SiehenerZmnilienblätter Kummer 96 der Zwerg, und'fo“ ein m x " yvKttcd am Än» packan vor Vergnügen. Bowewittche S™,»mu‘" s"*‘" "”bc ”» «SÄff!1. 'S " ws.«< ««•»». iS Ä « szäOäz tt '-«7 Ä £ W a„“Ä ÄÄ sa LL' ä" «« r» Und jetzt sollt' es nun wirklich bergab gehen, deshalb beulten Xb,C/Cr Wolf und Packan vor Vergnüg n Lwew.nwe ,hm P* mDrf? einmal, daß das Kleinholz, das er öeZ hX W ätschen konnte, dann nahm er feinen Ma? "n *”■'«ä Wl'A stieß er einen kurzen Schnalzer aus: seine scharfen Annen hatte,, rechts etwas blitzen sehen. „Glück, Glück, Glück" ummt" es ?hm en öÄ Qber ?Onnt’ er Waaen'nicht züm Stthen bttn S nnh r 1 cr un ™ roar' Sog er die Leine, band das Wägelchen - stellen 'w»e^ ^W^ehen Er hatte ja Zeit. Warum sollte e? nicht 1 ich-nen, was das Blitzen bedeutet haktet ’ ®Q$, ”ie 'I.da behaglich suchte! Ganz merkwürdig tünim-vfp,: ^dlie nicht viel, so hatte man von einem ver- Deshalb war seit vielen Jahren sein eh» oiZZ ;'tame Witt zum Spottnamen „Bowewittche" verdreht worden L-uten Svab'^? Kränkt % freute if»1' Bester, man macht den Spaß, als Schmerz. Und trabte die Schuljugend hinter dem hu degespann her: „Bowewittche, Bowewittche", dann prahlte ein Ge- Ncr (oUf™ 8fLn’m*6 Jn,a\f0 ?'liebt ist. Hinter Bismarck und dem L- wufen sie auch hinterdrein! t6b!itheC@»i„„K,m e*!le fomif$c Ngur. Er arbeitete und ernährte sich hflle'er nns r/^or^e,. ”^r baufällig. Hetzer hat kein eigenes Haus", fuhrm t bas windschiefe Gemäuer, das ihm gehörte. Er fiert, X.?? u’lb Jeinen Hunden Brennholz an, transpor- heundl ck °m"l?s^»'-d? täglich die Milch vom Vorwerk und war mit Tenüq am. Fbem um **" ®’ffi9cs S" Diensten. So hatte der 65 z ci sein Auskommen, und Wolf und Packan, die Hunde, hatten wußte in, w ubrchen war Bowewittche ein wackerer Ehristenmensch, Bte lm Reuen Testament so gut Bescheid wie nur einer und besuchte I Advent. Von Hans G äs gen. Gekommen ist nun wieder Advent, die frohe Zeit, Da unser Herz dem Wunder -sich sehnend macht bereit. Da uns aus fernen Tagen Erinnerung umweht. Und holder Kinderglaube Im Herzen ausersteht. Cs sind der Lampen viele. Die diese Zeit durchglühn. Es sind der Blumen viele, Die leuchtend um uns blühn. Dem großen, ew'gen Wunder Macht sich das Herz bereit: Gekommen ist nun wieder Advent, die frohe Zeit. BowsWittche. Von Carl Busse. kr &®auU3l Sb9?"5 D°n,P^ln Schritt Aber urplötzlich ging?hr MLMNZM-L Hunde allein ' " f Bowewittche nach. War es leer, schafften es die Unterhaltungsbeilage zum Siebener Anzeiger cwms r ewÄ* — - * <* •* über bkoVren gezogenen" Äe’^-'kJenb^t Mantel und der es bald und breite e« entzückt hin unhXrbffto0S Blitzendes. Er hatte "" ’l" ** &• gut mit 'ihm. Hunden find ^>wn^uon!n^!l' tie6„c Outt meinte ee es- Da sollte man nicht doppelt zufriedenen?"«" ?5 unb Habet es, wobei er sich die Bartltonn^n ^e!n‘ Vergnügt betrachtete et Kinn standen. Es kam jetzt auf^die Grhm?A»b'f ’s” bos runbe Etliche funbm, <*, wird °°?dte S&£,'m Slf’&S ®“ feinem'^g,teh,n^n^° 'der'^t'" We 2miti.' und trottete zu 8nfLen- K-en ihm ein Stätfd und An seltsam D tti g"" 9"°^ baocin er‘ oft gezählt "und bis fangen'Sb^reUen" bo^h” 10606 Bowewittche, schlecht unb heidnisch Symbol! & t barllber gesprochen als über ein gelauscht. Alles ^in Ehren —^und9E'S batte mit freundlichem Respekt Hufeisen. Aber wenn es nichts nütze lcbad?'^ wirklich nichts von gottgefälli7"Ding"und^würb?"mch aum^Hiiin’^Är“ fd tein wenn er Bowewittche-; Augen sah —5"" "nsegen ausschlagen. Aber er ä”" W b" ®°“ «'« MW» H-r, m,to in allem, wieder aus ' ~ mieber sutge.nacht. So glich sich das, alles d- ”r ft s-k- »to« vorwärts. So erreichte man die Stadt °uf unb ^urtl9 S'ng ea (ait.rtJ^k^yttrk“' sS’V Ä-"--"»-. 0«t ST H Mu« Sreunle. Dir halt» mSm"au1Za «5, Token es noch mit i(,rell (r wir bis dahin öfters abgesandt, aber keinerlei Post bekommen. Wohin geht es jetzt? Das war die bange Frage. 5000 Mann trug das Schiff nach Archangel. Auf dieser Reise zahne ich neun Tote. Zu essen gab es Zwieback, Tee und Zucker. Unter groß Zelttüchern hatte ich noch etwas „Wässeriges" entdeckt, und ich zog luw deshalb öfters dahin zurück. Schnaps war es mit viel Wasser, oder wog Wasser mit Schnaps. Es ist unglaublich, wie findig die Not den Ä fchen macht. _ Dann kam die große Cisenbahnfahrt: Archangel — Som,01-“ Orenburg — Omsk — Tomsk — Irkutsk und zurück wieder nach k-ama ", dann weiter über Orenburg — Taschkent nach Andidschan an der cy fischen Grenze. Ankunft am 3. Dezember. „ , Diese große Reise brachte uns viel Hunger bei guter Behm > Im ungeheuren Sibirien sahen wir einzelne Städtchen, das s>e I. Von Galizien bis zur chinesischen Grenze. Wir lagen in Armeereserve in Buezacz am 13. Juni 1916, vor uns Oesterreicher. Diese wurden atn Pfingstsamstag durch die Russen zurück- geworfen. Wir mußten am 1. Pfingsttag einspringen und hielten die Stellung bis zur Ablösung durch die Oesterreicher am 2. Psmgsttagabend. Am 3. Pfingsttag wurden wir (etwa 70 Mann hatte die 11/223) bei Buezacz gegen Sibirier eingesetzt, welche die in Stellung gewesenen Oesterreicher" bereits gefangen hatten. Davon wußten wir aber nichts. So saßen wir unerwartet in der Tinte. Unter schwerem Artilleriefeuer schmolz die Kompagnie schnell zusammen. Um 3 Uhr nachmittags waren wir nur noch 6 Mann. Rasendes M.