feit gedacht Balliere v: ricorde (d, peinigte tu s des Köniz war indess« • Volk leid derselbe, bt man zn z« unschuldig, ch die Rats ,u Madelot t dem allo auf bedro! >ier Brusso en Fenstert >i suchen ttt er Brusto» kundschaft« en Miossen erdiener utt i gesprochen eren Leute en. So vk enhange bt üerzögertM ras ihm ent oerdarb jed >n der Sc« intenon, @t wußte, btti gessen, beni ton und bt . Endlich et arte so leist erbebte ir und fprat ulein! Em Tränen aw Könige ji , Ihr sollt! denn, bei« krden. Sott nimmt, mq bre Arbent nun Wollt rach sie, int erwallt • in dies« is, so schiss t in meine« >er solch eil aus Pari! Uten, Hinte beide jauch Leute! Dss zewußt, bei n. Ach, de rief Dlioier ssen taufen! uerten, bei len der »et tt lasten, bii n des Prie t hätte bod fje Zeit bei Geheimnü len und sei« Hochzeit 30c igen Weib abt mit sei len Tugend eine äffen! valon, Erz rre Arnam Siegel bet »n und @t; vorzüglich uck geraubt leschreibunk Kleinod y ißigkeit bee t, Gießen, GietzenerZamilienbMer Unterhaltungsbeilage zum Gießener Anzeiger Samstag, -en Zebruar Jahrgang |928 Nummer 10 Walzer. Bon N ov a l i s. Hinunter die Pfade des Lebens gedreht, Pausiert nicht, ich bitt' euch, solang es noch geht, Drückt fester die Mädchen ans klopfende Herz, Ihr wißt, wie flüchtig ist Jugend und Scherz. Laßt fern von uns Zanken und Eifersucht sein Und nimmer die Stunden mit Grillen entweiht«. Dem Schutzgeist der Liebe nur gläubig vertraut, Es findet noch jeder gewiß eine Braut. Fürst Pücklers letzte Liebe. Nach neuen Urkunden. Bon Friedrich v. O p p e l n - B r o n i k o w s k i. Dieser Virtuose der eleganten Liederlichkeit, wie Treitschke ihn nennt, hat zu seiner Zeit Ruhm als Schriftsteller, als Lebeniann und als Gartentünstler geerntet, sich als Reisender einen Namen gemacht. Sein Leben liegt vor uns ausgebreitet in seinen zahlreichen Büchern, in den neun Bänden seiner Briefe und Tagebücher, in der dürftigen Biographie von Varnhagens Nichte Ludmilla Assing und nicht zuletzt in den Parkanlagen von Muskau, Branitz und Neubabelsberg. Als Mensch war er weniger schätzenswert, eitel, effekthascherisch, aalglatt und skrupellos. Seine Liebschaften würden ein Leporello-Album füllen, denn er hatte meist mehrere gleichzeitig — von den vornehmsten Damen bis herab zu der braunen Abessinierin Machbuba, die er an den Nilquellen auf dem Sklavenmarkt gekauft hatte und die er, schon mit grauen, freilich schwarz gefärbten Haaren, als lebendes Reiseandenken nach Muskau mitbrachte, zum Entsetzen seiner ehemaligen Gattin und damaligen Freundin Lucie, der Tochter des Staatskanzlers Fürst Hardenberg. Auch diese Ehe und der nachfolgende lebenslängliche Freundschaftsbund war etwas durchaus Ungewöhnliches, gewollt Originelles. Im Jahre 1817 hatte er die um zehn Jahre ältere Frau geheiratet, die von ihrem ersten Gatten, dem Reichsgrafen v. Pappenheim, schon seit langem getrennt lebte und sich Pücklers wegen von ihm scheiden ließ. Sie brachte ihm eine Tochter Adelheid mit in die Ehe und ein Pflegekind, die bildschöne, aber eiskalte Helmine Lanzendorf, angeblich die Tochter des Pappenheimschen Kutschers, in Wirklichkeit aber wohl ihr eignes Kind von dem französischen Marschall Bernadotte, dem nunmehrigen Kronprinzen von Schweden. Hel- mines Schönheit tat es nicht nur dem alternden König Friedrich Wilhelm III. an, der ernstlich damit umging, sie zu heiraten, wie er später ihre Altersgenosjin, die Gräfin Horrach, tatsächlich geheiratet hat, sondern auch ihr neuer Stiefvater Pückler faßte eine krankhafte „Gehirn- liebe" für sie, die zu dauernden Spannungen mit seiner Gattin führte. Mit unglaublicher Naivität klagte er dieser selbst seinen Liebeskummer und wünschte wie der sagenhafte Graf v. Gleichen mit zwei Frauen zu (eben, bis Helmine schließlich zwar nicht den König heiratete, der sie zur Fürstin von Sagan hatte machen wollen, wohl aber einen armen Leutnant v. Blücher, der in Schlesien in Garnison stand. Pücklers Ehe mit ihrer Mutetr ging also nicht Helmines wegen auseinander, sondern aus materiellen Gründen. Nachdem er ihr ganzes schönes Vermögen verjubelt oder in Muskat« verbaut und außerdem noch eine halbe Million Taler Schulden gemacht hatte, starb sein Schwiegervater, Fürst Hardenberg, unter Hinterlassung nicht geringer Schulden, Und seine Tochter, fand sich durch sein Testament enterbt. Da sah Pückler sich zum „Bettelfürsten" degradiert und fürchtete, die eben erworbene Fürstenkrone, das einzige, was er seinem Schwiegervater verdankte, „auf dem Trödel" verkaufen zu müssen. Um den völligen Zusammenbruch abzuwenden, bot seine verarmte, verblühte Frau ihm freiwillig die Scheidung an, damit er durch eine neue reiche Partie seine Verhältnisse wieder ordnen könnte, und er nahm es nach anfänglichem Widerstreben an. Er ging nach England, um einen Goldfisch zu angeln, aber alle seine Fischzüge, über die er Lucie haarklein berichtete, schlugen fehl, und so kehrte er schließlich zu seiner geschiedenen Frau zurück und lebte weiter mit ihr unter einem Dach, in Muskau oder in Berlin, wo er ein glänzendes Haus machte. Wie er selbst einer Freundin schrieb, hatte sich auch „das Berliner Publikum und alle seine Prüden nach und nach daran gewöhnt, einem Original wie ihm alles zu gestatten". In seiner Weise liebte er Lucie auch jetzt noch und beteuerte ihr, schließlich alles entbehren zu können, nur ihre Liebe nicht. Freilich mutete er der Liebe und Nachsicht seiner „Schnucke", wie er sie nannte, mehr zu, als eine Frau sonst zu vertragen pflegt, und das