Kummer 88 der dunkle mehr! — Aber am folgenden Morgen ersAnen mit anaemeks Sammetwedel. Gleich etwa dreißig Schuljungen hintereinander in^ieimm s $aJ*fcn natürlich, mirherr.S^|lu,p^nbtlt verlangten. Am Nachm>tta»^nnn^"' Schneewiederholte und verdoppelte sich das SÄ £nb °m zweiten Tage ^nn schnitc anfänglich saure Gesichter dann ^^tmutige Kau> M-eßl'ch war er nahe am Weinen geriet in " grimmig, und ber Ladentü?aber' stanken ^wir^alll stlkg warte?ch"'^b 79" f6^" Vor »ehn WX'” «"VÄ'X® Laterna magica. Von Hans Thyriot. Kinderzeit .., Kinderzeit! Zauberhafter, ganz verschollner Klang m das langst entwöhnte Ohr mir drang wie von ungefähr und anderweit: ° Latern3 magi^ ... Laterna magica! Knabengluck in dunklen Winterstunden - Od)' ber 9°»3e Erdkreis ward entbunden, Tiere, Krieger, Völker, China, Afrika! ^ «chte Rund an schwarzer Wand waren Swux und Piratenschiffe, Schattenspiele, Feuerräder, Gaüklerkniffe, Zirkus, Jagd und Maskenzug gebannt. '' ^benteuer fn den fremden Ländern, Pyramide, Sphinx und Palmenbäume und das ganze Bilderbuch der Träume auf den Glasern mit den roten Rändern Wie von ungefähr und anderweit in bas längst entwöhnte Ohr mir drang dieser grenzenlos verschollne Klange Zauberlampchen aus der Kinderzeit. MIsIZL E~~ ist MMK-SAMAM 6 ^»wLn^ir weite7WE im Laden, in dem lchon^da/Licbt"'/ stündlichem Gruße h-nter Karamellengläsern ^uckerbm"^' Mißtrauisch borgene Sammetwedel Obne q».» ? / ^ ?lnb Kaffe von der Ruchloüot»u 'ohnte er, da er G'etzenerKimiijenbMer Wger S==£5S^=^—---— Samstag, 5Ius der Knadenzeit. Von Hermann Hess e. LMMM ft semen tzornamen San.uel in den fatal-n°L°bm«r wir waren es, die e». Und zu unfern stündigen Freuden und verwandelt hat- norgens an der Giocke feines noch un9ei* gehörte es, früh- Kiuten uiib bunn um bic (Ftf? nnL-_f f^of|cncn ßnbens (Sturm Suw-ilen kleine SpMtbrlefe In Ber e?L^?cku ^rieben "M auch angebliche Bestellungen auf unaebeuer ich ckten chm mit der Post der Straße wurde er von iL offnn“»^910^ Warenlieferungen zu. Auf wie ein Fürst gegrüßt, was er immer Ehrerbietung ??hn> und geschmeichelt erwidert» ,lnh „ er *1,? wieder einmal ernst seine Ladentreppe. ‘ ' 8an3e übende lang belagerten wir dem Marktplatz"'^"stchggerade"m^ mit. br,ei Kameraden untätig auf hatten den Polize^die, e? gehänselt' wir g^'9 3“ werden.^ Wir -autcn geholfen/ unbJebe®battefi£ mit h»n. r2* beim Vbend- Siutf Glockenseil abqeschnitten" hm ui ! bcn.’ Sackmesser eine hübsches d° en Leiden uns unS^w;uS,!1“r,riAC,n nervösen Apotheker, 8ob auf die schlimmen Z’-'3 hatten wir davon, denn es Äachelbeersträmb»- ^oste hm Obst in der Gegend Die *». A Ä!„,Ä.."lr Ito Mil uns di« wnrer Karamellengläsern ITÄT Mißtrauisch emvftng^mich der borgene Sammetwedel. Ohne ,"nd Kaffeebüchsen halb ver^ s-a-fx® Äts 'ÄÄ haben. Bub'?" fragte entspringen können d-e "ich gern gehabt"hätte^Mit"z'ehn ^od®"^ ba eine Menge von Sachen b'ßchen Schnupftabak , , Sonst nichts; höchstens etwa noch ein probieren. Ich hatte Zett und der !rf) konnte es ja /inmat 3gES;?vgS2"2 -:: ” äSvää s::9tv; 24 stellte mich entrüstet wiederkommen", sagte SamueL wÄ’Ä X'uÄ-“"“ e(UQfLm d) oMtvöhnisch an. 16 =Od‘" 6°-' 6.«N« du ihn A'Est stir meinen Onkel", sagte ich unschuldig. Preis und Güte"jeder^ Smte"^schwankte^end/ck^^ kMte eingehend nach mich aber nicht entschließen mb nahm $iJroid)en 3weien, konnte bteren. Ich mußte sofort schrecklich Le^Vch eine Prise zum Pro- da- vor der Tür auf der Gasse drauÄn 'r»-^ 1" "ehementes Lachen, 3d) M!°b' -"ich für diesmal zurückzuziehen mich besorgt. E ä te- UZ»»--- n-chm-,« 6„. berger sein." J 9IÖL Ls sollte doch eigentlich @^^nee' Spießgesellen^Bericht^^l', "gab^ihnen auch Xe ' - &°ttete Einen fper dritte ljatte mir gehört. Auf bem tneimmeafUi •ppen wieder. 