-G.-Feuer hielt uns in dem Graben fest. Plötzlich tarnen die Russen in fünf ober sechs Linien an. Wir waren dermaßen niedergedrückt, daß wir an Widerstand, der tatsächlich auch zwecklos, ja unsinnig gewesen wäre, nicht mehr dachten, trotzdem erschlugen die Russen noch zwei Mann von uns. Da griff ein deutsch- fpreebenber Russe ein, und wir drei „Letzten" wurden durch drei Wachleute in eine Talmulde gebracht. Wir waren völlig aufgelöst. Emmerich aus Offenbart) bat um eine Zigarette, und wir bekamen alle eine. Dann wurden wir durch einen Stab ausgefragt. Unser Regiment konnten wir nicht verleugnen, das stand auf den Achselklappen. Damit war man natürlich nicht zufrieden, und so logen wir dazu, was uns gerade in ben Sinn kam. Dann gab es Tee unb ein Stück Brot, bazu Spott und Hohn. Alsdann mußten wir Verwundete tragen. Ein furchtbares Ge- Witter tobte, und der Regen rauschte. Wir hatten keine Mäntel. Stunden- weit ging das so fort, bis wir erlöst wurden. Nun raubte man uns Uhren, Ringe, Brieftaschen, Geld usw. Nur die Pfeife ließ man uns. Dann gab es Dörrgemüse. Wir hatten aber weder Kochgeschirre noch Löffel; also rinn in die Kappe! Andere Deutsche sahen wir hier nicht, aber Unmengen von Kosaken. — Am anderen Morgen hatten sich 400 gefangene Deutsche und 29 000 gefangene Oesterreicher angesammelt. Wir Deutsche wurden gemustert und beäugett von allen Seiten. Wahrscheinlich hielt man uns für Men- schenfresser oder dergleichen. , Acht Tage Marsch nach Kiew. Viel Hunger! Verpflegung in Baracken, Suppe in Mützen. Ich war zu einem gewissen Reichtum gelangt. Ein Oesterreicher hatte mir drei Zigaretten, ein anderer einen ßatb Brot geschenkt. In Kiew konnte ich mich durch allerlei Schliche sogar einmal satt essen. Ich legte mich in der Nähe der Baracke, nicht weit vom Kessel, hin, als wäre mir schwach geworden, um bann bei zeitweiser Erholung neu zum Kessel zu wanken. Das Brot wanderte dabei als Re- serve in den Brotbeutel. Daß mir beim ersten Cssenempfang von mittags 1 Uhr bis abends 10 Uhr standen, will ich nur nebenbei erwähnen. Nach einer ärztlichen Untersuchung erhielten wir einen Rubel 25 Kopeken. Daß das Verpflegungsgelb fein könnte, bebachte ich natürlich nicht, unb ich kaufte mir dafür Tabak, zwei Bogen Papier und Feuerzeug. . ..... es nun über Moskau— Immer böser iah der Finger aus. Es ergriff die Hand. Kam da der Pfarrer des Weges und trat bei seinem Pfarrkind ein. Redete dies und das. Ob der kleine Fuhrmann morgen eine größere Arbeit übernehmen wolle. „Hochwürden Herr Pastor, Arbeit schmeckt fuß, aber Freitag fange nicht am Setze fort, aber beginne nicht." Eben rüstete sich der geistliche Herr mit weltlichen und kirchlichen Waffen — da sah er den Finger. „Mann — um Gottes willen!" „Ja," sagte Bowewittche, „schlimm! Doch ich habe das sechste Hufeisen. Nichts für ungut!" t „ Und er erzählte. Aber der Pfarrer: „Hier Hilst nur noch der Arzt. Er allein wird jetzt noch wissen, ob Sie ohne Operation davonkommen. Wir wollen hoffen" daß es noch nicht zu spät ist!" Ungläubig war der kleine Fuhrmann ja. Es hätte schon mancher eine böse Hand gehabt. Die märe gegangen, wie sie gekommen wäre. Aber es rührte ihn, wie der Pfarrer besorgt war. „Jetzt habe ich die Freude," dachte er; „mußte doch mirklich nicht, wo sie Herkommen sollte!" Doch die Besorgnis mar wohl übertrieben. Denn — nichts für ungut — der Nagel tötet zwar, aber das Hufeisen mar doch auch noch da! Gefundenes Glück kann doch nicht Tod bringen. Half ihm alles nichts. Der Pfarrer nahm Bowewittche zum Sanitäts- rat, und der warf nur einen Blick hin: „So, so ... schöne Sachen! Wieviel Hufeisen haben Sie? Fünf ohne das neue? Wenn jedes einen Finger kostet, find Sie Linkpot'. Mahlzeit, bas wäre mir zu teuer. Lieber soll 'mal ein böser Geist in mein Haus!" Jetzt roürate es ben kleinen Fuhrmann doch. „Die Hand muß weg?" Du Grundgütiger! Und womit auflaben, womit Wolf unb Packan halten, wenn sie 'mal im Laufen waren? „Jedenfalls sofort ins Krankenhaus." Verwirrt, bedrückt, wie ein Verurteilter schritt Bowewittche dahin. „Mut und Hoffnung!" tröstete der Pfarrer, — „Halten Sie Ihr Herz fest." Aber er konnte sich doch das eine nicht verkneifen: „Oer Aberglaube ... wenn nur der schändliche, lästerliche Aberglaube nicht wäre! Das ist die Strafe! Ich habe es immer gesagt: es wird doch noch zum Unsegen ausschlagen!" . Der Fuhrmann sah ihn mit einem großen Blick an. Da wurde der Pfarrer rot unb blies wieder ein besser Stücklein von Mut unb Hoffnung. Im Krankenhaus wurde am Abend noch zur Operation geschritten. Bowewittche ward dabehalten. Er jammerte nach seinen Hunden. Erst als ihm heilig versichert wurde, daß ein getreuer Nachbar versprochen habe,'Wolf und Packan nicht zu vergessen, beruhigte er sich. Fiebernd lag er nachts im Bett. Oft hob er die rechte Hand empor, daß sie gegen das hellere Fenster stand. Aber er mochte zählen wie viel er wollte: er war schon wieder zu kurz gekommen. Denn nur vier Finger waren noch da: der eine hatte sich absentiert. Es war schlimm, aber cs war zu ertragen. Wenn es nun die ganze Hand gewesen wäre —! Nur über eins kam der kleine Fuhrmann nicht hinweg. Trogen die Bräuche feiner Jugend? War dies die Strafe Gottes? War das Hufeisen wirklich ein heidnisch Zeichen? Das ganze Männlein war in Verwirrung geraten. Da wankten jahrhundertealte Pfeiler. Er kannte sich nicht mehr aus. Und nicht der Schmerz, nicht der Verlust des Fingers an sich hatten ihm die Fröhlichkeit gekommen — die Verwirrung nahm sie ihm. Er hatte den Weg nicht mehr. Er wußte nicht recht, wie alles stand. Freudig aber war der junge Pfarrer. Gegen die erschütterte Festung richtete er Kanonen. Er kam sich vor wie der Apostel der Deutschen, der den letzten Streich gegen die Wotanseiche tut, daß sie fällt und mit ihr der falsche Glaube. Hatte er Bowewittche erst bekehrt, daß er dem törichten Aberglauben entsagte und er zum Zeichen die Eisen von seiner Tür riß, dann würde Beispiel und Lehre auch weiterwirken. Es war eine soziale Ausgabe, um die es sich da handelte. Nicht auf die alten Hufeisen kam es an, — aber hinter ihnen stand gleichsam der ganze, das Volk sittlich und geistig schädigende Aberglaube. Und der kleine Fuhrmann sann schwer und ohne Fröhlichkeit und nickte immer, wenn der Pfarrer etwas sagte. Als Bowewittche aus dem Krankenhaus kam, war er noch immer verwirrt. Es gärte in ihm, und er wunderte sich weiter Tag für Tag, und alles war fremd unt#*- neu. Aber da riefen die Straßenjungen: Bowewittche! — in der Stabt war er Herr Witt gewesen —, unb bas war Heimatlaut. Ein zages Lächeln. Da stand sein Haus, windschief, doch seines eben, und nicht jeder konnte Besitzer sein! Jetzt ward das Lächeln schon kräftiger. Und da: „Wolf ... Packan!" lieber das ganze Gesicht ging das Strahlen. Und die beiden Getreuen stürzen sich ihm entgegen, als wären es wirklich so blutgierige Bestien, wie ihre Namen vermuten ließen. Wer ist glücklicher als der kleine Fuhrmann? Auch bas Hufeisen liegt noch auf dem Fensterbrett. Der böse Nagel steckt noch immer drin. Und alles wird licht, die Verwirrung weicht. Es war doch ein Glück: wer weih, ohne das Hufeisen — Er schlenkerte die rechte Hand hin und her. Der Nagel wollte den Tod. Aber das Hufeisen hat das böse Wollen durchkreuzt, es hat gerettet, was zu retten war — so blieb nur ein Finger dem Nagel versallen! Und ohne die fünf da draußen auf der Schwelle wäre der Herr Pfarrer schwerlich eingetreten. Dann hätte es kein Krankenhaus gegeben, keine Operation — aber auch jetzt die Freude nicht, sondern statt dessen vielleicht kalten Tod. Kalten Tod ... Macht der Gedanke daran das warme Leden nicht noch wärmer? Bowewittche wirft die Beine, als ob er tanzen wollte. Im Nu ist er draußen. „Gerade weht der rechte Wind ben Pfarrer her, ber ben Gesundeten besuchen will. Er sieht ihn an der Schwelle schaffen. „Bravo, bravissimo ... bas ist die rechte Arbeit", ruft er schon von weitem Er freut sich, daß das Teufelszeug endlich beseitigt werden soll. Karawanen, feiten Wald, aber viel Oedland, Sand und Wacholder. Nie werbe $ .9 vergessen, an dem wir die erste Kamelkarawane sahen? Wo sind wir? Ist das Traum? Sind wir in Afrikas Jetzt sitzen wir im fernen Andidschan. Werden wir je unsere geliebte Heimat Wiedersehen? — 1 a II. Andidschan. Etwa 200 Kilometer von der chinesischen Grenze, von gewaltigen ^en umrahmt liegt im russischen Turkestan Andidschan, eine Stadt mit Einwohnern. Nur die Häuser der Regierung, der Beamten und Fabrikherren sind europäischer Bauart. Die Kirgisen wohnen in einstöckigen Lehmhausern. Diese haben flache Dächer; die Fensteröffnungen sind mit bunten Vorhängen verhangen. Das Haus liegt in einem Garten der von einer Leymmauer umgeben ist. — Große Gestalten begegnen uns in den Straßen, Manner und Frauen in langen Stiefeln. Die meist bärtigen Manner tragen Pumphosen, lange Kittel und Deckelmützen mit Turban. Gar