Bild von Philemon und Baucis, das er auf jeth Verhältnis zu ihr anwandte, war eine fromme Lüge. Eine Liebschaft sagte die andere bis er, fast sechzig Jahre alt, sich wie ein Fähnrich in eine junge und schöne Frau aus der vornehmsten Gesellschaft verliebte und bei ihr leidenschaftliche Gegenliebe fand. Das war seine letzte große Liebe und für sie die erste. Damit kommen wir endlich zum Thema unseres Aussatzes. Aber so lang die Einleitung auch war, sie war doch nötig, um Pücklers Wesen zu verstehen und zu begreifen, wie er Lucie auch jetzt zur Vertrauten seines Liebesglücks und Liebesgrams machen konnte. Bisher hat tiefes Dunkel über dieser Liebe gelegen. Ludmilla Assing erzählt zwar von ihr, versichert jedoch, der Name seiner Geliebten sei in einiges Schweigen versenkt. Da sie aber Pücklers ganzen Nachlaß einschließlich einer Unzahl von Liebesbriefen geerbt und ihn ihrerseits der Berliner Staatsbibliothek vermacht hat, und da sie ferner angibt, daß Pücklers letzte große Liebe 1847 plötzlich gestorben [ei, hat sie es der Nachwelt ermöglicht, den Namen festzustellen: Es war Rosalie, Gräfin de la Rochefoucauld, die Gattin des französischen Gesandten in Weimar. Heute, nach 80 Jahren, darf man diesen Schleier wohl lüften und einige ihrer Briefe aus der Bornhagenfammlung ans Licht ziehen. Sie find ein eigenartiger Beitrag zu dem Thema der Tristanliebe, um so eigenartiger, als dieser Tristan der Großvater seiner Isolde hätte sein können. Wie diese Liebe sich angeknüpst hat, ergibt sich aus der munteren Reiseschilderung von 1845, die erst in Pücklers Nachlaß (Band 2) veröffentlicht worden ist. Er hatte sich mit Rosalie und ihrem Gatten im Sommer in Reinhardsbrmm getroffen, und alle drei hatten zu Pferde den Thüringer Wald durchstreift und waren schließlich in Bad Li ebenste in geendet, wo sie wieder gemeinsame 2(usf(üge machten. Pückler hat seine beiden Reisegenossen ausführlich geschildert, den Gesandten als weitgereisten, von witzigen Anekdoten übersprudelnden Weltmann, seine junge Gattin, in Deutschland geboren und in Frankreich erzogen, als Naturschwärmerin und als glückliches Gemisch deutscher und französischer Eigenschaften. „Jene glückliche Vereinigung," schrieb er, „gibt ihr alle Heiterkeit und Lebendigkeit, Grazie i>nd Präzision der Französin, wie sie dem deutschen Blut die Gemütlichkeit und das innere reiche Leben der Phantasie verdankt." Wer war mehr als sie für Pückler geschaffen, der den Kosmopoliten mit dem Romantiker verband! Aber auch mit dem weitgereisten Causeur und Weltmann, der ihr Gatte war, ließ sich für ihn gut leben — solange nicht die Liebe dazwischen trat. Später freilich nennt Pückler ihn in seinem Tagebuch „klein, vierschrötig, dick, brummig, grob, eifersüchtig und fabelhaft selbstsüchtig". Er mochte zwanzig Jahre älter fein als seine Gattin, aber ein Don Juan wie Pückler, obwohl noch erheblich älter, stach ihn leicht aus. Die Ungezwungenheit des Reise- und Badelebens tat das ihre dazu; bei einem Ausflug schlugen alle drei sogar mit dem Wagen um und kollerten miteinander einen Abhang herunter... Kurz, schon die ersten erhaltenen Briese der Gräfin zeigen, daß beim Wiedersehen in Weimar im Herbst 1845 aus Pückler und ihr ein Liebespaar geworden war. Sie zeigen freilich auch, daß er gleich nach dem Abschied von ihr einem andern Abenteuer nacheilte, und daß sie seine Beichte darüber hinnahm, wenn auch nicht ohne Schmerz und Eifersucht, nur um eins bat sie ihn — um stete Aufrichtigkeit! Damit trat sie also in Lucies Fuhtapfen, und so wäre sie für den alternden Don Inan eine recht bequeme Liebe geworden, hätte nicht die 'Ängst vor ihrem Gatten und die Reue über das Unrecht, bas sie ihm antat, einen tiefen Schatten auf ihr Liebesglück geworfen, und hätte nicht auch Pückler bald in ihrem halben Besitz kein vollkommenes Glück mehr gefunden. Lei ihren heimlichen, gefährlichen Stelldicheins fetzte er nicht nur sein Leben aufs Spiel, sondern auch Ruf, Stellung und Leben feiner (Beliebten, und mitten in diesen Gemütsbewegungen feierte er seinen sechzigsten Geburtstag! Diese äußeren Umstände kennen wir nur lückenhaft aus den Briefen Rosalies, die, ihrer Geburt und Erziehung entsprechend, ein Durcheinander von französischen und deutschen Sätzen ober Satzteilen finb, bie letzteren in nicht immer ganz einwandfreiem Deutsch. Genauen Bescheid wissen mir dagegen über Pücklers seelische Haltung aus seinen Tagebuch- aufzeichnungeii und aus seinen Anvertrauungen an Lucie. Hier zunächst ein Stück Selbstbekenntnis: Ich leide wie ein Zwanzigjähriger unter der Leidenschaft für diese verführerische Frau ... Sie ist die einzige, die mich völlig beglücken würde, wenn sie mein wäre ... Der liebe Gott scheint diese Frau eigens für mich geschaffen zu haben, sie mir aber zur Strafe für meine Sünden verweigern zu wollen ... Welch ein Glück, welche fünfte, ununterbrochene Seligkeit, ein solches Weib ausschließlich für sich zu haben! Aber welche Qual, dies Glück gleichsam mit Händen zu fassen und es nicht erreichen zu können, weil es zu spät ist, beim: sie ist erst seit wenigen Jahren verheiratet. Und an Lucie schreibt er mit gewohnter Naivität: Was ich nicht mehr für möglich hielt, ist zum Ereignis geworden: Ich liebe eine Frau, bei der ich bas vollkommene Glück hätte finden können. Die grundlose, ziellose Schwermut, bi es Ungenügen an allem, weil mein Leben mich unbefriebigt gelassen hat, bas alles wäre nicht gekommen, und all bie Verirrungen, in bie ich geraten bin, hätten nicht ftattgefunben. In ein Album. Bon David Friedrich Strauß. Freundschaft reift in langen Jahren; In Gefahren Gibt sie ihre sichern Proben. Aber loben Soll man die auch, die in Smnden Rasch empfunden, In beglückten Umgangstagen Angetragen, Während schöner Sommerwochen Ausgesprochen, Sich als gut fürs ganze Leben Kund gegeben. wabre Sympathie schenken, aber was könnte mir Deinen genialen Geist, Deine feurige Seels ersetzen? ... Und daher bleibt mein Gefühl für Dich ein ganz apartes, unauslöschbares ... Ueberhaupt, 5)ennana jedes uebe- volle Wort, jede kleine und große Freude,, und wie zahllos sind sie, die Du mir erwiesen, ist in dem dankbarsten Herzen angeschrieben. 