6erieten uns eifirg. An wa/ oie< »nd dann könne. Der Mann warf nur einen t nicht vergessen. Doch sagte er fein schuldig war. Ganz wohl war mir nicht bei diesem Unteniehmen und 9i° l*n U »Ä auf dem Kopf, dicht an den. Tribunen vorbei Lissa busterte^ „Sieh, Dächer und Wolken kugelte, schoß jäh zu Haupte, da er Lissa.beruhte, n, Äurft-wr »t s lvät in Heinrichs Wohnung beim Weine saßen, des Ringens umem Lr' mÄna'Lr, w7der sich selbst. Jorg et ä\;;ÄS’^.W'= ’ä" ä» gezerrt hätte. Er fiel innerlich, trostlos zusammen. Da tras sein AU- auf Jörgs Antlitz, das ihn verzweiflungsvoll anftarrte — er leg e^se^ fchmale Hand auf die braune Pranke und fragte leise. „Wa s mein 8unge? fe $ ber Morgensonne durchs Fenster, zitterte auf den Sektschalen, leuchtete in feuchten Augen. Leise 3°chriirf) un6 Tusch Lissa". Und Heinrich sagte, ein wenig blaß, aber ehrlw) taofer: . Diese Sonne soll euch nie untergehen . Da rollte sie rot und wachsend über die Dächer heraus . -. Spieler HwUcken wimmel und Erds. Aus der Geschichte der Akrobatik. Von Bodo M. Bogel. (Nachdruck verboten.) Der Aussehen erregende Absturz des Himmelradlers L o u l s^der vor kurzem im Zirms Busch in Berlin ereignete, ruf . für Interesse für einen Berus wach, dessen Mitglieder taglid). Abend in den Zirkusmanegen, «uf den Rummelplätzen und J^h zur Belustigui q d-s Bublikums ihr Leben aufs Spiel ' 9 gen 3 Der Berus des Akrobaten, der durch seine waghalsigen Bors Tausende von Zuschauern in Atem beraubender Spannung ha be[on= ebensoviel Mut wie Ausdauer. Immer befindet sich der Arn ders der Lustakrobat in Gefahr, und ein geringes> ®erfeM m der Entfernung ober der Zeit, eine nur den Bruch ~ könne» dauernde Zerstreutheit, oder auch ein unvorhergesehener ZM ihm das Leben kosten. Aber nicht nur wahrend ber Borfubr B sich der Künstler der Lust in Gefahr, auch wahr nd de- Trainings; schon während der lang,ahrigen Lehrzeit itz Tod umgeben. „Tusch, Tusch, Lissa!" Von Per Schwenzen. Von den staubersprlichen der Kinderspiele, die orakelhaft bestimmen konnten wer es war" das heißt, wer, aus hundert Winkeln belauert, anaitDoflen Wachmann beim Anschlagspicl abgab, aus den ^dza.,lve-,en, stieß und verlachte, von der ganzen wunderbchm i,wbbala der Ktnoye i — war ihm eine Zauberformel die wichtigste geraden. „Tusch. TU (y Weder Gemeindevorsteher noch Gendarmen des Bremer fBtodla e wuKn daß d77ftöhliche WörZin, das aus Kinderspielen aber Hecken und Bäune sprang, iranzöfischen Ursprungs war, sonst hatte man 2 ficker verboten, nur die alte, wunderliche Brille, 6 er Lehrer, pattem feiner ethnmologischen Sonntagsarbeit das Wort richtig seziert. „Tusch bebeutet t™e, 00m französischen toucher, berrühren" Es war ein Annexionsraort aus der Franzosenzeit. Und wenn man eini Blocklander kleiner Junge war, fick auf die Zehenspitzen stellte dw fckeck^ Kuh Berta an das Maul faßte und dabei laut schrie. „Tusch, Tusch,,»erin , fo bedeutete das, daß man Berta für diesen Tag annektierte, und daß L. »e;n c;n roQ3 Qn malen" könne, von jetzt bis zur großen Satte Milch beim Abendbrot. Mit allem konnte man „Tusch, Tusch Spielzeug vor allem. „Tusch, Tusch, Schaukelpserd , -,'^usch. Tusch, Sabel , hrjiihc man beim Erwachen. Tuschen vor sechs Uhr früh piprte zu Dieremzen mit bet elterlichen Instanz. Selbst Dinge h'^er fremden Zäunen?Hein Tiedjens Fuchs mit der Meß, d-r Rosenstrauch ün Gar en des Pfarrers, alles konnte einem gehören, wenn man die Worte riet, und dann konnte man sich den ganzen Tag freuen, denn Besitz s Befitz und die anderen ärgerten sich doch ein luenig, weil fie zu spat ge- tommen waren. Niemanden fiel es ein, getuschte Werte sich vor Sonnen- upteraana anzueignen; denn das hätte feinen Spaß gemacht, und mit zärier Logik Mchten die Kinder sich davor, das Gespinst der Jlluston nSÄSÄÄ*., >° i-l.