bunt sind die Frauen gekleidet. Vor dem Gesicht tragen sie einen ichwarzen, durchlöcherten Schleier, an Hals, Armen und Fingern reichen schmuck, der wohl nicht immer echt sein mag. Die Frauen worden schon als kleine Mädchen an ihren Zukünftigen verkauft, und es kommt dem reichen Kirgisen auf einige Gemahlinnen mehr oder weniger nicht, an Mancher arme Schlucker mag dabei auch leer aus- aehen. Man sieht fünfjährige Mädchens die den Schleier tragen, also schon verkauft sind. — ä ' 1 „ Gfrize Leben Andidschang dreht sich um das Hauptprodukt der Eegend, die Baunkwolle. Soweit das Auge reicht, erblicken wir Baumwollfelder. Die staube trägt Kapseln, die im Juni oder Juli ausbrechen Die herausguellende weiße Wolle gibt die erste Ernte. Dann werden die Korne gesammelt' von Baumwollresten befreit und in Oolmühlen ge- «n ®QS " *ft oin vorzügliches Speiseöl. Die zweite Sorte gibt Wagen- und Maschinenöl, der Rückstand Seife. In großen Fabriken mi,ch..vas erledigt. Ich habe in einer solchen gearbeitet, die 1200 Arbeiter beschäftigte. Hier arbeitete der Russe wenig bei viel Verdienst, und der Kirgise mußte bei sehr bescheidenem Lohn viel leisten. — Am 3. Dezember kamen wir in Andidschan an. Unsere Vermutung daß Diehl und Henkel bereits im Lager seien, bestätigte sich. Schon nach Mi Tagen lagen wir alle fünf einträchtig in der Zinkbaracke (für Skorbutkranke). War das eine Freude! Wir waren also krank und bekamen um 10 Uhr ein Extraessen: Rohe öwiobein, Tomaten, Dickwurz mit Pfeffer, alles „feingeschroten und in Stucken. Diät war das Allheilmittel. Diehl, Hofmann und Schombert wurden im Frühjahr gesund, Henkel und ich am 1. Mai freiwillig Frei- willig meldeten mir uns auch zur Arbeit in einer Oelsabrik in Fetschenko ' 40 Kilometer von Andidschan. Hunger und Langeweile trieben uns dazu Dort war die Verpflegung gut. Wir verdienten zweieinhalb Rubel, wovon eineinhalb Rubel zur Verpflegung verbraucht wurden. Zu kaufen waren: Reis, Hirse, Buchweizen, auch teueres Fleisch. Natürlich fehlte es nicht an Nebeneinnahmen, waren doch Del und Seife geschätzte Dinge Anfangs verschönerten wir unter Essen und unseren Körper damit, später kam es zum Del- und Seifenhandel. So fehlte es uns eigentlich am Zotigsten nicht. Aber Hunger litten wir auch hier. III. Hunger! Lange konnte dieser Handel mit Seife und Speiseöl natürlich nicht dauern selbst im heiligen Rußland nicht. Jrn Herbst schon nahmen wir Abrieb von unserer Delfabrik. Schwerbepackt zog der Transport ab. Doch o Schreck, da gab cs eine Revision! Die ganze Beamtenschaft grinste uns frohlockend an. Doch unser Rettungsengel, der Posten, führte uns trotz allen Protestes, sofort zur Bahn. D, du ahnungsvolle Seele! Drei Stück Seife und eine Feldflasche voll Baumöl habe ich hinübergerettet in die kommende Hungerzeit von Andidschan. Also vom Hunger wollte ich erzählen. — Die Tagesration bestand aus Tee, 200 Gramm Brot, etwas Reis in Wasser. Einmal bekamen wir in.vier Wochen kein Brot. Zerlumpt und hungernd verlebten wir den Ivlnter 1917/18. Im Schlachthof holten wir ganze Eimer voll Blut, oas wir mit Salz kochten und aßen. Schwerer als wir jungen Leute luten die älteren Kameraden, die Familienväter. Sie waren dermaßen niedergedrückt, daß sie sich ganz gehen ließen. Einmal sah ich, daß welche altes, stinkendes Blut kochten und aßen. Das Unglück kam Im Früh- r 8 ^ach Typhus und Cholera aus! In Turkestan sollen damals 45 vH. aller Gefangenen gestorben sein. Eine bedeutende Erleichterung brachte uns der Friedensfchluh: freien t $an9‘ Sroctr konnte man auch vorher ausgehen, ober nicht fts! ’ ,maren chir zu zweien schon am 17. Februar in die Kirgisen- » auT — Hunderaub! Dafür durften wir zehn Tage im -toeftiotal hungern und frieren, alles um einen Hund, der doch nur in unseren Gedanken gelebt und gelitten hatte. — „arbeit oder Hund", so hieß im Frühjahr und Sommer 1918 die In unseren dünnen feldgrauen Lumpen, mit hohlen Wangen ni( *tl£r.cn ^öen gingen wir, Arbeit suchend, in die Hütten der Kir- yenA... e Aufnahme war verschieden: Heute hinausgeworfen, morgen „ oiuct Brot, ein andermal ein halber Rubel, selten aber Arbeit ober 0«r einen Hund! t ^un^e schmecken gar nicht so übel, besonders, wenn man die ent- h» ?lni3en Nnagijchen Verhältnisse" mitbringt. Ich (natürlich auch an- «e) hatte die Hundeschlächterei zu meinem Spezialberuf gemacht. Herz, "chlle Und Leber wurden zu feinem „Gulasch" gekocht, das Fleisch aber in m t uni) 311 Klopsen verarbeitet. Ein kapitaler Hund brachte mir u ms 15 Rubel, je nach Konjunktur. Einmal trug ich einen Hund durch n^e btadt, weil er immer rückwärts wollte. Also einfach auf den bernk9encm’nert "Nd ins Lager getragen! Der Posten wollte mich mit unh s *e uichi einlassen, aber zufällig kam der Lagerkommandant vorbei, Cr K u -te rnehr Mitgefühl. Vielleicht kam das von seinem Umgang, w.