, sondern Torheit, diesen Schritt ohne genügende Vorbereitung und mit unerfüllbaren Illusionen zu unternehmen. Man mißtraue romantischen Aberteuerromanen aus dem glühenden Urwald und den Geschichten von den Goldschätzen der Inkas, die selbst, wenn sie wahre Naturschilderungen und subjektiv Erlebtes bringen, dem Auswanderer doch ein unrichtiges Bild der wirklichen Verhältnisse, die ihn er- warten, geben. Es ist eine ernste Entscheidung, den Staub des Vaterlandes von den Füßen zu schütteln, um dorthin zu gehen, von wo es oft keine Rückkehr mehr gibt. Vor wenigen Jahrzehnten noch mußten die Auswanderer ihre weite Reife in stickigen Verschlügen der großen Dampfer antreten und waren tausend Plagen ausgesetzt. Heute ist die Fahrt, ohne daß der Ueberfahrts- preis gesteigert worden wäre, fast ein Vergnügen. Auf den großen Einheitsdampfern der Hapag z.B. stehen den Passagieren 3. Klasse Musikzimmer, Salons, ein herrliches Promenadendeck usw. zur Verfügung. Jeden Nachmittag ist Bordkonzert und der sonst so gefürchtete Golf von Vizcaya hat, abgesehen von besonders heftigen Sturmtagen, kaum die Kraft, das Riesenschaff zum merklichen Schwanken zu bringen. Nur die wenigsten leiden an Seekrankheit. Die Luft wird immer lauer und klarer. Dann gleiten der Löwe und der Große Bär immer tiefer am Horizont herab. Fliegende Fische klatschen unter das Sonnensegel. In der Nacht glühen die Wasser hinter der Schiffsschraube, bis der Aequator erreicht ist und die Neulinge sich der Tropentaufe unterziehen müssen. Während der Reise melden sich noch keine Enttäuschungen, alle Hoffnungen sind hoch geschraubt und die meisten Auswanderer träumen von Wunderdingen in Südamerika, die sie in Büchern gelesen haben. Erst wenn die Häfen von Brasilien, Montevideo oder Buenos Aires erreicht sind, meldet sich die Prosa. Die Einwandererbaracken in Argentinien sind kein angenehmer Aufenthalt, und wer sein mitgebrachtes Geld nicht zusammenhält, hat es bald vertan. Aber der gewaltige La Platastrom, der an seiner Mündung breiter als alle europäischen Ströme zusammengenommen ist, lockt, und dort, weit, weit mag für den Auswanderer, wenn er den Mut nicht verliert, ein geheimnisvolles, großes Glück liegen. rinoM- ^k>em Jahre werden die Glückschancen für den Auswanderer qe- »ermmh»rt Sll($cn ausgefüllt und die Anstellungsmöglichkeiten sich -KCn; ?.umal wenn der Einwanderer nicht die notwendigen Ipanif* mHl;. b- h- wenn er nicht in den spanischen Ländern iiiiJ, ln Brasilien portugiesisch versteht. Kenntnisse der franzö- «ii LhS, 1 L,b gewiß nützlich, aber die erste Grundbedingung für Auch hpr6 a bleibt immer die Beherrschung der Landessprache, »to n... barf sich nicht billigen Illusionen hingeben, er sollte, Brasils»/"^' blc Kraft seiner Arme bauend, nach Argentinien oder unb firh n, um im Urwald eine Strecke fruchtbaren Landes zu roden bem v,rt?, 3U gründen. Sollte seine Gesundheit auch wirklich Karten ..siaudhalten, so gehört doch ein guter Batzen Geld dazu, um Die bis der Boden urbar gemacht und einen Ertrag liefert, lijreiburn und Verkehrsverhältnisse sind meistens unter jeder Besuch hph An® - Ansiedler muß nicht nur jedem Luxus, sondern Slusficbt hnt wrpnrnltivsten Kulturbedürfnissen entsagen lernen, ehe er $4) hat, es zu etwas zu bringen. da südamerikanischen Staate Arbeiterschutz besteht, und Mnistotp,. L, ,, Arbeiter nicht in der Lage ist, mit dem gänzlich be° wgeborenen Pcon zu konkurrieren, so hat der eingewan- Aussichten auf ein