™ U- B-rM auf seinen Knien keine Haut; er war ber Champion der Altersklassen von acht bis zehn Jahren, Verbündeter mit Tiediens und Feind mit Heinrich Blume, der fein richtiger Häuptling war und nicht auf den Havben^gchen fonnte^se^, jeine Meriten auf anderen Gerieten hatte. Er wat ein glänzender Schüler, was Jorg nicht imponierte, und er baute sich ganz allein ein richtiges Segelboot, ivom t man aus der Wümme fahren konnte (was Jörg sehr imponierte). Sehr bald sand unter diesem Eindruck eine Annäherung statt. Jorg, der Laie, gatte rasch die Geheimnisse des Segelns begriffen, Heinrich, der Konstrukteur, rang mühsam mit seinem Werk. Obwohl erfinderische Mechaniker immer damit beschäftigt sind, die be° nuhten Apparate und Requisiten zu vervollkommnen, läßt sich trotz aller Vorsicht ein gelegentlicher Konstruktionsfehler nicht vermeiden, der dann nicift schlimm« Folgen noch sich zieht. So war es auch in den, Falle des bimmelradlers Louis, dessen Absturz sich nur dadurch erklärt, daß der ckektro-magnetische Strom, der sein Rad an der Zirkuskuppel sefthielt, »lötzlich versagte. Ein ähnlicher Fall wie im Zirkus Busch stieß vor -insaen Wochen in einem Chikagoer Varietä einem erprobten Artisten der sich auf einer frei in der Luft schwebenden Leiter befand, mit der schon einmal abgestürzt war. Das erstemal ereignete sich der Unfall, weil plötzlich während der Vorführung der elektrische Strom versagte. Das ganze Theater lag in völliger Dunkelheit da. Er verlor das Gleich- gewicht, und stürzte mit dein Gesicht aut den Boden, ohne sich allerdings schwer zu verletzen. Das zweitemal sollte er seinem Schicksal nicht entgehen. Er streifte nur mit der Leiter an eine Kulisse, stürzte ab und blieb liegen, um niemals wieder auszustehen. Die sogenannten Todessprünge der Akrobaten aus der Kuppel eines Arkusses erfordern außergewöhnliche Tollkühnheit, genaue Kenntnisse der Fallgesetze und eingehendes Studium der anatomischen Beschaffenheit des Körpers, und trotzdem läßt es sich fast nie vermeiden, daß doch einmal der Versuch mißglückt und der „König der Lust" mit gebrochenem Genick leine Laufbahn in der Manege beendet. Der letzte Luftakrobat, dessen Leben auf diese Weise seinen Abschluß fand, roar Mac Henderson, , ber berühmte „Todesspieler" in San Franzisko. Seinen Todsssprung berechnete er folgendermäßsn: Der erste Stoß erfolgt auf die Füße, dann aus die Unterarme, wobei aber die Gewalt des Anpralls sofort dadurch au gehoben wurde, daß Henderson nach hinten zurückschnellte und mit einem Salto Mortale das Kunststück abschloß. Henderson pflegte eine schwankende Leiter auf einen noch schwankenderen Tisch zu stellen, kletterte die Sprossen bis oben hinauf, vollsührte hier die halsbrecherischste Akrobatik und ließ sich dann plötzlich in die Tiefe fallen. Immer war ihm dieses Kunststück geglückt, nur damals, als der Tisch an der falschen Stelle stand, verlor der berühmte Todesspieler seine Partie. Er schlug mit dem Kopse aus ein« harte Stelle des Bodens auf, und wurde als Leiche aus der Manege getragen. ' Eine der gefährlichsten Aufgaben, vom akrobati,chsn Standpunkt aus gesehen, besteht darin, in der Luft einen doppelten Salto Mortale ous- ! zuführen und trotzdem mit den Füßen auf dem Boden zu landen. Zu den wenigen berühmten Seiltänzern, die dieses Meisterstück ferriggebracht haben, gehören Collcano und Bellino. Colleano ist sogar imstande, den Salto Mortale nach vorwärts auf dem Seil auszuführen, und er treibt bisweilen feine Tollkühnheit so weit, daß er mit Absicht das Kunststück erst einige Male sehlschlagen läßt, um die Spannung der Zuschauer zu