^tte nämlich eine — Schweinemästerei. Seine Säue lebten von den " Aumen", die von unseren Tischen fielen. — k J,‘ocy önÖere Erwerbszweige gab es. So schnitt ich Weiden für die lehn k -*er und bekam für das Gebund eineinhalb Rubel. Besonbers s eni> Uber war die Schildkrötenjagd. Als Waffe ein Sack, ging es hinaus auf die Felder. Bald verrieten sich die unbeholfenen . „ - r Gr Locken. Bis neun Eier hatte die Schilbkröte bei sich, jeöes so groß wie ein Taubenei. Gab das einen feinen Eierkuchen! Dann hnd was mitging, gemahlen und wieder Gulasch ge- „"Gr. Glücklich dabei der, welcher einen Kocher und Petroleum hatte Letzteres war ein sehr begehrter und seltener Artikel, war es doch ratio« ntert. Einmal lud mir eine Frau eine 25-Literkanne auf zum Pe» troleumempfang. Ich trottete auch geduldig mit und trug ihr die Kanne. Als sie in ein Haus emkehrie, setzte ich mich aus die Straße und wartete. Einmal sah sie auch nach, wohl um zu sehen, ob ich noch da sei. Ganz plotzttch aber ram es Jo über mich: „Du mußt fort!" Natürlich ließ ich die scanne nicht im Stich. Also schnell damit ins Lager. Käufer waren ja da, aber wohin mit dem edlen Naß? In die Kappe, das ging nicht. ®° Eden schnell alle Eßnäpse mit Steinöl gefüllt und die leere Kanne ms Feld geschleppt. IV. Heimkehr. Hofmann, Schombert und Diehl waren von ihrem Arbeitsplatz nicht wieder nach Andidschan zurückgekommen, sondern nach Taschkent ge- wandert, eo freute ich mich denn von Herzen, als ich mit drei Kame- raben jur Zahnbehandlung nach Taschkent geschickt wurde. Als ich den Fahrschein in der Hand hatte, da kam es mir so in den Sinn: Nach Andidschan gehst du nicht wieder. Am 23. Mai fuhren wir hin. Wir mußten uns zur Verpflegung anmelden. Dabei wurde ich gefragt, ob ich Invalide wäre. Selbstredend Invalide! Acht Tage später ich mit etwa 80 Kameraden auf der Reise nach Buchara, — Richtung Heimat!!! Buchara—Krasnowodsk. Dann zu Schiff über das Kaspische Meer nach Astrachan, wo ich Wilhelm Stein aus Beuern traf, lieber Tula ging es dann nach Moskau. Dort wurden wir in Heimen untergebracht "ach fünf Tagen gegen russische Invaliden ausgetauscht. — In Brest-Litowsk endlich tarnen mir in deutsche Hände. — Äch bin zu Ende. Als ich endlich an der Haustüre stand, hinter der ich zum ersten Male geschrien habe, da stieg es. heiß in mir empor: Dank gegen den allmächtigen Gott, der mich so wunderbar geführt hat. Das Handeln der Tiere?) Von Prof. Dr. Hans Driesch. ^cn Hunde lernen eine ganze Menge; Menschenaffen gebrauchten in Koehlers berühmten Experimenten sogar Instrumente". Ihr Handeln besitzt also eine recht komplizierte „historische Basis", aber es entbehrt doch so gut wie völlig der sog. „Abstraktion . Am besten sagen wir wohl: sie erfassen wohl Bedeutungen und Beziehungen „in rebus", b. h. in einzelnen sinnlichen Sachverhalten, aber sie erfassen nicht logische Sebeutungen unb Beziehungen in (begrifflicher) Isolierung. Ober konkreter: fie kennen einzelne Dinge unb einzelne kausale Verknüpfungen, aber nicht „bas Ding" unb „bas Naturgesetz". Eben beshald erfinden sie nichts und haben nichts, was mehr als oberflächlich einer Sprache gleicht. Mit Recht hat W u n b t einmal bemerkt, bah Tiere nicht aus Grünben ihres Baues keine Sprache besitzen, sonbern weil sie nichts zu sagen haben. Es ist in ber Tat seltsam, in wie geringem Grade selbst den höchsten Assen eine wahre erfinderische, ja selbst nachahmende Fähigkeit eigen ist. D har ndik erhielt einige Assen in einem Stall mit mehreren leicht 3« öffnenden Türen. Er öffnete nun eine Türe mehrere Male besonders sorgfältig und deutlich, um dem Affen den Mechanismus des Dessnens zu zeigen, aber kein einziger ahmte seine Bewegungen nach. Erst bann, wenn irgendeines ber Tiere burch Zufall selbst erfahren hatte, was Desfnen der Tür bedeutete, hatte es bas Deffnen „erlernt". Seine Ge- "assen zogen aber selbst bann keinen Vorteil aus ihres Kameraben Erfahrung: jebes Tier mußte durch persönliche Erfahrung, auf dem Wege des Zufalles, lernen, was Türöffnen fei. Freilich hat nun, wie schon gesagt, Koehler für seine Anthropoiden gezeigt, daß sie Werkzeuge gebrauchen, z. B. Stöcke, unb baß sie Kisten aufeinanbertürmen, um einen hohen Ort zu erreichen; unb das geht in ber Tat über die Ergebnisse ?uherer Versuche weit hinaus. Aber was „Festigkeit" ist wissen Koehlers Assen auch nicht. Ganz sicherlich gibt es also bei Assen das, was unser Ausdruck „historische Reaktionsbasis" bezeichnet. Die Besonderheit ihres Verhaltens wird durch ihre individuelle Geschichte, d. h. durch die Besonderheit ber Reize welche sie betroffen