Fortkommen, es sei denn, daß ' ,c ‘ lfute-y Handwerk gelernt hat oder ein Spezialist ist stm alias- Stel'sÄ* ,toiri, Einwanderer u> erkennen, daß er in keinem Kirche von Cypern die Unabhängigkeit gewährt. I ä 3U Nordamerika kennt man in Süd- Die verschiedenen Völkerschaften die sich die Insel im Laufe der Jahr- ist sehr beachtlich - ÄnS^L'erWh J,7 ArÄnti^ien" z tausende streitig gemacht, haben hier und da bedeutsame Spuren ihres I wohin firh dank der ffimnfitrh nnnftin»» -nJriixfLitr Argentinien z. B.» Kunstgeschmacks hinterlassen. Als das schönste und hervorragendste gotische I deutschen Auswanderer richtet wird dem Einwar derer Baudenkmal der Levante gilt das aus dem 13. Jahrhundert stammende Unterkunft und Lerpflegüng iii den Pminonstratenserklofter von Bellapms, noch heute eine prächtige Ruine bei I wo er dann ein Freibillett nach der von ihm gewählten oder ihm ^TlTOnfh>r SfPlo9rMi^are-en0QntAn Spitzbogen, wie man sie auf wiesenen Arbeitsstelle erhalten kann. Nach stiNe^ Antu-sttIst ei'toinaniif der PPlaster-Marke erblickt. Ein moscheeartiges Bauwerk bemerkt man n,Drfe,n, werden wird, die hoffentlich auch die Einwandeverinteresien mehr „.a ir-s I beachtet als es bisher der Fall ist. " W Auswanderer nach Südamerika. w wie in Argentinien ..egen di- Verhältnisse in Chile und in Bon E. v. Ungern-Sternberg. i r!;?brü[dlen- Besonders Chile hat traditionell zu Deutschland die Herz- .rsrrnLK sätäsm!: ämsam Zs äjä-ä SWaftffRÄ« 88ftft% srs?ff» LkLW unb nJ S*® h“ 9 t0?>r auslosen, IN dem das Abenteuer lockte | Wer den Mut hat. sich in dem schönen und reiwen i-i.ihnmerik» nmrhl . • äer die Arbeit krönen sollte. Diese Märchenwelt mn (L9mn in ®'n Sanb i3er ^onne, in das Schweigen des Urwaldes, L-n9®1®1*, ’*? Palmen wiegen und Feuerfliegen die duftende üinw mUcn' ..l)crt09t Dieses Land der Sehnsucht war für viele Siib-- R Aua ist aber «Südamerika gewiß kein Reich des Friedens und S Ln bmc" J?,cr 'hm heimisch werden und die grünen Wiesen öLi,» LUier9e^c^ wollte, der mußte den Mut zum Kampfe haben, ... ,“ *te mcht vor Fiebern und Enttäuschungen zurückschrecken, er mußte IrnLnen ^'d Zu schauen verstehen. Manchen Auswanderern sind ihre $rnnn«Lerfflrnt n?ri’€n- Sie sind heute zufriedene Bewohner Uruguays, torhmhL' Argentiniens oder Paraguays. Andere find verkommen und bas LhoL flc f)ab,en, weder Glück noch Stern gehabt. Jedoch hat allen Natur n,'m?tler gelächelt, sie sind in der Werkstätte der jungfräulichen dürfen 9Cme*en un0 haben sich vom Staub des grauen Alltags befreien Iah , Siehe"- Verantwortlich: vr. Hans Thhriot. — Druck und Verlag: Brühl'sche Universitäts-Buch- und Steindruckerei, A. Lange der die Nacht Hand. „Ueber Oktober singt G( Di W W W W willst, mein Kind!" Und wie ein Lächeln Antlitz, sie lebte noch. Aber da ihr Odem schwächer wurde fliehen wollte, ging er zu einem Lädlein, noch von dem großen Sterben her. Er zündete sie an dem Lämplein, das noch In der Kemenate der Bass lag Dagmar; die Alte hatte ihrem Kinde den Platz geräumt und sich wo anders hingebettet. Die Kranke war am Abend mit den Sterbesakramenten versehen worden; jetzt brachen die ersten Morgenlichter in das Zimmer. und er sah, daß ihre See!