erhöhen, bis er es dann endlich mit vollendeter Eleganz aus- ühri. E° arbeiten übrigens fast alle Akrobaten mit dem Trick, ihre Nummer erst mißglücken zu lassen, nur die Trapezkünstler können sich dieser List nicht bedienen; denn für sie würde es den sicheren Tod bedeuten. , , . Auch schon ivährend der Ausbildungszeit lauert der -lob in jeder Sekunde auf den zukünftigen Akrobaten, um sich seiner zu bemächtigen. Allerdings ist bei ihm das Gefahrenmoment wefsntlich eingeschränkt. Man pflegt die jungen Artisten vorsichtshalber mit einem Strick, der über dem Eül befestigt ist, an ihrem Gürtel festzubinden, so daß sie im Falle eines Absturzes keine besondere Gefahr laufen. Nachdem sie genügend Hebung erreicht und ihr Kunststück ost genug wiederholt haben, läßt man endlich das Hilfsmittel fort, bis der Lehrer den jungen Nachwuchs schließlich für genügend geschickt hält, vor dem Publikum aufzutreten. Ein besonderes Glück hat während ihrer langjährigen Laufbahn die bekannte Akrobatin Irma Ward gehabt, die ihre verwegenen Todes- sprünge mit verbundenen Augen und einem über den Kopf gezogenen Sack vollführt. Schon mehr als neunhundertmal hat sie auf dies« Weise dem Tode getrotzt, ohne ihm zum Opfer zu fallen. Irma Ward bringt «5 auch fertig, von einem Trapez auf ein anderes, das such etwa ftms- zehn Meter entfernt befindet, zu fpringsn, und sie ist die einzige Frau, die einen dreifachen Salto Mortoie vorzuführen vermag. Für die im Freien aus Messen und Rummelplätzen arbeitenden Akrobaten stellt das vom Regen glatt gewordene Seil und fetidjt« Hande eine besonders große Gefahr dar, der schon viele von ihnen zum Opfer ^‘aie" Befestigung des Seiles und der Trapeze erfolgt natürlich immer mit größter Sorgfalt, und stets wird es von dem Akrobaten selbst ju Beginn der Borstellung noch einmal überprüft. Die Bearbeitung der Requisiten erfordert große Zuverlässigkeit; denn ein einziger Konstruktionsfehler, die Ungenauigkeit von wenigen Zentimeter in der Ausmessung kann unter Umständen den Artisten das Leben kosten. Nur aus- pewähltes Material wird für die Herstellung der Apparate und Zubehörteile verwendet. Als zum Beispiel Cliss dürren wahrend des letzten Gommers in der Mailänder „Skala" gastierte, vollführt« er unter anderem auch an einer langen Stahlstange, die mehr als 900 Kiko wog, halsbrecherische Akrobatenkunststücke. Er kletterte an ihr bis zu einer Höhe von sünszehn Meter empor, während die Stange einem riesigen Pendel ähnlich, regelmäßig, aber ohne umzusallen, hin und her schwankte. Den Stahl, aus dem diese elastische und doch außerordentlich widerstandsfähige Stange bestand, hatte Curran eigens von einem bekannten deutschen Gelehrten für seine Zwecke zufammensetzen lassen. Das B«r,ähren ist ein Geheimnis des Akrobaten, von dem niemand etwas erfahren hat, da der betreffende Gelehrte inzwischen verstorben ist. In Arnstenkreljen erzählt man davon, daß der Chemiker etwa zwanzigmal erfolglos den Versuch gemacht habe, eine entsprechend widerstandsfähige Stahlstange zu konstruieren, bis endlich beim einundzwanzigsten Maie das Experiment geglückt fei. ,, Außerordentliche Geistesgegenwart und großes Verantwortlichkeits- 8°sühl erfordert auch die Arbeit der Akrobaten in Gruppen, da das geringste Versagen eines einzelnen die übrigen mitwirkenden Artisten in die schwerste Gefahr bringen kann. Die Geschichte der Akrodatil kennt zahlreich« Fülle, in denen ein Artist die Unzuverlässigkeit seines Partners Mit dein Leden hat bezahlen müssen. In der letzten Zeit haben sich gerade in Amerika die Fälle gehäuft, daß Luftakrobaten, um die Ausmerkfamkeit des Publikums aus sich zu lenken, ihre verwegenen Streiche in aller Oesfentlichkeit aus dem Dache eines