haben, unb burch bie Effekte bieser Reize bestimmt. Aber die Auflösung und die Neukombination der Elemente ihrer historischen Basis ist trotz allem viel weniger kompliziert und viel weniger variabel als beim Menschen. Um die Unterschiede im Verhalten zwischen dem Menschen und den höa'isten Tieren richtig zu verstehen, muh meines Erachtens die Analyse auch noch einen anderen Punkt innerhalb der Charakteristik des Handelns in Betracht ziehen: Wir haben bei anderer Gelegenheit bemerkt, daß der Ausdruck „Element" für das analytische Studium der Handlung etwas Relatives bedeutet; alles Beliebige an den Reizen unb Effekten, bie bei der Schöpfung der historischen Basis in Betracht kommen, kann in irgendeinem Sinne als „Element" angesehen werden. Einzelne Worte ober Buchstaben können bie Elemente eines Satzes ein; die Elemente einer Landschaft können ganze Abschnitte derselben ein ober bie in ihr befinblichen inbivibuellen Körper ober gewisse Teile dieser Körper oder irgend etwas anderes. Ich meine nun, daß mir eine 'affende Beschreibung des Verhaltens ber Tiere gewinnen, wenn wir agen, daß selbst bei den höchsten Tieren die Fähigkeit, Gegebenes im Elemente auszulösen, weniger entwickelt ist als beim Menschen. Sie hängen an den einst empfangenen Reizkombinationen, wie sie sind; auf alle Fälle lösen sie sie nicht weiter als bis zu den inbivibuellen Körpern hin *) Wer tiefer in ber Gebankenwelt des neuzeitlichen Vitalismus ein« bringen will, fei auf des Verfassers soeben in 4. gekürzter Auslage erschienene „Philosophie bes Drganischen" hingewiesen, der mir vorstehenden Abschnitt mit Genehmigung bes Verlages Duelle & Meyer in Leipzig entnehmen. (418 Seiten. Geh. 12 Mark, Seinen 14 Mark.) frühmorgens Tiere durch auf: e:i! «stock und sine Wurst sind i« diesem Sinne gewissermaßen Buchstaben des Hundealphabets. Das Fehlen von Abstraktion wird damit Zusammenhängen. Und daraus folgt nun, daß auch die zusammensetzende Fähigkeit selbst der höchsten Tiere verhältnismäßig gering ist. Nicht sagen wir etwa, daß sie fehlte, nicht, daß, um in der Sprache moderner Psychologen zu reden „determinierende Tendenzen" bei ihnen nicht am Werke seien: jeder, der einen Hund besitzt, weiß, daß sie am Werke sind. Aber die determinierenden Tendenzen finden selbst bei den höchsten Tieren einen weit ärmeren Boden für ihre Betätigung vor als beim Menschen, und zwar wegen ihrer geringen Auflösungsfähigkeit. So ist denn also Mangel an der Fähigkeit, Gegebenes weitgehend aufzulösen, verantwortlich für den niederen geistigen Zustand der Tiere; alle anderen Unterschiede zwischen dem Handeln des Menschen und dem Handeln der Tiere sind Folgen dieses fundamentalen Unterschieds. Der Typus des Handelns, welchen wir bei Affen und Hunden an- tceffen, ist durchaus nicht auf die höheren Wirbeltiere beschränkt; viele Infekten, nicht nur Ameisen und Bienen, sondern auch z. B. Käfer, können Handlungen von demselben Grade der Komplikation vollbringen. Wie viele meiner Leser wissen werden, haben Forel, Was mann, Lord Avebury u. a. eine Reihe sehr schöner Versuche über die Erfahrungen der Ameisen ausgeführt; ich brauche hier nur an des letzteren „Brückenversuch" zu erinnern. Primitive Formen von Erfahrung, die sich auf kombinierte Bewegungen beziehen, lassen sich sehr erfolgreich bei Krebsen studieren. In dem von N e r f e s ausgeführten „Labyrinth-Versuch" wurde eine Krabbe in eine Schachtel gefetzt, in welcher ihr zwei Wege zur Verfügung standen, von denen nur der eine zum Wasser führte. Die Krabbe lief eine Zeitlang, „aufs Geratewohl" herum, bis sie endlich nach vielen „Versuchen" den Eingang zum Wasser fand; das zweitemal erreichte sie den Weg zum Wasser mit sehr viel weniger Irrtümern", und schließlich lief sie direkt zum Wasser, ohne sich irgendwie zu verlaufen. Hier haben wir einen typischen Fall solcher Erfahrung vor uns, bei welcher der Effekt früherer motorischer Reize in Betracht kommt, und es ist für das Wesentliche ziemlich gleichgültig, ob die Krabbe durch ihr Gesicht oder durch irgendeine Art von uns unbekanntem räumlichen Gedächtnis, wie wir es für gewisse Insekten angenommen haben, geleitet wird. Erfahrung führte hier zum Auslassen einer Gruppe früherer Reaktionen zugunsten der früheren letzten, die sich allein als wirkungsvoll erwiesen hatte. Bei anderen Versuchen, die von S p a u l d i n g ausgeführt wurden, liegt alles etwas anders: ein Einsiedlerkrebs wurde mit Fischstücken gefüttert, welche unter einen dunklen Schirm gelegt wurden; nach einer Anzahl von Versuchen lief er auf den Schirm zu, auch wenn kein Fleisch da war. Aehnliche Versuche haben die Schüler des russischen Physiologen Pawlow mit Hunden ausgeführt. In allen diesen Fällen