3a, mem geliebter Freund, ich habe jenes Gedächtnis des Herzens, das me ver. Antwort vom 12. März ist ganz französisch ^dmeben Der darin erwähnte Liebhaber ist natürlich der neue Anbeter der Gräfin. Am deutsch lautet sie etuxt: 5Jt, bm 12. März 1846. Ich vergaß, Dir zu sagen, liebe Rose, daß Du sehr recht hast, nicht an Deinen Liebhaber zu schreiben. Schreibe nie Een Verehrer, fokanns Du nie blotzgestellt werden; denn was die Leute sagen, ist md)ts, u w der Wind verweht es, aber littera scripta manent fGeschriebene^ die unh überführt) Meine Lieblings ... gleich Dir, meine Busenfreundin, wa> ehr Galant und Halle das Teinperameni eines Negerweibes. Trotzdem ist ihr Ruf stets makellos geblieben, weil sie grundsätzlich nie an lhri Lieblwber schrieb ... Gewöhnlich hatte sie drei zugleich, einen fur das Kefüh- demgegenüber sie die Tugendhafte spielte, einen aus Eitelkeit, um die Macht ihrer Reize zu bekunden, und einen obskuren, der stets bei der Hand war zum Sinnengenuß. Außerdem hatte sie l^chtige Liebschaften ... Das war freilich etwas zuviel, und so ist sie denn tn Der B(üte der Jahre gestorben. Aber wie hat sie auch das Lebe g - o-reunbin kannst mein Dasein nicht in diesem Maße ergänzen, k - StAS • ” w s?ä*ssm ä gfeSS-S iii 5» : 1U Schon^lln nächsten Brief bittet er sie, nicht ungeduldig 8^ jein; bies fieber, tröstet er sie, könne durch die Verhältnisse doa) keine ewige 2i.ua ^°^1le'berhaup^ist^ das Glück vielleicht nur eine Schimäre. Man kann es i im Traume sehen, aber cs erreichen? Ich zweifle! Wer weiß, ob her | schmerzliche Schatten eines halben Besitzes nicht schon dem ^erloschen । 31C‘'au!h?in dem Durcheinander der etwa hundert Liebesbriefe Rosalies von denen nur ein Bruchteil datiert ist, läßt sich das Ende dieser großen Leidenschaft zieinlich deutlich erkennen. Eine erste tiefe Emfremdung entsteht wegen einer Geldsumme, die Pückler der Gelieoten gegeben Hatt., um die unentbehrlichen Mittelspersonen und Mitwisser — t^e eigenen *Dipnfthnten __ bei Laune zu halten und ihnen den Mund zu schließen. Rosalie wirft ihm bei diesem Anlaß unritterliches, herzloses Gebaren vor und will völlig mit ihm brechen. Freilich tut sie es nicht, denn diese Geldgeschichte spielt auch später noch eine Rolle, als ihr Diener Karl heiraten will, und so rostet die alte Liebe auch diesmal nicht. Schließlich aber verwandelte sic sich doch in eine freunbtoaft bereit Anlaß recht eigenartig war. Rosalie hatte sich selbst aus Verdruß über Piicklers erkaltende Neigung in einen anbern uerliebt unb ihm dies — seinem eigenen Vorbild folgend —.,trcu^er3lfi Piicklers Antwort darauf — der einzige Brief von ihm, der zwischen vei. ihren enthalten ist, vielleicht ein Entwurf — -stv°n bemerke^ltslne rem Znnismus. Doch lassen wir zum Schluß beiden selbst dm Wort zu elnei, ihrer letzten Liebesdialoge. Er ist für ihr Wesen unb die Art 'hres Be hältnisses, kennzeichnend. Die beiden ersten Briefe sind abwechselnd mutfa, unb französische geschrieben. ^itag, ben 26. Februar 1846. Mein guter geliebter Freund! Wenn Du wüßtest wieviel Borwurfe ick mir mache, Dir io lange nicht geschrieben zu haben! Aoer mein Schweinen hat einen Grund, welcher Dir gewiß mißfallen wird und mir selbst recht weh tut! Ich bin viel zu wahr, um Dir auch nur EN Gedanken zu verhehlen. Was wirst Du mir sagen, wenn ich Dir gestehe, daß ein andrer nun wirklich etwas Eindruck auf mein Herz gemacht hat. Ach, mein Km--" Du Li. mir »Ich. °L S» K selbst mache, aber es ist Deine eigne Schuld. Wcuum haft 2u und)o lanae verlassen und angefangen, mich zu vernachlasiigen ... Bedenke nui die "Leidenschaftlichkeit meines Gemüts, die so wemg Nahrung an der Seite meines Gatten findet ... Am Freitag hatte ich einen Ball bei mir. An diesem Tage tarn eine Antwort von Dir. Ich werde settlebeiw nicht den traurigen Eindruck vergessen, den Dem Bries auf mich iiiachte ... Am Abend erschienen mir die Huldigungen eines jungen Mannes zum erstenmal als An Trost. Er halle mich zwar schon vorher umworben, aber ick hatte nicht im mindesten darauf geachtet. Unsre Beziehungen beschränkten sich darauf, daß wir ein einziges Mal miteinander getanzt hatten Als er mich wieder auf meinen Platz führte, sagte er nur. „Morgen verreise ich, es ist das erstemal, baß ich Weimar mit JBebauern vcr- iaRe" Er reiste fort unb ich dachte nicht weiter daran. Jedoch kam er lieber zum 16., und diesmal war er ganz leidenschaftlich verliebt, und ick bin nicht teilnahmslos geblieben. Es ist aber das zarteste, geistigste Gefühl, welches Du erdenken kannst, doch das ist gerade, was mir gefällt. Dies reine, ätherische Gefühl paßt so recht zu meiner M-tur. E hebt mich in meinen eignen Augen empor, us'd dies ist ich gwoie es Dir heiliafte Wahrheit. Nie, nie wurde ich roteber für einen Mann auf der' Welt gegen meine Pflichten verstoßen. Das hat mich unglücklich gemacht. SJlein^utt