Gebäudes, möglichst eines Wolkenkratzers, ausgefübrt haben. Der Artist S i q in Reuyork, der früher den Beruf eines Kirchendieners ausübte, hat sich seinerzeit dadurch einen Namen gemacht, daß er die tollkühnsten Akrobaienkunststücke auf dem Turm seiner Kirche und auch auf anderen Gebäuden ausfübrte, mit dem Erfolg, daß er ein hohes Strafmandat wegen groben Unfugs, aber gleichzeitig auch ein Engagement mit noch höherer Gage bei einem erstklassigen Varietö sand. Einer von den amerikanischen Luftakrobaten, deren Leben bei ihren Vorführungen in schwerer Gefahr schwebt, ist Al Johnson, der sogenannte „Teufel der Luft", der der erste gewesen ist, der seinerzeit mit einem Fahrrad über ein hundert Meter über dem Erdboden befindliches ©eil gefahren ist. Heute hat er sich seine Arbeit noch erschwert, indem er das Fahrrad mit einem Flugzeug msarnmengekoppelt hat. Während der Aeroplan ihn mit seinem Fahrrad schließlich von dem Seil sortreißt, löst Johnson die Verbindung, und läßt sich in die gähnende Tiefe fallen. Alsbald aber öffnet sich ein Fallschirm, und er landet immer wohlbehalten, ohne daß ihm bisher das geringste Leid geschehen wäre. Es ist natürlich verständlich, daß Menschen, die ihr Leben auf derart gefahrvolle Weise aufs Spiel setzen müssen, auch entsprechend bezahlt werden. Amerika geht auch in dieser Hinsicht allen anderen Ländern führend voran, und es ist nichts Außergewöhnliches, daß ein Akrobat für ein neuartiges, noch nie gesehenes Kunststück eine Gage von mehreren tausend Dollar je Abend erhält. Alle diese Artisten sind selbstverständlich auch mit äußerst hohen Prämien versichert, da sie ständig damit rechnen, daß ihre Laufbahn eines Tages durch plötzlichen Tod ihr Ende findet. Sie alle sind darauf gefaßt, daß ihnen einmal das Glück den Rücken kehrt. Heute noch leben sic und verfctzen durch ihre Leistungen Tausende von Zuschauern in Wem raubendes Staunen. Morgen aber erwartet sie vielleicht schon der Tod, der Artistentod im Sande der Manege, wie ihn schon fo viele von ihnen gestorben sind ... Die Silberinsel. Von Ewald Gerhard ©ecHget. (Nachdruck verboten.) (Fortsetzung.) ,Daß ich ein Starr wäre. Solches Volk Hebt dann wieKletten an einem. Was ich von ihm tveitz, genügt mir vollkommen; daß et eine glatte Larve hat und gerade gewachsen ist, mag fein, daß es so ist, aber sein Verdienst ist das nicht. Wenn er aber ein Kerl wäre, an der Spritze, ein Kerl, herben Kops am rechten Fleck hat und die Hände gebrauchen kann, bann säße et nicht mehr auf dem Schreibebock und schmierte Papierbogen voll, um andre Leute damit zu ärgern." „Aber er will ja fort." Er will, sieh da, als wenn’s danut getan wäre. Er will, o, rch weiß schon, mit Krausemüller seinem Geld will er ein andres Leben anfangen. Und dieses Leben wird nichts andres sein, als Krausemüller sein Geld zum Fenster hinauszuwerfen. Kennen wir, solche Brüder!" „Das wird er nie 1“ . , Schön von dir, daß du von andern Leuten besser denkst, als dem Vater. Wieviel Gebalt bezieht er? Null. Sein Kredit? Rull, null, null! Das genügt mir. Sonst wissen die Leute nichts von ihm. Bestätigt nur meine Meinung. Ein ehrlicher Mensch mag er meinethalben fein, aber ein Lump ist er doch.' „Vater, nimm das Wort zurück, oder —" „WaS denn oder?" „Oder ich muß dich verachten!" t r Da lachte der Müller hellauf, wischte sich den Bart und erhob sich: Verachten, du Küken! Nun verachte du ruhig deinen Vater, wenn es dir Spaß macht, mir macht das Ding ebensolchen Spaß, und wir haben uns ja feit vorgestern noch keinen rechten Spaß gemacht." Er trat mit langen Schritten durchs Zimmer, blieb endlich hmter ihrem Stuhl stehen und beugte sich zu ihr herab. „Na, du Schmollkater, wie steht'S mit dem Schmatz?" „Nicht