wird eine gewisse Reaktion, welche ursprüngliche durch den Reiz a hervorgerufen war, schließlich durch einen Reiz b, den „repräsentativen" Reiz» (Iennings), hervorgerufen, welcher a immer begleitet hatte. Während im Beispiel von der ihren Weg zum Wasser abkürzenden Krabbe eine sehr deutliche Art von „Probieren" vorlag, gibt es hier fein Probieren; beide Versuche sind gute Beispiele der beiden fundamentalen Typen unserer historischen Basis: beim ersten sind nicht nur frühere Reize, sondern auch frühere Effekte für die Spezifizität der Reaktion verantwortlich, beim zweiten frühere Reize allein. Aber das allgemeine Schema ist immer dasselbe. Der msdsrns Siem der Welfen. Von Dr. Siegfried Kurth. Die Alchimisten des Mittelalters hatten sich zum Ziel gesetzt, mit dem „Stein der Weisen" ober anderen wunderbaren Chemikalien unedle Stoffe in Gold zu verwandeln. Dieser Traum ist durch die Forschungen der modernen Chemie zur Wirklichkeit geworden, nicht etwa durch die tatsächliche Herstellung von Gold aus Quecksilber, die Prof. M i e t h e irrtümlich erreicht zu haben glaubte, sondern durch die Verwertung von früher achtlos weggeworfenen flüssigen und festen Abfallstoffen, durch die jetzt der Volkswirtschaft Werte von vielen Millionen Goldmark erhalten werden. Vor kurzen! ist nun in Berlin ein neues Projekt aufgetaucht, um die Berliner Abwässer — zur Zeit entfallen 162, in absehbarer Zeit wahrscheinlich sogar bis 230 Liter täglich auf den Kops der Bevölkerung — nutzbringend zu verwerten. Nach diesem Plan sollen stchs große Kläranlagen errichtet werden, deren Bau 67 Millionen Mark kosten und eine Zeit von 18 Jahren in Anspruch nehmen würde. Diese Anlagen werden, falls den Absichten des Projektes entsprochen wird, nach dem Faulverfahren arbeiten. Das schmutzige Wasser wird dabei zusammen mit dem Schlamm in besonderen Räumen bis zum Verschwinden der fäulnisfähigen organischen Substanz zersetzt Solche Anlagen wurden zuerst in England von Cameron und dann auch in Groß- Lichterfelde errichtet. In ihnen wird der Schlamm unter der Mitwirkung von Bakterien zersetzt. Aus den Eiweißstossen bildet sich Schwefelwasserstoff aus der Zellulose Methan ober Sumpfgas; von diesem brennbaren Gas entstehen jährlich mehrere Kubikmeter aus den Absallstoffen auch nur einer einzigen Person. Die Gase können für Leucht- und Brennzwecke nutzbar gemacht werden. Freilich muß man sich in diesen „Gasanstalten" noch mehr als in den mit Kohlenoxydul arbeitenden Fabriken vor offenen Lichtern hüten, da das Sumpfgas schon in einer Verdünnung von 3 bis 5 Prozent in der Luft explosionsgefährlich ist. Die Anlagen bestehen entweder aus einer Verfaul- und einer Ausfaulkammer oder aus zehn bis zwölf Meter tiefen Brunnen aus Eisenbeton. Durch diese Anlagen fließt das schmutzige Wasser, der Schlamm setzt sich ab, und das gereinigte Wasser rinnt weiter. Der ausgefaulte Schlamm wird bann auf großen Plätzen getrocknet unb kann wegen seines hohen Gehaltes an humusartigen Stoffen als Dünger der Landwirtschaft zugeführt werden. i Eine andere „Goldgrube" hat sich die moderne Wirtschaft erschlossen indem sie die ungeheuren Mengen von Müll unb Kehricht, bie alljährlich in den Großstädten abfallen nutzbringend verwertet. Im Jahre 1925 wurden aus Berlin 1286 600 Kubikmeter Müll fortgeschafft, im Durch, schnitt ein Liter für jeden Einwohner an jedem Tag. Mit Fuhrwerken befördert man den Schutt an die Abladeplätze. Man kann sich nur schwer vorstellen, wie große Mengen dabei fortgeschafft werden müssen. Der Müll Berlins füllt in einem Jahr 93 300 Eisenbahnwagen zu 10 Tonnen. Mit diesen Mengen könnte man den Wannsee in fünf bis sechs Jahren zuschütten. Ein geringer Teil des Mülls wurde dazu verwendet, bestimmte Gelände aufzuschütten, z. B. eine Rodelbahn auf dem Tempel- Hofer Feld zu schaffen, ein anderer Teil zum Urbarmachen ober Verbessern von Ländereien. So werben bamit ehemalige Ziegelteiche unb Sümpfe zugeschüttet; bamit gewinnt man fruchtbares Ackerland, das sich besonders für den Anbau von Kohl, Rüben und Obst eignet. Diese friedliche Eroberung neuen Landes wird jetzt an verschiedenen Teilen der Havel vorgenommen; die Transportentfernungen betragen bis zu fünfzig Kilometer. Man kann auch den Müll verbrennen unb auf diese Weise Dampf unb elektrischen Strom gewinnen; boch ist diese Methode nur in einigen Städten üblich. In Berlin eignet sich der Müll nicht gut zur Verbrennung, und eine entsprechende Anlage in Schöneberg war nur vorüber- gehend in Benutzung. Recht große Werke kann man dem Müll jedoch durch sorgfältiges Aussortieren alles Brauchbaren abgewinnen. Der Müll enthält etwa 76 Prozent Brennstoffe, 15 Prozent Papier und Pappe, 4 Prozent Metallabfälle, 3 Prozent