« darin geweihte Kerzen lagen, nahm eine heraus und ent „Es soll geschehen, wie du e, flog es noch einmal über ihi Bi Elefar Hafen gezoge und 1( auch t zehnte drehte! wie P und le „All; Nickte! „D; mit sei lachte. „Al Der stark« Mann fiel nieder auf seine Knie: „Sprich, Kind? Alles, was du willst!" - ' " Sie hatte sich mit beiden Armen ausgestemmt, mit aufgerislen^ Augen sah sie ihren Vater an: „Rolf Lembeck!" flüsterte sie heihr „Weiter nichts!" Sie hatte dem Tod die Worte abgerungen; nicht SW mar war es, nur ein Gespenst von Dagmar saß an ihrer Stelle. „W ihn zu meiner Leiche, Vater! Sein Auge soll auf mir ruhen; nod/ ein, mal! Dann" — die Stimme brach ihr plötzlich — „laß ihn ziehen in Frieden!" Ihr Mund war stumm; sie sank auf ihre Kissen. „Mein Vater!" rief sie. „Ich bin bei dir, Kind!" sprach der Schloßhauptmann, am Bette gewacht hatte. „Hör!" sagte sie und hob einen Finger ihrer bleichen uns, da oben auf der Hausfirst, sang die Amsel!" Er schüttelte den Kopf: „Du irrst dich, Dagmar, im Bud» ! auf sei Bein, Person Bill an, be nannte Reiseta schrobei gleich $ San Beschäf uns un kann ii gereicht Kerl ge Bill Faust i sah an wallen. , „Sei ug, spi chauptsa daß du Bill! und fpu „Als unsere q viel ®e verflixte beim Sc eine so l wachen. Peters । kommen ^ledige mußt ch achlstöckj ruann [), äusamme ,., Budl; r«gt dü WM (i blades B brannte. „Für mein Letztes!' sprach er und trat wieder zu seinem Kinde; dann faßte er ihre feinen Hände und schloß sie um die brennende Totenkerze und legte die (eine» sorgsam noch darüber, daß nicht ein Tröpflein heißen Wachses sie von ihrem letzten Pfad zurückschrecke. Still harrend saß er auf der Kante des (Ein Fest auf Haderslevhuus. Novelle von Theodor Storm. (Fortsetzung.) „Mariä Heimsuchung!" murmelte der Mann. „O heilige Mutter, nimm mein Kind in deinen Schutz!" Aber die Mutter Gottes war nicht die Hüterin der Minne. Ein Bote auf schnellstem Rosse ritt nach Schleswig, um einen sicheren Medikus zu holen; inzwischen legte die Base mit zitternder Hand kühle Binden um das Herz des Kindes, und ein Chirurg aus Haderslev ging ihr dabei zu Hilfe; am Fuß des Bettes stand der Schloßhauptmann: „Die Tränen helfen nicht!" sprach er leis und biß die Zähne aufeinander. Als aber die Dämmerung herabfiel, brachen jenseits des Gartens junge mutige Schritte aus dem Holz hervor; doch sie stockten plötzlich, da sie den Waldesrand erreichten. Es jtoav lautlose Stille weit umher; nur eines war anders, als es sonst gewesen: im Wege vor des Anschreitenden Füßen lagen der gestürzte Baum, und droben über der Mauerzinne, wo sonst die Pappelblätter, flüsterten, stand jetzt die leere Luft. Dem drunten mochte bald wohl alles anders erscheinen; denn statt des dunkeln Köpfchens mit dem Silberreife sah er plötzlich die Gestalt eines starken Mannes dort oben an der Mauer. „Rolf Lembeck!" hörte er es wie im Traume herunterschallen; ihm war, als führe die Hand des Mannes nach dem Schwerte; es kümmerte ihn nicht, es war nur wie Gespensterspiel vor seinen Augen. Wie es geworden, wann er von dort gegangen sei, er wußte später nichts darüber. An manchem Tage noch, im Mondlicht und im Sonnenscheine, stand Rolf Lembeck unten an dem Waldesrand. Die Tage wurden kürzer, der September begann das Laub zu färben, und nur Krähen und Falken schrien noch im Walde; aber fortan sah er droben nie ein anderes als die kahlen Mauerzinnen, und kein Weg, keine Kunde war zwischen ihm und ihr. Das waren Minnequalen, wie er noch nicht empfunden hatte, und sie gruben ihre Spuren in fein hoffnungsfrohes Antlitz und löschten den Glanz in seinen blauen Äugen. O Minneleid, o sehnende Not, Euch will ich tragen Sonder Klagen Vom Morgen- bis zum Abendrot; Nur nicht, wovon zu sagen: Kein Leben und kein Tod! So klagte