eher, als bis du das Wort zurückgeiiommen hast. „Ist zurückgenommen." , , ,, . , Vater," ein großes Glück begann leise in ihren Augen zu leuchten, ,„du bist doch mein guter, lieber Vater." Dann schlang sie ihren Arm um leinen Racken und küßte ihn innig auf beide Mangen und auf den Mund. „Und du lvirst ihn nicht zurückweisen, wenn er kommt?" „Hallo", ries er, und machte sich frei, „also daher pfeift der Wind. Da verkennst du doch deinen Vater. Der läßt sich nichts abmarkten und ab- schmeicheln. Fang mir erst nicht an zu heulen. Dann geh' ich aus der Tür. Du bist noch jung, lern du erst andre Männer kennen, Männer, die rn der Welt was wert sind, die hier inwendig was haben." „Aber ich lieb' ihn und keinen andern." „Liebe ist dos Blech, in das man mit zwanzig Jahren bläst. Liebe macht blind, und beim Heiraten muß man die Augen offen halten.' Aber er kommt heute, er will mit dir fprechenl" „Sei still, er wird nicht kommen, ich habe ihm einen Brief ge- torieben, den er sich nicht Hintern Spiegel steckt. Den bist du los! Und wenn er mit seinem Fernrohr von dort Drüben noch weiter hier herum- fpioniert, miete ich ihn einfach beim Hauswirt aus.' „Was haft du ihm denn geschrieben?" „Ich weiß nicht mehr genau, aber jedenfalls was Nachdrückliches. Da schrillte die Glocke eines leeren Mahlganges herüber, und der Müller griff zur Mütze. Daß du mir gleich zu Bett gehst und nicht erst durch den Garten streichst. Das hört jetzt auf. Gute Nacht!" Damit ging er hinaus. Hilde aber ging doch in den Garten. Dann auch wollte sie sich durch diesen Ungehorsam bezeugen, daß sie sich der väterlichen Zuchi ent- wachfen fühle. Und endlich war heute ein Montag, und sie wußte, daß )ah den schweren Sinn der Worte er- ft); dann !ie^ res nach der Dann aber wurde er wild. immer lärmende Hund brachte Verantwortlich: Dr. HanS Lyyriol. - Druck und Verlag: Brühl'sche Universiiäls-Vuch. und Sletndruckerei, 2i. Lange, Gießen. noch vom Halsband. Mit einem Bellaut, Hund nach außen. Der Müller an diesem Tage ihr.Herzensliebster unter dem Lindenbufch hinternr Garten aus sie warten würde. Er raste die Treppe hinab Der den Müller aus die richtige Fährte. Er nahm dem Hunde'die Kette der fast einem Jauchzer glich, stürzte der , tonnte ihm nicht sa schnell folgen. Aber das stetig wachsende Gebell wies ihm den Weg. Nun hatte der Hund den Frechling gestellt! Das Bellen wuchs zum Geheul, doch plötzlich schlug es in Winseln um. Der Müller eilte, dem Hunde beizuspringen. Als er aber den Lindenbusch erkannte, von dem das Winseln und Wimmern herkam, schwante ihn. Schlimmes, und als er die Zweige ausetnanderbog. sah er noch Schlimmeres. Balthasar und Hilde saßen Hand in Hand auf der Bank, und Leo schmiegte sich zu Hildes Füßen am Boden und stieß, als er seines Herrn ansichtig wurde, ein wahres Triumphgeheul aus. Als doch fit zuiamir sijche, d trotz die [rieben, dessen * meuter unb W überseh! wenn je [egten, regen? unb En Jmn trotz de jene Ku mehr al Wiste n Ceydlitz wenn e sprengte vermach Nicht bei diese Kl gebenen Bei ' - General etwas a nussprar Müßigte Gotbatei orbentiic Exerzier nuch nu der Sch Jett des seele! . In I leLn eigt Mei aiinb zr d-4 sie wies ui, weiter Ü An Fen D Wutaui daß er h Wah "den gefi Aus demselben Grunde hatte sich auch Balthasar Bubke entschlossen, den doppelten Brief eigenhändig nach der roten Mühle zu tragen. Unbehell gt mar er bis ans Tor des Mühlenhofes gelangt, der stets von schweren Mehl- und Getreidewagen erfüllt war. Der erste, der ihn begrüßte, war der große Kettenköter, der mit heißwütendem Gebell aus der gemauerten Hütte am Torpfeiler schoß. Da trat ein Müller- bursche aus der Tür und fragte nach Balthasars Begehr Dem übergab er den Brief mit der