und Lassen gehört meinem Gatten, und ich schulbe ihm Rechenschaft darüber. Meine Gefühle aber gehören mir, und td) glaube, ich darf darüber verfügen, denn mein Mann weiß sie nicht zu schätzen. Ick dachte erst, mein Hermann, diese Gefühle würden sich verwischen, und wartete deswegen, um Dir zu schreiben. Ich sehe aber, daß mein fierj doch nicht frei von Liebe ist. Könntest Du aber sehen, mit welch heißen Tränen mit welcher Wehmut ich Deine Briefe lese, wurdest Du überzeugt fein, daß mein Herz für Dich mit der zärtlichsten Freundschaft, de. wahrsten Zuneigung erfüllt ist ... Ack was wirst Du mir sagen? Es würde nur so schmerzlich sein. Dir Leid zu tun, mein geliebter Freund! Warum hast du mich in Versuchung gebracht? ' Meine Seele hängt unzertrennlich an Dir - quand meine! Was Pückler ihr geantwortet hat, ist nicht erhalten, aber aus IRofa- lies folgendem Brief zu schließen. $en 7. März [1846). Mein Hermann, mein innigstgeliebter Freund! Nein, ich kann Dir gar nicht sagen, wie lieb ich Dich habe! Wie unendlich edelmütig, wie gut bist Du! Könnt' ich Dir nur meine Dankbarkeit Aldern. ... Du haft recht, Hermann, einen zweiten Menschen wie Du gibt es nicht mehr. Hermann, wenn mein Bekenntnis Dir aber doch wehgetan hatte und Du es mir nicht sagtest! O Goll, dieser Gedanke ist so schmerzlich! Doch ich will Dir glauben! ... Wie lieb habe ich Dich. Nun, wenn es Freundschaft ist, ist die Freundschaft etwas sehr Schönes! ... Ems kann ich Dir versichern, und das ist, daß kein Mensch mehr es vermag, meine Phantasie zu erregen wie Du. Selbst ein Mann, ben ich für seine heiße Liebe, für seinen ritterlichen Charakter wieder lieben kann, mürbe ihm dies alles Anschließende Interesse mangeln, welches Dein ganzes Wesen nur bietet. Ich kann ein echtes, treues, tieffühlendes Herz schätzen, sihms meine Somit,'Rose, geliebte Freundin, schreibe an niemanden außer an -mch, aber an mich rückhaltlos, denn meiner bist Du sicher. -Ich bin | o vo r f i ch t i a mit Deinen Briefen und habe alle Vorsichtsmaßregeln selbst für den^Todesfall'" elloften, daß Du darüber völlig beruhigt ,em kannst. Sei nur ebenso vorsichtig mit meinen Briefen, nicht meinetwegen, fon- j “SÄ **&*$*»« Demen neucii Liebhaber nicht etwa beneide! Und dock): Käme er m L uch ' setzte mein Leben aufs Spiel, nm das sein- zu En, nur aus 3 i Dir. Wenn das keine Zuneigung ist, wo fandest Du sie. . . . "ebewohl Rose! ... Rur eins wiederhole ich Dir: lei stet-> ehrlich unb" ohne Heimlichkeiten, weder um mid) zu schonen noch aus andern , KlÄÄSWi» ml- I-l». 6* In dem folgenden Brief, dem letzten ballerten (6. Noveinoee 1846, wird." Offenbar rechnete sie auf Mutterfreuden, denn sie fahrt fort. Mein Jüngelchen wird groß unb gescheut und macht meine ganje ---LMMWZiL- MZZWWMWW £ LW SS W ffft*-«» N» N Pücklers Leden ging fortan ganz in Reifen, m in der Verschönerung von Branitz auf, feinem alten Stammgut, bas t eSsää* ML-£ stc ae eaentlick besuchte. Hier starb ihre Tochter Adelheid un folgende« Jahre in ihren Armen, wie Varnhagen berichtet, im Wahnsinn, michden iiehnina vJ Blücher ihr schon im Tode vorangegangen war. 21m b. M». 1845 starb sie selbst in Branitz, während Pückler sich in Pari» f^ern steh. Er folgte ihr erst am 4. Februar 1871 im Alter von 86 Jahren ins Grad, nachdem er noch als Freiwilliger in den Deutsch-Französischen Krieg h , ziehcii wollen. In einer Rajenpyramide, dl« aus einem .künstlich aus gegrabenen See aufgeschüttet unb von ihm umflossen war, fanb fein stur misches Herz die erste Ruhe im Leben. LrsLenrmdcrchtzLgmar Lachen. Erlebnisse aus einer Insel. Von Dr. Friedrich Koch-Wawra. &s ist genügend bekannt, daß der Amerikaner Werte gern in Zahlen ausdrückt mw aus Zahlen am ehesten eine Vorstellung von Werten yeU®rlt‘ Miller, dem die Gattin entlausen ist, denkt nicht daran, etwas qeaen die Entwichene zu unternehmen. Er verklagt den Dritten auf soundsoviel Dollar wegen „Abspenstigmachens der Zuneigung von Mrs. Miller". Und man rechnet vor Gericht ab. — Der Herr Pfarrer plata- liert vor seiner 200 OOO-Dollar-Kirche die Sonntagspredigt: „Wo willst du die Ewigkeit zubringen? 45 Minuten talk! Sieben verschiedene Probleme behandelt! Fünfzehn ergreifende Stellen! Keine Zwangsrollerte. _ Der Kinobesitzer aber, vom großen Broadway-shower bis zum kiemcn Hinterwaldbudiker annonciert „Harolds tollkühne Vrautfahrt. Fesselnd. Abenteuerlich! 65mal Lachen!" _ „ . , , lOOmal Lachen! 150mal Lachen! Ein Lachen zehn wekundcn lang. Das sind amerikanische Kinowerte. . . , .... Es gibt auf diesem standardisierten Kontinent eben em Einheitslachen, oder besser gesagt, ein Einheitslachmotiv. Denn das Maßenlachen auf Kommando ist keineswegs eine amerikanische Erfindung. Das konnte man vor dem Kriege in Deutschland viel besser. Ich horte im ^>ahre 1913 em ganzes Batallon einen Witz aus höherem Munde belachen. Dreimal, ^"so "greift in Amerika eine unheimliche Disziplin der Zahl in alle Lebensäußerungen hinein und zwängt den Menschen, ohne daß sie es merken, einen gemeinsamen Stil des Empfindens auf, so daß man sich oftmals wundert, wie sehr man schon selbst dein Zahlenteufel verfallen ist. Aber ich freute mich dennoch, als ich nach einem zweiwöchigen Besuch bei kindischen Indianern zum erstenmal wieder Englisch hörte. Das war auf der Aleuteninse! Kremtzin im Stillen Ozean. „Auf dieser Insel liegt das kleine Städtchen „Professor Luckenwald. Es ist die Grenze der amerikanischen Zivilisation, aus dem Wege zum Nordpol. Eisberge, Eisschollen und Seelöwen. Ein smaragdgrünes Meer, das Behringsmeer. Dann kommt Sibirien; Sowjetruhland; Amerikas Feind in einer fernen Zukunft. , . _ 2[uf dieser Insel legte unser Boot an, ein Kajak mit ausmontierter Patentschraube „Vorwärts". Ich stieg zu Lande und stand sosort vor einem hUn*fiafc,atboys! Fischer! Goldgräber! S.M., der amerikanische Seemann! Ausgepaßt! Nur morgen Abend! Unwiderruflicy einmalige Aufführung: The Clods (Die Verrufenen). Großer deutscher Koloffalf.lm m 8 Akten von Professor Heinrich Zille. Die eine Halste der Menschheit weiß nicht, wie die andere lebt. Aus diesem Grunde haben wir biefen gewaltigen deutschen Lerbrecherfilm zur Aufführung erworben. Acht Akte! Abenteuerlich! Erschütternd! Aufregend! 