er. Aber sie, die eine, hörte es nicht; ein anderer war es, der ihre Hand zu fassen kam. keine Amsel; die Blätter fallen schon." „Ja, horch nur!" sagte sie wieder. „Ich hör's, sie singt mir den'Tod an!" Und sie streckte sich lang auf ihrem Lager und faltete die Hände unter ihrer Brust. „Mein Kind, du weißt, sie singt auch dem Leben; aber ich höre keine Amsel." Sie antwortete nicht; nur ihr Haupt, das mit geschlossenen Augen auf dem Kissen lag, bewegte sich wie verneinend. Der Ritter sah auf sein Kind, und wie in schweren Zügen die kleine Brust sich hob und senkte; dann ward es stiller. Da streckte sie plötzlich wie in heftigem Gebet die Arme vor: „Nein, nein! O, noch nicht!" rief sie angstvoll; „nur noch ein Weilchen!" Dann wandte sie das Haupt, und mit weit aufgerissenen Augen blickte sie auf ihren Vater. Er fuhr zusammen, denn er kannte diesen flimmernden Schein; die Seele schien ihn nur mühsam festzuhalten. „Sprich, mein Kindl" sagte der Ritter sanft. „Ich sterbe, noch heute!" sprach sie hart, und ihre kleine Hand er- saßte mit festem Griff des Vaters Arm. Ich hab noch einen Erdenwunsch: Rolf Lembeck — zürne nicht!" rief sie zagend. Aber der verhaßte Name, den sie nimmer noch gesprochen hatte, war gleich eines giftigen Wurmes Stich ihm in das Herz gedrungen. „Nenn den Verruchten nicht! Die Minne, die dich betörte, verwest mit deinem . Leib im Grabe!" „Wer sagt das?" rief sie heftig. „Nicht ich, mein Kind; die heiligen Bücher sagen es, die Kirche! Du weißt es ja!" Ein Seufzer, wie ein Abschied von aller Erdenseligkeit, entrang sich ihrer Brust. Dann aber kam ein hastig Sinnen in ihre Augen, und ihre Hände strichen das wirre Haar sich von der Stirn. „Nein," rief sie laut und richtete sich jäh empor, ei.n geisterhaftes Leuchten flog aus ihren Augen, „ich weiß es, Vater: die Minne ist stärker als der Tod!" Ein Lachen voll Verzweiflung scholl aus des Ritters Kehle: „Gott wird euch scheiden!" rief er. „Dich wird er zu der Mutter seines Sohnes weisen; ihn, den Verfluchten, zum tiefsten Grund der Höllen. Tu dein Gebet, daß Gott sein Bild aus deiner Seele reiße!" Da antwortete sie nicht mehr; aber ihre Hände hob sie betend auf, und flehend, daß kein Menschenherz ihr hätte widerstehen können, sprach sie: „Hils du mir, lieber Herrgott! Nimm ihn mir nicht! Ich könnte sonst nicht in deinem Himmel leben!" Die Base war inzwischen leis hereingetreten und kniete neben ihr „O, Kind, und in solcher Törnis willst du uns verlassen!" murmelten dir alten Lippen; aber die Kranke regte sich nicht mehr. Der Ritter spwL zu sich: „Es ist alles aus, mein Leben mit dem deinen!" Er legte W die Hand auf Dagmars Stirn und sagte: „Es soll geschehen, wie du e, Bettes; die Neben ihm kniende Base sprach: „Gott hat dir ein Licht lein' geben; das leucht' dir ins ewige Leben!" Und beide sahen, wie die Flamme von dem Odem der Sterbenden immer schwächer bewegt wurde. Da plötzlich flackerte die Kerze und erlosch; ein leichter blauer Qualm zog durchs Gemach. „Dagmar, mein Kind! O süße Dagmar!' rief der Mann; aber Dagmar hatte saust ihr Haupt geneigt, und eine schöne Tote lag jetzt auf den Kissen. Die Vase sprach: „Auf Wiedersehn in Gottes Himmelreich!" Der Schloßhauptmann, der die erloschene Kerze fortgelegt hatte, sah jetzt finster auf die Leiche seiner Tochter: „Sein Name war dein Lch tes." — Er ging zur Tür und schellte. Eine alte Dienerin war eingetreten. „Meine. Tochter Dagmar ist nicht mehr auf Erden", sprach er und schwieg