Weisung, ihn seinem Herrn abzuliefern. Dann schritt Balthasar zum Hoftor hinaus, während die struppige Bestie ihm den Abschied nachheuite und blindwütend in die Kette biß, und schwenkte nach der andern Seite ab, umging den großen Garten, der sich sanft nach dem Unterwasser hinabsenkte, und bald darauf gab es unter dem Lindenbusch am Ufer einen Kuß, in dem das ganze Weh und Leid zweier Menschenkinder versank. Doch das Verhängnis nahte. Der Müller las Balthasar Bubkes Antwort beim Lichte einer Oel- laterne Es dauerte lange, ehe er ' " gründet hatte. A'elmehr war nach dem schlage seine Sicherheit bedeutend qewackl-,. Ja er ging sogar !° weit Zwischen dem Ritterschlag im Mittelalter Ä diesem Schlage eine Parallele zu ziehen. Sodann hatte ihm der Anoni des Vaters die Tochter geradezu in die Arme geworfen, und er bürd' kostete in der Erinnerung noch einmal das eben genossene Glück Leise und schläfrig klatschten die Wellen an die losen Uferftein- Ueber dem Strom schwamm des Sichelmondes fahles Licht und riirfu öie Bilder näher. Sinnend suchte Balthasars Auge und schweifte üh, dw Stadt, über die Brücke, über den die rauschende Mühle unb bas stumme Wehr, bis es endlich an der dunklen, ragenden Eiche der Silb-r insel haften blieb. Und bald, bald mußte er mit Hilde reden. Aber der Later würd» sie wie einen Schatz bewachen, er würde ihr verbieten, das Haus zu uet- lagen. Nur wenn er schlief, konnten sie ungestört zusammenkommen Den Lindenbusch konnte sie von ihrem Fenster nichi erreichen: bem, das Stübchen lag nach dem Strome zu, und ein steiler Mauerabstur, verweyrte den Eingang zum tiefer gelegenen Garten. Balthasars Blick hing an dem Fenster, hinter dem jetzt ein schwaches Flümmchen flackerte mit Inbrunst. Er hielt den Atem an, bis das Licht erlös' ‘ er. sein Auge langsam über den dunklen Strich des Weh^-, ,luu, uer S'lbennsel gleiten. Ebenso langsam verfolgte er vom jenseitigen Us-r den schwarzen Strich bis wieder zur Insel. Und nun wußte er, toa er wollte. Hastig, riß er ein Blatt aus seinem Notizbuch unb schrieb beim blackerlicht eines Streichholzes die Worte: „Morgen abend bin ich auf der Silberinsel. 1 Das Papier versteckte er unter dem Stein, der ihnen bisher ben Dienst des Briechewahrers gut und treu geleistet hatte. Dann ging Balthasar Bubke nach Hause und legte sich, nachbem er noch einmal von seinem Fenster nach der Silberinsel ausgeschaui hatte, zu Bett. Aber er schlief ebenso schlecht, wie Hilde Krause am jen- fettigen Ufer. 1 Ehe noch die Sonne aufging, war er wieder auf den Beinen, griff nach dem Fernrohr und richtete es auf das Wehr. Der Zugang zur Insel war von beiden Seiten frei. Der jenseitige Flügel des Wehrs w"e vollftändigtrocken, der diesseitige zeigte nur ein paar ganz schwache Wasserlaufe. Bis zum Abend würden auch diese Rinnsale aufgehört haben, zu fließen. 8 ’ Wird sie kommen? Diese Frage stellte sich Balthasar im Laufe Des Tages wohl taufenbinat Seine Arbeit erledigte er wie eine gedankenlose Maschine. Wenn sie aber kommt, bann ist alles gut. Würde sie das Papier finden? Daran zweifelte er nicht. Würde sie den Mut haben, den Weg zu machen? Denn ganz ohne Gefahr war er nicht, zumal des Abends. Aber sie war ja am Wasser ausgewachsen und schon als Kind, um den Weg zur Schule abzukürzen, über das Wehr gelaufen. Roch bevor die Sonne hinunter war, machte er sich auf den Weg Zur S.lberinfeL An einer einsamen Stelle kletterte er zum Wasserspiegel hinab, lief dann im Schutz der hohen Ufermauern zum Anfang des Wehres und betrat furchtlos dessen breiten, schrägen Rücken. lieber Faschinenbündel, die kräftige Pfähle festhielten, unb große »altsteine führte ihn der Weg. Balb war er bei der ersten Wasserrinne. Sie hatte ein starkes