87 mal ü q d) e n!w Soncbcn ftanben bic beutfdjen Drigindlpldicitc niit ber b?kannten Zilleschen Zeichnung „Mein Milljöh". So wirst der Amerikaoertrag der Filmgesellschaft seinen Segen bis zur Grenze der Zivilisation '-m Beh- rinqsmeer. — Ich verzichtete auf die Heimfahrt mit dem kanadifchen Jischdampfer, der schon unter Dampf lag, und zog vor, anderthalb ~age in Professor Luckenwald zu bleiben und den erschütternden Berbrecherfilm zu belachen, der mir vor einem halben Jahr in Berlin entgangen war ... Der feste Platz Professor Luckenwald war einmal ein Städtchen. Vor einem Menschenalter hatte ein deutscher Professional int Seelowenfang (Zirkusbelieferung) diesen Ort gegründet. Die Mär von Profetzor ^.ucken- wald drang bis nach Portland und San Franzisko und spukte in öen Köpfen der Hobos. Diese Insel sollte viel bares Geld in ihrem schoß bergen, Seelöwen und schmackhafte Robben sollten zu Tausenden das pvlizeilose Eiland abgrasen und alle offiziellen Posten, vom Bürgermeister bis zum Ortsdiener, sollten noch zu besetzen sein. Aus der Professors Robbenstation wurde auf jenem geheimnisvollen, unberechenbaren Wege, der in Amerika feit jeher von Blockhäusern zu Wolkenkratzern führte, binnen drei Sommern eine hölzerne Hauptstadt. Aber es fehlte wohl irgendein Schräubchen in der imponderabilen Maschinerie des Städte-Gründens. Die Schätze im Schoße des Eilandes < Kupfer und Silber) find noch da, die Seelöwen tummeln sich noch in hellen Haufen über die Scharen, aber Professor Luckenwald ist nun eine verblichene Stadt aus modrigem Gebälk ... Doch muß sie einmal sehr bedeutend gewesen sein. Denn die verlassenen Häuser, die im Winter vereisen und ‘im Sommer vor Hitze sich krumm biegen, dienen noch dem heutigen Geschlecht zur Feuerung. Ein Lunchroom-boss verheizte eine ganze Kirche zum Braten seiner „Franclorters". Da, wo vor vierzig Jahren der Professor seine Robbenstation anlegte, ist heute nur im Sommer ein geschäftiger Betrieb: Robbenborse, Marinestation, Fischereihasen, Bank, Hotel, Luftschaukel, Schießbude, Panoptikum und ein namenloses Haus: der nördlichste Lunapark der Welt. Ein finsterer Greis druckt auf einer alten Tarantel aus Gutenbergs Zeiten die „Northern Voice", die „Nordstimme", die je nach Bedarf in englisch, russisch oder deutsch erscheint. (Das Reich hat gar keine Ahnung, bis in wie ferne Winkel feine Söhne wandern und Vereine gründen.) Kommt ein Torpedoboot, so geht der Greis an Bord und sammelt Neuigkeiten. Das Feuilleton bezieht er fertig gegossen aus einer Kurze-Ge- schichten-Fabrik in St. Louis. Sind Marineboote zu erwarten, so druckt er in englisch, scheinen Jäger vom Festland herüberzusegeln, so druckt er eine Spalte „Neues aus Deutschland", sind russische Fischer im Anzug, so rät die Nordstimme: „Proletarier aller Länder, vereinigt euch! Der Greis hat keine Redaktionssprechstunbe. Sein Revolver verstimmt >eg- lichen Besucher. Der Greis ist sein eigener Austräger; er sieht dem Kunden ins Antlitz, nennt einen Preis und schweigt wie ein Trappist, der verlangten Münze gewärtig. „Deutschen Fürsten alles in Jjals geworfen! So kündet die „Northern Voice" im September 1926 das Resultat der deutscheir Bolksabstimimmg. „... und sind wir der Meinung, daß deut- ¥ jches Volk sich hiermit blutiges Armutszeugnis ausstellt. Was nicht arbeitet, soll auch nicht essen, Jagt Schiller." Ich verlebte einen ganzen Tag aus dem Anme-Hill, den der Professor einer verflossenen Liebschaft zu Ehren also benannt haben soll. Auf dem Annahügel ist nichts. Man kann sich dort hinfetzen und rauchen. Man hat die tote Stadl zu Füßen und sieht in der kristallklaren ßuft jeben Menschen unten in der Straße. Man sieht z. B. den armen Matrosen, den sie wie einen Toten aus einem leeren Hause tragen, und hort die sehr verständliche Frage des Sheriffs: „Was hast du getrunken. Denn Krenitzin ist amerikanisches Territorium.) Aha, natürlich ein Neuer. Noch nie auf der Insel gewesen. Wurde sonst wissen, wo es Schnaps gibt. Ausgerechnet in die Drogerie mutz er laufen, zum einzigen Platz, wo es keinen gibt; muh sich Haarwasser kaufens statt einen guten Dollar für einen guten drink bei nur hin- ^Jch'sah vom Annie-Hill, wie eine Ziege Milch hergeben mußte und der Matrose wieder flott wurde. Ich sah die Lustschaukel schwingen und roch „Franclorters" in Robbenfett bruzzeln. Ich sah das refedagrune Behringsmeer, glatt wie einen Spiegel, und war zufrieden, als die sonne den Horizont in Brand steckte und zu Wasser wurde ... Ein schnarrendes Grammophon vor dem Lmcoln-Theater lud die boys zur Filmvorstellung ... . c „„ ,r Wir wissen, daß die Indianer vor Ankunft der Weihen ein vorzügliches, nie erklärtes Nachrichtensystem hatten. So ist es beispielsweise verbürgt, daß die Crows in Montana am Abend des 26.Juni 1876 trotz der