dann plötzlich; bas Knochengespenst des Todes, der ihm sein Kind genommen hatte, stand vor seinem inneren Auge, aber statt des nackten Schädels trug es beit schönen Kops des jungen Ritters Lembeck auf den Schulterknoche». Und aus der lang verschlossenen Falte seines Herzens schoß der Jähzorn ihm ins Hirn und fegte es leer von Verzweiflung und Leid, die es erdrücken wollten. Und in ihm sprach es: „Es soll geschehen; ich hat mein Wort gegeben; doch — umsonst, Rolf Lembeck, sei auch nidjt der ärmste Tropfen deines Minneglücks!" Dann wandte er sich wieder z» der Dienerin: „Versteh mich, Sine, und künd es auch den anderen: drei Tage lang, bis ich euere Zungen löse, geht über den Tod nicht Kunde aus unseren Mauern! Das Zügengöcklein soll nicht läuten: bestelle mir sogleich Ambrosius, meinen alten Diener; laß den Priester in meinem Gemache unten mich erwarten!" '' * Im Hose zu Dorning sah gegen Abend des nächsten Tages der Ritter Rolf Lembeck unter der Burglinde. — Er war allein; noch « Tage seiner Rückkunft, als vorher die Pappel und sein Glück gefällt worden, hatte Frau Wulfhild eilig nach ihrem Hof in Holstein müssen: zwischen Meier und Gesinde, so hatte sie gesagt, sei Unfriede ausgebrochen und die Gegenwart der Herrin nötig worden. Aber es lag wohl Tieferes am Grunde; im Augenblick der Abreise hatte Rolf einen Ztig wie von versteinertem Entsetzen in ihrem Antlitz wahrgenommen; dir Leidenschaft zu ihrem Eheherrn schien völlig ausgelöscht. Nach ihrer M> fahrt hatte der Junker Bookwald ihm geplaudert: es heiße, Hans Pogwisch, des Ritters Vorwrit, sei nicht durch seine Wunde, er sei durch Gift vom Leben in den Tod gekommen; so werde in der GesindestM geredet; woher es komme, wisse er nicht; als aber die Schürzenmagd es an die Frau vertragen, sei die zum Tod erschrocken worden t« habe ihr zornig Schweigen auferlegt, was doch nicht habe HW wollen. Darüber grübelte der Ritter, und feine Augen folgten achtlos, w« der Abendschatten allmählich den Brunnen und den ganzen Hos bedeckte. „Darum auch!" sprach er leise; „sie wollte keinen mit sich nicht mich, nicht Gaspard — den am wenigsten!" — Dann flogen bi. Gedanken mit chm nach dem Jnseldorfe Borgsum; was er mit seuM Vater dort am Bau geredet hatte, kam ihm zurück: er hörte wieder ss Lachen des alten Herrn bei der Geschichte von dem Orlamünder: ,,»•> duld, mein Sohn! Was dies Weib dir wert ist, wirst du erst [efjn, dich der Däne überfällt! Und — mit den Schauenburgern muß m sachte gehen!" Als aber der Tod des Pogwisch dann zur kommen, war er still geworden; einen Stein hatte er vom no gehoben und in den Bau geworfen. „Herrin auf Dorning um Gifthexe?" hatte er überlaut gerufen. „Nein, Rolf, das soll sie n l- und wenn sie des großen Carol Tochter wär'! Ich helfe dir, mein e»1 aber — Geduld! denn stumpfe Pfeile erlegen dir kein Wild! ., Er fühlte noch, wie ihm der Atem derzeit bei diesen Worten i geworden, wie lind die Nachtluft durch sein Haar gestrichen, oa t i([ später und vergebens ihr entgegentrug. — Leis und in Qualen ihren Namen. . „h,n M Es dunkelte mehr und mehr, und der Ritter war aufgestano n in die Burg zurückzugehen; da drang ein dröhnender Ton vom i tor herein, das schon geschlossen war; dort hingen Schamoi Hammer in Ketten an dem Pfosten; es hatte jemand ungesaM -. j(j Einlaß zu begehren. Dann knarrte das größere Tor, und o D aus der Einfahrt einer der Wächter über den Hof und me , Bote vom Schloßhauptmann zu Haderslevhuus!" (Schwv J__|