Gefälle und führte mehr Wasser mit, als er gemeint hatte. Trotzdem schritt er ohne Aufenthalt weiter. Auf der Länge von mehreren hundert Metern zeigte das Wehr noch drei weitere Rinnsale, von denen das eine wie ein kleiner Gebrigsdach braufte unb schäumte. Balthasar Bubke fühlte seine Kräfte wachsen. Er durchwatete die Wasserfälle und langte glücklich auf der Insel an. Sie war kaum größer, als der Umfang der Eichonkrvne, die wie ein grüner Ball über ihr schwebte. Während sie mit breitem, fesige- fugtem Steingürtel dem Oberwasser Trotz bot, lief sie nach dem Unter- mnner in eine lange Sandbank aus, die jedoch nur bei ganz tiefem Wasserstande zu sehen war. Balthasar Bubke stieg auf den untersten Ast der Eiche, lehnte sich mit dem Rücken gegen den gewaltigen Stamm und behielt die rote Mühle [chars im Auge. Roch brannte im Wohnzimmer Licht. Balthasar schloß die Augen und begann zu träumen. Bon seiner Jugendzeit träumte er wieder seit langem. Und seine Gedanken fuhren den Strom zu Berg, bis sie nach dem Dorfe seiner Heimat kamen Deutlich zum Greifen sah er die Häuser am hohen Ufer liegen Unb jedes Satyr kam mindestens eine Ueberschwemmung, bann lief das Wasser M'tten durch die Dorfstrahe. Noch sah er klar und scharf das treue, gütige Gesicht seines Baiers vor sich, den schon lange das Wasser mit tymabgeriffen hatte. Noch fühlte er heute den Stolz, der ihn erfüllte, als er zum ersten Male quer über den Strom geschwommen war. Zehn Jahre hatte er damals kaum gezählt. Da kam die Zeit, da Gram unb Kummer seine Mutter in den schwarzen Sarg legten. Fremde Leute kamen und Balthasar wurde vom Strome und von seiner Heimat fortgeführt und mußte manchen unverdienten Stoß unb Schlag erleiden, da er das Brot der Fremde aß. Aber der Strom hatte ihn wieder herabgezogen. Und nun faß er hier in feiner Einsamkeit und atmete den feuchten, starken Duft. Wenn Hilde kam, bann war Hoffnung, daß er immer hier bleiben konnte. Die unterste Fensterreihe der roten Mühle, hinter der bie Wohnuna lag, zeigte kein L cht mehr. Balthasar sprang vom Aste herunter und schlich zum jenseitigen Jnselufer, um das Wehr besser überschauen zu können. Niemand kam. Rasch entschlossen glitt er über die Steinböschung unb rückte auf dem Wehre langsam unb lautlos gegen die Mühle vor. (Fortsetzung folgt.) , Das aber reizte beit Müller bis zur Besinnungslosigkeit. Er brüllte Balthasar Bubke im höchsten Zorne an. „Sie Halunke, Sie, was habe ich Ihnen denn geschrieben?" Balthasar Bubke erhob sich höflich und sagte: „Guten Abenb, Herr Krause' So wird mir also doch noch die Freude Ihrer persönlichen Be- iänntschaft" Im Müller kochte es, er hob bie Hand zum Schlage. „Baler, was tust du?" Hübe fiel ihm in den Arm. „Sie scheinen im Augenblick der Erregung vergessen zu haben, Herr Krause, was ich Ihnen auf Ihren Brief geantwortet habe. Sollten Sie trotzdem noch beabsichtigen, Ihre Drohung wahrzumachen, ich stehe Ihnen zur Beifügung. Vergessen Sie aber nicht, daß ich zur Notwehr gezwungen bin, und daß Sie den Platz dann kampfunfähig verlassen werden." Damit senkte Balthasar Bubke die rechte Hand langsam und bedeutungsvoll in die Tasche seines Ueberrocks, wo er seinen imaginären Sc-chsschießer aufbewahrte. Die selbstsichere Art Balthasars, zu sprechen und zu handeln, machte auf fernen Gegner einen tiefen Eindruck. „Sie wollen schießen?" fragte er unsicher. „Gewiß, sobald es die Umstände erfordern, und nicht nur einmal!" Da aber war es um Hildes Ruhe und Selbstbeherrschung geschehen. „Nicht schießen, nicht schießen!" schrie sie und schlang beide Änne seft um Balthasar, „es ist ja mein Vater, schieß nicht!" Balthasar Bubke brachte diese Umklammerung doppelten Borteil, erstlich konnte er nicht in