Glas, der Rest besteht aus Gewebe, Knochen unb Leder. Die Brennstoffe lassen Schlacke zurück, bie, ebenso wie die aus Hochöfen unb Kesselfeuerung stammenbe, zu Schlackensteinen verarbeitet wird. In solchen Defen können in einem Arbeitsgang von einer halben Stunde 350 bis 400 Kilogramm Schlacke erzeugt werden, bie dann durch Bindemittel wie Kalk, Zement oder Gips zu gut brauchbaren Mauersteinen verkittet werden. Die übrigen Abfälle werden an Althändler verkauft. Altpapier unb Lumpen finb begehrtes Rohmaterial für Papierfabriken. Sie werden in besonderen Anstalten in dreißig Sorten ausgesucht, je nachdem, ob sie grob ober feinfäbig, gebleicht, ungebleicht, hell ober dunkel finb. Dann entstaubt man sie in Hadernbreschern, befreit sie durch Kochen in Aetzkalk ober Soda vom Schmutz unb verarbeitet sie zu Papier. Altmetalle unb Altglas werden eingeschmolzen; Konservenbüchsen und ausgestanzte Blechteile finb wegen des Sinngehaltes sehr wertvoll. Aus ihnen werden jährlich 10 000 Tonnen Zinn gewonnen, davon allein in Deutschland 2000 Tonnen. Früher geschah dies auf dem Wege der Elektrolyse in alkalischen Lösungen, jetzt stellt Man die Preßpakete in große eiferne Zylinder und leitet unter Heber- druck Chlorgas ein; dann löst sich das Zinn zu flüssigem Zinnchlorid, das sich am Boden des Gefäßes ansammelt. Die größte Abfallindustrie baut sich jedoch auf der Verwertung bet durch Sammeln in Restaurants ober Krankenhäusern und aus dem Müll gewonnenen Knochen auf; die Leimindustrie, die im Jahre 1925 284 Fabriken mit fast 7300 Arbeitern beschäftigt hat. Die Knochen werden in diesen Fabriken zerkleinert, in riesigen Behältern zur Gewinnung des Knochenfettes, das ein geschätzter Rohstoff der Seifenfabrikation ist, mit Lösungsmitteln extrahiert, und dann in großen Siebtrommeln gescheuert, wobei als Düngemittel wertvolle Putzmehle nebenbei abfallen. Der Schrot wird gebleicht, in Druckgefäßen mit Dampf und heißem Wasser ausgekocht, bie erhaltene Leimbrühe eingedickt; man läßt die Masse erstarren, zerschneidet die Blöcke und trocknet die Tafeln. Was vom Schrot übrigbleibt, ist auch als entleimtes Mehl ein phosphorsäurereiches Düngemittel. Schienbeinknochen finden in der Drechslerei Verwendung, ganze Tierleichen werden in den Abdeckereien verkocht. Aus 300 000 Tonnen Tierkadavern gewinnt man so in Deutschland 8 bis 15 Prozent Fett und 17 bis 24 Prozent Futtermehl. Der Lederleim wird aus einem anderen Abfallprodukt, nämlich dem inneren, fleischigen, in den Lederfabriken abgekratzten Anteil der Tierhäute hergestellt, indem dieses Leimleder erst wochenlang in Aetzkalk gebadet unb nach dem Waschen wie die Knochen auf Leim unb feinste Gelatine verkocht wird. Für Gelatine verwendet man auch gerne indischen Schrot, der durch das Einsammeln der in Indien von der Sonne gebleichten Tierknochen gewonnen wird. Neben dieser Verwendung von Müll und von Kehricht, der ein gutes Düngemittel ist, unb von dem in Berlin jährlich eine Menge von 350 000 Kubikmeter fortgettnfft werden muh, hat die moderne Chemie noch viele andere Abfallftoffe in Gold verwandelt. Abfälle bei der Korkenfabrikation verarbeitet man auf Linoleum, Lederabfälle auf Kunstleder, und der einst so verachtete, schwarze, stinkende Teer ist jetzt zu einem Grundpfeiler der chemischen Industrie geworden. In Deutschland verarbeiteten im Jahre 1927 140 Teerdestillationen 123 000 Waggons Teer im Wert von 81 Millionen Mark auf Zwischenprodukte. Sali, einst ein mißachtetes „Abraumsalz", ist ein so wichtiges Gut geworden, daß davon im Jahre 1925 eine halbe Million Waggons im Werte von 180 Millionen Mark erzeugt wurden. Durch den ständig wachsenden Autoverkehr ist ein neuer Abfallstoff in den gebrauchten Pneumatiks entstanden. Diese werden gesammelt, dann zerkleinert und mit Säuren ober Oelen unter starkem Druck lange gekocht. Auf diese Weise erhält man einen regenerierten Kautschuk, der mit Rohkautschuk vermischt, verarbeitet werden kann und reinen Kautschuk vor dem raschen Brüch gwerden schützt. In der ganzen Welt werden so jährlich 20 000 dis 25 000 Waggons gewonnen, davon in Europa ungefähr 1200 bis 1500. Schließlich darf man nicht vergessen, daß in Joachimsthal aus den großen Halden, die sich bei der Verarbeitung der Pechblende auf Uran angesammelt hatten, nach der Entdeckung des Ehepaares Curie das Radium gewonnen wurde, das durch feine Heilkraft seitdem tausenden von Kranken Linderung und Genesung gebracht hat. Freilich ist es nur in winzigen Spuren vorhanden, und man brauchte zwei Jahre, um aus 30 Tonnen der Rückstände drei Gramm Radiumchlorid zu erzeugen. Verantwortlich: Dr. Hans Thyrivt. — Druck und Verlag: Brühl'fche UniverfitätS^Buch» und Steindruckerei, R. Lange, Giehen.