schienenlosen, telegraphenlosen Entfernung von mehr als 700 Meilen bereits von dem Siege der vereinigten Sioux über General Custer wußten. Diese Nachrichtenübermittlung ist auf die „Grenzer ubergegangen. Gott weiß, wie im Hinterwald die Nachrichten mit Blitzesschnelle von Ohr zu Ohr eilen! Als der Theaterdirektor die Kaffs eröffnete, war die Bevölkerung von 56 auf nahezu 300 Seilen angewachsen. Zu Wasser und zu Lande waren sie erschienen. In der Bucht schaukelten an die hundert Kajaks, die knarrend aneinanderstiehen. Dazwischen lagen Torpedoboote wie gleißende Fabeltiere. ~ . .... , Es war eine bunte Festgemeinde von allen Inseln herbeigestromt, und die Stadt schien nun in der Tat ausgestorben. Da saßen zottige Fischer und behäbige Sägergcftalten, Matrosen, Bewaffnete und Unbewaffnete, Nüchterne und Betrunkene. Selbst der druckende Greis sah tm Xfjeater unb führte wohl eine Rezension im Schilde. Die Sache war nicht billig. Fünf Dollar pro Kopf. Der elektrische Strom wurde von einem Torpedoboot hergeleitet, und der Herr Direktor entschuldigte sich in einer Vorrede gewissermaßen für den hohen Preis, da leider nur der —ob umsonst sei ... Der große Augenblick, auf den mancher Fischer wohl einen ganzen Sommer gewartet hat, bricht schnell herein. (Glücklicherweise wird tm hohen Norden keine Projektionsreklame für die Firmen des Ortes gemacht.) Die Rollen werden mitgeteilt, Professor Zille erscheint m Lebensgröße. „Da ist er!" Pst, Pst," Ein andächtiges Publikum genießt dankbar den Anfang des Dramas. Die Sache beginnt recht tragisch ... 78mal Lachen? Em ®efangnistor erweckt zuerst die Kritik der Kenner. Da plötzlich schwillt der erste laughter durch die Gemeinde. „ , _. . Eine echte Berliner Destille erscheint, und eine Type von einem Schankwirt schenkt Bier ein. „Großes ober kleines?" „Einen Stiefel!" , , . . Nun kommt ein Streifen Verhängnisvolles, em abgefeimtes Stückchen Regisseurkunst. Ein riesiges Glas. Unb ein Kran. Aus bem Kran fließt goldgelbes, schäumendes Bier. Bier fließt. Der Stiefel scheint unfullbar. Einer klatscht. Da wirb „bas Lachen" zum Orkan. Die Manner sind hebert vor«Freube. Dreimal hoch für Deutschland! , „. Das Bier fließt munter weiter. Da plötzlich ein schriller Pfiff. Em Antideutscher. Der einzige Trockene im Lokal? Ein Matrose vom Christlichen Verein junger Männer? „Heraus mit ihm! Schlagt ihn tot, den Pharisäer! Hier ist kem Platz für Mucker. Totschlägen!" ,,, , . Der Film bricht ab. Licht flammt auf. Menschen schlagen aufeinander. Marine gegen Bürgerliche, Liberale gegen — ja, gegen wen schlagt man sich eigentlich? Der druckende Greis entweicht durch eine Seitentur. Em Marineoffizier klettert auf die Bank und schießt seinen Revolver ab. Dieser kleine bewegliche Ossizier ist italienischer Abkunft. Sem Redner- tum arbeitet mit Metaphern unb Strophen, mit Stellen aus Cicero und Holzhackerwahrheiten von Abraham Lincoln. Seine Hande überzeugen, seine Schultern brandmarken. Nun wirst er den Kops zurück wie em Konsul. Seine Mütze fällt herunter. Ein Kopf, wie um auf eine römische Münze geprägt zu werden. „Also, boys, Ruhe! Die Nassen sind allnght, die Deutschen sind allright, jedermann ist allnghj wenn ihr fetzt das Maul haltet und euch wieder hmsetzt. üßeiterfpielen.' Dieser Mann hat offenbar das Geld für den elektrischen Strom zu kassieren. Der Film wird wieder aufgerollt. Der Greis erscheint wieder. Nun geht der Blick in die Berliner slums seinen unaufhaltsamen Gang. Aber die Gelächter kommen nur langsam unb spärlich aus Zwei Schupomänner erscheinen unb ziehen einen attbanbter recht unsanft gefänglich ein. Das verursacht em enormes Gelachter. Der köstliche Photograph, ber bas Klosett als Dunkelkammer benutzt, erfreut nur die Deutschen. Denn der Begriff 00 ist in Amerika nicht bekannt. In einem Film das Gelächter zu summieren, erweist sich als eine nationalamerikanische Angelegenheit. Lachen die Amerikaner, so müssen die Deutschen weinen ober zur Flasche greifen. Als das 58eerbtgungs= I Institut im Hinterhaus mit dem weißen Kindersarg im Fenster erscheint (Bestattungen erster und zweiter Klasse, Empfehlungen hoher und höchster Herrschaften) und die Deutschen vor Heiterkeit wiehern, drohen die Amerikaner mit Lynchjustiz. „Gefühlloses Pack! Pietätlose Deutsches Ms em Mmm in einem Hausflur beraubt wird, schütteln sich zwei Indianer voi Begeisterung. zeit im Kriege, wenn man mit lieben Freunden zusammenschläft, die am Tage ausgezeichnete Männer sind, die nur zur Nacht furchtbar und aufreizend schnarchen — denn sein eigenes Schnarchen hört man ja nicht. In der Nähe, im Adelsquartier der Krapotkinstraße, gibt es das Klubhaus des Komitees der „Gesellschaft zur Verbesserung der Lebensbedingungen der Gelehrten", auf russisch wie alle Amtsbezeichnungen praktisch- amerikanisch abgekürzt in „Zekubu", an sich ein abscheulicher Kasten eines reich gewesenen Fabrikantenpratzen mit Scheiben und nackten kitschigen Marmarwcibern, der aber geräumig ist und in dein die in Moskau weilenden, namentlich auch dort wohnenden Gelehrten ein Tagesheim unL eine Stätte preiswerter Verköstigung haben. In einer Nachbarstrahe gibt es ein „Haus der Geburt", glaube ich, heißt es, in dem die Säuglinge nach allen Regeln moderner Hygiene und Desinfektion unter viel Aufwand von reinen Bettbezügen und weißen Wärterschürzen gehegt werden. Aber das, mit so viel Stolz die Schwester es auch zeigt, ist mir natürlich nichts Neues. Neu aber, für uns neu und an sich "ganz gewiß groß in diesem Hause ist aber, daß außer den Säuglingen auch der Mütter darin gewartet wird, ich glaube während dreier Monate vor und dreier nach der Geburt. Ich war in den Schlaf- und Frühstückssälen der jungen Weiber (die Mütter sind für den größten Teil des Tages von den Kindern getrennt), wo die Mütter mit frauenhaftem Lärm und Lachen mein ein wenig verlegenes Eindringen erduldeten. In derselben Straße ist auch in einem schönen alten roten Gebäude die Arbeiteruniversität. Sowjet ist begreiflicherweise, nachdem die bürgerliche Intelligenz zum guten Teile vernichtet oder nicht mehr im Lande ist, bestrebt, eine neue Jntelligenzschicht aus den Kreisen der Arbeiter sich zu schaffen. In einem dreijährigen Kurse werden begabte Arbeiter und Arbeiterinnen in diesein Hause für das Studium an der Universität vorbe- reitet. Ich weiß nicht, in Erinnerung an unsere eigenen langen Vorbereitungszeiten, ob das genügt, ob es nicht auch nur dem Sichbegnügeii mit Halbbildung entspringt oder ob es nur eine zeitliche Verlegenheitsmaß- nahme der Regierung ist, genug, ich war in diesem Gebäude, wo junge Männer und Mädchen zigarettenrauchend und studierend saßen, sehr ordentlich in schwarzen Hemden und Blusen. Viel zu sehen ist aber an einer solchen Anstalt nicht, wenn man nicht eine ziemliche Zeit auf Verfolgung von Methode und Inhalt des wissenschaftlichen Unterrichts, der also dem der Oberklassen unserer Gymnasien entsprechen müßte, verwendet. Ich sah dann weiter von sozial-kommunistischen Einrichtungen das Haus des Bauern. Auch dies eine Warnung, nicht unmittelbar Rußland mit Deutschland zu vergleichen. Gewiß bedeutet für Rußland dieses Institut etwas, in welchem dem Bauern durch Bildertafeln klar gemacht wird, welche Erfolge seine Feldarbeit haben kann, wenn er mit Kali düngt (der russische Bauer düngt nicht einmal mit seinem Hofmist, in den russischen Steppen muß er aus Mangel an Holz und Kohle den Dung, zu Fladen getrocknet, verbrennen, ja, im nährstoffreichen Schwarzerdegebiet darf er nicht einmal düngen), wo er die Feinde seiner Frucht, die Wühlmäuse, die Insekten und die vielfachen Pflanzenkrankheiten und ihr« rationelle Bekämpfung sehen kann, wo im ehemaligen Gesellschaftsgartcn Mufterzuchten der wichtigsten Feld- und Gartenfrüchte zu sehen sind, wa in den früheren Ställen und Garagen landwirtschaftliche Maschinen, Geräte und jedes Werkzeug bis hinab zur besten Sense und zum zweckmäßigsten Nagel in Natur gezeigt werden — aber das ist nichts anderes, als was bei uns in jeder landwirtschaftlichen Kreisausstellung zu sehen ist. Wichtiger scheint mir, daß dieses Haus des Bauern in jedem Dorfe fein Tochterhäuschen haben soll, wo der Bauer sich in jeder schwierigen Be- russfrage Rat erholen könne. Am allerwichtigsten aber — und da ist Rußland uns, in der Idee wenigstens, iveit voraus: in dem Hause ist auch eine Stelle für kostenlose Rechtsberatung. Erst wenn sie überall auf dem Dorfe von wirklich Rechtskundigen, wozu ein Teil des studierenden Proletariats erzogen werden mag, im dortigen Haus des Bauern geübt werden wird, mag sie ihren Segen verbreiten. Würde man diese heilsame Neuerung bei uns nachahmen, so würde bald eine Unglücksfigur aus den Bauernromanen, der Prozeßhansl, verschwinden. Natürlich hörte ich vor meiner Reise von den Kennern des neuen Rußland (und habe es auch nach meiner Reife wieder gehört): „Na, na, man wird Ihnen nur zeigen, was man Ihnen zeigen will." Das ist nicht wahr! Ebenso wie ich überallhin, wohin ich wollte, habe reifen können, so habe ich auch alles sehen können, was sehen zu motten mir in den Sinn kam. . Von den vielen Zügen sog. Pioniere, das sind die Vereinigungen der Kinder unter dem Zeichen von Sichel und Hammer, deren ich viele-, namentlich Sonntags, gesehen habe, kann ich insoweit sprechen, als die blaugekleideten Knaben mit dem roten Halskragen und die Mädchen in blauen Wämsern mit raten Kopftüchern in Museen, zu Ausflügen usw. geführt wurden und eine gewisse stramme Gesamterziehung unter Belassung von jiigendlicher Ungebundenheit von feiten ihrer Lehrer und Führer genossen. Doch das mag es bei uns in den Ausflügen der modernen Schule, in Wandervogelzügen und den Streifen gewisser Jugend- gruppen nicht schlechter geben. Nur mit dem Unterschiede, daß diese Vereinigungen von Kindern in Rußland bereits politischen Charakter haben, daß sie eine Vorschule sind zur Gewinnung eines Stammes zuverlässiger Kommunisten. . UeberaU in den öffentlichen Anstalten Sowietrußlands sieht man Die Leninecke, die z. B. in irgendeinem Klubzimmer der Arbeiter rotausgeschlagen und mit Abbildungen aus Lenins Leben gefüllt, sich in jeder größeren Arbeitsgenossenschaft, in jedem Klubhaus, auf den Schiffen oder wo immer findet, die einzige Stelle, wie mir scheint, wo der Sowietis- mus sicherlich mit Erfolg die religiös-historische Tradition der russischen Erde aufnimmt, denn die Leninecke ist nichts anderes als die alte Heiligen- ecfe ins Sowjetistische übersetzt, und einem gläubigen Kommunisten ist Lenin gewiß längst ein Heiliger geworden, und ein tiefes Verehrungsbedürfnis im naiven Russen ist befriedigt. , ' Eine gehässige Stimmung liegt in der blauen Tabaksluft des Lincoln- Theaters. Europäer zeihen einander der langen Leitung, Amerikaner bezichtigen die Deutschen als notorisch einer jeden Gemeinheit fähig: der Sabbatschändung, der Trunksucht, der Frauenmißachtung. , Im fünften Akt droht wieder eine Prügelei. Erst als die Handlung am Ende einer guten Ehe zusteuert, legt sich die unterschiedliche Stnn- munq, und ich ziehe das Fazit dieser genußreichen Abendunterhaltung: ein Bewußtlos-Geschlagener, zwei Blutig-Geschlagene, etwa fünfzehn Gelächter auf deutscher Seite, etwa siebenmal Heiterkeit auf amerikanischer Denn es fiel niemand ins Wasser, es gab keine Schläge mit dem Holzhammer, es wurde keine Polizei verulkt, und der Film endet nicht in einem Wirbel rasend gewordener Automobile. Am nächsten Tag fuhr ich mit einem Torpedoboot zur Küste, nicht ohne bei dem Greis Geld für die Zusendung der Rezensionsnummer der „Northern Voice" deponiert zu haben. Rußland, wie ich es sah. Tagebuchnotizen einer Reise. Bon Josef Ponten. Am vierten Tag schöner Seefahrt schwimmen wir im Finnischen Meerbusen wo uns das erste Sowjetrußland in Gestalt brauner Unterseeboote mit roten Flaggen entgegenläuft. Verwegene Kerle in Bekleidungen, die man kaum Uniformen nennen kann, stehen an den dünngelanderten Borden Die Verkleidung verwundert mich heute in der Erinnerung um so mehr, als ich im Lande die Armee wohl aiisgerüstet und sehr ordnungsmäßig bekleidet sah. r _,< Am Abend des vierten Tages macht unser Schift m Leningrad am Nikolajewskaja-, heute Leutnant-Schmidt-Kai genannten User fest. Wir sind eine Gesellschaft von Gelehrten. Noch während wir für die Dauer des Vertäuens an der Reling stehen, werden die Vorzüglichsten unter uns, unter denen ich natürlich nicht bin, von Land ans von energisch aussehenden. mit Sportmützen bekleideten Genossinnen mit dem Stift gezeichnet und die vom sichern Blicke jener sich auf geistige Bedeutung verstehenden Mädchen Erwählten finden dann auch am andern -tage ihr mehr ober weniger geratenes Konterfei in den Leningrader Zeitungen. Iii Automobilen, o schrecklichen Automobilen aus Olims Zeiten! werden wir in eins der größten Leningrader Hotels, das Grand Hotel in der unver- ändert genannten Gogolstraße gefahren. Die Hotels, wenigstens die großen, sind alte nationalisiert, es ist an der Aufmachung und Bedienung deutlich zu sehen, wie sehr man bemüht ist, sie nach langen Zenen der Verrottung wieder in Stand und Schuß zu bringen. Trotzdem be|>el)et! Die Scheiben der Fenster unseres Zimmers zum Teil noch ans Pappe und das Zimmer selbst ist möbliert mit zusammengestoppelten, nicht zu- iammenpassenden und zum Teil erbärmlichem Hausrat, dessen Herkunst aus Gott weiß welchen ehemals reichen Bürger- oder Adelshäisiern deutlich ist. Und an der Wand spaziert auch Freundin Wanze. Im Hotelgarten wird gespeist über feinen Tischtüchern, mit dem kaiserlichen Monogramm bestickt, die also wohl aus den Wäscheschränken des Winterpalais ftannne t roa^r, man vielfach hört, daß Leningrad in feinem baulichen Teile durch die Bürgerkriege stark ruiniert fei. Wohl liegt das eine oder andere Haus und auch manche Häuser in Trümmern, aber im Verhältnis fallen die Ruinen kaum auf. Daß auch der an sich herrliche Bau des Kriegsministeriums und des Auswärtigen Amtes am großartigsten Platze vor dem Winterpalais, die ja wohl die Hauptgeburtsstätten des Weltkrieges waren, schwarzbeleckte Brandruinen sind und vielleicht mit einer gewissen Absicht noch als solche belassen werden, empfinde ich als einen kleinen Akt geschichtlicher Gerechtigkeit. Die Bolschewisten sind stolz darauf, daß die russische Revolution mir den Staatsgebäuden, namentlich den kaiserlichen Gebäuden und den Sammelorten von Bildung und Kunst milde umgegangen ist. In der lat, im Winterpalais soll nicht ein Stuhl verrückt worden sein, nur em Saal der Revolution mit Andenken daran und Dokumenten darüber ist eingerichtet worden. In den Museen ist man eifrig mit Sammeln, Neuordnen, Aufstellen, Katalogisieren an der Arbeit. Ja, in der Eremitage gerate ich mit einem wissenschaftlichen Beamten in einen Wortwechsel deswegen, weil ich den europäischen, nun auch im Rätestaat blühenden Unfug verurteile, die Werke bildender Kunst aus den Gebäuden und von den Orten, wo sie lange gestanden oder für die sie gemacht waren, in die Museen zu verschleppen. Wir stehen vor dem Silberaltar des Bolksheiligen Alexander Newski, der aus dem Newskikloster vor den Toren Leningrads in den Saal der Silbersachen der Eremitage gebracht wurde. Durch die Museen ziehen immer Scharen von Schulkindern, Arbeitern und Soldaten, der Museumsbefuch ist offenbar ein Teil des militärischen ^Dicnftc^ ‘ Leningrad ist ziemlich still und auch leer, die öffentlichen Gebäude der Zarenzeit namentlich scheinen für die in Leningrad verbliebene Unter» und Teilregierung ein zu weites Gewand zu sein. Für die ganze nach Moskau übersiedelte Hauptverwaltung des Riesenreiches und den Apparat des Zentralismus fcheint Moskau im Gegenteil viel zu eng und drückend, in allen möglichen ungeeigneten, unzuständigen und unpassenden Gebäuden sind die zahllosen Aemter untergebracht, und Moskau wird, wenn Sowjet einmal Geld hat und ans Bauen gehen kann, ein Tummelfeld für Architekten werden, wie das Rom der Päpste es war. Unten an der Moskawa, in der Nähe der Krimischen Brücke, liegt unser Quartier, ein ehemaliges, ziemlich modernes Knabenerziehungsheim, als Unterkunftshaus für reifende Gelehrte eingerichtet. Klösterlich still (so weit es dort, wo Russen in Gesellschaft sind, still sein mag) und behelfsmäßig primitiv ist dieses Unterkunftshaus, aber es ist sauber und auch ein wenig behaglich. Für Männer und Frauen find Schlafsäle mit einfachen eisernen Bettstellen eingerichtet, man erinnert sich wieder an seine MilitärdienstVerantwortlich: Dr. Hans Thyriot. — Druck und Verlag: Vrühl'sche Universitäts-Buch- und Steindruckerei, A. Lange, Gießen.